{"numero_id": "bm-bmtnabi-1858-10-30-01", "volume": "bmtnabi_1858-10-30_01", "ocr_sha256": "7d69cf6187509d37f4c52bf5e9168aecc5ffdfcfa8161bfef94b4e532f0e6c53", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1858/10/30_01/bmtnabi_1858-10-30_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581030-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1858-10-30-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-10-30_01#c001", "volume": "bmtnabi_1858-10-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "345", "page_fin": "345", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581030-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "345", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581030-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 458, "texte": "Inhalt.\nNeue Texte zu alten Opern. Johann Georg Mettenleiter (Nekrolog). Von A. BeurtheHungen : Sechs\nLieder für gemischten Chor von Johannes Heuchemer. Op. 8. Von N....... Erstes Gesellschafts-Conccrt im grossen Gürzenichsaale.\nTages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Gastspiel von Fräul. Auguste Brenken, Gebrüder Leopold und Gerhard Brassin Crefeld,\nConcert von Frau Clara Schumann Barmen, Herr R. Ibach Weimar, Opern-Saison Wien, F. Schubert's Gedenktafel)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-10-30-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-10-30_01#c002", "volume": "bmtnabi_1858-10-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "345", "page_fin": "346", "image_debut": 1, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581030-01.2.2", "titre_corps": "Neue Texte zu alten Opern.", "titre_sommaire": "Neue Texte zu alten Opern.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "345", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581030-01.1.1", "debut_caractere": 460, "fin_caractere_exclue": 4211, "texte": "Neue Texte zu alten Opern.\nEs ist nicht zu läugnen, dass in der reichen Schatz-\nkammer von Vocal-Compositionen deutscher Meister viele\nKleinodien liegen, deren Glanz nur desshalb nicht mehr\nN leuchtet, weil die Folie des Textes, auf welchen sie gear-\nbeitet sind, durch die Länge der Zeit unscheinbar gewor-\nden ist. Es ist dies besonders bei den Kirchenstücken\nevangelischer Componisten der Fall, die im letzten und\nvorletzten Jahrhundert schrieben. Die Sprache ihrer Zeit\nist im Allgemeinen gar zu veraltet; so schöne Ausnahmen\nauch mehrere Kirchenlieder darbieten, so ist doch die\nsteif rhetorische Poesie der meisten Cantaten jener Zeit\nfür uns ungeniessbar geworden, ja, in manchen musica-\nlisch vortrefflichen, z. B. von Bach, macht ausserdem die\npietistische Verwirrung des Uebersinnlichen mit dem Sinn-\nlichen die Einübung derselben in Gesang-Vereinen gera-\ndezu unmöglich. In solchen Fällen sind wir sehr dafür,\ndass neue Texte untergelegt werden, die dem religiösen\nGeiste der Composition einen angemessenen sprachlichen\nAusdruck verleihen. Geschickte Arbeiten der Art würden\nviel zur Wiederaufnahme und Verbreitung der alten Kir-\nchenstücke beitragen.\nEtwas Anderes ist es bei Werken der dramatischen\nMusik. Ich möchte Mozart's „Entführung aus dem Serail\"\nund seine „Zauberflöte\" nicht mit modernisirten Texten\nhören; die ursprünglichen sind so sehr mit der Musik ver-\nwachsen, und Beides zusammen hat sich so in das Volk\nhineingelebt, dass eine Aenderung, die über die Vertilgung\nvon wirklichen Sprach-Unrichtigkeiten hinaus ginge, kaum\nangemessen sein und am Ende die Musik mehr beinträch-\ntigen als zu besserer Geltung bringen dürfte. Wenn z. B.\nder Sprecher in der Zauberllöte in den Worten:\nO, legte doch Sarastro dir\nDie Absicht seiner Handlung für —-\ndas für in vor oder dar ändert, auf welches letztere sich\ndann im Folgenden klar und Barbar sogar reimen, so\nist das in der Ordnung. Aber die Melodieen von „Bei\nMännern, welche Liebe fühlen\", oder „In diesen heil'gen\nHallen\" u. a. m. möchten wir um keinen Preis auf einem\nanderen Texte hören, wiewohl der Schikaneder'sche kei-\n• 7\nneswegs ein Muster von Poesie ist.\nEinen Unterschied macht es hierbei allerdings, ob der\ndeutsche Text einer alten Oper ursprünglich deutsch, oder\nob er aus dem Italiänischen übersetzt ist, wie z. B. in\nMozart's Don Juan, Figaro's Hochzeit und Cosl fan tutte.\nHier finden wir es natürlicher, dass man auf neue Bear-\nbeitungen verfällt: es kommt nur darauf an, nach welchem\nGrundsatze sie gefertigt werden müssen.\nZunächst liegt uns ein Büchlein vor mit dem Titel :\n„Don Juan, komisch-tragische Oper in zwei Acten von\nW. A. Mozart. Aus dem Italiänischen ins Deutsche über-\ntragen, nebst Bemerkungen über eine angemessene Büh-\nnen-Darstellung. Von Dr. W. Viol. Breslau, Verlag von\nF. E. G. Leuckart. 1858.\" Kl. 8.\nHerr Dr. Viol hat gewiss den besten Willen bei Her-\nausgabe dieses Schriftchens gehabt. Schon desswegen ver-\ndient es eine freundliche Aufnahme, wenn wir auch mit\nmanchem, was darin vorkommt, nicht übereinstimmen\nkönnen.\nWas die Aeusserung betrifft, dass die Oper Don Juan\n„noch niemals in der organischen Gliederung und Gestal-\ntung vorgeführt worden sei, die ihr Mozart gegeben\"\ndass sie „selbst auf den bedeutendsten Bühnen nach wie\nvor in unvollkommener, mehr oder minder zerrissener und\nwillkürlich zugestutzter Gestalt erscheine\" so geht es\nHerrn Viol hier wie allen Enthusiasten für ein bestimmtes\nWerk oder einen bestimmten Componisten der Vorzeit: er\nübertreibt die Pietät. Zu welchen grillenhaften Behaup-\ntungen eine solche Uebertreibung führen kann, zeigt die\nAeusserung eines berühmten Schriftstellers bei Gelegenheit\neiner Besprechung zweier Oratorien von Händel in diesen\nBlättern, nach welcher der ehrenwerthe Forscher über"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "346", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581030-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4015, "texte": "Shakespeare und Händel in Bezug auf die Werke des\nletzteren lieber den Verlust der Chöre als der Arien er-\ntragen würde.\nWas zunächst die Aufführungen des Don Juan in zer-\nrissener Gestalt u. s. w. auf den bedeutendsten Bühnen\nbetrifft, so können wir dem Herrn Verfasser versichern,\ndass während einer ganzen Reihe von Jahren diese Oper\nauf der königlichen Bühne zu Berlin mit den Damen Schulz,\nMilder-Hauptmann, Seidler, den Herren Blume, Wauer\nu. s. w. vortrefflich und in so abgerundeter Gestalt und\nprachtvoller Inscenesetzung gegeben worden ist, dass Mo-\nzart trotz der tüchtigen Italiäner seiner Zeit die grösste\nFreude daran gehabt haben würde. Aber auch auf vielen\nanderen Hoftheatern und selbst den grösseren Provincial-\nbühnen in Deutschland haben wir den Don Juan ganz gut\ngesehen und durch diese oder jene Auslassung der einge-\nlegten Arien wahrhaftig keine Zerstörung der „organi-\nschen Gliederung\" des Drama's bemerkt.\nWir haben schon öfter Veranlassung gefunden, seit-\ndem ästhetisch gebildete Musik-Dilettanten über Oratorien\nund Opern schreiben, gegen die Ansichten derselben über\nverletzte Einheit, verstümmelten Leib, zerrissene Gliede-\nrung, und wie die Mode-Ausdrücke alle heissen mögen,\nuns auszusprechen und nachzuweisen, dass diese Schrift-\nsteller den Organismus eines musicalischen Werkes in der\nRegel nur in dem Text suchen, und dass sie aus Respect\nvor dem Alterthum aus dem Zusammenhange der Hand-\nlung oder Erzählung einen ästhetischen Kitt bereiten, der\nsämmtliche Musikstücke so an einander fügt, dass keines\nwegfallen könne, ohne dass der symmetrische Bau des\nGanzen zusammenstürze. Da soll denn kein Stück, kein\nTact, keine Note durch andere Absichten hinein gekom-\nmen sein, als durch den Gedanken an die epische oder\ndramatische Einheit. An äussere Veranlassungen, an mu-\nsicalische Gründe für diese oder jene Gestaltung, diese\noder jene Einschiebung oder Weglassung u. s. w. denken\ndiese Herren Kritiker nicht, weil sie niemals compo-\nnirt oder auch nur den Versuch dazu gemacht haben, ge-\nschweige denn, dass sie mit den ausführenden Künst-\nlern und Künstlerinnen umgegangen sind, folglich keine\nAhnung von dem Einflüsse haben, den nicht etwa die Lau-\nnen, sondern die eigentümlichen Eigenschaften und Be-\ngabungen derselben auf den Componisten und seine Ton-\nschöpfung haben.\nDie Selbsterhebung der Literaten-Kritik über die\neigentlich musicalische bei Besprechung von Werken der\nTonkunst erzeugt in unseren Tagen solche Träume. Auch\ndie wiederholten Anklagen über verletzte Declamation\nfliessen aus derselben Quelle, und doch lässt sich fast kein\nLied, wenn es eine wahrhafte Melodie bekommen soll, in\njeder Sylbe so metrisch und declamatorisch componiren,\nwie der sprachliche Vortrag es verlangt—trotz Wagner\nund Louis Köhler. Carl Maria von Weber antwortete ein-\nmal auf einen derartigen Vorwurf: „Ich weiss sehr wohl,\nwas richtig declamiren heisst; aber wenn einem ein musi-\ncalischer Gedanke einfällt, der vielleicht ewig lebt, dann\nhol' der Teufel die Declamation!\"\nIn Bezug auf Händel's Oratorien haben wir lange vor\nErscheinung von F. Chrvsander's Werk nachgewiesen, wie\nschwaeh es um die gepriesene poetische Einheit in so\nmanchen von seinen Oratorien stehe, wie Arien aus Opern\nin die Oratorien geschoben worden u. s. w.; die neueren\nForschungen haben das vollständig bestätigt.\nEben so erklären wir uns gegen die Behauptung, dass\ndurch Weglassung einer oder der anderen Arie, nament-\nlich der später eingelegten, dem Don Juan „einzelne\nStücke frevelhaft vom Leibe gerissen, und der meisterhafte\nBau so zerrüttet werde, dass das Werk auch nicht ein-\nmal annäherungsweise dem Geiste des Compo-\nnisten entspricht\" (S. 4).\nSo äussert sich der Verfasser in Beziehung auf die\nvier Einlagen, von denen drei notorisch später hinzu-\ncomponirt sind, und fühlt den ungeheuren Widerspruch\nmit sich selbst nicht, wenn er (S. 20) den grössten Theil\ndes ursprünglich von Mozart als integrirenden Schluss\nder Oper componirten Sextetts selbst ebenfalls wegstreicht!\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-10-30-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-10-30_01#c003", "volume": "bmtnabi_1858-10-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "346", "page_fin": "348", "image_debut": 2, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581030-01.2.3", "titre_corps": "Johann Georg Mettenleiter.", "titre_sommaire": "Johann Georg Mettenleiter.", "signature_source": "Die Redaction", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "346", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581030-01.1.2", "debut_caractere": 4017, "fin_caractere_exclue": 5051, "texte": "Johann Georg Mettenleiter.\n(Nekrolog.)\n\nDie Tonkunst, insbesondere die Kirchenmusik, hat\ndurch den Tod des Chorregenten an der alten Capelle zu\nRegensburg, J. G. Mettenleiter, der am 6. October in dem\nbesten Mannesaller von seinem erfolgreichen Wirken auf\nErden abberufen wurde, einen herben Verlust erlitten.\nJohann Georg Mettenleiter war der Sohn eines\narmen Schullehrers zu St. Ulrich im Leonthal (Königreich\nWürtemberg) und wurde daselbst am 6. April 1812 ge-\nboren. Von seinem Vater zum Schulfache bestimmt und\nin aller Gottesfurcht erzogen, hatte er das Glück, bereits\nim Frühjahre 1824 zu Wallerstein unter der Oberleitung\nseines Onkels, des fürstlich Wallerstein'schen Secretärs und\nChorregenten, in den deutschen Lehrgegenständen und der\npraktischen Musik sich zu üben, mittels Privat-Unterrichts\nin den Elementen der lateinischen und französischen Spra-\nche sich zu begründen, auch in der Zeichenkunst, so wie\nim fürstlich Wallerstein'schen lithographischen Institut,\ndessen Vorstand sein Onkel war, vortrefflich sich auszu-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "347", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581030-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5124, "texte": "bilden. Von einer heftigen, sein Leben bedrohenden Krank-\nheit genesen, componirte er aus inniger Dankbarkeit gegen\nGott im Frühjahr 1833 die ersten zehn Text-Strophen\nder Sequenz „Stabat materu für Gesang und Instrumente.\nAls Staatsbürger Baierns aufgenommen, verfolgte er bis\n5. Februar 1837 im Schullehrer-Seminar zu Bamberg\nseine fernere Ausbildung mit vorzüglichem Fleisse.\nDes jungen Mannes Verdienste erkennend, ernannte\nihn der Fürst Johann Aloys von Oettingen-Spielberg un-\nterm 20. Februar 1837 zum Chorregenten an der katho-\nlischen Stadt-Pfarrkirche bei St. Sebastian zu Oellingen.\nDiese Stellung ermöglichte Mettenleiter, einen eigenen\nHeerd zu gründen dadurch, dass er sich daselbst am 15.\nMai 1838 verehelichte. Am 6. October 1839 ernannte\nihn das Hochw. Collegiatstifts-Capitel U. L. Frau zur alten\nCapelle in Regensburg zum Choralisten und Organisten an\ngenannter Collegiatstifts-Kirche, und in dieser neuen Le-\nbens-Sphäre war es sein eifrigstes Bestreben, neben ge-\ntreuer Erfüllung seiner Berufspflichten seinem angebore-\nnen inneren Triebe, sich in das Verständniss der alten Kir-\nchenmusik vollkommen einzuweihen, gründlich Rechnung\nzu tragen.\nDer freundschaftliche Umgang, mit welchem Dr. Karl\nProske der zu gleicher Zeit Senior bei dem Collegiat-\nstifte war während seines ganzen Aufenthaltes zu Re-\ngensburg ihn bsehrte und beglückte, war für ihn und sein\nWirken von der höchsten Bedeutung; denn an der Hand\ndieses grossen Musikgelehrten entwickelte sich Mettenleiter\nals grosser Meister in contrapunktischer Kirchenmusik\nund ganz besonderer Kenner des Gregorianischen Gesan-\nges in seiner ganzen Ausdehnung unerreicht und uner-\nsetzbar in Deutschland.\nMettenleiter's Verdienst ist es, dass trotz vieler und\nmannigfacher Hindernisse, die zu überwinden ihm grosse\nMühe und Anstrengung verursachten, die Schätze der\ngrossen alten Tongebilde in der neueren Zeit wieder zur\nGeltung kamen, was nimmermehr geschehen wäre, wenn\nnicht unser Meister, dieser gründlichste Forscher auf dem\nGebiete der alten reinen Kirchenmusik, sich so zu sagen\nin sie hinein gelebt und mit Energie und rücksichtsloser\nEntschiedenheit seine Ueberzeugung durchzusetzen den\nMuth gehabt hätte; desshalb wurde er auch vielseitig von\nden grössten Kunst- und Musik-Gelehrten der Gegenwart\nmit Ächtung und Auszeichnung behandelt und zur Aus-\ndauer in seinem schönen Streben angefeuert.\nNeben dieser Neigung zur alten Musik war er jedoch\nder weltlichen Musik nicht abhold und versuchte sich in\nallen Zweigen durch Compositionen auf diesem Felde bis\nzur Symphonie für volles Orchester, ja, er opferte wochen-,\nja, mondenlang seine so kostbare Zeit und alle seine Ruhe-\nstunden, um nach Besiegung von stets sich mehrenden\nHindernissen seit Jahren classische Oratorien unserer gröss-\nten Meister, wie: Das Älexanderfest von Händel, Da-\nvidde penitente von Mozart, Elias von Mendelssohn,\nMessias von Händel, Die Makkabäer von Händel,\nPaulus von Mendelssohn, Die Schöpfung von Haydn,\nDas Weltgericht von Schneider, Die Jahreszeiten\nvon Haydn dem kunstliebenden Publicum Regensburgs\nund Umgegend in meisterhafter Vollendung, wie in keiner\nanderen Stadt des Königreichs Baiern, vorzuführen, dabei\nso uneigennützig verfahrend, dass oft neben materiellem\nVerluste —nur der freudige Dank der lauschenden Zuhö-\nrer für so ausgezeichnet gewürzte Stunden sein Lohn war.\nSolche Anstrengungen konnte sein starker Geist nicht\nbewältigen, ohne seinen Körper zu schwächen, und so fin-\nden wir ihn im Frühjahr 1851 wieder an einer lebens-\ngefährlichen Krankheit darniederliegen. Der liebe Gott hatte\nmit seiner Familie und ihm Erbarmen und schenkte ihm\nwiederholt das Leben, wofür er aus Dankbarkeit den\nPsalm 14 (für fünf Männerstimmen) componirte, welcher\nbeim passauer Sängerfeste seine erste Aufführung fand und\nbei B. Schott's Söhnen in Mainz gedruckt wurde. Vier\nJahre früher componirte er für das Sängerfest zu Regens-\nburg den Psalm 95 für sechs Männerstimmen, gedruckt\nbei Fricdr. Pustet in Regensburg.\nDer Bischof Valentin von Regensburg liess die Be-\ndeutung der ursprünglich katholischen reinen Gesangs-Li-\nturgie nicht unbeachtet und beauftragte Mettenleiter, ein\nalle Bedürfnisse und Zwecke des Kirchenjahres erschöpfen-\ndes liturgisches Gesangbuch zu verfassen. Es erschien un-\nter dem Titel:\nEnchiridion Choräle,\nCantionum Uturgicarum juxtci Uttum S. R. Ecele-\nsiae per totius anni circulum praeseriptarum. Re-\ndegit ac comitante Organo edidit J. G. Mettenlei-\nter.Jus-.sn et Approbatione\nrendissimi Valentini,\nRatisbonae, Typis et C\nWelche Mühe und Anstrengung dieses Werk erfor-\nderte, wird nur der ermessen können, welcher sich einiger\nMaassen mit dem Studium der Quellen, aus welchen Met-\ntenleiter geschöpft, bekannt machen kann, und auch den\ngründlichen Vorbericht in dem dazu gehörigen Orgel-\nbuche, der nicht weniger denn 48 Folio-Seiten umfasst,\nund von dem bis jetzt leider bloss das\npore erschien, in den Bereich seines Studiums ziehen wird.\nAls gedrängtere Zusammenstellung der zum Kirchen-\ngesange verwendbarsten Melodieen und einer Reihe von\nO o\nFest-Hymnen, Litaneien, Lobgesängen, Antiphonen und\nGebeten erschien: Manuale"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "348", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581030-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4430, "texte": "cum Liturgicarum jaxta Ritum Sanctae Rom. Ecclesiae\netc. 1852. Ratisbonae,Typis\nPustet:\nAls im September vorigen Jahres die zweite General-\nVersammlung des christlichen Kunst-Vereins für Deutsch-\nland in Regensburg tagte, wo auch über Poesie und Ton-\nkunst discutirt wurde, jedoch eine Meinungs-Verschieden-\nheit über die zu setzende Glänze des Uebergangs zur älte-\nren Kirchenmusik obwaltete, musste den hieher gekomme-\nnen Gästen auch Gelegenheit gegeben werden, ausser den\nbei dem täglichen Gottesdienste zur Ausführung kommen-\nden Tonwerken in einer eigenen Gesangs-Production die\nkirchliche Tonkunst in ihren verschiedenen älteren Schö-\npfungen kennen zu lernen. Zu diesem Behule wurden un-\nter der Direction Mettenleiter's vierzehn Piecen*) vorgetra-\ngen, deren höchst gelungene Ausführung ganz geeignet\nsein musste, in Allen die Ueberzeugung zu begründen,\ndass auch die besten anderen Tonwerke weder an Tiefe\ndes Verständnisses liturgischer Texte, noch an Kunst und\nReichthum der Darstellung mit jenen zu wetteifern im\nStande seien; dass ferner eine wahre Abhülfe all der durch\ndie neuere Musik in den Kirchen eingedrungenen Uebel-\nstände nur durch die Rückkehr zu diesen älteren, wahr-\nhaft kirchlichen Tonwerken könne erreicht werden.\nWelch ein Triumph der Anerkennung Mettenleiter\nhiedurch sowohl, als auch durch die von Herrn Pfarrer\nStein aus Köln über diesen Gegenstand sich weiter ver-\nbreitende Rede geworden, braucht hier nicht erörtert zu\nwerden; leider war es gleichsam nur ein letztes Aufflackern\nseines Ruhmes inmitten so mancher Unbilden, die der im\nFeuerofen der Trübsal geläuterte Mann seines so schönen\nStrebens wegen selbst von Seiten her, wo man es am\nallerwenigsten vermuthete zu erdulden hatte.\nNoch wurde ihm die Ehre zu Theil, vom Hochwür-\ndigsten Herrn Bischof Heinrich von Passau im Mai 1. J.\nwegen der Einführung des römischen Chorals zu Rathe\nO O\ngezogen zu werden, nachdem schon in früheren Jahren\ndurch den Hochwürdigsten Herrn Bischof von Münster ein\nPriester für den gleichen Zweck zu einem halbjährigen\nAufenthalte hieher beordert worden. Bei seiner Rückkunft\nvon Passau stellten sich die ersten Symptome seiner Krank-\nheit ein. Der Gebrauch des Bades zu Reichenhall, so wie\netwas später des Bades Kehlberg bei Passau konnten dem\nUmsichgreifen des Krankheitsstoffes nicht mehr Einhalt\nthun, und dieses nur zu gut selbst fühlend, und von der\nSehnsucht getrieben, wenigstens im Kreise seiner ihm so\ntheuren Familie dem lieben Gott'das Opfer seines Lebens\nbringen zu können, kam er, nach zweimonatlicher Abwe-\nsenheit, beinahe schon ganz zusammengebrochen wieder\nhieher. Die sich allgemein für ihn kund gebende Theil-\nnahme, noch mehr aber der Aufenthalt bei seinen Lieben,\nschienen ihn neu aufzurichten; auch war ihm eine Einla-\ndung nach Köln zugekommen. Doch der Huf nach oben\n—in die ewige Heimat—war zu vernehmbar in sein Ohr\ngedrungen, als dass der Kranke sich noch Hoffnung machte,\nihr je entsprechen zu können, und so ging der fromme\nDulder, ergeben in Gottes heiligen Willen, die grössten\nSchmerzen mit heroischem Stillschweigen ertragend, sei-\nnem Ende entgegen. Getröstet und gestärkt durch die Ver-\neinigung mit seinem Heilande, lief beweint von seiner\ntrostlosen Gattin und seinen sechs zum Theil unmündigen\nKindern, betrauert und beklagt von allen, die ihn näher\nkannten und verstanden, endete er seine irdische, dornen-\nvolle Laufbahn in seinem 47. Lebensjahre am 6. d. Mts.\nDie zahlreiche Theilnahme an seinem Leichenbegäng-\nnisse aus allen Schichten der Bevölkerung Regensburgs\nwar Zeuge wahren Mitgefühls um den viel zu früh Ver-\newigten. Zu den liturgischen Gesängen bei den Leichen-\nCeremonien und während des Seelenamtes in der Stifts-\nkirche waren fast nur Compositionen des Verewigten ge-\nwählt worden. Herr Dr. Karl Proske schilderte in einer\nbegeisterten Rede die Verdienste des Verstorbenen. Auch\nder „Liederkranz\" widmete ihm eine Todtenfeier mit um-\nflorten Fahnen und bei Fackelschein: er sang das Lied\n„Glaube\" von Reissiger, den Psalm 14, von Mettenleiter\nfür fünf Männerstimmen componirt, und legte einen Lor-\nberkranz auf sein Grab nieder.\nRegensburg, 14. October 1858. A.\nAuch wir betrauern in dem Dahingeschiedenen in nä-\nherer Beziehung einen Mitarbeiter an der Niederrheini-\nschen Musik-Zeitung, der uns in den letzten Jahren durch\nschätzbare Beiträge unterstützte.\n*) Diese Piecen waren zumeist aus Dr. C. Proske's Musica Di-\nvina genommen.\n\nDie Redaction."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-10-30-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-10-30_01#c004", "volume": "bmtnabi_1858-10-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "348", "page_fin": "349", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581030-01.2.4", "titre_corps": "Beurtheilungen.", "titre_sommaire": "Beurtheilungen.", "signature_source": "N", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "348", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581030-01.1.4", "debut_caractere": 4432, "fin_caractere_exclue": 5020, "texte": "Beurtheilungen.\n\nSechs Lieder für gemischten Chor von Johannes\nHeuchemer, Op. 8,\nbekunden wieder das bedeutende Talent des leider zu früh\nverstorbenen Künstlers. Dieselbe Frische, dabei Tiefe und\nGefühls-Innigkeit, welche seine Lieder Op. 4 (vergl. Nr.\n7 dieses Blattes) auszeichnen, durchweht auch diese Com-\npositionen, die wir allen musicalischen Vereinen und den\nDilettantenkreisen, in denen gemischter Chorgesang mit\nLiebe und Lust an gediegener Musik betrieben wird, aufs\nwärmste empfehlen. Besonders gelungen ist ein Quartett\nim Volkstöne: „Auf dieser Welt hab' ich kein' Freud'\" j"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "349", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581030-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1555, "texte": "es ist so einfach und ergreifend, wie nur irgend ein echtes\ndeutsches Volkslied sein kann. Diese Gattung war über-\nhaupt Heuchemer's starke Seite; er liebte das Volkslied,\ndaher denn auch das andere im vorliegenden Heftchen\nenthaltene Quartett über einen Volkslieder-Text: „Kein\nFeuer, keine Kohle\", zu den besten zählt. In anderer Art\nausgezeichnet durch seine breite, gehaltene Stimmung und\ndie Mächtigkeit der Empfindung ist Nr. 2: „Nun schweigt\ndie Höh'\", ein wunderbares Lied. Uie übrigen drei Quar-\ntette sind heiter, zart und freundlich; vorzüglich hübsch\n„Die Schwalben\", ein allerliebster Doppel-Canon voll Fri-\nsche und Leben. Es trifft, wie bei den meisten echten, ge-\ndiegenen Compositionen, auch bei diesen zu, dass sie sich\ndurch Einfachheit, Klarheit und daher leichte Ausführbar-\nkeit empfehlen, und alle die, welche sie singen, werden\ngrosse Freude und dauernden Genuss daran haben.\nWir machen noch auf einen\nTrauermarsch zu vier Händen, Op. 5, und\nSechs Ciavierstücke für die Jugend, Op. 7,\nbeide Werke von demselben Componisten und bei Rieter-\nBiedermann erschienen, aufmerksam. Der Trauermarsch\nist ein sehr schönes, ernstes Musikstück, er ist den Herren\nClavierlehrern als eine dankbare Composition, an welcher\nvorgerückte Schüler in Hinsicht auf Eintheilung und\nRhythmik etwas Tüchtiges lernen und zugleich sich er-\nfreuen werden, anzuempfehlen. Auch die Ciavierstücke\nwerden den Herren Lehrern eine erfreuliche Gabe sein.\nSie sind nicht schwer, instruetiv und anmuthig; recht\nneckisch und originel ist Nr. 2, Capriccietto.\n\nN......."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-10-30-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-10-30_01#c005", "volume": "bmtnabi_1858-10-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "349", "page_fin": "350", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581030-01.2.5", "titre_corps": "Erstes Gesellschafts-Concert in Köln im Hauptsaale des Gürzenich.", "titre_sommaire": "Erstes Gesellschafts-Concert in Köln im Hauptsaale des Gürzenich.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "349", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581030-01.1.5", "debut_caractere": 1557, "fin_caractere_exclue": 6132, "texte": "Erstes Gesellschafts-Concert in Köln\nim Hauptsaale des Gürzenich.\nDinstag, den 19. October 1858.\nProgramm. Erster Theil: 1. Sinfonie Nr. VIII, von L. van\nBeethoven. 2. Concert in D-moll für Pianoforte und Orchester\nvon W. A. Mozart, gespielt von Frau Gl. Schumann. 3. Fi-\nnale aus der Oper Lorelei von F. M en d el s so h n-Barth oldy.\nDie Solo-Partie gesungen von Fräulein Auguste Brenken.\nZweiter Theil: 4. Capriccio für Pianoforte allein. Von F. Men-\ndelssohn (Frau Schumann). 5. Sopran-Arie: „Wehe mir!\" aus\nHans Heiling von H Marschner (Fräulein Brenken). 6. Phan-\ntasie für Pianoforte, Orchester, Solostimmen und Chor von L. van\nBeethoven. Op. 80. (Die Ciavierstimme gespielt von Frau Schumann.)\nDie Sinfonie wurde sehr präcis und mit derjenigen Abwechslung\nvon Anmuth und Kraft ausgeführt, welche dieses originelle Werk\nverlangt. Der Wechsel des Charakters der Musik ist in der That in\ndiesem 93. Werke Beethoven's oft so schroff, dass er die Erwartun-\ngen nach zwei Seiten hin täuscht. Einfache, liebliche Motive führen\nuns xu den blühenden Fluren Haydn's und Mozart's zurück, und\nauf einmal reisst der Vorhang, auf dem die freundliche Landschaft\ngemalt ist, entzwei, und ein echtes Beethoven-Gesicht schaut durch\nden Riss und blickt uns so barsch mit gerunzelter Stirn und zusarn-\nmengepressten Lippen an, dass wir nicht wissen, ob er uns zum Be-\nsten haben will, oder ob ihm eben eingefallen, dass er der grosse\nBeethoven ist, für den sich solche Niedlichkeiten nicht schicken.\nMan denke z. B. nur an die Durchführung im zweiten Theile\ndes ersten Allegro, wo der Componist mit einem Stückchen des\nThema's wie der Kater mit der Maus spielt, bis er das ganze\nThema durch die Bässe im Fortissimo wieder in seine Rechte auf\nso grossartige Weise einsetzt, dass das zarte Kind selber erstaunt,\ndass es zu solch einem Riesen angewachsen ist, der majestätisch\ndurch die brennende Sonnengluth des hohen und höchsten n der\nViolinen daherschreitet ein Effect, den Beethoven nicht vergeb-\nlich für seine Nachfolger bis auf Meyerbeer und Wagner zuerst\nangebracht hat. Und im Finale gleich von vorn herein, was ist das\nfurchtbare Cis Anderes, als das grimmige Antlitz des Beherrschers\nder Geister, der ihnen mit seinem Quos cgo droht?\nEin anderes Mal lässt er die anmuthigste Naivetät sich auf die\nreizendste Weise aussprechen, wie im Allegretto scherzando; aber\nplötzlich wird ihm die Originalität zuwider, und er verspottet sie\ndurch einen Schluss: gfa L, gfa b, wie ihn die italiänischen\n—im s nicht trivialer in tausend Arien angebracht haben.\nHören wir dann wieder statt des Beethoven'schen Scherzo's, also\nstatt einer jener unsterblichen Schöpfungen, die seine Sinfonieen bei-\nnahe am meisten als originel charakterisiren, hier ein Tempo di Me-\nnuetlo im ruhigsten Verlauf mit einem fast sentimentalen Trio in\nallereinfachster Instrumentation, so sehen wir uns einander an, das\nStück gefällt uns gerade nicht übel, aber wir fragen uns erstaunt:\nWie kommt Beethoven dazu, im Jahre 1814 in sein 93stes Werk\nein Haydn'sches Menuett, wie es kein zweites in seinen Sinfonieen,\nja, in allen seinen Werken gibt, einzusehalten?\nUnd sprudelt unmittelbar darauf der Beethovcn'sche Humor nicht\nin derber, ja, oft greller Weise so plötzlich empor, wie der Strahl\ndes Champagners, von dessen Kerker die eisernen Bande gesprengt\nsind? Und beschwichtigen den munteren Burschen, wenn er anfängt\nsich übermüthig zu geberden und sich unangenehm zu machen (z.\nB. da, wo er mit dem Cis und Des Bäumchen verwechseln spielt),\nnicht die lieblichsten Schmeichelworte irgend eines befreundeten We-\nsens Alles wieder so neu und so echter Beethoven, dass wir da«\nMenuett ganz und gar vergessen?\n✓\nDaher bringt denn auch diese achte Sinfonie in ihrer Proteus -\nGestalt die Ausleger und Dolmetscher der Beethoven'schen Sinfo-\nnieen zur Verzweiflung; denn sie wollen durchaus haben, dass Beet-\nhoven niemals reine Musik und nichts weiter als das geschrieben,\nsondern stets menschheitbeglückende oder weltzerreissende Ideen\ndurch seine Töne habe aussprechen wollen. So kommen sie denn\nauf die wunderlichsten Gedanken. Herr von Lenz nennt sie „die\nBrücke, welche den sinfonistischen Glanz ohne wirkliche Bestimmt-\nheit, aber immer von Lichtstellen der zweiten Manier leuchtend, mit\ndem düsteren Leviathan der neunten Sinfonie verbindet, der das\nandere Ufer bewacht und die Brücke überschreitet, aber um an der\nSchwelle des Unendlichen stehen zu bleiben.\" Andere Horoskop-\nsteller und Sterndeuter der musicalischen Constellationen in Beetho-\nven's Werken aus den Schicksalen seines Lebeng wissen gar nicht,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "350", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581030-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5365, "texte": "wie sie es anfangen sollen, diesen Lichtblick in den Weltschmerz,\nden sie ihm andichten, unterzubringen, und helfen sich dadurch,\ndass sie die achte Sinfonie lieber gänzlich ignoriren. UlibischefF,\nin anderen Capiteln seines „Beethoven\" gar nicht so zu verachten,\nwie es in manchen Blättern geschieht, wittert in dem Allegrelto\nscherzando (wie auch in dem Finale der yl-f/wr-Sinfonie) sogar eine\nIronie, und zwar hier auf die italiänische Musik :\n~Sollte Beethoven nicht zum Spott über Eossini und das Fubli-\ncum, das ihn vergötterte, das Allegretto componirt haben? Es wäre\nauch möglich, dass Beethoven die Formen einer von ihm verachte-\nten Schreibart in einer sittlichen Absicht angewandt habe, die\nmit den wahrscheinlichen Tendenzen seiner dritten Manier überein-\nstimmt. Diese Absicht können wir noch zu erforschen suchen, ohne\nganz und gar in die Willkür der Auslegung zu gerathen, da das\nAllegrello scherzando so klar an Melodie und so bestimmt von Aus-\ndruck ist, wie das Finale der und in diesem Falle\nübersetzt sich der Eindruck der Musik leicht in Bilder und bringt\nuns auf die Spur einer Idee, die sich auf irgend eine Weise damit\nverbinden lässt. So hindert uns auch nichts, dieses Musikstück als\neinen Austausch von sanften Worten, artigen Schmeicheleien, Seuf-\nzern und zarten Ausrufungen zu betrachten, zwischen einem Ver-\nliebten, der eine Eroberung versucht, und einem jungen, zaghaften\nund bescheidenen Mädchen, das sich vertheidigt wohl verstanden\nnur pro forma; denn man glüht von beiden Seiten, der Belagerer\nverfolgt den Sieg mit eben so viel Feuer, als der Belagerte die Nie-\nderlage wünscht. In solchem Falle macht sich die Sache leicht. Es\nÖffnen sich also die angebeteten Lippen zum Ausspruche des Ja,\ndas die beiden SeelenhKlften, die seit Erschaffung der Welt getrennt\nwaren und sich suchten, zu einein von nun an unauflöslichen Gan-\nzen verbinden soll. Und dieses ersehnte letzte Ja, gerechter Him-\nmel! wer sollte es glauben, dieses Ja ist die Bettelcadenz, das ewige\nLied, das elende und allmächtige Metall, mit Einem Worte: das\nGeld, weil man denn doch einmal Namen nennen muss ! Point d'ar-\ngent, point de Suisse! - dürfte also vielleicht das Sprüchwort heis-\nsen, welches der frühere Anbeter der Gräfin \\on Gallenberg ohne\nTextesworte aufführen und gegen ein Geschlecht richten wollte, dem\ner wahrscheinlich auf ewig Lebewohl gesagt hatte. Dass dies Beet-\nhoven's Gedanke gewesen sei, behaupte ich nicht, und wissen kann\nich es vollends nicht; aber davon bin ich vollkommen überzeugt,\ndass eine Composition von Beethoven, die mit dem gemeinsten aller\nGemeinplätze der italiänischen Musik schliesst, nur in ironischem\n«\nSinne genommen werden kann.\" (!)\nDoch kehren wir zu unserem Concerte zurück; über die achte\nSinfonie von Beethoven werden wir Gelegenheit finden, uns ausführ-\nlicher auszusprechen.\nNach langer Zeit hörten wir Frau Schumann einmal wieder.\nDass die geniale Künstlerin uns auch jetzt wieder durch ihr mei-\nsterhaftes Spiel zur Bewunderung hinreissen würde, sahen wir vor-\naus; allein ausserdem wurde uns wir gestehen es offen eine\nfreudige Ueberraschung durch die Gemessenheit, die edle Ruhe, das\nsichere Einhalten des richtigen, nirgends übertriebenen Zeitmaasses\nzu Theil, mit welchen sie das D-rnoll-Concert von Mozart vortrug.\nWenn die Ausführung des Mendelssohn'ischen Capriccio durch voll-\nendete Technik und geistvolle Behandlung eine höchst anmuthig\nbrillante Virtuosenleistung war, so zeigte die edle und abgerundete\nWiedergabe des Mozart'schen Concertes, dass die Künstlerin auch\neine Priesterin der classischcn Tonkunst sei. Im Allgemeinen hat\njedoch der Clavierspieler in dem grossen Gürzenichsaale einen schwe-\nren Stand Der Erard'sche Concertfliigel aus dem Magazin von J. M.\nHeimann hierselbst ist gewiss ein vortreffliches Instrument; dennoch\ngehört eine grosse Kraft und eine Berechnung der Stärke des An-\nschlags nach den Raumverhältnissen dazu, um seinen Ton überall\nim Saale zur Geltung zu bringen. Auch die Aufstellung desselben\nist unvortheilhaft; es fehlt der Orchesterbühne ein breiter, geräumi-\nger Vorsprung, auf welchem der Flügel und die Vocal- und Instru-\nmental-Solisten eine freie und leicht zu erhöhende Stellung finden\nkönnten. Jetzt hat man kaum für Einen Flügel Platz, geschweige\ndenn für zwei oder gar drei zu Doppel- oder Triple-Concerten. Es\nhat bei dem Bau nicht an Rathschlägen in dieser Beziehung ge-\nfehlt, allein sie sind nicht beachtet worden.\nDas Finale der Lorelei von Mendelssohn zeigte den kölnischen\nChor wieder in seinem vollen Glänze. Für den Chor kann man sich\nkein günstigeres Local denken, als den grossen Saal im Gürzenich;\nes reicht nichts an die Pracht des Gesammttones, den die wunder-\nbare Reinheit, Frische und Stärke des Soprans dominirt. Fräulein\nAuguste Brenken sang die Solo-Partie. Ihre schöne, volle Stimme\nbietet ihr ein vortreffliches Material zur schwungvollen Ausführung\ndramatischer Partieen; die junge Sängerin zeigte durch den Vortrag\nder Lorelei und der Arie der Anna: ~Wch mir!\" aus der Oper\nHans Heiling von Marschner, dass ihr Ausdruck an Wärme und\nWahrheit ausserordentlich gewonnen hat.\nBeetlioven's Phantasie Op. 80 beschloss das Concert und machte\neinen Eindruck auf das Publicum, welcher lebhaften Applaus her-\nvorrief, der zugleich als Zeichen der Befriedigung mit dem ganzen\nConcerte, das die Saison eröffnet hatte, gelten konnte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-10-30-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-10-30_01#c006", "volume": "bmtnabi_1858-10-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "350", "page_fin": "352", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581030-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "350", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581030-01.1.6", "debut_caractere": 5367, "fin_caractere_exclue": 7103, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMolsi. Fräulein Au gu s t e Brenken ist auf dem Stadttheater\nin drei Rollen aufgetreten, die ihr den ungetheilten Beifall des Pu-\nblicums erworben haben. Sie hat die Agathe im Freischütz, die Leo-\nnore in Stradella und die Amine in der Nachtwandlerin gegeben ; in\njeder Vorstellung wurde ihr lebhafter Applaus und wiederholter Her-\nvorruf zu Theil. Ihre Darstellung der Agathe war bezaubernd durch\nden reinen frischen Jugendklang der Stimme und die ungekünstelte,\nnatürliche Innigkeit und Wärme des Ausdrucks. Es wehte über ih-\nrem Gesänge ein Duft der Anmuth und Unschuld, der gerade in\ndieser Partie so sehr wohlthuend ist und so oft schmerzlich vermisst\nwird. Im Spiel tritt allerdings die Befangenheit der Anfängerin auf\nder Bühne noch hervor: allein in der Agathe und auch in der Nacht-\nwandlerin war diese Einfachheit der Bewegung und Gesticulation\ndurchaus nicht störend, sondern sie verlieh der Darstellung sogar\nmehr Wahrheit, wenn auch freilich diese weniger das Resultat einer\nkünstlerischen Auffassung, als der Natur war. In der Nachtwandle-\nrin zeigte die junge Sängerin die gleichen Vorzüge der Stimme und\ndes Vortrags besonders in den dramatischen Scenen; die Coloratur\nbedarf noch der Abrundung bis zu jenem Glänze, den die italiäni-\nschen Virtuosen-Passagen verlangen. Die Vorstellung der Oper Stra-\ndella war auch in Hinsicht auf das Ensemble eine sehr gelungene,\nweil trefflich besetzt. Herr Zell mann sang den Stradella (wie\nauch den Elvino in der Sonnambula) vorzüglich gut, und die beiden\nBanditen (Herren Hoffmann und Ahlfeldt) wraren ausgezeichnet. Wenn\nes Herrn Zellmann gelingt, in seinen Ton durchweg die edle\nFarbe zu legen, die er ihm in den sanften lyrischen Stellen bereits"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "351", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581030-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7566, "texte": "EU geben versteht, so wird er sich auch bei den strengeren Kunst-\nrichtern die Anerkennung erwerben, welche ihm das Publicum in\nreichem Maasse zollt.\nDie Gebrüder Leopold und Gerhard Brassin haben am\nDinstag im Hotel Disch eine recht hübsch besuchte Soiree gegeben\nund durch den Vortrag mehrerer brillanter Salonstücke eine bereits\nzu bedeutender Höhe ausgebildete Technik bewährt, Leopold auf\ndem Pianoforte, Gerhard auf der Violine. Bis jetzt aber scheint die\nVirtuosen-Richtung bei ihnen vorherrschend, und diese ist neben\ndem bei der grösseren Menge dadurch erzielten Beifalle eben so ver-\nführerisch als gefahrlich für die Jugend. Es liegt in den Herren\nBrassin grosses Talent, das sich jedenfalls, wie der feurige Most zu\nreinem Wein, zu künstlerischer Reife abklären wird; nach dieser\nEU streben, müssen wir ihnen, besonders nach Anhörung der Beet-\nhoven'schen grossen y4-mo//-Sonate am Dinstag, angelegentlichst\nanempfehlen.\nCrefeldj 24. October. Eine gewählte, sehr zahlreiche Ver-\nsammlung lauschte gestern Abends dem Spiel der Frau Dr. Clara\nSchumann, welche unter freundlicher Mitwirkung des Sing-Vereins\nund der Liedertafel im Saale des Hotel de la Redoute ein Concert\nveranstaltet hatte. Es freut uns sehr, dass diese Künstlerin, deren\nRuf schon längst begründet, uns Gelegenheit gegeben, ihr schönes\nTalent zu bewundern. Mit vollendeter Technik, welehe keine Schwie-\nrigkeit zu kennen scheint, mit unvergleichlicher Grazie des Spiels,\ndabei mit einer Energie, welche man gewöhnlich vergebens bei einer\nFrau findet, rauschten ihre Passagen dahin und entfaltete sich uns\nin den sechs vorgetragenen Nummern eine Tiefe der Empfindung,\nwelche die Seele des Zuhörers bis in ihre innerste Tiefe aufregte\nund noch lange beschäftigte, nachdem die Saiten längst verklungen.\nDie Vorträge des Sing-Vereins und der Liedertafel waren lieb-\nliche Blümchen in dem duftigen Strausse, der uns an diesem Abende\ngereicht wurde. Eine kleine Unsicherheit abgerechnet in dem Liede\nder ersten Abtheilung „Andenken\", vorgetragen von dem Sing-Ver-\neine, an der Stelle: „Was soll der Frühling doch für mich4' u. s. w.,\nwo der Tenor nicht zusammen war, und in dem Liede der zwei-\nten Abtheilung „Gondelfahrer44 von Schubert, wo der zweite Tenor\nbei den Worten: „Sie schlummern friedlich Alle\" u. s. w., ein we-\nnig zu früh einsetzte und dadurch auf einen Augenblick die ande-\nren Stimmen etwas derangirte, reihten sich die vier Vorträge würdig\nan das Ganze an. Freilich hätten wir statt des „Gondelfahrer4' lieber\nein anderes, kräftiges Lied gewünscht, um so mehr, da das Piano\nohnehin ziemlich stark vertreten war und einem Vereine von Män-\nnern mit anerkannt tüchtigen, kraftvollen Stimmen ein kräftiges\ndeutsches Lied sehr wohl anlässt.\nWir begnügen uns, aus dem „Neujahrsliede44 die wunderliebliche\nStelle: „Gebe dem, der über uns\" u. s. w., anzuführen, welche der\nSing-Verein mit ausserordentlicher Wirkung sang, so wie in Nr. 2,\nAndenken: „O liebes Herz, und soll ich dich44, wo die Innigkeit,\nwomit der Componist diese Frage empfunden, überaus schön hervor-\ntrat. In den Vo: trägen der Liedertafel zeichnete sich die Schluss-\nstrophe des „Gondelfahrers44: „Vom Marcus-Thurme tönte44 u. s. w.,\nbesonders aus. Das Pianissimo an der oben berührten Stelle: „Sie\nschlummern44 u. s. w., so wie eine gewisse Feierlichkeit, welche hier\nden Zuhörer anweht, ist so ganz geeignet, uns gleichsam in die\nBarke zu versetzen, die sanft auf den Wellen des Meeres vor der\nLagunenstadt schaukelt. Der Wald-Chor aus „Der Rose Pilgerfahrt44\nvon Robert Schumann war in recht glücklichem Tempo aufgefasst\nund bewährte dieser Verein durch frisches, schönes Colorit der Töne\nseinen alten Ruf.\nWenn wir diesmal Gelegenheit hatten, zwei tüchtige Vereine un-\nserer Stadt, welche mit den schönsten Mitteln begabt sind, nach\neinander auftreten zu sehen, so drängte sich uns unwillkürlich\ndie Frage auf: „Sollte es denn gar keine Anknüpfungspunkte geben,\nwodurch es möglich wäre, diese beiden Vereine Hand in Hand in\nschönster Harmonie wirken zu sehen?44 Wir leben im Interesse der\nKunst der zuversichtlichen Hoffnung, dass die Zeit nicht mehr fern\nist, wo auch in dieser Hinsicht für die Entwicklung und Hebung\nder Kunst unserer Stadt eine schöne Morgenröthe anbrechen wird.\nAbends bald nach 10 Uhr brachte die Liedertafel Frau Schu-\nmann eine Serenade eine Aufmerksamkeit, welche der verehrten,\nleider so schwer geprüften Frau unserer Stadt ein freundliches An-'\ndenken bewahren wird. Frau Schumann sprach dem Dirigenten der\nLiedertafel, Herrn Karl Wilhelm, in schlichten, herzlichen Wor-\nten für die ihr bewiesene Aufmerksamkeit ihren Dank aus.\n15uriiuk 24. October. Einer unserer Mitbürger, Herr R.\nIbach, ist in diesen Tagen aus Spanien zurückgekehrt, nachdem\ner in Valencia mit dem dortigen Domcapitel einen Vertrag über Lie-\nferung einer Orgel von 70 Stimmen abgeschlossen hat. Während die\nHerren Ibach in ihrer eigenen Gemeinde eine der grossartigsten Or-\ngeln der westlichen Provinzen geliefert haben, ist der seit einer\nReihe von Jahren angebahnte Verkehr mit America, wohin nament-\nlich kleinere Werke gehen, in voller Blüthe, und die lobende Aner-\nkennung englischer Blätter zeigt, wie der Ruf der Firma Ad. Ibach\nSöhne sich verbreitet.\n« y\nFräulein Johanna Wagner hat in voriger Woche auf dem\nHoftheater zu Karlsruhe ihr Gastspiel mit „Romeo44 eröffnet,\ndann die „Lucrezia\" und zuletzt die „Fides44 mit grossem Beifall\ngegeben.\n2G. October. Die Opern-Saison brachte bis jetzt in\nabgerundeter Darstellung: Alceste, Barbier von Sevilla, Der Traum\neiner Sommernacht von A* Thomas, Tannhäuser, Puritaner und\nDon Juan. Comala von E. Sobolewsky wartete nur auf die Rück-\nkehr Liszt's, um hinaus in die Oeffentlichkeit vor das Licht der\nLampen zu treten, und wird nun, da diese am 20. October erfolgte,\nin einigen Tagen ihre erste hiesige Aufführung erleben. Der Com-\nponist soll zu dieser Aufführung hieherkommen. Alsogleich soll dann\ndie neue komische Oper von Cornelius, Der Barbier von Bagdad,\nin Angriff genommen werden. Auch dieser Freund und Schüler von\nLiszt ist bereits von München angelangt, um der Taufe seines er-\nsten musicalisch-dramatischen Kindleins beizuwohnen. In weiterer\nAussicht steht dann Rienzi in der neuen dresdener Einrichtung.\nDie nächste Woche bringt uns ein Gastspiel des Sängerpaares\nSchmidt-Fellberg. Die General-Intendantur hat sich in einen\nunerquicklichen Streit mit der hiesigen Hofbuchdruckerei bezüglich\ndes Theaterzettel-Druckes eingelassen. Besagte Hof buchdruckerei\nlieferte seit undenklichen Zeiten die Zettel. Dingelstedt hat diese\nArbeiten nun einem anderen hiesigen Drucker zugewiesen; darüber\nist nun gross Geschrei in hiesigen und auswärtigen Blättern entstan-\nden, und noch wird der Kampf von Seiten der Hofbuchdruckerei mit\nziemlicher Erbitterung fortgeführt. Diese legt nämlich einem tadeln-\nden Artikel, den sie bezüglich einer „Geistergeschichte44, die am\nSchlüsse der vorigen Saison im Hoftheater spielte, die Schuld dieser\ngewaltsamen, für sie höchst unangenehmen Maassregel zur Last; die\nGeneral-Intendanz hat ihr aber zu beweisen gesucht, dass nur Er-\nsparungs-Gründe sie geleitet, und von Seiten des Publicums gibt\nman ihr vollkommen Recht. Aus denselben Gründen hat sie der\nWeimarer Zeitung die Theater- und Repertoire-Annoncen entzogen,\nund dieses officielle Blatt sieht sich nun in der höchst kläglichen\nLage, seinen nach Neuigkeiten hungernden Lesern nicht einmal die\ntägliche Kost der Theater-Anzeigen auftischen zu können. Die\nberührte ~Geistergeschichte4< ist übrigens recht pikant und könnte\nIhren Lesern wohl einmal erzählt werden."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "352", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581030-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1717, "texte": "Wien. Die vom hiesigen Männergesang-Verein veranstaltete\nFeier der Enthüllung der Gedenktafel an Fr. Schuberts Geburts-\nhaus fand am 7. October um 4 Uhr Nachmittags in würdigster Weise\n»Statt. Die Sänger bildeten um das mit Schubert's Büste und mit\nBlumen gezierte Haus einen weiten Halbkreis, in dessen Mitte man\nden Herrn Bürgermeister Dr. Ritter von Seiller, den Herrn Hofrath\nRiedl von Riedenau, den Herrn Hofrath Ritter von Spann, die Herren\nBrüder und Anverwandten des Meisters, nebst vielen durch ihre\nStellung hervorragenden Verehrern des Gefeierten bemerkte. Nach\ngesungenem Wahlspruche sprach ein Mitglied des Vereins in erhe-\nbenden Worten die Veranlassung der Feier, das Wirken und den\nRuhm des grossen Meisters aus, worauf nach einem auf das Fest\nbezüglichen Chor zwei Chöre und ein Quartett von des gefeierten\nMeisters unsterblicher Muse und zuletzt das Deutsche Lied folgte.\nAbends war im Saale zum grossen Zeisig Liedertafel, wozu sich so-\nwohl die Sänger als auch viele Jugendgenossen und Verehrer des\nGefeierten in grosser Anzahl versammelten. Hier erklang in begei-\nsternder Weise und seltener Präcision die Muse Schubert's im ab-\nwechselnden Chor- und Sologesänge, hier ertönten mehrere seiner\nherrlichsten Ciavierwerke, und ein sinniges Gedicht von Dr. Foglar\nreihte sich den musicalischen Vorträgen würdig und rundend an.\nErst die Mitternachtsstunde beendete das Fest, bei welchem die bei-\nden Chormeister Schläger und Herbeck sieh in verdienstlichster\nWeise in die Leitung theilten. (N. W. M.-Z.)\nDie zeitweise sistirten „Blätter für Musik, Theater und Kunst,\nherausgegeben und redigirt von L. A. Zellner'4, werden in neuer\nund ununterbrochener Folge vom 1. November d. J. an wieder\nerscheinen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "345", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581030-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nNeue Texte zu alten Opern. Johann Georg Mettenleiter (Nekrolog). Von A. BeurtheHungen : Sechs\nLieder für gemischten Chor von Johannes Heuchemer. Op. 8. Von N....... Erstes Gesellschafts-Conccrt im grossen Gürzenichsaale.\nTages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Gastspiel von Fräul. Auguste Brenken, Gebrüder Leopold und Gerhard Brassin Crefeld,\nConcert von Frau Clara Schumann Barmen, Herr R. Ibach Weimar, Opern-Saison Wien, F. Schubert's Gedenktafel).\n\nNeue Texte zu alten Opern.\nEs ist nicht zu läugnen, dass in der reichen Schatz-\nkammer von Vocal-Compositionen deutscher Meister viele\nKleinodien liegen, deren Glanz nur desshalb nicht mehr\nN leuchtet, weil die Folie des Textes, auf welchen sie gear-\nbeitet sind, durch die Länge der Zeit unscheinbar gewor-\nden ist. Es ist dies besonders bei den Kirchenstücken\nevangelischer Componisten der Fall, die im letzten und\nvorletzten Jahrhundert schrieben. Die Sprache ihrer Zeit\nist im Allgemeinen gar zu veraltet; so schöne Ausnahmen\nauch mehrere Kirchenlieder darbieten, so ist doch die\nsteif rhetorische Poesie der meisten Cantaten jener Zeit\nfür uns ungeniessbar geworden, ja, in manchen musica-\nlisch vortrefflichen, z. B. von Bach, macht ausserdem die\npietistische Verwirrung des Uebersinnlichen mit dem Sinn-\nlichen die Einübung derselben in Gesang-Vereinen gera-\ndezu unmöglich. In solchen Fällen sind wir sehr dafür,\ndass neue Texte untergelegt werden, die dem religiösen\nGeiste der Composition einen angemessenen sprachlichen\nAusdruck verleihen. Geschickte Arbeiten der Art würden\nviel zur Wiederaufnahme und Verbreitung der alten Kir-\nchenstücke beitragen.\nEtwas Anderes ist es bei Werken der dramatischen\nMusik. Ich möchte Mozart's „Entführung aus dem Serail\"\nund seine „Zauberflöte\" nicht mit modernisirten Texten\nhören; die ursprünglichen sind so sehr mit der Musik ver-\nwachsen, und Beides zusammen hat sich so in das Volk\nhineingelebt, dass eine Aenderung, die über die Vertilgung\nvon wirklichen Sprach-Unrichtigkeiten hinaus ginge, kaum\nangemessen sein und am Ende die Musik mehr beinträch-\ntigen als zu besserer Geltung bringen dürfte. Wenn z. B.\nder Sprecher in der Zauberllöte in den Worten:\nO, legte doch Sarastro dir\nDie Absicht seiner Handlung für —-\ndas für in vor oder dar ändert, auf welches letztere sich\ndann im Folgenden klar und Barbar sogar reimen, so\nist das in der Ordnung. Aber die Melodieen von „Bei\nMännern, welche Liebe fühlen\", oder „In diesen heil'gen\nHallen\" u. a. m. möchten wir um keinen Preis auf einem\nanderen Texte hören, wiewohl der Schikaneder'sche kei-\n• 7\nneswegs ein Muster von Poesie ist.\nEinen Unterschied macht es hierbei allerdings, ob der\ndeutsche Text einer alten Oper ursprünglich deutsch, oder\nob er aus dem Italiänischen übersetzt ist, wie z. B. in\nMozart's Don Juan, Figaro's Hochzeit und Cosl fan tutte.\nHier finden wir es natürlicher, dass man auf neue Bear-\nbeitungen verfällt: es kommt nur darauf an, nach welchem\nGrundsatze sie gefertigt werden müssen.\nZunächst liegt uns ein Büchlein vor mit dem Titel :\n„Don Juan, komisch-tragische Oper in zwei Acten von\nW. A. Mozart. Aus dem Italiänischen ins Deutsche über-\ntragen, nebst Bemerkungen über eine angemessene Büh-\nnen-Darstellung. Von Dr. W. Viol. Breslau, Verlag von\nF. E. G. Leuckart. 1858.\" Kl. 8.\nHerr Dr. Viol hat gewiss den besten Willen bei Her-\nausgabe dieses Schriftchens gehabt. Schon desswegen ver-\ndient es eine freundliche Aufnahme, wenn wir auch mit\nmanchem, was darin vorkommt, nicht übereinstimmen\nkönnen.\nWas die Aeusserung betrifft, dass die Oper Don Juan\n„noch niemals in der organischen Gliederung und Gestal-\ntung vorgeführt worden sei, die ihr Mozart gegeben\"\ndass sie „selbst auf den bedeutendsten Bühnen nach wie\nvor in unvollkommener, mehr oder minder zerrissener und\nwillkürlich zugestutzter Gestalt erscheine\" so geht es\nHerrn Viol hier wie allen Enthusiasten für ein bestimmtes\nWerk oder einen bestimmten Componisten der Vorzeit: er\nübertreibt die Pietät. Zu welchen grillenhaften Behaup-\ntungen eine solche Uebertreibung führen kann, zeigt die\nAeusserung eines berühmten Schriftstellers bei Gelegenheit\neiner Besprechung zweier Oratorien von Händel in diesen\nBlättern, nach welcher der ehrenwerthe Forscher über"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "346", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581030-01.1.2", "texte": "Shakespeare und Händel in Bezug auf die Werke des\nletzteren lieber den Verlust der Chöre als der Arien er-\ntragen würde.\nWas zunächst die Aufführungen des Don Juan in zer-\nrissener Gestalt u. s. w. auf den bedeutendsten Bühnen\nbetrifft, so können wir dem Herrn Verfasser versichern,\ndass während einer ganzen Reihe von Jahren diese Oper\nauf der königlichen Bühne zu Berlin mit den Damen Schulz,\nMilder-Hauptmann, Seidler, den Herren Blume, Wauer\nu. s. w. vortrefflich und in so abgerundeter Gestalt und\nprachtvoller Inscenesetzung gegeben worden ist, dass Mo-\nzart trotz der tüchtigen Italiäner seiner Zeit die grösste\nFreude daran gehabt haben würde. Aber auch auf vielen\nanderen Hoftheatern und selbst den grösseren Provincial-\nbühnen in Deutschland haben wir den Don Juan ganz gut\ngesehen und durch diese oder jene Auslassung der einge-\nlegten Arien wahrhaftig keine Zerstörung der „organi-\nschen Gliederung\" des Drama's bemerkt.\nWir haben schon öfter Veranlassung gefunden, seit-\ndem ästhetisch gebildete Musik-Dilettanten über Oratorien\nund Opern schreiben, gegen die Ansichten derselben über\nverletzte Einheit, verstümmelten Leib, zerrissene Gliede-\nrung, und wie die Mode-Ausdrücke alle heissen mögen,\nuns auszusprechen und nachzuweisen, dass diese Schrift-\nsteller den Organismus eines musicalischen Werkes in der\nRegel nur in dem Text suchen, und dass sie aus Respect\nvor dem Alterthum aus dem Zusammenhange der Hand-\nlung oder Erzählung einen ästhetischen Kitt bereiten, der\nsämmtliche Musikstücke so an einander fügt, dass keines\nwegfallen könne, ohne dass der symmetrische Bau des\nGanzen zusammenstürze. Da soll denn kein Stück, kein\nTact, keine Note durch andere Absichten hinein gekom-\nmen sein, als durch den Gedanken an die epische oder\ndramatische Einheit. An äussere Veranlassungen, an mu-\nsicalische Gründe für diese oder jene Gestaltung, diese\noder jene Einschiebung oder Weglassung u. s. w. denken\ndiese Herren Kritiker nicht, weil sie niemals compo-\nnirt oder auch nur den Versuch dazu gemacht haben, ge-\nschweige denn, dass sie mit den ausführenden Künst-\nlern und Künstlerinnen umgegangen sind, folglich keine\nAhnung von dem Einflüsse haben, den nicht etwa die Lau-\nnen, sondern die eigentümlichen Eigenschaften und Be-\ngabungen derselben auf den Componisten und seine Ton-\nschöpfung haben.\nDie Selbsterhebung der Literaten-Kritik über die\neigentlich musicalische bei Besprechung von Werken der\nTonkunst erzeugt in unseren Tagen solche Träume. Auch\ndie wiederholten Anklagen über verletzte Declamation\nfliessen aus derselben Quelle, und doch lässt sich fast kein\nLied, wenn es eine wahrhafte Melodie bekommen soll, in\njeder Sylbe so metrisch und declamatorisch componiren,\nwie der sprachliche Vortrag es verlangt—trotz Wagner\nund Louis Köhler. Carl Maria von Weber antwortete ein-\nmal auf einen derartigen Vorwurf: „Ich weiss sehr wohl,\nwas richtig declamiren heisst; aber wenn einem ein musi-\ncalischer Gedanke einfällt, der vielleicht ewig lebt, dann\nhol' der Teufel die Declamation!\"\nIn Bezug auf Händel's Oratorien haben wir lange vor\nErscheinung von F. Chrvsander's Werk nachgewiesen, wie\nschwaeh es um die gepriesene poetische Einheit in so\nmanchen von seinen Oratorien stehe, wie Arien aus Opern\nin die Oratorien geschoben worden u. s. w.; die neueren\nForschungen haben das vollständig bestätigt.\nEben so erklären wir uns gegen die Behauptung, dass\ndurch Weglassung einer oder der anderen Arie, nament-\nlich der später eingelegten, dem Don Juan „einzelne\nStücke frevelhaft vom Leibe gerissen, und der meisterhafte\nBau so zerrüttet werde, dass das Werk auch nicht ein-\nmal annäherungsweise dem Geiste des Compo-\nnisten entspricht\" (S. 4).\nSo äussert sich der Verfasser in Beziehung auf die\nvier Einlagen, von denen drei notorisch später hinzu-\ncomponirt sind, und fühlt den ungeheuren Widerspruch\nmit sich selbst nicht, wenn er (S. 20) den grössten Theil\ndes ursprünglich von Mozart als integrirenden Schluss\nder Oper componirten Sextetts selbst ebenfalls wegstreicht!\n(Schluss folgt.)\n\nJohann Georg Mettenleiter.\n(Nekrolog.)\n\nDie Tonkunst, insbesondere die Kirchenmusik, hat\ndurch den Tod des Chorregenten an der alten Capelle zu\nRegensburg, J. G. Mettenleiter, der am 6. October in dem\nbesten Mannesaller von seinem erfolgreichen Wirken auf\nErden abberufen wurde, einen herben Verlust erlitten.\nJohann Georg Mettenleiter war der Sohn eines\narmen Schullehrers zu St. Ulrich im Leonthal (Königreich\nWürtemberg) und wurde daselbst am 6. April 1812 ge-\nboren. Von seinem Vater zum Schulfache bestimmt und\nin aller Gottesfurcht erzogen, hatte er das Glück, bereits\nim Frühjahre 1824 zu Wallerstein unter der Oberleitung\nseines Onkels, des fürstlich Wallerstein'schen Secretärs und\nChorregenten, in den deutschen Lehrgegenständen und der\npraktischen Musik sich zu üben, mittels Privat-Unterrichts\nin den Elementen der lateinischen und französischen Spra-\nche sich zu begründen, auch in der Zeichenkunst, so wie\nim fürstlich Wallerstein'schen lithographischen Institut,\ndessen Vorstand sein Onkel war, vortrefflich sich auszu-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "347", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581030-01.1.3", "texte": "bilden. Von einer heftigen, sein Leben bedrohenden Krank-\nheit genesen, componirte er aus inniger Dankbarkeit gegen\nGott im Frühjahr 1833 die ersten zehn Text-Strophen\nder Sequenz „Stabat materu für Gesang und Instrumente.\nAls Staatsbürger Baierns aufgenommen, verfolgte er bis\n5. Februar 1837 im Schullehrer-Seminar zu Bamberg\nseine fernere Ausbildung mit vorzüglichem Fleisse.\nDes jungen Mannes Verdienste erkennend, ernannte\nihn der Fürst Johann Aloys von Oettingen-Spielberg un-\nterm 20. Februar 1837 zum Chorregenten an der katho-\nlischen Stadt-Pfarrkirche bei St. Sebastian zu Oellingen.\nDiese Stellung ermöglichte Mettenleiter, einen eigenen\nHeerd zu gründen dadurch, dass er sich daselbst am 15.\nMai 1838 verehelichte. Am 6. October 1839 ernannte\nihn das Hochw. Collegiatstifts-Capitel U. L. Frau zur alten\nCapelle in Regensburg zum Choralisten und Organisten an\ngenannter Collegiatstifts-Kirche, und in dieser neuen Le-\nbens-Sphäre war es sein eifrigstes Bestreben, neben ge-\ntreuer Erfüllung seiner Berufspflichten seinem angebore-\nnen inneren Triebe, sich in das Verständniss der alten Kir-\nchenmusik vollkommen einzuweihen, gründlich Rechnung\nzu tragen.\nDer freundschaftliche Umgang, mit welchem Dr. Karl\nProske der zu gleicher Zeit Senior bei dem Collegiat-\nstifte war während seines ganzen Aufenthaltes zu Re-\ngensburg ihn bsehrte und beglückte, war für ihn und sein\nWirken von der höchsten Bedeutung; denn an der Hand\ndieses grossen Musikgelehrten entwickelte sich Mettenleiter\nals grosser Meister in contrapunktischer Kirchenmusik\nund ganz besonderer Kenner des Gregorianischen Gesan-\nges in seiner ganzen Ausdehnung unerreicht und uner-\nsetzbar in Deutschland.\nMettenleiter's Verdienst ist es, dass trotz vieler und\nmannigfacher Hindernisse, die zu überwinden ihm grosse\nMühe und Anstrengung verursachten, die Schätze der\ngrossen alten Tongebilde in der neueren Zeit wieder zur\nGeltung kamen, was nimmermehr geschehen wäre, wenn\nnicht unser Meister, dieser gründlichste Forscher auf dem\nGebiete der alten reinen Kirchenmusik, sich so zu sagen\nin sie hinein gelebt und mit Energie und rücksichtsloser\nEntschiedenheit seine Ueberzeugung durchzusetzen den\nMuth gehabt hätte; desshalb wurde er auch vielseitig von\nden grössten Kunst- und Musik-Gelehrten der Gegenwart\nmit Ächtung und Auszeichnung behandelt und zur Aus-\ndauer in seinem schönen Streben angefeuert.\nNeben dieser Neigung zur alten Musik war er jedoch\nder weltlichen Musik nicht abhold und versuchte sich in\nallen Zweigen durch Compositionen auf diesem Felde bis\nzur Symphonie für volles Orchester, ja, er opferte wochen-,\nja, mondenlang seine so kostbare Zeit und alle seine Ruhe-\nstunden, um nach Besiegung von stets sich mehrenden\nHindernissen seit Jahren classische Oratorien unserer gröss-\nten Meister, wie: Das Älexanderfest von Händel, Da-\nvidde penitente von Mozart, Elias von Mendelssohn,\nMessias von Händel, Die Makkabäer von Händel,\nPaulus von Mendelssohn, Die Schöpfung von Haydn,\nDas Weltgericht von Schneider, Die Jahreszeiten\nvon Haydn dem kunstliebenden Publicum Regensburgs\nund Umgegend in meisterhafter Vollendung, wie in keiner\nanderen Stadt des Königreichs Baiern, vorzuführen, dabei\nso uneigennützig verfahrend, dass oft neben materiellem\nVerluste —nur der freudige Dank der lauschenden Zuhö-\nrer für so ausgezeichnet gewürzte Stunden sein Lohn war.\nSolche Anstrengungen konnte sein starker Geist nicht\nbewältigen, ohne seinen Körper zu schwächen, und so fin-\nden wir ihn im Frühjahr 1851 wieder an einer lebens-\ngefährlichen Krankheit darniederliegen. Der liebe Gott hatte\nmit seiner Familie und ihm Erbarmen und schenkte ihm\nwiederholt das Leben, wofür er aus Dankbarkeit den\nPsalm 14 (für fünf Männerstimmen) componirte, welcher\nbeim passauer Sängerfeste seine erste Aufführung fand und\nbei B. Schott's Söhnen in Mainz gedruckt wurde. Vier\nJahre früher componirte er für das Sängerfest zu Regens-\nburg den Psalm 95 für sechs Männerstimmen, gedruckt\nbei Fricdr. Pustet in Regensburg.\nDer Bischof Valentin von Regensburg liess die Be-\ndeutung der ursprünglich katholischen reinen Gesangs-Li-\nturgie nicht unbeachtet und beauftragte Mettenleiter, ein\nalle Bedürfnisse und Zwecke des Kirchenjahres erschöpfen-\ndes liturgisches Gesangbuch zu verfassen. Es erschien un-\nter dem Titel:\nEnchiridion Choräle,\nCantionum Uturgicarum juxtci Uttum S. R. Ecele-\nsiae per totius anni circulum praeseriptarum. Re-\ndegit ac comitante Organo edidit J. G. Mettenlei-\nter.Jus-.sn et Approbatione\nrendissimi Valentini,\nRatisbonae, Typis et C\nWelche Mühe und Anstrengung dieses Werk erfor-\nderte, wird nur der ermessen können, welcher sich einiger\nMaassen mit dem Studium der Quellen, aus welchen Met-\ntenleiter geschöpft, bekannt machen kann, und auch den\ngründlichen Vorbericht in dem dazu gehörigen Orgel-\nbuche, der nicht weniger denn 48 Folio-Seiten umfasst,\nund von dem bis jetzt leider bloss das\npore erschien, in den Bereich seines Studiums ziehen wird.\nAls gedrängtere Zusammenstellung der zum Kirchen-\ngesange verwendbarsten Melodieen und einer Reihe von\nO o\nFest-Hymnen, Litaneien, Lobgesängen, Antiphonen und\nGebeten erschien: Manuale"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "348", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581030-01.1.4", "texte": "cum Liturgicarum jaxta Ritum Sanctae Rom. Ecclesiae\netc. 1852. Ratisbonae,Typis\nPustet:\nAls im September vorigen Jahres die zweite General-\nVersammlung des christlichen Kunst-Vereins für Deutsch-\nland in Regensburg tagte, wo auch über Poesie und Ton-\nkunst discutirt wurde, jedoch eine Meinungs-Verschieden-\nheit über die zu setzende Glänze des Uebergangs zur älte-\nren Kirchenmusik obwaltete, musste den hieher gekomme-\nnen Gästen auch Gelegenheit gegeben werden, ausser den\nbei dem täglichen Gottesdienste zur Ausführung kommen-\nden Tonwerken in einer eigenen Gesangs-Production die\nkirchliche Tonkunst in ihren verschiedenen älteren Schö-\npfungen kennen zu lernen. Zu diesem Behule wurden un-\nter der Direction Mettenleiter's vierzehn Piecen*) vorgetra-\ngen, deren höchst gelungene Ausführung ganz geeignet\nsein musste, in Allen die Ueberzeugung zu begründen,\ndass auch die besten anderen Tonwerke weder an Tiefe\ndes Verständnisses liturgischer Texte, noch an Kunst und\nReichthum der Darstellung mit jenen zu wetteifern im\nStande seien; dass ferner eine wahre Abhülfe all der durch\ndie neuere Musik in den Kirchen eingedrungenen Uebel-\nstände nur durch die Rückkehr zu diesen älteren, wahr-\nhaft kirchlichen Tonwerken könne erreicht werden.\nWelch ein Triumph der Anerkennung Mettenleiter\nhiedurch sowohl, als auch durch die von Herrn Pfarrer\nStein aus Köln über diesen Gegenstand sich weiter ver-\nbreitende Rede geworden, braucht hier nicht erörtert zu\nwerden; leider war es gleichsam nur ein letztes Aufflackern\nseines Ruhmes inmitten so mancher Unbilden, die der im\nFeuerofen der Trübsal geläuterte Mann seines so schönen\nStrebens wegen selbst von Seiten her, wo man es am\nallerwenigsten vermuthete zu erdulden hatte.\nNoch wurde ihm die Ehre zu Theil, vom Hochwür-\ndigsten Herrn Bischof Heinrich von Passau im Mai 1. J.\nwegen der Einführung des römischen Chorals zu Rathe\nO O\ngezogen zu werden, nachdem schon in früheren Jahren\ndurch den Hochwürdigsten Herrn Bischof von Münster ein\nPriester für den gleichen Zweck zu einem halbjährigen\nAufenthalte hieher beordert worden. Bei seiner Rückkunft\nvon Passau stellten sich die ersten Symptome seiner Krank-\nheit ein. Der Gebrauch des Bades zu Reichenhall, so wie\netwas später des Bades Kehlberg bei Passau konnten dem\nUmsichgreifen des Krankheitsstoffes nicht mehr Einhalt\nthun, und dieses nur zu gut selbst fühlend, und von der\nSehnsucht getrieben, wenigstens im Kreise seiner ihm so\ntheuren Familie dem lieben Gott'das Opfer seines Lebens\nbringen zu können, kam er, nach zweimonatlicher Abwe-\nsenheit, beinahe schon ganz zusammengebrochen wieder\nhieher. Die sich allgemein für ihn kund gebende Theil-\nnahme, noch mehr aber der Aufenthalt bei seinen Lieben,\nschienen ihn neu aufzurichten; auch war ihm eine Einla-\ndung nach Köln zugekommen. Doch der Huf nach oben\n—in die ewige Heimat—war zu vernehmbar in sein Ohr\ngedrungen, als dass der Kranke sich noch Hoffnung machte,\nihr je entsprechen zu können, und so ging der fromme\nDulder, ergeben in Gottes heiligen Willen, die grössten\nSchmerzen mit heroischem Stillschweigen ertragend, sei-\nnem Ende entgegen. Getröstet und gestärkt durch die Ver-\neinigung mit seinem Heilande, lief beweint von seiner\ntrostlosen Gattin und seinen sechs zum Theil unmündigen\nKindern, betrauert und beklagt von allen, die ihn näher\nkannten und verstanden, endete er seine irdische, dornen-\nvolle Laufbahn in seinem 47. Lebensjahre am 6. d. Mts.\nDie zahlreiche Theilnahme an seinem Leichenbegäng-\nnisse aus allen Schichten der Bevölkerung Regensburgs\nwar Zeuge wahren Mitgefühls um den viel zu früh Ver-\newigten. Zu den liturgischen Gesängen bei den Leichen-\nCeremonien und während des Seelenamtes in der Stifts-\nkirche waren fast nur Compositionen des Verewigten ge-\nwählt worden. Herr Dr. Karl Proske schilderte in einer\nbegeisterten Rede die Verdienste des Verstorbenen. Auch\nder „Liederkranz\" widmete ihm eine Todtenfeier mit um-\nflorten Fahnen und bei Fackelschein: er sang das Lied\n„Glaube\" von Reissiger, den Psalm 14, von Mettenleiter\nfür fünf Männerstimmen componirt, und legte einen Lor-\nberkranz auf sein Grab nieder.\nRegensburg, 14. October 1858. A.\nAuch wir betrauern in dem Dahingeschiedenen in nä-\nherer Beziehung einen Mitarbeiter an der Niederrheini-\nschen Musik-Zeitung, der uns in den letzten Jahren durch\nschätzbare Beiträge unterstützte.\n*) Diese Piecen waren zumeist aus Dr. C. Proske's Musica Di-\nvina genommen.\n\nDie Redaction.\n\nBeurtheilungen.\n\nSechs Lieder für gemischten Chor von Johannes\nHeuchemer, Op. 8,\nbekunden wieder das bedeutende Talent des leider zu früh\nverstorbenen Künstlers. Dieselbe Frische, dabei Tiefe und\nGefühls-Innigkeit, welche seine Lieder Op. 4 (vergl. Nr.\n7 dieses Blattes) auszeichnen, durchweht auch diese Com-\npositionen, die wir allen musicalischen Vereinen und den\nDilettantenkreisen, in denen gemischter Chorgesang mit\nLiebe und Lust an gediegener Musik betrieben wird, aufs\nwärmste empfehlen. Besonders gelungen ist ein Quartett\nim Volkstöne: „Auf dieser Welt hab' ich kein' Freud'\" j"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "349", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581030-01.1.5", "texte": "es ist so einfach und ergreifend, wie nur irgend ein echtes\ndeutsches Volkslied sein kann. Diese Gattung war über-\nhaupt Heuchemer's starke Seite; er liebte das Volkslied,\ndaher denn auch das andere im vorliegenden Heftchen\nenthaltene Quartett über einen Volkslieder-Text: „Kein\nFeuer, keine Kohle\", zu den besten zählt. In anderer Art\nausgezeichnet durch seine breite, gehaltene Stimmung und\ndie Mächtigkeit der Empfindung ist Nr. 2: „Nun schweigt\ndie Höh'\", ein wunderbares Lied. Uie übrigen drei Quar-\ntette sind heiter, zart und freundlich; vorzüglich hübsch\n„Die Schwalben\", ein allerliebster Doppel-Canon voll Fri-\nsche und Leben. Es trifft, wie bei den meisten echten, ge-\ndiegenen Compositionen, auch bei diesen zu, dass sie sich\ndurch Einfachheit, Klarheit und daher leichte Ausführbar-\nkeit empfehlen, und alle die, welche sie singen, werden\ngrosse Freude und dauernden Genuss daran haben.\nWir machen noch auf einen\nTrauermarsch zu vier Händen, Op. 5, und\nSechs Ciavierstücke für die Jugend, Op. 7,\nbeide Werke von demselben Componisten und bei Rieter-\nBiedermann erschienen, aufmerksam. Der Trauermarsch\nist ein sehr schönes, ernstes Musikstück, er ist den Herren\nClavierlehrern als eine dankbare Composition, an welcher\nvorgerückte Schüler in Hinsicht auf Eintheilung und\nRhythmik etwas Tüchtiges lernen und zugleich sich er-\nfreuen werden, anzuempfehlen. Auch die Ciavierstücke\nwerden den Herren Lehrern eine erfreuliche Gabe sein.\nSie sind nicht schwer, instruetiv und anmuthig; recht\nneckisch und originel ist Nr. 2, Capriccietto.\n\nN.......\n\nErstes Gesellschafts-Concert in Köln\nim Hauptsaale des Gürzenich.\nDinstag, den 19. October 1858.\nProgramm. Erster Theil: 1. Sinfonie Nr. VIII, von L. van\nBeethoven. 2. Concert in D-moll für Pianoforte und Orchester\nvon W. A. Mozart, gespielt von Frau Gl. Schumann. 3. Fi-\nnale aus der Oper Lorelei von F. M en d el s so h n-Barth oldy.\nDie Solo-Partie gesungen von Fräulein Auguste Brenken.\nZweiter Theil: 4. Capriccio für Pianoforte allein. Von F. Men-\ndelssohn (Frau Schumann). 5. Sopran-Arie: „Wehe mir!\" aus\nHans Heiling von H Marschner (Fräulein Brenken). 6. Phan-\ntasie für Pianoforte, Orchester, Solostimmen und Chor von L. van\nBeethoven. Op. 80. (Die Ciavierstimme gespielt von Frau Schumann.)\nDie Sinfonie wurde sehr präcis und mit derjenigen Abwechslung\nvon Anmuth und Kraft ausgeführt, welche dieses originelle Werk\nverlangt. Der Wechsel des Charakters der Musik ist in der That in\ndiesem 93. Werke Beethoven's oft so schroff, dass er die Erwartun-\ngen nach zwei Seiten hin täuscht. Einfache, liebliche Motive führen\nuns xu den blühenden Fluren Haydn's und Mozart's zurück, und\nauf einmal reisst der Vorhang, auf dem die freundliche Landschaft\ngemalt ist, entzwei, und ein echtes Beethoven-Gesicht schaut durch\nden Riss und blickt uns so barsch mit gerunzelter Stirn und zusarn-\nmengepressten Lippen an, dass wir nicht wissen, ob er uns zum Be-\nsten haben will, oder ob ihm eben eingefallen, dass er der grosse\nBeethoven ist, für den sich solche Niedlichkeiten nicht schicken.\nMan denke z. B. nur an die Durchführung im zweiten Theile\ndes ersten Allegro, wo der Componist mit einem Stückchen des\nThema's wie der Kater mit der Maus spielt, bis er das ganze\nThema durch die Bässe im Fortissimo wieder in seine Rechte auf\nso grossartige Weise einsetzt, dass das zarte Kind selber erstaunt,\ndass es zu solch einem Riesen angewachsen ist, der majestätisch\ndurch die brennende Sonnengluth des hohen und höchsten n der\nViolinen daherschreitet ein Effect, den Beethoven nicht vergeb-\nlich für seine Nachfolger bis auf Meyerbeer und Wagner zuerst\nangebracht hat. Und im Finale gleich von vorn herein, was ist das\nfurchtbare Cis Anderes, als das grimmige Antlitz des Beherrschers\nder Geister, der ihnen mit seinem Quos cgo droht?\nEin anderes Mal lässt er die anmuthigste Naivetät sich auf die\nreizendste Weise aussprechen, wie im Allegretto scherzando; aber\nplötzlich wird ihm die Originalität zuwider, und er verspottet sie\ndurch einen Schluss: gfa L, gfa b, wie ihn die italiänischen\n—im s nicht trivialer in tausend Arien angebracht haben.\nHören wir dann wieder statt des Beethoven'schen Scherzo's, also\nstatt einer jener unsterblichen Schöpfungen, die seine Sinfonieen bei-\nnahe am meisten als originel charakterisiren, hier ein Tempo di Me-\nnuetlo im ruhigsten Verlauf mit einem fast sentimentalen Trio in\nallereinfachster Instrumentation, so sehen wir uns einander an, das\nStück gefällt uns gerade nicht übel, aber wir fragen uns erstaunt:\nWie kommt Beethoven dazu, im Jahre 1814 in sein 93stes Werk\nein Haydn'sches Menuett, wie es kein zweites in seinen Sinfonieen,\nja, in allen seinen Werken gibt, einzusehalten?\nUnd sprudelt unmittelbar darauf der Beethovcn'sche Humor nicht\nin derber, ja, oft greller Weise so plötzlich empor, wie der Strahl\ndes Champagners, von dessen Kerker die eisernen Bande gesprengt\nsind? Und beschwichtigen den munteren Burschen, wenn er anfängt\nsich übermüthig zu geberden und sich unangenehm zu machen (z.\nB. da, wo er mit dem Cis und Des Bäumchen verwechseln spielt),\nnicht die lieblichsten Schmeichelworte irgend eines befreundeten We-\nsens Alles wieder so neu und so echter Beethoven, dass wir da«\nMenuett ganz und gar vergessen?\n✓\nDaher bringt denn auch diese achte Sinfonie in ihrer Proteus -\nGestalt die Ausleger und Dolmetscher der Beethoven'schen Sinfo-\nnieen zur Verzweiflung; denn sie wollen durchaus haben, dass Beet-\nhoven niemals reine Musik und nichts weiter als das geschrieben,\nsondern stets menschheitbeglückende oder weltzerreissende Ideen\ndurch seine Töne habe aussprechen wollen. So kommen sie denn\nauf die wunderlichsten Gedanken. Herr von Lenz nennt sie „die\nBrücke, welche den sinfonistischen Glanz ohne wirkliche Bestimmt-\nheit, aber immer von Lichtstellen der zweiten Manier leuchtend, mit\ndem düsteren Leviathan der neunten Sinfonie verbindet, der das\nandere Ufer bewacht und die Brücke überschreitet, aber um an der\nSchwelle des Unendlichen stehen zu bleiben.\" Andere Horoskop-\nsteller und Sterndeuter der musicalischen Constellationen in Beetho-\nven's Werken aus den Schicksalen seines Lebeng wissen gar nicht,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "350", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581030-01.1.6", "texte": "wie sie es anfangen sollen, diesen Lichtblick in den Weltschmerz,\nden sie ihm andichten, unterzubringen, und helfen sich dadurch,\ndass sie die achte Sinfonie lieber gänzlich ignoriren. UlibischefF,\nin anderen Capiteln seines „Beethoven\" gar nicht so zu verachten,\nwie es in manchen Blättern geschieht, wittert in dem Allegrelto\nscherzando (wie auch in dem Finale der yl-f/wr-Sinfonie) sogar eine\nIronie, und zwar hier auf die italiänische Musik :\n~Sollte Beethoven nicht zum Spott über Eossini und das Fubli-\ncum, das ihn vergötterte, das Allegretto componirt haben? Es wäre\nauch möglich, dass Beethoven die Formen einer von ihm verachte-\nten Schreibart in einer sittlichen Absicht angewandt habe, die\nmit den wahrscheinlichen Tendenzen seiner dritten Manier überein-\nstimmt. Diese Absicht können wir noch zu erforschen suchen, ohne\nganz und gar in die Willkür der Auslegung zu gerathen, da das\nAllegrello scherzando so klar an Melodie und so bestimmt von Aus-\ndruck ist, wie das Finale der und in diesem Falle\nübersetzt sich der Eindruck der Musik leicht in Bilder und bringt\nuns auf die Spur einer Idee, die sich auf irgend eine Weise damit\nverbinden lässt. So hindert uns auch nichts, dieses Musikstück als\neinen Austausch von sanften Worten, artigen Schmeicheleien, Seuf-\nzern und zarten Ausrufungen zu betrachten, zwischen einem Ver-\nliebten, der eine Eroberung versucht, und einem jungen, zaghaften\nund bescheidenen Mädchen, das sich vertheidigt wohl verstanden\nnur pro forma; denn man glüht von beiden Seiten, der Belagerer\nverfolgt den Sieg mit eben so viel Feuer, als der Belagerte die Nie-\nderlage wünscht. In solchem Falle macht sich die Sache leicht. Es\nÖffnen sich also die angebeteten Lippen zum Ausspruche des Ja,\ndas die beiden SeelenhKlften, die seit Erschaffung der Welt getrennt\nwaren und sich suchten, zu einein von nun an unauflöslichen Gan-\nzen verbinden soll. Und dieses ersehnte letzte Ja, gerechter Him-\nmel! wer sollte es glauben, dieses Ja ist die Bettelcadenz, das ewige\nLied, das elende und allmächtige Metall, mit Einem Worte: das\nGeld, weil man denn doch einmal Namen nennen muss ! Point d'ar-\ngent, point de Suisse! - dürfte also vielleicht das Sprüchwort heis-\nsen, welches der frühere Anbeter der Gräfin \\on Gallenberg ohne\nTextesworte aufführen und gegen ein Geschlecht richten wollte, dem\ner wahrscheinlich auf ewig Lebewohl gesagt hatte. Dass dies Beet-\nhoven's Gedanke gewesen sei, behaupte ich nicht, und wissen kann\nich es vollends nicht; aber davon bin ich vollkommen überzeugt,\ndass eine Composition von Beethoven, die mit dem gemeinsten aller\nGemeinplätze der italiänischen Musik schliesst, nur in ironischem\n«\nSinne genommen werden kann.\" (!)\nDoch kehren wir zu unserem Concerte zurück; über die achte\nSinfonie von Beethoven werden wir Gelegenheit finden, uns ausführ-\nlicher auszusprechen.\nNach langer Zeit hörten wir Frau Schumann einmal wieder.\nDass die geniale Künstlerin uns auch jetzt wieder durch ihr mei-\nsterhaftes Spiel zur Bewunderung hinreissen würde, sahen wir vor-\naus; allein ausserdem wurde uns wir gestehen es offen eine\nfreudige Ueberraschung durch die Gemessenheit, die edle Ruhe, das\nsichere Einhalten des richtigen, nirgends übertriebenen Zeitmaasses\nzu Theil, mit welchen sie das D-rnoll-Concert von Mozart vortrug.\nWenn die Ausführung des Mendelssohn'ischen Capriccio durch voll-\nendete Technik und geistvolle Behandlung eine höchst anmuthig\nbrillante Virtuosenleistung war, so zeigte die edle und abgerundete\nWiedergabe des Mozart'schen Concertes, dass die Künstlerin auch\neine Priesterin der classischcn Tonkunst sei. Im Allgemeinen hat\njedoch der Clavierspieler in dem grossen Gürzenichsaale einen schwe-\nren Stand Der Erard'sche Concertfliigel aus dem Magazin von J. M.\nHeimann hierselbst ist gewiss ein vortreffliches Instrument; dennoch\ngehört eine grosse Kraft und eine Berechnung der Stärke des An-\nschlags nach den Raumverhältnissen dazu, um seinen Ton überall\nim Saale zur Geltung zu bringen. Auch die Aufstellung desselben\nist unvortheilhaft; es fehlt der Orchesterbühne ein breiter, geräumi-\nger Vorsprung, auf welchem der Flügel und die Vocal- und Instru-\nmental-Solisten eine freie und leicht zu erhöhende Stellung finden\nkönnten. Jetzt hat man kaum für Einen Flügel Platz, geschweige\ndenn für zwei oder gar drei zu Doppel- oder Triple-Concerten. Es\nhat bei dem Bau nicht an Rathschlägen in dieser Beziehung ge-\nfehlt, allein sie sind nicht beachtet worden.\nDas Finale der Lorelei von Mendelssohn zeigte den kölnischen\nChor wieder in seinem vollen Glänze. Für den Chor kann man sich\nkein günstigeres Local denken, als den grossen Saal im Gürzenich;\nes reicht nichts an die Pracht des Gesammttones, den die wunder-\nbare Reinheit, Frische und Stärke des Soprans dominirt. Fräulein\nAuguste Brenken sang die Solo-Partie. Ihre schöne, volle Stimme\nbietet ihr ein vortreffliches Material zur schwungvollen Ausführung\ndramatischer Partieen; die junge Sängerin zeigte durch den Vortrag\nder Lorelei und der Arie der Anna: ~Wch mir!\" aus der Oper\nHans Heiling von Marschner, dass ihr Ausdruck an Wärme und\nWahrheit ausserordentlich gewonnen hat.\nBeetlioven's Phantasie Op. 80 beschloss das Concert und machte\neinen Eindruck auf das Publicum, welcher lebhaften Applaus her-\nvorrief, der zugleich als Zeichen der Befriedigung mit dem ganzen\nConcerte, das die Saison eröffnet hatte, gelten konnte.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMolsi. Fräulein Au gu s t e Brenken ist auf dem Stadttheater\nin drei Rollen aufgetreten, die ihr den ungetheilten Beifall des Pu-\nblicums erworben haben. Sie hat die Agathe im Freischütz, die Leo-\nnore in Stradella und die Amine in der Nachtwandlerin gegeben ; in\njeder Vorstellung wurde ihr lebhafter Applaus und wiederholter Her-\nvorruf zu Theil. Ihre Darstellung der Agathe war bezaubernd durch\nden reinen frischen Jugendklang der Stimme und die ungekünstelte,\nnatürliche Innigkeit und Wärme des Ausdrucks. Es wehte über ih-\nrem Gesänge ein Duft der Anmuth und Unschuld, der gerade in\ndieser Partie so sehr wohlthuend ist und so oft schmerzlich vermisst\nwird. Im Spiel tritt allerdings die Befangenheit der Anfängerin auf\nder Bühne noch hervor: allein in der Agathe und auch in der Nacht-\nwandlerin war diese Einfachheit der Bewegung und Gesticulation\ndurchaus nicht störend, sondern sie verlieh der Darstellung sogar\nmehr Wahrheit, wenn auch freilich diese weniger das Resultat einer\nkünstlerischen Auffassung, als der Natur war. In der Nachtwandle-\nrin zeigte die junge Sängerin die gleichen Vorzüge der Stimme und\ndes Vortrags besonders in den dramatischen Scenen; die Coloratur\nbedarf noch der Abrundung bis zu jenem Glänze, den die italiäni-\nschen Virtuosen-Passagen verlangen. Die Vorstellung der Oper Stra-\ndella war auch in Hinsicht auf das Ensemble eine sehr gelungene,\nweil trefflich besetzt. Herr Zell mann sang den Stradella (wie\nauch den Elvino in der Sonnambula) vorzüglich gut, und die beiden\nBanditen (Herren Hoffmann und Ahlfeldt) wraren ausgezeichnet. Wenn\nes Herrn Zellmann gelingt, in seinen Ton durchweg die edle\nFarbe zu legen, die er ihm in den sanften lyrischen Stellen bereits"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "351", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581030-01.1.7", "texte": "EU geben versteht, so wird er sich auch bei den strengeren Kunst-\nrichtern die Anerkennung erwerben, welche ihm das Publicum in\nreichem Maasse zollt.\nDie Gebrüder Leopold und Gerhard Brassin haben am\nDinstag im Hotel Disch eine recht hübsch besuchte Soiree gegeben\nund durch den Vortrag mehrerer brillanter Salonstücke eine bereits\nzu bedeutender Höhe ausgebildete Technik bewährt, Leopold auf\ndem Pianoforte, Gerhard auf der Violine. Bis jetzt aber scheint die\nVirtuosen-Richtung bei ihnen vorherrschend, und diese ist neben\ndem bei der grösseren Menge dadurch erzielten Beifalle eben so ver-\nführerisch als gefahrlich für die Jugend. Es liegt in den Herren\nBrassin grosses Talent, das sich jedenfalls, wie der feurige Most zu\nreinem Wein, zu künstlerischer Reife abklären wird; nach dieser\nEU streben, müssen wir ihnen, besonders nach Anhörung der Beet-\nhoven'schen grossen y4-mo//-Sonate am Dinstag, angelegentlichst\nanempfehlen.\nCrefeldj 24. October. Eine gewählte, sehr zahlreiche Ver-\nsammlung lauschte gestern Abends dem Spiel der Frau Dr. Clara\nSchumann, welche unter freundlicher Mitwirkung des Sing-Vereins\nund der Liedertafel im Saale des Hotel de la Redoute ein Concert\nveranstaltet hatte. Es freut uns sehr, dass diese Künstlerin, deren\nRuf schon längst begründet, uns Gelegenheit gegeben, ihr schönes\nTalent zu bewundern. Mit vollendeter Technik, welehe keine Schwie-\nrigkeit zu kennen scheint, mit unvergleichlicher Grazie des Spiels,\ndabei mit einer Energie, welche man gewöhnlich vergebens bei einer\nFrau findet, rauschten ihre Passagen dahin und entfaltete sich uns\nin den sechs vorgetragenen Nummern eine Tiefe der Empfindung,\nwelche die Seele des Zuhörers bis in ihre innerste Tiefe aufregte\nund noch lange beschäftigte, nachdem die Saiten längst verklungen.\nDie Vorträge des Sing-Vereins und der Liedertafel waren lieb-\nliche Blümchen in dem duftigen Strausse, der uns an diesem Abende\ngereicht wurde. Eine kleine Unsicherheit abgerechnet in dem Liede\nder ersten Abtheilung „Andenken\", vorgetragen von dem Sing-Ver-\neine, an der Stelle: „Was soll der Frühling doch für mich4' u. s. w.,\nwo der Tenor nicht zusammen war, und in dem Liede der zwei-\nten Abtheilung „Gondelfahrer44 von Schubert, wo der zweite Tenor\nbei den Worten: „Sie schlummern friedlich Alle\" u. s. w., ein we-\nnig zu früh einsetzte und dadurch auf einen Augenblick die ande-\nren Stimmen etwas derangirte, reihten sich die vier Vorträge würdig\nan das Ganze an. Freilich hätten wir statt des „Gondelfahrer4' lieber\nein anderes, kräftiges Lied gewünscht, um so mehr, da das Piano\nohnehin ziemlich stark vertreten war und einem Vereine von Män-\nnern mit anerkannt tüchtigen, kraftvollen Stimmen ein kräftiges\ndeutsches Lied sehr wohl anlässt.\nWir begnügen uns, aus dem „Neujahrsliede44 die wunderliebliche\nStelle: „Gebe dem, der über uns\" u. s. w., anzuführen, welche der\nSing-Verein mit ausserordentlicher Wirkung sang, so wie in Nr. 2,\nAndenken: „O liebes Herz, und soll ich dich44, wo die Innigkeit,\nwomit der Componist diese Frage empfunden, überaus schön hervor-\ntrat. In den Vo: trägen der Liedertafel zeichnete sich die Schluss-\nstrophe des „Gondelfahrers44: „Vom Marcus-Thurme tönte44 u. s. w.,\nbesonders aus. Das Pianissimo an der oben berührten Stelle: „Sie\nschlummern44 u. s. w., so wie eine gewisse Feierlichkeit, welche hier\nden Zuhörer anweht, ist so ganz geeignet, uns gleichsam in die\nBarke zu versetzen, die sanft auf den Wellen des Meeres vor der\nLagunenstadt schaukelt. Der Wald-Chor aus „Der Rose Pilgerfahrt44\nvon Robert Schumann war in recht glücklichem Tempo aufgefasst\nund bewährte dieser Verein durch frisches, schönes Colorit der Töne\nseinen alten Ruf.\nWenn wir diesmal Gelegenheit hatten, zwei tüchtige Vereine un-\nserer Stadt, welche mit den schönsten Mitteln begabt sind, nach\neinander auftreten zu sehen, so drängte sich uns unwillkürlich\ndie Frage auf: „Sollte es denn gar keine Anknüpfungspunkte geben,\nwodurch es möglich wäre, diese beiden Vereine Hand in Hand in\nschönster Harmonie wirken zu sehen?44 Wir leben im Interesse der\nKunst der zuversichtlichen Hoffnung, dass die Zeit nicht mehr fern\nist, wo auch in dieser Hinsicht für die Entwicklung und Hebung\nder Kunst unserer Stadt eine schöne Morgenröthe anbrechen wird.\nAbends bald nach 10 Uhr brachte die Liedertafel Frau Schu-\nmann eine Serenade eine Aufmerksamkeit, welche der verehrten,\nleider so schwer geprüften Frau unserer Stadt ein freundliches An-'\ndenken bewahren wird. Frau Schumann sprach dem Dirigenten der\nLiedertafel, Herrn Karl Wilhelm, in schlichten, herzlichen Wor-\nten für die ihr bewiesene Aufmerksamkeit ihren Dank aus.\n15uriiuk 24. October. Einer unserer Mitbürger, Herr R.\nIbach, ist in diesen Tagen aus Spanien zurückgekehrt, nachdem\ner in Valencia mit dem dortigen Domcapitel einen Vertrag über Lie-\nferung einer Orgel von 70 Stimmen abgeschlossen hat. Während die\nHerren Ibach in ihrer eigenen Gemeinde eine der grossartigsten Or-\ngeln der westlichen Provinzen geliefert haben, ist der seit einer\nReihe von Jahren angebahnte Verkehr mit America, wohin nament-\nlich kleinere Werke gehen, in voller Blüthe, und die lobende Aner-\nkennung englischer Blätter zeigt, wie der Ruf der Firma Ad. Ibach\nSöhne sich verbreitet.\n« y\nFräulein Johanna Wagner hat in voriger Woche auf dem\nHoftheater zu Karlsruhe ihr Gastspiel mit „Romeo44 eröffnet,\ndann die „Lucrezia\" und zuletzt die „Fides44 mit grossem Beifall\ngegeben.\n2G. October. Die Opern-Saison brachte bis jetzt in\nabgerundeter Darstellung: Alceste, Barbier von Sevilla, Der Traum\neiner Sommernacht von A* Thomas, Tannhäuser, Puritaner und\nDon Juan. Comala von E. Sobolewsky wartete nur auf die Rück-\nkehr Liszt's, um hinaus in die Oeffentlichkeit vor das Licht der\nLampen zu treten, und wird nun, da diese am 20. October erfolgte,\nin einigen Tagen ihre erste hiesige Aufführung erleben. Der Com-\nponist soll zu dieser Aufführung hieherkommen. Alsogleich soll dann\ndie neue komische Oper von Cornelius, Der Barbier von Bagdad,\nin Angriff genommen werden. Auch dieser Freund und Schüler von\nLiszt ist bereits von München angelangt, um der Taufe seines er-\nsten musicalisch-dramatischen Kindleins beizuwohnen. In weiterer\nAussicht steht dann Rienzi in der neuen dresdener Einrichtung.\nDie nächste Woche bringt uns ein Gastspiel des Sängerpaares\nSchmidt-Fellberg. Die General-Intendantur hat sich in einen\nunerquicklichen Streit mit der hiesigen Hofbuchdruckerei bezüglich\ndes Theaterzettel-Druckes eingelassen. Besagte Hof buchdruckerei\nlieferte seit undenklichen Zeiten die Zettel. Dingelstedt hat diese\nArbeiten nun einem anderen hiesigen Drucker zugewiesen; darüber\nist nun gross Geschrei in hiesigen und auswärtigen Blättern entstan-\nden, und noch wird der Kampf von Seiten der Hofbuchdruckerei mit\nziemlicher Erbitterung fortgeführt. Diese legt nämlich einem tadeln-\nden Artikel, den sie bezüglich einer „Geistergeschichte44, die am\nSchlüsse der vorigen Saison im Hoftheater spielte, die Schuld dieser\ngewaltsamen, für sie höchst unangenehmen Maassregel zur Last; die\nGeneral-Intendanz hat ihr aber zu beweisen gesucht, dass nur Er-\nsparungs-Gründe sie geleitet, und von Seiten des Publicums gibt\nman ihr vollkommen Recht. Aus denselben Gründen hat sie der\nWeimarer Zeitung die Theater- und Repertoire-Annoncen entzogen,\nund dieses officielle Blatt sieht sich nun in der höchst kläglichen\nLage, seinen nach Neuigkeiten hungernden Lesern nicht einmal die\ntägliche Kost der Theater-Anzeigen auftischen zu können. Die\nberührte ~Geistergeschichte4< ist übrigens recht pikant und könnte\nIhren Lesern wohl einmal erzählt werden."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "352", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581030-01.1.8", "texte": "Wien. Die vom hiesigen Männergesang-Verein veranstaltete\nFeier der Enthüllung der Gedenktafel an Fr. Schuberts Geburts-\nhaus fand am 7. October um 4 Uhr Nachmittags in würdigster Weise\n»Statt. Die Sänger bildeten um das mit Schubert's Büste und mit\nBlumen gezierte Haus einen weiten Halbkreis, in dessen Mitte man\nden Herrn Bürgermeister Dr. Ritter von Seiller, den Herrn Hofrath\nRiedl von Riedenau, den Herrn Hofrath Ritter von Spann, die Herren\nBrüder und Anverwandten des Meisters, nebst vielen durch ihre\nStellung hervorragenden Verehrern des Gefeierten bemerkte. Nach\ngesungenem Wahlspruche sprach ein Mitglied des Vereins in erhe-\nbenden Worten die Veranlassung der Feier, das Wirken und den\nRuhm des grossen Meisters aus, worauf nach einem auf das Fest\nbezüglichen Chor zwei Chöre und ein Quartett von des gefeierten\nMeisters unsterblicher Muse und zuletzt das Deutsche Lied folgte.\nAbends war im Saale zum grossen Zeisig Liedertafel, wozu sich so-\nwohl die Sänger als auch viele Jugendgenossen und Verehrer des\nGefeierten in grosser Anzahl versammelten. Hier erklang in begei-\nsternder Weise und seltener Präcision die Muse Schubert's im ab-\nwechselnden Chor- und Sologesänge, hier ertönten mehrere seiner\nherrlichsten Ciavierwerke, und ein sinniges Gedicht von Dr. Foglar\nreihte sich den musicalischen Vorträgen würdig und rundend an.\nErst die Mitternachtsstunde beendete das Fest, bei welchem die bei-\nden Chormeister Schläger und Herbeck sieh in verdienstlichster\nWeise in die Leitung theilten. (N. W. M.-Z.)\nDie zeitweise sistirten „Blätter für Musik, Theater und Kunst,\nherausgegeben und redigirt von L. A. Zellner'4, werden in neuer\nund ununterbrochener Folge vom 1. November d. J. an wieder\nerscheinen."}]}