{"numero_id": "bm-bmtnabi-1858-11-06-01", "volume": "bmtnabi_1858-11-06_01", "ocr_sha256": "a19188a3d81514260249ce2ff90de702e7e1d8ea729161f8ec278398e615cc51", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1858/11/06_01/bmtnabi_1858-11-06_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581106-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1858-11-06-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-11-06_01#c001", "volume": "bmtnabi_1858-11-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "353", "page_fin": "353", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581106-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "353", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581106-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 421, "texte": "Inhalt.\nV • ♦\nNeue Texte zu alten Opern. Schluss. Von L. B. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Herr Schauseil, Neue\nSinfonie von Jul. Rietz, Herr Brinkmann, Capellmeister F. Hiller Frankfurt a. M , Fräul. Franeisca Veith Eine neue Oper von Ber-\nlioz Instrumenten-Sammlung Berlin, Fräul. Trietsch f Baden-Baden, Concerte Hannover, Vampyr Braunschweig, Oper\nHamburg, Capellmeister Eschborn Wien B. H. Romberg Rubinstein)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-11-06-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-11-06_01#c002", "volume": "bmtnabi_1858-11-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "353", "page_fin": "358", "image_debut": 1, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581106-01.2.2", "titre_corps": "Neue Texte zn alten Opern.", "titre_sommaire": "Neue Texte zn alten Opern.", "signature_source": "L B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "353", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581106-01.1.1", "debut_caractere": 423, "fin_caractere_exclue": 4169, "texte": "Neue Texte zn alten Opern.\n\n(Schluss, 8. Nr. 44.)\nDie Einlagen in den Don Juan, welche Mozart für\ndie Aufführung in Wien nachträglich componirte, sind:\n1) das Recitativ und die Arie der Elvira:\nalma ingrata („Mich verlässt der Undankbare\") in Es-dar;\n2) die Arie des Masetto: 110 in\nin welcher der eifersüchtige Bräutigam seine verdeckte\nWuth darüber, dass er dem vornehmen Cavalier das Ter-\nrain überlassen muss, ausspricht und seine Zerline neben-\nbei mit argen Ehrentiteln tractirt; 3) Die Arie des Otta-\nvio: Dalla sua pace(„Ein Band der Freundschaft\") in\nG-dur; 4) das Duett zwischen Leporello und Zerline: Per\nqueste tue manine, das nach der Arie Leporeüo's:\\Ah,\npietä, signori mieiu ,eingeschaltet worden.\nDie Auslassung dieser vier Stücke bezeichnet Herr\nViol als Frevel und druckt zu ihren Gunsten einen Aufsatz\nvon Gottfried Weber aus der „Cäcilia\" (XI. Band, Heft\n44) wieder ab. Allein Nummer 1 und Nummer 3 werden\nauf allen Theatern gesungen, und auch Nummer 2 hört\nman überall, wo überhaupt die Rolle des Masetto durch\neinen wirklichen Sänger besetzt werden kann. Der Cha-\nrakter dieser Arie: „Hab's verstanden, ja, mein Herr!\nHa, du falsche, glatte Schlange!\" ist vortrefflich, und man\nvermisst sie nicht gern; indess lässt sich doch nicht läug-\nnen, dass Masetto durch das Duett: „Hurtig, hurtig!\"\nmit Zerline zu Anfang des ersten Finale's noch weit drasti-\nscher eharakterisirt wird, und dass folglich die eventuelle\nAuslassung der Arie in F-dur keine gegründete Veran-\nlassung zu dem Ausrufe gibt: „Ist denn alle Kritik ausge-\nstorben im deutschen Vaterlande?\" (S. 14.) Dass sie übri-\ngens einen Bestandtheil der ursprünglichen Partitur, wie\nsie für Prag geschrieben wurde, bildet und mithin von G.\nWeber fälschlich unter die späteren Einlagen gezählt wird,\nspricht allerdings für ihre Beibehaltung.\nDie wirklich späteren Einlagen (Nr. 1, 3, 4) wurden\nnicht, wie Dr. Viol sagt, kurz nachher, sondern, wie er\nselbst aus dem eigenhändigen Katalog Mozart's anführt,\nerst in Wien, volle sechs Monate nach der ersten Auf-\nführung in Prag, componirt. Der Don Juan ist als vollen-\ndet am *2B. October 17 87 verzeichnet, die drei Einlagen\nam 24., 28. und 30. April 1788, und zwischen dem Don\nJuan als Nr. 67 der Werke und den Einlagen als Nr.\n79, 80 und 81 liegt die Composition von zwölf anderen\nWerken. Wie ist es möglich, auf diese Angaben den\nSchluss zu begründen, „dass die drei Stücke auf einmal\nund unmittelbar nach einander componirt und also nach\neinem zusammenhangend gedachten Plane von Mozart sei-\nnem Werke eingefügt sind\"?!\nDieser Plan war so wenig zusammenhangend gedacht,\ndass Mozart die drei Stücke nur als Anhang in die Par-\ntitur schrieb und nicht einmal die Stellen bezeich-\nnete, wo Elvira und Ottavio ihre Arien anbringen sollten.\nEr hatte sie nicht für Elvira und Ottavio geschrieben, son-\ndern nur in deren Charakter für die damalige Sän-\ngerin und den damaligen Sänger dieser Partieen in Wien;\nsie sind so wenig aus einer beabsichtigten Ergänzung des\nkünstlerischen Baues des Drama's hervorgegangen, dass\nsie im Gegentheil als Concessionen betrachtet werden müs-\nsen. Die gegenwärtigen Stellen der beiden Arien („Mich\nverlässt der Undankbare\", nach der Register-Arie Lepo-\nrello's, und „Ein Band der Freundschaft\" nach der Arie\nder Donna Anna: „Du kennst den Verräther!\") sind ihnen\nerst durch F. Rochlitz in dessen deutscher Uebersetzuna\no\ndes Don Juan angewiesen und seitdem traditionel gewor-\nden. Uübischeff wollte die Arie der Elvira am liebsten zur\nEröffnung des zweiten Actes benutzt wissen.\nAlles dies schlägt G. Webers und Herrn Viol's\nSchlussfolgerungen über die Nothwendigkeit dieser Stücke\nfür den dramatischen Bau des Don Juan darnieder. Es ist\nauch gar nichts Neues, was wir in Obigem angegeben ha-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "354", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581106-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4215, "texte": "ben, es sind längst bekannte Dinge; aber heutzutage hat\nman dergleichen vergessen oder nie gewusst, und geht,\nohne sich über seinen Gegenstand gehörig in der Literatur\nzu orientiren, nur geraden Wegs an das Schriftstellern\nüber Kunstwerke.\nAuch die letzte Einlage, das Duett zwischen Leporello\nund Zerline in C-dur,verdankt sein Dasein einer Conces-\nsion, die Mozart dem Localgeschmack des wiener Publicums,\nund eben nicht dem gebildetsten Theile desselben, gemacht\nhat, schwerlich aus freiem Willen. Denn das komische\nElement, welches in der Oper Don Juan neben dem ro-\nmantischen und tragischen waltet und durch Leporello und\nMasetto vorzugsweise repräsentirt wird, ist in den Scenen,\nwo es zu Tage tritt, doch immer mit Humor, ja, häufig\nmit Ironie gewürzt und greift theils als Contrast zum Tra-\ngischen, theils als Ergänzung der Charakterzeichnung in\ndas Ganze ein. So ist z. B. die Furcht Leporello's bei den\nwilden Blicken des steinernen Comthurs wahrhaft tragi-\nkomisch, seine Register-Arie ist voll Ironie, Masetto's ehr-\nliche Tölpelei ist ein echt komischer Gegensatz gegen die\nVerführungskunst des abgefeimten Cavaliers, der die Lehre\ndes Urahnen von Mephistopheles über die Art, auf welche\nder Frauen ewiges Weh und Ach so tausendfach aus\nEinem Punkte zu curiren, gründlich studirt hat. Ja, dieser\nDon Juan selbst singt mit einer teuflisch zärtlichen Ironie\ndie arme Elvira vom Balcon herab auf die Strasse; sie\nkann der süssen Melodie:\nnicht widerstehen; die Ironie liegt aber hier in der Wahr-\nheit des Gefühls, das jedoch einen anderen Gegen-\nstand hat, indem Don Juan dabei schon an das Kammer-\nmädchen denkt, an die er, sobald das Feld rein ist, die-\nselbe Melodie richtet:\nUnd Mozart, so reich an den feinsten Zeichnungen\nder Charakteristik man vergleiche einmal diesen Zug mit\nden vier Trompetern des Königs Heinrich und dem musi-\ncalischen Wappen des Lohengrin bei Wagner! dieser\nMozart hätte sich gern dazu hergeben sollen, eine so un-\nwürdige, nicht komische, sondern grob possenhafte Scene,\nwie die Einlage des Duetts zwischen Leporello und Zerline\nist, in seinen Don Juan einzuschmuggeln, oder hätte sie\ngar als ein organisches Glied in dem Bau des Ganzen be-\ntrachtet?\nDa wohl nur wenigen, wahrscheinlich keinem unserer\nLeser die gedachte Scene bekannt ist, denn auf der Bühne\nist sie nur in den Aufführungen der ersten Jahre nach\nErscheinen der Oper und nur in Wien gegeben worden,\nso wollen wir zur Rechtfertigung unserer Ansicht ihren\nInhalt mittheilen.\nLeporello macht sich nach seiner Arie:\nsignori mieiu, aus dem Staube; Don Ottavio bittet die\nFreunde, seine Geliebte zu trösten, und nach seiner gros-\nsen B-dur-Arie: „11 mio tesoroentfernen sich Alle.\nDa erscheint auf einmal Zerline wieder; sie hat den\nLeporello eingefangen, und er ist so gutmüthig, sich von\ndem zarten Bräutchen hereinzerren zu lassen, denn er\nsoll ein Duett mit ihr singen. Das Bräutchen ist aber zu\neiner handfesten Bäuerin geworden, die es weder mit ihren\nAusdrücken, noch mit ihren Manieren genau nimmt.\nRecitativ:\nZerline: Hieher mit dir!\nLeporello: Barmherzigkeit!\nZ.: Nichts von Barmherzigkeit für deines Gleichen.\nL.: Willst du mich denn ausnehmen [cavarmi] ?\nZ.: Haar, Gehirn, Ilerz und Augen reiss' ich dir aus!\n.L.: Schätzchen, lass dir sagen\nZ.: Rühre mich nicht an, sonst sollst du gewahr wer-\nden, du Abschaum aller Schufte, was der kriegt, der ein\nMädchen beleidigt!\nL.: 0 ihr Götter, befreit mich von dieser Furie!\nZ.: Masetto! He, Masetto! wo Teufel ist er hingegan-\ngen Leute! Niemand kommt Niemand hört\nL.; Sachte, sachte, ich bitte dich zieh' mich nicht\nwie ein Pferd beim Schwanz!\nZ.: Warte nur ab, wie sich endigt der Tanz! Hieher\neinen Stuhl!\nL.: Da ist einer.\nZ.: Setze dich!\nL.: Ich bin nicht müde.\nZ.: Setz' dich, oder ich reisse dir mit diessen Händ-\nchen das Herz aus dem Leibe und werf' es den Hunden vor!\nL.: Da sitz' ich. Aber sei so gut und lege das Rasir-\nmesser weg willst du mich denn barbieren?\nZ.: Ja, du Schlingel, ich will dich ohne Seife barbieren!\nL.: Ewige Götter!\nZ.: Gib mir deine Hand!\nL.: Die Hand\nZ.: Nun die andere!\nL.: Aber was willst du denn thun?\nZ.: Ich will thun, was mir beliebt. (Sie bindet ihn.)\nDuett:\nL.: Bei deinen kleinen Händchen\nSo weiss und so zart,"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "355", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581106-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4627, "texte": "Bei diesen frischen Wangen\nHab' doch Mitleid mit mir.\nZ.: Nichts von Mitleid, du Schurke!\nWie eine Tig'rin wüth' ich,\nWie eine Schlang' und Löwin,\nNichts von Mitleid mit dir!\nL.: Wie mach' ich mich aus dem Staube\nZ.: Des Tod's, wenn du dich rührst!\nL.t 0 ihr grausamen Götter!\nWer hat in ihre Hände\nMich Armen nur gebracht!\nZ.: Verrätherischer Bube!\nHätt' ich nur so wie dich\nAuch deinen Herrn in Haft!\nL.: Ach, schnüre nicht so feste,\nDer Athem geht mir aus!\nZ.: Mag er dir nur vergehen,\nDu kommst von hier nicht fort!\nL.: 0 Götter, welche Püffe!\nIst es Tag oder Nacht?\nWelch Rütteln und welch Stossen,\nVerdammte Finsterniss!\nZ.: Wie glühen Freud' und Lust\nDer Räch' in meiner Brust!\nSo muss man mit den Männern\nVerfahren, so, nur so!\nDieser Text ist wörtlich aus dem Italiänischen über-\nsetzt, und mag auch zugleich ein Beispiel geben von dem\n„Humor des Originals\", den Herr Viol in allen deutschen\nTexten des Don Juan vermisst! Man sieht ihm auf den\n/\nersten Blick an, dass er auf die erhabenste Glasse des\nTheater-Publicums berechnet ist.\nNach dem Duett läuft Zerline fort, um Donna Elvira\nzu holen. Leporello, an den Stuhl festgebunden, bittet\neinen vorübergehenden Bauer oder Bürger (im Zimmer?\nauf der Strasse?) um einen Trunk Wasser, versucht, mit\nden Zähnen seine Bande zu zernagen; es gelingt, und er\nläuft fort. Zerline kommt mit Elvira zurück, aber der Vo-\ngel ist ausgeflogen. Sie beschliessen, dem Ottavio diese\nFlucht zu melden!! Das ist das Glied, welches dem\nKunstwerke abzunehmen, oder richtiger: nicht aufzudrin-\ngen, für einen Frevel gelten soll.\nAber vielleicht ist die Composition dieser flachen Posse\nso wundervoll, dass es Jammer und Schade ist, dass wir\nsie nicht mehr auf der Bühne hören? Nun, Mozart bleibt\nfreilich immer Mozart, und bekanntlich hatte er, wie Jo-\nseph Haydn, die Macht, die Musik zu „commandiren\",\nwie es Göthe's Theater-Directör im Faust von dem Dich-\nter mit der Poesie verlangt; beide Meister componirten\nbestellte Sachen fast mit derselben Genialität, wie die\nMusik, zu welcher der Drang des Innern sie begeisterte.\nSo ist denn auch diese Einlage immerhin Mozart's nicht\nunwürdig, aber wenn sie von allen Nummern im Don Juan\nauch nicht die schwächste ist, so ist sie doch sicherlich die\ndritte im Bunde der schwachen, den das Duett von Anna\nund Ottavio (G-dur) im Finale und die Arie der Elvira:\n„Deh fuggi\" (D-dur), in der Partitur überschrieben: „Nel\nstilo dl Ilaendel\", bilden. Die Opern-Regisseure unseres\nJahrhunderts haben desshalb mit sehr richtigem Gefühl\ndiese drei Nummern weggelassen.\nHerr Viol erwähnt der Arie: „Deh fuggi\" nur in\neiner Anmerkung, bedauert natürlich auch ihre Auslassung\nund nennt sie ein „charakteristisches Musikstück\". Wir\nsind der entgegengesetzten Ansicht und meinen, diese Arie\nfalle ganz und gar aus dem Charakter heraus, den Mozart\nseiner Elvira durch alles, was sie sonst singt, gegeben hat.\nWie er dazu gekommen, eine Arie dieses Stils in eine Par-\ntitur wie die des Don Juan einzuschieben, wo die musica-\nlische Charakteristik aller Rollen sonst so fest durchge-\nführt ist, das ist schwer zu errathen. Man möchte fast mit\nUlibischefT auf die Vermuthung einer Ironie kommen, de-\nren Schlüssel der Gedanke des Componisten wäre: „Seht,\ndiesen Stil habt ihr bis jetzt bewundert und bewundert\nihn noch! Nun hört einmal, wie er sich zwischen den\nNummern meines Stils ausnimmt!\"\nWir kommen jetzt zu - der Weglassung der Schluss-\nstücke des letzten Finale's.\nEs ist sonderbar, dass Herr Dr. Viol für den Schluss\nder Oper Schwierigkeiten findet. Nach seinen Grundsätzen\nsollte man erwarten, dass er das Sextett nach dem Sturze\nDon Juan's in die Hölle mit allen Gründen, die schon oft\ndafür angeführt worden sind, als da heissen Versöhnung,\nBeruhigung u. s. w., in Schutz nehmen würde. In der\nThat, seinem musicalischen Werthe nach verdient es, mit\nAusnahme des Stückchens Duett, welches den trivialsten\nitaliänischen Phrasen aufs Haar gleicht, weit mehr das\nPrädicat eines integrirenden Theiles der Oper, als die Hän-\ndel'sche Arie und das Duett zwischen Leporello und Zer-\nline, zumal da Dichter und Componist diesen Schluss nach\ndem gewöhnlichen Opern-Zuschnitt für nothwendig hielten.\nWir erfahren nämlich aus dem Sextett, was aus den an-\nderen Leuten des Schauspiels wird, die der Teufel nicht\ngeholt hat, und das will doch immer die Galerie wissen,\num beruhigt nach Hause zu gehen. Also Elvira geht ins\nKloster, Zerline und Masetto „kriegen sich\", Leporello\nwird fromm, wie ein alter Sünder, Donna Anna bedingt\nsich Anstands wegen noch ein Trauerjahr aus, und alle\nzusammen verkünden schliesslich die Moral:\n„Wie man lebt, so stirbt man auch.\""}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "356", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581106-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5358, "texte": "Trotz alledem ist auch Herr Viol für den Wegfall des\ngrössten Theiles des Sextetts und will nur das letzte Presto,\ndie Moral, beibehalten wissen. Wie, das werden wir\nsleich sehen.\nMan hat auch hier wieder allgemein sehr richtig ge-\nfühlt, dass auf der Bühne das Drama mit dem Sturze des\nDon Juan endigen müsse, denn die Erzählung einer Kata-\nstrophe, die man auf der Scene mit Augen angesehen, ist\nunerträglich. Aber auch rein musicalisch genommen, z. B.\nbei Aufführungen des ganzen Finale's im Concertsaale, wie\nneulich beim Musikfeste in Coblenz, fällt das Sextett gegen\ndie überwältigende Grossartigkeit des Vorhergehenden gar\nsehr ab und erscheint matt und farblos.\nNun können aber Einige mit dem blossen Wegfallen\ndes Sextetts sich nicht zufrieden geben, sie wollen etwas\nAnderes an dessen Stelle setzen, einen „künstlerischen\nRuhegesang\", wie Franz Kugler sagt, der in dem belle-\ntristischen Jahrbuche Argo für 1854 Bemerkungen über\nDr»n Juan und Figaro hat drucken lassen.\nNach ihm soll Hector Berlioz folgenden Vorschlag\ngemacht haben: Die Scene verwandelt sich in eine Kirche;\nin ihr steht der Katafalk des Don Juan, und der Chor\nlässt das Dies irae aus Mozart's Requiem ertönen, womit\ndie Oper schliesst. Eine Leichenfeier, ein Stück aus\neiner Todtenmesse für Don Juan, der so eben zur Hölle\ngefahren ist!! Kolossaler Unsinn!\nDas sieht denn F. Kugler doch auch ein und verwirft\ndiesen Schluss und das Dies irae dann noch besonders,\nweil es „nicht das gibt, was wir hier vorzugsweise bedür-\nfen den künstlerischen Ruhegesang\".\nVon diesem selbstgeschaffenen Bedürfniss kann er sich\nnicht losmachen und gibt dem Gedanken von Berlioz die\nWendung, dass eine Leichenfeier für den Comthur die\nOper schliessen solle. Desshalb müsse aber die Capelle, in\nWelcher sie Statt findet, schon früher dem Zuschauer vor-\ngeführt werden. Er fährt dann also fort:\n„lii erzu wähle ich die Scene, in welcher das Steinbild\ndes Comthurs zum Gastmahl eingeladen wird. Statt jenes\nLocals im Freien, in welchem das Reiter-Standbild steht,\nnehme ich für diese Scene das Innere einer Capelle an, in\nwelche der Mondenschimmer hineinfällt. Hieher, wie in\nein gewohntes Asyl, kann sich Don Juan und kann sich\nhernach Leporello eben so gut flüchten, als in jenen offe-\nnen, von einer doch nicht gar hohen Mauer umgebenen\nRaum. Hier steht das Denkmal des Comthurs, freilich nicht\nals Reiter-Figur, sondern als einfache Statue zu Fuss, was\nder Galerie wiederum vielleicht weniger zusagen, was aber\nschon an sich gescheidter sein wird, indem eine Reiter-\nFigur aus Stein (statt etwa aus Bronze) in technischem\nBelange ein bedeutend missliches Ding ist, was zugleich\nkünstlerisch noch reiner wirken dürfte, und was eben in\ndiesem künstlerischen Bezüge doppelt wünschenswerth ist,\num die Gestalt schon hier völlig in derselben Haltung zu\nzeigen, wie sie hernach in das Gastmahl des Don Juan\neintritt. In der Capelle sind die Vorbereitungen zu der be -\nvorstehenden Feier bereits zu erkennen, und Don Juan\nkündigt die letztere, dies bemerkend, mit ein paar spötteln-\nden W orten an. Es wird gut sein, wenn auch Donna Anna\nin der lolgenden Scene, in den Worten des einleitenden\nRecitativs als Grund für ihr ablehnendes Verhalten gegen\ndas eilig drängende Werben Ottavio's ganz kurz anführt,\ndass die kirchliche Trauerfeier für den Vater ja noch nicht\neinmal abgehalten sei. Dann kommt das Finale mit seiner\nrauschenden Lust, mit seinem dämonischen Entsetzen. Die\nBühne hat hier durchaus keine Tiefe; es darf, dem Inhalte\nentsprechend, durchaus kein Saal, sondern nur ein mässig\ngrosses, behagliches Gemach sein. Mit dem Verschwinden\ndes steinernen Gastes brechen die Dämonen herein Ge-\nstalten, in denen das Entsetzenvolle, der grausen Schönheit\nantiker Furien ähnlich, geadelt und künstlerisch anschau-\nbar erscheint. Es wird finster, Flammen zucken hier und\ndort empor, WTolkenflöre senken sich über alles, was die\nLocalität bezeichnet, nieder. Wenige schmetternde Accorde\nleiten am Schluss der Scene nach B-dur hinüber. Die\nWTolkenflöre theilen und heben sich, wie in eine Vision\nsieht man in jene Capelle hinein, in welcher das Bild des\nComthurs steht, und durch deren gemalte Fenster, mehr\nund mehr emporleuchtend, der junge Morgen hereinbricht.\nAlles ist zu der heiligen Feier versammelt, vor den Uebri-\ngen Donna Anna und Ottavio (dem ich hier seine Anwe-\nsenheit so wenig erlassen kann, wie in der letzten grossen\nArie Anna's, bei welcher ihn unsere Bühne gewöhnlich\nundramatischer Weise durch einen von ihm geschriebenen\nBrief ersetzt). [!] Alles bleibt aber durchaus im Hinter-\ngrund der Bühne, vielleicht sogar durch einen durchsich-\ntigen Flor von dem Vorräume geschieden. Ein ebendort\nbefindliches Orchester übernimmt die Begleitung, und\nAnna intonirt, in kirchlicher Heiligung die Ruhe nach dem\nUntergange des Feindes findend, das fromme: „Lux per -\npetita luceat ei, Domine, cum\nquia pius es (aus Nr. 12 des Der ferne Chor\nführt das kleine Stück weiter fort und schliesst demselben,\nals eigentlichen kurzen Schlussgesang, nicht sowohl der\nWorte als der musicalischen Behandlung wegen, welche\nzum einfachen Ahschluss des Ganzen so vorzugsweise ge-\neignet ist, das „Osanna excelsis- (aus Nr. 10 des\nRequiem) an. Während des Osanna fällt ganz langsam\nder Vorhang.\n„Ich denke mir diese Schlussscene nicht sowohl dra-\nmatisch gehalten, als vielmehr nur wie ein Bild erscheinend,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "357", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581106-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5230, "texte": "nur wie symbolisch wirkend; daher diese beiden kurzen\nMusikstücke, deren Ausführung nur wenige Minuten er-\nfordert, die aber völlig hinreichen, den versöhnenden Ge-\ngensatz gegen das Vorige hereinzuführen, in der kurzen,\ndurch Donna Anna gesungenen Intonation doch bestimmt,\ndie geweihte Sphäre zu bezeichnen, in welche ihr Gemüth\nsich erhoben. Daher die kirchlich feierliche Ausstattung,\ndie sich durch das hereinbrechende Licht glanzvoll ent-\nwickelt und bei der prächtigen Wiederaufnahme des: „Et\nlux perpetua luceat ei\", am Schlüsse des ersten Stückes,\ndurch die volle Gluth der Morgensonne, welche hier durch\ndie farbigen Bilder der Fenster hereinstrahlt, zur erhaben-\nsten Wirkung steigert. Aber die einfache Andeutung ist\nalles, was hier noch gegeben werden darf, und so senkt\nsich der Vorhang schon bei dem kurzen Schlussgesange\ndes Osanna wieder über das Bild herab.\"\nSo weit Kugler. Herr Dr. Viol nimmt die Grab-Ca-\npelle und die Todtenfeier an, verwirft aber die Sätze aus\ndem Requiem und lässt dafür von den in der Capelle An-\nwesenden, zunächst den Damen Anna, Elvira und Zerline\ndas Presto-Findle des Sextetts in D-dur mit folgenden\nTextesworten anstimmen:\n„Höllenqual des Sünders Lohn,\nTugend wohnt an Gottes Thron !u\nDas ist nun vollends ein seilsamer Gedanke; denn dieses\nPresto passt zur Todtenfeier, wie die Faust aufs Auge!\nEs ist kaum nöthig, das Unstatthafte dieser Vorschläge\naus einander zu setzen. Hätte Mozart das Schluss-Sextett\ndem Finale nicht angehängt und wir haben ohen ge-\nsehen, dass es nur dem Zeitgeschmack und dem Opern-\nZuschnitt zu Liebe geschehen ist —, so würde es keinem\nAesthetiker auf der Welt eingefallen sein, ein Beruhigungs-\nmittel für die aufgeregten Gemüther, einen Schluss nach\ndem Schlüsse des Drama's zu verlangen. Uebrigens ist der\nDon Juan trotz des ursprünglich italiänischen Textes eine\nYolks-Oper in Deutschland geworden, und weil wir ausser\nihr und Weber's Freischütz keine haben, so hat das \\ olk\nauch ganz Recht, wenn es sich die damit verwachsenen\nAeusserlichkeiten nicht nehmen lassen will. Wenn F.\nKugler meint, die Galerie würde freilich das Reiter-Stand-\nbild des Comthurs vermissen, so zähle ich mich mit zum\nGalerie-Publicum, und Hunderttausende thun es sicherlich\nmit mir. Der Kirchhof ist der einzig mögliche Ort für\ndie schön erfundene und von Mozart durch die Accorde,\nwelche die Geisterstimme begleiten, und durch das Duett\nzwischen Don Juan und Leporello so meisterhaft charak-\nterisirte Scene. Nur auf den Kirchhof, auf die seit Chri-\nstengedenken privilegirte Heimat aller Schauer- und Spuk-\ngeschichten, gehört die Scene; jede andere Decoration\nwürde ihr das Gespenstische abstreifen. Und das Pferd\ndürfen wir vollends nicht in die Rumpelkammer werfen ;\nselbst Leporello's Anrede:\n~Herr Gouverneur zu Pferde!\nIch beuge mich zur Erde\"\nist auf der deutchen Bühne durch die Tradition classisch\ngeworden, und ist auch zehn Mal passender und humo-\nristischer, als Herrn Yiol's Uebersetzung:\n~0 du hochedles Standbild\nDes sel'gen Gross-Comthuren l\"\nDer ganze Eindruck des „Neigens mit dem Kopfe\" würde\nverloren gehen, wenn es nicht hoch vom Pferde herab\nkäme, auf welchem man (was dem sonst so kunstverstän-\ndigen Kugler entgangen ist) den steinernen Mann von der\nSeite (en profil) sieht. Das Kopfnicken einer Statue zu\nFuss auf einem Postamente und von vorn ge-\nsehen würde pagodenartig komisch sein. Ja, ich gehe noch\nweiter. Bei welcher Stelle des Duetts überläuft uns ein\nwirkliches Grausen? Bei dem C des Leporello, das dem\nE des Comlhurs folgt. Nun behaupte ich geradezu, dass\ndiese gewaltige Stelle, die in zwei Noten die Schauer der\nGeisterwelt zusammenpresst, nicht halb den musicalischen\nEffect machen würde, den sie macht, wenn nicht auch das\nSichtbare hinzukäme, dass das E auf „Ja\" von der Höhe\nherab tönt, und Leporello mit dem in die Erde zu sin-\nken vermeint.\nWas macht den Don Juan unsterblich? Mozart's Mu-\nsik. Alles Uebrige mit seinen theilweisen Mängeln lasse\nman doch ja unangetastet ; man mäkle auf der einen Seite\nnicht an Unwesentlichem, und trage auf der anderen nicht\nDinge hinein, die nicht darin liegen, wie z. B. die psycho-\nlogischen Phantasieen über die Haupt-Charaktere der Oper,\nwelche die Donna Anna zu einer gefallenen oder gar den\nVerführer liebenden Jungfrau, den Don Juan zu einem Ideal\nder Berechtigung des Sinnlichen im Menschen machen, und\nwas sonst noch mit und ohne Geist Aehnliches hineinge-\ndichtet wird. Die Charaktere, wie sie Mozart's Musik ge-\nschaffen hat, bedürfen keiner Deutung; lasst nur die Töne\nwalten, und Jeder wird wissen, woran er ist.\nWas nun den deutschen Text betrifft, so kann ich\nwiederum nicht einstimmen, wenn behauptet wird: „man\nkönne nicht leicht etwas finden, das an Trivialität und\nJämmerlichkeit ihm an die Seite zu setzen wäre\" (Viol, S.\n14). Dass die deutschen Uebersetzungen des Don Juan\nihre grossen Mängel haben, will ich nicht in Abrede stel-\nlen; allein I ür Aenderungen kann nur die Musik den lei-\ntenden Grundsatz geben; Abrundung der Verse und Reime,\npoetische Sprache u. s. w. dürfen erst in zweiter Linie sich\ngeltend machen. F. Rochlitz hat ein unbestreitbares Ver-\ndienst durch seine Uebersetzung um den Don Juan; das\ndürfen wir ihm nicht schmälern. Ueberail aber, wo der"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "358", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581106-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4712, "texte": "Text nicht mit der Musik in Einklang steht, da muss man\nihn ändern; denn das fordert die wahre Pietät gegen Mo-\nzart weit mehr, als die Beibehaltung einer jeden Nummer.\nAber im Ganzen wird der Tadel des deutschen Textes\nauch wieder übertrieben. Um nur Ein Beispiel zu geben,\nso ist die Klage über den Verlust des „Humors\" des Le-\nporello, „aus dem die gangbaren Uebersetzungen einen\nrohen, dummen, plumpen Tölpel gemacht haben\" sollen\n(F. Kugler), keineswegs begründet; denn seineSpässe sind\nim italienischen Original ebenfalls oft läppisch und scurril.\nWir haben oben in dem Text des Duetts mit Zerline schon\nein Pröbchen davon gegeben. Man muss die jämmerlichen\nPossen, die von den Darstellern des Leporello gerissen\nwerden, nicht auf Rechnung des deutschen Textes schie-\nben; auch die Italiäner sind davon nicht frei. Verhunzte\ndoch der berühmte Lablache die oben angeführte Stelle\nin der Kirchhofs-Scene so arg, dass er Statt des ein\nschnarrendes Brrrr! ausstiess und am ganzen dicken Leibe\ndabei zitterte!\nWill man verdeckte Zoten Humor nennen, so fehlt es\ndem italiänischen Leporello freilich nicht daran; oder will\nman etwa behaupten, dass die trockenen Moral-Predigten,\ndie er seinem Herrn hält, in seinem Munde Humor wer-\nden? Man vergisst auch hier wieder, dass es Mozart, dass\nes die Musik ist, welche die roh skizzirte Anlage zu einem\nhumoristischen Charakterbilde gemacht hat.\nWas nun die neue Textes-Bearbeitung durch Herrn\nDr. Viol betrifft, so räumen wir ihm gern die Schwierig-\nkeit einer solchen Arbeit ein, und geben zu, dass ihm Ein-\nzelnes, wenigstens relativ, ganz gut gelungen ist. Im Gan-\nzen aber scheint es doch nicht, als ob hier eine geistvolle\nund sprachgewandte, dem Original und der Musik sich\nauf gleiche Weise geschickt anschmiegende Uebersetzung\nhergestellt worden sei. Vieles ist aus den bekannten Tex-\nten aufgenommen, und oft nicht das Beste, sondern gerade\ndas, was man am liebsten anders wünschte, z. B. gleich\nAnfangs. Donna Anna: „Wie ein wüthend Ungeheuer\nWill ich dir zur Seite sein\" (Come furia disperatci Ti\nsaprö perseguitar).Eine Furie ist wohl ein Ungeheuer,\naber ein Ungeheuer ist nicht immer eine Furie abge-\nsehen von der falschen Accentuation auf „heu\", da diese\nSylbe nicht den Hauptton hat, sondern „Un\". Hier ist die\nandere Version: „Bis die Bache dich ereilet, Sollst du hier\ndich nicht befrei'n\" —obgleich keineswegs genügend, den-\nnoch besser. Eben so wenig ist Don Juan's gleichzeitige\nRede: Questa furia disperata mi vuol far preeipitar\ndurch: „Wie von einem Ungeheuer Muss ich mich von\nihr befrei'n\" genügend wiedergegeben. In einer hand-\nschriftlichen Uebersetzung, die mir vorliegt, lautet diese\nStelle so:\nAnna: Einer Furie Wulh im Herzen,\nLass' ich nimmer dich entilieh'n!\nJuan: Dieser Furie wüthend Toben,\nWird mich ins Verderben zieh'n.\nLeporello: Hier ist wahrlich nicht zu scherzen,\nEr wird mich ins Unglück zieh'n.\nDoch es würde zu weit führen, mehrere Scenen so\nbis ins Einzelne gehend zu betrachten. Nur das müssen\nwir noch bemerken, dass einige Verstösse gegen den Sinn\ndes Originals und gegen die Situation nicht beseitigt wor-\nden sind, wie es zu verlangen war. So z. B. ruft Ottavio\nauch hier noch den Dienern in der Scene am Leichnam\ndes Comthurs zu: „Verlasst sie nicht!\" anstatt: Cercate\nmi qucdche odor, non tardaie! d. h.: Holt schnell etwas\nStärkendes also gerade das Gegentheil.\nUm auf den Schluss der Oper zurück zu kommen, so\ndarf es wohl nicht mehr in Frage gestellt werden, ob nach\nder Scene in D-mollzwischen dem Gespenst und Don\nJuan noch etwas folgen solle; die vollständige Katastrophe\nder Handlung, der vollständige musicalische Schluss, end-\nlich der moralische Eindruck fordern gebieterisch hier das\nEnde des Drama's. Aber freilich, die Regie muss dafür\nsorgen, dass die erschütternde Wirkung der Musik nicht\ndurch Teufelsspuk und Feuerwerk vernichtet werde. Nach\ndem Verschwinden des Geistes treibt den Frevler die Fol-\nterqual des Gewissens in Wahnsinn umher; hier und da\nmag eine Flamme aus dem Boden hervorbrechen, aber die\nDämonen, der Coro di Spettri,bleiben hinter der Scene\nund lassen dort ihr furchtbares Unisono auf a und b ertö-\nnen, von dem Männerchor so stark wie möglich besetzt.\nErst bei den zwei letzten Tactcn des Chors:\nvie -ni ce im mal peg - gior.\nDein harret gröss'-re Qual!\nfreien die Höllengeister in gemessenem Schritt, aber so\ngruppirt hervor, dass Don Juan vor ihrem Anblick nach\ndem Hintergrund Hiebt, wo in demselben Augenblicke\naber ja nicht früher! sich der Höllenschlund öffnet.\nDann kann sogar auch der Feuerregen mit dem\nAccord losplatzen und während der letzten neun Tacte\ndes Orchesters seinen Funkenschleier vor die handgreif-\nliche Spedition des Frevlers in die Hölle ziehen.\n\nL B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-11-06-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-11-06_01#c006", "volume": "bmtnabi_1858-11-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "359", "page_fin": "360", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581106-01.2.3", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "359", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581106-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7401, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. In der musicalischen Gesellschaft spielte Herr Schau-\nBeil aus Düsseldorf, ein früherer Zögling der hiesigen Musikschule,\ndas C-moll-Concert von Beethoven und ärntete mit Recht grossen\nBeifall. Er ist, seitdem wir ihn das letzte Mal hörten, gar bedeu-\ntend fortgeschritten, sowohl in der Technik, als im musicalischen\nAusdruck.\nEine neue Sinfonie, Nr. 3, von Jul. Rietz fand in ihrem ersten\nSatze getheilten Beifall, der sich jedoch bei den übrigen Sätzen, na-\nmentlich beim Finale, zu einem allgemeinen gestaltete.\nHerr Brinkmann aus Hagen, auf der Musikschule zu Leipzig\ngebildet und jetzt von Paris, wo er sich zwei Jahre lang aufgehal-\nten, zurückgekehrt, trug eine Phantasie von Servais für das Violon-\ncell, eine von jenen lose zusammengeflickten Salon-Compositionen,\ndie nur auf Virtuosität, oft nur auf eine specielle oder individuelle\nVirtuosität berechnet sind, mit lobenswerther Technik vor Noch bes-\nsere Gelegenheit, sein vorzügliches Spiel, seine Sicherheit und Fer»\ntigkeit in allen Lagen und seine Bogenführung zu würdigen, gab er\nuns in einem Privat-Cirkel durch den Vortrag zweier grosser Violon-\nceli-Concerte, die uns neu waren, eines von Molique für Piatti\ncomponirt, das andere von Goltermann in Frankfurt am Main\nbeide in gediegenem Stil geschrieben und dennoch brillant, beson-\nders das letztere, in welchem wir ein sehr hübsch gemachtes und\nrecht anmuthendes Concertstiick kennen lernten. An Schwierigkeiten\nfehlt es in beiden Concerten nicht, die jedoch von Herrn Brinkmann\nmit voller Reinheit und grosser Leichtigkeit überwunden wurden\nDer junge Künstler ist bereits im Besitz so vorzüglicher Eigenschaf-\nten, dass es ihm nur an einem guten italiänischen Instrumente fehlt,\num sie vollständig geltend zu machen.\nKolli. Capellmeister F. Hiller ist mit der Composition einer\ntragischen Oper beschäftigt, zu welcher Moriz Hartmann das\nGedicht gemacht hat. Derselbe Dichter hat bekanntlich auch den\nText zu dem Oratorium Saul dem Componisten geliefert.\nIn den Nachrichten über jetzt lebende Violinisten in Nr. 21\ndieser Blätter (vom 22. Mai d. J ) ist nach der eigenen Angabe des\nKünstlers zu berichtigen, dass Henri Vieuxtemps nicht den\n20., sondern den 17. Februar 1820 zu Verviers geboren ist.\nC. B.\nFrasikfssrt si. 9K«, 2. NOV. Fräul. Francisca Yeith hat\ndie hiesige Bühne verlassen, um ein Engagement bei dem Hoftheater\nin Kassel anzunehmen. Der Abschied, den ihr das Publicum berei-\ntete, war ein sehr ehrenvoller und bewies, wie sehr die talentvolle\nSängerin hier zum Liebling geworden war. Am 28. October sang\nsie in dem ersten diesjährigen grossen Concerte, das der Rühl'sche\nGesang-Verein gab, die Partie der Alceste in der gleichnamigen\nOper von Gluck„ Wenn auch die ganze Aufführung eine sehr ge-\nlungene, so war es namentlich Fräulein Yeith, welche die Krone\ndes Abends errang. Das Publicum und namentlich sämmtliche Mu-\nsikfreunde waren darüber einig, dass sie nie so schön gesungen und\nbesonders einen dramatischen Ausdruck entwickelt hat, den man bei\neiner Coloratursängerin s:>nst nicht leicht findet. Am Sonntag den\n31. October trat Fräulein Yeith zum letzten Male im Theater als\nNorina in Don Pasquale von Donizetti auf. Diese Oper, eine der\nmelodiösesten des fruchtbaren Componisten, hat bei keiner deutschen\nBühne Wurzel fassen können, während sie hier den entschiedensten\nErfolg hatte. Allerdings dürfte nicht leicht eine andere Bühne diese\nOper so besetzen können. Das Haus war an diesem Abend über-\nfüllt, und Fräulein Yeith erhielt die ehrendsten Beweise der Aner-\nkennung. Sie ward nach jeder ihrer Arien, nach jedem Acte und am\nSchlüsse drei Mal hervorgerufen, und Blumen und Kränze flogen ihr\nvon allen Seiten zu. Sie war sichtlich ergriffen, und der Abschied\nvon Frankfurt mag ihr bei der Liebe, die sie hier genoss, nicht\nleicht geworden sein. Das Publicum wird sie in gutem Andenken\nbehalten.\nEine neue Oper von Berlioz. Eines jener guten Geschicke,\ndie den Provinzbewohnern versagt zu sein scheinen, kam denjenigen\nPersonen zu Statten, welche jüngst in den Salons des Herrn Georg\nKastner in Strassburg versammelt waren. Unser gelehrter Mitbürger\nhatte sie freundlichst zu der Vorlesung des Gedichtes einer Oper in\nfünf Acten geladen, welche Berlioz, sein Gast durch einige Tage,\nfür die kaiserliche Akademie der Musik vollendet hat. Da sowohl\nText als Musik dieser Oper von Berlioz sind, so begreift man leicht\ndas besondere Interesse, das dieser Vortrag eines noch nicht heraus-\ngegebenen Werkes durch den Verfasser selbst, Musiker und Dichter\nzugleich, erzeugen musste, besonders da der Verfasser eine so her-\nvorragende Persönlichkeit ist.\nDer Stoff dieser Berlioz'schen Oper ist dem hohen classischen\nAlterthume angehörig, aber nach modernem Zuschnitt behandelt, und\nzwar in Bezug auf die scenische Entwicklung jener Ausnahms-Gat-\ntung zugebildet, welche der Verfasser von „Romeo und Julie\" ge-\nschaffen hat. Man muss sagen, dass unter diesen Umständen Berlioz\ndurch keinen besseren Librettisten als sich selbst hätte bedient wer-\nden können, und dass Alles dadurch gewinnen wird, dass in diesem\nden Formen und dem Plane nach bis nun beinahe ohne Gleichen\ndastehenden Werke Text und Musik aus Einem Kopfe entsprungen\nsind. Das Gedicht enthält dramatische Situationen in grosser Zahl;\nviele derselben werden eine ergreifende Wirkung hervorbringen müs-\nsen, nach jener zu schliessen, welche sie bei der Lesung hervor-\nbrachten. Was die musicalischen Situationen, die Gelegenheiten zu\nmelodischen Motiven anbelangt, so hat der Dichter sie dem Ton-\nsetzer mit wahrhaft väterlicher Schwäche zur Verfügung gestellt, was\ndas Publicum der Oper, wie wir hoffen, gutheissen wird. Sie ent-\nspringen übrigens aus der Natur des Gegenstandes selbst, der, wie\nwir gesagt haben, dem heidnischen Alterthume entlehnt ist, wo die\nlyrische Kunst in so grossen Ehren stand.\nHerr Berlioz hat seiner Oper ungewöhnlich grossartige Dimen-\nsionen gegeben und war besorgt, sie mit allen unseres Tages zum\nErfolge eines dramatischen Werkes unerlässlichen Bedingungen zu\numgeben. So verlangt die Dichtung eine glänzende Inscenesetzung,\ndie unsere Homerischen und Virgilischen Erinnerungen wachrufen\nwird, einen bunten Wechsel der Ansichten, mythologische Scenen,\nein graziöses und malerisches Ballet, das ist: eben so viele Elemente,\ndie geeignet sind, das Tragische der Handlung zu mässigen und den\nGlanz des Schaustückes zu heben. Dabei ist zu bemerken, dass die\nsymphonischen Entwicklungen, der scenischen Anordnung gemäss,\nriesig zu sein verheissen.\nDie Proben der bald hätte ich den Titel verrathen! wer-\nden demnächst unter dem besonderen Patronate des Kaisers begin-\nnen, und bald wird Paris die erste Oper von Berlioz würdigen, die\naus mehr als Einer Ursache berufen ist, eine lebhafte Sensation her-\nvorzurufen, und von welcher man in Strassburg, Dank der Courtoisie\ndes Herrn Kastner, einen literarischen Vorgeschmack erhalten hat.\n(Courrier du Bas-Rhin.)\nBei dem Geigenmacher Anton Fischer in Wien (Stadt, Tuch-\nlauben Nr. 558) sind jetzt mehrere schöne und ausgezeichnete mu-\nsicalische Instrumente zu haben, namentlich eine sehr schöne und\ngute Doppel-Pedalharfe von Erard in Paris, eine einfache Pedalharfc\nvon Brunner in Wien, eine echte Violine von Straduari, eine dito\nvon Nikolaus Amati, grosses Format, dann mehrere andere vorzüg-\nliche Geigen, \\iolen, Violoncelle der besten italiänischen und deut-\nschen Meister."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "360", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581106-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3924, "texte": "ISerlin. Am 1. November wurde die Hof-Opernsängerin Fräu-\nlein Trietsch beerdigt. Die talentvolle Künstlerin ist in der Blüthe\nihrer Laufbahn, im 28. Jahre ihres Alters gestorben.\nBaden-Baden« In einem von Herrn Alary gegebenen\nConcerte spielte die Gräfin Kalergis die Kreutzer-Sonate von Beet-\nhoven mit Sivori In einem anderen von Jos. Wieniawski\nspielte unter Anderen auch Herr Colosanti das „Miserere\" aus\nTrovatore auf dem Ophikleid. Für das Concert der Ernesta\nGrisi im Salon des Fleurs hat Meyerbeer, der einige Tage hier\nverweilte, zu einer reizenden Ballade von M6ry, „Le Revenant du\nvitux ChdteauMusik gesetzt, welche bei der Declamation ausge-\nführt wurde.\nHannover. Die Oper Vampyr von dem gefeierteu Hof-Ca-\n.pellmeister Marschner wurde neuerdings mit ungeheurem Success\ngegeben. Herr Degele gab den Vampyr mit allem, was dazu\nStimme, Gemüth, Vortrag und edlem, männlichem Anstand. Auch\nwar Fräul. Held reizend als Emmy. Marschner wurde gerufen, so\nwie auch die Mitglieder*\nUnsere Oper entwickelt seit ihrer Wieder-\neröffnung (18. Juli) eine bedeutende Thätigkeit und brachte in ra-\nscher Aufeinanderfolge und in vortrefflicher Aufführung Fidelio, Don\nJuan, Figaro's Hochzeit, Joseph, Jessonda, Lustige Weiber, Czaar\nund Zimmermann, Waffenschmied, Stradella, Zampa, Maurer, Falsch-\nmünzer, Hugenotten, Lucrezia, Lucia, Liebestrank, Barbier und Ro-\nmeo zur Darstellung, also achtzehn verschiedene Werke im Zeit-\nräume von acht Wochen. Besonderer Peliebtheit erfreuen sich die\nDamen Prause, Storch und Meiler, der Bassist Thelen und der neu-\nengagirte Bariton Weiss. Der Tenor Stolzenberg erwirbt sich den\ngrössten Beifall in Spiel-Partieen wie ~Maurer Georg im Waffen-\nschmied\", Nemorino im ~Liebestrank\" ; der Tenor Siegel in den ita-\nliänisclien Opern Lucrezia, Lucia u. s. w. Eine sehr gelungene Lei-\nstung des Letzteren war der Joseph in MehuFs gleichnamigem Mei-\nsterwerke. Eine vortreffliche Aufführuug Yon Haydn's ~Schöpfung'*\nunter Leitung des Hof-Capellmeisters Abt verdient noch besondere\nErwähnung. Die gegen 300 Stimmen starken, durch die Sing-Aka-\ndemie und den Männergesang-Verein besetzten Chöre leisteten ganz\nVorzügliches; von den Solisten ist besonders Herr Thelen als Ra-\nphael und Herr Himmer als Uriel hervorzuheben. Letzterer, der\nseit einigen Jahren stimmkrank war, ist wieder im vollen Besitze\nseiner Stimmmittel, mit denen er die weiten Hallen des Domes mäch-\ntig erfüllte. Sein Auftreten auf der Bahne steht demnächst bevor,\nDer unter der Leitung des Hof-Capellmeisters Abt stehende Män-\nnergesang-Verein gab bei Gelegenheit einer Sängerfahrt ein Concert\nin Hamburg, welches einen glänzenden Erfolg hatte. Die hamburger\nBlätter waren des Lobes der ausserordentlichen Leistungen dieses\nVereins voll.\nAn Ignaz Lachncr's Stelle dirigirt Capellmeister Eschborn,\nVater der berühmten Sängerin Natalie Eschborn (Frassini) jetzt die\nOper in Hamburg.\nWien» Vielen Anfragen zu entsprechen, sind zu dem im k k.\nHofburgtheater in Wien gegebenen Trauerspiele „Des Meeres und\nder Liebe Wellen\" von Grillparzer die hierzu componirten Entr'actes\nvon Horzalka durch die Kunst- uud Musicalienhandlung F. Glöggl\nund Sohn für alle Theater in Partitur zu beziehen. Für Pianoforte\nist bereits erschienen: Entr'acte im 3, Acte 15 Kr. Zwei Priester-\nchöre, Pianoforte mit Gesang, 15 Kr.\nNach der Hamburger Reform ist der Violoncellist Bernhard\nHildebrand Romberg, ein Nachkomme von Bernhard Romberg,\nauch unter den Opfern, welche der Brand des Dampfschiffes Austria\ngefordert hat. Sein Violoncell, ein ganz ausgezeichnetes Instrument,\n801 l zu 30,000 Mark versichert gewesen sein.\nRubinstein, der seine Vaterstadt Moskau nach sechsjähriger\nAbwesenheit im September wieder besuchte, erhielt von den daselbst\ngarnisonirenden donischen Kosaken eine glänzende Serenade, als Aus-\ndruck der Verehrung über die von Rubinstein componirte Oper ~Dim-\nitri, der Donische\", die einen Helden jener Reiterschar verherrlicht."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "353", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581106-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nV • ♦\nNeue Texte zu alten Opern. Schluss. Von L. B. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Herr Schauseil, Neue\nSinfonie von Jul. Rietz, Herr Brinkmann, Capellmeister F. Hiller Frankfurt a. M , Fräul. Franeisca Veith Eine neue Oper von Ber-\nlioz Instrumenten-Sammlung Berlin, Fräul. Trietsch f Baden-Baden, Concerte Hannover, Vampyr Braunschweig, Oper\nHamburg, Capellmeister Eschborn Wien B. H. Romberg Rubinstein).\n\nNeue Texte zn alten Opern.\n\n(Schluss, 8. Nr. 44.)\nDie Einlagen in den Don Juan, welche Mozart für\ndie Aufführung in Wien nachträglich componirte, sind:\n1) das Recitativ und die Arie der Elvira:\nalma ingrata („Mich verlässt der Undankbare\") in Es-dar;\n2) die Arie des Masetto: 110 in\nin welcher der eifersüchtige Bräutigam seine verdeckte\nWuth darüber, dass er dem vornehmen Cavalier das Ter-\nrain überlassen muss, ausspricht und seine Zerline neben-\nbei mit argen Ehrentiteln tractirt; 3) Die Arie des Otta-\nvio: Dalla sua pace(„Ein Band der Freundschaft\") in\nG-dur; 4) das Duett zwischen Leporello und Zerline: Per\nqueste tue manine, das nach der Arie Leporeüo's:\\Ah,\npietä, signori mieiu ,eingeschaltet worden.\nDie Auslassung dieser vier Stücke bezeichnet Herr\nViol als Frevel und druckt zu ihren Gunsten einen Aufsatz\nvon Gottfried Weber aus der „Cäcilia\" (XI. Band, Heft\n44) wieder ab. Allein Nummer 1 und Nummer 3 werden\nauf allen Theatern gesungen, und auch Nummer 2 hört\nman überall, wo überhaupt die Rolle des Masetto durch\neinen wirklichen Sänger besetzt werden kann. Der Cha-\nrakter dieser Arie: „Hab's verstanden, ja, mein Herr!\nHa, du falsche, glatte Schlange!\" ist vortrefflich, und man\nvermisst sie nicht gern; indess lässt sich doch nicht läug-\nnen, dass Masetto durch das Duett: „Hurtig, hurtig!\"\nmit Zerline zu Anfang des ersten Finale's noch weit drasti-\nscher eharakterisirt wird, und dass folglich die eventuelle\nAuslassung der Arie in F-dur keine gegründete Veran-\nlassung zu dem Ausrufe gibt: „Ist denn alle Kritik ausge-\nstorben im deutschen Vaterlande?\" (S. 14.) Dass sie übri-\ngens einen Bestandtheil der ursprünglichen Partitur, wie\nsie für Prag geschrieben wurde, bildet und mithin von G.\nWeber fälschlich unter die späteren Einlagen gezählt wird,\nspricht allerdings für ihre Beibehaltung.\nDie wirklich späteren Einlagen (Nr. 1, 3, 4) wurden\nnicht, wie Dr. Viol sagt, kurz nachher, sondern, wie er\nselbst aus dem eigenhändigen Katalog Mozart's anführt,\nerst in Wien, volle sechs Monate nach der ersten Auf-\nführung in Prag, componirt. Der Don Juan ist als vollen-\ndet am *2B. October 17 87 verzeichnet, die drei Einlagen\nam 24., 28. und 30. April 1788, und zwischen dem Don\nJuan als Nr. 67 der Werke und den Einlagen als Nr.\n79, 80 und 81 liegt die Composition von zwölf anderen\nWerken. Wie ist es möglich, auf diese Angaben den\nSchluss zu begründen, „dass die drei Stücke auf einmal\nund unmittelbar nach einander componirt und also nach\neinem zusammenhangend gedachten Plane von Mozart sei-\nnem Werke eingefügt sind\"?!\nDieser Plan war so wenig zusammenhangend gedacht,\ndass Mozart die drei Stücke nur als Anhang in die Par-\ntitur schrieb und nicht einmal die Stellen bezeich-\nnete, wo Elvira und Ottavio ihre Arien anbringen sollten.\nEr hatte sie nicht für Elvira und Ottavio geschrieben, son-\ndern nur in deren Charakter für die damalige Sän-\ngerin und den damaligen Sänger dieser Partieen in Wien;\nsie sind so wenig aus einer beabsichtigten Ergänzung des\nkünstlerischen Baues des Drama's hervorgegangen, dass\nsie im Gegentheil als Concessionen betrachtet werden müs-\nsen. Die gegenwärtigen Stellen der beiden Arien („Mich\nverlässt der Undankbare\", nach der Register-Arie Lepo-\nrello's, und „Ein Band der Freundschaft\" nach der Arie\nder Donna Anna: „Du kennst den Verräther!\") sind ihnen\nerst durch F. Rochlitz in dessen deutscher Uebersetzuna\no\ndes Don Juan angewiesen und seitdem traditionel gewor-\nden. Uübischeff wollte die Arie der Elvira am liebsten zur\nEröffnung des zweiten Actes benutzt wissen.\nAlles dies schlägt G. Webers und Herrn Viol's\nSchlussfolgerungen über die Nothwendigkeit dieser Stücke\nfür den dramatischen Bau des Don Juan darnieder. Es ist\nauch gar nichts Neues, was wir in Obigem angegeben ha-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "354", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581106-01.1.2", "texte": "ben, es sind längst bekannte Dinge; aber heutzutage hat\nman dergleichen vergessen oder nie gewusst, und geht,\nohne sich über seinen Gegenstand gehörig in der Literatur\nzu orientiren, nur geraden Wegs an das Schriftstellern\nüber Kunstwerke.\nAuch die letzte Einlage, das Duett zwischen Leporello\nund Zerline in C-dur,verdankt sein Dasein einer Conces-\nsion, die Mozart dem Localgeschmack des wiener Publicums,\nund eben nicht dem gebildetsten Theile desselben, gemacht\nhat, schwerlich aus freiem Willen. Denn das komische\nElement, welches in der Oper Don Juan neben dem ro-\nmantischen und tragischen waltet und durch Leporello und\nMasetto vorzugsweise repräsentirt wird, ist in den Scenen,\nwo es zu Tage tritt, doch immer mit Humor, ja, häufig\nmit Ironie gewürzt und greift theils als Contrast zum Tra-\ngischen, theils als Ergänzung der Charakterzeichnung in\ndas Ganze ein. So ist z. B. die Furcht Leporello's bei den\nwilden Blicken des steinernen Comthurs wahrhaft tragi-\nkomisch, seine Register-Arie ist voll Ironie, Masetto's ehr-\nliche Tölpelei ist ein echt komischer Gegensatz gegen die\nVerführungskunst des abgefeimten Cavaliers, der die Lehre\ndes Urahnen von Mephistopheles über die Art, auf welche\nder Frauen ewiges Weh und Ach so tausendfach aus\nEinem Punkte zu curiren, gründlich studirt hat. Ja, dieser\nDon Juan selbst singt mit einer teuflisch zärtlichen Ironie\ndie arme Elvira vom Balcon herab auf die Strasse; sie\nkann der süssen Melodie:\nnicht widerstehen; die Ironie liegt aber hier in der Wahr-\nheit des Gefühls, das jedoch einen anderen Gegen-\nstand hat, indem Don Juan dabei schon an das Kammer-\nmädchen denkt, an die er, sobald das Feld rein ist, die-\nselbe Melodie richtet:\nUnd Mozart, so reich an den feinsten Zeichnungen\nder Charakteristik man vergleiche einmal diesen Zug mit\nden vier Trompetern des Königs Heinrich und dem musi-\ncalischen Wappen des Lohengrin bei Wagner! dieser\nMozart hätte sich gern dazu hergeben sollen, eine so un-\nwürdige, nicht komische, sondern grob possenhafte Scene,\nwie die Einlage des Duetts zwischen Leporello und Zerline\nist, in seinen Don Juan einzuschmuggeln, oder hätte sie\ngar als ein organisches Glied in dem Bau des Ganzen be-\ntrachtet?\nDa wohl nur wenigen, wahrscheinlich keinem unserer\nLeser die gedachte Scene bekannt ist, denn auf der Bühne\nist sie nur in den Aufführungen der ersten Jahre nach\nErscheinen der Oper und nur in Wien gegeben worden,\nso wollen wir zur Rechtfertigung unserer Ansicht ihren\nInhalt mittheilen.\nLeporello macht sich nach seiner Arie:\nsignori mieiu, aus dem Staube; Don Ottavio bittet die\nFreunde, seine Geliebte zu trösten, und nach seiner gros-\nsen B-dur-Arie: „11 mio tesoroentfernen sich Alle.\nDa erscheint auf einmal Zerline wieder; sie hat den\nLeporello eingefangen, und er ist so gutmüthig, sich von\ndem zarten Bräutchen hereinzerren zu lassen, denn er\nsoll ein Duett mit ihr singen. Das Bräutchen ist aber zu\neiner handfesten Bäuerin geworden, die es weder mit ihren\nAusdrücken, noch mit ihren Manieren genau nimmt.\nRecitativ:\nZerline: Hieher mit dir!\nLeporello: Barmherzigkeit!\nZ.: Nichts von Barmherzigkeit für deines Gleichen.\nL.: Willst du mich denn ausnehmen [cavarmi] ?\nZ.: Haar, Gehirn, Ilerz und Augen reiss' ich dir aus!\n.L.: Schätzchen, lass dir sagen\nZ.: Rühre mich nicht an, sonst sollst du gewahr wer-\nden, du Abschaum aller Schufte, was der kriegt, der ein\nMädchen beleidigt!\nL.: 0 ihr Götter, befreit mich von dieser Furie!\nZ.: Masetto! He, Masetto! wo Teufel ist er hingegan-\ngen Leute! Niemand kommt Niemand hört\nL.; Sachte, sachte, ich bitte dich zieh' mich nicht\nwie ein Pferd beim Schwanz!\nZ.: Warte nur ab, wie sich endigt der Tanz! Hieher\neinen Stuhl!\nL.: Da ist einer.\nZ.: Setze dich!\nL.: Ich bin nicht müde.\nZ.: Setz' dich, oder ich reisse dir mit diessen Händ-\nchen das Herz aus dem Leibe und werf' es den Hunden vor!\nL.: Da sitz' ich. Aber sei so gut und lege das Rasir-\nmesser weg willst du mich denn barbieren?\nZ.: Ja, du Schlingel, ich will dich ohne Seife barbieren!\nL.: Ewige Götter!\nZ.: Gib mir deine Hand!\nL.: Die Hand\nZ.: Nun die andere!\nL.: Aber was willst du denn thun?\nZ.: Ich will thun, was mir beliebt. (Sie bindet ihn.)\nDuett:\nL.: Bei deinen kleinen Händchen\nSo weiss und so zart,"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "355", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581106-01.1.3", "texte": "Bei diesen frischen Wangen\nHab' doch Mitleid mit mir.\nZ.: Nichts von Mitleid, du Schurke!\nWie eine Tig'rin wüth' ich,\nWie eine Schlang' und Löwin,\nNichts von Mitleid mit dir!\nL.: Wie mach' ich mich aus dem Staube\nZ.: Des Tod's, wenn du dich rührst!\nL.t 0 ihr grausamen Götter!\nWer hat in ihre Hände\nMich Armen nur gebracht!\nZ.: Verrätherischer Bube!\nHätt' ich nur so wie dich\nAuch deinen Herrn in Haft!\nL.: Ach, schnüre nicht so feste,\nDer Athem geht mir aus!\nZ.: Mag er dir nur vergehen,\nDu kommst von hier nicht fort!\nL.: 0 Götter, welche Püffe!\nIst es Tag oder Nacht?\nWelch Rütteln und welch Stossen,\nVerdammte Finsterniss!\nZ.: Wie glühen Freud' und Lust\nDer Räch' in meiner Brust!\nSo muss man mit den Männern\nVerfahren, so, nur so!\nDieser Text ist wörtlich aus dem Italiänischen über-\nsetzt, und mag auch zugleich ein Beispiel geben von dem\n„Humor des Originals\", den Herr Viol in allen deutschen\nTexten des Don Juan vermisst! Man sieht ihm auf den\n/\nersten Blick an, dass er auf die erhabenste Glasse des\nTheater-Publicums berechnet ist.\nNach dem Duett läuft Zerline fort, um Donna Elvira\nzu holen. Leporello, an den Stuhl festgebunden, bittet\neinen vorübergehenden Bauer oder Bürger (im Zimmer?\nauf der Strasse?) um einen Trunk Wasser, versucht, mit\nden Zähnen seine Bande zu zernagen; es gelingt, und er\nläuft fort. Zerline kommt mit Elvira zurück, aber der Vo-\ngel ist ausgeflogen. Sie beschliessen, dem Ottavio diese\nFlucht zu melden!! Das ist das Glied, welches dem\nKunstwerke abzunehmen, oder richtiger: nicht aufzudrin-\ngen, für einen Frevel gelten soll.\nAber vielleicht ist die Composition dieser flachen Posse\nso wundervoll, dass es Jammer und Schade ist, dass wir\nsie nicht mehr auf der Bühne hören? Nun, Mozart bleibt\nfreilich immer Mozart, und bekanntlich hatte er, wie Jo-\nseph Haydn, die Macht, die Musik zu „commandiren\",\nwie es Göthe's Theater-Directör im Faust von dem Dich-\nter mit der Poesie verlangt; beide Meister componirten\nbestellte Sachen fast mit derselben Genialität, wie die\nMusik, zu welcher der Drang des Innern sie begeisterte.\nSo ist denn auch diese Einlage immerhin Mozart's nicht\nunwürdig, aber wenn sie von allen Nummern im Don Juan\nauch nicht die schwächste ist, so ist sie doch sicherlich die\ndritte im Bunde der schwachen, den das Duett von Anna\nund Ottavio (G-dur) im Finale und die Arie der Elvira:\n„Deh fuggi\" (D-dur), in der Partitur überschrieben: „Nel\nstilo dl Ilaendel\", bilden. Die Opern-Regisseure unseres\nJahrhunderts haben desshalb mit sehr richtigem Gefühl\ndiese drei Nummern weggelassen.\nHerr Viol erwähnt der Arie: „Deh fuggi\" nur in\neiner Anmerkung, bedauert natürlich auch ihre Auslassung\nund nennt sie ein „charakteristisches Musikstück\". Wir\nsind der entgegengesetzten Ansicht und meinen, diese Arie\nfalle ganz und gar aus dem Charakter heraus, den Mozart\nseiner Elvira durch alles, was sie sonst singt, gegeben hat.\nWie er dazu gekommen, eine Arie dieses Stils in eine Par-\ntitur wie die des Don Juan einzuschieben, wo die musica-\nlische Charakteristik aller Rollen sonst so fest durchge-\nführt ist, das ist schwer zu errathen. Man möchte fast mit\nUlibischefT auf die Vermuthung einer Ironie kommen, de-\nren Schlüssel der Gedanke des Componisten wäre: „Seht,\ndiesen Stil habt ihr bis jetzt bewundert und bewundert\nihn noch! Nun hört einmal, wie er sich zwischen den\nNummern meines Stils ausnimmt!\"\nWir kommen jetzt zu - der Weglassung der Schluss-\nstücke des letzten Finale's.\nEs ist sonderbar, dass Herr Dr. Viol für den Schluss\nder Oper Schwierigkeiten findet. Nach seinen Grundsätzen\nsollte man erwarten, dass er das Sextett nach dem Sturze\nDon Juan's in die Hölle mit allen Gründen, die schon oft\ndafür angeführt worden sind, als da heissen Versöhnung,\nBeruhigung u. s. w., in Schutz nehmen würde. In der\nThat, seinem musicalischen Werthe nach verdient es, mit\nAusnahme des Stückchens Duett, welches den trivialsten\nitaliänischen Phrasen aufs Haar gleicht, weit mehr das\nPrädicat eines integrirenden Theiles der Oper, als die Hän-\ndel'sche Arie und das Duett zwischen Leporello und Zer-\nline, zumal da Dichter und Componist diesen Schluss nach\ndem gewöhnlichen Opern-Zuschnitt für nothwendig hielten.\nWir erfahren nämlich aus dem Sextett, was aus den an-\nderen Leuten des Schauspiels wird, die der Teufel nicht\ngeholt hat, und das will doch immer die Galerie wissen,\num beruhigt nach Hause zu gehen. Also Elvira geht ins\nKloster, Zerline und Masetto „kriegen sich\", Leporello\nwird fromm, wie ein alter Sünder, Donna Anna bedingt\nsich Anstands wegen noch ein Trauerjahr aus, und alle\nzusammen verkünden schliesslich die Moral:\n„Wie man lebt, so stirbt man auch.\""}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "356", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581106-01.1.4", "texte": "Trotz alledem ist auch Herr Viol für den Wegfall des\ngrössten Theiles des Sextetts und will nur das letzte Presto,\ndie Moral, beibehalten wissen. Wie, das werden wir\nsleich sehen.\nMan hat auch hier wieder allgemein sehr richtig ge-\nfühlt, dass auf der Bühne das Drama mit dem Sturze des\nDon Juan endigen müsse, denn die Erzählung einer Kata-\nstrophe, die man auf der Scene mit Augen angesehen, ist\nunerträglich. Aber auch rein musicalisch genommen, z. B.\nbei Aufführungen des ganzen Finale's im Concertsaale, wie\nneulich beim Musikfeste in Coblenz, fällt das Sextett gegen\ndie überwältigende Grossartigkeit des Vorhergehenden gar\nsehr ab und erscheint matt und farblos.\nNun können aber Einige mit dem blossen Wegfallen\ndes Sextetts sich nicht zufrieden geben, sie wollen etwas\nAnderes an dessen Stelle setzen, einen „künstlerischen\nRuhegesang\", wie Franz Kugler sagt, der in dem belle-\ntristischen Jahrbuche Argo für 1854 Bemerkungen über\nDr»n Juan und Figaro hat drucken lassen.\nNach ihm soll Hector Berlioz folgenden Vorschlag\ngemacht haben: Die Scene verwandelt sich in eine Kirche;\nin ihr steht der Katafalk des Don Juan, und der Chor\nlässt das Dies irae aus Mozart's Requiem ertönen, womit\ndie Oper schliesst. Eine Leichenfeier, ein Stück aus\neiner Todtenmesse für Don Juan, der so eben zur Hölle\ngefahren ist!! Kolossaler Unsinn!\nDas sieht denn F. Kugler doch auch ein und verwirft\ndiesen Schluss und das Dies irae dann noch besonders,\nweil es „nicht das gibt, was wir hier vorzugsweise bedür-\nfen den künstlerischen Ruhegesang\".\nVon diesem selbstgeschaffenen Bedürfniss kann er sich\nnicht losmachen und gibt dem Gedanken von Berlioz die\nWendung, dass eine Leichenfeier für den Comthur die\nOper schliessen solle. Desshalb müsse aber die Capelle, in\nWelcher sie Statt findet, schon früher dem Zuschauer vor-\ngeführt werden. Er fährt dann also fort:\n„lii erzu wähle ich die Scene, in welcher das Steinbild\ndes Comthurs zum Gastmahl eingeladen wird. Statt jenes\nLocals im Freien, in welchem das Reiter-Standbild steht,\nnehme ich für diese Scene das Innere einer Capelle an, in\nwelche der Mondenschimmer hineinfällt. Hieher, wie in\nein gewohntes Asyl, kann sich Don Juan und kann sich\nhernach Leporello eben so gut flüchten, als in jenen offe-\nnen, von einer doch nicht gar hohen Mauer umgebenen\nRaum. Hier steht das Denkmal des Comthurs, freilich nicht\nals Reiter-Figur, sondern als einfache Statue zu Fuss, was\nder Galerie wiederum vielleicht weniger zusagen, was aber\nschon an sich gescheidter sein wird, indem eine Reiter-\nFigur aus Stein (statt etwa aus Bronze) in technischem\nBelange ein bedeutend missliches Ding ist, was zugleich\nkünstlerisch noch reiner wirken dürfte, und was eben in\ndiesem künstlerischen Bezüge doppelt wünschenswerth ist,\num die Gestalt schon hier völlig in derselben Haltung zu\nzeigen, wie sie hernach in das Gastmahl des Don Juan\neintritt. In der Capelle sind die Vorbereitungen zu der be -\nvorstehenden Feier bereits zu erkennen, und Don Juan\nkündigt die letztere, dies bemerkend, mit ein paar spötteln-\nden W orten an. Es wird gut sein, wenn auch Donna Anna\nin der lolgenden Scene, in den Worten des einleitenden\nRecitativs als Grund für ihr ablehnendes Verhalten gegen\ndas eilig drängende Werben Ottavio's ganz kurz anführt,\ndass die kirchliche Trauerfeier für den Vater ja noch nicht\neinmal abgehalten sei. Dann kommt das Finale mit seiner\nrauschenden Lust, mit seinem dämonischen Entsetzen. Die\nBühne hat hier durchaus keine Tiefe; es darf, dem Inhalte\nentsprechend, durchaus kein Saal, sondern nur ein mässig\ngrosses, behagliches Gemach sein. Mit dem Verschwinden\ndes steinernen Gastes brechen die Dämonen herein Ge-\nstalten, in denen das Entsetzenvolle, der grausen Schönheit\nantiker Furien ähnlich, geadelt und künstlerisch anschau-\nbar erscheint. Es wird finster, Flammen zucken hier und\ndort empor, WTolkenflöre senken sich über alles, was die\nLocalität bezeichnet, nieder. Wenige schmetternde Accorde\nleiten am Schluss der Scene nach B-dur hinüber. Die\nWTolkenflöre theilen und heben sich, wie in eine Vision\nsieht man in jene Capelle hinein, in welcher das Bild des\nComthurs steht, und durch deren gemalte Fenster, mehr\nund mehr emporleuchtend, der junge Morgen hereinbricht.\nAlles ist zu der heiligen Feier versammelt, vor den Uebri-\ngen Donna Anna und Ottavio (dem ich hier seine Anwe-\nsenheit so wenig erlassen kann, wie in der letzten grossen\nArie Anna's, bei welcher ihn unsere Bühne gewöhnlich\nundramatischer Weise durch einen von ihm geschriebenen\nBrief ersetzt). [!] Alles bleibt aber durchaus im Hinter-\ngrund der Bühne, vielleicht sogar durch einen durchsich-\ntigen Flor von dem Vorräume geschieden. Ein ebendort\nbefindliches Orchester übernimmt die Begleitung, und\nAnna intonirt, in kirchlicher Heiligung die Ruhe nach dem\nUntergange des Feindes findend, das fromme: „Lux per -\npetita luceat ei, Domine, cum\nquia pius es (aus Nr. 12 des Der ferne Chor\nführt das kleine Stück weiter fort und schliesst demselben,\nals eigentlichen kurzen Schlussgesang, nicht sowohl der\nWorte als der musicalischen Behandlung wegen, welche\nzum einfachen Ahschluss des Ganzen so vorzugsweise ge-\neignet ist, das „Osanna excelsis- (aus Nr. 10 des\nRequiem) an. Während des Osanna fällt ganz langsam\nder Vorhang.\n„Ich denke mir diese Schlussscene nicht sowohl dra-\nmatisch gehalten, als vielmehr nur wie ein Bild erscheinend,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "357", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581106-01.1.5", "texte": "nur wie symbolisch wirkend; daher diese beiden kurzen\nMusikstücke, deren Ausführung nur wenige Minuten er-\nfordert, die aber völlig hinreichen, den versöhnenden Ge-\ngensatz gegen das Vorige hereinzuführen, in der kurzen,\ndurch Donna Anna gesungenen Intonation doch bestimmt,\ndie geweihte Sphäre zu bezeichnen, in welche ihr Gemüth\nsich erhoben. Daher die kirchlich feierliche Ausstattung,\ndie sich durch das hereinbrechende Licht glanzvoll ent-\nwickelt und bei der prächtigen Wiederaufnahme des: „Et\nlux perpetua luceat ei\", am Schlüsse des ersten Stückes,\ndurch die volle Gluth der Morgensonne, welche hier durch\ndie farbigen Bilder der Fenster hereinstrahlt, zur erhaben-\nsten Wirkung steigert. Aber die einfache Andeutung ist\nalles, was hier noch gegeben werden darf, und so senkt\nsich der Vorhang schon bei dem kurzen Schlussgesange\ndes Osanna wieder über das Bild herab.\"\nSo weit Kugler. Herr Dr. Viol nimmt die Grab-Ca-\npelle und die Todtenfeier an, verwirft aber die Sätze aus\ndem Requiem und lässt dafür von den in der Capelle An-\nwesenden, zunächst den Damen Anna, Elvira und Zerline\ndas Presto-Findle des Sextetts in D-dur mit folgenden\nTextesworten anstimmen:\n„Höllenqual des Sünders Lohn,\nTugend wohnt an Gottes Thron !u\nDas ist nun vollends ein seilsamer Gedanke; denn dieses\nPresto passt zur Todtenfeier, wie die Faust aufs Auge!\nEs ist kaum nöthig, das Unstatthafte dieser Vorschläge\naus einander zu setzen. Hätte Mozart das Schluss-Sextett\ndem Finale nicht angehängt und wir haben ohen ge-\nsehen, dass es nur dem Zeitgeschmack und dem Opern-\nZuschnitt zu Liebe geschehen ist —, so würde es keinem\nAesthetiker auf der Welt eingefallen sein, ein Beruhigungs-\nmittel für die aufgeregten Gemüther, einen Schluss nach\ndem Schlüsse des Drama's zu verlangen. Uebrigens ist der\nDon Juan trotz des ursprünglich italiänischen Textes eine\nYolks-Oper in Deutschland geworden, und weil wir ausser\nihr und Weber's Freischütz keine haben, so hat das \\ olk\nauch ganz Recht, wenn es sich die damit verwachsenen\nAeusserlichkeiten nicht nehmen lassen will. Wenn F.\nKugler meint, die Galerie würde freilich das Reiter-Stand-\nbild des Comthurs vermissen, so zähle ich mich mit zum\nGalerie-Publicum, und Hunderttausende thun es sicherlich\nmit mir. Der Kirchhof ist der einzig mögliche Ort für\ndie schön erfundene und von Mozart durch die Accorde,\nwelche die Geisterstimme begleiten, und durch das Duett\nzwischen Don Juan und Leporello so meisterhaft charak-\nterisirte Scene. Nur auf den Kirchhof, auf die seit Chri-\nstengedenken privilegirte Heimat aller Schauer- und Spuk-\ngeschichten, gehört die Scene; jede andere Decoration\nwürde ihr das Gespenstische abstreifen. Und das Pferd\ndürfen wir vollends nicht in die Rumpelkammer werfen ;\nselbst Leporello's Anrede:\n~Herr Gouverneur zu Pferde!\nIch beuge mich zur Erde\"\nist auf der deutchen Bühne durch die Tradition classisch\ngeworden, und ist auch zehn Mal passender und humo-\nristischer, als Herrn Yiol's Uebersetzung:\n~0 du hochedles Standbild\nDes sel'gen Gross-Comthuren l\"\nDer ganze Eindruck des „Neigens mit dem Kopfe\" würde\nverloren gehen, wenn es nicht hoch vom Pferde herab\nkäme, auf welchem man (was dem sonst so kunstverstän-\ndigen Kugler entgangen ist) den steinernen Mann von der\nSeite (en profil) sieht. Das Kopfnicken einer Statue zu\nFuss auf einem Postamente und von vorn ge-\nsehen würde pagodenartig komisch sein. Ja, ich gehe noch\nweiter. Bei welcher Stelle des Duetts überläuft uns ein\nwirkliches Grausen? Bei dem C des Leporello, das dem\nE des Comlhurs folgt. Nun behaupte ich geradezu, dass\ndiese gewaltige Stelle, die in zwei Noten die Schauer der\nGeisterwelt zusammenpresst, nicht halb den musicalischen\nEffect machen würde, den sie macht, wenn nicht auch das\nSichtbare hinzukäme, dass das E auf „Ja\" von der Höhe\nherab tönt, und Leporello mit dem in die Erde zu sin-\nken vermeint.\nWas macht den Don Juan unsterblich? Mozart's Mu-\nsik. Alles Uebrige mit seinen theilweisen Mängeln lasse\nman doch ja unangetastet ; man mäkle auf der einen Seite\nnicht an Unwesentlichem, und trage auf der anderen nicht\nDinge hinein, die nicht darin liegen, wie z. B. die psycho-\nlogischen Phantasieen über die Haupt-Charaktere der Oper,\nwelche die Donna Anna zu einer gefallenen oder gar den\nVerführer liebenden Jungfrau, den Don Juan zu einem Ideal\nder Berechtigung des Sinnlichen im Menschen machen, und\nwas sonst noch mit und ohne Geist Aehnliches hineinge-\ndichtet wird. Die Charaktere, wie sie Mozart's Musik ge-\nschaffen hat, bedürfen keiner Deutung; lasst nur die Töne\nwalten, und Jeder wird wissen, woran er ist.\nWas nun den deutschen Text betrifft, so kann ich\nwiederum nicht einstimmen, wenn behauptet wird: „man\nkönne nicht leicht etwas finden, das an Trivialität und\nJämmerlichkeit ihm an die Seite zu setzen wäre\" (Viol, S.\n14). Dass die deutschen Uebersetzungen des Don Juan\nihre grossen Mängel haben, will ich nicht in Abrede stel-\nlen; allein I ür Aenderungen kann nur die Musik den lei-\ntenden Grundsatz geben; Abrundung der Verse und Reime,\npoetische Sprache u. s. w. dürfen erst in zweiter Linie sich\ngeltend machen. F. Rochlitz hat ein unbestreitbares Ver-\ndienst durch seine Uebersetzung um den Don Juan; das\ndürfen wir ihm nicht schmälern. Ueberail aber, wo der"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "358", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581106-01.1.6", "texte": "Text nicht mit der Musik in Einklang steht, da muss man\nihn ändern; denn das fordert die wahre Pietät gegen Mo-\nzart weit mehr, als die Beibehaltung einer jeden Nummer.\nAber im Ganzen wird der Tadel des deutschen Textes\nauch wieder übertrieben. Um nur Ein Beispiel zu geben,\nso ist die Klage über den Verlust des „Humors\" des Le-\nporello, „aus dem die gangbaren Uebersetzungen einen\nrohen, dummen, plumpen Tölpel gemacht haben\" sollen\n(F. Kugler), keineswegs begründet; denn seineSpässe sind\nim italienischen Original ebenfalls oft läppisch und scurril.\nWir haben oben in dem Text des Duetts mit Zerline schon\nein Pröbchen davon gegeben. Man muss die jämmerlichen\nPossen, die von den Darstellern des Leporello gerissen\nwerden, nicht auf Rechnung des deutschen Textes schie-\nben; auch die Italiäner sind davon nicht frei. Verhunzte\ndoch der berühmte Lablache die oben angeführte Stelle\nin der Kirchhofs-Scene so arg, dass er Statt des ein\nschnarrendes Brrrr! ausstiess und am ganzen dicken Leibe\ndabei zitterte!\nWill man verdeckte Zoten Humor nennen, so fehlt es\ndem italiänischen Leporello freilich nicht daran; oder will\nman etwa behaupten, dass die trockenen Moral-Predigten,\ndie er seinem Herrn hält, in seinem Munde Humor wer-\nden? Man vergisst auch hier wieder, dass es Mozart, dass\nes die Musik ist, welche die roh skizzirte Anlage zu einem\nhumoristischen Charakterbilde gemacht hat.\nWas nun die neue Textes-Bearbeitung durch Herrn\nDr. Viol betrifft, so räumen wir ihm gern die Schwierig-\nkeit einer solchen Arbeit ein, und geben zu, dass ihm Ein-\nzelnes, wenigstens relativ, ganz gut gelungen ist. Im Gan-\nzen aber scheint es doch nicht, als ob hier eine geistvolle\nund sprachgewandte, dem Original und der Musik sich\nauf gleiche Weise geschickt anschmiegende Uebersetzung\nhergestellt worden sei. Vieles ist aus den bekannten Tex-\nten aufgenommen, und oft nicht das Beste, sondern gerade\ndas, was man am liebsten anders wünschte, z. B. gleich\nAnfangs. Donna Anna: „Wie ein wüthend Ungeheuer\nWill ich dir zur Seite sein\" (Come furia disperatci Ti\nsaprö perseguitar).Eine Furie ist wohl ein Ungeheuer,\naber ein Ungeheuer ist nicht immer eine Furie abge-\nsehen von der falschen Accentuation auf „heu\", da diese\nSylbe nicht den Hauptton hat, sondern „Un\". Hier ist die\nandere Version: „Bis die Bache dich ereilet, Sollst du hier\ndich nicht befrei'n\" —obgleich keineswegs genügend, den-\nnoch besser. Eben so wenig ist Don Juan's gleichzeitige\nRede: Questa furia disperata mi vuol far preeipitar\ndurch: „Wie von einem Ungeheuer Muss ich mich von\nihr befrei'n\" genügend wiedergegeben. In einer hand-\nschriftlichen Uebersetzung, die mir vorliegt, lautet diese\nStelle so:\nAnna: Einer Furie Wulh im Herzen,\nLass' ich nimmer dich entilieh'n!\nJuan: Dieser Furie wüthend Toben,\nWird mich ins Verderben zieh'n.\nLeporello: Hier ist wahrlich nicht zu scherzen,\nEr wird mich ins Unglück zieh'n.\nDoch es würde zu weit führen, mehrere Scenen so\nbis ins Einzelne gehend zu betrachten. Nur das müssen\nwir noch bemerken, dass einige Verstösse gegen den Sinn\ndes Originals und gegen die Situation nicht beseitigt wor-\nden sind, wie es zu verlangen war. So z. B. ruft Ottavio\nauch hier noch den Dienern in der Scene am Leichnam\ndes Comthurs zu: „Verlasst sie nicht!\" anstatt: Cercate\nmi qucdche odor, non tardaie! d. h.: Holt schnell etwas\nStärkendes also gerade das Gegentheil.\nUm auf den Schluss der Oper zurück zu kommen, so\ndarf es wohl nicht mehr in Frage gestellt werden, ob nach\nder Scene in D-mollzwischen dem Gespenst und Don\nJuan noch etwas folgen solle; die vollständige Katastrophe\nder Handlung, der vollständige musicalische Schluss, end-\nlich der moralische Eindruck fordern gebieterisch hier das\nEnde des Drama's. Aber freilich, die Regie muss dafür\nsorgen, dass die erschütternde Wirkung der Musik nicht\ndurch Teufelsspuk und Feuerwerk vernichtet werde. Nach\ndem Verschwinden des Geistes treibt den Frevler die Fol-\nterqual des Gewissens in Wahnsinn umher; hier und da\nmag eine Flamme aus dem Boden hervorbrechen, aber die\nDämonen, der Coro di Spettri,bleiben hinter der Scene\nund lassen dort ihr furchtbares Unisono auf a und b ertö-\nnen, von dem Männerchor so stark wie möglich besetzt.\nErst bei den zwei letzten Tactcn des Chors:\nvie -ni ce im mal peg - gior.\nDein harret gröss'-re Qual!\nfreien die Höllengeister in gemessenem Schritt, aber so\ngruppirt hervor, dass Don Juan vor ihrem Anblick nach\ndem Hintergrund Hiebt, wo in demselben Augenblicke\naber ja nicht früher! sich der Höllenschlund öffnet.\nDann kann sogar auch der Feuerregen mit dem\nAccord losplatzen und während der letzten neun Tacte\ndes Orchesters seinen Funkenschleier vor die handgreif-\nliche Spedition des Frevlers in die Hölle ziehen.\n\nL B."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "359", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581106-01.1.7", "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. In der musicalischen Gesellschaft spielte Herr Schau-\nBeil aus Düsseldorf, ein früherer Zögling der hiesigen Musikschule,\ndas C-moll-Concert von Beethoven und ärntete mit Recht grossen\nBeifall. Er ist, seitdem wir ihn das letzte Mal hörten, gar bedeu-\ntend fortgeschritten, sowohl in der Technik, als im musicalischen\nAusdruck.\nEine neue Sinfonie, Nr. 3, von Jul. Rietz fand in ihrem ersten\nSatze getheilten Beifall, der sich jedoch bei den übrigen Sätzen, na-\nmentlich beim Finale, zu einem allgemeinen gestaltete.\nHerr Brinkmann aus Hagen, auf der Musikschule zu Leipzig\ngebildet und jetzt von Paris, wo er sich zwei Jahre lang aufgehal-\nten, zurückgekehrt, trug eine Phantasie von Servais für das Violon-\ncell, eine von jenen lose zusammengeflickten Salon-Compositionen,\ndie nur auf Virtuosität, oft nur auf eine specielle oder individuelle\nVirtuosität berechnet sind, mit lobenswerther Technik vor Noch bes-\nsere Gelegenheit, sein vorzügliches Spiel, seine Sicherheit und Fer»\ntigkeit in allen Lagen und seine Bogenführung zu würdigen, gab er\nuns in einem Privat-Cirkel durch den Vortrag zweier grosser Violon-\nceli-Concerte, die uns neu waren, eines von Molique für Piatti\ncomponirt, das andere von Goltermann in Frankfurt am Main\nbeide in gediegenem Stil geschrieben und dennoch brillant, beson-\nders das letztere, in welchem wir ein sehr hübsch gemachtes und\nrecht anmuthendes Concertstiick kennen lernten. An Schwierigkeiten\nfehlt es in beiden Concerten nicht, die jedoch von Herrn Brinkmann\nmit voller Reinheit und grosser Leichtigkeit überwunden wurden\nDer junge Künstler ist bereits im Besitz so vorzüglicher Eigenschaf-\nten, dass es ihm nur an einem guten italiänischen Instrumente fehlt,\num sie vollständig geltend zu machen.\nKolli. Capellmeister F. Hiller ist mit der Composition einer\ntragischen Oper beschäftigt, zu welcher Moriz Hartmann das\nGedicht gemacht hat. Derselbe Dichter hat bekanntlich auch den\nText zu dem Oratorium Saul dem Componisten geliefert.\nIn den Nachrichten über jetzt lebende Violinisten in Nr. 21\ndieser Blätter (vom 22. Mai d. J ) ist nach der eigenen Angabe des\nKünstlers zu berichtigen, dass Henri Vieuxtemps nicht den\n20., sondern den 17. Februar 1820 zu Verviers geboren ist.\nC. B.\nFrasikfssrt si. 9K«, 2. NOV. Fräul. Francisca Yeith hat\ndie hiesige Bühne verlassen, um ein Engagement bei dem Hoftheater\nin Kassel anzunehmen. Der Abschied, den ihr das Publicum berei-\ntete, war ein sehr ehrenvoller und bewies, wie sehr die talentvolle\nSängerin hier zum Liebling geworden war. Am 28. October sang\nsie in dem ersten diesjährigen grossen Concerte, das der Rühl'sche\nGesang-Verein gab, die Partie der Alceste in der gleichnamigen\nOper von Gluck„ Wenn auch die ganze Aufführung eine sehr ge-\nlungene, so war es namentlich Fräulein Yeith, welche die Krone\ndes Abends errang. Das Publicum und namentlich sämmtliche Mu-\nsikfreunde waren darüber einig, dass sie nie so schön gesungen und\nbesonders einen dramatischen Ausdruck entwickelt hat, den man bei\neiner Coloratursängerin s:>nst nicht leicht findet. Am Sonntag den\n31. October trat Fräulein Yeith zum letzten Male im Theater als\nNorina in Don Pasquale von Donizetti auf. Diese Oper, eine der\nmelodiösesten des fruchtbaren Componisten, hat bei keiner deutschen\nBühne Wurzel fassen können, während sie hier den entschiedensten\nErfolg hatte. Allerdings dürfte nicht leicht eine andere Bühne diese\nOper so besetzen können. Das Haus war an diesem Abend über-\nfüllt, und Fräulein Yeith erhielt die ehrendsten Beweise der Aner-\nkennung. Sie ward nach jeder ihrer Arien, nach jedem Acte und am\nSchlüsse drei Mal hervorgerufen, und Blumen und Kränze flogen ihr\nvon allen Seiten zu. Sie war sichtlich ergriffen, und der Abschied\nvon Frankfurt mag ihr bei der Liebe, die sie hier genoss, nicht\nleicht geworden sein. Das Publicum wird sie in gutem Andenken\nbehalten.\nEine neue Oper von Berlioz. Eines jener guten Geschicke,\ndie den Provinzbewohnern versagt zu sein scheinen, kam denjenigen\nPersonen zu Statten, welche jüngst in den Salons des Herrn Georg\nKastner in Strassburg versammelt waren. Unser gelehrter Mitbürger\nhatte sie freundlichst zu der Vorlesung des Gedichtes einer Oper in\nfünf Acten geladen, welche Berlioz, sein Gast durch einige Tage,\nfür die kaiserliche Akademie der Musik vollendet hat. Da sowohl\nText als Musik dieser Oper von Berlioz sind, so begreift man leicht\ndas besondere Interesse, das dieser Vortrag eines noch nicht heraus-\ngegebenen Werkes durch den Verfasser selbst, Musiker und Dichter\nzugleich, erzeugen musste, besonders da der Verfasser eine so her-\nvorragende Persönlichkeit ist.\nDer Stoff dieser Berlioz'schen Oper ist dem hohen classischen\nAlterthume angehörig, aber nach modernem Zuschnitt behandelt, und\nzwar in Bezug auf die scenische Entwicklung jener Ausnahms-Gat-\ntung zugebildet, welche der Verfasser von „Romeo und Julie\" ge-\nschaffen hat. Man muss sagen, dass unter diesen Umständen Berlioz\ndurch keinen besseren Librettisten als sich selbst hätte bedient wer-\nden können, und dass Alles dadurch gewinnen wird, dass in diesem\nden Formen und dem Plane nach bis nun beinahe ohne Gleichen\ndastehenden Werke Text und Musik aus Einem Kopfe entsprungen\nsind. Das Gedicht enthält dramatische Situationen in grosser Zahl;\nviele derselben werden eine ergreifende Wirkung hervorbringen müs-\nsen, nach jener zu schliessen, welche sie bei der Lesung hervor-\nbrachten. Was die musicalischen Situationen, die Gelegenheiten zu\nmelodischen Motiven anbelangt, so hat der Dichter sie dem Ton-\nsetzer mit wahrhaft väterlicher Schwäche zur Verfügung gestellt, was\ndas Publicum der Oper, wie wir hoffen, gutheissen wird. Sie ent-\nspringen übrigens aus der Natur des Gegenstandes selbst, der, wie\nwir gesagt haben, dem heidnischen Alterthume entlehnt ist, wo die\nlyrische Kunst in so grossen Ehren stand.\nHerr Berlioz hat seiner Oper ungewöhnlich grossartige Dimen-\nsionen gegeben und war besorgt, sie mit allen unseres Tages zum\nErfolge eines dramatischen Werkes unerlässlichen Bedingungen zu\numgeben. So verlangt die Dichtung eine glänzende Inscenesetzung,\ndie unsere Homerischen und Virgilischen Erinnerungen wachrufen\nwird, einen bunten Wechsel der Ansichten, mythologische Scenen,\nein graziöses und malerisches Ballet, das ist: eben so viele Elemente,\ndie geeignet sind, das Tragische der Handlung zu mässigen und den\nGlanz des Schaustückes zu heben. Dabei ist zu bemerken, dass die\nsymphonischen Entwicklungen, der scenischen Anordnung gemäss,\nriesig zu sein verheissen.\nDie Proben der bald hätte ich den Titel verrathen! wer-\nden demnächst unter dem besonderen Patronate des Kaisers begin-\nnen, und bald wird Paris die erste Oper von Berlioz würdigen, die\naus mehr als Einer Ursache berufen ist, eine lebhafte Sensation her-\nvorzurufen, und von welcher man in Strassburg, Dank der Courtoisie\ndes Herrn Kastner, einen literarischen Vorgeschmack erhalten hat.\n(Courrier du Bas-Rhin.)\nBei dem Geigenmacher Anton Fischer in Wien (Stadt, Tuch-\nlauben Nr. 558) sind jetzt mehrere schöne und ausgezeichnete mu-\nsicalische Instrumente zu haben, namentlich eine sehr schöne und\ngute Doppel-Pedalharfe von Erard in Paris, eine einfache Pedalharfc\nvon Brunner in Wien, eine echte Violine von Straduari, eine dito\nvon Nikolaus Amati, grosses Format, dann mehrere andere vorzüg-\nliche Geigen, \\iolen, Violoncelle der besten italiänischen und deut-\nschen Meister."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "360", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581106-01.1.8", "texte": "ISerlin. Am 1. November wurde die Hof-Opernsängerin Fräu-\nlein Trietsch beerdigt. Die talentvolle Künstlerin ist in der Blüthe\nihrer Laufbahn, im 28. Jahre ihres Alters gestorben.\nBaden-Baden« In einem von Herrn Alary gegebenen\nConcerte spielte die Gräfin Kalergis die Kreutzer-Sonate von Beet-\nhoven mit Sivori In einem anderen von Jos. Wieniawski\nspielte unter Anderen auch Herr Colosanti das „Miserere\" aus\nTrovatore auf dem Ophikleid. Für das Concert der Ernesta\nGrisi im Salon des Fleurs hat Meyerbeer, der einige Tage hier\nverweilte, zu einer reizenden Ballade von M6ry, „Le Revenant du\nvitux ChdteauMusik gesetzt, welche bei der Declamation ausge-\nführt wurde.\nHannover. Die Oper Vampyr von dem gefeierteu Hof-Ca-\n.pellmeister Marschner wurde neuerdings mit ungeheurem Success\ngegeben. Herr Degele gab den Vampyr mit allem, was dazu\nStimme, Gemüth, Vortrag und edlem, männlichem Anstand. Auch\nwar Fräul. Held reizend als Emmy. Marschner wurde gerufen, so\nwie auch die Mitglieder*\nUnsere Oper entwickelt seit ihrer Wieder-\neröffnung (18. Juli) eine bedeutende Thätigkeit und brachte in ra-\nscher Aufeinanderfolge und in vortrefflicher Aufführung Fidelio, Don\nJuan, Figaro's Hochzeit, Joseph, Jessonda, Lustige Weiber, Czaar\nund Zimmermann, Waffenschmied, Stradella, Zampa, Maurer, Falsch-\nmünzer, Hugenotten, Lucrezia, Lucia, Liebestrank, Barbier und Ro-\nmeo zur Darstellung, also achtzehn verschiedene Werke im Zeit-\nräume von acht Wochen. Besonderer Peliebtheit erfreuen sich die\nDamen Prause, Storch und Meiler, der Bassist Thelen und der neu-\nengagirte Bariton Weiss. Der Tenor Stolzenberg erwirbt sich den\ngrössten Beifall in Spiel-Partieen wie ~Maurer Georg im Waffen-\nschmied\", Nemorino im ~Liebestrank\" ; der Tenor Siegel in den ita-\nliänisclien Opern Lucrezia, Lucia u. s. w. Eine sehr gelungene Lei-\nstung des Letzteren war der Joseph in MehuFs gleichnamigem Mei-\nsterwerke. Eine vortreffliche Aufführuug Yon Haydn's ~Schöpfung'*\nunter Leitung des Hof-Capellmeisters Abt verdient noch besondere\nErwähnung. Die gegen 300 Stimmen starken, durch die Sing-Aka-\ndemie und den Männergesang-Verein besetzten Chöre leisteten ganz\nVorzügliches; von den Solisten ist besonders Herr Thelen als Ra-\nphael und Herr Himmer als Uriel hervorzuheben. Letzterer, der\nseit einigen Jahren stimmkrank war, ist wieder im vollen Besitze\nseiner Stimmmittel, mit denen er die weiten Hallen des Domes mäch-\ntig erfüllte. Sein Auftreten auf der Bahne steht demnächst bevor,\nDer unter der Leitung des Hof-Capellmeisters Abt stehende Män-\nnergesang-Verein gab bei Gelegenheit einer Sängerfahrt ein Concert\nin Hamburg, welches einen glänzenden Erfolg hatte. Die hamburger\nBlätter waren des Lobes der ausserordentlichen Leistungen dieses\nVereins voll.\nAn Ignaz Lachncr's Stelle dirigirt Capellmeister Eschborn,\nVater der berühmten Sängerin Natalie Eschborn (Frassini) jetzt die\nOper in Hamburg.\nWien» Vielen Anfragen zu entsprechen, sind zu dem im k k.\nHofburgtheater in Wien gegebenen Trauerspiele „Des Meeres und\nder Liebe Wellen\" von Grillparzer die hierzu componirten Entr'actes\nvon Horzalka durch die Kunst- uud Musicalienhandlung F. Glöggl\nund Sohn für alle Theater in Partitur zu beziehen. Für Pianoforte\nist bereits erschienen: Entr'acte im 3, Acte 15 Kr. Zwei Priester-\nchöre, Pianoforte mit Gesang, 15 Kr.\nNach der Hamburger Reform ist der Violoncellist Bernhard\nHildebrand Romberg, ein Nachkomme von Bernhard Romberg,\nauch unter den Opfern, welche der Brand des Dampfschiffes Austria\ngefordert hat. Sein Violoncell, ein ganz ausgezeichnetes Instrument,\n801 l zu 30,000 Mark versichert gewesen sein.\nRubinstein, der seine Vaterstadt Moskau nach sechsjähriger\nAbwesenheit im September wieder besuchte, erhielt von den daselbst\ngarnisonirenden donischen Kosaken eine glänzende Serenade, als Aus-\ndruck der Verehrung über die von Rubinstein componirte Oper ~Dim-\nitri, der Donische\", die einen Helden jener Reiterschar verherrlicht."}]}