{"numero_id": "bm-bmtnabi-1858-12-04-01", "volume": "bmtnabi_1858-12-04_01", "ocr_sha256": "b9df9a78a75d66364f72543b7564483cf1b4df169876c7795900acf273b28ff8", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1858/12/04_01/bmtnabi_1858-12-04_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581204-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1858-12-04-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-12-04_01#c001", "volume": "bmtnabi_1858-12-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "385", "page_fin": "385", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581204-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "385", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581204-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 460, "texte": "Inhalt.\nMichael II auser (Aus dessen Briefen aus Californien, Südamerica und Australien). Prüfungs-Concert des Conserva-\ntoriums der Musik in Köln. Von L. B. - Concert in Münster am 22. November Notizen über das dortige Musikwesen).\n\\on L. B. Tages- und Unter haltungsbJatt (Köln, Städtischer Sing-Verein, Musicalische Gesellschaft, Matinee von Frau\nBabnigg Crefeld, I. Abonnements-Concert Paderborn, CäciJien-Concert Kassel, Fräul. F. 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Häuser's Briefen aus Californien, Südamerica und\nAustralien vor (Leipzig, bei F. L. Herbig, 1859), gesam-\nmelt und herausgegeben von seinem Bruder Sigmund\nHauser in Wien.\nMichael Hauser, im Jahre 1822 zu Pressburg in Un-\ngarn geboren, zeigte schon frühzeitig einen ungewöhnli-\nchen, alle Kinderspiele verdrängenden Hang zur Musik.\nConradin Kreutzer, zur Zeit Capellmeister des dortigen\nTheaters, besuchte das kunstsinnige Elternhaus des Kna-\nben und veranlasste dessen ersten Unterricht im Violinspiel.\nDar Erfolg war ein so günstiger, dass der kaum zwölfjäh-\nrige Knabe sich bald darauf mit vielem Beifalle im Theater\nhören lassen konnte. Unter Leitung des Herrn Professors\nBöhm das Conscrvatorium besuchend, fand Michael Hau-\nser in dem k. k. Kammer-Virtuosen Herrn Joseph May-\nseder einen eben so eifrigen als warmen Freund und Leh-\nrer, der seiner ferneren Ausbildung eine künstlerische und\nvielversprechende Bichtung gab. In Begleitung des Vaters,\nder einst als vorzüglicher Violin-Dilettant mit Beethoven\nin naher Beziehung gestanden, unternahm er 1840 den\nersten schüchternen Kunst-Ausflug nach Deutschland, der\nsich jedoch, unter stets steigenden Erfolgen, zu einer bei-\nnahe achtjährigen Concertreise durch Deutschland, Däne-\nmark, Schweden, Norwegen, Finnland, ganz Kussland bis\nan die Gränze Sibiriens ausdehnte. 1848 nach Wien zu-\nrückgekehrt, wurden die ersten Töne seiner Geige von\nden Donnerschlägen der Bevolution übertäubt; das Herein-\nbrechen jener für die Kunst so misslichen Ereignisse, die\ndamals den grössten Theil Europa's erschütterten, be-\nstimmten ihn, den stillen Heerd seines Geburtsortes aufzu-\nsuchen, wo er, sich zu einer grösseren Reise nach Frank-\nreich und England vorbereitend, ausschliesslich dem Stu-\ndium und der Composition oblag. In London angekom-\nmen, lockte ihn ein überaus vortheilhafter Ruf über den\nOcean, und schon am 1. Januar 1850 brachte ihn der\nDampfer Baltic nach New-York. Von dort aus durchzog\ner in Begleitung einer Concert-Gesellschaft zwei Jahre lang\ndas Gebiet der Union in allen Bichtungen. Von den Schnee-\nfeldern Canada's bis zum blumenreichen Frühling des Nia-\ngara mit seinen donnernden Katarakten, von den fernsten\nAnsiedelungen des Westens bis zu den üppigen Orangen-\nwäldern Louisiana's dürfte es wohl kaum eine Stadt geben,\ndie von dem Besuche dieses modernen Argonautenzuges\nunberührt geblieben wäre. 1852 wieder nach New-York\nzurückgekehrt, schiffte er längs des Ohio und des Missi-\nsipistromes vorbei an den grellen Scenerieen der Sclaven-\nstaaten der zauberhaften Zone des Südens zu. Die bösarti-\ngen Fieber Havannah's jedoch, die zwischen den Wäldern\nvoll Blüthen und Düften wie tückische Dämone dem\nFremden aullauern, verkürzten seinen Aufenthalt auf jener\nWunder-Insel. Er eilte nach New-York zurück, und hier\nwar es, wo der eben so abenteuerliche wie gefährliche\nEntschluss in ihm reif wurde, nach Californien zu ziehen.\nVon diesem Zeitpunkte an beginnen die Briefe, die\naus den Jahren 1853—1855 herrühren und die Erleb-\nnisse und Beobachtungen des reisenden Virtuosen in San\nFrancisco und bei den Goldgräbern, in Lima, San Jago,\nTahiti und Sydney schildern. Sie bieten jedenfalls eine in-\nteressante Lecture dar. Man darf darin natürlich keine\nneuen Aufschlüsse über die Zustände des Landes und Vol-\nkes suchen, sondern nur die Wiedergabe der frischen Ein-\ndrücke des transatlantischen Lebens auf einen Musiker, der\naus dem Hauptzwecke seiner Reise, Gold zu verdienen,\nkein Geheimniss macht. Wir geben einige Proben der\nDarstellung und wählen in Bezug auf den Inhalt dasjenige\naus, was besonders die musicalischen Zustände betrifft.\nAus San Francisco im März und April 1853.\n„Die Eintrittspreise in Concerte sind 10, 5 und 3 Dollars."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "386", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581204-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5332, "texte": "Die Theurung übertrifft die höchsten Erwartungen; trotz-\ndem, dass ich täglich eingeladen werde, brauche ich doch\n30 Dollars täglich. Alles, was nicht Gold gräbt, sucht sich\ndurch die abenteuerlichsten Speculationen zu bereichern.\nGeisterklopfer und Gaukler, moderne Don Quixote's und\nTaschendiebe, öffentliche Redner und Marktschreier, be-\nrühmte Tänzerinnen und brasilianische Affen, Virtuosen\nund Papageien alle reichen sich die Hände zum gemein-\nsamen Werke der goldenen Speculation.\n/ i\n„Vor dem Antritt meines Ausfluges nach den\nGoldminen gab ich am 15. März im hiesigen grossen neu-\nerbauten Theater mein Abschieds-Concert. Ich würde es\neinen Abschieds-Triumph nennen, wenn das Wort nicht\nschon zu vergriffen wäre und mein Gefühl sich nicht ge-\ngen Huldigungen auflehnte, die nur jenen, welche sich\num die Menschheit verdient gemacht, zu Theil werden\nsollten. In dem prosaischen Lande der Prairieen und Ur-\nwälder könnten solche Aeusserungen des Kunst-Enthusias-\nmus überraschen; doch der Mensch, wo er auch sei und\nwas er auch treibe, muss einen Gegenstand seiner Begei-\nsterung haben, heisse dieser Gegenstand nun wie immer,\nwenn er nur seinen Zweck, „ „Vergessenmachen des All-\ntäglichen\" \", zu erfüllen im Stande ist. Dies scheinen die\nPraktiker des modernen gelobten Landes gerade am mei-\nsten zu fühlen. Denn jede dargebotene Gelegenheit, sich\nden trockenen, Geist und Gemüth tödtenden Geschäften\nauf eine Weile zu entziehen, wird freudig ergriffen und\nreichlich belohnt. An geistigen Heloten, deren Gesichts-\nkreis, vom Mittelpunkte des Dollars ausgehend, nur bis zu\ndessen Rändern reicht, ist zwar nirgends Mangel, aber die\nbessere Natur bricht sich selbst im wildesten Dickicht Bahn.\n„Die Einnahme des erwähnten Concertes'war sehr\nlucrativ und betrug über 2500 Dollars. Ich bin stolz\ndarauf, ein Orchester zusammengestoppelt zu haben, das\nselbst einer europäischen Residenz Ehre gemacht haben\nwürde. Ich habe die Musiker aus den Spieihäusern zu-\nsammengesucht, sie für meine Concerte, deren ich bis heute\n26 gegeben, engagirt und cxercirt, und brachte es endlich\ndahin, dass Beethoven's herrliche Ouvertüre zu Leonore\nexecutirt werden konnte. Das Concert dauerte volle vier\nStunden, denn ich musste dem ungestümen Verlangen der\nanwesenden Gentlemen, Chinesen und Abenteurer aller\nLänder nachgeben und jede Piece dreimal wiederholen.\nAls ich eine Composition mit eingeflochtener chinesischer\nMelodie vortrug, machten plötzlich die Kinder des himm-\nlischen Reiches ihrer Begeisterung durch übermenschliches\nToben und Heulen Luft, so zwar, dass ich mich schliess-\nlich in einem Winkel des Hauses verbergen musste, um\nden chinesischen Triumphen zu entgehen.\n„Am folgenden Tage, 16. März, reis'te ich in Gesell-\nschaft des Pianisten Laveneau, des Sängers Gerold, der\nSängerin Pattinos und meines Agenten nach den Goldminen.\nZuerst nach Sacramento, eine Reise von vier Tagen, von\nda nach Stokton und Novara, Städte, erst im Entstehen.\nMir gingen die Augen über beim Anblick des vielen Gol-\ndes! Doch machte ich hier im Verhältnisse schlechtere Ge-\nschäfte als in San Francisco, denn die Kosten waren enorm;\njeder meiner Begleiter forderte 60 Dollars täglich, und da\ndie Leute in den Minen wenig Miene machten, ins Con-\ncert zu gehen, so spielte ich dieses Mal „ „Lieder ohne\nGold\"\".\n„Der hiesige Gouverneur Woodworth, ein äus-\nserst gebildeter und kunstsinniger Mann, veranstaltete kürz-\nlich ein grosses Musikfest im französischen Theater, dessen\nProgramm ich hier vollständig mittheile: 1. Männerchor\nvon Mendelssohn, vorgetragen von der deutschen Lieder-\ntafel. 2. Ouvertüre zur Oper „Der Tannhäuser\" von Ri-\nchard Wagner, ausgeführt von der Societe Concordia. 3.\nGrosse Phantasie über „Lucrezia Borgia\", componirt und\nvorgetragen von M. Hauser. 4. Grosse Arie aus „Robert\nder Teufel\", vorgetragen von Cath. Hayez. 5. Spinnentanz,\nausgeführt von Sennora Lola Monlez, Gräfin zu Landsfeld.\n6. Polonaise von Mayseder, vorgetragen von M. Hauser.\n7. Phantasie über die „Hugenotten\" von Thalberg, vorge-\ntragen von E. Pettino. 8. Trio von Mendelssohn (D-mott),\nvorgetragen von M. Hauser, Pettino, Giraldo. 9. Ouver-\ntüre zur Oper „Der Freischütz\", unter der Leitung von\nM. Hauser. 10. Italienische Lieder, gesungen von Cath.\nHayez. 11. .Solo aus „Yelva, die russische Waise\", ge-\ntanzt von Lola Montez. 12. „Der Wanderer im Walde\",\nChor von Schubert. 13. „Der Vogel auf dem Baume\",\ncomponirt und vorgetragen von Hauser. 14. „Heil Co-\nlumbia!\" vorgetragen von der deutschen Liedertafel.\n„Dieses Concert war das besuchteste, das ich gesehen;\nman schlug sich förmlich um die Plätze. Der Ertrag war\nfür wohlthätige Zwecke, und von dem Reinertrag von 5000\nDollars wurden 2000 Dollars dem deutschen und franzö-\nsischen Hospital, 1000 für dieLösch-Anstalten und Feuer-\nmänner, 1000 dem hebräischen Wohithätigkeits-Fonds\nund endlich 1000 Dollars verschiedenen anderen Anstal-\nten gewidmet.\n„Die deutsche Liedertafel brachte jedem in dem Pro-\ngramm namhaft gemachten Künstler nach einem beim Gou-\nverneur eingenommenen glänzenden Souper eine Serenade,\nund da die halbe Stadt herbeiströmte, diesen Gesängen zu\nhorchen, so konnte dies eine wahre Festnacht genannt\nwerden. Von allen Einigungs-Bestrebungen der Deutschen\nhat vielleicht keine bisher einen so anhaltend glücklichen\nund wirklich erfreulichen Erfolg gehabt, als die seit etwa"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "387", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581204-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5103, "texte": "sieben bis acht Jahren in Nordamerica bestehenden deut-\nschen Männergesang-Vereine.\n„ln der letzten Zeit war ich wieder so glücklich,\nein Quartett zu arrangiren; leider begnügten sich drei\nViertheile davon nicht mit den harmonischen Klängen\nBeethoven'scher Quartette, sie beanspruchten als harmoni-\nschere Zulage von mir für je zwei Stunden 15 Dollars.\n„Fünf Monate sind bereits seit meiner Ankunft in\nSan Francisco verstrichen, und noch immer finden meine\nConcerte ein dankbares Publicum. Dieselben haben bereits\ndie Zahl fünfzig überschritten. Ausser St. Petersburg erin-\nnere ich mich keiner Stadt, die mich auf meiner Künstler-\nfahrt so lange beherbergt hätte. Von meinen neuesten\nCompositionen, die ich trotz Goldstaub und trockener Ge-\nschäfts-Atmosphäre in Stunden zusammenfügte, wo der\nDeus in nobis seine Rechte geltend macht, sind folgende\nim Verlage von Andre in Olfenbach erschienen: „Andacht\",\n„Märchen\", „Kirchgang\", „Niagara\", „Indianisches Mä-\nrchen\" und „Echo von San Francisco\". Ein Rondo, sechs\nEtüden und ein Violin-Concert, so wie auch die „Lucretia-\nPhantasie\" und den „Vogel auf dem Baum\" habe ich an\nSchubert in Hamburg und New-York verkauft.\nAus Lima. Januar—März 1854.\n„Das Theater, welches ich schon einige Mal besuchte,\nhat mich überrascht. Man hört hier Opern von Mozart, den\n„Propheten\", „Robert\" und gute andere Stücke. Die\nerste Sängerin, Mad. Devories, ist sehr schön, singt hübsch\nund kekommt monatlich 1500 Fl. Münze.\n„Die Damen im Parterre sitzen hier ebenfalls mit der\nMantille über Kopf und Gesicht, wo nur die Augen sicht-\nbar sind. Aber die in den Logen, in wunderbarer Schön-\nheit prangend, sind in weisse Spitzenkleider gekleidet, feen-\nhaft geputzt und bezaubern durch die Grazie ihrer For-\nmen und das seelenvolle Feuer ihrer Augen, die wie\nschwarze Diamanten strahlen. Sie befassen sich wenig mit\nLecture, können oft nicht lesen oder schreiben, lieben nur\nTanz, Musik, Theater, Stiergefechte, sind sehr gesprächig,\naber höchst bigott und ungebildet.\n„Auf meiner heissen Wanderung in der Musikwüste\ntraf ich endlich wieder eine musicalische Oase, in der ich\nmich erquickte. Mstr. Clay, Resident der Vereinigten Staa-\nten, veranstaltete auf seinem Landsitze mir zu Ehren eine\nmusicalische Soiree, wo nur Kammermusik gespielt wurde.\nEs War für mich ein Hochgenuss, endlich einmal wieder\ndie herrlichen Töne Mozart's, Haydn's und Beethoven's\nzu hören.\n„Dinstag war mein erstes Concert im Theater. Ich\nhabe grosses Furore gemacht; es war kein zahlreiches,\naber ein gewähltes Publicum da, darunter der Präsident,\ndie Minister und viele Gesandte. Das Programm war fol-\ngendes: 1. Ouvertüre zu „Ferdinand Cortez\" von Spon-\ntini. 2. Variationen über italiänische Themata, componirt\nund vorgetragen von M. Hauser. 3. Casta Diva aus der\n„Norma\", gesungen von Miss Hayez. 4. Monolog von Cal-\nderon, im Costume gesprochen von Sennora Morena. 5.\nBolero, componirt und gespielt von M. Hauser. 6. Ouver-\ntüre zur „Semiramis\" von Rossini. 7. „Vöglein im Baume\"\nvon M. Ilauser. 8. Lieder von Mendelssohn, gesungen von\nMax Cliarton. 9. Concert von Weber, gespielt von Mad.\nCollignion. 10. The last rose (Die letzte Rose\ndes Sommers), componirt und gespielt von M. Hauser. Der\nCapellmeister der Oper, ein sehr talentvoller Musiker und\nNeffe Rossini's, leitete das Ganze.\n„Eigentümlich war die Don-Juan-Vorstellung,\nder ich hier beiwohnte. Miss Hayez sang die Donna Anna,\nMad. Devories die Elvira und Mad. Charton das Zerlinchen.\nEs wäre Alles sehr gut gegangen, aber Don Ottavio war\nzu begeistert, nicht von Mozart'scher Musik, sondern von\nRum, dem jener Sänger besonders huldigte. Schon in der\nersten Scene, als Donna Anna auf die Leiche ihres Vaters\nstürzt, wäre der sie halten sollende Don Ottavio ihr bald\nzuvorgekommen; aber Donna Anna merkte den wanken-\nden Zustand ihres Bräutigams und hielt ihn mit aller ihr\nzu Gebote stehenden Kraft aufrecht. Das Publicum, ver-\ntraut mit dem originellen Talente dieses Sängers, bezähmte\nseinen Unwillen, um die Vorstellung nicht zu stören. Doch\nam Schlüsse des ersten Actes, in der bekannten Ballscene,\nerreichte die Begeisterung Ottavio's einen solchen Höhe-\npunkt, dass er, über Donna Anna's langes Kleid stolpernd,\ndie Elvira über den Haufen warf. Da empörte sich das\nBlut der Peruaner, und der famose Ottavio-Sänger konnte\nnur von Soldaten geschützt mit genauer Noth seine Haut\nretten.\n„Ich habe hier einen Herrn Collignion, Pianist aus\nParis, kennen gelernt, der ein sehr lieber Mensch und gu-\nter Musiker ist. Seine Frau, sehr schön und liebenswür-\ndig, ist eine Clavier-Virtuosin ersten Ranges, Schülerin des\nConservatoire und Chopin's, von dem sie mir viel vorspie-\nlen muss. Die Leute sind hier etablirt und verdienen mo-\nnatlich mit Stundengeben 4000 Fl. C.-M., leben sehr\nnobel und haben sich schon ein schönes Vermögen er-\nworben.\"\nDas letzte Concert Hauser's in Lima, zum Besten des\nHospitals und der verwundeten Krieger, „die den Staat\ngerettet\", hatte ein Programm von sieben Musik-Nummern,\nund dazu wurde der zweite Act von Calderon's „Das Le-\nben ein Traum\" gegeben. Es brachte 8000 Piaster fcirca\n16,000 Gulden) ein."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-12-04-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-12-04_01#c003", "volume": "bmtnabi_1858-12-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "388", "page_fin": "389", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581204-01.2.3", "titre_corps": "Prüfungs-Concert des Conservatoriums des Musik in Köln.", "titre_sommaire": "Prüfungs-Concert des Conservatoriums des Musik in Köln.", "signature_source": "L. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "388", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581204-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5297, "texte": "Prüfungs-Concert des Conservatoriums des Musik\nin Köln.\n\nWiewohl das eigentliche Prüfungs-Concert des Ccn-\nservatoriums am Schlüsse des Jahres-Cursus seine statut-\ngemässe Stellung findet, so ist doch der Beschluss des Vor-\nstandes und des Directors der Anstalt, auch ausser jenem\nZeitpunkte zuweilen eine öffentliche Aufführung durch die\nZöglinge zu veranstalten, in jeder Hinsicht zu billigen. Ein\nInstitut, das nur durch die Theilnahme und Unterstützung\nwohlhabender Kunstfreunde und durch seine Einnahme an\nUnterrichts-Honorar besteht, hat alle Ursache, öfter, als\ndies bei Staats-Anstalten nöthig ist, mit Darlegung seiner\nBestrebungen und seiner Erfolge vor die Oeffentlichkeit\nzu treten, indem dasjenige Publicum, das sich für dasselbe\ninteressirt, auch zu dessen Controle berechtigt ist.\nAber auch das pädagogische Interesse redet der all-\nmählichen Gewöhnung der Zöglinge an das öffentliche Auf-\ntreten das Wrort. Ein Conservatorium der Musik darf alle\nseine Zöglinge nur aus dem rein künstlerischen Gesichts-\npunkte betrachten und behandeln; es muss ihm ganz gleich-\ngültig sein, aus welchen Beweggründen und zu welchen\npersönlichen Zwecken der Schüler in die Anstalt tritt. Mag\ner die Musik als Dilettant nur zu seiner höheren allgemei-\nnen Bildung und zu verständigerem Genüsse der musicali-\nschen Kunstwerke studiren, oder sich zum Lehrer der\nTonkunst vorbereiten und befähigen wollen: die Anstalt\ndarf nur seine Ausbildung zum Künstler im Auge haben;\ndieser Gesichtspunkt allein muss vorwalten sowohl bei dem\nallgemeinen Unterrichte,, der die Grundlage musicalischer\nBildung gibt, als bei dem besonderen, der durch die Na-\ntur-Anlage bedingt wird. Wenn sich die Kunstschule da-\ndurch wesentlich von der wissenschaftlichen unterscheidet,\ndass sie auf die individuellen Anlagen nicht allein mehr\nRücksicht nehmen kann, sondern Rücksicht nehmen muss,\nso darf doch ein etwaiger Mangel an Talent bei dem\nSchüler den Grundsatz der Schule nicht ändern; diese\nmuss aus jedem Schüler einen Künstler zu machen suchen\nund diese Aufgabe bis zu dem Punkte verfolgen, wo die\nNatur des Individuums ihr Gränzen setzt.\nDer Künstler aber ist für die Oeffentlichkeit bestimmt,\nsei er schaffender, oder ausübender, oder Beides zugleich.\nDer angehende schaffende Künstler möge früh daran erin-\nnert und ihm der Versuch gestattet werden, mit seinen\nErstlingen vor den vielköpfigen Richter zu treten, den man\nPublicum nennt, und dessen Püffe und Liebkosungen er-\ntragen und würdigen zu lernen. Noch mehr bedarf dieser\nGewöhnung an die Oeffenllichkeit der ausübende Künst-\njer, für welchen wenigstens in Aussendingen, z. B. Hai-\ntung und Anstand, das Auftreten vor dem Publicum eine\nErziehungsschule für das Ivünstlerleben ist.\nI '\nWenn es hiernach keine Frage ist, dass Kunstschulen\ndie Verpflichtung haben, ihre Zöglinge in die Oeffentlich-\nkeit zu führen, so kann es sich nur noch darum handeln,\naufweiche W eise dies bewerkstelligt werden solle,und\nhier begegnen wir leider oft den ärgsten Missgriffen, na-\nmentlich in unseren Nachbarländern Belgien und Frank-\nreich. Wir halten das System der Hang- und Classen-Be-\nstimmung der Talente durch öffentliche Wettstreite und\nöffentliche, mit Pomp vorgenommene und mit noch mehr\nPomp verkündete Preis-Vertheilungen für höchst unpäda-\ngogisch und verderblich. So wenig wir bei jedem Unter-\nrichte während desselben die Anregung der Nacheiferung\nund jenes Ehrgeizes vermissen möchten, dem das Urtheil\ndes Lehrers und die eigene Befriedigung, sein Bestes ge-\nthan zu haben, Hauptziel der Arbeit ist, so sehr müssen\nwir nach dem Unterrichte jede öffentliche Kundgebung\nmissbilligen, die gleichsam das Talent privilegirt und mehr\ndie persönliche Eitelkeit befriedigt, als dem ernsten Kunst-\nstreben neuen Schwung gibt was auch die Erfahrung\nbestätigt, indem bei Weitem die meisten von jenen Lau-\nreaten und Premiers Prix auf ihren Lorbern und Me-\ndaillen einschlafen.\nW erden hingegen die öffentlichen Proben der Fort-\nschritte der Musikschüler in der Art veranstaltet, dass diese\nsich überzeugen müssen, das Ganze sei nicht ihrer Persön-\nlichkeiten wegen, sondern um der Schule wiilen veranstal-\ntet, um den Geist, der in ihr waltet, zu kennzeichnen und\ndie Methode der Lehrer an ihren Erfolgen zu prüfen, so\nwird der Beifall, den das eingeladene Publicum von Ken-\nnern und Interessenten an der Kunst-Anstalt spendet,\nhauptsächlich den Lehrern eine ehrenvolle Anerkennung\ndarbieten, in den Schülern aber nicht Eitelkeit und Selbst-\nüberschätzung hervorrufen, während er ihnen dennoch ein\nSporn zum ernsten Fortschreiten in der Kunst um der\nKunst willen sein wird. Das Gewöhnen an öffentliches\nAuftreten wird alsdann eine der liebenswürdigsten Eigen-\nschaften des jungen Künstlers, die Bescheidenheit, nicht\nverdrängen und in kecke Dreistigkeit oder Frechheit ver-\nwandeln, sondern nur jenes Maass von Selbstvertrauen\nallmählich erzeugen und stärken, welches aus dein Bewusst-\nsein redlich künstlerischen Strebens und aus der streng-\nsten Gewissenhaftigkeit bei der Production oder Repro-\nduetion erwächst. Das öffentliche Auftreten zeige, dass es\nder Schule nicht um Dressur ihrer Zöglinge auf Effect\nund Applaus zu thun ist, wohl aber um jenes Studium\nund jene Gesinnung, die den Künstler vor Tausenden eben\nso wie in seinem einsamen Zimmer nur das eine Ziel im"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "389", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581204-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3690, "texte": "Auge haben lassen, den Forderungen der Kunst und dem\nUrlheile der Verständigen zu genügen.\nWir freuen uns, dass diese Grundsätze bei den bisher\nveranstalteten Concerten der hiesigen Musikschule maass-\ngebend gewesen sind, und wünschen um so mehr, dass\ndaran festgehalten werde, als sie die Richtung bezeichnen,\nin welcher die Anstalt auf die Ausbildung junger Ton-\nkünstler zu wirken sucht.\nDas Prüfungs-Concert am Abende des 26. November\ngab einen neuen Beweis davon.\nDas Programm brachte zehn Nummern:\nErster Theil. 1. Trio von Hummel in E-clur (er-\nster Satz), vorgetragen von Max Schrattenholz, Georg Krill\nund Herrn B. Breuer. 2. Arioso von L. van Beethoven,\ngesungen von Miss Susanna Murray. 3. Quartett für\nStreich-Instrumente, componirt von August Grüters, vor-\ngetragen von demselben, G. Krill, A. Kufferath und Herrn\nB. Breuer. 4. Zwei Lieder für eine Altstimme von F.\nHiller, vorgetragen von Fräulein Jenny Niethen. 5. Oc-\ntett von F. Mendelssohn (erster Satz), vorgetragen von\nGrüters, Krill, Schreiber, Mathes, Kufferath, Fritz und den\nHerren A. und B. Breuer.\nZweiter Theil. 6. Chor für Frauenstimmen aus der\nVestalin von Spontini; die Soli gesungen von den Fräulein\nMarianne Küpper und Elise Saart. 7. Clavier-Concert\nvon Hummel in A-moll (erster Satz), vorgetragen von Hu-\nbert Greis. B. Arie aus Figaro's Hochzeit von Mozart,\ngesungen von Fräulein Saart. 9. Zwei Notturno's für\nSopran und Alt von Gordigiani und von Donizctti, gesun-\ngen von den Fräulein Küpper und Niethen.— 10. Taran-\ntelle für Violine von Fr. Schubert, vorgetragen von Georg\nKrill.\nDas eingeladene Publicum hatte sich sehr zahlreich\neingefunden und füllte den mittleren Saal des Gürzenich\nfast ganz. Es verfolgte die Leistungen der jugendlichen\nIvunst-Zöglinge mit gespannter Aufmerksamkeit und leben-\ndiger Theilnahme. Diese Leistungen waren überall recht\nanerkennungswerth und nirgends langweilig. Dass sie\nje nach Talent und Stadienjahren verschieden waren, ver-\nsteht sich von selbst; alle aber machten auf die Zuhörer\nden Eindruck, dass die Anstalt schöne Erfolge erziele,\nund dass diese für die Art und1 Weise, wie sie erreicht\nwerden, und für die künstlerische Richtung, welche den\nZöglingen gegeben wird, ein ehrenvolles Zeugniss ablegen.\nIn letzterer Hinsicht hat uns besonders auch der Com-\npositions-Versuch eines Streich-Quartetts von dem sehr\nbegabten jungen August Grüters aus Uerdingen durch die\nEinfachheit der von aller AfFectation freien Motive und die\nKlarheit der Arbeit die beruhigende Ueberzeugung gege-\nben, dass die Irrlehre der realistischen Schule, welche nur\nnoch eine angewandte, aber keine reine Musik mehr ken-\nnen will, eben so wenig in der Rheinischen Musikschule\nWurzel fassen werde, als sie beim rheinischen Publicum\nGlück macht.\nLeider müssen wir diesen Bericht über Erfreuliches\nmit einer Trauer-Nachricht schliessen. Ferdinand Bach,\neiner der tüchtigsten Schüler der Rheinischen Musikschule\nund im Besonderen von Theodor Pixis, ist seinem früheren\nLehrer schon so bald in jene Welt nachgefolgt; ein Ner-\nvenfieber hat ihn in voriger Woche dahingerafft. Der\nwackere Joachim, der sich von dem ausgezeichneten Ta-\nlente des Jünglings so angesprochen fühlte, dass er von\nfreien Stücken die Vollendung seiner Ausbildung über-\nnahm, widmete ihm in Hannover die Stunden seiner Müsse\nund würdigte ihn der liebevollsten Theilnahme und Lehre.\nDort hat ihn der Tod mitten aus dem frischen Jugend-\nleben und aus dem reichen Aufblühen einer künstlerischen\nNatur gerissen und die schönen Hoffnungen seines Vaters,\ndes Capeü-Vorstehers Bach in Bonn, seiner hiesigen Leh-\nrer und aller Kunstfreunde, die den talentvollen Jüngling\nkannten, vernichtet! Friede mit seiner Asche!\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-12-04-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-12-04_01#c004", "volume": "bmtnabi_1858-12-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "389", "page_fin": "391", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581204-01.2.4", "titre_corps": "Concert in Münster am 22. November.", "titre_sommaire": "Concert in Münster am 22. November.", "signature_source": "L. 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Zu allen übrigen ha-\nben nur die Mitglieder des Musik-Vereins Zutritt;\nFremde können durch diese eingeführt werden, Einheimi-\nsche nicht.\nDieser Musik-Verein besteht schon 53 Jahre lang (seit\n1805) und hat, wie so manche andere Elemente eines\nachtungsvverthen Conservatismus, alle Stürme der Zeit im\nStaate und in der Musik überdauert.\nMusicalischer Sinn und rege Theilnahme an musicaii-\nschcr Bildung haben sich von je her in Münster bekundet.\nIn den letzten Jahrzehenden des vorigen Jahrhunderts wur-\nden sie hauptsächlich durch die wohlbekannte Künstler-\nFamilie Romberg geweckt und genährt. Es lebten zu\njener Zeit dort zwei Brüder Romberg, Anton, ein bedeu-\ntender Fagottist, und Heinrich, Virtuose auf der Clarinette.\nSic waren von Bonn nach Münster als Mitglieder der kur-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "390", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581204-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5456, "texte": "fürstlichen Dom-Capelle, Letzterer als Director derselben,\nberufen. Ihre Söhne waren die berühmten Virtuosen und\nComponisten Bernhard (von Anton) und Andreas (von\nHeinrich) Romberg. Bernhard's Schwester Angelica war\nSopransängerin und ausgezeichnete Ciavierspielerin; Therese,\ndes Andreas Schwester, war als Altistin vorzüglich und\nspielte ebenfalls recht gut Ciavier.\nDie Familie Romberg gab in der Stadt Münster viel-\nfältigen Unterricht und veranstaltete ausserdem im Winter\nsechs bis acht öffentliche Concerte im Schauspielhause,\nwelche stets sehr besucht waren. Als aber späterhin die\njüngeren Romberg theils auf Künstlerreisen gingen, theils\ndurch förmliche Uebersiedlungen nach grösseren Städten\nverzogen, kamen die öffentlichen Concerte allmählich in Ver-\nfall, und es bildete sich dagegen ein Dilettanten-Verein zur\nAufführung von musicalischen Stücken sowohl für Orche-\nster als für Gesang. Anfangs bestand er nur aus wenigen\nMitgliedern; trotzdem wurden auch zu den Aufführungen\nnur die Mitglieder zugelassen. Dies hatte hauptsächlich\ndarin seinen Grund, dass jedes Mitglied verpflichtet war,\nwenn die Reihe es traf, ein Vocal- oder Instrumental-\nSolostück vorzutragen. Dass dieses mitunter sehr unbedeu-\ntende und mangelhafte Leistungen zum Vorschein brachte,\nleuchtet ein, und desshalb schioss man alle fremde Kritik\nmöglichst davon aus.\nDieser Verein, der fast nur aus Dilettanten bestand\nund auch von einem Dilettanten dirigirt wurde, gab seit\n1805 in der Regel zehn bis zwölf Concerte im Jahre und\ndauerte in derselben Art fort bis zum Jahre 1820, wo\nzuerst ein eigener besoldeter Musik-Director in der Person\ndes Herrn Schmidt (jetzigen Concertmeisters in Bremen)\nangestellt wurde. Diesem folgte späterhin Herr A. Schind-\nler, der bekannte Freund von L. van Beethoven, sodann\nHerr Arnold aus Berlin und seit 1846 Herr Karl Mül-\nler aus Düsseldorf.\nDie frühere Verpflichtung für die einzelnen Mitglieder\nzum Vortrage von Solo-Productionen hörte mit der Erwei-\nterung der Gesellschaft und den grösseren Ansprüchen, die\nin späterer Zeit vom Publicum gemacht wurden, auf, um\nso mehr, da sich zeitweise so viele Kräfte unter den Mit-\ngliedern des Vereins entwickelten, dass es einer zwangs-\nweisen Reihenfolge für Solo-Productionen gar nicht mehr\nbedurfte, und solche immerhin auch freiwillig hinlänglich\no ö\nzu beschaffen waren. Dagegen besteht das Gesetz, dass\nnur Mitglieder des Musik-Vereins zu den Winter-Concer-\nten (die Familie zu drei Karten berechtigt) zugelassen wer-\nden, noch jetzt und bildet die Basis der Erhaltung des\nConcert-Instituts; denn um an den Concerten Theil nehmen\nzu können, treten alle musicalisch gebildeten und 'musik-\nliebenden Einwohner der Stadt dem Vereine bei.\nEs lässt sich gar Manches für die Zweckmässigkeit\ndieser Einrichtung sagen, die namentlich in kleineren\nStädten wohl einen sichereren Halt für Concerte und An-\nstellung eines tüchtigen Dirigenten bieten dürfte, als ein\ndem Wechsel der Launen mehr unterworfenes, alljährlich\nzu erneuerndes Abonnement. Nur können wir die Bemer-\nkung nicht unterdrücken, dass sechszehn Concerte in der\nSaison viel zu viel sind, zumal wenn dazu dem Vernehmen\nnach noch ein Benefiz-Concert für den Musik-Director und\nzwei Concerte für die Armen kommen!\nOhne den früheren Musik-Directoren in Münster ihre\nVorzüge streitig machen zu wollen, wie denn namentlich\nunter A. Schindler die Beethoven'schen Sinfonieen sehr gut\nausgeführt wurden, lässt es sich doch nicht verkennen,\ndass sich der gegenwärtige Musik-Director Herr Karl\nMüller aus Weissensee (geb. 1818), früher in Düssel-\ndorf, ganz vorzügliche Verdienste um das Aufblühen der\nmusicalischen Zustände von Münster erworben hat. Einen\nBeweis davon geben die wiederholten Aufführungen gros-\nser Oratorien, die in den letzten Jahren Statt fanden, so\nwie die Programme der regelmässigen Concerte in Bezug\nauf Orchesterwerke der älteren und neueren Meister. Herr\nMüller ist ein verständiger und sicherer Dirigent, der sein\naus sehr verschiedenen Elementen zusammengesetztes Or-\nchester zu einer Einheit und Präcision zu bringen weiss,\ndie den Kenner sehr angenehm überraschen. Die Ausfüh-\nrung der Ouvertüre Op. 124 von Beethoven, welcher\nwir am 22. November beiwohnten, war in Bezug auf alles,\nwas nicht von dem Materiellen des Tones in einzelnen In-\nstrumenten abhängt, vortrefflich und hat uns wahrhaft er-\nfreut. Das Geigen-Quartett war in Fertigkeit und auch in\nHinsicht auf Klang recht gut und bewährte sich eben so\nund manchmal noch kräftiger auch in Händel's Alexander-\nfest. Ueberhaupt war Alles so sorgfältig im Chor und Or-\nchester einstudirt, dass wir kaum begreifen, wie dieses bei\neiner so grossen Anzahl von Concerten, wie oben angege-\nben, die doch alle ihre gehörige Vorbereitung erfordern,\nmöglich ist;—jedenfalls ist dasßesultat ein eben so ehren-\nvolles Zeugniss für die Thätigkeit des Dirigenten, als für\ndie eifrige Theilnahme der Mitwirkenden.\nNun werden freilich zum 22. November alljährlich\nbedeutendere Anstrengungen gemacht, als sonst. Das Fest\nder heiligen Cacilia wurde sonst in ganz Münsterland und\nWestfalen, auch in den alt-kurfürstlichen Staaten am\nRheine, wie eine Art von Volksfest gefeiert; sie ist ja die\nSchutzheilige der Tonkunst, und nichts und Niemand hängt\nmit dem Volke so eng zusammen, als die Musik und die\nMusicanten. Aber die neuere Zeit hat auch darin viel ge-\nändert. Die Musicanten sind Künstler und wo möglich auch\nSchriftsteller und Dichter geworden, und haben die hei-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "391", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581204-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3520, "texte": "lige Cacilia und die Begeisterung für sie in den Salons bei\neiner Tasse Thee vergessen. In Münster jedoch behauptet\ndas Cäcilienfest seinen Rang; seine Feier dauert drei Tage.\nVorfeier am Vorabende durch öffentliche Probe derllaupt-\nAufführung. Hauptfeier am 22. durch grosses Concert\nund Abendessen für gemischten und sehr animirten Chor\nnach dem Concert. Nachfeier: Ball am folgenden Tage.\nBei dem diesmaligen Cäcilien-Concerte bestand der\nChor aus 50 Sopranisten, 41 Altistinnen, 21 Tenören und\n28 Bassisten, zusammen 140 Stimmen. Das Orchester\nzählte 20 Violinen, 10 Bratschen, 8 Violoncello, ö Con-\ntrabässe, mit den Bläsern und dem Paukenschläger ein\nPersonal von 61 Mitgliedern. Nach der schon erwähnten\nOuvertüre, Op. 124 von Beethoven, folgte die Aufführung\ndes 23. S'salmes für Chor und Orchester von Karl\nMüller. Herr Müller, als Componist durch seinen „Tasso\nin Sorentu (Köln, bei M. Schloss) rühmlichst bekannt,\nhat uns mit diesem Psalm eine zweite Composition grösse-\nren Umfangs geliefert, welche durch Einheit des Stils, me-\nlodiöse Gedanken und klare Verarbeitung derselben das\nTalent und die Richtung des Componisten bekunden, der,\nohne in eigentliche Nachahmung zu verfallen, den ihm\neigentümlichen musicalischen Gedanken nach den besten\nMustern der ernsten Musikgattung Form und Gestalt gibt.\nSehr lobenswerth ist, dass der Componist überall nicht mit\nkurzen Motiven arbeitet, sondern mit langen und breit an-\ngelegten Melodieen. Hiervon gibt gleich der erste Chor in\njE-nwll: „Er weidet mich auf einer grünen Aue\", der nach\neinem Grave von vier Tacten („Der Herr ist mein Hirt,\nmir wird nichts mangeln\") im Andante, 6/4-Tact, eintritt,\neinen schönen Beweis. Auf ihn folgt auf den vierten Vers\nein kurzes Sopran-Solo (das einzige), welches der Chor\naufnimmt, Andante A-moll und dur, 2/4-Tact, von einfach\nlieblichem Ausdruck, wogegen die zwei folgenden Chore\nin C-clur, Allegro non troppo,4/4-Tact, und in E-dur,\nderato, durch grosse Anlage und breite, lange\nAusführung mehr Ansprüche machen und auch befriedi-\ngen. Die Wirkung des letzten dürfte vielleicht noch ein-\ndrucksvoller sein, wenn er von dem vorhergehenden durch\nein kleines Solo getrennt wäre und bei einer Revision\netwas gekürzt würde. Eine solche wird vielleicht auch den\nComponisten veranlassen, mit den Blech-Instrumenten\netwas rathsamer umzugehen und ihre Wirkungen für ge-\nwisse Stellen, in denen sie sehr zweckmassig behandelt\nsind, zu sparen. Die Composition wird, sobald sie erscheint,\nallen Gesang-Vereinen sehr willkommen sein. Sie wurde\nvon dem Chor mit sichtbarer Liebe und Hingebung an die\nIntentionen des Componisten und Dirigenten gesungen,\ndem beim Schlüsse rauschender Beifall und Blumenregen zu\nTheil wurde. Frl. Brenken trug das Solo sehr schön vor.\nDen zweiten Theil des Concertes füllte Händel's\nAlexanderfest, dem im Ganzen genommen eine recht\ngelungene, in einzelnen Chören und Solo-Vorträgen—na-\nmentlich in der Bass-Partie, die Herr M. DuMont-Fier\naus Köln übernommen hatte ausgezeichnet gute Auf-\nführung zu Theil wurde. Die Sopran-Soli sang Fräulein\nBrenken aus Soest, die Tenor-Partie Herr Göbbels aus\nAachen; beide wirkten vorzüglich durch den schönen Klang\nihrer Stimmen. Wir müssen aber allen jüngeren Künst-\nlern angelegentlich empfehlen, Oratorien-Partieen ein sehr\nernstes Studium zu widmen, ehe sie damit vor die Oeffent-\nlichkeit treten, und sich die Gewissenhaftigkeit des Herrn\nDuMont zum Muster zn nehmen, dessen unzerstörbare\nSicherheit die Grundlage seines künstlerischen Vortrages\nbildet.\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-12-04-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-12-04_01#c005", "volume": "bmtnabi_1858-12-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "391", "page_fin": "392", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581204-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "391", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581204-01.1.7", "debut_caractere": 3522, "fin_caractere_exclue": 5676, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMölsa« In der General-Versammlung des städtischen Sing-\nYereins ist durch einstimmige Wahl die Direction dieses ehren-\nwerthen musicalischen Instituts dem Herrn Ferdinand Breu-\nliung, Lehrer an der Rheinischen Musikschule, übertragen worden.\nDie letzten Sitzungen des Vereins waren mannigfach interessant;\ndem Vernehmen nach wird eine baldige öffentliche Aufführung vor-\nbereitet.\nAm 27. November feierte die musicalische Gesellschaft\ns\nihr Stiftungsfest mit einem fröhlichen, durch humoristische Lieder\nund Vorträge gewürzten Mahle.\nAm 28. November gab Frau Mampd-Babnigg eine Matinee\nim Saale des Hotel Disch, in welcher sie den Walzer von Venzano\n(ein jetzt sehr beliebtes Bravourstück), dann mehrere Duette mit\nHerrn Koch und zwei recht hübsche Lieder eigener Composition\nsang. Herr Koch trug ausserdem noch die schon so oft von ihm ge-\nsungene Romanze aus Hillens ~Traum in der Christnacht\" vor, und\ndie Herren Breunung und von Königslöw spielten die F-dur-\nSonate von Beethoven für Ciavier und Violine\nVon F. Hiller's Oratorium Saul erscheinen in diesen Tagen\nbei Kistner in Leipzig bereits der Ciavier-Auszug und die\nChorstimmen; Partitur und Orchesterstimmen im Anfange des neuen\nJahres.\nCrefeld. Im I. Abonnements-Coucerte am 27. November ka-\nmen unter Leitung des k. Musik-Directors Herrn Herrn. Wolff\nzur Aufführung: I. Jubel-Ouverture von C. M. von Weber. Alt-\nArie von Mozart, gesungen von Fräulein Schreck aus Bonn.\nZwei Lieder für gemischten Chor: a. Wanderers Nachtlied von M.\nHauptmann; b. „Im Walde\" von F. Mendelssohn-Bartholdy. Sce-\nnen und Arien aus der Oper Orpheus von Gluck. Die Soli gesungen\nvon Fräulein Schreck. 11. Siebente Sinfonie (A-dur) von L\nvan Beethoven.\nIn dem hiesigen Cäcilien-Concert des Musik-\nVereins am 22. November wurden aufgeführt: C. M. von Weber' s\nOuvertüre zur Euryanthe; zwei Lieder für Tenor von Schumann\nund A. Lindner; W. A. Mozart's Clavier-Concert in D-moll.\nIm zweiten Theile: F. Mendelssohn's „Erste Walpurgisnacht\".\nAuch hier herrscht die Einrichtung, wie in Münster, dass nur\nMitglieder des Vereins und durch sie eingeführte Fremde Zutritt zu\nden Concerten haben."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "392", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581204-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2838, "texte": "19. November. Gestern trat Fräulein Veith zum\nersten Male auf unserer Hofbühne als Rosine im Barbier von Sevilla\nauf. Die glänzenden Stimmmittel und die überaus kunstfertige Ent-\nwicklung derselben sowohl in der Partie selbst als in den Einlagen\ngewannen ihr in stets steigendem Maasse den Beifall des Publicums?\nwelcher mit stürmischem Hervorruf scliloss. (Kass. Ztg.)\nx\nOlclea&lmirg. Am 24. November wurde hier Hillens ~Zers-\ntörung von Jerusalem'' unter Herrn Frantzen's Leitung mit gros-\nsem Beifall aufgeführt. Die Chöre waren gut einstudirt, die Solo-\nPartieen mit Dilettanten besetzt, unter denen sich namentlich die\nSopranistin durch Schönheit der Stimme und künstlerische Bildung\nhervorthat; auch der Tenorist bekundete eine frische und wohlklin-\ngende Stimme.\nBremen. Am Sonntag den 7. November wurde hier das Denk-\nmal eingeweiht, welches dem Dr. Riem, Organisten und Director\nder Sing-Akademie, auf seinem Grabe gesetzt worden ist. Es besteht\nin einer lebensgrossen Bildsäule der Musik, die sich auf eine Orgel\nstützt. Es wurde das Ecce quomodo moritur Justus von Gallus ge-\nsungen; Herr Musik-Director Reinthaler, Nachfolger des Verewig-\nten, sprach einige Worte der Erinnerung; es war eine feierliche\nStimmung unter der zahlreichen Versammlung von Theilnehmenden\nbeiderlei Geschlechts; ein lichter, schöner Wintermorgen begünstigte\ndie ernste Feier.\nWährend die dresdener Kunstfreunde die so erwünschte Gelegen-\nheit, nochmals die berühmteste Künstlerin einer früheren Periode,\nWilhelmine Schröder-Devrient, zu hören, mit wahrer Begeisterung\nergreifen, verlässt eine jüngere Gesanges-Celebrität Dresdens, Frau\nSophie Förster, in diesen Tagen unsere Stadt wieder, um eine\ngrössere Kunstreise anzutreten, welche sie namentlich nach Holland\nführen wird.\nIfl&iicfreil. Erstes Odeons-Concert am 15. November:\nI. Sinfonie in A-dur von Beethoven. 11. Concert-Arie von Mo-\nzart (Frau Diez); Romanze und Rondo aus Chopin's E-moll-C on-\ncert (Herr Alfred Jaell); drei schottische Lieder von Beethoven\n(Frau Diez); drei Salonstücke von A Jaell und Chopin für Ciavier\n(A. Jaell); Ouvertüre „Die Hebriden\" von Mendelssohn.\nAm 21. November gab Herr Jaell ein Concert im Museums-\nsaale, in welchem er Schumann's Quintett, Berceuse und Scherzo\nvon Chopin, Sonate mit der Violine (Herr Lauterbach) von Beetho-\nven, Op. 30, G-dur, und seinen „Carillon\" und Galop fanlastique\nmit stürmischem Beifall vortrug.\nIn Wien bereitet man eine Aufführung von Ferd. Hill er' s\nSaul vor.\nJ~ ei Rieter-Biedcrmann in Winterthur erscheint in die-\nsen Tagen „Die C h ris tnach t*' von Platen, für Solo, Chor und\nClavier-Begleitung componirt von F. Hill er als Weihnachts-Ausgabe.\nZur Nachricht. Den Bericht über das 11. Concert in Düs-\nseldorf am 25. und über das 111. Gesellschafts-Concert in Köln\nam 30. November müssen wir der nächsten Nummer vorbehalten."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "385", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581204-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nMichael II auser (Aus dessen Briefen aus Californien, Südamerica und Australien). Prüfungs-Concert des Conserva-\ntoriums der Musik in Köln. Von L. B. - Concert in Münster am 22. November Notizen über das dortige Musikwesen).\n\\on L. B. Tages- und Unter haltungsbJatt (Köln, Städtischer Sing-Verein, Musicalische Gesellschaft, Matinee von Frau\nBabnigg Crefeld, I. Abonnements-Concert Paderborn, CäciJien-Concert Kassel, Fräul. F. Veith Oldenburg Bremen).\n\nMichael Hauser.\nUnter dem Titel: „Aus dem Wanderbuche eines\nöstcr reichischen Virtuosen\", liegt uns der erste Band\nvon M. Häuser's Briefen aus Californien, Südamerica und\nAustralien vor (Leipzig, bei F. L. Herbig, 1859), gesam-\nmelt und herausgegeben von seinem Bruder Sigmund\nHauser in Wien.\nMichael Hauser, im Jahre 1822 zu Pressburg in Un-\ngarn geboren, zeigte schon frühzeitig einen ungewöhnli-\nchen, alle Kinderspiele verdrängenden Hang zur Musik.\nConradin Kreutzer, zur Zeit Capellmeister des dortigen\nTheaters, besuchte das kunstsinnige Elternhaus des Kna-\nben und veranlasste dessen ersten Unterricht im Violinspiel.\nDar Erfolg war ein so günstiger, dass der kaum zwölfjäh-\nrige Knabe sich bald darauf mit vielem Beifalle im Theater\nhören lassen konnte. Unter Leitung des Herrn Professors\nBöhm das Conscrvatorium besuchend, fand Michael Hau-\nser in dem k. k. Kammer-Virtuosen Herrn Joseph May-\nseder einen eben so eifrigen als warmen Freund und Leh-\nrer, der seiner ferneren Ausbildung eine künstlerische und\nvielversprechende Bichtung gab. In Begleitung des Vaters,\nder einst als vorzüglicher Violin-Dilettant mit Beethoven\nin naher Beziehung gestanden, unternahm er 1840 den\nersten schüchternen Kunst-Ausflug nach Deutschland, der\nsich jedoch, unter stets steigenden Erfolgen, zu einer bei-\nnahe achtjährigen Concertreise durch Deutschland, Däne-\nmark, Schweden, Norwegen, Finnland, ganz Kussland bis\nan die Gränze Sibiriens ausdehnte. 1848 nach Wien zu-\nrückgekehrt, wurden die ersten Töne seiner Geige von\nden Donnerschlägen der Bevolution übertäubt; das Herein-\nbrechen jener für die Kunst so misslichen Ereignisse, die\ndamals den grössten Theil Europa's erschütterten, be-\nstimmten ihn, den stillen Heerd seines Geburtsortes aufzu-\nsuchen, wo er, sich zu einer grösseren Reise nach Frank-\nreich und England vorbereitend, ausschliesslich dem Stu-\ndium und der Composition oblag. In London angekom-\nmen, lockte ihn ein überaus vortheilhafter Ruf über den\nOcean, und schon am 1. Januar 1850 brachte ihn der\nDampfer Baltic nach New-York. Von dort aus durchzog\ner in Begleitung einer Concert-Gesellschaft zwei Jahre lang\ndas Gebiet der Union in allen Bichtungen. Von den Schnee-\nfeldern Canada's bis zum blumenreichen Frühling des Nia-\ngara mit seinen donnernden Katarakten, von den fernsten\nAnsiedelungen des Westens bis zu den üppigen Orangen-\nwäldern Louisiana's dürfte es wohl kaum eine Stadt geben,\ndie von dem Besuche dieses modernen Argonautenzuges\nunberührt geblieben wäre. 1852 wieder nach New-York\nzurückgekehrt, schiffte er längs des Ohio und des Missi-\nsipistromes vorbei an den grellen Scenerieen der Sclaven-\nstaaten der zauberhaften Zone des Südens zu. Die bösarti-\ngen Fieber Havannah's jedoch, die zwischen den Wäldern\nvoll Blüthen und Düften wie tückische Dämone dem\nFremden aullauern, verkürzten seinen Aufenthalt auf jener\nWunder-Insel. Er eilte nach New-York zurück, und hier\nwar es, wo der eben so abenteuerliche wie gefährliche\nEntschluss in ihm reif wurde, nach Californien zu ziehen.\nVon diesem Zeitpunkte an beginnen die Briefe, die\naus den Jahren 1853—1855 herrühren und die Erleb-\nnisse und Beobachtungen des reisenden Virtuosen in San\nFrancisco und bei den Goldgräbern, in Lima, San Jago,\nTahiti und Sydney schildern. Sie bieten jedenfalls eine in-\nteressante Lecture dar. Man darf darin natürlich keine\nneuen Aufschlüsse über die Zustände des Landes und Vol-\nkes suchen, sondern nur die Wiedergabe der frischen Ein-\ndrücke des transatlantischen Lebens auf einen Musiker, der\naus dem Hauptzwecke seiner Reise, Gold zu verdienen,\nkein Geheimniss macht. Wir geben einige Proben der\nDarstellung und wählen in Bezug auf den Inhalt dasjenige\naus, was besonders die musicalischen Zustände betrifft.\nAus San Francisco im März und April 1853.\n„Die Eintrittspreise in Concerte sind 10, 5 und 3 Dollars."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "386", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581204-01.1.2", "texte": "Die Theurung übertrifft die höchsten Erwartungen; trotz-\ndem, dass ich täglich eingeladen werde, brauche ich doch\n30 Dollars täglich. Alles, was nicht Gold gräbt, sucht sich\ndurch die abenteuerlichsten Speculationen zu bereichern.\nGeisterklopfer und Gaukler, moderne Don Quixote's und\nTaschendiebe, öffentliche Redner und Marktschreier, be-\nrühmte Tänzerinnen und brasilianische Affen, Virtuosen\nund Papageien alle reichen sich die Hände zum gemein-\nsamen Werke der goldenen Speculation.\n/ i\n„Vor dem Antritt meines Ausfluges nach den\nGoldminen gab ich am 15. März im hiesigen grossen neu-\nerbauten Theater mein Abschieds-Concert. Ich würde es\neinen Abschieds-Triumph nennen, wenn das Wort nicht\nschon zu vergriffen wäre und mein Gefühl sich nicht ge-\ngen Huldigungen auflehnte, die nur jenen, welche sich\num die Menschheit verdient gemacht, zu Theil werden\nsollten. In dem prosaischen Lande der Prairieen und Ur-\nwälder könnten solche Aeusserungen des Kunst-Enthusias-\nmus überraschen; doch der Mensch, wo er auch sei und\nwas er auch treibe, muss einen Gegenstand seiner Begei-\nsterung haben, heisse dieser Gegenstand nun wie immer,\nwenn er nur seinen Zweck, „ „Vergessenmachen des All-\ntäglichen\" \", zu erfüllen im Stande ist. Dies scheinen die\nPraktiker des modernen gelobten Landes gerade am mei-\nsten zu fühlen. Denn jede dargebotene Gelegenheit, sich\nden trockenen, Geist und Gemüth tödtenden Geschäften\nauf eine Weile zu entziehen, wird freudig ergriffen und\nreichlich belohnt. An geistigen Heloten, deren Gesichts-\nkreis, vom Mittelpunkte des Dollars ausgehend, nur bis zu\ndessen Rändern reicht, ist zwar nirgends Mangel, aber die\nbessere Natur bricht sich selbst im wildesten Dickicht Bahn.\n„Die Einnahme des erwähnten Concertes'war sehr\nlucrativ und betrug über 2500 Dollars. Ich bin stolz\ndarauf, ein Orchester zusammengestoppelt zu haben, das\nselbst einer europäischen Residenz Ehre gemacht haben\nwürde. Ich habe die Musiker aus den Spieihäusern zu-\nsammengesucht, sie für meine Concerte, deren ich bis heute\n26 gegeben, engagirt und cxercirt, und brachte es endlich\ndahin, dass Beethoven's herrliche Ouvertüre zu Leonore\nexecutirt werden konnte. Das Concert dauerte volle vier\nStunden, denn ich musste dem ungestümen Verlangen der\nanwesenden Gentlemen, Chinesen und Abenteurer aller\nLänder nachgeben und jede Piece dreimal wiederholen.\nAls ich eine Composition mit eingeflochtener chinesischer\nMelodie vortrug, machten plötzlich die Kinder des himm-\nlischen Reiches ihrer Begeisterung durch übermenschliches\nToben und Heulen Luft, so zwar, dass ich mich schliess-\nlich in einem Winkel des Hauses verbergen musste, um\nden chinesischen Triumphen zu entgehen.\n„Am folgenden Tage, 16. März, reis'te ich in Gesell-\nschaft des Pianisten Laveneau, des Sängers Gerold, der\nSängerin Pattinos und meines Agenten nach den Goldminen.\nZuerst nach Sacramento, eine Reise von vier Tagen, von\nda nach Stokton und Novara, Städte, erst im Entstehen.\nMir gingen die Augen über beim Anblick des vielen Gol-\ndes! Doch machte ich hier im Verhältnisse schlechtere Ge-\nschäfte als in San Francisco, denn die Kosten waren enorm;\njeder meiner Begleiter forderte 60 Dollars täglich, und da\ndie Leute in den Minen wenig Miene machten, ins Con-\ncert zu gehen, so spielte ich dieses Mal „ „Lieder ohne\nGold\"\".\n„Der hiesige Gouverneur Woodworth, ein äus-\nserst gebildeter und kunstsinniger Mann, veranstaltete kürz-\nlich ein grosses Musikfest im französischen Theater, dessen\nProgramm ich hier vollständig mittheile: 1. Männerchor\nvon Mendelssohn, vorgetragen von der deutschen Lieder-\ntafel. 2. Ouvertüre zur Oper „Der Tannhäuser\" von Ri-\nchard Wagner, ausgeführt von der Societe Concordia. 3.\nGrosse Phantasie über „Lucrezia Borgia\", componirt und\nvorgetragen von M. Hauser. 4. Grosse Arie aus „Robert\nder Teufel\", vorgetragen von Cath. Hayez. 5. Spinnentanz,\nausgeführt von Sennora Lola Monlez, Gräfin zu Landsfeld.\n6. Polonaise von Mayseder, vorgetragen von M. Hauser.\n7. Phantasie über die „Hugenotten\" von Thalberg, vorge-\ntragen von E. Pettino. 8. Trio von Mendelssohn (D-mott),\nvorgetragen von M. Hauser, Pettino, Giraldo. 9. Ouver-\ntüre zur Oper „Der Freischütz\", unter der Leitung von\nM. Hauser. 10. Italienische Lieder, gesungen von Cath.\nHayez. 11. .Solo aus „Yelva, die russische Waise\", ge-\ntanzt von Lola Montez. 12. „Der Wanderer im Walde\",\nChor von Schubert. 13. „Der Vogel auf dem Baume\",\ncomponirt und vorgetragen von Hauser. 14. „Heil Co-\nlumbia!\" vorgetragen von der deutschen Liedertafel.\n„Dieses Concert war das besuchteste, das ich gesehen;\nman schlug sich förmlich um die Plätze. Der Ertrag war\nfür wohlthätige Zwecke, und von dem Reinertrag von 5000\nDollars wurden 2000 Dollars dem deutschen und franzö-\nsischen Hospital, 1000 für dieLösch-Anstalten und Feuer-\nmänner, 1000 dem hebräischen Wohithätigkeits-Fonds\nund endlich 1000 Dollars verschiedenen anderen Anstal-\nten gewidmet.\n„Die deutsche Liedertafel brachte jedem in dem Pro-\ngramm namhaft gemachten Künstler nach einem beim Gou-\nverneur eingenommenen glänzenden Souper eine Serenade,\nund da die halbe Stadt herbeiströmte, diesen Gesängen zu\nhorchen, so konnte dies eine wahre Festnacht genannt\nwerden. Von allen Einigungs-Bestrebungen der Deutschen\nhat vielleicht keine bisher einen so anhaltend glücklichen\nund wirklich erfreulichen Erfolg gehabt, als die seit etwa"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "387", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581204-01.1.3", "texte": "sieben bis acht Jahren in Nordamerica bestehenden deut-\nschen Männergesang-Vereine.\n„ln der letzten Zeit war ich wieder so glücklich,\nein Quartett zu arrangiren; leider begnügten sich drei\nViertheile davon nicht mit den harmonischen Klängen\nBeethoven'scher Quartette, sie beanspruchten als harmoni-\nschere Zulage von mir für je zwei Stunden 15 Dollars.\n„Fünf Monate sind bereits seit meiner Ankunft in\nSan Francisco verstrichen, und noch immer finden meine\nConcerte ein dankbares Publicum. Dieselben haben bereits\ndie Zahl fünfzig überschritten. Ausser St. Petersburg erin-\nnere ich mich keiner Stadt, die mich auf meiner Künstler-\nfahrt so lange beherbergt hätte. Von meinen neuesten\nCompositionen, die ich trotz Goldstaub und trockener Ge-\nschäfts-Atmosphäre in Stunden zusammenfügte, wo der\nDeus in nobis seine Rechte geltend macht, sind folgende\nim Verlage von Andre in Olfenbach erschienen: „Andacht\",\n„Märchen\", „Kirchgang\", „Niagara\", „Indianisches Mä-\nrchen\" und „Echo von San Francisco\". Ein Rondo, sechs\nEtüden und ein Violin-Concert, so wie auch die „Lucretia-\nPhantasie\" und den „Vogel auf dem Baum\" habe ich an\nSchubert in Hamburg und New-York verkauft.\nAus Lima. Januar—März 1854.\n„Das Theater, welches ich schon einige Mal besuchte,\nhat mich überrascht. Man hört hier Opern von Mozart, den\n„Propheten\", „Robert\" und gute andere Stücke. Die\nerste Sängerin, Mad. Devories, ist sehr schön, singt hübsch\nund kekommt monatlich 1500 Fl. Münze.\n„Die Damen im Parterre sitzen hier ebenfalls mit der\nMantille über Kopf und Gesicht, wo nur die Augen sicht-\nbar sind. Aber die in den Logen, in wunderbarer Schön-\nheit prangend, sind in weisse Spitzenkleider gekleidet, feen-\nhaft geputzt und bezaubern durch die Grazie ihrer For-\nmen und das seelenvolle Feuer ihrer Augen, die wie\nschwarze Diamanten strahlen. Sie befassen sich wenig mit\nLecture, können oft nicht lesen oder schreiben, lieben nur\nTanz, Musik, Theater, Stiergefechte, sind sehr gesprächig,\naber höchst bigott und ungebildet.\n„Auf meiner heissen Wanderung in der Musikwüste\ntraf ich endlich wieder eine musicalische Oase, in der ich\nmich erquickte. Mstr. Clay, Resident der Vereinigten Staa-\nten, veranstaltete auf seinem Landsitze mir zu Ehren eine\nmusicalische Soiree, wo nur Kammermusik gespielt wurde.\nEs War für mich ein Hochgenuss, endlich einmal wieder\ndie herrlichen Töne Mozart's, Haydn's und Beethoven's\nzu hören.\n„Dinstag war mein erstes Concert im Theater. Ich\nhabe grosses Furore gemacht; es war kein zahlreiches,\naber ein gewähltes Publicum da, darunter der Präsident,\ndie Minister und viele Gesandte. Das Programm war fol-\ngendes: 1. Ouvertüre zu „Ferdinand Cortez\" von Spon-\ntini. 2. Variationen über italiänische Themata, componirt\nund vorgetragen von M. Hauser. 3. Casta Diva aus der\n„Norma\", gesungen von Miss Hayez. 4. Monolog von Cal-\nderon, im Costume gesprochen von Sennora Morena. 5.\nBolero, componirt und gespielt von M. Hauser. 6. Ouver-\ntüre zur „Semiramis\" von Rossini. 7. „Vöglein im Baume\"\nvon M. Ilauser. 8. Lieder von Mendelssohn, gesungen von\nMax Cliarton. 9. Concert von Weber, gespielt von Mad.\nCollignion. 10. The last rose (Die letzte Rose\ndes Sommers), componirt und gespielt von M. Hauser. Der\nCapellmeister der Oper, ein sehr talentvoller Musiker und\nNeffe Rossini's, leitete das Ganze.\n„Eigentümlich war die Don-Juan-Vorstellung,\nder ich hier beiwohnte. Miss Hayez sang die Donna Anna,\nMad. Devories die Elvira und Mad. Charton das Zerlinchen.\nEs wäre Alles sehr gut gegangen, aber Don Ottavio war\nzu begeistert, nicht von Mozart'scher Musik, sondern von\nRum, dem jener Sänger besonders huldigte. Schon in der\nersten Scene, als Donna Anna auf die Leiche ihres Vaters\nstürzt, wäre der sie halten sollende Don Ottavio ihr bald\nzuvorgekommen; aber Donna Anna merkte den wanken-\nden Zustand ihres Bräutigams und hielt ihn mit aller ihr\nzu Gebote stehenden Kraft aufrecht. Das Publicum, ver-\ntraut mit dem originellen Talente dieses Sängers, bezähmte\nseinen Unwillen, um die Vorstellung nicht zu stören. Doch\nam Schlüsse des ersten Actes, in der bekannten Ballscene,\nerreichte die Begeisterung Ottavio's einen solchen Höhe-\npunkt, dass er, über Donna Anna's langes Kleid stolpernd,\ndie Elvira über den Haufen warf. Da empörte sich das\nBlut der Peruaner, und der famose Ottavio-Sänger konnte\nnur von Soldaten geschützt mit genauer Noth seine Haut\nretten.\n„Ich habe hier einen Herrn Collignion, Pianist aus\nParis, kennen gelernt, der ein sehr lieber Mensch und gu-\nter Musiker ist. Seine Frau, sehr schön und liebenswür-\ndig, ist eine Clavier-Virtuosin ersten Ranges, Schülerin des\nConservatoire und Chopin's, von dem sie mir viel vorspie-\nlen muss. Die Leute sind hier etablirt und verdienen mo-\nnatlich mit Stundengeben 4000 Fl. C.-M., leben sehr\nnobel und haben sich schon ein schönes Vermögen er-\nworben.\"\nDas letzte Concert Hauser's in Lima, zum Besten des\nHospitals und der verwundeten Krieger, „die den Staat\ngerettet\", hatte ein Programm von sieben Musik-Nummern,\nund dazu wurde der zweite Act von Calderon's „Das Le-\nben ein Traum\" gegeben. Es brachte 8000 Piaster fcirca\n16,000 Gulden) ein."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "388", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581204-01.1.4", "texte": "Prüfungs-Concert des Conservatoriums des Musik\nin Köln.\n\nWiewohl das eigentliche Prüfungs-Concert des Ccn-\nservatoriums am Schlüsse des Jahres-Cursus seine statut-\ngemässe Stellung findet, so ist doch der Beschluss des Vor-\nstandes und des Directors der Anstalt, auch ausser jenem\nZeitpunkte zuweilen eine öffentliche Aufführung durch die\nZöglinge zu veranstalten, in jeder Hinsicht zu billigen. Ein\nInstitut, das nur durch die Theilnahme und Unterstützung\nwohlhabender Kunstfreunde und durch seine Einnahme an\nUnterrichts-Honorar besteht, hat alle Ursache, öfter, als\ndies bei Staats-Anstalten nöthig ist, mit Darlegung seiner\nBestrebungen und seiner Erfolge vor die Oeffentlichkeit\nzu treten, indem dasjenige Publicum, das sich für dasselbe\ninteressirt, auch zu dessen Controle berechtigt ist.\nAber auch das pädagogische Interesse redet der all-\nmählichen Gewöhnung der Zöglinge an das öffentliche Auf-\ntreten das Wrort. Ein Conservatorium der Musik darf alle\nseine Zöglinge nur aus dem rein künstlerischen Gesichts-\npunkte betrachten und behandeln; es muss ihm ganz gleich-\ngültig sein, aus welchen Beweggründen und zu welchen\npersönlichen Zwecken der Schüler in die Anstalt tritt. Mag\ner die Musik als Dilettant nur zu seiner höheren allgemei-\nnen Bildung und zu verständigerem Genüsse der musicali-\nschen Kunstwerke studiren, oder sich zum Lehrer der\nTonkunst vorbereiten und befähigen wollen: die Anstalt\ndarf nur seine Ausbildung zum Künstler im Auge haben;\ndieser Gesichtspunkt allein muss vorwalten sowohl bei dem\nallgemeinen Unterrichte,, der die Grundlage musicalischer\nBildung gibt, als bei dem besonderen, der durch die Na-\ntur-Anlage bedingt wird. Wenn sich die Kunstschule da-\ndurch wesentlich von der wissenschaftlichen unterscheidet,\ndass sie auf die individuellen Anlagen nicht allein mehr\nRücksicht nehmen kann, sondern Rücksicht nehmen muss,\nso darf doch ein etwaiger Mangel an Talent bei dem\nSchüler den Grundsatz der Schule nicht ändern; diese\nmuss aus jedem Schüler einen Künstler zu machen suchen\nund diese Aufgabe bis zu dem Punkte verfolgen, wo die\nNatur des Individuums ihr Gränzen setzt.\nDer Künstler aber ist für die Oeffentlichkeit bestimmt,\nsei er schaffender, oder ausübender, oder Beides zugleich.\nDer angehende schaffende Künstler möge früh daran erin-\nnert und ihm der Versuch gestattet werden, mit seinen\nErstlingen vor den vielköpfigen Richter zu treten, den man\nPublicum nennt, und dessen Püffe und Liebkosungen er-\ntragen und würdigen zu lernen. Noch mehr bedarf dieser\nGewöhnung an die Oeffenllichkeit der ausübende Künst-\njer, für welchen wenigstens in Aussendingen, z. B. Hai-\ntung und Anstand, das Auftreten vor dem Publicum eine\nErziehungsschule für das Ivünstlerleben ist.\nI '\nWenn es hiernach keine Frage ist, dass Kunstschulen\ndie Verpflichtung haben, ihre Zöglinge in die Oeffentlich-\nkeit zu führen, so kann es sich nur noch darum handeln,\naufweiche W eise dies bewerkstelligt werden solle,und\nhier begegnen wir leider oft den ärgsten Missgriffen, na-\nmentlich in unseren Nachbarländern Belgien und Frank-\nreich. Wir halten das System der Hang- und Classen-Be-\nstimmung der Talente durch öffentliche Wettstreite und\nöffentliche, mit Pomp vorgenommene und mit noch mehr\nPomp verkündete Preis-Vertheilungen für höchst unpäda-\ngogisch und verderblich. So wenig wir bei jedem Unter-\nrichte während desselben die Anregung der Nacheiferung\nund jenes Ehrgeizes vermissen möchten, dem das Urtheil\ndes Lehrers und die eigene Befriedigung, sein Bestes ge-\nthan zu haben, Hauptziel der Arbeit ist, so sehr müssen\nwir nach dem Unterrichte jede öffentliche Kundgebung\nmissbilligen, die gleichsam das Talent privilegirt und mehr\ndie persönliche Eitelkeit befriedigt, als dem ernsten Kunst-\nstreben neuen Schwung gibt was auch die Erfahrung\nbestätigt, indem bei Weitem die meisten von jenen Lau-\nreaten und Premiers Prix auf ihren Lorbern und Me-\ndaillen einschlafen.\nW erden hingegen die öffentlichen Proben der Fort-\nschritte der Musikschüler in der Art veranstaltet, dass diese\nsich überzeugen müssen, das Ganze sei nicht ihrer Persön-\nlichkeiten wegen, sondern um der Schule wiilen veranstal-\ntet, um den Geist, der in ihr waltet, zu kennzeichnen und\ndie Methode der Lehrer an ihren Erfolgen zu prüfen, so\nwird der Beifall, den das eingeladene Publicum von Ken-\nnern und Interessenten an der Kunst-Anstalt spendet,\nhauptsächlich den Lehrern eine ehrenvolle Anerkennung\ndarbieten, in den Schülern aber nicht Eitelkeit und Selbst-\nüberschätzung hervorrufen, während er ihnen dennoch ein\nSporn zum ernsten Fortschreiten in der Kunst um der\nKunst willen sein wird. Das Gewöhnen an öffentliches\nAuftreten wird alsdann eine der liebenswürdigsten Eigen-\nschaften des jungen Künstlers, die Bescheidenheit, nicht\nverdrängen und in kecke Dreistigkeit oder Frechheit ver-\nwandeln, sondern nur jenes Maass von Selbstvertrauen\nallmählich erzeugen und stärken, welches aus dein Bewusst-\nsein redlich künstlerischen Strebens und aus der streng-\nsten Gewissenhaftigkeit bei der Production oder Repro-\nduetion erwächst. Das öffentliche Auftreten zeige, dass es\nder Schule nicht um Dressur ihrer Zöglinge auf Effect\nund Applaus zu thun ist, wohl aber um jenes Studium\nund jene Gesinnung, die den Künstler vor Tausenden eben\nso wie in seinem einsamen Zimmer nur das eine Ziel im"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "389", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581204-01.1.5", "texte": "Auge haben lassen, den Forderungen der Kunst und dem\nUrlheile der Verständigen zu genügen.\nWir freuen uns, dass diese Grundsätze bei den bisher\nveranstalteten Concerten der hiesigen Musikschule maass-\ngebend gewesen sind, und wünschen um so mehr, dass\ndaran festgehalten werde, als sie die Richtung bezeichnen,\nin welcher die Anstalt auf die Ausbildung junger Ton-\nkünstler zu wirken sucht.\nDas Prüfungs-Concert am Abende des 26. November\ngab einen neuen Beweis davon.\nDas Programm brachte zehn Nummern:\nErster Theil. 1. Trio von Hummel in E-clur (er-\nster Satz), vorgetragen von Max Schrattenholz, Georg Krill\nund Herrn B. Breuer. 2. Arioso von L. van Beethoven,\ngesungen von Miss Susanna Murray. 3. Quartett für\nStreich-Instrumente, componirt von August Grüters, vor-\ngetragen von demselben, G. Krill, A. Kufferath und Herrn\nB. Breuer. 4. Zwei Lieder für eine Altstimme von F.\nHiller, vorgetragen von Fräulein Jenny Niethen. 5. Oc-\ntett von F. Mendelssohn (erster Satz), vorgetragen von\nGrüters, Krill, Schreiber, Mathes, Kufferath, Fritz und den\nHerren A. und B. Breuer.\nZweiter Theil. 6. Chor für Frauenstimmen aus der\nVestalin von Spontini; die Soli gesungen von den Fräulein\nMarianne Küpper und Elise Saart. 7. Clavier-Concert\nvon Hummel in A-moll (erster Satz), vorgetragen von Hu-\nbert Greis. B. Arie aus Figaro's Hochzeit von Mozart,\ngesungen von Fräulein Saart. 9. Zwei Notturno's für\nSopran und Alt von Gordigiani und von Donizctti, gesun-\ngen von den Fräulein Küpper und Niethen.— 10. Taran-\ntelle für Violine von Fr. Schubert, vorgetragen von Georg\nKrill.\nDas eingeladene Publicum hatte sich sehr zahlreich\neingefunden und füllte den mittleren Saal des Gürzenich\nfast ganz. Es verfolgte die Leistungen der jugendlichen\nIvunst-Zöglinge mit gespannter Aufmerksamkeit und leben-\ndiger Theilnahme. Diese Leistungen waren überall recht\nanerkennungswerth und nirgends langweilig. Dass sie\nje nach Talent und Stadienjahren verschieden waren, ver-\nsteht sich von selbst; alle aber machten auf die Zuhörer\nden Eindruck, dass die Anstalt schöne Erfolge erziele,\nund dass diese für die Art und1 Weise, wie sie erreicht\nwerden, und für die künstlerische Richtung, welche den\nZöglingen gegeben wird, ein ehrenvolles Zeugniss ablegen.\nIn letzterer Hinsicht hat uns besonders auch der Com-\npositions-Versuch eines Streich-Quartetts von dem sehr\nbegabten jungen August Grüters aus Uerdingen durch die\nEinfachheit der von aller AfFectation freien Motive und die\nKlarheit der Arbeit die beruhigende Ueberzeugung gege-\nben, dass die Irrlehre der realistischen Schule, welche nur\nnoch eine angewandte, aber keine reine Musik mehr ken-\nnen will, eben so wenig in der Rheinischen Musikschule\nWurzel fassen werde, als sie beim rheinischen Publicum\nGlück macht.\nLeider müssen wir diesen Bericht über Erfreuliches\nmit einer Trauer-Nachricht schliessen. Ferdinand Bach,\neiner der tüchtigsten Schüler der Rheinischen Musikschule\nund im Besonderen von Theodor Pixis, ist seinem früheren\nLehrer schon so bald in jene Welt nachgefolgt; ein Ner-\nvenfieber hat ihn in voriger Woche dahingerafft. Der\nwackere Joachim, der sich von dem ausgezeichneten Ta-\nlente des Jünglings so angesprochen fühlte, dass er von\nfreien Stücken die Vollendung seiner Ausbildung über-\nnahm, widmete ihm in Hannover die Stunden seiner Müsse\nund würdigte ihn der liebevollsten Theilnahme und Lehre.\nDort hat ihn der Tod mitten aus dem frischen Jugend-\nleben und aus dem reichen Aufblühen einer künstlerischen\nNatur gerissen und die schönen Hoffnungen seines Vaters,\ndes Capeü-Vorstehers Bach in Bonn, seiner hiesigen Leh-\nrer und aller Kunstfreunde, die den talentvollen Jüngling\nkannten, vernichtet! Friede mit seiner Asche!\n\nL. B.\n\nConcert in Münster am 22. November.\n\nDie Musik-Zustände in der Hauptstadt der Provinz\nWestfalen unterscheiden sich von denen der grösseren und\nkleineren Städte in der Rheinprovinz durch eine cigen-\nthümliche Einrichtung. Es gibt in Münster keine Abonne-\nC O\nments-Concerte, an denen Jeder für ein bestimmtes Ein-\ntrittsgeld Theil nehmen könnte. Trotzdem werden im Laufe\ndes Winters 16 —lB Concerte gegeben, von denen aber\nnur Eines, das Concert am Cäcilien-Tage, den 22. Novem-\nber, von jedem besucht werden kann, der den bestimmten\nPreis für die Eintrittskarte bezahlt. Zu allen übrigen ha-\nben nur die Mitglieder des Musik-Vereins Zutritt;\nFremde können durch diese eingeführt werden, Einheimi-\nsche nicht.\nDieser Musik-Verein besteht schon 53 Jahre lang (seit\n1805) und hat, wie so manche andere Elemente eines\nachtungsvverthen Conservatismus, alle Stürme der Zeit im\nStaate und in der Musik überdauert.\nMusicalischer Sinn und rege Theilnahme an musicaii-\nschcr Bildung haben sich von je her in Münster bekundet.\nIn den letzten Jahrzehenden des vorigen Jahrhunderts wur-\nden sie hauptsächlich durch die wohlbekannte Künstler-\nFamilie Romberg geweckt und genährt. Es lebten zu\njener Zeit dort zwei Brüder Romberg, Anton, ein bedeu-\ntender Fagottist, und Heinrich, Virtuose auf der Clarinette.\nSic waren von Bonn nach Münster als Mitglieder der kur-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "390", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581204-01.1.6", "texte": "fürstlichen Dom-Capelle, Letzterer als Director derselben,\nberufen. Ihre Söhne waren die berühmten Virtuosen und\nComponisten Bernhard (von Anton) und Andreas (von\nHeinrich) Romberg. Bernhard's Schwester Angelica war\nSopransängerin und ausgezeichnete Ciavierspielerin; Therese,\ndes Andreas Schwester, war als Altistin vorzüglich und\nspielte ebenfalls recht gut Ciavier.\nDie Familie Romberg gab in der Stadt Münster viel-\nfältigen Unterricht und veranstaltete ausserdem im Winter\nsechs bis acht öffentliche Concerte im Schauspielhause,\nwelche stets sehr besucht waren. Als aber späterhin die\njüngeren Romberg theils auf Künstlerreisen gingen, theils\ndurch förmliche Uebersiedlungen nach grösseren Städten\nverzogen, kamen die öffentlichen Concerte allmählich in Ver-\nfall, und es bildete sich dagegen ein Dilettanten-Verein zur\nAufführung von musicalischen Stücken sowohl für Orche-\nster als für Gesang. Anfangs bestand er nur aus wenigen\nMitgliedern; trotzdem wurden auch zu den Aufführungen\nnur die Mitglieder zugelassen. Dies hatte hauptsächlich\ndarin seinen Grund, dass jedes Mitglied verpflichtet war,\nwenn die Reihe es traf, ein Vocal- oder Instrumental-\nSolostück vorzutragen. Dass dieses mitunter sehr unbedeu-\ntende und mangelhafte Leistungen zum Vorschein brachte,\nleuchtet ein, und desshalb schioss man alle fremde Kritik\nmöglichst davon aus.\nDieser Verein, der fast nur aus Dilettanten bestand\nund auch von einem Dilettanten dirigirt wurde, gab seit\n1805 in der Regel zehn bis zwölf Concerte im Jahre und\ndauerte in derselben Art fort bis zum Jahre 1820, wo\nzuerst ein eigener besoldeter Musik-Director in der Person\ndes Herrn Schmidt (jetzigen Concertmeisters in Bremen)\nangestellt wurde. Diesem folgte späterhin Herr A. Schind-\nler, der bekannte Freund von L. van Beethoven, sodann\nHerr Arnold aus Berlin und seit 1846 Herr Karl Mül-\nler aus Düsseldorf.\nDie frühere Verpflichtung für die einzelnen Mitglieder\nzum Vortrage von Solo-Productionen hörte mit der Erwei-\nterung der Gesellschaft und den grösseren Ansprüchen, die\nin späterer Zeit vom Publicum gemacht wurden, auf, um\nso mehr, da sich zeitweise so viele Kräfte unter den Mit-\ngliedern des Vereins entwickelten, dass es einer zwangs-\nweisen Reihenfolge für Solo-Productionen gar nicht mehr\nbedurfte, und solche immerhin auch freiwillig hinlänglich\no ö\nzu beschaffen waren. Dagegen besteht das Gesetz, dass\nnur Mitglieder des Musik-Vereins zu den Winter-Concer-\nten (die Familie zu drei Karten berechtigt) zugelassen wer-\nden, noch jetzt und bildet die Basis der Erhaltung des\nConcert-Instituts; denn um an den Concerten Theil nehmen\nzu können, treten alle musicalisch gebildeten und 'musik-\nliebenden Einwohner der Stadt dem Vereine bei.\nEs lässt sich gar Manches für die Zweckmässigkeit\ndieser Einrichtung sagen, die namentlich in kleineren\nStädten wohl einen sichereren Halt für Concerte und An-\nstellung eines tüchtigen Dirigenten bieten dürfte, als ein\ndem Wechsel der Launen mehr unterworfenes, alljährlich\nzu erneuerndes Abonnement. Nur können wir die Bemer-\nkung nicht unterdrücken, dass sechszehn Concerte in der\nSaison viel zu viel sind, zumal wenn dazu dem Vernehmen\nnach noch ein Benefiz-Concert für den Musik-Director und\nzwei Concerte für die Armen kommen!\nOhne den früheren Musik-Directoren in Münster ihre\nVorzüge streitig machen zu wollen, wie denn namentlich\nunter A. Schindler die Beethoven'schen Sinfonieen sehr gut\nausgeführt wurden, lässt es sich doch nicht verkennen,\ndass sich der gegenwärtige Musik-Director Herr Karl\nMüller aus Weissensee (geb. 1818), früher in Düssel-\ndorf, ganz vorzügliche Verdienste um das Aufblühen der\nmusicalischen Zustände von Münster erworben hat. Einen\nBeweis davon geben die wiederholten Aufführungen gros-\nser Oratorien, die in den letzten Jahren Statt fanden, so\nwie die Programme der regelmässigen Concerte in Bezug\nauf Orchesterwerke der älteren und neueren Meister. Herr\nMüller ist ein verständiger und sicherer Dirigent, der sein\naus sehr verschiedenen Elementen zusammengesetztes Or-\nchester zu einer Einheit und Präcision zu bringen weiss,\ndie den Kenner sehr angenehm überraschen. Die Ausfüh-\nrung der Ouvertüre Op. 124 von Beethoven, welcher\nwir am 22. November beiwohnten, war in Bezug auf alles,\nwas nicht von dem Materiellen des Tones in einzelnen In-\nstrumenten abhängt, vortrefflich und hat uns wahrhaft er-\nfreut. Das Geigen-Quartett war in Fertigkeit und auch in\nHinsicht auf Klang recht gut und bewährte sich eben so\nund manchmal noch kräftiger auch in Händel's Alexander-\nfest. Ueberhaupt war Alles so sorgfältig im Chor und Or-\nchester einstudirt, dass wir kaum begreifen, wie dieses bei\neiner so grossen Anzahl von Concerten, wie oben angege-\nben, die doch alle ihre gehörige Vorbereitung erfordern,\nmöglich ist;—jedenfalls ist dasßesultat ein eben so ehren-\nvolles Zeugniss für die Thätigkeit des Dirigenten, als für\ndie eifrige Theilnahme der Mitwirkenden.\nNun werden freilich zum 22. November alljährlich\nbedeutendere Anstrengungen gemacht, als sonst. Das Fest\nder heiligen Cacilia wurde sonst in ganz Münsterland und\nWestfalen, auch in den alt-kurfürstlichen Staaten am\nRheine, wie eine Art von Volksfest gefeiert; sie ist ja die\nSchutzheilige der Tonkunst, und nichts und Niemand hängt\nmit dem Volke so eng zusammen, als die Musik und die\nMusicanten. Aber die neuere Zeit hat auch darin viel ge-\nändert. Die Musicanten sind Künstler und wo möglich auch\nSchriftsteller und Dichter geworden, und haben die hei-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "391", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581204-01.1.7", "texte": "lige Cacilia und die Begeisterung für sie in den Salons bei\neiner Tasse Thee vergessen. In Münster jedoch behauptet\ndas Cäcilienfest seinen Rang; seine Feier dauert drei Tage.\nVorfeier am Vorabende durch öffentliche Probe derllaupt-\nAufführung. Hauptfeier am 22. durch grosses Concert\nund Abendessen für gemischten und sehr animirten Chor\nnach dem Concert. Nachfeier: Ball am folgenden Tage.\nBei dem diesmaligen Cäcilien-Concerte bestand der\nChor aus 50 Sopranisten, 41 Altistinnen, 21 Tenören und\n28 Bassisten, zusammen 140 Stimmen. Das Orchester\nzählte 20 Violinen, 10 Bratschen, 8 Violoncello, ö Con-\ntrabässe, mit den Bläsern und dem Paukenschläger ein\nPersonal von 61 Mitgliedern. Nach der schon erwähnten\nOuvertüre, Op. 124 von Beethoven, folgte die Aufführung\ndes 23. S'salmes für Chor und Orchester von Karl\nMüller. Herr Müller, als Componist durch seinen „Tasso\nin Sorentu (Köln, bei M. Schloss) rühmlichst bekannt,\nhat uns mit diesem Psalm eine zweite Composition grösse-\nren Umfangs geliefert, welche durch Einheit des Stils, me-\nlodiöse Gedanken und klare Verarbeitung derselben das\nTalent und die Richtung des Componisten bekunden, der,\nohne in eigentliche Nachahmung zu verfallen, den ihm\neigentümlichen musicalischen Gedanken nach den besten\nMustern der ernsten Musikgattung Form und Gestalt gibt.\nSehr lobenswerth ist, dass der Componist überall nicht mit\nkurzen Motiven arbeitet, sondern mit langen und breit an-\ngelegten Melodieen. Hiervon gibt gleich der erste Chor in\njE-nwll: „Er weidet mich auf einer grünen Aue\", der nach\neinem Grave von vier Tacten („Der Herr ist mein Hirt,\nmir wird nichts mangeln\") im Andante, 6/4-Tact, eintritt,\neinen schönen Beweis. Auf ihn folgt auf den vierten Vers\nein kurzes Sopran-Solo (das einzige), welches der Chor\naufnimmt, Andante A-moll und dur, 2/4-Tact, von einfach\nlieblichem Ausdruck, wogegen die zwei folgenden Chore\nin C-clur, Allegro non troppo,4/4-Tact, und in E-dur,\nderato, durch grosse Anlage und breite, lange\nAusführung mehr Ansprüche machen und auch befriedi-\ngen. Die Wirkung des letzten dürfte vielleicht noch ein-\ndrucksvoller sein, wenn er von dem vorhergehenden durch\nein kleines Solo getrennt wäre und bei einer Revision\netwas gekürzt würde. Eine solche wird vielleicht auch den\nComponisten veranlassen, mit den Blech-Instrumenten\netwas rathsamer umzugehen und ihre Wirkungen für ge-\nwisse Stellen, in denen sie sehr zweckmassig behandelt\nsind, zu sparen. Die Composition wird, sobald sie erscheint,\nallen Gesang-Vereinen sehr willkommen sein. Sie wurde\nvon dem Chor mit sichtbarer Liebe und Hingebung an die\nIntentionen des Componisten und Dirigenten gesungen,\ndem beim Schlüsse rauschender Beifall und Blumenregen zu\nTheil wurde. Frl. Brenken trug das Solo sehr schön vor.\nDen zweiten Theil des Concertes füllte Händel's\nAlexanderfest, dem im Ganzen genommen eine recht\ngelungene, in einzelnen Chören und Solo-Vorträgen—na-\nmentlich in der Bass-Partie, die Herr M. DuMont-Fier\naus Köln übernommen hatte ausgezeichnet gute Auf-\nführung zu Theil wurde. Die Sopran-Soli sang Fräulein\nBrenken aus Soest, die Tenor-Partie Herr Göbbels aus\nAachen; beide wirkten vorzüglich durch den schönen Klang\nihrer Stimmen. Wir müssen aber allen jüngeren Künst-\nlern angelegentlich empfehlen, Oratorien-Partieen ein sehr\nernstes Studium zu widmen, ehe sie damit vor die Oeffent-\nlichkeit treten, und sich die Gewissenhaftigkeit des Herrn\nDuMont zum Muster zn nehmen, dessen unzerstörbare\nSicherheit die Grundlage seines künstlerischen Vortrages\nbildet.\n\nL. B.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMölsa« In der General-Versammlung des städtischen Sing-\nYereins ist durch einstimmige Wahl die Direction dieses ehren-\nwerthen musicalischen Instituts dem Herrn Ferdinand Breu-\nliung, Lehrer an der Rheinischen Musikschule, übertragen worden.\nDie letzten Sitzungen des Vereins waren mannigfach interessant;\ndem Vernehmen nach wird eine baldige öffentliche Aufführung vor-\nbereitet.\nAm 27. November feierte die musicalische Gesellschaft\ns\nihr Stiftungsfest mit einem fröhlichen, durch humoristische Lieder\nund Vorträge gewürzten Mahle.\nAm 28. November gab Frau Mampd-Babnigg eine Matinee\nim Saale des Hotel Disch, in welcher sie den Walzer von Venzano\n(ein jetzt sehr beliebtes Bravourstück), dann mehrere Duette mit\nHerrn Koch und zwei recht hübsche Lieder eigener Composition\nsang. Herr Koch trug ausserdem noch die schon so oft von ihm ge-\nsungene Romanze aus Hillens ~Traum in der Christnacht\" vor, und\ndie Herren Breunung und von Königslöw spielten die F-dur-\nSonate von Beethoven für Ciavier und Violine\nVon F. Hiller's Oratorium Saul erscheinen in diesen Tagen\nbei Kistner in Leipzig bereits der Ciavier-Auszug und die\nChorstimmen; Partitur und Orchesterstimmen im Anfange des neuen\nJahres.\nCrefeld. Im I. Abonnements-Coucerte am 27. November ka-\nmen unter Leitung des k. Musik-Directors Herrn Herrn. Wolff\nzur Aufführung: I. Jubel-Ouverture von C. M. von Weber. Alt-\nArie von Mozart, gesungen von Fräulein Schreck aus Bonn.\nZwei Lieder für gemischten Chor: a. Wanderers Nachtlied von M.\nHauptmann; b. „Im Walde\" von F. Mendelssohn-Bartholdy. Sce-\nnen und Arien aus der Oper Orpheus von Gluck. Die Soli gesungen\nvon Fräulein Schreck. 11. Siebente Sinfonie (A-dur) von L\nvan Beethoven.\nIn dem hiesigen Cäcilien-Concert des Musik-\nVereins am 22. November wurden aufgeführt: C. M. von Weber' s\nOuvertüre zur Euryanthe; zwei Lieder für Tenor von Schumann\nund A. Lindner; W. A. Mozart's Clavier-Concert in D-moll.\nIm zweiten Theile: F. Mendelssohn's „Erste Walpurgisnacht\".\nAuch hier herrscht die Einrichtung, wie in Münster, dass nur\nMitglieder des Vereins und durch sie eingeführte Fremde Zutritt zu\nden Concerten haben."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "392", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581204-01.1.8", "texte": "19. November. Gestern trat Fräulein Veith zum\nersten Male auf unserer Hofbühne als Rosine im Barbier von Sevilla\nauf. Die glänzenden Stimmmittel und die überaus kunstfertige Ent-\nwicklung derselben sowohl in der Partie selbst als in den Einlagen\ngewannen ihr in stets steigendem Maasse den Beifall des Publicums?\nwelcher mit stürmischem Hervorruf scliloss. (Kass. Ztg.)\nx\nOlclea&lmirg. Am 24. November wurde hier Hillens ~Zers-\ntörung von Jerusalem'' unter Herrn Frantzen's Leitung mit gros-\nsem Beifall aufgeführt. Die Chöre waren gut einstudirt, die Solo-\nPartieen mit Dilettanten besetzt, unter denen sich namentlich die\nSopranistin durch Schönheit der Stimme und künstlerische Bildung\nhervorthat; auch der Tenorist bekundete eine frische und wohlklin-\ngende Stimme.\nBremen. Am Sonntag den 7. November wurde hier das Denk-\nmal eingeweiht, welches dem Dr. Riem, Organisten und Director\nder Sing-Akademie, auf seinem Grabe gesetzt worden ist. Es besteht\nin einer lebensgrossen Bildsäule der Musik, die sich auf eine Orgel\nstützt. Es wurde das Ecce quomodo moritur Justus von Gallus ge-\nsungen; Herr Musik-Director Reinthaler, Nachfolger des Verewig-\nten, sprach einige Worte der Erinnerung; es war eine feierliche\nStimmung unter der zahlreichen Versammlung von Theilnehmenden\nbeiderlei Geschlechts; ein lichter, schöner Wintermorgen begünstigte\ndie ernste Feier.\nWährend die dresdener Kunstfreunde die so erwünschte Gelegen-\nheit, nochmals die berühmteste Künstlerin einer früheren Periode,\nWilhelmine Schröder-Devrient, zu hören, mit wahrer Begeisterung\nergreifen, verlässt eine jüngere Gesanges-Celebrität Dresdens, Frau\nSophie Förster, in diesen Tagen unsere Stadt wieder, um eine\ngrössere Kunstreise anzutreten, welche sie namentlich nach Holland\nführen wird.\nIfl&iicfreil. Erstes Odeons-Concert am 15. November:\nI. Sinfonie in A-dur von Beethoven. 11. Concert-Arie von Mo-\nzart (Frau Diez); Romanze und Rondo aus Chopin's E-moll-C on-\ncert (Herr Alfred Jaell); drei schottische Lieder von Beethoven\n(Frau Diez); drei Salonstücke von A Jaell und Chopin für Ciavier\n(A. Jaell); Ouvertüre „Die Hebriden\" von Mendelssohn.\nAm 21. November gab Herr Jaell ein Concert im Museums-\nsaale, in welchem er Schumann's Quintett, Berceuse und Scherzo\nvon Chopin, Sonate mit der Violine (Herr Lauterbach) von Beetho-\nven, Op. 30, G-dur, und seinen „Carillon\" und Galop fanlastique\nmit stürmischem Beifall vortrug.\nIn Wien bereitet man eine Aufführung von Ferd. Hill er' s\nSaul vor.\nJ~ ei Rieter-Biedcrmann in Winterthur erscheint in die-\nsen Tagen „Die C h ris tnach t*' von Platen, für Solo, Chor und\nClavier-Begleitung componirt von F. Hill er als Weihnachts-Ausgabe.\nZur Nachricht. Den Bericht über das 11. Concert in Düs-\nseldorf am 25. und über das 111. Gesellschafts-Concert in Köln\nam 30. November müssen wir der nächsten Nummer vorbehalten."}]}