{"numero_id": "bm-bmtnabi-1858-12-11-01", "volume": "bmtnabi_1858-12-11_01", "ocr_sha256": "a3297ffc52d97aee875bbc396b2ddeab4823f507ecebac22112c72298fedbb3b", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1858/12/11_01/bmtnabi_1858-12-11_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581211-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1858-12-11-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-12-11_01#c001", "volume": "bmtnabi_1858-12-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "393", "page_fin": "393", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581211-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "393", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581211-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 467, "texte": "Inhalt.\nMichael Hauser (Aus dessen Briefen aus Californien, Siidamerica und Australien). Schluss. Beurtheilungen:\nClassisclies Sopran-Album. Bach, Händel, Gluck, Haydn, Mozart, Beethoven. Von L. B. Proben aus einer neuen Uebersetzung des Don\nJuan von Da Ponte und Mozart. Zweites Concert des allgemeinen Musik-Vereins in Düsseldorf. Von L. B. Drittes Gesellschafts-\nConcert im grossen Gürzenichsaale. Tages- und Unterhaltungsblatt (Mainz Bremen, Reinthaler's Jephta)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-12-11-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-12-11_01#c002", "volume": "bmtnabi_1858-12-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "393", "page_fin": "395", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581211-01.2.2", "titre_corps": "Michael Hauser.", "titre_sommaire": "Michael Hauser.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "393", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581211-01.1.1", "debut_caractere": 469, "fin_caractere_exclue": 4206, "texte": "Michael Hauser.\n(Schluss. S. Nr. 49.)\n.,ln Valparaiso (Mai, 1854) sammelt sich auf dem\nPlatze, auf welchem die Inquisition einst Juden und Ketzer\nverbrennen liess, jetzt zu allen Tageszeiten die elegante\nWelt. Die Stutzer, den Mantel kühn um die Schulter ge-\nworfen, einen sehr breiten Hut, aus Palmblättern gefloch-\nten, auf dem Kopfe, und grosse buntseidene Regenschirme\n<iesen die Sonne über sich haltend, traben zu Fuss, zu\no o\nPferde oder auf Maulthieren neben ihren Donna's, die in\nwunderlich verzierten Volantes sich in weichen Polstern\nschaukeln, mit dem Schleier spielen, den sie sehr male-\nrisch zu drapiren wissen. Auf einer Anhöhe, von Oranien-\nund Citronenbäumen umgrünt, ist ein Pavillon erbaut.\nDort ertönt Militärmusik, dort wird Eis genommen, ge-\nplaudert, gelacht nach Herzenslust, und um 8 Uhr ertönt\nein brausendes Freudengeschrei, womit der Abendstern\nbegrüsst wird.\n„Um 9 Uhr hält die Geistlichkeit eine Procession, an\nder sich alle Stände betheiligen, unter Absingung des Ro-\nsenkranzes, und zieht jeden Abend mit Wachskerzen und\nFackeln aus einer der zahlreichen Kirchen durch die\nHauptstrassen. Der murmelnde Gesang von Tausenden,\naus der Ferne angehört, tönt melodisch und wehmüthig.\nIch habe bis jetzt sechs Concerte gegeben. Das Publi-\ncum entschädigt mich reichlich für die Kälte und Theil-\nnahmlosigkeit, mit der es mich empfing, und obwohl die\nalten Weiber, die hier so bigott und abergläubisch wie\nnirgends sind, die Leute vom Concertgehen abzuhalten\nsuchen, indem sie überall ausstreuen, meine Geige sei vom\nTeufel verhext, so bin ich doch beliebt und begünstigt.\n„Am Tage des letzt Statt gefundenen Concertes zog ein\nTrupp dieser alten Weiber, so abschreckend hässlich wie\nMacbeth's Hexen, durch die Strassen, eiferten sehr gegen\nmich und rissen alle Concert-Zettel von den Strasscneeken.\nDie Freigesinnten waren empört über diese Gewaltthat,\nbesuchten sehr zahlreich das Concert, und da Einige im\nPublicum gegen mich Opposition machten, so kam es zu\nheftigen Auftritten.\"\nIn San Jago nahm eine Familie, die den europäi-\nschen Künstler sehr unterstützte, zu dessen erstem Con-\ncertc im Theater 50 Plätze und 10 Logen. Ueberall in\nden grösseren südamerikanischen Städten findet man Thea-\nter und eine so genannte italiänische Oper, meist aus Fran-\nzosen und Deutschen und einigen Italiänern bestehend.\nDiese Sänger sind Meister im Agiren, Tremoliren, Detoni-\nren, Grimassenschneiden und Schreien aus vollem Halse.\nDie Matadore, namentlich Bassisten und Tenoristen, be-\nhalten auch im öffentlichen Leben die Charakteristik der\nRollen bei, in denen sie auf der Bühne am meisten gefal-\nlen. Der Bassist in San Jago, ein sehr harmloser, gutmü-\nthiger Mensch, zeigte sich nie anders als in hellrother\nMütze, langem, struppigem Haar und Bart, und gab seiner\nPhysiognomie auch im gewöhnlichsten Gespräch an öffent-\nlichen Orten die Geberde eines blutdürstigen Tyrannen.\nUeber Tahiti ging M. Hauser nach Sydney in Austra-\nlien, wo er den December 1854 und die ersten Monate\nvon 1855 zubrachte.\n„Sydney, mit mehr a 1560,000 Einwohnern, durch den\nwunderbaren Hafen besonders begünstigt, ist der Central-\npunkt des Verkehrs der ganzen Südsee. Es ist der Sitz des\nGouverneurs, hat grosse öffentliche Gebäude, drei Theater,\nmehrere Banken und Sparcassen, ein Waisenhaus, eine\nphilosophische und eine Ackerbau-Gesellschaft, ein topo-\ngraphisches Bureau, viele Hospitäler, Schulen für Einge-\nborene und eine Universität mit Sternwarte.\n„Die ganze Stadt ist bis zu den Zifferblättern der Uhren\nmit Gas beleuchtet, ziemlich gut gepflastert und die Häu-\nser, sehr leicht aus Backsteinen aufgeführt, sind auf das\nwohnlichste eingerichtet. In den Strassen drängt sich eine\nganze Welt von Engländern, Chinesen, Negern und Ma-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "394", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581211-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5378, "texte": "laven in bunten, malerischen Trachten. Alles ist enorm\ntheuer; beinahe 4 Pf. St. braucht man täglich, um an-\nständig zu leben.\n„Einige Tage nach meiner Ankunft\" schreibt M.\nIlauser— „machte ich den verschiedenen Zeitungs-Redac-\nteuren Sydney's meine Aufwartung, und mein erster Besuch\ngalt Mr , dem Redacteur der\n„Ein palastähnliches Haus, in dessen Erdgeschoss eine\ngrosse Druckerei in voller Thätigkeit arbeitete, empfing\nmich. Im ersten Stock fand ich unter verschiedenen Schil-\ndern und Annoncen auch eine Tafel, auf der mit grossen\nBuchstaben zu lesen war, dass Mr in den gewöhn-\nlichen Geschäftsstunden überhaupt nur dann zu sprechen\nsei, wenn man seine so höchst kostbare Zeit vergüte. Je-\ndermann ohne Unterschied sei daher angewiesen, sich an\nder Gasse im Wartesaale eine Sprechkarte zu lösen. Eine\nStunde zehn, ein halbe sechs und eine Viertelstunde drei\nSchillinge. Ich trat in den Wartesaal, kaufte mir bei dem\nrothbefrackten Austral-Neger eine Stunde Zeit seines Herrn\nund trat neugierig in das Sprechzimmer dieses uneigen-\nnützigen Journalisten. Dieser nahm mich sehr verdrossen\nund schläfrig auf. Sie sind Artist? kommen gewiss aus\nEuropa, wollen hier Geld machen? Dieses waren die Fra-\ngen, die er an mich richtete, und zwar in nicht sehr freund-\nlichem Tone. Erst als er erfuhr, dass ich aus Südamerica\nund Californien komme, erheiterte sich sein fahles Gesicht,\nund seine Stimme wurde freundlicher. Er fragte mich, zu\nwelchen pecuniären Zugeständnissen ich mich herbeilassen\nwerde, wenn sein Blatt mir zu einem tüchtigen Erfolge\nverhelfe. Ich erwiderte, verblüfft über diese etwas unver-\nschämte Frage, ich wolle mich gewiss sehr dankbar zeigen.\nDa schüttelte er den Kopf und meinte, das sei nicht be-\nstimmt genug. Ich müsse mich genauer mit ihm verstän-\ndigen und eine gewisse Summe aussetzen; denn nur dann\nsei mein Erfolg gesichert. Ich bat um einige Tage Bedenk-\nzeit, verliess diesen Tempel der Uneigennützigkeit und ver-\nfügte mich in die verschiedenen Bureaux der anderen Zei-\ntungs-Redacteure, die mir nicht so hart das scharfe Messer\nan den Hals setzten, sondern mich sehr freundlich aufnah-\nmen und mir mit Rath und Thatan die Hand gingen.\n„Miss Hayez, mit der ich überall zusammentreffe, wird\nhier im wahren Sinne des Wortes mit Gold überschüttet.\nGanz Sydney schwärmt für den „ „irischen Schwan\"\" (so\nnennt man sie hier), und seit der Entdeckung des Goldes\nhat hier noch nichts einen fieberhafteren Enthusiasmus her-\nvorgebracht, als das Auftreten dieser Sängerin. So oft sie\nsingt, ist das Haus so überfüllt, dass ich für mein erstes\nConcert schon mit der Hälfte dieses Publicums zufrieden\nwäre. Die Concertkosten sind ungeheuer, aber auch die\nEintrittspreise. Die Loge kostet 5 Pf. St., erster Sitz 2\nPf. St. und Eintritt % Pf. St.\n„Abends besuchte ich zum ersten Male das Schau-\nspielhaus; denn im Opernhause, wo Miss Hayez die Norma\nsang, war kein Platz zu haben. Es war gerade Sonntag,\ndas Haus auch hier sehr voll, denn es wurde, wie der\nZettel lautete, gegeben: Shakespeare's Meisterwerk :\n„Othello, der eifersüchtige Mohr, und die unschuldige Des-\ndemona\". Schon eine Stunde vor der Vorstellung versam-\nmelt sich hier das Publicum, theils um sich auf das zu er-\nwartende Vergnügen der Rührung so recht vorbereiten zu\nkönnen, theils um dem modernen Spleen zu huldigen und\nbei dieser Gelegenheit irgend ein politisches oder religiöses\nMeeting abzuhalten. Als ich in das Schauspielhaus trat,\nsah ich einen langen, spindeldürren Menschen vom Soufleur-\nkasten herab in unzwungener W eise gegen die neu einge-\nführte Goldgräber-Taxe predigen; auch gegen die engli-\nschen Machthaber donnerte er schonungslos und forderte\"\nvon ihnen die augenblickliche Vernichtung des russischen\nReiches. Obwohl er sehr viel Unsinn sprach, horchte doch\nAlles dem eifernden Apostel in athemloser Stille, und als\ner zum Schlüsse noch seinen Hass gegen die Branntwein-\nsteuer schleuderte, jubelten die Galerieen ein begeistertes\nBravo.\n„Statt der gewöhnlichen Logen besteht hier der Dress\ncercle. Da ist der Sitz der feinen Welt; Hais down! wird\nden Leuten zugerufen, welche vergessen, die Hüte abzu-\nnehmen. Die Damen erscheinen hier in weissen Kleidern\nund prächtigen Toiletten, die Herren in schwarzen Fracks,\nweisser Cravate und Handschuhen. Die zweite Galerie ist\nschon unanständig, da wird von den Matrosen, Grisetten\nund Handwerkern schon tapfer Brandy getrunken; die Be-\nsucher der dritten Galerie gleichen aber eher einer Räu-\nberbande, als einem civilisirten Theater-Publicum. Die wil-\ndesten, verkommensten Gestalten sitzen dort, Karten spie-\nlend,, mit leidenschaftlich verzerrten Gesichtern; wilde\nFlüche und kreischendes Gelächter durchdringen die von\nBranntweindunst verpestete Luft; wenn aber der Vorhang\nsich erhebt, wird es stiller. Jago trat auf mit einem hölli-\nschen Hohngelächter und wahrem Hallunkengesicht, wofür\ner schon wüthend applaudirt wurde.\n„Ich habe einst in San Francisco von einer deutschen\nSchauspieler-Gesellschaft die Räuber aufführen sehen, und\nglaubte damals, das sei schon das Höchste in der Kunst\ndes Coulissenreissens; jetzt aber gebe ich den englischen\nSchauspielern den Vorzug. Einem Tollhause glich diese\nInsel Cypern wohl eher, als einer Schauspielbühne. Die\nsanfte Desdemona schimpfte wie ein keifendes Höckerweib\nund wurde schon im dritten Acte von ihrem wüthenden\nGemahl ohne alle Umstände erwürgt. Dieses mörderische"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "395", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581211-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3090, "texte": "Impromptu geschah eigentlich nur zur Erhöhung des dra-\nmatischen Effectes; denn Desdemona erholte sich wieder\nso weit, um zum Schlüsse des Stückes von dem blut-\nschwitzenden Mohren in die Mitte der Bühne geschleppt und\nhier unter dem wüthenden Geschrei des Galeriepöbels nach\nallen Regeln der Würgekunst erdrosselt zu werden.\nNur Othello starb seinen eigenen tragischen Tod, aber\nJago sollte nicht so leicht wegkommen; der rothe Scharf-\nrichter machte sich über ihn her, und bei offener Scene\nsah man seine schwarze Seele zur Hölle fahren.\n„Es kündigte sich ein französischer Windbeutel\nmit grossen Lettern an, er hätte schon vor Jahren alle\neuropäischen Clavier-Matadors besiegt und nur mit der\nlinken Hand allein alle in die Flucht geschlagen; um diese\nseine Worte mit der Wahrheit zu siegeln, druckte er be-\nstätigend Atteste bei von Berlioz, Chelard und Meyerbeer.\nVielleicht, dachte ich, hat Göthe Recht, der da sagt: Nur\ndie Lumpe sind bescheiden! zahlte meinen Ducaten als\nBewunderung im Voraus und ging ins Goncert. Le mon-\nsieur docteur de musique Horace Henri Terneaurs sprengte\ntäglich hoch zu Ross an der Seite seiner Gattin durch die\nStrassen Sydney's, gab in seinem Hotel glänzende Meetings\nund erreichte dadurch, dass man sich an der Gasse um die\nPlätze förmlich schlug. Nach einer halben Stunde neugie-\nriger Erwartung erschien der Künstler, eine elegante und\nimposante Figur, warf sich nachlässig in einen Lehnsessel\nund lorgnettirte das Publicum. Hierauf erschien in phan-\ntastischem Costume ein indischer Groom mit silbernem\nBecken, und der Künstler wusch mit eleganter Noncha-\nlance vor den Augen desPublicums seine Hände; dann zog\ner ein Batisttuch aus seiner Tasche, lud aufs artigste eine\nDame aus dem Dress cercle zu sich, bat selbe, seine rechte\nHand mit dem Tuche an den Sessel zu binden, und wäh-\nrend die Dame, erröthend über diese Auszeichnung, ihre\nMission beendigte, begann der Virtuose mit der linken\nHand einen wahren Teufelsmarsch, mit dem er auf einmal\ndie Gunst und Bewunderung des Publicum* erstürmte. Ob-\nwohl er dabei so viel als möglich mit Hand und Füssen\ndem guten Geschmack ins Gesicht schlug, zeigte er doch\neine Kraft, Geläufigkeit und Reinheit, die bewundert zu\nwerden verdienten. Nachdem er lärmend gerufen und mit\nBlumen beworfen worden, führte er seine Dame vor.\n„Diese, eine schlanke Grazie in reizender Toilette, be-\nzauberte mehr durch den wunderbaren Glanz ihrer beiden\ndunkelblauen Augen, als durch ihren Gesang. Als sie aber,\ndurch enthusiastischen Beifall aufgemuntert, ein sittenlo-\nses französisches Lied anstimmte, stand sie wie ein gefal-\nlener Encel, aller ästhetischen Grazie beraubt, da, und ich\nP 7\nkonnte mich nur wundern, dass ich Anfangs darüber auch\nnur einen Augenblick zweifeln konnte, worüber die Dame\njetzt so freiwillig und frivol alle Welt aufklärte. Auch als\nPianistin wollte sie bewundert sein, und gleich ihrem Gat-\nten wusch sie, bevor sie sich ans Piano setzte, sehr graziös\nihre Hände. Ich aber dachte an die Lady Macbeth, die\nvergebens ihre Hände weiss zu waschen suchte, und verliess\ngenusssatt das Concert.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-12-11-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-12-11_01#c003", "volume": "bmtnabi_1858-12-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "395", "page_fin": "397", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581211-01.2.3", "titre_corps": "Beurtheilungen.", "titre_sommaire": "Beurtheilungen.", "signature_source": "L. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "395", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581211-01.1.3", "debut_caractere": 3092, "fin_caractere_exclue": 5129, "texte": "Beurtheilungen.\n\nUnter dem Titel:\nClassisches Sopran-Album. Bach, Händel,\nGluck, Haydn, Mozart, Beethoven. Leipzig,\nVerlag von Adolf Gumprecht —•\nliegen uns drei Hefte eines Unternehmens vor, welches\nsich vor anderen ähnlichen in vielfacher Hinsicht sehr vor-\ntheilhaft auszeichnet und desshalb vorzüglich als Weih-\nnachtsgeschenk für Sängerinnen und Gesangesfreundinnen\nzu empfehlen ist.\nWenn man die höchst elegante Ausstattung dieser\nArien-Sammlung betrachtet, gross Folio-Format, starkes\nweisses, satinirtes Kupferdruck-Papier, in Metall gestochene\nNoten, sehr räumlich spatiirt, und dann gewahrt, dass man\nhier z. B. im ersten Hefte zehn Arien für 15 Silber-\ngroschen erhält, so muss man die Verleger der Vorzeit\nglücklich preisen, die da auf grauem oder lichtbraunem\nPapier mit schmutzigen Noten und kaum zu entzifferndem\nText dieselben Arien für den vier- und fünffachen Preis\nverkauften!\nNimmt man nun noch dazu, dass wi| hier eine gute,\nzum Tlieil revidirte Einrichtung der Clävier-Begleitung\nhaben, ferner die Original-Texte (englisch, französisch,\nitaliänisch) mit neuen Uebersetzungen ins Deutsche, ferner\ngut geschriebene kurze Biographieen der auf dem Titel\ngenannten sechs Meister, dazu deren Portraits auf einem\nGesammtbilde in Stahlstich, endlich Erläuterungen über\nden Vortrag der Gesangstücke, so muss man in der That\nüber den Muth des Verlegers erstaunen, der eine so kost-\nspielige Ausgabe zu so wohlfeilem Preise veranstaltet im\nVertrauen auf die bedeutende Verbreitung derselben.\nWir hegen jedoch die feste Ueberzeugung, dass ihn dieses\nVertrauen nicht täuschen wird; der Reichthum des Inhalts\nder Sammlung, die zweckmässige Auswahl und die ange-\ngebenen Vorzüge werden überall anerkannt werden.\nDas Sopran-Album wird folgende 31 Gesangstücke\nenthalten: von Bach: aus der Pfingst-Cantate: „Frohlocke\"\nund aus dem Weihnachts-Oratorium: „Echo-Arie; von\nHändel: aus Messias die drei Haupt-Arien, aus Alexan-\nderfest „Lydisches Brautlied\" und aus seiner Oper Rinaldo\n,Lascict ch'io piemga\"; von Gluck: aus Iphigenia in"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "396", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581211-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5475, "texte": "Aulis „Par son pere crüel*, aus Iphigenie! in Tauris\ntoi qui prolongeas'\" und „0 malheureuse Iphigenie\";\nvon Haydn: aus der Schöpfung „Nun beut die Flur\" und\n„Auf starkem Fittich'-; von Mozart: aus der Entfüh-\nrung „Welche Wonne\"; aus Figaro zwei Arien des Pa-\ngen, zwei der Gräfin und Susannens Garten-Arie; aus Don\nJuan zwei Arien der Zerline, die Arien\nund „ Cnulele\"; aus Titus rParund\naus der Zauberllöte „Ach,ich fühl's\", und das Lied „Das Veil-\nchen-; von Beethoven: aus Fidelio „Abscheulicher\",\n„Adelaide\" und drei kleinere Lieder. Nun ist bekannt,\ndass Mozart, Gluck und Händel fast durchweg nicht auf\nden deutschen Text componirten, eben so dass die bishe-\nrigen deutschen Uebersetzungen meist äusserst mangelhaft\nsind, und zwar nicht nur von Ungereimtheiten und Platt-\nheiten des Ausdrucks wimmeln, sondern dass auch, was\nmusicalisch viel wesentlicher, der ungefügigen Texte halber\nhäufig Noten zugesetzt oder weggelassen, oder in unpas-\nsender W eise auf den Text vertheilt worden sind, und\nmehr dergleichen Eigenmächtigkeiten, durch welche sehr\noft die Melodie geradezu misshandelt und dem Rhythmus\nalle Schönheit geraubt ward. Ferner wird man in den\nOriginal-Texten finden, dass in der Regel das so genannte\n„declamatorische Athmen\", welches sich nach dem Satzbau\nrichtet, mit dem bloss den musicalischen Gesetzen des Pe-\nriodenbaues unterworfenen „melodischen Athmen\" zusam-\nmentritt. Auch auf diesen für den musicalischen Vortrag\nsehr wichtigen Punkt haben aber die früheren Uebersetzer\nfast nie Rücksicht genommen. Endlich haben die classi-\nschen Componisten zuweilen an den Sinn eines einzelnen\nW ortes gewisse feine Nuancen der Melodie geknüpft, wo-\nvon man jedoch in den älteren Uebersetzungen auch nur\nselten eine Spur wiederfindet. Diesen Uebelständen so weit,\nals möglich, theils durch Verbesserung der alten, theils\ndurch ganz neue deutsche Uebersetzungen, abzuhel-\nfen, hat sich der Herausgeber bemüht, und hofft, dass\nSachkundige wenigstens einen erheblichen Fortschritt ge-\ngen früher erkennen werden.\n\\\\ as zunächst die neuen Text-Uebersetzungen betrifft,\nso erkennen wir gern an, dass das Bestreben, welches in\nden eben angeführten Worten ausgesprochen, bei der Aus-\nführung auf lobenswerthe W eise sichtbar ist, und dass das\nResultat im Ganzen als ein gelungenes bezeichnet werden\nkann, namentlich in Bezug auf die Sangbarkeit im ausge-\ndehntesten Sinne des Wortes. Der Herr Verfasser ist un-\nseren Lesern durch die kenntniss- und geistreichen Berli-\nner Briefe wohlbekannt. Er hat sich durch diese Arbeit,\nderen grosse Schwierigkeiten nur derjenige wirklich kennt,\nder Achnliches versucht hat, ein Verdienst um die betref-\nfenden Arien erworben, deren bisherige Texte—besonders\nbei den Mozart'schen die wahren Vorzüge der Compo-\nsition oft gar nicht erkennen lassen, ja, sogar nicht selten\ndem Componisten ganz Verkehrtes und der Melodie Wi-\ndersprechendes unterlegen. Die Bemerkungen desselben\n\\ eriassers über die Vortragsweise (wovon uns bis jetzt die-\njenigen über zwei Arien von Gluck und zwei von Händel\nvorliegen) sind vortrefflich und bekunden den denkenden\nund mit der Praxis wohl vertrauten Gesanglehrer.\nDer Grundsatz lür Text-Uebersetzungen, dass die Mu-\nsikstücke sich eben so zu dem deutschen Texte wie zu dem\nursprünglichen verhalten müssen, und dass der deutsche\nText keine andere \\ ortragsweise—wir setzen noch hinzu:\nauch kein anderes Spiel aul der Bühne für den Sänger\nnöthig mache, ist unzweifelhaft richtig, und wir stimmen\nmit dem erfasser darin überein, dass dies der Haupt-Grund-\nsatz sein müsse, dem im Nothfalle Anderes geopfert werde.\nZu diesem Anderen gehört denn allerdings auch der Reim;\nallein diesen vermissen wir doch ungern. Bei einer Samm-\nlung von einzelnen Arien, die, wie die vorliegenden, zu\nConcert-Vorträgen oder zu Hausmusik bestimmt sind, mag\nman ihn fallen lassen; allein auf der Bühne darf er doch\nkeineswegs fehlen. Der Beim ist nun einmal mit den ro-\nmanischen und den germanischen Sprachen so verwebt,\ndass er bei jedem lyrischen Gedichte in diesen Sprachen\nwesentlich ist; das Volkstümliche des Gleichklangs kann\neben dem Volke durch eine metrische Form allein, sei\n0V '\nsie noch so vollkommen, nicht\" ersetzt werden, fast eben so\nwenig, als die Melodie in der Tonkunst durch rein decla-\nmatorische Musik ersetzt werden kann. Bei dem Recitativ\nkann er fehlen und fehlt auch bei den Italiänern häufig\n(seltener oder vielleicht gar nicht bei den Franzosen); hier\nliegt die Hauptsache in der Declamation: der Text für das\nRecitativ ist mehr poetische Prosa als Gedicht, jenes Wort\nim guten Sinne genommen, so wie man es z. B. auf viele\nschwungvolle Scenen in Göthe's Egmont anwenden kann.\nMozart eifert allerdings auch gegen die Reime (0.\nJahn's Mozart, Bd. 111., S. 86 ff.) in einem Briefe an sei-\nnen Vater über Belmont und Constanze. Der Text dieser\nOper von Bretzner ist nicht durchweg und gleichmässig\ngereimt, was Mozart gegen seinen Vater vertheidigt. Allein\nman muss bedenken, dass Mozart nicht gegen die Reime\nim Allgemeinen loszieht, sondern gegen die schlechten\nReime, gegen „die Reime des Reimens wegen\", wie er\nausdrücklich sagt, und überhaupt gegen den pedantischen\nZuschnitt der damaligen Opern-Poesie, gegen die Scha-\nblone der Italiäner. Wenn er sagt: „Die Wörter müssen\nbloss für die Musik geschrieben sein, und nicht hier und\ndort einem elenden Reime zu Gelallen Worte setzen oder\nganze Strophen, die des Componisten seine ganze\nIdee verderben\" —, dann hat er freilich vollkommen"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "397", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581211-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2262, "texte": "Recht, und es ist beinahe, als hätte er die späteren Ver-\nhunzungen seiner Musik zu Figaro und Don Juan durch\ndeutsche Texte geahnt, welche in der That sehr häufig\n..seine Ideen verderben\". Allein mit allem dem ist doch\nnur der Heim einer gewissen Qualität, der nichtssagende,\nder verunstaltende, steife, widerhaarige, pedantische, er-\nzwungene gemeint, nicht der wnklich diclitei ischt, Sinn\nund Ausdruck erhöhende und belebende. Daher meint\ndenn auch Mozart am Ende, „dass es am besten sei, wenn\nein guter Componist, der das Theater versteht, und ein ge-\nscheidter Poet, als ein wahrer Phönix, zusammenkommen.\"\nWir halten mit Mozart ein sclavisches Gebundensein\nan den Reim für unnöthig, ja, vielleicht schädlich; aber\neine freie Anwendung desselben in Ärien und Ensemble-\nstücken für nothwendig. Immer wird es dabei auf das Ta-\nlent und die Sprachgewandtheit des Dichters ankommen;\neine gewisse Vollendung der Form aber fordert jedes\nKunstwerk, also auch das Opern-Gedicht, wenn es auf\ndiesen Namen Anspruch machen will. Wie weit, oder, viel-\nleicht richtiger, wie schwer dies auch bei Uebersetzungen\nzu vorhandener Musik zu erreichen sei, mögen einige Pro-\nben weiter unten zu zeigen versuchen.\nIn der Arie der Klytämnestra von Gluck ist ein Druck-\nfehler (S. 16), „Blut\" für „Glut\", stehen geblieben.\nIn ähnlicher Ausstattung erscheint in demselben\nVerlage:\nClassisches Pianoforte-Album. Bach. Händel.\nGluck. Haydn. Mozart. Beethoven.\nWas Gluck hier soll, sieht man nicht ein, da er nichts\nfür Ciavier geschrieben hat. Man hat sich also genöthigt\ngesehen, im ersten Hefte, das uns vorliegt, ein Arrange-\nment (den Chor der Priesterinnen in G-dur, 4/4-Tact, aus\nIphigenie auf Tauris) zu geben, und doch sollen, wie sich\ndas auch von selbst versteht, die Arrangements ausge-\nschlossen sein. Es steht also wohl dieses Stück und der Name\nGluck bloss des Portrait-Tableaus wegen hier, welches, so\nwie die Biographieen, auch diesem Album mit dem sechsten\nHefte beigegeben werden soll. Die Sammlung hat eine\nmittlere Stufe der Fertigkeit im Auge; die Bezeichnung\ndes Fingersatzes ist gut. Das erste Heft enthält eine kleine\nFuge in H-mollvon Händel, die Sonate in 'Va-\nTact, von Haydn, die vierhändige in D-dur von Mozart\nund den Chor von Gluck. Preis nur 10 Sgr.!"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "397", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581211-01.1.5", "debut_caractere": 2968, "fin_caractere_exclue": 2973, "texte": "L. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-12-11-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-12-11_01#c004", "volume": "bmtnabi_1858-12-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "397", "page_fin": "398", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581211-01.2.4", "titre_corps": "Proben aus einer neuen Uebersetzung des Don Juan von Da Ponte und Mozart", "titre_sommaire": "Proben aus einer neuen Uebersetzung des Don Juan von Da Ponte und Mozart", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "397", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581211-01.1.5", "debut_caractere": 2264, "fin_caractere_exclue": 2966, "texte": "Proben aus einer neuen Uebersetzung des Don Juan von Da Ponte und Mozart\n*)•\nNr. 1-3. Don Juan. Arie.\nFin ch'han\nCalda l(t testa,\nUm gran festa\nFä pr eparar.\nSe trovi in p\nQualche ragazza,\nTeco ancor quella\nCerca menar!\nSenza alcun online\nLa danza sia,\nChi'l minuetio,\nChi la folia,\nChi l'allemana\nFarai ballar!\nEd io fra t\nDali' altro canto\nCon questa e quella\nTo amoreggiar.\nFeurige Weine\nSpend' an die Gäste,\nAlles zum Feste\n-Schaffe herbei!\nTriffst du am Plätzchen\nIrgend ein Schätzchen,\nLad' ohne Weilen\nFreundlich es ein!\nDann lass sie tanzen\nBunt durch einander!\nHier Menuetto,\nDa Sarabande,\nDort Allemande,\nNach ihrer Wahl.\nIch unterdessen,\nNicht zu vergessen!\n*\nLehre so Manche,\nWas Liebe sei!"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "397", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581211-01.1.5", "debut_caractere": 2975, "fin_caractere_exclue": 3474, "texte": "*) Yergl. oben die BeurtheiluDg des Sopran-Albums von A. Gumprecht. Die Grundsätze, die man bei dieser Uebersctzung beac ite\nbat °sind: 1. Möglichste Treue im Anschmiegen an den Original-Text und vor Allem an die Musik. \"2. Wiedergabe der (Stim-\nmung 3 Fluss der Rede ohne Härte und Steifheit. 4. Sangbarkeit in jeder Hinsicht (Phrasiren, Athemholen, leichte Aus-\nsprache, Anwendung der klangvollsten Vocale a und e auf hohe Töne u. s. w.). 5. Möglichste Berücksichtigung der dichte-\nrischen F or m."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "398", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581211-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2895, "texte": "Ali!\nDoman\nD'una decina\nDevi aumentar!\ni\nAh! mein Register\nWird ohne Frage\nMorgen am Tage\nReicher an Zahl!\nNr. 15. Schluss vom Finale des I. Actes.\nAnna. Elvira. Zerlina.\nTraditore!\nTutto, tutto giä si sä.\nTrema, trema, scelerato!\nSaprä tosto il monde intero\n11 misfatto orrendo e nero,\nLa tua fiera crudelta!\nOdi il tnon della Ve\nChe ti fischia intorno,\nSul tuo eapo in questo giorno\n11 -suo fulmine cadrä!\nDon Giovanni.\nE confusa la mia\nNon.so piü quelch'io m\nE im orribile tempestei\nMinaeciando, o Dio! mi via\nMa non manca in nie coraggio,\nNon mi perdo o mi confonclo:\nSe cadesse ancor il niondo,\nNulta med temer mi fä!\nAnna. Elvira. Zerline. Ottavio. Masetto.\nHa! Verbrecher!\nOffenbar ist dein Verrath.\nBebe, bebe, Missethäter!\nHa! der Menschen Fluch auf Erden\nSoll den Gräuelthaten werden,\nDeinen Freveln ohne Zahl.\nHörst du nicht der Rache Donner,\nie sein Dröhnen dich umwettert,\nBis dein schuldig Haupt zerschmettert\nDer herabgesandte Strahl!\nDon Juan. Leporello.\nFast verwirrt es meine Sinne:\nWo ist Rath, was ich beginne!\nWie mit Sturmes Ungewittern\nBricht es drohend auf mich ein.\nDoch, ob Alles sich verschworen,\nNimmer geb' ich mich verloren!\nMag der Welten Hau zersplittern,\nSoll mein Muth mich doch befrei'n!\nNr. 18. Don Juan. Ständchen.\nDeh vieni alh finestra, o mio tesoro!\nDeh vieni a consolar il\nSe neghi a nie di dar qualche ristoro,\nDavanti agli occhi tnoi\nTu ch'hai la bocca\nTu ch'ilzuechero porti\nNon esser, gioja mia, con nie cruelele!\nLasciciti ahnen veder, mio hell' amore!\n'\n0, zeige dich am Fenster, mein holdes Leben!\n0, komm, die JThränen trockne mir, die herben.\nWirst grausam du mir keine Labung geben,\nSo siehst du mich vor deinen Augen sterben.\nDer Honig fliesst so mild von deinem Munde,\nDes Zuckers Süsse trägst du in deinem Herzen;\n0, sei nicht spröde mir zu dieser Stunde,\nTröste mit einem Blick nur der Liebe Schmerzen !\n\n*) Wenn man recht deutlich einsehen will, was der Verfasser in der Anmerkung auf S. 397 mit „Wiedergabe der Stimmung\" ge-\nmeint hat, so muss man sich hei dem obigen Ständchen Mozart's Melodie ins Gedächtniss rufen und dann die bisherigen Texte\ngegen diese Melodie halten; z. B. den Schluss bei Eochlitz:\n„Magst du auch zornig scheinen,\nWas gilt's, du hast mich lieb ?\nLass mich nicht länger weinen,\nKomm, loser Herzensdieb \\u\noder selbst bei F. Kugler, dessen Text (aus einer Probe in der Zeitschrift Argo) Herr Dr. Viel in seinen Don Juan aufgenommen hat:\nmehr als Honig,\nSüsse,\nO, wann sprichst du zu mir: Dein Lieben lohn' ich!\nKomm doch herab, mein Herz, dass ich dich küsse!\nAbgesehen von der falschen Uebersetzung, da der Original-Text gar nichts vom Herabkommen u. s. w. Weiss, ist einem doch\nbei den Texten so zu Muthe, als wenn eine, schöne Mondschein-Landschaft einen Hund, der den Mond anbellt, zur Staffage hätte.\nUnd doch wimmelt der deutsche Don Juan von solchen Missgriffen, die Mozart gegenüber wahre Verbrechen sind.\n\\"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-12-11-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-12-11_01#c005", "volume": "bmtnabi_1858-12-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "399", "page_fin": "399", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581211-01.2.5", "titre_corps": "Zweites Concert des allgemeinen Musik-Vereins in Düsseldorf.", "titre_sommaire": "Zweites Concert des allgemeinen Musik-Vereins in Düsseldorf.", "signature_source": "L. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "399", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581211-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3689, "texte": "Zweites Concert des allgemeinen Musik-Vereins\nin Düsseldorf.\nL. B.\nWir hatten Gelegenheit, am 25. November dem dies-\njährigen zweiten Concerte des Musik-Vereins in Düsseldorf\nbeizuwohnen. Das Programm enthielt die Ouvertüre und\nden ersten Act der Alceste von Gluck; im zweiten Theile\ndie Suite in D-dur für Orchester von J. S. Bach, eine\nBass- und eine Sopran-Arie aus Händel's Messias und\nzum Schlüsse die Ouvertüre in C-dur, Op. 124, von\nBeethoven.\nChor und Orchester zeigten, dass Düsseldorf noch im-\nmer musicalische Kräfte besitzt, die der Ausführung von\nTonwerken classischer Gattung wohl gewachsen sind und\njedenfalls verdienen, dass sich alle, die im Stande sind, sie\nnoch zu vervollständigen, ihnen anschliessen. Wenn auch\ndie Chöre in der Alceste weder schwierig noch besonders\ngeeignet sind, die Tüchtigkeit eines Chor-Vereins in hellen\nGlanz zu stellen, so zeigte doch die Ausführung eine gute\nEinübung und recht klangvolle Stimmen. Die Orchester-\nsachen gingen so gut, dass wir—offen gestanden—unsere\nErwartungen weit übertroffen fühlten. Die interessante\nSuite von Bach und die Beethoven'sche Ouvertüre wurden,\nnamentlich die letztere, nicht nur präcis gespielt, sondern\nauch mit vollkommen richtiger Auffassung des Ganzen und\njedes einzelnen Tempo's von Seiten des Dirigenten und mit\nFeuer und Schwung ausgeführt, wofür wir Herrn Musik-\nDirector Tausch gern unsere Anerkennung zollen. Sehr\nauffallend war es uns aber, dass ein Theil des Publicums\nvor der Ouvertüre den Saal verliess und in dem Vorzim-\nmer desselben, welches durch keine Thüren von dem Con-\ncertsaale abzuschliessen ist und zur Garderobe dient, sich\nso wenig in geräuschvollen Zurüstungen zum Weggehen\nund in lauter Unterhaltung genirte, als würde da vorn auf\nder Tonbühne ein Walzer gespielt! S)iese Störung und\ndann die über alle Maassen mangelhafte Gasbeleuchtung\ndes Saales macht auf den Fremden, besonders auf den,\nder in Düsseldorf sonst musicalischen und anderen Festen\nbeigewohnt hat, bei denen Alles ein sehr nobles Aeusseres\nhatte, einen unangenehmen Eindruck. Das Concert war\nübrigens sehr zahlreich besucht; es scheint also, dass die\nZahl der Abonnenten zugenommen hat. Ob nun die ägyp-\ntische Finsterniss von der Sparsamkeit der Concert-Direc-\ntion oder von der Trübseligkeit des Gases an sich selbst\nherrührt, wissen wir nicht.\nVon den Solis in der Alceste wurden die zwei Haupt-\nPartieen (Alceste und der Oberpriester) von Frau Mamp£-\nBabnigg und von Herrn Meyer vom Stadttheater in\nKöln gesungen. Die erstere trug die Recitative und Arien\nmit schöner vollklingender Stimme und mit richtigem dra-\nmatischem Ausdruck vor; die Arie aus dem Messias: „Ich\nweiss, dass mein Erlöser lebt\", gelang ihr weniger gut,\nda die Art des Vortrags für diese Gattung der Musik nicht\nganz befriedigen konnte. Herr Meyer war nicht fest in sei-\nner Partie; da er ein musicalischer und routinirter Sänger\nist, so konnte das nur an einer gewissen Nachlässigkeit\nliegen, wie sie sich die heutigen Bühnensänger häufig ge-\ngen ältere ernste Gesangstücke zu Schulden kommen lassen.\nDie grosse Bass-Arie in D-moll aus dem Messias war auch\nkeine vortheilhafte Wahl; sie fordert einen Sänger, der bei\neiner mächtigen sonoren Stimme die Technik der alten\nitaliänischen Schule bis zum vollendeten Triller inne hat.\nOhne Beides macht sie keinen Eindruck. Uebrigens dient\ndiese Arie, beiläufig gesagt, zum Beweise, dass Händel\nviele Arien geradezu für Gesang-Virtuosen der damaligen\nZeit geschrieben hat, und dass es, wie diese und andere\nförmliche Opern-Arien nach damaligem Geschmack zeigen,\nmit der Reinheit und Einheit des Oratorienslils bei ihm\neben nicht anders aussah, als mutatis mutandis bei Men-\ndelssohn und Hiller,"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-12-11-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-12-11_01#c006", "volume": "bmtnabi_1858-12-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "399", "page_fin": "400", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581211-01.2.6", "titre_corps": "Drittes Gesellschafts-Concert in Köln im Hauptsaale des Gürzenich.", "titre_sommaire": "Drittes Gesellschafts-Concert in Köln im Hauptsaale des Gürzenich.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "399", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581211-01.1.7", "debut_caractere": 3691, "fin_caractere_exclue": 5376, "texte": "Drittes Gesellschafts-Concert in Köln\nim Hauptsaale des Gürzenich.\nDinstag, den 30. November 1858.\nProgramm: Erster Theil. 1. Ouvertüre (Fingalsliöhle) von F.\nMendelssohn. 2. Scene für »Sopran: Ah perfido, von Beetho-\nven, gesungen von Frau Mamp6-Babnigg. 3. Cantate von\nJ. S. Bach: ~Bleib' bei uns, denn es will Abend werden\", für\nChor, Bass-Solo und Orchester. 4. Violin-Concert Nr. 8 von Rode,\ngespielt von Herrn Concertmeister J. Grunwald. 5. Zwei geist-\nliche Lieder aus Op. 71 von Ferdinand Hiller für Chor ohne\nBegleitung. 6. Arie [JSon piü di fiori) aus Titus von Mozart, ge-\nsungen von Frau — Zweiter Theil. Sinfonie\nin A-dur von Beethoven.\nDie Ausführung der genialen Ouvertüre von Mendelssohn war\nrecht gut. Wenn man irgend Musikstücke für Orchester mit Recht\n„symphonische Dichtungen\" nennen darf, so sind es Mendelssohn's\nromantische Ouvertüren. Sie steigen täglich im Preise, wenn man\nsie gegen die Orchesterwerke von Wagner und Liszt hält; bei Men-\ndelssohn ist die phantastische Schöpfung und die romantische Farbe\nund Charakteristik stets mit der vollendeten künstlerischen Form\nvereinigt, nichts stört den musicalischen Genuss.\nFrau Mampe-Babnigg schien nicht ganz so gut disponirt zu sein,\nwie im vorigen Concerte und in ihren Gastdarstellungen auf dem\nStadttheater. Hauptsächlich schadeten dem Eindruck ihrer diesmali-\ngen Leistungen die schleppenden Tempi in beiden Arien; für die Arie\naus Titus fehlt es auch ihren tiefen Tönen an Klang. Dass sie Ein-\nzelnes recht schön vortrug, versteht sich bei der trefflichen Künst-\nlerin von selbst..\nHerrn J. Grunwald's Vortrag des achten Concerte von Bode war\neine ganz vorzügliche Leistung. Den Adel der Compositum gab er"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "400", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581211-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1057, "texte": "auf die würdigste und einnehmendste Wreise wieder, mit Breite und\nFülle in Strich und Ton. Die eingelegten kleinen Cadenzen über-\nschritten weder durch Umfang noch durch ihren Charakter die Grän-\nzen, welche der Geist der Composition für dergleichen Einlagen\n*.■ * *\nfestsetzt.\nDer Chor war nur wenig beschäftigt, da sowohl die Bacli'sche\nCantate als die Hiller'schen Lieder nur kurze Gesangstücke sind.\nAm besten wurden die letzteren gesungen, die denn auch mit Recht\nin Bezug auf Composition und Vortrag grossen Beifall erhielten.\nDie Ausführung der herrlichen yi-c/wr-Sinfonie von Beethoven war\neine der besten Leibtungen des hiesigen Concert-Orchesters, die wir\nje gehört haben. Sowohl der Dirigent als sämmtliche Mitwirkende\nschienen mit besonderer Liebe und Freude sich dem überwältigenden\nGeiste hinzugeben, der in dieser wunderbaren Schöpfung des unsterb-\nlichen Meisters herrscht, und so musstc denn dieser Geist, s o wie-\ndergegeben, auch die ganze Zuhörerschaft mit sich fortreissen zu\nlautem Applaus und zu inniger Befriedigung.\n-*-.-■ • * ~ . »"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-12-11-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-12-11_01#c007", "volume": "bmtnabi_1858-12-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "400", "page_fin": "400", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581211-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "400", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581211-01.1.8", "debut_caractere": 1059, "fin_caractere_exclue": 3915, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nZffaisiz, 30. November. Viertes mittelrheinisches Mu-\nsikfest. Am 27. November versammelten sich die Delegirten der\nvier verbündeten Städte in unseren Mauern, um als Central-Ausschuss\ndas Programm zum vierten mittelrheinischen Musikfeste festzustellen\nund die Wahl des Dirigenten vorzunehmen. Die Sitzung begann\nNachmittags 3 Uhr im Locale der Liedertafel, und deren Resultat\nwar folgendes Programm: Erster Tag: 1) Fest-Ouveriure in C,\nOp. 124, von Beethoven; 2) Israel in Aegypten, Oratorium von\nHändel. Zweiter Tag: I. 1) Ouvertüre, Soli und Chor aus Alceste\nvon Gluck; 2) Kyrie von Palestrina; 3) Ave verum von Mozart 11.\n4) Sinfonie in C-moll von Beethoven; 5) Die erste Walpurgisnacht\nvon Mendelssohn-Bartholdy. Zum Dirigenten der beiden Tage\nwurde Herr Friedr. Marpurg, Musik-Director der mainzer Lie-\ndertafel, erwählt\nAm Abende desselben Tages versammelten sich der Damen-Ge-\nsangverein und die Liedertafel zu Ehren ihrer werthen Gäste im Lo-\ncale des Casino zur Feier des Cäcilien-Tages. Die Feier wurde durch\nein Concert eingeleitet, in welchem eine Hymne von Mendelssohn,\n„Das Paradies und die Peri1 (11. Theil) von Schumann und Phan-\ntasie für Pianoforte und Chor von Beethoven auf das vortrefflichste\nexecutirt wurde, woui die hehre Stimmung des Tages wesentlich\nbeigewirkt hat. Nach beendigtem Concerte begann im grossen Saale\ndas Abendessen, wozu die Herren Delegirten als Ehrengäste geladen,\nund welches die Herren Geheimer Regierungsrath Schmitt, Bürger-\nmeister Nack und die Notabilitäten unserer Stadt mit ihrer Gegen-\nwart beehrten. Es wechselten zwischen Reden und Musik die vor-\ntrefflichen Männerchöre, von denen namentlich ~Das Bild der Rose\"\nTon Reichard und Poculum elevatum von Dr. Arne die allgemeinste\nHeiterkeit erregten. Ein glänzender Ball beschloss die schöne Feier.\nAm 7. December ist C. Reinthaler's Oratorium Jephta zu\nBremen in der Domkirche mit grossem Glänze aufgeführt worden.\nHerr DuMont-Fier von Köln sang die Haupt-Partie.\nDas Universal-Lexikon der Tonkunst, angefangen von Dr. Julius\nSchladebach, fortgesetzt von Eduard Bernsdorf, hat die Verlagshand-\nlung Joh. Andre in Offenbach an sich gebracht. Dasselbe wird\nganz in der seitherigen Weise in Lieferungen von 5 Druckbogen\ngross Lexikon-Format, in gefälligem, deutlich lesbarem Druck auf\nBchönezn, weissem, festem' Papier, jede Lieferung in farbigem Um-\nschlag geheftet, forterscheinen, und werden sich Verfasser wie Ver-\nleger bemühen, die diesem Werke bis jetzt in so hohem Grade be-\nwiesene Theilnahme auch ferner zu erhalten, indem sie sich auf das\nVorwort im ersten Hefte beziehen und allen dort ausgesprochenen\nZusicherungen nachkommen werden.\nIn dem zweiten Concerte, das Frau Schumann in Pesth ver-\nanstaltet, spielt die geschätzte Künstlerin „Tänze im bengalischen\nStil\" von Johannes Brahms. Was ist das für ein Stil???"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "393", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581211-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nMichael Hauser (Aus dessen Briefen aus Californien, Siidamerica und Australien). Schluss. Beurtheilungen:\nClassisclies Sopran-Album. Bach, Händel, Gluck, Haydn, Mozart, Beethoven. Von L. B. Proben aus einer neuen Uebersetzung des Don\nJuan von Da Ponte und Mozart. Zweites Concert des allgemeinen Musik-Vereins in Düsseldorf. Von L. B. Drittes Gesellschafts-\nConcert im grossen Gürzenichsaale. Tages- und Unterhaltungsblatt (Mainz Bremen, Reinthaler's Jephta).\n\nMichael Hauser.\n(Schluss. S. Nr. 49.)\n.,ln Valparaiso (Mai, 1854) sammelt sich auf dem\nPlatze, auf welchem die Inquisition einst Juden und Ketzer\nverbrennen liess, jetzt zu allen Tageszeiten die elegante\nWelt. Die Stutzer, den Mantel kühn um die Schulter ge-\nworfen, einen sehr breiten Hut, aus Palmblättern gefloch-\nten, auf dem Kopfe, und grosse buntseidene Regenschirme\n<iesen die Sonne über sich haltend, traben zu Fuss, zu\no o\nPferde oder auf Maulthieren neben ihren Donna's, die in\nwunderlich verzierten Volantes sich in weichen Polstern\nschaukeln, mit dem Schleier spielen, den sie sehr male-\nrisch zu drapiren wissen. Auf einer Anhöhe, von Oranien-\nund Citronenbäumen umgrünt, ist ein Pavillon erbaut.\nDort ertönt Militärmusik, dort wird Eis genommen, ge-\nplaudert, gelacht nach Herzenslust, und um 8 Uhr ertönt\nein brausendes Freudengeschrei, womit der Abendstern\nbegrüsst wird.\n„Um 9 Uhr hält die Geistlichkeit eine Procession, an\nder sich alle Stände betheiligen, unter Absingung des Ro-\nsenkranzes, und zieht jeden Abend mit Wachskerzen und\nFackeln aus einer der zahlreichen Kirchen durch die\nHauptstrassen. Der murmelnde Gesang von Tausenden,\naus der Ferne angehört, tönt melodisch und wehmüthig.\nIch habe bis jetzt sechs Concerte gegeben. Das Publi-\ncum entschädigt mich reichlich für die Kälte und Theil-\nnahmlosigkeit, mit der es mich empfing, und obwohl die\nalten Weiber, die hier so bigott und abergläubisch wie\nnirgends sind, die Leute vom Concertgehen abzuhalten\nsuchen, indem sie überall ausstreuen, meine Geige sei vom\nTeufel verhext, so bin ich doch beliebt und begünstigt.\n„Am Tage des letzt Statt gefundenen Concertes zog ein\nTrupp dieser alten Weiber, so abschreckend hässlich wie\nMacbeth's Hexen, durch die Strassen, eiferten sehr gegen\nmich und rissen alle Concert-Zettel von den Strasscneeken.\nDie Freigesinnten waren empört über diese Gewaltthat,\nbesuchten sehr zahlreich das Concert, und da Einige im\nPublicum gegen mich Opposition machten, so kam es zu\nheftigen Auftritten.\"\nIn San Jago nahm eine Familie, die den europäi-\nschen Künstler sehr unterstützte, zu dessen erstem Con-\ncertc im Theater 50 Plätze und 10 Logen. Ueberall in\nden grösseren südamerikanischen Städten findet man Thea-\nter und eine so genannte italiänische Oper, meist aus Fran-\nzosen und Deutschen und einigen Italiänern bestehend.\nDiese Sänger sind Meister im Agiren, Tremoliren, Detoni-\nren, Grimassenschneiden und Schreien aus vollem Halse.\nDie Matadore, namentlich Bassisten und Tenoristen, be-\nhalten auch im öffentlichen Leben die Charakteristik der\nRollen bei, in denen sie auf der Bühne am meisten gefal-\nlen. Der Bassist in San Jago, ein sehr harmloser, gutmü-\nthiger Mensch, zeigte sich nie anders als in hellrother\nMütze, langem, struppigem Haar und Bart, und gab seiner\nPhysiognomie auch im gewöhnlichsten Gespräch an öffent-\nlichen Orten die Geberde eines blutdürstigen Tyrannen.\nUeber Tahiti ging M. Hauser nach Sydney in Austra-\nlien, wo er den December 1854 und die ersten Monate\nvon 1855 zubrachte.\n„Sydney, mit mehr a 1560,000 Einwohnern, durch den\nwunderbaren Hafen besonders begünstigt, ist der Central-\npunkt des Verkehrs der ganzen Südsee. Es ist der Sitz des\nGouverneurs, hat grosse öffentliche Gebäude, drei Theater,\nmehrere Banken und Sparcassen, ein Waisenhaus, eine\nphilosophische und eine Ackerbau-Gesellschaft, ein topo-\ngraphisches Bureau, viele Hospitäler, Schulen für Einge-\nborene und eine Universität mit Sternwarte.\n„Die ganze Stadt ist bis zu den Zifferblättern der Uhren\nmit Gas beleuchtet, ziemlich gut gepflastert und die Häu-\nser, sehr leicht aus Backsteinen aufgeführt, sind auf das\nwohnlichste eingerichtet. In den Strassen drängt sich eine\nganze Welt von Engländern, Chinesen, Negern und Ma-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "394", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581211-01.1.2", "texte": "laven in bunten, malerischen Trachten. Alles ist enorm\ntheuer; beinahe 4 Pf. St. braucht man täglich, um an-\nständig zu leben.\n„Einige Tage nach meiner Ankunft\" schreibt M.\nIlauser— „machte ich den verschiedenen Zeitungs-Redac-\nteuren Sydney's meine Aufwartung, und mein erster Besuch\ngalt Mr , dem Redacteur der\n„Ein palastähnliches Haus, in dessen Erdgeschoss eine\ngrosse Druckerei in voller Thätigkeit arbeitete, empfing\nmich. Im ersten Stock fand ich unter verschiedenen Schil-\ndern und Annoncen auch eine Tafel, auf der mit grossen\nBuchstaben zu lesen war, dass Mr in den gewöhn-\nlichen Geschäftsstunden überhaupt nur dann zu sprechen\nsei, wenn man seine so höchst kostbare Zeit vergüte. Je-\ndermann ohne Unterschied sei daher angewiesen, sich an\nder Gasse im Wartesaale eine Sprechkarte zu lösen. Eine\nStunde zehn, ein halbe sechs und eine Viertelstunde drei\nSchillinge. Ich trat in den Wartesaal, kaufte mir bei dem\nrothbefrackten Austral-Neger eine Stunde Zeit seines Herrn\nund trat neugierig in das Sprechzimmer dieses uneigen-\nnützigen Journalisten. Dieser nahm mich sehr verdrossen\nund schläfrig auf. Sie sind Artist? kommen gewiss aus\nEuropa, wollen hier Geld machen? Dieses waren die Fra-\ngen, die er an mich richtete, und zwar in nicht sehr freund-\nlichem Tone. Erst als er erfuhr, dass ich aus Südamerica\nund Californien komme, erheiterte sich sein fahles Gesicht,\nund seine Stimme wurde freundlicher. Er fragte mich, zu\nwelchen pecuniären Zugeständnissen ich mich herbeilassen\nwerde, wenn sein Blatt mir zu einem tüchtigen Erfolge\nverhelfe. Ich erwiderte, verblüfft über diese etwas unver-\nschämte Frage, ich wolle mich gewiss sehr dankbar zeigen.\nDa schüttelte er den Kopf und meinte, das sei nicht be-\nstimmt genug. Ich müsse mich genauer mit ihm verstän-\ndigen und eine gewisse Summe aussetzen; denn nur dann\nsei mein Erfolg gesichert. Ich bat um einige Tage Bedenk-\nzeit, verliess diesen Tempel der Uneigennützigkeit und ver-\nfügte mich in die verschiedenen Bureaux der anderen Zei-\ntungs-Redacteure, die mir nicht so hart das scharfe Messer\nan den Hals setzten, sondern mich sehr freundlich aufnah-\nmen und mir mit Rath und Thatan die Hand gingen.\n„Miss Hayez, mit der ich überall zusammentreffe, wird\nhier im wahren Sinne des Wortes mit Gold überschüttet.\nGanz Sydney schwärmt für den „ „irischen Schwan\"\" (so\nnennt man sie hier), und seit der Entdeckung des Goldes\nhat hier noch nichts einen fieberhafteren Enthusiasmus her-\nvorgebracht, als das Auftreten dieser Sängerin. So oft sie\nsingt, ist das Haus so überfüllt, dass ich für mein erstes\nConcert schon mit der Hälfte dieses Publicums zufrieden\nwäre. Die Concertkosten sind ungeheuer, aber auch die\nEintrittspreise. Die Loge kostet 5 Pf. St., erster Sitz 2\nPf. St. und Eintritt % Pf. St.\n„Abends besuchte ich zum ersten Male das Schau-\nspielhaus; denn im Opernhause, wo Miss Hayez die Norma\nsang, war kein Platz zu haben. Es war gerade Sonntag,\ndas Haus auch hier sehr voll, denn es wurde, wie der\nZettel lautete, gegeben: Shakespeare's Meisterwerk :\n„Othello, der eifersüchtige Mohr, und die unschuldige Des-\ndemona\". Schon eine Stunde vor der Vorstellung versam-\nmelt sich hier das Publicum, theils um sich auf das zu er-\nwartende Vergnügen der Rührung so recht vorbereiten zu\nkönnen, theils um dem modernen Spleen zu huldigen und\nbei dieser Gelegenheit irgend ein politisches oder religiöses\nMeeting abzuhalten. Als ich in das Schauspielhaus trat,\nsah ich einen langen, spindeldürren Menschen vom Soufleur-\nkasten herab in unzwungener W eise gegen die neu einge-\nführte Goldgräber-Taxe predigen; auch gegen die engli-\nschen Machthaber donnerte er schonungslos und forderte\"\nvon ihnen die augenblickliche Vernichtung des russischen\nReiches. Obwohl er sehr viel Unsinn sprach, horchte doch\nAlles dem eifernden Apostel in athemloser Stille, und als\ner zum Schlüsse noch seinen Hass gegen die Branntwein-\nsteuer schleuderte, jubelten die Galerieen ein begeistertes\nBravo.\n„Statt der gewöhnlichen Logen besteht hier der Dress\ncercle. Da ist der Sitz der feinen Welt; Hais down! wird\nden Leuten zugerufen, welche vergessen, die Hüte abzu-\nnehmen. Die Damen erscheinen hier in weissen Kleidern\nund prächtigen Toiletten, die Herren in schwarzen Fracks,\nweisser Cravate und Handschuhen. Die zweite Galerie ist\nschon unanständig, da wird von den Matrosen, Grisetten\nund Handwerkern schon tapfer Brandy getrunken; die Be-\nsucher der dritten Galerie gleichen aber eher einer Räu-\nberbande, als einem civilisirten Theater-Publicum. Die wil-\ndesten, verkommensten Gestalten sitzen dort, Karten spie-\nlend,, mit leidenschaftlich verzerrten Gesichtern; wilde\nFlüche und kreischendes Gelächter durchdringen die von\nBranntweindunst verpestete Luft; wenn aber der Vorhang\nsich erhebt, wird es stiller. Jago trat auf mit einem hölli-\nschen Hohngelächter und wahrem Hallunkengesicht, wofür\ner schon wüthend applaudirt wurde.\n„Ich habe einst in San Francisco von einer deutschen\nSchauspieler-Gesellschaft die Räuber aufführen sehen, und\nglaubte damals, das sei schon das Höchste in der Kunst\ndes Coulissenreissens; jetzt aber gebe ich den englischen\nSchauspielern den Vorzug. Einem Tollhause glich diese\nInsel Cypern wohl eher, als einer Schauspielbühne. Die\nsanfte Desdemona schimpfte wie ein keifendes Höckerweib\nund wurde schon im dritten Acte von ihrem wüthenden\nGemahl ohne alle Umstände erwürgt. Dieses mörderische"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "395", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581211-01.1.3", "texte": "Impromptu geschah eigentlich nur zur Erhöhung des dra-\nmatischen Effectes; denn Desdemona erholte sich wieder\nso weit, um zum Schlüsse des Stückes von dem blut-\nschwitzenden Mohren in die Mitte der Bühne geschleppt und\nhier unter dem wüthenden Geschrei des Galeriepöbels nach\nallen Regeln der Würgekunst erdrosselt zu werden.\nNur Othello starb seinen eigenen tragischen Tod, aber\nJago sollte nicht so leicht wegkommen; der rothe Scharf-\nrichter machte sich über ihn her, und bei offener Scene\nsah man seine schwarze Seele zur Hölle fahren.\n„Es kündigte sich ein französischer Windbeutel\nmit grossen Lettern an, er hätte schon vor Jahren alle\neuropäischen Clavier-Matadors besiegt und nur mit der\nlinken Hand allein alle in die Flucht geschlagen; um diese\nseine Worte mit der Wahrheit zu siegeln, druckte er be-\nstätigend Atteste bei von Berlioz, Chelard und Meyerbeer.\nVielleicht, dachte ich, hat Göthe Recht, der da sagt: Nur\ndie Lumpe sind bescheiden! zahlte meinen Ducaten als\nBewunderung im Voraus und ging ins Goncert. Le mon-\nsieur docteur de musique Horace Henri Terneaurs sprengte\ntäglich hoch zu Ross an der Seite seiner Gattin durch die\nStrassen Sydney's, gab in seinem Hotel glänzende Meetings\nund erreichte dadurch, dass man sich an der Gasse um die\nPlätze förmlich schlug. Nach einer halben Stunde neugie-\nriger Erwartung erschien der Künstler, eine elegante und\nimposante Figur, warf sich nachlässig in einen Lehnsessel\nund lorgnettirte das Publicum. Hierauf erschien in phan-\ntastischem Costume ein indischer Groom mit silbernem\nBecken, und der Künstler wusch mit eleganter Noncha-\nlance vor den Augen desPublicums seine Hände; dann zog\ner ein Batisttuch aus seiner Tasche, lud aufs artigste eine\nDame aus dem Dress cercle zu sich, bat selbe, seine rechte\nHand mit dem Tuche an den Sessel zu binden, und wäh-\nrend die Dame, erröthend über diese Auszeichnung, ihre\nMission beendigte, begann der Virtuose mit der linken\nHand einen wahren Teufelsmarsch, mit dem er auf einmal\ndie Gunst und Bewunderung des Publicum* erstürmte. Ob-\nwohl er dabei so viel als möglich mit Hand und Füssen\ndem guten Geschmack ins Gesicht schlug, zeigte er doch\neine Kraft, Geläufigkeit und Reinheit, die bewundert zu\nwerden verdienten. Nachdem er lärmend gerufen und mit\nBlumen beworfen worden, führte er seine Dame vor.\n„Diese, eine schlanke Grazie in reizender Toilette, be-\nzauberte mehr durch den wunderbaren Glanz ihrer beiden\ndunkelblauen Augen, als durch ihren Gesang. Als sie aber,\ndurch enthusiastischen Beifall aufgemuntert, ein sittenlo-\nses französisches Lied anstimmte, stand sie wie ein gefal-\nlener Encel, aller ästhetischen Grazie beraubt, da, und ich\nP 7\nkonnte mich nur wundern, dass ich Anfangs darüber auch\nnur einen Augenblick zweifeln konnte, worüber die Dame\njetzt so freiwillig und frivol alle Welt aufklärte. Auch als\nPianistin wollte sie bewundert sein, und gleich ihrem Gat-\nten wusch sie, bevor sie sich ans Piano setzte, sehr graziös\nihre Hände. Ich aber dachte an die Lady Macbeth, die\nvergebens ihre Hände weiss zu waschen suchte, und verliess\ngenusssatt das Concert.\"\n\nBeurtheilungen.\n\nUnter dem Titel:\nClassisches Sopran-Album. Bach, Händel,\nGluck, Haydn, Mozart, Beethoven. Leipzig,\nVerlag von Adolf Gumprecht —•\nliegen uns drei Hefte eines Unternehmens vor, welches\nsich vor anderen ähnlichen in vielfacher Hinsicht sehr vor-\ntheilhaft auszeichnet und desshalb vorzüglich als Weih-\nnachtsgeschenk für Sängerinnen und Gesangesfreundinnen\nzu empfehlen ist.\nWenn man die höchst elegante Ausstattung dieser\nArien-Sammlung betrachtet, gross Folio-Format, starkes\nweisses, satinirtes Kupferdruck-Papier, in Metall gestochene\nNoten, sehr räumlich spatiirt, und dann gewahrt, dass man\nhier z. B. im ersten Hefte zehn Arien für 15 Silber-\ngroschen erhält, so muss man die Verleger der Vorzeit\nglücklich preisen, die da auf grauem oder lichtbraunem\nPapier mit schmutzigen Noten und kaum zu entzifferndem\nText dieselben Arien für den vier- und fünffachen Preis\nverkauften!\nNimmt man nun noch dazu, dass wi| hier eine gute,\nzum Tlieil revidirte Einrichtung der Clävier-Begleitung\nhaben, ferner die Original-Texte (englisch, französisch,\nitaliänisch) mit neuen Uebersetzungen ins Deutsche, ferner\ngut geschriebene kurze Biographieen der auf dem Titel\ngenannten sechs Meister, dazu deren Portraits auf einem\nGesammtbilde in Stahlstich, endlich Erläuterungen über\nden Vortrag der Gesangstücke, so muss man in der That\nüber den Muth des Verlegers erstaunen, der eine so kost-\nspielige Ausgabe zu so wohlfeilem Preise veranstaltet im\nVertrauen auf die bedeutende Verbreitung derselben.\nWir hegen jedoch die feste Ueberzeugung, dass ihn dieses\nVertrauen nicht täuschen wird; der Reichthum des Inhalts\nder Sammlung, die zweckmässige Auswahl und die ange-\ngebenen Vorzüge werden überall anerkannt werden.\nDas Sopran-Album wird folgende 31 Gesangstücke\nenthalten: von Bach: aus der Pfingst-Cantate: „Frohlocke\"\nund aus dem Weihnachts-Oratorium: „Echo-Arie; von\nHändel: aus Messias die drei Haupt-Arien, aus Alexan-\nderfest „Lydisches Brautlied\" und aus seiner Oper Rinaldo\n,Lascict ch'io piemga\"; von Gluck: aus Iphigenia in"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "396", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581211-01.1.4", "texte": "Aulis „Par son pere crüel*, aus Iphigenie! in Tauris\ntoi qui prolongeas'\" und „0 malheureuse Iphigenie\";\nvon Haydn: aus der Schöpfung „Nun beut die Flur\" und\n„Auf starkem Fittich'-; von Mozart: aus der Entfüh-\nrung „Welche Wonne\"; aus Figaro zwei Arien des Pa-\ngen, zwei der Gräfin und Susannens Garten-Arie; aus Don\nJuan zwei Arien der Zerline, die Arien\nund „ Cnulele\"; aus Titus rParund\naus der Zauberllöte „Ach,ich fühl's\", und das Lied „Das Veil-\nchen-; von Beethoven: aus Fidelio „Abscheulicher\",\n„Adelaide\" und drei kleinere Lieder. Nun ist bekannt,\ndass Mozart, Gluck und Händel fast durchweg nicht auf\nden deutschen Text componirten, eben so dass die bishe-\nrigen deutschen Uebersetzungen meist äusserst mangelhaft\nsind, und zwar nicht nur von Ungereimtheiten und Platt-\nheiten des Ausdrucks wimmeln, sondern dass auch, was\nmusicalisch viel wesentlicher, der ungefügigen Texte halber\nhäufig Noten zugesetzt oder weggelassen, oder in unpas-\nsender W eise auf den Text vertheilt worden sind, und\nmehr dergleichen Eigenmächtigkeiten, durch welche sehr\noft die Melodie geradezu misshandelt und dem Rhythmus\nalle Schönheit geraubt ward. Ferner wird man in den\nOriginal-Texten finden, dass in der Regel das so genannte\n„declamatorische Athmen\", welches sich nach dem Satzbau\nrichtet, mit dem bloss den musicalischen Gesetzen des Pe-\nriodenbaues unterworfenen „melodischen Athmen\" zusam-\nmentritt. Auch auf diesen für den musicalischen Vortrag\nsehr wichtigen Punkt haben aber die früheren Uebersetzer\nfast nie Rücksicht genommen. Endlich haben die classi-\nschen Componisten zuweilen an den Sinn eines einzelnen\nW ortes gewisse feine Nuancen der Melodie geknüpft, wo-\nvon man jedoch in den älteren Uebersetzungen auch nur\nselten eine Spur wiederfindet. Diesen Uebelständen so weit,\nals möglich, theils durch Verbesserung der alten, theils\ndurch ganz neue deutsche Uebersetzungen, abzuhel-\nfen, hat sich der Herausgeber bemüht, und hofft, dass\nSachkundige wenigstens einen erheblichen Fortschritt ge-\ngen früher erkennen werden.\n\\\\ as zunächst die neuen Text-Uebersetzungen betrifft,\nso erkennen wir gern an, dass das Bestreben, welches in\nden eben angeführten Worten ausgesprochen, bei der Aus-\nführung auf lobenswerthe W eise sichtbar ist, und dass das\nResultat im Ganzen als ein gelungenes bezeichnet werden\nkann, namentlich in Bezug auf die Sangbarkeit im ausge-\ndehntesten Sinne des Wortes. Der Herr Verfasser ist un-\nseren Lesern durch die kenntniss- und geistreichen Berli-\nner Briefe wohlbekannt. Er hat sich durch diese Arbeit,\nderen grosse Schwierigkeiten nur derjenige wirklich kennt,\nder Achnliches versucht hat, ein Verdienst um die betref-\nfenden Arien erworben, deren bisherige Texte—besonders\nbei den Mozart'schen die wahren Vorzüge der Compo-\nsition oft gar nicht erkennen lassen, ja, sogar nicht selten\ndem Componisten ganz Verkehrtes und der Melodie Wi-\ndersprechendes unterlegen. Die Bemerkungen desselben\n\\ eriassers über die Vortragsweise (wovon uns bis jetzt die-\njenigen über zwei Arien von Gluck und zwei von Händel\nvorliegen) sind vortrefflich und bekunden den denkenden\nund mit der Praxis wohl vertrauten Gesanglehrer.\nDer Grundsatz lür Text-Uebersetzungen, dass die Mu-\nsikstücke sich eben so zu dem deutschen Texte wie zu dem\nursprünglichen verhalten müssen, und dass der deutsche\nText keine andere \\ ortragsweise—wir setzen noch hinzu:\nauch kein anderes Spiel aul der Bühne für den Sänger\nnöthig mache, ist unzweifelhaft richtig, und wir stimmen\nmit dem erfasser darin überein, dass dies der Haupt-Grund-\nsatz sein müsse, dem im Nothfalle Anderes geopfert werde.\nZu diesem Anderen gehört denn allerdings auch der Reim;\nallein diesen vermissen wir doch ungern. Bei einer Samm-\nlung von einzelnen Arien, die, wie die vorliegenden, zu\nConcert-Vorträgen oder zu Hausmusik bestimmt sind, mag\nman ihn fallen lassen; allein auf der Bühne darf er doch\nkeineswegs fehlen. Der Beim ist nun einmal mit den ro-\nmanischen und den germanischen Sprachen so verwebt,\ndass er bei jedem lyrischen Gedichte in diesen Sprachen\nwesentlich ist; das Volkstümliche des Gleichklangs kann\neben dem Volke durch eine metrische Form allein, sei\n0V '\nsie noch so vollkommen, nicht\" ersetzt werden, fast eben so\nwenig, als die Melodie in der Tonkunst durch rein decla-\nmatorische Musik ersetzt werden kann. Bei dem Recitativ\nkann er fehlen und fehlt auch bei den Italiänern häufig\n(seltener oder vielleicht gar nicht bei den Franzosen); hier\nliegt die Hauptsache in der Declamation: der Text für das\nRecitativ ist mehr poetische Prosa als Gedicht, jenes Wort\nim guten Sinne genommen, so wie man es z. B. auf viele\nschwungvolle Scenen in Göthe's Egmont anwenden kann.\nMozart eifert allerdings auch gegen die Reime (0.\nJahn's Mozart, Bd. 111., S. 86 ff.) in einem Briefe an sei-\nnen Vater über Belmont und Constanze. Der Text dieser\nOper von Bretzner ist nicht durchweg und gleichmässig\ngereimt, was Mozart gegen seinen Vater vertheidigt. Allein\nman muss bedenken, dass Mozart nicht gegen die Reime\nim Allgemeinen loszieht, sondern gegen die schlechten\nReime, gegen „die Reime des Reimens wegen\", wie er\nausdrücklich sagt, und überhaupt gegen den pedantischen\nZuschnitt der damaligen Opern-Poesie, gegen die Scha-\nblone der Italiäner. Wenn er sagt: „Die Wörter müssen\nbloss für die Musik geschrieben sein, und nicht hier und\ndort einem elenden Reime zu Gelallen Worte setzen oder\nganze Strophen, die des Componisten seine ganze\nIdee verderben\" —, dann hat er freilich vollkommen"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "397", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581211-01.1.5", "texte": "Recht, und es ist beinahe, als hätte er die späteren Ver-\nhunzungen seiner Musik zu Figaro und Don Juan durch\ndeutsche Texte geahnt, welche in der That sehr häufig\n..seine Ideen verderben\". Allein mit allem dem ist doch\nnur der Heim einer gewissen Qualität, der nichtssagende,\nder verunstaltende, steife, widerhaarige, pedantische, er-\nzwungene gemeint, nicht der wnklich diclitei ischt, Sinn\nund Ausdruck erhöhende und belebende. Daher meint\ndenn auch Mozart am Ende, „dass es am besten sei, wenn\nein guter Componist, der das Theater versteht, und ein ge-\nscheidter Poet, als ein wahrer Phönix, zusammenkommen.\"\nWir halten mit Mozart ein sclavisches Gebundensein\nan den Reim für unnöthig, ja, vielleicht schädlich; aber\neine freie Anwendung desselben in Ärien und Ensemble-\nstücken für nothwendig. Immer wird es dabei auf das Ta-\nlent und die Sprachgewandtheit des Dichters ankommen;\neine gewisse Vollendung der Form aber fordert jedes\nKunstwerk, also auch das Opern-Gedicht, wenn es auf\ndiesen Namen Anspruch machen will. Wie weit, oder, viel-\nleicht richtiger, wie schwer dies auch bei Uebersetzungen\nzu vorhandener Musik zu erreichen sei, mögen einige Pro-\nben weiter unten zu zeigen versuchen.\nIn der Arie der Klytämnestra von Gluck ist ein Druck-\nfehler (S. 16), „Blut\" für „Glut\", stehen geblieben.\nIn ähnlicher Ausstattung erscheint in demselben\nVerlage:\nClassisches Pianoforte-Album. Bach. Händel.\nGluck. Haydn. Mozart. Beethoven.\nWas Gluck hier soll, sieht man nicht ein, da er nichts\nfür Ciavier geschrieben hat. Man hat sich also genöthigt\ngesehen, im ersten Hefte, das uns vorliegt, ein Arrange-\nment (den Chor der Priesterinnen in G-dur, 4/4-Tact, aus\nIphigenie auf Tauris) zu geben, und doch sollen, wie sich\ndas auch von selbst versteht, die Arrangements ausge-\nschlossen sein. Es steht also wohl dieses Stück und der Name\nGluck bloss des Portrait-Tableaus wegen hier, welches, so\nwie die Biographieen, auch diesem Album mit dem sechsten\nHefte beigegeben werden soll. Die Sammlung hat eine\nmittlere Stufe der Fertigkeit im Auge; die Bezeichnung\ndes Fingersatzes ist gut. Das erste Heft enthält eine kleine\nFuge in H-mollvon Händel, die Sonate in 'Va-\nTact, von Haydn, die vierhändige in D-dur von Mozart\nund den Chor von Gluck. Preis nur 10 Sgr.!\n\nProben aus einer neuen Uebersetzung des Don Juan von Da Ponte und Mozart\n*)•\nNr. 1-3. Don Juan. Arie.\nFin ch'han\nCalda l(t testa,\nUm gran festa\nFä pr eparar.\nSe trovi in p\nQualche ragazza,\nTeco ancor quella\nCerca menar!\nSenza alcun online\nLa danza sia,\nChi'l minuetio,\nChi la folia,\nChi l'allemana\nFarai ballar!\nEd io fra t\nDali' altro canto\nCon questa e quella\nTo amoreggiar.\nFeurige Weine\nSpend' an die Gäste,\nAlles zum Feste\n-Schaffe herbei!\nTriffst du am Plätzchen\nIrgend ein Schätzchen,\nLad' ohne Weilen\nFreundlich es ein!\nDann lass sie tanzen\nBunt durch einander!\nHier Menuetto,\nDa Sarabande,\nDort Allemande,\nNach ihrer Wahl.\nIch unterdessen,\nNicht zu vergessen!\n*\nLehre so Manche,\nWas Liebe sei!\n\nL. B.\n\n*) Yergl. oben die BeurtheiluDg des Sopran-Albums von A. Gumprecht. Die Grundsätze, die man bei dieser Uebersctzung beac ite\nbat °sind: 1. Möglichste Treue im Anschmiegen an den Original-Text und vor Allem an die Musik. \"2. Wiedergabe der (Stim-\nmung 3 Fluss der Rede ohne Härte und Steifheit. 4. Sangbarkeit in jeder Hinsicht (Phrasiren, Athemholen, leichte Aus-\nsprache, Anwendung der klangvollsten Vocale a und e auf hohe Töne u. s. w.). 5. Möglichste Berücksichtigung der dichte-\nrischen F or m."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "398", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581211-01.1.6", "texte": "Ali!\nDoman\nD'una decina\nDevi aumentar!\ni\nAh! mein Register\nWird ohne Frage\nMorgen am Tage\nReicher an Zahl!\nNr. 15. Schluss vom Finale des I. Actes.\nAnna. Elvira. Zerlina.\nTraditore!\nTutto, tutto giä si sä.\nTrema, trema, scelerato!\nSaprä tosto il monde intero\n11 misfatto orrendo e nero,\nLa tua fiera crudelta!\nOdi il tnon della Ve\nChe ti fischia intorno,\nSul tuo eapo in questo giorno\n11 -suo fulmine cadrä!\nDon Giovanni.\nE confusa la mia\nNon.so piü quelch'io m\nE im orribile tempestei\nMinaeciando, o Dio! mi via\nMa non manca in nie coraggio,\nNon mi perdo o mi confonclo:\nSe cadesse ancor il niondo,\nNulta med temer mi fä!\nAnna. Elvira. Zerline. Ottavio. Masetto.\nHa! Verbrecher!\nOffenbar ist dein Verrath.\nBebe, bebe, Missethäter!\nHa! der Menschen Fluch auf Erden\nSoll den Gräuelthaten werden,\nDeinen Freveln ohne Zahl.\nHörst du nicht der Rache Donner,\nie sein Dröhnen dich umwettert,\nBis dein schuldig Haupt zerschmettert\nDer herabgesandte Strahl!\nDon Juan. Leporello.\nFast verwirrt es meine Sinne:\nWo ist Rath, was ich beginne!\nWie mit Sturmes Ungewittern\nBricht es drohend auf mich ein.\nDoch, ob Alles sich verschworen,\nNimmer geb' ich mich verloren!\nMag der Welten Hau zersplittern,\nSoll mein Muth mich doch befrei'n!\nNr. 18. Don Juan. Ständchen.\nDeh vieni alh finestra, o mio tesoro!\nDeh vieni a consolar il\nSe neghi a nie di dar qualche ristoro,\nDavanti agli occhi tnoi\nTu ch'hai la bocca\nTu ch'ilzuechero porti\nNon esser, gioja mia, con nie cruelele!\nLasciciti ahnen veder, mio hell' amore!\n'\n0, zeige dich am Fenster, mein holdes Leben!\n0, komm, die JThränen trockne mir, die herben.\nWirst grausam du mir keine Labung geben,\nSo siehst du mich vor deinen Augen sterben.\nDer Honig fliesst so mild von deinem Munde,\nDes Zuckers Süsse trägst du in deinem Herzen;\n0, sei nicht spröde mir zu dieser Stunde,\nTröste mit einem Blick nur der Liebe Schmerzen !\n\n*) Wenn man recht deutlich einsehen will, was der Verfasser in der Anmerkung auf S. 397 mit „Wiedergabe der Stimmung\" ge-\nmeint hat, so muss man sich hei dem obigen Ständchen Mozart's Melodie ins Gedächtniss rufen und dann die bisherigen Texte\ngegen diese Melodie halten; z. B. den Schluss bei Eochlitz:\n„Magst du auch zornig scheinen,\nWas gilt's, du hast mich lieb ?\nLass mich nicht länger weinen,\nKomm, loser Herzensdieb \\u\noder selbst bei F. Kugler, dessen Text (aus einer Probe in der Zeitschrift Argo) Herr Dr. Viel in seinen Don Juan aufgenommen hat:\nmehr als Honig,\nSüsse,\nO, wann sprichst du zu mir: Dein Lieben lohn' ich!\nKomm doch herab, mein Herz, dass ich dich küsse!\nAbgesehen von der falschen Uebersetzung, da der Original-Text gar nichts vom Herabkommen u. s. w. Weiss, ist einem doch\nbei den Texten so zu Muthe, als wenn eine, schöne Mondschein-Landschaft einen Hund, der den Mond anbellt, zur Staffage hätte.\nUnd doch wimmelt der deutsche Don Juan von solchen Missgriffen, die Mozart gegenüber wahre Verbrechen sind.\n\\"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "399", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581211-01.1.7", "texte": "Zweites Concert des allgemeinen Musik-Vereins\nin Düsseldorf.\nL. B.\nWir hatten Gelegenheit, am 25. November dem dies-\njährigen zweiten Concerte des Musik-Vereins in Düsseldorf\nbeizuwohnen. Das Programm enthielt die Ouvertüre und\nden ersten Act der Alceste von Gluck; im zweiten Theile\ndie Suite in D-dur für Orchester von J. S. Bach, eine\nBass- und eine Sopran-Arie aus Händel's Messias und\nzum Schlüsse die Ouvertüre in C-dur, Op. 124, von\nBeethoven.\nChor und Orchester zeigten, dass Düsseldorf noch im-\nmer musicalische Kräfte besitzt, die der Ausführung von\nTonwerken classischer Gattung wohl gewachsen sind und\njedenfalls verdienen, dass sich alle, die im Stande sind, sie\nnoch zu vervollständigen, ihnen anschliessen. Wenn auch\ndie Chöre in der Alceste weder schwierig noch besonders\ngeeignet sind, die Tüchtigkeit eines Chor-Vereins in hellen\nGlanz zu stellen, so zeigte doch die Ausführung eine gute\nEinübung und recht klangvolle Stimmen. Die Orchester-\nsachen gingen so gut, dass wir—offen gestanden—unsere\nErwartungen weit übertroffen fühlten. Die interessante\nSuite von Bach und die Beethoven'sche Ouvertüre wurden,\nnamentlich die letztere, nicht nur präcis gespielt, sondern\nauch mit vollkommen richtiger Auffassung des Ganzen und\njedes einzelnen Tempo's von Seiten des Dirigenten und mit\nFeuer und Schwung ausgeführt, wofür wir Herrn Musik-\nDirector Tausch gern unsere Anerkennung zollen. Sehr\nauffallend war es uns aber, dass ein Theil des Publicums\nvor der Ouvertüre den Saal verliess und in dem Vorzim-\nmer desselben, welches durch keine Thüren von dem Con-\ncertsaale abzuschliessen ist und zur Garderobe dient, sich\nso wenig in geräuschvollen Zurüstungen zum Weggehen\nund in lauter Unterhaltung genirte, als würde da vorn auf\nder Tonbühne ein Walzer gespielt! S)iese Störung und\ndann die über alle Maassen mangelhafte Gasbeleuchtung\ndes Saales macht auf den Fremden, besonders auf den,\nder in Düsseldorf sonst musicalischen und anderen Festen\nbeigewohnt hat, bei denen Alles ein sehr nobles Aeusseres\nhatte, einen unangenehmen Eindruck. Das Concert war\nübrigens sehr zahlreich besucht; es scheint also, dass die\nZahl der Abonnenten zugenommen hat. Ob nun die ägyp-\ntische Finsterniss von der Sparsamkeit der Concert-Direc-\ntion oder von der Trübseligkeit des Gases an sich selbst\nherrührt, wissen wir nicht.\nVon den Solis in der Alceste wurden die zwei Haupt-\nPartieen (Alceste und der Oberpriester) von Frau Mamp£-\nBabnigg und von Herrn Meyer vom Stadttheater in\nKöln gesungen. Die erstere trug die Recitative und Arien\nmit schöner vollklingender Stimme und mit richtigem dra-\nmatischem Ausdruck vor; die Arie aus dem Messias: „Ich\nweiss, dass mein Erlöser lebt\", gelang ihr weniger gut,\nda die Art des Vortrags für diese Gattung der Musik nicht\nganz befriedigen konnte. Herr Meyer war nicht fest in sei-\nner Partie; da er ein musicalischer und routinirter Sänger\nist, so konnte das nur an einer gewissen Nachlässigkeit\nliegen, wie sie sich die heutigen Bühnensänger häufig ge-\ngen ältere ernste Gesangstücke zu Schulden kommen lassen.\nDie grosse Bass-Arie in D-moll aus dem Messias war auch\nkeine vortheilhafte Wahl; sie fordert einen Sänger, der bei\neiner mächtigen sonoren Stimme die Technik der alten\nitaliänischen Schule bis zum vollendeten Triller inne hat.\nOhne Beides macht sie keinen Eindruck. Uebrigens dient\ndiese Arie, beiläufig gesagt, zum Beweise, dass Händel\nviele Arien geradezu für Gesang-Virtuosen der damaligen\nZeit geschrieben hat, und dass es, wie diese und andere\nförmliche Opern-Arien nach damaligem Geschmack zeigen,\nmit der Reinheit und Einheit des Oratorienslils bei ihm\neben nicht anders aussah, als mutatis mutandis bei Men-\ndelssohn und Hiller,\n\nDrittes Gesellschafts-Concert in Köln\nim Hauptsaale des Gürzenich.\nDinstag, den 30. November 1858.\nProgramm: Erster Theil. 1. Ouvertüre (Fingalsliöhle) von F.\nMendelssohn. 2. Scene für »Sopran: Ah perfido, von Beetho-\nven, gesungen von Frau Mamp6-Babnigg. 3. Cantate von\nJ. S. Bach: ~Bleib' bei uns, denn es will Abend werden\", für\nChor, Bass-Solo und Orchester. 4. Violin-Concert Nr. 8 von Rode,\ngespielt von Herrn Concertmeister J. Grunwald. 5. Zwei geist-\nliche Lieder aus Op. 71 von Ferdinand Hiller für Chor ohne\nBegleitung. 6. Arie [JSon piü di fiori) aus Titus von Mozart, ge-\nsungen von Frau — Zweiter Theil. Sinfonie\nin A-dur von Beethoven.\nDie Ausführung der genialen Ouvertüre von Mendelssohn war\nrecht gut. Wenn man irgend Musikstücke für Orchester mit Recht\n„symphonische Dichtungen\" nennen darf, so sind es Mendelssohn's\nromantische Ouvertüren. Sie steigen täglich im Preise, wenn man\nsie gegen die Orchesterwerke von Wagner und Liszt hält; bei Men-\ndelssohn ist die phantastische Schöpfung und die romantische Farbe\nund Charakteristik stets mit der vollendeten künstlerischen Form\nvereinigt, nichts stört den musicalischen Genuss.\nFrau Mampe-Babnigg schien nicht ganz so gut disponirt zu sein,\nwie im vorigen Concerte und in ihren Gastdarstellungen auf dem\nStadttheater. Hauptsächlich schadeten dem Eindruck ihrer diesmali-\ngen Leistungen die schleppenden Tempi in beiden Arien; für die Arie\naus Titus fehlt es auch ihren tiefen Tönen an Klang. Dass sie Ein-\nzelnes recht schön vortrug, versteht sich bei der trefflichen Künst-\nlerin von selbst..\nHerrn J. Grunwald's Vortrag des achten Concerte von Bode war\neine ganz vorzügliche Leistung. Den Adel der Compositum gab er"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "400", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581211-01.1.8", "texte": "auf die würdigste und einnehmendste Wreise wieder, mit Breite und\nFülle in Strich und Ton. Die eingelegten kleinen Cadenzen über-\nschritten weder durch Umfang noch durch ihren Charakter die Grän-\nzen, welche der Geist der Composition für dergleichen Einlagen\n*.■ * *\nfestsetzt.\nDer Chor war nur wenig beschäftigt, da sowohl die Bacli'sche\nCantate als die Hiller'schen Lieder nur kurze Gesangstücke sind.\nAm besten wurden die letzteren gesungen, die denn auch mit Recht\nin Bezug auf Composition und Vortrag grossen Beifall erhielten.\nDie Ausführung der herrlichen yi-c/wr-Sinfonie von Beethoven war\neine der besten Leibtungen des hiesigen Concert-Orchesters, die wir\nje gehört haben. Sowohl der Dirigent als sämmtliche Mitwirkende\nschienen mit besonderer Liebe und Freude sich dem überwältigenden\nGeiste hinzugeben, der in dieser wunderbaren Schöpfung des unsterb-\nlichen Meisters herrscht, und so musstc denn dieser Geist, s o wie-\ndergegeben, auch die ganze Zuhörerschaft mit sich fortreissen zu\nlautem Applaus und zu inniger Befriedigung.\n-*-.-■ • * ~ . »\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nZffaisiz, 30. November. Viertes mittelrheinisches Mu-\nsikfest. Am 27. November versammelten sich die Delegirten der\nvier verbündeten Städte in unseren Mauern, um als Central-Ausschuss\ndas Programm zum vierten mittelrheinischen Musikfeste festzustellen\nund die Wahl des Dirigenten vorzunehmen. Die Sitzung begann\nNachmittags 3 Uhr im Locale der Liedertafel, und deren Resultat\nwar folgendes Programm: Erster Tag: 1) Fest-Ouveriure in C,\nOp. 124, von Beethoven; 2) Israel in Aegypten, Oratorium von\nHändel. Zweiter Tag: I. 1) Ouvertüre, Soli und Chor aus Alceste\nvon Gluck; 2) Kyrie von Palestrina; 3) Ave verum von Mozart 11.\n4) Sinfonie in C-moll von Beethoven; 5) Die erste Walpurgisnacht\nvon Mendelssohn-Bartholdy. Zum Dirigenten der beiden Tage\nwurde Herr Friedr. Marpurg, Musik-Director der mainzer Lie-\ndertafel, erwählt\nAm Abende desselben Tages versammelten sich der Damen-Ge-\nsangverein und die Liedertafel zu Ehren ihrer werthen Gäste im Lo-\ncale des Casino zur Feier des Cäcilien-Tages. Die Feier wurde durch\nein Concert eingeleitet, in welchem eine Hymne von Mendelssohn,\n„Das Paradies und die Peri1 (11. Theil) von Schumann und Phan-\ntasie für Pianoforte und Chor von Beethoven auf das vortrefflichste\nexecutirt wurde, woui die hehre Stimmung des Tages wesentlich\nbeigewirkt hat. Nach beendigtem Concerte begann im grossen Saale\ndas Abendessen, wozu die Herren Delegirten als Ehrengäste geladen,\nund welches die Herren Geheimer Regierungsrath Schmitt, Bürger-\nmeister Nack und die Notabilitäten unserer Stadt mit ihrer Gegen-\nwart beehrten. Es wechselten zwischen Reden und Musik die vor-\ntrefflichen Männerchöre, von denen namentlich ~Das Bild der Rose\"\nTon Reichard und Poculum elevatum von Dr. Arne die allgemeinste\nHeiterkeit erregten. Ein glänzender Ball beschloss die schöne Feier.\nAm 7. December ist C. Reinthaler's Oratorium Jephta zu\nBremen in der Domkirche mit grossem Glänze aufgeführt worden.\nHerr DuMont-Fier von Köln sang die Haupt-Partie.\nDas Universal-Lexikon der Tonkunst, angefangen von Dr. Julius\nSchladebach, fortgesetzt von Eduard Bernsdorf, hat die Verlagshand-\nlung Joh. Andre in Offenbach an sich gebracht. Dasselbe wird\nganz in der seitherigen Weise in Lieferungen von 5 Druckbogen\ngross Lexikon-Format, in gefälligem, deutlich lesbarem Druck auf\nBchönezn, weissem, festem' Papier, jede Lieferung in farbigem Um-\nschlag geheftet, forterscheinen, und werden sich Verfasser wie Ver-\nleger bemühen, die diesem Werke bis jetzt in so hohem Grade be-\nwiesene Theilnahme auch ferner zu erhalten, indem sie sich auf das\nVorwort im ersten Hefte beziehen und allen dort ausgesprochenen\nZusicherungen nachkommen werden.\nIn dem zweiten Concerte, das Frau Schumann in Pesth ver-\nanstaltet, spielt die geschätzte Künstlerin „Tänze im bengalischen\nStil\" von Johannes Brahms. Was ist das für ein Stil???"}]}