{"numero_id": "bm-bmtnabi-1858-12-18-01", "volume": "bmtnabi_1858-12-18_01", "ocr_sha256": "3842f148e438170320ebcf0ece37efe35d7b64ffb24744c9847dfc953073b657", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1858/12/18_01/bmtnabi_1858-12-18_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581218-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1858-12-18-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-12-18_01#c001", "volume": "bmtnabi_1858-12-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "401", "page_fin": "401", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581218-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "401", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581218-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 459, "texte": "Inhalt.\nZur Frage der Orchester-Stimmung. Von A. Schindler. Die musicalische Winter-Saison in Holland (Amsterdam,\nHaag, Rotterdam). Von —f. Die Oper in Wien (Personal und Aufführungen der gegenwärtigen Saison). Uebersicht der Leistungen\ndes Theaters zu Frankfurt am Main vom 1. November 1857 bis 31. October 1858. Tages- und Unterhaltungsblatt (I£öln,\n11. Soiree für Kammermusik, Herr Servais Paderborn, Musik-Verein Weimar Frankfurt a. M. 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Da ist des Theoretisirens und Nach-\nweisens von Nothwendigkeit und Dringlichkeit einer Ab-\nhülfe kein Ende. Bedarf es wohl aber in unserer Sache\nsolcher Nachweise noch? Kaum glaublich. Lasst uns lieber,\nohne die Ergebnisse der vielköpfigen pariser Commission\nabzuwarten und uns von dort her dictiren zu lassen, den\nGegenstand ohne Säumen bei dem Orte anfassen, bei dem\ner eigentlich anzufassen ist, soll ein erwünschtes Besultat\ndabei herauskommen. Lasst uns denselben auf prakti-\nschem Wege abmachen, bevor er zu einer theoretischen\nEntscheidung gebracht ist, deren wir in Deutschland gar\nnicht mehr bedürfen.\nHat der Unterzeichnete bei der ersten (historischen)\nBesprechung dieses Punctum in diesen Blättern\n(Nr. 8 und 9, 1855) gesagt: „Abhülfe, wie einstens in\nFrankreich, ist von königlichen und fürstlichen Civillisten\nin Deutschland nicht zu erwarten\", so ist er nun doch der\nentschiedenen Meinung, dass die Initiative zur Abhülfe von\nden königlichen Opern-Instituten auszugehen habe. Wer\nanders aber als die Herren Hof-Capellmeister sind die der\nKunst und den resp. Instituten verpflichteten Wahr-\nnehmer aller dieselben betreffenden Interessen? Diese\nfactische Wahrheit zeigt den einzuschlagenden Weg. Die\nHerren Hof-Capellmeister in Berlin, Dresden, Hannover,\nMünchen und Wien verbünden sich zur Abänderung der\nOrchester-Stimmung, und nachdem sie sich über das Maass\nder Tonhöhe (140 oder 130 Schwingungen) verständigt,\nlässt jeder von ihnen die benöthigten Blas-Instrumente für\nseine Capelle anfertigen. Sollte der Kostenbetrag von dem\nAllerhöchsten Hofe nicht übernommen werden, so würde\ner durch zu veranstaltende Concerte aufgebracht werden\nmüssen. Den Künstlern darf nichts aufgebürdet werden,\nsie leiden schon durch Veränderung des Instruments; ein\noftmals erst nach jahrelanger Mühe willig gewordenes\nWerkzeug sollen sie zur Seite legen, ohne versichert zu\nsein, ob mit dem neuen zurecht zu kommen sein werde.\nIst der Anfang zur Verbesserung von dorther ins Werk\ngesetzt, so werden andere Städte bald nachfolgen. In dem\nwohlhabenden, aber auch musikreichen Köln, Hamburg,\nFrankfurt am Main, Prag u. s. w. wird es nur der Anre-\ngung bedürfen, und Musikfreunde werden die einigen Hun-\ndert Thaler der guten Sache zum Opfer bringen, oder öf-\nfentliche Concerte müssen auch da die Geldmittel herbei-\nschaffen. Wegen so kleiner Beträge wird es wohl nirgends\nnöthig sein, an die Pforten des Credit mobilier oder der\nDisconto-Banken anklopfen zu müssen. Die Musik wird ja\naller Orten (oft bis zum Missbrauch) zu wohlthätigen\nZwecken in Anspruch genommen: wie sollte dieses nicht\nin unserem Falle geschehen dürfen?\nWrird sonach der Weg der That eingeschlagen, so\nkann nach 3—4 Jahren das angestrebte Besultat erreicht\nsein. Legen noch die Herren Capellmeister die Geschäfts-\nführung und Controlirung der Fabricanten in die Hände\neines energischen, an der fraglichen Sache künstlerisch be-\ntheiligten Mannes —vielleicht des Herrn Wieprecht in\nBerlin —, so werden sie ausser der ersten Beschlussfas-\nsung weiter keine Mühewaltung haben.\nllathsam dürfte sein, das Tonmaass nur um Ton\nunter das jetzt bestehende herabzusetzen, was schon ein\nbedeutender Buck wäre. Dies wird aus Bücksicht auf die\nSaiten-Instrumente nothwendig, die ein noch tieferes Zu-\nrückgehen urplötzlich nicht ertragen, ohne sowohl an\nKlangfülle wie an Schönheit des Tones einzubüssen. Indess\nberuht dieser specielle Fragepunkt nur im Conventionellen,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "402", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581218-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1340, "texte": "in der Gewohnheit des Hörens und Tonfühlens. Jedes In-\nI\nstrument gewöhnt sich schon nach kurzer Zeit, oft nach\nwenig Tagen, an eine successive tiefer werdende Stim-\nmung und gewinnt alsbald an Klangfülle und Schönheit\ndes Tones, wenn ihm die entsprechende Besaitung gege-\nben wird. Bei der noch mässigen Tonhöhe im zweiten und\ndritten Jahrzehend hatte unter Anderen der königlich\nbaierische Kammer - Virtuose Rovelli eine Besaitung\nauf seiner Violine, wie man sie gegenwärtig auf der Viola\nsieht. Sie überbot noch die auf Rode's Violine an Stärke.\nSeiner Tonfülle war darum der denkbar grösste Concert-\nsaal nicht zu gross. Freilich würdigte sowohl dieser, wie\ndie anderen gleichzeitigen Meister der Violine die Königin\nunter den Instrumenten nicht zu Schnurrpfeifereien herab,\nwie die Mehrzahl der jetzigen, fälschlich betitelten „gros-\nsen Geigenkünstler\" thun. Jedoch eine stärkere Besaitung\ndürfte diesem Unfug bald ein Ende machen. Uebrigens\nerhole man sich Raths bei dem einstens grössten deutschen\nSänger und Dichter auf der Violine, bei Ludwig Spohr,\nwie weit das Zurückgehen im Tonmaasse in Bezug auf die\nVioline räthlich sei. Akustiker von Fach lasse man ja bei\nSeite, die werden euch die Dinge mit Zahlen so unter\neinander rühren, wie die modernen Kunst-Philosophen es\nmit verschrobenen Thesen zu machen verstehen.\n\nA Schindler."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-12-18-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-12-18_01#c003", "volume": "bmtnabi_1858-12-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "402", "page_fin": "403", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581218-01.2.3", "titre_corps": "Die musicalische Winter-Saison in Holland.", "titre_sommaire": "Die musicalische Winter-Saison in Holland.", "signature_source": "f", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "402", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581218-01.1.2", "debut_caractere": 1342, "fin_caractere_exclue": 5178, "texte": "Die musicalische Winter-Saison in Holland.\n\n[Amsterdam. General-Versammlung der niederländischen Gesell-\nschaft zur Beförderung der Tonkunst. 37. Concert des Vereins Ca-\ncilia.. Deutsche Oper. Haag. Neuntes Concert für den Orchester-\nPensionsfonds. Der Pianist Ernst Lübeck. Rotterdam. Auffüh-\nrung der Sing-Akademie. Erstes Concert Eruditio Musica ]\nMöchte es uns gelungen sein, während der vorigen\nrausicaiischen Saison dem Auslande ein einiger Maassen\nbefriedigendes Resultat unserer Musik-Zustände zu geben,\nso können wir diesmal nur anfangen mit dem aufrichtigen\nWunsche, in unserem folgenden Referate nichts oder we-\nnig Ungünstiges miltheilen zu müssen und immer von be-\ndeutender Kraftentwicklung unserer Musik-Vereine Zeug-\nniss ablegen zu können.\nZuerst wollen wir aus dem Jahresberichte unserer\nGesellschaft zur Beförderung der Tonkunst das We-\nsentliche mittheilen. Die 29. General-Versammlung dieser\nGesellschaft, am 12. October in Amsterdam gehalten, lie-\nlerte folgende Resultate: Der Verein zählt in 14 Städten\n1398 gewöhnliche Mitglieder, 85 Künstler als Mitglieder,\n132 Ehren-, 36 Correspondenz- und 41 Verdienst-Mit-\ngltedler im In- und Auslände, welche zusammen, Se. Ma-\njestät den König als aussergewöhnliches Ehren-Mitglied\nmitgerechnet, 1693 Mitglieder ausmachen.\nZu Ehren-Mitgliedern wurden ernannt die Herren\nGustav Flügel in Neuwied und Richard Wagner in\nZürich, und zum Correspondenz-Mitgliede Herr Karl\nReinthaler in Bremen. Von Preis-Compositionen wurden\ngeklönt drei Balladen lür eine Singstimme, componirt von\nFranz Coenen in Amsterdam.\nDie bedeutendsten Preisfragen für das nächste Jahr\nsind: 1 Chor-Sinfonie nach Anleitung des Gedichtes „Kai-\nser Karl V.\" von Dr. J. J. F. Wap; 2) Albrecht Beding,\ndramatische Composition für Chor, Barilon-Solo und Or-\nchester; 3) Symphonische Composition für Blas-Instru-\nmente. Dazu wurde beschlossen, im August 1859 ein all-\ngemeines Musikfest zu feiern. Das Fest wird Statt finden\nin Arnheim unu drei Tage dauern. Vorläufig können wir\nmittheilen, dass die musicalische Oberleitung Herrn Joh.\nJ. iL Verhülst übertragen ist und unter Anderem das Hän-\ndePsche Oratorium Samson zur Aufführung kommen wird.\nAm *2->. November fand im Stadttheater zu Amster-\ndam das 37. Concert des Pensionsfonds-Instiluts Cäcilia\nStatt. Dass die Aufführungen dieses Vereins die Gunst\nunseres Publicums im höchsten Grade besitzen, ist wohl\nals ein Fait accompli zu betrachten und wurde an diesem\nAbende durch ein gedrängt volles Haus abermals bestätigt.\nDas Programm lieferte Ausgewähltes, die Ausführung liess\nwie gewöhnlich sehr wenig zu wünschen übrig. Nimmt\nman Rücksicht auf die besonderen Verhältnisse dieses In-\nstituts, wobei keiner der mitwirkenden Künstler unmittel-\nbare Vortheile geniesst, im Gegentheil jedes Mitglied zu\nGeld-Beiträgen verpflichtet ist und den Trost hat, im rau-\nhen Winterwetter des Morgens um 8 Uhr zur Probe zu\ngehen, deren manchmal sechszehn für jede Aufführung\ngehalten werden, so wird man gezwungen, der Kunstliebe\ndieses Vereins desto höheren Werth beizulegen.\nZur Aufführung kamen: 1) Ouvertüre zu Anakreon\nvon Cherubini; 2) Sinfonie Nr. 5 (D-dur) von Mozart;\n3) Ouvertüre Op. 124 (Die Weihe des Hauses) von Beet-\nhoven; 4) Sinfonie „Ocean\" von Anton Rubinstein;\n5) Ouvertüre zur Oper Rienzi von R. Wagner. Im Tempo\nder Anakreon-Ouverture hätten wir ein wenig mehr Feuer\ngewünscht; dagegen aber machte das ruhige Tempo in\nder Beethoven'schen Ouvertüre eine wunderschöne Wir-\nkung und gab der Rubinstein'schen Sinfonie eine beson-\ndere Klarheit, wodurch der Contrast der verschiedenen\nlyrischen und dramatischen Elemente in diesem Werke\ndeutlicher verstanden wurde. Dass diese Sinfonie (hier zum\nersten Male aufgeführt) beim Publicum nicht sogleich Gnade\nfinden konnte, lässt sich wohl erklären, indem der\nTheil unseres Publicums sich mit der \"vfwsik'"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "403", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581218-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4059, "texte": "Malerei noch nicht befreunden kann. Wir, die wir das\nWerk zum zweiten Male hörten, bringen dem Componisten\ngern unsere Anerkennung für die vielen schönen Stellen\ndar, wo das ruhige, so wie das durch Stürme heftig be-\nwegte Meer in gut gelungener Weise geschildert wird;\njedoch glauben wir, dass derartige Gegenstände, wie\nOcean, Sturm u. s.w., für Grund-Ideen einer Sinfonie sehr\nwenig brauchbar-sind, und finden es daher bei solchen\nVorwürfen natürlich, wenn der Componist hin und wieder\ndie verlangte musicalische Reinheit und Klarheit aus dem\nAuge verliert. Für die vortreffliche und glänzende Ausfüh-\nrung dieses Werkes bringen wir dem Orchester und sei-\nnem talentvollen Direclor Herrn F. Bunte unseren Dank.\nDie mit feinster Nuancirung von den Violinen, Flöten und\nOboen ausgeführten Crescendo's und Diminuendo's, so wie\nder im vierten Satze von den Blech-Instrumenten gleich-\nsam gesungene Choral verdienen unsere besondere Aner-\nkennung. Die Rienzi-Ouverture wurde mit Enthusiasmus\nvom Publicum aufgenommen und nach einem fast nicht\nenden wollenden Applaus vom Orchester mit Gefälligkeit\nwiederholt.\nUnsere deutsche Oper darf sich wieder rühmen,\nim Besitze mehrerer bedeutenden Talente zu sein. Fräulein\n'osephine Weyringer ist ein Coloratur-Sopran, wie\nvir einen solchen in vielen Jahren nicht hörten. Diese\naotenswerthe Künstlerin vereinigt untadelhafte Technik\num vortreffliche Schule mit warmem Vortrage. Sie glänzte\nnauintlich in der Zauberllöte als Königin der Nacht und\nbracte die beiden höchst schwierigen Arien mit einer be-\nwunornswürdigen Leichtigkeit heraus. Ihr würdig zur\nSeite die Altistin Fräulein Anna Fobisch, eine eben\nso vorUfl'liche Sängerin als Darstellerin. Von den übrigen\nPersone. ragen hervor Herr Eghardt (Bariton), Herr\nBreuer und Fräulein Frey (Soubrette-Sopran;.\nIm Ganze ist, das Ensemble recht gut, und erfreuen wir\nins auch ties tüchtigen Chor-Personals. Schade nur, dass\nler erste lior, Herr Lorrain, durch mangelhaften Ge-\nang und Sjel der guten Wirkung des Ensembles in vie-\n■r Hinsicht \"intrag thut, wodurch bei unserem ohnehin\nJion viel feiernden Publicum eine Unzufriedenheit ent-\nSnden ist, dem financiellen Interesse der Theater-\nLection schau.\nIm Haagvurde dem Concert zum Besten des Or-\nchter-Pensionsnds ein ungewöhnlicher Glanz durch die\nuns-es Ciavier-Virtuosen und Landsmannes\nErit Lübeck i Theil. Herr Lübeck trat diesmal auf\nmit iem Concen eigener Composition. Wenn auch in\ndiese Concerte hi und wieder die Clavier-Partie mit der\n\\orhh eines Voosen für Octaven und dergleichen\nEffect^ssagen befndelt ist, so hat doch Herr Lübeck\n*\nals Componist auch Tüchtiges geliefert. Am besten sprach\nuns das Andante an, welches sich durch sinnreiche Be-\nhandlung des Orchesters der Clavier-Partie gegenüber aus-\nzeichnete. Der gefeierte Künstler hat sich während seines\nkurzen Besuches schon in mehreren Städten hören lassen\nund empfing dieser Tage vom Könige das Ritterkreuz des\nOrdens der Eichenkrone.\nIn Rotterdam gab am 12. November die Sing-Aka-\ndemie der Gesellschaft zur Beförderung der Tonkunst un-\nter Leitung des Herrn Joh. J. H. Verhülst eine kleine\nGesellschafts-Aufführung, welche angefangen wurde mit\nvier Compositionen alter italiänischer und niederländischer\nMeister: Madrigal von Palestrina, Ave Maria von Ar-\ncadelt, Regina Coeli von Orlando Lasso und Spirto\ndi Diovon Antonio Lotti. Am meisten sprachen die\nCompositionen von Palestrina, Arcadelt und Lotti an.\nUebrigens enthielt das Programm die Motette „Jesus,\nmeineFreude\" von Bach und „Des Staubes eitle Sorgen\"\nvonHaydn, vier geistliche Gesänge von Ver hü Ist, Hymne\nfür Sopran-Solo mit Chor von Mendelssohn und Ro-\nbert S ch um ann's Adventlied. Die Aufführung war, einige\nUnebenheiten in den Tenor- und Bass-Partieen abgerech-\nnet, recht gut; auch waren die oben genannten Partieen\nschwächer wie sonst besetzt.\nIm ersten Concerte Eruditio Musica wurde die Sin-\nfonie „Ocean\" von Rubinstein aufgeführt und machte\nFiasco, Herr Lübeck spielte sein Concert Symphonique,\nFräulein Josephine Weyringer erfreute uns durch ihren\nschönen Gesang.\n\nf."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-12-18-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-12-18_01#c004", "volume": "bmtnabi_1858-12-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "403", "page_fin": "406", "image_debut": 3, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581218-01.2.4", "titre_corps": "Die Oper in Wien.", "titre_sommaire": "Die Oper in Wien.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "403", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581218-01.1.3", "debut_caractere": 4061, "fin_caractere_exclue": 4979, "texte": "Die Oper in Wien.\nlieber das Ereigniss der Saison, die Aufführung von\nWagner's Lohengrin, hat die Niederrheinische Musik-Zei-\ntung bereits werthvolle Aufsätze gebracht. Haupt-Inhalt\nderselben war die Kritik des Werkes selbst. Ueber die\nDarstellung erlauben wir uns daher nur noch einige Worte.\nNächst Herrn Eckert, der die Aufführung durchge-\nsetzt und überwacht hat, gebührt Herrn Esser die grösste\nAnerkennung wegen des sorgfältigen Einstudirens und\nkräftigen und festen Dirigirens der Oper. Das Orchester\nhat sich endlich einmal ausgezeichnet; möge der neue An-\nlauf auf gute Bahnen führen! Hoffentlich wird auch Herr\nJ. Hellmesberger, jetzt als Anführer desselben ange-\nstellt, das Seinige dazu beitragen.\nDie Damen Meyer und Csillag, die Herren Ander,\nBeck und Ilrabaneck (ileerrufer) zeigten Fleiss und\nkünstlerische Hingebung. Herrn Schund's König Heinrich\nwar im Spiele zu sehr Sarastro und im Vortrage der Re-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "404", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581218-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5293, "texte": "citative nicht genügend. Herr Beck ist ein tüchtiger Tel-\nramund, dem die Undankbarkeit seiner Rolle zu Gut ge-\nhalten und die Deutlichkeit der Aussprache nachgerühmt\nwerden muss. Seinem Gesänge ist nur ein stellenweise\nwiederkehrendes Forciren der Stimme, seinem Spiele ein\nzu ungestümes Geberdenspiel und zweckloses Umherirren\nauf der Bühne vorzuwerfen. Etwas weniger correct in der\nAussprache, aber im Ganzen echt poetisch ist Herrn An-\nder's Lohengrin, und der treffliche Künstler hat mit die-\nser Rolle einen neuen Beweis seiner feinen, edlen Auffas-\nsungsgabe und seines Darstellungs-Talentes gegeben. Nicht\nnur, dass er, wie immer, in dem Charakter seiner Rolle\nvöllig aufging, er wusste sich auch vollkommen zu beherr-\nschen. Nicht nur, dass die Momente überströmenden Ge-\nfühls, leidenschaftlicher Aufwallung mit hinreissender dra-\nmatischer Kraft gegeben wurden, Herr Ander wusste diese\nAufwallung durch Würde und Klarheit zu mildern. Das\nUeberirdische im Wesen Lohengrin's ward auf diese Weise\nganz gut markirt und mit anerkennenswerther Consequenz\nfestgehalten. Die Partie der Ortrud, obwohl ein Gegen-\nstück zum Telramund, ist doch etwas sangbarer, als dieser,\nerfordert aber nebst einer umfangreichen, in allen Lagen\ngleich markvoll klingenden Stimme ein wahrhaft empfun-\ndenes, aus tiefstem Innerem hervorquellendes, mannigfaltig\nbewegtes Spiel, um durchgreifend zu wirken. Frau\nCsillag gibt sich redlich Mühe, alle dramatisch wichtigen\nUebergänge zu markiren. Ihr lebhaftes Mienenspiel ent-\nspricht zumeist ihren Intentionen, allein die Wortbetonung\nist fast durchaus zu undeutlich, und auch da, wo man die\nWorte versteht, zu kraft- und bedeutungslos, dazu ihrer\nStimme Klar.g zu grell vibrirend, ihr musicalischer Vortrag\nzu ungleich, zu schnell abspringend vom schneidenden\nForte zum tonlosen Piano, um einerseits dem musicalischen\nSinne, andererseits den dramatischen Anforderungen zu\ngenügen. Frau Meyer nennen wir zuletzt, aber wir\nstellen sie, der Trefflichkeit ihrer Leistung wegen, unbe-\ndingt oben an. Auch sie können wir nicht ganz ohne Rück-\nhalt loben, denn auch ihr mangelt die Deutlichkeit der\nAussprache, welche gerade hier von so grosser Wichtig-\nkeit ist. Allein dessen ungeachtet zählen wir diese Leistung\nzu dem Schönsten, was uns diese Bühne in den letzten\nJahren gebracht hat, sowohl in dramatischer Hinsicht,\ndurch ausdrucksvolle Mienen- und Geberdensprache, wie\nin musicalischer Hinsicht durch glockenreinen, musterhaft\ncorrecten und lief empfundenen Gesang. Es ist so ange-\nnehm, endlich einmal eine Sängerin wegen ihres Gesan-\ngesdoben zu können.\nIn der Lucrezia Borgia machte Fräulein Tietjens\nals Lucrezia einen wahrhaft wohllhuenden Eindruck. Wir\nsind weit entfernt, zu behaupten, die Lucrezia sei die beste\nPartie des Fräuleins Tietjens. Eben so wissen wir die\nMomente der Kraft und Leidenschaft, welche die Medori\nin dieser Rolle bietet, nach Gebühr zu schätzen. Bei allem\ndem aber finden wir es wohlthuend, die deutsche Lucrezia\nmit so schöner, reiner Stimme, mit Ton ohne Tremolo,\nmit correctem Ausdruck ohne Uebertreibung singen zu\nhören, wie diesmal. Auch gehört ein systematisch eigen-\nsinniges Beharren anf vorgefassten Meinungen dazu, um\nFräulein Tietjens kalt und theilnahmlos zu nennen. Im Ge-\ngentheil, wir fanden, dass die Künstlerin mit Ausnahme\neiniger kleinen Züge im Gespräche mit dem Herzog, welche\nzu leicht, beinahe im Conversationstone genommen wurden\nihre Lucrezia mit ganz richtigem Verständnisse aufge-\nfasst hatte und namentlich die Schlussscene mit wahrer\nEmpfindung wiederzugeben wusste. Die ganze Vorstellung\nging unter Herrn De Barbieri's Leitung recht gut\nzusammen.\nDie beiden neuen Operetten sollten eigentlich den\nZweck haben, die Ballet-Abende zu verkürzen, d. h. ein-\nzeln vor einem kurzen Ballet gegeben zu werden. Das Sujet\nzur „Alpenhütte\" ist in Wien bereits unter allen verschie-\ndenen Formen bekannt. In der Vorstadt gibt man es seif\nCarl's Zeiten unter dem Titel „d'Schwoagerin\", im Ifio-\nOperntheater gab man es noch unter Bai loch ino r»t\ndem Titel „Mary, Max und Michel\" von Blum, Musik on\nReuling, mit Fräulein Hellwig in der Hauptrolle,—und\neigentlich ist selbst das französische Stückchen nur eine\nBearbeitung von Göthe's „Jery und Bätely\", weichesunter\nAnderen schon Reichardt in Musik gesetzt ha' Der\ndankbare Stoff bewährte auch jetzt, im Verein mit-ler fri-\nschen, nur zuweilen zu unnöthigem Pathossich vcsteigen-\nden Musik von Adam seine alterprobte Wirk'igskraft.\nHerr Proch hat den Text gut übersetzt und\nsehr gut einsludirt, so dass Alles wie am Schmähen ging,\nHerr Mayerhofer singt und spielt den M( mit einer\nSauberkeit und einem Feuer, an dem sich'ele „erste1*\nBassisten ein Beispiel nehmen könnten.\nDas Mozart'sche Conglomerat, welchesMter dem Ti\ntel „Der Schauspiel-Director\" gegeben \\*'d, enthält\nwerthvollen Nummern eine hübsche Ouvture, das köf-\nliehe Bandl-Terzett und das Streit-Terze' Die zwei let-\ngenanntenNummern wurden von den l>nen Liebhait\nund Wildauer, den Herren Erl uwUölzel treffch\nvorgetragen, während die Ouvertüre v'el zu schne'm\nTempo gespielt wurde. In den einzeln Arien zeicfc'te\nsich Fräulein Liebhardt bestens aus. räulein\nhingegen vermochte es nicht, die Coloitur-Schwierig'ten\nzu bewältigen.\nAuch den September hindurchaaehte Lohenf* im-\nmer noch ein volles Haus."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "405", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581218-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5442, "texte": "In der „Stummen von Portici\" dirigirte Herr Eckert\nselbst. Die Vorstellung ging vortreff lich zusammen. Herr\nSieger, jetzt als Gast hier, wird hier und in der „Jüdin\"\nnicht leicht einen Nebenbuhler finden, während sein Her-\nnani, Edgard und Robert einzelne Schönheiten, aber auch\nFehler gegen guten Geschmack und Correctheit zeigen.\nWas die Fenella betrifft, so wäre es wohl endlich einmal\nZeit, dass unter allen unseren mehr oder minder graziösen\nTänzerinnen endlich eine Mimikerin entdeckt würde.\nFleiss und Schule fehlen in dieser Beziehung weit mehr als\nnatürliche Begabung. Denn es ist schlechterdings nicht an-\nzunehmen, d&ss sämmtliche junge und hübsche Mädchen,\nwelche sich der edlen Tanzkunst widmen, mit wächsernen\nGesichtern und steifen Armen geboren wurden. Von Natur\naus ist wohl mehr als Eine mit einer ausdrucksvollen Phy-\nsiognomie bedacht worden; allein das beständige Ueber-\ntünchen aller sichtbaren Körpertheile mit allen möglichen\nFarben, das stereotype Lächeln und die Erfahrung, dass\nein Blick ins Parterre oft (praktisch berechnet) mehr werth\nist, als die uneigennützigste Theilnahme an der Handlung\n—derlei Umstände und Uebelstände, welche der Lauf der\nBretterweit mit sich bringt, haben es dahin gebracht, dass\nman in unseren Balletten gänzlich darauf verzichten muss,\ndem natürlichen Ausdrucke eines menschlichen Gefühls,\nwelches auf die Handlung Bezug hätte, zu begegnen. In-\ndem wir diese Standrede gegen den Mangel an .Mimikern\nschliessen, können wir nicht läugnen, dass uns dabei die\nFenella des Fräuleins Ricci vorgeschwebt und in unserem\nGroll bestärkt hat. Im Ballet lässt man sich am Ende gar\nVieles gefallen, aber wenn in der „Stummen\" die Sänger\nmit dem redlichsten Eifer zusammenwirken, und der ob\n«eines Spiels so arg verketzerte Steger gerade den Masa-\nniello mit solchem Feuer und richtigem Verständnisse\nspielt, wie man es nicht bald von einein anderen Tenoristen\nsehen wird, und man neben ihm eine Fenella erblickt,\nwelche in den Momenten des fürchterlichsten Seelenkam-\npfes sich nur mit den Falten ihrer Röcke beschäftigt, oder\nmit unstäten Blicken Logen und Parterre mustert, da\nmöchten wir den Kritiker sehen, der es ehrlich meint mit\nder Kunst, und der bei solchem Anblick nicht aus der\nHaut fahren möchte.\nFräulein Prause gastirte in der Lucia, dann als Kö-\nnigin in den „Hugenotten\", als Martha und als Zerline.\nAus dem hiesigen Chorpersonale hervorgegangen, dann in\nganz kleinen Rollen verwandt, hat Fräulein Prause seitdem\ndie Stelle einer ersten Coloratursängerin in Brünn und in\nBraunschweig eingenommen. Das Timbre ihrer Stimme\nist von Natur aus weich und angenehm, hier und da ge-\nlingt ihr eine Passage, ihrem Vortrage liegt jede störende\nUnart fern. Aber es scheint der Sängerin fast alles zu feh-\nlen, was diesen Vortrag, was ihre ganze Leistung erst be-\nleben könnte, sowohl die technische Sicherheit zur brillan-\nten Ausführung der Passagen, was sich freilich noch er-\nwerben liesse, als auch die noch schwerer vermisste und\nnicht so leicht zu erringende Wärme in der Betonung der\nCantilene, in der dramatischen Durchführung der ganzen\nPartie, sowohl im heiteren wie im ernsten Genre. Zu con-\n-7 t\nventioneller Routine wird sich Fräulein Prause vielleicht,\nzu jener Wirksamkeit, welche nur allein das Talent gibt,\nschwerlich je erheben können.\nIm „Don Juan\" sang Herr Hardtmuth aus Braun-\nschweig die Titelrolle ohne Erfolg. Trotzdem möchten wir\nvon einem Engagement nicht abrathen. Herr Hardtmuth\nist im Besitze einer so angenehmen Stimme und zeigt so\ngute Anlagen zum einfachen, natürlichen Vortrage, dass\nes sich wohl der Mühe lohnen würde, zu versuchen, oh\nes dem Künstler in der hiesigen anregenden Theaterluft\nnicht gelingen könnte, seine guten Eigenschaften auszubil-\nden und zur selbstständig künstlerischen Wirksamkeit zu\ngelangen. Von Fräulein Prause erwartet dies wohl kaum\nirgend jemand, der ihre Zerline gesehen. Von den einhei-\nmischen Kräften sind Fräulein Tietjens, Frau Csillag,\nHerr Ander und Herr May er hofer mit Auszeichnung\nzu nennen, doch war die ganze V orstellung auffallend matt.\nDie Prosa ist noch immer nicht durch die Recitative er-\nsetzt worden, die Scenirung bleibt die alte. „Wann wird\nder Retter kommen dieser Oper?!\"\nIm October sahen wir „Carnevals-Abenteuer in Pa-\nris\" , Ballet, in Scene gesetzt von Herrn Borri. Der Haupt-\nCharakter desselben ist entschiedene Trivialität. Wir mei-\nnen damit nicht etwa ein possenhaftes Element in den Si-\ntuationen oder etwaige Grotesk-Tänze, sondern die Grund-\nlage des Ganzen, welche nichts mehr und nichts weniger\nist, als die „lebenswahre\" Schilderung der pariser Loret-\nten- und Atelier-Wirthschaft. Dabei ist die so genannte\nHandlung nicht erfindungsreicher zusammengestellt, als\nman es bei dieser Gattung dramatischer (?) Werke gewohnt\nist, und die alle Action üherllutenden Tänze sind zwar recht\nfrisch, lebendig, unterhaltend, zum Theil auch, in den\nBaliabiles, hübsch gezeichnet, aber alle vom Anfang bis\nzum Ende gehören sie zu einer Gattung, deren Einführung\nauf dieser Bühne uns nicht wenig in Erstaunen gesetzt hat.\nDass die edle Tanzkunst, wie wir sie durch eine Ta-\nglioni, Eisler, Grisi, Ceritto kennen gelernt, mit sol-\nchen Sprüngen nichts gemein hat, versteht sich von selbst.\nIndessen hat das in mancher Hinsicht so prüde wiener\nParterre, in welchem, wohlgemerkt, das schöne Geschlecht\ndie Majorität bildet, diese Tänze mit einem Jubel aufge-\nnommen, der uns die Waffen aus der Hand windet."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "406", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581218-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4780, "texte": "Das Gastspiel der schwedischen Sängerin Fräulein\nAndre, welches von der Reclame als ein bevorstehender\nGenuss seltener Art angekündigt worden war, ist nicht\nglücklich ausgefallen.\nUeber die Gesammt-Aufführung der „Zauberflöte\"\nkönnen wir nur unser altes Lied wiederholen. Die Auffas-\nsung des Ganzen, wie sie sich in den unserem Gefühle\nnach viel zu schnellen Zeitmaassen und in vielen Einzel-\nheiten, über die man nur so hinweghuscht, ausspricht,\nscheint uns eine unrichtige. Herr Ander allein, obwohl\ner,' nach seiner Gewohnheit, oder vielmehr nach seinem\nkünstlerischen Temperamente, den Tamino viel zu heroisch\ntind zu pathetisch aulfasst, ist mit ganzer Seele bei der\nSache und .singt und spielt mit Liebe und Aufmerksamkeit.\nAllen Anderen sieht man es an, dass sie sich nicht allein\nüber Sc.hikaneder's Textbuch lustig machen, sondern\nauch Mozart's Musik grösstentheils für „zopfig\" halten,\nund „das Zopfige, wenn es noch wirken soll, muss mög-\nlichst schnell heruntergemacht werden\" diesem\nGrundsatze huldigen Alle, von Herrn Esser angefangen\nbis auf den letzten Choristen. Die fromme Gläubigkeit\nan die Kraft dieser Musik, die volle Hingabe an\ndas Werk, das Herausfinden und Hervorheben der\ndarin enthaltenen Schönheiten fehlt ganz und gar.\nRossini's „Teil\" wird im Ganzen viel besser gege-\nben ais die „Zauberflöte\", nämlich bei Weitem mehr im\nGeiste und Stile des Tonsetzers. Hier sind die schnellen\nZeitmaasse fast überall gut angebracht, und wo sie es nicht\nsind, da ist man eher geneigt, der übertriebenen Schnellig-\nkeit nachzusehen, als bei einer Mozart'schen Oper. Das\nAllegro der Ouvertüre z. B. wurde, diesmal unter Herrn\nEckert's Leitung in wahrhaft rasendem Tempo, aber mit\nhinreissendem Feuer gespielt. Das Violoncell-Solo spielte\nHerr Schlesinger mit hübschem Ausdrucke. Die Chöre\nund Ensemblestücke gingen recht frisch von Statten. Die\nBesetzung der einzelnen Partieen war, mit Ausnahme der\nMathilde und des Gessler, tüchtig. Die erschütternde Klage\nArnold's bei der Nachricht von seines Vaters Tode wird\nvon Herrn Ander mit seelenvollem Ausdrucke wiederge-\ngeben, und der Vortrag der ariosen Stelle vor dem Apfel-\nschiessen: „0 Sohn, gedenke der Mutter!\" durch Herrn\nBeck ist in jeder Beziehung vollendet zu nennen.\nEine sehr hübsche, besonders animirte Vorstellung\nwar die der „Weissen Frau\". Herr Ander war gut bei\nStimme und bestens disponirt. Nur müssen wir uns ent-\nschieden gegen das gar schnelle Tempo der ersten Arie\naussprechen, wogegen wir die Ermässigung des Tempo's\nim Andante des Terzetts: „Ich kann es nicht verstehen\",\ndankbar anerkennen.\nIn der „Sicilianischen Vesper\" sang Herr Steger den\nNota in einer Weise, welche mit dem Werthe dieser Par-\ntie vollkommen übereinstimmt. Auch die übrigen Mitwirken-\nden, mit Ausnahme des Herrn Beck, zeichneten sich nicht\nbesonders aus. Warum bringt man aber auch dieses Mach-\nwerk wieder zur Darstellung? Es ist unbegreiflich von\neiner Direction, welche doch in so vielen Dingen einem\nbesseren Systeme zu huldigen scheint.\nIn den „Hugenotten\" fanden wir zu unserem Erstau-\nnen das Finale des zweiten Actes wieder in seiner ur-\nsprünglichen Gestalt, so wie auch, dass im dritten Acte die\nProcession, dann mehrere wichtige Recitative und endlich\nder Zank-Chor wieder einverleibt worden waren. Diese\nAenderungen regen in uns die schüchterne Hoffnung wie-\nder auf, dass sich Herr Proch vielleicht doch einmal her-\nbeilassen werde, die dem Soldaten-Chor angehängte mili-\ntärische Begleitung wieder wegzulassen. Fräulein Tiet-\njens als Valentine glänzt nicht allein durch ihre glocken-\nreine Stimme, sondern befriedigt in hohem Grade durch\ntadellos correcten, dabei sehr ausdrucksvollen Vortrag und\nwohldurchdachtes Spiel.\nAm-31. wurde Auber's „Ballnacht\" mit Frau Dust-\nmann-Meyer als Gräfin und Fräulein Sulzer als Adver-\nson wieder aufgenommen. Letztere befriedigte in stimmli-\ncher Beziehung weit mehr, als ihre unmittelbare Vorgän-\ngerin, während das Spiel und der Vortrag der Recitative\nso ziemlich auf gleicher Stufe der Mittelmässigkeit standen.\nFrau D u s t m a n n - M e y e r war, Einzel heiten ausgenommen,\nmit ihrer undankbaren Partie nicht besonders glücklich.\nNoch haben wir die Wiederaufnahme der „Königin\nvon Cypern\" und die Uebernahme der Fenella durch\nFräulein Cucchi (welche nach ihrer Vorgängerin kein\nschweres Spiel hatte und vergleichsweise auch leicht be-\nfriedigen konnte) zu verzeichnen, und schliessen diesen Be-\nricht mit der Bemerkung, dass das Repertoire dieses Mo-\nnats, dessen Grundlage das Cancan-Ballet, umgeben von\nder „Sicilianischen Vesper\" und der „Königin von Cypern\",\nbildete, und in welchem ausser einer Vorstellung des „Fi-\ndelio\" und einer verunglückten Aufführung der „Zauber-\nflöte\" die Classiker gar nicht vertreten waren, eben kein\nwürdiges genannt werden kann."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-12-18-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-12-18_01#c005", "volume": "bmtnabi_1858-12-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "406", "page_fin": "407", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581218-01.2.5", "titre_corps": "Uebersicht der Leistungen des Theaters zu Frankfurt am Main", "titre_sommaire": "Uebersicht der Leistungen des Theaters zu Frankfurt am Main", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "406", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581218-01.1.6", "debut_caractere": 4782, "fin_caractere_exclue": 5051, "texte": "Uebersicht der Leistungen des Theaters zu Frankfurt\nam Main\nvom 1. November 1857 bis 31. Oetober 1858.\n/ ✓\nUnter Leitung des Intendanten Herrn Rod. Benedix\nfanden in dem abgelaufenen Theaterjahre 3*27 Vorstellun-\ngen Statt. Davon gab zwei die Gesellschaft der französi-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "407", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581218-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1886, "texte": "sehen Zuaven, so dass die Gesellschaft des frankfurter\nTheaters mit eigenen Kräften 325 Vorstellungen lieferte\n(im vorigen Jahre 305).\nDavon waren 280 im Abonnement und ausser\ns\nAbonnement, so dass die Abonnenten 30 Vorstellungen\nmehr erhielten.\nIn diesen 325 Theater-Abenden wurden gegeben:\n120 verschiedene Stücke (im v. J. 118)\n49 „ Opern ( „ „ 51)\n18 „ Singspiele ( „ „ 6)\nzusammen also 187 verschiedene Stücke und Opern.\nIn den sämmüichen Vorstellungen wurden gegeben:\n133 Mal Opern,\n55 „ Singspiele,\n43 „ Tragödien,\n31 „ Schauspiele,\n144 „ Lustspiele.\nVon den Stücken wurden 18 zum ersten Male und\n15 neu einstudirt gegeben.\nVon den Opern und Singspielen wurden 7 zum ersten\nMale und 7 neu einstudirt gegeben: Don Pasquale (5 Mal),\nDer Trovatore (5 Mal), Weibertreue (von G. Schmidt, 3\nMal), Das Concert am Hofe (3 Mal), Der Unsichtbare (1\nMal), Der Actienbudiker (10 Mal), Tannhäuser-Parodie\nvon Nestroy und Binder (12 Mal) u. s. w.\nVon den Stücken und Singspielen waren 40 Ueber-\nsetzungen und 95 Werke folgender deutscher Autoren:\nAngely, Bauernfeld, Benedix, Ch. Birch-Pfeiffer, Blum,\nBrachvogel, Deinhardstein, Feldmann, Genee, Görner,\nGöthe, Gutzkow, Hallenstein, Halm, Hackländer, Hersch,\nllolbein, Holtei, Holm, IfTiand, Kalisch, Kleist, Kotzebue,\nLaube, Lebrun, Lederer, Lessing, Malsz, Maltitz, Nestroy,\nPlötz, Prinzess von Sachsen, Puttlitz, Räder, Raupach,\nSchiller, Schlegel, Scholz, Töpfer, Weissenthurn, Wilhelmi.\nVon den aufgeführten Opern waren\n22 von deutschen Componisten,\n12 „ französichen „\n15 „ italiänischen, und zwar von\nBeethoven 2, Flotow 3, Gluck 1, Kreutzer 3, Lortzing 9,\nMendelssohn 2, Meyerbeer 6, Mozart 15 (Don Juan, Ent-\nführung, Figaro, Titus, Zauberflöte), Schmidt 3, Spohr 3,\nWagner 4, Weber 6 Mal;\nAdam 6, Auber 14, Boieldieu 4, Gherubini 9 (Me-\ndea 7 Mal), Halevy 1, Mehul 3 Mal;\nBeliini 6, Donizetti 19, Rossini £j, Spontini 3, Verdi\n5 Mal."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-12-18-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-12-18_01#c006", "volume": "bmtnabi_1858-12-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "407", "page_fin": "408", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581218-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "C. 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Die Krone des Abends war die Ausführung des herrlichen\nAdagio in dem Mendelssohn'schen Quintett, wozu namentlich auch\nder schöne Vortrag der Violoncell-Partie durch Herrn B Breuer\nbeitrug. Herrn Musik-Director Franck einmal wieder zu hören\nwar ein willkommener Genuss ; dass er seine Partie, die besonders\nim letzten Satze ein' sehr sicheres und dabei feines Spiel verlangt,\nmit Meisterschaft vortrug, versteht sich von selbst. Gegen die Com-\nposition lässt sich Manches sagen; wie begeisternd würde es auf\nalle Zuhörer wirken, wenn einmal wieder auf Beethoven's erstes\nWerk zurückgegriffen und eines von den Trio's aus demselben mit\nvollendetem Vortrag wiedergegeben würde!\nIm nächsten Gesellschafts-Concerte am Dinstag den 21. d\nMts. werden wir den hohen Genuss haben, den berühmtesten Violon-\ncellisten der Gegenwart, Herrn Servais, zu hören.\n* Paclerborss. Auch bei uns besteht die Einrichtung eines\nMusik-Vereins als geschlossene Gesellschaft, wie in Munster. Der\nVerein hat in diesem Winter bereits drei Concerte gegeben. Im letz-\nten (den 10. d. Mts.) hörten wir die Sinfonie in Es-dur von Haydn\nund die Ouvertüre Nr. 3 in C-durvon Niels Gade; vom Ge-\nsammtelior Haydn's Cantate: „Des Staubes eitle Sorgen\" vom\nMännerchor unter Anderen das Waldlied mit Begleitung von vier\nHörnern und Posaune aus B. Schumann's „Der Kose Pilgerfahrt\",\neinige Sologesänge für Tenor und eine Elegie für die Trompete von\nC. Volweiler Einige Tage vorher liess sich hier eine Sopran-\nsängerin, Fräulein Bernardine Biermann, mit Beifall hören.\nWeimar« Richard Wagner hat kürzlich von dem Grossherzog\nvon Weimar die schmeichelhafte Einladung erhalten, seinen Opern-\nCyklus, „Der Ring der Nibelungen\", zur Aufführung zu bringen,\nund es ist ihm diesfalls die Erbauung eines eigenen Theaters, so wie\ndie Aufbringung der eminentesten Gesangeskräfte zugesichert worden.\n(Münch. Theater-Album.)\nFraifthfürl st. J?l. Unter den zahlreichen Concerten, weicht\nsich in unserem benachbarten und kunstgebildeten Hanau in neuester\nZeit die Hände reichen, erwähne ich besonders ein zu Ende Novem-\nbers gegebenes, weil es mir Gelegenheit gibt, ein junges Talent in\ndie Oeffentlichkeit einzuführen. Wir haben es hier mit der 16 17-\njährigen Tochter eines in Hanau allgemein geschätzten Bürgers zu\nthun, welche, in Stuttgart herangebildet, nun in ihre Vaterstadt zu-\nrückgekehrt, bereits in zwei Concerten mit allgemeinem Beifalle auf-\ngetreten ist. Was Fräulein Louise Krug, so heisst unsere junge\nMuse, besonders auezeichnet, ist ihr äusserst netter, perlender, aber,\nwo es gilt, auch rapider Anschlag, welches wohl als die technische\nGrundlage aller Virtuosität gelten kann; dabei aber entwickelt sie\neine Freiheit und Intelligenz des Ausdrucks, welche weit über ihre\nJahre gehen. Ein tieferes Erfassen classischer Compositionen, welche\nsie immer vorzieht, kann erst mit der genaueren Bekanntschaft un-\nserer musicalischen Grössen und überhaupt mit dem Leben erlangt\nwerden. Genug, dass alles Material zu einer geistig potenzirten Pia-\nnistin bereit liegt und eine bedeutende Zukunft verspricht. Um mich"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "408", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581218-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4959, "texte": "zu überzeugen, ob das Mädchen auch so vielem Lobe entspräche,\nbin ich hinüber gefahren, und muss gestehen, dass sie meine Erwar-\ntung weit übertroffen hat; und als ich ihr am folgenden Morgen\nmeinen Besuch abstattete, zeigte sie mir mit kindlicher Herzens-\nfreude ihr Album, welches sehr schätzbare Zeugnisse von Franz\nLiszt (der sie in Weimar gehört) und von anderen Koryphäen der\nTonkunst enthält. Dieses zu einer grösseren Kenntniss zu bringen,\nhalte ich für meine Pflicht, und bitte somit die löbliche Redaction\ndieser Blätter, durch Aufnahme dieses Artikels das Ihrige zur Er-\nmunterung eines so bedeutenden Talentes beitragen zu wollen.\nWajftlifui»t a* M. Von dem engeren Ausschusse des Theater-\nComite's ist Herr Vollmer zum Ober-Regisseur unseres Stadtthea-\nters ernannt und wird mit dem Präsidenten des Ausschusses, Herrn\nDr. v. Guaita, und dem Herrn Capellmeister Schmid die artisti-\nsche Leitung des ganzen Instituts übernehmen.\n** Im vierten Abonnements-Concerte im Saale\nder Harmonie hörten wir von Orchesterwerken Beethoven s A-\ndwr-Sinfonie und die Ouvertüre von Meyer beer zum Trauerspiel\n„Struensee\". Zwei Damen, die von Leipzig herüber gekommen waren\nverschönerten den Abend durch ihre bedeutenden Kunstleistungen,\nFräul. Cath. Deutz aus Köln und Fräul Maria Mösner aus\nMünchen. Fräulein Deutz riss durch den Vortrag der Concert-Arie\nvon Mendelssohn und zweier Lieder zu stürmischem Beifall hin; sie\nwurde zwei Mal gerufen und gab darauf noch ein Lied zu. Dem\nVernehmen nach hat sie das Engagement für ein zweites Auftreten\nbei uns angenommen. Fräulein Mösner entzückte durch eine sel-\ntene Virtuosität auf der Harfe; sie trug zwei Concertstücke von Pa-\nrish Alvars: Phantasie über englische Volkslieder und ~La Mando-\nlincu ganz reizend und mit vollendeter Meisterschaft vor. In der\nOuvertüre zu Struensee hatte sie mit Freundlichkeit ebenfalls die\nHarfen-Partie übernommen. Das Publicum zeichnete die vorzügliche\nKünstlerin durch rauschenden Beifall und Hervorruf aus.\n3f£i sielte »1, 26. November. Das von Alfred Ja eil im Mu-\nseum am 24. d. Mts. gegebene Concert hat ein zahlreiches und äus-\nserst glänzendes Publicum versammelt. Das vortreffliche Spiel dieses\nKünstlers, der in der Wahl der Compositionen eine seltene Vielsei-\ntigkeit bewährt, riss sämmtliche Zuhörer nach jeder ausgeführten\nNummer zu stürmischem Beifall hin. Unter diesen sind besonders\nhervorzuheben Quintett, das wir hier noch nie so voll-\nendet vortragen hörten, und Beethoven's G-dar-Sonate für Pianoforte\nund Violine, bei welcher wir Gelegenheit hatten, des Künstlers so-\nlide Auffassung classischer Compositionen zu bewundern, eine seltene\nEigenschaft bei Virtuosen Durch den poesievollen Vortrag der Ber-\nceuse und des Scherzo von Choquin, so wie eigener effectvoller Com-\npositionen hatte der Concertgeber Gelegenheit, seine eminente Bra-\nvour, Kraft und Eleganz darzulegen, die ihn in die Reihe der ersten\nPianisten der Gegenwart stellen. Schliesslich erwähnen wir der gut\ngewählten und seelenvoll vorgetragenen Lieder des Herrn Grill.\nWien. Die „Monatschrift für Theater und Musik\",\nwelche mit dem eben ausgegebenen December-Hefte ihren vierten\nJahrgang beschlossen hat, wird von Neujahr an als Wochen-\nschrift unter dem Titel; „Recensionen und Mittheilun-\ngen über Theater und Musik\", jeden Mittwoch erscheinen.\nDas erste Concert der Frau Clara Wieck-Schumann am 5.\nDecember in den Abendstunden fand vor einer sehr zahlreichen,\ngewählten Zuhörerschaft Statt. Die Künstlerin spielte: 1) Sonata\nquasi una fantasia (Op. 27, Es-dur) von Beethoven; 2) drei Ton-\nstücke von Robert Schumann: a. Novelette (Op. 21), b. Canon aus\nden Stücken für Pcdalflügel (Op. 56), c. Romanze (Op. 32); 3) Not-\nturno und Scherzo (H-moll) von Chopin und 4) Rondo Capriccios#\n(Op. 14) von Mendelssohn, insgesammt für Pianoforte allein, Ueber\ndie Virtuosität der berühmten Pianistin herrscht nur Eine Stimme,\nman kann sie geistig und technisch vollendet nennen. Am meisten\nErfolg hatte ihr wahrhaft durchsichtiger, in die Eigenthüinlichkeifc\ndes poetischen Tonstückes tief eingedrungener Vortrag des Chopin1«\nsehen Notturno und des köstlichen Mendelssohn'scben Rondo ca-\npriccioso. Die drei Kleinigkeiten von Schumann sind sinnvolle Ton-\nbilder ohne hervorragende Bedeutung, deren meisterhafter Vortrag\nlebhaften Beifall hervorrief Auch die Sonate von Berf wurde\nvon ihr mit eingehendem Verständnisse in das schöne Vferk gespielt,\nmit jener unvergleichlichen Klarheit und jenem feinen Maasse, das\nalle Vorträge dieser seltenen Künstlerin auszeichnet.\nMailaeid* Aus Anlass der durch die Flucht der Pächter des\nScala-Theaters hervorgerufenen Störungen sind die Proben eingestellt\nworden, und es ist noch ungewiss, ob es zur Aufführung der neuen\nOper von Petrocini kommen werde. Im Teatro S. Radegonda\nwurde zur Einnahme des Buffo Fioravanti und des Baritons Altini\nDonizetti's „II Campanellou, ein komisches Spiel nach Art der Vau-\ndevilles, gegeben und gefiel ausserordentlich.\n\nC. G."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "401", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581218-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nZur Frage der Orchester-Stimmung. Von A. Schindler. Die musicalische Winter-Saison in Holland (Amsterdam,\nHaag, Rotterdam). Von —f. Die Oper in Wien (Personal und Aufführungen der gegenwärtigen Saison). Uebersicht der Leistungen\ndes Theaters zu Frankfurt am Main vom 1. November 1857 bis 31. October 1858. Tages- und Unterhaltungsblatt (I£öln,\n11. Soiree für Kammermusik, Herr Servais Paderborn, Musik-Verein Weimar Frankfurt a. M. Magdeburg München).\n\nZur Frage der Orchester-Stimmung.\n\nDiese wichtige Angelegenheit beginnt nachgerade, seit\nsie auch in Frankreich in Anregung gebracht ist, in das\nStadium der Artikelschreiberei auszuarten, um, wenn recht\nviel darüber hin und her geredet worden, wieder\nquo zu verbleiben, wie dies der Verlauf der Dinge so häu-\nfig zeigt, sobald sie die Gesammtheit der 38 deutschen\nVaterländer betreffen. Da ist des Theoretisirens und Nach-\nweisens von Nothwendigkeit und Dringlichkeit einer Ab-\nhülfe kein Ende. Bedarf es wohl aber in unserer Sache\nsolcher Nachweise noch? Kaum glaublich. Lasst uns lieber,\nohne die Ergebnisse der vielköpfigen pariser Commission\nabzuwarten und uns von dort her dictiren zu lassen, den\nGegenstand ohne Säumen bei dem Orte anfassen, bei dem\ner eigentlich anzufassen ist, soll ein erwünschtes Besultat\ndabei herauskommen. Lasst uns denselben auf prakti-\nschem Wege abmachen, bevor er zu einer theoretischen\nEntscheidung gebracht ist, deren wir in Deutschland gar\nnicht mehr bedürfen.\nHat der Unterzeichnete bei der ersten (historischen)\nBesprechung dieses Punctum in diesen Blättern\n(Nr. 8 und 9, 1855) gesagt: „Abhülfe, wie einstens in\nFrankreich, ist von königlichen und fürstlichen Civillisten\nin Deutschland nicht zu erwarten\", so ist er nun doch der\nentschiedenen Meinung, dass die Initiative zur Abhülfe von\nden königlichen Opern-Instituten auszugehen habe. Wer\nanders aber als die Herren Hof-Capellmeister sind die der\nKunst und den resp. Instituten verpflichteten Wahr-\nnehmer aller dieselben betreffenden Interessen? Diese\nfactische Wahrheit zeigt den einzuschlagenden Weg. Die\nHerren Hof-Capellmeister in Berlin, Dresden, Hannover,\nMünchen und Wien verbünden sich zur Abänderung der\nOrchester-Stimmung, und nachdem sie sich über das Maass\nder Tonhöhe (140 oder 130 Schwingungen) verständigt,\nlässt jeder von ihnen die benöthigten Blas-Instrumente für\nseine Capelle anfertigen. Sollte der Kostenbetrag von dem\nAllerhöchsten Hofe nicht übernommen werden, so würde\ner durch zu veranstaltende Concerte aufgebracht werden\nmüssen. Den Künstlern darf nichts aufgebürdet werden,\nsie leiden schon durch Veränderung des Instruments; ein\noftmals erst nach jahrelanger Mühe willig gewordenes\nWerkzeug sollen sie zur Seite legen, ohne versichert zu\nsein, ob mit dem neuen zurecht zu kommen sein werde.\nIst der Anfang zur Verbesserung von dorther ins Werk\ngesetzt, so werden andere Städte bald nachfolgen. In dem\nwohlhabenden, aber auch musikreichen Köln, Hamburg,\nFrankfurt am Main, Prag u. s. w. wird es nur der Anre-\ngung bedürfen, und Musikfreunde werden die einigen Hun-\ndert Thaler der guten Sache zum Opfer bringen, oder öf-\nfentliche Concerte müssen auch da die Geldmittel herbei-\nschaffen. Wegen so kleiner Beträge wird es wohl nirgends\nnöthig sein, an die Pforten des Credit mobilier oder der\nDisconto-Banken anklopfen zu müssen. Die Musik wird ja\naller Orten (oft bis zum Missbrauch) zu wohlthätigen\nZwecken in Anspruch genommen: wie sollte dieses nicht\nin unserem Falle geschehen dürfen?\nWrird sonach der Weg der That eingeschlagen, so\nkann nach 3—4 Jahren das angestrebte Besultat erreicht\nsein. Legen noch die Herren Capellmeister die Geschäfts-\nführung und Controlirung der Fabricanten in die Hände\neines energischen, an der fraglichen Sache künstlerisch be-\ntheiligten Mannes —vielleicht des Herrn Wieprecht in\nBerlin —, so werden sie ausser der ersten Beschlussfas-\nsung weiter keine Mühewaltung haben.\nllathsam dürfte sein, das Tonmaass nur um Ton\nunter das jetzt bestehende herabzusetzen, was schon ein\nbedeutender Buck wäre. Dies wird aus Bücksicht auf die\nSaiten-Instrumente nothwendig, die ein noch tieferes Zu-\nrückgehen urplötzlich nicht ertragen, ohne sowohl an\nKlangfülle wie an Schönheit des Tones einzubüssen. Indess\nberuht dieser specielle Fragepunkt nur im Conventionellen,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "402", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581218-01.1.2", "texte": "in der Gewohnheit des Hörens und Tonfühlens. Jedes In-\nI\nstrument gewöhnt sich schon nach kurzer Zeit, oft nach\nwenig Tagen, an eine successive tiefer werdende Stim-\nmung und gewinnt alsbald an Klangfülle und Schönheit\ndes Tones, wenn ihm die entsprechende Besaitung gege-\nben wird. Bei der noch mässigen Tonhöhe im zweiten und\ndritten Jahrzehend hatte unter Anderen der königlich\nbaierische Kammer - Virtuose Rovelli eine Besaitung\nauf seiner Violine, wie man sie gegenwärtig auf der Viola\nsieht. Sie überbot noch die auf Rode's Violine an Stärke.\nSeiner Tonfülle war darum der denkbar grösste Concert-\nsaal nicht zu gross. Freilich würdigte sowohl dieser, wie\ndie anderen gleichzeitigen Meister der Violine die Königin\nunter den Instrumenten nicht zu Schnurrpfeifereien herab,\nwie die Mehrzahl der jetzigen, fälschlich betitelten „gros-\nsen Geigenkünstler\" thun. Jedoch eine stärkere Besaitung\ndürfte diesem Unfug bald ein Ende machen. Uebrigens\nerhole man sich Raths bei dem einstens grössten deutschen\nSänger und Dichter auf der Violine, bei Ludwig Spohr,\nwie weit das Zurückgehen im Tonmaasse in Bezug auf die\nVioline räthlich sei. Akustiker von Fach lasse man ja bei\nSeite, die werden euch die Dinge mit Zahlen so unter\neinander rühren, wie die modernen Kunst-Philosophen es\nmit verschrobenen Thesen zu machen verstehen.\n\nA Schindler.\n\nDie musicalische Winter-Saison in Holland.\n\n[Amsterdam. General-Versammlung der niederländischen Gesell-\nschaft zur Beförderung der Tonkunst. 37. Concert des Vereins Ca-\ncilia.. Deutsche Oper. Haag. Neuntes Concert für den Orchester-\nPensionsfonds. Der Pianist Ernst Lübeck. Rotterdam. Auffüh-\nrung der Sing-Akademie. Erstes Concert Eruditio Musica ]\nMöchte es uns gelungen sein, während der vorigen\nrausicaiischen Saison dem Auslande ein einiger Maassen\nbefriedigendes Resultat unserer Musik-Zustände zu geben,\nso können wir diesmal nur anfangen mit dem aufrichtigen\nWunsche, in unserem folgenden Referate nichts oder we-\nnig Ungünstiges miltheilen zu müssen und immer von be-\ndeutender Kraftentwicklung unserer Musik-Vereine Zeug-\nniss ablegen zu können.\nZuerst wollen wir aus dem Jahresberichte unserer\nGesellschaft zur Beförderung der Tonkunst das We-\nsentliche mittheilen. Die 29. General-Versammlung dieser\nGesellschaft, am 12. October in Amsterdam gehalten, lie-\nlerte folgende Resultate: Der Verein zählt in 14 Städten\n1398 gewöhnliche Mitglieder, 85 Künstler als Mitglieder,\n132 Ehren-, 36 Correspondenz- und 41 Verdienst-Mit-\ngltedler im In- und Auslände, welche zusammen, Se. Ma-\njestät den König als aussergewöhnliches Ehren-Mitglied\nmitgerechnet, 1693 Mitglieder ausmachen.\nZu Ehren-Mitgliedern wurden ernannt die Herren\nGustav Flügel in Neuwied und Richard Wagner in\nZürich, und zum Correspondenz-Mitgliede Herr Karl\nReinthaler in Bremen. Von Preis-Compositionen wurden\ngeklönt drei Balladen lür eine Singstimme, componirt von\nFranz Coenen in Amsterdam.\nDie bedeutendsten Preisfragen für das nächste Jahr\nsind: 1 Chor-Sinfonie nach Anleitung des Gedichtes „Kai-\nser Karl V.\" von Dr. J. J. F. Wap; 2) Albrecht Beding,\ndramatische Composition für Chor, Barilon-Solo und Or-\nchester; 3) Symphonische Composition für Blas-Instru-\nmente. Dazu wurde beschlossen, im August 1859 ein all-\ngemeines Musikfest zu feiern. Das Fest wird Statt finden\nin Arnheim unu drei Tage dauern. Vorläufig können wir\nmittheilen, dass die musicalische Oberleitung Herrn Joh.\nJ. iL Verhülst übertragen ist und unter Anderem das Hän-\ndePsche Oratorium Samson zur Aufführung kommen wird.\nAm *2->. November fand im Stadttheater zu Amster-\ndam das 37. Concert des Pensionsfonds-Instiluts Cäcilia\nStatt. Dass die Aufführungen dieses Vereins die Gunst\nunseres Publicums im höchsten Grade besitzen, ist wohl\nals ein Fait accompli zu betrachten und wurde an diesem\nAbende durch ein gedrängt volles Haus abermals bestätigt.\nDas Programm lieferte Ausgewähltes, die Ausführung liess\nwie gewöhnlich sehr wenig zu wünschen übrig. Nimmt\nman Rücksicht auf die besonderen Verhältnisse dieses In-\nstituts, wobei keiner der mitwirkenden Künstler unmittel-\nbare Vortheile geniesst, im Gegentheil jedes Mitglied zu\nGeld-Beiträgen verpflichtet ist und den Trost hat, im rau-\nhen Winterwetter des Morgens um 8 Uhr zur Probe zu\ngehen, deren manchmal sechszehn für jede Aufführung\ngehalten werden, so wird man gezwungen, der Kunstliebe\ndieses Vereins desto höheren Werth beizulegen.\nZur Aufführung kamen: 1) Ouvertüre zu Anakreon\nvon Cherubini; 2) Sinfonie Nr. 5 (D-dur) von Mozart;\n3) Ouvertüre Op. 124 (Die Weihe des Hauses) von Beet-\nhoven; 4) Sinfonie „Ocean\" von Anton Rubinstein;\n5) Ouvertüre zur Oper Rienzi von R. Wagner. Im Tempo\nder Anakreon-Ouverture hätten wir ein wenig mehr Feuer\ngewünscht; dagegen aber machte das ruhige Tempo in\nder Beethoven'schen Ouvertüre eine wunderschöne Wir-\nkung und gab der Rubinstein'schen Sinfonie eine beson-\ndere Klarheit, wodurch der Contrast der verschiedenen\nlyrischen und dramatischen Elemente in diesem Werke\ndeutlicher verstanden wurde. Dass diese Sinfonie (hier zum\nersten Male aufgeführt) beim Publicum nicht sogleich Gnade\nfinden konnte, lässt sich wohl erklären, indem der\nTheil unseres Publicums sich mit der \"vfwsik'"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "403", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581218-01.1.3", "texte": "Malerei noch nicht befreunden kann. Wir, die wir das\nWerk zum zweiten Male hörten, bringen dem Componisten\ngern unsere Anerkennung für die vielen schönen Stellen\ndar, wo das ruhige, so wie das durch Stürme heftig be-\nwegte Meer in gut gelungener Weise geschildert wird;\njedoch glauben wir, dass derartige Gegenstände, wie\nOcean, Sturm u. s.w., für Grund-Ideen einer Sinfonie sehr\nwenig brauchbar-sind, und finden es daher bei solchen\nVorwürfen natürlich, wenn der Componist hin und wieder\ndie verlangte musicalische Reinheit und Klarheit aus dem\nAuge verliert. Für die vortreffliche und glänzende Ausfüh-\nrung dieses Werkes bringen wir dem Orchester und sei-\nnem talentvollen Direclor Herrn F. Bunte unseren Dank.\nDie mit feinster Nuancirung von den Violinen, Flöten und\nOboen ausgeführten Crescendo's und Diminuendo's, so wie\nder im vierten Satze von den Blech-Instrumenten gleich-\nsam gesungene Choral verdienen unsere besondere Aner-\nkennung. Die Rienzi-Ouverture wurde mit Enthusiasmus\nvom Publicum aufgenommen und nach einem fast nicht\nenden wollenden Applaus vom Orchester mit Gefälligkeit\nwiederholt.\nUnsere deutsche Oper darf sich wieder rühmen,\nim Besitze mehrerer bedeutenden Talente zu sein. Fräulein\n'osephine Weyringer ist ein Coloratur-Sopran, wie\nvir einen solchen in vielen Jahren nicht hörten. Diese\naotenswerthe Künstlerin vereinigt untadelhafte Technik\num vortreffliche Schule mit warmem Vortrage. Sie glänzte\nnauintlich in der Zauberllöte als Königin der Nacht und\nbracte die beiden höchst schwierigen Arien mit einer be-\nwunornswürdigen Leichtigkeit heraus. Ihr würdig zur\nSeite die Altistin Fräulein Anna Fobisch, eine eben\nso vorUfl'liche Sängerin als Darstellerin. Von den übrigen\nPersone. ragen hervor Herr Eghardt (Bariton), Herr\nBreuer und Fräulein Frey (Soubrette-Sopran;.\nIm Ganze ist, das Ensemble recht gut, und erfreuen wir\nins auch ties tüchtigen Chor-Personals. Schade nur, dass\nler erste lior, Herr Lorrain, durch mangelhaften Ge-\nang und Sjel der guten Wirkung des Ensembles in vie-\n■r Hinsicht \"intrag thut, wodurch bei unserem ohnehin\nJion viel feiernden Publicum eine Unzufriedenheit ent-\nSnden ist, dem financiellen Interesse der Theater-\nLection schau.\nIm Haagvurde dem Concert zum Besten des Or-\nchter-Pensionsnds ein ungewöhnlicher Glanz durch die\nuns-es Ciavier-Virtuosen und Landsmannes\nErit Lübeck i Theil. Herr Lübeck trat diesmal auf\nmit iem Concen eigener Composition. Wenn auch in\ndiese Concerte hi und wieder die Clavier-Partie mit der\n\\orhh eines Voosen für Octaven und dergleichen\nEffect^ssagen befndelt ist, so hat doch Herr Lübeck\n*\nals Componist auch Tüchtiges geliefert. Am besten sprach\nuns das Andante an, welches sich durch sinnreiche Be-\nhandlung des Orchesters der Clavier-Partie gegenüber aus-\nzeichnete. Der gefeierte Künstler hat sich während seines\nkurzen Besuches schon in mehreren Städten hören lassen\nund empfing dieser Tage vom Könige das Ritterkreuz des\nOrdens der Eichenkrone.\nIn Rotterdam gab am 12. November die Sing-Aka-\ndemie der Gesellschaft zur Beförderung der Tonkunst un-\nter Leitung des Herrn Joh. J. H. Verhülst eine kleine\nGesellschafts-Aufführung, welche angefangen wurde mit\nvier Compositionen alter italiänischer und niederländischer\nMeister: Madrigal von Palestrina, Ave Maria von Ar-\ncadelt, Regina Coeli von Orlando Lasso und Spirto\ndi Diovon Antonio Lotti. Am meisten sprachen die\nCompositionen von Palestrina, Arcadelt und Lotti an.\nUebrigens enthielt das Programm die Motette „Jesus,\nmeineFreude\" von Bach und „Des Staubes eitle Sorgen\"\nvonHaydn, vier geistliche Gesänge von Ver hü Ist, Hymne\nfür Sopran-Solo mit Chor von Mendelssohn und Ro-\nbert S ch um ann's Adventlied. Die Aufführung war, einige\nUnebenheiten in den Tenor- und Bass-Partieen abgerech-\nnet, recht gut; auch waren die oben genannten Partieen\nschwächer wie sonst besetzt.\nIm ersten Concerte Eruditio Musica wurde die Sin-\nfonie „Ocean\" von Rubinstein aufgeführt und machte\nFiasco, Herr Lübeck spielte sein Concert Symphonique,\nFräulein Josephine Weyringer erfreute uns durch ihren\nschönen Gesang.\n\nf.\n\nDie Oper in Wien.\nlieber das Ereigniss der Saison, die Aufführung von\nWagner's Lohengrin, hat die Niederrheinische Musik-Zei-\ntung bereits werthvolle Aufsätze gebracht. Haupt-Inhalt\nderselben war die Kritik des Werkes selbst. Ueber die\nDarstellung erlauben wir uns daher nur noch einige Worte.\nNächst Herrn Eckert, der die Aufführung durchge-\nsetzt und überwacht hat, gebührt Herrn Esser die grösste\nAnerkennung wegen des sorgfältigen Einstudirens und\nkräftigen und festen Dirigirens der Oper. Das Orchester\nhat sich endlich einmal ausgezeichnet; möge der neue An-\nlauf auf gute Bahnen führen! Hoffentlich wird auch Herr\nJ. Hellmesberger, jetzt als Anführer desselben ange-\nstellt, das Seinige dazu beitragen.\nDie Damen Meyer und Csillag, die Herren Ander,\nBeck und Ilrabaneck (ileerrufer) zeigten Fleiss und\nkünstlerische Hingebung. Herrn Schund's König Heinrich\nwar im Spiele zu sehr Sarastro und im Vortrage der Re-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "404", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581218-01.1.4", "texte": "citative nicht genügend. Herr Beck ist ein tüchtiger Tel-\nramund, dem die Undankbarkeit seiner Rolle zu Gut ge-\nhalten und die Deutlichkeit der Aussprache nachgerühmt\nwerden muss. Seinem Gesänge ist nur ein stellenweise\nwiederkehrendes Forciren der Stimme, seinem Spiele ein\nzu ungestümes Geberdenspiel und zweckloses Umherirren\nauf der Bühne vorzuwerfen. Etwas weniger correct in der\nAussprache, aber im Ganzen echt poetisch ist Herrn An-\nder's Lohengrin, und der treffliche Künstler hat mit die-\nser Rolle einen neuen Beweis seiner feinen, edlen Auffas-\nsungsgabe und seines Darstellungs-Talentes gegeben. Nicht\nnur, dass er, wie immer, in dem Charakter seiner Rolle\nvöllig aufging, er wusste sich auch vollkommen zu beherr-\nschen. Nicht nur, dass die Momente überströmenden Ge-\nfühls, leidenschaftlicher Aufwallung mit hinreissender dra-\nmatischer Kraft gegeben wurden, Herr Ander wusste diese\nAufwallung durch Würde und Klarheit zu mildern. Das\nUeberirdische im Wesen Lohengrin's ward auf diese Weise\nganz gut markirt und mit anerkennenswerther Consequenz\nfestgehalten. Die Partie der Ortrud, obwohl ein Gegen-\nstück zum Telramund, ist doch etwas sangbarer, als dieser,\nerfordert aber nebst einer umfangreichen, in allen Lagen\ngleich markvoll klingenden Stimme ein wahrhaft empfun-\ndenes, aus tiefstem Innerem hervorquellendes, mannigfaltig\nbewegtes Spiel, um durchgreifend zu wirken. Frau\nCsillag gibt sich redlich Mühe, alle dramatisch wichtigen\nUebergänge zu markiren. Ihr lebhaftes Mienenspiel ent-\nspricht zumeist ihren Intentionen, allein die Wortbetonung\nist fast durchaus zu undeutlich, und auch da, wo man die\nWorte versteht, zu kraft- und bedeutungslos, dazu ihrer\nStimme Klar.g zu grell vibrirend, ihr musicalischer Vortrag\nzu ungleich, zu schnell abspringend vom schneidenden\nForte zum tonlosen Piano, um einerseits dem musicalischen\nSinne, andererseits den dramatischen Anforderungen zu\ngenügen. Frau Meyer nennen wir zuletzt, aber wir\nstellen sie, der Trefflichkeit ihrer Leistung wegen, unbe-\ndingt oben an. Auch sie können wir nicht ganz ohne Rück-\nhalt loben, denn auch ihr mangelt die Deutlichkeit der\nAussprache, welche gerade hier von so grosser Wichtig-\nkeit ist. Allein dessen ungeachtet zählen wir diese Leistung\nzu dem Schönsten, was uns diese Bühne in den letzten\nJahren gebracht hat, sowohl in dramatischer Hinsicht,\ndurch ausdrucksvolle Mienen- und Geberdensprache, wie\nin musicalischer Hinsicht durch glockenreinen, musterhaft\ncorrecten und lief empfundenen Gesang. Es ist so ange-\nnehm, endlich einmal eine Sängerin wegen ihres Gesan-\ngesdoben zu können.\nIn der Lucrezia Borgia machte Fräulein Tietjens\nals Lucrezia einen wahrhaft wohllhuenden Eindruck. Wir\nsind weit entfernt, zu behaupten, die Lucrezia sei die beste\nPartie des Fräuleins Tietjens. Eben so wissen wir die\nMomente der Kraft und Leidenschaft, welche die Medori\nin dieser Rolle bietet, nach Gebühr zu schätzen. Bei allem\ndem aber finden wir es wohlthuend, die deutsche Lucrezia\nmit so schöner, reiner Stimme, mit Ton ohne Tremolo,\nmit correctem Ausdruck ohne Uebertreibung singen zu\nhören, wie diesmal. Auch gehört ein systematisch eigen-\nsinniges Beharren anf vorgefassten Meinungen dazu, um\nFräulein Tietjens kalt und theilnahmlos zu nennen. Im Ge-\ngentheil, wir fanden, dass die Künstlerin mit Ausnahme\neiniger kleinen Züge im Gespräche mit dem Herzog, welche\nzu leicht, beinahe im Conversationstone genommen wurden\nihre Lucrezia mit ganz richtigem Verständnisse aufge-\nfasst hatte und namentlich die Schlussscene mit wahrer\nEmpfindung wiederzugeben wusste. Die ganze Vorstellung\nging unter Herrn De Barbieri's Leitung recht gut\nzusammen.\nDie beiden neuen Operetten sollten eigentlich den\nZweck haben, die Ballet-Abende zu verkürzen, d. h. ein-\nzeln vor einem kurzen Ballet gegeben zu werden. Das Sujet\nzur „Alpenhütte\" ist in Wien bereits unter allen verschie-\ndenen Formen bekannt. In der Vorstadt gibt man es seif\nCarl's Zeiten unter dem Titel „d'Schwoagerin\", im Ifio-\nOperntheater gab man es noch unter Bai loch ino r»t\ndem Titel „Mary, Max und Michel\" von Blum, Musik on\nReuling, mit Fräulein Hellwig in der Hauptrolle,—und\neigentlich ist selbst das französische Stückchen nur eine\nBearbeitung von Göthe's „Jery und Bätely\", weichesunter\nAnderen schon Reichardt in Musik gesetzt ha' Der\ndankbare Stoff bewährte auch jetzt, im Verein mit-ler fri-\nschen, nur zuweilen zu unnöthigem Pathossich vcsteigen-\nden Musik von Adam seine alterprobte Wirk'igskraft.\nHerr Proch hat den Text gut übersetzt und\nsehr gut einsludirt, so dass Alles wie am Schmähen ging,\nHerr Mayerhofer singt und spielt den M( mit einer\nSauberkeit und einem Feuer, an dem sich'ele „erste1*\nBassisten ein Beispiel nehmen könnten.\nDas Mozart'sche Conglomerat, welchesMter dem Ti\ntel „Der Schauspiel-Director\" gegeben \\*'d, enthält\nwerthvollen Nummern eine hübsche Ouvture, das köf-\nliehe Bandl-Terzett und das Streit-Terze' Die zwei let-\ngenanntenNummern wurden von den l>nen Liebhait\nund Wildauer, den Herren Erl uwUölzel treffch\nvorgetragen, während die Ouvertüre v'el zu schne'm\nTempo gespielt wurde. In den einzeln Arien zeicfc'te\nsich Fräulein Liebhardt bestens aus. räulein\nhingegen vermochte es nicht, die Coloitur-Schwierig'ten\nzu bewältigen.\nAuch den September hindurchaaehte Lohenf* im-\nmer noch ein volles Haus."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "405", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581218-01.1.5", "texte": "In der „Stummen von Portici\" dirigirte Herr Eckert\nselbst. Die Vorstellung ging vortreff lich zusammen. Herr\nSieger, jetzt als Gast hier, wird hier und in der „Jüdin\"\nnicht leicht einen Nebenbuhler finden, während sein Her-\nnani, Edgard und Robert einzelne Schönheiten, aber auch\nFehler gegen guten Geschmack und Correctheit zeigen.\nWas die Fenella betrifft, so wäre es wohl endlich einmal\nZeit, dass unter allen unseren mehr oder minder graziösen\nTänzerinnen endlich eine Mimikerin entdeckt würde.\nFleiss und Schule fehlen in dieser Beziehung weit mehr als\nnatürliche Begabung. Denn es ist schlechterdings nicht an-\nzunehmen, d&ss sämmtliche junge und hübsche Mädchen,\nwelche sich der edlen Tanzkunst widmen, mit wächsernen\nGesichtern und steifen Armen geboren wurden. Von Natur\naus ist wohl mehr als Eine mit einer ausdrucksvollen Phy-\nsiognomie bedacht worden; allein das beständige Ueber-\ntünchen aller sichtbaren Körpertheile mit allen möglichen\nFarben, das stereotype Lächeln und die Erfahrung, dass\nein Blick ins Parterre oft (praktisch berechnet) mehr werth\nist, als die uneigennützigste Theilnahme an der Handlung\n—derlei Umstände und Uebelstände, welche der Lauf der\nBretterweit mit sich bringt, haben es dahin gebracht, dass\nman in unseren Balletten gänzlich darauf verzichten muss,\ndem natürlichen Ausdrucke eines menschlichen Gefühls,\nwelches auf die Handlung Bezug hätte, zu begegnen. In-\ndem wir diese Standrede gegen den Mangel an .Mimikern\nschliessen, können wir nicht läugnen, dass uns dabei die\nFenella des Fräuleins Ricci vorgeschwebt und in unserem\nGroll bestärkt hat. Im Ballet lässt man sich am Ende gar\nVieles gefallen, aber wenn in der „Stummen\" die Sänger\nmit dem redlichsten Eifer zusammenwirken, und der ob\n«eines Spiels so arg verketzerte Steger gerade den Masa-\nniello mit solchem Feuer und richtigem Verständnisse\nspielt, wie man es nicht bald von einein anderen Tenoristen\nsehen wird, und man neben ihm eine Fenella erblickt,\nwelche in den Momenten des fürchterlichsten Seelenkam-\npfes sich nur mit den Falten ihrer Röcke beschäftigt, oder\nmit unstäten Blicken Logen und Parterre mustert, da\nmöchten wir den Kritiker sehen, der es ehrlich meint mit\nder Kunst, und der bei solchem Anblick nicht aus der\nHaut fahren möchte.\nFräulein Prause gastirte in der Lucia, dann als Kö-\nnigin in den „Hugenotten\", als Martha und als Zerline.\nAus dem hiesigen Chorpersonale hervorgegangen, dann in\nganz kleinen Rollen verwandt, hat Fräulein Prause seitdem\ndie Stelle einer ersten Coloratursängerin in Brünn und in\nBraunschweig eingenommen. Das Timbre ihrer Stimme\nist von Natur aus weich und angenehm, hier und da ge-\nlingt ihr eine Passage, ihrem Vortrage liegt jede störende\nUnart fern. Aber es scheint der Sängerin fast alles zu feh-\nlen, was diesen Vortrag, was ihre ganze Leistung erst be-\nleben könnte, sowohl die technische Sicherheit zur brillan-\nten Ausführung der Passagen, was sich freilich noch er-\nwerben liesse, als auch die noch schwerer vermisste und\nnicht so leicht zu erringende Wärme in der Betonung der\nCantilene, in der dramatischen Durchführung der ganzen\nPartie, sowohl im heiteren wie im ernsten Genre. Zu con-\n-7 t\nventioneller Routine wird sich Fräulein Prause vielleicht,\nzu jener Wirksamkeit, welche nur allein das Talent gibt,\nschwerlich je erheben können.\nIm „Don Juan\" sang Herr Hardtmuth aus Braun-\nschweig die Titelrolle ohne Erfolg. Trotzdem möchten wir\nvon einem Engagement nicht abrathen. Herr Hardtmuth\nist im Besitze einer so angenehmen Stimme und zeigt so\ngute Anlagen zum einfachen, natürlichen Vortrage, dass\nes sich wohl der Mühe lohnen würde, zu versuchen, oh\nes dem Künstler in der hiesigen anregenden Theaterluft\nnicht gelingen könnte, seine guten Eigenschaften auszubil-\nden und zur selbstständig künstlerischen Wirksamkeit zu\ngelangen. Von Fräulein Prause erwartet dies wohl kaum\nirgend jemand, der ihre Zerline gesehen. Von den einhei-\nmischen Kräften sind Fräulein Tietjens, Frau Csillag,\nHerr Ander und Herr May er hofer mit Auszeichnung\nzu nennen, doch war die ganze V orstellung auffallend matt.\nDie Prosa ist noch immer nicht durch die Recitative er-\nsetzt worden, die Scenirung bleibt die alte. „Wann wird\nder Retter kommen dieser Oper?!\"\nIm October sahen wir „Carnevals-Abenteuer in Pa-\nris\" , Ballet, in Scene gesetzt von Herrn Borri. Der Haupt-\nCharakter desselben ist entschiedene Trivialität. Wir mei-\nnen damit nicht etwa ein possenhaftes Element in den Si-\ntuationen oder etwaige Grotesk-Tänze, sondern die Grund-\nlage des Ganzen, welche nichts mehr und nichts weniger\nist, als die „lebenswahre\" Schilderung der pariser Loret-\nten- und Atelier-Wirthschaft. Dabei ist die so genannte\nHandlung nicht erfindungsreicher zusammengestellt, als\nman es bei dieser Gattung dramatischer (?) Werke gewohnt\nist, und die alle Action üherllutenden Tänze sind zwar recht\nfrisch, lebendig, unterhaltend, zum Theil auch, in den\nBaliabiles, hübsch gezeichnet, aber alle vom Anfang bis\nzum Ende gehören sie zu einer Gattung, deren Einführung\nauf dieser Bühne uns nicht wenig in Erstaunen gesetzt hat.\nDass die edle Tanzkunst, wie wir sie durch eine Ta-\nglioni, Eisler, Grisi, Ceritto kennen gelernt, mit sol-\nchen Sprüngen nichts gemein hat, versteht sich von selbst.\nIndessen hat das in mancher Hinsicht so prüde wiener\nParterre, in welchem, wohlgemerkt, das schöne Geschlecht\ndie Majorität bildet, diese Tänze mit einem Jubel aufge-\nnommen, der uns die Waffen aus der Hand windet."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "406", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581218-01.1.6", "texte": "Das Gastspiel der schwedischen Sängerin Fräulein\nAndre, welches von der Reclame als ein bevorstehender\nGenuss seltener Art angekündigt worden war, ist nicht\nglücklich ausgefallen.\nUeber die Gesammt-Aufführung der „Zauberflöte\"\nkönnen wir nur unser altes Lied wiederholen. Die Auffas-\nsung des Ganzen, wie sie sich in den unserem Gefühle\nnach viel zu schnellen Zeitmaassen und in vielen Einzel-\nheiten, über die man nur so hinweghuscht, ausspricht,\nscheint uns eine unrichtige. Herr Ander allein, obwohl\ner,' nach seiner Gewohnheit, oder vielmehr nach seinem\nkünstlerischen Temperamente, den Tamino viel zu heroisch\ntind zu pathetisch aulfasst, ist mit ganzer Seele bei der\nSache und .singt und spielt mit Liebe und Aufmerksamkeit.\nAllen Anderen sieht man es an, dass sie sich nicht allein\nüber Sc.hikaneder's Textbuch lustig machen, sondern\nauch Mozart's Musik grösstentheils für „zopfig\" halten,\nund „das Zopfige, wenn es noch wirken soll, muss mög-\nlichst schnell heruntergemacht werden\" diesem\nGrundsatze huldigen Alle, von Herrn Esser angefangen\nbis auf den letzten Choristen. Die fromme Gläubigkeit\nan die Kraft dieser Musik, die volle Hingabe an\ndas Werk, das Herausfinden und Hervorheben der\ndarin enthaltenen Schönheiten fehlt ganz und gar.\nRossini's „Teil\" wird im Ganzen viel besser gege-\nben ais die „Zauberflöte\", nämlich bei Weitem mehr im\nGeiste und Stile des Tonsetzers. Hier sind die schnellen\nZeitmaasse fast überall gut angebracht, und wo sie es nicht\nsind, da ist man eher geneigt, der übertriebenen Schnellig-\nkeit nachzusehen, als bei einer Mozart'schen Oper. Das\nAllegro der Ouvertüre z. B. wurde, diesmal unter Herrn\nEckert's Leitung in wahrhaft rasendem Tempo, aber mit\nhinreissendem Feuer gespielt. Das Violoncell-Solo spielte\nHerr Schlesinger mit hübschem Ausdrucke. Die Chöre\nund Ensemblestücke gingen recht frisch von Statten. Die\nBesetzung der einzelnen Partieen war, mit Ausnahme der\nMathilde und des Gessler, tüchtig. Die erschütternde Klage\nArnold's bei der Nachricht von seines Vaters Tode wird\nvon Herrn Ander mit seelenvollem Ausdrucke wiederge-\ngeben, und der Vortrag der ariosen Stelle vor dem Apfel-\nschiessen: „0 Sohn, gedenke der Mutter!\" durch Herrn\nBeck ist in jeder Beziehung vollendet zu nennen.\nEine sehr hübsche, besonders animirte Vorstellung\nwar die der „Weissen Frau\". Herr Ander war gut bei\nStimme und bestens disponirt. Nur müssen wir uns ent-\nschieden gegen das gar schnelle Tempo der ersten Arie\naussprechen, wogegen wir die Ermässigung des Tempo's\nim Andante des Terzetts: „Ich kann es nicht verstehen\",\ndankbar anerkennen.\nIn der „Sicilianischen Vesper\" sang Herr Steger den\nNota in einer Weise, welche mit dem Werthe dieser Par-\ntie vollkommen übereinstimmt. Auch die übrigen Mitwirken-\nden, mit Ausnahme des Herrn Beck, zeichneten sich nicht\nbesonders aus. Warum bringt man aber auch dieses Mach-\nwerk wieder zur Darstellung? Es ist unbegreiflich von\neiner Direction, welche doch in so vielen Dingen einem\nbesseren Systeme zu huldigen scheint.\nIn den „Hugenotten\" fanden wir zu unserem Erstau-\nnen das Finale des zweiten Actes wieder in seiner ur-\nsprünglichen Gestalt, so wie auch, dass im dritten Acte die\nProcession, dann mehrere wichtige Recitative und endlich\nder Zank-Chor wieder einverleibt worden waren. Diese\nAenderungen regen in uns die schüchterne Hoffnung wie-\nder auf, dass sich Herr Proch vielleicht doch einmal her-\nbeilassen werde, die dem Soldaten-Chor angehängte mili-\ntärische Begleitung wieder wegzulassen. Fräulein Tiet-\njens als Valentine glänzt nicht allein durch ihre glocken-\nreine Stimme, sondern befriedigt in hohem Grade durch\ntadellos correcten, dabei sehr ausdrucksvollen Vortrag und\nwohldurchdachtes Spiel.\nAm-31. wurde Auber's „Ballnacht\" mit Frau Dust-\nmann-Meyer als Gräfin und Fräulein Sulzer als Adver-\nson wieder aufgenommen. Letztere befriedigte in stimmli-\ncher Beziehung weit mehr, als ihre unmittelbare Vorgän-\ngerin, während das Spiel und der Vortrag der Recitative\nso ziemlich auf gleicher Stufe der Mittelmässigkeit standen.\nFrau D u s t m a n n - M e y e r war, Einzel heiten ausgenommen,\nmit ihrer undankbaren Partie nicht besonders glücklich.\nNoch haben wir die Wiederaufnahme der „Königin\nvon Cypern\" und die Uebernahme der Fenella durch\nFräulein Cucchi (welche nach ihrer Vorgängerin kein\nschweres Spiel hatte und vergleichsweise auch leicht be-\nfriedigen konnte) zu verzeichnen, und schliessen diesen Be-\nricht mit der Bemerkung, dass das Repertoire dieses Mo-\nnats, dessen Grundlage das Cancan-Ballet, umgeben von\nder „Sicilianischen Vesper\" und der „Königin von Cypern\",\nbildete, und in welchem ausser einer Vorstellung des „Fi-\ndelio\" und einer verunglückten Aufführung der „Zauber-\nflöte\" die Classiker gar nicht vertreten waren, eben kein\nwürdiges genannt werden kann.\n\nUebersicht der Leistungen des Theaters zu Frankfurt\nam Main\nvom 1. November 1857 bis 31. Oetober 1858.\n/ ✓\nUnter Leitung des Intendanten Herrn Rod. Benedix\nfanden in dem abgelaufenen Theaterjahre 3*27 Vorstellun-\ngen Statt. Davon gab zwei die Gesellschaft der französi-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "407", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581218-01.1.7", "texte": "sehen Zuaven, so dass die Gesellschaft des frankfurter\nTheaters mit eigenen Kräften 325 Vorstellungen lieferte\n(im vorigen Jahre 305).\nDavon waren 280 im Abonnement und ausser\ns\nAbonnement, so dass die Abonnenten 30 Vorstellungen\nmehr erhielten.\nIn diesen 325 Theater-Abenden wurden gegeben:\n120 verschiedene Stücke (im v. J. 118)\n49 „ Opern ( „ „ 51)\n18 „ Singspiele ( „ „ 6)\nzusammen also 187 verschiedene Stücke und Opern.\nIn den sämmüichen Vorstellungen wurden gegeben:\n133 Mal Opern,\n55 „ Singspiele,\n43 „ Tragödien,\n31 „ Schauspiele,\n144 „ Lustspiele.\nVon den Stücken wurden 18 zum ersten Male und\n15 neu einstudirt gegeben.\nVon den Opern und Singspielen wurden 7 zum ersten\nMale und 7 neu einstudirt gegeben: Don Pasquale (5 Mal),\nDer Trovatore (5 Mal), Weibertreue (von G. Schmidt, 3\nMal), Das Concert am Hofe (3 Mal), Der Unsichtbare (1\nMal), Der Actienbudiker (10 Mal), Tannhäuser-Parodie\nvon Nestroy und Binder (12 Mal) u. s. w.\nVon den Stücken und Singspielen waren 40 Ueber-\nsetzungen und 95 Werke folgender deutscher Autoren:\nAngely, Bauernfeld, Benedix, Ch. Birch-Pfeiffer, Blum,\nBrachvogel, Deinhardstein, Feldmann, Genee, Görner,\nGöthe, Gutzkow, Hallenstein, Halm, Hackländer, Hersch,\nllolbein, Holtei, Holm, IfTiand, Kalisch, Kleist, Kotzebue,\nLaube, Lebrun, Lederer, Lessing, Malsz, Maltitz, Nestroy,\nPlötz, Prinzess von Sachsen, Puttlitz, Räder, Raupach,\nSchiller, Schlegel, Scholz, Töpfer, Weissenthurn, Wilhelmi.\nVon den aufgeführten Opern waren\n22 von deutschen Componisten,\n12 „ französichen „\n15 „ italiänischen, und zwar von\nBeethoven 2, Flotow 3, Gluck 1, Kreutzer 3, Lortzing 9,\nMendelssohn 2, Meyerbeer 6, Mozart 15 (Don Juan, Ent-\nführung, Figaro, Titus, Zauberflöte), Schmidt 3, Spohr 3,\nWagner 4, Weber 6 Mal;\nAdam 6, Auber 14, Boieldieu 4, Gherubini 9 (Me-\ndea 7 Mal), Halevy 1, Mehul 3 Mal;\nBeliini 6, Donizetti 19, Rossini £j, Spontini 3, Verdi\n5 Mal.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\n\nJfaLolii. In der zweiten Soiree für Kammermusik am\n14. d. Mts. hörten wir ein allerliebstes Quartett in von\nHaydn, dann das Clavier-Trio in Op. 7(1 Nr. 2, von Beetho-\nven, die Ciavierstimme von Herrn Musik-Director Franck vorge-\ntragen, und zum Schluss das Quintett Op. 87 in B von Mendels-\nsohn. Unser Quartett erfreut jetzt wieder durch ein vortreffliches\nZusammenspiel, schöne Auffassung und vorzügliche Technik in der\nAusführung der einzelnen Stimmen Herr Concertmeister Grunwald,\nder an diesem Abende die erste Violine spielte, leistete in Ton und\neben so in glänzendem als in ausdrucksvollem Vortrage Ausgezeich-\nnetes. Die Krone des Abends war die Ausführung des herrlichen\nAdagio in dem Mendelssohn'schen Quintett, wozu namentlich auch\nder schöne Vortrag der Violoncell-Partie durch Herrn B Breuer\nbeitrug. Herrn Musik-Director Franck einmal wieder zu hören\nwar ein willkommener Genuss ; dass er seine Partie, die besonders\nim letzten Satze ein' sehr sicheres und dabei feines Spiel verlangt,\nmit Meisterschaft vortrug, versteht sich von selbst. Gegen die Com-\nposition lässt sich Manches sagen; wie begeisternd würde es auf\nalle Zuhörer wirken, wenn einmal wieder auf Beethoven's erstes\nWerk zurückgegriffen und eines von den Trio's aus demselben mit\nvollendetem Vortrag wiedergegeben würde!\nIm nächsten Gesellschafts-Concerte am Dinstag den 21. d\nMts. werden wir den hohen Genuss haben, den berühmtesten Violon-\ncellisten der Gegenwart, Herrn Servais, zu hören.\n* Paclerborss. Auch bei uns besteht die Einrichtung eines\nMusik-Vereins als geschlossene Gesellschaft, wie in Munster. Der\nVerein hat in diesem Winter bereits drei Concerte gegeben. Im letz-\nten (den 10. d. Mts.) hörten wir die Sinfonie in Es-dur von Haydn\nund die Ouvertüre Nr. 3 in C-durvon Niels Gade; vom Ge-\nsammtelior Haydn's Cantate: „Des Staubes eitle Sorgen\" vom\nMännerchor unter Anderen das Waldlied mit Begleitung von vier\nHörnern und Posaune aus B. Schumann's „Der Kose Pilgerfahrt\",\neinige Sologesänge für Tenor und eine Elegie für die Trompete von\nC. Volweiler Einige Tage vorher liess sich hier eine Sopran-\nsängerin, Fräulein Bernardine Biermann, mit Beifall hören.\nWeimar« Richard Wagner hat kürzlich von dem Grossherzog\nvon Weimar die schmeichelhafte Einladung erhalten, seinen Opern-\nCyklus, „Der Ring der Nibelungen\", zur Aufführung zu bringen,\nund es ist ihm diesfalls die Erbauung eines eigenen Theaters, so wie\ndie Aufbringung der eminentesten Gesangeskräfte zugesichert worden.\n(Münch. Theater-Album.)\nFraifthfürl st. J?l. Unter den zahlreichen Concerten, weicht\nsich in unserem benachbarten und kunstgebildeten Hanau in neuester\nZeit die Hände reichen, erwähne ich besonders ein zu Ende Novem-\nbers gegebenes, weil es mir Gelegenheit gibt, ein junges Talent in\ndie Oeffentlichkeit einzuführen. Wir haben es hier mit der 16 17-\njährigen Tochter eines in Hanau allgemein geschätzten Bürgers zu\nthun, welche, in Stuttgart herangebildet, nun in ihre Vaterstadt zu-\nrückgekehrt, bereits in zwei Concerten mit allgemeinem Beifalle auf-\ngetreten ist. Was Fräulein Louise Krug, so heisst unsere junge\nMuse, besonders auezeichnet, ist ihr äusserst netter, perlender, aber,\nwo es gilt, auch rapider Anschlag, welches wohl als die technische\nGrundlage aller Virtuosität gelten kann; dabei aber entwickelt sie\neine Freiheit und Intelligenz des Ausdrucks, welche weit über ihre\nJahre gehen. Ein tieferes Erfassen classischer Compositionen, welche\nsie immer vorzieht, kann erst mit der genaueren Bekanntschaft un-\nserer musicalischen Grössen und überhaupt mit dem Leben erlangt\nwerden. Genug, dass alles Material zu einer geistig potenzirten Pia-\nnistin bereit liegt und eine bedeutende Zukunft verspricht. Um mich"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "408", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581218-01.1.8", "texte": "zu überzeugen, ob das Mädchen auch so vielem Lobe entspräche,\nbin ich hinüber gefahren, und muss gestehen, dass sie meine Erwar-\ntung weit übertroffen hat; und als ich ihr am folgenden Morgen\nmeinen Besuch abstattete, zeigte sie mir mit kindlicher Herzens-\nfreude ihr Album, welches sehr schätzbare Zeugnisse von Franz\nLiszt (der sie in Weimar gehört) und von anderen Koryphäen der\nTonkunst enthält. Dieses zu einer grösseren Kenntniss zu bringen,\nhalte ich für meine Pflicht, und bitte somit die löbliche Redaction\ndieser Blätter, durch Aufnahme dieses Artikels das Ihrige zur Er-\nmunterung eines so bedeutenden Talentes beitragen zu wollen.\nWajftlifui»t a* M. Von dem engeren Ausschusse des Theater-\nComite's ist Herr Vollmer zum Ober-Regisseur unseres Stadtthea-\nters ernannt und wird mit dem Präsidenten des Ausschusses, Herrn\nDr. v. Guaita, und dem Herrn Capellmeister Schmid die artisti-\nsche Leitung des ganzen Instituts übernehmen.\n** Im vierten Abonnements-Concerte im Saale\nder Harmonie hörten wir von Orchesterwerken Beethoven s A-\ndwr-Sinfonie und die Ouvertüre von Meyer beer zum Trauerspiel\n„Struensee\". Zwei Damen, die von Leipzig herüber gekommen waren\nverschönerten den Abend durch ihre bedeutenden Kunstleistungen,\nFräul. Cath. Deutz aus Köln und Fräul Maria Mösner aus\nMünchen. Fräulein Deutz riss durch den Vortrag der Concert-Arie\nvon Mendelssohn und zweier Lieder zu stürmischem Beifall hin; sie\nwurde zwei Mal gerufen und gab darauf noch ein Lied zu. Dem\nVernehmen nach hat sie das Engagement für ein zweites Auftreten\nbei uns angenommen. Fräulein Mösner entzückte durch eine sel-\ntene Virtuosität auf der Harfe; sie trug zwei Concertstücke von Pa-\nrish Alvars: Phantasie über englische Volkslieder und ~La Mando-\nlincu ganz reizend und mit vollendeter Meisterschaft vor. In der\nOuvertüre zu Struensee hatte sie mit Freundlichkeit ebenfalls die\nHarfen-Partie übernommen. Das Publicum zeichnete die vorzügliche\nKünstlerin durch rauschenden Beifall und Hervorruf aus.\n3f£i sielte »1, 26. November. Das von Alfred Ja eil im Mu-\nseum am 24. d. Mts. gegebene Concert hat ein zahlreiches und äus-\nserst glänzendes Publicum versammelt. Das vortreffliche Spiel dieses\nKünstlers, der in der Wahl der Compositionen eine seltene Vielsei-\ntigkeit bewährt, riss sämmtliche Zuhörer nach jeder ausgeführten\nNummer zu stürmischem Beifall hin. Unter diesen sind besonders\nhervorzuheben Quintett, das wir hier noch nie so voll-\nendet vortragen hörten, und Beethoven's G-dar-Sonate für Pianoforte\nund Violine, bei welcher wir Gelegenheit hatten, des Künstlers so-\nlide Auffassung classischer Compositionen zu bewundern, eine seltene\nEigenschaft bei Virtuosen Durch den poesievollen Vortrag der Ber-\nceuse und des Scherzo von Choquin, so wie eigener effectvoller Com-\npositionen hatte der Concertgeber Gelegenheit, seine eminente Bra-\nvour, Kraft und Eleganz darzulegen, die ihn in die Reihe der ersten\nPianisten der Gegenwart stellen. Schliesslich erwähnen wir der gut\ngewählten und seelenvoll vorgetragenen Lieder des Herrn Grill.\nWien. Die „Monatschrift für Theater und Musik\",\nwelche mit dem eben ausgegebenen December-Hefte ihren vierten\nJahrgang beschlossen hat, wird von Neujahr an als Wochen-\nschrift unter dem Titel; „Recensionen und Mittheilun-\ngen über Theater und Musik\", jeden Mittwoch erscheinen.\nDas erste Concert der Frau Clara Wieck-Schumann am 5.\nDecember in den Abendstunden fand vor einer sehr zahlreichen,\ngewählten Zuhörerschaft Statt. Die Künstlerin spielte: 1) Sonata\nquasi una fantasia (Op. 27, Es-dur) von Beethoven; 2) drei Ton-\nstücke von Robert Schumann: a. Novelette (Op. 21), b. Canon aus\nden Stücken für Pcdalflügel (Op. 56), c. Romanze (Op. 32); 3) Not-\nturno und Scherzo (H-moll) von Chopin und 4) Rondo Capriccios#\n(Op. 14) von Mendelssohn, insgesammt für Pianoforte allein, Ueber\ndie Virtuosität der berühmten Pianistin herrscht nur Eine Stimme,\nman kann sie geistig und technisch vollendet nennen. Am meisten\nErfolg hatte ihr wahrhaft durchsichtiger, in die Eigenthüinlichkeifc\ndes poetischen Tonstückes tief eingedrungener Vortrag des Chopin1«\nsehen Notturno und des köstlichen Mendelssohn'scben Rondo ca-\npriccioso. Die drei Kleinigkeiten von Schumann sind sinnvolle Ton-\nbilder ohne hervorragende Bedeutung, deren meisterhafter Vortrag\nlebhaften Beifall hervorrief Auch die Sonate von Berf wurde\nvon ihr mit eingehendem Verständnisse in das schöne Vferk gespielt,\nmit jener unvergleichlichen Klarheit und jenem feinen Maasse, das\nalle Vorträge dieser seltenen Künstlerin auszeichnet.\nMailaeid* Aus Anlass der durch die Flucht der Pächter des\nScala-Theaters hervorgerufenen Störungen sind die Proben eingestellt\nworden, und es ist noch ungewiss, ob es zur Aufführung der neuen\nOper von Petrocini kommen werde. Im Teatro S. Radegonda\nwurde zur Einnahme des Buffo Fioravanti und des Baritons Altini\nDonizetti's „II Campanellou, ein komisches Spiel nach Art der Vau-\ndevilles, gegeben und gefiel ausserordentlich.\n\nC. G."}]}