{"numero_id": "bm-bmtnabi-1858-12-25-01", "volume": "bmtnabi_1858-12-25_01", "ocr_sha256": "ecadd958568f2252c1f64185c5f74d7b19ecec1649c2e9d39cf1bb6b23d3eb97", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1858/12/25_01/bmtnabi_1858-12-25_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581225-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1858-12-25-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-12-25_01#c001", "volume": "bmtnabi_1858-12-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "409", "page_fin": "409", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581225-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "409", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581225-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 461, "texte": "Inhalt.\nDas Seineiomelodion (Noten-Klanginstrument). Hector Berlioz über die Orchesterstimmung. Aus Bonn\n(Zweites Abonnements-Coneert). Von V s. Die neue Orgel in Barmen. Von Dr. Arnold. Viertes Gesellschafts-Concert im grossen\nGürzenichsaale. Tages- und Unterhaltungsblatt (Berlin, Miisicalien-Vcrstcigerung— Mainz, Zweites Concert des Kunst-Vereins\nCoburg, Neue Oper Regensburg, Concert Spirituel Leipzig, „Vampyr\", Gewandhaus-Concert, Dr. M. Hauptmann Wien)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-12-25-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-12-25_01#c002", "volume": "bmtnabi_1858-12-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "409", "page_fin": "411", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581225-01.2.2", "titre_corps": "Das Semeiomelodion", "titre_sommaire": "Das Semeiomelodion", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "409", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581225-01.1.1", "debut_caractere": 463, "fin_caractere_exclue": 2744, "texte": "Das Semeiomelodion\n(Noten-Klanginstrument).\nEs ist dies der Name einer Vorrichtung für den mu-\nsicalischen Elementar-Unterricht, in so fern er die Ton-\nVerhältnisse betrifft. Der Erfinder, Herr Armin Früh,\nhat vor einiger Zeit diese Vorrichtung auch hier in Köln\nproducirt, und wir haben sie damals aus eigener An-\nschauung und Prüfung für höchst sinnreich erfunden, prak-\ntisch anwendbar und ohne Zweifel für den Unterricht\nhöchst erfolgreich erklärt. Herr Früh, von seinen Reisen\nzurückgekehrt, auf welchen er die Zeugnisse der bekann-\ntesten musicalischen Autoritäten in Paris, Brüssel, London,\nKöln, Leipzig, Prag, Wien, Berlin u. s. w. für seine Er-\nfindung gewonnen, hat seinen gegenwärtigen Aufenthalt\nin Dresden aufgeschlagen, wo er eine Anstalt zur Fabri-\ncation der Noten-Klanginstrumente errichten wird.\nUnter obigem Titel hat er eine kleine Broschüre her-\nausgegeben Halle, bei H. Karmrodt, 1859), in wel-\ncher er den leitenden Gedanken bei seiner Erfindung aus\neinander setzt und eine ausführliche Beschreibung des\nInstrumentes gibt. Das Wesentliche der Vorrichtung be-\nsteht darin, dass dem Kinde mit der Notenschrift zugleich\nder Klang vor die Sinne geführt wird, dass das Auge die\nNote im System sieht und das Ohr zugleich den Ton der-\nJ o\nselben in der Tonleiter hört. Es ist die Erfindung auf\ndas dringendste für den Gesang-Unterricht in Schulen zu\nempfehlen.\nlieber seine Idee lassen wir den Herrn Erfinder selbst\nreden, wie folgt:\n„Die bisherige Lehrweise, dem Schüler die Ton-Ver-\nhältnisse nach Noten beizubringen, ist eine unzureichende\nund unzweckmässige. Sie kann sich höchstens über das\ngeschichtliche, keinesfalls aber über das naturgemässe Recht\nausweisen, womit sie ihre Stellung einnimmt.\n„Die Noten sind eine Bilderschrift für die Töne; sie\nsind der unmittelbare Abdruck, das eng abschliessende\nKleid der Töne. Noten und Töne bilden in der Seele des\nComponisten ein einziges, ungeteiltes Ganzes. Schreibt,\nder Componist seine musicalischen Gedanken auf das Pa-\npier, so theilt er dieses.Ganze dennoch, so legt er den Ab-\ndruck, das Kleid der Töne heraus auf das Papier. Dieses\nIlerauslegen, dieses Aufschreiben geschieht nach einem ma-\nthematischen Grundgesetze; alles, was hei den Ton-Ver-\nhältnissen Regel heisst, steht in einem inneren organischen"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "410", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581225-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5397, "texte": "Zusammenhange nach einem Mittelpunkte hin und wird\nvon diesem aus bestimmt und beherrscht. Der Componist\ndarf gegen die Ordnung dieses mathematischen Grundge-\nsetzes keinen Verstoss begeben, ohne das musicalisch Em-\npfundene oder die Notenschrift zu entstellen. Dieses innere\nmathematische Grundgesetz ist nichts Zusammenraffmirtes\noder mit der Zeit erst allmählich Zustandegekommenes;\nnein, es ist genau eben so alt, als die Erfindung der Noten-\nschrift selber. Der erste Componist, der erste Noten-Auf-\nschreiber musste es schon kennen, sonst hätte er es nicht\nanwenden und Noten aufschreiben können zum Wieder-\nverständniss für Andere.\n„Wenn der Componist, wie wir eben gesehen haben,\naus den Tönen heraus nach einem bestimmten Grundge-\nsetze die Noten hervorbrachte, so hat nun der Elementar-\nunterricht keine andere Aufgabe als die, rückwärtsführend\ngenau nach eben demselben Grundgesetze aus den Noten\nheraus die Töne wieder zum Vorschein zu bringen. Die\näusserlich sichtbare Form will wieder zurückgeführt sein\nin dasselbe hörbare Urbild, aus welchem sie geboren ist.\n„Warum ist der mündliche Unterricht dieser Aufgabe\nnicht gewachsen?\n„Weil er nicht direct und unmittelbar, sondern in-\ndirect und mittelbar verfährt.\n„Die Noten sind fürs Auge da und die Töne fürs\nOhr. Beide Bestandteile, und das ist meine Idee, müsste\nder Unterricht von vorn herein in Eines zusammen legen\nund zusammen behandeln, damit sie der Schüler gleich-\nfalls zusammen begriffe. Der Unterricht müsste Auge und\nOhr zugleich hinlenken auf seinen Gegenstand, wie er sinn-\nlich wahrnehmbar ist in einer innigen Vereinigung, gleich-\nwie er dort in der Seele des Componisten ursprünglich\ngeistig vorhanden war. Das, was die Anschauung dem\nAuge an Diensten leistet, müsste zugleich auch fürs Ohr\nmit bewerkstelligt werden. Dann würde die natürliche\nVerbindungskette, welche die Sinnesthätigkeiten unter sich\nordnet, mit einem geringen Aufwände an Denkkraft schon\nausreichend sein, den Gegenstand zum geistigen Eigenthum\ndes Anfängers zu machen. So wäre der Unterricht ein\ndirecter und unmittelbarer, weil der Schüler mitten\nins Centrum der Sache hineingeführt würde-und keine\nanderen Mittel und Kräfte aufzubieten brauchte, als nur\nsolche, auf welche ihn die Natur hinweis't.\n„W as thut dagegen der mündliche Unterricht? Gerade\ndas Gegentheil. Er trennt die Note vom Tone, macht also\neine Kluft zwischen beiden, die sich um so weiter aufthut,\nje mehr Platz er selber einnimmt. Durch das Auseinander-\nreissen zweier eng zusammen gehörigen Theile verlieren\ndiese ihre gegenseitigen Verbindungsfäden und sterben ein-\nzeln ab. Die Notenschrift steht daher vor dem mündlichen\nUnterrichts-Verfahren als eine todte Bilderschrift, und nun\nerst, nachdem der mündliche Unterricht einmal das Un-\nrecht der Scheidung begangen hat, nun erst hat er eine\ngegründete Ursache, an seinem Platze zu bleiben, vorher\nhatte er sie nicht; nun erst übernimmt er die Ehrenpflicht,\ndas Verschuldete möglichst wieder gut zu machen und da-\nfür Sorge zu tragen, dass sie, die Notenschrift, wieder\nzum Leben erweckt werde. Natürlich ist diese Aufgabe\nfür ihn Endziel; und dieses Endziel zu erreichen, darf er\nnicht zu jenem natürlichen und directen Mittel zurückgrei-\nfen, es würde ja sonst seine Existenz gefährdet sein; es\nbleibt ihm nur übrig, sich an zwei künstliche Mittel zu\nhalten.\n„Eines dieser künstlichen Mittel ist die Reflexion.\nDiese, die sonst stets um einen Schritt zurückzutreten\npflegt, da, wo eine Sinnesthätigkeit, wie das Auge oder das\nOhr, mit einem ihr verwandten Gegenstande in Wechsel-\nwirkung treten will, sie muss sich hier gegen alle übliche\nGewohnheit herbeilassen, die Bilderschrift der Noten auf\ngewisse Begriffe zurückzuführen. Es wird dem Schüler\nz. B. gesagt: Diese Note hier heisst c und diese da f\nu. s. w. Diese scheinbar unschuldige Benennung führt den\nSchüler von dem Figürlichen und Wesentlichen der Noten-\nschrift ab und nöthigt ihn, auf Unwesentliches, auf Namen,\ndie vom Tone weiter abseits liegen, mehr Gewicht zu legen.\nBeim ferneren Verlaufe des mündlichen Unterrichts kommt\neine Unzahl von Regeln vor, z. B. die Regel für die Um-\nbildung der Stammtöne durch Vorsetzungszeichen (wie aus\nd durch ein vorgesetztes boder ji oder dis wird, wie\nCT Ti 7\ndadurch ein anderer Ton bezeichnet wird und welcher\nu. s. w.) oder die Regeln für den Bau der vielen Tonlei-\ntern, Intervalle oder Accorde. Die mündlichen Regeln wol-\nlen auf die Notenfiguren übertragen sein, sie wollen in\nihnen aufgehen, sie bilden also mit Hülfe der Reflexion,\nohne welche die Anwendung einer Regel nicht geschehen\nkann, die Notenfiguren in etwas Anderes um, was sie von\nvorn herein nicht sind und auch nicht sein wollen, sie ma-\nchen Begriffe daraus. Sind aber Begriffe daraus entstan-\nden, so ist das nur eine vorläufige Veränderung. Bei den\nBegriffen kann es nicht bleiben, dieselben müssen doch\nschliesslich zu einer klingenden Bedeutung hinführen; denn\ndas ist das Ziel des Unterrichts. Um dahin zu gelangen,\nmüssen die Begriffe nochmals umreflectirt werden in Töne,\nund hierbei läuft es wiederum auf neue Gesetze hinaus\nund auf abermalige Regeln, die, bei Licht besehen, noch\nviel schwieriger sind, als die ersteren.\n„Dass dieser Lehrgang einen Umweg macht, wird der\ngeneigte Leser schon jetzt zugeben. Der Umweg möchte\nimmerhin sein, wenn nur dabei der Zweck des Unterrichts\nnicht allzu sehr verfehlt würde. Es ist schon an sich für"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "411", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581225-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3433, "texte": "den Lehrer kein Leichtes, die Tonschrift in ihren inneren\nSeiten und einzelnen Regeln durch mündliche Erklärung\nerschöpfend wieder zu geben: wie verhält sich aber\nhierzu der Schüler? Fasst er den dargebotenen Stoff der\nbegrifflichen Darstellung auch nach Wunsch auf? Ich\nglaube nicht zu viel zu sagen, wenn ich behaupte: Nein,\ner zeigt sich vielmehr ungefügig und widerwillig.\nEs kann auch nicht anders sein. Begriffe sind etwas Ver-\nwickelteres, als Figuren. Wider Erwarten wird er genö-\ntigt, aus den letzteren die ersteren erst aufzusuchen. Der\nmusikfähige Schüler bringt schon Töne mit, die er fühlt\noder hört; es verlangt ihn, diese an die sichtbare Schrift\nauf kurzem Wege anzupassen. Die Begriffe liegen aber\nnicht auf dem unmittelbaren geraden Verbindungswege\nvon der einen bekannten in die andere unbekannte Grösse;\ndie Begriffe liegen wo anders, auf dem krummen WTege,\nsie liegen abseits. Dem Schüler will das Künstliche, was\nin dem mündlichen Lehrverfahren liegt, nicht behagen; er\nhat ein natürliches Gefühl von Abneigung gegen den Um-\nweg. Andererseits gehört zum Erfassen von Begriffen die\nFähigkeit des Begreifens selbst. Gibt es auch im Einzelnen\nbewundernswerthe Ausnahmen, findet man z. B. Kinder\nim zartesten Jugendalter, die über Begriffliches mit Leich-\ntigkeit hinwegkommen, so sind dies eben Ausnahmen, von\ndenen ich hier nicht rede. Bei Weitem die grosse Mehr-\nzahl der jungen Lernenden hat nicht die nöthige Fassungs-\nkraft für Begriffe, sie will auf dem Wege sinnlicher An-\nschauung die Lehr-Objecte auffassen, und sie fasst sie so\nauch hundertmal sicherer und leichter auf, als auf dem\nVerstandeswege. Sinnliche Anschauung und immer wieder\nsinnliche Anschauung, dies ist das echte Bildungsmittel für\ndie Jugend; reiferes Nachdenken ist Sache des vorgeschrit-\ntenen Alters. Hierin stimmen alle gewissenhaften Beobach-\nter des Jugend-Unterrichts überein. Göthe sagt mehr als\neinmal, dass das Kind nur das richtig begreift, was es mit\nseinen Sinnen fassen kann, besonders dann, wenn man es\nihm unter die Augen stellt. Ein Mann wie Pestalozzi hat\ndie reichen Erfahrungen seines ganzen Lehrerlebens in der\neinen Spitze der Anschauungslehre niedergelegt. Es müsste\nso sein, dass der Schüler die Noten, die er vor sich sieht,\ngleich mit innerem Leben versehen, d. h. klangbar, vor-\nfände. Er müsste sie nur mit dem Finger zu berühren\nbrauchen, um sofort ihre klingende Bedeutung zu hören.\nSo wäre die Verbindung zwischen den Tönen und der No-\ntenschrift unmittelbar hergestellt. Alsdann müsste der\nübrige gesammte Vorrath an einzelnen aus einander liegen-\nden Regeln ebenfalls zusammenbegriffen und organisch ge-\nordnet dem Auge und dem Ohr des Schülers plastisch\nvorgeführt werden, gleichwie dies vorher in der Seele\ndessen der Fall war, der die Noten erst aufgeschrieben hat.\nDass dieses durch einen besonders organisch conslruirten\nHüifs-Apparat geschehen musste, versteht sich von selbst.\nDerselbe macht nicht bloss die Reflexion völlig überflüssig,\nvielmehr vertritt er die Stelle des mündlichen Unterrichts\nüberhaupt in einer Weise, die sich noch viel eclatanter\nherausstellen wird, wenn ich noch gezeigt haben werde,\nwie sich das Gedächtniss zum mündlichen Unterrichte bis-\nher verhalten hat, und wie es sich in dem hier angegebe-\nnen Hülfs-Apparate künftig verhalten wird.\"\nAuch diese Auseinandersetzung ist sehr lesenswerth.\nDarauf folgt alsdann die ausführliche Beschreibung des\nNoten-Klanginstrumentes."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-12-25-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-12-25_01#c003", "volume": "bmtnabi_1858-12-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "411", "page_fin": "413", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581225-01.2.3", "titre_corps": "Hector Berlioz über die Orchesterstimmung.", "titre_sommaire": "Hector Berlioz über die Orchesterstimmung.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "411", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581225-01.1.3", "debut_caractere": 3435, "fin_caractere_exclue": 5321, "texte": "Hector Berlioz über die Orchesterstimmung.\nIst die Stimmung wirklich seit einem Jahrhundert ge-\nstiegen? Darüber ist in der ganzen musicalischen Welt\nkein Zweifel. Das Verhältniss, in welchem sie gestiegen\nist, scheint fast überall dasselbe gewesen zu sein, denn im\nGrunde sind die Unterschiede in den verschiedenen Län-\ndern und Städten jetzt doch nur unbedeutend. Namentlich\nmacht man zu viel Aufhebens von der verschiedenen Stim-\nmung in den Theatern von Paris; ich habe bei mehreren\nGelegenheiten Orchestermassen vereinigt, z. B. in der Kirche\nSt. Eustache, in den Champs Elysees, die aus den Orche-\nstern der drei Operntheater und aus Regiments-Musikcorps\ngenommen waren, und nach sorgfältigem Einstimmen\nmachte sich die Sache ganz gut.\nAuch bei den Musikfesten in Deutschland und Eng-\nland, bei denen ja die Orchester ebenfalls aus mehreren\nStädten vereinigt werden, macht man dieselbe Erfahrung.\nIndess iässt sich nicht läugnen, dass kleine Verschiedenhei-\nten bestehen. Die in Paris niedergesetzte Commission hat\nlast an alle Capellmeister und Dirigenten in Europa und\nAmerica geschrieben und um Einsendung ihrer Stimmga-\nbeln gebeten. Die Vergleichung derselben mit den vorhan-\ndenen Exemplaren aus den Jahren 1790, 1806 u. s. w.,\nwelche wir besitzen, wird es zur Evidenz bringen, dass die\nStimmung seit hundert Jahren um einen Ton gestiegen\nist. Wenn das so fortgeht, so wird sie im Jahre 2458\num eine Octave gestiegen sein!!\nAls die dramatische Musik in Frankreich Eingang fand,\nzu Luily's Zeit z. 8., war die Stimmung nicht eigentlich\nfixirt, allein sie war so beschaffen, dass die Sänger jede\nPartie ohne Anstrengung singen konnten. Als die Stim-\nmung allmählich stieg, hätten die Componisten darauf\nRücksicht nehmen und etwas weniger hoch schreiben sollen.\nSic thaten es aber nicht. Indess liess sich doch die Musik\nvon Rameau, Gretry, Gluck, Piccini und Sacchini für alle"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "412", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581225-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5298, "texte": "Stimmen noch immer leicht singen, mit Ausnahme einiger\nGesangstücke von Monsigny, der schon für die damalige\nZeit, geschweige denn für die unsrige, zu hoch schrieb.\nSpontini lieferte Tenor-Partieen, welche unsere jetzigen\nSänger sogar für zu tief liegend erklären.\nFünfundzwanzig Jahre später halte die Steigerung\nschon rasende Fortschritte gemacht, und man ging für den\nSopran und Tenor bis zu fabelhafter Höhe. Da kamen\ndenn für den Tenor das hohe ja, mit der Brust ge-\nnommen, und dergleichen Uehertreibungen auf, woran die\nfrüheren Componisten nicht gedacht hatten.\nDie Partie des Achill in Gluck's Iphigenie in Aulis,\neine der höchsten Tenor-Partieen, die er geschrieben, geht\nnur bis h, welches damals den Klang unseres jetzigen a\nhatte. Ein einziges Mal hat er im Orpheus ein hohes d\ngeschrieben, was denn derselbe Ton wäre, wie das drei-\nmalige cin Rossini's Wilhelm Teil; aber jene Note findet\nsich in einem langsamen melodischen Gang, der offenbar\nfür die Kopfstimme geschrieben ist, und in welchem sie\nnur hingehaucht, nicht aber mit Kraft eingesetzt zu wer-\nden braucht. Für Sopran hat die Alceste ein hohes b\nauszuhalten, also unser jetziges a. Die höchste Partie für\nSopran in Gluck's Opern ist die Daphne in\nr/ee; sie geht in einer der Arien bis ein einer Passage,\nalso immer nur bis zu unserem b; man sieht aber aus der\nganzen Partie, dass sie für eine von jenen ausnahmsweise\nerscheinenden Sängerinnen geschrieben ist, deren es zu\nallen Zeiten gegeben hat.\nUmgekehrt bemerkt man, dass die älteren französi-\nschen Componisten für die tiefen Stimmen höher schreiben.\nIhre Bass-Particen sind fast durchweg Bariton-Partieen;\nunter B gingen ihre Bässe nie, ja, selbst diese Note brach-\nten sie nur selten an; daher kommt es denn, dass Gluck'-\nsche Bass-Partieen heutzutage nur von hohen Baritonen\ngesungen werden können. Dass Gluck u. s. w. die tiefen\nBasstönc nicht schrieben, war bei der tieferen Stimmung\nnatürlich; hätte indessßerlioz in dem ganzen Aufsalze auch\nMozart berücksichtigt, so würde er in mancher Hinsicht\nzu anderen Resultaten gekommen sein.)\nFast noch schlimmer als für die Sänger ist die hohe\nStimmung für die Hornisten und Trompeter. Sie können\nviele Töne der höheren Octave ohne Gefahr gar-nicht\nmehr ansetzen. (Die höhere Stimmung trägt allerdings\netwas zu dieser Gefahr bei, sie ist aber keineswegs allein\ndaran schuld, und Berlioz hat Unrecht, wenn er die so oft\nverunglückenden Horn- und Trompetentöne nur auf Rech-\nnung der Stimmung setzt. Wenn man auch die Horn- und\nTrompetenstimmen, die Bach, Händel, Gluck u. s. w. ge-\nschrieben haben, um einen ganzen Ton tiefer transponirt,\nso kann sie doch heutzutage Niemand blasen. Die Trom-\npeterschulen fehlen, aus denen die Trompetercorps an den\nFürstenhöfen und bei den Stadtmusicis hervorgingen.)\nEs scheint ausgemacht, dass die Fabricanten der Blas-In-\nstrumente hauptsächlich an der Steigerung der Stimmung\nschuld sind. (Vergl. die entgegengesetzte Ansicht von La\nFage in Nr. 31 des laufenden Jahrgangs der Niederrhei-\nnischen Musik-Zeitung.)\nUeber das, was nun eigentlich zu thun sei, spricht\nsich Berlioz folgender Maassen aus:\nQ\n„Allerdings würde eine Erniedrigung der Stimmung\neine Wohlthat für die Tonkunst und namentlich für die\nGesangkunst sein; allein ich halte es für unmöglich, sie\ndurchzuführen, selbst nur in Frankreich allein, und ohne\nRücksicht auf die anderen Länder. Ein Missbrauch, der seit\neiner Reihe von Jahren sich festgesetzt hat, lässt sich nicht\nin wenigen Tagen abschaffen. Die Musiker und Sänger\nselbst würden am Ende die Ersten sein, die sich störrisch\ndagegen zeigten; eine solche Neuerung brächte sie aus\nihren Gewohnheiten, und wo gibt es etwas Unbesiegbare-\nres als die Gewohnheiten? Wollte man aber auch anneh-\nmen, dass ein Allerhöchster Wille die Reform befähle, so\nwürde es enorme Summen kosten, um sie wirklich durch-\nzuführen. Abgesehen von den Orgeln, müssten für alle\nTheater-Orchester und für alle Regiments-Musikcorps neue\nB 1 as-Instrumente angeschafft und der Gebrauch der bis-\nherigen aufs strengste untersagt werden. Und selbst wenn\ndas alles ermöglicht und verwirklicht würde, wer bürgt\ndann dafür, dass das ganze Ausland der Reform folgen\nwürde?\n„Das Beste dürfte also sein, die gegenwärtige\nStimmung zu fixiren.\n„Und das lässt sich ausführen. Wir sind im Stande,\ndie Zahl der Schwingungen eines tönenden Körpers mit\nmathematischer Genauigkeit zu bestimmen. Nimmt man\nz. B. das a der grossen Oper in Paris mit 898 Schwin-\ngungen in der Secunde als Normal-Typus an, so braucht\nman nur in dem Stimmsaale aller Concert- und Theater-\nOrchester eine Orgelpfeife aufzustellen, welche genau die-\nsen Ton angibt. Nach dieser Pfeife allein darf fortan ge-\nstimmt werden, nicht nach der Oboe oder Flöte u. s. w.j\nderen Tonhöhe mehr oder weniger von dem Bläser abhängt.\n„Es wird dann leicht sein, die Blas-Instrumente voll-\nkommen in Einklang mit der Orgelpfeife zu bringen. Allein\ndiese Instrumente müssen in dem Saale, wo die letztere\nsteht, unter Verschluss verbleiben, und dieser Saal muss,\nwie ein Blumenhaus, immer auf der mittleren Temperatur\neines mit Zuhörern gefüllten Opern- oder Concerlsaales ge-\nhalten werden. Dadurch wird erreicht, dass die Instrumente\nnicht kalt in das Orchester kommen und durch die Wärme\ndes Hauches der Bläser und der Atmosphäre des Saales"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "413", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581225-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1123, "texte": "nach einer Stunde höher werden. Ferner dürften die Blas-\ninstrumente eines Theaters, wenigstens eines vom Staate\noder der Civilliste unterstützten, unter keinem Vorwande\nje mit nach Hause genommen werden, damit es keinem\nBläser möglich werde, sein Instrument um ein Kleines ab-\nnehmen zu lassen. Endlich müsste die Regierung von Staats\nwegen das a von 898 Schwingungen als Normal-Typus\nbestätigen und jeden Fabricanten von Blas-Instrumenten,\nOrgeln und Ciavieren jeder Art, der Instrumente von hö-\nherer Stimmung in Vertrieb brächte, eben so bestrafen,\nwie die Verkäufer anderer Dinge, die falsches Maass und\nGewicht gebrauchen. Werden solche Maassregeln ergrif-\nfen und streng durchgeführt, so wird die Stimmung sicher\nnicht weiter steigen.\"\nErnst oder Spass? Da H. Berlioz Mitglied der Stim-\nmungs-Commission in Paris ist, so möchten wir beinahe\nmit A. Schindler glauben (s. Nr. öl v. 18. d. Mls.), dass\ndie Sache dort nach vieler „Artikelschreiberei\"\nquo bleiben werde. Um so mehr dürfte Schindlers Vor-\nschlag in Deutschland zu beachten sein. Aber auch hier\nsind die Gewohnheiten eben so unbesiegbar, wie in\nFrankreich!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-12-25-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-12-25_01#c004", "volume": "bmtnabi_1858-12-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "413", "page_fin": "414", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581225-01.2.4", "titre_corps": "Aus Bonn.", "titre_sommaire": "Aus Bonn.", "signature_source": "V---s", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "413", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581225-01.1.5", "debut_caractere": 1125, "fin_caractere_exclue": 5192, "texte": "Aus Bonn.\n\nDen 20. Dccember 1858.\nUnser zweites Abonnements-Concert unter Albert\nDietrich's Leitung fand am 17. December Statt, dem\nGeburtstage Becthoven's, und gestaltete sich so von\nselbst zu einer Feier, die dem Meister wohl vor Allem in\nseiner Vaterstadt gebührt. An der Spitze des Programms\nstand die erste Ouvertüre zur Leonore, nicht eine riesen-\nhafte Tonschöpfung wie die zweite und dritte, aber ein\nschönes, liebliches, an inniger Empfindung reiches Musik-\nstück, zur Einführung in den Geist der Oper wohl geeig-\nneter, als jene beiden gewaltigen Werke, die eigentlich\nnichts neben sich und nach sich dulden; und den Schluss\ndes Concerls bildete die Eroica. Die Ausführung dieser\nbeiden Instrumentalwerke, der Niemand seinen Beifall ver-\nsagen konnte, gab uns einen Maassstab für das, was selbst\nunvollkommenen und beschränkten Kräften zu erreichen\nmöglich ist, wenn sie durch eine wahrhaft künstlerische\nLeitung angeregt und erhöht werden. Unser Orchester ist\ngewiss nicht zu denjenigen zu rechnen, von denen man\nbedeutende Kunstleistungen zu erwarten berechtigt ist.\nUm so höher wird jeder Einsichtige das Verdienst des Dir\nrigenten schätzen, dem es gelingt, das künstlerische Ver-\nständniss, das in ihm selbst lebendig ist, auf ein solches\nOrchester gleichsam zu übertragen, so dass es befähigt\nwird, die grossen Schöpfungen der Meister in unverküm-\nmerter Schönheit wiederzugeben.\nDie reinste Bewunderung erwarb sich Herr Musik-\nDirector Ed. Franck aus Köln durch den Vortrag des\nBeethoven'schen Concerts in Es-dur. Es ist leicht, einen\nKünstler wie Franck zu loben; denn die Vollendung seines\nSpiels leuchtet Jedem ein; man gibt sich willig dem Ein-\ndrucke hin, der von diesen Tönen ausgeht, und das Wort\ndes Lobes, der Anerkennung findet sich von selbst. Nicht\neben so leicht aber wird es, die Eigenthümlichkeit dieses\nSpiels genauer zu bezeichnen. Franck ist im Besitze einer\nTechnik, die auch das Schwerste mit so unfehlbarer Si-\ncherheit überwindet, dass in dem Hörer nie auch nur die\nAhnung einer Schwierigkeit aufsteigt. Aber diese Technik\nlässt er nicht um ihrer selbst willen glänzen; alles, was\nman im Einzelnen an seinem Spiele loben könnte, tritt zu-\nrück, ja, verschwindet hinter dem Gcsammt-Eindruck des\nGanzen. Der in die Kunst des Ciavierspiels eingeweihte\nKenner mag die wunderbar leichte und graziöse Behand-\nlung der Passagen, des Trillers, die ungezwungene Anmuth\nund den einfachen, ungesuchten Ausdruck im Vortrag der\nCantilene rühmen; für den Zuhörer, der nur gemessen\nwill, gibt es dergleichen einzelne Vorzüge in Franck's Spiel\ngar nicht. Denn ihm, dem echten Künstler, dient die voll-\nendete Technik nur dazu, aus dem Vortrage jede mate-\nrielle Schwere zu verbannen, damit die innere geistige\nNatur des Kunstwerkes sich frei und ungehindert uns oi-\nO\nfenbare. Gleichsam als ob er keiner Vermittlung bedürfe,\num uns vernehmlich zu werden, redet der Geist des Wer-\nkes selbst unmittelbar zu uns. Wie es aus der schöpferi-\nschen Kraft seines Meisters hervorgegangen, so steht das\nKunstwerk vor uns da, vollkommen und ganz; es ist ihm\nnichts von seiner wahren Schönheit genommen, es ist ihm\nkein falscher Putz aufgezwungen worden. So empfangen\nwir das Kunstwerk gewisser Maassen aus erster Hand und\nin der reinen Freude, mit der es uns erfüllt, vergessen wir\nden nachschauenden Künstler, der es unserem Genüsse\ndarbietet. Dieses ist die Wirkung, nach der jeder streben\nsollte, der es sich zur Aufgabe macht, ein Kunstwerk zu\nreproduciren. Freilich kann diese Wirkung nur der erzeu-\ngen, der mit tiefer Einsicht in das Innerste der Kunst ein-\ngedrungen ist und zugleich jene allseitig gereifte künstleri-\nsche Bildung besitzt, nach der zu streben einem Jeden ge-\nboten, die zu erreichen aber nur Wenigen vergönnt ist.\nWas wir von Vocalmusik hörten, bewegte sich ganz\nauf geistlichem Gebiete. Es war ein Psalm von Mendels-\nsohn (Non nobis Domino, Op. 31) und J. Seb. Bach's\nCantate „Bleib' bei uns\". Der Psalm es ist der 1 lote,\ndem aber der Componist nicht weniger als acht Verse\nentzogen hat gehört zu den früheren Productioncn Men-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "414", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581225-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1218, "texte": "delssohn's und theilt mit diesen alle die Vorzüge, die den\nCompositionen aus der späteren Zeit nicht immer in glei-\nchem Maasse eigen sind; es ist ein Stück voll frischer Kraft\nund reizvollen melodischen Ausdrucks.\nDie wohlgelungene, von echter Weihe erfüllte Auf-\nführung der Bach'schen Cantate war nicht die geringste\nZierde dieses reichen Concert-Abends. Die Worte, die zu\ndem auferstandenen Heilande gesprochen wurden Evang.\nLue. 24, 29.), haben dem tiefsinnigen Meister unserer\nKirchenmusik eine jener Compositionen eingegeben, in de-\nnen sein Gemülh und sein Glaube ihren herrlichen Aus-\ndruck finden. In dem grossen Chor, dem Hauptstück des\nGanzen, wird der Sinn jener einfachen und doch so be-\nziehungsreichen, so vieldeutigen Worte ganz ausgeschöpft.\nDie Empfindung steigt auf und nieder, von sehnsüchtig\nschmerzlichem Flehen bis zu lebhaft andringender Bitte;\ndann spricht sie sich noch einmal, subjectiv gesteigert, in\nder Tenor-Arie aus, durch deren Vortrag Herr Dr. Kl..n\nabermals sein Verständniss classischer Musik bewährte.\nDas Concert liess den wohlthuendsten, erhebendsten\nEindruck zurück; es war eine würdige Feier des Tages,\nan dem uns vor nun bald neunzig Jahren Beethoven ge-\nboren wurde.\n\nV---s."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-12-25-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-12-25_01#c005", "volume": "bmtnabi_1858-12-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "414", "page_fin": "414", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581225-01.2.5", "titre_corps": "Die neue Orgel in Barmen.", "titre_sommaire": "Die neue Orgel in Barmen.", "signature_source": "Arnold", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "414", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581225-01.1.6", "debut_caractere": 1220, "fin_caractere_exclue": 4279, "texte": "Die neue Orgel in Barmen.\nDr. Arnold.\nAm verflossenen Dinstag (den 7. December) wurde\ndie grosse, von den Herren A. Ibach und Söhne neu\nerbaute Orgel in der Unterbarmer-Kirche zum ersten Male\ndem Publicum durch Herrn van Eyken vorgeführt. Mit\ndiesem kostbaren Werke ist das Wupperlhal um eine\nZierde bereichert worden, wie es bisher nichts Aehnliches\naufzuweisen hatte, und fühlen wir uns um so mehr ver-\npflichtet, darüber näheren Bericht zu erstatten, als es ein\neinheimisches Kunstproduct betrifft, um das uns gewiss\nviele bedeutende Städte beneiden dürften.\nDie Orgel, deren prächtige architektonische Fassung von\nHerrn Baumeister Schnitzler herrührt, enthält 53 klin-\ngende Stimmen, 3 Manuale und freies Pedal. Die Gesammt-\nwirkung des Instrumentes ist eine wahrhaft erhabene, echt\nkirchliche. Fülle, Kraft und Würde bezeichnen ihren Cha-\nrakter; das Siegel der künstlerischen Vollendung offenbart\nsich in der wunderbaren Harmonie, in der die verschiede-\nnen Stimmen zu einander stehen. Keine brüllenden Bässe,\nkeine kreischenden Mixturen, keine säuselnden Flöten, wo-\ndurch der Unerfahrene so leicht bestochen wird. Gerade\ndarin, dass keine Stimme die Gränze der kirchlichen Würde\nüberschreitet, dass keine eine Ausnahmestellung bean-\nsprucht, sondern alle nur dazu da sind, um durch ihre Ge-\nsammtwirkung einen feierlichen, erhebenden Eindruck her-\nvorzubringen, darin liegt die hohe künstlerische Bedeutung\ndieses Werkes. Dabei fehlt aber keineswegs die nöthige\nMannigfaltigkeit; im Gegentheil wird es gerade durch die\nmeisterhafte Harmonie, in der alle Stimmen zu einander\nstehen, erst recht möglich, die zartesten Nuancen im Be-\ngistriren zu erreichen. Unter den 53 klingenden Stimmen\nmachen wir als ganz besonders ausgezeichnet namhaft:\nim Haupt-Manual: Bohrflöte, Gambe und Trompete,\nsämmtlich achtfüssig; im zweiten Ciavier: Principal, Fu-\ngara, Gemshorn, sämmtlich achtfüssig, und eine vierfüssige\nBohrflöte; im dritten Ciavier: Salcional und Vox\nachtfüssig, und Fugara, vierfüssig. Im Pedal: Subbass,\nViolon, Principal-Bass und eine wahrhaft grossartige Po-\nsaune, sämmtlich sechszehnfüssig, und endlich eine aeht-\nfüssige Juballlöte, ein von den Herren Ibach selbst erfun-\ndenes Begister von wunderbarer Wirkung. Die Intonation\ndes Ganzen war musterhaft.\nHerr van Eyken war so recht der Mann, um dem\nüberaus zahlreich versammelten Publicum die reichen\nSchönheiten und Vorzüge dieses herrlichen Werkes vor-\nzuführen und nach jeder Seite hin zur Geltung zu bringen.\nDas köstliche Instrument scheint ihn selbst zur besonderen\nBegeisterung erhoben zu haben, denn wir entsinnen uns\nnicht, von seinem Spiel jemals so hingerissen gewesen zu\nsein, wie gerade an diesem Abende. Nicht wenig wurde\ner von der trefflichen Akustik unterstützt, welche gerade\ndie Unterbarmer-Kirche auszeichnet und sie vorzugsweise\nzu musicalischen Ausführungen geeignet macht. Möge Herr\nvan Eyken uns den Genuss gewähren und noch recht oft\nzu seinen öffentlichen Vorträgen gerade diese Orgel wäh-\nlen, die als Königin über alle anderen Orgeln des Wup-\nperthales hervorragt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-12-25-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-12-25_01#c006", "volume": "bmtnabi_1858-12-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "414", "page_fin": "415", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581225-01.2.6", "titre_corps": "Viertes Gresellschafts-Concert in Köln im Hauptsaale des Gürzenich.", "titre_sommaire": "Viertes Gresellschafts-Concert in Köln im Hauptsaale des Gürzenich.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "414", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581225-01.1.6", "debut_caractere": 4281, "fin_caractere_exclue": 5052, "texte": "Viertes Gresellschafts-Concert in Köln\nim Hauptsaale des Gürzenich.\nDinstag, den 21. December 1858.\nDas Programm für dieses Concert konnte nicht so ausgeführt\nwerden, wie es bestimmt worden, indem Herr Servais, den man>\nvon Brüssel erwartete, durch ein Missverständniss über den Tag des\nConcerts ausgeblieben war.\nDas Concert begann mit Beethoven's Ouvertüre zur Leonore\nin C, Nr. 1., einem Werke, das im Stil den Cherubim'sehen Ouver-\ntüren zu vergleichen ist. Die Ouvertüre ist recht hübsch, allein ge-\ngenwärtig, wo man die grosse Leonoren-Ouverture nicht aus der\nErinnerung verbannen kann, hat sie doch mehr nur ein historisches\nInteresse.\nHierauf spielte Herr Concertmeister von Künigslüw mit an-\nerkennungs werther Bereitwilligkeit (an der Stelle des Concert es von"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "415", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581225-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2960, "texte": "Servais) das Violin-Concert von Spo h r Nr. 9 mit künstlerischer\nAuffassung und Vortragsweise sehr schön. Der Chor sang ci ccipellct\ndas kleine 0 salularis hostia von Rossini, das wir zum ersten\nMale hörten. Es beginnt mit einer starken Reminiscenz aus Bach\nund hat einige überraschende Stellen, dürfte aber im Ganzen doch\nzu denjenigen Compositionen gerechnet werden müssen, die nur durch\neinen berühmten Namen interessant sind.\nEine recht gute Ausführung der Sinfonie Nr 3 in A-moll von\nNiels W. Gade schloss die erste Abtheilung des Concertes. Das\nWerk sprach unser Publicum im Ganzen wohl an, machte jedoch\nkeinen bedeutenden Eindruck. Uns gefiel der erste Satz am besten;\ndas Adagio ist sehr unbedeutend, und der originelle und sonst sehr\nansprechende dritte Satz hätte vielleicht durch ein etwas bewegteres\nTempo nach dem Vorhergehen eines gedehnten Tempo's mehr ange-\nregt, als es der Fall war. Wir hörten, dass der Componist selbst\ndasselbe langsame Tempo nehme, das Hiller nahm, müssen aber\ntrotzdem der Meinung bleiben, dass das Anmuthige dadurch in Weh-\nmiithiges verkehrt wird, was nach dem monotonen Adagio eben\nnicht wünschenswerth ist.\nWährend der Pause lief das Gerücht durch den Saal, Herr\nServais sei angekommen. Es wurde bald durch eine Ansprache\ndes Herrn Dirigenten an das Publicum bestätigt, welches sich gern\ndamit einverstanden erklärte, etwas länger zu verweilen, um den\ngrossen Künstler zu hören.\nDie zweite Abtheilung begann mit der sehr gelungenen Auffüh-\nrung der Lorelei von Wolfgang Müller und von Ferd. Hil-\nler, durch welche diese schöne Composition besonders durch die\nChöre und die herrliche Behandlung des Orchesters wieder in \\olles\nLicht trat. Auch die Solo-Partieen (Lorelei Fräulein Schröder\nvom hiesigen Theater, Fischerknabe Herr W olters aus Ham-\nburg) waren ganz gut besetzt und wurden mit verdientem Beifall\naufgenommen.\nHerr Servais, dem nur eine kurze Frist geblieben war, sich\nund sein VioToncell in convenienzmässigen Zustand zu setzen, ent-\nschloss sich, im Vertrauen auf Hiller und das kölner Orchester,\nohne Probe zu spielen: und siehe, das Orchester und sein Diri-\ngent begleiteten a vista ein grosses Concert und eine Phantasie über\nslawische Melodieen höchst präcis und ohne allen Fehler. Servais,\nder zum ersten Male vor unserem sehr solide denkenden Publicum\nauftrat, machte dasselbe Anfangs durch das Originelle seiner Vor-\ntragsweise etwas stutzig, endete aber natürlich damit, Alles zur Be-\nwunderung hinzureissen. Wir theilen unsererseits, besonders seitdem\nwir Gelegenheit hatten, ihn gestern nochmals in einer Soiree bei\ndem Herrn Grafen von Stainlein zu hören, wo er ganz ä son aise\nwar und sich den Eingebungen seines Genie's hingab, diese Bewun-\nderuog vollkommen von dem Standpunkte aus, welcher in der Ton-\nkunst die volle Berechtigung der Virtuosität anerkennt, zumal bei\neiner so exeeptionellen Künstlernatur, wie Servais unzweifelhaft ist.\nWir werden auf sein Spiel späterhin zurückkommen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1858-12-25-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1858-12-25_01#c007", "volume": "bmtnabi_1858-12-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "415", "page_fin": "416", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581225-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "A", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "415", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581225-01.1.7", "debut_caractere": 2962, "fin_caractere_exclue": 7006, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nA.\nIn Berlin kommt am 17. Januar 1859 in der Buchhandlung\nvon li. Friedländer & Sohn, Kurstrasse Nr. 9, eine seltene\nSammlung von musicalischen Büchern, zum grossen Theil aus\ndem XV. und XVI. Jahrhundert, zur Versteigerung. Sie rührt her\naus der Bibliothek des verstorbenen k. k. österreichischen t eldzeug-\nmeisters von Kude 1 k a, dessen Sammlerliebe für musicalische\nWerke seines Gleichen nicht hatte. Vierzig Jahre lang hatte er mit\ngrossen Kosten und durch mancherlei nur einem Manne seiner Stel-\nlung zugängliche Verbindungen diese Schätze zusammengesucht. Es\nist schade, dass die Sammlung nicht einer öffentlichen Bibliothek\neinverleibt wird. Selbst der grosse Kenner der musicalischen Litera-\ntur, der verstorbene Bibliothecar Dehn in Berlin, fand in ihr ein-\nzelne ihm ganz unbekannte Werke, und eben so viele, nach denen\ner bisher vergebens gesucht. Wir finden im Katalog u. A. : Mart.\nAgricola Musica figuralis Deudsch, 1532. Arcadelt 5 Bücher Madii-\ngali, 1546. Bonaventura Regula Musicue, Brunetti Euterpe, Ma-\ndrigale für I—41—4 Stimmen, 160 G. Caccini Le nuove Musiche und des-\nsen Euridice, 1600. Flores Musice Canlus Gregoriani, 148 8. ux\nGradus ad Parn., 1725. Original-Ausgabe. Gerbert Äthan. Kircher\nMarcello (8 Bde. in Fol ) Martini Storia della Musica, o Bde.\nLichtenthai, P., Diiionuario della musica, Milana, 1826. 4 Bde. 8.\nLuscinius Miisurgia, 1536, mit Abbildungen der Instrumente in Holz-\nschnitt. Mattheson's Werke. Mersenne Ilarmonicorum l. All*\nParis, 1648. Fol. Newsidler, Teutsch Lautenbuch, 1574. , Prä-\ntorius Printz Tartini Trattato di Musica W alther s Lexi-\nkon u. s. w. Ferner eine Theorbe von Jos. Ellinger in Prag,\na. 1720.\n16. December. Das zweite grosse Concert der diesjäh-\nrigen Saison des hiesigen Kunst-Vereins fand am 10. d. Mts.\nunter der Leitung des Herrn Capellmeisters Fr. Lux Statt und\nbrachte uns von Instrumentalsachen in sehr gelungener Aufführung\ndie wunderbare yl-r/wr-Sinfonie von Beethoven und die Ouvertüre\nzum Wasserträger von Cherubini. Vocalsachen trugen vier\nwackere Dilettantinnen den 23. Psalm (Gott ist mein Hirt) von Ir.\nSchubert, und Herr Baritonist Appe vom hiesigen Stadttheater die\nArie aus Jessonda von Spohr mit vielem Beifall vor. Eine Compo-\nsition des Herrn Lux, „Des jungen Kriegers Scheiden'*, für zwei\nSoli und Männerchor mit Blasinstrumenten-Begleitung konnte wegen\nplötzlicher Erkrankung eines Solisten nicht zur Aufführung kommen;\nstatt dessen wurde vom mainzer Männergesang-Vereine der O-Isis-\nChor und „Kriegers Gebet\" von Fr. Lachner mit gewohnter Prä-\ncision vorgetragen. Von den kleineren Concerten des Kunst-Ver-\neins möge hier noch erwähnt werden, dass in einem derselben ein\nTrio, B-dur, Op. 17, für Piano, Violine und Violoncello, eine Com-\nposition unseres in Havre lebenden Landsmannes A. Oechsner,\nvon den Herren Lux, Heinefetter und Horn dem Publicum vorge-\nführt wurde. Die Composition selbst (bei Richault in Paris erschie-\nnen) kann als eine sehr gediegene Arbeit hingestellt werden, und\nsind wegen Originalität der Erfindung namentlich das Scherzo und\nwegen effectvoller Behandlung der Instrumente das Adagio hervor-\nzuheben. Von der hiesigen Liedertafel und dem Damen-\nGesangverein (Di/igent Herr Musik-Director Fr. Marpurg)\nwurde am 13. d. Mts. im hiesigen Stadttheater HändeFs Samson zur\nAufführung gebracht, und es hätte diese Aufführung eine gelungene\ngenannt werden können, wenn nicht eine Differenz mit dem hiesigen\nTheater-Orchester den Vorstand der Liedertafel dazu veranlasst hätte,\nzu diesem Concerte ein Orchester zusammen zu stellen, welches aus\nMilitärmusikern, Dilettanten und einigen herangezogenen Kräften\nvom Wiesbadener Orchester bestand und allein durch die letztge-\nnannte Verstärkung sich halten konnte. Die Chöre waren mit un-\nverkennbarer Sorgfalt einstudirt, die Soli, in den Händen von Di-\nlettanten, Hessen, mit Ausnahme des Tenors, Manches zu wünschen\nübrig.\nIm Hoftheater zu Coburg wurde am 5. d. Mts. zur Vorfeier des\nGeburtstages der Herzogin die neue Oper des Herzogs, „Diana von"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "416", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581225-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5103, "texte": "Solange\" unter grossem Beifalle zum ersten Male aufgeführt. Der\nfürstliche Tondichter mit seiner Gemahlin wohnte der Aufführung\nin der Prosceniums-Loge bei, dessgleichen der Herzog von Würtem-\nberg, während fiir die übrigen auswärtigen Gäste des Hofes die\ngrosse herzogliche Mittelloge bestimmt war. Unter den zahlreichen\nGeladenen befand sich auch Herr Otto Preclitler, der Verfasser des\nTextes.\nRegens!»B. December. Bei dem gestern Statt gehabten\nConcert Spirituel im grossen Saale des neuen Gescllschaftshauses\nstand Herr Dom-Capelimeister Schreins am verwais ten Dirigenten-\npulte. Das Programm lautete: Erste Abtheilung: 1) Sinfonie von J.\nHaydn in Es, Op. 91. 2) Der 126. Psalm, für mehrere Singstimmen\ncomponirt von J. G. Mettenleiter. Zweite Abtheilung: 1) Ouvertüre\nin Ut 124) von L. van Beethoven. 2) Concert für Pianoforte\nmit Begleitung des Orchesters von Mozart, b) lialleluja aus Ilän-\ndel's Messias. Die Leistungen des Orchesters waren in jeder Be-\nziehung tüchtig; eben so errang sich Ilerr Dieieiich duich sein\nPianofortespiel rauschenden Beifall. Den Preis des 1 ages trug aber\nder Sängcrohor durch den Vortrag des so viele Schwierigkeiten bie-\ntenden Mettenleiter'sehen Psalmes davon Der leider zu früh keim-\ngegangene Meister hinterliess dieses Werk im Manusciipte und \\>iiide\ndasselbe zur erstmaligen Aufführung gebracht. Die meisterhafte Be-\nhandlung des Textes (~An Babels Flüssen sassen wir und weinten,\nals. wir an Zion dachten\") setzte nicht minder in Erstaunen, als die\nbewundernswerthen contrapunktischen Kunstformen besondcis die\nKenner fesselten.\nXieipziig* Marscliner's „Vampyr\" ging am 24. November\nneu einstudirt in Scene. Die Gcsammt-Darstellu ng war für unsere\nKräfte gut und wurde von einem überfüllten Hause so beifällig auf-\ngenommen, dass wir nun auch die dritte und musicalisch bedeutend-\nste Oper Marscliner's wohl als dauernd für unser Repertoire wieder-\ngewonnen ansehen können.\nO\nMan schreibt aus Leipzig: ~Das neunte Gewandhaus-Concert\nwar eines der anregendsten der K?aison; mein jedoch durch die mit\nwirkende Künstlcrschaft, als durch das Programm selbst. Zur Auf-\nführung kamen: Symphonie D~ d LT* von v j\naus der Oper „Persee\" von Lully, gesungen von Frau Viardot-\nGarcia; Concert A-moll für die Violine von Molique, vorgetra-\ngen von Ludwig Strauss; Arie aus der Oper die „Italienerin in\nAlgier'4; Leonoren-Ouverture von Beethoven; xirie aus Tost faii tutte\nvon Mozart (Frau Garcia); Les Arpeges, Caprice für Violine von\nVieuxtemps (L. Strauss). Wenngleich man bei Frau Garcia die aus-\nserordentliche Methode im Gesänge würdigte, so \\ermoehvC iLie\nLeistung im Ganzen keinen tieferen Eindruck zu eizieien Htii\nLudwig Strauss aus Wien bewährte den ihm vorausgegangenen Ruf\nals trefflicher Violinspieler, der mit grosser Fertigkeit und klarer\neinen brillanten \\ ortrag verbindet. Reichel \\*uide\nihm zu Theil. Fräulein Josephine Bondi aus Wien spielte\nim dritten Euterpe-Concerte das Es-dur-Concert von Beethoven mit\nBeifall.\nHerr Musik-Director Dr. M. Hauptmann, Cantor an der\nThomas Kirche und Lehrer am Conservatorinm der Musik zu Leip-\nzig, ist auf Vorschlag des Ordens-Capitels vom Könige von Baiern\n2Um Ritter des Maximilians-Ordens für Kunst und \\\\ issenschait er-\nnannt worden.\nWien. Im neunten Concert der Schwestern Ferni, das aber-\nmals sehr gut besucht war, trug Fräulein \\ iiginia dt,n eisten\nSaU eines Concertes von Rode und das siebente Concert von Bc-\nriot vor. Konnte sie des letzteren nicht ganz mächtig werden, so\nentfaltete sie dagegen in dem Rode'schen Satze eine so sichere, feste\nHaltung, und namentlich im Vortrage der Gesangsstellen ein so\nschönes Maass der Empfindung, dass sie sich mit Recht des lebhaf-\ntesten Beifalls erfreute. Carolina spielte eine Phantasie von Alard,\n„Souvenir de Mozart\", in welcher die Motive von „La ci darem la\nmemo66 und der Grundgedanke des ersten Satzes der G-moII-Sinfonie\nzu verschiedenen Variationen verarbeitet sind, und eine ähnliche\nParaphrase über den Beethoven'schen „Sehnsuchtswalzer\" von Leo-\nnard. Der Vortrag der Motive, namentlich jener von „La ci darem66,\nwar nicht von dem echten Gepräge; im Uebrigen aber entfaltete die\njugendliche Künstlerin wieder den ganzen Glanz ihres schwungrei-\nchen, kühnen Spiels, dem beinahe nie etwas misslingt, besonder»\nihr unvergleichliches Staccato.\nIm zehnten Concerte, das bei ausverkauftem Hause Statt fand,\nspielte Fräulein Virginia die „Reverie\" von Vieuxtemps mit\nPianoforte-Begleitung. Derjenige, dem noch Laub's Vortrag dieses\nausdrucksvollen Tonstückes in Erinnerung war, konnte sich von dem\nSpiele des Fräuleins nicht ganz befriedigt finden. Nebstbei spielt«\nsie die Lucia-Phantasie von Hermann und mit ihrer Schwester „Le\ntorrenlu für zwei Violinen ohne Begleitung von Beriot und eine\nPhantasie für zwei Violinen mit Orchester von Alard. Carolina\nspielte überdies eine Paraphrase über Verdi's 9}(\\abucco66 von Leo-\nnard Der Vortrag -aller dieser Tunstücke war ausgezeichnet, der\nBeifall stürmisch.\nDer bisherige Theater-Director in Köln, Herr Kahle, ist jetzt\nin Graz als zweiter Tenorist engagirt, Sic Iransit gloria mundi.\n(W. BJ» f. Musik.)"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "409", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581225-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDas Seineiomelodion (Noten-Klanginstrument). Hector Berlioz über die Orchesterstimmung. Aus Bonn\n(Zweites Abonnements-Coneert). Von V s. Die neue Orgel in Barmen. Von Dr. Arnold. Viertes Gesellschafts-Concert im grossen\nGürzenichsaale. Tages- und Unterhaltungsblatt (Berlin, Miisicalien-Vcrstcigerung— Mainz, Zweites Concert des Kunst-Vereins\nCoburg, Neue Oper Regensburg, Concert Spirituel Leipzig, „Vampyr\", Gewandhaus-Concert, Dr. M. Hauptmann Wien).\n\nDas Semeiomelodion\n(Noten-Klanginstrument).\nEs ist dies der Name einer Vorrichtung für den mu-\nsicalischen Elementar-Unterricht, in so fern er die Ton-\nVerhältnisse betrifft. Der Erfinder, Herr Armin Früh,\nhat vor einiger Zeit diese Vorrichtung auch hier in Köln\nproducirt, und wir haben sie damals aus eigener An-\nschauung und Prüfung für höchst sinnreich erfunden, prak-\ntisch anwendbar und ohne Zweifel für den Unterricht\nhöchst erfolgreich erklärt. Herr Früh, von seinen Reisen\nzurückgekehrt, auf welchen er die Zeugnisse der bekann-\ntesten musicalischen Autoritäten in Paris, Brüssel, London,\nKöln, Leipzig, Prag, Wien, Berlin u. s. w. für seine Er-\nfindung gewonnen, hat seinen gegenwärtigen Aufenthalt\nin Dresden aufgeschlagen, wo er eine Anstalt zur Fabri-\ncation der Noten-Klanginstrumente errichten wird.\nUnter obigem Titel hat er eine kleine Broschüre her-\nausgegeben Halle, bei H. Karmrodt, 1859), in wel-\ncher er den leitenden Gedanken bei seiner Erfindung aus\neinander setzt und eine ausführliche Beschreibung des\nInstrumentes gibt. Das Wesentliche der Vorrichtung be-\nsteht darin, dass dem Kinde mit der Notenschrift zugleich\nder Klang vor die Sinne geführt wird, dass das Auge die\nNote im System sieht und das Ohr zugleich den Ton der-\nJ o\nselben in der Tonleiter hört. Es ist die Erfindung auf\ndas dringendste für den Gesang-Unterricht in Schulen zu\nempfehlen.\nlieber seine Idee lassen wir den Herrn Erfinder selbst\nreden, wie folgt:\n„Die bisherige Lehrweise, dem Schüler die Ton-Ver-\nhältnisse nach Noten beizubringen, ist eine unzureichende\nund unzweckmässige. Sie kann sich höchstens über das\ngeschichtliche, keinesfalls aber über das naturgemässe Recht\nausweisen, womit sie ihre Stellung einnimmt.\n„Die Noten sind eine Bilderschrift für die Töne; sie\nsind der unmittelbare Abdruck, das eng abschliessende\nKleid der Töne. Noten und Töne bilden in der Seele des\nComponisten ein einziges, ungeteiltes Ganzes. Schreibt,\nder Componist seine musicalischen Gedanken auf das Pa-\npier, so theilt er dieses.Ganze dennoch, so legt er den Ab-\ndruck, das Kleid der Töne heraus auf das Papier. Dieses\nIlerauslegen, dieses Aufschreiben geschieht nach einem ma-\nthematischen Grundgesetze; alles, was hei den Ton-Ver-\nhältnissen Regel heisst, steht in einem inneren organischen"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "410", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581225-01.1.2", "texte": "Zusammenhange nach einem Mittelpunkte hin und wird\nvon diesem aus bestimmt und beherrscht. Der Componist\ndarf gegen die Ordnung dieses mathematischen Grundge-\nsetzes keinen Verstoss begeben, ohne das musicalisch Em-\npfundene oder die Notenschrift zu entstellen. Dieses innere\nmathematische Grundgesetz ist nichts Zusammenraffmirtes\noder mit der Zeit erst allmählich Zustandegekommenes;\nnein, es ist genau eben so alt, als die Erfindung der Noten-\nschrift selber. Der erste Componist, der erste Noten-Auf-\nschreiber musste es schon kennen, sonst hätte er es nicht\nanwenden und Noten aufschreiben können zum Wieder-\nverständniss für Andere.\n„Wenn der Componist, wie wir eben gesehen haben,\naus den Tönen heraus nach einem bestimmten Grundge-\nsetze die Noten hervorbrachte, so hat nun der Elementar-\nunterricht keine andere Aufgabe als die, rückwärtsführend\ngenau nach eben demselben Grundgesetze aus den Noten\nheraus die Töne wieder zum Vorschein zu bringen. Die\näusserlich sichtbare Form will wieder zurückgeführt sein\nin dasselbe hörbare Urbild, aus welchem sie geboren ist.\n„Warum ist der mündliche Unterricht dieser Aufgabe\nnicht gewachsen?\n„Weil er nicht direct und unmittelbar, sondern in-\ndirect und mittelbar verfährt.\n„Die Noten sind fürs Auge da und die Töne fürs\nOhr. Beide Bestandteile, und das ist meine Idee, müsste\nder Unterricht von vorn herein in Eines zusammen legen\nund zusammen behandeln, damit sie der Schüler gleich-\nfalls zusammen begriffe. Der Unterricht müsste Auge und\nOhr zugleich hinlenken auf seinen Gegenstand, wie er sinn-\nlich wahrnehmbar ist in einer innigen Vereinigung, gleich-\nwie er dort in der Seele des Componisten ursprünglich\ngeistig vorhanden war. Das, was die Anschauung dem\nAuge an Diensten leistet, müsste zugleich auch fürs Ohr\nmit bewerkstelligt werden. Dann würde die natürliche\nVerbindungskette, welche die Sinnesthätigkeiten unter sich\nordnet, mit einem geringen Aufwände an Denkkraft schon\nausreichend sein, den Gegenstand zum geistigen Eigenthum\ndes Anfängers zu machen. So wäre der Unterricht ein\ndirecter und unmittelbarer, weil der Schüler mitten\nins Centrum der Sache hineingeführt würde-und keine\nanderen Mittel und Kräfte aufzubieten brauchte, als nur\nsolche, auf welche ihn die Natur hinweis't.\n„W as thut dagegen der mündliche Unterricht? Gerade\ndas Gegentheil. Er trennt die Note vom Tone, macht also\neine Kluft zwischen beiden, die sich um so weiter aufthut,\nje mehr Platz er selber einnimmt. Durch das Auseinander-\nreissen zweier eng zusammen gehörigen Theile verlieren\ndiese ihre gegenseitigen Verbindungsfäden und sterben ein-\nzeln ab. Die Notenschrift steht daher vor dem mündlichen\nUnterrichts-Verfahren als eine todte Bilderschrift, und nun\nerst, nachdem der mündliche Unterricht einmal das Un-\nrecht der Scheidung begangen hat, nun erst hat er eine\ngegründete Ursache, an seinem Platze zu bleiben, vorher\nhatte er sie nicht; nun erst übernimmt er die Ehrenpflicht,\ndas Verschuldete möglichst wieder gut zu machen und da-\nfür Sorge zu tragen, dass sie, die Notenschrift, wieder\nzum Leben erweckt werde. Natürlich ist diese Aufgabe\nfür ihn Endziel; und dieses Endziel zu erreichen, darf er\nnicht zu jenem natürlichen und directen Mittel zurückgrei-\nfen, es würde ja sonst seine Existenz gefährdet sein; es\nbleibt ihm nur übrig, sich an zwei künstliche Mittel zu\nhalten.\n„Eines dieser künstlichen Mittel ist die Reflexion.\nDiese, die sonst stets um einen Schritt zurückzutreten\npflegt, da, wo eine Sinnesthätigkeit, wie das Auge oder das\nOhr, mit einem ihr verwandten Gegenstande in Wechsel-\nwirkung treten will, sie muss sich hier gegen alle übliche\nGewohnheit herbeilassen, die Bilderschrift der Noten auf\ngewisse Begriffe zurückzuführen. Es wird dem Schüler\nz. B. gesagt: Diese Note hier heisst c und diese da f\nu. s. w. Diese scheinbar unschuldige Benennung führt den\nSchüler von dem Figürlichen und Wesentlichen der Noten-\nschrift ab und nöthigt ihn, auf Unwesentliches, auf Namen,\ndie vom Tone weiter abseits liegen, mehr Gewicht zu legen.\nBeim ferneren Verlaufe des mündlichen Unterrichts kommt\neine Unzahl von Regeln vor, z. B. die Regel für die Um-\nbildung der Stammtöne durch Vorsetzungszeichen (wie aus\nd durch ein vorgesetztes boder ji oder dis wird, wie\nCT Ti 7\ndadurch ein anderer Ton bezeichnet wird und welcher\nu. s. w.) oder die Regeln für den Bau der vielen Tonlei-\ntern, Intervalle oder Accorde. Die mündlichen Regeln wol-\nlen auf die Notenfiguren übertragen sein, sie wollen in\nihnen aufgehen, sie bilden also mit Hülfe der Reflexion,\nohne welche die Anwendung einer Regel nicht geschehen\nkann, die Notenfiguren in etwas Anderes um, was sie von\nvorn herein nicht sind und auch nicht sein wollen, sie ma-\nchen Begriffe daraus. Sind aber Begriffe daraus entstan-\nden, so ist das nur eine vorläufige Veränderung. Bei den\nBegriffen kann es nicht bleiben, dieselben müssen doch\nschliesslich zu einer klingenden Bedeutung hinführen; denn\ndas ist das Ziel des Unterrichts. Um dahin zu gelangen,\nmüssen die Begriffe nochmals umreflectirt werden in Töne,\nund hierbei läuft es wiederum auf neue Gesetze hinaus\nund auf abermalige Regeln, die, bei Licht besehen, noch\nviel schwieriger sind, als die ersteren.\n„Dass dieser Lehrgang einen Umweg macht, wird der\ngeneigte Leser schon jetzt zugeben. Der Umweg möchte\nimmerhin sein, wenn nur dabei der Zweck des Unterrichts\nnicht allzu sehr verfehlt würde. Es ist schon an sich für"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "411", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581225-01.1.3", "texte": "den Lehrer kein Leichtes, die Tonschrift in ihren inneren\nSeiten und einzelnen Regeln durch mündliche Erklärung\nerschöpfend wieder zu geben: wie verhält sich aber\nhierzu der Schüler? Fasst er den dargebotenen Stoff der\nbegrifflichen Darstellung auch nach Wunsch auf? Ich\nglaube nicht zu viel zu sagen, wenn ich behaupte: Nein,\ner zeigt sich vielmehr ungefügig und widerwillig.\nEs kann auch nicht anders sein. Begriffe sind etwas Ver-\nwickelteres, als Figuren. Wider Erwarten wird er genö-\ntigt, aus den letzteren die ersteren erst aufzusuchen. Der\nmusikfähige Schüler bringt schon Töne mit, die er fühlt\noder hört; es verlangt ihn, diese an die sichtbare Schrift\nauf kurzem Wege anzupassen. Die Begriffe liegen aber\nnicht auf dem unmittelbaren geraden Verbindungswege\nvon der einen bekannten in die andere unbekannte Grösse;\ndie Begriffe liegen wo anders, auf dem krummen WTege,\nsie liegen abseits. Dem Schüler will das Künstliche, was\nin dem mündlichen Lehrverfahren liegt, nicht behagen; er\nhat ein natürliches Gefühl von Abneigung gegen den Um-\nweg. Andererseits gehört zum Erfassen von Begriffen die\nFähigkeit des Begreifens selbst. Gibt es auch im Einzelnen\nbewundernswerthe Ausnahmen, findet man z. B. Kinder\nim zartesten Jugendalter, die über Begriffliches mit Leich-\ntigkeit hinwegkommen, so sind dies eben Ausnahmen, von\ndenen ich hier nicht rede. Bei Weitem die grosse Mehr-\nzahl der jungen Lernenden hat nicht die nöthige Fassungs-\nkraft für Begriffe, sie will auf dem Wege sinnlicher An-\nschauung die Lehr-Objecte auffassen, und sie fasst sie so\nauch hundertmal sicherer und leichter auf, als auf dem\nVerstandeswege. Sinnliche Anschauung und immer wieder\nsinnliche Anschauung, dies ist das echte Bildungsmittel für\ndie Jugend; reiferes Nachdenken ist Sache des vorgeschrit-\ntenen Alters. Hierin stimmen alle gewissenhaften Beobach-\nter des Jugend-Unterrichts überein. Göthe sagt mehr als\neinmal, dass das Kind nur das richtig begreift, was es mit\nseinen Sinnen fassen kann, besonders dann, wenn man es\nihm unter die Augen stellt. Ein Mann wie Pestalozzi hat\ndie reichen Erfahrungen seines ganzen Lehrerlebens in der\neinen Spitze der Anschauungslehre niedergelegt. Es müsste\nso sein, dass der Schüler die Noten, die er vor sich sieht,\ngleich mit innerem Leben versehen, d. h. klangbar, vor-\nfände. Er müsste sie nur mit dem Finger zu berühren\nbrauchen, um sofort ihre klingende Bedeutung zu hören.\nSo wäre die Verbindung zwischen den Tönen und der No-\ntenschrift unmittelbar hergestellt. Alsdann müsste der\nübrige gesammte Vorrath an einzelnen aus einander liegen-\nden Regeln ebenfalls zusammenbegriffen und organisch ge-\nordnet dem Auge und dem Ohr des Schülers plastisch\nvorgeführt werden, gleichwie dies vorher in der Seele\ndessen der Fall war, der die Noten erst aufgeschrieben hat.\nDass dieses durch einen besonders organisch conslruirten\nHüifs-Apparat geschehen musste, versteht sich von selbst.\nDerselbe macht nicht bloss die Reflexion völlig überflüssig,\nvielmehr vertritt er die Stelle des mündlichen Unterrichts\nüberhaupt in einer Weise, die sich noch viel eclatanter\nherausstellen wird, wenn ich noch gezeigt haben werde,\nwie sich das Gedächtniss zum mündlichen Unterrichte bis-\nher verhalten hat, und wie es sich in dem hier angegebe-\nnen Hülfs-Apparate künftig verhalten wird.\"\nAuch diese Auseinandersetzung ist sehr lesenswerth.\nDarauf folgt alsdann die ausführliche Beschreibung des\nNoten-Klanginstrumentes.\n\nHector Berlioz über die Orchesterstimmung.\nIst die Stimmung wirklich seit einem Jahrhundert ge-\nstiegen? Darüber ist in der ganzen musicalischen Welt\nkein Zweifel. Das Verhältniss, in welchem sie gestiegen\nist, scheint fast überall dasselbe gewesen zu sein, denn im\nGrunde sind die Unterschiede in den verschiedenen Län-\ndern und Städten jetzt doch nur unbedeutend. Namentlich\nmacht man zu viel Aufhebens von der verschiedenen Stim-\nmung in den Theatern von Paris; ich habe bei mehreren\nGelegenheiten Orchestermassen vereinigt, z. B. in der Kirche\nSt. Eustache, in den Champs Elysees, die aus den Orche-\nstern der drei Operntheater und aus Regiments-Musikcorps\ngenommen waren, und nach sorgfältigem Einstimmen\nmachte sich die Sache ganz gut.\nAuch bei den Musikfesten in Deutschland und Eng-\nland, bei denen ja die Orchester ebenfalls aus mehreren\nStädten vereinigt werden, macht man dieselbe Erfahrung.\nIndess iässt sich nicht läugnen, dass kleine Verschiedenhei-\nten bestehen. Die in Paris niedergesetzte Commission hat\nlast an alle Capellmeister und Dirigenten in Europa und\nAmerica geschrieben und um Einsendung ihrer Stimmga-\nbeln gebeten. Die Vergleichung derselben mit den vorhan-\ndenen Exemplaren aus den Jahren 1790, 1806 u. s. w.,\nwelche wir besitzen, wird es zur Evidenz bringen, dass die\nStimmung seit hundert Jahren um einen Ton gestiegen\nist. Wenn das so fortgeht, so wird sie im Jahre 2458\num eine Octave gestiegen sein!!\nAls die dramatische Musik in Frankreich Eingang fand,\nzu Luily's Zeit z. 8., war die Stimmung nicht eigentlich\nfixirt, allein sie war so beschaffen, dass die Sänger jede\nPartie ohne Anstrengung singen konnten. Als die Stim-\nmung allmählich stieg, hätten die Componisten darauf\nRücksicht nehmen und etwas weniger hoch schreiben sollen.\nSic thaten es aber nicht. Indess liess sich doch die Musik\nvon Rameau, Gretry, Gluck, Piccini und Sacchini für alle"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "412", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581225-01.1.4", "texte": "Stimmen noch immer leicht singen, mit Ausnahme einiger\nGesangstücke von Monsigny, der schon für die damalige\nZeit, geschweige denn für die unsrige, zu hoch schrieb.\nSpontini lieferte Tenor-Partieen, welche unsere jetzigen\nSänger sogar für zu tief liegend erklären.\nFünfundzwanzig Jahre später halte die Steigerung\nschon rasende Fortschritte gemacht, und man ging für den\nSopran und Tenor bis zu fabelhafter Höhe. Da kamen\ndenn für den Tenor das hohe ja, mit der Brust ge-\nnommen, und dergleichen Uehertreibungen auf, woran die\nfrüheren Componisten nicht gedacht hatten.\nDie Partie des Achill in Gluck's Iphigenie in Aulis,\neine der höchsten Tenor-Partieen, die er geschrieben, geht\nnur bis h, welches damals den Klang unseres jetzigen a\nhatte. Ein einziges Mal hat er im Orpheus ein hohes d\ngeschrieben, was denn derselbe Ton wäre, wie das drei-\nmalige cin Rossini's Wilhelm Teil; aber jene Note findet\nsich in einem langsamen melodischen Gang, der offenbar\nfür die Kopfstimme geschrieben ist, und in welchem sie\nnur hingehaucht, nicht aber mit Kraft eingesetzt zu wer-\nden braucht. Für Sopran hat die Alceste ein hohes b\nauszuhalten, also unser jetziges a. Die höchste Partie für\nSopran in Gluck's Opern ist die Daphne in\nr/ee; sie geht in einer der Arien bis ein einer Passage,\nalso immer nur bis zu unserem b; man sieht aber aus der\nganzen Partie, dass sie für eine von jenen ausnahmsweise\nerscheinenden Sängerinnen geschrieben ist, deren es zu\nallen Zeiten gegeben hat.\nUmgekehrt bemerkt man, dass die älteren französi-\nschen Componisten für die tiefen Stimmen höher schreiben.\nIhre Bass-Particen sind fast durchweg Bariton-Partieen;\nunter B gingen ihre Bässe nie, ja, selbst diese Note brach-\nten sie nur selten an; daher kommt es denn, dass Gluck'-\nsche Bass-Partieen heutzutage nur von hohen Baritonen\ngesungen werden können. Dass Gluck u. s. w. die tiefen\nBasstönc nicht schrieben, war bei der tieferen Stimmung\nnatürlich; hätte indessßerlioz in dem ganzen Aufsalze auch\nMozart berücksichtigt, so würde er in mancher Hinsicht\nzu anderen Resultaten gekommen sein.)\nFast noch schlimmer als für die Sänger ist die hohe\nStimmung für die Hornisten und Trompeter. Sie können\nviele Töne der höheren Octave ohne Gefahr gar-nicht\nmehr ansetzen. (Die höhere Stimmung trägt allerdings\netwas zu dieser Gefahr bei, sie ist aber keineswegs allein\ndaran schuld, und Berlioz hat Unrecht, wenn er die so oft\nverunglückenden Horn- und Trompetentöne nur auf Rech-\nnung der Stimmung setzt. Wenn man auch die Horn- und\nTrompetenstimmen, die Bach, Händel, Gluck u. s. w. ge-\nschrieben haben, um einen ganzen Ton tiefer transponirt,\nso kann sie doch heutzutage Niemand blasen. Die Trom-\npeterschulen fehlen, aus denen die Trompetercorps an den\nFürstenhöfen und bei den Stadtmusicis hervorgingen.)\nEs scheint ausgemacht, dass die Fabricanten der Blas-In-\nstrumente hauptsächlich an der Steigerung der Stimmung\nschuld sind. (Vergl. die entgegengesetzte Ansicht von La\nFage in Nr. 31 des laufenden Jahrgangs der Niederrhei-\nnischen Musik-Zeitung.)\nUeber das, was nun eigentlich zu thun sei, spricht\nsich Berlioz folgender Maassen aus:\nQ\n„Allerdings würde eine Erniedrigung der Stimmung\neine Wohlthat für die Tonkunst und namentlich für die\nGesangkunst sein; allein ich halte es für unmöglich, sie\ndurchzuführen, selbst nur in Frankreich allein, und ohne\nRücksicht auf die anderen Länder. Ein Missbrauch, der seit\neiner Reihe von Jahren sich festgesetzt hat, lässt sich nicht\nin wenigen Tagen abschaffen. Die Musiker und Sänger\nselbst würden am Ende die Ersten sein, die sich störrisch\ndagegen zeigten; eine solche Neuerung brächte sie aus\nihren Gewohnheiten, und wo gibt es etwas Unbesiegbare-\nres als die Gewohnheiten? Wollte man aber auch anneh-\nmen, dass ein Allerhöchster Wille die Reform befähle, so\nwürde es enorme Summen kosten, um sie wirklich durch-\nzuführen. Abgesehen von den Orgeln, müssten für alle\nTheater-Orchester und für alle Regiments-Musikcorps neue\nB 1 as-Instrumente angeschafft und der Gebrauch der bis-\nherigen aufs strengste untersagt werden. Und selbst wenn\ndas alles ermöglicht und verwirklicht würde, wer bürgt\ndann dafür, dass das ganze Ausland der Reform folgen\nwürde?\n„Das Beste dürfte also sein, die gegenwärtige\nStimmung zu fixiren.\n„Und das lässt sich ausführen. Wir sind im Stande,\ndie Zahl der Schwingungen eines tönenden Körpers mit\nmathematischer Genauigkeit zu bestimmen. Nimmt man\nz. B. das a der grossen Oper in Paris mit 898 Schwin-\ngungen in der Secunde als Normal-Typus an, so braucht\nman nur in dem Stimmsaale aller Concert- und Theater-\nOrchester eine Orgelpfeife aufzustellen, welche genau die-\nsen Ton angibt. Nach dieser Pfeife allein darf fortan ge-\nstimmt werden, nicht nach der Oboe oder Flöte u. s. w.j\nderen Tonhöhe mehr oder weniger von dem Bläser abhängt.\n„Es wird dann leicht sein, die Blas-Instrumente voll-\nkommen in Einklang mit der Orgelpfeife zu bringen. Allein\ndiese Instrumente müssen in dem Saale, wo die letztere\nsteht, unter Verschluss verbleiben, und dieser Saal muss,\nwie ein Blumenhaus, immer auf der mittleren Temperatur\neines mit Zuhörern gefüllten Opern- oder Concerlsaales ge-\nhalten werden. Dadurch wird erreicht, dass die Instrumente\nnicht kalt in das Orchester kommen und durch die Wärme\ndes Hauches der Bläser und der Atmosphäre des Saales"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "413", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581225-01.1.5", "texte": "nach einer Stunde höher werden. Ferner dürften die Blas-\ninstrumente eines Theaters, wenigstens eines vom Staate\noder der Civilliste unterstützten, unter keinem Vorwande\nje mit nach Hause genommen werden, damit es keinem\nBläser möglich werde, sein Instrument um ein Kleines ab-\nnehmen zu lassen. Endlich müsste die Regierung von Staats\nwegen das a von 898 Schwingungen als Normal-Typus\nbestätigen und jeden Fabricanten von Blas-Instrumenten,\nOrgeln und Ciavieren jeder Art, der Instrumente von hö-\nherer Stimmung in Vertrieb brächte, eben so bestrafen,\nwie die Verkäufer anderer Dinge, die falsches Maass und\nGewicht gebrauchen. Werden solche Maassregeln ergrif-\nfen und streng durchgeführt, so wird die Stimmung sicher\nnicht weiter steigen.\"\nErnst oder Spass? Da H. Berlioz Mitglied der Stim-\nmungs-Commission in Paris ist, so möchten wir beinahe\nmit A. Schindler glauben (s. Nr. öl v. 18. d. Mls.), dass\ndie Sache dort nach vieler „Artikelschreiberei\"\nquo bleiben werde. Um so mehr dürfte Schindlers Vor-\nschlag in Deutschland zu beachten sein. Aber auch hier\nsind die Gewohnheiten eben so unbesiegbar, wie in\nFrankreich!\n\nAus Bonn.\n\nDen 20. Dccember 1858.\nUnser zweites Abonnements-Concert unter Albert\nDietrich's Leitung fand am 17. December Statt, dem\nGeburtstage Becthoven's, und gestaltete sich so von\nselbst zu einer Feier, die dem Meister wohl vor Allem in\nseiner Vaterstadt gebührt. An der Spitze des Programms\nstand die erste Ouvertüre zur Leonore, nicht eine riesen-\nhafte Tonschöpfung wie die zweite und dritte, aber ein\nschönes, liebliches, an inniger Empfindung reiches Musik-\nstück, zur Einführung in den Geist der Oper wohl geeig-\nneter, als jene beiden gewaltigen Werke, die eigentlich\nnichts neben sich und nach sich dulden; und den Schluss\ndes Concerls bildete die Eroica. Die Ausführung dieser\nbeiden Instrumentalwerke, der Niemand seinen Beifall ver-\nsagen konnte, gab uns einen Maassstab für das, was selbst\nunvollkommenen und beschränkten Kräften zu erreichen\nmöglich ist, wenn sie durch eine wahrhaft künstlerische\nLeitung angeregt und erhöht werden. Unser Orchester ist\ngewiss nicht zu denjenigen zu rechnen, von denen man\nbedeutende Kunstleistungen zu erwarten berechtigt ist.\nUm so höher wird jeder Einsichtige das Verdienst des Dir\nrigenten schätzen, dem es gelingt, das künstlerische Ver-\nständniss, das in ihm selbst lebendig ist, auf ein solches\nOrchester gleichsam zu übertragen, so dass es befähigt\nwird, die grossen Schöpfungen der Meister in unverküm-\nmerter Schönheit wiederzugeben.\nDie reinste Bewunderung erwarb sich Herr Musik-\nDirector Ed. Franck aus Köln durch den Vortrag des\nBeethoven'schen Concerts in Es-dur. Es ist leicht, einen\nKünstler wie Franck zu loben; denn die Vollendung seines\nSpiels leuchtet Jedem ein; man gibt sich willig dem Ein-\ndrucke hin, der von diesen Tönen ausgeht, und das Wort\ndes Lobes, der Anerkennung findet sich von selbst. Nicht\neben so leicht aber wird es, die Eigenthümlichkeit dieses\nSpiels genauer zu bezeichnen. Franck ist im Besitze einer\nTechnik, die auch das Schwerste mit so unfehlbarer Si-\ncherheit überwindet, dass in dem Hörer nie auch nur die\nAhnung einer Schwierigkeit aufsteigt. Aber diese Technik\nlässt er nicht um ihrer selbst willen glänzen; alles, was\nman im Einzelnen an seinem Spiele loben könnte, tritt zu-\nrück, ja, verschwindet hinter dem Gcsammt-Eindruck des\nGanzen. Der in die Kunst des Ciavierspiels eingeweihte\nKenner mag die wunderbar leichte und graziöse Behand-\nlung der Passagen, des Trillers, die ungezwungene Anmuth\nund den einfachen, ungesuchten Ausdruck im Vortrag der\nCantilene rühmen; für den Zuhörer, der nur gemessen\nwill, gibt es dergleichen einzelne Vorzüge in Franck's Spiel\ngar nicht. Denn ihm, dem echten Künstler, dient die voll-\nendete Technik nur dazu, aus dem Vortrage jede mate-\nrielle Schwere zu verbannen, damit die innere geistige\nNatur des Kunstwerkes sich frei und ungehindert uns oi-\nO\nfenbare. Gleichsam als ob er keiner Vermittlung bedürfe,\num uns vernehmlich zu werden, redet der Geist des Wer-\nkes selbst unmittelbar zu uns. Wie es aus der schöpferi-\nschen Kraft seines Meisters hervorgegangen, so steht das\nKunstwerk vor uns da, vollkommen und ganz; es ist ihm\nnichts von seiner wahren Schönheit genommen, es ist ihm\nkein falscher Putz aufgezwungen worden. So empfangen\nwir das Kunstwerk gewisser Maassen aus erster Hand und\nin der reinen Freude, mit der es uns erfüllt, vergessen wir\nden nachschauenden Künstler, der es unserem Genüsse\ndarbietet. Dieses ist die Wirkung, nach der jeder streben\nsollte, der es sich zur Aufgabe macht, ein Kunstwerk zu\nreproduciren. Freilich kann diese Wirkung nur der erzeu-\ngen, der mit tiefer Einsicht in das Innerste der Kunst ein-\ngedrungen ist und zugleich jene allseitig gereifte künstleri-\nsche Bildung besitzt, nach der zu streben einem Jeden ge-\nboten, die zu erreichen aber nur Wenigen vergönnt ist.\nWas wir von Vocalmusik hörten, bewegte sich ganz\nauf geistlichem Gebiete. Es war ein Psalm von Mendels-\nsohn (Non nobis Domino, Op. 31) und J. Seb. Bach's\nCantate „Bleib' bei uns\". Der Psalm es ist der 1 lote,\ndem aber der Componist nicht weniger als acht Verse\nentzogen hat gehört zu den früheren Productioncn Men-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "414", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581225-01.1.6", "texte": "delssohn's und theilt mit diesen alle die Vorzüge, die den\nCompositionen aus der späteren Zeit nicht immer in glei-\nchem Maasse eigen sind; es ist ein Stück voll frischer Kraft\nund reizvollen melodischen Ausdrucks.\nDie wohlgelungene, von echter Weihe erfüllte Auf-\nführung der Bach'schen Cantate war nicht die geringste\nZierde dieses reichen Concert-Abends. Die Worte, die zu\ndem auferstandenen Heilande gesprochen wurden Evang.\nLue. 24, 29.), haben dem tiefsinnigen Meister unserer\nKirchenmusik eine jener Compositionen eingegeben, in de-\nnen sein Gemülh und sein Glaube ihren herrlichen Aus-\ndruck finden. In dem grossen Chor, dem Hauptstück des\nGanzen, wird der Sinn jener einfachen und doch so be-\nziehungsreichen, so vieldeutigen Worte ganz ausgeschöpft.\nDie Empfindung steigt auf und nieder, von sehnsüchtig\nschmerzlichem Flehen bis zu lebhaft andringender Bitte;\ndann spricht sie sich noch einmal, subjectiv gesteigert, in\nder Tenor-Arie aus, durch deren Vortrag Herr Dr. Kl..n\nabermals sein Verständniss classischer Musik bewährte.\nDas Concert liess den wohlthuendsten, erhebendsten\nEindruck zurück; es war eine würdige Feier des Tages,\nan dem uns vor nun bald neunzig Jahren Beethoven ge-\nboren wurde.\n\nV---s.\n\nDie neue Orgel in Barmen.\nDr. Arnold.\nAm verflossenen Dinstag (den 7. December) wurde\ndie grosse, von den Herren A. Ibach und Söhne neu\nerbaute Orgel in der Unterbarmer-Kirche zum ersten Male\ndem Publicum durch Herrn van Eyken vorgeführt. Mit\ndiesem kostbaren Werke ist das Wupperlhal um eine\nZierde bereichert worden, wie es bisher nichts Aehnliches\naufzuweisen hatte, und fühlen wir uns um so mehr ver-\npflichtet, darüber näheren Bericht zu erstatten, als es ein\neinheimisches Kunstproduct betrifft, um das uns gewiss\nviele bedeutende Städte beneiden dürften.\nDie Orgel, deren prächtige architektonische Fassung von\nHerrn Baumeister Schnitzler herrührt, enthält 53 klin-\ngende Stimmen, 3 Manuale und freies Pedal. Die Gesammt-\nwirkung des Instrumentes ist eine wahrhaft erhabene, echt\nkirchliche. Fülle, Kraft und Würde bezeichnen ihren Cha-\nrakter; das Siegel der künstlerischen Vollendung offenbart\nsich in der wunderbaren Harmonie, in der die verschiede-\nnen Stimmen zu einander stehen. Keine brüllenden Bässe,\nkeine kreischenden Mixturen, keine säuselnden Flöten, wo-\ndurch der Unerfahrene so leicht bestochen wird. Gerade\ndarin, dass keine Stimme die Gränze der kirchlichen Würde\nüberschreitet, dass keine eine Ausnahmestellung bean-\nsprucht, sondern alle nur dazu da sind, um durch ihre Ge-\nsammtwirkung einen feierlichen, erhebenden Eindruck her-\nvorzubringen, darin liegt die hohe künstlerische Bedeutung\ndieses Werkes. Dabei fehlt aber keineswegs die nöthige\nMannigfaltigkeit; im Gegentheil wird es gerade durch die\nmeisterhafte Harmonie, in der alle Stimmen zu einander\nstehen, erst recht möglich, die zartesten Nuancen im Be-\ngistriren zu erreichen. Unter den 53 klingenden Stimmen\nmachen wir als ganz besonders ausgezeichnet namhaft:\nim Haupt-Manual: Bohrflöte, Gambe und Trompete,\nsämmtlich achtfüssig; im zweiten Ciavier: Principal, Fu-\ngara, Gemshorn, sämmtlich achtfüssig, und eine vierfüssige\nBohrflöte; im dritten Ciavier: Salcional und Vox\nachtfüssig, und Fugara, vierfüssig. Im Pedal: Subbass,\nViolon, Principal-Bass und eine wahrhaft grossartige Po-\nsaune, sämmtlich sechszehnfüssig, und endlich eine aeht-\nfüssige Juballlöte, ein von den Herren Ibach selbst erfun-\ndenes Begister von wunderbarer Wirkung. Die Intonation\ndes Ganzen war musterhaft.\nHerr van Eyken war so recht der Mann, um dem\nüberaus zahlreich versammelten Publicum die reichen\nSchönheiten und Vorzüge dieses herrlichen Werkes vor-\nzuführen und nach jeder Seite hin zur Geltung zu bringen.\nDas köstliche Instrument scheint ihn selbst zur besonderen\nBegeisterung erhoben zu haben, denn wir entsinnen uns\nnicht, von seinem Spiel jemals so hingerissen gewesen zu\nsein, wie gerade an diesem Abende. Nicht wenig wurde\ner von der trefflichen Akustik unterstützt, welche gerade\ndie Unterbarmer-Kirche auszeichnet und sie vorzugsweise\nzu musicalischen Ausführungen geeignet macht. Möge Herr\nvan Eyken uns den Genuss gewähren und noch recht oft\nzu seinen öffentlichen Vorträgen gerade diese Orgel wäh-\nlen, die als Königin über alle anderen Orgeln des Wup-\nperthales hervorragt.\n\nViertes Gresellschafts-Concert in Köln\nim Hauptsaale des Gürzenich.\nDinstag, den 21. December 1858.\nDas Programm für dieses Concert konnte nicht so ausgeführt\nwerden, wie es bestimmt worden, indem Herr Servais, den man>\nvon Brüssel erwartete, durch ein Missverständniss über den Tag des\nConcerts ausgeblieben war.\nDas Concert begann mit Beethoven's Ouvertüre zur Leonore\nin C, Nr. 1., einem Werke, das im Stil den Cherubim'sehen Ouver-\ntüren zu vergleichen ist. Die Ouvertüre ist recht hübsch, allein ge-\ngenwärtig, wo man die grosse Leonoren-Ouverture nicht aus der\nErinnerung verbannen kann, hat sie doch mehr nur ein historisches\nInteresse.\nHierauf spielte Herr Concertmeister von Künigslüw mit an-\nerkennungs werther Bereitwilligkeit (an der Stelle des Concert es von"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "415", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581225-01.1.7", "texte": "Servais) das Violin-Concert von Spo h r Nr. 9 mit künstlerischer\nAuffassung und Vortragsweise sehr schön. Der Chor sang ci ccipellct\ndas kleine 0 salularis hostia von Rossini, das wir zum ersten\nMale hörten. Es beginnt mit einer starken Reminiscenz aus Bach\nund hat einige überraschende Stellen, dürfte aber im Ganzen doch\nzu denjenigen Compositionen gerechnet werden müssen, die nur durch\neinen berühmten Namen interessant sind.\nEine recht gute Ausführung der Sinfonie Nr 3 in A-moll von\nNiels W. Gade schloss die erste Abtheilung des Concertes. Das\nWerk sprach unser Publicum im Ganzen wohl an, machte jedoch\nkeinen bedeutenden Eindruck. Uns gefiel der erste Satz am besten;\ndas Adagio ist sehr unbedeutend, und der originelle und sonst sehr\nansprechende dritte Satz hätte vielleicht durch ein etwas bewegteres\nTempo nach dem Vorhergehen eines gedehnten Tempo's mehr ange-\nregt, als es der Fall war. Wir hörten, dass der Componist selbst\ndasselbe langsame Tempo nehme, das Hiller nahm, müssen aber\ntrotzdem der Meinung bleiben, dass das Anmuthige dadurch in Weh-\nmiithiges verkehrt wird, was nach dem monotonen Adagio eben\nnicht wünschenswerth ist.\nWährend der Pause lief das Gerücht durch den Saal, Herr\nServais sei angekommen. Es wurde bald durch eine Ansprache\ndes Herrn Dirigenten an das Publicum bestätigt, welches sich gern\ndamit einverstanden erklärte, etwas länger zu verweilen, um den\ngrossen Künstler zu hören.\nDie zweite Abtheilung begann mit der sehr gelungenen Auffüh-\nrung der Lorelei von Wolfgang Müller und von Ferd. Hil-\nler, durch welche diese schöne Composition besonders durch die\nChöre und die herrliche Behandlung des Orchesters wieder in \\olles\nLicht trat. Auch die Solo-Partieen (Lorelei Fräulein Schröder\nvom hiesigen Theater, Fischerknabe Herr W olters aus Ham-\nburg) waren ganz gut besetzt und wurden mit verdientem Beifall\naufgenommen.\nHerr Servais, dem nur eine kurze Frist geblieben war, sich\nund sein VioToncell in convenienzmässigen Zustand zu setzen, ent-\nschloss sich, im Vertrauen auf Hiller und das kölner Orchester,\nohne Probe zu spielen: und siehe, das Orchester und sein Diri-\ngent begleiteten a vista ein grosses Concert und eine Phantasie über\nslawische Melodieen höchst präcis und ohne allen Fehler. Servais,\nder zum ersten Male vor unserem sehr solide denkenden Publicum\nauftrat, machte dasselbe Anfangs durch das Originelle seiner Vor-\ntragsweise etwas stutzig, endete aber natürlich damit, Alles zur Be-\nwunderung hinzureissen. Wir theilen unsererseits, besonders seitdem\nwir Gelegenheit hatten, ihn gestern nochmals in einer Soiree bei\ndem Herrn Grafen von Stainlein zu hören, wo er ganz ä son aise\nwar und sich den Eingebungen seines Genie's hingab, diese Bewun-\nderuog vollkommen von dem Standpunkte aus, welcher in der Ton-\nkunst die volle Berechtigung der Virtuosität anerkennt, zumal bei\neiner so exeeptionellen Künstlernatur, wie Servais unzweifelhaft ist.\nWir werden auf sein Spiel späterhin zurückkommen.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nA.\nIn Berlin kommt am 17. Januar 1859 in der Buchhandlung\nvon li. Friedländer & Sohn, Kurstrasse Nr. 9, eine seltene\nSammlung von musicalischen Büchern, zum grossen Theil aus\ndem XV. und XVI. Jahrhundert, zur Versteigerung. Sie rührt her\naus der Bibliothek des verstorbenen k. k. österreichischen t eldzeug-\nmeisters von Kude 1 k a, dessen Sammlerliebe für musicalische\nWerke seines Gleichen nicht hatte. Vierzig Jahre lang hatte er mit\ngrossen Kosten und durch mancherlei nur einem Manne seiner Stel-\nlung zugängliche Verbindungen diese Schätze zusammengesucht. Es\nist schade, dass die Sammlung nicht einer öffentlichen Bibliothek\neinverleibt wird. Selbst der grosse Kenner der musicalischen Litera-\ntur, der verstorbene Bibliothecar Dehn in Berlin, fand in ihr ein-\nzelne ihm ganz unbekannte Werke, und eben so viele, nach denen\ner bisher vergebens gesucht. Wir finden im Katalog u. A. : Mart.\nAgricola Musica figuralis Deudsch, 1532. Arcadelt 5 Bücher Madii-\ngali, 1546. Bonaventura Regula Musicue, Brunetti Euterpe, Ma-\ndrigale für I—41—4 Stimmen, 160 G. Caccini Le nuove Musiche und des-\nsen Euridice, 1600. Flores Musice Canlus Gregoriani, 148 8. ux\nGradus ad Parn., 1725. Original-Ausgabe. Gerbert Äthan. Kircher\nMarcello (8 Bde. in Fol ) Martini Storia della Musica, o Bde.\nLichtenthai, P., Diiionuario della musica, Milana, 1826. 4 Bde. 8.\nLuscinius Miisurgia, 1536, mit Abbildungen der Instrumente in Holz-\nschnitt. Mattheson's Werke. Mersenne Ilarmonicorum l. All*\nParis, 1648. Fol. Newsidler, Teutsch Lautenbuch, 1574. , Prä-\ntorius Printz Tartini Trattato di Musica W alther s Lexi-\nkon u. s. w. Ferner eine Theorbe von Jos. Ellinger in Prag,\na. 1720.\n16. December. Das zweite grosse Concert der diesjäh-\nrigen Saison des hiesigen Kunst-Vereins fand am 10. d. Mts.\nunter der Leitung des Herrn Capellmeisters Fr. Lux Statt und\nbrachte uns von Instrumentalsachen in sehr gelungener Aufführung\ndie wunderbare yl-r/wr-Sinfonie von Beethoven und die Ouvertüre\nzum Wasserträger von Cherubini. Vocalsachen trugen vier\nwackere Dilettantinnen den 23. Psalm (Gott ist mein Hirt) von Ir.\nSchubert, und Herr Baritonist Appe vom hiesigen Stadttheater die\nArie aus Jessonda von Spohr mit vielem Beifall vor. Eine Compo-\nsition des Herrn Lux, „Des jungen Kriegers Scheiden'*, für zwei\nSoli und Männerchor mit Blasinstrumenten-Begleitung konnte wegen\nplötzlicher Erkrankung eines Solisten nicht zur Aufführung kommen;\nstatt dessen wurde vom mainzer Männergesang-Vereine der O-Isis-\nChor und „Kriegers Gebet\" von Fr. Lachner mit gewohnter Prä-\ncision vorgetragen. Von den kleineren Concerten des Kunst-Ver-\neins möge hier noch erwähnt werden, dass in einem derselben ein\nTrio, B-dur, Op. 17, für Piano, Violine und Violoncello, eine Com-\nposition unseres in Havre lebenden Landsmannes A. Oechsner,\nvon den Herren Lux, Heinefetter und Horn dem Publicum vorge-\nführt wurde. Die Composition selbst (bei Richault in Paris erschie-\nnen) kann als eine sehr gediegene Arbeit hingestellt werden, und\nsind wegen Originalität der Erfindung namentlich das Scherzo und\nwegen effectvoller Behandlung der Instrumente das Adagio hervor-\nzuheben. Von der hiesigen Liedertafel und dem Damen-\nGesangverein (Di/igent Herr Musik-Director Fr. Marpurg)\nwurde am 13. d. Mts. im hiesigen Stadttheater HändeFs Samson zur\nAufführung gebracht, und es hätte diese Aufführung eine gelungene\ngenannt werden können, wenn nicht eine Differenz mit dem hiesigen\nTheater-Orchester den Vorstand der Liedertafel dazu veranlasst hätte,\nzu diesem Concerte ein Orchester zusammen zu stellen, welches aus\nMilitärmusikern, Dilettanten und einigen herangezogenen Kräften\nvom Wiesbadener Orchester bestand und allein durch die letztge-\nnannte Verstärkung sich halten konnte. Die Chöre waren mit un-\nverkennbarer Sorgfalt einstudirt, die Soli, in den Händen von Di-\nlettanten, Hessen, mit Ausnahme des Tenors, Manches zu wünschen\nübrig.\nIm Hoftheater zu Coburg wurde am 5. d. Mts. zur Vorfeier des\nGeburtstages der Herzogin die neue Oper des Herzogs, „Diana von"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "416", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18581225-01.1.8", "texte": "Solange\" unter grossem Beifalle zum ersten Male aufgeführt. Der\nfürstliche Tondichter mit seiner Gemahlin wohnte der Aufführung\nin der Prosceniums-Loge bei, dessgleichen der Herzog von Würtem-\nberg, während fiir die übrigen auswärtigen Gäste des Hofes die\ngrosse herzogliche Mittelloge bestimmt war. Unter den zahlreichen\nGeladenen befand sich auch Herr Otto Preclitler, der Verfasser des\nTextes.\nRegens!»B. December. Bei dem gestern Statt gehabten\nConcert Spirituel im grossen Saale des neuen Gescllschaftshauses\nstand Herr Dom-Capelimeister Schreins am verwais ten Dirigenten-\npulte. Das Programm lautete: Erste Abtheilung: 1) Sinfonie von J.\nHaydn in Es, Op. 91. 2) Der 126. Psalm, für mehrere Singstimmen\ncomponirt von J. G. Mettenleiter. Zweite Abtheilung: 1) Ouvertüre\nin Ut 124) von L. van Beethoven. 2) Concert für Pianoforte\nmit Begleitung des Orchesters von Mozart, b) lialleluja aus Ilän-\ndel's Messias. Die Leistungen des Orchesters waren in jeder Be-\nziehung tüchtig; eben so errang sich Ilerr Dieieiich duich sein\nPianofortespiel rauschenden Beifall. Den Preis des 1 ages trug aber\nder Sängcrohor durch den Vortrag des so viele Schwierigkeiten bie-\ntenden Mettenleiter'sehen Psalmes davon Der leider zu früh keim-\ngegangene Meister hinterliess dieses Werk im Manusciipte und \\>iiide\ndasselbe zur erstmaligen Aufführung gebracht. Die meisterhafte Be-\nhandlung des Textes (~An Babels Flüssen sassen wir und weinten,\nals. wir an Zion dachten\") setzte nicht minder in Erstaunen, als die\nbewundernswerthen contrapunktischen Kunstformen besondcis die\nKenner fesselten.\nXieipziig* Marscliner's „Vampyr\" ging am 24. November\nneu einstudirt in Scene. Die Gcsammt-Darstellu ng war für unsere\nKräfte gut und wurde von einem überfüllten Hause so beifällig auf-\ngenommen, dass wir nun auch die dritte und musicalisch bedeutend-\nste Oper Marscliner's wohl als dauernd für unser Repertoire wieder-\ngewonnen ansehen können.\nO\nMan schreibt aus Leipzig: ~Das neunte Gewandhaus-Concert\nwar eines der anregendsten der K?aison; mein jedoch durch die mit\nwirkende Künstlcrschaft, als durch das Programm selbst. Zur Auf-\nführung kamen: Symphonie D~ d LT* von v j\naus der Oper „Persee\" von Lully, gesungen von Frau Viardot-\nGarcia; Concert A-moll für die Violine von Molique, vorgetra-\ngen von Ludwig Strauss; Arie aus der Oper die „Italienerin in\nAlgier'4; Leonoren-Ouverture von Beethoven; xirie aus Tost faii tutte\nvon Mozart (Frau Garcia); Les Arpeges, Caprice für Violine von\nVieuxtemps (L. Strauss). Wenngleich man bei Frau Garcia die aus-\nserordentliche Methode im Gesänge würdigte, so \\ermoehvC iLie\nLeistung im Ganzen keinen tieferen Eindruck zu eizieien Htii\nLudwig Strauss aus Wien bewährte den ihm vorausgegangenen Ruf\nals trefflicher Violinspieler, der mit grosser Fertigkeit und klarer\neinen brillanten \\ ortrag verbindet. Reichel \\*uide\nihm zu Theil. Fräulein Josephine Bondi aus Wien spielte\nim dritten Euterpe-Concerte das Es-dur-Concert von Beethoven mit\nBeifall.\nHerr Musik-Director Dr. M. Hauptmann, Cantor an der\nThomas Kirche und Lehrer am Conservatorinm der Musik zu Leip-\nzig, ist auf Vorschlag des Ordens-Capitels vom Könige von Baiern\n2Um Ritter des Maximilians-Ordens für Kunst und \\\\ issenschait er-\nnannt worden.\nWien. Im neunten Concert der Schwestern Ferni, das aber-\nmals sehr gut besucht war, trug Fräulein \\ iiginia dt,n eisten\nSaU eines Concertes von Rode und das siebente Concert von Bc-\nriot vor. Konnte sie des letzteren nicht ganz mächtig werden, so\nentfaltete sie dagegen in dem Rode'schen Satze eine so sichere, feste\nHaltung, und namentlich im Vortrage der Gesangsstellen ein so\nschönes Maass der Empfindung, dass sie sich mit Recht des lebhaf-\ntesten Beifalls erfreute. Carolina spielte eine Phantasie von Alard,\n„Souvenir de Mozart\", in welcher die Motive von „La ci darem la\nmemo66 und der Grundgedanke des ersten Satzes der G-moII-Sinfonie\nzu verschiedenen Variationen verarbeitet sind, und eine ähnliche\nParaphrase über den Beethoven'schen „Sehnsuchtswalzer\" von Leo-\nnard. Der Vortrag der Motive, namentlich jener von „La ci darem66,\nwar nicht von dem echten Gepräge; im Uebrigen aber entfaltete die\njugendliche Künstlerin wieder den ganzen Glanz ihres schwungrei-\nchen, kühnen Spiels, dem beinahe nie etwas misslingt, besonder»\nihr unvergleichliches Staccato.\nIm zehnten Concerte, das bei ausverkauftem Hause Statt fand,\nspielte Fräulein Virginia die „Reverie\" von Vieuxtemps mit\nPianoforte-Begleitung. Derjenige, dem noch Laub's Vortrag dieses\nausdrucksvollen Tonstückes in Erinnerung war, konnte sich von dem\nSpiele des Fräuleins nicht ganz befriedigt finden. Nebstbei spielt«\nsie die Lucia-Phantasie von Hermann und mit ihrer Schwester „Le\ntorrenlu für zwei Violinen ohne Begleitung von Beriot und eine\nPhantasie für zwei Violinen mit Orchester von Alard. Carolina\nspielte überdies eine Paraphrase über Verdi's 9}(\\abucco66 von Leo-\nnard Der Vortrag -aller dieser Tunstücke war ausgezeichnet, der\nBeifall stürmisch.\nDer bisherige Theater-Director in Köln, Herr Kahle, ist jetzt\nin Graz als zweiter Tenorist engagirt, Sic Iransit gloria mundi.\n(W. BJ» f. Musik.)"}]}