{"numero_id": "bm-bmtnabi-1859-01-01-01", "volume": "bmtnabi_1859-01-01_01", "ocr_sha256": "d86157ce3acd3547012959795abe58721557b85fc2346b1bdbf5f4c2039dcffa", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1859/01/01_01/bmtnabi_1859-01-01_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590101-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1859-01-01-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-01-01_01#c001", "volume": "bmtnabi_1859-01-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "1", "page_fin": "1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590101-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590101-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 446, "texte": "Inhalt.\nAus den Museums-Concerten zu Frankfurt am Main. I. Pariser Briefe (Theulre lyrique Streit über den Ein-\nnahme- Antheil ausländischer Componisten La Harpe (Tor, Oper von F. Godefroy). Theater in Wiesbaden (Balfe's Zigeunerin). Von\nW. W. Maria Anna Sehikaneder. Von M. Tages- und Un ter h al tun gsbl all (Köln, Capellmeister Joh. Vogt A. Schind-\nBiographie Beethoven's Haag, Mendelssohn'» „Paulus\" Dresden, Neue Oper Wien, Opern-Bericlit)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-01-01-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-01-01_01#c002", "volume": "bmtnabi_1859-01-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "1", "page_fin": "3", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590101-01.2.2", "titre_corps": "Aus den Museums-Concerten zu Frankfurt am Main.", "titre_sommaire": "Aus den Museums-Concerten zu Frankfurt am Main.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590101-01.1.1", "debut_caractere": 448, "fin_caractere_exclue": 2751, "texte": "Aus den Museums-Concerten zu Frankfurt am Main.\nI.\nSeit einigen Jahren hat der Vorstand dieses Instituts\nbegonnen, namhafte Künstler aus der Ferne zur Produc-\ntion einzuladen, um diesen Concerten einen erhöhteren\nGlanz zu verleihen. So war zuerst Gelegenheit gegeben,\nFrau Schumann, dann Herrn Laub zu hören; im vori-\ngen Winter erschien Herr Joachim. In der laufenden\nSaison aber hat sich das Herbeiziehen fremder Künstler\ndahin gesteigert, dass in jedem der drei ersten Concerte\neine Instrumental-Notabilität zu hören war. Im ersten (am\n5. November) trat Herr Vicuxtemps auf, im zweiten\n(am 19. November) Herr Rosenhain aus Paris, und im\ndritten (am 3. Dccember) Herr Singer aus Weimar. In\nder Vocal-Partie hörten wir Fräulein Peters (aus Düssel-\ndorf gebürtig und Novize der hiesigen Oper) mit guter\nStimme und achtungswerther Vorbildung, die sie in Dres-\nden genossen; ferner erfreute noch die Zuhörer die auf\nihren Lorbern hier ruhende Frau Saloman-Nissen, eine\nKünstlerin mit gediegener Schule und vortrefflicher Me-\nthode, womit diese Dame jungen Talenten auf dem schwie-\nrigen Kunstpfade als Muster vorleuchten kann. Wir wollen\nuns aber hauptsächlich den Leistungen der fremden Künst-\nler zuwenden.\nDie Sorgfalt für so splendide Ausstattung der Con-\ncerte Seitens des Vorstandes scheint nicht bloss aus oben\nangeführtem Grunde, sondern zugleich aus der richtigen\nAuffassung hervorzugehen, worin eigentlich die Aufgabe\nvon derlei Instituten in einer Zeit systematischen und me-\nthodischen Geschmacks-Verderbnisses bestehe. Ist diese Prä-\nsumption die richtige, dann sei die Wendung der Dinge\nin Leitung dieses Instituts freundlichst begrüsst; anderes\nnoch zu Wendendes und zu Verbesserndes wird vielleicht\ndie Zeit bringen—nur nicht zu spät! Indess ist damit kei-\nneswegs ausgesprochen, dass jede der herbeigezogenen\noder ferner herbei zu ziehenden Notabilitäten den Concert-\nAbenden nebst erhöhterem Glänze auch eine höhere\nWeihe zu verleihen im Stande ist, und ob es nicht bei\nbefriedigter Neugierde sein Verbleiben behält, den be-\nrühmten X. ebenfalls gehört zu haben. Diese Unterschei-\ndung wird sich aus der kurzen Charakteristik des von die-\nsen drei genannten Künstlern Gehörten so ziemlich von\nselbst ergeben. Möge jedoch gestattet sein, vorab einen\nverwandten Punkt (lüchtig zu berühren."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590101-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5381, "texte": "Spricht man über Kunst-Institute, wie das frankfurter\nMuseum, den Cäeilien-Verein daselbst, und über andere\nzu gleichen Zwecken bestehende, so wird man zu der Be-\ntrachtung gedrängt, was wohl ohne dieselben, ganz be-\nsonders ohne die gemischten Gesang-Vereine in Verbin-\ndung mit dem Orchester, aus aller Musik geworden wäre.\nErkennt man den mächtigen Einlluss dieser Institute\nauf Erhaltung des wahrhaft Guten und Schönen im Be-\nreiche des Höchsten in der Tonkunst, fühlt man den star-\nken Damm, der mittels derselben der immer tiefer wüh-\nlenden Depravation entgegengestellt ist, so muss man in\ngerechter Würdigung der Thatsachen diese Institute für\ndie eigentlichen Conservatorien nehmen, nicht die so be-\nnannten, die nur Musikschulen sind, deren Werth und Be-\ndeutung für das Beste der Kunst nicht höher anzuschlagen\nist, als bei jeder anderen Schule. So wenig man mit Si-\ncherheit vorn Knaben sagen kann, er werde ein Mann und\nein ganzer Mann werden, eben so wenig lässt sich mit\nSicherheit sagen, dass unter hundert talentbegabten Schü-\nlern einer Musikschule nur Einer die Höhe wahrhafter\nKünstlerschaft, sei es schöpferisch oder bloss ausübend,\nerreichen und auf derselben das Beste der Kunst löidem\nwerde, selbst mit Hintansetzung persönlicher Interessen.\nMan blicke hin auf die Musikschulen zu Paris, zu Brüssel,\nzu Prag, zu Wien, und frage nach der Anzahl der Künst-\nlergrössen, die daraus hervorgegangen. Will man den\nBegriff von Conservatorium, Erhaltungs-Anstalt des\nwahrhaft Guten und Schönen, auffassen, wie er sich\ndem offenen Auge darstellt, dann dürfen sich die Städte\nBerlin, Hamburg, Leipzig, Köln nebst anderen Rhein-\nstädten, Frankfurt an der Oder und am Main, Münster\nund München mit Recht rühfnen, seit vielen Decennien\nschon Conservatorien in ihren Mauern in bester Pflege des\nGuten und Schönen zu besitzen. In einigen dieser Städte\nbestehen seit 30 bis 40 Jahren schon derlei fest begrün-\ndete Institute in ununterbrochener Thätigkeit, die je nach\nmehr oder weniger verständiger Leitung im rein Künst-\nlerischen mehr oder weniger bildend auf ihr Publicum ge-\nwirkt haben und noch wirken. Ueberhaupt die Fran-\nzosen hatten nicht die Absicht, durch die Wahl des hoch-\nklingenden Titels „Conservatoire de Musique\", anstatt des\ngar zu gewöhnlichen ~EcoleMmicale\", andere Nationen\nzur Nachahmung anreizen zu wollen.\nUnd nun zur genannten Künstler-Trias zurück. Da\ngebührt die Ehre des Vortritts dem Vorzüglichsten.\nHerr Rosenhain liess sich nicht bloss als ausüben-\nder Künstler auf dem Pianoforte hören, er brachte gleich-\nzeitig eine neue Sinfonie zur Aufführung. Wir kennen die-\nsen wahrhaft bescheidenen Mann seit lange. Zu seinen\nEigenschaften als Componist gehört, dass er bei jedem\nUnternehmen innerhalb der Gränzen seiner Geisteskraft\nverbleibt. Davon gibt diese Sinfonie wieder Zeugniss. Das\nWerk hat somit nichts gemein mit den forcirten Pro-\ndueten so vieler anderen Sinfonie-Componisten. Herr Ro-\nsenhain gibt seinem Werke die charakterisirende Benen-\nnung „Frühlingsklänge\", und diesem Titel entspricht die\nComposition vollkommen. Streng thematische Durchfüh-\nrung freundlicher, mitunter schöner und eigenthümlicher\nMotive frischen Wuchses in allen vier Sätzen beurkundet\nden Wissenschaftsmann, der mit Sicherheit und Gewandt-\nheit, entfernt von scholastischer Steifheit, seinen Vorwurf\nbehandelt. Mit welcher Freiheit sich der Componist im\nGesetzlichen bewegt, kann den Kenner wahrhaft er-\nfreuen. Rosenhain leitete sein Werk selber und ward vom\nOrchester bestens unterstützt. Das Auditorium hätte viel-\nleicht lieber ein nervenerschütterndes Opus vernommen;\ndennoch liess man diese kunstwahren Frühlingsklänge nicht\nohne ehrenden Beifall vorübergehen.\nZum Vortrag auf dem Pianoforte hatte der Künstler\nMozart's Concert in D-moll gewählt. Mit Ernst, tiefer Ein-\nsicht und imponirender Würde ward der reiche Geist aus\ndieser ewig schönen Composition vor die Sinne geführt.\nEs war eine Lust, das mit emphatischen Beifalls-Bezeigun-\ngen karge Publicum nach Beendigung des Werkes eine\nAusnahme von der Regel machen zu hören, und dass man\nsogar am folgenden Tage noch mit Wärme von dem ge-\nhabten Genüsse gesprochen, zählt zu den ganz seltenen\nVorkommnissen zu Frankfurt am Main, wo mit dem letz-\nten Accord jede Erinnerung an das Gehörte, was es im-\nmer sei, rasch in den Lethe versenkt wird, die Oper Be-\ntreffendes ausgenommen*). Das Publicum hat sich am\nmeisten selbst geehrt, indem es die hohe Bedeutung des\nWerkes, wie auch die Meister- und Musterhaftigkeit sol-\nchen Vortrags in so eclatanter Weise gewürdigt.\nBei dieser Gelegenheit muss wieder mit Bedauern das\nGeständniss abgelegt werden, wie sehr die in jenen Con-\ncerten herrschende Temperatur (zuweilen 30 Gr. K.i den\nreinen Genuss vorzugsweise grosser Werke für Pianoforte\nmit Orchester beeinträchtigt. Darum wird ein solches\nWerk, des Morgens in der Probe und Abends in dem mit\nunzähligen Hindernissen für Akustik überfüllten Saale ge-\nhört, eine wesentlich verschiedene Physiognomie erhalten.\nAm meisten leidet darunter der weiche Ton des Piano-\nforte, der an sich schon keine besondere Tragweite hat,\ndaher nur für Kammermusik geeignet ist. Ueber Klang-\nHindernisse vollends obzusiegen, wie sie in diesem Räume\nbestehen (hinzu zu zählen kommt noch die ausserordent-\nlich hohe Orchester-Stimmung, die auch den stark §e\"\n\n*) Dasselbe weiss man von anderen Städten zu sagen.\nDer Setzer."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590101-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1143, "texte": "füllten Ton verdünnt), vermag nur der scharfe Clavier-\nton, der einstens in den wiener, überhaupt in allen deut-\nschen Flügeln eine gerühmte Eigenschaft war. Sollte Herr\nC. A. Andre, dessen Flügel-Fabrication in letzter Zeit\nwieder einen sehr beachtenswerthen Fortschritt gemacht,\nes nicht einmal versuchen wollen, einen diesen akustischen\nHindernissen Trotz bietenden Flügel mit scharfem Tone\nzu bauen, auf dass der Wohlklang seiner Instrumente dort\nnicht Schaden leide, und dem Auditorium Gelegenheit ge-\ngeben werde, so ewige Monumente, wie Mozart's, Beet-\nhoven's und anderer gediegener Meister Pianoforte-Con-\ncerte, in ihrem ureigenen Colorit strahlen zu sehen? Aller-\ndings wird dabei auf den gewohnten Wohlklang in Can-\ntabile-Stellen verzichtet werden müssen; jedoch die genann-\nten Propheten, dessgleichen Hummel, Moscheies und an-\ndere hochgeehrte Meister, hatten zum Vortrage ihrer Werke\nauch keine anderen als scharf klingende Instrumente und\nbrachten dieselben doch zu vollster Geltung. Es kommt\nhierbei wohl in Erwägung, wie sehr diese Schärfe im gros-\nsen Räume und dazu noch im Zusammenklange mit dem\nOrchester gemildert wird."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-01-01-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-01-01_01#c003", "volume": "bmtnabi_1859-01-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "3", "page_fin": "4", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590101-01.2.3", "titre_corps": "Pariser Briefe.", "titre_sommaire": "Pariser Briefe.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590101-01.1.3", "debut_caractere": 1145, "fin_caractere_exclue": 5119, "texte": "Pariser Briefe.\n[Thidtre hjrique Streit über den Einnahme-Antheil ausländischer\nComponisten La Harpe d'or, Oper von F. Godefroy.]\nFi garo's Hochzeit macht immer noch seit dem Monate\nMai, mit alleiniger Unterbrechung durch die Ferien, dem\nTheätre lyriqueein volles ISaus. Leider hat sich über die\nZahlung vom Ehrensold nach Einnahme-Procenten an die\nNachkommen Mozart's und Webers ein unangenehmer\nStreit entsponnen, dessen richterliche Entscheidung noch\nschwebt, während die General-Versammlung der drama-\ntischen Schriftsteller und Componisten am 21. November\ndie Zahlung gut geheissen hat. Die Sache ist mannigfach\ndurch die Journale entstellt worden. Das Wahre daran\nist Folgendes:\nNach dem Vertrage des Vereins der Autoren mit dem\nTheätre lyrique fallen die Einnahme-Antheile verstorbener\nAutoren, deren Werke Gemeingut geworden sind, der\nVereins-Casse zu. Der Vorstand des Vereins (Präsident des-\nselben ist Melesville) hält aber an dem Grundsatze des immer-\nwährenden und unveräusserlichen Besitzes des geistigen\nEigenthums fest und hat dem gemäss den Erben von We-\nber und Mozart ihren Antheil von den Aufführungen von\nOberon, Euryanthe, Preciosa, Figaro ausgezahlt. Zwei\nMitglieder des Vereins aber waren der Meinung, dass der\nVorstand durch diese Zahlungen seine Vollmacht über-\nschritten habe, und liessen ihn durch den Gerichtsvollzieher\nauffordern, die Summen, die er an Personen, welche dem\nVereine fremd wären, gezahlt hätte, der Vereins-Casse\nwieder zu erstatten.\nDarauf schrieb der Vorstand die General-Versamm-\nlung vom 21. November aus.\nDer Präsident Melesville hielt einen ausführlichen und\nglänzenden Vortrag zur Rechtfertigung der geschehenen\nZahlungen. Er wies nach, dass schon oft an Nachkommen\nvon französischen Dichtern und Componisten, die niemals zu\ndem Vereine gehört hätten, ähnliche Zahlungen geleistet\nworden wären. „Wer würde glauben\" sagte er unter\nAnderem —, „dass man Enkelinnen und Urenkelinnen von\nCorneille und Racine mit den Worten abgewiesen hätte:\n„ „Wir sind ausser Stande, Sie zu unterstützen unsere\nStatuten erlauben es nicht; Corneille und Racine sind nie-\nmals Mitglieder des Vereins gewesen\"\"!\nDann kam er auf das Wort „fremd\" im Texte der\nLadung und rief aus: „Die Söhne Mozart's und Weber's\ndem Vereine fremd, wenn es sich um die Einnahmen han-\ndelt, welche durch die Meisterwerke ihrer Väter erzielt\nwerden!\" (Man muss hierbei beachten, dass das Wort\netrangers ä l'association so viel bedeutet, als: Mozart und\nWeber gehen den Künstler-Verein nichts an.) „Was hat\nMozart's Sohn in Mailand (der bekanntlich nun auch schon\ngestorben ist, den 31. October 1858) dem französischen\nConsul daselbst geantwortet? Er sagte mit innigem Dank-\ngefühl: „„Frankreich hat allen edelmülhigen Gedanken\nstets zuerst Bahn gebrochen.\"\"\n„Hätte der Vorstand dem Antrage der zwei Vereins-\nMitglieder gemäss Mozart's und Weber's Eigenthumsrechte\neingezogen, so würde die General-Versammlung davon\nsind wir überzeugt —ihm geantwortet haben: „ „Ihr habt\nden Geist eures Mandats verkannt, die Grundsätze verläue-\no\nnet, die uns leiten, den Zweck hintangesetzt, der uns am\nHerzen liegt, und, was das Aergste ist, Ihr habt die Ehre\nund Würde, ja, sogar die Rechtlichkeit unseres Vereins\ncompromittirt, Ihr habt einen Raub begangen —wir müs-\nsen Euch öffentlich desshalb tadeln.\"\"\nDie Versammlung sprach sich einstimmig für den Vor-\nstand aus und stellte somit als Hauptzweck des Vereins\n„die internationale Anerkennung des literari-\nschen und künstlerischen Eigenthums ohne allen\nRückhalt und mit allen rechtlichen Folgen\" auf.\nOb der Richter derselben Ansicht sein wird, ist die\nFrage; jedenfalls wird die Stimme der General-Versamm-\nlung einen Wiederhall im Gerichtssaale finden.\nWas dasselbe Theater an Neuigkeiten gebracht hat,\nwill nicht viel sagen. Der berühmte Harfenspieler Felix\nGodefroy hat sich versucht gefühlt, auch einmal eine\nOper zu schreiben. Warum nicht? Die dramatische Com-\nposition ist hier ein Geschäftsbetrieb geworden; wer seinen"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590101-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5021, "texte": "harmonischen Cursus nothdürftig durchgemacht hat und\nein Bisschen mit den Schwarzköpfen auf Notenpapier um-\nzugehen weiss, macht sich-daran. Er componirt nicht, weil\ner muss das ist längst vorbei —, er schreibt, weil er\nwill, aus Eitelkeit oder für Geld. Dichter findet er immer,\nParis hat ganze Ateliers voll davon. So schweissten denn\nauch deren zwei (denn anders thut man's nicht mehr) für\nHerrn Godefroy ein Buch zusammen, in welchem, o glück-\nliche Idee! eine Harfe die Hauptrolle spielt. Man kann\ndenken, mit welcher Begeisterung der erste Harfenist von\nEuropa diesen Stoff aufgriff. Es entstand die zweiactige\nkomische Oper La Harpe d'orund wurde am 8. Septem-\nber zum ersten Male gegeben.\nAn was gewöhnt man sich heutzutage nicht in der\nOper? Und dennoch ist diese Zusammenwürfelung aus\nYVunder, Liebe, Halunkerei und melodramatischem Rühr-\nbrei kaum zu ertragen. Die heilige Cäcilia zu Girgenti oder\nAgrigent in Sicilien besitzt eine goldene Harfe, eine Harfe\nvon reinem Golde, das Geschenk eines Sänger-Vereins. Ein\nBeurtheiler in der Revue Musicgreift gleich von vorn\nherein diesen Anachronismus (das Stück spielt vor der Ent-\ndeckung von Mittel-America, geschweige denn von Cali-\nfornien und Australien!) an, der einen enormen Reichthum\nder damaligen Sänger voraussetzt. „Fragt einmal den köl-\nner Männer-Gesangverein\" fährt er fort —, „der seit\nvielen Jahren durch die Welt reis't, um den Dom aus-\nbauen zu helfen, fragt einmal diese geschickten, gewissen-\nhaften, eifrigen Künstler, ob sie schon den Werth einer\nHarfe von purem Golde ersungen haben!\"\nDie Bildsäule der heiligen Cäcilia von Marmor geht\nmit ihrer Harfe zuweilen spaziren jedoch nicht, um zu\nverderben, wie der steinerne Gast und die Marmorbraut\n—sondern um zu beglücken. So ist sie denn auch einmal\nherabgestiegen, um einen kleinen hübschen, neugeborenen\nJungen, der ihr die Ohren voll schrie, auf die Stirn zu\nküssen. Wahr ist es, denn Horatio, genannt „der Blasse\",\nerzählt es uns selbst und fühlt als Bengel von fünfund-\nzwanzig Jahren die Kälte der Marmorlippen „zuweilen\"\nnoch auf seiner Stirn.\nEr ist natürlich ein grosser Sänger geworden, auch\nDirector des Cäcilien-Vereins, und hat, was die Hauptsache\nist, das berühmte Tenor-c mit der Brust, das Ur-c, Jahr-\nhunderte vor Duprez. Du begreifst-, dass man einen solchen\nSänger nicht erfindet, wenn man nicht schon einen in petto\nhat. Herr Michot hat alle Welt im Theater, im Orche-\nster, Parterre, in den Logen, den Galerieen durch ein\nentzückt und in Erstaunen gesetzt, ein volles, mit der Brust\ngenommenes, wohlklingendes, kräftig oder milde, je nach\nseinem Gefallen, tönendes, mit meisterhafter Messa di voce\nund Portamento verbundenes cl Die beiden Haupt-Ele-\nmente der Oper waren also gegeben. Godefroy's Harfe und\nMichot's cl Einige Combinationen und Imbroglio's dazu,\nmögen sie auch noch so abgedroschen oder unwahrschein-\nlich sein, und die Oper ist fertig. Horatio liebt die Cinthia,\nein Schuft von Podesta kauft sie ihrem Alten ab, ein an-\nderer Schuft stiehlt das Halsband von Rubinen der heili-\ngen Cacilia, ein Extra-Geschenk des agrigentinischen Män-\nner-Gesangvereins, der Podesta schmuggelt es in Haratio's\nKoffer, es wird gefunden, Horatio zum Tode verurtheilt.\nAber nun! Dass er nicht gehängt wird, lässt sich\ndenken; wie er gerettet wurde, das war dem Scharfsinne\nder Dichter vorbehalten. Der Armesünderzug geht über\nden Cäcilien-Platz; Horatio muss der beraubten Statue Ab-\nbitte thun. Statt dessen beschwört er sie, seine Unschuld\nan den Tag zu bringen. Was wird sie thun? Reden? Sin-\ngen? Nein sie bewegt ihren Marmorarm, greift in die\nSaiten der goldenen Harfe und präludirt ein wenig, was\nihr kein Mensch verargen wird, da ihre Finger etwas steif\ngeworden sein dürften. Dann wiederholt sie die Melodie\ndes Gebetes ihres Schützlings, phantasirt darüber, und das\nVolk erkennt mit Andacht und Entzücken die musicalische\nCassation des Urtheils an.\nDie Musik hat leider dieselben Eigenschaften, wie die\nhandelnden Personen; sie lässt kalt und ist so nüchtern\nwie Horatio und vollends seine Cinthia, die weder Witz\nnoch Leidenschaft kennt, oder sie wird so ordinär, wie die\ndurchtriebenen Schufte auf der Bühne. Der eine von die-\nsen, der Halsband-Dieb, ist übrigens noch der einzige, der\netwas Leben in die Scene und in die Musik bringt. Gode-\nfroy's Compositionen für die Harfe haben in Frankreich\nbekanntlich grossen Ruf; sie sind auch gar nicht übel, und\nalle hören sie sich wenigstens gut an. Die Musik seiner\nOper ist aber langweilig, trotz ihrer Correctheit und Glätte,\nvielleicht eben desswegen. Der Mangel an melodischer Er-\nfindung, die ewige Wiederkehr derselben Rhythmen und\nCadenzen sprengt am Ende die Geduld auch der nachsich-\ntigsten Zuhörer.\nUnd doch hat die Oper mehrere Vorstellungen erlebt!\nWodurch? Durch das hohe c des Tenors Michot und durch\ndas Spiel der heiligen Cäcilia auf ihrer goldenen Harfe,\nd. h. des Herrn Godefroy auf seiner Erard'schen hinter\nder Scene. Die Franzosen bleiben Franzosen! und das hat\nauch sein Gutes.\n[\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-01-01-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-01-01_01#c004", "volume": "bmtnabi_1859-01-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "5", "page_fin": "6", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590101-01.2.4", "titre_corps": "Theater in Wiesbaden.", "titre_sommaire": "Theater in Wiesbaden.", "signature_source": "w. w", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590101-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5108, "texte": "Theater in Wiesbaden.\n\n(Balfe*8 Zigeunerin.)\nDen 26. Dccember 1858.\nMan redet so viel und nicht mit Unrecht von dem\nVerfall der deutschen Bühnen-Zustände überhaupt, von\nder Verflachung und Corruption der Musik, der fein dra-\nmatischen Kunst, der Tragödie, des Schauspiels, wofür\nGöthe, Schiller, Lessing, Iffland und in neuester Zeit Ed.\nDevrient, Dingelstedt und Andere geschrieben und in Be-\ngeisterung wirkten, nicht einmal zu gedenken —, dass man\nanfängt, diese selbst von erfahrenen Bühnenleitern, tüchti-\ngen Sängern und Mimen zugegebenen Klagen zu belä-\ncheln, wenn man alltäglich das Schauspiel sich wiederho-\nlen sieht, wie sogar ziemlich selbstständig gestellte, von\nder nicht zu bestreitenden Einwirkung des seichten Ge-\nschmackes des grossen Haufens unabhängige Bühnen die-\nser eingebrochenen Verllachung des allgemeinen Ge-\nschmackes— keiner der Leser möge und wolle sich selbst\nzu ihr bekennen nicht nur sich nicht entgegenstellen\nmit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln, sondern ge-\nradezu mit einstimmen in den eben gangbaren Ton. Die-\nsen kleinen Vorwurf möchten wir auch der oberen Lei-\ntung und der ganzen Richtung unseres Theaters machen\nund hiermit auch ganz piano an das „musicalische Gewis-\nsen\" der Leiter anzuklopfen uns erlauben, wenn anders—\nein solches da. Da man jedoch von den Menschen immer\ndas Beste denken soll, so wollen wir das Vorhandensein\neines „-reinen musicalichen Gewissens\" annehmen. Wie in\naller Welt kommt es denn aber, kostbare Zeit und gute\nKräfte—wenigstens kann das Letztere mit Recht vom Or-\nchester behauptet werden an die Einstudirung eines\nWerkes zu vergeuden, das zu dem „Abgestandenen, Ueber-\nwundenen\" und nur noch hier und da in Mode Gebliebe-\nnen und wäre es auch die Metropole Albions selber\ngehört!\nWir meinen die „Einstudirung\" der Zigeunerin von\nBalfe. Grössere Langeweile um nicht mehr sagen zu\nwollen—hat uns nie gepeinigt, als bei dieser von Gemein-\nplätzen Prima-Sorte wimmelnden, höchst armseligen Oper.\nOhne uns auch nur im Geringsten nach dem Total-Ein-\ndrucke auf das versammelte Auditorium erkundigt zu ha-\nben, wagen wir doch zu behaupten, dass der Erfolg der\nOper Musik, Spectakel, Tanz, Marktscene, Seiltanz,\nHänneschen, Possen, Kindesraub (auch schon da gewesen\nund noch jüngst irgendwo) und wundersamer „Schuss\"\nwie „Schluss\" eingerechnet dennoch ein die Erwar-\ntungen der tonangebenden Spitzen herabstimmender gewe-\nsen ist. Der feine Calcul und die gleich weise Vorsorge,\ndie possierliche Oper, auf dem Zettel „romantische\"\nsollte lieben.heissen „romanische\" oder „langweilende\"\nbenamset, an einem Sonntage zum ersten Male vom Sta-\npel laufen zu lassen, scheint demnach wenig gefrommt zu\nhaben und spricht schon a pr nicht für den reellen\nWerth der Musik. Kennt man doch den Plural des Sonn-\ntags-Publicums, und auf dessen Unbefangenheit, Kindheit\nund Kenntniss vom innersten Wesen und Kern der Musik,\nau! dessen Geschmack hin hätte man hier dieser Oper\neinen Success erobern wollen? Dieser Umstand spricht\ndoch für das Vorhandensein eines noch nicht völlig zu\nGrunde gegangenen musicalischen Gewissens bei denjeni-\ngen, welche das unvergleichbare Werk proponirten und\nprotegirten.\nGewiss, dass bei einer Wiederholung der Zigeunerin\nnoch „Viele\" kommen werden, das Werk zu sehen und\nzu geniessen und in dem Zigeuner-Chor eine Woche lang\nzu schwelgen. „Sonntagsstücke\" muss man ja immerhin\nhaben, warum nicht auch „Sonntags-Opern\"? Der gute,\ngeläuterte Geschmack wendet sich dagegen bald ab von\nsolchen Producten. Das pikante Sujet bei dem es Kei-\nlerei und platte Witze absetzt kann auch nur ein „bla-\nsirtes\" englisches Publicum unterhalten das sich seiner\nZeit im herrlichen Don Juan mehr über die Spässe des\nseligen Lablache als Leporello amusirte, als an den ewig\nschönen Melodieen Mozart's sich erfreute—und ein unbe-\nfangenes oder in Kindheit befangenes Sonntags-Publicum\naller Herren Länder. Zur Ehrenrettung der wahren Mu-\nsikfreunde Londons sei es jedoch auch gesagt und betont,\ndass es daselbst auch ein gewähltes, erlesenes Publicum\ngibt, das Verständniss und Begeisterung für „gute Mu-\nsik\" in sich trägt.\nDie grobsinnliche Verwendung und Vergeudung\nweil nutz- und zwecklos der Instrumentalkräfte, welche\nMeyerbeer, Wagner und die Italiäner noch anmuthig, pi-\nkant, wenn auch oft bizarr, doch „raffinirt mensch-\nlich fühlend und Thränen weckend\" wirken lassen,\nfasst uns in der Zigeunerin bei Hals und Kragen und\nadressirt sich immer an den schon erwähnten Pluralis. Die\nLangweiligkeit des ersten Actes ist unerhört; im zweiten\nund dritten Acte sind einige Nummern Oasen in den\ndürren Steppen —, die den „Zusehenden\" um so mehr\nüberraschen, als er vorher nur gepeinigt und geohrfeigt\nworden. Wir meinen insbesondere das Lied des Grafen\nAlban Herr Lipp —, in welchem die wehmüthigen Er-\ninnerungen an sein verloren gehaltenes Kind an sein Herz\nschlagen—Herr Lipp machte nur den Einen kleinen Feh-\nler, selten rein zu singen —, und die ritterliche Erklä-\nrungdes Flüchtlings Thomas (Herr Prelinger), welche Herr\nPrclinger mit ungewöhnlichem Feuer und schönem Tone\nwiedergab. Diese beiden Momente schlagen auch am moi-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590101-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5274, "texte": "sten und nachhaltigsten in das Herz des Zuhörers ein.\nGewiss sind es diese Nummern allein, allenfalls noch\ndas Clarinett-Solo—von Herrn Hof-Concertmeister Schmidt\nin gewohnt vollendeter Weise execulirt—, welche verhin-\nderten, dass die Oper noch denselben „kalten Abend\"\nan einem „Durchfall\" erkrankte, von dem sie wohl\nschwerlich wieder genesen.\nFräulein Hart mann betrat als Zigeunerin nach län-\ngerem Erkrauktsein zum ersten Male, wenn wir nicht irren,\nwieder die Bühne, und hat Alles aufgeboten, die Krank-\nheits-Symptome der Balfe'schen Zigeunerin, die dennoch\nim milden nassauischen Nizza nicht zur eigentlichen Le-\nbensfähigkeit erstarken dürften, zu vertuschen, ja, ihren\nkrankhaften Körper mit dem Pallium caritatis bedeckt;\nallein Fräulein Hartmann beging ein doppeltes Unrecht.\nEinmal sollte sie selbst noch ihre sehr angegriffene Stimme\nschonen denn grösste Schonung und vorsichtige wie\nhöchst mässige Beschäftigung ihrer Stimme können wir ihr\nnur wohlmeinend empfehlen —; zum Anderen sollte sie er-\nwägen, dass ein gewissenhafter Anwalt auch nicht für eine\nschlechte Sache plaidirt, sondern gern auf den Ruhm ver-\nzichtet, durch eine schön ausgearbeitete Rede bloss zu\nglänzen. Nach diesem brauchen wir nicht noch zu sagen,\ndass Fräulein Hartmann wohl verdiente, die Königin der\nZigeuner genannt zu werden.\nHerr Abich, Zigeuner-Hauptmann, war ganz in sei-\nner Sphäre. Das Nomadenleben der Zigeuner schien uns\nindess auch auf seine Stimme ein wenig inlluirt zu haben;\ndenn sie kam uns an jenem kalten Abende ein wenig\nrauh und naturwüchsig vor. Ach Gott, wie hat man aber\nauch bei einem solchen Wanderleben Zeit für eine solide\nSchule des Gesanges! Sonst war sein Spiel so derb eng-\nlisch und fasslich für den Pluralis, dass auch ihm ein An-\ntheil gebührt, und zwar nicht der kleinste, an der „retten-\nden That \" vom 5. December. (Die Oper ging hier am\n5. December nämlich über die Bretter.)\nVon Fräulein Herbold will es uns bedünken, dass\nsie über das von der Natur ihr gesteckte Ziel hinausgeht\n—ungestraft tliut dieses kein Mensch, auch kein Künstler\n—und aus einem Fache heraustritt, in welchem sie für\ndie hiesige Bühne—Oper und Vaudeville—eine nicht ge-\nnug zu schätzende, werthvolle Acquisition ist, wenn, sagen\nwir, Fräulein Herbold Partieen wie die Zigeuner-Königin\nund die der Venus im Tannhäuser zu übernehmen gedrängt\nwird. Die praktische Einsicht der anordnenden Spitzen\nwird zuletzt dem vielseitigen Talente des Fräuleins Herbold\nauch noch die Partie der Ortrud im Lohengrin aufbürden\nund dadurch schöne Slimmmittel zu ruiniren sich beeilen.\nMusicalisches Gewissen! Thut nichts, muss sein, weil wir\nkeine Andere haben.\nNachdem wir nun von dem sonstigen Spectakel der\nOper abstrahiren, fragen wir: Warum muss ein ziemlich\nunabhängig gestelltes Kunst-Institut wie das hiesige Thea-\nter Aufführungen wie die der Zigeunerin vorbereiten?\nUeisst das nicht, dem seichten und schlechten Geschmack\nThor und Riegel öffnen? Müssen hier alle Schrei-Opern,\nwie 11 Trovatore, Rigoletto und andere Verdi'sche Producte\n- auch mit Nabucowerden wir in Bälde beschert —in\nScene gehen, weil sie in Paris und London gefallen haben?\nMuss denn jede Regie mit dem Strome schwimmen? Sind\ndie Bühnen nur dazu da, dem Ohrenkitzel zu fröhnen, mit\n„Massen\" auf die Massen (könnte auch „Gassen\" heissen)\nwirken zu lassen und die flache Schaulust zu befriedigen?\nSind die ewig schönen Vorbilder der Vergangenheit gar\nnicht oder nutz-los vorhanden? und ist etwa noch Man-\ngel an Werken, die man hier nur dem Narnen nach kennt?\nGluck's Alceste, die beiden Iphigenien, Euryanthe, Jes-\nsonda u. s. w., lohnen sie nicht die Einstudirung? und\nwarum beanstandet man die Wiederholung guter classi-\nscher Werke von Weber, Mozart, Beethoven, die stabil\nauf unserer Bühne sein sollten? Man mache nur einmal den\nAnfang damit, führe Sonntags gerade die besten Er-\nzeugnisse der Kunst dem Pluralis vor, statt fade Pos-\nsen und Ilanswurstiaden, man erziehe und bilde so die\nMenge und befähige sie zum Verständniss und Ge-\nnuss wahrhaft schöner Werke—es bleibt sicher ein\ngutes Körnchen in ihrem Gemüthe zurück, das es zu heben\nund zu veredeln fähig, statt der Verllachung mit dem Grob-\nSinnlichen jeder Gattung noch Vorschub zu thun. Fahrt\nso fort, bergabwärts zu treiben, die Theater stehen zuletzt\nverödet da, oder sie werden nun was denn?—und der\nGebildete flieht die Stätte, welche der Sitz des guten Ge-\nschmacks und der reinen Schönheit zu sein berufen ist. Ist\netwa ein solcher Verein von künstlerischen Kräften bloss\ngeschaffen, nur um Sonntags Abends die Lachmuskeln in\nThätigkeit zu setzen? Und ist die Verflachung, der ganze\nNationen verfallen, wie z. B. die „grosse\", und der seichte\nGeschmack ausschliesslich nur bei dem Pluralis? Sollen\nauch unabhängige Kunst-Institute der „gangbarsten Sorte\nWaare\" nachrennen? 0, welche Erniedrigung der Kunst!\nDoch wem fällt sie anders zur Last, als den Künstlern, die\nSchiller's Sentenz stets zur Wahrheit machen; wem anders,\nals denen, die Gelegenheit haben, ihrem guten musi-\ncalischen Gewissen Rechnung zu tragen, und für das\nwirklich Schöne Propaganda machen können, wenn sie\nanders mit festem Willen und stets redlichem Streben\nwollen, und wenn sie die Würde, Bestimmung und Trag-\nweite der Kunst und ihres Cultus ermessen lernten.\n\nw. w."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-01-01-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-01-01_01#c005", "volume": "bmtnabi_1859-01-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "7", "page_fin": "7", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590101-01.2.5", "titre_corps": "Maria Anna Schikaneder.", "titre_sommaire": "Maria Anna Schikaneder.", "signature_source": "M", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590101-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1955, "texte": "Maria Anna Schikaneder.\nM.\nDie Zeitungen haben jüngst die Nachricht gebracht,\ndass der König von Baiern einer hier in bitterster Armuth\nlebenden Witwe Eickhof, geborenen Schikaneder,\neine monatliche Unterstützung bewilligte. Es dürfte für\ndie Leser Ihres Blattes von Interesse sein, über diese Dame\nNäheres zu erfahren. Ich erfuhr heute aus ihrem Munde\nselbst Folgendes:\nMaria Anna Schikanederist die Tochter des als\nHofmusicus am fürstbischöflichen Hofe zu Freising ange-\nstellt gewesenen Schikaneder. Sie zählt jetzt 86 Jahre\nund ist ganz blind. Bis zur Stunde lebte sie hier in fast\ngänzlicher Vergessenheit und bitterster Armuth; nur durch\ndie milden Spenden guter Menschen konnte sie ihr armse-\nliges Leben fristen. Noch als Kind ist sie mit ihrem Vater,\nder Virtuose auf dem Waldhorn war, nach Wien gekom-\nmen; sein Bruder hatte ihn von Freising verdrängt. Als\nSänger engagirt, wurde ihr Vater mit Mozart bekannt;\nderselbe nahm sich des jungen Mädchens an und bil-\ndete sie zur Sängerin aus. Ihr erstes Auftreten war der\nGenius in der Zauberflöte, der Oper ihres berühmten\nMeisters und Lehrers. Da sie Beifall fand, unternahm ihr\nVater mit ihr Kunstreisen; sie gab Concerte in Stuttgart,\nFrankfurt, München, Schaffhausen u. s. w. Wieder nach\nWien zurückgekehrt, verlor sie ihren Vater durch den\nTod; es blieb ihr nun nur noch ein Bruder, der als Sänger\nin Prag starb. Von nun an widmete sie sich ganz dem\nTheater; es ist bekannt, dass sie die gefeiertste Sängerin\nihrer Zeit war. Ihre Hauptrollen waren die Constanze in\nder Entführung aus dem Serail, die Königin der Nacht in\nder Zauberflöte, Donna Anna und Elvira in Don Juan.\nMit grosser Freude erzählte sie mir von ihren Triumphen;\naufrichtige Begeisterung ergreift sie aber stets, wenn sie\nauf Mozart, der ihr zu Liebe mehrere Arien componirte,\nzu sprechen kommt. Es ist traurig, aber doch erklär-\nlich, dass so manches reiche Künstlerleben mit bitterer\nNoth endet.\nRegensburg, im December 1858."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-01-01-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-01-01_01#c006", "volume": "bmtnabi_1859-01-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "7", "page_fin": "8", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590101-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590101-01.1.7", "debut_caractere": 1957, "fin_caractere_exclue": 6431, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMlilis. Herr Capellmeister Joh. Vogt aus Petersburg ver-\nweilte einige Tage bei uns. Herr Vogt, als tüchtiger Ciavier- und\nOrgelspieler und Componist rühmlichst bekannt, ist auf einer Reise\ndurch Deutschland nach Paris und London begriffen. Seine Com-\npositionen bekunden die gediegene Schule der classischen deutschen\nMeister, denen das musicalische Wissen und die contrapunktische\nGewandtheit Hauptbedingungen beim Componiren waren. Seine Fu-\ngen sind trefflich geschrieben, eben so seine Violin-Quartette. Ueber\ndie Aufführung seines Oratoriums: „Die Auferweckung des La-\nzarus\" in Berlin vergleiche man die Correspondenz von G. E. in\nNr. 48 vom 27. November v. J. in diesen Blättern.\nWir vernehmen mit Vergnügen, dass von A. Schindler's Bio-\ngraphie Beethoven1 s eine neue Bearbeitung unter der Presse\nist. Das Buch war schon lange nicht mehr zu haben; da es die\neinzige authentische Quelle ist, aus der fast alle Nachrichten über\ndie Lebens-Umstände u. s w. des grossen Mannes geflossen, aber\nauch mannigfach verunstaltet worden sind, so wird die Nachricht,\ndass Herr A. Schindler eine neue Bearbeitung desselben in zwei\nBänden vollendet hat, die allgemeinste Theilnahme erregen. Der\nerste Band wird vielleicht schon Ende Januars ausgegeben werden.\n** 23. Decenibcr 1858. Vorgestern hatten wir hier eine\nglänzende Aufführung des „Paulus\" von F. Mendelssohn-Bar-\ntholdy unter der Direction des k. Capellmeisters Herrn H. Lü-\nbeck Die vereinigten musicalischen Kräfte waren imposant und\nsehr tüchtig; die Chöre, trefflich studirt, wurden präcis und mit\nFeuer und Kraft ausgeführt; das Orchester bewährte sich ebenfalls,\nnur wäre liier und da eine strengere Beachtung und übereinstim-\nmendere Ausführung des Piano wünschenswerth gewesen. Die Soli\nwaren sehr gut besetzt; Sopran Frau Offermanns trug ihre\nPartie vortrefflich vor, nur wäre vielleicht in die Recitative etwas\nmehr Nachdruck und rhythmische Betonung zu legen gewesen. Herr\nDuMont-Fier aus Köln sang den Paulus ausgezeichnet in Stimme\nund Vortrag, und ärntete namentlich durch die zweite Arie wieder-\nholten rauschenden Beifall. Die Tenorpartie sang Herr Göbbels\nvon Aachen. Wir hatten diesen jungen Sänger, der von der Natur\nmit einer weichen und sehr angenehmen Stimme begabt ist, schon\nin Deutschland einige Male gehört, allein noch nie so gut als jetzt.\nEr hat sehr erfreuliche Fortschritte gemacht und verdiente vollkom-\nmen den Applaus, der ihm zu Theil wurde. Der Saal war be-\nsetzt und das Publicum sehr angeregt und voll Theilnahme.\nIBressleaa. Eine neue Oper, „Judith\", von Naumann ist am\n5. November hier in Scene gegangen und durchgefallen. So sehr das\nBestreben der Direction, neue Werke vorzuführen, Anerkennung und\nAufmunterung verdient, so sehr ist es zu beklagen, dass Zeit, Mühe\nund Geld auf ein todtgeborenes Werk wie das in Rede stehende ver-\nschwendet worden. Vergebens hat man sich allseitig mit dem Ein-\nstudiren bemüht, vergebens widmete sich Frau Krebs-Michalesi\n(Judith) und Herr Mitter wurzer (Holofernes) mit der ganzen Kraft\nihres Darstellungs-Talentes der Durchführung ihrer undankbaren\nAufgabe. Die Oper ging ohne ein dem Componisten geltendes Bei-\nfallszeichen zu Ende und musste nach der zweiten Vorstellung, we-\ngen Mangels an Beifall und an Publicum, zurückgelegt werden.\nSchade um den Fleiss, mit welchem Herr Naumann die classischen\nMuster studirt, schade um die vielen gediegenen Kenntnisse, welche\ner sich in technisch-musicalischer Beziehung angeeignet hat. Seine\nOper ist ein Zeugniss ernsten Strebens, sein Stil erhält sieh consc-\nquent innerhalb der würdigsten Formen. Allein alle Eigentümlich-\nkeit, alle selbstständig schöpferische Kraft fehlt ihm dermaassen,\nseine „Judith\" überdies ein unglücklich gewähltes, mit schlecht\nklingenden Versen ausgestattetes Sujet ist so arm an allem, was\nder Musik Eingang verschaffen kann in die Ohren und Herzen der\nHörer, dass das Resultat kein anderes als ein höchst unglückliches\nsein konnte Ausser einer höchst willkommenen Reprise des ~ldomcxr\nneus\" brachte das Opern-Repertoire letztere Zeit nichts Besonderes.\nFrau Bürde-Ney, welche erst im vorigen Monate wieder aufge-\ntreten war und deren Stimme Anfangs noch unter dem Einflüsse\nlängeren Unwohlseins zu leiden schien, sang die Electra in der ge-\nnannten Mozart'sehen Oper wieder mit der vollen Kraft ihres Organs\nund mit richtigem Verständnisse. Neu war Fräulein Krall in der\nfrüher von Fräulein Bunke gesungenen Partie der Illia. Dass die"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590101-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5045, "texte": "Gesammtwirkung der Oper dadurch gewonnen, vorsteht sich bei dem\nanerkannten Talente des Fräulein Krall von selbst. Die Künstlerin,\nderen Leistungen sich stets streng in den Gränzen der Natürlichkeit\nbewegen und sich durch genaues Eingehen in den Charakter ihrer\nAufgabe auszeichnen, errang sich namentlich durch den Vortrag\nihrer ersten Arie allgemeinen Beifall.\n(W. Monatschr. f. Th. u. M.)\nWlefife. Der Opern-Bericht im letzten Hefte der Monat-\nschrift (die sich vom 1. Januar an in eine Wochenschrift verwan-\ndelt) enthält folgende Stellen :\n„So leid es uns thut, der neuen Direction, deren erste Schritte\n- wir gleich unseren Collegen mit freudigem Erstaunen begrüsst hat-\nten, nicht immer Gutes nachsagen zu können, müssen wir doch an\ndie Schlussbemerkung unseres letzten Berichtes eine noch entschie-\ndenere Hinweisung auf das unpassend zusammengestellte Repertoire\nanknüpfen. Da man jene Bemerkung keiner Aufmerksamkeit gewür-\ndigt zu haben scheint, so müssen wir deutlicher reden, umständ-\nlicher verfahren.\n„Seit dein Beginne der Saison, 19. August, also in ärei Mona-\nten, ist nicht nur kein gediegenes älteres Werk, deren so viele un-\nserem Repertoire fehlen, einstudirt, sondern es sind überhaupt von\nbereits am Repertoire befindlichen gediegenen Opern nur Fidelio,\nZauberflöte, Don Juan und Jessonda, also nur vier Opern, und zwar\njede nur Einmal, und überdies die beiden Mozart'schen in ziemlich\nmittelmässiger Weise gegeben worden. Der übrige Theil des Reper-\ntoires dreht sieh im Kreise um die Jüdin, die Stumme, die vier\nMeyerbeer'schen und noch einige Opern französischen und italiäni-\nschen Ursprungs. Mit Novitäten war man fleissig. Reprisen älte-\nrer Opern jedoch, selbst leichteren Genre's, fehlen bis jetzt gänzlich.\nDer Versuch mit einactigen Operetten wurde nicht fortgesetzt, und\nder überraschende Erfolg eines hyper-trivialen Grisetten-Ballets scheint\ndem Ehrgeize einer Direction, welcher doch Anfangs edlere Zwecke\nanstrebte, für den Augenblick zu genügen. Dies sind statistische\nThatsachen, und wir ersuchen Herrn Eckert, selbst den Commen-\ntar dazu zu machen. Wir achten seine Fähigkeiten hoch genug, um\nüberzeugt zu sein, dass er unsere im Interesse des Publicums, der\nKünstler und der Direction selbst geäusserte Mahnung beherzigen\nwerde.\n„Die Novität „Königin Topas\" in drei Acten, nach Lochroy und\nBattu von Proch, Musik von Masse, hat keinen durchgreifenden Er-\nfolg gehabt, wird sich aber vielleicht doch einige Zeit am Repertoire\nerhalten. Im Gegensatze zu den meisten französischen so genannten\nSpiel-Opern ist diesmal der Text ganz uninteressant, die Handlung,\ndurch ihre Verworrenheit ausserhalb jeder menschlichen Berechnung\nliegend, erinnert an die grossen pantomimischen Ballette, deren Zu-\nsammenhang dem Zuschauer ewig ein Räthsel bleibt. Auch die\nProch'sche Uebersetzung mahnt stellenweise an den blühenden Stil\nder Ballet-Programme, wiewohl im Ganzen genommen, wenn auch\nnicht die deutsche Sprache, so doch die Anforderungen der Sänger\nbefriedigt sein dürften. Die Musik theilt mit ihren älteren Geschwi-\nstern, den Werken von Thomas u. A , jene Eigentümlichkeit, dass\ndie hübschesten Stellen da angebracht sind, wo man sie weder er-\nwartet, noch nach Verdienst würdigt, während die wichtigsten Num-\nmern, die Arien, Duetten u. s. w., von welchen man sich viel ver-\nspricht, gerade am schwächsten bedacht sind. Wo musicalisehe Er-\nfindung und Phantasie unentbehrlich sind, wo der Componist zeigen\nkann, ob er es verstehe, die Wirkung einer dramatischen Situation\ndurch echten musicalischen Pathos zu erhöhen, da lässt ihn seine\nSchöpfungskraft im Stiche, er sucht vor unseren Augen nach Melo-\ndie, ergeht sich ängstlich in den sonderbarsten Modulationen und\nkehrt plötzlich auf forcirte Weise in die Haupt-Tonart zurück, wie\nbeschämt, dass er nichts Besseres gefunden. In unbelauschtcn Mo-\nmenten' hingegen, wo er sich gehen lässt, sorglos eine leichte Wen-\nDung der Action wie im Vorübergehen in Tönen zu schildern, da\nentschlüpfen ihm die geistreichsten Einzelheiten, welche aber meist\nwirkungslos vorübergehen, weil das Publicum sich nicht die Mühe\nnimmt, darauf zu achten. So kann man dreist behaupten, dass bei\nuns die hübschesten Nummern gar nicht beachtet, die mittelmässig-\nsten aber lebhaft applaudirt wurden. Zu den ersten zählen wir die\nganze Indroduction, dann das von Lebens- und Liebeslust sprüdelnde\n„Seht ihr sechs edle Herrn, beseelt von einer Flamme\", dann im\nzweiten Acte das Septett: ~Lasst uns, ihr Herren, ein Mittel finden\",\nendlich den Anfang des zweiten Finale. Rechnen wir dazu noch das\noriginelle „Bienenlied\", den gelungenen Gesang der Zigeuner im zwei-\nten Finale, das komische Terzett im dritten Acte u. s. w., so werden\nwir erkennen, dass dies doch keine so geringe Ausbeute sei, und\ndass sich nicht sowohl das Publicum als besonders die Kritik aber-\nmals mit einer Strenge geäussert habe, welche nicht geeignet ist, die\nDirection in ihrem löblichen Streben, neue Werke vorzuführen, wirk-\nsam zu unterstützen.\" Uebrigens war die Oper sehr gut einstudirt\nund scenirt."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590101-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nAus den Museums-Concerten zu Frankfurt am Main. I. Pariser Briefe (Theulre lyrique Streit über den Ein-\nnahme- Antheil ausländischer Componisten La Harpe (Tor, Oper von F. Godefroy). Theater in Wiesbaden (Balfe's Zigeunerin). Von\nW. W. Maria Anna Sehikaneder. Von M. Tages- und Un ter h al tun gsbl all (Köln, Capellmeister Joh. Vogt A. Schind-\nBiographie Beethoven's Haag, Mendelssohn'» „Paulus\" Dresden, Neue Oper Wien, Opern-Bericlit).\n\nAus den Museums-Concerten zu Frankfurt am Main.\nI.\nSeit einigen Jahren hat der Vorstand dieses Instituts\nbegonnen, namhafte Künstler aus der Ferne zur Produc-\ntion einzuladen, um diesen Concerten einen erhöhteren\nGlanz zu verleihen. So war zuerst Gelegenheit gegeben,\nFrau Schumann, dann Herrn Laub zu hören; im vori-\ngen Winter erschien Herr Joachim. In der laufenden\nSaison aber hat sich das Herbeiziehen fremder Künstler\ndahin gesteigert, dass in jedem der drei ersten Concerte\neine Instrumental-Notabilität zu hören war. Im ersten (am\n5. November) trat Herr Vicuxtemps auf, im zweiten\n(am 19. November) Herr Rosenhain aus Paris, und im\ndritten (am 3. Dccember) Herr Singer aus Weimar. In\nder Vocal-Partie hörten wir Fräulein Peters (aus Düssel-\ndorf gebürtig und Novize der hiesigen Oper) mit guter\nStimme und achtungswerther Vorbildung, die sie in Dres-\nden genossen; ferner erfreute noch die Zuhörer die auf\nihren Lorbern hier ruhende Frau Saloman-Nissen, eine\nKünstlerin mit gediegener Schule und vortrefflicher Me-\nthode, womit diese Dame jungen Talenten auf dem schwie-\nrigen Kunstpfade als Muster vorleuchten kann. Wir wollen\nuns aber hauptsächlich den Leistungen der fremden Künst-\nler zuwenden.\nDie Sorgfalt für so splendide Ausstattung der Con-\ncerte Seitens des Vorstandes scheint nicht bloss aus oben\nangeführtem Grunde, sondern zugleich aus der richtigen\nAuffassung hervorzugehen, worin eigentlich die Aufgabe\nvon derlei Instituten in einer Zeit systematischen und me-\nthodischen Geschmacks-Verderbnisses bestehe. Ist diese Prä-\nsumption die richtige, dann sei die Wendung der Dinge\nin Leitung dieses Instituts freundlichst begrüsst; anderes\nnoch zu Wendendes und zu Verbesserndes wird vielleicht\ndie Zeit bringen—nur nicht zu spät! Indess ist damit kei-\nneswegs ausgesprochen, dass jede der herbeigezogenen\noder ferner herbei zu ziehenden Notabilitäten den Concert-\nAbenden nebst erhöhterem Glänze auch eine höhere\nWeihe zu verleihen im Stande ist, und ob es nicht bei\nbefriedigter Neugierde sein Verbleiben behält, den be-\nrühmten X. ebenfalls gehört zu haben. Diese Unterschei-\ndung wird sich aus der kurzen Charakteristik des von die-\nsen drei genannten Künstlern Gehörten so ziemlich von\nselbst ergeben. Möge jedoch gestattet sein, vorab einen\nverwandten Punkt (lüchtig zu berühren."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590101-01.1.2", "texte": "Spricht man über Kunst-Institute, wie das frankfurter\nMuseum, den Cäeilien-Verein daselbst, und über andere\nzu gleichen Zwecken bestehende, so wird man zu der Be-\ntrachtung gedrängt, was wohl ohne dieselben, ganz be-\nsonders ohne die gemischten Gesang-Vereine in Verbin-\ndung mit dem Orchester, aus aller Musik geworden wäre.\nErkennt man den mächtigen Einlluss dieser Institute\nauf Erhaltung des wahrhaft Guten und Schönen im Be-\nreiche des Höchsten in der Tonkunst, fühlt man den star-\nken Damm, der mittels derselben der immer tiefer wüh-\nlenden Depravation entgegengestellt ist, so muss man in\ngerechter Würdigung der Thatsachen diese Institute für\ndie eigentlichen Conservatorien nehmen, nicht die so be-\nnannten, die nur Musikschulen sind, deren Werth und Be-\ndeutung für das Beste der Kunst nicht höher anzuschlagen\nist, als bei jeder anderen Schule. So wenig man mit Si-\ncherheit vorn Knaben sagen kann, er werde ein Mann und\nein ganzer Mann werden, eben so wenig lässt sich mit\nSicherheit sagen, dass unter hundert talentbegabten Schü-\nlern einer Musikschule nur Einer die Höhe wahrhafter\nKünstlerschaft, sei es schöpferisch oder bloss ausübend,\nerreichen und auf derselben das Beste der Kunst löidem\nwerde, selbst mit Hintansetzung persönlicher Interessen.\nMan blicke hin auf die Musikschulen zu Paris, zu Brüssel,\nzu Prag, zu Wien, und frage nach der Anzahl der Künst-\nlergrössen, die daraus hervorgegangen. Will man den\nBegriff von Conservatorium, Erhaltungs-Anstalt des\nwahrhaft Guten und Schönen, auffassen, wie er sich\ndem offenen Auge darstellt, dann dürfen sich die Städte\nBerlin, Hamburg, Leipzig, Köln nebst anderen Rhein-\nstädten, Frankfurt an der Oder und am Main, Münster\nund München mit Recht rühfnen, seit vielen Decennien\nschon Conservatorien in ihren Mauern in bester Pflege des\nGuten und Schönen zu besitzen. In einigen dieser Städte\nbestehen seit 30 bis 40 Jahren schon derlei fest begrün-\ndete Institute in ununterbrochener Thätigkeit, die je nach\nmehr oder weniger verständiger Leitung im rein Künst-\nlerischen mehr oder weniger bildend auf ihr Publicum ge-\nwirkt haben und noch wirken. Ueberhaupt die Fran-\nzosen hatten nicht die Absicht, durch die Wahl des hoch-\nklingenden Titels „Conservatoire de Musique\", anstatt des\ngar zu gewöhnlichen ~EcoleMmicale\", andere Nationen\nzur Nachahmung anreizen zu wollen.\nUnd nun zur genannten Künstler-Trias zurück. Da\ngebührt die Ehre des Vortritts dem Vorzüglichsten.\nHerr Rosenhain liess sich nicht bloss als ausüben-\nder Künstler auf dem Pianoforte hören, er brachte gleich-\nzeitig eine neue Sinfonie zur Aufführung. Wir kennen die-\nsen wahrhaft bescheidenen Mann seit lange. Zu seinen\nEigenschaften als Componist gehört, dass er bei jedem\nUnternehmen innerhalb der Gränzen seiner Geisteskraft\nverbleibt. Davon gibt diese Sinfonie wieder Zeugniss. Das\nWerk hat somit nichts gemein mit den forcirten Pro-\ndueten so vieler anderen Sinfonie-Componisten. Herr Ro-\nsenhain gibt seinem Werke die charakterisirende Benen-\nnung „Frühlingsklänge\", und diesem Titel entspricht die\nComposition vollkommen. Streng thematische Durchfüh-\nrung freundlicher, mitunter schöner und eigenthümlicher\nMotive frischen Wuchses in allen vier Sätzen beurkundet\nden Wissenschaftsmann, der mit Sicherheit und Gewandt-\nheit, entfernt von scholastischer Steifheit, seinen Vorwurf\nbehandelt. Mit welcher Freiheit sich der Componist im\nGesetzlichen bewegt, kann den Kenner wahrhaft er-\nfreuen. Rosenhain leitete sein Werk selber und ward vom\nOrchester bestens unterstützt. Das Auditorium hätte viel-\nleicht lieber ein nervenerschütterndes Opus vernommen;\ndennoch liess man diese kunstwahren Frühlingsklänge nicht\nohne ehrenden Beifall vorübergehen.\nZum Vortrag auf dem Pianoforte hatte der Künstler\nMozart's Concert in D-moll gewählt. Mit Ernst, tiefer Ein-\nsicht und imponirender Würde ward der reiche Geist aus\ndieser ewig schönen Composition vor die Sinne geführt.\nEs war eine Lust, das mit emphatischen Beifalls-Bezeigun-\ngen karge Publicum nach Beendigung des Werkes eine\nAusnahme von der Regel machen zu hören, und dass man\nsogar am folgenden Tage noch mit Wärme von dem ge-\nhabten Genüsse gesprochen, zählt zu den ganz seltenen\nVorkommnissen zu Frankfurt am Main, wo mit dem letz-\nten Accord jede Erinnerung an das Gehörte, was es im-\nmer sei, rasch in den Lethe versenkt wird, die Oper Be-\ntreffendes ausgenommen*). Das Publicum hat sich am\nmeisten selbst geehrt, indem es die hohe Bedeutung des\nWerkes, wie auch die Meister- und Musterhaftigkeit sol-\nchen Vortrags in so eclatanter Weise gewürdigt.\nBei dieser Gelegenheit muss wieder mit Bedauern das\nGeständniss abgelegt werden, wie sehr die in jenen Con-\ncerten herrschende Temperatur (zuweilen 30 Gr. K.i den\nreinen Genuss vorzugsweise grosser Werke für Pianoforte\nmit Orchester beeinträchtigt. Darum wird ein solches\nWerk, des Morgens in der Probe und Abends in dem mit\nunzähligen Hindernissen für Akustik überfüllten Saale ge-\nhört, eine wesentlich verschiedene Physiognomie erhalten.\nAm meisten leidet darunter der weiche Ton des Piano-\nforte, der an sich schon keine besondere Tragweite hat,\ndaher nur für Kammermusik geeignet ist. Ueber Klang-\nHindernisse vollends obzusiegen, wie sie in diesem Räume\nbestehen (hinzu zu zählen kommt noch die ausserordent-\nlich hohe Orchester-Stimmung, die auch den stark §e\"\n\n*) Dasselbe weiss man von anderen Städten zu sagen.\nDer Setzer."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590101-01.1.3", "texte": "füllten Ton verdünnt), vermag nur der scharfe Clavier-\nton, der einstens in den wiener, überhaupt in allen deut-\nschen Flügeln eine gerühmte Eigenschaft war. Sollte Herr\nC. A. Andre, dessen Flügel-Fabrication in letzter Zeit\nwieder einen sehr beachtenswerthen Fortschritt gemacht,\nes nicht einmal versuchen wollen, einen diesen akustischen\nHindernissen Trotz bietenden Flügel mit scharfem Tone\nzu bauen, auf dass der Wohlklang seiner Instrumente dort\nnicht Schaden leide, und dem Auditorium Gelegenheit ge-\ngeben werde, so ewige Monumente, wie Mozart's, Beet-\nhoven's und anderer gediegener Meister Pianoforte-Con-\ncerte, in ihrem ureigenen Colorit strahlen zu sehen? Aller-\ndings wird dabei auf den gewohnten Wohlklang in Can-\ntabile-Stellen verzichtet werden müssen; jedoch die genann-\nten Propheten, dessgleichen Hummel, Moscheies und an-\ndere hochgeehrte Meister, hatten zum Vortrage ihrer Werke\nauch keine anderen als scharf klingende Instrumente und\nbrachten dieselben doch zu vollster Geltung. Es kommt\nhierbei wohl in Erwägung, wie sehr diese Schärfe im gros-\nsen Räume und dazu noch im Zusammenklange mit dem\nOrchester gemildert wird.\n\nPariser Briefe.\n[Thidtre hjrique Streit über den Einnahme-Antheil ausländischer\nComponisten La Harpe d'or, Oper von F. Godefroy.]\nFi garo's Hochzeit macht immer noch seit dem Monate\nMai, mit alleiniger Unterbrechung durch die Ferien, dem\nTheätre lyriqueein volles ISaus. Leider hat sich über die\nZahlung vom Ehrensold nach Einnahme-Procenten an die\nNachkommen Mozart's und Webers ein unangenehmer\nStreit entsponnen, dessen richterliche Entscheidung noch\nschwebt, während die General-Versammlung der drama-\ntischen Schriftsteller und Componisten am 21. November\ndie Zahlung gut geheissen hat. Die Sache ist mannigfach\ndurch die Journale entstellt worden. Das Wahre daran\nist Folgendes:\nNach dem Vertrage des Vereins der Autoren mit dem\nTheätre lyrique fallen die Einnahme-Antheile verstorbener\nAutoren, deren Werke Gemeingut geworden sind, der\nVereins-Casse zu. Der Vorstand des Vereins (Präsident des-\nselben ist Melesville) hält aber an dem Grundsatze des immer-\nwährenden und unveräusserlichen Besitzes des geistigen\nEigenthums fest und hat dem gemäss den Erben von We-\nber und Mozart ihren Antheil von den Aufführungen von\nOberon, Euryanthe, Preciosa, Figaro ausgezahlt. Zwei\nMitglieder des Vereins aber waren der Meinung, dass der\nVorstand durch diese Zahlungen seine Vollmacht über-\nschritten habe, und liessen ihn durch den Gerichtsvollzieher\nauffordern, die Summen, die er an Personen, welche dem\nVereine fremd wären, gezahlt hätte, der Vereins-Casse\nwieder zu erstatten.\nDarauf schrieb der Vorstand die General-Versamm-\nlung vom 21. November aus.\nDer Präsident Melesville hielt einen ausführlichen und\nglänzenden Vortrag zur Rechtfertigung der geschehenen\nZahlungen. Er wies nach, dass schon oft an Nachkommen\nvon französischen Dichtern und Componisten, die niemals zu\ndem Vereine gehört hätten, ähnliche Zahlungen geleistet\nworden wären. „Wer würde glauben\" sagte er unter\nAnderem —, „dass man Enkelinnen und Urenkelinnen von\nCorneille und Racine mit den Worten abgewiesen hätte:\n„ „Wir sind ausser Stande, Sie zu unterstützen unsere\nStatuten erlauben es nicht; Corneille und Racine sind nie-\nmals Mitglieder des Vereins gewesen\"\"!\nDann kam er auf das Wort „fremd\" im Texte der\nLadung und rief aus: „Die Söhne Mozart's und Weber's\ndem Vereine fremd, wenn es sich um die Einnahmen han-\ndelt, welche durch die Meisterwerke ihrer Väter erzielt\nwerden!\" (Man muss hierbei beachten, dass das Wort\netrangers ä l'association so viel bedeutet, als: Mozart und\nWeber gehen den Künstler-Verein nichts an.) „Was hat\nMozart's Sohn in Mailand (der bekanntlich nun auch schon\ngestorben ist, den 31. October 1858) dem französischen\nConsul daselbst geantwortet? Er sagte mit innigem Dank-\ngefühl: „„Frankreich hat allen edelmülhigen Gedanken\nstets zuerst Bahn gebrochen.\"\"\n„Hätte der Vorstand dem Antrage der zwei Vereins-\nMitglieder gemäss Mozart's und Weber's Eigenthumsrechte\neingezogen, so würde die General-Versammlung davon\nsind wir überzeugt —ihm geantwortet haben: „ „Ihr habt\nden Geist eures Mandats verkannt, die Grundsätze verläue-\no\nnet, die uns leiten, den Zweck hintangesetzt, der uns am\nHerzen liegt, und, was das Aergste ist, Ihr habt die Ehre\nund Würde, ja, sogar die Rechtlichkeit unseres Vereins\ncompromittirt, Ihr habt einen Raub begangen —wir müs-\nsen Euch öffentlich desshalb tadeln.\"\"\nDie Versammlung sprach sich einstimmig für den Vor-\nstand aus und stellte somit als Hauptzweck des Vereins\n„die internationale Anerkennung des literari-\nschen und künstlerischen Eigenthums ohne allen\nRückhalt und mit allen rechtlichen Folgen\" auf.\nOb der Richter derselben Ansicht sein wird, ist die\nFrage; jedenfalls wird die Stimme der General-Versamm-\nlung einen Wiederhall im Gerichtssaale finden.\nWas dasselbe Theater an Neuigkeiten gebracht hat,\nwill nicht viel sagen. Der berühmte Harfenspieler Felix\nGodefroy hat sich versucht gefühlt, auch einmal eine\nOper zu schreiben. Warum nicht? Die dramatische Com-\nposition ist hier ein Geschäftsbetrieb geworden; wer seinen"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590101-01.1.4", "texte": "harmonischen Cursus nothdürftig durchgemacht hat und\nein Bisschen mit den Schwarzköpfen auf Notenpapier um-\nzugehen weiss, macht sich-daran. Er componirt nicht, weil\ner muss das ist längst vorbei —, er schreibt, weil er\nwill, aus Eitelkeit oder für Geld. Dichter findet er immer,\nParis hat ganze Ateliers voll davon. So schweissten denn\nauch deren zwei (denn anders thut man's nicht mehr) für\nHerrn Godefroy ein Buch zusammen, in welchem, o glück-\nliche Idee! eine Harfe die Hauptrolle spielt. Man kann\ndenken, mit welcher Begeisterung der erste Harfenist von\nEuropa diesen Stoff aufgriff. Es entstand die zweiactige\nkomische Oper La Harpe d'orund wurde am 8. Septem-\nber zum ersten Male gegeben.\nAn was gewöhnt man sich heutzutage nicht in der\nOper? Und dennoch ist diese Zusammenwürfelung aus\nYVunder, Liebe, Halunkerei und melodramatischem Rühr-\nbrei kaum zu ertragen. Die heilige Cäcilia zu Girgenti oder\nAgrigent in Sicilien besitzt eine goldene Harfe, eine Harfe\nvon reinem Golde, das Geschenk eines Sänger-Vereins. Ein\nBeurtheiler in der Revue Musicgreift gleich von vorn\nherein diesen Anachronismus (das Stück spielt vor der Ent-\ndeckung von Mittel-America, geschweige denn von Cali-\nfornien und Australien!) an, der einen enormen Reichthum\nder damaligen Sänger voraussetzt. „Fragt einmal den köl-\nner Männer-Gesangverein\" fährt er fort —, „der seit\nvielen Jahren durch die Welt reis't, um den Dom aus-\nbauen zu helfen, fragt einmal diese geschickten, gewissen-\nhaften, eifrigen Künstler, ob sie schon den Werth einer\nHarfe von purem Golde ersungen haben!\"\nDie Bildsäule der heiligen Cäcilia von Marmor geht\nmit ihrer Harfe zuweilen spaziren jedoch nicht, um zu\nverderben, wie der steinerne Gast und die Marmorbraut\n—sondern um zu beglücken. So ist sie denn auch einmal\nherabgestiegen, um einen kleinen hübschen, neugeborenen\nJungen, der ihr die Ohren voll schrie, auf die Stirn zu\nküssen. Wahr ist es, denn Horatio, genannt „der Blasse\",\nerzählt es uns selbst und fühlt als Bengel von fünfund-\nzwanzig Jahren die Kälte der Marmorlippen „zuweilen\"\nnoch auf seiner Stirn.\nEr ist natürlich ein grosser Sänger geworden, auch\nDirector des Cäcilien-Vereins, und hat, was die Hauptsache\nist, das berühmte Tenor-c mit der Brust, das Ur-c, Jahr-\nhunderte vor Duprez. Du begreifst-, dass man einen solchen\nSänger nicht erfindet, wenn man nicht schon einen in petto\nhat. Herr Michot hat alle Welt im Theater, im Orche-\nster, Parterre, in den Logen, den Galerieen durch ein\nentzückt und in Erstaunen gesetzt, ein volles, mit der Brust\ngenommenes, wohlklingendes, kräftig oder milde, je nach\nseinem Gefallen, tönendes, mit meisterhafter Messa di voce\nund Portamento verbundenes cl Die beiden Haupt-Ele-\nmente der Oper waren also gegeben. Godefroy's Harfe und\nMichot's cl Einige Combinationen und Imbroglio's dazu,\nmögen sie auch noch so abgedroschen oder unwahrschein-\nlich sein, und die Oper ist fertig. Horatio liebt die Cinthia,\nein Schuft von Podesta kauft sie ihrem Alten ab, ein an-\nderer Schuft stiehlt das Halsband von Rubinen der heili-\ngen Cacilia, ein Extra-Geschenk des agrigentinischen Män-\nner-Gesangvereins, der Podesta schmuggelt es in Haratio's\nKoffer, es wird gefunden, Horatio zum Tode verurtheilt.\nAber nun! Dass er nicht gehängt wird, lässt sich\ndenken; wie er gerettet wurde, das war dem Scharfsinne\nder Dichter vorbehalten. Der Armesünderzug geht über\nden Cäcilien-Platz; Horatio muss der beraubten Statue Ab-\nbitte thun. Statt dessen beschwört er sie, seine Unschuld\nan den Tag zu bringen. Was wird sie thun? Reden? Sin-\ngen? Nein sie bewegt ihren Marmorarm, greift in die\nSaiten der goldenen Harfe und präludirt ein wenig, was\nihr kein Mensch verargen wird, da ihre Finger etwas steif\ngeworden sein dürften. Dann wiederholt sie die Melodie\ndes Gebetes ihres Schützlings, phantasirt darüber, und das\nVolk erkennt mit Andacht und Entzücken die musicalische\nCassation des Urtheils an.\nDie Musik hat leider dieselben Eigenschaften, wie die\nhandelnden Personen; sie lässt kalt und ist so nüchtern\nwie Horatio und vollends seine Cinthia, die weder Witz\nnoch Leidenschaft kennt, oder sie wird so ordinär, wie die\ndurchtriebenen Schufte auf der Bühne. Der eine von die-\nsen, der Halsband-Dieb, ist übrigens noch der einzige, der\netwas Leben in die Scene und in die Musik bringt. Gode-\nfroy's Compositionen für die Harfe haben in Frankreich\nbekanntlich grossen Ruf; sie sind auch gar nicht übel, und\nalle hören sie sich wenigstens gut an. Die Musik seiner\nOper ist aber langweilig, trotz ihrer Correctheit und Glätte,\nvielleicht eben desswegen. Der Mangel an melodischer Er-\nfindung, die ewige Wiederkehr derselben Rhythmen und\nCadenzen sprengt am Ende die Geduld auch der nachsich-\ntigsten Zuhörer.\nUnd doch hat die Oper mehrere Vorstellungen erlebt!\nWodurch? Durch das hohe c des Tenors Michot und durch\ndas Spiel der heiligen Cäcilia auf ihrer goldenen Harfe,\nd. h. des Herrn Godefroy auf seiner Erard'schen hinter\nder Scene. Die Franzosen bleiben Franzosen! und das hat\nauch sein Gutes.\n[\n(Schluss folgt.)"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590101-01.1.5", "texte": "Theater in Wiesbaden.\n\n(Balfe*8 Zigeunerin.)\nDen 26. Dccember 1858.\nMan redet so viel und nicht mit Unrecht von dem\nVerfall der deutschen Bühnen-Zustände überhaupt, von\nder Verflachung und Corruption der Musik, der fein dra-\nmatischen Kunst, der Tragödie, des Schauspiels, wofür\nGöthe, Schiller, Lessing, Iffland und in neuester Zeit Ed.\nDevrient, Dingelstedt und Andere geschrieben und in Be-\ngeisterung wirkten, nicht einmal zu gedenken —, dass man\nanfängt, diese selbst von erfahrenen Bühnenleitern, tüchti-\ngen Sängern und Mimen zugegebenen Klagen zu belä-\ncheln, wenn man alltäglich das Schauspiel sich wiederho-\nlen sieht, wie sogar ziemlich selbstständig gestellte, von\nder nicht zu bestreitenden Einwirkung des seichten Ge-\nschmackes des grossen Haufens unabhängige Bühnen die-\nser eingebrochenen Verllachung des allgemeinen Ge-\nschmackes— keiner der Leser möge und wolle sich selbst\nzu ihr bekennen nicht nur sich nicht entgegenstellen\nmit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln, sondern ge-\nradezu mit einstimmen in den eben gangbaren Ton. Die-\nsen kleinen Vorwurf möchten wir auch der oberen Lei-\ntung und der ganzen Richtung unseres Theaters machen\nund hiermit auch ganz piano an das „musicalische Gewis-\nsen\" der Leiter anzuklopfen uns erlauben, wenn anders—\nein solches da. Da man jedoch von den Menschen immer\ndas Beste denken soll, so wollen wir das Vorhandensein\neines „-reinen musicalichen Gewissens\" annehmen. Wie in\naller Welt kommt es denn aber, kostbare Zeit und gute\nKräfte—wenigstens kann das Letztere mit Recht vom Or-\nchester behauptet werden an die Einstudirung eines\nWerkes zu vergeuden, das zu dem „Abgestandenen, Ueber-\nwundenen\" und nur noch hier und da in Mode Gebliebe-\nnen und wäre es auch die Metropole Albions selber\ngehört!\nWir meinen die „Einstudirung\" der Zigeunerin von\nBalfe. Grössere Langeweile um nicht mehr sagen zu\nwollen—hat uns nie gepeinigt, als bei dieser von Gemein-\nplätzen Prima-Sorte wimmelnden, höchst armseligen Oper.\nOhne uns auch nur im Geringsten nach dem Total-Ein-\ndrucke auf das versammelte Auditorium erkundigt zu ha-\nben, wagen wir doch zu behaupten, dass der Erfolg der\nOper Musik, Spectakel, Tanz, Marktscene, Seiltanz,\nHänneschen, Possen, Kindesraub (auch schon da gewesen\nund noch jüngst irgendwo) und wundersamer „Schuss\"\nwie „Schluss\" eingerechnet dennoch ein die Erwar-\ntungen der tonangebenden Spitzen herabstimmender gewe-\nsen ist. Der feine Calcul und die gleich weise Vorsorge,\ndie possierliche Oper, auf dem Zettel „romantische\"\nsollte lieben.heissen „romanische\" oder „langweilende\"\nbenamset, an einem Sonntage zum ersten Male vom Sta-\npel laufen zu lassen, scheint demnach wenig gefrommt zu\nhaben und spricht schon a pr nicht für den reellen\nWerth der Musik. Kennt man doch den Plural des Sonn-\ntags-Publicums, und auf dessen Unbefangenheit, Kindheit\nund Kenntniss vom innersten Wesen und Kern der Musik,\nau! dessen Geschmack hin hätte man hier dieser Oper\neinen Success erobern wollen? Dieser Umstand spricht\ndoch für das Vorhandensein eines noch nicht völlig zu\nGrunde gegangenen musicalischen Gewissens bei denjeni-\ngen, welche das unvergleichbare Werk proponirten und\nprotegirten.\nGewiss, dass bei einer Wiederholung der Zigeunerin\nnoch „Viele\" kommen werden, das Werk zu sehen und\nzu geniessen und in dem Zigeuner-Chor eine Woche lang\nzu schwelgen. „Sonntagsstücke\" muss man ja immerhin\nhaben, warum nicht auch „Sonntags-Opern\"? Der gute,\ngeläuterte Geschmack wendet sich dagegen bald ab von\nsolchen Producten. Das pikante Sujet bei dem es Kei-\nlerei und platte Witze absetzt kann auch nur ein „bla-\nsirtes\" englisches Publicum unterhalten das sich seiner\nZeit im herrlichen Don Juan mehr über die Spässe des\nseligen Lablache als Leporello amusirte, als an den ewig\nschönen Melodieen Mozart's sich erfreute—und ein unbe-\nfangenes oder in Kindheit befangenes Sonntags-Publicum\naller Herren Länder. Zur Ehrenrettung der wahren Mu-\nsikfreunde Londons sei es jedoch auch gesagt und betont,\ndass es daselbst auch ein gewähltes, erlesenes Publicum\ngibt, das Verständniss und Begeisterung für „gute Mu-\nsik\" in sich trägt.\nDie grobsinnliche Verwendung und Vergeudung\nweil nutz- und zwecklos der Instrumentalkräfte, welche\nMeyerbeer, Wagner und die Italiäner noch anmuthig, pi-\nkant, wenn auch oft bizarr, doch „raffinirt mensch-\nlich fühlend und Thränen weckend\" wirken lassen,\nfasst uns in der Zigeunerin bei Hals und Kragen und\nadressirt sich immer an den schon erwähnten Pluralis. Die\nLangweiligkeit des ersten Actes ist unerhört; im zweiten\nund dritten Acte sind einige Nummern Oasen in den\ndürren Steppen —, die den „Zusehenden\" um so mehr\nüberraschen, als er vorher nur gepeinigt und geohrfeigt\nworden. Wir meinen insbesondere das Lied des Grafen\nAlban Herr Lipp —, in welchem die wehmüthigen Er-\ninnerungen an sein verloren gehaltenes Kind an sein Herz\nschlagen—Herr Lipp machte nur den Einen kleinen Feh-\nler, selten rein zu singen —, und die ritterliche Erklä-\nrungdes Flüchtlings Thomas (Herr Prelinger), welche Herr\nPrclinger mit ungewöhnlichem Feuer und schönem Tone\nwiedergab. Diese beiden Momente schlagen auch am moi-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590101-01.1.6", "texte": "sten und nachhaltigsten in das Herz des Zuhörers ein.\nGewiss sind es diese Nummern allein, allenfalls noch\ndas Clarinett-Solo—von Herrn Hof-Concertmeister Schmidt\nin gewohnt vollendeter Weise execulirt—, welche verhin-\nderten, dass die Oper noch denselben „kalten Abend\"\nan einem „Durchfall\" erkrankte, von dem sie wohl\nschwerlich wieder genesen.\nFräulein Hart mann betrat als Zigeunerin nach län-\ngerem Erkrauktsein zum ersten Male, wenn wir nicht irren,\nwieder die Bühne, und hat Alles aufgeboten, die Krank-\nheits-Symptome der Balfe'schen Zigeunerin, die dennoch\nim milden nassauischen Nizza nicht zur eigentlichen Le-\nbensfähigkeit erstarken dürften, zu vertuschen, ja, ihren\nkrankhaften Körper mit dem Pallium caritatis bedeckt;\nallein Fräulein Hartmann beging ein doppeltes Unrecht.\nEinmal sollte sie selbst noch ihre sehr angegriffene Stimme\nschonen denn grösste Schonung und vorsichtige wie\nhöchst mässige Beschäftigung ihrer Stimme können wir ihr\nnur wohlmeinend empfehlen —; zum Anderen sollte sie er-\nwägen, dass ein gewissenhafter Anwalt auch nicht für eine\nschlechte Sache plaidirt, sondern gern auf den Ruhm ver-\nzichtet, durch eine schön ausgearbeitete Rede bloss zu\nglänzen. Nach diesem brauchen wir nicht noch zu sagen,\ndass Fräulein Hartmann wohl verdiente, die Königin der\nZigeuner genannt zu werden.\nHerr Abich, Zigeuner-Hauptmann, war ganz in sei-\nner Sphäre. Das Nomadenleben der Zigeuner schien uns\nindess auch auf seine Stimme ein wenig inlluirt zu haben;\ndenn sie kam uns an jenem kalten Abende ein wenig\nrauh und naturwüchsig vor. Ach Gott, wie hat man aber\nauch bei einem solchen Wanderleben Zeit für eine solide\nSchule des Gesanges! Sonst war sein Spiel so derb eng-\nlisch und fasslich für den Pluralis, dass auch ihm ein An-\ntheil gebührt, und zwar nicht der kleinste, an der „retten-\nden That \" vom 5. December. (Die Oper ging hier am\n5. December nämlich über die Bretter.)\nVon Fräulein Herbold will es uns bedünken, dass\nsie über das von der Natur ihr gesteckte Ziel hinausgeht\n—ungestraft tliut dieses kein Mensch, auch kein Künstler\n—und aus einem Fache heraustritt, in welchem sie für\ndie hiesige Bühne—Oper und Vaudeville—eine nicht ge-\nnug zu schätzende, werthvolle Acquisition ist, wenn, sagen\nwir, Fräulein Herbold Partieen wie die Zigeuner-Königin\nund die der Venus im Tannhäuser zu übernehmen gedrängt\nwird. Die praktische Einsicht der anordnenden Spitzen\nwird zuletzt dem vielseitigen Talente des Fräuleins Herbold\nauch noch die Partie der Ortrud im Lohengrin aufbürden\nund dadurch schöne Slimmmittel zu ruiniren sich beeilen.\nMusicalisches Gewissen! Thut nichts, muss sein, weil wir\nkeine Andere haben.\nNachdem wir nun von dem sonstigen Spectakel der\nOper abstrahiren, fragen wir: Warum muss ein ziemlich\nunabhängig gestelltes Kunst-Institut wie das hiesige Thea-\nter Aufführungen wie die der Zigeunerin vorbereiten?\nUeisst das nicht, dem seichten und schlechten Geschmack\nThor und Riegel öffnen? Müssen hier alle Schrei-Opern,\nwie 11 Trovatore, Rigoletto und andere Verdi'sche Producte\n- auch mit Nabucowerden wir in Bälde beschert —in\nScene gehen, weil sie in Paris und London gefallen haben?\nMuss denn jede Regie mit dem Strome schwimmen? Sind\ndie Bühnen nur dazu da, dem Ohrenkitzel zu fröhnen, mit\n„Massen\" auf die Massen (könnte auch „Gassen\" heissen)\nwirken zu lassen und die flache Schaulust zu befriedigen?\nSind die ewig schönen Vorbilder der Vergangenheit gar\nnicht oder nutz-los vorhanden? und ist etwa noch Man-\ngel an Werken, die man hier nur dem Narnen nach kennt?\nGluck's Alceste, die beiden Iphigenien, Euryanthe, Jes-\nsonda u. s. w., lohnen sie nicht die Einstudirung? und\nwarum beanstandet man die Wiederholung guter classi-\nscher Werke von Weber, Mozart, Beethoven, die stabil\nauf unserer Bühne sein sollten? Man mache nur einmal den\nAnfang damit, führe Sonntags gerade die besten Er-\nzeugnisse der Kunst dem Pluralis vor, statt fade Pos-\nsen und Ilanswurstiaden, man erziehe und bilde so die\nMenge und befähige sie zum Verständniss und Ge-\nnuss wahrhaft schöner Werke—es bleibt sicher ein\ngutes Körnchen in ihrem Gemüthe zurück, das es zu heben\nund zu veredeln fähig, statt der Verllachung mit dem Grob-\nSinnlichen jeder Gattung noch Vorschub zu thun. Fahrt\nso fort, bergabwärts zu treiben, die Theater stehen zuletzt\nverödet da, oder sie werden nun was denn?—und der\nGebildete flieht die Stätte, welche der Sitz des guten Ge-\nschmacks und der reinen Schönheit zu sein berufen ist. Ist\netwa ein solcher Verein von künstlerischen Kräften bloss\ngeschaffen, nur um Sonntags Abends die Lachmuskeln in\nThätigkeit zu setzen? Und ist die Verflachung, der ganze\nNationen verfallen, wie z. B. die „grosse\", und der seichte\nGeschmack ausschliesslich nur bei dem Pluralis? Sollen\nauch unabhängige Kunst-Institute der „gangbarsten Sorte\nWaare\" nachrennen? 0, welche Erniedrigung der Kunst!\nDoch wem fällt sie anders zur Last, als den Künstlern, die\nSchiller's Sentenz stets zur Wahrheit machen; wem anders,\nals denen, die Gelegenheit haben, ihrem guten musi-\ncalischen Gewissen Rechnung zu tragen, und für das\nwirklich Schöne Propaganda machen können, wenn sie\nanders mit festem Willen und stets redlichem Streben\nwollen, und wenn sie die Würde, Bestimmung und Trag-\nweite der Kunst und ihres Cultus ermessen lernten.\n\nw. w."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590101-01.1.7", "texte": "Maria Anna Schikaneder.\nM.\nDie Zeitungen haben jüngst die Nachricht gebracht,\ndass der König von Baiern einer hier in bitterster Armuth\nlebenden Witwe Eickhof, geborenen Schikaneder,\neine monatliche Unterstützung bewilligte. Es dürfte für\ndie Leser Ihres Blattes von Interesse sein, über diese Dame\nNäheres zu erfahren. Ich erfuhr heute aus ihrem Munde\nselbst Folgendes:\nMaria Anna Schikanederist die Tochter des als\nHofmusicus am fürstbischöflichen Hofe zu Freising ange-\nstellt gewesenen Schikaneder. Sie zählt jetzt 86 Jahre\nund ist ganz blind. Bis zur Stunde lebte sie hier in fast\ngänzlicher Vergessenheit und bitterster Armuth; nur durch\ndie milden Spenden guter Menschen konnte sie ihr armse-\nliges Leben fristen. Noch als Kind ist sie mit ihrem Vater,\nder Virtuose auf dem Waldhorn war, nach Wien gekom-\nmen; sein Bruder hatte ihn von Freising verdrängt. Als\nSänger engagirt, wurde ihr Vater mit Mozart bekannt;\nderselbe nahm sich des jungen Mädchens an und bil-\ndete sie zur Sängerin aus. Ihr erstes Auftreten war der\nGenius in der Zauberflöte, der Oper ihres berühmten\nMeisters und Lehrers. Da sie Beifall fand, unternahm ihr\nVater mit ihr Kunstreisen; sie gab Concerte in Stuttgart,\nFrankfurt, München, Schaffhausen u. s. w. Wieder nach\nWien zurückgekehrt, verlor sie ihren Vater durch den\nTod; es blieb ihr nun nur noch ein Bruder, der als Sänger\nin Prag starb. Von nun an widmete sie sich ganz dem\nTheater; es ist bekannt, dass sie die gefeiertste Sängerin\nihrer Zeit war. Ihre Hauptrollen waren die Constanze in\nder Entführung aus dem Serail, die Königin der Nacht in\nder Zauberflöte, Donna Anna und Elvira in Don Juan.\nMit grosser Freude erzählte sie mir von ihren Triumphen;\naufrichtige Begeisterung ergreift sie aber stets, wenn sie\nauf Mozart, der ihr zu Liebe mehrere Arien componirte,\nzu sprechen kommt. Es ist traurig, aber doch erklär-\nlich, dass so manches reiche Künstlerleben mit bitterer\nNoth endet.\nRegensburg, im December 1858.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMlilis. Herr Capellmeister Joh. Vogt aus Petersburg ver-\nweilte einige Tage bei uns. Herr Vogt, als tüchtiger Ciavier- und\nOrgelspieler und Componist rühmlichst bekannt, ist auf einer Reise\ndurch Deutschland nach Paris und London begriffen. Seine Com-\npositionen bekunden die gediegene Schule der classischen deutschen\nMeister, denen das musicalische Wissen und die contrapunktische\nGewandtheit Hauptbedingungen beim Componiren waren. Seine Fu-\ngen sind trefflich geschrieben, eben so seine Violin-Quartette. Ueber\ndie Aufführung seines Oratoriums: „Die Auferweckung des La-\nzarus\" in Berlin vergleiche man die Correspondenz von G. E. in\nNr. 48 vom 27. November v. J. in diesen Blättern.\nWir vernehmen mit Vergnügen, dass von A. Schindler's Bio-\ngraphie Beethoven1 s eine neue Bearbeitung unter der Presse\nist. Das Buch war schon lange nicht mehr zu haben; da es die\neinzige authentische Quelle ist, aus der fast alle Nachrichten über\ndie Lebens-Umstände u. s w. des grossen Mannes geflossen, aber\nauch mannigfach verunstaltet worden sind, so wird die Nachricht,\ndass Herr A. Schindler eine neue Bearbeitung desselben in zwei\nBänden vollendet hat, die allgemeinste Theilnahme erregen. Der\nerste Band wird vielleicht schon Ende Januars ausgegeben werden.\n** 23. Decenibcr 1858. Vorgestern hatten wir hier eine\nglänzende Aufführung des „Paulus\" von F. Mendelssohn-Bar-\ntholdy unter der Direction des k. Capellmeisters Herrn H. Lü-\nbeck Die vereinigten musicalischen Kräfte waren imposant und\nsehr tüchtig; die Chöre, trefflich studirt, wurden präcis und mit\nFeuer und Kraft ausgeführt; das Orchester bewährte sich ebenfalls,\nnur wäre liier und da eine strengere Beachtung und übereinstim-\nmendere Ausführung des Piano wünschenswerth gewesen. Die Soli\nwaren sehr gut besetzt; Sopran Frau Offermanns trug ihre\nPartie vortrefflich vor, nur wäre vielleicht in die Recitative etwas\nmehr Nachdruck und rhythmische Betonung zu legen gewesen. Herr\nDuMont-Fier aus Köln sang den Paulus ausgezeichnet in Stimme\nund Vortrag, und ärntete namentlich durch die zweite Arie wieder-\nholten rauschenden Beifall. Die Tenorpartie sang Herr Göbbels\nvon Aachen. Wir hatten diesen jungen Sänger, der von der Natur\nmit einer weichen und sehr angenehmen Stimme begabt ist, schon\nin Deutschland einige Male gehört, allein noch nie so gut als jetzt.\nEr hat sehr erfreuliche Fortschritte gemacht und verdiente vollkom-\nmen den Applaus, der ihm zu Theil wurde. Der Saal war be-\nsetzt und das Publicum sehr angeregt und voll Theilnahme.\nIBressleaa. Eine neue Oper, „Judith\", von Naumann ist am\n5. November hier in Scene gegangen und durchgefallen. So sehr das\nBestreben der Direction, neue Werke vorzuführen, Anerkennung und\nAufmunterung verdient, so sehr ist es zu beklagen, dass Zeit, Mühe\nund Geld auf ein todtgeborenes Werk wie das in Rede stehende ver-\nschwendet worden. Vergebens hat man sich allseitig mit dem Ein-\nstudiren bemüht, vergebens widmete sich Frau Krebs-Michalesi\n(Judith) und Herr Mitter wurzer (Holofernes) mit der ganzen Kraft\nihres Darstellungs-Talentes der Durchführung ihrer undankbaren\nAufgabe. Die Oper ging ohne ein dem Componisten geltendes Bei-\nfallszeichen zu Ende und musste nach der zweiten Vorstellung, we-\ngen Mangels an Beifall und an Publicum, zurückgelegt werden.\nSchade um den Fleiss, mit welchem Herr Naumann die classischen\nMuster studirt, schade um die vielen gediegenen Kenntnisse, welche\ner sich in technisch-musicalischer Beziehung angeeignet hat. Seine\nOper ist ein Zeugniss ernsten Strebens, sein Stil erhält sieh consc-\nquent innerhalb der würdigsten Formen. Allein alle Eigentümlich-\nkeit, alle selbstständig schöpferische Kraft fehlt ihm dermaassen,\nseine „Judith\" überdies ein unglücklich gewähltes, mit schlecht\nklingenden Versen ausgestattetes Sujet ist so arm an allem, was\nder Musik Eingang verschaffen kann in die Ohren und Herzen der\nHörer, dass das Resultat kein anderes als ein höchst unglückliches\nsein konnte Ausser einer höchst willkommenen Reprise des ~ldomcxr\nneus\" brachte das Opern-Repertoire letztere Zeit nichts Besonderes.\nFrau Bürde-Ney, welche erst im vorigen Monate wieder aufge-\ntreten war und deren Stimme Anfangs noch unter dem Einflüsse\nlängeren Unwohlseins zu leiden schien, sang die Electra in der ge-\nnannten Mozart'sehen Oper wieder mit der vollen Kraft ihres Organs\nund mit richtigem Verständnisse. Neu war Fräulein Krall in der\nfrüher von Fräulein Bunke gesungenen Partie der Illia. Dass die"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590101-01.1.8", "texte": "Gesammtwirkung der Oper dadurch gewonnen, vorsteht sich bei dem\nanerkannten Talente des Fräulein Krall von selbst. Die Künstlerin,\nderen Leistungen sich stets streng in den Gränzen der Natürlichkeit\nbewegen und sich durch genaues Eingehen in den Charakter ihrer\nAufgabe auszeichnen, errang sich namentlich durch den Vortrag\nihrer ersten Arie allgemeinen Beifall.\n(W. Monatschr. f. Th. u. M.)\nWlefife. Der Opern-Bericht im letzten Hefte der Monat-\nschrift (die sich vom 1. Januar an in eine Wochenschrift verwan-\ndelt) enthält folgende Stellen :\n„So leid es uns thut, der neuen Direction, deren erste Schritte\n- wir gleich unseren Collegen mit freudigem Erstaunen begrüsst hat-\nten, nicht immer Gutes nachsagen zu können, müssen wir doch an\ndie Schlussbemerkung unseres letzten Berichtes eine noch entschie-\ndenere Hinweisung auf das unpassend zusammengestellte Repertoire\nanknüpfen. Da man jene Bemerkung keiner Aufmerksamkeit gewür-\ndigt zu haben scheint, so müssen wir deutlicher reden, umständ-\nlicher verfahren.\n„Seit dein Beginne der Saison, 19. August, also in ärei Mona-\nten, ist nicht nur kein gediegenes älteres Werk, deren so viele un-\nserem Repertoire fehlen, einstudirt, sondern es sind überhaupt von\nbereits am Repertoire befindlichen gediegenen Opern nur Fidelio,\nZauberflöte, Don Juan und Jessonda, also nur vier Opern, und zwar\njede nur Einmal, und überdies die beiden Mozart'schen in ziemlich\nmittelmässiger Weise gegeben worden. Der übrige Theil des Reper-\ntoires dreht sieh im Kreise um die Jüdin, die Stumme, die vier\nMeyerbeer'schen und noch einige Opern französischen und italiäni-\nschen Ursprungs. Mit Novitäten war man fleissig. Reprisen älte-\nrer Opern jedoch, selbst leichteren Genre's, fehlen bis jetzt gänzlich.\nDer Versuch mit einactigen Operetten wurde nicht fortgesetzt, und\nder überraschende Erfolg eines hyper-trivialen Grisetten-Ballets scheint\ndem Ehrgeize einer Direction, welcher doch Anfangs edlere Zwecke\nanstrebte, für den Augenblick zu genügen. Dies sind statistische\nThatsachen, und wir ersuchen Herrn Eckert, selbst den Commen-\ntar dazu zu machen. Wir achten seine Fähigkeiten hoch genug, um\nüberzeugt zu sein, dass er unsere im Interesse des Publicums, der\nKünstler und der Direction selbst geäusserte Mahnung beherzigen\nwerde.\n„Die Novität „Königin Topas\" in drei Acten, nach Lochroy und\nBattu von Proch, Musik von Masse, hat keinen durchgreifenden Er-\nfolg gehabt, wird sich aber vielleicht doch einige Zeit am Repertoire\nerhalten. Im Gegensatze zu den meisten französischen so genannten\nSpiel-Opern ist diesmal der Text ganz uninteressant, die Handlung,\ndurch ihre Verworrenheit ausserhalb jeder menschlichen Berechnung\nliegend, erinnert an die grossen pantomimischen Ballette, deren Zu-\nsammenhang dem Zuschauer ewig ein Räthsel bleibt. Auch die\nProch'sche Uebersetzung mahnt stellenweise an den blühenden Stil\nder Ballet-Programme, wiewohl im Ganzen genommen, wenn auch\nnicht die deutsche Sprache, so doch die Anforderungen der Sänger\nbefriedigt sein dürften. Die Musik theilt mit ihren älteren Geschwi-\nstern, den Werken von Thomas u. A , jene Eigentümlichkeit, dass\ndie hübschesten Stellen da angebracht sind, wo man sie weder er-\nwartet, noch nach Verdienst würdigt, während die wichtigsten Num-\nmern, die Arien, Duetten u. s. w., von welchen man sich viel ver-\nspricht, gerade am schwächsten bedacht sind. Wo musicalisehe Er-\nfindung und Phantasie unentbehrlich sind, wo der Componist zeigen\nkann, ob er es verstehe, die Wirkung einer dramatischen Situation\ndurch echten musicalischen Pathos zu erhöhen, da lässt ihn seine\nSchöpfungskraft im Stiche, er sucht vor unseren Augen nach Melo-\ndie, ergeht sich ängstlich in den sonderbarsten Modulationen und\nkehrt plötzlich auf forcirte Weise in die Haupt-Tonart zurück, wie\nbeschämt, dass er nichts Besseres gefunden. In unbelauschtcn Mo-\nmenten' hingegen, wo er sich gehen lässt, sorglos eine leichte Wen-\nDung der Action wie im Vorübergehen in Tönen zu schildern, da\nentschlüpfen ihm die geistreichsten Einzelheiten, welche aber meist\nwirkungslos vorübergehen, weil das Publicum sich nicht die Mühe\nnimmt, darauf zu achten. So kann man dreist behaupten, dass bei\nuns die hübschesten Nummern gar nicht beachtet, die mittelmässig-\nsten aber lebhaft applaudirt wurden. Zu den ersten zählen wir die\nganze Indroduction, dann das von Lebens- und Liebeslust sprüdelnde\n„Seht ihr sechs edle Herrn, beseelt von einer Flamme\", dann im\nzweiten Acte das Septett: ~Lasst uns, ihr Herren, ein Mittel finden\",\nendlich den Anfang des zweiten Finale. Rechnen wir dazu noch das\noriginelle „Bienenlied\", den gelungenen Gesang der Zigeuner im zwei-\nten Finale, das komische Terzett im dritten Acte u. s. w., so werden\nwir erkennen, dass dies doch keine so geringe Ausbeute sei, und\ndass sich nicht sowohl das Publicum als besonders die Kritik aber-\nmals mit einer Strenge geäussert habe, welche nicht geeignet ist, die\nDirection in ihrem löblichen Streben, neue Werke vorzuführen, wirk-\nsam zu unterstützen.\" Uebrigens war die Oper sehr gut einstudirt\nund scenirt."}]}