{"numero_id": "bm-bmtnabi-1859-01-08-01", "volume": "bmtnabi_1859-01-08_01", "ocr_sha256": "887743395d57a3fccf9864e40cf75c942433f33ffce5d3e2a7b3dd1a35bf9100", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1859/01/08_01/bmtnabi_1859-01-08_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590108-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1859-01-08-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-01-08_01#c001", "volume": "bmtnabi_1859-01-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "9", "page_fin": "9", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590108-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590108-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 468, "texte": "Inhalt.\nAus den Museums-Concerten zu Frankfurt am Main. II. Von A. S. — Anna von Landskron. Oper von Abert. — J. S.\nBach's Weibnachts-Oratorium. Von --n. Nachschrift der Redaction —• Aus Düsseldorf (Viertes Abonnements-Concert). Von F. Ta-\nges- und Unterhaltungsblatt (Köln* Herr von Per fall, Herr Servais, Opern-Travestieen von Frendenthal und Kipper — Cre-\nfeld, Zweites Abonnements-Concert — Cleve, Soireen für Kammermusik — Weimar, Mozart-Feier, Beethoven-Feier)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-01-08-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-01-08_01#c002", "volume": "bmtnabi_1859-01-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "9", "page_fin": "11", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590108-01.2.2", "titre_corps": "Aus den Museums-Concerten zu Frankfurt am Main.", "titre_sommaire": "Aus den Museums-Concerten zu Frankfurt am Main.", "signature_source": "A. 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Aber auch\nan Paganini darf man sich nicht erinnern, denn die hohe\nGenialität dieses Wundermannes in allen ihren Manifesta-\ntionen war gleichsam ein unveräusserliches Gut. Darum\nkonnte er nicht Gründer einer besonderen Schule werden.\nWas man heute so nennt, ist nur ein Stück von seinem\nbesonderen Mechanismus, der sich durch ausdauernden\nFleiss nachahmen lässt. Den von ihm hinterlassenen Noten-\nzeichen (die Etüden nicht gemeint) seine tief fühlende Seele\neinzuhauchen, wird vielleicht gelingen, wenn einst ein an-\nderer Prometheus seine Kunst daran erproben wird.\nHerr Vieuxtemps producirte sein Concert in A-dur\n(Nr. 3) mit pompöser Orchester-Begleitung, obligatem\nTriangel und dergleichen mehr. Dasselbe ist eine Anhäu-\nfung alles erdenklich-modernen Passagen-Gerankes, wobei\neinem schwindelig werden kann, obwohl Alles mit gröss-\nter Leichtigkeit gegeben wird. Unendlicher Missbrauch mit\ndem Flageolet gehört nun einmal dieser Richtung als\nHaupt-Vehikel zu äusserlicher Wirkung an. Dieser ist auch\nhier vorhanden. Wäre nicht ein im einfachen Stil gehalte-\nnes Adagio darin, man müsste das ganze Opus vom ästhe-\ntischen Standpunkte aus als das aller mo-\ndernen Virtuosen-Kunststücke bezeichnen.\nSeit mehreren Jahren bekanntlich ist Herr Vieuxtemps\nstets auf Reisen und bestrebt, Geld zu erwerben. In ge-\nwisser Beziehung wäre jede Anmerkung darüber unstatt-\nhaft. Allein Herr Vieuxtemps hat sich nebst Geld auch den\nTitel des grössten der lebenden Violinspieler, sogar den\neines Königs, erworben. Besteht aber wohl die Grösse des\nausübenden Künstlers bloss in Ueberwindung technischer\nSchwierigkeiten? Machen nicht auch tiefes Gefühl und\nin dritter Potenz ein einfacher, edler Stil die Ingre-\ndienzien des Begriffes von Künstlergrösse aus? Beide letz-\ntere Eigenschaften waren einstens dem Jüngling Vieux-\ntemps zu eigen, dem Manne und Meister sind sie abhanden\ngekommen oder vom Flitter des Mechanismus erstickt\nworden.\nDer fahrende Virtuose, der täglich ein anderes Publi-\ncum ob seiner enormen mechanischen Fertigkeit zum Er-\nstaunen zu bringen bestrebt ist, der an Erhebung seiner\nZuhörer nie denkt, folglich auch niemals in sein Inneres\neinkehrt und darin Umschau hält, muss nothwendig über\nkurz oder lang ein blosser Mechaniker werden. Zwischen\ndem echten, wahren Künstler und dem Publicum soll fort-\nan eine gewisse Beciprocität bestehen: er bildet das Pu-\nblicum, das Publicum bildet ihn. Zur Erreichung dieses\nschönen Zweckes gehört ein fester Wohnsitz an einem\nOrte, wo es ein empfängliches und bildungsfähiges Publi-\ncum gibt, wäre es auch nur ein kleiner Bruchtheil. Reisen\nsoll der Künstler sowohl materieller als künstlerischer Vor-\ntheile wegen, welche letztere gar mannigfacher Art sind;\naber es darf dies nur in gemessenen Intervallen geschehen.\nEin Künstler, der sein Publicum bilden will, d. h. der\nes zur Erkenntniss des wahrhaft Schönen und Werthvollen\nerheben will, darf in seinem Repertoire nicht einseitig sein.\nWie ein guter Schauspieler sich eine grosse Reihe seiner\nIndividualität zusagender und doch unter einander verschie-\ndener Charaktere zu eigen macht, so soll es der ausübende\nKünstler mit Compositionen verschiedener Autoren thun;\ndenn das sinnige Publicum will auch vergleichen, wie\nder Mann diesen und jenen Autor auffasst. Dass Herr"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590108-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5503, "texte": "Vieuxtemps aber, seit er aufgehört, Compositionen seines\nLehrers de Beriot zu spielen, dessen Schule er überhaupt\nlangst abtrünnig geworden, ausschliesslich nur seine Sa-\nchen und Sächelchen (als Productionsstücke) vorträgt und\ndamit den Beweis gibt, dass er dieselben für das Werth-\nvollste im Bereiche der Literatur für sein Instrument hält,\ndrückt seine Wagschale noch vollends hinab.\nMöge nun Unverstand oder Parteilichkeit fortfahren,\nHerrn Vicuxtcmps den grössten oder gar den König unter\nden lebenden Violinisten zu nennen, unsererseits haben wir\nder Wahrheit wie auch dem Thatsächlichen Genüge zu\nleisten versucht, indem wir V orstehendes seinem Thun und\nLassen gegenüber gestellt. Es soll nur noch «constatirt wer-\nden, dass der Künstler von der Versammlung im Museum\nmit grossem Beifall geehrt worden, wie sich das wohl von\nselbst versteht. Ob aber der Eindruck bis zum folgenden\nTage in den Gemüthern haften geblieben, möchte Referent\nbezweifeln; denn alles, was nur Bewunderung erregt, er-\nzeugt auch bald Sättigung, so wie ein lange andauernder\nReiz bald die Nerven abstumpft.\nMit anderen Gefühlen nähert sich Referent der Lei-\nstung des Herrn Concertmeisters Singer aus Weimar.\nSein Vortrag beschränkte sich leider nur auf den ersten\nSatz eines Paganini'schen Concertes, den er wenige Tage\nzuvor auch im leipziger Gewandhaus gespielt, dann noch\nauf eine Art moderner Phantasie über einen ungarischen\nNationallanz {Csardas)mit Orchester-Begleitung von eige-\nner Composition. In technischer Beziehung fand sein Vor-\ntrag auszeichnenden Beifall, den er auch verdiente. Man\nfragte aber nach dem Grunde, warum nur ein Satz aus\ndem Concerte, warum nicht das vollständige Werk. Der\neine Salz war der Reise von Weimar nach Frankfurt\nkaum werth, und die eigene Composition? —Es kam ja\naber noch zur Ueherraschung ein Solo soiissimo für die\nGeige als Zugabe. Die Herren Virtuosen haben nun einmal\ngegenwärtig die Manie, den Concertsaal für ihre Studir-\nstube zu halten, vergessen aber, dass derlei Exercitien\nohne Schlafrock doch unbequem zu spielen sind. Wir em-\npfehlen ihnen daher, dieses nothwendige Requisit, wo mög-\nlich mit einigen Ordensbändern geschmückt, mitzubringen,\ndenn diese geben erst solcher Solo-Spielerei vollen Werth.\nWas es auf sich hat, mit Compositionen von Paganini\nsich einzulassen, ist oben gesagt. Desshalb würden wir\nHerrn Singer höchlich bedauern, wenn er sein eminentes\nTalent damit oft in Versuchung führen sollte. Möge er\ndas vorstehend über seinen berühmten Mitstrebenden Be-\nmerkte der Prüfung unterziehen, vielleicht macht er sich\ndas Geständniss, dass er nahe daran ist, dieselben Wege zu\ngehen, wie jener. Vielleicht ist es aber noch Zeit, zu an-\nderen Gesinnungen zu kommen. Welchen Gewinn könnte\ndie Kunst von dem Talente dieses jungen Mannes ziehen,\nwenn wir uns seinen unvergleichlich schönen Ton, in wel-\nchem der Zuhörer mit wahrhaftem Wonnegefühl schwelgt,\nmit der bereits vollendeten Technik zur Reproducirung\nwerthvoller Compositionen angewandt denken!\nSollte denn kein Mittel aufzufinden sein, Künstler wie\ndie Herren Joachim, Laub und Singer nach Werken aus\nguter, wenn auch nicht immer aus classischer, Schule grei-\nfen zu machen, wäre es auch nur ausnahmsweise? Läge\nes denn so weit ab, wenn Concert-Vorstände bei jedesma-\nliger Einladung zur Production an dergleichen Talente\naber auch an Clavierspieler— das Verlangen aussprächen,\nein vollständiges Concert aus guter Schule vorzutragen?\nAuch das wäre im conservativen Sinne gehandelt. Zur\nWahl liegen wenigstens 25 bis 30 grossartige Tonge-\nmälde vor, deren Autoren die oben genannten drei Fran-\nzosen, der Italiäner Viotti und der Deutsche Spohr sind.\nWer sagt, die Werke dieser Componisten seien veraltet,\nder irrt in der Weise, als im zweiten und dritten Jahr-\nzehend von sämmtlichen Beethoven'schen Concerten be-\nhauptet worden, sie seien veraltet, entsprächen nicht mehr\ndem Zeitgeschmacke. Thatsache ist, dass einige dieser wun-\ndervollen Schöpfungen 15 bis 20 Jahre im Staube der\nBibliotheken gelegen, ohne nur einmal irgendwo versuchs-\nweise zum Vortrage zu kommen. Ohne Joachim läge das\nViolin-Concert vielleicht heute noch dort in guter Ruhe;\ndenn hatte doch das ganze Corps der Violinspieler gleich\nnach dessen Erscheinen den Stab darüber gebrochen und\nes für unausführbar erklärt. Allein den Violin-Virtuo-\nsen von heute fehlt für alle gute Musik das Haupt-Ingre-\ndiens: Pietät und Verläugnung des Uebermaasses\nvon erworbener Technik, die dort nicht zulässig ist.\nZuletzt sei noch gestattet, ein Streiflicht auf einige\njüngst in den Museums-Concerten gehörte Orchesterwerke\nfallen zu lassen. Welcher Geist dieselben dort einzig und\nallein beherrscht, weil im leitenden Comite nicht ein Mit-\nglied ist, das von Musik andere als dilettantische Begriffe\nhätte und ernste Winke zu geben verstände, wann und\nwo es erforderlich, ist eine zu beklagende Thatsache. Der\nbeste Wille aber ohne künstlerisches Verständniss und Er-\nfahrung leistet in solcher Stellung nichts Erspriessliches\nfür die betreffende Sache. Seit einigen Jahren bin ich den\nDingen dort fern geblieben, bis die genannte Künstler-\nTrias mich wieder in die Nähe gezogen. Was ich nun in\nBeethoven's C-moll- und j4-efer-Sinfonie, ferner noch in\nMozart's (?-»2o//-Sinfonie zu hören bekam, erreicht den\nGipfelpunkt directorischer Raserei. Am allerschlimmsten\nergeht es Mozart's Sinfonie. Da sind im ersten und vierten\nSatze die Schleusen hoch aufgezogen, die Wellen drängen\nmit unerhörtem Ungestüm hervor, und eine überstürzt die"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590108-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1566, "texte": "andere. Die armen Contrabässe! Wer da noch Ohren\nhätte, das contrapunktische Charivari zu verfolgen, und aus\nder schäumenden Flut eine Mittelstimme heraus zu hören!\nDie Dinge haben sich dort in hohem Grade verschlimmert.\nKann bei solcher Behandlung, bezeichnender Entwei-\nhung, noch an Charakter-Zeichnung, an Ausdruck im All-\ngemeinen und Speciellen gedacht werden? Kurz, wer ein-\nstens nach Herrn Messer jenen Platz einnimmt, muss,\nwenn er ein umsichtiger, in den Geist der Werke ein-\ngehender, aber auch fühlender Orchester-Führer ist, neun\nZehntel aller Instrumental-Musik von Neuem mit dem Or-\nchester einstudiren. Ist aber ein Gelingen möglich, wenn\ndas Orchester seit Jahren gewöhnt worden, eine Hetzjagd\nin jedem Allegro-Satze aufzuführen, als stände über jedem\nSatze geschrieben: Allegro coUerico? „Das ist der Fluch\nder bösen That\" u. s. w.\nC. M. von Weber schrieb im Jahre 1824 einen\nAufsatz voll wichtiger und von jedem Dirigenten insbeson-\ndere zu beherzigender Bemerkungen über den Gebrauch\ndes Tempo; derselbe befindet sich in der Berliner Musik-\nZeitung, Nr. 28 vom Jahre 1827, veröffentlicht. Der viel-\nerfahrene Dirigent sagt unter Anderem darin: „Es gibt\nkein langsames Tempo, in dem nicht Stellen vorkä-\nmen, die eine raschere Bewegung forderten, um das Ge-\nfühl des Schleppenden zu verhindern. Es gibt kein\nPresto, das nicht eben so im Gegensatze den ruhigen\nVortrag mancher Stelle verlangt, um nicht durch Ueber-\neilen die Mittel zum Ausdruck zu benehmen.\" —Referent\nwird dieser goldenen Worte an einem anderen Orte des\nNäheren gedenken.\n\nA. S."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-01-08-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-01-08_01#c003", "volume": "bmtnabi_1859-01-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "11", "page_fin": "13", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590108-01.2.3", "titre_corps": "Anna von Landskron.", "titre_sommaire": "Anna von Landskron.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590108-01.1.3", "debut_caractere": 1568, "fin_caractere_exclue": 5214, "texte": "Anna von Landskron.\nOper von Abert.\nStuttgart, den 20. December 1858.\nWohl selten ist eine neue Oper von unserem gewöhn-\nlich etwas ernüchterten Publicum mit so durchgängig leb-\nhaftem, fast bei jeder Situation in lauten Beifall ausbre-\nchendem Interesse angehört worden, wie dies bei der ge-\nstrigen erstmaligen Aufführung von Abert's Anna von\nLands krön der Fall war. Schon die Ouvertüre erweckte\neine so vortheilhafte Stimmung für die Oper, dass gleich\nvon Anfang an jene Atmosphäre der gemeinschaftlichen\nBegeisterung sich erzeugte, in welcher allein alle Poren\neines Kunstwerkes sich öffnen und seine volle warme Le-\nbenskraft in die Herzen der Zuhörer ausströmen lassen\nkönnen. Wodurch sollen wir uns diese gestrige Gemüths-\nwärme unseres Publicums erklären? Entsprang sie bloss\naus einer äusseren persönlichen Stimmung gegen einen\njungen Componisten, der ein Stadtgenosse von uns ist, und\ngegen dessen Oper man eine individuelle wohlwollende\nStimmung mit sich brachte, zumal da sie ein Erstlings-\nVersuch war, oder sprühte wirklich sein Werk eine solche\nLebenswärme aus, dass sich jedes Gemüth darin behaglich\nfühlen und sich ungestört dem vollen Genüsse seiner Schön-\nheiten hingeben konnte? Wir sind geneigt, den günstigen\nErfolg dieser Oper in der Vereinigung dieser beiden Punkte\nzu suchen. Eben weil Abert uns persönlich bekannt ist,\nund zwar durch Eigenschaften, die wie z. B. seine edle\nBescheidenheit die Zierde des wahren Künstlers sind, ha-\nben wir eine Stimmung mitgebracht, die glücklicherweise\ndurch den zweiten Punkt, die echt künstlerischen Schön-\nheiten seines Werkes, gehoben und bis zu Ende gesteigert\nwurde. Ja, dieser Erstlings-Versuch des jungen Compo-\nnisten ist kein Embryo eines zu hohen Erwartungen be-\nrechtigenden Werkes, es ist ein gereiftes Kunstproduct,\ngereift an der Sonne eines reinen, lyrisch durchwärmten\nGemüthes, genährt durch die reichlichsten Mittel, welche\ndie moderne Instrumental-Musik dem schaffenden Genie\nzur Verarbeitung darbietet, und erzogen durch die neuen\nIdeen, welche durch die freiere Entwicklung der Kunst-\nform neue Kunstrichtungen hervorgebracht haben. Fern\nsei es von uns, behaupten zu wollen, dass die begeisterte\nAufnahme der Abert'schen Oper hauptsächlich oder aus-\nschliesslich dem neuen Standpunkte zuzuschreiben sei, den\nRichard Wagner sich erobert hat, und von welchem Abert\nbei der Composition seiner Oper ausgegangen ist. Wir\ngehören nicht zu denjenigen, die in einem Tannhäuser oder\nLohengrin das allein gültige Kunstwerk der Zukunft er-\nblicken; wir betrachten solche Werke nur als ein neues\nGenre, das neben den anderen seither zur schönsten Blülhe\nentfalteten Opernwerken zu einem parallelen Bestehen wohl\nberechtigt ist. Abert hat nun eben auch ein solches Genre\ngeliefert, und es darf daher kein vergleichender Maassstab\nmit den Werken eines Gluck, Mozart, Spohr, Weber oder\nMeyerbeer angelegt, sondern nur gefragt werden: Was\nhat er in dem neuen Genre, das wir seiner ralfinirten,\nvollstimmigen Instrumentation zu Liebe die sinfonische\nOper nennen möchten, geleistet? Und da finden wir, dass\ner selbst eine Seitengattung des Wagner'schen Gcnre's ge-\nschaffen hat. Während Wagner eine epische sinfonische\nOper erzeugt hat, finden wir Abert als Schöpfer einer ly-\nrischen sinfonischen Oper, und das ist das grosse Verdienst,\ndas sich dieser strebsame Künstler um die moderne Oper\nerworben hat. Er hat die extravaganten Auswüchse eines\ngenialen Geistes vermieden, er hat nicht das hervorbringen\nwollen, was die Tonkunst einmal nicht hervorbringen kann,\nso lange sie sich in den Gränzen der idealen und formellen\nSchönheit zu bewegen hat; er hat statt des überkünstelten"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590108-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5531, "texte": "epischen Glanzes die wärmere, natürlichere lyrische Stim-\nmung den modernen Harmonieweisen einzuhauchen ver-\nsucht, und ist somit als Vermittler der so genannten Zu-\nkunftsmusik mit der vorausgehenden romantischen Oper\naufgetreten; als Vermittler mit der classischen Oper freilich\nnicht, denn zwischen der classischen und der Zukunfts-\nOper besteht, Gottlob, eine Kluft, die nie ausgefüllt wer-\nden kann. Traurig ist es freilich, wahrzunehmen, wie un-\nsere neueren Componisten immer mehr von der classischen\nOper sich abwenden und bloss von der romantischen oder\nWagner'schen ausgehen. Es ist freilich leichter, mit vollen\nFarben aufzutragen, als in der reinen Zeichnung und in\nintensiven melodischen Grundzügen den Hauptbestand des\nKunstwerkes zu suchen. Gerade weil es so schwer ist, me-\nlodisch originel zu sein (weil dies nur das angeborene mu-\nsicalische Genie sein kann), sucht man neuerdings den\nHaupt-Eff'ect im Colorit der Instrumentation, und dies ist\nauch der Grund-Charakter der Abert'schen Oper. Ein\nRaffinismus der Instrumentation, der jedes Wort des Tex-\ntes zu paraphrasiren sucht, der, wenn beim Mondschein\neine lyrische Situation geschildert wird, den Gesang mit\ndem Schlage der Nachtigall, dem Gezirp der Grille, ja,\nselbst dem Unkenruf vom Orchester begleiten lässt, der\ndas langsame Aufathmen beim Erwachen aus der Ohnmacht\nmit einer peinlich pulsirenden, rhythmisch unruhigen Or-\nchester-Figur nachzuahmen sucht, das alles sind künstleri-\nsche Effecte, die zwar einen wohlthuenden Eindruck ma-\nchen, die aber eben doch keinen Ersatz für den Reiz der\nMelodie bieten, wie wir sie in der classischen und roman-\ntischen Oper vorfinden. Was nun aber an Abert's Oper\nzu loben ist, das ist, dass sein Hauptstreben nicht bloss in\ndieser vollen, pittoresken Instrumentation zu suchen ist,\nsondern dass er dem Gesänge in der That eine melodische\nForm zu geben verstand, ohne wirklich Melodicen geschaf-\nfen zu haben, die für sich allein Lebenskraft haben. Es\nweht durch die ganze Oper ein melodischer Reiz, der bei\naller modulatorisch-unruhigen Harmonie doch auf sehr\nnatürliche Weise dem Gesänge selbst entströmt und dess-\nwegen dem grösseren Publicum verständlich ist, selbst\nwenn es den enharmonischen Verkehrungen, den doppelt\nverminderten Terzen oder den Nonen- und Secunden-Vor-\nhalfen nicht folgen kann. Nehmen wir dazu, dass bei aller\nlyrischen Stimmung ein energischer Geist waltet, der sich\nin keine Sentimentalität verllacht, dass die Chöre sehr leb-\nhaft construirt sind und eine reiche Abwechslung von Mär-\nschen, Volkschören, Nonnengesängen, ritterlichen Auftrit-\nten, Kerkerscenen und einfachen dramatischen Situationen\nStatt findet, dass Alles leicht fasslich ist im Bau der Hand-\nlung selbst, so darf man wohl sagen, dass Abert ein Werk\ngeschaffen hat, welches verdient, die Runde durch ganz\nDeutschland zu machen, und das sich gewiss auf jedem\nRepertoire halten wird.\nDie Aufführung selbst war eine sehr gelungene. Das\nEnsemble, das bei einer Oper, in welcher keine eigent-\nlichen Arien vorkommen, so wichtig ist, war vortrefflich,\ndie Chöre namentlich, trotz ihrer Schwierigkeit, verdienen\nalles Lob. Frau Dr. Leisinger als Anna hatte Gelegen-\nheit, ihre Haupt-Eigenschaften in einigen ergreifenden\nScenen zu entfalten. Fräulein Mayerhöfer als Hildegard\nerinnerte uns mit Schmerzen an das Gerücht, dass sie un-\nsere Hofbühne verlassen wolle, um nach Mannheim über-\nzusiedeln. Ist denn unsere Bühne nur dazu bestimmt, gute\nGesangeskräfte zur Ausbildung zu bringen und sie dann\nzu verlieren, wie z. B. Fräulein Eschborn, Herrn Lipp und\nAndere? Herr Sontheim als Liebhaber der Anna, Herr\nPischek als Bürgermeister von Basel, Herr Jäger als\nintriganter Edgar, Herr Schucker als biederer Kerker-\nmeister, Herr Sesselberg als Bischol sie hatten alle\nsehr dankbare Rollen und konnten sich in den für den\nSänger so wesentlich vortheilhaften mittleren Lagen der\nStimme bewegen. Der Text, welcher die Fehden der Ster-\niler und Psitticher in Basel, einer Art von Montecchi und\nCapuleti, behandelt und eine altdeutsche Romeo- und Julie-\nGeschichte, aber ohne ihren tragischen Ausgang, uns vor-\nführt, ist von dem bekannten Gesanglehrer Herrn Nehr-\nlich und hat das Verdienst, singbar geschrieben zu sein.\nIm Uebrigen ist er aber etwas schülerhaft zusammenge-\nfügt, und versteht es nicht, die dramatische Handlung von\nder Spule abspinnen zu lassen. Namentlich tritt in der\nSchluss-Katastrophe Kaiser Rudolf als blosser Deus ex\nmachina auf, auch verschwindet Hildegard ganz von der\nScene, ohne dass man weiss, was aus ihr geworden ist;\nferner läuft der zum Tode verurtheiite Karl von Ramstein\nfrei mit den Anderen zum Gerichtssaale hinaus, ehe ihn der\nKaiser freigesprochen hat, so dass die Schluss-Katastrophe\nganz unnöthig erscheint. Die Inscenesetzung war leider\nsehr dürftig.\nDass nun trotz der Schwäche des Libretto s, trotz der\nmangelhaften Regie die Anna von Landskron einen so war-\nmen Beifall gefunden hat, beweis't, dass unseren jungen\nComponisten eine künstlerische Weihe durchdringt, die mit\nder Zeit noch wirksamer werden müsste, wenn er, statt\nseine Hauptforce auf ein reiches Colorit zu legen, seine\nmelodischen Ideen in eine knappe Form bringen würde,\ndamit sie beim Ausströmen nicht überlaufen, sondern,\nwenn der Mantel springt, als plastische Gestalten erschei-\nnen und wirken können. Denn darin liegt der Hauptmangel\nder neuern Productivität, dass sie in sich selbst zu weich ist,\ndass sie keine Geduld hat, sich in die starre Form zu er-\ngiessen, und sich auf der blossen Gefühlsstimmung wiegt,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590108-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 200, "texte": "ohne das Gefühl selbst in seinen innersten Falten erfasst\nzu haben. Möge der junge Componist mit all seiner schö-\nnen Phantasie in seiner Kunstrichtung weit häufiger rück-\nwärts blicken, als vorwärts!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-01-08-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-01-08_01#c004", "volume": "bmtnabi_1859-01-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "13", "page_fin": "15", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590108-01.2.4", "titre_corps": "J. S. Bach’s Weihnachts-Oratorium.", "titre_sommaire": "J. S. Bach’s Weihnachts-Oratorium.", "signature_source": "Die Redaction", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590108-01.1.5", "debut_caractere": 202, "fin_caractere_exclue": 5262, "texte": "J. S. Bach’s Weihnachts-Oratorium.\n\nDer Cäcilien-Verein in Frankfurt am Main hat am\n13. Deceinber v. J. das Weihnachts-Oratorium von\nJ. S. Bach (I.—IV. Theil) mit vollständiger Orchester-\nBegleitung in der deutsch-reformirten Kirche zum ersten\nMale zur Ausführung gebracht und ist nun im Besitze der\ndrei grössten, leuchtendsten Edelsteine des ersten Meisters\nheiliger Musik, der Matthäus-Passion, der e\nund des Weihnachts-Oratoriums. Hoffen wir bei dem merk-\nlichen Aufschwünge, den Geschmack und Verständniss auf\nmusicalischem Gebiete zu nehmen begonnen hat, dass der\nunendlich reiche Geist des gewaltigen Meisters, der, ob-\ngleich wie ein Biese über Zwerge emporragend, doch fast\ndrei volle Menschenalter in Vergessenheit geschlummert\nhat, bald wieder in voller Lebendigkeit regiere und die\nweit verirrten Epigonen zurückführe zu dem, was wahr-\nhaft edel und gut ist im Beiche der J one. Selbst die neu-\nleipziger Zukunftsmusiker machen ja Miene, den alten Se-\nbastian als ebenbürtig und noch lebendig anerkennen zu\nwollen ; mögen sie zusehen, dass er nicht ihr musicalisches\nTreiben zu Schanden mache. Wenn Einer, so hat Bach\ndem Worte sein volles Becht gegeben; er ist der genialste\nund frömmste Interpret seines biblischen Textes, und seine\nInterpretation ruht auf der innigsten, freudigsten Ueber-\nzeugung von der seligmachenden Wahrheit desselben;\naber dessen ungeachtet sündigt er nie gegen den Geist der\nMusik und achtet die Formen und notwendigen Schranken\nderselben, in denen er sich freilich genial-schöpferisch frei\nund ungehindert bewegt.\nDas Weihnachts-Oratorium gibt davon ein glänzendes\nZeugniss. Ist es gleich nicht in dem Sinne wie die Passion\noder die hohe Messe ein Ganzes, da es für sechs einzelne\nSonn- und Festtage des Weihnachts-Cyklus berechnet ist\nund also aus sechs in sich abgeschlossenen Weihnachts-\nCantaten besteht, so weht doch durch alle Theile, als In-\nterpretation des Wortes: „Uns ist heute der Heiland gebo-\nren!\" Weihnachtsfreude und Weihnachtsseligkeit. Aber\ndieser Weihnachtsjubel wäre kein tiefdringender und be-\nlruciitender, echt christlicher, wenn er nicht getragen würde\nvon dem Bewusstsein, dass erst der erlösende Tod Dessen,\nder bei der Geburt von den Engeln verkündet ward, auch\ndem Ereigniss in der geweihten Nacht seine hohe Bedeu-\ntung verliehen hat; daher legt er in erhaben prophetischer\nWeise dem Choral: „Wie soll ich dich empfangen!\" mit\ndem die Gemeinde die Geburt des Heilandes begrüsst, die\nMelodie des Passions-Chorals: „O Haupt voll Blut und\nWunden\", unter und knüpft ihn durch die phrygische\nWeise, die er anwendet, an den Schluss-Choral der Pas-\nsion: „Wenn ich einmal soll scheiden\". Die Wirkung die-\nses Chorals gerade hier an dieser Stelle ist eine tief ergrei-\nfende und beherrscht den ganzen ersten Theil. Erst mit\nder Pastoral-Symphonie, die, den zweiten Theil eröffnend,\nan den Jubelchor, mit dem das ganze Werk beginnt, wie-\nder anknüpft, kehrt die heitere Feststimmung zurück und\nsteigert sich in Innigkeit und Grösse, bis am Schlüsse des\nGanzen derselbe Passions-Choral, nun aber in heiter-kräf-\ntigem D-dur,die Festfreude zu Ende führt.\nGestatten Sie mir, ehe ich über die Aufführung rede,\nmit wenigen Worten auch die drei anderen Theile, die\naufgeführt wurden, zu charakterisiren. Ich weiss zwar wohl,\ndass ich Ihnen und den echten Musikern nichts Neues sa-\ngen kann; ich möchte aber, wie ich durchdrungen bin von\nder Herrlichkeit des Werkes, die vielen Gesang-Vereine\nunseres Vaterlandes aufmerksam machen auf diesen Schatz,\nder, wenn auch in der schönen Ausgabe der Bach-Gesell-\nschaft zu Tage gekommen, doch noch an den meisten Or-\nten ein mit sieben Siegeln verschlossenes Buch zu sein\nscheint. Wer wie wir hier in Bach den reichsten und ge-\nsundesten Quell erhabener Musik gefunden hat, möchte\ngern allen Strebenden den Zugang erleichtern.\nDer zweite Theil („Und es waren Hirten auf dem\nFelde\"), der mit der wunderlieblichen, engelhaften Pasto-\nral-Symphonie beginnt, trägt vorzugsweise das Gepräge\nder Anmuth und Heiterkeit, die sich in dem Mittelchor:\n„Ehre sei Gott in der Höhe!\" zum höchsten Jubel stei-\ngert, einem Chor, der zu den grössten des Meisters gehört,\nso gross in seiner Intention, dass Tausende von Sängern\nund Instrumentalisten dazu gehörten, um in der Fülle des\nTones nur einiger Maassen an die Erhabenheit des Gedan-\nkens zu reichen. Rührende Innigkeit athmet das Wiegen-\nlied, das eine Altstimme singt. In dem Schluss-Choral mit\ndem eigentümlichen 12/8-Bhythmus tritt die Grundstim-\nmung des Theiles, wie sie sich in der Symphonie ausprägt,\nin höchst origineller Weise, namentlich in der Begleitung,\nwieder hervor.\nDer dritte Theil, vorzugsweise dramatisch gehalten,\nbeginnt und schliesst mit dem inbrünstigen Bitt-Chor:\n„Herrscher des Himmels, erhöre mein Lallen!\" er erin-\nnert in seinen Schlusswendungen an Händel's Behandlungs-\nweise der Chöre. Dazwischen fügt sich die Erzählung des\nEvangelisten, wie die Hirten hingehen, das Kind finden\nund anbeten, und die Mutter alles, was sie gehört hat, im\nHerzen bewegt. Der recitativische Chor der Hirten: „Las-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590108-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5496, "texte": "set uns hingehen\", entspricht den Chören der Jünger u. s.\nw. in der Passion und macht mit seiner charakteristischen,\nganz selbstständig gehenden malerischen Begleitung den\nEindruck freudiger Ueberraschung und sehnsüchtiger Eile.\nDas folgende Bass-Recitativ antwortet den nach Gewissheit\nverlangenden Hirten und verkündet in erhabenen prophe-\ntischen Worten und geweihten Tönen das Gnadenwerk\ndes Heilandes. So leitet es über zu dem grossen Choral\nder Gemeinde: „Uns allen hat er wohlgethan\". In einem\nZwiegesang zwischen Sopran und Bass wird dann das Ver-\ndienst des Erlösers von beiden Theilen der Menschheit\nnoch weiter gepriesen. Aus der folgenden Evangelien-Rc-\ncitation, die mit den Worten endet: „Und Maria bewegte,\nwas sie gehört, in ihrem Herzen\", fliesst die innige Alt-\nArie: „Schliesse, mein Herze, dies selige Wunder\", als\neine herzliche Aufforderung an die Gemeinde zum Glau-\nben und zum Genüsse seiner Früchte. In den beiden näch-\nsten Nummern wird der Aufforderung das Gelöbniss hin-\nzugefügt, erst recitativisch: „Ja, ja, mein Herz soll es be-\nwahren\", dann in grossem Choral: „Ich will dich mit\nFleiss bewahren\". Die Hirten kehren zurück, und die Ge-\nmeinde stimmt ein in ihr Lob Gottes mit dem Choral:\n„Seid froh!\" der in seinem ungewöhnlich freien Rhythmus\nvorzugsweise Festigkeit und Sicherheit und Siegesfreude\nausdrückt.\nDer vierte Theil schliesst nun den engeren Weih-\nnachts-Cyklus (die beiden letzten beziehen sich auf das\nDreikönigsfest und können am leichtesten ohne Schaden\ndes Ganzen abgetrennt werden); alle seine Nummern\ndrücken daher das Gefühl hoher Freude und innigen Dan-\nkes aus und den festen Vorsatz, fortan nur ihm, dem Hei-\nlande, zu leben. Nach dem grossen Einleitungs-Chor:\n„Fallt mit Danken, fallt mit Jauchzen\", verkündet das\nkurze Evangelium, dass das Kindlein den Namen Jesus\n(Retter) erhalten habe. Alles Folgende ist gleichsam die\nInterpretation und Anwendung des Namens. Zuerst spricht\ndies eine Basstsimme in dem grossen Recitativ: „Imma-\nnuel!\" aus, mit welchem sich eine Sopranstimme in ein-\nzelnen choralartigen Sätzen verbindet. Das Recitativ ent-\nspricht in feierlicher Würde und hinreissender Innigkeit\ndem erhabenen: „Am Abend, da es kühle ward\", der\nMatthäus-Passion. Die Gewissheit, dass nun die Schrecken\ndes Todes verschwunden seien, drückt eine Sopranstimme\nin einer Arie aus, in Fragen, die sie sich selbst aus dem\n\\\nMunde des Heilandes beantwortet. Das Echo, das hier in\ngeistreich-naiver Weise angewandt ist, verstärkt wie die\nStimme eines antwortenden Engels diese Zuversicht. Wer\ndiese Echo-Arie in tüchtiger Darstellung gehört hat, muss,\nergriffen von der Wahrheit und Natürlichkeit des Effectes,\njeden Gedanken an Spielerei verbannen. Der musicalische\nGedanke ist so gesund und ist so consequent durchgeführt,\ndass man ihn sich gar nicht anders denken kann, auch\nwenn die Worte nicht dabei wären. Aus dieser Zuversicht\nentspringt das Gelübde, dass sein Name allein im Herzen\nleben solle; eine Bassstimme legt dieses Gelübde ab in\neinem Recitativ, über dem in einem choralartigen Arioso\neine Sopranstimme ihren Jubel ausströmt: „Jesu, meine\nFreud' und Wonne\". Die Bitte, dass der Heiland Kraft\ngeben möge, ihm zu leben, die in einer wunderbar grossen\nTenor-Arie ausgesprochen wird, fliesst dann über in den\ngrossen Schluss-Choral: „•Jesus, richte mein Beginnen\",\nder, gleichsam die Summe aller Weihnachts-Betrachtungen\nziehend, das feierliche Gelübde der Gemeinde, nur ihm zu\nleben, emporträgt zu seinem ewigen Throne. Der Text,\nganz an die Zinzendorf'sche Gefühlsschwärmerei erinnernd,\nwird durch den Geist der Töne geweiht und kann dem mü-\nsicalisch Empfindenden in keiner Weise Anstoss geben.\nWas nun die Aufführung selbst betrifft, so wird sie\nallgemein als eine sehr gelungene, abgerundete anerkannt.\nFür einen Chor (der Verein zählt jetzt über 250 active\nMitglieder), der mit innerem Verständniss eine Passion und\neine H-moll-Messe ausführt und beide Werke beständig\nauf seinem Repertoire hat, war die Aufgabe gerade keine\nschwierige, er lös'te sie mit Kraft und Regeisterung. Die\ngrossen Choräle wurden ohne Begleitung vollkommen rein\nund ohne das mindeste Schwanken der Stimmung gesun-\ngen; sie machten tiefen Eindruck, und selbst die geübten\nOrchesterleute sprachen ihre Bewunderung aus. Die zum\nTheil schwierigen grossen Chöre traten klar und bestimmt\nin ihren Motiven hervor und wurden schwunghaft gesun-\ngen. Die Soli waren alle in den Händen von Künstlern\nund Künstlerinnen: Frau Nissen-Saloman (Sopran),\nFräulein Kissenheimer (Alt), Herr Bau mann (Tenor)\nund Herr Pichler (Bass); sie wurden würdig und mit\ngrosser Technik ausgeführt. Die Ehre des Abends verdient\nunser vortrefflicher Bau mann, der den Evangelisten un-\nvergleichlich schön und geistvoll sang und in den überaus\nschwierigen Arien seine Meisterschaft glänzend bewährte.\nDas Orchester spielte mit gewohnter Tüchtigkeit; man fühlte,\ndass die Spieler die Grösse des Werkes erkannten, und der\nGeist Bach's schien sie zu umschweben. Wenn ich unseren\nDirector Messer zuletzt erwähne, so geschieht dies, weil\ner das A und 0 bei der Aufführung war. Nicht nur die\nEinstudirung des ganz neuen Werkes lag ihm ob (inner-\nhalb 8 —lO Wochen), er hatte die noch weit schwierigere\nAufgabe, die Instrumentation des Werkes für unsere Zeit\nund doch im Geiste Bach's herzustellen; also den bloss be-\nzifferten Bass, den Bach selbst auf der Orgel ausfüllte, in\ndie passenden Instrumente zu übertragen, veraltete oder\nverschwundene Instrumente mit den geeignetsten zu ver-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590108-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 623, "texte": "tauschen, die ganze Dynamik hinzuzufügen und die man-\ncherlei Fehler der Partitur auszumerzen. Er hat mit rast-\nloser Mühe und innigstem Verständniss die Aufgabe gelös't\nund dadurch das Werk zugänglicher gemacht. Möge er\ndem Vereine noch lange in ungeschwächter Kraft vorstehen!\n--n.\nNachschrift. Wir machen auf den Clavier-Aus-\nzug des Bach'schen Weihnachts-Oratoriums von\nEd. Wilsing (Berlin, bei Bote&Bock, Fol.) aufmerksam.\nEs ist dies eine treffliche Arbeit, die von dem Verleger\nsehr schön ausgestattet worden ist. Subscriptions-Preis 3\nThlr. Auch die Chorstimmen sind in demselben Verlage\nerschienen.\n\nDie Redaction."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-01-08-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-01-08_01#c005", "volume": "bmtnabi_1859-01-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "15", "page_fin": "15", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590108-01.2.5", "titre_corps": "Aus Düsseldorf.", "titre_sommaire": "Aus Düsseldorf.", "signature_source": "F", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590108-01.1.7", "debut_caractere": 625, "fin_caractere_exclue": 5602, "texte": "Aus Düsseldorf.\nF.\nD en 1. Januar 1859.\nSeit meiner Meldung über unser erstes Winter-Concert hat Ihre\nZeitung aus besserer Hand und Quelle die Ansieht bestätigt, dass\nhier eine Wendung der Dinge vor sich gegangen ist, dass es hier,\nmit Einem Worte gesagt, besser aussieht, als es wohl geschienen haben\nund gewesen sein mag. Ja, es ist wirklich besser geworden, aber —-\nes muss eben denn doch noch viel besser werden! Und dazu sind\ndie Leiter der Concerte mit frohem Muthe und ernstem Sinne voll-\nständig angethan; unser viertes Concert, am 30. December, bewies\ndas in erfreulicher Weise nach allen Seiten hin, so weit die Kräfte\nreichten. Auch heute muss ich es principaliter rühmen, dass Herr\nMusik-Director Tausch die Leistungen unseres Orchesters durch\nseine präcise und recht sorgfältige Leitung völlig gegen frühere Lei-\nstungen umgewandelt hat. Wir hörten einige Tage früher mit dem-\nselben Orchester im Theater eine Opern-Aufführung und müssen ge-\nstehen, dass da eigentlich jeder Vergleich aufhört. Die Ouvertüre\nzum Wasserträger, für den Vortrag eben nicht die leichteste, ging\nan uns vorüber mit dem ganzen Zauber, der ihr innewohnt; wir er-\ninnern uns, dieses Meisterwerk so nur unter Rietz hier gehört zu\nhaben; es war die erste, aber auch die beste Nummer des ganzen\nAbends. Herr Louis Brassin, der Ihren Lesern bereits rühm-\nlichst bekannt ist, spielte das Es-dur-Concert mit Orchester von\nBeethoven, ferner Andante und Polonaise für Pianoforte und Orche-\nster-Begleitung von Chopin. Beide Stücke wurden von dem talent-\nvollen Künstler mit grosser Bravour gespielt und mit stürmischem\nBeifall Seitens des sehr zahlreichen Publicums aufgenommen. Uns\nwill es indessen scheinen, als sollte Herr Brassin weniger ernste,\ngrosse Kraft und tiefe Auffassuug erfordernde Compositionen zum\nVortrage wählen. Das Es-ditr-Concert hat hier, wie in Köln und\nAachen, gelegentlich der Musikfeste so classische Antecedenzien, dass\nes immer etwas Gewagtes hat, hiermit sich hierorts zuerst einzufüh-\nren. Die Polonaise von Chopin spielte dagegen Herr Brassin\nin vollendeter Weise. Die übrigen Nummern des Coneertes gaben\ndem hier seit ihrem ersten Auftreten in gutem Andenken stehenden\nFräulein Auguste Brenken aus Soest vielfache Gelegenheit, sich\naufs Neue als eine der hervorragendsten Sopranistinnen zu zeigen.\nWir hörten von ihr die Concert-Arie von Mendelssohn: ~Unglücks-\nerge\", zwei Lieder: Suleika von Mendelssohn und Die Post von\nSchubert, so wie die Comala von Gade. Sollen wir uns kurz fassen,\nso möchten wir Fräulein Brenken rathen, so viel als möglich dra-\nmatische Compositionen zu singen oder aber beim Vortrag von Lie-\ndern solche zu wählen, die ihrer Individualität mehr zusagen, d. h.\nin denen sie mehr Feuer und Kraft entwickeln kann. Bei den enor-\nmcn Mitteiii und der trefflichen Schule, die der geschätzten Sängerin\nzu Gebote stehen, kamen denn auch die ihr zusagenden Stellen der\nArie, so wie die ganze Darstellung der Comala zu prägnanter Gel-\ntung und ergriffen die Zuhörer sichtlich. Möchte es doch unserer\nverehrlichen Direction gefallen, bei dem nächsten Auftreten des Fräu-\nlein Brenken ihr eine recht umfangreiche Oratorien-Partie zuzuthei-\nlen, um diese vorzügliche Künstlerin einmal in ihrer ganzen Lei-\nstungsfähigkeit hören und beurtheilen zu können. Dazu wird es denn\nfreilich nöthig sein (um schliesslich auf den schwächsten Theil un-\nserer hiesigen musicalischen Kräfte zu kommen), dass der Chor sich\nhinfort männiglich und weiblich nach besten Kräften zusammenthut\nund fein beherzigt, was Herr Tausch in den Proben mit wahrer En-\ngels-Geduld zum Oefteren sagt. So sehr auch die arme verlassene\nComala, umgeben von allen Reizen, die eine Instrumentirung nur\ngeben kann, aufforderte zum Wehklagen oder zum Beschwichtigen\ndes Sturms, so sehr Blitz, Donner und Gott weiss welche Elemente\nalle den Chor aufforderten, aus sich heraus zu gehen, umsonst! es\nblieb, besonders bei den verehrten Damen, stets bei einem schwa-\nchen Versuche. Wenn ich nicht irre, so standen an die siebenzig\nDamen in imposanter Schlachtordnung um ihren kühnen Führer; aber\nuns däucht, es sang nicht der vierte Theil, und der Schall, der da\nausging von den Kühneren, verhallte wie im Nebel. Wir wollen nicht\ndie Vermuthung haben, als fehle es wirklich am Können, es ist nur\nBescheidenheit, also liebe Nachtigallen-Schar, singen Sie nur\nrecht frisch heraus! Wie ganz anders klangen die prachtvollen Män-\nnerchöre, die, diesmal durch die Künstler-Liedertafel verstärkt, wie\nein wirkliches Heer siegestrunkener Krieger daherbraus'ten und einen\nmächtigen Eindruck hinterliessen ! Auch der Schlusschor ward kräftig\nintonirt und wollte, wie es schien, das Versäumte auch Seitens der\nDamen nachholen; aber wir haben hier nun einmal die Sitte, dass\ndie letzte Nummer des Programms, und sei es auch das Classischste\nauf Erden, als Garderobe-Nummer behandelt wird. Es ist dies eine\nsehr gröbliche Verletzung gegen Mitwirkende und Zuhörer und sollte\nüberall ernstlich gerügt werden*)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-01-08-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-01-08_01#c006", "volume": "bmtnabi_1859-01-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "15", "page_fin": "16", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590108-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590108-01.1.7", "debut_caractere": 5604, "fin_caractere_exclue": 7067, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHoll», 7. Januar. Herr von Per fall aus München ist hier\nangekommen, um seine Composition „Das Domenröscher für\nSoli, Chor und Orchester, welche im Gesellschafts-Concerte am\nDinstag den 11. d. Mts aufgeführt wird, zu dirigiren Wir ma-\nchen auf diese interessante und ansprechende Composition auf-\nmerksam.\nHerr bervais hat aut seiner Durchreise nach Warschau, Kiew,\nOdessa, Moskau u. s. w. einen Tag hier verweilt und einen engeren\nKreis von Künstlern und Kunstfreunden durch sein wundervolles\nSpiel wiederholt entzückt. Seine Phantasie über Lafont's Tod mit\nBenutzung der Romanze La lärme von Lafont dürfte wohl das\nSchönste von moderner Musik für das Yioloncell sein und wird von\ndem herrlichen Künstler hinreissend vorgetragen.\nDie Opern-Travestieen von Freudenthal und Kipper (Verlag von\nM. Schloss in Köln) sind nicht nur von vielen Männergesang-Ver-\neinen Europa's mit Beifall aufgenommen worden, sondern haben auch\n\n*) Ist bereits im letzten Concert-Bericht aus Düsseldorf in diesen\nBlättern geschehen, scheint aber nichts geholfen zu haben. Die\nmildernde Anmerkung des Herrn Referenten: „Ist an anderen\nOrten leider nicht besser'• mussten wir streichen, da uns\nbei vielfältigen Concert-Besuchen keine Stadt am Rheine vorge-\nkommen ist, wo ein Theil des Publicums während des letzten\nStückes oder vollends während der letzten Nummer\neines Oratoriums, einer Cantate u. s. w. sich eine solche\nStörung erlaubte ! Die Redaction."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590108-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4383, "texte": "in America eine ungewöhnliche Verbreitung gefunden. In fast jeder\nStadt jenseit des Oceans, welche einen deutschen Männer-Gesang-\nverein besitzt, wurden die Operetten aufgeführt.\nBrefeld. Unser zweites Abonnements-Concert, unter Leitung\ndes königlichen Musik-Directors Herrn H. Wolff, fand am 30. De-\ncember v. J. Statt. Der Glanzpunkt des Abends waren die Leistun-\ngen des Herrn Concertmeisters Grunwald aus Köln auf der Vio-\nline. Der Vortrag des Concertes Nr. 8 von Rhode erzielte durch\nden breiten Ton, das reine und überall gediegene Spiel stürmischen\nBeifall und war namentlich allen, welche das echt künstlerische Spiel\nder älteren französischen und der deutschen Schule hoch halten, ein\ngrosser Genuss. Der Beifall steigerte sich noch höher durch die mei-\nsterhafte Wiedergabe der so genannten Hexen-Variationen von Pa-\nganini, wodurch Herr Grunwald bewies, wie erstaunlich er auch\ndie moderne Technik in seiner Gewalt hat. Das Orchester führte die\nConcert-Ouverture von J. Rietz recht brav aus. Den zweiten Theil\ndes Concerts füllte eine recht befriedigende Aufführung des 42.\nPsalmes von F. Mendelssohn. Frau Platzhoff, welche den\nVortrag einiger Lieder und die Solo-Sopran-Partie in dem Psalm\nübernommen hatte, wurde leider durch das traurige Ereigniss des\nplötzlichen Todes ihres Mannes unmittelbar vor Anfang des Con-\ncertes nach Düsseldorf abberufen. Die grosse Gefälligkeit einer\nkunstgebildeten Dilettantin, Frau S. aus Köln, machte die Auffüh-\nrung des Psalmes dennoch möglich, wofür das ganze Publicum ihr\nseinen besten Dank verschuldet.\nCleve. Die Soireen für Kammermusik, von Herrn Karl\nFettweiss seit vorigem Winter veranstaltet, haben am 28. Decem-\nber v. J. wieder beg:>nnen. Herr Fettweiss trug auf einem vortreff-\nlichen Concertffügel aus der Fabrik von Gerh. Adam in Wesel\neine neue Mazurka von seiner Composition, einen Walzer von Cho-\npin, Op. 34 Nr. 1, einen interessanten Satz aus einer Sonate für\nPianoforte und Violoncell von Sterndale Bennett, Op. 32, ein\nTrio von Beethoven und Thalberg's Moses-Phantasie mit grossem\nBeifall vor.\nDas grossherzogliche Hoftheater brachte in jüngster\nZeit manches Interessante im Gebiete des Musicalischen. Sobo-\nlewsky's Komala ging zwei Mal und mit rechtem Erfolg über die\nBühne. Beide Mal dirigirte Liszt, und die zweite Aufführung be-\nehrte der Componist mit seiner Gegenwart. Er wurde am Schiasse\ngerufen. Die zweite Novität, „Der Barbier von Bagdad\" von P. Cor-\nnelius, erlebte ihre erste Aufführung am 15. December. Dies Erst-\nlingswerk des wahrhaft begabtsn und vielseitigen jungen Mannes\nenthält viele Schönheiten und geistreiche Einzelheiten. Die etwaigen\nMängel wird der Componist wohl am besten selbst erkannt haben\nund bei seinen späteren Productionen zu vermeiden suchen. Sie re-\nsumiren sich in allzu grosses Ausmalen der einzelnen Situationen\nund Verse und damit verbundene allzu üppige Instrumentation.\nMozart's Sterbetag (5. December) wurde durch die hundertste\nAufführung der Zauber flöte mit Festrede von E. Pasque ge-\nfeiert. Sie enthält u. A. auch folgende Stelle:\nDoch wie? Erkannte nicht schon seine Zeit\nVorahnungsvoll des Meisters Unsterblichkeit?\nJa, kaum war er entflohen himmelwärts,\nErhob ein Denkmal sich, wenn nicht von Erz,\nDoch von bescheid'nem Stein, auf blum'gen Au'n,\nIn grünem Park, noch heute zu erschau'n.\nWer war's, der so des Meisters Werth erkannt ?\nIhr kennt sie All', mit Stolz wird sie genannt\nJetzt und für alle Zeit im deutschen Gau,\nAnna Amalia war's, die hohe Frau.\nDamit im Kreise ihrer edlen Geister\nNicht fehlt der Töne grösster, einz'ger Meister.\nErbaut die Fürstin ihm ein Monument\nIn Tiefurts Park. Da steht's, wie Ihr es kennt,\nUnd bringt, als einfach sinniger Altar,\nDem Meister aller Zeiten Huld'gung dar.\nBeethove n's Geburtstag (17. December) brachte ein Concert\nunter Liszt's Leitung nebst einer einleitenden Festrede von P.\nCornelius. Zur Aufführung kamen: Ouvertüre C-dur; Meeresstille\nund glückliche Fahrt; Romanze für die Violine (Concertineister Sin-\nger) ; Adelaide (Herr Caspari); Clavier-Concert, Es-dur (Seb. v. Sa-\nbinin) und die siebente Symphonie. Das Concert machte einen tiefen\nEindruck, und Liszt wurde am Schlüsse stürmisch gerufen Frau\nPauline Viardot-Garcia gastirte zwei Mal (Norma und Rosine) und\nerregte besonders durch ihre spanischen Lieder Enthusiasmus.\nAls Novität soll in nächster Zeit Meyerbeer's Prophet zur Auffüh-\nrung kommen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590108-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nAus den Museums-Concerten zu Frankfurt am Main. II. Von A. S. — Anna von Landskron. Oper von Abert. — J. S.\nBach's Weibnachts-Oratorium. Von --n. Nachschrift der Redaction —• Aus Düsseldorf (Viertes Abonnements-Concert). Von F. Ta-\nges- und Unterhaltungsblatt (Köln* Herr von Per fall, Herr Servais, Opern-Travestieen von Frendenthal und Kipper — Cre-\nfeld, Zweites Abonnements-Concert — Cleve, Soireen für Kammermusik — Weimar, Mozart-Feier, Beethoven-Feier).\n\nAus den Museums-Concerten zu Frankfurt am Main.\n\nII.\nHat uns Rosenhain's Vortrag in die Erinnerung zu-\nrückgeführt, was man einst ein gediegenes und geist-\nathmendes Clavierspiel genannt und in der Regel zu hö-\nren bekam, so haben uns die Herren Vieuxtemps und\nSinger gezeigt, was man gegenwärtig ein grosses Vio-\nlinspiel nennt. Dass hierbei von allen Erinnerungen und\nTraditionen abgesehen werden muss, die sich an die immer\nwahr bleibende französische Violinschule von Rode, Kreutzer\nund Baillot knüpfen, versteht sich von selbst. Aber auch\nan Paganini darf man sich nicht erinnern, denn die hohe\nGenialität dieses Wundermannes in allen ihren Manifesta-\ntionen war gleichsam ein unveräusserliches Gut. Darum\nkonnte er nicht Gründer einer besonderen Schule werden.\nWas man heute so nennt, ist nur ein Stück von seinem\nbesonderen Mechanismus, der sich durch ausdauernden\nFleiss nachahmen lässt. Den von ihm hinterlassenen Noten-\nzeichen (die Etüden nicht gemeint) seine tief fühlende Seele\neinzuhauchen, wird vielleicht gelingen, wenn einst ein an-\nderer Prometheus seine Kunst daran erproben wird.\nHerr Vieuxtemps producirte sein Concert in A-dur\n(Nr. 3) mit pompöser Orchester-Begleitung, obligatem\nTriangel und dergleichen mehr. Dasselbe ist eine Anhäu-\nfung alles erdenklich-modernen Passagen-Gerankes, wobei\neinem schwindelig werden kann, obwohl Alles mit gröss-\nter Leichtigkeit gegeben wird. Unendlicher Missbrauch mit\ndem Flageolet gehört nun einmal dieser Richtung als\nHaupt-Vehikel zu äusserlicher Wirkung an. Dieser ist auch\nhier vorhanden. Wäre nicht ein im einfachen Stil gehalte-\nnes Adagio darin, man müsste das ganze Opus vom ästhe-\ntischen Standpunkte aus als das aller mo-\ndernen Virtuosen-Kunststücke bezeichnen.\nSeit mehreren Jahren bekanntlich ist Herr Vieuxtemps\nstets auf Reisen und bestrebt, Geld zu erwerben. In ge-\nwisser Beziehung wäre jede Anmerkung darüber unstatt-\nhaft. Allein Herr Vieuxtemps hat sich nebst Geld auch den\nTitel des grössten der lebenden Violinspieler, sogar den\neines Königs, erworben. Besteht aber wohl die Grösse des\nausübenden Künstlers bloss in Ueberwindung technischer\nSchwierigkeiten? Machen nicht auch tiefes Gefühl und\nin dritter Potenz ein einfacher, edler Stil die Ingre-\ndienzien des Begriffes von Künstlergrösse aus? Beide letz-\ntere Eigenschaften waren einstens dem Jüngling Vieux-\ntemps zu eigen, dem Manne und Meister sind sie abhanden\ngekommen oder vom Flitter des Mechanismus erstickt\nworden.\nDer fahrende Virtuose, der täglich ein anderes Publi-\ncum ob seiner enormen mechanischen Fertigkeit zum Er-\nstaunen zu bringen bestrebt ist, der an Erhebung seiner\nZuhörer nie denkt, folglich auch niemals in sein Inneres\neinkehrt und darin Umschau hält, muss nothwendig über\nkurz oder lang ein blosser Mechaniker werden. Zwischen\ndem echten, wahren Künstler und dem Publicum soll fort-\nan eine gewisse Beciprocität bestehen: er bildet das Pu-\nblicum, das Publicum bildet ihn. Zur Erreichung dieses\nschönen Zweckes gehört ein fester Wohnsitz an einem\nOrte, wo es ein empfängliches und bildungsfähiges Publi-\ncum gibt, wäre es auch nur ein kleiner Bruchtheil. Reisen\nsoll der Künstler sowohl materieller als künstlerischer Vor-\ntheile wegen, welche letztere gar mannigfacher Art sind;\naber es darf dies nur in gemessenen Intervallen geschehen.\nEin Künstler, der sein Publicum bilden will, d. h. der\nes zur Erkenntniss des wahrhaft Schönen und Werthvollen\nerheben will, darf in seinem Repertoire nicht einseitig sein.\nWie ein guter Schauspieler sich eine grosse Reihe seiner\nIndividualität zusagender und doch unter einander verschie-\ndener Charaktere zu eigen macht, so soll es der ausübende\nKünstler mit Compositionen verschiedener Autoren thun;\ndenn das sinnige Publicum will auch vergleichen, wie\nder Mann diesen und jenen Autor auffasst. Dass Herr"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590108-01.1.2", "texte": "Vieuxtemps aber, seit er aufgehört, Compositionen seines\nLehrers de Beriot zu spielen, dessen Schule er überhaupt\nlangst abtrünnig geworden, ausschliesslich nur seine Sa-\nchen und Sächelchen (als Productionsstücke) vorträgt und\ndamit den Beweis gibt, dass er dieselben für das Werth-\nvollste im Bereiche der Literatur für sein Instrument hält,\ndrückt seine Wagschale noch vollends hinab.\nMöge nun Unverstand oder Parteilichkeit fortfahren,\nHerrn Vicuxtcmps den grössten oder gar den König unter\nden lebenden Violinisten zu nennen, unsererseits haben wir\nder Wahrheit wie auch dem Thatsächlichen Genüge zu\nleisten versucht, indem wir V orstehendes seinem Thun und\nLassen gegenüber gestellt. Es soll nur noch «constatirt wer-\nden, dass der Künstler von der Versammlung im Museum\nmit grossem Beifall geehrt worden, wie sich das wohl von\nselbst versteht. Ob aber der Eindruck bis zum folgenden\nTage in den Gemüthern haften geblieben, möchte Referent\nbezweifeln; denn alles, was nur Bewunderung erregt, er-\nzeugt auch bald Sättigung, so wie ein lange andauernder\nReiz bald die Nerven abstumpft.\nMit anderen Gefühlen nähert sich Referent der Lei-\nstung des Herrn Concertmeisters Singer aus Weimar.\nSein Vortrag beschränkte sich leider nur auf den ersten\nSatz eines Paganini'schen Concertes, den er wenige Tage\nzuvor auch im leipziger Gewandhaus gespielt, dann noch\nauf eine Art moderner Phantasie über einen ungarischen\nNationallanz {Csardas)mit Orchester-Begleitung von eige-\nner Composition. In technischer Beziehung fand sein Vor-\ntrag auszeichnenden Beifall, den er auch verdiente. Man\nfragte aber nach dem Grunde, warum nur ein Satz aus\ndem Concerte, warum nicht das vollständige Werk. Der\neine Salz war der Reise von Weimar nach Frankfurt\nkaum werth, und die eigene Composition? —Es kam ja\naber noch zur Ueherraschung ein Solo soiissimo für die\nGeige als Zugabe. Die Herren Virtuosen haben nun einmal\ngegenwärtig die Manie, den Concertsaal für ihre Studir-\nstube zu halten, vergessen aber, dass derlei Exercitien\nohne Schlafrock doch unbequem zu spielen sind. Wir em-\npfehlen ihnen daher, dieses nothwendige Requisit, wo mög-\nlich mit einigen Ordensbändern geschmückt, mitzubringen,\ndenn diese geben erst solcher Solo-Spielerei vollen Werth.\nWas es auf sich hat, mit Compositionen von Paganini\nsich einzulassen, ist oben gesagt. Desshalb würden wir\nHerrn Singer höchlich bedauern, wenn er sein eminentes\nTalent damit oft in Versuchung führen sollte. Möge er\ndas vorstehend über seinen berühmten Mitstrebenden Be-\nmerkte der Prüfung unterziehen, vielleicht macht er sich\ndas Geständniss, dass er nahe daran ist, dieselben Wege zu\ngehen, wie jener. Vielleicht ist es aber noch Zeit, zu an-\nderen Gesinnungen zu kommen. Welchen Gewinn könnte\ndie Kunst von dem Talente dieses jungen Mannes ziehen,\nwenn wir uns seinen unvergleichlich schönen Ton, in wel-\nchem der Zuhörer mit wahrhaftem Wonnegefühl schwelgt,\nmit der bereits vollendeten Technik zur Reproducirung\nwerthvoller Compositionen angewandt denken!\nSollte denn kein Mittel aufzufinden sein, Künstler wie\ndie Herren Joachim, Laub und Singer nach Werken aus\nguter, wenn auch nicht immer aus classischer, Schule grei-\nfen zu machen, wäre es auch nur ausnahmsweise? Läge\nes denn so weit ab, wenn Concert-Vorstände bei jedesma-\nliger Einladung zur Production an dergleichen Talente\naber auch an Clavierspieler— das Verlangen aussprächen,\nein vollständiges Concert aus guter Schule vorzutragen?\nAuch das wäre im conservativen Sinne gehandelt. Zur\nWahl liegen wenigstens 25 bis 30 grossartige Tonge-\nmälde vor, deren Autoren die oben genannten drei Fran-\nzosen, der Italiäner Viotti und der Deutsche Spohr sind.\nWer sagt, die Werke dieser Componisten seien veraltet,\nder irrt in der Weise, als im zweiten und dritten Jahr-\nzehend von sämmtlichen Beethoven'schen Concerten be-\nhauptet worden, sie seien veraltet, entsprächen nicht mehr\ndem Zeitgeschmacke. Thatsache ist, dass einige dieser wun-\ndervollen Schöpfungen 15 bis 20 Jahre im Staube der\nBibliotheken gelegen, ohne nur einmal irgendwo versuchs-\nweise zum Vortrage zu kommen. Ohne Joachim läge das\nViolin-Concert vielleicht heute noch dort in guter Ruhe;\ndenn hatte doch das ganze Corps der Violinspieler gleich\nnach dessen Erscheinen den Stab darüber gebrochen und\nes für unausführbar erklärt. Allein den Violin-Virtuo-\nsen von heute fehlt für alle gute Musik das Haupt-Ingre-\ndiens: Pietät und Verläugnung des Uebermaasses\nvon erworbener Technik, die dort nicht zulässig ist.\nZuletzt sei noch gestattet, ein Streiflicht auf einige\njüngst in den Museums-Concerten gehörte Orchesterwerke\nfallen zu lassen. Welcher Geist dieselben dort einzig und\nallein beherrscht, weil im leitenden Comite nicht ein Mit-\nglied ist, das von Musik andere als dilettantische Begriffe\nhätte und ernste Winke zu geben verstände, wann und\nwo es erforderlich, ist eine zu beklagende Thatsache. Der\nbeste Wille aber ohne künstlerisches Verständniss und Er-\nfahrung leistet in solcher Stellung nichts Erspriessliches\nfür die betreffende Sache. Seit einigen Jahren bin ich den\nDingen dort fern geblieben, bis die genannte Künstler-\nTrias mich wieder in die Nähe gezogen. Was ich nun in\nBeethoven's C-moll- und j4-efer-Sinfonie, ferner noch in\nMozart's (?-»2o//-Sinfonie zu hören bekam, erreicht den\nGipfelpunkt directorischer Raserei. Am allerschlimmsten\nergeht es Mozart's Sinfonie. Da sind im ersten und vierten\nSatze die Schleusen hoch aufgezogen, die Wellen drängen\nmit unerhörtem Ungestüm hervor, und eine überstürzt die"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590108-01.1.3", "texte": "andere. Die armen Contrabässe! Wer da noch Ohren\nhätte, das contrapunktische Charivari zu verfolgen, und aus\nder schäumenden Flut eine Mittelstimme heraus zu hören!\nDie Dinge haben sich dort in hohem Grade verschlimmert.\nKann bei solcher Behandlung, bezeichnender Entwei-\nhung, noch an Charakter-Zeichnung, an Ausdruck im All-\ngemeinen und Speciellen gedacht werden? Kurz, wer ein-\nstens nach Herrn Messer jenen Platz einnimmt, muss,\nwenn er ein umsichtiger, in den Geist der Werke ein-\ngehender, aber auch fühlender Orchester-Führer ist, neun\nZehntel aller Instrumental-Musik von Neuem mit dem Or-\nchester einstudiren. Ist aber ein Gelingen möglich, wenn\ndas Orchester seit Jahren gewöhnt worden, eine Hetzjagd\nin jedem Allegro-Satze aufzuführen, als stände über jedem\nSatze geschrieben: Allegro coUerico? „Das ist der Fluch\nder bösen That\" u. s. w.\nC. M. von Weber schrieb im Jahre 1824 einen\nAufsatz voll wichtiger und von jedem Dirigenten insbeson-\ndere zu beherzigender Bemerkungen über den Gebrauch\ndes Tempo; derselbe befindet sich in der Berliner Musik-\nZeitung, Nr. 28 vom Jahre 1827, veröffentlicht. Der viel-\nerfahrene Dirigent sagt unter Anderem darin: „Es gibt\nkein langsames Tempo, in dem nicht Stellen vorkä-\nmen, die eine raschere Bewegung forderten, um das Ge-\nfühl des Schleppenden zu verhindern. Es gibt kein\nPresto, das nicht eben so im Gegensatze den ruhigen\nVortrag mancher Stelle verlangt, um nicht durch Ueber-\neilen die Mittel zum Ausdruck zu benehmen.\" —Referent\nwird dieser goldenen Worte an einem anderen Orte des\nNäheren gedenken.\n\nA. S.\n\nAnna von Landskron.\nOper von Abert.\nStuttgart, den 20. December 1858.\nWohl selten ist eine neue Oper von unserem gewöhn-\nlich etwas ernüchterten Publicum mit so durchgängig leb-\nhaftem, fast bei jeder Situation in lauten Beifall ausbre-\nchendem Interesse angehört worden, wie dies bei der ge-\nstrigen erstmaligen Aufführung von Abert's Anna von\nLands krön der Fall war. Schon die Ouvertüre erweckte\neine so vortheilhafte Stimmung für die Oper, dass gleich\nvon Anfang an jene Atmosphäre der gemeinschaftlichen\nBegeisterung sich erzeugte, in welcher allein alle Poren\neines Kunstwerkes sich öffnen und seine volle warme Le-\nbenskraft in die Herzen der Zuhörer ausströmen lassen\nkönnen. Wodurch sollen wir uns diese gestrige Gemüths-\nwärme unseres Publicums erklären? Entsprang sie bloss\naus einer äusseren persönlichen Stimmung gegen einen\njungen Componisten, der ein Stadtgenosse von uns ist, und\ngegen dessen Oper man eine individuelle wohlwollende\nStimmung mit sich brachte, zumal da sie ein Erstlings-\nVersuch war, oder sprühte wirklich sein Werk eine solche\nLebenswärme aus, dass sich jedes Gemüth darin behaglich\nfühlen und sich ungestört dem vollen Genüsse seiner Schön-\nheiten hingeben konnte? Wir sind geneigt, den günstigen\nErfolg dieser Oper in der Vereinigung dieser beiden Punkte\nzu suchen. Eben weil Abert uns persönlich bekannt ist,\nund zwar durch Eigenschaften, die wie z. B. seine edle\nBescheidenheit die Zierde des wahren Künstlers sind, ha-\nben wir eine Stimmung mitgebracht, die glücklicherweise\ndurch den zweiten Punkt, die echt künstlerischen Schön-\nheiten seines Werkes, gehoben und bis zu Ende gesteigert\nwurde. Ja, dieser Erstlings-Versuch des jungen Compo-\nnisten ist kein Embryo eines zu hohen Erwartungen be-\nrechtigenden Werkes, es ist ein gereiftes Kunstproduct,\ngereift an der Sonne eines reinen, lyrisch durchwärmten\nGemüthes, genährt durch die reichlichsten Mittel, welche\ndie moderne Instrumental-Musik dem schaffenden Genie\nzur Verarbeitung darbietet, und erzogen durch die neuen\nIdeen, welche durch die freiere Entwicklung der Kunst-\nform neue Kunstrichtungen hervorgebracht haben. Fern\nsei es von uns, behaupten zu wollen, dass die begeisterte\nAufnahme der Abert'schen Oper hauptsächlich oder aus-\nschliesslich dem neuen Standpunkte zuzuschreiben sei, den\nRichard Wagner sich erobert hat, und von welchem Abert\nbei der Composition seiner Oper ausgegangen ist. Wir\ngehören nicht zu denjenigen, die in einem Tannhäuser oder\nLohengrin das allein gültige Kunstwerk der Zukunft er-\nblicken; wir betrachten solche Werke nur als ein neues\nGenre, das neben den anderen seither zur schönsten Blülhe\nentfalteten Opernwerken zu einem parallelen Bestehen wohl\nberechtigt ist. Abert hat nun eben auch ein solches Genre\ngeliefert, und es darf daher kein vergleichender Maassstab\nmit den Werken eines Gluck, Mozart, Spohr, Weber oder\nMeyerbeer angelegt, sondern nur gefragt werden: Was\nhat er in dem neuen Genre, das wir seiner ralfinirten,\nvollstimmigen Instrumentation zu Liebe die sinfonische\nOper nennen möchten, geleistet? Und da finden wir, dass\ner selbst eine Seitengattung des Wagner'schen Gcnre's ge-\nschaffen hat. Während Wagner eine epische sinfonische\nOper erzeugt hat, finden wir Abert als Schöpfer einer ly-\nrischen sinfonischen Oper, und das ist das grosse Verdienst,\ndas sich dieser strebsame Künstler um die moderne Oper\nerworben hat. Er hat die extravaganten Auswüchse eines\ngenialen Geistes vermieden, er hat nicht das hervorbringen\nwollen, was die Tonkunst einmal nicht hervorbringen kann,\nso lange sie sich in den Gränzen der idealen und formellen\nSchönheit zu bewegen hat; er hat statt des überkünstelten"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590108-01.1.4", "texte": "epischen Glanzes die wärmere, natürlichere lyrische Stim-\nmung den modernen Harmonieweisen einzuhauchen ver-\nsucht, und ist somit als Vermittler der so genannten Zu-\nkunftsmusik mit der vorausgehenden romantischen Oper\naufgetreten; als Vermittler mit der classischen Oper freilich\nnicht, denn zwischen der classischen und der Zukunfts-\nOper besteht, Gottlob, eine Kluft, die nie ausgefüllt wer-\nden kann. Traurig ist es freilich, wahrzunehmen, wie un-\nsere neueren Componisten immer mehr von der classischen\nOper sich abwenden und bloss von der romantischen oder\nWagner'schen ausgehen. Es ist freilich leichter, mit vollen\nFarben aufzutragen, als in der reinen Zeichnung und in\nintensiven melodischen Grundzügen den Hauptbestand des\nKunstwerkes zu suchen. Gerade weil es so schwer ist, me-\nlodisch originel zu sein (weil dies nur das angeborene mu-\nsicalische Genie sein kann), sucht man neuerdings den\nHaupt-Eff'ect im Colorit der Instrumentation, und dies ist\nauch der Grund-Charakter der Abert'schen Oper. Ein\nRaffinismus der Instrumentation, der jedes Wort des Tex-\ntes zu paraphrasiren sucht, der, wenn beim Mondschein\neine lyrische Situation geschildert wird, den Gesang mit\ndem Schlage der Nachtigall, dem Gezirp der Grille, ja,\nselbst dem Unkenruf vom Orchester begleiten lässt, der\ndas langsame Aufathmen beim Erwachen aus der Ohnmacht\nmit einer peinlich pulsirenden, rhythmisch unruhigen Or-\nchester-Figur nachzuahmen sucht, das alles sind künstleri-\nsche Effecte, die zwar einen wohlthuenden Eindruck ma-\nchen, die aber eben doch keinen Ersatz für den Reiz der\nMelodie bieten, wie wir sie in der classischen und roman-\ntischen Oper vorfinden. Was nun aber an Abert's Oper\nzu loben ist, das ist, dass sein Hauptstreben nicht bloss in\ndieser vollen, pittoresken Instrumentation zu suchen ist,\nsondern dass er dem Gesänge in der That eine melodische\nForm zu geben verstand, ohne wirklich Melodicen geschaf-\nfen zu haben, die für sich allein Lebenskraft haben. Es\nweht durch die ganze Oper ein melodischer Reiz, der bei\naller modulatorisch-unruhigen Harmonie doch auf sehr\nnatürliche Weise dem Gesänge selbst entströmt und dess-\nwegen dem grösseren Publicum verständlich ist, selbst\nwenn es den enharmonischen Verkehrungen, den doppelt\nverminderten Terzen oder den Nonen- und Secunden-Vor-\nhalfen nicht folgen kann. Nehmen wir dazu, dass bei aller\nlyrischen Stimmung ein energischer Geist waltet, der sich\nin keine Sentimentalität verllacht, dass die Chöre sehr leb-\nhaft construirt sind und eine reiche Abwechslung von Mär-\nschen, Volkschören, Nonnengesängen, ritterlichen Auftrit-\nten, Kerkerscenen und einfachen dramatischen Situationen\nStatt findet, dass Alles leicht fasslich ist im Bau der Hand-\nlung selbst, so darf man wohl sagen, dass Abert ein Werk\ngeschaffen hat, welches verdient, die Runde durch ganz\nDeutschland zu machen, und das sich gewiss auf jedem\nRepertoire halten wird.\nDie Aufführung selbst war eine sehr gelungene. Das\nEnsemble, das bei einer Oper, in welcher keine eigent-\nlichen Arien vorkommen, so wichtig ist, war vortrefflich,\ndie Chöre namentlich, trotz ihrer Schwierigkeit, verdienen\nalles Lob. Frau Dr. Leisinger als Anna hatte Gelegen-\nheit, ihre Haupt-Eigenschaften in einigen ergreifenden\nScenen zu entfalten. Fräulein Mayerhöfer als Hildegard\nerinnerte uns mit Schmerzen an das Gerücht, dass sie un-\nsere Hofbühne verlassen wolle, um nach Mannheim über-\nzusiedeln. Ist denn unsere Bühne nur dazu bestimmt, gute\nGesangeskräfte zur Ausbildung zu bringen und sie dann\nzu verlieren, wie z. B. Fräulein Eschborn, Herrn Lipp und\nAndere? Herr Sontheim als Liebhaber der Anna, Herr\nPischek als Bürgermeister von Basel, Herr Jäger als\nintriganter Edgar, Herr Schucker als biederer Kerker-\nmeister, Herr Sesselberg als Bischol sie hatten alle\nsehr dankbare Rollen und konnten sich in den für den\nSänger so wesentlich vortheilhaften mittleren Lagen der\nStimme bewegen. Der Text, welcher die Fehden der Ster-\niler und Psitticher in Basel, einer Art von Montecchi und\nCapuleti, behandelt und eine altdeutsche Romeo- und Julie-\nGeschichte, aber ohne ihren tragischen Ausgang, uns vor-\nführt, ist von dem bekannten Gesanglehrer Herrn Nehr-\nlich und hat das Verdienst, singbar geschrieben zu sein.\nIm Uebrigen ist er aber etwas schülerhaft zusammenge-\nfügt, und versteht es nicht, die dramatische Handlung von\nder Spule abspinnen zu lassen. Namentlich tritt in der\nSchluss-Katastrophe Kaiser Rudolf als blosser Deus ex\nmachina auf, auch verschwindet Hildegard ganz von der\nScene, ohne dass man weiss, was aus ihr geworden ist;\nferner läuft der zum Tode verurtheiite Karl von Ramstein\nfrei mit den Anderen zum Gerichtssaale hinaus, ehe ihn der\nKaiser freigesprochen hat, so dass die Schluss-Katastrophe\nganz unnöthig erscheint. Die Inscenesetzung war leider\nsehr dürftig.\nDass nun trotz der Schwäche des Libretto s, trotz der\nmangelhaften Regie die Anna von Landskron einen so war-\nmen Beifall gefunden hat, beweis't, dass unseren jungen\nComponisten eine künstlerische Weihe durchdringt, die mit\nder Zeit noch wirksamer werden müsste, wenn er, statt\nseine Hauptforce auf ein reiches Colorit zu legen, seine\nmelodischen Ideen in eine knappe Form bringen würde,\ndamit sie beim Ausströmen nicht überlaufen, sondern,\nwenn der Mantel springt, als plastische Gestalten erschei-\nnen und wirken können. Denn darin liegt der Hauptmangel\nder neuern Productivität, dass sie in sich selbst zu weich ist,\ndass sie keine Geduld hat, sich in die starre Form zu er-\ngiessen, und sich auf der blossen Gefühlsstimmung wiegt,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590108-01.1.5", "texte": "ohne das Gefühl selbst in seinen innersten Falten erfasst\nzu haben. Möge der junge Componist mit all seiner schö-\nnen Phantasie in seiner Kunstrichtung weit häufiger rück-\nwärts blicken, als vorwärts!\n\nJ. S. Bach’s Weihnachts-Oratorium.\n\nDer Cäcilien-Verein in Frankfurt am Main hat am\n13. Deceinber v. J. das Weihnachts-Oratorium von\nJ. S. Bach (I.—IV. Theil) mit vollständiger Orchester-\nBegleitung in der deutsch-reformirten Kirche zum ersten\nMale zur Ausführung gebracht und ist nun im Besitze der\ndrei grössten, leuchtendsten Edelsteine des ersten Meisters\nheiliger Musik, der Matthäus-Passion, der e\nund des Weihnachts-Oratoriums. Hoffen wir bei dem merk-\nlichen Aufschwünge, den Geschmack und Verständniss auf\nmusicalischem Gebiete zu nehmen begonnen hat, dass der\nunendlich reiche Geist des gewaltigen Meisters, der, ob-\ngleich wie ein Biese über Zwerge emporragend, doch fast\ndrei volle Menschenalter in Vergessenheit geschlummert\nhat, bald wieder in voller Lebendigkeit regiere und die\nweit verirrten Epigonen zurückführe zu dem, was wahr-\nhaft edel und gut ist im Beiche der J one. Selbst die neu-\nleipziger Zukunftsmusiker machen ja Miene, den alten Se-\nbastian als ebenbürtig und noch lebendig anerkennen zu\nwollen ; mögen sie zusehen, dass er nicht ihr musicalisches\nTreiben zu Schanden mache. Wenn Einer, so hat Bach\ndem Worte sein volles Becht gegeben; er ist der genialste\nund frömmste Interpret seines biblischen Textes, und seine\nInterpretation ruht auf der innigsten, freudigsten Ueber-\nzeugung von der seligmachenden Wahrheit desselben;\naber dessen ungeachtet sündigt er nie gegen den Geist der\nMusik und achtet die Formen und notwendigen Schranken\nderselben, in denen er sich freilich genial-schöpferisch frei\nund ungehindert bewegt.\nDas Weihnachts-Oratorium gibt davon ein glänzendes\nZeugniss. Ist es gleich nicht in dem Sinne wie die Passion\noder die hohe Messe ein Ganzes, da es für sechs einzelne\nSonn- und Festtage des Weihnachts-Cyklus berechnet ist\nund also aus sechs in sich abgeschlossenen Weihnachts-\nCantaten besteht, so weht doch durch alle Theile, als In-\nterpretation des Wortes: „Uns ist heute der Heiland gebo-\nren!\" Weihnachtsfreude und Weihnachtsseligkeit. Aber\ndieser Weihnachtsjubel wäre kein tiefdringender und be-\nlruciitender, echt christlicher, wenn er nicht getragen würde\nvon dem Bewusstsein, dass erst der erlösende Tod Dessen,\nder bei der Geburt von den Engeln verkündet ward, auch\ndem Ereigniss in der geweihten Nacht seine hohe Bedeu-\ntung verliehen hat; daher legt er in erhaben prophetischer\nWeise dem Choral: „Wie soll ich dich empfangen!\" mit\ndem die Gemeinde die Geburt des Heilandes begrüsst, die\nMelodie des Passions-Chorals: „O Haupt voll Blut und\nWunden\", unter und knüpft ihn durch die phrygische\nWeise, die er anwendet, an den Schluss-Choral der Pas-\nsion: „Wenn ich einmal soll scheiden\". Die Wirkung die-\nses Chorals gerade hier an dieser Stelle ist eine tief ergrei-\nfende und beherrscht den ganzen ersten Theil. Erst mit\nder Pastoral-Symphonie, die, den zweiten Theil eröffnend,\nan den Jubelchor, mit dem das ganze Werk beginnt, wie-\nder anknüpft, kehrt die heitere Feststimmung zurück und\nsteigert sich in Innigkeit und Grösse, bis am Schlüsse des\nGanzen derselbe Passions-Choral, nun aber in heiter-kräf-\ntigem D-dur,die Festfreude zu Ende führt.\nGestatten Sie mir, ehe ich über die Aufführung rede,\nmit wenigen Worten auch die drei anderen Theile, die\naufgeführt wurden, zu charakterisiren. Ich weiss zwar wohl,\ndass ich Ihnen und den echten Musikern nichts Neues sa-\ngen kann; ich möchte aber, wie ich durchdrungen bin von\nder Herrlichkeit des Werkes, die vielen Gesang-Vereine\nunseres Vaterlandes aufmerksam machen auf diesen Schatz,\nder, wenn auch in der schönen Ausgabe der Bach-Gesell-\nschaft zu Tage gekommen, doch noch an den meisten Or-\nten ein mit sieben Siegeln verschlossenes Buch zu sein\nscheint. Wer wie wir hier in Bach den reichsten und ge-\nsundesten Quell erhabener Musik gefunden hat, möchte\ngern allen Strebenden den Zugang erleichtern.\nDer zweite Theil („Und es waren Hirten auf dem\nFelde\"), der mit der wunderlieblichen, engelhaften Pasto-\nral-Symphonie beginnt, trägt vorzugsweise das Gepräge\nder Anmuth und Heiterkeit, die sich in dem Mittelchor:\n„Ehre sei Gott in der Höhe!\" zum höchsten Jubel stei-\ngert, einem Chor, der zu den grössten des Meisters gehört,\nso gross in seiner Intention, dass Tausende von Sängern\nund Instrumentalisten dazu gehörten, um in der Fülle des\nTones nur einiger Maassen an die Erhabenheit des Gedan-\nkens zu reichen. Rührende Innigkeit athmet das Wiegen-\nlied, das eine Altstimme singt. In dem Schluss-Choral mit\ndem eigentümlichen 12/8-Bhythmus tritt die Grundstim-\nmung des Theiles, wie sie sich in der Symphonie ausprägt,\nin höchst origineller Weise, namentlich in der Begleitung,\nwieder hervor.\nDer dritte Theil, vorzugsweise dramatisch gehalten,\nbeginnt und schliesst mit dem inbrünstigen Bitt-Chor:\n„Herrscher des Himmels, erhöre mein Lallen!\" er erin-\nnert in seinen Schlusswendungen an Händel's Behandlungs-\nweise der Chöre. Dazwischen fügt sich die Erzählung des\nEvangelisten, wie die Hirten hingehen, das Kind finden\nund anbeten, und die Mutter alles, was sie gehört hat, im\nHerzen bewegt. Der recitativische Chor der Hirten: „Las-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590108-01.1.6", "texte": "set uns hingehen\", entspricht den Chören der Jünger u. s.\nw. in der Passion und macht mit seiner charakteristischen,\nganz selbstständig gehenden malerischen Begleitung den\nEindruck freudiger Ueberraschung und sehnsüchtiger Eile.\nDas folgende Bass-Recitativ antwortet den nach Gewissheit\nverlangenden Hirten und verkündet in erhabenen prophe-\ntischen Worten und geweihten Tönen das Gnadenwerk\ndes Heilandes. So leitet es über zu dem grossen Choral\nder Gemeinde: „Uns allen hat er wohlgethan\". In einem\nZwiegesang zwischen Sopran und Bass wird dann das Ver-\ndienst des Erlösers von beiden Theilen der Menschheit\nnoch weiter gepriesen. Aus der folgenden Evangelien-Rc-\ncitation, die mit den Worten endet: „Und Maria bewegte,\nwas sie gehört, in ihrem Herzen\", fliesst die innige Alt-\nArie: „Schliesse, mein Herze, dies selige Wunder\", als\neine herzliche Aufforderung an die Gemeinde zum Glau-\nben und zum Genüsse seiner Früchte. In den beiden näch-\nsten Nummern wird der Aufforderung das Gelöbniss hin-\nzugefügt, erst recitativisch: „Ja, ja, mein Herz soll es be-\nwahren\", dann in grossem Choral: „Ich will dich mit\nFleiss bewahren\". Die Hirten kehren zurück, und die Ge-\nmeinde stimmt ein in ihr Lob Gottes mit dem Choral:\n„Seid froh!\" der in seinem ungewöhnlich freien Rhythmus\nvorzugsweise Festigkeit und Sicherheit und Siegesfreude\nausdrückt.\nDer vierte Theil schliesst nun den engeren Weih-\nnachts-Cyklus (die beiden letzten beziehen sich auf das\nDreikönigsfest und können am leichtesten ohne Schaden\ndes Ganzen abgetrennt werden); alle seine Nummern\ndrücken daher das Gefühl hoher Freude und innigen Dan-\nkes aus und den festen Vorsatz, fortan nur ihm, dem Hei-\nlande, zu leben. Nach dem grossen Einleitungs-Chor:\n„Fallt mit Danken, fallt mit Jauchzen\", verkündet das\nkurze Evangelium, dass das Kindlein den Namen Jesus\n(Retter) erhalten habe. Alles Folgende ist gleichsam die\nInterpretation und Anwendung des Namens. Zuerst spricht\ndies eine Basstsimme in dem grossen Recitativ: „Imma-\nnuel!\" aus, mit welchem sich eine Sopranstimme in ein-\nzelnen choralartigen Sätzen verbindet. Das Recitativ ent-\nspricht in feierlicher Würde und hinreissender Innigkeit\ndem erhabenen: „Am Abend, da es kühle ward\", der\nMatthäus-Passion. Die Gewissheit, dass nun die Schrecken\ndes Todes verschwunden seien, drückt eine Sopranstimme\nin einer Arie aus, in Fragen, die sie sich selbst aus dem\n\\\nMunde des Heilandes beantwortet. Das Echo, das hier in\ngeistreich-naiver Weise angewandt ist, verstärkt wie die\nStimme eines antwortenden Engels diese Zuversicht. Wer\ndiese Echo-Arie in tüchtiger Darstellung gehört hat, muss,\nergriffen von der Wahrheit und Natürlichkeit des Effectes,\njeden Gedanken an Spielerei verbannen. Der musicalische\nGedanke ist so gesund und ist so consequent durchgeführt,\ndass man ihn sich gar nicht anders denken kann, auch\nwenn die Worte nicht dabei wären. Aus dieser Zuversicht\nentspringt das Gelübde, dass sein Name allein im Herzen\nleben solle; eine Bassstimme legt dieses Gelübde ab in\neinem Recitativ, über dem in einem choralartigen Arioso\neine Sopranstimme ihren Jubel ausströmt: „Jesu, meine\nFreud' und Wonne\". Die Bitte, dass der Heiland Kraft\ngeben möge, ihm zu leben, die in einer wunderbar grossen\nTenor-Arie ausgesprochen wird, fliesst dann über in den\ngrossen Schluss-Choral: „•Jesus, richte mein Beginnen\",\nder, gleichsam die Summe aller Weihnachts-Betrachtungen\nziehend, das feierliche Gelübde der Gemeinde, nur ihm zu\nleben, emporträgt zu seinem ewigen Throne. Der Text,\nganz an die Zinzendorf'sche Gefühlsschwärmerei erinnernd,\nwird durch den Geist der Töne geweiht und kann dem mü-\nsicalisch Empfindenden in keiner Weise Anstoss geben.\nWas nun die Aufführung selbst betrifft, so wird sie\nallgemein als eine sehr gelungene, abgerundete anerkannt.\nFür einen Chor (der Verein zählt jetzt über 250 active\nMitglieder), der mit innerem Verständniss eine Passion und\neine H-moll-Messe ausführt und beide Werke beständig\nauf seinem Repertoire hat, war die Aufgabe gerade keine\nschwierige, er lös'te sie mit Kraft und Regeisterung. Die\ngrossen Choräle wurden ohne Begleitung vollkommen rein\nund ohne das mindeste Schwanken der Stimmung gesun-\ngen; sie machten tiefen Eindruck, und selbst die geübten\nOrchesterleute sprachen ihre Bewunderung aus. Die zum\nTheil schwierigen grossen Chöre traten klar und bestimmt\nin ihren Motiven hervor und wurden schwunghaft gesun-\ngen. Die Soli waren alle in den Händen von Künstlern\nund Künstlerinnen: Frau Nissen-Saloman (Sopran),\nFräulein Kissenheimer (Alt), Herr Bau mann (Tenor)\nund Herr Pichler (Bass); sie wurden würdig und mit\ngrosser Technik ausgeführt. Die Ehre des Abends verdient\nunser vortrefflicher Bau mann, der den Evangelisten un-\nvergleichlich schön und geistvoll sang und in den überaus\nschwierigen Arien seine Meisterschaft glänzend bewährte.\nDas Orchester spielte mit gewohnter Tüchtigkeit; man fühlte,\ndass die Spieler die Grösse des Werkes erkannten, und der\nGeist Bach's schien sie zu umschweben. Wenn ich unseren\nDirector Messer zuletzt erwähne, so geschieht dies, weil\ner das A und 0 bei der Aufführung war. Nicht nur die\nEinstudirung des ganz neuen Werkes lag ihm ob (inner-\nhalb 8 —lO Wochen), er hatte die noch weit schwierigere\nAufgabe, die Instrumentation des Werkes für unsere Zeit\nund doch im Geiste Bach's herzustellen; also den bloss be-\nzifferten Bass, den Bach selbst auf der Orgel ausfüllte, in\ndie passenden Instrumente zu übertragen, veraltete oder\nverschwundene Instrumente mit den geeignetsten zu ver-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590108-01.1.7", "texte": "tauschen, die ganze Dynamik hinzuzufügen und die man-\ncherlei Fehler der Partitur auszumerzen. Er hat mit rast-\nloser Mühe und innigstem Verständniss die Aufgabe gelös't\nund dadurch das Werk zugänglicher gemacht. Möge er\ndem Vereine noch lange in ungeschwächter Kraft vorstehen!\n--n.\nNachschrift. Wir machen auf den Clavier-Aus-\nzug des Bach'schen Weihnachts-Oratoriums von\nEd. Wilsing (Berlin, bei Bote&Bock, Fol.) aufmerksam.\nEs ist dies eine treffliche Arbeit, die von dem Verleger\nsehr schön ausgestattet worden ist. Subscriptions-Preis 3\nThlr. Auch die Chorstimmen sind in demselben Verlage\nerschienen.\n\nDie Redaction.\n\nAus Düsseldorf.\nF.\nD en 1. Januar 1859.\nSeit meiner Meldung über unser erstes Winter-Concert hat Ihre\nZeitung aus besserer Hand und Quelle die Ansieht bestätigt, dass\nhier eine Wendung der Dinge vor sich gegangen ist, dass es hier,\nmit Einem Worte gesagt, besser aussieht, als es wohl geschienen haben\nund gewesen sein mag. Ja, es ist wirklich besser geworden, aber —-\nes muss eben denn doch noch viel besser werden! Und dazu sind\ndie Leiter der Concerte mit frohem Muthe und ernstem Sinne voll-\nständig angethan; unser viertes Concert, am 30. December, bewies\ndas in erfreulicher Weise nach allen Seiten hin, so weit die Kräfte\nreichten. Auch heute muss ich es principaliter rühmen, dass Herr\nMusik-Director Tausch die Leistungen unseres Orchesters durch\nseine präcise und recht sorgfältige Leitung völlig gegen frühere Lei-\nstungen umgewandelt hat. Wir hörten einige Tage früher mit dem-\nselben Orchester im Theater eine Opern-Aufführung und müssen ge-\nstehen, dass da eigentlich jeder Vergleich aufhört. Die Ouvertüre\nzum Wasserträger, für den Vortrag eben nicht die leichteste, ging\nan uns vorüber mit dem ganzen Zauber, der ihr innewohnt; wir er-\ninnern uns, dieses Meisterwerk so nur unter Rietz hier gehört zu\nhaben; es war die erste, aber auch die beste Nummer des ganzen\nAbends. Herr Louis Brassin, der Ihren Lesern bereits rühm-\nlichst bekannt ist, spielte das Es-dur-Concert mit Orchester von\nBeethoven, ferner Andante und Polonaise für Pianoforte und Orche-\nster-Begleitung von Chopin. Beide Stücke wurden von dem talent-\nvollen Künstler mit grosser Bravour gespielt und mit stürmischem\nBeifall Seitens des sehr zahlreichen Publicums aufgenommen. Uns\nwill es indessen scheinen, als sollte Herr Brassin weniger ernste,\ngrosse Kraft und tiefe Auffassuug erfordernde Compositionen zum\nVortrage wählen. Das Es-ditr-Concert hat hier, wie in Köln und\nAachen, gelegentlich der Musikfeste so classische Antecedenzien, dass\nes immer etwas Gewagtes hat, hiermit sich hierorts zuerst einzufüh-\nren. Die Polonaise von Chopin spielte dagegen Herr Brassin\nin vollendeter Weise. Die übrigen Nummern des Coneertes gaben\ndem hier seit ihrem ersten Auftreten in gutem Andenken stehenden\nFräulein Auguste Brenken aus Soest vielfache Gelegenheit, sich\naufs Neue als eine der hervorragendsten Sopranistinnen zu zeigen.\nWir hörten von ihr die Concert-Arie von Mendelssohn: ~Unglücks-\nerge\", zwei Lieder: Suleika von Mendelssohn und Die Post von\nSchubert, so wie die Comala von Gade. Sollen wir uns kurz fassen,\nso möchten wir Fräulein Brenken rathen, so viel als möglich dra-\nmatische Compositionen zu singen oder aber beim Vortrag von Lie-\ndern solche zu wählen, die ihrer Individualität mehr zusagen, d. h.\nin denen sie mehr Feuer und Kraft entwickeln kann. Bei den enor-\nmcn Mitteiii und der trefflichen Schule, die der geschätzten Sängerin\nzu Gebote stehen, kamen denn auch die ihr zusagenden Stellen der\nArie, so wie die ganze Darstellung der Comala zu prägnanter Gel-\ntung und ergriffen die Zuhörer sichtlich. Möchte es doch unserer\nverehrlichen Direction gefallen, bei dem nächsten Auftreten des Fräu-\nlein Brenken ihr eine recht umfangreiche Oratorien-Partie zuzuthei-\nlen, um diese vorzügliche Künstlerin einmal in ihrer ganzen Lei-\nstungsfähigkeit hören und beurtheilen zu können. Dazu wird es denn\nfreilich nöthig sein (um schliesslich auf den schwächsten Theil un-\nserer hiesigen musicalischen Kräfte zu kommen), dass der Chor sich\nhinfort männiglich und weiblich nach besten Kräften zusammenthut\nund fein beherzigt, was Herr Tausch in den Proben mit wahrer En-\ngels-Geduld zum Oefteren sagt. So sehr auch die arme verlassene\nComala, umgeben von allen Reizen, die eine Instrumentirung nur\ngeben kann, aufforderte zum Wehklagen oder zum Beschwichtigen\ndes Sturms, so sehr Blitz, Donner und Gott weiss welche Elemente\nalle den Chor aufforderten, aus sich heraus zu gehen, umsonst! es\nblieb, besonders bei den verehrten Damen, stets bei einem schwa-\nchen Versuche. Wenn ich nicht irre, so standen an die siebenzig\nDamen in imposanter Schlachtordnung um ihren kühnen Führer; aber\nuns däucht, es sang nicht der vierte Theil, und der Schall, der da\nausging von den Kühneren, verhallte wie im Nebel. Wir wollen nicht\ndie Vermuthung haben, als fehle es wirklich am Können, es ist nur\nBescheidenheit, also liebe Nachtigallen-Schar, singen Sie nur\nrecht frisch heraus! Wie ganz anders klangen die prachtvollen Män-\nnerchöre, die, diesmal durch die Künstler-Liedertafel verstärkt, wie\nein wirkliches Heer siegestrunkener Krieger daherbraus'ten und einen\nmächtigen Eindruck hinterliessen ! Auch der Schlusschor ward kräftig\nintonirt und wollte, wie es schien, das Versäumte auch Seitens der\nDamen nachholen; aber wir haben hier nun einmal die Sitte, dass\ndie letzte Nummer des Programms, und sei es auch das Classischste\nauf Erden, als Garderobe-Nummer behandelt wird. Es ist dies eine\nsehr gröbliche Verletzung gegen Mitwirkende und Zuhörer und sollte\nüberall ernstlich gerügt werden*).\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHoll», 7. Januar. Herr von Per fall aus München ist hier\nangekommen, um seine Composition „Das Domenröscher für\nSoli, Chor und Orchester, welche im Gesellschafts-Concerte am\nDinstag den 11. d. Mts aufgeführt wird, zu dirigiren Wir ma-\nchen auf diese interessante und ansprechende Composition auf-\nmerksam.\nHerr bervais hat aut seiner Durchreise nach Warschau, Kiew,\nOdessa, Moskau u. s. w. einen Tag hier verweilt und einen engeren\nKreis von Künstlern und Kunstfreunden durch sein wundervolles\nSpiel wiederholt entzückt. Seine Phantasie über Lafont's Tod mit\nBenutzung der Romanze La lärme von Lafont dürfte wohl das\nSchönste von moderner Musik für das Yioloncell sein und wird von\ndem herrlichen Künstler hinreissend vorgetragen.\nDie Opern-Travestieen von Freudenthal und Kipper (Verlag von\nM. Schloss in Köln) sind nicht nur von vielen Männergesang-Ver-\neinen Europa's mit Beifall aufgenommen worden, sondern haben auch\n\n*) Ist bereits im letzten Concert-Bericht aus Düsseldorf in diesen\nBlättern geschehen, scheint aber nichts geholfen zu haben. Die\nmildernde Anmerkung des Herrn Referenten: „Ist an anderen\nOrten leider nicht besser'• mussten wir streichen, da uns\nbei vielfältigen Concert-Besuchen keine Stadt am Rheine vorge-\nkommen ist, wo ein Theil des Publicums während des letzten\nStückes oder vollends während der letzten Nummer\neines Oratoriums, einer Cantate u. s. w. sich eine solche\nStörung erlaubte ! Die Redaction."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590108-01.1.8", "texte": "in America eine ungewöhnliche Verbreitung gefunden. In fast jeder\nStadt jenseit des Oceans, welche einen deutschen Männer-Gesang-\nverein besitzt, wurden die Operetten aufgeführt.\nBrefeld. Unser zweites Abonnements-Concert, unter Leitung\ndes königlichen Musik-Directors Herrn H. Wolff, fand am 30. De-\ncember v. J. Statt. Der Glanzpunkt des Abends waren die Leistun-\ngen des Herrn Concertmeisters Grunwald aus Köln auf der Vio-\nline. Der Vortrag des Concertes Nr. 8 von Rhode erzielte durch\nden breiten Ton, das reine und überall gediegene Spiel stürmischen\nBeifall und war namentlich allen, welche das echt künstlerische Spiel\nder älteren französischen und der deutschen Schule hoch halten, ein\ngrosser Genuss. Der Beifall steigerte sich noch höher durch die mei-\nsterhafte Wiedergabe der so genannten Hexen-Variationen von Pa-\nganini, wodurch Herr Grunwald bewies, wie erstaunlich er auch\ndie moderne Technik in seiner Gewalt hat. Das Orchester führte die\nConcert-Ouverture von J. Rietz recht brav aus. Den zweiten Theil\ndes Concerts füllte eine recht befriedigende Aufführung des 42.\nPsalmes von F. Mendelssohn. Frau Platzhoff, welche den\nVortrag einiger Lieder und die Solo-Sopran-Partie in dem Psalm\nübernommen hatte, wurde leider durch das traurige Ereigniss des\nplötzlichen Todes ihres Mannes unmittelbar vor Anfang des Con-\ncertes nach Düsseldorf abberufen. Die grosse Gefälligkeit einer\nkunstgebildeten Dilettantin, Frau S. aus Köln, machte die Auffüh-\nrung des Psalmes dennoch möglich, wofür das ganze Publicum ihr\nseinen besten Dank verschuldet.\nCleve. Die Soireen für Kammermusik, von Herrn Karl\nFettweiss seit vorigem Winter veranstaltet, haben am 28. Decem-\nber v. J. wieder beg:>nnen. Herr Fettweiss trug auf einem vortreff-\nlichen Concertffügel aus der Fabrik von Gerh. Adam in Wesel\neine neue Mazurka von seiner Composition, einen Walzer von Cho-\npin, Op. 34 Nr. 1, einen interessanten Satz aus einer Sonate für\nPianoforte und Violoncell von Sterndale Bennett, Op. 32, ein\nTrio von Beethoven und Thalberg's Moses-Phantasie mit grossem\nBeifall vor.\nDas grossherzogliche Hoftheater brachte in jüngster\nZeit manches Interessante im Gebiete des Musicalischen. Sobo-\nlewsky's Komala ging zwei Mal und mit rechtem Erfolg über die\nBühne. Beide Mal dirigirte Liszt, und die zweite Aufführung be-\nehrte der Componist mit seiner Gegenwart. Er wurde am Schiasse\ngerufen. Die zweite Novität, „Der Barbier von Bagdad\" von P. Cor-\nnelius, erlebte ihre erste Aufführung am 15. December. Dies Erst-\nlingswerk des wahrhaft begabtsn und vielseitigen jungen Mannes\nenthält viele Schönheiten und geistreiche Einzelheiten. Die etwaigen\nMängel wird der Componist wohl am besten selbst erkannt haben\nund bei seinen späteren Productionen zu vermeiden suchen. Sie re-\nsumiren sich in allzu grosses Ausmalen der einzelnen Situationen\nund Verse und damit verbundene allzu üppige Instrumentation.\nMozart's Sterbetag (5. December) wurde durch die hundertste\nAufführung der Zauber flöte mit Festrede von E. Pasque ge-\nfeiert. Sie enthält u. A. auch folgende Stelle:\nDoch wie? Erkannte nicht schon seine Zeit\nVorahnungsvoll des Meisters Unsterblichkeit?\nJa, kaum war er entflohen himmelwärts,\nErhob ein Denkmal sich, wenn nicht von Erz,\nDoch von bescheid'nem Stein, auf blum'gen Au'n,\nIn grünem Park, noch heute zu erschau'n.\nWer war's, der so des Meisters Werth erkannt ?\nIhr kennt sie All', mit Stolz wird sie genannt\nJetzt und für alle Zeit im deutschen Gau,\nAnna Amalia war's, die hohe Frau.\nDamit im Kreise ihrer edlen Geister\nNicht fehlt der Töne grösster, einz'ger Meister.\nErbaut die Fürstin ihm ein Monument\nIn Tiefurts Park. Da steht's, wie Ihr es kennt,\nUnd bringt, als einfach sinniger Altar,\nDem Meister aller Zeiten Huld'gung dar.\nBeethove n's Geburtstag (17. December) brachte ein Concert\nunter Liszt's Leitung nebst einer einleitenden Festrede von P.\nCornelius. Zur Aufführung kamen: Ouvertüre C-dur; Meeresstille\nund glückliche Fahrt; Romanze für die Violine (Concertineister Sin-\nger) ; Adelaide (Herr Caspari); Clavier-Concert, Es-dur (Seb. v. Sa-\nbinin) und die siebente Symphonie. Das Concert machte einen tiefen\nEindruck, und Liszt wurde am Schlüsse stürmisch gerufen Frau\nPauline Viardot-Garcia gastirte zwei Mal (Norma und Rosine) und\nerregte besonders durch ihre spanischen Lieder Enthusiasmus.\nAls Novität soll in nächster Zeit Meyerbeer's Prophet zur Auffüh-\nrung kommen."}]}