{"numero_id": "bm-bmtnabi-1859-01-15-01", "volume": "bmtnabi_1859-01-15_01", "ocr_sha256": "896f74094e14b8a9f0fcc21197629d9ec895d3ee2447e6f589d93db8492a6a50", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1859/01/15_01/bmtnabi_1859-01-15_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590115-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1859-01-15-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-01-15_01#c001", "volume": "bmtnabi_1859-01-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "17", "page_fin": "17", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590115-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590115-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 456, "texte": "Inhalt.\nNoch ein Wort über Normal-Stimmung. Beurtlieilungen (Bernard Seliolz, Op. 2, -1, 8, 11. Von 1. —F. J. Thiu-\nnes. Von M. Albert Dietrich, Op. 11. Von L. Aus Rotterdam (Musik-Aufführung des Vereins zur Beförderung der Tonkunst.\non X. Aus Wien (Opern-Theater). Tages- und Unterhaltungsblatt (Berlin, 301. Aufführung von Weber's Freischütz\nFrof. Dehn s Nachlass Meiningen, Capellmeister J. J. Bott Kegensburg Frankfurt a. M. Dr. F. Liszt Nürnberg Wien)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-01-15-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-01-15_01#c002", "volume": "bmtnabi_1859-01-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "17", "page_fin": "19", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590115-01.2.2", "titre_corps": "Noch ein Wort über Normal-Stimmung", "titre_sommaire": "Noch ein Wort über Normal-Stimmung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590115-01.1.1", "debut_caractere": 458, "fin_caractere_exclue": 4456, "texte": "Noch ein Wort über Normal-Stimmung\n*).\nOeffentlichen Blättern zufolge beabsichtigt die franzö-\nsische Regierung, eine Normal-Stimmung des musicali-\nschen Kammertones festzusetzen, und zwar soll dieselbe\nvon der dermaligen übertriebenen Höhe auf einen Stand-\npunkt zurückgebracht werden, der den Singstimmen ange-\nmessen sei. So sehr es zu beklagen ist, dass eine Staats-\nRegierung sich veranlasst sieht, in einer freien Kunst der-\nartige Vorschriften zu machen, so muss man im Interesse\nder Kunst und des guten Geschmackes dennoch jenes Er-\neigniss mit Freuden begrüssen und mag sich des Wun-\nsches nicht enthalten, dass Schande für diejenigen, in\nderen Händen es gelegen hätte, der outrirten Stimmung\nkräftig und mit Erfolg entgegen zu treten auch andere\nStaats-Regierungen dem Beispiele Frankreichs folgen. Wie\nweit in einem verhältnissmässig kurzen Zeiträume die\nKammerstimmung in die Höhe getrieben worden ist, er-\nsieht man unter Anderem aus der Wahrnehmung, dass\ndie in früheren Lehrbüchern festgestellte Differenz des so\ngenannten Chortones und Kammertones von einem ganzen\nTone heutzutage auf % Ton, ja, man könnte fast sagen:\nauf 0 reducirt ist, wie man sich durch Vergleichung einer\nheutigen Stimmgabel mit einer chortönigen Orgel leicht\nüberzeugen kann. Dass man zu irgend einer Zeit eine hö-\nhere Stimmung verlassen habe, davon findet sich kein Beispiel\nin der Geschichte der Tonkunst; wie gross aber die Neigung\nzum Gegentheile von je her gewesen sein mag, ergibt sich\naus den Forschungen competenter Musikgelehrter, denen\nzufolge die griechische Musik wahrscheinlich nur eine\ngrosse Terz tiefer gewesen ist, als die unsrige. Auf diesen\nStandpunkt die Stimmung wieder zurück zu wünschen,\nwird allerdings wohl schwerlich Jemandem einfallen; wenn\naber andererseits die Stimmung fortwährend in die Höhe\ngebt, so muss doch selbst der eifrigste Lobredner eines\nsolchen Verfahrens stutzig werden bei der Frage, wohin\ndas endlich führen soile, und die Nothwendigkeit, einen\nHöhepunkt zu bestimmen, stellt sich heraus. Ilaben wir\ndenselben schon erreicht oder nicht? oder sind wir gar\nschon darüber hinaus? Leider ist das Letztere nicht zu be-\nzweifeln; und welche Folgen geben sich kund? Es mag\nsein, dass auf den Bogen-Instrumenten wegen der hohen\nStimmung die Saiten straffer gespannt werden müssen,\nund dadurch die Instrumente einen prallen Ton erlangen,\nder manchem namhaften Virtuosen unserer Tage so wün-\nschenswerth erscheint, dass er überall auf seinen Kreuz-\nund Querzügen die Orchester zu tief findet. Schlimm ge-\nnug, dass solcher Blasirtheit denn auch noch Vorschub ge-\nleistet wird.\nAm ersten, sollte man meinen, müsste eine hohe Stim-\nmung den Basssängern zu Gute kommen; seltsamer Weise\nist dem aber nicht so. Stimmen für den Osmin in Mo-\nzart's Entführung, für manche Bass-Arien Bighini's und\nverschiedener anderer Componisten werden immer nur sel-\nten sich vorfinden; aber ein Sarastro, ein Baphael (in\nHaydn's Schöpfung), ein Mozart'sches Tuba mirum sollten\ndoch wohl in dieser Beziehung heutzutage nicht auf\nSchwierigkeiten stossen; und dennoch singen viele Bas-\nsisten ein ziemlich mattes G,und die noch tieferen Töne\nfast so unvernehmlich, wie das ungesungene des Bür-\ngermeisters in Lortzing's Czaar und Zimmermann. Den\nübrigen Stimmgattungen kann mit dem heutigen Kammer-\ntone natürlich noch weniger gedient sein, und das Uebel\n\n*) Beim Schlüsse dieses Aufsatzes kam dem Verfasser die berli-\nner Musik-Zeitung „Echo\" vom 31. October 1858 zu Gesicht,\nworin Herr Wieprecht denselben Gegenstand bespricht. Nichts\ndesto weniger können aber die nachfolgenden Zeilen dennoch\nvon Interesse für die Leser sein, da beide Aufsätze zwar die\nNothwendigkeit anerkennen, den gegenwärtigen Kammerton zu\nerniedrigen, im Uebrigen aber besondere Wege einschlagen.\nInteressant in Herrn Wieprecht's Aufsatze war mir unter An-\nderem die Nachricht, dass Spontini schon einmal den berliner\nKammerton erniedrigt hat, wiewohl Andere wissen wollen, dass\ner es nur jedoch vergebens versucht habe."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590115-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5499, "texte": "wird noch grösser, wenn die heutigen Componisten, in-\ndem sie für den Gesang schreiben, ganz übersehen, dass\ndie früheren Regeln über den Umfang zum jetzigen Kam-\nmertone nicht immer so recht passen wollen.\nWas soll aber aus den classischen Werken der Ver-\ngangenheit werden? Sollen die Stimmen sich zu einer un-\nnatürlichen Höhe und dadurch zugleich auch die Zuhörer\nquälen, oder sollen jene Werke transponirt werden? Bei\nGcsang-Compositionen a capella ist gegen diese Transpo-\nsition nicht nur nichts einzuwenden, sondern dieselbe sogar\nzu empfehlen, wie denn unter anderen in der Sixtini'schen\nGapelle zu Rom die älteren Werke, z. B. Allegri's be-\nrühmtes Miserere, um einen ganzen Ton tiefer gesungen\nwerden. Anders aber sieht die Sache aus, wenn ein obli-\ngates Orchester dazu kommt. Mögen einzelne Piecen,\nwelche vom Componisten für eine ungewöhnliche Stimm-\nhöhe bestimmt sind, in einem tieferen Tone gesungen wer-\nden; gegen die Transposition ganzer grösserer Gesangs-\nwerke treten aber erhebliche Bedenken ein. Seb. Bach\nverlangt von seinen Sängern, besonders von den Teno-\nristen, eine Höhe, welche schon bei seinen Lebzeiten\nschwer zu erreichen wird gewesen sein, heutzutage aber\nan die Unmöglichkeit gränzt. Man hat daher in Berlin die\nH-moU-Messe um einen halben Ton tiefer transponirt.\nOhne von den Schwierigkeiten zu reden, die für das Or-\nchester daraus entstehen, dem es nicht gleich ist, ob es\nH- oder B-mottzu spielen hat; ferner ohne Gewicht auf\ndie Unmöglichkeit zu legen, einzelne Doppelgriffe aus Il-\nmoll nach B-moll zu transponiren, sei hier nur anfmerk-\nsam gemacht auf die Veränderung der Klangfarbe. Mag\nder Unterschied der Klangfarbe vielleicht nicht so bedeu-\ntend sich zeigen zwischen dem eines höher gestimm-\nten und dem As-dureines um einen halben Ton tieferen\nPianoforte's; anders ist es bei dem Orchester. Das\neiner j4-Clarinette klingt trotz gleicher Tonhöhe anders als\ndas A-dureiner (7-Clarinette; ganz besonders aber zeigt\nder Unterschied sich bei den Streich-Instrumenten. Man\nstimme eine Geige um einen halben Ton tiefer und spiele\naus Des-clur,und dann auf einer anderen aus man\nwird den Unterschied sehr bald gewahren. Nicht nur, dass\nin C-dursämmtliche leere Saiten der Streich-Instrumente,\nin Des-duraber nur die tiefste Saite des Cello's und der\nViole benutzt werden kann, sondern auch der Umstand ist\nnicht unerheblich, dass die leeren Saiten, auch ohne ange-\nstrichen zu werden, auf andere Töne wirken, mit denen\nsie zu einem gemeinschaftlichen grossen Dreiklange gehö-\nren. Der Ton a auf der (/-Saite der Geige hat wegen der\nin Vibration gesetzten a-Saite bei gleicher Tonhöhe eine\nandere Klangfarbe, als das b einer um einen halben Ton\ntiefer gestimmten Geige. Es liesse sich dieser Punkt noch\nweiter ausführen; das Gesagte aber wird hinreichen, um\ndarauf aufmerksam zu machen, dass ein heutiges B-moll\nganz gewiss anders klingen wird, als ein damaliges\nund jedenfalls thäte man besser, die Compositionen jenes\nZeitalters um einen ganzen Ton tiefer zu nehmen, was\ndem damaligen Kammertöne auch wohl angemessener sein\ndürfte, ganz gewiss aber nicht solch einen grossen Unter-\nschied der Klangfarbe erzeugen würde.\nWeitere Nachrichten sagen, dass die pariser Com-\nmission sich vertagt habe, um zuvörderst von namhaften\nBühnen und Orchestern Deutschlands Gutachten einzu-\nholen. Man braucht nicht gerade überall schwarz zu sehen\nund darf dennoch zu jenem Verfahren den Kopf schütteln.\nHätte man in Deutschland dem Uebel ernstlich steuern\nwollen, man hätte es längst gekonnt; es ist aber sehr zu\nfürchten, dass man aus Bequemlichkeit dort sich wenig\nfür den Gegenstand interessiren werde; und die Folge\ndürfte leicht sein, dass das Uebel bleibt, wie es ist. Meines\nBedünkens bleibt hier nur das eine Mittel übrig, nämlich\nernstlich durchzugreifen und eine Normal-Stimmung so\nfestzustellen, dass alle Verfertiger musicalischer Instrumente\ndanach arbeiten müssten, und Instrumente anderer Stim-\nmung nicht geduldet werden. Welche Höhe soll diese\nStimmung haben? Nun, doch wohl diejenige, für welche\ndie grössten Genie's ihre Gesangswerke mit Orchester ge-\nschrieben haben, und welche für Gesang zu schreiben ver-\nstanden; also vor Allen Haydn und Mozart. Noch weiter\nzurück bis auf Bach und Händel zu gehen, wird nicht\nnöthig sein, da die etwaige Differenz der Kammerstimmung\nin den beiden Hälften des achtzehnten Jahrhunderts wahr-\nscheinlich nicht so erheblich sein wird, dass die Wirkung\nder Compositionen dadurch wesentlich sollte alterirt wer-\nden. Mancher Leser wird hierbei vielleicht ausrufen: Zopf,\nZopf! Immerhin; ich meine aber dennoch, dass nicht so-\nwohl Pietät, als das richtige ästhetische Gefühl fordere,\ndie Werke des Genie's so zu nehmen, wie sie gegeben sind.\nAber auch die Ausführung mancher Orchesterwerke\nwird durch einen tieferen Kammerton vielleicht erleichtert\nwerden. Beethoven hat bekanntlich nicht immer gehörige\nRücksicht auf die Natur der Instrumente genommen und\nmuthet namentlich den Bläsern in der Höhe mitunter\nDinge zu, bei denen die tüchtigsten Spieler in Verlegenheit\nkommen. Bekanntlich hat z. B. im Scherzo der Eroica der\nerste Hornist eine so schwere Aufgabe, dass es gar nicht\nselten ist, dieselbe missglücken zu hören. Sehr möglich,\ndass vor mehr als fünfzig Jahren die Stimmung so bedeu-\ntend tiefer stand, dass jene Schwierigkeit gemindert war,\nda bekanntlich auf tieferen Blas-Instrumenten die Höhe\nleichter anspricht. Wohl mag es auch sein, was irgendwo\nausgesprochen wurde, dass Beethoven bei der Composition"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "19", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590115-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2965, "texte": "seiner Neunten und der Missa schon längst des\nGehörs beraubt, nur für eine tiefere Stimmung schrieb,\nwelche noch in seiner Erinnerung lebte, und daher um so\nweniger die Einwendungen begreifen mochte, welche die\nSängerinnen Sontag und Unger gegen die für sie be-\nstimmten Partieen machten.\nEndlich ist die Herabstimmung des Kammertones auch\nfür den Gesang-Unterricht wichtig. Die besten Solfeggien\nsind auf den früheren Kammerton berechnet. Ist der heu-\ntige nun um mehr denn einen halben Ton höher gewor-\nden, so wird jeder, der mit der Singschule einiger Maassen\nvertraut ist, sofort begreifen, dass Singübungen, willkürlich\num eben so viel höher genommen, dem Zwecke der Stimm-\nbildung nicht förderlich, ja, wohl eher hinderlich sein\nkönnen. Mit der Transposition ist es hier aber nicht ge-\nthan. Der Singschüler soll mit den Tönen, die er singt,\nauch das richtige Bild der entsprechenden Noten sich zu\neigen machen. Wie soll das aber gelingen, wenn um jener\nBücksicht willen der Lehrer nicht ausnahmsweise, sondern\nregelmässig aus II oder Bdie in stehende Singstimme\nbegleitet? Geübte und im Treffen sichere Sänger fühlen\nsich nicht selten mehr oder weniger genirt, wenn sie\nauch bei dem Singen a capella—aus einem anderen Tone\nsingen sollen, als den die Noten besagen. Um so vorsichti-\nger will daher auch in dieser Hinsicht der Lehrling be-\nhandelt sein. Und wie wird es mit der harmonischen\nGrundlage aussehen, mit welcher er,, vielleicht ohne es\nselbst zu ahnen, sich die einzelnen Töne im Gedächtnisse\nund in der Phantasie aufbewahrt? Angenommen, es soll\ndie gesungen werden, etwa vom gestriche-\nnen cbis zweigestrichenen g.Der Lehrer sieht sich zur\nTransposition nach B-durgenöthigt. Nicht nur, dass der\nLehrling eigentlich ganz andere Töne singt, als das Noten-\nblatt besagt, er wird sie sich auch mit einer harmonischen\nGrundlage denken, die später nicht mehr passt. Sei die\nBegleitung möglichst einfach, so wird beispielsweise der\nTon zweigestrichenes d den Dominanten-Accord haben.\nIn Folge der Transposition wird nun dem Lehrling das\nzweigestrichene c als Grundquinte eines Accords sich ein-\nprägen. Es werden doch aber auch Fälle eintreten, wo aus\nirgend welchem Grunde das heutige C-dur gesungen wird,\nund der Schüler nun, an das Bild der Grundquinte ge-\nwohnt, Schwierigkeit findet, die Tonica zu treffen oder\nrein zu intoniren. Mag Manchem diese Besorgniss auch zu\nminutiös erscheinen, so spricht doch die Erfahrung dafür,\nund so mancher erfahrene Gesanglehrer wird Belege dazu\nliefern können. Allerdings ist ein solches Uebel nicht un-\nheilbar; keineswegs aber darf es auf die leichte Achsel\ngenommen werden. Eine schlimme Gewohnheit legt sich\nimmer schwer ab; in einem solchen Falle ist es aber mehr\nals eine blosse Gewohnheit. So lange aber der alte Spruch\nsich bewährt, dass die Kunst lang, das Leben kurz sei,\nwird immer die Frage berechtigt sein: Wozu unnöthiger\nWeise mit Schwierigkeiten eine Kunst überhäufen, die\nohnehin schwer genug ist?"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-01-15-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-01-15_01#c003", "volume": "bmtnabi_1859-01-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "19", "page_fin": "21", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590115-01.2.3", "titre_corps": "Beurtheilungen.", "titre_sommaire": "Beurtheilungen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "19", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590115-01.1.3", "debut_caractere": 2967, "fin_caractere_exclue": 5034, "texte": "Beurtheilungen.\nBernard Scholz, Op. 2, Vier Lieder. Main«,\nbei Schott. Op. 4, Vier Lieder. Bernard\nScholz, Op. I,Acht Lieder. Leipzig, bei Peters.\nBernard Scholz und J. Heuchemer, Op.\n8 und 6, „Neue Hausmusik\", 24 Lieder/ Leip-\nzig, Breitkopf &: Härtel. Bernard Scholz,\nOp. 11, Sechs zweistimmige Lieder. Winterthur,\nbei Bieter-Biedermann.\nIn den Liedern von B. Scholz tritt uns eine Erschei-\nnung entgegen, die in unserer Zeit besonders wohlthuend\nist. Einfach in der Form, nobel in der Erfindung, an-\nspruchslos im besten Sinne des Wortes, fliessend und ge-\nfällig, werden diese Lieder gewiss viele Freunde sich er-\nwerben. Ein höchst glückliches Naturel leuchtet aus den-\nselben hervor, welches am liebsten in einer gewissen zu-\nfriedenen, sinnigen Freudigkeit sich ergeht, doch aber für\ndie fielen des Schmerzes nicht unempfänglich ist.\nIn Op. 2 ist das erste (Vesper) besonders schön und\nwahr empfunden, wenn auch nicht ganz frei von Schubert'-\nschen Anklängen. Das zweite aus Hafis ist das beste in\ndiesem Hefte, während das dritte (Veilchen) weniger be-\ndeutend ist, und auch das vierte (Jägers Abendlied), wel-\nches ausserdem in den vier ersten Tacten der Singstimme\nauffallend an den Anfang der »Erstarrung\" in Schubert's\nWinterreise erinnert, die Wärme der Empfindung in dem\nGöthe'schcn Gedichte wohl nicht erreicht.\nOpus 4 hat uns im Ganzen weniger gefallen, doch\nwerden auch das dritte (Winternacht) und das vierte (am\nAbend) ihre Wirkung nicht verfehlen.\nIn den später erschienenen Liedern Op. 7 und 8 ist\nein unläugbarer Fortschritt gegen die früheren zu erken-\nnen. Die Mittel werden einfacher, und das dadurch Er-\nreichte ist noch zutreffender und wirkungsvoller. Die Form,\ndie früher (namentlich in Op. 4) hin und wieder etwas\nungelenk war, ist hier völlig abgerundet und ebenmässig,\ndie Erfindung eine entschieden tiefere geworden.\nAllen Gesanglehrern sind diese Lieder ausserdem we-\ngen ihrer leichten Ausführbarkeit und schönen Behandlung\nder Singstimme zu empfehlen. Die Begleitung ist durch-\nweg eine leichte, die Lieder sind eben wirkliche Lie-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590115-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5143, "texte": "der mit Pianoforte-Begleitung, die jeder Sänger mit Ver-\ngnügen singen und sich selber begleiten kann.\nVon der „neuen Hausmusik\" ist in dem Nekrologe\ndes vortrefflichen, leider zu früh verstorbenen Heuchemer\nin diesen Blättern schon Rede gewesen. Die Lieder von\nScholz, wenn vielleicht weniger fein als die Heuchemer'-\nschen, sind dafür desto sangbarer. Uns hat namentlich\nNr. 3, 9, 13, 21 (vorzüglich) und 23 gefallen.\nDie später erschienenen Duette sind der Form nach\ngrösser angelegt, haben indessen dieselben Vorzüge. Be-\nsonders Nr. 2, 4 und 5 sind treffliche Gesänge. Bei dem\nnicht allzu grossen Reichthume an guten zweistimmigen\nLiedern werden die von Scholz gewiss überall willkommene\nAufnahme finden. 1.\nF. J. Thinnes, Kyriale sive Ordinarium Mis-sae.\nRegensburg, bei Pustet.\nWir halten es für Pllicht, aul dieses Werk aufmerk-\nsam zu machen. Es enthält die Messen auf die verschiede-\nnen Zeiten des Kirchenjahres, nebst dem Requiem, den\nVespern, Hymnen, Litaneien der römischen Kirche. Wie\nes scheint, verfolgt es den speciellen Zweck, der luxembur-\nger Diözese zu dienen. Die grosse Bedeutung des\nGregorianus ist allgemein anerkannt, und ich meine, das\nsei nur im Interesse des Kirchengesanges, der nur zu viel\nan manchen Orten zu wünschen lässt. Gewiss, Kraft und\nWürde wohnen dem Gregorianischen Chorale vor allem\nanderen Gesänge inne. Einfach und erhaben steht er un-\nerreichbar da. Auf das vorliegende Werkchen zu kommen,\nso ist der Zweck bei seiner Herausgabe, ein Scherllein\ndazu beizutragen, dass der ehrwürdige Gregorianische\nChoral wieder auf eine seiner hohen Bedeutung entspre-\nchende Weise vorgetragen werde. Es ist zunächst für den\nSänger bestimmt. Aber auch der Lehrer und Leiter des\nGesanges wird das Büchlein nicht unbefriedigt aus der\nHand legen und es ihm namentlich bei Einübung der Cho-\nräle gute Dienste leisten. Die Melodieen der Messgesänge\nsind die des luxemburger Kyriale; jedoch sind die augen-\nscheinlich falsch gesetzten Accidenzien nach vorhe-\nriger Vergleichung mit Auszügen älterer römischer, brüs-\nsclcr, antwerpener u. s. w. Ausgaben berichtigt und ver-\nbessert. Die „ Responsoria ad Misscim\", wie auch die Me-\nlodieen der „ Toni Psalmorum sind\nAuszüge aus dem römischen und\n. Antiphonarium\", nämlich dem ausgezeichneten Werke\ndes IL Mettenleiter entnommen. Für andere Gesänge, z. B.\ndas Te Deum u. s. w., wurde die lütticher Ausgabe -be-\nnutzt. Ueberhaupt wurden nur die besten Quellenwerke\nzu Rathe gezogen. Die Bezeichnungs-Art ist eine neue;\nVersetzungszeichen sind beigefügt. Dieser Umstand ist es,\nden ich einiger Maassen zu beanstanden mir erlaube; ich\nvertheidige den ganzen Ton, doch es ist hier nicht der Ort,\ndarüber weit und breit mich zu ergehen. Es wird anders-\nwo geschehen, wenn die Redaction mir Raum gibt.\nFerner wurde im vorliegenden Werkchen versucht,\neine annäherungsweise Bezeichnung der Länge und Kürze\nder Noten zu geben. Auch hierüber liesse sich Manches\nsagen.\nDie Querstriche, welche das Linien-System nicht ganz\ndurchschneiden, trennen bloss die Wörter, und ist bei\nihnen nicht inne zu halten. Ein Querstrich durch das ganze\nSystem steht da, wo ein Unterscheidungszeichen im Texte\nist, manchmal aber auch da, wo die Melodie einen Ruhe-\npunkt verlangt, und muss man dort so lange pausiren, als\nnothwendig ist, einen vollen Athemzug zu schöpfen. Ein\nDoppelstrich steht am Ende eines Satzes und ist auch das\nZeichen zum Wechseln der Sänger.\nBezüglich des Rhythmus sagt der Verfasser: „Die\nNatur des Cant. Greg, gestattet durchaus keine Tactord-\nnung; denn bei allen diesen Gesängen ist die Melodie ganz\nmit den Worten verschmolzen, und wie wenig man die\nWorte nach einem bestimmten Zeitmaasse ausspricht, eben\nso wenig darf der Choral nach scharf abgemessenem Tacte\ngesungen werden. Es ist auch zu beobachten, dass desto\nhöher, feierlicher und langsamer gesungen werden müsse,\nje höher das Fest ist. Auch ist bei grossen Chören und in\ngrossen Kirchen langsamer zu singen, als bei kleinen Chö-\nren und in kleinen Kirchen.\nDieser kurzen Anzeige obigen Werkes eines Lands-\nmannes von ihnen füge ich den gewiss ganz gerechtfertig-\nten Wunsch bei, es möchten doch alle, die auf dem Ge-\nbiete des Cant. Greg, ein Wort mitzusprechen sich berufen\nfühlen, dahin trachten, dass baldigst eine Einheit erzielt\nwerde; denn sonst bekommen wir noch so viele Lehrbücher\ndes Chorals, als es musicalische Schriftsteller gibt.\nM.\nAlbert Dietrich, Sechs Lieder von Mich. Bernays\nfür eine Singstimme mit Pianoforte. Fräul. Clara\nSohn gewidmet. Op. 11. Winterthur, bei J. Rie-\nter-Biedermann.\nDiese Melodieen, auf hübsch musicalische Texte com-\nponirt, geben einen neuen Beweis von der künstlerischen\nBegabung des Componisten. Es weht in ihnen ein milder\nHauch aus fühlender Brust, eine Innigkeit der Empfin-\ndung, deren Fluss weniger, als es bei den meisten neueren\nLieder-Componisten der Fall ist, durch declamatorische\nRücksichten oder vielmehr Absichten unterbrochen wird.\nDennoch wünschten wir hier und da noch ein grösseres\nmelodisches Ausströmen der Haupt-Empfindung des Ge-\ndichtes, woran, wie es uns scheint, den Componisten nur\ndas Princip der Nichtwiederholung der Textesworte hindert."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590115-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4087, "texte": "So ist z. B. gleich Nr. 1: „Dich hab' ich einst gesehen\",\nein besonders in seiner zweiten Hälfte wunderliebliches\nLied —; es wallt aber so kurz und schnell vorüber, wie\nein lichtes Wölkchen vor dem Hauch des Windes, worüber\nman durch das schöne Nachspiel doch nicht ganz getröstet\nwird. In dem Liede und in der Arie ist, so lange Musik\nMusik bleiben soll, das melodische Aussprechen der Em-\npfindung und Stimmung die Hauptsache, und desswegen\nmöge nur der Tonsetzer jenes Princip getrost vergessen,\nso oft ihn der musicalische Drang treibt, sich in Tönen\nnoch weiter auszusprechen, als es die Worte thun. Aus-\nzeichnen müssen wir noch Nr. 5 in Es-dur: „Sommer\",\nein Lied, das den besten Liedern ähnlicher Stimmung von\nSchubert und Mendelssohn ebenbürtig ist.\nVon dem „classischen Sopran-Album\", heraus-\ngegeben von Adolf Gumprecht in Leipzig (vergl. die\nAnzeige der ersten drei Hefte in Nr. 50 vom 11. Decem-\nber v. J.), sind die drei letzten Hefte erschienen. Die Ein-\nrichtung des Ganzen, die prachtvolle Ausstattung u. s. w.\nsind bereits besprochen. Die Biographieen der sechs Mei-\nster Bach, Händel, Gluck, Haydn, Mozart, Beethoven lie-\ngen nun vollständig vor; sie sind gut geschrieben, kurz,\njedoch ohne dass Wesentliches übergangen wäre. Das Ge-\nsammtbild, ein feiner Stahlstich in Folio, ist recht hübsch;\ndie Musik, mit der Harfe in der Mitte desselben, ist von\nden sechs Portraits der grossen Tonkünstler umgeben.\nDas 4. 6. Helt enthalten von Mozart: Aus Titus\n„Deh, per quesio,,und „Paraus der Zauberflöte\n„Ach, ich fühl's\"; dann „Das Veilchen\" und „Abend-\nEmpfindung\".—Vonßeethoven: „Adelaide\", „Mignon\",\n„Herz, mein Herz\" und „Abscheulicher\" aus Fidelio. Von\nden letzteren Gesängen sind freilich die Adelaide und\n„Herz, mein Herz\" eigentlich für den Tenor bestimmt,\nwerden indess auch Sopranistinnen willkommen sein, weil\nes zwei der schönsten Stücke sind, die für Gesang ge-\nschrieben worden.\nDass die neuen Texte, besonders in den Mozart'schen\nArien, und die trefflichen „Bemerkungen über den\nVortrag\" der Sammlung einen vorzüglichen Werth ge-\nben, ist schon früher erwähnt. Der Verfasser spricht sich\nüber Seine Absicht bei der Bekanntmachung derselben\nauf folgende sehr zu billigende Weise aus:\n„Die Vortrags-Bemerkungen sollten dazu dienen, vor\nzwei Abwegen zu warnen, vor einem geistlosen, monoto-\nnen Vortrage, der nur die vom Componisten selbst ange-\ngebenen dynamischen Zeichen, und vielleicht kaum diese,\nbeobachtet, und vor einer willkürliehen Nuancirung,\ndie durch den äusseren Effect, anstatt durch die Idee des\nGanzen, d. h. durch den Sinn der Worte, der Situation\nund durch die in der Musik kundgegebene Auffassung des\nlondichters sicli bestimmen lässt. Wenn auch keineswegs\nbehauptet werden kann, dass eine Composition stets nur\nauf Eine und dieselbe Weise vorgetragen werden dürfe,\nso ist doch darum nicht jede mögliche Art des Vortrags\nals berechtigt zu betrachten. In gewissen Gränzen hat der\nausführende Künstler freien Spielraum; über diese hinaus\nbeginnt der Irrlhum. Man wird hiernach nicht glauben,\ndass der Verfasser der Vortrags-Bemerkungen die aus-\nschliessliche Richtigkeit jeder einzelnen seiner Auffassun-\ngen behaupte, dass er an jedem Crescendo, Diminuendo\nu. s. w., das er aufgestellt, mit pedantischer Aengstlichkeit\nfesthalte; über manche Einzelheiten der Ausführung kann\nes eben verschiedene gleichberechtigte Meinungen geben.\nDazu kommt noch, dass der Sänger, der die Herzen er-\nwärmen will, im Augenblicke der Ausführung sich mehr\ndem Gefühle als der Berechnung überlassen muss, und\ndass da mancher Vorsatz unausgeführt bleiben kann, ohne\ndass der Eindruck des Ganzen geschwächt wird. Für das\nStudium ist es trotzdem nothwendig, gewissenhaft und\nüberlegt in der Nuancirung des Einzelnen zu verfahren,\nund zwar indem man von der Idee des Ganzen ausgeht.\nIn diese Methode, den richtigen Vortrag zu linden, wollte\nder Verfasser durch seine Bemerkungen hineinführen.\"\nSo hat man denn hier .'50 ' 2 Bogen Noten (31 Ge-\nsänge), 11 Bogen Druck (Biographieen und Vortrags-Be-\nmerkungen) und sechs feine Portraits für den Preis von\n3 Thalern! L."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-01-15-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-01-15_01#c004", "volume": "bmtnabi_1859-01-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "21", "page_fin": "22", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590115-01.2.4", "titre_corps": "Aus Rotterdam.", "titre_sommaire": "Aus Rotterdam.", "signature_source": "X", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590115-01.1.5", "debut_caractere": 4089, "fin_caractere_exclue": 5107, "texte": "Aus Rotterdam.\n\nDen 12. Januar 1859.\nDas Bedeutendste, was hier in diesem Winter auf\nmusicalischem Gebiete vorkam, war unstreitig die letzte Auf-\nführung durch die hiesige Abtheilung des Vereins zur B e-\nförderung der Tonkunst, die am 7. Januar Statt fand,\nderen interessantes Programm nur aus Werken von nie-\nderländischen Componisten wie folgt zusammengestellt\nwar: Elia op llorebvon F. Coenen, der 84. Psalm von\nVerhulst, C-c&r-Symphonie von W. F. G. Nicolai und\nJ. A. van Eyken's Musik zum Vondel'schen Trauerspiel\nLuciler. Die Composition des ersten und des letztgenann-\nten Werkes für Chor, Soli und Orchester war seinerzeit\nvom Vereine als Preisfrage ausgeschrieben, und die Herren\nCoenen und van Eyken haben für ihre Arbeiten sehr\n( %)\nehrenvolle Beurteilungen von berühmten auswärtigen und\neinheimischen Preisrichtern erhalten. Die hiesige Auffüh-\nrung hat die Richtigkeit derselben und das Verdienst der\nComponisten klar erwiesen. Die Aulfassung des Textes\n(von N. Beets), die Instrumentirung, Behandlung der"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590115-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2074, "texte": "Singstimmen und die Ausarbeitung von Coenen's Elia ist\nim Allgemeinen gelungen zu nennen. Bei van Eyken ist\nAlles ausgezeichnet. Der charaktervolle und tiefe Inhalt\ndes Trauerspiels ist sowohl in der Ouvertüre als in der\nZwischenmusik und in den bedeutenden Chören mit gros-\nser Treue und Wahrheit und mit kräftigem Colorit wie-\ndergegeben ; die Instrumentation ist im Ganzen wie im\nDetail meisterhaft und glänzend, ohne Effecthascherei, und\ndie Formbehandlung und Ausarbeitung so gediegen und\nausgezeichnet, wie man es von einem Künstler wie van\nEyken nur erwarten konnte. Der Dichter Schimmel hat\nzur Concert-Aufführung dieses Werkes einen höchst ge-\nlungenen Yerbindungs-Text geschrieben, der von einem\nhiesigen Dilettanten vortrefflich gesprochen wurde. Dem\nVernehmen nach ist jetzt auch ein deutscher Text dazu\nangefertigt, womit die gestochenen Chorstimmen schon\nversehen sind, so dass wir auch die deutschen Concert-\nDirectionen darauf aufmerksam machen, ihr Repertoire\nmit diesem gediegenen und effectvollen Werke zu berei-\nchern. Die Aufführung, unter der sicheren Leitung des\nComponisten, war von Seiten des Chors und Orchesters\nvortrefflich, und der Componist wurde mehrmals mit stür-\nmischem Applaus beehrt. Die Composition von Ver hu Ist's\nPsalm für Sopran-Solo, Chor und Orchester ist von ganz\nbescheidener Art, jedoch nicht weniger interessant. Das\nliebliche Motiv der Solostimme ist sowohl im Chor als im\nOrchester recht schön harmonisirt und durchgeführt.\nNicol ai's Werk ist gut bearbeitet und instrumentirl, ent-\nhält auch viele schöne Gedanken und Details, gibt aber oft\ndes Guten zu viel, des Originellen zu wenig, und hat da-\ndurch einige Längen. Sämmtliche Componisten dirigirten\nihre Werke selbst mit Sicherheit und wurden oft mit leb-\nhaftem Applaus beehrt. Dem Herrn Verhulst gebührt\nnoch besondere Anerkennung für die vortreffliche und von\nso erwünschtem Resultate gekrönte Einübung der Chöre,\ndie er mit wahrer Kunstbrüderschaft übernommen hatte.\nDie Mitglieder des Gesang-Vereins lös'ten gleicher Weise\nihre Aufgabe mit Liebe und Sicherheit.\n\nX."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-01-15-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-01-15_01#c005", "volume": "bmtnabi_1859-01-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "22", "page_fin": "23", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590115-01.2.5", "titre_corps": "Aus Wien.", "titre_sommaire": "Aus Wien.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590115-01.1.6", "debut_caractere": 2076, "fin_caractere_exclue": 5226, "texte": "Aus Wien.\nDecember 1858. Im Operntheater wurden die\nWiederholungen der „Cärnevals-Abenteuer\" bis zu einem\nYiertelhundert fortgesetzt, eine Zahl, welche freilich den\nbei einem Ballet nicht minder Staunen erregenden Einnah-\nmen entsprach. Dieses Resultat macht dem Geschmacke\nunseres Publicums wenig Ehre, was uns jedoch nicht ver-\nhindern darf, die Geschicklichkeit des Herrn Borri in der\nZusammenstellung und den Fleiss aller Mitwirkenden, na-\nmentlich des Fräul. Cucchi, der Herren Frappart und\nPrice, in der Aufführung dieses choreographischen Bou-\nlevard-Productes gebührend anzuerkennen.\nIm Opern-Repertoire glänzten drei Werke von\nunbestrittenem Werthe: „Figaro\", „Iphigenia\", „Don\nJuan\", und ein viertes: „Euryanthe\", welches bei allen\nSchwächen des Textes und allen musicalischen Härten doch\nstets anregend, fesselnd und namentlich als Gegensatz zu\ndem Repertoire der letzten Monate wohlthuend wirkt.\n„Euryanthe\" wurde in der bekannten Besetzung durch\nFräul. Tietjens, Frau Csillag, Herrn Ander und Herrn\nBeck gut ausgeführt. In Bezug auf die Scenirung erspa-\nren wir uns manche Bemerkung für eine andere Gelegen-\nheit. Dass dieser Punkt in „Figaro's Hochzeit\" und im\n„Don Juan\" die auffallend schwache Seite bildet, darüber\nsind wir längst im Reinen. Um dieses gründlich aus einan-\nder zu setzen, dürfte ein eigener Aufsatz nöthig sein. Im\n„Don Juan\" hatte man diesmal die Recitative beigefügt,\neine Anordnung, die sich als zweckentsprechend erwies.\nAuch wurden die sonst ausgelassenen Arien Masetto's,\nOttavio's und Elvira's diesmal gesungen. Die Leistungen\nunserer beiden „Annen\", Frau Dustmann und Fräul.\nTietjens, bieten mannigfache Vorzüge; Herrn Ander's\nOttavio ist eine namentlich dramatisch edle Schöpfung, und\nHerr May er hofer ist ein so guter Masetto, dass wir wie-\nderholt beantragen müssen, ihm den Leporello anzuver-\ntrauen. Bei den übrigen Mitwirkenden überragen die\nSchwächen weithin alle Vorzüge. Unser trefflicher Teil ist\nin unseren Augen eben so wenig ein Don Juan, als unser\ntrefflicher Marcel ein Leporello, und der letztbezeichnete\nSänger ist auch wieder eben so wenig ein Figaro, als\nFräul. Liebhart vom Charakter des Cherubim auch nur\ndie leiseste Ahnung hat. Im „Figaro\" waren es auch nur\nFräul. Tietjens und Frau Dustmann, welche sowohl\neinzeln in Gesang und Spiel, als durch musterhaftes Zu-\nsammenwirken im Brief-Duett eine wahrhaft künstlerische\nWirkung hervorbrachten. Vor einem wenig zahlreichen,\naber intelligenten, andächtigen und dankbaren Publicum\nging die „Taurische Ipbigenia\" zweimal in Scene. Fräul.\nTietjens brachte namentlich die Erzählung des Traumes\nund die darauf folgende Arie, so wie Herr Ander seine\nArie im zweiten Acte ausnehmend schön zur Geltung. Des\nLetzteren Pylades ist überhaupt eine ganz vorzügliche Lei-\nstung. Herr Erlist ein fleissiger Orest, dem freilich die\nEumeniden wenig anhaben können, Herr Hrabanek ein\nsehr ängstlicher König, der aber stimmlich besser aus-\nreichte, als sein Vorgänger. Das Orchester leistete hier wie\nin „Euryanthe\" und „Don Juan\" Ausgezeichnetes. Letz-\ntere Oper wird jetzt von Herrn Eckert selbst dirigirt.\nDen Herren und Damen Yom Chor wäre mehr Sorgfalt"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590115-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 292, "texte": "und Ernst in der Erfüllung ihrer Schuldigkeit dringend\nzu empfehlen.\nNebst den genannten Werken und der wieder aufge-\nnommenen „Sommernacht\" von Thomas kamen noch die\n„Jüdin\", die „Stumme\", „Lohengrin\", „Martha\", „Der\nNordstern\", „Die Ballnacht\", „Die Hugenotten\" und\n„Robert\" zur Aulführung."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-01-15-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-01-15_01#c006", "volume": "bmtnabi_1859-01-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "23", "page_fin": "24", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590115-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590115-01.1.7", "debut_caractere": 294, "fin_caractere_exclue": 7003, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nBerMiii Die 3 Aufführung des Weber'sehen Freischütz\nam 22. December v. J. im königlichen Opernhause gab Gelegenheit\nzu einer erhebenden Feier. Die Einnahme war für das projectirte\nWeber-Denkmal bestimmt, das Haus überfüllt. Während eines von\ndem Regisseur Düringer gedichteten, von Herrn Kariowa ge-\nsprochenen Prologs zogen in allegorischer Gruppirung die Haupt-\nscenen aus Weber's Werken: „Lützow's Jagd'', „Preciosa\", „Frei-\nschütz\", „Euryanthe\" und ~Oberon\", von entsprechenden Klängen\nbegleitet, über die Bühne. Das Schluss-Tableau wurde mit nicht\nenden wollendem Jubel begrüsst.\nProfessor Dehn hat eine Lehre vom Contrapunkt hinterlassen,\nwelche bis auf einige Beispiele vollständig in Manuscript vorgefunden\nward. Scholz in Nürnberg, einer der Lieblingsschüler des Verstor-\nbenen, redigirt das Werk für den Druck. Wie wir hören, wird das-\nselbe in Stuttgart und Augsburg erscheinen im Verlag der Cotta'-\nschen Buchhandlung. Auch die in Dehn's literarischem Nachlasse\nbefindliche Biographie des Orlando Lasso hat einen Herausgeber ge-\nfunden. Dehn machte noch im Sommer vorigen Jahres eine Reise\nnach München, um dort die letzte Hand an diese Lebensbeschrei-\nbung zu legen und die Werke der münchener Bibliothek über Or-\nlando zu vergleichen. Schlesinger in Berlin druckt die Harmo-\nnielehre Dehn's. Ein Katalog seiner Büchersammlung wird Behufs\nder Versteigerung in Druck erscheinen, falls sich nicht vorher ein\nKäufer für die ganze Bibliothek findet. Dehn's Verlassenschaft ent-\nhält ausserdem noch drei kostbare Stücke, ein Exemplar von Rem-\nbrandt's Hundertguldenblatte (ein Engländer kaufte die von Rem-\nbrandt selbst gezeichnete und radirte Platte um 100 Gulden und\nzerschnitt sie in drei Theile, weil sie sonst nicht in seine Cassette\npasste, machte dadurch aber jeden künftigen Abdruck unmöglich),\nein Manuscript von Händel, abgeschrieben von der Hand Sebastian\nBach's und seines Sohnes Friedemaun, endlich eine Kurfürsten-Brat-\nsche. Das Händel-Manuscript wird wohl nach England gehen, wie\nes heisst für den Preis von fünfzig Guineen, den der Besitzer des\nOriginals, General Lwoff in Petersburg, der Witwe selbst angegeben\nhat. Lwoff schenkte Dehn diese Copie erst voriges Jahr, eine zweite\nCopie besitzt der Kunstverein in Dresden. Ueber die Kurfürsten-\nBratsche heisst es in einem Briefe Dehn's an einen Freund: „Auf\nmeiner ersten Reise nach Schlesien, wo ich im November und De-\ncember v. J. nochmals Alles durchstöbert habe, bin ich in so fern\nglücklich gewesen, weil ich eine Viola aufgefunden und gekauft\nhabe, die alles übertrifft, was mir bisher von guten Instrumenten\nvorgekommen ist. Diese Viola ist eine von den so genannten Kur-\nfürsten-Bratschen aus dem Atelier Steiner's. Schön durchweg zum\nMalen und im Tone wunderbar; dabei ist das Instrument bis aufs\näusserste wohl erhalten und die Schnecke mit sehr künstlicher\nSchnitzarbeit verziert.\"\n*** Meiningsen. Unser ausgezeichneter Capellmeister Herr\nJohann Joseph Bott hat von Sr. Hoheit dem Herzog Ernst zu\nSachsen-Coburg-Gotha in Anerkennung seiner Leistungen in der\nMusik die am grünen Bande zu tragende Medaille für Kunst und\nWissenschaft erhalten.\n2. Januar. Eben höre ich, dass die Fort-\nsetzung der Orgelbegleitung zum Enchiridion Choräle von Joh. Georg\nMettenleiter gesichert ist und bald in Angriff genommen wird. Sie\nbewiegt sich bekanntlich in den alten Tonarten und ist auf dem Sy-\nstem der reinen Dreiklänge erbaut. Es erübrigt davon noch das\nProprium und Commune Sanclorum, und kann es, wenn es in der\nbisherigen Ausdehnung fortgeht, immerhin noch IGO Bogen füllen.\nEben so wird mir gesagt, dass nun auch der dritte Band der Mu-\nsica divina (der Vesperband mit Psalmen und Magnificat) von Dr.\nProske bald erscheinen wird. Die Partitur ist fertig; es fehlen nur\nnoch einzelne Stimmen. Die beiden Werke über Beethoven, von\nUlibischeff, meisterhaft übersetzt von Prof. Bischoff, und von\nProf. Marx, machen auch hier grosses Aufsehen; wie wohl über-\nall, so sind auch hier die Stimmen getheilt; doch hat das erstere\neinen grossen Leserkreis gefunden, da es sehr interessant geschrie-\nben ist.\nUnterm 9. Januar hören wir: Der hochwürdigste Bischof Dr.\nIgnaz Senestrey hat den Canonicus und Senior an dem Collegiat-\nstifte zur Alten Capelle, Herrn Dr. Karl Proske, zum geistlichen\nRathe ernannt, vorzüglich auch wegen seiner grossen Verdienste um\ndie Kirchenmusik, deren begeisterter Reformator er mit Recht ge-\nnannt werden kann. Es ist ja bekannt, wie viel der gelehrte Kunst-\nHistoriker in der jüngeren Zeit durch die Herausgabe der Musica\ndivina geleistet. Gewiss! es kann keine Sammlung der mittelalter-\nlichen Kirchenmusik-Schöpfungen mit dieser Edition verglichen wer-\nden, nicht etwa bloss in Betreff der schönen Ausstattung, der bei-\nspiellosen Wohlfeilheit (das sind Nebensachen), sondern in Hinsicht\nauf Authenticität und Correctheit. In nächster Zeit steht das Er-\nscheinen des dritten Bandes (Vesperpsalmen, Hymnen, Magnificat,\nMarianische Responsorien, Alma u. s. w. enthaltend) zu erwarten;\ndie Partitur ist im Druck vollendet. Die obige Auszeichnung steht\nübrigens nicht vereinzelt. Abgesehen davon, dass man von nah und\nfern in den beregten Fragen an Can. Proske als an eine Autorität\nsich wendet, wurde er schon vor einigen Jahren in den Gelehrten-\nAusschuss des Germanischen Museums zu Nürnberg gewählt. Gott\nschenke nur dem edlen Manne Gesundheit und Leben, damit er seine\nerhabene Mission der Restauration der Kirchenmusik vollenden könne.\n♦ Frankfurt a« M« Seitdem Herr Benedix schied, leitet\nHerr von Guaita, Dr. juris und Freund der schönen Künste, als\nVorsitzender des Ausschusses seine ~Muster-Anstalt\" selbst. Als Re-\ngisseur unterstützt ihn Herr Voll mar. Diese Aenderung brachte\neinen bedeutenden Wechsel des Opern-Personals mit sich. Schon im\nLaufe des Spätsommers waren mehrere weggegangen, andere traten\nmit der alten Verwaltung ab. Von der Oper gingen die Damen\nHaase-Capitän, Veith und Schmidt, die Herren Schneider und Stern\nweg. Engagirt wurden Fräul. Chaloupka, Morska, Peters, die Herren\nBrunner und Abiger. Wie weit hierbei die Grundsätze des „Billigen1*\nstatt des Rechten mitwirkten, wissen wir nicht. Ob man beab-\nsichtigte, statt der alten Künstler, die sich nicht mehr erziehen las-\nsen, junge Kräfte hervorzuziehen, oder ob der Zufall nur angehende\nSänger brachte, wissen wir gleichfalls nicht; genug, es sind nur\nsolche da.\nDie Kölnische Zeitung bringt folgende Notiz : ~Dr. Franz Liszt\nhat die Direction der Weimarer Oper niedergelegt. Veranlassung zu\ndiesem Schritte war die ausgesprochene ungünstige Aufnahme einer\nvon ihm dirigirten, von einem seiner Schüler componirten neuen\nOper: „Der Barbier von Bagdad.\" Peter Y. Cornelius, eine fleissige"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590115-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4360, "texte": "Feder der Weimarer Schriftsteller- und Kunstwelt, ist der Tonsetzer\ndes neuen Werkes. Das Publicum ging in seiner Ablehnung so weit,\ndass man vergass, in einem grossherzoglichen Hoftheater zu sein,\nund pfiff. Dr. Liszt wird nur noch die Concert-Aufführungen der\nHofcapelle dirigiren.\" ln der Mittheilung unseres Correspondenten\naus Weimar in Nr 2 vom 8. Januar ist davon nicht die Rede,\nnur wird die Aufführung der Oper „Der Barbier von Bagdad\" aller-\ndings, wie zwischen den Zeilen zu lesen ist, als erfolglos bezeichnet.\nIVüriibei'g* Am 15. Dec. v. J. wurde hier zum ersten Male\ndie Oper Carlo Rosa, Musik von Bernhard Scholz, gegeben\nund gleich am 17. wiederholt. Sie fand beim Publicum eine sehr\ngute Aufnahme und hatte entschiedenen Erfolg. Der Componist wurde\nlebhaft wiederholt gerufen.\nWien* Aegidius Borzaga ist am IG. November v. J.\nnach schmerzhafter Krankheit seiner Familie und den zahlreichen\nSchätzern seines Talentes entrissen worden. Er war Mitglied der\nhiesigen Hofcapelle und des Operntheaters. Zur Zeit der berühmten\nphilharmonischen Concerte galt er als das Haupt jenei Opposition\ngegen Nicolai, in Folge welcher dieser letztere das Unternehmen\naufgeben musste. Als im Jahre 1848 Director Ballochino die Flucht\nergriff und das Operntheater sich in schwerer Bedrängniss befand,\ntrat ein provisorisches Comite, in welchem sich auch Borzaga be-\nfand, an die Spitze des Instituts, und hier zeigte sich Borzaga so\nthätig, entschlossen und Ihatkräftig, dass Holbein sich bestimmt\nfand, ihn bei seinem Directions-Antritte zum Theater-Secretär zu er-\nnennen, auf welchem Posten Borzaga, ohne die Anwartschaft auf\nseinen immer offen gehaltenen Orchesterplatz zu verlieren, sich durch\nausdauernde Klugheit sowohl unter Herrn Cornet wie unter Herrn\nEckert zu erhalten wusgte. Als Violoncellspieler glänzte er vorzugs-\nweise durch seinen markigen vollen Ton und durch die Sicherheit\nseines Spiels. Er war kein Virtuose, kein Solospieler im eigentlichen\nSinne, dazu mangelte es ihm vielleicht weniger an Talent als an\nUebung; als Quartettspieler hat er sich namentlich während der letz-\nten Jahre allgemeine, wohlverdiente Beliebtheit errungen. Was er in\ndiesem Bereiche neben Mayseder, Jansa, Hellmesberger und Vieux-\ntemps geleistet, wie sehr er sich in dieser Beziehung um den erneu-\nten Aufschwung der Kammermusik in Wien verdient gemacht, brau-\nchen wir den wiener Musikfreunden nicht erst ins Gedächtniss zu-\nrückzurufen. Borzaga hinterlässt zwei Söhne und zwei Töchter. Von\nersteren wirkt der eine als Violoncellist im Operntheater, von den\nTöchtern ist eine als erste Sängerin in Brünn engagirt.\nWien. Die Erfolge der Schwestern F erni im Wiedener Theater\ngingen im December in ein Crescendo über, das kein Ende nehmen\nzu wollen schien. Wie lässt sich diese Erscheinung erklären, da\nman sich gestehen muss, dass ihre Leistungen nichts Ausserordent-\nliches bieten? Wenn sich das Publicum in solcher Art hinreissan\nlässt, muss es wohl irgendwie Recht haben. Die liebenswürdige Per-\nsönlichkeit der Künstlerinnen, der Magnetismus der Jugend und der\nweibliche, nur Unter Frauenhänden mit seinem vollen Zauber wir-\nkende Reiz der Violine mögen zusammenwirken, um so zu locken,\nso zu fesseln. Im neunten Concerte liess Fräul. Virginia den er-\nsten Satz eines Concertes von Rode hören und kam damit doch\neiniger Maassen aus dem Kreise ihres modern französischen Reper-\ntoires heraus. Der Erfolg, den sie mit dem trefflichen Vortrage die-\nser Nummer errang, liess bedauern, dass ihre musicalische Ausbil-\ndung ausschliesslich einer Richtung des coquetten Virtuosenthums\nfolgte.\nFrau Clara Wieck-Schumann erfreute ihre zahlreichen Ver-\nehrer durch ein Abschieds-Concert nach den Weihnachts-Feiertagen,\nund zwar am 2. Januar um die Mittagsstunde. Der in allen Räu-\nmen überfüllte Saal gab der herrlichen Künstlerin den sprechendsten\nBeweis, dass dieses im Ganzen vierte Concert noch keine Berechti-\ngung hatte, den Abschied an der Stirn zu tragen. Es war aber auch\nan diesem Tage des Trefflichen so viel geboten, dass es den ent-\nzückten Hörer mit Wehmuth erfüllte, sich sagen zu müssen, dass er\neines solchen Genusses auf lange Zeit hinaus beraubt sein sollte.\nRubinstein, der rühmlichst bekannte Ciavier-\nVirtuose und Componist, ist von dem Kaiser zum Musik-Director\nder russischen Oper mit dem Gehalte von (angeblich) 12,000 Gulden\nernannt worden. (?)"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590115-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nNoch ein Wort über Normal-Stimmung. Beurtlieilungen (Bernard Seliolz, Op. 2, -1, 8, 11. Von 1. —F. J. Thiu-\nnes. Von M. Albert Dietrich, Op. 11. Von L. Aus Rotterdam (Musik-Aufführung des Vereins zur Beförderung der Tonkunst.\non X. Aus Wien (Opern-Theater). Tages- und Unterhaltungsblatt (Berlin, 301. Aufführung von Weber's Freischütz\nFrof. Dehn s Nachlass Meiningen, Capellmeister J. J. Bott Kegensburg Frankfurt a. M. Dr. F. Liszt Nürnberg Wien)\n\nNoch ein Wort über Normal-Stimmung\n*).\nOeffentlichen Blättern zufolge beabsichtigt die franzö-\nsische Regierung, eine Normal-Stimmung des musicali-\nschen Kammertones festzusetzen, und zwar soll dieselbe\nvon der dermaligen übertriebenen Höhe auf einen Stand-\npunkt zurückgebracht werden, der den Singstimmen ange-\nmessen sei. So sehr es zu beklagen ist, dass eine Staats-\nRegierung sich veranlasst sieht, in einer freien Kunst der-\nartige Vorschriften zu machen, so muss man im Interesse\nder Kunst und des guten Geschmackes dennoch jenes Er-\neigniss mit Freuden begrüssen und mag sich des Wun-\nsches nicht enthalten, dass Schande für diejenigen, in\nderen Händen es gelegen hätte, der outrirten Stimmung\nkräftig und mit Erfolg entgegen zu treten auch andere\nStaats-Regierungen dem Beispiele Frankreichs folgen. Wie\nweit in einem verhältnissmässig kurzen Zeiträume die\nKammerstimmung in die Höhe getrieben worden ist, er-\nsieht man unter Anderem aus der Wahrnehmung, dass\ndie in früheren Lehrbüchern festgestellte Differenz des so\ngenannten Chortones und Kammertones von einem ganzen\nTone heutzutage auf % Ton, ja, man könnte fast sagen:\nauf 0 reducirt ist, wie man sich durch Vergleichung einer\nheutigen Stimmgabel mit einer chortönigen Orgel leicht\nüberzeugen kann. Dass man zu irgend einer Zeit eine hö-\nhere Stimmung verlassen habe, davon findet sich kein Beispiel\nin der Geschichte der Tonkunst; wie gross aber die Neigung\nzum Gegentheile von je her gewesen sein mag, ergibt sich\naus den Forschungen competenter Musikgelehrter, denen\nzufolge die griechische Musik wahrscheinlich nur eine\ngrosse Terz tiefer gewesen ist, als die unsrige. Auf diesen\nStandpunkt die Stimmung wieder zurück zu wünschen,\nwird allerdings wohl schwerlich Jemandem einfallen; wenn\naber andererseits die Stimmung fortwährend in die Höhe\ngebt, so muss doch selbst der eifrigste Lobredner eines\nsolchen Verfahrens stutzig werden bei der Frage, wohin\ndas endlich führen soile, und die Nothwendigkeit, einen\nHöhepunkt zu bestimmen, stellt sich heraus. Ilaben wir\ndenselben schon erreicht oder nicht? oder sind wir gar\nschon darüber hinaus? Leider ist das Letztere nicht zu be-\nzweifeln; und welche Folgen geben sich kund? Es mag\nsein, dass auf den Bogen-Instrumenten wegen der hohen\nStimmung die Saiten straffer gespannt werden müssen,\nund dadurch die Instrumente einen prallen Ton erlangen,\nder manchem namhaften Virtuosen unserer Tage so wün-\nschenswerth erscheint, dass er überall auf seinen Kreuz-\nund Querzügen die Orchester zu tief findet. Schlimm ge-\nnug, dass solcher Blasirtheit denn auch noch Vorschub ge-\nleistet wird.\nAm ersten, sollte man meinen, müsste eine hohe Stim-\nmung den Basssängern zu Gute kommen; seltsamer Weise\nist dem aber nicht so. Stimmen für den Osmin in Mo-\nzart's Entführung, für manche Bass-Arien Bighini's und\nverschiedener anderer Componisten werden immer nur sel-\nten sich vorfinden; aber ein Sarastro, ein Baphael (in\nHaydn's Schöpfung), ein Mozart'sches Tuba mirum sollten\ndoch wohl in dieser Beziehung heutzutage nicht auf\nSchwierigkeiten stossen; und dennoch singen viele Bas-\nsisten ein ziemlich mattes G,und die noch tieferen Töne\nfast so unvernehmlich, wie das ungesungene des Bür-\ngermeisters in Lortzing's Czaar und Zimmermann. Den\nübrigen Stimmgattungen kann mit dem heutigen Kammer-\ntone natürlich noch weniger gedient sein, und das Uebel\n\n*) Beim Schlüsse dieses Aufsatzes kam dem Verfasser die berli-\nner Musik-Zeitung „Echo\" vom 31. October 1858 zu Gesicht,\nworin Herr Wieprecht denselben Gegenstand bespricht. Nichts\ndesto weniger können aber die nachfolgenden Zeilen dennoch\nvon Interesse für die Leser sein, da beide Aufsätze zwar die\nNothwendigkeit anerkennen, den gegenwärtigen Kammerton zu\nerniedrigen, im Uebrigen aber besondere Wege einschlagen.\nInteressant in Herrn Wieprecht's Aufsatze war mir unter An-\nderem die Nachricht, dass Spontini schon einmal den berliner\nKammerton erniedrigt hat, wiewohl Andere wissen wollen, dass\ner es nur jedoch vergebens versucht habe."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590115-01.1.2", "texte": "wird noch grösser, wenn die heutigen Componisten, in-\ndem sie für den Gesang schreiben, ganz übersehen, dass\ndie früheren Regeln über den Umfang zum jetzigen Kam-\nmertone nicht immer so recht passen wollen.\nWas soll aber aus den classischen Werken der Ver-\ngangenheit werden? Sollen die Stimmen sich zu einer un-\nnatürlichen Höhe und dadurch zugleich auch die Zuhörer\nquälen, oder sollen jene Werke transponirt werden? Bei\nGcsang-Compositionen a capella ist gegen diese Transpo-\nsition nicht nur nichts einzuwenden, sondern dieselbe sogar\nzu empfehlen, wie denn unter anderen in der Sixtini'schen\nGapelle zu Rom die älteren Werke, z. B. Allegri's be-\nrühmtes Miserere, um einen ganzen Ton tiefer gesungen\nwerden. Anders aber sieht die Sache aus, wenn ein obli-\ngates Orchester dazu kommt. Mögen einzelne Piecen,\nwelche vom Componisten für eine ungewöhnliche Stimm-\nhöhe bestimmt sind, in einem tieferen Tone gesungen wer-\nden; gegen die Transposition ganzer grösserer Gesangs-\nwerke treten aber erhebliche Bedenken ein. Seb. Bach\nverlangt von seinen Sängern, besonders von den Teno-\nristen, eine Höhe, welche schon bei seinen Lebzeiten\nschwer zu erreichen wird gewesen sein, heutzutage aber\nan die Unmöglichkeit gränzt. Man hat daher in Berlin die\nH-moU-Messe um einen halben Ton tiefer transponirt.\nOhne von den Schwierigkeiten zu reden, die für das Or-\nchester daraus entstehen, dem es nicht gleich ist, ob es\nH- oder B-mottzu spielen hat; ferner ohne Gewicht auf\ndie Unmöglichkeit zu legen, einzelne Doppelgriffe aus Il-\nmoll nach B-moll zu transponiren, sei hier nur anfmerk-\nsam gemacht auf die Veränderung der Klangfarbe. Mag\nder Unterschied der Klangfarbe vielleicht nicht so bedeu-\ntend sich zeigen zwischen dem eines höher gestimm-\nten und dem As-dureines um einen halben Ton tieferen\nPianoforte's; anders ist es bei dem Orchester. Das\neiner j4-Clarinette klingt trotz gleicher Tonhöhe anders als\ndas A-dureiner (7-Clarinette; ganz besonders aber zeigt\nder Unterschied sich bei den Streich-Instrumenten. Man\nstimme eine Geige um einen halben Ton tiefer und spiele\naus Des-clur,und dann auf einer anderen aus man\nwird den Unterschied sehr bald gewahren. Nicht nur, dass\nin C-dursämmtliche leere Saiten der Streich-Instrumente,\nin Des-duraber nur die tiefste Saite des Cello's und der\nViole benutzt werden kann, sondern auch der Umstand ist\nnicht unerheblich, dass die leeren Saiten, auch ohne ange-\nstrichen zu werden, auf andere Töne wirken, mit denen\nsie zu einem gemeinschaftlichen grossen Dreiklange gehö-\nren. Der Ton a auf der (/-Saite der Geige hat wegen der\nin Vibration gesetzten a-Saite bei gleicher Tonhöhe eine\nandere Klangfarbe, als das b einer um einen halben Ton\ntiefer gestimmten Geige. Es liesse sich dieser Punkt noch\nweiter ausführen; das Gesagte aber wird hinreichen, um\ndarauf aufmerksam zu machen, dass ein heutiges B-moll\nganz gewiss anders klingen wird, als ein damaliges\nund jedenfalls thäte man besser, die Compositionen jenes\nZeitalters um einen ganzen Ton tiefer zu nehmen, was\ndem damaligen Kammertöne auch wohl angemessener sein\ndürfte, ganz gewiss aber nicht solch einen grossen Unter-\nschied der Klangfarbe erzeugen würde.\nWeitere Nachrichten sagen, dass die pariser Com-\nmission sich vertagt habe, um zuvörderst von namhaften\nBühnen und Orchestern Deutschlands Gutachten einzu-\nholen. Man braucht nicht gerade überall schwarz zu sehen\nund darf dennoch zu jenem Verfahren den Kopf schütteln.\nHätte man in Deutschland dem Uebel ernstlich steuern\nwollen, man hätte es längst gekonnt; es ist aber sehr zu\nfürchten, dass man aus Bequemlichkeit dort sich wenig\nfür den Gegenstand interessiren werde; und die Folge\ndürfte leicht sein, dass das Uebel bleibt, wie es ist. Meines\nBedünkens bleibt hier nur das eine Mittel übrig, nämlich\nernstlich durchzugreifen und eine Normal-Stimmung so\nfestzustellen, dass alle Verfertiger musicalischer Instrumente\ndanach arbeiten müssten, und Instrumente anderer Stim-\nmung nicht geduldet werden. Welche Höhe soll diese\nStimmung haben? Nun, doch wohl diejenige, für welche\ndie grössten Genie's ihre Gesangswerke mit Orchester ge-\nschrieben haben, und welche für Gesang zu schreiben ver-\nstanden; also vor Allen Haydn und Mozart. Noch weiter\nzurück bis auf Bach und Händel zu gehen, wird nicht\nnöthig sein, da die etwaige Differenz der Kammerstimmung\nin den beiden Hälften des achtzehnten Jahrhunderts wahr-\nscheinlich nicht so erheblich sein wird, dass die Wirkung\nder Compositionen dadurch wesentlich sollte alterirt wer-\nden. Mancher Leser wird hierbei vielleicht ausrufen: Zopf,\nZopf! Immerhin; ich meine aber dennoch, dass nicht so-\nwohl Pietät, als das richtige ästhetische Gefühl fordere,\ndie Werke des Genie's so zu nehmen, wie sie gegeben sind.\nAber auch die Ausführung mancher Orchesterwerke\nwird durch einen tieferen Kammerton vielleicht erleichtert\nwerden. Beethoven hat bekanntlich nicht immer gehörige\nRücksicht auf die Natur der Instrumente genommen und\nmuthet namentlich den Bläsern in der Höhe mitunter\nDinge zu, bei denen die tüchtigsten Spieler in Verlegenheit\nkommen. Bekanntlich hat z. B. im Scherzo der Eroica der\nerste Hornist eine so schwere Aufgabe, dass es gar nicht\nselten ist, dieselbe missglücken zu hören. Sehr möglich,\ndass vor mehr als fünfzig Jahren die Stimmung so bedeu-\ntend tiefer stand, dass jene Schwierigkeit gemindert war,\nda bekanntlich auf tieferen Blas-Instrumenten die Höhe\nleichter anspricht. Wohl mag es auch sein, was irgendwo\nausgesprochen wurde, dass Beethoven bei der Composition"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "19", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590115-01.1.3", "texte": "seiner Neunten und der Missa schon längst des\nGehörs beraubt, nur für eine tiefere Stimmung schrieb,\nwelche noch in seiner Erinnerung lebte, und daher um so\nweniger die Einwendungen begreifen mochte, welche die\nSängerinnen Sontag und Unger gegen die für sie be-\nstimmten Partieen machten.\nEndlich ist die Herabstimmung des Kammertones auch\nfür den Gesang-Unterricht wichtig. Die besten Solfeggien\nsind auf den früheren Kammerton berechnet. Ist der heu-\ntige nun um mehr denn einen halben Ton höher gewor-\nden, so wird jeder, der mit der Singschule einiger Maassen\nvertraut ist, sofort begreifen, dass Singübungen, willkürlich\num eben so viel höher genommen, dem Zwecke der Stimm-\nbildung nicht förderlich, ja, wohl eher hinderlich sein\nkönnen. Mit der Transposition ist es hier aber nicht ge-\nthan. Der Singschüler soll mit den Tönen, die er singt,\nauch das richtige Bild der entsprechenden Noten sich zu\neigen machen. Wie soll das aber gelingen, wenn um jener\nBücksicht willen der Lehrer nicht ausnahmsweise, sondern\nregelmässig aus II oder Bdie in stehende Singstimme\nbegleitet? Geübte und im Treffen sichere Sänger fühlen\nsich nicht selten mehr oder weniger genirt, wenn sie\nauch bei dem Singen a capella—aus einem anderen Tone\nsingen sollen, als den die Noten besagen. Um so vorsichti-\nger will daher auch in dieser Hinsicht der Lehrling be-\nhandelt sein. Und wie wird es mit der harmonischen\nGrundlage aussehen, mit welcher er,, vielleicht ohne es\nselbst zu ahnen, sich die einzelnen Töne im Gedächtnisse\nund in der Phantasie aufbewahrt? Angenommen, es soll\ndie gesungen werden, etwa vom gestriche-\nnen cbis zweigestrichenen g.Der Lehrer sieht sich zur\nTransposition nach B-durgenöthigt. Nicht nur, dass der\nLehrling eigentlich ganz andere Töne singt, als das Noten-\nblatt besagt, er wird sie sich auch mit einer harmonischen\nGrundlage denken, die später nicht mehr passt. Sei die\nBegleitung möglichst einfach, so wird beispielsweise der\nTon zweigestrichenes d den Dominanten-Accord haben.\nIn Folge der Transposition wird nun dem Lehrling das\nzweigestrichene c als Grundquinte eines Accords sich ein-\nprägen. Es werden doch aber auch Fälle eintreten, wo aus\nirgend welchem Grunde das heutige C-dur gesungen wird,\nund der Schüler nun, an das Bild der Grundquinte ge-\nwohnt, Schwierigkeit findet, die Tonica zu treffen oder\nrein zu intoniren. Mag Manchem diese Besorgniss auch zu\nminutiös erscheinen, so spricht doch die Erfahrung dafür,\nund so mancher erfahrene Gesanglehrer wird Belege dazu\nliefern können. Allerdings ist ein solches Uebel nicht un-\nheilbar; keineswegs aber darf es auf die leichte Achsel\ngenommen werden. Eine schlimme Gewohnheit legt sich\nimmer schwer ab; in einem solchen Falle ist es aber mehr\nals eine blosse Gewohnheit. So lange aber der alte Spruch\nsich bewährt, dass die Kunst lang, das Leben kurz sei,\nwird immer die Frage berechtigt sein: Wozu unnöthiger\nWeise mit Schwierigkeiten eine Kunst überhäufen, die\nohnehin schwer genug ist?\n\nBeurtheilungen.\nBernard Scholz, Op. 2, Vier Lieder. Main«,\nbei Schott. Op. 4, Vier Lieder. Bernard\nScholz, Op. I,Acht Lieder. Leipzig, bei Peters.\nBernard Scholz und J. Heuchemer, Op.\n8 und 6, „Neue Hausmusik\", 24 Lieder/ Leip-\nzig, Breitkopf &: Härtel. Bernard Scholz,\nOp. 11, Sechs zweistimmige Lieder. Winterthur,\nbei Bieter-Biedermann.\nIn den Liedern von B. Scholz tritt uns eine Erschei-\nnung entgegen, die in unserer Zeit besonders wohlthuend\nist. Einfach in der Form, nobel in der Erfindung, an-\nspruchslos im besten Sinne des Wortes, fliessend und ge-\nfällig, werden diese Lieder gewiss viele Freunde sich er-\nwerben. Ein höchst glückliches Naturel leuchtet aus den-\nselben hervor, welches am liebsten in einer gewissen zu-\nfriedenen, sinnigen Freudigkeit sich ergeht, doch aber für\ndie fielen des Schmerzes nicht unempfänglich ist.\nIn Op. 2 ist das erste (Vesper) besonders schön und\nwahr empfunden, wenn auch nicht ganz frei von Schubert'-\nschen Anklängen. Das zweite aus Hafis ist das beste in\ndiesem Hefte, während das dritte (Veilchen) weniger be-\ndeutend ist, und auch das vierte (Jägers Abendlied), wel-\nches ausserdem in den vier ersten Tacten der Singstimme\nauffallend an den Anfang der »Erstarrung\" in Schubert's\nWinterreise erinnert, die Wärme der Empfindung in dem\nGöthe'schcn Gedichte wohl nicht erreicht.\nOpus 4 hat uns im Ganzen weniger gefallen, doch\nwerden auch das dritte (Winternacht) und das vierte (am\nAbend) ihre Wirkung nicht verfehlen.\nIn den später erschienenen Liedern Op. 7 und 8 ist\nein unläugbarer Fortschritt gegen die früheren zu erken-\nnen. Die Mittel werden einfacher, und das dadurch Er-\nreichte ist noch zutreffender und wirkungsvoller. Die Form,\ndie früher (namentlich in Op. 4) hin und wieder etwas\nungelenk war, ist hier völlig abgerundet und ebenmässig,\ndie Erfindung eine entschieden tiefere geworden.\nAllen Gesanglehrern sind diese Lieder ausserdem we-\ngen ihrer leichten Ausführbarkeit und schönen Behandlung\nder Singstimme zu empfehlen. Die Begleitung ist durch-\nweg eine leichte, die Lieder sind eben wirkliche Lie-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590115-01.1.4", "texte": "der mit Pianoforte-Begleitung, die jeder Sänger mit Ver-\ngnügen singen und sich selber begleiten kann.\nVon der „neuen Hausmusik\" ist in dem Nekrologe\ndes vortrefflichen, leider zu früh verstorbenen Heuchemer\nin diesen Blättern schon Rede gewesen. Die Lieder von\nScholz, wenn vielleicht weniger fein als die Heuchemer'-\nschen, sind dafür desto sangbarer. Uns hat namentlich\nNr. 3, 9, 13, 21 (vorzüglich) und 23 gefallen.\nDie später erschienenen Duette sind der Form nach\ngrösser angelegt, haben indessen dieselben Vorzüge. Be-\nsonders Nr. 2, 4 und 5 sind treffliche Gesänge. Bei dem\nnicht allzu grossen Reichthume an guten zweistimmigen\nLiedern werden die von Scholz gewiss überall willkommene\nAufnahme finden. 1.\nF. J. Thinnes, Kyriale sive Ordinarium Mis-sae.\nRegensburg, bei Pustet.\nWir halten es für Pllicht, aul dieses Werk aufmerk-\nsam zu machen. Es enthält die Messen auf die verschiede-\nnen Zeiten des Kirchenjahres, nebst dem Requiem, den\nVespern, Hymnen, Litaneien der römischen Kirche. Wie\nes scheint, verfolgt es den speciellen Zweck, der luxembur-\nger Diözese zu dienen. Die grosse Bedeutung des\nGregorianus ist allgemein anerkannt, und ich meine, das\nsei nur im Interesse des Kirchengesanges, der nur zu viel\nan manchen Orten zu wünschen lässt. Gewiss, Kraft und\nWürde wohnen dem Gregorianischen Chorale vor allem\nanderen Gesänge inne. Einfach und erhaben steht er un-\nerreichbar da. Auf das vorliegende Werkchen zu kommen,\nso ist der Zweck bei seiner Herausgabe, ein Scherllein\ndazu beizutragen, dass der ehrwürdige Gregorianische\nChoral wieder auf eine seiner hohen Bedeutung entspre-\nchende Weise vorgetragen werde. Es ist zunächst für den\nSänger bestimmt. Aber auch der Lehrer und Leiter des\nGesanges wird das Büchlein nicht unbefriedigt aus der\nHand legen und es ihm namentlich bei Einübung der Cho-\nräle gute Dienste leisten. Die Melodieen der Messgesänge\nsind die des luxemburger Kyriale; jedoch sind die augen-\nscheinlich falsch gesetzten Accidenzien nach vorhe-\nriger Vergleichung mit Auszügen älterer römischer, brüs-\nsclcr, antwerpener u. s. w. Ausgaben berichtigt und ver-\nbessert. Die „ Responsoria ad Misscim\", wie auch die Me-\nlodieen der „ Toni Psalmorum sind\nAuszüge aus dem römischen und\n. Antiphonarium\", nämlich dem ausgezeichneten Werke\ndes IL Mettenleiter entnommen. Für andere Gesänge, z. B.\ndas Te Deum u. s. w., wurde die lütticher Ausgabe -be-\nnutzt. Ueberhaupt wurden nur die besten Quellenwerke\nzu Rathe gezogen. Die Bezeichnungs-Art ist eine neue;\nVersetzungszeichen sind beigefügt. Dieser Umstand ist es,\nden ich einiger Maassen zu beanstanden mir erlaube; ich\nvertheidige den ganzen Ton, doch es ist hier nicht der Ort,\ndarüber weit und breit mich zu ergehen. Es wird anders-\nwo geschehen, wenn die Redaction mir Raum gibt.\nFerner wurde im vorliegenden Werkchen versucht,\neine annäherungsweise Bezeichnung der Länge und Kürze\nder Noten zu geben. Auch hierüber liesse sich Manches\nsagen.\nDie Querstriche, welche das Linien-System nicht ganz\ndurchschneiden, trennen bloss die Wörter, und ist bei\nihnen nicht inne zu halten. Ein Querstrich durch das ganze\nSystem steht da, wo ein Unterscheidungszeichen im Texte\nist, manchmal aber auch da, wo die Melodie einen Ruhe-\npunkt verlangt, und muss man dort so lange pausiren, als\nnothwendig ist, einen vollen Athemzug zu schöpfen. Ein\nDoppelstrich steht am Ende eines Satzes und ist auch das\nZeichen zum Wechseln der Sänger.\nBezüglich des Rhythmus sagt der Verfasser: „Die\nNatur des Cant. Greg, gestattet durchaus keine Tactord-\nnung; denn bei allen diesen Gesängen ist die Melodie ganz\nmit den Worten verschmolzen, und wie wenig man die\nWorte nach einem bestimmten Zeitmaasse ausspricht, eben\nso wenig darf der Choral nach scharf abgemessenem Tacte\ngesungen werden. Es ist auch zu beobachten, dass desto\nhöher, feierlicher und langsamer gesungen werden müsse,\nje höher das Fest ist. Auch ist bei grossen Chören und in\ngrossen Kirchen langsamer zu singen, als bei kleinen Chö-\nren und in kleinen Kirchen.\nDieser kurzen Anzeige obigen Werkes eines Lands-\nmannes von ihnen füge ich den gewiss ganz gerechtfertig-\nten Wunsch bei, es möchten doch alle, die auf dem Ge-\nbiete des Cant. Greg, ein Wort mitzusprechen sich berufen\nfühlen, dahin trachten, dass baldigst eine Einheit erzielt\nwerde; denn sonst bekommen wir noch so viele Lehrbücher\ndes Chorals, als es musicalische Schriftsteller gibt.\nM.\nAlbert Dietrich, Sechs Lieder von Mich. Bernays\nfür eine Singstimme mit Pianoforte. Fräul. Clara\nSohn gewidmet. Op. 11. Winterthur, bei J. Rie-\nter-Biedermann.\nDiese Melodieen, auf hübsch musicalische Texte com-\nponirt, geben einen neuen Beweis von der künstlerischen\nBegabung des Componisten. Es weht in ihnen ein milder\nHauch aus fühlender Brust, eine Innigkeit der Empfin-\ndung, deren Fluss weniger, als es bei den meisten neueren\nLieder-Componisten der Fall ist, durch declamatorische\nRücksichten oder vielmehr Absichten unterbrochen wird.\nDennoch wünschten wir hier und da noch ein grösseres\nmelodisches Ausströmen der Haupt-Empfindung des Ge-\ndichtes, woran, wie es uns scheint, den Componisten nur\ndas Princip der Nichtwiederholung der Textesworte hindert."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590115-01.1.5", "texte": "So ist z. B. gleich Nr. 1: „Dich hab' ich einst gesehen\",\nein besonders in seiner zweiten Hälfte wunderliebliches\nLied —; es wallt aber so kurz und schnell vorüber, wie\nein lichtes Wölkchen vor dem Hauch des Windes, worüber\nman durch das schöne Nachspiel doch nicht ganz getröstet\nwird. In dem Liede und in der Arie ist, so lange Musik\nMusik bleiben soll, das melodische Aussprechen der Em-\npfindung und Stimmung die Hauptsache, und desswegen\nmöge nur der Tonsetzer jenes Princip getrost vergessen,\nso oft ihn der musicalische Drang treibt, sich in Tönen\nnoch weiter auszusprechen, als es die Worte thun. Aus-\nzeichnen müssen wir noch Nr. 5 in Es-dur: „Sommer\",\nein Lied, das den besten Liedern ähnlicher Stimmung von\nSchubert und Mendelssohn ebenbürtig ist.\nVon dem „classischen Sopran-Album\", heraus-\ngegeben von Adolf Gumprecht in Leipzig (vergl. die\nAnzeige der ersten drei Hefte in Nr. 50 vom 11. Decem-\nber v. J.), sind die drei letzten Hefte erschienen. Die Ein-\nrichtung des Ganzen, die prachtvolle Ausstattung u. s. w.\nsind bereits besprochen. Die Biographieen der sechs Mei-\nster Bach, Händel, Gluck, Haydn, Mozart, Beethoven lie-\ngen nun vollständig vor; sie sind gut geschrieben, kurz,\njedoch ohne dass Wesentliches übergangen wäre. Das Ge-\nsammtbild, ein feiner Stahlstich in Folio, ist recht hübsch;\ndie Musik, mit der Harfe in der Mitte desselben, ist von\nden sechs Portraits der grossen Tonkünstler umgeben.\nDas 4. 6. Helt enthalten von Mozart: Aus Titus\n„Deh, per quesio,,und „Paraus der Zauberflöte\n„Ach, ich fühl's\"; dann „Das Veilchen\" und „Abend-\nEmpfindung\".—Vonßeethoven: „Adelaide\", „Mignon\",\n„Herz, mein Herz\" und „Abscheulicher\" aus Fidelio. Von\nden letzteren Gesängen sind freilich die Adelaide und\n„Herz, mein Herz\" eigentlich für den Tenor bestimmt,\nwerden indess auch Sopranistinnen willkommen sein, weil\nes zwei der schönsten Stücke sind, die für Gesang ge-\nschrieben worden.\nDass die neuen Texte, besonders in den Mozart'schen\nArien, und die trefflichen „Bemerkungen über den\nVortrag\" der Sammlung einen vorzüglichen Werth ge-\nben, ist schon früher erwähnt. Der Verfasser spricht sich\nüber Seine Absicht bei der Bekanntmachung derselben\nauf folgende sehr zu billigende Weise aus:\n„Die Vortrags-Bemerkungen sollten dazu dienen, vor\nzwei Abwegen zu warnen, vor einem geistlosen, monoto-\nnen Vortrage, der nur die vom Componisten selbst ange-\ngebenen dynamischen Zeichen, und vielleicht kaum diese,\nbeobachtet, und vor einer willkürliehen Nuancirung,\ndie durch den äusseren Effect, anstatt durch die Idee des\nGanzen, d. h. durch den Sinn der Worte, der Situation\nund durch die in der Musik kundgegebene Auffassung des\nlondichters sicli bestimmen lässt. Wenn auch keineswegs\nbehauptet werden kann, dass eine Composition stets nur\nauf Eine und dieselbe Weise vorgetragen werden dürfe,\nso ist doch darum nicht jede mögliche Art des Vortrags\nals berechtigt zu betrachten. In gewissen Gränzen hat der\nausführende Künstler freien Spielraum; über diese hinaus\nbeginnt der Irrlhum. Man wird hiernach nicht glauben,\ndass der Verfasser der Vortrags-Bemerkungen die aus-\nschliessliche Richtigkeit jeder einzelnen seiner Auffassun-\ngen behaupte, dass er an jedem Crescendo, Diminuendo\nu. s. w., das er aufgestellt, mit pedantischer Aengstlichkeit\nfesthalte; über manche Einzelheiten der Ausführung kann\nes eben verschiedene gleichberechtigte Meinungen geben.\nDazu kommt noch, dass der Sänger, der die Herzen er-\nwärmen will, im Augenblicke der Ausführung sich mehr\ndem Gefühle als der Berechnung überlassen muss, und\ndass da mancher Vorsatz unausgeführt bleiben kann, ohne\ndass der Eindruck des Ganzen geschwächt wird. Für das\nStudium ist es trotzdem nothwendig, gewissenhaft und\nüberlegt in der Nuancirung des Einzelnen zu verfahren,\nund zwar indem man von der Idee des Ganzen ausgeht.\nIn diese Methode, den richtigen Vortrag zu linden, wollte\nder Verfasser durch seine Bemerkungen hineinführen.\"\nSo hat man denn hier .'50 ' 2 Bogen Noten (31 Ge-\nsänge), 11 Bogen Druck (Biographieen und Vortrags-Be-\nmerkungen) und sechs feine Portraits für den Preis von\n3 Thalern! L.\n\nAus Rotterdam.\n\nDen 12. Januar 1859.\nDas Bedeutendste, was hier in diesem Winter auf\nmusicalischem Gebiete vorkam, war unstreitig die letzte Auf-\nführung durch die hiesige Abtheilung des Vereins zur B e-\nförderung der Tonkunst, die am 7. Januar Statt fand,\nderen interessantes Programm nur aus Werken von nie-\nderländischen Componisten wie folgt zusammengestellt\nwar: Elia op llorebvon F. Coenen, der 84. Psalm von\nVerhulst, C-c&r-Symphonie von W. F. G. Nicolai und\nJ. A. van Eyken's Musik zum Vondel'schen Trauerspiel\nLuciler. Die Composition des ersten und des letztgenann-\nten Werkes für Chor, Soli und Orchester war seinerzeit\nvom Vereine als Preisfrage ausgeschrieben, und die Herren\nCoenen und van Eyken haben für ihre Arbeiten sehr\n( %)\nehrenvolle Beurteilungen von berühmten auswärtigen und\neinheimischen Preisrichtern erhalten. Die hiesige Auffüh-\nrung hat die Richtigkeit derselben und das Verdienst der\nComponisten klar erwiesen. Die Aulfassung des Textes\n(von N. Beets), die Instrumentirung, Behandlung der"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590115-01.1.6", "texte": "Singstimmen und die Ausarbeitung von Coenen's Elia ist\nim Allgemeinen gelungen zu nennen. Bei van Eyken ist\nAlles ausgezeichnet. Der charaktervolle und tiefe Inhalt\ndes Trauerspiels ist sowohl in der Ouvertüre als in der\nZwischenmusik und in den bedeutenden Chören mit gros-\nser Treue und Wahrheit und mit kräftigem Colorit wie-\ndergegeben ; die Instrumentation ist im Ganzen wie im\nDetail meisterhaft und glänzend, ohne Effecthascherei, und\ndie Formbehandlung und Ausarbeitung so gediegen und\nausgezeichnet, wie man es von einem Künstler wie van\nEyken nur erwarten konnte. Der Dichter Schimmel hat\nzur Concert-Aufführung dieses Werkes einen höchst ge-\nlungenen Yerbindungs-Text geschrieben, der von einem\nhiesigen Dilettanten vortrefflich gesprochen wurde. Dem\nVernehmen nach ist jetzt auch ein deutscher Text dazu\nangefertigt, womit die gestochenen Chorstimmen schon\nversehen sind, so dass wir auch die deutschen Concert-\nDirectionen darauf aufmerksam machen, ihr Repertoire\nmit diesem gediegenen und effectvollen Werke zu berei-\nchern. Die Aufführung, unter der sicheren Leitung des\nComponisten, war von Seiten des Chors und Orchesters\nvortrefflich, und der Componist wurde mehrmals mit stür-\nmischem Applaus beehrt. Die Composition von Ver hu Ist's\nPsalm für Sopran-Solo, Chor und Orchester ist von ganz\nbescheidener Art, jedoch nicht weniger interessant. Das\nliebliche Motiv der Solostimme ist sowohl im Chor als im\nOrchester recht schön harmonisirt und durchgeführt.\nNicol ai's Werk ist gut bearbeitet und instrumentirl, ent-\nhält auch viele schöne Gedanken und Details, gibt aber oft\ndes Guten zu viel, des Originellen zu wenig, und hat da-\ndurch einige Längen. Sämmtliche Componisten dirigirten\nihre Werke selbst mit Sicherheit und wurden oft mit leb-\nhaftem Applaus beehrt. Dem Herrn Verhulst gebührt\nnoch besondere Anerkennung für die vortreffliche und von\nso erwünschtem Resultate gekrönte Einübung der Chöre,\ndie er mit wahrer Kunstbrüderschaft übernommen hatte.\nDie Mitglieder des Gesang-Vereins lös'ten gleicher Weise\nihre Aufgabe mit Liebe und Sicherheit.\n\nX.\n\nAus Wien.\nDecember 1858. Im Operntheater wurden die\nWiederholungen der „Cärnevals-Abenteuer\" bis zu einem\nYiertelhundert fortgesetzt, eine Zahl, welche freilich den\nbei einem Ballet nicht minder Staunen erregenden Einnah-\nmen entsprach. Dieses Resultat macht dem Geschmacke\nunseres Publicums wenig Ehre, was uns jedoch nicht ver-\nhindern darf, die Geschicklichkeit des Herrn Borri in der\nZusammenstellung und den Fleiss aller Mitwirkenden, na-\nmentlich des Fräul. Cucchi, der Herren Frappart und\nPrice, in der Aufführung dieses choreographischen Bou-\nlevard-Productes gebührend anzuerkennen.\nIm Opern-Repertoire glänzten drei Werke von\nunbestrittenem Werthe: „Figaro\", „Iphigenia\", „Don\nJuan\", und ein viertes: „Euryanthe\", welches bei allen\nSchwächen des Textes und allen musicalischen Härten doch\nstets anregend, fesselnd und namentlich als Gegensatz zu\ndem Repertoire der letzten Monate wohlthuend wirkt.\n„Euryanthe\" wurde in der bekannten Besetzung durch\nFräul. Tietjens, Frau Csillag, Herrn Ander und Herrn\nBeck gut ausgeführt. In Bezug auf die Scenirung erspa-\nren wir uns manche Bemerkung für eine andere Gelegen-\nheit. Dass dieser Punkt in „Figaro's Hochzeit\" und im\n„Don Juan\" die auffallend schwache Seite bildet, darüber\nsind wir längst im Reinen. Um dieses gründlich aus einan-\nder zu setzen, dürfte ein eigener Aufsatz nöthig sein. Im\n„Don Juan\" hatte man diesmal die Recitative beigefügt,\neine Anordnung, die sich als zweckentsprechend erwies.\nAuch wurden die sonst ausgelassenen Arien Masetto's,\nOttavio's und Elvira's diesmal gesungen. Die Leistungen\nunserer beiden „Annen\", Frau Dustmann und Fräul.\nTietjens, bieten mannigfache Vorzüge; Herrn Ander's\nOttavio ist eine namentlich dramatisch edle Schöpfung, und\nHerr May er hofer ist ein so guter Masetto, dass wir wie-\nderholt beantragen müssen, ihm den Leporello anzuver-\ntrauen. Bei den übrigen Mitwirkenden überragen die\nSchwächen weithin alle Vorzüge. Unser trefflicher Teil ist\nin unseren Augen eben so wenig ein Don Juan, als unser\ntrefflicher Marcel ein Leporello, und der letztbezeichnete\nSänger ist auch wieder eben so wenig ein Figaro, als\nFräul. Liebhart vom Charakter des Cherubim auch nur\ndie leiseste Ahnung hat. Im „Figaro\" waren es auch nur\nFräul. Tietjens und Frau Dustmann, welche sowohl\neinzeln in Gesang und Spiel, als durch musterhaftes Zu-\nsammenwirken im Brief-Duett eine wahrhaft künstlerische\nWirkung hervorbrachten. Vor einem wenig zahlreichen,\naber intelligenten, andächtigen und dankbaren Publicum\nging die „Taurische Ipbigenia\" zweimal in Scene. Fräul.\nTietjens brachte namentlich die Erzählung des Traumes\nund die darauf folgende Arie, so wie Herr Ander seine\nArie im zweiten Acte ausnehmend schön zur Geltung. Des\nLetzteren Pylades ist überhaupt eine ganz vorzügliche Lei-\nstung. Herr Erlist ein fleissiger Orest, dem freilich die\nEumeniden wenig anhaben können, Herr Hrabanek ein\nsehr ängstlicher König, der aber stimmlich besser aus-\nreichte, als sein Vorgänger. Das Orchester leistete hier wie\nin „Euryanthe\" und „Don Juan\" Ausgezeichnetes. Letz-\ntere Oper wird jetzt von Herrn Eckert selbst dirigirt.\nDen Herren und Damen Yom Chor wäre mehr Sorgfalt"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590115-01.1.7", "texte": "und Ernst in der Erfüllung ihrer Schuldigkeit dringend\nzu empfehlen.\nNebst den genannten Werken und der wieder aufge-\nnommenen „Sommernacht\" von Thomas kamen noch die\n„Jüdin\", die „Stumme\", „Lohengrin\", „Martha\", „Der\nNordstern\", „Die Ballnacht\", „Die Hugenotten\" und\n„Robert\" zur Aulführung.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nBerMiii Die 3 Aufführung des Weber'sehen Freischütz\nam 22. December v. J. im königlichen Opernhause gab Gelegenheit\nzu einer erhebenden Feier. Die Einnahme war für das projectirte\nWeber-Denkmal bestimmt, das Haus überfüllt. Während eines von\ndem Regisseur Düringer gedichteten, von Herrn Kariowa ge-\nsprochenen Prologs zogen in allegorischer Gruppirung die Haupt-\nscenen aus Weber's Werken: „Lützow's Jagd'', „Preciosa\", „Frei-\nschütz\", „Euryanthe\" und ~Oberon\", von entsprechenden Klängen\nbegleitet, über die Bühne. Das Schluss-Tableau wurde mit nicht\nenden wollendem Jubel begrüsst.\nProfessor Dehn hat eine Lehre vom Contrapunkt hinterlassen,\nwelche bis auf einige Beispiele vollständig in Manuscript vorgefunden\nward. Scholz in Nürnberg, einer der Lieblingsschüler des Verstor-\nbenen, redigirt das Werk für den Druck. Wie wir hören, wird das-\nselbe in Stuttgart und Augsburg erscheinen im Verlag der Cotta'-\nschen Buchhandlung. Auch die in Dehn's literarischem Nachlasse\nbefindliche Biographie des Orlando Lasso hat einen Herausgeber ge-\nfunden. Dehn machte noch im Sommer vorigen Jahres eine Reise\nnach München, um dort die letzte Hand an diese Lebensbeschrei-\nbung zu legen und die Werke der münchener Bibliothek über Or-\nlando zu vergleichen. Schlesinger in Berlin druckt die Harmo-\nnielehre Dehn's. Ein Katalog seiner Büchersammlung wird Behufs\nder Versteigerung in Druck erscheinen, falls sich nicht vorher ein\nKäufer für die ganze Bibliothek findet. Dehn's Verlassenschaft ent-\nhält ausserdem noch drei kostbare Stücke, ein Exemplar von Rem-\nbrandt's Hundertguldenblatte (ein Engländer kaufte die von Rem-\nbrandt selbst gezeichnete und radirte Platte um 100 Gulden und\nzerschnitt sie in drei Theile, weil sie sonst nicht in seine Cassette\npasste, machte dadurch aber jeden künftigen Abdruck unmöglich),\nein Manuscript von Händel, abgeschrieben von der Hand Sebastian\nBach's und seines Sohnes Friedemaun, endlich eine Kurfürsten-Brat-\nsche. Das Händel-Manuscript wird wohl nach England gehen, wie\nes heisst für den Preis von fünfzig Guineen, den der Besitzer des\nOriginals, General Lwoff in Petersburg, der Witwe selbst angegeben\nhat. Lwoff schenkte Dehn diese Copie erst voriges Jahr, eine zweite\nCopie besitzt der Kunstverein in Dresden. Ueber die Kurfürsten-\nBratsche heisst es in einem Briefe Dehn's an einen Freund: „Auf\nmeiner ersten Reise nach Schlesien, wo ich im November und De-\ncember v. J. nochmals Alles durchstöbert habe, bin ich in so fern\nglücklich gewesen, weil ich eine Viola aufgefunden und gekauft\nhabe, die alles übertrifft, was mir bisher von guten Instrumenten\nvorgekommen ist. Diese Viola ist eine von den so genannten Kur-\nfürsten-Bratschen aus dem Atelier Steiner's. Schön durchweg zum\nMalen und im Tone wunderbar; dabei ist das Instrument bis aufs\näusserste wohl erhalten und die Schnecke mit sehr künstlicher\nSchnitzarbeit verziert.\"\n*** Meiningsen. Unser ausgezeichneter Capellmeister Herr\nJohann Joseph Bott hat von Sr. Hoheit dem Herzog Ernst zu\nSachsen-Coburg-Gotha in Anerkennung seiner Leistungen in der\nMusik die am grünen Bande zu tragende Medaille für Kunst und\nWissenschaft erhalten.\n2. Januar. Eben höre ich, dass die Fort-\nsetzung der Orgelbegleitung zum Enchiridion Choräle von Joh. Georg\nMettenleiter gesichert ist und bald in Angriff genommen wird. Sie\nbewiegt sich bekanntlich in den alten Tonarten und ist auf dem Sy-\nstem der reinen Dreiklänge erbaut. Es erübrigt davon noch das\nProprium und Commune Sanclorum, und kann es, wenn es in der\nbisherigen Ausdehnung fortgeht, immerhin noch IGO Bogen füllen.\nEben so wird mir gesagt, dass nun auch der dritte Band der Mu-\nsica divina (der Vesperband mit Psalmen und Magnificat) von Dr.\nProske bald erscheinen wird. Die Partitur ist fertig; es fehlen nur\nnoch einzelne Stimmen. Die beiden Werke über Beethoven, von\nUlibischeff, meisterhaft übersetzt von Prof. Bischoff, und von\nProf. Marx, machen auch hier grosses Aufsehen; wie wohl über-\nall, so sind auch hier die Stimmen getheilt; doch hat das erstere\neinen grossen Leserkreis gefunden, da es sehr interessant geschrie-\nben ist.\nUnterm 9. Januar hören wir: Der hochwürdigste Bischof Dr.\nIgnaz Senestrey hat den Canonicus und Senior an dem Collegiat-\nstifte zur Alten Capelle, Herrn Dr. Karl Proske, zum geistlichen\nRathe ernannt, vorzüglich auch wegen seiner grossen Verdienste um\ndie Kirchenmusik, deren begeisterter Reformator er mit Recht ge-\nnannt werden kann. Es ist ja bekannt, wie viel der gelehrte Kunst-\nHistoriker in der jüngeren Zeit durch die Herausgabe der Musica\ndivina geleistet. Gewiss! es kann keine Sammlung der mittelalter-\nlichen Kirchenmusik-Schöpfungen mit dieser Edition verglichen wer-\nden, nicht etwa bloss in Betreff der schönen Ausstattung, der bei-\nspiellosen Wohlfeilheit (das sind Nebensachen), sondern in Hinsicht\nauf Authenticität und Correctheit. In nächster Zeit steht das Er-\nscheinen des dritten Bandes (Vesperpsalmen, Hymnen, Magnificat,\nMarianische Responsorien, Alma u. s. w. enthaltend) zu erwarten;\ndie Partitur ist im Druck vollendet. Die obige Auszeichnung steht\nübrigens nicht vereinzelt. Abgesehen davon, dass man von nah und\nfern in den beregten Fragen an Can. Proske als an eine Autorität\nsich wendet, wurde er schon vor einigen Jahren in den Gelehrten-\nAusschuss des Germanischen Museums zu Nürnberg gewählt. Gott\nschenke nur dem edlen Manne Gesundheit und Leben, damit er seine\nerhabene Mission der Restauration der Kirchenmusik vollenden könne.\n♦ Frankfurt a« M« Seitdem Herr Benedix schied, leitet\nHerr von Guaita, Dr. juris und Freund der schönen Künste, als\nVorsitzender des Ausschusses seine ~Muster-Anstalt\" selbst. Als Re-\ngisseur unterstützt ihn Herr Voll mar. Diese Aenderung brachte\neinen bedeutenden Wechsel des Opern-Personals mit sich. Schon im\nLaufe des Spätsommers waren mehrere weggegangen, andere traten\nmit der alten Verwaltung ab. Von der Oper gingen die Damen\nHaase-Capitän, Veith und Schmidt, die Herren Schneider und Stern\nweg. Engagirt wurden Fräul. Chaloupka, Morska, Peters, die Herren\nBrunner und Abiger. Wie weit hierbei die Grundsätze des „Billigen1*\nstatt des Rechten mitwirkten, wissen wir nicht. Ob man beab-\nsichtigte, statt der alten Künstler, die sich nicht mehr erziehen las-\nsen, junge Kräfte hervorzuziehen, oder ob der Zufall nur angehende\nSänger brachte, wissen wir gleichfalls nicht; genug, es sind nur\nsolche da.\nDie Kölnische Zeitung bringt folgende Notiz : ~Dr. Franz Liszt\nhat die Direction der Weimarer Oper niedergelegt. Veranlassung zu\ndiesem Schritte war die ausgesprochene ungünstige Aufnahme einer\nvon ihm dirigirten, von einem seiner Schüler componirten neuen\nOper: „Der Barbier von Bagdad.\" Peter Y. Cornelius, eine fleissige"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590115-01.1.8", "texte": "Feder der Weimarer Schriftsteller- und Kunstwelt, ist der Tonsetzer\ndes neuen Werkes. Das Publicum ging in seiner Ablehnung so weit,\ndass man vergass, in einem grossherzoglichen Hoftheater zu sein,\nund pfiff. Dr. Liszt wird nur noch die Concert-Aufführungen der\nHofcapelle dirigiren.\" ln der Mittheilung unseres Correspondenten\naus Weimar in Nr 2 vom 8. Januar ist davon nicht die Rede,\nnur wird die Aufführung der Oper „Der Barbier von Bagdad\" aller-\ndings, wie zwischen den Zeilen zu lesen ist, als erfolglos bezeichnet.\nIVüriibei'g* Am 15. Dec. v. J. wurde hier zum ersten Male\ndie Oper Carlo Rosa, Musik von Bernhard Scholz, gegeben\nund gleich am 17. wiederholt. Sie fand beim Publicum eine sehr\ngute Aufnahme und hatte entschiedenen Erfolg. Der Componist wurde\nlebhaft wiederholt gerufen.\nWien* Aegidius Borzaga ist am IG. November v. J.\nnach schmerzhafter Krankheit seiner Familie und den zahlreichen\nSchätzern seines Talentes entrissen worden. Er war Mitglied der\nhiesigen Hofcapelle und des Operntheaters. Zur Zeit der berühmten\nphilharmonischen Concerte galt er als das Haupt jenei Opposition\ngegen Nicolai, in Folge welcher dieser letztere das Unternehmen\naufgeben musste. Als im Jahre 1848 Director Ballochino die Flucht\nergriff und das Operntheater sich in schwerer Bedrängniss befand,\ntrat ein provisorisches Comite, in welchem sich auch Borzaga be-\nfand, an die Spitze des Instituts, und hier zeigte sich Borzaga so\nthätig, entschlossen und Ihatkräftig, dass Holbein sich bestimmt\nfand, ihn bei seinem Directions-Antritte zum Theater-Secretär zu er-\nnennen, auf welchem Posten Borzaga, ohne die Anwartschaft auf\nseinen immer offen gehaltenen Orchesterplatz zu verlieren, sich durch\nausdauernde Klugheit sowohl unter Herrn Cornet wie unter Herrn\nEckert zu erhalten wusgte. Als Violoncellspieler glänzte er vorzugs-\nweise durch seinen markigen vollen Ton und durch die Sicherheit\nseines Spiels. Er war kein Virtuose, kein Solospieler im eigentlichen\nSinne, dazu mangelte es ihm vielleicht weniger an Talent als an\nUebung; als Quartettspieler hat er sich namentlich während der letz-\nten Jahre allgemeine, wohlverdiente Beliebtheit errungen. Was er in\ndiesem Bereiche neben Mayseder, Jansa, Hellmesberger und Vieux-\ntemps geleistet, wie sehr er sich in dieser Beziehung um den erneu-\nten Aufschwung der Kammermusik in Wien verdient gemacht, brau-\nchen wir den wiener Musikfreunden nicht erst ins Gedächtniss zu-\nrückzurufen. Borzaga hinterlässt zwei Söhne und zwei Töchter. Von\nersteren wirkt der eine als Violoncellist im Operntheater, von den\nTöchtern ist eine als erste Sängerin in Brünn engagirt.\nWien. Die Erfolge der Schwestern F erni im Wiedener Theater\ngingen im December in ein Crescendo über, das kein Ende nehmen\nzu wollen schien. Wie lässt sich diese Erscheinung erklären, da\nman sich gestehen muss, dass ihre Leistungen nichts Ausserordent-\nliches bieten? Wenn sich das Publicum in solcher Art hinreissan\nlässt, muss es wohl irgendwie Recht haben. Die liebenswürdige Per-\nsönlichkeit der Künstlerinnen, der Magnetismus der Jugend und der\nweibliche, nur Unter Frauenhänden mit seinem vollen Zauber wir-\nkende Reiz der Violine mögen zusammenwirken, um so zu locken,\nso zu fesseln. Im neunten Concerte liess Fräul. Virginia den er-\nsten Satz eines Concertes von Rode hören und kam damit doch\neiniger Maassen aus dem Kreise ihres modern französischen Reper-\ntoires heraus. Der Erfolg, den sie mit dem trefflichen Vortrage die-\nser Nummer errang, liess bedauern, dass ihre musicalische Ausbil-\ndung ausschliesslich einer Richtung des coquetten Virtuosenthums\nfolgte.\nFrau Clara Wieck-Schumann erfreute ihre zahlreichen Ver-\nehrer durch ein Abschieds-Concert nach den Weihnachts-Feiertagen,\nund zwar am 2. Januar um die Mittagsstunde. Der in allen Räu-\nmen überfüllte Saal gab der herrlichen Künstlerin den sprechendsten\nBeweis, dass dieses im Ganzen vierte Concert noch keine Berechti-\ngung hatte, den Abschied an der Stirn zu tragen. Es war aber auch\nan diesem Tage des Trefflichen so viel geboten, dass es den ent-\nzückten Hörer mit Wehmuth erfüllte, sich sagen zu müssen, dass er\neines solchen Genusses auf lange Zeit hinaus beraubt sein sollte.\nRubinstein, der rühmlichst bekannte Ciavier-\nVirtuose und Componist, ist von dem Kaiser zum Musik-Director\nder russischen Oper mit dem Gehalte von (angeblich) 12,000 Gulden\nernannt worden. (?)"}]}