{"numero_id": "bm-bmtnabi-1859-01-22-01", "volume": "bmtnabi_1859-01-22_01", "ocr_sha256": "e53f7d5c352b2ee1435ad1f19695b43596d0aa4b59d4fd36c685fb491228b0ef", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1859/01/22_01/bmtnabi_1859-01-22_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590122-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1859-01-22-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-01-22_01#c001", "volume": "bmtnabi_1859-01-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "25", "page_fin": "25", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590122-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590122-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 458, "texte": "Inhalt.\nPariser Briefe (Neue Opern: „Broskovano\" von Deffes „Lrt Bacchante\" von E. Gautier „Les (rois Nicolas'• von\nClapisson Der Tenorist Montaubry). Forts, statt Schluss. Aus Wien (Don Juan Das Paradies und die Peri Clara Schumann).\nVon E H. Fünftes Gesellschafts-Concert im grossen Gürzenichsaale zu Köln. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Dritte\nSoiree für Kammermusik, Herr Schott, Herr Niemann Aachen, Viertes Abonnements-Concert Darmstadt Leipzig)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-01-22-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-01-22_01#c002", "volume": "bmtnabi_1859-01-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "25", "page_fin": "27", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590122-01.2.2", "titre_corps": "Pariser Briefe.", "titre_sommaire": "Pariser Briefe.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590122-01.1.1", "debut_caractere": 460, "fin_caractere_exclue": 4267, "texte": "Pariser Briefe.\n[Neue Opern: „Broskovano\" von Deffes „La Bacclictnte\" von\nE. Gautier „Les trois Nicolas\" von Clapisson Der Tenorist\nMontaubry.]\n(Fortsetzung statt Schluss. S. Nr. 1.)\nEine zweiactige komische Oper für dasselbe Thedtre\nlyrique hat der junge Componist Louis Deffes geliefert.\nDer Gegenstand derselben ist zwar nicht neu die Ver-\nwicklung beruht auf Personen-Verwechslung —, aber er\nist recht geschickt bearbeitet. Deffes ist einer von den we-\nnigen Gekrönten der Akademie und römischen Stipendia-\nten, die durch ihre späteren Leistungen das Urtheil der\nPreisrichter bestätigen. Er hat einige Kirchenstücke und\nbereits drei komische Opern geschrieben; die beiden ersten\nsind freilich schon wieder vergessen, und ich will auch\nnicht dafür stehen, dass die dritte diesen Winter überlebt.\nAllein Talent zeigt sich offenbar in diesem „Broskovano\"\n—so heisst die Oper —•, besonders für melodischen Solo-\ngesang, während das Finale des ersten Actes, das einzige,\ndas darin ist, weniger geglückt ist. Broskovano ist ein wa-\nlachischer Räuber und Vampyr zugleich; glücklicher Weise\nbekommt man ihn aber gar nicht zu sehen, nur die Sage\nvon ihm spielt mit. Ausser einigen Arien, die ver-\nlangt wurden, zeichnete sich auch ein Duett und beson-\nders ein Quartett vortheilhaft aus. Sehr lobenswerth ist\ndie Behandlung des Orchesters, aus welchem Deffes den\nPosaunen-, Trompeten- und Trommel-Lärm der grossen\nOper mit richtigem Gefühl verbannt hat.\nDas Thedtre de I'Opera comique brachte als erste\nNeuigkeit der Saison: La Bakomische Oper in\nzwei Acten, Text von de Leuven und de Beauplan, Musik\nvon Eugen Gautier. Die erste Vorstellung fand am 4.\nNovember v. J. Statt. „Dass eine Dame aus der Demi-\nMonde oder noch tiefer her die Bolle einer tugendhaften\nFrau spielt, das ist schon zu oft da gewesen auf der Bühne;\nwie wär' es, wenn wir das Ding einmal umkehrten? Neu\n7 O\nwäre das gewiss!\" So dachten die Herren Dichter die-\nses Libretto's und schufen ihre „Bacchantin\", ein tugend-\nhaftes Mädchen, die von keiner Liebe ohne hochzeitliche\nWeihe etwas wissen will, die aber, um zu der Hochzeit\nmit ihrem Geliebten zu gelangen, die Rolle einer He-\ntäre spielt! Vive le nouveau!Thais wird eine Courti-\nsane, um ihren liederlichen Vetter Lyncast auf den Weg\nder Tugend zurück zu führen! Das gelingt ihr nicht nur,\nsondern sie lockt sogar den Pädagogen des jungen Vetters,\neinen alten Cato, auch in ihr Netz. Darauf Heirath und\nwahrscheinlich Glück und Tugend ohne Ende. Ein schö-\nnes Stück ein moralisches Stück! Eugen Gautier's Mu-\nsik ist, einige wenige Nummern ausgenommen, (lach, leer\nan künstlerischer Begeisterung und Phantasie. Hauptziel\ndes Componisten war nicht die Kunst, sondern Madame\nCabel, für welche die Direction eine neue pikante Colo-\nratur-Partie bestellt hatte. Die Dame hat denn auch die\nfalsche Thais mit einer bezaubernden Wahrheit gespielt\nund mit jenem rollenden Stimm-Mechanismus gesungen,\nbei dessen Besultaten mir immer zu Muthe wird, als hörte\nich eine Stahlsäge durch hartes Holz pfeifen.\nSechs Wochen später gab dasselbe Theater eine be-\ndeutendere Neuigkeit: Les trois Nicolas, komische Oper\nin drei Acten, Text von *** und Bernard Lopes, Musik\nvon Clapisson (erste Vorstellung am 16. December v. J.).\nIn dieser Oper wird der Componist Nicolas Dalav-\nrac auf die Scene gebracht, ein Name, der zu den frühe-\nren Berühmtheiten der pariser komischen Oper gehört;\nvon seinen Opern sind viele auch in Deutschland am Ende\ndes vorigen und im Anfange dieses Jahrhunderts gegeben\nworden, z. B. Nina oder Wahnsinn aus Liebe, Adolf und\nClara, Die beiden Savoyarden, Gulistan, Raoul von Crequi\nu. s. w. Er starb in Paris den 27. November 1809. Aus\nseiner Jugendgeschichte erzählen die biographischen Wör-\nterbücher einen Vorfall, welcher dem Libretto der neuen\nOper den Stoff geliefert hat."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590122-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5449, "texte": "Nicolas d'Alavrac, wie der Name eigentlich geschrie-\nben wird, war der Sohn eines adeligen Herrn im Langue-\ndoc, der einen hohen Posten bekleidete. Die musicalische\nNeigung des Knaben war, obwohl durch bedeutende An-\nlagen berechtigt und unterstützt, dem Vater zuwider. Er\nbestimmte ihn zum Eintritt in die Magistratur, untersagte\nihm die musicalischen Studien und legte Beschlag auf seine\nVioline. Nicolas wusste sich jedoch ein anderes Instrument\nzu verschaffen und schlich sich damit des Abends auf das\nplatte Dach des väterlichen Hauses, wo er die Melodieen\nversuchte, die ihm sein musicalischer Geist eingab. Sie\nverhallten nicht ganz ungehört in der Luft. Ein Ursuli-\nncrinnen-Kloster stiess mit seinem Garten an die Mauer\ndes Hauses, von dessen Höhe herab die lieblichen Töne\nerklangen. Eine junge Pensionärin des Klosters lauschte\nihnen; man blieb nicht bei der Tonsprache stehen, es kam\nzu Unterredungen, und für ein Lied, das Nicolas ihr auf-\ngeschrieben, gab sie ihm das kleine Kreuz, das sie trug,\nzum Andenken. Damit hört aber der Roman auf; denn\nNicolas' Vater, der mit den Ursulinerinnen eben so wenig\nwie mit der heiligen Cacilia zu schaffen haben wollte,\nschickte den Sohn nach Paris unter die Garde du Corps\ndes Herzogs von Artois. So weit die Geschichte, an der\njedenfalls die Hauptsache wahr ist.\nDie Verfasser des Libretto knüpfen nun da an, wo\ndie Geschichte aufhört, und machen von ihrem Dichter-\nPrivilegium ganz gehörigen Gebrauch, um den Roman\nfortzuspinnen.\nDalayrac steht seit einigen Jahren als Garde du Corps\nin Paris, hat die Musik gründlich studirt und geniesst be-\nreits eines bedeutenden Rufes. Seine „Nina\" hat diesen\nRuf vorzüglich begründet, und er arbeitet an der Oper\n„Azemia oder die Wilden\". Eines Tages steht er an der\nThür der Abtei von Longchamps Wache; das Tenebrae\nfactac sunt wird drinnen gesungen, und er hört eine\nStimme, die keiner Anderen angehören kann, als der frü-\nheren Pensionärin bei den Ursulinerinnen zu Toulouse. Er\nist entzückt, verlässt seinen Posten, tritt in die Kirche, und\nsiehe, die Sängerin ist dieselbe, deren Kreuz er stets bei\nsich trägt, die Nichte eines Marquis, der eine Hofstelle be-\nkleidet, und jetzt Stiftsfräulein, schön wie ihre griechische\nNamensschwester Helene. Sie geht herum, um für die\nArmen zu sammeln; Dalayrac legt das wohlbekannte\nKreuz in ihre Aumoniere und bittet um die Gunst, es mor-\ngen gegen eine volle Börse einlösen zu dürfen.\nHelene hat das Stift verlassen, denn sie soll in einigen\nWochen an einen Vicomte vermählt werden. Nicolas, der\nArrest bekommen hat und erst nach acht Tagen kommt,\nsein Kreuz einzulösen, ist in Verzweiflung. Er hat aber\ndurchschaut, dass ihn Helene noch liebt, und bittet sie\nschriftlich um ein Rendezvous. Dasselbe thut ihr Gesang-\nlehrer Trial von der italienischen Oper, der seine Gedan-\nken ebenfalls bis zu ihr zu erheben wagt. Beide Brieflein\nfallen in die Hände des Oheims. Er maskirt sich, um die\nAnbeter kennen zu lernen; denn der eine Brief ist bloss\nmit Nicolas, der andere gar nicht unterzeichnet. Nicolas\nund Trial finden sich ein, ebenfalls maskirt. Helenens\nBräutigam aber, der, Gott weiss, wie, Wind davon be-\nkommen, erscheint mit Wache und fragt die Vermumm-\nten nach ihren Namen. „Nicolas!\" antwortet der Marquis,\nd«r nicht erkannt sein will; „Nicolas!\" erwidert auch Da-\nlayrac, und Trial glaubt in der Angst, nichts Besseres thun\nzu können, als sich auch „Nicolas\" zu nennen. Daher\ndenn der Titel der Oper: Les trois Nicolas!\nTrotz einiger Längen und Unwahrscheirilichkeiten ist\ndie Handlung doch bis dahin, d. h. die zwei ersten Acte\nhindurch, nicht ohne Interesse; aber der dritte Act ist\nsehr schwach. Er führt die Lösung des Knotens auf ganz\nunvorbereitete Weise mit Hülfe der alten Anekdote her-\nbei, wo ein musicalisches Genie so lange eingesperrt wird,\nbis er eine neue Oper fertig hat. Dalayrac sitzt wieder im\nArrest, und soll nicht eher befreit werden, bis er die letzte\nScene der Oper „Azemia\", die noch nicht fertig ist, voll-\nendet hat. Er findet am Ende seine Begeisterung wieder,\nsingt die Schluss-Arie, die man hinter der Scene auf-\nschreibt, und ist eben so erstaunt wie die Zuschauer, als\nsich die Thür öffnet und der Vicomte, Helenens Bräuti-\ngam, vor lauter Kunst-Enthusiasmus ihm nicht nur die\nFreiheit ankündigt, sondern ihm auch seine Rechte auf\nHelene grossmüthig abtritt!\nTrotz dieser seltsamen Entwicklung hat die Oper doch\ngefallen; man behauptet sogar, ein hochberühmter Name\nstecke hinter den Sternchen des zweiten Mitarbeiters ver-\nborgen. Es wäre nicht unmöglich; denn der hochberühmte\nMann hat auch manche Abgeschmacktheiten in seinen spä-\nteren komischen Opern-Texten auf den Markt gebracht.\nDie Partitur zeichnet sich durch dieselbe Klarheit und\nEinfachheit des Stils, Feinheit in Behandlung der Form\nund verständige Instrumentirung, welche die einzelnen\nBlas-Instrumente oft sehr glücklich verwendet, aus, die wir\nin der „Fanchonnette\" mit Vergnügen begrüssten, in spä-\nteren Werken, z. B. „Margot\", aber wieder vermissten.\nIn dem neuesten nun begegnen wir zum Ersatz einzelnen\nmehr als sonst melodisch entwickelten Gesangstücken, die\nuns alles Frühere aus Clapisson's Feder zu übertreffen\nscheinen. Dagegen dürfen wir nicht verschweigen, dass es\nauch nicht an Längen fehlt, an Stellen, in welchen der\nMangel an interessanter und lebensvoller Situation in der\nHandlung nicht durch das Genie des Componisten verdeckt\nworden ist. Auch die Ouvertüre erweckt kein günstiges"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590122-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4189, "texte": "Vorurtheil; das Motiv des Allegro (ein kurzer Marsch geht\nihm vorher) ist in dem Finale des zweiten Actes ganz an\nseiner Stelle, hier aber ist dessen Durchführung geschraubt\nund in Modulationen verwickelt, die den ärgsten Zukunfts-\nmusikern Ehre machen würden. Dergleichen Inconsequen-\nzen und Widersprüche im Stil Eines und desselben Werkes\nbeweisen recht deutlich, dass das wahre musicalische Genie,\nwelches bei der grössten Mannigfaltigkeit des Einzelnen\ndem Ganzen doch einen unverkennbaren eigenthümlichen\nStempel aufdrückt, nicht mehr vorhanden ist. Bei Richard\nWagner ist es umgekehrt, als bei vielen anderen Neueren;\nbei ihm trägt das Ganze allerdings einen gewissen eigen-\nthümlichen Stempel, der fast immer sichtbar bleibt; aber\ndie Mannigfaltigkeit fehlt, das Einzelne wird oft gerade da-\ndurch, dass ihm derselbe Stempel mühsam ebenfalls auf-\ngedrückt wird, unerträglich, und am Ende bleibt nur der\nEindruck von Monotonie, nicht von Originalität übrig.\nEffecte wie im Finale des ersten Actes, wo das Tenebrae\nfaetae sunt in der Kirche mit Orgelbegleitung gesungen\nwird, gehören auch nicht in die komische Oper, wenn wir\nauch das Gewitter, das am Schlüsse noch obenein dazu\nkommt, nicht verpönen wollen, weil der Himmel seinen\nDonner eben so gut über komische als über tragische\nMenschen rollen lässt. Der zweite Act ist, wie in der Hand-\nlung, so auch in der Musik der anziehendste; eine Arie\nHelenens (Mademoiselle Lefebvre) mit obligater Violine\nund reichen Verzierungen, zwei Duette und das Finale\nsind recht hübsche Musikstücke.\nDerselbe Abend brachte aber mit der neuen Oper\nnoch etwas, das für die Pariser weit mehr ein Ereigniss\nist, als eine neue Composition: einen neuen Tenoristen.\nMontaubry, so heisst das neue Phänomen, sang vor eini-\ngen Jahren, als er eben die Singclasse Panseron's auf dem\nConservatoire verlassen hatte, in Paris auf dem Vaudeville-\nund auch einige Male auf dem Theater der komischen\nOper. Man bemerkte ihn kaum, oder mit anderen Worten:\ner konnte keine Reclame für sich gewinnen. Anstatt wie\ndie meisten französischen Musiker sich auf Paris zu capri-\ncioniren, ging er in die Provinz und ins Ausland; jetzt hat\nihn der Director Roqueplan aus Brüssel geholt, und Mont-\naubry hat in der Rolle des Daleyrac dieselbe Bühne als\nMeister wieder betreten, auf welche er sich als Schüler\nzum ersten Male wagte. Als ein hübscher, schlanker Mann\nvon mittlerer Grösse, ungezwungen und voll nobler Hal-\ntung in der schönen Garde-du-Corps-Uniform, eroberte er\ngleich mit den ersten Tönen die Gunst des Publicums.\nSeine Stimme hat einen vortrefflichen Klang, ist geschmei-\ndig und biegsam und doch voll Kraft; er trägt mit Aus-\ndruck vor und spielt sehr gut; er erinnert an Roger's er-\nstes Auftreten auf demselben Theater. Leider ist der talent-\nvolle und mit so herrlicher Stimme begabte junge Mann\nnicht frei geblieben von der Ansteckung der neueren Ge-\nsangschule, welche Schreien mit Singen verwechselt. Be-\nsonders unangenehm war ein solcher Schrei bei einer\nStelle über die Seligkeit der Liebe; eine derartige Ge-\nschmacklosigkeit hätte man nach den ausdrucksvollen Vor-\nträgen im ersten Acte nicht erwartet. Hiesige Kritiker\nnennen so etwas „Fehler aus der Provinz\"; sie vergessen\naber, dass die Provinz-Sänger sich diese schauderhafte\nManier aus der grossen Oper von Paris holen.\nDa bin ich auf einmal da, wohin ich wollte, oder\nrichtiger da, wohin ich sehr selten gehe. Die grosse\nOper ist fast ganz unproduetiv geworden; sie lebt von\ndem Ertrage der Gapitalien, die ihr Meyerbeer geschenkt\nhat, d. b. gegen gute Zinsen, genannt Einnahme-Antheile.\nHeute „Robert\", morgen „Die Hugenotten\", übermorgen\n„Der Prophet\" das ist ihr wöchentliches Programm,\nauf welchem Ende December mit goldenen Buchstaben\nprangte: „400ste Vorstellung von im kai-\nserlichen Opernhause zu Paris.\" Was will man mehr?\nIst die Casse doch auch hier, bei diesem so genannten\nersten musicalisch-dramatischen Kunst-Institute der Welt,\ndie Hauptsache geworden! Nimm das Ballet und die Syl-\nphide Livry dazu, welche von ganz Paris mit Ausnahme\nDeines bescheidenen Correspondenten bewundert wird,\nund Du hast alles, was Du jetzt von der grossen Oper\nerwarten kannst.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-01-22-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-01-22_01#c003", "volume": "bmtnabi_1859-01-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "27", "page_fin": "30", "image_debut": 3, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590122-01.2.3", "titre_corps": "Aus Wien.", "titre_sommaire": "Aus Wien.", "signature_source": "E. H", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590122-01.1.3", "debut_caractere": 4191, "fin_caractere_exclue": 5176, "texte": "Aus Wien.\n\n[Don Juan Das Paradies und die Peri Clara Schumann.]\nMozart's Don Juan erwies sich in der letzten Auffüh-\nrung, wie so oft schon, im vollen Besitz der Kraft, „aus-\nverkaufte Häuser\" zu erzwingen. Schon des Morgens balg-\nten sich die Leute um Sitze an der Casse, ausnahmsweise\nschaute der Genius der Musik incognito zu und freute sich.\nWeder in der Besetzung der Oper noch sonst zeigte der\nTheaterzettel die mindeste Veränderung; dennoch war die\nVorstellung in manchen Stücken neu.\nFürs Erste wurde der gesprochene Dialog durch die\nOriginal-Recitative von Mozart ersetzt, zum entschiedenen\nVortheil des Gesammt-Eindrucks und insbesondere des\nSpiels der Sänger. In dieser überwiegend tragischen und\npathetischen Oper störte das plötzliche Abfallen von dem\ngesungenen zum gesprochenen Tone unläugbar, und da\nüberdies der Dialog nicht von grosser Ausdehnung ist, so\nlag dessen Ersatz durch Secco-Reciten sehr nahe. Dennoch\nwerden wir uns wohl hüten, diesen Fall zu generalisiren"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590122-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5608, "texte": "und in das Verdammungs-Urtheil einzustimmen, das so\nallgemein über den Dialog in der Oper geschleudert wird.\nPas so genannte „trockene Becitativ\", das zum Unter-\nschiede von dem „begleiteten\" oder „obligaten\" nur von\neinfachen, am Ciavier angeschlagenen, durch Cello und\nBass verstärkten Accorden getragen wird, ist ein italiäni-\nsches Product, das sich nur mit erheblichen Nachtheilen\nauf deutschen Boden übertragen lässt. Nur die unvergleich-\nliche Weichheit und Flüssigkeit der in Vocale austönen-\nden italiänischen Sprache macht ein Becitativ möglich, das\nganze Scenen hindurch im raschesten Tempo der Conver-\nsation sich abspinnt, ohne zu ermüden. Im \"Italiänischen\nist das Secco-Recitativ kaum noch ein gesteigertes, son-\ndern nur ein innerhalb gewisser Intervalle festgehaltenes\nSprechen. Wie ganz anders klingen solch recitirte Scenen\nim Deutschen!\nDie Schwerfälligkeit unserer Sänger, die ein rasches\nund leichtes Sprechen ganz ungewohnt sind, trägt nur die\nhalbe Schuld neben der Schwerfälligkeit unserer harten,\nin Consonanten ausgehenden Sprache. Ein italiänisches\nSecco-Becitativ dauert, ins Deutsche übersetzt, fast noch\neinmal so lange, als im Original. Es wird darum überall\ndort unerträglich, wo lange Gespräche und Erzählungen\nrecitativisch zu erledigen sind, also in der komischen\nOper, welche, auf complicirtere Intrigue angewiesen, brei-\nterer Explicationen bedarf. Hier ist im Deutschen die\nProsa noch immer besser am Platz, als das Becitativ. Sie\nist ein Uebel ohne alle Frage, aber ein nothwendiges. Wir\ntheilen Lortzing's Ueberzeugung, dass der gesprochene\nDialog in der grössten Mehrzahl der deutschen komischen\nOpern ganz unentbehrlich sei. Er entspricht einestheils der\nEigentümlichkeit unserer Sprache, anderenteils der na-\ntionalen, im Singspiel ruhenden Wurzel der deutschen\nOper. Soll man dem Uebelstand der Prosa wirklich da-\ndurch entgegentreten, dass man überall llecitative einführt,\noder soll man nicht lieber die deutschen Sänger dazu an-\nhalten, dass sie sprechen lernen? Wir glauben Letzteres.\nMan muss es nicht länger als ein unabwendbares Schick-\nsal betrachten, wenn deutsche Sänger nicht drei Sätze\nleicht und natürlich von sich geben können, sondern for-\ndern, dass sie es lernen. Die französischen Sänger der\nOpera comiquesind uns darin das beste Vorbild, und der\nbeste Beweis zugleich, dass das Störende der Prosa sich\nunendlich mildern lässt, indem man sie gut spricht.\nZum Don Juan zurückzukehren, so billigen wir nicht\nnur den Schnitt durch die gesprochene Prosa, wir hätten\nauch ein geschicktes Messer für die Auswüchse der ge-\nsungenen gewünscht. Wie an den meisten deutschen Büh-\nnen, so wird auch am Kärnthnerthor-Theater Don Juan\nnach einer wahrhaft barbarischen alten Uebersetzung ge-\nsungen. Der Uobelstand ist so auffallend, dass in neuester\nZeit (von Kugler, Dr. Viol u. A.) ausführliche Vorschläge\nzu besserer Bearbeitung veröffentlicht wurden, die sehr\nbeherzigenswert!] sind*). Möchten wir auch manchen kin-\ndischen Original-Text, mit welchem die Musik längst un-\ntrennbar verwachsen ist, wie in der Zauberllöte, nicht mo-\ndernisiren wollen, so ist es doch um die Verbesserung\neiner rohen und meist unrichtigen Uebersetzung ein\nanderer Fall. Kugler hat mit Recht hervorgehoben, dass\nbei den Italiänern, wo eine viel gleichartigere Bildung die\nStände durchdringt, und die ganze Sprache das hat, was\nsie selbst mit einem fast unübersetzbaren Worte „Genti-\nlezza\" nennen, mancherlei Bedenkliches direct ausgespro-\nchen werden kann und in ihrem Munde noch fein klingt,\nwährend es in wörtlicher Uebersetzung alsogleich roh und\ngemein erscheint. Wie trivial ist das deutsche „Jede Schürze\nist ihm recht\" und Aehnliches in der Register-Arie! Wie\npöbelhaft Leporello's wiederholter Ausruf: „Ha, das nenn'\nich schrecklich fressen!\" für das italiänische „Ah che bar-\nbaro Appetito/\" Das vollständige Verzeichniss solcher\nSchmutzllecken würde ansehnlich genug ausfallen, gar\nnicht zu reden von der entsetzlichen Geschmacklosigkeit\ndes stereotypen Toastes: „0 göttlicher Mozart!\" dem\nein Dutzend Hände auf der Galerie flauen Bescheid thun.\nSo dünkt uns denn ein sorgfältiges Wegnehmen noch\ndringender, als das Hinzuthun, welches die Vorstellung\nvom 18. auszeichnete. Wir hörten nämlich zum ersten\nMale die von Mozart nachcomponirte Arie des Masetto:\n„Ho capito\", und die kleine Arie der Elvira (Nr. 7in D);\nendlich sang auch Don Ottavio seine beiden Arien in G\nund j5, von denen die eine oder die andere wegzubleiben\npflegt. Auch das kleinste Stück der Don-Juan-Musik ist\nvon Interesse. Allein nur exaltirte Pietät kann darin not-\nwendige Bestandteile des Ganzen erblicken und über die\n„endliche Wiederherstellung der Intentionen Mozart's\"\ntriumphiren. Die beiden Arien sind durchaus Mozartisch,\nallein weder musicalisch von grossem Belang, noch wichtig\nfür die dramatische Motivirung. Eine ganz andere Aufgabe\nfür einen ehrgeizigen Regisseur läge in dem Arrangement\ndes Schlusses. In ihrer gegenwärtigen Form geht die Oper\n\n*) Die Nummer 50 der Nieder rheinischen Musik-Zei-\ntung ist dem Verfasser erst nach dem Abdruck des obigen\nAufsatzes zugekommen, so dass ihm die dort mitgetheilten\nProben meiner jetzt vollendeten vollständig neuen Ueber-\nsetzung des italiänischen Textes von Don Juan noch nicht\nbekannt waren. Was das Recitativo secco betrifft, so stimme\nich ganz mit den oben ausgesprochenen Ansichten überein;\nich habe dasselbe zu der Mozart'schen Musik so conversations-\nmassig iiiessend wie möglich zu übersetzen gesucht, daneben\naber auch einen Dialog zum Sprechen beigefügt, der beson-\nders kleineren Bühnen willkommen sein dürfte.\nL. Bischoff."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "29", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590122-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5404, "texte": "etwas leer aus; der ganze zweite Act hat keinen Chor,\ndie vollstimmigste Nummer ist das Sextett, und zu dem\ngrossartigen Sturme des ersten Finale bildet der übliche\nSchluss des zweiten keine entsprechende Parallele. Dieser\nSchluss (Don Juan von etlichen Teufeln herumgezerrt und\nendlich in einen feurigen Rachen geworfen) ist weniger\neine musicalische als eine scenische Situation, um nicht zu\nsagen: ein Galerie-Spectakel. Hier würde unbedingte Pie-\ntät, indem sie auf dem Mozart'schen Originalschluss be-\nstände, dem Total-Eindruck mehr schaden als nützen. Rei\nMozart treten nämlich unmittelbar nach der Höllenfahrt\nDon Juan's alle Personen wieder auf, vernehmen durch\nLeporello das Vorgefallene und schliessen, nachdem sie ihre\ngegenseitigen Verhältnisse endgültig geordnet haben, mit\neinem Sextett betrachtenden Inhalts. Nach dem tragischen,\ntief erschütternden Ende Don Juan's ist dieses undramati-\nsche Finale von eigenthümlich ernüchternder Wirkung,\nwie wir bei einer vollständigen Aufführung in Prag selbst\nerfuhren. Die Idee Rerlioz' schien uns daher einer Wie-\ndererweckung in hohem Grade würdig [vgl. in Nr. 50 v.\nvorigen Jahre unsere entgegengesetzte Meinung].\nUeber die Aufführung des Don Juan können wir uns\nkurz fassen. Orchester und Chöre (unter Herrn Eckert's\nLeitung) ganz vortrefflich; Herr Ander ausgezeichnet im\nGesänge, Frau Dustmann im Spiel und dramatischen\nAusdruck; Fräul. Wildauer noch immer allerliebst als\nZerline; Herr Mayerhofer tadellos als Masetto. Herr\nDraxler ein wackerer Fundamental-Rass, aber ein trocke-\nner, ganz humorloser Leporello. Herr Reck endlich ein\nDon Juan, oder vielmehr ganz und gar kein Don Juan;\ndenn so bar aller männlichen Würde und Anmuth, so\nsüsslich, grinsend und eckig gesucht in jeder Rewegung,\nso roh lachend und unartig von der Scene ablaufend, mit\nEinem Worte: so ganz geist- und poesielos können und\nwollen wir uns Don Juan nicht denken. Erst in der letzten\nScene, wo der liebenswürdige Verführer dem trotzigen\nSünder Platz macht, hob sich Herr Reck in Spiel und Ge-\nsang. Wir bedauern, dass er seit einer Reihe von Jahren\nDeba ssini nichts weiter abgeguckt als das hohe Fis am\nSchlüsse des „Ständchens\", das bei der spröden Höhe\nReck's mehr einem gepressten Angstschrei, als einem Lie-\nbesrufe glich.\nDas „Ständchen\" wurde diesmal auf der Mandoline\nbegleitet, eine Neuerung, welche als historische Curiosität\nund als eine Probe von Herrn Hellmesberger's vielseitiger\nGeschicklichkeit interessirt, jedoch bei dem dünnen, zirpen-\nden Tone des Instrumentes in vieler Hinsicht gegen das\nübliche Arrangement zurücksteht. In dem scenischen Ar-\nrangement waren einige nicht glückliche Aenderungen ge-\ntroffen. So stand die Reiter-Statue des Gouverneurs nicht\nwie bisher links vom Zuschauer im Hintergründe der\nRuhne, sondern rechts im Mittelgrund, wodurch der Ein-\ndruck des Geheimnissvoll-Schauerlichen (dem ohnehin die\nDarsteller des Don Juan und des Leporello nicht zu Hülfe\nkamen) noch mehr abgeschwächt wird. Auch das neue\nSchluss-Arrangement, welches im V ordergründe Don Juan's\nZimmer mit allen Requisiten seines Gastmahls unverändert\nstehen lässt, während dahinter der feurige llöllenrachen\nmit der obligaten Teufelsbalgerei sich eröffnet, ist nicht\ngeeignet, die tragischen Schauer zu verstärken.\nWahrhaft Epoche machend in dieser Saison war die\nAufführung von Schumanns „Paradies und Peri\" im\ngrossen Redoutensaale am 19. üecember. Hatte das Pu-\nblicum schon bei der vorjährigen, höchst mangelhaften\nAufführung im Musikvereins-Saale entschiedene Sympa-\nthieen für das tief poetische Werk kund gegeben, so stei-\ngerten sich diese nunmehr zu enthusiastischem und dies-\nmal wohlverdientem Reifall. Die Aufführung war eigent-\nD D\nlieh die erste vollständige, da im verflossenen Jahre, ab-\ngesehen von der schwächeren Resetzung, wegen Re-\nschränktheit des Raumes die Harfe und die Janitscharen-\nMusik weggelassen wurden, deren Wirkung an den be-\ntreffenden Stellen ganz unersetzlich ist.\nFrau Dustmann, welche am Abend vorher die Donna\nAnna gesungen, sang am Sonntag Mittags mit derselben\nihr eigentümlichen begeisterten Hingebung den anstren-\ngenden Part der Peri. Wenn je, so darf wohl in diesem\nFalle die Kritik die allgemeine Stimme suppliren und einer\nKünstlerin den wärmsten Dank dafür entgegenbringen,\ndass sie aus reiner uneigennütziger Regeisterung für die\nKunst sich einer so ungewöhnlichen Anstrengung unter-\nzog. Die übrigen Solo-Partieen, obgleich zum Theil in\nHänden von Anfängerinnen, entsprachen durchaus billigen\nAnforderungen; die Fräulein Krauss und Falkenberg,\ndie Herren Walter und Mayerhofer empfingen Zeichen\ndes Reifalls. D as unbedingteste Lob gebührt den Chören,\nwelche durch den „Sing-Verein\" unter der verdienstvollen\nLeitung des Herrn Herbeck ausgeführt wurden. Auch\ndas Orchester, von dem wir nur manchmal ein zarteres\nPiano gewünscht hätten, lös'te im Ganzen seine Aufgabe\nrühmlich und wurde durch den wiederholten Hervorruf\ndes Dirigenten Herrn Hellmesberger geehrt.\nNur mit wenig Worten können wir diesmal des drit-\nten Concertes von Frau Clara Schumann gedenken und\nunsere Freude darüber ausdrücken, dass es denn doch nicht\ndas „letzte\" blieb. Wie bei allen Productionen dieser\nKünstlerin, äusserte sich die Wirkung ihres Spiels auf die\nVersammlung auch diesmal weniger in hinreissender Ge-\nwalt, als in jener echten, ruhigeren Refriedigung, die wir\nbei der ernsten Musik classischer Meister empfinden. Frau"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590122-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 445, "texte": "Schumann spielte Beethoven s I)-duv-Sonate, Op. >29\n(von dem Verleger nieht unpassend zube-\nnannt), dann drei Phantasiestücke mit Violine von Schu-\nmann (schwächere*Erfindungen aus letzter Zeit), Bach's\n„Gavotte\" und Orgelfuge in endlich eine noch\nungedruckte Partie „ungarischer Tanze >on Brahms,\nwelche, in hohem Grade interessant, das bizarre Element\nder Schumann'sehen Muse leider zu einem fast unge-\nniessbaren Raffinement zuspitzen.\n\nE. H."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-01-22-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-01-22_01#c004", "volume": "bmtnabi_1859-01-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "30", "page_fin": "31", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590122-01.2.4", "titre_corps": "Fünftes Gesellschafts-Concert in Köln im Hauptsaale des Gürzenich.", "titre_sommaire": "Fünftes Gesellschafts-Concert in Köln im Hauptsaale des Gürzenich.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590122-01.1.6", "debut_caractere": 447, "fin_caractere_exclue": 6232, "texte": "Fünftes Gesellschafts-Concert in Köln\nim Hauptsaale des Gürzenich.\nDinstag, den 11. Januar 1859.\nProgramm: Erster Theil: 1. Sinfonie in D-dur von W. A.\nMozart; 2. Arie ~Er ward verschmähet\" aus dem Messias von\nHändel (Fräulein Schreck); 3. Concert in Es-dur für I ianoforte\nund Orchester von Beethoven (Herr Ferdinand Breunung);\n4. Recitativ und Arie: „0 du, die mir einst Hülfe gab\", aus Iphi-\ngenie aufTauris von Gluck (Fräulein Ida Damke); 5. Ouvertüre\nzu Oberon von C. M. von Weber.\nZweiter Theil: 6. „Dornröschen\", Gedicht von Franz\nBonn, für Soli, Chor und Orchester componirt von Karl Freiherrn\nvon Perfall. (Unter Leitung des Componisten.)\nWir wollen unseren Bericht mit der Besprechung des zweiten\nTheiles beginnen, weil dieser uns eine Neuigkeit vorführte\nDer Inhalt des „Domröschen\" nach der Bearbeitung von\nFranz Bonn und der Composition des Herrn von Per fall ist,\nso wie wir es hier in dem Concerte am 11. d Mts. gehört haben,\nfolgender. Wir schicken die letztere Bemerkung voraus, weil der\nComponist einen Abschnitt, der bei der Aufführung in München noch\ngegeben worden ist, bei der hiesigen unterdrückt hat.\nIm ersten Abschnitte verheisst eine Fee (Alt-Partie), dass sie\ndes Königs Tochter Domröschen gegen aufgedrungene Vermählung\nin Schutz nehmen und an ihr Herz zur guten Stunde den rechten\nFreier führen werde. Der König verkündet seinem Volke die\nVerlobung seiner Tochter mit dem reichsten Fürsten der Welt, was\ndas Volk mit jubelndem Chor vernimmt.\nDer zweite Abschnitt versetzt uns in ein Kämmerlein im Schloss-\nthurm, in welchem Dornröschen der Fee, welche die Gestalt einer\nalten Spinnerin angenommen hat, ihr Leid klagt, da sie ein ganz\nanderes Bild eines Geliebten im Herzen trage Das alte „Mütterlein\"\nsucht sie zu trösten. Da erscheint der König, ergrimmt darüber,\ndass „noch eine Hexe in seinem Reiche fortspinnt\", und zerschlägt\nRocken und Spindel. Aber die Spindel sticht Dornröschen, ihr Blut\nfliesst, der Chor der Waldgeister ruft Wehe über das Geschick, das\nein Seher verkündet habe; Dornröschen versinkt in Schlaf, eben so\nder König und Alles im Schlosse, während die Waldgeister ihnen\ndas Schlummerlied singen.\nDiese zwei Abschnitte waren zu einem ersten Theile vereinigt.\nDer dritte und längste Abschnitt bildete den zweiten Theil.\nEr beginnt mit einem Chor der Waldgeister, die in dem Walde\nvor dem Schlosse hausen und uns verkünden, dass das Schloss und\nseine Bewohner seit hundert Jahren unter dem Banne eines Zaubers\nliegen, der nur durch die Erscheinung des rechten Freiers gelös't\nwerden könne.\nEin Jägerchor kündigt die Ankunft eines Königssohnes an. Er\nfühlt sich wunderbar im Innern bewegt, spricht seine Stimmung in\neiner Arie aus und schläft ein. Die Waldgeister bemerken ihn und\nahnen in ihm den Befreier der schlafenden Maid; eine Stimme singt\ndem Träumenden das Märchen vom Dornröschen. Er erwacht, er-\nblickt das verzauberte Schloss und entschliesst sich zur That. Die\nWaldgeister erzählen uns, wie er in den Thurm dringt, wo die Maid\nschläft, und sie küsst. Sie erwacht erblickt in ihm das Bild\nihrer Sehnsucht Lieb' um Liebe „so ewig mein, so ewig\ndein !u\nNun schildern uns die Waldgeister das neue Leben im Schlosse,\nwo urplötzlich Alles wieder wach geworden ist. Die Fee erscheint\nund triumphirt, dass die Liebe gesiegt habe; der König beugt sich\nvor ihr, nimmt den Prinzen zum Eidam, das Volk singt ihm und\ndem neuen Bunde Heil!\nMan sieht hieraus, dass das Gedicht auch zu jener Zwitter-Gat-\ntung gehört, die das epische Element mit dem lyrisch-dramatischen\nzusammenmengt. Beide durch die Composition zu einer musicalischen\nEinheit zu verschmelzen, ist eine schwierige Aufgabe; sie verlangt\neine Vereinigung des objectiven, erzählenden und schildernden Bal-\nladen-Tones mit den subjectiven lyrischen Ergüssen und dramati-\nschen Declamationen der handelnden Personen. Auch Schumann ist\nin seinen grösseren Gesangwerken an dieser Klippe gescheitert. Man\ndarf sich zur Rechtfertigung einer solchen Vermischung der Formen\nnicht auf Bacli's Passionsmusiken berufen; denn erstens ist in ihnen\nvon dramatischen Scenen nicht die Rede, und zweitens gibt er dem\nErzähler der evangelischen Geschichte nur Recitativ. Sobald der\nComponist, wie es die Neueren seit Schumann thun, über das Reci-\ntativ hinausgeht und in arienmässigem Gesänge erzählt und be-\nschreibt, darauf wieder dieselbe Form auf den Ausdruck der Em-\npfindungen und Leidenschaften der Personen anwendet, die als han-\ndelnd gedacht werden, so entsteht eine Verwirrung, die keine klare\nAnschauung des Ganzen in dem Zuhörer aufkommen lässt. Herr\nvon Perfall und der Bearbeiter des Textes seiner Composition haben\nindess die gefährliche Klippe glücklich umschifft, indem sie das We-\nnige, was zu erzählen nothwendig war, nicht einer einzelnen Stimme,\nsondern dem Chor der Waldgeister gegeben haben, die dann gewis-\nser Maassen als Mithandelnde auftreten, in dieser Beziehung fast\ndem Chor in der antiken Tragödie vergleichbar. Im zweiten Ab-\nschnitte ist jedoch eine Lücke fühlbar; man begreift den Zorn des\nKönigs über die „eine Hexe, die noch spinnt in seinem Reiche\",\nnicht, und eben so wenig die Worte des Chors der Waldgeister :\n„Erfüllt ist, was der Seher sprach.\" In der ursprünglichen Gestalt\ndes Ganzen tritt nach dem Chor des Volkes im ersten Abschnitte\nein Seher auf, mahnt den König ab, die Tochter wider ihren Willen\nzu vermählen, sonst werde der Zorn der mächtigen Fee verderblich\nwerden; der Stich einer Spindel werde Dornröschen verwunden und\nsie und Alles in Todesschlaf versenken. Doch der König beharrt\nbei seinem Willen, verbannt aber aus seinem Reiche, „wer fürder\nnoch die Spindel dreht4'. Soll nun dieser ganze Abschnitt weg-\nfallen, so wird die Lücke, die dadurch im Zusammenhange des Gan-\nzen entsteht, auf irgend eine Weise ausgefüllt werden müssen."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590122-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2534, "texte": "Das Werk beginnt mit einer Einleitung (Andante, -\nmoll), deren erste Periode nur die Bratschen, Celli Und Bässe aus-\nführen, zu denen dann die Violinen, Alles con sordini, kommen; bald\ntreten die Blas-Instrumcntc hinzu, und aus der düsteren, mystischen\nStimmung, die recht schön und charakteristisch ausgesprochen ist,\nschwingt sich ein feuriger Orchestergang in die Höhe (in Allem nur\n38 Tacte), nach welchem das Recitativ der Fee eintritt, auf welches\neine kurze Arie derselben Andante in C-dur, %-Tact folgt,\neine einfache, aber recht ansprechende Melodie, die durch die Be-\ngleitung vom Streich-Quartett (ohne Contrebass) und drei Flöten,\ndie der Componist öfter recht geschickt anwendet, gehoben wird.\nHierauf tritt wiederum ein Orchestersatz (Andante, %-Tact) von 32\nTacten ein, der die Einleitung beendigt. Der Gedanke, den Gesang\nder Fee, der gewisser Maassen einen Prolog bildet, mitten in die\nInstrumental-Einleitung, in eine Art von Ouvertüre zu bringen, ist\nein glücklicher; das Stück rundet sich gut ab, erinnert im Colorit\netwas an Marschner im Hans Heiling und macht einen guten Ein-\ndruck.\nDer König kündigt ein heroisches Unisono von Posaunen, Trom-\npeten und Hörnern an ; auf das Recitativ (überall, wo von Recita-\ntiv die Rede ist, gilt das Wort in seinem eigentlichen Sinne, da\nHerr von Perfall glücklicher Weise von dem langweiligen psalmodi-\nschen Arioso Schumann's und Wagner's fern geblieben und an der\nwahren musicalischen Deelamation festgehalten hat) folgt ein grosser\nChor in D-dur {Allegro maestoso, %-Tact), frei gearbeitet, frisch und\nfeurig in seinen Motiven, und wie Alles in dieser Cantate recht\nsangbar und stimmgerecht.\nDas Duett in H-moll, Andante con moiö, 6/8-Tact, zwischen So-\npran und Alt (Domröschen und Fee), welches den zweiten Abschnitt\neröffnet, ist im Ganzen nicht bedeutend, erhebt sich jedoch in dem\nMittelsatze in D-dur, %-Tact, zu ausdrucksvollen Melismen. Nach\ndem verhängnissvollen Stich der Spindel folgt ein langsamer Satz\nin G-dur, %-Tact, einige Tacte Solo (Dornröschen: „Schlaft wohl,\nmein König, mein Herz versinkt in Traum!\") und darauf Chor der\nWaldgeister: „Still! der König schlummert zur Ruh'! Schlaft\nein;\" Alles pianissimo, nur von gedämpften Violinen und Brat-\nschen in gebundenen melodischen Achtelfiguren und hier und da von\neinem Pizzicato-Tone der Bässe begleitet, ein origineller, höchst an-\nmuthiger, reizend duftiger Satz, der den ersten Theil schliesst und\nden lebhaften Applaus, der ihm hier zu Theil wurde, gewiss überall\nhervorrufen wird.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-01-22-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-01-22_01#c005", "volume": "bmtnabi_1859-01-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "31", "page_fin": "32", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590122-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590122-01.1.7", "debut_caractere": 2536, "fin_caractere_exclue": 7186, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nf&olfli* Dinstag den 18. d. Mts. fand die dritte Soiree für\nKammermusik im kleinen Gürzenichsaale Statt, der indess für das\nzahlreiche Publicum zu klein war. Warum wird nicht der mittlere\nSaal genommen? Gespielt wurden zwei Streich-Quartette, ein recht\noriginelles von Haydn in G-moll und Nr. 8 von Beethoven in\nE-moll. Die Ausführung (von Königslöw an der ersten Geige)\nwar vortrefflich und wurde durch den lebhaftesten Beifall anerkannt.\nDie Clavier-Partie hatte dieses Mal Herr Capellmeister Hi 11 e r über-\nnommen ; er spielte mit bekannter Meisterschaft ein Trio von sei-\nner Composition (Manuscript), eine feine Arbeit, die besonders in\nden zwei ersten Sätzen (Allegro und Allegro scherzoso) am meisten\nansprach, und schloss die Soiree mit dem Vortrage der Phantasie-\nSonate in Cis-moll von Beethoven. So schön der Vortrag des\nAdagio auch war, so wenig können wir das viel zu schnelle Tempo\ndes letzten Satzes gut heissen, um so weniger, da der verehrte Mei-\nter eine Autorität ist und als Dirigent der Orchesterwerke Beetho-\nven's uns an so richtige und jedem Satze trefflich angemessene Auf-\nfassung der Tempi gewöhnt hat. Der Satz ist allerdings l}resto agi-\ntato überschrieben, allein das ist doch immer noch kein Prestissimo.\nNamentlich schadet ein zu schnelles Tempo bei der Klangfülle und\nnicht scharfen Abdämpfung der heutigen Flügel der Deutlichkeit,\ndie man doch bei der Virtuosität und dem wundervollen Anschlag\nHillens sonst wahrlich niemals vermisst.\nAuf dem Stadttheatcr hat in voriger Woche Herr Schott vom\nköniglichen Hoftheater zu Hannover drei Gastrollen gegeben, den\nMarcel in den Hugenotten, Caspar im Freischütz und Bertram im\nRobert. Seine sonore Bassstimme macht sich besonders im getragenen\nGesänge recht schön geltend; wenn sie etwas biegsamer wäre, so\nwürden auch die schnelleren Tempi, die Herr Schott öfter zu lang-\nsam nimmt, besser gelingen.\nGegenwärtig gastirt der königlich hannoversche Hof-Opernsänger\nHerr Niemann hier. Er hat am Mittwoch den Raoul und am\nFreitag den Tannhäuser mit ungeheurem Beifall gesungen. Der\nfrische und mächtige Klang seiner ganz ausserordentlichen Stimme\nund sein treffliches Spiel reissen Alles zur Bewunderung dieser ge-\nnialen Natur für dramatischen Gesang hin.\nAaclieo. Viertes Ab oh nem ents - C oncert. Wenn es im\nAllgemeinen gefährlich ist, ein Concert mit einer Sinfonie zu begin-\nnen, deren Umfang den folgenden Nummern in der Aufmerksamkeit\ndes PubliGums Eintrag thun kann, so hat uns der gute Vater Haydn\ndiesmal bewiesen, dass bei ihm diese Gefahr nicht zu fürchten ist\nund dass im Gegensatz zu vielen anderen Compositionen dieser Art\ndas Publicum noch horcht, wenn die letzten Töne verrauscht sind.\nDas Orchester trug die Sinfonie mit grosser Sicherheit und feiner\nNuancirung vor. Cosi fan tutte ist fast gänzlich vom dramatischen\nRepertoire verschwunden, doch nicht der geringere Werth der Mu-\nsik, sondern die Unbedeutenheit und Unwahrscheinlichkeit des Li-\nbretto trägt die Schuld daran. Daher verdient der Gedanke, einen\nTheil der Oper für das Concert zu wählen, alles Lob. Das erste\nQuartett und das Duettino bieten zwar nichts von besonderer Bedeu-\ntung, aber das zweite Quintett und das Terzett enthalten musicali-\nsche Schönheiten, Melodieen von so geistreich charakteristischer\nForm, das ihr Werth unvergänglich bleiben wird. Die Sopran-Soli\nwaren zwei unserer ausgezeichnetsten Dilettantinnen anvertraut, Frau\nW., deren glänzenden Eigenschaften wir schon mehrmals Gerechtig-\nkeit widerfahren liessen, und Frau H., die uns auch hoffentlich\nöfter diese Freude und unseren CoDCerten einen neuen Reiz ver-\nschafft. Die beiden Damen verdienen ausser unserer Anerkennung\nihres Talentes noch besonders Dank dafür, sich einer so schwierigen\nAufgabe wie die Soli aus Cosi fan lulle und des Psalmes von Men-\ndelssohn an Einem Abende unterzogen zu haben. Die Herren R. und\nGöbbels lös'ten würdig ihre Aufgabe. Hoffentlich wird Herr R. auch\nin unseren ferneren Concerten uns durch seine schöne Bassstimme\nerfreuen. Die dritte Nummer des Programms war in den Händen\ndes Herrn Johann Wenigmann, der in seiner Eigenschaft als\nerster Violoncellist des städtischen Orchesters zum ersten Male öf-\nfentlich auftrat. Das MusikComite hat, indem es ihm diese Aus-\nzeichnung zu Theil werden liess, eine Handlung der Gerechtigkeit\nausgeübt, die das Publicum durch den wärmsten Beifall bestätigte.\nJeder Theil des Concertes von Göltermann wurde lebhaft applau-\ndirt. Der 95. Psalm von Mendelssohn wurde gut ausgeführt und\nmit Interesse gehört, obgleich er in Bezug auf die Erfindung nicht\nunter die besten Werke des grossen Componisten zu zählen ist. Die"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590122-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3641, "texte": "ersten Soprane haben nicht allein die höchsten Gipfel muthig erstie-\ngen, sondern behaupteten auch tapfer ihre schwierige Stellung, na-\nmentlich in dem complicirten Chor: ,,Denn der Herr ist ein grosser\nGott!\" Herr Wüllner hatte seine besten Kräfte vorangestellt, und\ndie anderen blieben nicht zurück. Eben so wurde der Chor aus\nCosi fan tiitte, dessen Reprise man nach dem Terzett hätte anbrin-\ngen sollen, mit Feuer und Schwung vorgetragen. Auch das Orche-\nster war in den beiden Werken sehr brav, denn wir dürfen den\nFehler einer unglücklichen Posaune, die in den letzten Tacten des\nChors: ,,Denn sein ist das Meer\" u.s.w., eine falsche Note brachte,\nnicht zu hoch anrechnen. — Der köstliche musicalische Roman, die\nOuvertüre zu Leonore Nr. 3, beschloss würdig einen Abend, der\nunserem Capellmeister Herrn Wüllner, der sich wie gewöhnlich\ndem Studium der bedeutenden Werke mit einem Eifer und Talent\nhingegeben hatte, die denen, welche ihm unsere musicalische Zu-\nkunft anvertraut haben, die beste Bürgschaft für dieselbe sein müs-\nsen, zur grössten Ehre gereicht. T h. N.\nDarmststtli« Zur Feier der silbernen Hochzeit Ihrer König-\nlichen Hoheiten des Grossherzogs von Hessen und Höchstdessen Ge-\nmahlin wurde am 26. und 27. December v. J. nach einem einleiten-\nden Festspiele Spontini's „Olympia\" aufgeführt.\nDas zweite Concert des Musik-Vereins brachte uns von Chören\neine Preghiera an die heilige Cäcilia aus dem sechszehnten Jahr-\nhundert, die Motette „Ich lasse Dich nicht\" von Joh. Christ. Bach,\ndrei geistliche Lieder von Mendelssohn mit Alt-Solo, das „Morgen-\ngebet\" von demselben und einen Chor von Niels Gade. Den Glanz-\npunkt des heutigen, fast überreichen Concertes bildete das von Herrn\nJean Becker aus Mannheim mit Mitgliedern der Hofcapelle ausge-\nführte Streich-Quintett von Beethoven. Leider gehört die öffentliche\nAufführung von Kammermusik bei uns zu den grössten Seltenheiten.\nWer nicht in Privatkreisen Gelegenheit findet, sie zu cultiviren, der\nmuss sich damit begnügen, die Programme der Kammermusik-Con-\ncerte anderer Städte zu studiren; er erfährt dann wenigstens auf\ndiesem Wege, wie produetiv Haydn, Mozart, Beethoven u. s. w. im\nGebiete der Kammermusik gewesen sind. Herr Jean Becker bewährte\nsich in dem Vortrage des erwähnten Quintetts, einem Allegro von\nBach, dann Trille du diable von Tartini und einer Composition von\nBazzini als ein Künstler ersten Ranges, der namentlich im Tone\nganz ausgezeiehnet ist und dem zweifelsohne eine bedeutende Zu-\nkunft bevorsteht.\nGaders neues Concertstüek für Chor und Orchester,\n„Frühlingsbotschaftu, hat bei seiner arsten Aufführung im Gewand-\nhaus-Concerte durch seine vorzügliche Mache und Annehmlichkeit\nfür das Ohr gefallen; Eigentümliches, Ueberraschendes fand man\nnicht darin.\nDeutsche T o n Si a I 1 e.\nDer bisherige, nun aber seit vorigem Herbste in den Ruhestand\nversetzte kurhessische General-Musik-Director und Hof-Capellmeister,\nHerr Dr. L. Spohr in Kassel, hat von jetzt an „wegen zu weit vor-\ngerückten Alters\" die Annahme seiner Erwählung als Preisrichter\nder Tonhalle abgelehnt. Indem wir daher dieses im Allgemeinen zur\nAnzeige bringen, fordern wir insbesondere diejenigen Herren Ton-\ndichter, welche uns im vorigen Jahre Nonette, Opern oder Streich-\nQuartette als Preisbewerbungen zugesandt und Hrn. Dr. Spohr zum\nPreisrichter erwählt haben, hiedurch auf, eine andere Wahl zu tref-\nfen und dieselbe uns in freien Briefen, ohne sich zu nennen, jedoch\nunter Aniührnng des auf ihrem Werke befindlichen Spruches, im\nLaufe des nächsten Monats anzuzeigen; anderenfalls wir\nannehmen, dass sie diese Wahl uns überlassen.\nMannheim, 7. Januar 1859.\nDer Vorstand."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590122-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nPariser Briefe (Neue Opern: „Broskovano\" von Deffes „Lrt Bacchante\" von E. Gautier „Les (rois Nicolas'• von\nClapisson Der Tenorist Montaubry). Forts, statt Schluss. Aus Wien (Don Juan Das Paradies und die Peri Clara Schumann).\nVon E H. Fünftes Gesellschafts-Concert im grossen Gürzenichsaale zu Köln. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Dritte\nSoiree für Kammermusik, Herr Schott, Herr Niemann Aachen, Viertes Abonnements-Concert Darmstadt Leipzig).\n\nPariser Briefe.\n[Neue Opern: „Broskovano\" von Deffes „La Bacclictnte\" von\nE. Gautier „Les trois Nicolas\" von Clapisson Der Tenorist\nMontaubry.]\n(Fortsetzung statt Schluss. S. Nr. 1.)\nEine zweiactige komische Oper für dasselbe Thedtre\nlyrique hat der junge Componist Louis Deffes geliefert.\nDer Gegenstand derselben ist zwar nicht neu die Ver-\nwicklung beruht auf Personen-Verwechslung —, aber er\nist recht geschickt bearbeitet. Deffes ist einer von den we-\nnigen Gekrönten der Akademie und römischen Stipendia-\nten, die durch ihre späteren Leistungen das Urtheil der\nPreisrichter bestätigen. Er hat einige Kirchenstücke und\nbereits drei komische Opern geschrieben; die beiden ersten\nsind freilich schon wieder vergessen, und ich will auch\nnicht dafür stehen, dass die dritte diesen Winter überlebt.\nAllein Talent zeigt sich offenbar in diesem „Broskovano\"\n—so heisst die Oper —•, besonders für melodischen Solo-\ngesang, während das Finale des ersten Actes, das einzige,\ndas darin ist, weniger geglückt ist. Broskovano ist ein wa-\nlachischer Räuber und Vampyr zugleich; glücklicher Weise\nbekommt man ihn aber gar nicht zu sehen, nur die Sage\nvon ihm spielt mit. Ausser einigen Arien, die ver-\nlangt wurden, zeichnete sich auch ein Duett und beson-\nders ein Quartett vortheilhaft aus. Sehr lobenswerth ist\ndie Behandlung des Orchesters, aus welchem Deffes den\nPosaunen-, Trompeten- und Trommel-Lärm der grossen\nOper mit richtigem Gefühl verbannt hat.\nDas Thedtre de I'Opera comique brachte als erste\nNeuigkeit der Saison: La Bakomische Oper in\nzwei Acten, Text von de Leuven und de Beauplan, Musik\nvon Eugen Gautier. Die erste Vorstellung fand am 4.\nNovember v. J. Statt. „Dass eine Dame aus der Demi-\nMonde oder noch tiefer her die Bolle einer tugendhaften\nFrau spielt, das ist schon zu oft da gewesen auf der Bühne;\nwie wär' es, wenn wir das Ding einmal umkehrten? Neu\n7 O\nwäre das gewiss!\" So dachten die Herren Dichter die-\nses Libretto's und schufen ihre „Bacchantin\", ein tugend-\nhaftes Mädchen, die von keiner Liebe ohne hochzeitliche\nWeihe etwas wissen will, die aber, um zu der Hochzeit\nmit ihrem Geliebten zu gelangen, die Rolle einer He-\ntäre spielt! Vive le nouveau!Thais wird eine Courti-\nsane, um ihren liederlichen Vetter Lyncast auf den Weg\nder Tugend zurück zu führen! Das gelingt ihr nicht nur,\nsondern sie lockt sogar den Pädagogen des jungen Vetters,\neinen alten Cato, auch in ihr Netz. Darauf Heirath und\nwahrscheinlich Glück und Tugend ohne Ende. Ein schö-\nnes Stück ein moralisches Stück! Eugen Gautier's Mu-\nsik ist, einige wenige Nummern ausgenommen, (lach, leer\nan künstlerischer Begeisterung und Phantasie. Hauptziel\ndes Componisten war nicht die Kunst, sondern Madame\nCabel, für welche die Direction eine neue pikante Colo-\nratur-Partie bestellt hatte. Die Dame hat denn auch die\nfalsche Thais mit einer bezaubernden Wahrheit gespielt\nund mit jenem rollenden Stimm-Mechanismus gesungen,\nbei dessen Besultaten mir immer zu Muthe wird, als hörte\nich eine Stahlsäge durch hartes Holz pfeifen.\nSechs Wochen später gab dasselbe Theater eine be-\ndeutendere Neuigkeit: Les trois Nicolas, komische Oper\nin drei Acten, Text von *** und Bernard Lopes, Musik\nvon Clapisson (erste Vorstellung am 16. December v. J.).\nIn dieser Oper wird der Componist Nicolas Dalav-\nrac auf die Scene gebracht, ein Name, der zu den frühe-\nren Berühmtheiten der pariser komischen Oper gehört;\nvon seinen Opern sind viele auch in Deutschland am Ende\ndes vorigen und im Anfange dieses Jahrhunderts gegeben\nworden, z. B. Nina oder Wahnsinn aus Liebe, Adolf und\nClara, Die beiden Savoyarden, Gulistan, Raoul von Crequi\nu. s. w. Er starb in Paris den 27. November 1809. Aus\nseiner Jugendgeschichte erzählen die biographischen Wör-\nterbücher einen Vorfall, welcher dem Libretto der neuen\nOper den Stoff geliefert hat."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590122-01.1.2", "texte": "Nicolas d'Alavrac, wie der Name eigentlich geschrie-\nben wird, war der Sohn eines adeligen Herrn im Langue-\ndoc, der einen hohen Posten bekleidete. Die musicalische\nNeigung des Knaben war, obwohl durch bedeutende An-\nlagen berechtigt und unterstützt, dem Vater zuwider. Er\nbestimmte ihn zum Eintritt in die Magistratur, untersagte\nihm die musicalischen Studien und legte Beschlag auf seine\nVioline. Nicolas wusste sich jedoch ein anderes Instrument\nzu verschaffen und schlich sich damit des Abends auf das\nplatte Dach des väterlichen Hauses, wo er die Melodieen\nversuchte, die ihm sein musicalischer Geist eingab. Sie\nverhallten nicht ganz ungehört in der Luft. Ein Ursuli-\nncrinnen-Kloster stiess mit seinem Garten an die Mauer\ndes Hauses, von dessen Höhe herab die lieblichen Töne\nerklangen. Eine junge Pensionärin des Klosters lauschte\nihnen; man blieb nicht bei der Tonsprache stehen, es kam\nzu Unterredungen, und für ein Lied, das Nicolas ihr auf-\ngeschrieben, gab sie ihm das kleine Kreuz, das sie trug,\nzum Andenken. Damit hört aber der Roman auf; denn\nNicolas' Vater, der mit den Ursulinerinnen eben so wenig\nwie mit der heiligen Cacilia zu schaffen haben wollte,\nschickte den Sohn nach Paris unter die Garde du Corps\ndes Herzogs von Artois. So weit die Geschichte, an der\njedenfalls die Hauptsache wahr ist.\nDie Verfasser des Libretto knüpfen nun da an, wo\ndie Geschichte aufhört, und machen von ihrem Dichter-\nPrivilegium ganz gehörigen Gebrauch, um den Roman\nfortzuspinnen.\nDalayrac steht seit einigen Jahren als Garde du Corps\nin Paris, hat die Musik gründlich studirt und geniesst be-\nreits eines bedeutenden Rufes. Seine „Nina\" hat diesen\nRuf vorzüglich begründet, und er arbeitet an der Oper\n„Azemia oder die Wilden\". Eines Tages steht er an der\nThür der Abtei von Longchamps Wache; das Tenebrae\nfactac sunt wird drinnen gesungen, und er hört eine\nStimme, die keiner Anderen angehören kann, als der frü-\nheren Pensionärin bei den Ursulinerinnen zu Toulouse. Er\nist entzückt, verlässt seinen Posten, tritt in die Kirche, und\nsiehe, die Sängerin ist dieselbe, deren Kreuz er stets bei\nsich trägt, die Nichte eines Marquis, der eine Hofstelle be-\nkleidet, und jetzt Stiftsfräulein, schön wie ihre griechische\nNamensschwester Helene. Sie geht herum, um für die\nArmen zu sammeln; Dalayrac legt das wohlbekannte\nKreuz in ihre Aumoniere und bittet um die Gunst, es mor-\ngen gegen eine volle Börse einlösen zu dürfen.\nHelene hat das Stift verlassen, denn sie soll in einigen\nWochen an einen Vicomte vermählt werden. Nicolas, der\nArrest bekommen hat und erst nach acht Tagen kommt,\nsein Kreuz einzulösen, ist in Verzweiflung. Er hat aber\ndurchschaut, dass ihn Helene noch liebt, und bittet sie\nschriftlich um ein Rendezvous. Dasselbe thut ihr Gesang-\nlehrer Trial von der italienischen Oper, der seine Gedan-\nken ebenfalls bis zu ihr zu erheben wagt. Beide Brieflein\nfallen in die Hände des Oheims. Er maskirt sich, um die\nAnbeter kennen zu lernen; denn der eine Brief ist bloss\nmit Nicolas, der andere gar nicht unterzeichnet. Nicolas\nund Trial finden sich ein, ebenfalls maskirt. Helenens\nBräutigam aber, der, Gott weiss, wie, Wind davon be-\nkommen, erscheint mit Wache und fragt die Vermumm-\nten nach ihren Namen. „Nicolas!\" antwortet der Marquis,\nd«r nicht erkannt sein will; „Nicolas!\" erwidert auch Da-\nlayrac, und Trial glaubt in der Angst, nichts Besseres thun\nzu können, als sich auch „Nicolas\" zu nennen. Daher\ndenn der Titel der Oper: Les trois Nicolas!\nTrotz einiger Längen und Unwahrscheirilichkeiten ist\ndie Handlung doch bis dahin, d. h. die zwei ersten Acte\nhindurch, nicht ohne Interesse; aber der dritte Act ist\nsehr schwach. Er führt die Lösung des Knotens auf ganz\nunvorbereitete Weise mit Hülfe der alten Anekdote her-\nbei, wo ein musicalisches Genie so lange eingesperrt wird,\nbis er eine neue Oper fertig hat. Dalayrac sitzt wieder im\nArrest, und soll nicht eher befreit werden, bis er die letzte\nScene der Oper „Azemia\", die noch nicht fertig ist, voll-\nendet hat. Er findet am Ende seine Begeisterung wieder,\nsingt die Schluss-Arie, die man hinter der Scene auf-\nschreibt, und ist eben so erstaunt wie die Zuschauer, als\nsich die Thür öffnet und der Vicomte, Helenens Bräuti-\ngam, vor lauter Kunst-Enthusiasmus ihm nicht nur die\nFreiheit ankündigt, sondern ihm auch seine Rechte auf\nHelene grossmüthig abtritt!\nTrotz dieser seltsamen Entwicklung hat die Oper doch\ngefallen; man behauptet sogar, ein hochberühmter Name\nstecke hinter den Sternchen des zweiten Mitarbeiters ver-\nborgen. Es wäre nicht unmöglich; denn der hochberühmte\nMann hat auch manche Abgeschmacktheiten in seinen spä-\nteren komischen Opern-Texten auf den Markt gebracht.\nDie Partitur zeichnet sich durch dieselbe Klarheit und\nEinfachheit des Stils, Feinheit in Behandlung der Form\nund verständige Instrumentirung, welche die einzelnen\nBlas-Instrumente oft sehr glücklich verwendet, aus, die wir\nin der „Fanchonnette\" mit Vergnügen begrüssten, in spä-\nteren Werken, z. B. „Margot\", aber wieder vermissten.\nIn dem neuesten nun begegnen wir zum Ersatz einzelnen\nmehr als sonst melodisch entwickelten Gesangstücken, die\nuns alles Frühere aus Clapisson's Feder zu übertreffen\nscheinen. Dagegen dürfen wir nicht verschweigen, dass es\nauch nicht an Längen fehlt, an Stellen, in welchen der\nMangel an interessanter und lebensvoller Situation in der\nHandlung nicht durch das Genie des Componisten verdeckt\nworden ist. Auch die Ouvertüre erweckt kein günstiges"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590122-01.1.3", "texte": "Vorurtheil; das Motiv des Allegro (ein kurzer Marsch geht\nihm vorher) ist in dem Finale des zweiten Actes ganz an\nseiner Stelle, hier aber ist dessen Durchführung geschraubt\nund in Modulationen verwickelt, die den ärgsten Zukunfts-\nmusikern Ehre machen würden. Dergleichen Inconsequen-\nzen und Widersprüche im Stil Eines und desselben Werkes\nbeweisen recht deutlich, dass das wahre musicalische Genie,\nwelches bei der grössten Mannigfaltigkeit des Einzelnen\ndem Ganzen doch einen unverkennbaren eigenthümlichen\nStempel aufdrückt, nicht mehr vorhanden ist. Bei Richard\nWagner ist es umgekehrt, als bei vielen anderen Neueren;\nbei ihm trägt das Ganze allerdings einen gewissen eigen-\nthümlichen Stempel, der fast immer sichtbar bleibt; aber\ndie Mannigfaltigkeit fehlt, das Einzelne wird oft gerade da-\ndurch, dass ihm derselbe Stempel mühsam ebenfalls auf-\ngedrückt wird, unerträglich, und am Ende bleibt nur der\nEindruck von Monotonie, nicht von Originalität übrig.\nEffecte wie im Finale des ersten Actes, wo das Tenebrae\nfaetae sunt in der Kirche mit Orgelbegleitung gesungen\nwird, gehören auch nicht in die komische Oper, wenn wir\nauch das Gewitter, das am Schlüsse noch obenein dazu\nkommt, nicht verpönen wollen, weil der Himmel seinen\nDonner eben so gut über komische als über tragische\nMenschen rollen lässt. Der zweite Act ist, wie in der Hand-\nlung, so auch in der Musik der anziehendste; eine Arie\nHelenens (Mademoiselle Lefebvre) mit obligater Violine\nund reichen Verzierungen, zwei Duette und das Finale\nsind recht hübsche Musikstücke.\nDerselbe Abend brachte aber mit der neuen Oper\nnoch etwas, das für die Pariser weit mehr ein Ereigniss\nist, als eine neue Composition: einen neuen Tenoristen.\nMontaubry, so heisst das neue Phänomen, sang vor eini-\ngen Jahren, als er eben die Singclasse Panseron's auf dem\nConservatoire verlassen hatte, in Paris auf dem Vaudeville-\nund auch einige Male auf dem Theater der komischen\nOper. Man bemerkte ihn kaum, oder mit anderen Worten:\ner konnte keine Reclame für sich gewinnen. Anstatt wie\ndie meisten französischen Musiker sich auf Paris zu capri-\ncioniren, ging er in die Provinz und ins Ausland; jetzt hat\nihn der Director Roqueplan aus Brüssel geholt, und Mont-\naubry hat in der Rolle des Daleyrac dieselbe Bühne als\nMeister wieder betreten, auf welche er sich als Schüler\nzum ersten Male wagte. Als ein hübscher, schlanker Mann\nvon mittlerer Grösse, ungezwungen und voll nobler Hal-\ntung in der schönen Garde-du-Corps-Uniform, eroberte er\ngleich mit den ersten Tönen die Gunst des Publicums.\nSeine Stimme hat einen vortrefflichen Klang, ist geschmei-\ndig und biegsam und doch voll Kraft; er trägt mit Aus-\ndruck vor und spielt sehr gut; er erinnert an Roger's er-\nstes Auftreten auf demselben Theater. Leider ist der talent-\nvolle und mit so herrlicher Stimme begabte junge Mann\nnicht frei geblieben von der Ansteckung der neueren Ge-\nsangschule, welche Schreien mit Singen verwechselt. Be-\nsonders unangenehm war ein solcher Schrei bei einer\nStelle über die Seligkeit der Liebe; eine derartige Ge-\nschmacklosigkeit hätte man nach den ausdrucksvollen Vor-\nträgen im ersten Acte nicht erwartet. Hiesige Kritiker\nnennen so etwas „Fehler aus der Provinz\"; sie vergessen\naber, dass die Provinz-Sänger sich diese schauderhafte\nManier aus der grossen Oper von Paris holen.\nDa bin ich auf einmal da, wohin ich wollte, oder\nrichtiger da, wohin ich sehr selten gehe. Die grosse\nOper ist fast ganz unproduetiv geworden; sie lebt von\ndem Ertrage der Gapitalien, die ihr Meyerbeer geschenkt\nhat, d. b. gegen gute Zinsen, genannt Einnahme-Antheile.\nHeute „Robert\", morgen „Die Hugenotten\", übermorgen\n„Der Prophet\" das ist ihr wöchentliches Programm,\nauf welchem Ende December mit goldenen Buchstaben\nprangte: „400ste Vorstellung von im kai-\nserlichen Opernhause zu Paris.\" Was will man mehr?\nIst die Casse doch auch hier, bei diesem so genannten\nersten musicalisch-dramatischen Kunst-Institute der Welt,\ndie Hauptsache geworden! Nimm das Ballet und die Syl-\nphide Livry dazu, welche von ganz Paris mit Ausnahme\nDeines bescheidenen Correspondenten bewundert wird,\nund Du hast alles, was Du jetzt von der grossen Oper\nerwarten kannst.\n(Schluss folgt.)\n\nAus Wien.\n\n[Don Juan Das Paradies und die Peri Clara Schumann.]\nMozart's Don Juan erwies sich in der letzten Auffüh-\nrung, wie so oft schon, im vollen Besitz der Kraft, „aus-\nverkaufte Häuser\" zu erzwingen. Schon des Morgens balg-\nten sich die Leute um Sitze an der Casse, ausnahmsweise\nschaute der Genius der Musik incognito zu und freute sich.\nWeder in der Besetzung der Oper noch sonst zeigte der\nTheaterzettel die mindeste Veränderung; dennoch war die\nVorstellung in manchen Stücken neu.\nFürs Erste wurde der gesprochene Dialog durch die\nOriginal-Recitative von Mozart ersetzt, zum entschiedenen\nVortheil des Gesammt-Eindrucks und insbesondere des\nSpiels der Sänger. In dieser überwiegend tragischen und\npathetischen Oper störte das plötzliche Abfallen von dem\ngesungenen zum gesprochenen Tone unläugbar, und da\nüberdies der Dialog nicht von grosser Ausdehnung ist, so\nlag dessen Ersatz durch Secco-Reciten sehr nahe. Dennoch\nwerden wir uns wohl hüten, diesen Fall zu generalisiren"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590122-01.1.4", "texte": "und in das Verdammungs-Urtheil einzustimmen, das so\nallgemein über den Dialog in der Oper geschleudert wird.\nPas so genannte „trockene Becitativ\", das zum Unter-\nschiede von dem „begleiteten\" oder „obligaten\" nur von\neinfachen, am Ciavier angeschlagenen, durch Cello und\nBass verstärkten Accorden getragen wird, ist ein italiäni-\nsches Product, das sich nur mit erheblichen Nachtheilen\nauf deutschen Boden übertragen lässt. Nur die unvergleich-\nliche Weichheit und Flüssigkeit der in Vocale austönen-\nden italiänischen Sprache macht ein Becitativ möglich, das\nganze Scenen hindurch im raschesten Tempo der Conver-\nsation sich abspinnt, ohne zu ermüden. Im \"Italiänischen\nist das Secco-Recitativ kaum noch ein gesteigertes, son-\ndern nur ein innerhalb gewisser Intervalle festgehaltenes\nSprechen. Wie ganz anders klingen solch recitirte Scenen\nim Deutschen!\nDie Schwerfälligkeit unserer Sänger, die ein rasches\nund leichtes Sprechen ganz ungewohnt sind, trägt nur die\nhalbe Schuld neben der Schwerfälligkeit unserer harten,\nin Consonanten ausgehenden Sprache. Ein italiänisches\nSecco-Becitativ dauert, ins Deutsche übersetzt, fast noch\neinmal so lange, als im Original. Es wird darum überall\ndort unerträglich, wo lange Gespräche und Erzählungen\nrecitativisch zu erledigen sind, also in der komischen\nOper, welche, auf complicirtere Intrigue angewiesen, brei-\nterer Explicationen bedarf. Hier ist im Deutschen die\nProsa noch immer besser am Platz, als das Becitativ. Sie\nist ein Uebel ohne alle Frage, aber ein nothwendiges. Wir\ntheilen Lortzing's Ueberzeugung, dass der gesprochene\nDialog in der grössten Mehrzahl der deutschen komischen\nOpern ganz unentbehrlich sei. Er entspricht einestheils der\nEigentümlichkeit unserer Sprache, anderenteils der na-\ntionalen, im Singspiel ruhenden Wurzel der deutschen\nOper. Soll man dem Uebelstand der Prosa wirklich da-\ndurch entgegentreten, dass man überall llecitative einführt,\noder soll man nicht lieber die deutschen Sänger dazu an-\nhalten, dass sie sprechen lernen? Wir glauben Letzteres.\nMan muss es nicht länger als ein unabwendbares Schick-\nsal betrachten, wenn deutsche Sänger nicht drei Sätze\nleicht und natürlich von sich geben können, sondern for-\ndern, dass sie es lernen. Die französischen Sänger der\nOpera comiquesind uns darin das beste Vorbild, und der\nbeste Beweis zugleich, dass das Störende der Prosa sich\nunendlich mildern lässt, indem man sie gut spricht.\nZum Don Juan zurückzukehren, so billigen wir nicht\nnur den Schnitt durch die gesprochene Prosa, wir hätten\nauch ein geschicktes Messer für die Auswüchse der ge-\nsungenen gewünscht. Wie an den meisten deutschen Büh-\nnen, so wird auch am Kärnthnerthor-Theater Don Juan\nnach einer wahrhaft barbarischen alten Uebersetzung ge-\nsungen. Der Uobelstand ist so auffallend, dass in neuester\nZeit (von Kugler, Dr. Viol u. A.) ausführliche Vorschläge\nzu besserer Bearbeitung veröffentlicht wurden, die sehr\nbeherzigenswert!] sind*). Möchten wir auch manchen kin-\ndischen Original-Text, mit welchem die Musik längst un-\ntrennbar verwachsen ist, wie in der Zauberllöte, nicht mo-\ndernisiren wollen, so ist es doch um die Verbesserung\neiner rohen und meist unrichtigen Uebersetzung ein\nanderer Fall. Kugler hat mit Recht hervorgehoben, dass\nbei den Italiänern, wo eine viel gleichartigere Bildung die\nStände durchdringt, und die ganze Sprache das hat, was\nsie selbst mit einem fast unübersetzbaren Worte „Genti-\nlezza\" nennen, mancherlei Bedenkliches direct ausgespro-\nchen werden kann und in ihrem Munde noch fein klingt,\nwährend es in wörtlicher Uebersetzung alsogleich roh und\ngemein erscheint. Wie trivial ist das deutsche „Jede Schürze\nist ihm recht\" und Aehnliches in der Register-Arie! Wie\npöbelhaft Leporello's wiederholter Ausruf: „Ha, das nenn'\nich schrecklich fressen!\" für das italiänische „Ah che bar-\nbaro Appetito/\" Das vollständige Verzeichniss solcher\nSchmutzllecken würde ansehnlich genug ausfallen, gar\nnicht zu reden von der entsetzlichen Geschmacklosigkeit\ndes stereotypen Toastes: „0 göttlicher Mozart!\" dem\nein Dutzend Hände auf der Galerie flauen Bescheid thun.\nSo dünkt uns denn ein sorgfältiges Wegnehmen noch\ndringender, als das Hinzuthun, welches die Vorstellung\nvom 18. auszeichnete. Wir hörten nämlich zum ersten\nMale die von Mozart nachcomponirte Arie des Masetto:\n„Ho capito\", und die kleine Arie der Elvira (Nr. 7in D);\nendlich sang auch Don Ottavio seine beiden Arien in G\nund j5, von denen die eine oder die andere wegzubleiben\npflegt. Auch das kleinste Stück der Don-Juan-Musik ist\nvon Interesse. Allein nur exaltirte Pietät kann darin not-\nwendige Bestandteile des Ganzen erblicken und über die\n„endliche Wiederherstellung der Intentionen Mozart's\"\ntriumphiren. Die beiden Arien sind durchaus Mozartisch,\nallein weder musicalisch von grossem Belang, noch wichtig\nfür die dramatische Motivirung. Eine ganz andere Aufgabe\nfür einen ehrgeizigen Regisseur läge in dem Arrangement\ndes Schlusses. In ihrer gegenwärtigen Form geht die Oper\n\n*) Die Nummer 50 der Nieder rheinischen Musik-Zei-\ntung ist dem Verfasser erst nach dem Abdruck des obigen\nAufsatzes zugekommen, so dass ihm die dort mitgetheilten\nProben meiner jetzt vollendeten vollständig neuen Ueber-\nsetzung des italiänischen Textes von Don Juan noch nicht\nbekannt waren. Was das Recitativo secco betrifft, so stimme\nich ganz mit den oben ausgesprochenen Ansichten überein;\nich habe dasselbe zu der Mozart'schen Musik so conversations-\nmassig iiiessend wie möglich zu übersetzen gesucht, daneben\naber auch einen Dialog zum Sprechen beigefügt, der beson-\nders kleineren Bühnen willkommen sein dürfte.\nL. Bischoff."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "29", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590122-01.1.5", "texte": "etwas leer aus; der ganze zweite Act hat keinen Chor,\ndie vollstimmigste Nummer ist das Sextett, und zu dem\ngrossartigen Sturme des ersten Finale bildet der übliche\nSchluss des zweiten keine entsprechende Parallele. Dieser\nSchluss (Don Juan von etlichen Teufeln herumgezerrt und\nendlich in einen feurigen Rachen geworfen) ist weniger\neine musicalische als eine scenische Situation, um nicht zu\nsagen: ein Galerie-Spectakel. Hier würde unbedingte Pie-\ntät, indem sie auf dem Mozart'schen Originalschluss be-\nstände, dem Total-Eindruck mehr schaden als nützen. Rei\nMozart treten nämlich unmittelbar nach der Höllenfahrt\nDon Juan's alle Personen wieder auf, vernehmen durch\nLeporello das Vorgefallene und schliessen, nachdem sie ihre\ngegenseitigen Verhältnisse endgültig geordnet haben, mit\neinem Sextett betrachtenden Inhalts. Nach dem tragischen,\ntief erschütternden Ende Don Juan's ist dieses undramati-\nsche Finale von eigenthümlich ernüchternder Wirkung,\nwie wir bei einer vollständigen Aufführung in Prag selbst\nerfuhren. Die Idee Rerlioz' schien uns daher einer Wie-\ndererweckung in hohem Grade würdig [vgl. in Nr. 50 v.\nvorigen Jahre unsere entgegengesetzte Meinung].\nUeber die Aufführung des Don Juan können wir uns\nkurz fassen. Orchester und Chöre (unter Herrn Eckert's\nLeitung) ganz vortrefflich; Herr Ander ausgezeichnet im\nGesänge, Frau Dustmann im Spiel und dramatischen\nAusdruck; Fräul. Wildauer noch immer allerliebst als\nZerline; Herr Mayerhofer tadellos als Masetto. Herr\nDraxler ein wackerer Fundamental-Rass, aber ein trocke-\nner, ganz humorloser Leporello. Herr Reck endlich ein\nDon Juan, oder vielmehr ganz und gar kein Don Juan;\ndenn so bar aller männlichen Würde und Anmuth, so\nsüsslich, grinsend und eckig gesucht in jeder Rewegung,\nso roh lachend und unartig von der Scene ablaufend, mit\nEinem Worte: so ganz geist- und poesielos können und\nwollen wir uns Don Juan nicht denken. Erst in der letzten\nScene, wo der liebenswürdige Verführer dem trotzigen\nSünder Platz macht, hob sich Herr Reck in Spiel und Ge-\nsang. Wir bedauern, dass er seit einer Reihe von Jahren\nDeba ssini nichts weiter abgeguckt als das hohe Fis am\nSchlüsse des „Ständchens\", das bei der spröden Höhe\nReck's mehr einem gepressten Angstschrei, als einem Lie-\nbesrufe glich.\nDas „Ständchen\" wurde diesmal auf der Mandoline\nbegleitet, eine Neuerung, welche als historische Curiosität\nund als eine Probe von Herrn Hellmesberger's vielseitiger\nGeschicklichkeit interessirt, jedoch bei dem dünnen, zirpen-\nden Tone des Instrumentes in vieler Hinsicht gegen das\nübliche Arrangement zurücksteht. In dem scenischen Ar-\nrangement waren einige nicht glückliche Aenderungen ge-\ntroffen. So stand die Reiter-Statue des Gouverneurs nicht\nwie bisher links vom Zuschauer im Hintergründe der\nRuhne, sondern rechts im Mittelgrund, wodurch der Ein-\ndruck des Geheimnissvoll-Schauerlichen (dem ohnehin die\nDarsteller des Don Juan und des Leporello nicht zu Hülfe\nkamen) noch mehr abgeschwächt wird. Auch das neue\nSchluss-Arrangement, welches im V ordergründe Don Juan's\nZimmer mit allen Requisiten seines Gastmahls unverändert\nstehen lässt, während dahinter der feurige llöllenrachen\nmit der obligaten Teufelsbalgerei sich eröffnet, ist nicht\ngeeignet, die tragischen Schauer zu verstärken.\nWahrhaft Epoche machend in dieser Saison war die\nAufführung von Schumanns „Paradies und Peri\" im\ngrossen Redoutensaale am 19. üecember. Hatte das Pu-\nblicum schon bei der vorjährigen, höchst mangelhaften\nAufführung im Musikvereins-Saale entschiedene Sympa-\nthieen für das tief poetische Werk kund gegeben, so stei-\ngerten sich diese nunmehr zu enthusiastischem und dies-\nmal wohlverdientem Reifall. Die Aufführung war eigent-\nD D\nlieh die erste vollständige, da im verflossenen Jahre, ab-\ngesehen von der schwächeren Resetzung, wegen Re-\nschränktheit des Raumes die Harfe und die Janitscharen-\nMusik weggelassen wurden, deren Wirkung an den be-\ntreffenden Stellen ganz unersetzlich ist.\nFrau Dustmann, welche am Abend vorher die Donna\nAnna gesungen, sang am Sonntag Mittags mit derselben\nihr eigentümlichen begeisterten Hingebung den anstren-\ngenden Part der Peri. Wenn je, so darf wohl in diesem\nFalle die Kritik die allgemeine Stimme suppliren und einer\nKünstlerin den wärmsten Dank dafür entgegenbringen,\ndass sie aus reiner uneigennütziger Regeisterung für die\nKunst sich einer so ungewöhnlichen Anstrengung unter-\nzog. Die übrigen Solo-Partieen, obgleich zum Theil in\nHänden von Anfängerinnen, entsprachen durchaus billigen\nAnforderungen; die Fräulein Krauss und Falkenberg,\ndie Herren Walter und Mayerhofer empfingen Zeichen\ndes Reifalls. D as unbedingteste Lob gebührt den Chören,\nwelche durch den „Sing-Verein\" unter der verdienstvollen\nLeitung des Herrn Herbeck ausgeführt wurden. Auch\ndas Orchester, von dem wir nur manchmal ein zarteres\nPiano gewünscht hätten, lös'te im Ganzen seine Aufgabe\nrühmlich und wurde durch den wiederholten Hervorruf\ndes Dirigenten Herrn Hellmesberger geehrt.\nNur mit wenig Worten können wir diesmal des drit-\nten Concertes von Frau Clara Schumann gedenken und\nunsere Freude darüber ausdrücken, dass es denn doch nicht\ndas „letzte\" blieb. Wie bei allen Productionen dieser\nKünstlerin, äusserte sich die Wirkung ihres Spiels auf die\nVersammlung auch diesmal weniger in hinreissender Ge-\nwalt, als in jener echten, ruhigeren Refriedigung, die wir\nbei der ernsten Musik classischer Meister empfinden. Frau"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590122-01.1.6", "texte": "Schumann spielte Beethoven s I)-duv-Sonate, Op. >29\n(von dem Verleger nieht unpassend zube-\nnannt), dann drei Phantasiestücke mit Violine von Schu-\nmann (schwächere*Erfindungen aus letzter Zeit), Bach's\n„Gavotte\" und Orgelfuge in endlich eine noch\nungedruckte Partie „ungarischer Tanze >on Brahms,\nwelche, in hohem Grade interessant, das bizarre Element\nder Schumann'sehen Muse leider zu einem fast unge-\nniessbaren Raffinement zuspitzen.\n\nE. H.\n\nFünftes Gesellschafts-Concert in Köln\nim Hauptsaale des Gürzenich.\nDinstag, den 11. Januar 1859.\nProgramm: Erster Theil: 1. Sinfonie in D-dur von W. A.\nMozart; 2. Arie ~Er ward verschmähet\" aus dem Messias von\nHändel (Fräulein Schreck); 3. Concert in Es-dur für I ianoforte\nund Orchester von Beethoven (Herr Ferdinand Breunung);\n4. Recitativ und Arie: „0 du, die mir einst Hülfe gab\", aus Iphi-\ngenie aufTauris von Gluck (Fräulein Ida Damke); 5. Ouvertüre\nzu Oberon von C. M. von Weber.\nZweiter Theil: 6. „Dornröschen\", Gedicht von Franz\nBonn, für Soli, Chor und Orchester componirt von Karl Freiherrn\nvon Perfall. (Unter Leitung des Componisten.)\nWir wollen unseren Bericht mit der Besprechung des zweiten\nTheiles beginnen, weil dieser uns eine Neuigkeit vorführte\nDer Inhalt des „Domröschen\" nach der Bearbeitung von\nFranz Bonn und der Composition des Herrn von Per fall ist,\nso wie wir es hier in dem Concerte am 11. d Mts. gehört haben,\nfolgender. Wir schicken die letztere Bemerkung voraus, weil der\nComponist einen Abschnitt, der bei der Aufführung in München noch\ngegeben worden ist, bei der hiesigen unterdrückt hat.\nIm ersten Abschnitte verheisst eine Fee (Alt-Partie), dass sie\ndes Königs Tochter Domröschen gegen aufgedrungene Vermählung\nin Schutz nehmen und an ihr Herz zur guten Stunde den rechten\nFreier führen werde. Der König verkündet seinem Volke die\nVerlobung seiner Tochter mit dem reichsten Fürsten der Welt, was\ndas Volk mit jubelndem Chor vernimmt.\nDer zweite Abschnitt versetzt uns in ein Kämmerlein im Schloss-\nthurm, in welchem Dornröschen der Fee, welche die Gestalt einer\nalten Spinnerin angenommen hat, ihr Leid klagt, da sie ein ganz\nanderes Bild eines Geliebten im Herzen trage Das alte „Mütterlein\"\nsucht sie zu trösten. Da erscheint der König, ergrimmt darüber,\ndass „noch eine Hexe in seinem Reiche fortspinnt\", und zerschlägt\nRocken und Spindel. Aber die Spindel sticht Dornröschen, ihr Blut\nfliesst, der Chor der Waldgeister ruft Wehe über das Geschick, das\nein Seher verkündet habe; Dornröschen versinkt in Schlaf, eben so\nder König und Alles im Schlosse, während die Waldgeister ihnen\ndas Schlummerlied singen.\nDiese zwei Abschnitte waren zu einem ersten Theile vereinigt.\nDer dritte und längste Abschnitt bildete den zweiten Theil.\nEr beginnt mit einem Chor der Waldgeister, die in dem Walde\nvor dem Schlosse hausen und uns verkünden, dass das Schloss und\nseine Bewohner seit hundert Jahren unter dem Banne eines Zaubers\nliegen, der nur durch die Erscheinung des rechten Freiers gelös't\nwerden könne.\nEin Jägerchor kündigt die Ankunft eines Königssohnes an. Er\nfühlt sich wunderbar im Innern bewegt, spricht seine Stimmung in\neiner Arie aus und schläft ein. Die Waldgeister bemerken ihn und\nahnen in ihm den Befreier der schlafenden Maid; eine Stimme singt\ndem Träumenden das Märchen vom Dornröschen. Er erwacht, er-\nblickt das verzauberte Schloss und entschliesst sich zur That. Die\nWaldgeister erzählen uns, wie er in den Thurm dringt, wo die Maid\nschläft, und sie küsst. Sie erwacht erblickt in ihm das Bild\nihrer Sehnsucht Lieb' um Liebe „so ewig mein, so ewig\ndein !u\nNun schildern uns die Waldgeister das neue Leben im Schlosse,\nwo urplötzlich Alles wieder wach geworden ist. Die Fee erscheint\nund triumphirt, dass die Liebe gesiegt habe; der König beugt sich\nvor ihr, nimmt den Prinzen zum Eidam, das Volk singt ihm und\ndem neuen Bunde Heil!\nMan sieht hieraus, dass das Gedicht auch zu jener Zwitter-Gat-\ntung gehört, die das epische Element mit dem lyrisch-dramatischen\nzusammenmengt. Beide durch die Composition zu einer musicalischen\nEinheit zu verschmelzen, ist eine schwierige Aufgabe; sie verlangt\neine Vereinigung des objectiven, erzählenden und schildernden Bal-\nladen-Tones mit den subjectiven lyrischen Ergüssen und dramati-\nschen Declamationen der handelnden Personen. Auch Schumann ist\nin seinen grösseren Gesangwerken an dieser Klippe gescheitert. Man\ndarf sich zur Rechtfertigung einer solchen Vermischung der Formen\nnicht auf Bacli's Passionsmusiken berufen; denn erstens ist in ihnen\nvon dramatischen Scenen nicht die Rede, und zweitens gibt er dem\nErzähler der evangelischen Geschichte nur Recitativ. Sobald der\nComponist, wie es die Neueren seit Schumann thun, über das Reci-\ntativ hinausgeht und in arienmässigem Gesänge erzählt und be-\nschreibt, darauf wieder dieselbe Form auf den Ausdruck der Em-\npfindungen und Leidenschaften der Personen anwendet, die als han-\ndelnd gedacht werden, so entsteht eine Verwirrung, die keine klare\nAnschauung des Ganzen in dem Zuhörer aufkommen lässt. Herr\nvon Perfall und der Bearbeiter des Textes seiner Composition haben\nindess die gefährliche Klippe glücklich umschifft, indem sie das We-\nnige, was zu erzählen nothwendig war, nicht einer einzelnen Stimme,\nsondern dem Chor der Waldgeister gegeben haben, die dann gewis-\nser Maassen als Mithandelnde auftreten, in dieser Beziehung fast\ndem Chor in der antiken Tragödie vergleichbar. Im zweiten Ab-\nschnitte ist jedoch eine Lücke fühlbar; man begreift den Zorn des\nKönigs über die „eine Hexe, die noch spinnt in seinem Reiche\",\nnicht, und eben so wenig die Worte des Chors der Waldgeister :\n„Erfüllt ist, was der Seher sprach.\" In der ursprünglichen Gestalt\ndes Ganzen tritt nach dem Chor des Volkes im ersten Abschnitte\nein Seher auf, mahnt den König ab, die Tochter wider ihren Willen\nzu vermählen, sonst werde der Zorn der mächtigen Fee verderblich\nwerden; der Stich einer Spindel werde Dornröschen verwunden und\nsie und Alles in Todesschlaf versenken. Doch der König beharrt\nbei seinem Willen, verbannt aber aus seinem Reiche, „wer fürder\nnoch die Spindel dreht4'. Soll nun dieser ganze Abschnitt weg-\nfallen, so wird die Lücke, die dadurch im Zusammenhange des Gan-\nzen entsteht, auf irgend eine Weise ausgefüllt werden müssen."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590122-01.1.7", "texte": "Das Werk beginnt mit einer Einleitung (Andante, -\nmoll), deren erste Periode nur die Bratschen, Celli Und Bässe aus-\nführen, zu denen dann die Violinen, Alles con sordini, kommen; bald\ntreten die Blas-Instrumcntc hinzu, und aus der düsteren, mystischen\nStimmung, die recht schön und charakteristisch ausgesprochen ist,\nschwingt sich ein feuriger Orchestergang in die Höhe (in Allem nur\n38 Tacte), nach welchem das Recitativ der Fee eintritt, auf welches\neine kurze Arie derselben Andante in C-dur, %-Tact folgt,\neine einfache, aber recht ansprechende Melodie, die durch die Be-\ngleitung vom Streich-Quartett (ohne Contrebass) und drei Flöten,\ndie der Componist öfter recht geschickt anwendet, gehoben wird.\nHierauf tritt wiederum ein Orchestersatz (Andante, %-Tact) von 32\nTacten ein, der die Einleitung beendigt. Der Gedanke, den Gesang\nder Fee, der gewisser Maassen einen Prolog bildet, mitten in die\nInstrumental-Einleitung, in eine Art von Ouvertüre zu bringen, ist\nein glücklicher; das Stück rundet sich gut ab, erinnert im Colorit\netwas an Marschner im Hans Heiling und macht einen guten Ein-\ndruck.\nDer König kündigt ein heroisches Unisono von Posaunen, Trom-\npeten und Hörnern an ; auf das Recitativ (überall, wo von Recita-\ntiv die Rede ist, gilt das Wort in seinem eigentlichen Sinne, da\nHerr von Perfall glücklicher Weise von dem langweiligen psalmodi-\nschen Arioso Schumann's und Wagner's fern geblieben und an der\nwahren musicalischen Deelamation festgehalten hat) folgt ein grosser\nChor in D-dur {Allegro maestoso, %-Tact), frei gearbeitet, frisch und\nfeurig in seinen Motiven, und wie Alles in dieser Cantate recht\nsangbar und stimmgerecht.\nDas Duett in H-moll, Andante con moiö, 6/8-Tact, zwischen So-\npran und Alt (Domröschen und Fee), welches den zweiten Abschnitt\neröffnet, ist im Ganzen nicht bedeutend, erhebt sich jedoch in dem\nMittelsatze in D-dur, %-Tact, zu ausdrucksvollen Melismen. Nach\ndem verhängnissvollen Stich der Spindel folgt ein langsamer Satz\nin G-dur, %-Tact, einige Tacte Solo (Dornröschen: „Schlaft wohl,\nmein König, mein Herz versinkt in Traum!\") und darauf Chor der\nWaldgeister: „Still! der König schlummert zur Ruh'! Schlaft\nein;\" Alles pianissimo, nur von gedämpften Violinen und Brat-\nschen in gebundenen melodischen Achtelfiguren und hier und da von\neinem Pizzicato-Tone der Bässe begleitet, ein origineller, höchst an-\nmuthiger, reizend duftiger Satz, der den ersten Theil schliesst und\nden lebhaften Applaus, der ihm hier zu Theil wurde, gewiss überall\nhervorrufen wird.\n(Schluss folgt.)\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nf&olfli* Dinstag den 18. d. Mts. fand die dritte Soiree für\nKammermusik im kleinen Gürzenichsaale Statt, der indess für das\nzahlreiche Publicum zu klein war. Warum wird nicht der mittlere\nSaal genommen? Gespielt wurden zwei Streich-Quartette, ein recht\noriginelles von Haydn in G-moll und Nr. 8 von Beethoven in\nE-moll. Die Ausführung (von Königslöw an der ersten Geige)\nwar vortrefflich und wurde durch den lebhaftesten Beifall anerkannt.\nDie Clavier-Partie hatte dieses Mal Herr Capellmeister Hi 11 e r über-\nnommen ; er spielte mit bekannter Meisterschaft ein Trio von sei-\nner Composition (Manuscript), eine feine Arbeit, die besonders in\nden zwei ersten Sätzen (Allegro und Allegro scherzoso) am meisten\nansprach, und schloss die Soiree mit dem Vortrage der Phantasie-\nSonate in Cis-moll von Beethoven. So schön der Vortrag des\nAdagio auch war, so wenig können wir das viel zu schnelle Tempo\ndes letzten Satzes gut heissen, um so weniger, da der verehrte Mei-\nter eine Autorität ist und als Dirigent der Orchesterwerke Beetho-\nven's uns an so richtige und jedem Satze trefflich angemessene Auf-\nfassung der Tempi gewöhnt hat. Der Satz ist allerdings l}resto agi-\ntato überschrieben, allein das ist doch immer noch kein Prestissimo.\nNamentlich schadet ein zu schnelles Tempo bei der Klangfülle und\nnicht scharfen Abdämpfung der heutigen Flügel der Deutlichkeit,\ndie man doch bei der Virtuosität und dem wundervollen Anschlag\nHillens sonst wahrlich niemals vermisst.\nAuf dem Stadttheatcr hat in voriger Woche Herr Schott vom\nköniglichen Hoftheater zu Hannover drei Gastrollen gegeben, den\nMarcel in den Hugenotten, Caspar im Freischütz und Bertram im\nRobert. Seine sonore Bassstimme macht sich besonders im getragenen\nGesänge recht schön geltend; wenn sie etwas biegsamer wäre, so\nwürden auch die schnelleren Tempi, die Herr Schott öfter zu lang-\nsam nimmt, besser gelingen.\nGegenwärtig gastirt der königlich hannoversche Hof-Opernsänger\nHerr Niemann hier. Er hat am Mittwoch den Raoul und am\nFreitag den Tannhäuser mit ungeheurem Beifall gesungen. Der\nfrische und mächtige Klang seiner ganz ausserordentlichen Stimme\nund sein treffliches Spiel reissen Alles zur Bewunderung dieser ge-\nnialen Natur für dramatischen Gesang hin.\nAaclieo. Viertes Ab oh nem ents - C oncert. Wenn es im\nAllgemeinen gefährlich ist, ein Concert mit einer Sinfonie zu begin-\nnen, deren Umfang den folgenden Nummern in der Aufmerksamkeit\ndes PubliGums Eintrag thun kann, so hat uns der gute Vater Haydn\ndiesmal bewiesen, dass bei ihm diese Gefahr nicht zu fürchten ist\nund dass im Gegensatz zu vielen anderen Compositionen dieser Art\ndas Publicum noch horcht, wenn die letzten Töne verrauscht sind.\nDas Orchester trug die Sinfonie mit grosser Sicherheit und feiner\nNuancirung vor. Cosi fan tutte ist fast gänzlich vom dramatischen\nRepertoire verschwunden, doch nicht der geringere Werth der Mu-\nsik, sondern die Unbedeutenheit und Unwahrscheinlichkeit des Li-\nbretto trägt die Schuld daran. Daher verdient der Gedanke, einen\nTheil der Oper für das Concert zu wählen, alles Lob. Das erste\nQuartett und das Duettino bieten zwar nichts von besonderer Bedeu-\ntung, aber das zweite Quintett und das Terzett enthalten musicali-\nsche Schönheiten, Melodieen von so geistreich charakteristischer\nForm, das ihr Werth unvergänglich bleiben wird. Die Sopran-Soli\nwaren zwei unserer ausgezeichnetsten Dilettantinnen anvertraut, Frau\nW., deren glänzenden Eigenschaften wir schon mehrmals Gerechtig-\nkeit widerfahren liessen, und Frau H., die uns auch hoffentlich\nöfter diese Freude und unseren CoDCerten einen neuen Reiz ver-\nschafft. Die beiden Damen verdienen ausser unserer Anerkennung\nihres Talentes noch besonders Dank dafür, sich einer so schwierigen\nAufgabe wie die Soli aus Cosi fan lulle und des Psalmes von Men-\ndelssohn an Einem Abende unterzogen zu haben. Die Herren R. und\nGöbbels lös'ten würdig ihre Aufgabe. Hoffentlich wird Herr R. auch\nin unseren ferneren Concerten uns durch seine schöne Bassstimme\nerfreuen. Die dritte Nummer des Programms war in den Händen\ndes Herrn Johann Wenigmann, der in seiner Eigenschaft als\nerster Violoncellist des städtischen Orchesters zum ersten Male öf-\nfentlich auftrat. Das MusikComite hat, indem es ihm diese Aus-\nzeichnung zu Theil werden liess, eine Handlung der Gerechtigkeit\nausgeübt, die das Publicum durch den wärmsten Beifall bestätigte.\nJeder Theil des Concertes von Göltermann wurde lebhaft applau-\ndirt. Der 95. Psalm von Mendelssohn wurde gut ausgeführt und\nmit Interesse gehört, obgleich er in Bezug auf die Erfindung nicht\nunter die besten Werke des grossen Componisten zu zählen ist. Die"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590122-01.1.8", "texte": "ersten Soprane haben nicht allein die höchsten Gipfel muthig erstie-\ngen, sondern behaupteten auch tapfer ihre schwierige Stellung, na-\nmentlich in dem complicirten Chor: ,,Denn der Herr ist ein grosser\nGott!\" Herr Wüllner hatte seine besten Kräfte vorangestellt, und\ndie anderen blieben nicht zurück. Eben so wurde der Chor aus\nCosi fan tiitte, dessen Reprise man nach dem Terzett hätte anbrin-\ngen sollen, mit Feuer und Schwung vorgetragen. Auch das Orche-\nster war in den beiden Werken sehr brav, denn wir dürfen den\nFehler einer unglücklichen Posaune, die in den letzten Tacten des\nChors: ,,Denn sein ist das Meer\" u.s.w., eine falsche Note brachte,\nnicht zu hoch anrechnen. — Der köstliche musicalische Roman, die\nOuvertüre zu Leonore Nr. 3, beschloss würdig einen Abend, der\nunserem Capellmeister Herrn Wüllner, der sich wie gewöhnlich\ndem Studium der bedeutenden Werke mit einem Eifer und Talent\nhingegeben hatte, die denen, welche ihm unsere musicalische Zu-\nkunft anvertraut haben, die beste Bürgschaft für dieselbe sein müs-\nsen, zur grössten Ehre gereicht. T h. N.\nDarmststtli« Zur Feier der silbernen Hochzeit Ihrer König-\nlichen Hoheiten des Grossherzogs von Hessen und Höchstdessen Ge-\nmahlin wurde am 26. und 27. December v. J. nach einem einleiten-\nden Festspiele Spontini's „Olympia\" aufgeführt.\nDas zweite Concert des Musik-Vereins brachte uns von Chören\neine Preghiera an die heilige Cäcilia aus dem sechszehnten Jahr-\nhundert, die Motette „Ich lasse Dich nicht\" von Joh. Christ. Bach,\ndrei geistliche Lieder von Mendelssohn mit Alt-Solo, das „Morgen-\ngebet\" von demselben und einen Chor von Niels Gade. Den Glanz-\npunkt des heutigen, fast überreichen Concertes bildete das von Herrn\nJean Becker aus Mannheim mit Mitgliedern der Hofcapelle ausge-\nführte Streich-Quintett von Beethoven. Leider gehört die öffentliche\nAufführung von Kammermusik bei uns zu den grössten Seltenheiten.\nWer nicht in Privatkreisen Gelegenheit findet, sie zu cultiviren, der\nmuss sich damit begnügen, die Programme der Kammermusik-Con-\ncerte anderer Städte zu studiren; er erfährt dann wenigstens auf\ndiesem Wege, wie produetiv Haydn, Mozart, Beethoven u. s. w. im\nGebiete der Kammermusik gewesen sind. Herr Jean Becker bewährte\nsich in dem Vortrage des erwähnten Quintetts, einem Allegro von\nBach, dann Trille du diable von Tartini und einer Composition von\nBazzini als ein Künstler ersten Ranges, der namentlich im Tone\nganz ausgezeiehnet ist und dem zweifelsohne eine bedeutende Zu-\nkunft bevorsteht.\nGaders neues Concertstüek für Chor und Orchester,\n„Frühlingsbotschaftu, hat bei seiner arsten Aufführung im Gewand-\nhaus-Concerte durch seine vorzügliche Mache und Annehmlichkeit\nfür das Ohr gefallen; Eigentümliches, Ueberraschendes fand man\nnicht darin.\nDeutsche T o n Si a I 1 e.\nDer bisherige, nun aber seit vorigem Herbste in den Ruhestand\nversetzte kurhessische General-Musik-Director und Hof-Capellmeister,\nHerr Dr. L. Spohr in Kassel, hat von jetzt an „wegen zu weit vor-\ngerückten Alters\" die Annahme seiner Erwählung als Preisrichter\nder Tonhalle abgelehnt. Indem wir daher dieses im Allgemeinen zur\nAnzeige bringen, fordern wir insbesondere diejenigen Herren Ton-\ndichter, welche uns im vorigen Jahre Nonette, Opern oder Streich-\nQuartette als Preisbewerbungen zugesandt und Hrn. Dr. Spohr zum\nPreisrichter erwählt haben, hiedurch auf, eine andere Wahl zu tref-\nfen und dieselbe uns in freien Briefen, ohne sich zu nennen, jedoch\nunter Aniührnng des auf ihrem Werke befindlichen Spruches, im\nLaufe des nächsten Monats anzuzeigen; anderenfalls wir\nannehmen, dass sie diese Wahl uns überlassen.\nMannheim, 7. Januar 1859.\nDer Vorstand."}]}