{"numero_id": "bm-bmtnabi-1859-01-29-01", "volume": "bmtnabi_1859-01-29_01", "ocr_sha256": "e7a7a70a3ff3144afb77a8a85667ea41ccd34093c32210e2da93b5ed79f0a56c", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1859/01/29_01/bmtnabi_1859-01-29_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590129-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1859-01-29-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-01-29_01#c001", "volume": "bmtnabi_1859-01-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "33", "page_fin": "33", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590129-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "33", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590129-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 420, "texte": "Inhalt.\nBerliner Briefe (J. Offenbach - Freischütz Sing-Akademie Bach-Verein Dom-Chor Clavierspieler\nViolinist Strauss Orchester-Concerte). Von G. E. Pariser Briefe (Die italienische Oper Offenbaeh's\nfers Kammermusik). Schluss. Von B. P. Fünftes Gesellschafts-Concert im grossen Gürzenichsaale zu Köln. Schluss. -Tages- und\nUnterhaltungsblatt (Barmen, Concert von C. Reinecke Hannover Kassel Prag Wien Pressburg Verona)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-01-29-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-01-29_01#c002", "volume": "bmtnabi_1859-01-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "33", "page_fin": "36", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590129-01.2.2", "titre_corps": "Berliner Briefe.", "titre_sommaire": "Berliner Briefe.", "signature_source": "G. 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Die berliner Hof-\nbühne hat seit einigen Jahren mit der Verpflanzung der\nneuesten pariser Erzeugnisse in unser Klima entschiedenes\nUnglück; nur diesmal hatte sie einen guten Fund gethan.\nDer Text der Operette ist zwar sehr einfach und schlicht,\nwas Einzelnen zum Anstoss gereicht; wir ziehen indess das\nEinfache immer noch jener Art von Erfindung vor, die\nuns so oft auf Kosten des gesunden Menschenverstandes\nund guten Geschmackes entgegentritt. Die Musik von Of-\nfen bach ist trefflich in ihrer Art. Wenn die pariser Oper\nin ein vollständiges Siechthum gerathen scheint, so erfreut\nuns dieser Deutsche durch wahre Jugendfrische. Die Ge-\nschichte der Musik ist reich an Beispielen, dass die schöne\nKunst in ihren Hauptvertretern den Eindruck des Abge-\nlebten, Greisenhaften machte, bis an einem verborgenen\nPlätzchen, wo Niemand es geahnt hätte, das neue Früh-\nlingsgrün dem Licht der Sonne entgegentrat. Wie wäre\nsonst die Erscheinung eines Haydn nach einer dreihundert-\njährrgen Entwicklungs-Periode der Musik zu erklären, in-\nnerhalb deren einzelne Meister schon den äussersten Grän-\nzen der Kunst sich zu nähern, ja, fast sie zu überschreiten\nscheinen? So herrscht auch bisweilen ein Gefühl des Ab-\ngelebten vor, gerade in einer Zeit, wo das -neue Leben\nschon erwacht ist. So erzählt Burney von dem seiner Zeit\nberühmten Componisten llinaldo von Capua, dass er die\nMeinung aussprach, es gäbe nichts Neues mehr zu erfin-\nden, „indem von allem, was der Mühe werth wäre, sowohl\nin der Melodie als Modulation schon Gebrauch gemacht\nworden sei\". Und dieser Ausspruch geschah, bevor die\nGeschichte der Musik eigentlich erst recht angefangen\nhalte. Um zu Offenbach zurück zu kommen, wenn wir\nnun gleich auch auf sein Erfindungs-Talent keinen allzu\ngrossen Werth legen wollen, so bildet doch seine Musik\neinen sehr wohlthuenden Gegensatz gegen die nichtssagen-\nden Machwerke, die uns in jüngster Zeit von Frankreich\nkamen, und gegen die qualvoll erzwungene Originalität,\ndie in Deutschland so oft zu Hause ist. Offenbach hat me-\nlodische Erfindung, eine gewandte Technik und einen na-\ntürlichen, ungesuchten Humor. Melodieen wie die Vesper-\nMelodie und die des Trink-Quartetts, Ensembles wie das\nZank-Duett legen dafür entschiedenes Zeugniss ab. Wir\nwünschen, dass die Verpllanzung der Parisiem\nnach Deutschland in grösserem Maassstabe gelingen möge.\nDenn unsere Opernbühne bedarf sehr der neuen Anre-\ngungen auch nach dieser Seite hin. Der Geschmack des\nPublicums ist gerade darum so verdorben, weil er seil\neinigen Oecennien fast ausschliesslich an die Pracht und\ndie Aufregung der grossen Oper gewöhnt ist. Um jenen\nmaassvollen Sinn zu wecken und zu bilden, mit dessen\nVernichtung auch der künstlerische Geist überhaupt zu\nGrunde geht, ist das heitere Genre das beste Mittel. Nur\ndurch den Gegensatz der Gattungen bleibt die Kunst auf\nder einen Seite vor dem Uebertriebenen, Verzerrten, wie\nauf der anderen Seite vor dem Oberflächlichen, Frivolen\nbewahrt.\nAusser der Verlobung bei der Laterne hat das Keper-\ntoire unserer Oper nichts Erwähnungswerthcs enthalten.\nHöchstens könnte ich Ihnen noch von der dreihundertsten\nAufführung des Freischütz berichten, die zum Besten des\nWeber-Denkmals Statt fand und in der ausnahmsweise"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "34", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590129-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5479, "texte": "unsere besten Kräfte beschäftigt waren. Das Publicum\nnahm lebhaften Theil daran und erfreute sich namentlich\nan den lebenden Bildern, die der Vorstellung vorhergingen.\nDer Gedanke, die Bearner Sänger, die Söhne der\nPyrenäen, im Opernhause auftreten zu lassen, war kein\nglücklicher und, wie wir hören, auch kein ganz freiwilli-\nger. Wenn die kräftigen, metallreichen Stimmen einen hö-\nÖ 0 /\nheren Grad von künstlerischer Ausbildung hätten, wenn\ndie Stücke, die sie uns zu Gehör bringen, wirklich dem\nreinen, unvermischten Quell des Volksgesanges entsprun-\ngen wären, dann wäre es noch etwas; aber die Musik-\nstücke scheinen überwiegend pariser Fabricat, auch die\nArt des Singens, das Tremoliren und Detoniren in der\nBruststimme und das winselnde, schwächliche Falset erin-\nnert an den herrschenden französischen Geschmack, der\nuns hier nur auf einer tieferen Stufe der Cultur entge-\ngentritt.\nWas von der Oper gilt, dass sie keine auf das Neue\ngerichtete Thätigkeit entfaltete, gilt auch von unseren gros-\nsen musicalischen Instituten, der Sing-Akademie, dem\nStern'schen Gesang-Verein und der königlichen Capelle.\nDie Sing-Akademie veranstaltete am Todtenfeste eine seit\nmehreren Jahren für diesen Tag ziemlich regelmässig ge-\nwordene Aufführung des Cherubinischen und\nder Cantate von Bach: „Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit\".\nCherubini's Requiem will noch immer nicht recht populär\nbei uns werden; man erkennt daran aufs Neue, dass\nselbst die grösste Schwungkraft der Phantasie, die strengste\nObjectivität der Auffassung, die grösste technische Kunst-\nfertigkeit und der äusserste sinnliche Wohlklang nicht aus-\nreichen, um Begeisterung hervorzurufen; wenigstens wir\nDeutschen verlangen eine gewisse Innigkeit und Wärme des\nGemüthes, und diese ist bei Cherubini nicht in dem Grade\nvorhanden, wie bei den deutschen Lieblingen unserer Na-\ntion. Der Stern'sche Verein führte die Schöpfung von\nHaydn auf, eine auffallende Erscheinung freilich nur für\ndiejenigen, die diesen Verein gern ganz in die Tendenzen\ndes Radicalismus verwickelt hätten, und die für Haydn's\nWerke nur ein mitleidiges Lächeln haben. Die Aufführung\nwar von Seiten der Chöre sehr glänzend und effectvoll.\nMit der Besetzung der Soli wird es, wenn auch nicht\nschlimmer, so doch nicht besser; nur in den Herren Sab-\nbath und Otto besitzt jetzt Berlin zwei für Aufgaben\ndieser Art sehr tüchtige Kräfte. Die königliche Capelle\nbrachte ebenfalls nur Bekanntes zur Aufführung.\nDer Bach-Verein (unter der Leitung des Musik-Di-\nrectors Vierling) trat dagegen mit zwei hier noch nicht\ngehörten Cantaten von Bach: „Wer weiss, wie nahe mir\nmein Ende\", und „Die Könige von Saba\" hervor. Es ist\nfür eine Periode wie die jetzige, deren Productivität so\ngering und die mit der classischen Literatur so vertraut\nist, dass die Empfänglichkeit für Mittelmässiges sich auf\nimmer kleinere Kreise beschränkt, ein wahres Glück, dass\neiner der grossen Meister der Vergangenheit nur durch\neine sehr kleine Anzahl seiner Werke unter uns bekannt\nist. Sebastian Bach theilt heute mit Beethoven das Geschick,\nvon den entgegengesetzten Parteien bewundert und geprie-\nsen zu werden. Die Strenge seiner Formen, so wie die\nkirchliche Richtung seiner Compositionen macht ihn den\nAnhängern der äussersten Rechten genehm, während an-\ndererseits die Kühnheit seiner Harmonie, die unbeugsame\nEnergie des Ausdrucks und warum soll man das ver-\nschweigen? der Umstand, dass die blosse Schönheit des\nsinnlichen Klanges sehr oft bei ihm verletzt wird, auf die\nRadicalen mit einem besonderen Zauber wirken. Kein\nComponist ist lehrreicher für denjenigen, der wissen will,\nwie weit er in der Steigerung der Gegensätze gehen kann,\nohne die Gränzen der Kunst zu überschreiten. Und wenn\nwir auch unsererseits nie denen beistimmen würden, die\nin dem von Bach ausgebildeten Stil das höchste Ideal der\nKunst erkennen können, so hindert uns dies doch nicht,\nunsere ganze Bewunderung einem Manne entgegen zu brin-\ngen, der in der Fülle der Erfindung, in der Kunst der\nTechnik und in Hinsicht auf das Spiritualistische der gan-\nzen Richtung vielleicht der Grösste unter Allen war. Möge\nman nun darüber so oder anders denken, für unsere Zeit\nhat Bach eine ganz besondere Bedeutung; dem Studium\nseiner Werke sich hinzugeben, wird den Conservativen\nund Radicalen gleich willkommen sein, indem Jeder von\nihnen denkt, dadurch zum Siege zu gelangen worüber\nder schliessliche Erfolg ja entscheiden wird. Die Gründung\neines Vereins, der sich vorzugsweise dem Studium Bach's\nhingibt, war daher ein zeitgemässer und glücklicher Ge-\ndanke. Von den beiden oben erwähnten Cantaten ist die\nerstere in jenem ernsten, ausdrucksvollen Tone gehalten,\nden die zu Grunde liegende Idee verlangt. Keiner hat wie\nBach diesen Ton des christlichen Sterbens getroffen: Ernst\nohne Wehmuth, ein seliges Hinüberschweben ohne Fri-\nvolität. Die zweite Cantate bildete einen vollständigen Ge-\ngensatz dazu: lieblich und festlich in den Grundgedanken,\nmacht- und schwungvoll in der polyphonen Ausführung.\nAusserdem kam in demselben Concerte Acis und Galatea\nvon Händel, worüber ich vor einigen Monaten berichtete,\nzu wiederholter Aufführung. Der Bach-Verein zählt bis\njetzt noch nicht viele Mitglieder, dennoch zeichnen sich\nseine Aufführungen nicht nur durch Correctheit, sondern\nauch durch Schwung der Auffassung aus ein Vorzug,\nder besonders dem Umstände zuzuschreiben ist, dass der\nDirigent des Vereins, Herr Vierling, ein Dirigent ohne\nPedanterie und ohne Manier ist. Es ist ihm weder um bloss"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "35", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590129-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5430, "texte": "Äusserlichen, glänzenden Effect zu thun, noch scheut er\nsich, wie andere Dirigenten, vor jedem kräftigen Hervor-\ntreten, sondern er gehört zu der leider nicht zahlreichen\nClasse von Musikern, welche wissen, dass das innerste\nWesen der Kunst mit dieser oder jener einzelnen Vortrags-\nManier nicht erschöpft werden kann, sondern in einer\nFülle lebendiger, harmonisch sich ergänzender Gegensätze\nbesteht.\nDie in der ersten Dom-Chor-Soiree zur Auffüh-\nrung gelangten Stücke waren meistens neu: ein Gbria\nvon Durante, ein 0 Domine für Männerstimmen und der\n130. Psalm: „Aus der Tiefe rufe ich\", von Melchior\nFranck, eine achtstimmige Fuge: von Jo-\nmelli und eine Motette von Schütz: „Dank sei unserm\nHerrn\". Zu wiederholter Aufführung kamen das effect-\nvolle Adoramus von Corsi, der tief-innige Choral von Mich.\nPrätorius: „Es ist ein' Ros' entsprungen\", und das gemüth-\nvolle Weihnachtslied von Sethus Calvisius. Diese letztge-\nnannten Stücke erschienen uns als die bedeutenderen; aber\nauch die neugewählten gaben vielfach Zeugniss davon,\ndass die Componisten der vergangenen Jahrhunderte doch\ndie angemessensten musicalischen Mittel besassen, um den\nEindruck des feierlich Erhabenen, des über die Endlich-*\nkeit Hervorragenden, in unabsehbare Tiefen sich Versen-\nkenden hervorzubringen. Dass der Dom-Chor in den letz-\nten Jahren neben den italiänischen Meistern auch die deut-\nschen immer mehr in sein Repertoire aufnimmt, ist ein\nunverkennbarer Fortschritt. So führte uns das eben er-\nwähnte Concert zum ersten Male Heinrich Schütz vor, den\nman seiner Zeit den Vater der deutschen Musik nannte;\naus seinen und seiner Zeitgenossen Werken harrt gewiss\nnoch mancher treffliche Satz der Wiederbelebung; auch\ndieses ist eine Aufgabe der Zukunft.\nDie Liebig'sche Capelle brachte ausser der schon\nfrüher von uns besprochenen gehaltreichen Ouvertüre zu\nMaria Stuart von Vierling, die unter der eigenen Leitung\ndes Componisten zu ergreifender Klangwirkung gelangte,\nauch ein neues Werk desselben Componisten, eine „Früh-\nlings-Ouverture\", zur Aufführung, die uns sein Talent\nnach einer anderen Seite hin zeigte, und namentlich durch\nihre maassvolle Haltung, durch die Vermeidung alles\nSchwülstigen, Manierirten einen günstigen Eindruck machte.\nDie Leistungen einzelner Virtuosen treten zwar bei\nuns immer mehr in den Hintergrund; auch wird allen\ndurchreisenden Zugvögeln der Erfolg dadurch erschwert,\ndass wir in Bülow und Laub zwei ausübende Künstler\nbesitzen, denen wenige andere gewachsen sein dürften;\ndennoch vergeht kein Winter, ja, fast kein Monat, der uns\nnicht irgend etwas Neues auch nach dieser Richtung hin\nbrächte. Von einheimischen Künstlern nenne ich Ihnen den\ni\nClavierspieler Papendiek, der mit den allgemeinen Vor-\nzügen der strengen, auf äusserste Corrcctheit, Eleganz des\nAusdrucks und musicalische Klarheit begründeten Kullak'-\nschen Schule bei reiferem Alter auch immer mehr das zu\nvereinigen beginnt, was keine Schule geben kann: Leben-\ndigkeit und Innerlichkeit der Auffassung. Ein neuer An-\nkömmling ist Herr Sigismund Blumner, ein Schüler\nvon Charles Meyer, ein fertiger Clavierspieler, dem es bis\njetzt vielleicht noch mehr um äussern Glanz, als um innere\nTiefe zu thun ist, der aber durch den Vortrag mehrerer\nBach'schen Stücke bewies, dass es ihm auch nach dieser\nRichtung hin an Fähigkeit nicht fehlt. Frau Sophie\nPflughaupt gab zwei Concerte, in denen sie mehrere\nLiszt'sche Compositionen mit Sicherheit und Bravour\nspielte, in dem Vortrage Beethoveuscher und Schumann'-\nscher dagegen Manches zu wünschen übrig liess. Madame\nOxford aus London stellte sich uns als eine Vertreterin\ndes streng classischen Geschmacks vor; wir hörten von ihr\nnichts als Mozart, Beethoven, Schumann und Mendelssohn.\nMedium tenuere beati!ist ihr Wahlspruch. Ihr Anschlag\nist weder hart noch weich, ihre Fertigkeit weder glänzend\nnoch unbedeutend, ihre Nuancirung überall bestimmt, aber\nmaassvoll. Die scharfen Gegensätze des Virtuosenthums sind\nihr ein Gräuel —Alles sehr anerkennungswerth, aber eine\netwas freiere Bewegung halten wir doch für kein Un-\nglück. Herr Strauss aus Wien ist ein sehr tüchtiger Vio-\nlinspieler. Seine Intonation ist, so weit wir ihn bis jetzt\nkennen lernen konnten, musterhaft rein, sein Ton weich\nund sympathisch, seine Technik solid.\nDie Bekanntschaft der beiden letztgenannten Virtuosen\nverschaffte uns Herr Radecke in seinem dritten Orchester-\nConcerte, das gleich den früheren zu den interessantesten\nAufführungen dieses Winters gehörte. Für die Wahl des\nvon Mad. Oxford vorgetragenen, anmuthigen und geistrei-\nchen von Mozart konnten wir nur dank-\nbar sein. Wie sonderbar, dass man diejenigen Compositio-\nnen des Italiens und Deutschlands Kunst-Ideal in sich ver-\neinigenden Meisters, die er für sich selber schrieb und die,\nso manche unter ihnen auch flüchtig entstanden sein mö-\ngen, doch ohne Zweifel den echten Stempel seiner Per-\nsönlichkeit tragen, fast ganz vergessen hat! Man ist heute\nnur zu geneigt, auf Werke geringschätzig herabzublicken,\ndie nicht mit den höchsten Gegenständen des menschlichen\nDaseins sich beschäftigen eine Verirrung, in die eigent-\nlich nur derjenige gerathen kann, der jene höchsten Ge-\ngenstände gar nicht wirklich kennt und irgend einen be-\nliebigen ekstatischen Zustand mit jener realen Erregung\nverwechselt, die aus wahrhafter Tiefe und Innerlichkeit\nhervorgeht. Seit der Zeit der Revolution, hört man mit-\nunter aussprechen, sei es mit jener gemüthlichen Haus-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590129-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4426, "texte": "musik eines Haydn und Mozart vorbei; aber so wie die\nalte Zeit ihre tiefen, grossen Ideen hatte und ihnen künst-\nlerischen Ausdruck gab, so namentlich in der Kirchen-\nmusik, so wird auch wohl die neuere Zeit neben ihren\ngrossen Humanitäts-Ideen noch immer Zeit übrig behalten\nfür leichtere und dabei gebildete Unterhaltung. Feinste\nUrbanität, das ist der Inhalt jenes oben erwähnten Mozart'-\nschcn Concertes, und wir glauben, dass den modernen\nTitanen eine kleine Beimischung dieser Urbanität, die sie\nnamentlich von Mozart und Mendelssohn sich aneignen\nmögen, nichts schaden würde. Eine Ouvertüre von Ra-\ndecke erfreute uns durch die sichtlichen Fortschritte, die\nder Componist gemacht hat. Er schliesst sich theils Men-\ndelssohn, theils Schumann an. Die Hauptgedanken waren,\nwenn auch nicht durch Originalität hervorragend, so doch\nedel und in Hinsicht auf den Contrast, in dem sie mit ein-\nander standen, glücklich gewählt; die Durcharbeitung\nzeigte den gebildeten Musiker. Den Schluss hätten wir\netwas gewählter und eigentümlicher gewünscht; die In-\nstrumentation ist noch etwas überladen. Sehr dankbar wa-\nren wir endlich dem Concertgeber für die Aufführung des\nlange nicht gehörten, schwungvollen und poesiereichen\nEinale's aus der Loreley von Mendelssohn.\nEin Clavierspieler Brissler brachte ein von ihm selbst\ncomponirtes, gut gemeintes, aber ziemlich mühevoll zu\nStande gebrachtes Streich-Quartett zur Aufführung, fer-\nner ein uns unbekanntes Sextett von Onslow für Ciavier,\nFlöte, Horn, Fagott, Clarinette, Contrabass, das zu den\nanmuthigsten Werken dieses Componisten gehört. Ein\nähnliches Verdienst erwarb sich der Concertmeister Ries\ndurch Aufführung zweier zwar nicht bedeutenden, aber\nauch nicht uninteressanten und jedenfalls in dem Stil der\nguten Zeit geschriebenen Streich-Quartette von Gross\nund Ferdinand Ries. In den Soireen des Herrn Eduard\nGanz kam ein Trio von Sterndale Bennett zur Auffüh-\nrung, elegant und wohlklingend, aber ohne Tiefe des\nInhalts.\nDas Bülow'sche Orchester-Concert hat wiederum,\nwie Sie aus den hiesigen Zeitungen bereits erfahren haben\nwerden, durch den ungestümen Propaganda-Eifer des Con-\ncertgebers Veranlassung zu grosser Erregung der Gemü-\nther gegeben. Als nach der Aufführung der Liszt'schen\nIdeale, einer Composition, wüst und bizarr wie die übri-\ngen uns bekannten symphonischen Dichtungen von ihm,\nvon einer maasslosen Leidenschaftlichkeit des Ausdrucks\nund dabei in den Grundgedanken keineswegs gewählt, als\nalso nach dieser Composition von einigen Seiten Beifalls-\nrufe ertönten, erhob sich auch ein Zischen (ein Referent\nin der Vossischen Zeitung nennt es dort „ Schlangengezisch\"),\ndas, streng genommen, noch nicht einmal dem Werke,\nsondern dem diesem Werke gespendeten Applaus galt.\nUeber diese mildeste Form der Opposition, die auch im\nHoltheater vollständig Sitte ist und nirgends Anstoss erregt,\nwar Herr von Bülow so aufgebracht, dass er vortrat und\ndie „Herren Zischer aufforderte, den Saal zu verlassen,\nZischen sei hier nicht üblich\". So unbegreiflich passiv sich\ndas Publicum unmittelbar nach der That verhielt, was\ntheils der Ueberraschung, theils dem Umstände zuzuschrei-\nben ist, dass Viele die während des Klatschens und Zi-\nschens gesprochenen Worte des Herrn von Bülow nicht\nverstanden hatten, so gross ist die Entrüstung des Publi-\ncums hinterher geworden. Was den übrigen Inhalt des\nConcertes betrifft, so haben die zwei Ouvertüren von Ber-\nlioz zum „ Corsaren\" und „Die Vehmrichter\", die ihrem\nwesentlichen musicalischen Inhalte nach keineswegs bedeu-\ntend und in der Instrumentation sehr grell und gewaltsam\nsind, aber doch durch einzelne sinnvoll erfundene Neben-\ngedanken fesseln, ebenfalls beim Publicum wenig Glück\ngemacht. Dagegen fand die Einleitung zum Lohengrin, die\nvon poetischer Empfindung, musicalischem Ausdrucks-Ver-\nmögen und der geschicktesten Instrumentations-Technik\nZeugniss ablegt, den allgemeinsten Beifall. Herr von Bülow\ntrug das von Beethoven mit meisterhafter\nTechnik vor; die von ihm eingelegte Cadenz war etwas zu\nlang und zu herb für den Stil des Beethoven'schen Wer-\nkes, aber mit musicalischem Geschick ersonnen und durch-\ngeführt. Die Gesanges-Vorträge der Frau von Milde,\neiner der gediegensten und vielseitigsten deutschen Sänge-\nrinnen, deren Technik und Auffassungsweise gar keine\nVerwandtschaft mit der modernen Virtuosität hat, gewährte\nuns und allen Zuhörern einen hohen und leider nur zu\nkurzen Genuss.\n\nG. E."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-01-29-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-01-29_01#c003", "volume": "bmtnabi_1859-01-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "36", "page_fin": "38", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590129-01.2.3", "titre_corps": "Pariser Briefe.", "titre_sommaire": "Pariser Briefe.", "signature_source": "B. P", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590129-01.1.4", "debut_caractere": 4428, "fin_caractere_exclue": 5166, "texte": "Pariser Briefe.\n\n[Die italiänische Oper Offenbach's Bou/fes: Orfie «war\nEnfers ■— Kammermusik.]\n(Schluss. S. Nr. 1 und Nr. 4.)\nDie Italiäner, deren Opernhaus im Innern glänzend\nerneut worden ist, eröffneten im Herbste mit Verdi's „Tra-\nviata\". Diese leidige und leidende italianisirte Dame aux\ncamelias war der Sängerin Penco wegen gewählt wor-\nden. Ich habe einer der späteren Vorstellungen beigewohnt;\nam meisten hat mich darin ergötzt, dass die schwindsüch-\ntige Violetta mit einer so überaus mächtigen Stimme Rou-\nladen und Triller in die Luft schleuderte, dass einem Kern-\ngesunden der Athem verging. Da auch alles Uebrige an\nihr eine von Fülle der Gesundheit und Kraft strotzende\nNatur offenbarte, so konnte die dramatische Wahrheit"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "37", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590129-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5304, "texte": "nur durch die Annahme gerettet werden, dass die Dame\nim letzten Zwischenacte einen Brustkrampf bekommen,\nder es ihr noch eben möglich machte, mit Anstand zu\nsterben. Die Penco hat bedeutende Mittel, die sie später-\nhin besonders in der Norma geltend machte; doch blieb\nsie in dieser Rolle, die ihrem Naturel mehr angemessen\nschien, unter meiner Erwartung. Das Recitativ sang sie\nkräftig und breit und mit dramatischem Vortrage, aber in\nallem Uebrigen stand sie weder als Sängerin noch als\nSchauspielerin auf der Höhe dieser Rolle. Ihre Methode\ngehört zu den Stoss-Methoden; überscharfe Accente, ewi-\nges Halb-Staccato der Coloratur, keine einzige gebundene\nPhrase das ist kein Gesang. Ihr Triller ist allerdings\nvortrefflich, rein, rund und mächtig; aber toujours perdfix\nwird man auch überdrüssig.\nUebrigcns beherrscht Verdi nicht so ausschliesslich wie\nin den letzten Jahren das Repertoire. Nur „Rigoletto\"\nwurde mehrere Male hinter einander gegeben, weil die\nFrezzolini, aus America zurück, zum ersten Male wieder\ndarin auftrat. Rossini's „Italiänerin in Algier\" ging zwei\nMal über die Scene; aber Madame Nantier-Didie ist nicht\nfür erste Partieen geschaffen. Dann kam eine Neuigkeit\nfür uns: „11 Giuramento\", lyrisches Drama in vier Acten\nvon Mcrcadante. In Italien ist dies eine alte Oper; denn\nschon 1837 wurde sie zu Mailand zum ersten Male gege-\nben; hier waren nur einzelne Arien daraus bekannt. Mer-\ncadante, im Jahre 1798 geboren, ein voller Sechsziger,\nhat noch vor zwei Jahren eine neue Partitur Pelagio in\nNeapel, wo er bekanntlich Director des Conservatoriums\nist, auf die Bühne gebracht, und noch im vorigen Jahre\nmehrere grössere Kirchensachen geschrieben. Selten hat\nein Componist in Italien eine so lange ehrenvolle Laufbahn\ngemacht, wie er; er begann sie schon zu der Glanzzeit\nRossini's, setzte sie neben dessen Nachfolgern Bellini und\nDonizetti fort und steht jetzt neben Verdi noch aufrecht.\nDer Grund davon liegt nicht in seinem Genie, denn Genie\nmuss man ihm absprechen, sondern in seinem musicali-\nschen Wissen und in der Leichtigkeit des Producirens bei\nbleibender Reinheit des Stils. Jene Eigenschaft und dieses\nTalent machen bei den Kennern in Italien immer noch\nden Maestro im wahren Sinne und verschaffen ihm eine\nehrenvolle Stellung, wenn auch nicht die fanatischen\nTriumphe, die das Genie dort erzielt.\nDer „Schwur\" (Ii Giuramenoffenbart den mittle-\nren Rang, den Mercadante als Componist einnimmt, auf\njeder Seite; nur in einigen Stellen des Finale's vom zwei-\nten Acte und in der grossen Arie des Manfredo (Bariton—\nFrancesco Graziani) erhebt er sich zu höheren Stufen, alles\nUebrige ist zwar rein und sehr sangbar geschrieben, aber\nstreift immerwährend an die Gränze des Gewöhnlichen. Eine\nOuvertüre hat die Oper nicht, auch keine Einleitung; ein\nBalllest eröffnet die Scene. Das Orchester ist nach alter\nitaliänischer Weise behandelt, und zwar mit so vielen Solo-\nKitornellen für Flöte, Horn, englisches Horn, Violoncell\nu. s. w. ausgestattet, dass es selbst dadurch wieder mono-\nton wird. Dem Lextbuche liegt V ictor Hugo s Angelo, der\nTyrann von Padua, zu Grunde, nur ist die Scene nach\nSicilien versetzt.\nNeuerdings ging llossini's „Semiramis\" nach lan-\nger Ruhe wieder in Scene (am 4. Januar) und brachte,\nzum Theil auch durch die Besetzung (Mad. Penco—Semi-\nramis, Mad. Alboni Arsaces, Badiali —Assurj, grossen\nEindruck hervor. Trotzdem griff man wieder zu Flotow's\nT-Marta\", besetzt wie in der vorigen Saison, nur dass Mad.\nFrezzolini statt der St. Urbain die Martha gab (Mario, Gra-\nziani; Mad. Das Publicum voll Enthusias-\nmus, Wiederholung an den drei folgendenSpieltagen und\nso fort, während ich schreibe! Mad. Frezzolini hat in Ame-\nrica nichts gewonnen und nichts verloren ich meine an\nihren Vorzügen und Mängeln; wie es mit den Finanzen\ngegangen ist, weiss ich nicht. Im Ganzen hat sie mich als\nMartha kalt gelassen, sie bleibt in dieser Rolle immerwäh-\nrend zu sehr Hofdame. Im letzten Acte sang sie mit stür-\nmischem und verdientem Beifalle die grosse Coloratur-\nArie, die man bisher bei den hiesigen Aufführungen nicht\ngehört hatte.\nJakob Offenbach hat diesen Winter mit seinem\n„Orphee aux Enfers\" die Kritik empört, aber die Lacher\nauf seine Seite gebracht. Das Ding nennt sich\nfon en deux actes et quatre tableaux\", Text von H. Cr£-\nmieux, Musik von J. Offenbach. Die\nhaben nämlich ihre Kinderschuhe längst ausgetreten und\nschreiten jetzt, wenn auch nicht auf dem Kothurn, doch\nauf dem Sokkus in grösster Dimension einher. Aus den\nzwei bis drei Personen, auf welche die Concession das\nTheater in der Baracke in den anfänglich\nbeschränkte, hat sich ein Personal von 12 —l4 entwickeil,\nund man wetteifert in Costumen und Decorationen wenig-\nstens en miniaturemit den anderen Opern-Theatern. Ob\ndies der richtige Weg ist, sich die Gunst des Publicum«\nzu erhalten? Die Erfahrung muss es lehren. Der Orpheus\nist eine mythologische Posse; desshalb eifern die Kritiker\ndagegen und meinen, eine mythologische Parodie sei heut-\nzutage ein Unsinn. Ich meine, ernsthafte mythologische\nOpern, wie Pygmalion und Galathea, Das Lamm der\nChloe und ähnliche, welche Paris in den letzten Jahren\ngesehen hat, kann man mit weit mehr Recht als unsinnig\ncharakterisiren. Wahrscheinlich hat der jetzige Or-\npheus dieser affectirten Antikensucht sein Dasein zu ver-\ndanken."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "38", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590129-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3946, "texte": "Das Ding ist natürlich von Anfang bis zu Ende rein\npossenhaft gehalten, spielt aber dabei theils im Olymp,\ntbeils in dem Tartarus, theils auf Erden, wie die grössten\nSpectakel-Opern, deren Lärm auch die Musik bisweilen\nnachahmt, offenbar um ihn zu parodiren. Orpheus spielt\nstatt der Leier Violine nnd zwar recht hübsch, zumal in\ndem originellen Duett mit Eurydice, wenn er die Lange-\nweile und die Ungeduld seiner Frau durch seine Studien\nzu versöhnen sucht. In Eurydice verlieben sich Pluto und\nsein Diener John Styx, domestyx de Pluton, und Jupiter.\nPluto nimmt die Gestalt des Honigfabricanten Aristäus an,\num der Eurydice Süssigkeiten zu sagen, Jupiter verwandelt\nsich in eine Fliege, schlüpft durchs Schlüsselloch herein\nund singt mit Eurydice ein Duett in Brummstimmen!\nUnd da soll man nicht lachen? Allen Hypochondern muss\nman diese Posse als Cur verschreiben. Eine Dummheit jagt\ndie andere und lässt einen nicht zur Besinnung kommen.\nNur das empfindet man das ganze Stück hindurch sehr\ndeutlich, dass die Musik das reizende Band ist, welches\nalle den glänzenden Unsinn zusammenhält, und zugleich\ndas Füllhorn, das ihn mit duftenden Blumen überschüttet.\nOffenbach hat ein ausgezeichnetes Talent, dergleichen ko-\nmische Scenen musicalisch zu beleben; es liegt in ihm eine\nbis ins Feinste potenzirte kölnisch-carnevalistische Natur.\nDie Partitur des Orpheus gehört unstreitig zu den besten,\ndie er geschrieben, das läugnen auch die Pedanten nicht,\ndie ihm den Frevel an dem Alterthum und seinen Mythen\nnicht verzeihen können.\nDie Sitzungen für Kammermusik hat dieses Mal\nVieuxtemps im Saale Beethoven auf glänzende Weise\neröffnet; von den vier angekündigten sind drei gegeben,\ndie letzte am *27. December v. J. Die Partner des grossen\nGeigers sind die Herren Cotblain, Adam und van Gelder\n(Violoncell). Die erste Sitzung brachte Haydn in D-moll,\nMozart in G-dur, Beethoven in C-dur; zum Schluss:\n„Märchen\", Duo Nr. 1 für Violine und Pianoforte von\nVieuxtemps. Das Quartett von Haydn wurde gut und fein\ngespielt. Erfreulich war in dem Bericht darüber in der\nGazette musicale die Stelle: „Wenn man die verständigen\nund enthusiastischen Beifalls-Aeusserungen des Publicums\ngewahrte, das zum grossen Theiie aus berühmten Künst-\nlern bestand, so that es wohl, zu bemerken, dass der Cul-\ntus des Schönen wieder bei uns erwacht, und dass der Sieg\nder Reaction zu Gunsten der schönen Musik gesichert ist.\"\nGebe der Himmel, dass der Mann, Adolf Botte heisst er,\nRecht habe; er hat über die zwei ersten Quartett-Sitzun-\ngen überhaupt sehr hübsch und kenntnissvoll geschrieben,\nund ich freute mich, den Vorwurf, den ich in meinem\nNotizbüchlein dem grossen Virtuosen beim Vortrage des\nMozart'schen Quartetts gemacht hatte, auch in seinem\nBerichte wieder zu finden. Vieuxtemps spielte dieses Quar-\ntett zu virtuosenmässig, sowohl was ein be-\ntrifft, das hier gar nicht an der Stelle war, als auch in\nBezug auf kleinliche Effjcthascherei im Spiel, auf Pointen-\nmacherei, möchte ich sagen, die in so gediegen fliessende\nRede nicht passt. Das Quartett von Beethoven hingegen\nspielte er in jeder Hinsicht vortrefflich. Das „Märchen\"\nist ein Bravourstück voll schwieriger Passagen und Triller;\nes rief natürlich stürmischen Applaus hervor.\nIn der zweiten Sitzung hörten wir Haydn\nmit dem so reizend variirten dann das\nQuartett Nr. 4 von Franz Schubert; hierauf spielte\nVieuxtemps Bach's Chaconne meisterhaft, und das\nQuartett von Beethoven schloss. Die dritte brachte\ndas Quintett in A-moll, Op. 58, von Onslow, das Quar-\ntett in A-dur (Op. 18) von Beethoven; dann ein zweites\n„Märchen\" und zum Beschlüsse Mendelssohn's Quin'\ntett in B-dur. Die letzte (den 8. Januar): Quartett in\nEs-dur von Cherubini, in B-dur von Mozart, in Cis-\nmoll von Beethoven.\nAuch der Cirkel Maurin, Chevillard, Vi guier\nund Sabatier hat das neunte Jahr seiner Existenz An-\nfangs Januar begonnen; dass er Bestand hat, macht den\nParisern alle Ehre.\nParis, den 15. Januar 1859.\n\nB. P."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-01-29-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-01-29_01#c004", "volume": "bmtnabi_1859-01-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "38", "page_fin": "39", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590129-01.2.4", "titre_corps": "Fünftes Gesellschafts-Concert in Köln im Hauptsaale des Gürzenich.", "titre_sommaire": "Fünftes Gesellschafts-Concert in Köln im Hauptsaale des Gürzenich.", "signature_source": "L. 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Nr. 4)\nDer zweite Theil des „Dornröschen4' beginnt mit einem Clior\nder Waldgeister: „Seit hundert Jahren schläft das Schloss der\nKönig und sein Töchterlein kein Vöglein singt Wie lange\nwird der Zauber dauern?\" Bratschen, Celli und Bässe, später auch\ndie Violinen und gehaltene Noten der Hörner bringen in einem An-\ndante, erst in E-moll, dann in D-moll jenes mystische\nTongewebe wieder, dessen Motive wir schon aus der Einleitung ken-\nnen; der Chor tritt nur unisono, entweder in allen yier Stimmen\noder jede einzeln gleichsam recitativisch, hinzu: gut gedacht und\nvon schönem Colorit. Auf die Worte: „Kommt leise durch den\nWald vielleicht naht der Freier bald lockt ihn an\" be-\nginnt ein Allegro non troppo. 2 in G-moll, recht anmuthig im\nChor, vom Pizzicato der Saiten-Instrumente begleitet; es erinnert\nindess im Charakter fast zu sehr an Mendelssohn in der Walpurgis.\nnacht. Den Mittelsatz bildet ein Quartett in B-dur für Solostimmen,\ndas uns weder in den Motiven, die gewöhnlich sind, noch in der\nFührung der Stimmen, die nicht recht klar wird, anspricht; auch\nist es mit Blas-instrumenten) zu stark und zu figurirt begleitet.\nDer folgende Jägerchor (mit vier Hörnern und Bass-Posaune),\nder den Königssohn ankündigt, ist freilich nicht neu, wie sollte da«"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590129-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5328, "texte": "auch möglich sein? aber er setzt ein frisches Bild in den We-\nber'schen Rahmen. Die Arie des Königssohnes (Tenor) in D-dur,\neine Cavatine mit Solo-Violoncell, ist melodisch und dankbar für\nden Sänger, und das ist immer schon etwas iu unseren Tagen Der\nChor der Waldgeister (Con moto, 9/Q in G-dur), in welchem die\nFrauenstimmen fragen: „Wer liegt da im Grund ?•' u. s. w., und die\nMänner antworten : ~Es ist der Freier, der Königssohn\" u. s. w.,\nbis sie Alle bei den Worten: ~So wecket ihn leise4' u. s. w. zusam-\nmenkommen, ist wieder sehr frisch und lebendig. Die Cantilene, in\nwelcher ein Waldgeist (Altstimme) dem schlafenden Königssohne das\nMärchen von der verzauberten Maid erzählt, hat uns weniger gelun-\ngen geschienen. Dagegen ist die folgende Scene, der Chor während\ndes Vordringens des Prinzen zum Schlosse, das Erwachen Dornrös-\nchens, die in ihm das Bild ihrer Seele erkennt, u. s. w. wieder\nrecht schön behandelt, dramatisch ohne Effecthascherei und stets\nsangbar. Die Scene schliesst mit einem grossen Duett in A-dur, 4/a,\nAllegro vivace, das nicht ohne Schwung ist, jedoch nicht zu den\nausgezeichneteren Nummern des Werkes gehört. Das Finale be-\nginnt mit einem sehr gelungenen Chor der Waldgeister, der das\nneue Leben schildert, das sich in dem entzauberten Schlosse regt\nund bewegt, Allegro, %, E-dur; die Instrumentirung ist sehr in-\nteressant und durch die anhaltenden Wirbel der Pauke, welche durch\ndie langen Triller der Violinen und Bratschen, endlich des Flauto\npiccolo fortgesetzt werden, originel. Nach kurzen Recitativen der Fee und\ndes Königs schliesst der Chor des Volkes, Allegro maestoso in D-\ndur, der schon im ersten Theile dem Könige und der Braut Heil\nsang, mit seinem kräftigen Rhythmus und schwunghaften Pomp\ndas Ganze.\nHerr von Perfall hat mit dieser Composition einen glücklichen\nSchritt vorwärts gethan. Der romantische Ton ist fast durchweg\ngut getroffen, und dabei erscheint der Stil des Ganzen so anspruchs-\nlos und natürlich, dass man die Composition und den Componisten\nlieb gewinnt. Die Sucht, um jeden Preis neu zu sein, hat ihn nicht\nzu Absonderlichkeiten und Ungeheuerlichkeiten verführt, nicht ein-\nmal zu Gesuchtem und Geschraubtem; möglich daher, dass er den\nMusik-Blasirten unserer Zeit nicht behagt; die unbefangenen Kunst-\nfreunde werden das Werk überall gern hören.\nDie Soli sind nicht glänzend, aber auch nicht undankbar, wie\ndenn überhaupt Herr von Perfall eine recht melodische süddeutsche\nNatur ist. Fräulein Schreck von Bonn sang die Fee, Fräulein Ida\nD amke von hier das Dornröschen, Herr Wolters die Tenor-, Herr\nSchiffer die Bass-Partie, Fräulein Küpper die Cantilene der\nWaldnymphe. Die Aufführung war im Ganzen recht gut.\nFräulein Ida Damke sang im ersten Theile des Concertes das\nRecitativ und die Arie in A-dur aus Glückes Iphigenie auf Tau-\nris, für eine angehende Sängerin, die zum ersten Male auftrat, aller-\ndings eine schwierige Aufgabe. Dennoch lös'te sie dieselbe, nachdem\ndie erste Befangenheit überwunden war, auf recht befriedigende\nWeise und verdiente die ermunternde Anerkennung des Publicums\ndurch lebhaften Applaus. Ihre Stimme ist ein umfangreicher Mezzo-\nsopran (vom kleinen h bis zweigestrichenen h) von schönem, vollem\nKlange und seltener Egalität der Tonfülle. Reine Intonation, guter\nAnsatz des Tones und eine richtige Behandlung des Athems sind\nbereits schon Resultate einer guten Schule, auf deren Grund sich\neine künstlerische Ausbildung hoffen lässt. Fräulein Schreck\nsang die Alt-Arie (Es-dur) aus dem Messias und die Partie der Fee\nim Dornröschen mit schöner, \"voller Stimme und edelm Vortrage.\nHerr Ferdinand Breunung spielte das Es-dur-Concert von\nBeethoven und bewährte sich durch die gediegene Auffassung\nund den vortrefflichen \\ ortrag desselben als einen Clavierspieler\nersten Ranges. Die vollendete Technik artete nie in prunkende Vir-\ntuosität aus, welche dem Charakter dieser Composition so ganz und\ngar zuwider ist, dass die geringste Anwendung derselben selbst in\nden Cadenzen ein falsches Streiflicht auf das grossartige Gemälde\nwirit. Und ist denn eine vollkommen reinliche, sichere, runde, kräf-\ntige und dann wieder, wo es sich ziemt, glatte und perlende Aus-\nführung dieses Concertes nicht Virtuosität genug? Fordert nicht eine\nsolche Ausführung in stets gemessenem Vortrage, mit stetem künst-\nlerischem Maasshalten eine grössere Meisterschaft als diejenige, die\nihren Triumph in der Schnelligkeit sucht? Dass aber auch ein ge-\nbildetes Publicum diese Meisterschaft zu schätzen weiss, bewies es\ndurch den stürmischen Applaus und Hervorruf des Künstlers. Neh-\nmen wir nun noch hinzu, dass Herr Breunung dieses Concert am\nDinstag, und darauf am Sonnabend derselben Woche in der musica-\nlischen Gesellschaft ohne alle Vorbereitung das F-moll-Concert von\nChopin, und beide grosse Werke auswendig spielte, so müssen\nwir in ihm auch in dieser Beziehung eine tüchtige musicalische\nNatur und einen seltenen Ernst des Studiums anerkennen.\nVergessen wir nicht, die treffliche Ausführung der Sinfonie von\nvier Sätzen in D-dur von Mozart zu erwähnen, welche dem Diri-\ngenten und dem Orchester grosse Ehre machte und gerade desswe-\ngen besonders hervorzuheben ist, weil die präcise, melodisch und\ndynamisch ausdrucksvolle Ausführung der Sinfonieen von Haydn\nund Mozart nicht eben die starke Seite der heutigen Orchester ist.\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-01-29-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-01-29_01#c005", "volume": "bmtnabi_1859-01-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "39", "page_fin": "40", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590129-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590129-01.1.7", "debut_caractere": 5330, "fin_caractere_exclue": 6971, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHarsnen. Concert des Musik-Directors Herrn Karl Rei-\nnecke, den 22. Januar 1859. Einem für die Zukunft der Tonkunst\nsich interessirenden Musikfreunde musste schon das Programm, wel-\nches die Ausführung zweier neuen Werke, eines Ave Maria für ge-\nmischten Chor und einer Sinfonie vom Concertgeber, für diesen\nAbend veispiach, den Wunsch aufdrängen, jenem Concerte beiwoh-\nnen zu können. Die Erwartungen des Publicums, schon durch das\nAve Maria, dessen Vortrag bis auf einen mangelhaften Einsatz des\nSopians voizüglich war, befriedigt, wurden durch die' Sinfonie noch\nübertroffen. Beide Schöpfungen offenbaren ein Talent, dem eine be-\ndeutende Zukunft bevorsteht und das den Bekämpfern der Grund-\nsdtzc cinci gewissen 1 artei einen Anhaltspunkt zur Hoffnung auf\ndie Erhaltung des Grundsatzes bietet, dass die Musik vor Allem zu-\nerst für das Ohr geschrieben sein muss. Eine speciellere Bespre-\nchung der Sinfonie, die von der Langenbach'schen Capelle trefflich\nausgelührt wurde, bleibt für später vorbehalten. Es sei nur noch\ngesagt, dass der Componist die lebhaftesten Beifallsbezeugungen\nciintete, und dass ihm das Publicum diese auch abgesehen von dex*\nallgemeinen Achtung, deren er sich in Barmen erfreut, gezollt haben\nwürde, wie Referent dieses, der, selbst fremd in Barmen, mit Herrn\nReinecke bisher in keiner Beziehung steht und allein aus jenen\nCompositionen für ihn grosse Verehrung schöpfen musste, schon aus\ndem Umstände annimmt, dass die ziemlich zahlreich versammelten\nMusikfreunde der mit Barmen wetteifernden Stadt Elberfeld in glei-\nchem Maasse in die Beifalls-Ergüsse einstimmten. ln dem Beet-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "40", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590129-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3914, "texte": "hoven'schen G—rfi/r—Concerte und dem Concertstucke von be-\nwies Herr Reinecke eine schätzenswerthe Meisterschaft auf dem\nPianoforte. Leider wurde in dem Schlusssatze des ersteren ein Man-\ngel an Tactfestigkeit unter dem Orchester bemerkt. Herr Göbbels,\ndessen schon mehrfach in diesem Blatte Erwähnung gethan ist, sang\neine Arie aus Don Juan und zwei Lieder von Mendelssohn mit einer\nhöchst anmuthigen Stimme; sein Vortrag aber Hess den Zuhörer\netwas kalt. Der Männerchor machte durch den „Nachtgesang im\nWalde\" von F. Schubert bei der jugendlichen Frische der Stimmen\neinen recht angenehmen Eindruck. A. B.\nHannover« Am 4. Januar ist im Hoftheater Lederer's\n,Weibliche Studenten\" mit Fräulein Seebach und Frau von\nBärndorf gegeben worden.\nNoch im Laufe dieses Monats erscheint im Verlage des thätigen\nMusicalienhändlers C. Luckhardt in Kassel eine sehr interes-\nsante musicalische Novität, auf die wir nicht verfehlen, alle Musik-\nVereine ganz besonders aufmerksam zu machen. Es ist dies eine\nHymne an die heilige Cäcilia für Sopran-Solo und gemischten Chor\nvon L. Spohr, die der grosse Meister in seiner höchsten Glanz-\nPeriode im Jahre 1823 zur Feier des Cäcilientages für den von ftim\nin Kassel ins Leben gerufenen Cäcilien-Verein componirte. Die Com-\nposition soll eine der schönsten des berühmten Altmeisters sein.\nDer Cäcilien-Verein brachte in seinem ersten diesjähri-\ngen Concerte die Ouvertüre zu ,,Sophonisbeu von Reinecke und\nMcndelssohn's Oedipus-Musik\nDie sechste und letzte der Quartett-Productionen der\nHerren Helmesberger, Durst, Dobihal und Cossmann fand am 9. Ja-\nnuar in den Nachmittagsstunden Statt und hatte ein ungemein zahl-\nreiches Publicum herangezogen, wozu nicht bloss der Umstand, dass\nes das letzte war, sondern auch viel die Vorführung eines noch\nnicht hier gehörten Werkes von Beethoven, nämlich einer für Streich-\nQuartett gesetzten Fuge, beigetragen haben mochte. Dieser gedehnte\nSatz brachte jedoch keine günstige Wirkung hervor und wird wohl\ndie Meisten, die mit Erwartung herangekommen waren, enttäuscht\nhaben. Dagegen waren das A-Quartett von Mendelssohn und das\nC-dwr-Quintett von Beethoven, in welchem Hr. Zäch die zweite Viola\nspielte, wohlbekannte und stets willkommene Gaben. Die Ausfüh-\nrung war vorzüglich, der Beifall sehr lebhaft\nDie Schwestern Ferni gaben am 14. d. Mts. ihr letztes Con-\noert nach ihrer Zurückkunft von Pressburg, wenn wir nicht irren,\ndas sechszehntel Seit den Milanollo's ein unerhörter Erfolg! Das\nHaus war wieder in allen Räumen voll, die Sympathie und die Be-\ngeisterung für die reizenden Virtuosinnen eine unbegränzte.\nDie nächste Novität im Ilof-Operntlieater wird Balfe\\s „Rose von\nCastilien\" sein, die im verflossenen Jahre in London wiederholt mit\ngünstigem Erfolge gegeben worden ist. Lowe's, des einheimischen\nTonsetzers, Oper „Alma\", welche bestimmt war, als erstes neues\nWerk in dieser Saison über die Bretter unserer Opern-Hofbühne zu\ngehen, musste angeblich aus dem Grunde zurückgelegt werden, weil\nHerr Steger, welcher die Tenor-Partie hätte singen sollen, die\nUebernahme derselben auf der Grundlage seines Gast-Engagements,\ndas ihn nur zur Darstellung Einer neuen Rolle verpflichte, angeb-\nliob abgelehnt habe, indem er dieser Verpflichtung durch die Ueber-\nnahme des Nota in der „Sicilianischen Vesper\" bereits nachge-\nkommen sei.\nAlfred Ja eil, der Süddeutschland durchreiset und namentlich\nin Salzburg und Linz mehrere Concerte hinter einander gegeben\nhat, ist jetzt in Wien und hat am I£. Januar sein erstes Coneert\ndaselbst gegeben.\nX*l*CSSlbiii*g» Am 6. Januar wurde zum Vortheil des Herrn\nAdolf Rittinger und des Orchester-Personals eine General-Musikprobe\nder im Carneval aufzuführenden neuen Tanzmusikstücke im städti-\nschen Redoutensaale abgehalten.\nVerona. Bazzini hat im Teatro Nuovo drei Concerte gege-\nben. Die von ihm componirten und gespielten neuen Compositionen\nwerden demnächst bei Ricordi in Mailand erscheinen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "33", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590129-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nBerliner Briefe (J. Offenbach - Freischütz Sing-Akademie Bach-Verein Dom-Chor Clavierspieler\nViolinist Strauss Orchester-Concerte). Von G. E. Pariser Briefe (Die italienische Oper Offenbaeh's\nfers Kammermusik). Schluss. Von B. P. Fünftes Gesellschafts-Concert im grossen Gürzenichsaale zu Köln. Schluss. -Tages- und\nUnterhaltungsblatt (Barmen, Concert von C. Reinecke Hannover Kassel Prag Wien Pressburg Verona).\n\nBerliner Briefe.\n\n[J. Offenbach: ~Die Verlobung bei der Laterne\" Freischütz,\n300. Vorstellung Bearner Sänger Sing-Akademie: Cherubini's\nRequiem; Stern: Die Schöpfung; Bach-Verein (Vier 1 ing) zwei\nCantaten Dom-Chor Liebig: Frühlings-Ouverture von Vier-\nling Ciavierspieler: Papendiek, Blumner, Sophie Pflug-\nhaupt, Mad. Oxford; Violinist Strauss Orchester-Concert\nvon Radecke Orchester-Concert von H. von Bülow.]\nDen 21. Januar 1859.\nIn diesen Tagen erwarten wir die Aufführung des\nLohengrin, die einzige Novität dieses Winters, wenn wir\ndie kleine deutsch-französische Operette: „Die Verlo-\nbung bei der Laterne\", ausnehmen. Die berliner Hof-\nbühne hat seit einigen Jahren mit der Verpflanzung der\nneuesten pariser Erzeugnisse in unser Klima entschiedenes\nUnglück; nur diesmal hatte sie einen guten Fund gethan.\nDer Text der Operette ist zwar sehr einfach und schlicht,\nwas Einzelnen zum Anstoss gereicht; wir ziehen indess das\nEinfache immer noch jener Art von Erfindung vor, die\nuns so oft auf Kosten des gesunden Menschenverstandes\nund guten Geschmackes entgegentritt. Die Musik von Of-\nfen bach ist trefflich in ihrer Art. Wenn die pariser Oper\nin ein vollständiges Siechthum gerathen scheint, so erfreut\nuns dieser Deutsche durch wahre Jugendfrische. Die Ge-\nschichte der Musik ist reich an Beispielen, dass die schöne\nKunst in ihren Hauptvertretern den Eindruck des Abge-\nlebten, Greisenhaften machte, bis an einem verborgenen\nPlätzchen, wo Niemand es geahnt hätte, das neue Früh-\nlingsgrün dem Licht der Sonne entgegentrat. Wie wäre\nsonst die Erscheinung eines Haydn nach einer dreihundert-\njährrgen Entwicklungs-Periode der Musik zu erklären, in-\nnerhalb deren einzelne Meister schon den äussersten Grän-\nzen der Kunst sich zu nähern, ja, fast sie zu überschreiten\nscheinen? So herrscht auch bisweilen ein Gefühl des Ab-\ngelebten vor, gerade in einer Zeit, wo das -neue Leben\nschon erwacht ist. So erzählt Burney von dem seiner Zeit\nberühmten Componisten llinaldo von Capua, dass er die\nMeinung aussprach, es gäbe nichts Neues mehr zu erfin-\nden, „indem von allem, was der Mühe werth wäre, sowohl\nin der Melodie als Modulation schon Gebrauch gemacht\nworden sei\". Und dieser Ausspruch geschah, bevor die\nGeschichte der Musik eigentlich erst recht angefangen\nhalte. Um zu Offenbach zurück zu kommen, wenn wir\nnun gleich auch auf sein Erfindungs-Talent keinen allzu\ngrossen Werth legen wollen, so bildet doch seine Musik\neinen sehr wohlthuenden Gegensatz gegen die nichtssagen-\nden Machwerke, die uns in jüngster Zeit von Frankreich\nkamen, und gegen die qualvoll erzwungene Originalität,\ndie in Deutschland so oft zu Hause ist. Offenbach hat me-\nlodische Erfindung, eine gewandte Technik und einen na-\ntürlichen, ungesuchten Humor. Melodieen wie die Vesper-\nMelodie und die des Trink-Quartetts, Ensembles wie das\nZank-Duett legen dafür entschiedenes Zeugniss ab. Wir\nwünschen, dass die Verpllanzung der Parisiem\nnach Deutschland in grösserem Maassstabe gelingen möge.\nDenn unsere Opernbühne bedarf sehr der neuen Anre-\ngungen auch nach dieser Seite hin. Der Geschmack des\nPublicums ist gerade darum so verdorben, weil er seil\neinigen Oecennien fast ausschliesslich an die Pracht und\ndie Aufregung der grossen Oper gewöhnt ist. Um jenen\nmaassvollen Sinn zu wecken und zu bilden, mit dessen\nVernichtung auch der künstlerische Geist überhaupt zu\nGrunde geht, ist das heitere Genre das beste Mittel. Nur\ndurch den Gegensatz der Gattungen bleibt die Kunst auf\nder einen Seite vor dem Uebertriebenen, Verzerrten, wie\nauf der anderen Seite vor dem Oberflächlichen, Frivolen\nbewahrt.\nAusser der Verlobung bei der Laterne hat das Keper-\ntoire unserer Oper nichts Erwähnungswerthcs enthalten.\nHöchstens könnte ich Ihnen noch von der dreihundertsten\nAufführung des Freischütz berichten, die zum Besten des\nWeber-Denkmals Statt fand und in der ausnahmsweise"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "34", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590129-01.1.2", "texte": "unsere besten Kräfte beschäftigt waren. Das Publicum\nnahm lebhaften Theil daran und erfreute sich namentlich\nan den lebenden Bildern, die der Vorstellung vorhergingen.\nDer Gedanke, die Bearner Sänger, die Söhne der\nPyrenäen, im Opernhause auftreten zu lassen, war kein\nglücklicher und, wie wir hören, auch kein ganz freiwilli-\nger. Wenn die kräftigen, metallreichen Stimmen einen hö-\nÖ 0 /\nheren Grad von künstlerischer Ausbildung hätten, wenn\ndie Stücke, die sie uns zu Gehör bringen, wirklich dem\nreinen, unvermischten Quell des Volksgesanges entsprun-\ngen wären, dann wäre es noch etwas; aber die Musik-\nstücke scheinen überwiegend pariser Fabricat, auch die\nArt des Singens, das Tremoliren und Detoniren in der\nBruststimme und das winselnde, schwächliche Falset erin-\nnert an den herrschenden französischen Geschmack, der\nuns hier nur auf einer tieferen Stufe der Cultur entge-\ngentritt.\nWas von der Oper gilt, dass sie keine auf das Neue\ngerichtete Thätigkeit entfaltete, gilt auch von unseren gros-\nsen musicalischen Instituten, der Sing-Akademie, dem\nStern'schen Gesang-Verein und der königlichen Capelle.\nDie Sing-Akademie veranstaltete am Todtenfeste eine seit\nmehreren Jahren für diesen Tag ziemlich regelmässig ge-\nwordene Aufführung des Cherubinischen und\nder Cantate von Bach: „Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit\".\nCherubini's Requiem will noch immer nicht recht populär\nbei uns werden; man erkennt daran aufs Neue, dass\nselbst die grösste Schwungkraft der Phantasie, die strengste\nObjectivität der Auffassung, die grösste technische Kunst-\nfertigkeit und der äusserste sinnliche Wohlklang nicht aus-\nreichen, um Begeisterung hervorzurufen; wenigstens wir\nDeutschen verlangen eine gewisse Innigkeit und Wärme des\nGemüthes, und diese ist bei Cherubini nicht in dem Grade\nvorhanden, wie bei den deutschen Lieblingen unserer Na-\ntion. Der Stern'sche Verein führte die Schöpfung von\nHaydn auf, eine auffallende Erscheinung freilich nur für\ndiejenigen, die diesen Verein gern ganz in die Tendenzen\ndes Radicalismus verwickelt hätten, und die für Haydn's\nWerke nur ein mitleidiges Lächeln haben. Die Aufführung\nwar von Seiten der Chöre sehr glänzend und effectvoll.\nMit der Besetzung der Soli wird es, wenn auch nicht\nschlimmer, so doch nicht besser; nur in den Herren Sab-\nbath und Otto besitzt jetzt Berlin zwei für Aufgaben\ndieser Art sehr tüchtige Kräfte. Die königliche Capelle\nbrachte ebenfalls nur Bekanntes zur Aufführung.\nDer Bach-Verein (unter der Leitung des Musik-Di-\nrectors Vierling) trat dagegen mit zwei hier noch nicht\ngehörten Cantaten von Bach: „Wer weiss, wie nahe mir\nmein Ende\", und „Die Könige von Saba\" hervor. Es ist\nfür eine Periode wie die jetzige, deren Productivität so\ngering und die mit der classischen Literatur so vertraut\nist, dass die Empfänglichkeit für Mittelmässiges sich auf\nimmer kleinere Kreise beschränkt, ein wahres Glück, dass\neiner der grossen Meister der Vergangenheit nur durch\neine sehr kleine Anzahl seiner Werke unter uns bekannt\nist. Sebastian Bach theilt heute mit Beethoven das Geschick,\nvon den entgegengesetzten Parteien bewundert und geprie-\nsen zu werden. Die Strenge seiner Formen, so wie die\nkirchliche Richtung seiner Compositionen macht ihn den\nAnhängern der äussersten Rechten genehm, während an-\ndererseits die Kühnheit seiner Harmonie, die unbeugsame\nEnergie des Ausdrucks und warum soll man das ver-\nschweigen? der Umstand, dass die blosse Schönheit des\nsinnlichen Klanges sehr oft bei ihm verletzt wird, auf die\nRadicalen mit einem besonderen Zauber wirken. Kein\nComponist ist lehrreicher für denjenigen, der wissen will,\nwie weit er in der Steigerung der Gegensätze gehen kann,\nohne die Gränzen der Kunst zu überschreiten. Und wenn\nwir auch unsererseits nie denen beistimmen würden, die\nin dem von Bach ausgebildeten Stil das höchste Ideal der\nKunst erkennen können, so hindert uns dies doch nicht,\nunsere ganze Bewunderung einem Manne entgegen zu brin-\ngen, der in der Fülle der Erfindung, in der Kunst der\nTechnik und in Hinsicht auf das Spiritualistische der gan-\nzen Richtung vielleicht der Grösste unter Allen war. Möge\nman nun darüber so oder anders denken, für unsere Zeit\nhat Bach eine ganz besondere Bedeutung; dem Studium\nseiner Werke sich hinzugeben, wird den Conservativen\nund Radicalen gleich willkommen sein, indem Jeder von\nihnen denkt, dadurch zum Siege zu gelangen worüber\nder schliessliche Erfolg ja entscheiden wird. Die Gründung\neines Vereins, der sich vorzugsweise dem Studium Bach's\nhingibt, war daher ein zeitgemässer und glücklicher Ge-\ndanke. Von den beiden oben erwähnten Cantaten ist die\nerstere in jenem ernsten, ausdrucksvollen Tone gehalten,\nden die zu Grunde liegende Idee verlangt. Keiner hat wie\nBach diesen Ton des christlichen Sterbens getroffen: Ernst\nohne Wehmuth, ein seliges Hinüberschweben ohne Fri-\nvolität. Die zweite Cantate bildete einen vollständigen Ge-\ngensatz dazu: lieblich und festlich in den Grundgedanken,\nmacht- und schwungvoll in der polyphonen Ausführung.\nAusserdem kam in demselben Concerte Acis und Galatea\nvon Händel, worüber ich vor einigen Monaten berichtete,\nzu wiederholter Aufführung. Der Bach-Verein zählt bis\njetzt noch nicht viele Mitglieder, dennoch zeichnen sich\nseine Aufführungen nicht nur durch Correctheit, sondern\nauch durch Schwung der Auffassung aus ein Vorzug,\nder besonders dem Umstände zuzuschreiben ist, dass der\nDirigent des Vereins, Herr Vierling, ein Dirigent ohne\nPedanterie und ohne Manier ist. Es ist ihm weder um bloss"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "35", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590129-01.1.3", "texte": "Äusserlichen, glänzenden Effect zu thun, noch scheut er\nsich, wie andere Dirigenten, vor jedem kräftigen Hervor-\ntreten, sondern er gehört zu der leider nicht zahlreichen\nClasse von Musikern, welche wissen, dass das innerste\nWesen der Kunst mit dieser oder jener einzelnen Vortrags-\nManier nicht erschöpft werden kann, sondern in einer\nFülle lebendiger, harmonisch sich ergänzender Gegensätze\nbesteht.\nDie in der ersten Dom-Chor-Soiree zur Auffüh-\nrung gelangten Stücke waren meistens neu: ein Gbria\nvon Durante, ein 0 Domine für Männerstimmen und der\n130. Psalm: „Aus der Tiefe rufe ich\", von Melchior\nFranck, eine achtstimmige Fuge: von Jo-\nmelli und eine Motette von Schütz: „Dank sei unserm\nHerrn\". Zu wiederholter Aufführung kamen das effect-\nvolle Adoramus von Corsi, der tief-innige Choral von Mich.\nPrätorius: „Es ist ein' Ros' entsprungen\", und das gemüth-\nvolle Weihnachtslied von Sethus Calvisius. Diese letztge-\nnannten Stücke erschienen uns als die bedeutenderen; aber\nauch die neugewählten gaben vielfach Zeugniss davon,\ndass die Componisten der vergangenen Jahrhunderte doch\ndie angemessensten musicalischen Mittel besassen, um den\nEindruck des feierlich Erhabenen, des über die Endlich-*\nkeit Hervorragenden, in unabsehbare Tiefen sich Versen-\nkenden hervorzubringen. Dass der Dom-Chor in den letz-\nten Jahren neben den italiänischen Meistern auch die deut-\nschen immer mehr in sein Repertoire aufnimmt, ist ein\nunverkennbarer Fortschritt. So führte uns das eben er-\nwähnte Concert zum ersten Male Heinrich Schütz vor, den\nman seiner Zeit den Vater der deutschen Musik nannte;\naus seinen und seiner Zeitgenossen Werken harrt gewiss\nnoch mancher treffliche Satz der Wiederbelebung; auch\ndieses ist eine Aufgabe der Zukunft.\nDie Liebig'sche Capelle brachte ausser der schon\nfrüher von uns besprochenen gehaltreichen Ouvertüre zu\nMaria Stuart von Vierling, die unter der eigenen Leitung\ndes Componisten zu ergreifender Klangwirkung gelangte,\nauch ein neues Werk desselben Componisten, eine „Früh-\nlings-Ouverture\", zur Aufführung, die uns sein Talent\nnach einer anderen Seite hin zeigte, und namentlich durch\nihre maassvolle Haltung, durch die Vermeidung alles\nSchwülstigen, Manierirten einen günstigen Eindruck machte.\nDie Leistungen einzelner Virtuosen treten zwar bei\nuns immer mehr in den Hintergrund; auch wird allen\ndurchreisenden Zugvögeln der Erfolg dadurch erschwert,\ndass wir in Bülow und Laub zwei ausübende Künstler\nbesitzen, denen wenige andere gewachsen sein dürften;\ndennoch vergeht kein Winter, ja, fast kein Monat, der uns\nnicht irgend etwas Neues auch nach dieser Richtung hin\nbrächte. Von einheimischen Künstlern nenne ich Ihnen den\ni\nClavierspieler Papendiek, der mit den allgemeinen Vor-\nzügen der strengen, auf äusserste Corrcctheit, Eleganz des\nAusdrucks und musicalische Klarheit begründeten Kullak'-\nschen Schule bei reiferem Alter auch immer mehr das zu\nvereinigen beginnt, was keine Schule geben kann: Leben-\ndigkeit und Innerlichkeit der Auffassung. Ein neuer An-\nkömmling ist Herr Sigismund Blumner, ein Schüler\nvon Charles Meyer, ein fertiger Clavierspieler, dem es bis\njetzt vielleicht noch mehr um äussern Glanz, als um innere\nTiefe zu thun ist, der aber durch den Vortrag mehrerer\nBach'schen Stücke bewies, dass es ihm auch nach dieser\nRichtung hin an Fähigkeit nicht fehlt. Frau Sophie\nPflughaupt gab zwei Concerte, in denen sie mehrere\nLiszt'sche Compositionen mit Sicherheit und Bravour\nspielte, in dem Vortrage Beethoveuscher und Schumann'-\nscher dagegen Manches zu wünschen übrig liess. Madame\nOxford aus London stellte sich uns als eine Vertreterin\ndes streng classischen Geschmacks vor; wir hörten von ihr\nnichts als Mozart, Beethoven, Schumann und Mendelssohn.\nMedium tenuere beati!ist ihr Wahlspruch. Ihr Anschlag\nist weder hart noch weich, ihre Fertigkeit weder glänzend\nnoch unbedeutend, ihre Nuancirung überall bestimmt, aber\nmaassvoll. Die scharfen Gegensätze des Virtuosenthums sind\nihr ein Gräuel —Alles sehr anerkennungswerth, aber eine\netwas freiere Bewegung halten wir doch für kein Un-\nglück. Herr Strauss aus Wien ist ein sehr tüchtiger Vio-\nlinspieler. Seine Intonation ist, so weit wir ihn bis jetzt\nkennen lernen konnten, musterhaft rein, sein Ton weich\nund sympathisch, seine Technik solid.\nDie Bekanntschaft der beiden letztgenannten Virtuosen\nverschaffte uns Herr Radecke in seinem dritten Orchester-\nConcerte, das gleich den früheren zu den interessantesten\nAufführungen dieses Winters gehörte. Für die Wahl des\nvon Mad. Oxford vorgetragenen, anmuthigen und geistrei-\nchen von Mozart konnten wir nur dank-\nbar sein. Wie sonderbar, dass man diejenigen Compositio-\nnen des Italiens und Deutschlands Kunst-Ideal in sich ver-\neinigenden Meisters, die er für sich selber schrieb und die,\nso manche unter ihnen auch flüchtig entstanden sein mö-\ngen, doch ohne Zweifel den echten Stempel seiner Per-\nsönlichkeit tragen, fast ganz vergessen hat! Man ist heute\nnur zu geneigt, auf Werke geringschätzig herabzublicken,\ndie nicht mit den höchsten Gegenständen des menschlichen\nDaseins sich beschäftigen eine Verirrung, in die eigent-\nlich nur derjenige gerathen kann, der jene höchsten Ge-\ngenstände gar nicht wirklich kennt und irgend einen be-\nliebigen ekstatischen Zustand mit jener realen Erregung\nverwechselt, die aus wahrhafter Tiefe und Innerlichkeit\nhervorgeht. Seit der Zeit der Revolution, hört man mit-\nunter aussprechen, sei es mit jener gemüthlichen Haus-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590129-01.1.4", "texte": "musik eines Haydn und Mozart vorbei; aber so wie die\nalte Zeit ihre tiefen, grossen Ideen hatte und ihnen künst-\nlerischen Ausdruck gab, so namentlich in der Kirchen-\nmusik, so wird auch wohl die neuere Zeit neben ihren\ngrossen Humanitäts-Ideen noch immer Zeit übrig behalten\nfür leichtere und dabei gebildete Unterhaltung. Feinste\nUrbanität, das ist der Inhalt jenes oben erwähnten Mozart'-\nschcn Concertes, und wir glauben, dass den modernen\nTitanen eine kleine Beimischung dieser Urbanität, die sie\nnamentlich von Mozart und Mendelssohn sich aneignen\nmögen, nichts schaden würde. Eine Ouvertüre von Ra-\ndecke erfreute uns durch die sichtlichen Fortschritte, die\nder Componist gemacht hat. Er schliesst sich theils Men-\ndelssohn, theils Schumann an. Die Hauptgedanken waren,\nwenn auch nicht durch Originalität hervorragend, so doch\nedel und in Hinsicht auf den Contrast, in dem sie mit ein-\nander standen, glücklich gewählt; die Durcharbeitung\nzeigte den gebildeten Musiker. Den Schluss hätten wir\netwas gewählter und eigentümlicher gewünscht; die In-\nstrumentation ist noch etwas überladen. Sehr dankbar wa-\nren wir endlich dem Concertgeber für die Aufführung des\nlange nicht gehörten, schwungvollen und poesiereichen\nEinale's aus der Loreley von Mendelssohn.\nEin Clavierspieler Brissler brachte ein von ihm selbst\ncomponirtes, gut gemeintes, aber ziemlich mühevoll zu\nStande gebrachtes Streich-Quartett zur Aufführung, fer-\nner ein uns unbekanntes Sextett von Onslow für Ciavier,\nFlöte, Horn, Fagott, Clarinette, Contrabass, das zu den\nanmuthigsten Werken dieses Componisten gehört. Ein\nähnliches Verdienst erwarb sich der Concertmeister Ries\ndurch Aufführung zweier zwar nicht bedeutenden, aber\nauch nicht uninteressanten und jedenfalls in dem Stil der\nguten Zeit geschriebenen Streich-Quartette von Gross\nund Ferdinand Ries. In den Soireen des Herrn Eduard\nGanz kam ein Trio von Sterndale Bennett zur Auffüh-\nrung, elegant und wohlklingend, aber ohne Tiefe des\nInhalts.\nDas Bülow'sche Orchester-Concert hat wiederum,\nwie Sie aus den hiesigen Zeitungen bereits erfahren haben\nwerden, durch den ungestümen Propaganda-Eifer des Con-\ncertgebers Veranlassung zu grosser Erregung der Gemü-\nther gegeben. Als nach der Aufführung der Liszt'schen\nIdeale, einer Composition, wüst und bizarr wie die übri-\ngen uns bekannten symphonischen Dichtungen von ihm,\nvon einer maasslosen Leidenschaftlichkeit des Ausdrucks\nund dabei in den Grundgedanken keineswegs gewählt, als\nalso nach dieser Composition von einigen Seiten Beifalls-\nrufe ertönten, erhob sich auch ein Zischen (ein Referent\nin der Vossischen Zeitung nennt es dort „ Schlangengezisch\"),\ndas, streng genommen, noch nicht einmal dem Werke,\nsondern dem diesem Werke gespendeten Applaus galt.\nUeber diese mildeste Form der Opposition, die auch im\nHoltheater vollständig Sitte ist und nirgends Anstoss erregt,\nwar Herr von Bülow so aufgebracht, dass er vortrat und\ndie „Herren Zischer aufforderte, den Saal zu verlassen,\nZischen sei hier nicht üblich\". So unbegreiflich passiv sich\ndas Publicum unmittelbar nach der That verhielt, was\ntheils der Ueberraschung, theils dem Umstände zuzuschrei-\nben ist, dass Viele die während des Klatschens und Zi-\nschens gesprochenen Worte des Herrn von Bülow nicht\nverstanden hatten, so gross ist die Entrüstung des Publi-\ncums hinterher geworden. Was den übrigen Inhalt des\nConcertes betrifft, so haben die zwei Ouvertüren von Ber-\nlioz zum „ Corsaren\" und „Die Vehmrichter\", die ihrem\nwesentlichen musicalischen Inhalte nach keineswegs bedeu-\ntend und in der Instrumentation sehr grell und gewaltsam\nsind, aber doch durch einzelne sinnvoll erfundene Neben-\ngedanken fesseln, ebenfalls beim Publicum wenig Glück\ngemacht. Dagegen fand die Einleitung zum Lohengrin, die\nvon poetischer Empfindung, musicalischem Ausdrucks-Ver-\nmögen und der geschicktesten Instrumentations-Technik\nZeugniss ablegt, den allgemeinsten Beifall. Herr von Bülow\ntrug das von Beethoven mit meisterhafter\nTechnik vor; die von ihm eingelegte Cadenz war etwas zu\nlang und zu herb für den Stil des Beethoven'schen Wer-\nkes, aber mit musicalischem Geschick ersonnen und durch-\ngeführt. Die Gesanges-Vorträge der Frau von Milde,\neiner der gediegensten und vielseitigsten deutschen Sänge-\nrinnen, deren Technik und Auffassungsweise gar keine\nVerwandtschaft mit der modernen Virtuosität hat, gewährte\nuns und allen Zuhörern einen hohen und leider nur zu\nkurzen Genuss.\n\nG. E.\n\nPariser Briefe.\n\n[Die italiänische Oper Offenbach's Bou/fes: Orfie «war\nEnfers ■— Kammermusik.]\n(Schluss. S. Nr. 1 und Nr. 4.)\nDie Italiäner, deren Opernhaus im Innern glänzend\nerneut worden ist, eröffneten im Herbste mit Verdi's „Tra-\nviata\". Diese leidige und leidende italianisirte Dame aux\ncamelias war der Sängerin Penco wegen gewählt wor-\nden. Ich habe einer der späteren Vorstellungen beigewohnt;\nam meisten hat mich darin ergötzt, dass die schwindsüch-\ntige Violetta mit einer so überaus mächtigen Stimme Rou-\nladen und Triller in die Luft schleuderte, dass einem Kern-\ngesunden der Athem verging. Da auch alles Uebrige an\nihr eine von Fülle der Gesundheit und Kraft strotzende\nNatur offenbarte, so konnte die dramatische Wahrheit"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "37", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590129-01.1.5", "texte": "nur durch die Annahme gerettet werden, dass die Dame\nim letzten Zwischenacte einen Brustkrampf bekommen,\nder es ihr noch eben möglich machte, mit Anstand zu\nsterben. Die Penco hat bedeutende Mittel, die sie später-\nhin besonders in der Norma geltend machte; doch blieb\nsie in dieser Rolle, die ihrem Naturel mehr angemessen\nschien, unter meiner Erwartung. Das Recitativ sang sie\nkräftig und breit und mit dramatischem Vortrage, aber in\nallem Uebrigen stand sie weder als Sängerin noch als\nSchauspielerin auf der Höhe dieser Rolle. Ihre Methode\ngehört zu den Stoss-Methoden; überscharfe Accente, ewi-\nges Halb-Staccato der Coloratur, keine einzige gebundene\nPhrase das ist kein Gesang. Ihr Triller ist allerdings\nvortrefflich, rein, rund und mächtig; aber toujours perdfix\nwird man auch überdrüssig.\nUebrigcns beherrscht Verdi nicht so ausschliesslich wie\nin den letzten Jahren das Repertoire. Nur „Rigoletto\"\nwurde mehrere Male hinter einander gegeben, weil die\nFrezzolini, aus America zurück, zum ersten Male wieder\ndarin auftrat. Rossini's „Italiänerin in Algier\" ging zwei\nMal über die Scene; aber Madame Nantier-Didie ist nicht\nfür erste Partieen geschaffen. Dann kam eine Neuigkeit\nfür uns: „11 Giuramento\", lyrisches Drama in vier Acten\nvon Mcrcadante. In Italien ist dies eine alte Oper; denn\nschon 1837 wurde sie zu Mailand zum ersten Male gege-\nben; hier waren nur einzelne Arien daraus bekannt. Mer-\ncadante, im Jahre 1798 geboren, ein voller Sechsziger,\nhat noch vor zwei Jahren eine neue Partitur Pelagio in\nNeapel, wo er bekanntlich Director des Conservatoriums\nist, auf die Bühne gebracht, und noch im vorigen Jahre\nmehrere grössere Kirchensachen geschrieben. Selten hat\nein Componist in Italien eine so lange ehrenvolle Laufbahn\ngemacht, wie er; er begann sie schon zu der Glanzzeit\nRossini's, setzte sie neben dessen Nachfolgern Bellini und\nDonizetti fort und steht jetzt neben Verdi noch aufrecht.\nDer Grund davon liegt nicht in seinem Genie, denn Genie\nmuss man ihm absprechen, sondern in seinem musicali-\nschen Wissen und in der Leichtigkeit des Producirens bei\nbleibender Reinheit des Stils. Jene Eigenschaft und dieses\nTalent machen bei den Kennern in Italien immer noch\nden Maestro im wahren Sinne und verschaffen ihm eine\nehrenvolle Stellung, wenn auch nicht die fanatischen\nTriumphe, die das Genie dort erzielt.\nDer „Schwur\" (Ii Giuramenoffenbart den mittle-\nren Rang, den Mercadante als Componist einnimmt, auf\njeder Seite; nur in einigen Stellen des Finale's vom zwei-\nten Acte und in der grossen Arie des Manfredo (Bariton—\nFrancesco Graziani) erhebt er sich zu höheren Stufen, alles\nUebrige ist zwar rein und sehr sangbar geschrieben, aber\nstreift immerwährend an die Gränze des Gewöhnlichen. Eine\nOuvertüre hat die Oper nicht, auch keine Einleitung; ein\nBalllest eröffnet die Scene. Das Orchester ist nach alter\nitaliänischer Weise behandelt, und zwar mit so vielen Solo-\nKitornellen für Flöte, Horn, englisches Horn, Violoncell\nu. s. w. ausgestattet, dass es selbst dadurch wieder mono-\nton wird. Dem Lextbuche liegt V ictor Hugo s Angelo, der\nTyrann von Padua, zu Grunde, nur ist die Scene nach\nSicilien versetzt.\nNeuerdings ging llossini's „Semiramis\" nach lan-\nger Ruhe wieder in Scene (am 4. Januar) und brachte,\nzum Theil auch durch die Besetzung (Mad. Penco—Semi-\nramis, Mad. Alboni Arsaces, Badiali —Assurj, grossen\nEindruck hervor. Trotzdem griff man wieder zu Flotow's\nT-Marta\", besetzt wie in der vorigen Saison, nur dass Mad.\nFrezzolini statt der St. Urbain die Martha gab (Mario, Gra-\nziani; Mad. Das Publicum voll Enthusias-\nmus, Wiederholung an den drei folgendenSpieltagen und\nso fort, während ich schreibe! Mad. Frezzolini hat in Ame-\nrica nichts gewonnen und nichts verloren ich meine an\nihren Vorzügen und Mängeln; wie es mit den Finanzen\ngegangen ist, weiss ich nicht. Im Ganzen hat sie mich als\nMartha kalt gelassen, sie bleibt in dieser Rolle immerwäh-\nrend zu sehr Hofdame. Im letzten Acte sang sie mit stür-\nmischem und verdientem Beifalle die grosse Coloratur-\nArie, die man bisher bei den hiesigen Aufführungen nicht\ngehört hatte.\nJakob Offenbach hat diesen Winter mit seinem\n„Orphee aux Enfers\" die Kritik empört, aber die Lacher\nauf seine Seite gebracht. Das Ding nennt sich\nfon en deux actes et quatre tableaux\", Text von H. Cr£-\nmieux, Musik von J. Offenbach. Die\nhaben nämlich ihre Kinderschuhe längst ausgetreten und\nschreiten jetzt, wenn auch nicht auf dem Kothurn, doch\nauf dem Sokkus in grösster Dimension einher. Aus den\nzwei bis drei Personen, auf welche die Concession das\nTheater in der Baracke in den anfänglich\nbeschränkte, hat sich ein Personal von 12 —l4 entwickeil,\nund man wetteifert in Costumen und Decorationen wenig-\nstens en miniaturemit den anderen Opern-Theatern. Ob\ndies der richtige Weg ist, sich die Gunst des Publicum«\nzu erhalten? Die Erfahrung muss es lehren. Der Orpheus\nist eine mythologische Posse; desshalb eifern die Kritiker\ndagegen und meinen, eine mythologische Parodie sei heut-\nzutage ein Unsinn. Ich meine, ernsthafte mythologische\nOpern, wie Pygmalion und Galathea, Das Lamm der\nChloe und ähnliche, welche Paris in den letzten Jahren\ngesehen hat, kann man mit weit mehr Recht als unsinnig\ncharakterisiren. Wahrscheinlich hat der jetzige Or-\npheus dieser affectirten Antikensucht sein Dasein zu ver-\ndanken."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "38", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590129-01.1.6", "texte": "Das Ding ist natürlich von Anfang bis zu Ende rein\npossenhaft gehalten, spielt aber dabei theils im Olymp,\ntbeils in dem Tartarus, theils auf Erden, wie die grössten\nSpectakel-Opern, deren Lärm auch die Musik bisweilen\nnachahmt, offenbar um ihn zu parodiren. Orpheus spielt\nstatt der Leier Violine nnd zwar recht hübsch, zumal in\ndem originellen Duett mit Eurydice, wenn er die Lange-\nweile und die Ungeduld seiner Frau durch seine Studien\nzu versöhnen sucht. In Eurydice verlieben sich Pluto und\nsein Diener John Styx, domestyx de Pluton, und Jupiter.\nPluto nimmt die Gestalt des Honigfabricanten Aristäus an,\num der Eurydice Süssigkeiten zu sagen, Jupiter verwandelt\nsich in eine Fliege, schlüpft durchs Schlüsselloch herein\nund singt mit Eurydice ein Duett in Brummstimmen!\nUnd da soll man nicht lachen? Allen Hypochondern muss\nman diese Posse als Cur verschreiben. Eine Dummheit jagt\ndie andere und lässt einen nicht zur Besinnung kommen.\nNur das empfindet man das ganze Stück hindurch sehr\ndeutlich, dass die Musik das reizende Band ist, welches\nalle den glänzenden Unsinn zusammenhält, und zugleich\ndas Füllhorn, das ihn mit duftenden Blumen überschüttet.\nOffenbach hat ein ausgezeichnetes Talent, dergleichen ko-\nmische Scenen musicalisch zu beleben; es liegt in ihm eine\nbis ins Feinste potenzirte kölnisch-carnevalistische Natur.\nDie Partitur des Orpheus gehört unstreitig zu den besten,\ndie er geschrieben, das läugnen auch die Pedanten nicht,\ndie ihm den Frevel an dem Alterthum und seinen Mythen\nnicht verzeihen können.\nDie Sitzungen für Kammermusik hat dieses Mal\nVieuxtemps im Saale Beethoven auf glänzende Weise\neröffnet; von den vier angekündigten sind drei gegeben,\ndie letzte am *27. December v. J. Die Partner des grossen\nGeigers sind die Herren Cotblain, Adam und van Gelder\n(Violoncell). Die erste Sitzung brachte Haydn in D-moll,\nMozart in G-dur, Beethoven in C-dur; zum Schluss:\n„Märchen\", Duo Nr. 1 für Violine und Pianoforte von\nVieuxtemps. Das Quartett von Haydn wurde gut und fein\ngespielt. Erfreulich war in dem Bericht darüber in der\nGazette musicale die Stelle: „Wenn man die verständigen\nund enthusiastischen Beifalls-Aeusserungen des Publicums\ngewahrte, das zum grossen Theiie aus berühmten Künst-\nlern bestand, so that es wohl, zu bemerken, dass der Cul-\ntus des Schönen wieder bei uns erwacht, und dass der Sieg\nder Reaction zu Gunsten der schönen Musik gesichert ist.\"\nGebe der Himmel, dass der Mann, Adolf Botte heisst er,\nRecht habe; er hat über die zwei ersten Quartett-Sitzun-\ngen überhaupt sehr hübsch und kenntnissvoll geschrieben,\nund ich freute mich, den Vorwurf, den ich in meinem\nNotizbüchlein dem grossen Virtuosen beim Vortrage des\nMozart'schen Quartetts gemacht hatte, auch in seinem\nBerichte wieder zu finden. Vieuxtemps spielte dieses Quar-\ntett zu virtuosenmässig, sowohl was ein be-\ntrifft, das hier gar nicht an der Stelle war, als auch in\nBezug auf kleinliche Effjcthascherei im Spiel, auf Pointen-\nmacherei, möchte ich sagen, die in so gediegen fliessende\nRede nicht passt. Das Quartett von Beethoven hingegen\nspielte er in jeder Hinsicht vortrefflich. Das „Märchen\"\nist ein Bravourstück voll schwieriger Passagen und Triller;\nes rief natürlich stürmischen Applaus hervor.\nIn der zweiten Sitzung hörten wir Haydn\nmit dem so reizend variirten dann das\nQuartett Nr. 4 von Franz Schubert; hierauf spielte\nVieuxtemps Bach's Chaconne meisterhaft, und das\nQuartett von Beethoven schloss. Die dritte brachte\ndas Quintett in A-moll, Op. 58, von Onslow, das Quar-\ntett in A-dur (Op. 18) von Beethoven; dann ein zweites\n„Märchen\" und zum Beschlüsse Mendelssohn's Quin'\ntett in B-dur. Die letzte (den 8. Januar): Quartett in\nEs-dur von Cherubini, in B-dur von Mozart, in Cis-\nmoll von Beethoven.\nAuch der Cirkel Maurin, Chevillard, Vi guier\nund Sabatier hat das neunte Jahr seiner Existenz An-\nfangs Januar begonnen; dass er Bestand hat, macht den\nParisern alle Ehre.\nParis, den 15. Januar 1859.\n\nB. P.\n\nFünftes Gesellschafts-Concert in Köln\nim Hauptsaale des Gürzenich.\nDinstag, den 11. Januar 1859.\n\n(Schluss. S. Nr. 4)\nDer zweite Theil des „Dornröschen4' beginnt mit einem Clior\nder Waldgeister: „Seit hundert Jahren schläft das Schloss der\nKönig und sein Töchterlein kein Vöglein singt Wie lange\nwird der Zauber dauern?\" Bratschen, Celli und Bässe, später auch\ndie Violinen und gehaltene Noten der Hörner bringen in einem An-\ndante, erst in E-moll, dann in D-moll jenes mystische\nTongewebe wieder, dessen Motive wir schon aus der Einleitung ken-\nnen; der Chor tritt nur unisono, entweder in allen yier Stimmen\noder jede einzeln gleichsam recitativisch, hinzu: gut gedacht und\nvon schönem Colorit. Auf die Worte: „Kommt leise durch den\nWald vielleicht naht der Freier bald lockt ihn an\" be-\nginnt ein Allegro non troppo. 2 in G-moll, recht anmuthig im\nChor, vom Pizzicato der Saiten-Instrumente begleitet; es erinnert\nindess im Charakter fast zu sehr an Mendelssohn in der Walpurgis.\nnacht. Den Mittelsatz bildet ein Quartett in B-dur für Solostimmen,\ndas uns weder in den Motiven, die gewöhnlich sind, noch in der\nFührung der Stimmen, die nicht recht klar wird, anspricht; auch\nist es mit Blas-instrumenten) zu stark und zu figurirt begleitet.\nDer folgende Jägerchor (mit vier Hörnern und Bass-Posaune),\nder den Königssohn ankündigt, ist freilich nicht neu, wie sollte da«"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590129-01.1.7", "texte": "auch möglich sein? aber er setzt ein frisches Bild in den We-\nber'schen Rahmen. Die Arie des Königssohnes (Tenor) in D-dur,\neine Cavatine mit Solo-Violoncell, ist melodisch und dankbar für\nden Sänger, und das ist immer schon etwas iu unseren Tagen Der\nChor der Waldgeister (Con moto, 9/Q in G-dur), in welchem die\nFrauenstimmen fragen: „Wer liegt da im Grund ?•' u. s. w., und die\nMänner antworten : ~Es ist der Freier, der Königssohn\" u. s. w.,\nbis sie Alle bei den Worten: ~So wecket ihn leise4' u. s. w. zusam-\nmenkommen, ist wieder sehr frisch und lebendig. Die Cantilene, in\nwelcher ein Waldgeist (Altstimme) dem schlafenden Königssohne das\nMärchen von der verzauberten Maid erzählt, hat uns weniger gelun-\ngen geschienen. Dagegen ist die folgende Scene, der Chor während\ndes Vordringens des Prinzen zum Schlosse, das Erwachen Dornrös-\nchens, die in ihm das Bild ihrer Seele erkennt, u. s. w. wieder\nrecht schön behandelt, dramatisch ohne Effecthascherei und stets\nsangbar. Die Scene schliesst mit einem grossen Duett in A-dur, 4/a,\nAllegro vivace, das nicht ohne Schwung ist, jedoch nicht zu den\nausgezeichneteren Nummern des Werkes gehört. Das Finale be-\nginnt mit einem sehr gelungenen Chor der Waldgeister, der das\nneue Leben schildert, das sich in dem entzauberten Schlosse regt\nund bewegt, Allegro, %, E-dur; die Instrumentirung ist sehr in-\nteressant und durch die anhaltenden Wirbel der Pauke, welche durch\ndie langen Triller der Violinen und Bratschen, endlich des Flauto\npiccolo fortgesetzt werden, originel. Nach kurzen Recitativen der Fee und\ndes Königs schliesst der Chor des Volkes, Allegro maestoso in D-\ndur, der schon im ersten Theile dem Könige und der Braut Heil\nsang, mit seinem kräftigen Rhythmus und schwunghaften Pomp\ndas Ganze.\nHerr von Perfall hat mit dieser Composition einen glücklichen\nSchritt vorwärts gethan. Der romantische Ton ist fast durchweg\ngut getroffen, und dabei erscheint der Stil des Ganzen so anspruchs-\nlos und natürlich, dass man die Composition und den Componisten\nlieb gewinnt. Die Sucht, um jeden Preis neu zu sein, hat ihn nicht\nzu Absonderlichkeiten und Ungeheuerlichkeiten verführt, nicht ein-\nmal zu Gesuchtem und Geschraubtem; möglich daher, dass er den\nMusik-Blasirten unserer Zeit nicht behagt; die unbefangenen Kunst-\nfreunde werden das Werk überall gern hören.\nDie Soli sind nicht glänzend, aber auch nicht undankbar, wie\ndenn überhaupt Herr von Perfall eine recht melodische süddeutsche\nNatur ist. Fräulein Schreck von Bonn sang die Fee, Fräulein Ida\nD amke von hier das Dornröschen, Herr Wolters die Tenor-, Herr\nSchiffer die Bass-Partie, Fräulein Küpper die Cantilene der\nWaldnymphe. Die Aufführung war im Ganzen recht gut.\nFräulein Ida Damke sang im ersten Theile des Concertes das\nRecitativ und die Arie in A-dur aus Glückes Iphigenie auf Tau-\nris, für eine angehende Sängerin, die zum ersten Male auftrat, aller-\ndings eine schwierige Aufgabe. Dennoch lös'te sie dieselbe, nachdem\ndie erste Befangenheit überwunden war, auf recht befriedigende\nWeise und verdiente die ermunternde Anerkennung des Publicums\ndurch lebhaften Applaus. Ihre Stimme ist ein umfangreicher Mezzo-\nsopran (vom kleinen h bis zweigestrichenen h) von schönem, vollem\nKlange und seltener Egalität der Tonfülle. Reine Intonation, guter\nAnsatz des Tones und eine richtige Behandlung des Athems sind\nbereits schon Resultate einer guten Schule, auf deren Grund sich\neine künstlerische Ausbildung hoffen lässt. Fräulein Schreck\nsang die Alt-Arie (Es-dur) aus dem Messias und die Partie der Fee\nim Dornröschen mit schöner, \"voller Stimme und edelm Vortrage.\nHerr Ferdinand Breunung spielte das Es-dur-Concert von\nBeethoven und bewährte sich durch die gediegene Auffassung\nund den vortrefflichen \\ ortrag desselben als einen Clavierspieler\nersten Ranges. Die vollendete Technik artete nie in prunkende Vir-\ntuosität aus, welche dem Charakter dieser Composition so ganz und\ngar zuwider ist, dass die geringste Anwendung derselben selbst in\nden Cadenzen ein falsches Streiflicht auf das grossartige Gemälde\nwirit. Und ist denn eine vollkommen reinliche, sichere, runde, kräf-\ntige und dann wieder, wo es sich ziemt, glatte und perlende Aus-\nführung dieses Concertes nicht Virtuosität genug? Fordert nicht eine\nsolche Ausführung in stets gemessenem Vortrage, mit stetem künst-\nlerischem Maasshalten eine grössere Meisterschaft als diejenige, die\nihren Triumph in der Schnelligkeit sucht? Dass aber auch ein ge-\nbildetes Publicum diese Meisterschaft zu schätzen weiss, bewies es\ndurch den stürmischen Applaus und Hervorruf des Künstlers. Neh-\nmen wir nun noch hinzu, dass Herr Breunung dieses Concert am\nDinstag, und darauf am Sonnabend derselben Woche in der musica-\nlischen Gesellschaft ohne alle Vorbereitung das F-moll-Concert von\nChopin, und beide grosse Werke auswendig spielte, so müssen\nwir in ihm auch in dieser Beziehung eine tüchtige musicalische\nNatur und einen seltenen Ernst des Studiums anerkennen.\nVergessen wir nicht, die treffliche Ausführung der Sinfonie von\nvier Sätzen in D-dur von Mozart zu erwähnen, welche dem Diri-\ngenten und dem Orchester grosse Ehre machte und gerade desswe-\ngen besonders hervorzuheben ist, weil die präcise, melodisch und\ndynamisch ausdrucksvolle Ausführung der Sinfonieen von Haydn\nund Mozart nicht eben die starke Seite der heutigen Orchester ist.\n\nL. B.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHarsnen. Concert des Musik-Directors Herrn Karl Rei-\nnecke, den 22. Januar 1859. Einem für die Zukunft der Tonkunst\nsich interessirenden Musikfreunde musste schon das Programm, wel-\nches die Ausführung zweier neuen Werke, eines Ave Maria für ge-\nmischten Chor und einer Sinfonie vom Concertgeber, für diesen\nAbend veispiach, den Wunsch aufdrängen, jenem Concerte beiwoh-\nnen zu können. Die Erwartungen des Publicums, schon durch das\nAve Maria, dessen Vortrag bis auf einen mangelhaften Einsatz des\nSopians voizüglich war, befriedigt, wurden durch die' Sinfonie noch\nübertroffen. Beide Schöpfungen offenbaren ein Talent, dem eine be-\ndeutende Zukunft bevorsteht und das den Bekämpfern der Grund-\nsdtzc cinci gewissen 1 artei einen Anhaltspunkt zur Hoffnung auf\ndie Erhaltung des Grundsatzes bietet, dass die Musik vor Allem zu-\nerst für das Ohr geschrieben sein muss. Eine speciellere Bespre-\nchung der Sinfonie, die von der Langenbach'schen Capelle trefflich\nausgelührt wurde, bleibt für später vorbehalten. Es sei nur noch\ngesagt, dass der Componist die lebhaftesten Beifallsbezeugungen\nciintete, und dass ihm das Publicum diese auch abgesehen von dex*\nallgemeinen Achtung, deren er sich in Barmen erfreut, gezollt haben\nwürde, wie Referent dieses, der, selbst fremd in Barmen, mit Herrn\nReinecke bisher in keiner Beziehung steht und allein aus jenen\nCompositionen für ihn grosse Verehrung schöpfen musste, schon aus\ndem Umstände annimmt, dass die ziemlich zahlreich versammelten\nMusikfreunde der mit Barmen wetteifernden Stadt Elberfeld in glei-\nchem Maasse in die Beifalls-Ergüsse einstimmten. ln dem Beet-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "40", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590129-01.1.8", "texte": "hoven'schen G—rfi/r—Concerte und dem Concertstucke von be-\nwies Herr Reinecke eine schätzenswerthe Meisterschaft auf dem\nPianoforte. Leider wurde in dem Schlusssatze des ersteren ein Man-\ngel an Tactfestigkeit unter dem Orchester bemerkt. Herr Göbbels,\ndessen schon mehrfach in diesem Blatte Erwähnung gethan ist, sang\neine Arie aus Don Juan und zwei Lieder von Mendelssohn mit einer\nhöchst anmuthigen Stimme; sein Vortrag aber Hess den Zuhörer\netwas kalt. Der Männerchor machte durch den „Nachtgesang im\nWalde\" von F. Schubert bei der jugendlichen Frische der Stimmen\neinen recht angenehmen Eindruck. A. B.\nHannover« Am 4. Januar ist im Hoftheater Lederer's\n,Weibliche Studenten\" mit Fräulein Seebach und Frau von\nBärndorf gegeben worden.\nNoch im Laufe dieses Monats erscheint im Verlage des thätigen\nMusicalienhändlers C. Luckhardt in Kassel eine sehr interes-\nsante musicalische Novität, auf die wir nicht verfehlen, alle Musik-\nVereine ganz besonders aufmerksam zu machen. Es ist dies eine\nHymne an die heilige Cäcilia für Sopran-Solo und gemischten Chor\nvon L. Spohr, die der grosse Meister in seiner höchsten Glanz-\nPeriode im Jahre 1823 zur Feier des Cäcilientages für den von ftim\nin Kassel ins Leben gerufenen Cäcilien-Verein componirte. Die Com-\nposition soll eine der schönsten des berühmten Altmeisters sein.\nDer Cäcilien-Verein brachte in seinem ersten diesjähri-\ngen Concerte die Ouvertüre zu ,,Sophonisbeu von Reinecke und\nMcndelssohn's Oedipus-Musik\nDie sechste und letzte der Quartett-Productionen der\nHerren Helmesberger, Durst, Dobihal und Cossmann fand am 9. Ja-\nnuar in den Nachmittagsstunden Statt und hatte ein ungemein zahl-\nreiches Publicum herangezogen, wozu nicht bloss der Umstand, dass\nes das letzte war, sondern auch viel die Vorführung eines noch\nnicht hier gehörten Werkes von Beethoven, nämlich einer für Streich-\nQuartett gesetzten Fuge, beigetragen haben mochte. Dieser gedehnte\nSatz brachte jedoch keine günstige Wirkung hervor und wird wohl\ndie Meisten, die mit Erwartung herangekommen waren, enttäuscht\nhaben. Dagegen waren das A-Quartett von Mendelssohn und das\nC-dwr-Quintett von Beethoven, in welchem Hr. Zäch die zweite Viola\nspielte, wohlbekannte und stets willkommene Gaben. Die Ausfüh-\nrung war vorzüglich, der Beifall sehr lebhaft\nDie Schwestern Ferni gaben am 14. d. Mts. ihr letztes Con-\noert nach ihrer Zurückkunft von Pressburg, wenn wir nicht irren,\ndas sechszehntel Seit den Milanollo's ein unerhörter Erfolg! Das\nHaus war wieder in allen Räumen voll, die Sympathie und die Be-\ngeisterung für die reizenden Virtuosinnen eine unbegränzte.\nDie nächste Novität im Ilof-Operntlieater wird Balfe\\s „Rose von\nCastilien\" sein, die im verflossenen Jahre in London wiederholt mit\ngünstigem Erfolge gegeben worden ist. Lowe's, des einheimischen\nTonsetzers, Oper „Alma\", welche bestimmt war, als erstes neues\nWerk in dieser Saison über die Bretter unserer Opern-Hofbühne zu\ngehen, musste angeblich aus dem Grunde zurückgelegt werden, weil\nHerr Steger, welcher die Tenor-Partie hätte singen sollen, die\nUebernahme derselben auf der Grundlage seines Gast-Engagements,\ndas ihn nur zur Darstellung Einer neuen Rolle verpflichte, angeb-\nliob abgelehnt habe, indem er dieser Verpflichtung durch die Ueber-\nnahme des Nota in der „Sicilianischen Vesper\" bereits nachge-\nkommen sei.\nAlfred Ja eil, der Süddeutschland durchreiset und namentlich\nin Salzburg und Linz mehrere Concerte hinter einander gegeben\nhat, ist jetzt in Wien und hat am I£. Januar sein erstes Coneert\ndaselbst gegeben.\nX*l*CSSlbiii*g» Am 6. Januar wurde zum Vortheil des Herrn\nAdolf Rittinger und des Orchester-Personals eine General-Musikprobe\nder im Carneval aufzuführenden neuen Tanzmusikstücke im städti-\nschen Redoutensaale abgehalten.\nVerona. Bazzini hat im Teatro Nuovo drei Concerte gege-\nben. Die von ihm componirten und gespielten neuen Compositionen\nwerden demnächst bei Ricordi in Mailand erscheinen."}]}