{"numero_id": "bm-bmtnabi-1859-02-05-01", "volume": "bmtnabi_1859-02-05_01", "ocr_sha256": "55a00c148a05f7d7500491089da91a659f7f2823a6e11b3825d6b0df65c0c441", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1859/02/05_01/bmtnabi_1859-02-05_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590205-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1859-02-05-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-02-05_01#c001", "volume": "bmtnabi_1859-02-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "41", "page_fin": "41", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590205-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "41", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590205-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 434, "texte": "Inhalt.\nGluck's Armide. Carlo Eosa, romantische Oper in drei Acten, Text von B Scholz, Musik von Bernhard\nScliolz. Von M. Johann Vogt. \\on L. B. Sechstes Gesellsehafts-Concert im grossen Gürzenichsaale zu Köln. Tages- und\nUnterhaltungsblatt (Berlin, Ordens-Verleihungen Die Laryngoskopie Ueher die Zukunftsmusik Leipzig Dresden, Modell\nd'3s »Standbildes C. M. von Weber's Wien, Schwestern Ferni, IT. 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Ich\ngestehe, dass ich über ihre Kunst mehr als einer, der sie\nliebt, denn als einer, der sie versteht, gesprochen habe.\nDennoch glaube ich nach den gesunden Ideen der Schule,\nderen unveränderliche Grundsätze ein Ilaydn und Mozart\nfestgestellt haben, über die Musik gesprochen zu haben.\nIn der Literatur und in der Musik bin ich ausschliesslicher\nVerehrer der Classiker, zu denen ich aber keineswegs bloss\ndie älteren Meister zähle; classisch ist überall das Genie,\ndas sich von dem gesunden Menschenverstände und vom\nguten Geschmacke leiten lässt, um die Natur, die Leiden-\nschaften, die Gefühle oder auch das Komische so zu schil-\ndern, dass der gebildete und geläuterte Geist sich daran\nerfreut.\nMozart, der nach Gluck kam, hat vielleicht die Fort-\nschritte seines Vorgängers durch die Universalität seines\nGenie's übertroffen; aber er hat viel von ihm in seinen\nVortheil gezogen. Er hat von ihm die klare, correcte und\nrhythmische Form der Melodie beibehalten; ferner den\nGang des Basses, der dem Gesänge anmuthig folgt, nicht\nbloss, um den Accord zu vervollständigen, sondern um\nselbst auch einen Gedanken auszusprechen; dann die Ge-\nschicklichkeit, das Orchester zu Worte kommen zu lassen,\nohne den Gesang zu erdrücken. Die Verwandtschaft zeigt\nsich ausserdem noch durch eine Menge von Details im\nStil, die den Schöpfungen Beider, trotzdem dass sie den\neigenthümlichen und sehr verschiedenen Charakter ihrer\nUrheber tragen, eine gewisse Familien-Aehniichkeit ver-\nleihen.\nDiese Bemerkung machte ich von Neuem, als ich vor\neinigen Jahren der Aufführung der drei ersten Acte der\nArmide von Gluck durch die Zöglinge des Conservato-\nriums beiwohnte. Aber einen noch lebhafteren und mäch-\ntigeren Eindruck machte das Grossartige und Pathetische\nder Oper auf mich; ich glaubte mich zu überzeugen, dass\ndie Zeit, welche den parischen Marmor benagt, aber die\nWerke des menschlichen Geistes festigt, weder die Kraft\nnoch den Glanz dieser Musik geschwächt habe. Jenen Ein-\ndruck wieder aufzufrischen, hat jetzt für mich Beiz; viel-\nleicht auch ärnte ich einigen Dank dafür, dass ich die Auf-\nmerksamkeit wieder auf eine Composition zu leiten suche,\ndie vor allen anderen geeignet ist, in Herz und Geist die\nVerehrung desjenigen Schönen zu nähren, das in den Wer-\nken leuchtet, welche die Bewunderung von Jahrhunderten\ngeheiligt hat.\nArmide wurde am 2-3. September 1777 zum ersten\nMale gegeben: das Buch, ein treffliches Gedicht von Qui-\nnault, bot der Musik die mannigfachste Gelegenheit, he-\nroische und leidenschaftliche, so wie anmuthige und ein-\nschmeichelnde Stimmungen und Situationen zu schildern.\nBeim Aufgehen des Vorhangs stellt die Scene den Pa-\nlast der Armide vor, jener Zauberin und Königin von Da-\nmascus. Sie erscheint mit ihren Begleiterinnen; ihre Stirn\nist umwöikt, was diesen unbegreiflich ist. Jung, schön,\nalle Bitter zu einer leidenschaftlichen Liebe entflammend,\ndie ihr selbst fremd ist, Siegerin im Lager Gottfried's von\nBouillon, bleibt ihr nichts zu wünschen übrig; und dennoch\numlagern dunkle Gedanken ihren Sinn. Armide, voll Hass\ngegen Binaldo, liebt ihn dennoch und will es sich nicht ge-\n\n*) Das Original dieses Aufsatzes befindet sich im December-llefte\ny. J. der pariser Revue contemporaine. Sowohl der Inhalt als\nder seltene Umstand, dass der Verfasser eine der höchsten\nStellungen im Staate einnimmt, ausserdem stets mit gelehrten\nStudien über Jurisprudenz und Geschichte beschäftigt ist und\ndennoch Müsse gefunden hat, seine Kunstliebe durch eine\nsolche Arbeit über ein musicalisches Werk zu bethätigen, ha-\nben uns veranlasst, den Aufsatz mit einigen Abkürzungen un-\nseren Lesern mitzutheilen. Das Original ist aus der Feder des\nHerrn Senats-Präsidenten Troplong geflossen.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "42", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590205-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5211, "texte": "stehen; denn sie kann es nicht ertragen, (lass der allein\nUnbeugsame von allen Rittern ihren Reizen trotzt. Zu die-\nsem Stolze verschmähter Schönheit kommt noch das\nSchreckbild eines Traumes: sie sah Rinaldo, der auf sie\neindrang, sie zu ermorden, und knieend und liebend vor\nihm empfing sie den Todesstoss, und liebte ihn dennoch.\nDiese erste Scene ist nicht nach Art der heutigen\nOpern behandelt. Zu Gluck's und Mozart's Zeit brauchte\neine Oper kein Effectstück unter dem Namen Tntroduction,\nwie es seit Rossini und Weber Mode geworden. Ein Mei-\nsterstück dieser Art ist ohne Zweifel die Introduction zu\nWilhelm Teil; die zum Freischütz, in nicht so grossem\nStil, ist ebenfalls meisterhaft in Rezug auf Frische, Origi-\nnalität und Geist. Die alte Schule verschmähte zwar diese\nForm nicht ganz und gar, allein sie band sich nicht ein\nfür alle Mal daran. Wenn Orpheus und Iphigenie auf\nTauris die Aufmerksamkeit gleich Anfangs durch Verbin-\ndung der Solostimme mit Chören voll tragischen Ausdrucks\nfesseln, so beginnt Figaro's Hochzeit von Mozart dagegen\nmit einem einfachen Duett, gerade so wie Cimarosa's Ma-\ntrimonio segreto.Freilich ist dieses Duett ein vollendetes\nMusikstück sowohl durch die feinen und lieblichen Motive,\nals durch den Gang des Basses und des Orchesters.\nSo hat auch Gluck die erste Scene der x\\rmide nur\nmit ganz einfachen Mitteln behandelt. Die drei Personen\nvereinigen ihre Stimmen nicht. Der Dialog zwischen Ar-\nmidc und ihren Begleiterinnen erhält seine Farbe nur durch\ndie Natur der Lage. Wo die Rede von kriegerischem Lärm\nund den Triumphen Armidens ist, lässt Gluck keineswegs\nFanfaren ertönen: sie wären hier nicht an der Stelle ge-\nwesen „non erat his locus\" —. Der einzige Kunstgriff\nbei dieser Scene besteht in dem scharfen Contraste zwi-\nschen den Melodieen der Begleiterinnen und den Ton-\nreihen, in welchen der Componist die Erbitterung, den ver-\nhaltenen Zorn, die düsteren Ahnungen der Herrin aus-\ndrückt. Jene sind theils einzeln, theils vereint, einfach,\nleicht, naiv; sie würden ein Balsam für Armidens Herz\nsein, wenn dieses Herz für irgend einen Trost empfänglich\nwäre. Die Zauberin antwortet ihnen durch heftige Töne,\nwiewohl deren Kraft noch durch ein weises Maass im Aus-\ndruck zurückgehalten wird. Armidens Seele strömt noch\nnicht über, sie verbirgt noch sich selbst und ihren Gefähr-\ntinnen ihre tiefste Wunde, ihr dereinstiges Verderben: die\nLiebe.\nDer Componist hat gefühlt, dass der gewaltigere Aus-\nbruch erst später kommen würde und kommen müsse, er\nwollte die Theilnahme steigern und die Stufen der Leiden-\nschaft anschaulich machen. Es gehört ein Talent, das gar\nsehr Herr über sich selbst ist, dazu, um mit so tief be-\ngründeter Geschicklichkeit das Maass im Wahren zu hal-\nten. Und doch kenne ich bei all diesem Maasshaltcn kaum\netwas Pathetischeres, als das Recitativ des Traumes. Gluck\nbereitet es vor durch die Unruhe im Orchester, durch den\nschnellen und scharf accentuirten Rhythmus in den Violi-\nnen, Violen und Bässen. Bei der Stelle:\nJe suis tombee aux piecls d\nathmen die malenden Töne Furcht und Schrecken und\nerlöschen am Ende der Erzählung in Schmerz und\nSchluchzen.\nGluck's Stil ist voll der reizendsten und ergreifendsten\nEinzelheiten; man höre hier z. B. Phenicens liebliche und\nruhige Melodie zu den Worten;\nNos tranquilles rivages\nN'ont rien\nund nachher die überraschende Wendung voll Stolz, wenn\nsie von den besiegten Rittern spricht, während bei Armi-\ndens Worten:\nQue je le hais! que son mepris m'outrage !\nman bereits den Sturm in diesem Herzen voll ungebän-\ndigter Leidenschaft grollen hört. Gluck zeichnet sich vor\nallen anderen Componisten durch die Wahrheit des Aus-\ndrucks aus. Seine Musik gehört nicht zu derjenigen Art,\ndie auf jeden Text passt, aus der man beliebig eine Polka,\noder eine Liebeserklärung, oder ein Kriegslied machen\nkann. Er ist der treue Dolmetscher der Poesie; wie der\nMaler, der die Natur copirt, um sie zu verschönern, so\ncopirt Gluck gewisser Maassen den Wortsinn, indem er\nin dessen Ausdruck die ganze Gewalt der Tonkunst legt,.\nPlötzlich erklingen Hörner und Trompeten. Hidraot er-\nscheint, Armidens Oheim und ihr Lehrer in der Zauberei.\nEr wünscht, dass Armide seinen Thron durch eine Ver-\nmählung befestige; allein Armide preiset ihre Freiheit und\nwill sich nur dem Besieger Rinaldo's „wenn je ein sol-\ncher erscheinen kann\" verbinden. Die angeführte Stelle\nwar sonst berühmt, und sie verdient es auch durch ihren\ntiefen und charakteristischen musicalischen Ausdruck. Ar-\nmide zeigt sich in dieser Scene ganz anders: liebenswür-\ndig, wenn sie von ihrer Freiheit, stolz, wenn sie von einem\nkünftigen Gemahl spricht. Drei feierliche Fermaten am\nEnde der drei melodischen Phrasen bezeichnen diesen ma-\njestätischen Charakter auf wunderbar schöne Weise.\nSeitdem die Vertrauten des Teufels in der Oper auf-\ntreten, haben sie das Recht erhalten, sich barsch, schroff\nund rauh auszudrücken, wie Caspar und Bertram. Hidraot\nhatte für sie die Bahn gebrochen; seine beiden Arien sind\nvon kühnen, überraschenden und schroffen Modulationen\ndurchschnitten; doch bricht die eigentliche Hölle noch\nnicht darin los. Sie tragen die düstere Farbe eines Ver-\ndammten, die satanische Melancholie eines Greises, welcher"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590205-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5195, "texte": "den höllischen Mächten verfallen und nahe daran ist, zu\nihnen hinab zu müssen.\nAllein plötzlich verändert sich die Scene, und ein hei-\nterer Lichtstrahl leuchtet am Horizont auf. Der Chor tritt\nauf und singt Armidens Siege. Dieses Musikstück ist glän-\nzend wie die Sonne im Osten, und voll Schwung und Le-\nben. Das Orchester ist dabei reich und kunstvoll anee-\no\nwandt. Die funkelnden Yiolin-Figuren werden von kräfti-\ngen Bässen unterstützt und durch die Klänge der Oboen,\nClarinctten, Fagotte und Horner verziert. Zwei Mal\nschweigt der Chor, um die lieblichen Soli der Phenice\nund der Sidonie ertönen zu lassen, und zwei Mal nimmt ei-\nserne glänzende Melodie wieder auf. Endlich vereinigt sich\nauch der Tanz mit dem Gesänge zur Feier des Triumphes\nder Zauberin.\nKaum aber verhallen die letzten Freudenklänge, als\neine Trauerbotschaft Schrecken und Zorn erregt. Aront,\nder die gefangenen Kitter Armidens begleitete, tritt ver-\nwundet und wankend auf; ein furchtbarer Krieger hat\nganz allein sie befreit. Armide, das Herz voll Ahnung,\nLiebe und Hass, ruft aus: „Rinald?\"— „Er war es!\"\newidert Aront. Nun läuft ein Schauer der Erbitterung und\nWuth durch die Reihen des Volkes und der Krieger und\nbricht in die Worte aus:\nJPoursuivons jusqu'a\nL'ennemi qui nous\nAuf diese Worte hat Gluck das prachtvolle Allegro com-\nponirt, welches den ersten Act schliesst, ein meisterhaftes\nMusikstück, welches den späteren Finalen zum Muster ge-\ndient hat; denn wir finden selbst in denen, die wir am\nmeisten bewundern, im Don Juan und im Barbier von Se-\nvilla, seine Formen wieder. Die Stimmen intoniren ein\nscharf rhythmisirtes Motiv, das Orchester entwickelt alle\nseine Klang-Elemente und wogt in schnellen 'friolen auf\nallen Streich-Instrumenten dahin, während die Hörner die\nfesten Noten des Rhythmus der Begleitung angeben. Die\nAufregung, die Yolkswuth sind hinreissend ausgedrückt;\nwenn es erlaubt ist, Musik und Poesie zu vergleichen, so\nmöchte ich sagen, dass dieses Stück so episch und gross-\nartig ist, wie die schönsten Abschnitte der Ilias.\nIm zweiten Acte tritt nach einem markigen Vorspiele\nllinaldo mit Artemidor, einem der Gefangenen Armidens,\ndie er befreit hat, auf. Er ist eines Zweikampfes wegen\naus Gottfried's Lager verbannt und kommt auf seinem\nRitterzuge auf Armidens Gebiet. Artemidor warnt ihn,\naber Rinaldo's Herz kennt keine Furcht und glaubt sich\nfest und sicher gegen Armidens Zauberei und Rache.\nEin heroisch-majestätisches Recitativ eröffnet die Scene;\nallein bei dem Ausdruck des Schmerzes des Helden, dass\ner seinen Arm nicht der Befreiung der heiligen Stadt\nweihen kann, ändert sich der Charakter der Musik, und\ndie Ausbrüche dieses Schmerzes hallen in den Accorden\nwieder, welche wie Seufzer aus dem Orchester herauf\ntönen. Es findet sich da ein harmonischer Gang, bei wel-\nchem sich das Recitativ dem Tacte unterordnet und einen\ngrossen Eindruck macht, der Meyerbeer zu einer Stelle im\nRecitativ der Alice im ersten Acte vom Robert begeistert\nhat „Pour accomplir Vordre Die folgende\nArie hat einen ritterlichen Charakter.\nWährend dann der Held weiter auf dem Gebiete der\nZauberin vordringt, erscheint diese mit Hidraot auf der\nScene, und es folgt das berühmte Duett:\nhaine et de rage!\" —die Heraufbeschwörung der höllischen\nDämonen.\nNach einem Vorspiele in welchem wiederholte\nSynkopen eine spannende Bewegung geben, drückt ein\nkurzes Recitativ den Hauptgedanken der Scene aus. Dann\nbringen die Violinen und Violoncello bald in Terzen, bald\nin Sexten in dem schneidenden eine Figur, eine\nArt von Arpeggien, von denen jede Note doppelt ange\nstrichen wird; diese Figur geht das ganze Stück hindurch\nfort und spiegelt gleichsam die Zähigkeit des Rachegefühls\nder Beschwörenden wieder. Die Bässe und Fagotte mar-\nkiren die Grundnoten, während das Unisono der Oboen\nund Clarinetten und Bratschen mit ihren durchdringenden\nTönen bald die tiefen Grundtöne, bald die zornigen Ac-\ncente der Violinen unterstützen. Auf diesem düsteren und\nbewegten Grunde leuchten die Beschwörungen und Ver-\nwünschungen Armidens und llidraot's auf; bald strömen\ndie Flammen ihres Zornes in einander, bald antworten\nsich Beide wie das Echo dem Rufer, und das Ganze macht\neinen höchst tragischen Eindruck, und doch durchaus\nohne Uebertreibung und ohne Lärm. Nicht einmal Trom-\npeten und Pauken sind dabei. Selten ist das Aufgebot der\nHölle mit so einfachen und doch so sicheren Mitteln be-\nwerkstelligt worden.\nDie Hölle siegt, Rinaldo fällt in die Schlingen seiner\nFeindin. Der Anblick eines blühenden Gartens, von lauen\nLüften durch wallt, ladet ihn ein, sich am Ufer eines Baches\nniederzulassen; er setzt sich und legt Helm und Panzer\nab. Er schläft ein. Diese vortrefflich lyrische Situation ist\ndurch Gluck mit allen Reizen seiner Muse geschmückt\nworden. Zu dem sanften Liede der Flöten lassen die Vio-\nlinen ein leises Gemurmel ertönen; es ist wie ein leichter\nDuft, wie ein schmeichelnder Lufthauch. Alles ist hier\nvereinigt, um das Ohr zu entzücken, die umschleicrten\nTöne der Violinen und die gehaltenen Noten der Clari-\nnetten und Oboen,—Alles ist glatt und weich, wie Samrnt\nund Seide. Rinaldo, entzückt und hingerissen, wiederholt\ndie Melodie der Flöten und führt sie auf den Bosenwegen der"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "44", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590205-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2855, "texte": "zauberischen Begleitung fort: „Plus j'observe ces lieux,\net plus je les admire*\nNach und nach wird die sanfte Harmonie noch wei-\ncher. Rinaldo sinkt in Schlaf, und seine Stimme verhallt in\neinzelnen Hauchen, die sich in dem wollüstigen Piunissimo\ndes Orchesters verlieren. Um den Zauber zu vollenden,\ntreten Chöre von Najaden und Schäfern auf, deren Gesang\nLiebe und Lust athmet; Flöten und Violinen vermählen\nihre zartesten Töne mit einander. Mozart hat eine Erinne-\nrung daran in dem heiteren Chor: „Giovinette che fate\nlamorer, im Don Juan. Bald treten auch die verführeri-\nschen Bewegungen und Melodieen des Tanzes hinzu. Aber\nvon allen diesen Düften der lyrischen Kunst ist der ausge-\nsuchteste das Solo: „On s'etonnerait movns que la saison\nnouvellc—\", welches dieses reizende Gemälde schliesst.\nlis ist eine reine, durchsichtige, köstliche Melodie; das Uni-\nsono der Violinen und Bratschen gibt ihr einen Charakter\nvon süsser Schwärmerei, die sich mit dem heiteren Inhalt\nvermählt und dessen Eindruck erhöht.\nIndess nahet der entscheidende Augenblick: Armide\nkommt, das Herz voll Rachlust, den Dolch in der Hand.\nMan ahnt ihr Kommen aus der Unruhe im Orchester, aus\nder Leidenschaft der Violinen in der hohen Ton-Region.\n„Enfin il esten ma puissancs!\" beginnt das Recitativ von\nunvergleichlichem Ausdruck, dem eine der dramatischsten\nArien folgt, die je geschrieben sind. Was für ein Glück\nfür eine wahre Künstlerin, wenn sie ihr Talent in solch\neinem Meisterwerke zeigen kann! Warum hat das Ver-\ngessen der älteren Musik eine Sängerin wie z. B. die Cru-\nvelli darum gebracht, hierin mit ihrer Kraft und ihrer\nLeidenschaft zu glänzen ? /Vrmide zückt den Dolch auf Ri-\nnaldo, aber bei seinem Anblicke stutzt sie; sie will sich\nzur Rache aufregen, aber ein anderes Gefühl überwältigt\nsie; das Mitleid ist stärker als der Hass, der Dolch entsinkt\nihrer Hand. Dieses Recitativ ist von vollendeter Schönheit;\nder innere Kampf, der das Herz Armidens zerreisst, spricht\naus dem Gesänge und dem Orchester; man erbebt bei\nden steigenden Tonleitern der Violinen und Bässe und bei\nden klagenden Seufzern, die ihnen antworten. Dieses Stück\nist erhaben pathetisch und dabei ganz Natur und Wahrheit.\nAber Armide betrügt sich selbst; nicht Mitleid ist es,\ndem sie gehorcht, die Liebe hat sie überwältigt, und das\nspricht die folgende Arie: „Ah!\nvir le jour!\" auf herrliche Weise aus, eine Compo-\nsition voll Zartheit und Empfindung, der Erguss einer\nliebenden, überwundenen Seele. Das\nwelches den dritten Abschnitt und den Schluss der Arie\nbildet, trägt dasselbe Gepräge wahren Gefühls („ Venes,\nseconclcs mesdesirsu). Bei der zauberischen Harmonie\nglaubt man zu sehen, wie sich auf Armidens Stimme die\nDämonen in Zephyre verwandeln und sie mit dem Gelieb-\nten in die fernste Wüste tragen, um dort ihre Schwach-\nheit und ihre Schaam zu verbergen.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-02-05-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-02-05_01#c003", "volume": "bmtnabi_1859-02-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "44", "page_fin": "45", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590205-01.2.3", "titre_corps": "Carlo Rosa, romantische Oper in drei Actes.", "titre_sommaire": "Carlo Rosa, romantische Oper in drei Actes.", "signature_source": "M", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "44", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590205-01.1.4", "debut_caractere": 2857, "fin_caractere_exclue": 5056, "texte": "Carlo Rosa, romantische Oper in drei Actes.\nText von W. B. Scholz, Musik von Bernhard Scholz.\n\nWir glauben Ihres Interesses versichert zu sein, wenn\nwir Ihnen über den Eindruck berichten, welchen die kürz-\nlich, am 15. und 17. Decembcr 1858, dahier aufgeführte\nneue Oper vorstehenden Namens auf uns gemacht hat.\nDie Oper, die zum Theil unter italiänischen Edlen,\nzum Theil unter sicilischen Räubern spielt, schildert Kampf\nund Sieg edler Liebe, so wie unwandelbarer Geschwister-\nTreue, indem sie zugleich durch humoristische Intermez-\nzo's Abwechslung gewährt.\nDie Musik zeigt ein unzweifelhaftes Talent für Com-\nposition und insbesondere für dramatische Musik, da die\neinzelnen Persönlichkeiten der Oper musicalisch durchweg\nsehr präcis gezeichnet und die Ensemblestücke und Chöre\noriginel erfunden und äusserst wirksam ausgearbeitet sind.\nDie ganze Oper und vor Allem deren letztes Finale gehört\nunstreitig zu den besten dramatischen Producten der\nneueren Zeit.\nWir müssen hervorheben, dass das aus den ernsten\nGesängen hervorleuchtende tiefe Gefühl, so wie das aus\nden komischen und bewegteren Stellen überall ersichtliche\nLeben den einzelnen Tonstücken eine seltene Frische ver-\nleiht. Unseres Erachtens trägt die Oper das Gepräge, als\nob der talentvolle Componist durch eingehendes ernstes\nStudium von Meisterwerken sich eine Ueberlegcnheit über\nseinen Stoff verschafft habe, die seiner Schöpfung einen\nclassischen Anstrich gibt, ohne der Ursprünglichkeit der\nConception Eintrag zu thun.\nZu grossem Ruhme muss dem Tondichter der Um-\nstand gereichen, dass er, der Tagesmode zuwider, jede\nEffecthascherei mit glücklichem Tacte zu vermeiden und\ndagegen sein Verdienst vorwiegend in die Gediegenheit\ntreffender Motive und in das Streben nach feiner und ge-\nschmackvoller Ausführung zu setzen gesucht hat. Nirgend\nfindet sich gesuchte oder überladene Instrumentation, aber\nauch ohne sie weiss der Componist die dramatische Wir-\nkung bis zum Schlüsse der Oper zu steigern, wenngleich\ndas Textbuch ihm in dieser Richtung nicht recht förder-\nlich war, da die Entwicklung der Handlung zu sehr von\nAnfang an durchblickt, und der Zuhörer nicht durch den\nReiz und die Spannung der Handlung, sondern zuletzt"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590205-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1565, "texte": "vorwiegend, wo nicht ausschliesslich durch den musicali-\nschen Inhalt der Oper Anregung zu finden vermag.\nTadeln müssen wir, dass die Anlage des Libretto's trotz\ndessen Reichthums an dankbaren ernsten und komischen\nMotiven nicht mit grösserer Sorgfalt erfolgte, dass ferner,\nwie uns scheint, aus Laune eine Ouvertüre der Oper vor-\nenthalten wurde, obwohl deren Zeitdauer eine solche ent-\nschieden gestatten würde.\nDagegen muss unser Gesammt-Urtheil ausnehmend\ngünstig für den Componisten lauten, weil sein ganzes Werk\nden Ausdruck grosser Begabung und durchaus nobler und\ngeschmackvoller Durchführung an der Stirn trägt. Cha-\nrakteristisch dürfte noch sein, dass der Schöpfer desselben,\nbewusst oder unbewusst, einen förmlichen Contrast gegen-\nüber der jetzigen Richtung bildet, die picht in der höch-\nsten Schönheit von Erfindung und Form ihre Aufgabe\nfindet, sondern in dem titanischen Bestreben, selbst mit\nUeberschreitung der ästhetischen Gränzen, durch excen-\ntrische Motive und überschwängliche Instrumental-Effecte\ndem Zuhörer zu imponiren.\nDie Oper wurde in höchst würdiger Weise vom Per-\nsonale und Orchester zur Aufführung gebracht, und leb-\nhafter Applaus, so wie Hervorruf des Componisten und\nder Mitwirkenden an den beiden betreffenden Abenden\nbewies auf das unverkennbarste den Beifall der Zuhörer,\ndie um so befriedigter schienen, als die Oper bei sehr\ndankbaren Hauptrollen eben so für grosse wie für klei-\nnere Bühnen gerecht erscheint, somit auch die Leistungs-\nfähigkeit des hiesigen Theaters nicht überschritt.\nNürnberg, den 30. Januar 1859.\n\nM."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-02-05-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-02-05_01#c004", "volume": "bmtnabi_1859-02-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "45", "page_fin": "46", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590205-01.2.4", "titre_corps": "Johann Vogt.", "titre_sommaire": "Johann Vogt.", "signature_source": "L. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590205-01.1.5", "debut_caractere": 1567, "fin_caractere_exclue": 4991, "texte": "Johann Vogt.\n\nAls wir in Nr. 32 des Jahrgangs 1855 dieser Zei-\ntung einige biographische Nachrichten über Herrn Jo-\nhann Vogt gaben und die musicalische Welt auf diesen\nbedeutenden Künstler aufmerksam machten, erwarteten\nwir, gar bald Früchte seines Talentes zu sehen, die der\nOeffentlichkeit anheim fallen und unser Urtheil rechtferti-\ngen würden. Diese Erwartung hat uns denn auch keines-\nwegs getäuscht; es sind von ihm bereits bis zur Opus-\nzahl 36 verschiedene Werke für Orgel und namentlich\nfür Pianoforte bei den Verlegern Breitkopf & Härtel, fer-\nner bei Kistner in Leipzig, Spina in Wien, Bote & Bock\nin Berlin erschienen. Ausserdem hat er ein Oratorium:\n„Die Erweckung des Lazarus\", geschrieben, welches im\nHerbste vorigen Jahres zu Berlin aufgeführt worden ist und\ngrosse Anerkennung gefunden hat. Die Kritik sprach sich\ndarüber sowohl in allen berliner als auch in der\nNiederrheinischen Musik-Zeitung (1858, Nr. 48) sehr vor-\ntheilhaft aus. Hervorgehoben wurde besonders die ge-\nschickte Behandlung der Chöre und des Recitativs, so wie\ndie sichere musicalische Technik, die überall etwas Ferti-\nges und Ganzes gibt, während die melodische Erfindung\nstets edel bleibt.\nHerr Vogt (geb. den 17. Januar 1823 zu Gross-Tinz\nbei Liegnitz in Schlesien) hat seinen Wohnsitz in Peters-\nburg, ist gegenwärtig aber wiederum auf einer Reise nach\nParis und London begriffen. Da er einige Tage in Köln\nverweilte, so hatten wir Gelegenheit, durch Einsicht der\nPartitur des genannten Oratoriums unser Urtheil mit dem\nder berliner Kritik in Einklang zu bringen. Ausserdem\nlernten wir Herrn Vogt als einen tüchtigen Ciavierspieler\nkennen, der namentlich seine eigenen schwierigen contra-\npunktischen Ciavierstücke mit einer seltenen Meisterschaft\nin Klarheit und Kraft bewältigt. Als Componist im contra-\npunktischen Stile steht er gegenwärtig unbedingt als ein-\nzig da; seine Compositioncn sind aber nicht etwa bloss\ncontrapunktische Studien, sondern zugleich Werke von\nGeist und Phantasie, denen nicht bloss der Musiker mit\ngrosser Befriedigung folgt, sondern an denen auch der\nKunstfreund, der bei der Musik auch denkend zuhört, sich\nerfreuen wird, zumal da jetzt auch in weiteren Kreisen\ndurch die häufigere Vorführung von J. S. Bach's Sachen\nder Sinn für diese ernste Gattung immer mehr genährt\nwird.\nDie Fuge in D-mollfür zwei Piano forte, aus\nder Orgel-Phantasie Op. 5 gezogen bei Breitkopf &\nHärtel, die zweite Stimme in Partitur ist ein majestäti-\nsches Werk mit kräftiger Steigerung.\nIhr schliesst sich in ebenfalls grossartigem Stile Op.\n18 an: Präludium und Fuge in für zwei\nClavicre, M. Hauptmann gewidmet auch bei Breit-\nkopf & Härtel.\nOp. 19, Franz Liszt gewidmet, ist ein und\neine Toccata in G-dur,letztere natürlich contrapunktisch\ngearbeitet, durchweg in Sechszehntel-Triolen sprudelnd\nund glänzend; sie erfordert einen gewaltigen Spieler, macht\nunter dessen Händen aber grosse Wirkung; ein brillantes\nVirtuosenstück im strengen Stile, eine Seltenheit in unse-\nrer Zeit! (Bei Breitkopf & Härtel.)\nEin ganz vorzügliches Werk sind die drei\net Fugues pour le Piano, Op. 20, bei Breitkopf &\nHärtel in drei Lieferungen (zu 15 Ngr. jede) erschienen.\nNr. 1 ist Adolf Ilenselt gewidmet, an dessen Stil das Prä-\nludium erinnert, dem eine recht melodische Fuge von\nweichem Charakter folgt, beides in Nr. 2, in\nA-moll, J. Moscheies gewidmet, enthält ein ausführliches\ngeistreiches Präludium von fünf Seiten und eine sehr in-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590205-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1559, "texte": "teressante Fuge von vier Seiten, die ebenfalls einen anmu-\nthigen Charakter hat und ausnehmend anspricht.—-Nr. 3,\nin G-mott,dem Fürsten Wladimir Odoewsky zugeeignet,\nPräludium von drei und Fuge von vier Seiten, ersteres\nAndante con moto, letztere Allegro vivace. Das Thema der\nFuge ist nicht so originell als in den beiden ersten Num-\nmern, aber lebendig und hübsch bearbeitet.\nEs ist dem Componisten in diesen Sachen gelungen,\ndas Interessante und Ansprechende mit dem strengen Stil\nzu vereinigen. Man könnte diese Fugen Salon-Fugen nen-\nnen, wenn der Widerspruch im Beiwort nicht zu gross\nwäre. Jedenfalls hat Halevy in Paris nicht Unrecht, wenn\ner, wie uns ein Freund schreibt, nach Anhörung von\nVogt's Compositionen sagte: „Mr. Vogt me pur alt deshne\nä sauver le style beau, vrai\njours.\"\nIn der That hat Vogt versucht, den contrapunktischen\noder wenigstens imitatorischen Stil auch auf eigentliche\nSalonstücke anzuwenden, und hat es mit Glück gethan in:\nDeuz Nocturnes pour Op. 10, in\ndem Nocturne, Op. 16,— und in dem Stück: Les deux\nTruites(Die beiden Forellen), Op. 24. Ganz vorzüg-\nlich ist es ihm gelungen in Op. 10, Nr. 2, einem aller-\nliebsten Andantinain As-clur,2/4-Tact, mit fortlaufenden\ngebundenen Bcgleitungs-Figuren in den Milteistimmen für\nbeide Hände, und in Op. 24, einem anmuthigen Stücke\nin Des-dur,%-Tact, grösstenteils mit Triolen-Bewegung\nin Sechszehnteln.\nDass alle diese Compositionen für den vorgerückten\nPianisten auch als Studien ganz vortrefflich zu gebrauchen\nsind, geht schon aus dem angegebenen Stil derselben\nhervor.\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-02-05-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-02-05_01#c005", "volume": "bmtnabi_1859-02-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "46", "page_fin": "46", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590205-01.2.5", "titre_corps": "Sechstes Gesellschafts-Concert in Köln im Hauptsaale des Gürzenich.", "titre_sommaire": "Sechstes Gesellschafts-Concert in Köln im Hauptsaale des Gürzenich.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590205-01.1.6", "debut_caractere": 1561, "fin_caractere_exclue": 5527, "texte": "Sechstes Gesellschafts-Concert in Köln\nim Hauptsaale des Gürzenich.\nDinstag, den 1. Februar 1859.\nProgramm. Erster Theil: 1. Coneert-Ouverture in A-dur von\nJu 1. Rietz. 2. Arie Noti jriu di fiori aus Titus von Mozart. 3.\nSinfonie in C-dur von Franz Schubert. —Zweiter Theil: 4. Der\n115. Psalm für Soli, Chor und Orchester von F. Mendelssohn-\nBartholdy. 5. Arie aus der Oper Mitrane von Rossi (1686). 6.\n~Alla trinilä beataChorgesang a capella aus dem fünfzehnten Jahr-\nhundert. 7. Variationen für eine Singstimme von Hummel, für\nMad. Malibran geschrieben. 8. Ouvertüre zu Egmont von Beet-\nhoven.\nDie Ouvertüre von Rietz wurde mit Präcision und Feuer ge-\nspielt und gefiel sehr, wie das bei der Frische und Lebendigkeit die-\nser Composition überall der Fall ist. Die Ausführung der Sinfonie\nvon Schubert war im Ganzen gut, doch schien es uns, als wenn\ndas rechte Feuer des Orchesters erst beim letzten Satze aufgeleuch-\ntet hätte, welcher freilich auch im Gehalt der schwungvollste ist\nund lebhaften Applaus davontrug. Es bleibt ewig zu bedauern, dass\ndas Schicksal dem Componisten nicht vergönnt hat, an den genial\nerfundenen Stoff dieser Sinfonie in reiferen Jahren die letzte Hand\nin Bezug auf Maass und Formgestaltung (selbst hier und da auch\nauf die Instrumentirung) zu legen —* w*as freilich bei allen grösse-\nren Instrumental-Compositionen Schubert's vermisst wird, dessen üp-\npige Phantasie das durch Ebenmaass und Formgesetze begränzte\nGebiet stets überwucherte. Ob er selbst wohl jemals diese Sinfonie\ngehört haben mag? Wir wissen es nicht, da die Nachrichten über\nsein Leben so dürftig sind. Es scheint uns aber zu rechtfertigen,\nwenn einer dasjenige, was Schubert späterhin gewiss selbst gethan\nhaben würde, noch heute thäte, nämlich Verkürzungen damit vor-\nnähme trotz alles Geschreies über Verletzung der Pietät.\nMendelssohns 115. Psalm: ~Nicht unserm Namen, Herr l 1\nist ein früheres Werk des Componisten, das in mancher Hinsicht das\nStudium Bach's deutlich verräth, aber auch wiederum Stücke hat,\ndie dem Schönsten, was Mendelssohn späterhin geschrieben hat, an\ndie Seite zu stellen sind, wrohin wir namentlich den achtstimmigen\nChor ohne Orchester-Begleitung rechnen, der übrigens auch ganz\nvortrefflich gesungen wurde. Dennoch wurde die Ausführung dessel-\nben von dem ausserordentlich schönen Vortrage des lieblichen Allel\ntrinilä beala übertroffen, der mit Recht vom Publicum durch lauten\nBeifall gefeiert wurde.\nDie Königin des Abends war Fräulein Anna Bochkoltz-\nFalconi, welche die im Programm angegebenen Gesangstücke vor-\ntrug und damit eine so glänzende Aufnahme durch stürmischen Ap-\nplaus und wiederholten Hervorruf fand, wie man sie bei unserem\nConcert-Publicum nur selten erlebt. Fräulein Bochkoltz ist eine von\njenen deutschen Sängerinnen der zweiten Und ersten Generation un-\nseres Jahrhunderts, welche dem italienischen Himmel sein ausschliess-\nliches Vorrecht, schöne Stimmen und vollendete Gesangesbildung zu\nerzeugen, mit Erfolg bestritten und ihm nur noch die äussere Con-\ncession gemacht haben, die consonantische Rauhheit ihres Namens\nder südlichen Vocalisation anzupassen. Die eminente Virtuosität die-\nser Künstlerin in allen technischen Dingen ist bewundernswerth und\ndürfte jetzt, da Henriette Sontag nicht mehr ist und Jenny Lind\nsich in immer dichtere Schleier ihres Ruhmes hüllt, wohl nicht ihres\nGleichen haben. Dabei ist der Umfang ihrer Stimme, obwohl die\nhöheren Töne im Forte etwas scharf geworden sind, noch immer\nhöchst merkwürdig, und das tiefe Brustregistcr imponirt besonders\nder Menge durch Kraft und Fülle, während der Kenner vielleicht\nbei einigen Tönen desselben weniger Breite und mehr intensiven\nKlang wünschen dürfte. Einen wirklichen Triumph feierte die Sän-\ngerin durch den Vortrag der Hummerschen Variationen, die einen\nnicht enden wollenden Applaus erregten, worauf die Künstlerin so\nfreundlich war, die Schluss-Variation zu wiederholen Man kann in\nder That in diesem Genre nichts Vollendeteres hören."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-02-05-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-02-05_01#c006", "volume": "bmtnabi_1859-02-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "46", "page_fin": "48", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590205-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590205-01.1.6", "debut_caractere": 5529, "fin_caractere_exclue": 5736, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nBei dem diesjährigen Krönungs- und Ordensfeste er-\nhielt der General-Intendant von Hülsen den Rothen Adler-Orden\nzweiter Classe, Der Rothe Adler-Orden vierter Classe wurde dem"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590205-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7439, "texte": "k. Capellmeister Dorn und dein k. Hof-Musicalienliändler Bock\nertheilt.\nLaryngoskopie (Kehlkopfschau). Im Jahre 1855 hatte Ma-\nnuel Garcia, der jetzt in London lebende Mediciner und Gesang-\nlehrcr, in dem P/ülosophical Magazine and Journal of Science mitge-\ntheilt, dass er vermöge eines Spiegels die Formation und Bewegung\nder Stimmbänder während des Singens betrachtet habe, und nicht\nbloss die so gewonnenen Bilder beschrieben, sondern auch weitere\nHypothesen daran geknüpft. Wie alles Neue, wurde diese seine Mit-\ntheilung allenthalben, auch von mir, angezweifelt, bis im Juni 1858\nProf. Czermak in Wien mit dem Kehlkopf-Spiegel selbst auch\nVersuche anstellte und einige der Garcia'schen Resultate nicht bloss\nbekräftigte — in dem Sitzungsberichte der mathematischen Classe\nder kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Vol. XXIX. —, son-\ndern sogar bis auf die Theilungsstelle der Luftröhre, in ihre beiden\nAeste hinabgesehen haben will. Dass ein Gesanglehrer, welcher sich\nmit der bisherigen traditionel-empirischen Behandlung der menschli-\nchen Stimme nicht begnügt, sondern auch hier wissenschaftliche Ein-\nsicht und Sicherheit vorzieht, dies nicht unbeachtet an sich vorüber-\ngehen lassen konnte, ist klar; und so habe anch ich seit mehreren\nMonaten mich vor Allem daran zu gewöhnen gesucht, den fremden\nKörper im Schlünde ertragen zu können. Endlich glaubte sowohl\nich als einer meiner Schüler mit der Untersuchung beginnen zu kön-\nnen; ich liess einen Spiegel von Metall anfertigen, concentrirte das\nLicht einer Lampe auf denselben, und nach einer Reihe vieler —\nbesonders durch die Lage der Zungenwurzel — misslungener Ver-\nsuche gelang es uns endlich, unter freundlicher Mitwirkung des\nHerrn Dr. med. Wreidehase, vortreffliche Bilder zu gewinnen. Wir\nsahen das Auseinandertreten der Stimmbänder beim Einathmen und\ndurch die offene Glottis weit hinab in die Luftröhre, so wie die ra-\nsche Annäherung der Stimmbänder bei der Tongebung. — Dass so-\nmit die Laryngoskopie keine Charlatanerie ist, ist thatsächlich erwie-\nsen; welche Resultate sich jedoch daraus für die Gesangkunst-Lehre\nziehen lassen, werden erst weitere zahlreiche Versuche mit noch be-\nstimmteren Bildern uns lehren; bis jetzt sind jene von uns gewon-\nnenen Bilder die vollste Bestätigung der bei der Erzeugung\nder Töne am ausgeschnittenen Kehlkopf gewonnenen Resultate.\nBerlin, den 14. Januar 185<). Dr. Schwarz.\nlieber die Zukunftsmusik bringt der Oesterreichische Schul-\nbote vom 8. Januar einen für den Leserkreis dieses Blattes berech-\nneten erklärenden Aufsatz. Der Verfasser beantwortet die Frage, was\ndenn eigentlich die so genannte Zukunftsmusik charakterisire, mit\nfolgenden Behauptungen t „Einmal zeichnet sie sich aus durch ein\nübermässiges Haschen nach Effect\"; dahin gehören „das Rasen und\nToben in gewaltigen Tonmassen, die Benutzung recht einschneiden-\nder Gegensätze, der Mangel an Maasshalten\"; ~in zweiter Linie\nkennzeichnen sich die Zukunftsmusiker durch das Streben, aus der\nMusik mehr machen zu wollen, als sie ist\", daher die „Programm-\nmusik\"; ~drittens charakterisirt sich die neue Schule durch das\nStreben nach neuen Formen des musicalischen Ausdrucks\"; „ein\nanderes Merkmal der neuen Musik ist der Mangel an Melodie\";\n„endlich sind die Compositionen der Zukunftsmänner oft verkünstelt\nund schwer verständlich und bieten den Ausführenden viele Schwie-\nrigkeiten\". Alle diese Punkte werden in dem klar und anspruchs-\nlos gehaltenen Aufsatze einzeln begründet.\nEine Tochter der einst so berühmten Sängerin van Hasselt-\nBarth, im Besitz einer schönen Stimme und der ausgezeichneten\nSchule ihrer Mutter, wird in diesem Winter ihre dramatische Lauf-\nbahn beginnen.\nILeagizig. Marschners Vampyr hat sich ungeachtet mangel-\nhafter Ausführung wieder als Lieblings-Oper des hiesigen musik-\nliebenden Publicums bewährt.\nDas Modell des Standbildes C. M. von Weber1»\nvon Rietschel ist in dessen Atelier ausgestellt. Die stehende Figur\nist bedeutend über Lebensgrösse; mit der Linken auf ein Notenpult\ngestützt, auf dessen \\ orderseite die chronologisch folgenden vier\ngrossen Tonwerke verzeichnet sind, hält er mit der Rechten, den\nlangen, leicli drapirten Mantel zugleich fassend, einen Lorberzweig.\nDer Kopf ist in die Höhe gerichtet und spricht die höchste Begei-\nstci ung aus. Die Aehnlichkeit soll treffend sein, das Ganze einen\ngrossartigen, erhebenden Eindruck machen»\nWiftiiclieil« Eine neue Oper, „Die Weiber von Weinsberg*,\nvon G. Schmidt ist vom Publicum beklatscht und bejubelt wor-\nden. Die Musik ist leicht und gefällig, doch voll Anklänge an all-\nbekannte Motive. In der Freude, nach Jahresfrist endlich wieder eine\nNovität zu hören, und bestochen durch die trefflichen Gesangeslei-\nstungen unseres Kindermann und der Frau Diez, schien das\nPublicum nicht zu bemerken, dass die hier vorliegende Behandlung\ndes historischen Stoffes eine der schönsten Episoden der deutschen\nGeschichte in eine lächerliche Parodie verwandelt habe.\nWir kommen noch einmal auf die Leistungen der\nSchwestern Ferni zurück, um zu melden, dass zu guter Letzt doch\nein gehaltvolles Stück in ihr Programm Aufnahme fand. Fräulein\nCarolina spielte das Mendelssohn'sche Concert theilweise mit Bra-\nvour, aber auch mit jener Aengstlichkeit, die einer ungewohnten\nAufgabe gegenüber wohl begreiflich ist. Wir haben diese Compo-\nsition von einheimischen Künstlern schon besser, namentlich von\nHellinesberger, mit ungleich tieferem Gefühl vortragen gehört, und\nmöchten nach diesem Versuche fast zweifeln, dass die ausgezeichne-\nten italiänischen Virtuosinnen sich je (wenn sie's auch wollen) in\ndiese Richtung hinein zu spielen vermöchten.\nDas zweite und letzte Concert des Herrn Ja eil in den Abend-\nstunden des 13 v. Mts. hatte ein zahlreiches Publicum herangezo-\ngen, das sich des meisterhaften Spiels des Virtuosen sichtlich er-\nfreute. Anstatt der angekündigten Sonate für Piano und Violine in\nG-dur von Beethoven, welche wegen Unwohlseins des Herrn Hell-\nmesberger wegbleiben musste, spielte der Concertgeber die ß-dur-\nSonate von Beethoven für Pianoforte allein, dieses klare, reizvolle,\nmilde Tonstück, das noch so sehr an die vorangegangenen Meister\nerinnert, aus jener Zeit, wo Beethoven, wenn er componirte, noch\nkeine andere Absicht hatte, als seine Seele unbewusst in Tönen aus-\nströmen zu lassen, und diese Seele noch vertrauensvoll an dem Da-\nsein hing; wo der Gedanke noch nicht von schneidenden Gegensätzen,\nbitteren Erfahrungen, dunkeln Erscheinungen verdüstert, sich gebie-\nterisch in das Walten der Phantasie mischte und ihren Flug au»\nden leichten Regionen der Schönheit abzog. Herr Jaell spielte das\nschöne Werk ganz im Geiste des Tondichters, keine der leinen Con-\nturen und Wendungen ging verloren, sein Vortrag war von warmer\nEmpfindung durchseelt, ohne je die zarte Gränze zu überschreiten.\nNebstbei spielte der Concertgeber noch fünf Tonstücke für Piano\nallein und zwar: a) Lied ohne Worte von Mendelssohn, b) Scherzo\nvon Chopin, c) „Stille Liebe'*, Lied von Schumann (übertragen), d)\n„Lc Carillonil und e) „Polka de Salon\", die drei letztgenannten von\neigener Composition. In allen diesen Vorträgen zeigte sich der Vir-\ntuose im glänzendsten Lichte; namentlich war die Vertheilung von\nLicht und Schatten in dem originellen Chopin'schen Scherzo von\nüberraschender Wirkung, und der ein magisches Glockenspiel aus\nden Tasten hervorzaubernde Anschlag im „Carillon\" erregte stürmi-\ngehen Beifall. Den meisten Anklang aber fand die von den Herren"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590205-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1575, "texte": "Jaell und Dachs gespielte symphonische Dichtung „Les Preludes\"\n(nach Lamartine) von Franz Liszt für zwei Pianoforte, weniger\ndurch den Werth und die Macht der Tondichtung, obwohl sie unter\ndie Besseren von Liszt gehört, die uns bald in eine Stimmung hin-\neinführt und der rhapsodischen Behandlung nicht alle rhythmischen\nund melodischen Stützen versagt, als durch das ganz meisterhafte,\nvollendete Spiel voll Kraft und Begeisterung der beiden mit einan-\nder wetteifernden Virtuosen. Am Schlüsse wiederholt stüimisch ge\nrufen, gab Herr Jaell noch eine Triller-Etude zu, deren wundervolle\nAusführung Sensation machte.\nDie florentinisclie Musik-Zeitung ~Armonia\" brachte im vorigen\nJahre eine Reihe von Aufsätzen über Verdi's Musik, welche in so\nfern bemerkenswerth sind, als darin mit einem in Italien unerhörten\nFreimuthe auch der Schattenseiten des Verdi'sclien Stils Erwähnung\ngeschieht. Dieses „Studio sulle opere di Giuseppe Verdi\" ist so eben\nin Florenz in einem Bande von mehr als 300 Seiten herausgekommen.\niVcapel. Am Ende des vorigen Monats veranstaltete das hie-\nsige königliche Conservatorium der Musik ein grosses Concert, durch\ndie Schüler ausgeführt. Das Programm bestand aus Beethoven's\n„Eroica\", aus einer neuen fünfstimmigen Motette, „Salularis Hostia\nvon Rossini (im Chor gesungen), so wie aus einem Chor aus Beet-\nhoven's „Christus am Oelberg\". Unter den Zuhörern befand sich\nauch Verdi.\nGratz* Frau Clara Wieck-Schumann gab hier zwei Ma-\ntineen in der Ressource nnd spielte auch im Theater mit Orchester-\nBegleitung. Zuspruch und Erfolg waren gleich gross."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "41", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590205-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nGluck's Armide. Carlo Eosa, romantische Oper in drei Acten, Text von B Scholz, Musik von Bernhard\nScliolz. Von M. Johann Vogt. \\on L. B. Sechstes Gesellsehafts-Concert im grossen Gürzenichsaale zu Köln. Tages- und\nUnterhaltungsblatt (Berlin, Ordens-Verleihungen Die Laryngoskopie Ueher die Zukunftsmusik Leipzig Dresden, Modell\nd'3s »Standbildes C. M. von Weber's Wien, Schwestern Ferni, IT. Concert von Jaell Neapel - Gratz).\n\nGluck’s Armide\n;/;).\nIch muss mich bei den Musikern entschuldigen,\ndass ich gewagt habe, den Fuss eines Ungeweihten auf\nein Gebiet zu setzen, das ihnen ausschliesslich angehört. Ich\ngestehe, dass ich über ihre Kunst mehr als einer, der sie\nliebt, denn als einer, der sie versteht, gesprochen habe.\nDennoch glaube ich nach den gesunden Ideen der Schule,\nderen unveränderliche Grundsätze ein Ilaydn und Mozart\nfestgestellt haben, über die Musik gesprochen zu haben.\nIn der Literatur und in der Musik bin ich ausschliesslicher\nVerehrer der Classiker, zu denen ich aber keineswegs bloss\ndie älteren Meister zähle; classisch ist überall das Genie,\ndas sich von dem gesunden Menschenverstände und vom\nguten Geschmacke leiten lässt, um die Natur, die Leiden-\nschaften, die Gefühle oder auch das Komische so zu schil-\ndern, dass der gebildete und geläuterte Geist sich daran\nerfreut.\nMozart, der nach Gluck kam, hat vielleicht die Fort-\nschritte seines Vorgängers durch die Universalität seines\nGenie's übertroffen; aber er hat viel von ihm in seinen\nVortheil gezogen. Er hat von ihm die klare, correcte und\nrhythmische Form der Melodie beibehalten; ferner den\nGang des Basses, der dem Gesänge anmuthig folgt, nicht\nbloss, um den Accord zu vervollständigen, sondern um\nselbst auch einen Gedanken auszusprechen; dann die Ge-\nschicklichkeit, das Orchester zu Worte kommen zu lassen,\nohne den Gesang zu erdrücken. Die Verwandtschaft zeigt\nsich ausserdem noch durch eine Menge von Details im\nStil, die den Schöpfungen Beider, trotzdem dass sie den\neigenthümlichen und sehr verschiedenen Charakter ihrer\nUrheber tragen, eine gewisse Familien-Aehniichkeit ver-\nleihen.\nDiese Bemerkung machte ich von Neuem, als ich vor\neinigen Jahren der Aufführung der drei ersten Acte der\nArmide von Gluck durch die Zöglinge des Conservato-\nriums beiwohnte. Aber einen noch lebhafteren und mäch-\ntigeren Eindruck machte das Grossartige und Pathetische\nder Oper auf mich; ich glaubte mich zu überzeugen, dass\ndie Zeit, welche den parischen Marmor benagt, aber die\nWerke des menschlichen Geistes festigt, weder die Kraft\nnoch den Glanz dieser Musik geschwächt habe. Jenen Ein-\ndruck wieder aufzufrischen, hat jetzt für mich Beiz; viel-\nleicht auch ärnte ich einigen Dank dafür, dass ich die Auf-\nmerksamkeit wieder auf eine Composition zu leiten suche,\ndie vor allen anderen geeignet ist, in Herz und Geist die\nVerehrung desjenigen Schönen zu nähren, das in den Wer-\nken leuchtet, welche die Bewunderung von Jahrhunderten\ngeheiligt hat.\nArmide wurde am 2-3. September 1777 zum ersten\nMale gegeben: das Buch, ein treffliches Gedicht von Qui-\nnault, bot der Musik die mannigfachste Gelegenheit, he-\nroische und leidenschaftliche, so wie anmuthige und ein-\nschmeichelnde Stimmungen und Situationen zu schildern.\nBeim Aufgehen des Vorhangs stellt die Scene den Pa-\nlast der Armide vor, jener Zauberin und Königin von Da-\nmascus. Sie erscheint mit ihren Begleiterinnen; ihre Stirn\nist umwöikt, was diesen unbegreiflich ist. Jung, schön,\nalle Bitter zu einer leidenschaftlichen Liebe entflammend,\ndie ihr selbst fremd ist, Siegerin im Lager Gottfried's von\nBouillon, bleibt ihr nichts zu wünschen übrig; und dennoch\numlagern dunkle Gedanken ihren Sinn. Armide, voll Hass\ngegen Binaldo, liebt ihn dennoch und will es sich nicht ge-\n\n*) Das Original dieses Aufsatzes befindet sich im December-llefte\ny. J. der pariser Revue contemporaine. Sowohl der Inhalt als\nder seltene Umstand, dass der Verfasser eine der höchsten\nStellungen im Staate einnimmt, ausserdem stets mit gelehrten\nStudien über Jurisprudenz und Geschichte beschäftigt ist und\ndennoch Müsse gefunden hat, seine Kunstliebe durch eine\nsolche Arbeit über ein musicalisches Werk zu bethätigen, ha-\nben uns veranlasst, den Aufsatz mit einigen Abkürzungen un-\nseren Lesern mitzutheilen. Das Original ist aus der Feder des\nHerrn Senats-Präsidenten Troplong geflossen.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "42", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590205-01.1.2", "texte": "stehen; denn sie kann es nicht ertragen, (lass der allein\nUnbeugsame von allen Rittern ihren Reizen trotzt. Zu die-\nsem Stolze verschmähter Schönheit kommt noch das\nSchreckbild eines Traumes: sie sah Rinaldo, der auf sie\neindrang, sie zu ermorden, und knieend und liebend vor\nihm empfing sie den Todesstoss, und liebte ihn dennoch.\nDiese erste Scene ist nicht nach Art der heutigen\nOpern behandelt. Zu Gluck's und Mozart's Zeit brauchte\neine Oper kein Effectstück unter dem Namen Tntroduction,\nwie es seit Rossini und Weber Mode geworden. Ein Mei-\nsterstück dieser Art ist ohne Zweifel die Introduction zu\nWilhelm Teil; die zum Freischütz, in nicht so grossem\nStil, ist ebenfalls meisterhaft in Rezug auf Frische, Origi-\nnalität und Geist. Die alte Schule verschmähte zwar diese\nForm nicht ganz und gar, allein sie band sich nicht ein\nfür alle Mal daran. Wenn Orpheus und Iphigenie auf\nTauris die Aufmerksamkeit gleich Anfangs durch Verbin-\ndung der Solostimme mit Chören voll tragischen Ausdrucks\nfesseln, so beginnt Figaro's Hochzeit von Mozart dagegen\nmit einem einfachen Duett, gerade so wie Cimarosa's Ma-\ntrimonio segreto.Freilich ist dieses Duett ein vollendetes\nMusikstück sowohl durch die feinen und lieblichen Motive,\nals durch den Gang des Basses und des Orchesters.\nSo hat auch Gluck die erste Scene der x\\rmide nur\nmit ganz einfachen Mitteln behandelt. Die drei Personen\nvereinigen ihre Stimmen nicht. Der Dialog zwischen Ar-\nmidc und ihren Begleiterinnen erhält seine Farbe nur durch\ndie Natur der Lage. Wo die Rede von kriegerischem Lärm\nund den Triumphen Armidens ist, lässt Gluck keineswegs\nFanfaren ertönen: sie wären hier nicht an der Stelle ge-\nwesen „non erat his locus\" —. Der einzige Kunstgriff\nbei dieser Scene besteht in dem scharfen Contraste zwi-\nschen den Melodieen der Begleiterinnen und den Ton-\nreihen, in welchen der Componist die Erbitterung, den ver-\nhaltenen Zorn, die düsteren Ahnungen der Herrin aus-\ndrückt. Jene sind theils einzeln, theils vereint, einfach,\nleicht, naiv; sie würden ein Balsam für Armidens Herz\nsein, wenn dieses Herz für irgend einen Trost empfänglich\nwäre. Die Zauberin antwortet ihnen durch heftige Töne,\nwiewohl deren Kraft noch durch ein weises Maass im Aus-\ndruck zurückgehalten wird. Armidens Seele strömt noch\nnicht über, sie verbirgt noch sich selbst und ihren Gefähr-\ntinnen ihre tiefste Wunde, ihr dereinstiges Verderben: die\nLiebe.\nDer Componist hat gefühlt, dass der gewaltigere Aus-\nbruch erst später kommen würde und kommen müsse, er\nwollte die Theilnahme steigern und die Stufen der Leiden-\nschaft anschaulich machen. Es gehört ein Talent, das gar\nsehr Herr über sich selbst ist, dazu, um mit so tief be-\ngründeter Geschicklichkeit das Maass im Wahren zu hal-\nten. Und doch kenne ich bei all diesem Maasshaltcn kaum\netwas Pathetischeres, als das Recitativ des Traumes. Gluck\nbereitet es vor durch die Unruhe im Orchester, durch den\nschnellen und scharf accentuirten Rhythmus in den Violi-\nnen, Violen und Bässen. Bei der Stelle:\nJe suis tombee aux piecls d\nathmen die malenden Töne Furcht und Schrecken und\nerlöschen am Ende der Erzählung in Schmerz und\nSchluchzen.\nGluck's Stil ist voll der reizendsten und ergreifendsten\nEinzelheiten; man höre hier z. B. Phenicens liebliche und\nruhige Melodie zu den Worten;\nNos tranquilles rivages\nN'ont rien\nund nachher die überraschende Wendung voll Stolz, wenn\nsie von den besiegten Rittern spricht, während bei Armi-\ndens Worten:\nQue je le hais! que son mepris m'outrage !\nman bereits den Sturm in diesem Herzen voll ungebän-\ndigter Leidenschaft grollen hört. Gluck zeichnet sich vor\nallen anderen Componisten durch die Wahrheit des Aus-\ndrucks aus. Seine Musik gehört nicht zu derjenigen Art,\ndie auf jeden Text passt, aus der man beliebig eine Polka,\noder eine Liebeserklärung, oder ein Kriegslied machen\nkann. Er ist der treue Dolmetscher der Poesie; wie der\nMaler, der die Natur copirt, um sie zu verschönern, so\ncopirt Gluck gewisser Maassen den Wortsinn, indem er\nin dessen Ausdruck die ganze Gewalt der Tonkunst legt,.\nPlötzlich erklingen Hörner und Trompeten. Hidraot er-\nscheint, Armidens Oheim und ihr Lehrer in der Zauberei.\nEr wünscht, dass Armide seinen Thron durch eine Ver-\nmählung befestige; allein Armide preiset ihre Freiheit und\nwill sich nur dem Besieger Rinaldo's „wenn je ein sol-\ncher erscheinen kann\" verbinden. Die angeführte Stelle\nwar sonst berühmt, und sie verdient es auch durch ihren\ntiefen und charakteristischen musicalischen Ausdruck. Ar-\nmide zeigt sich in dieser Scene ganz anders: liebenswür-\ndig, wenn sie von ihrer Freiheit, stolz, wenn sie von einem\nkünftigen Gemahl spricht. Drei feierliche Fermaten am\nEnde der drei melodischen Phrasen bezeichnen diesen ma-\njestätischen Charakter auf wunderbar schöne Weise.\nSeitdem die Vertrauten des Teufels in der Oper auf-\ntreten, haben sie das Recht erhalten, sich barsch, schroff\nund rauh auszudrücken, wie Caspar und Bertram. Hidraot\nhatte für sie die Bahn gebrochen; seine beiden Arien sind\nvon kühnen, überraschenden und schroffen Modulationen\ndurchschnitten; doch bricht die eigentliche Hölle noch\nnicht darin los. Sie tragen die düstere Farbe eines Ver-\ndammten, die satanische Melancholie eines Greises, welcher"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590205-01.1.3", "texte": "den höllischen Mächten verfallen und nahe daran ist, zu\nihnen hinab zu müssen.\nAllein plötzlich verändert sich die Scene, und ein hei-\nterer Lichtstrahl leuchtet am Horizont auf. Der Chor tritt\nauf und singt Armidens Siege. Dieses Musikstück ist glän-\nzend wie die Sonne im Osten, und voll Schwung und Le-\nben. Das Orchester ist dabei reich und kunstvoll anee-\no\nwandt. Die funkelnden Yiolin-Figuren werden von kräfti-\ngen Bässen unterstützt und durch die Klänge der Oboen,\nClarinctten, Fagotte und Horner verziert. Zwei Mal\nschweigt der Chor, um die lieblichen Soli der Phenice\nund der Sidonie ertönen zu lassen, und zwei Mal nimmt ei-\nserne glänzende Melodie wieder auf. Endlich vereinigt sich\nauch der Tanz mit dem Gesänge zur Feier des Triumphes\nder Zauberin.\nKaum aber verhallen die letzten Freudenklänge, als\neine Trauerbotschaft Schrecken und Zorn erregt. Aront,\nder die gefangenen Kitter Armidens begleitete, tritt ver-\nwundet und wankend auf; ein furchtbarer Krieger hat\nganz allein sie befreit. Armide, das Herz voll Ahnung,\nLiebe und Hass, ruft aus: „Rinald?\"— „Er war es!\"\newidert Aront. Nun läuft ein Schauer der Erbitterung und\nWuth durch die Reihen des Volkes und der Krieger und\nbricht in die Worte aus:\nJPoursuivons jusqu'a\nL'ennemi qui nous\nAuf diese Worte hat Gluck das prachtvolle Allegro com-\nponirt, welches den ersten Act schliesst, ein meisterhaftes\nMusikstück, welches den späteren Finalen zum Muster ge-\ndient hat; denn wir finden selbst in denen, die wir am\nmeisten bewundern, im Don Juan und im Barbier von Se-\nvilla, seine Formen wieder. Die Stimmen intoniren ein\nscharf rhythmisirtes Motiv, das Orchester entwickelt alle\nseine Klang-Elemente und wogt in schnellen 'friolen auf\nallen Streich-Instrumenten dahin, während die Hörner die\nfesten Noten des Rhythmus der Begleitung angeben. Die\nAufregung, die Yolkswuth sind hinreissend ausgedrückt;\nwenn es erlaubt ist, Musik und Poesie zu vergleichen, so\nmöchte ich sagen, dass dieses Stück so episch und gross-\nartig ist, wie die schönsten Abschnitte der Ilias.\nIm zweiten Acte tritt nach einem markigen Vorspiele\nllinaldo mit Artemidor, einem der Gefangenen Armidens,\ndie er befreit hat, auf. Er ist eines Zweikampfes wegen\naus Gottfried's Lager verbannt und kommt auf seinem\nRitterzuge auf Armidens Gebiet. Artemidor warnt ihn,\naber Rinaldo's Herz kennt keine Furcht und glaubt sich\nfest und sicher gegen Armidens Zauberei und Rache.\nEin heroisch-majestätisches Recitativ eröffnet die Scene;\nallein bei dem Ausdruck des Schmerzes des Helden, dass\ner seinen Arm nicht der Befreiung der heiligen Stadt\nweihen kann, ändert sich der Charakter der Musik, und\ndie Ausbrüche dieses Schmerzes hallen in den Accorden\nwieder, welche wie Seufzer aus dem Orchester herauf\ntönen. Es findet sich da ein harmonischer Gang, bei wel-\nchem sich das Recitativ dem Tacte unterordnet und einen\ngrossen Eindruck macht, der Meyerbeer zu einer Stelle im\nRecitativ der Alice im ersten Acte vom Robert begeistert\nhat „Pour accomplir Vordre Die folgende\nArie hat einen ritterlichen Charakter.\nWährend dann der Held weiter auf dem Gebiete der\nZauberin vordringt, erscheint diese mit Hidraot auf der\nScene, und es folgt das berühmte Duett:\nhaine et de rage!\" —die Heraufbeschwörung der höllischen\nDämonen.\nNach einem Vorspiele in welchem wiederholte\nSynkopen eine spannende Bewegung geben, drückt ein\nkurzes Recitativ den Hauptgedanken der Scene aus. Dann\nbringen die Violinen und Violoncello bald in Terzen, bald\nin Sexten in dem schneidenden eine Figur, eine\nArt von Arpeggien, von denen jede Note doppelt ange\nstrichen wird; diese Figur geht das ganze Stück hindurch\nfort und spiegelt gleichsam die Zähigkeit des Rachegefühls\nder Beschwörenden wieder. Die Bässe und Fagotte mar-\nkiren die Grundnoten, während das Unisono der Oboen\nund Clarinetten und Bratschen mit ihren durchdringenden\nTönen bald die tiefen Grundtöne, bald die zornigen Ac-\ncente der Violinen unterstützen. Auf diesem düsteren und\nbewegten Grunde leuchten die Beschwörungen und Ver-\nwünschungen Armidens und llidraot's auf; bald strömen\ndie Flammen ihres Zornes in einander, bald antworten\nsich Beide wie das Echo dem Rufer, und das Ganze macht\neinen höchst tragischen Eindruck, und doch durchaus\nohne Uebertreibung und ohne Lärm. Nicht einmal Trom-\npeten und Pauken sind dabei. Selten ist das Aufgebot der\nHölle mit so einfachen und doch so sicheren Mitteln be-\nwerkstelligt worden.\nDie Hölle siegt, Rinaldo fällt in die Schlingen seiner\nFeindin. Der Anblick eines blühenden Gartens, von lauen\nLüften durch wallt, ladet ihn ein, sich am Ufer eines Baches\nniederzulassen; er setzt sich und legt Helm und Panzer\nab. Er schläft ein. Diese vortrefflich lyrische Situation ist\ndurch Gluck mit allen Reizen seiner Muse geschmückt\nworden. Zu dem sanften Liede der Flöten lassen die Vio-\nlinen ein leises Gemurmel ertönen; es ist wie ein leichter\nDuft, wie ein schmeichelnder Lufthauch. Alles ist hier\nvereinigt, um das Ohr zu entzücken, die umschleicrten\nTöne der Violinen und die gehaltenen Noten der Clari-\nnetten und Oboen,—Alles ist glatt und weich, wie Samrnt\nund Seide. Rinaldo, entzückt und hingerissen, wiederholt\ndie Melodie der Flöten und führt sie auf den Bosenwegen der"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "44", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590205-01.1.4", "texte": "zauberischen Begleitung fort: „Plus j'observe ces lieux,\net plus je les admire*\nNach und nach wird die sanfte Harmonie noch wei-\ncher. Rinaldo sinkt in Schlaf, und seine Stimme verhallt in\neinzelnen Hauchen, die sich in dem wollüstigen Piunissimo\ndes Orchesters verlieren. Um den Zauber zu vollenden,\ntreten Chöre von Najaden und Schäfern auf, deren Gesang\nLiebe und Lust athmet; Flöten und Violinen vermählen\nihre zartesten Töne mit einander. Mozart hat eine Erinne-\nrung daran in dem heiteren Chor: „Giovinette che fate\nlamorer, im Don Juan. Bald treten auch die verführeri-\nschen Bewegungen und Melodieen des Tanzes hinzu. Aber\nvon allen diesen Düften der lyrischen Kunst ist der ausge-\nsuchteste das Solo: „On s'etonnerait movns que la saison\nnouvellc—\", welches dieses reizende Gemälde schliesst.\nlis ist eine reine, durchsichtige, köstliche Melodie; das Uni-\nsono der Violinen und Bratschen gibt ihr einen Charakter\nvon süsser Schwärmerei, die sich mit dem heiteren Inhalt\nvermählt und dessen Eindruck erhöht.\nIndess nahet der entscheidende Augenblick: Armide\nkommt, das Herz voll Rachlust, den Dolch in der Hand.\nMan ahnt ihr Kommen aus der Unruhe im Orchester, aus\nder Leidenschaft der Violinen in der hohen Ton-Region.\n„Enfin il esten ma puissancs!\" beginnt das Recitativ von\nunvergleichlichem Ausdruck, dem eine der dramatischsten\nArien folgt, die je geschrieben sind. Was für ein Glück\nfür eine wahre Künstlerin, wenn sie ihr Talent in solch\neinem Meisterwerke zeigen kann! Warum hat das Ver-\ngessen der älteren Musik eine Sängerin wie z. B. die Cru-\nvelli darum gebracht, hierin mit ihrer Kraft und ihrer\nLeidenschaft zu glänzen ? /Vrmide zückt den Dolch auf Ri-\nnaldo, aber bei seinem Anblicke stutzt sie; sie will sich\nzur Rache aufregen, aber ein anderes Gefühl überwältigt\nsie; das Mitleid ist stärker als der Hass, der Dolch entsinkt\nihrer Hand. Dieses Recitativ ist von vollendeter Schönheit;\nder innere Kampf, der das Herz Armidens zerreisst, spricht\naus dem Gesänge und dem Orchester; man erbebt bei\nden steigenden Tonleitern der Violinen und Bässe und bei\nden klagenden Seufzern, die ihnen antworten. Dieses Stück\nist erhaben pathetisch und dabei ganz Natur und Wahrheit.\nAber Armide betrügt sich selbst; nicht Mitleid ist es,\ndem sie gehorcht, die Liebe hat sie überwältigt, und das\nspricht die folgende Arie: „Ah!\nvir le jour!\" auf herrliche Weise aus, eine Compo-\nsition voll Zartheit und Empfindung, der Erguss einer\nliebenden, überwundenen Seele. Das\nwelches den dritten Abschnitt und den Schluss der Arie\nbildet, trägt dasselbe Gepräge wahren Gefühls („ Venes,\nseconclcs mesdesirsu). Bei der zauberischen Harmonie\nglaubt man zu sehen, wie sich auf Armidens Stimme die\nDämonen in Zephyre verwandeln und sie mit dem Gelieb-\nten in die fernste Wüste tragen, um dort ihre Schwach-\nheit und ihre Schaam zu verbergen.\n(Schluss folgt.)\n\nCarlo Rosa, romantische Oper in drei Actes.\nText von W. B. Scholz, Musik von Bernhard Scholz.\n\nWir glauben Ihres Interesses versichert zu sein, wenn\nwir Ihnen über den Eindruck berichten, welchen die kürz-\nlich, am 15. und 17. Decembcr 1858, dahier aufgeführte\nneue Oper vorstehenden Namens auf uns gemacht hat.\nDie Oper, die zum Theil unter italiänischen Edlen,\nzum Theil unter sicilischen Räubern spielt, schildert Kampf\nund Sieg edler Liebe, so wie unwandelbarer Geschwister-\nTreue, indem sie zugleich durch humoristische Intermez-\nzo's Abwechslung gewährt.\nDie Musik zeigt ein unzweifelhaftes Talent für Com-\nposition und insbesondere für dramatische Musik, da die\neinzelnen Persönlichkeiten der Oper musicalisch durchweg\nsehr präcis gezeichnet und die Ensemblestücke und Chöre\noriginel erfunden und äusserst wirksam ausgearbeitet sind.\nDie ganze Oper und vor Allem deren letztes Finale gehört\nunstreitig zu den besten dramatischen Producten der\nneueren Zeit.\nWir müssen hervorheben, dass das aus den ernsten\nGesängen hervorleuchtende tiefe Gefühl, so wie das aus\nden komischen und bewegteren Stellen überall ersichtliche\nLeben den einzelnen Tonstücken eine seltene Frische ver-\nleiht. Unseres Erachtens trägt die Oper das Gepräge, als\nob der talentvolle Componist durch eingehendes ernstes\nStudium von Meisterwerken sich eine Ueberlegcnheit über\nseinen Stoff verschafft habe, die seiner Schöpfung einen\nclassischen Anstrich gibt, ohne der Ursprünglichkeit der\nConception Eintrag zu thun.\nZu grossem Ruhme muss dem Tondichter der Um-\nstand gereichen, dass er, der Tagesmode zuwider, jede\nEffecthascherei mit glücklichem Tacte zu vermeiden und\ndagegen sein Verdienst vorwiegend in die Gediegenheit\ntreffender Motive und in das Streben nach feiner und ge-\nschmackvoller Ausführung zu setzen gesucht hat. Nirgend\nfindet sich gesuchte oder überladene Instrumentation, aber\nauch ohne sie weiss der Componist die dramatische Wir-\nkung bis zum Schlüsse der Oper zu steigern, wenngleich\ndas Textbuch ihm in dieser Richtung nicht recht förder-\nlich war, da die Entwicklung der Handlung zu sehr von\nAnfang an durchblickt, und der Zuhörer nicht durch den\nReiz und die Spannung der Handlung, sondern zuletzt"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590205-01.1.5", "texte": "vorwiegend, wo nicht ausschliesslich durch den musicali-\nschen Inhalt der Oper Anregung zu finden vermag.\nTadeln müssen wir, dass die Anlage des Libretto's trotz\ndessen Reichthums an dankbaren ernsten und komischen\nMotiven nicht mit grösserer Sorgfalt erfolgte, dass ferner,\nwie uns scheint, aus Laune eine Ouvertüre der Oper vor-\nenthalten wurde, obwohl deren Zeitdauer eine solche ent-\nschieden gestatten würde.\nDagegen muss unser Gesammt-Urtheil ausnehmend\ngünstig für den Componisten lauten, weil sein ganzes Werk\nden Ausdruck grosser Begabung und durchaus nobler und\ngeschmackvoller Durchführung an der Stirn trägt. Cha-\nrakteristisch dürfte noch sein, dass der Schöpfer desselben,\nbewusst oder unbewusst, einen förmlichen Contrast gegen-\nüber der jetzigen Richtung bildet, die picht in der höch-\nsten Schönheit von Erfindung und Form ihre Aufgabe\nfindet, sondern in dem titanischen Bestreben, selbst mit\nUeberschreitung der ästhetischen Gränzen, durch excen-\ntrische Motive und überschwängliche Instrumental-Effecte\ndem Zuhörer zu imponiren.\nDie Oper wurde in höchst würdiger Weise vom Per-\nsonale und Orchester zur Aufführung gebracht, und leb-\nhafter Applaus, so wie Hervorruf des Componisten und\nder Mitwirkenden an den beiden betreffenden Abenden\nbewies auf das unverkennbarste den Beifall der Zuhörer,\ndie um so befriedigter schienen, als die Oper bei sehr\ndankbaren Hauptrollen eben so für grosse wie für klei-\nnere Bühnen gerecht erscheint, somit auch die Leistungs-\nfähigkeit des hiesigen Theaters nicht überschritt.\nNürnberg, den 30. Januar 1859.\n\nM.\n\nJohann Vogt.\n\nAls wir in Nr. 32 des Jahrgangs 1855 dieser Zei-\ntung einige biographische Nachrichten über Herrn Jo-\nhann Vogt gaben und die musicalische Welt auf diesen\nbedeutenden Künstler aufmerksam machten, erwarteten\nwir, gar bald Früchte seines Talentes zu sehen, die der\nOeffentlichkeit anheim fallen und unser Urtheil rechtferti-\ngen würden. Diese Erwartung hat uns denn auch keines-\nwegs getäuscht; es sind von ihm bereits bis zur Opus-\nzahl 36 verschiedene Werke für Orgel und namentlich\nfür Pianoforte bei den Verlegern Breitkopf & Härtel, fer-\nner bei Kistner in Leipzig, Spina in Wien, Bote & Bock\nin Berlin erschienen. Ausserdem hat er ein Oratorium:\n„Die Erweckung des Lazarus\", geschrieben, welches im\nHerbste vorigen Jahres zu Berlin aufgeführt worden ist und\ngrosse Anerkennung gefunden hat. Die Kritik sprach sich\ndarüber sowohl in allen berliner als auch in der\nNiederrheinischen Musik-Zeitung (1858, Nr. 48) sehr vor-\ntheilhaft aus. Hervorgehoben wurde besonders die ge-\nschickte Behandlung der Chöre und des Recitativs, so wie\ndie sichere musicalische Technik, die überall etwas Ferti-\nges und Ganzes gibt, während die melodische Erfindung\nstets edel bleibt.\nHerr Vogt (geb. den 17. Januar 1823 zu Gross-Tinz\nbei Liegnitz in Schlesien) hat seinen Wohnsitz in Peters-\nburg, ist gegenwärtig aber wiederum auf einer Reise nach\nParis und London begriffen. Da er einige Tage in Köln\nverweilte, so hatten wir Gelegenheit, durch Einsicht der\nPartitur des genannten Oratoriums unser Urtheil mit dem\nder berliner Kritik in Einklang zu bringen. Ausserdem\nlernten wir Herrn Vogt als einen tüchtigen Ciavierspieler\nkennen, der namentlich seine eigenen schwierigen contra-\npunktischen Ciavierstücke mit einer seltenen Meisterschaft\nin Klarheit und Kraft bewältigt. Als Componist im contra-\npunktischen Stile steht er gegenwärtig unbedingt als ein-\nzig da; seine Compositioncn sind aber nicht etwa bloss\ncontrapunktische Studien, sondern zugleich Werke von\nGeist und Phantasie, denen nicht bloss der Musiker mit\ngrosser Befriedigung folgt, sondern an denen auch der\nKunstfreund, der bei der Musik auch denkend zuhört, sich\nerfreuen wird, zumal da jetzt auch in weiteren Kreisen\ndurch die häufigere Vorführung von J. S. Bach's Sachen\nder Sinn für diese ernste Gattung immer mehr genährt\nwird.\nDie Fuge in D-mollfür zwei Piano forte, aus\nder Orgel-Phantasie Op. 5 gezogen bei Breitkopf &\nHärtel, die zweite Stimme in Partitur ist ein majestäti-\nsches Werk mit kräftiger Steigerung.\nIhr schliesst sich in ebenfalls grossartigem Stile Op.\n18 an: Präludium und Fuge in für zwei\nClavicre, M. Hauptmann gewidmet auch bei Breit-\nkopf & Härtel.\nOp. 19, Franz Liszt gewidmet, ist ein und\neine Toccata in G-dur,letztere natürlich contrapunktisch\ngearbeitet, durchweg in Sechszehntel-Triolen sprudelnd\nund glänzend; sie erfordert einen gewaltigen Spieler, macht\nunter dessen Händen aber grosse Wirkung; ein brillantes\nVirtuosenstück im strengen Stile, eine Seltenheit in unse-\nrer Zeit! (Bei Breitkopf & Härtel.)\nEin ganz vorzügliches Werk sind die drei\net Fugues pour le Piano, Op. 20, bei Breitkopf &\nHärtel in drei Lieferungen (zu 15 Ngr. jede) erschienen.\nNr. 1 ist Adolf Ilenselt gewidmet, an dessen Stil das Prä-\nludium erinnert, dem eine recht melodische Fuge von\nweichem Charakter folgt, beides in Nr. 2, in\nA-moll, J. Moscheies gewidmet, enthält ein ausführliches\ngeistreiches Präludium von fünf Seiten und eine sehr in-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590205-01.1.6", "texte": "teressante Fuge von vier Seiten, die ebenfalls einen anmu-\nthigen Charakter hat und ausnehmend anspricht.—-Nr. 3,\nin G-mott,dem Fürsten Wladimir Odoewsky zugeeignet,\nPräludium von drei und Fuge von vier Seiten, ersteres\nAndante con moto, letztere Allegro vivace. Das Thema der\nFuge ist nicht so originell als in den beiden ersten Num-\nmern, aber lebendig und hübsch bearbeitet.\nEs ist dem Componisten in diesen Sachen gelungen,\ndas Interessante und Ansprechende mit dem strengen Stil\nzu vereinigen. Man könnte diese Fugen Salon-Fugen nen-\nnen, wenn der Widerspruch im Beiwort nicht zu gross\nwäre. Jedenfalls hat Halevy in Paris nicht Unrecht, wenn\ner, wie uns ein Freund schreibt, nach Anhörung von\nVogt's Compositionen sagte: „Mr. Vogt me pur alt deshne\nä sauver le style beau, vrai\njours.\"\nIn der That hat Vogt versucht, den contrapunktischen\noder wenigstens imitatorischen Stil auch auf eigentliche\nSalonstücke anzuwenden, und hat es mit Glück gethan in:\nDeuz Nocturnes pour Op. 10, in\ndem Nocturne, Op. 16,— und in dem Stück: Les deux\nTruites(Die beiden Forellen), Op. 24. Ganz vorzüg-\nlich ist es ihm gelungen in Op. 10, Nr. 2, einem aller-\nliebsten Andantinain As-clur,2/4-Tact, mit fortlaufenden\ngebundenen Bcgleitungs-Figuren in den Milteistimmen für\nbeide Hände, und in Op. 24, einem anmuthigen Stücke\nin Des-dur,%-Tact, grösstenteils mit Triolen-Bewegung\nin Sechszehnteln.\nDass alle diese Compositionen für den vorgerückten\nPianisten auch als Studien ganz vortrefflich zu gebrauchen\nsind, geht schon aus dem angegebenen Stil derselben\nhervor.\n\nL. B.\n\nSechstes Gesellschafts-Concert in Köln\nim Hauptsaale des Gürzenich.\nDinstag, den 1. Februar 1859.\nProgramm. Erster Theil: 1. Coneert-Ouverture in A-dur von\nJu 1. Rietz. 2. Arie Noti jriu di fiori aus Titus von Mozart. 3.\nSinfonie in C-dur von Franz Schubert. —Zweiter Theil: 4. Der\n115. Psalm für Soli, Chor und Orchester von F. Mendelssohn-\nBartholdy. 5. Arie aus der Oper Mitrane von Rossi (1686). 6.\n~Alla trinilä beataChorgesang a capella aus dem fünfzehnten Jahr-\nhundert. 7. Variationen für eine Singstimme von Hummel, für\nMad. Malibran geschrieben. 8. Ouvertüre zu Egmont von Beet-\nhoven.\nDie Ouvertüre von Rietz wurde mit Präcision und Feuer ge-\nspielt und gefiel sehr, wie das bei der Frische und Lebendigkeit die-\nser Composition überall der Fall ist. Die Ausführung der Sinfonie\nvon Schubert war im Ganzen gut, doch schien es uns, als wenn\ndas rechte Feuer des Orchesters erst beim letzten Satze aufgeleuch-\ntet hätte, welcher freilich auch im Gehalt der schwungvollste ist\nund lebhaften Applaus davontrug. Es bleibt ewig zu bedauern, dass\ndas Schicksal dem Componisten nicht vergönnt hat, an den genial\nerfundenen Stoff dieser Sinfonie in reiferen Jahren die letzte Hand\nin Bezug auf Maass und Formgestaltung (selbst hier und da auch\nauf die Instrumentirung) zu legen —* w*as freilich bei allen grösse-\nren Instrumental-Compositionen Schubert's vermisst wird, dessen üp-\npige Phantasie das durch Ebenmaass und Formgesetze begränzte\nGebiet stets überwucherte. Ob er selbst wohl jemals diese Sinfonie\ngehört haben mag? Wir wissen es nicht, da die Nachrichten über\nsein Leben so dürftig sind. Es scheint uns aber zu rechtfertigen,\nwenn einer dasjenige, was Schubert späterhin gewiss selbst gethan\nhaben würde, noch heute thäte, nämlich Verkürzungen damit vor-\nnähme trotz alles Geschreies über Verletzung der Pietät.\nMendelssohns 115. Psalm: ~Nicht unserm Namen, Herr l 1\nist ein früheres Werk des Componisten, das in mancher Hinsicht das\nStudium Bach's deutlich verräth, aber auch wiederum Stücke hat,\ndie dem Schönsten, was Mendelssohn späterhin geschrieben hat, an\ndie Seite zu stellen sind, wrohin wir namentlich den achtstimmigen\nChor ohne Orchester-Begleitung rechnen, der übrigens auch ganz\nvortrefflich gesungen wurde. Dennoch wurde die Ausführung dessel-\nben von dem ausserordentlich schönen Vortrage des lieblichen Allel\ntrinilä beala übertroffen, der mit Recht vom Publicum durch lauten\nBeifall gefeiert wurde.\nDie Königin des Abends war Fräulein Anna Bochkoltz-\nFalconi, welche die im Programm angegebenen Gesangstücke vor-\ntrug und damit eine so glänzende Aufnahme durch stürmischen Ap-\nplaus und wiederholten Hervorruf fand, wie man sie bei unserem\nConcert-Publicum nur selten erlebt. Fräulein Bochkoltz ist eine von\njenen deutschen Sängerinnen der zweiten Und ersten Generation un-\nseres Jahrhunderts, welche dem italienischen Himmel sein ausschliess-\nliches Vorrecht, schöne Stimmen und vollendete Gesangesbildung zu\nerzeugen, mit Erfolg bestritten und ihm nur noch die äussere Con-\ncession gemacht haben, die consonantische Rauhheit ihres Namens\nder südlichen Vocalisation anzupassen. Die eminente Virtuosität die-\nser Künstlerin in allen technischen Dingen ist bewundernswerth und\ndürfte jetzt, da Henriette Sontag nicht mehr ist und Jenny Lind\nsich in immer dichtere Schleier ihres Ruhmes hüllt, wohl nicht ihres\nGleichen haben. Dabei ist der Umfang ihrer Stimme, obwohl die\nhöheren Töne im Forte etwas scharf geworden sind, noch immer\nhöchst merkwürdig, und das tiefe Brustregistcr imponirt besonders\nder Menge durch Kraft und Fülle, während der Kenner vielleicht\nbei einigen Tönen desselben weniger Breite und mehr intensiven\nKlang wünschen dürfte. Einen wirklichen Triumph feierte die Sän-\ngerin durch den Vortrag der Hummerschen Variationen, die einen\nnicht enden wollenden Applaus erregten, worauf die Künstlerin so\nfreundlich war, die Schluss-Variation zu wiederholen Man kann in\nder That in diesem Genre nichts Vollendeteres hören.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nBei dem diesjährigen Krönungs- und Ordensfeste er-\nhielt der General-Intendant von Hülsen den Rothen Adler-Orden\nzweiter Classe, Der Rothe Adler-Orden vierter Classe wurde dem"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590205-01.1.7", "texte": "k. Capellmeister Dorn und dein k. Hof-Musicalienliändler Bock\nertheilt.\nLaryngoskopie (Kehlkopfschau). Im Jahre 1855 hatte Ma-\nnuel Garcia, der jetzt in London lebende Mediciner und Gesang-\nlehrcr, in dem P/ülosophical Magazine and Journal of Science mitge-\ntheilt, dass er vermöge eines Spiegels die Formation und Bewegung\nder Stimmbänder während des Singens betrachtet habe, und nicht\nbloss die so gewonnenen Bilder beschrieben, sondern auch weitere\nHypothesen daran geknüpft. Wie alles Neue, wurde diese seine Mit-\ntheilung allenthalben, auch von mir, angezweifelt, bis im Juni 1858\nProf. Czermak in Wien mit dem Kehlkopf-Spiegel selbst auch\nVersuche anstellte und einige der Garcia'schen Resultate nicht bloss\nbekräftigte — in dem Sitzungsberichte der mathematischen Classe\nder kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Vol. XXIX. —, son-\ndern sogar bis auf die Theilungsstelle der Luftröhre, in ihre beiden\nAeste hinabgesehen haben will. Dass ein Gesanglehrer, welcher sich\nmit der bisherigen traditionel-empirischen Behandlung der menschli-\nchen Stimme nicht begnügt, sondern auch hier wissenschaftliche Ein-\nsicht und Sicherheit vorzieht, dies nicht unbeachtet an sich vorüber-\ngehen lassen konnte, ist klar; und so habe anch ich seit mehreren\nMonaten mich vor Allem daran zu gewöhnen gesucht, den fremden\nKörper im Schlünde ertragen zu können. Endlich glaubte sowohl\nich als einer meiner Schüler mit der Untersuchung beginnen zu kön-\nnen; ich liess einen Spiegel von Metall anfertigen, concentrirte das\nLicht einer Lampe auf denselben, und nach einer Reihe vieler —\nbesonders durch die Lage der Zungenwurzel — misslungener Ver-\nsuche gelang es uns endlich, unter freundlicher Mitwirkung des\nHerrn Dr. med. Wreidehase, vortreffliche Bilder zu gewinnen. Wir\nsahen das Auseinandertreten der Stimmbänder beim Einathmen und\ndurch die offene Glottis weit hinab in die Luftröhre, so wie die ra-\nsche Annäherung der Stimmbänder bei der Tongebung. — Dass so-\nmit die Laryngoskopie keine Charlatanerie ist, ist thatsächlich erwie-\nsen; welche Resultate sich jedoch daraus für die Gesangkunst-Lehre\nziehen lassen, werden erst weitere zahlreiche Versuche mit noch be-\nstimmteren Bildern uns lehren; bis jetzt sind jene von uns gewon-\nnenen Bilder die vollste Bestätigung der bei der Erzeugung\nder Töne am ausgeschnittenen Kehlkopf gewonnenen Resultate.\nBerlin, den 14. Januar 185<). Dr. Schwarz.\nlieber die Zukunftsmusik bringt der Oesterreichische Schul-\nbote vom 8. Januar einen für den Leserkreis dieses Blattes berech-\nneten erklärenden Aufsatz. Der Verfasser beantwortet die Frage, was\ndenn eigentlich die so genannte Zukunftsmusik charakterisire, mit\nfolgenden Behauptungen t „Einmal zeichnet sie sich aus durch ein\nübermässiges Haschen nach Effect\"; dahin gehören „das Rasen und\nToben in gewaltigen Tonmassen, die Benutzung recht einschneiden-\nder Gegensätze, der Mangel an Maasshalten\"; ~in zweiter Linie\nkennzeichnen sich die Zukunftsmusiker durch das Streben, aus der\nMusik mehr machen zu wollen, als sie ist\", daher die „Programm-\nmusik\"; ~drittens charakterisirt sich die neue Schule durch das\nStreben nach neuen Formen des musicalischen Ausdrucks\"; „ein\nanderes Merkmal der neuen Musik ist der Mangel an Melodie\";\n„endlich sind die Compositionen der Zukunftsmänner oft verkünstelt\nund schwer verständlich und bieten den Ausführenden viele Schwie-\nrigkeiten\". Alle diese Punkte werden in dem klar und anspruchs-\nlos gehaltenen Aufsatze einzeln begründet.\nEine Tochter der einst so berühmten Sängerin van Hasselt-\nBarth, im Besitz einer schönen Stimme und der ausgezeichneten\nSchule ihrer Mutter, wird in diesem Winter ihre dramatische Lauf-\nbahn beginnen.\nILeagizig. Marschners Vampyr hat sich ungeachtet mangel-\nhafter Ausführung wieder als Lieblings-Oper des hiesigen musik-\nliebenden Publicums bewährt.\nDas Modell des Standbildes C. M. von Weber1»\nvon Rietschel ist in dessen Atelier ausgestellt. Die stehende Figur\nist bedeutend über Lebensgrösse; mit der Linken auf ein Notenpult\ngestützt, auf dessen \\ orderseite die chronologisch folgenden vier\ngrossen Tonwerke verzeichnet sind, hält er mit der Rechten, den\nlangen, leicli drapirten Mantel zugleich fassend, einen Lorberzweig.\nDer Kopf ist in die Höhe gerichtet und spricht die höchste Begei-\nstci ung aus. Die Aehnlichkeit soll treffend sein, das Ganze einen\ngrossartigen, erhebenden Eindruck machen»\nWiftiiclieil« Eine neue Oper, „Die Weiber von Weinsberg*,\nvon G. Schmidt ist vom Publicum beklatscht und bejubelt wor-\nden. Die Musik ist leicht und gefällig, doch voll Anklänge an all-\nbekannte Motive. In der Freude, nach Jahresfrist endlich wieder eine\nNovität zu hören, und bestochen durch die trefflichen Gesangeslei-\nstungen unseres Kindermann und der Frau Diez, schien das\nPublicum nicht zu bemerken, dass die hier vorliegende Behandlung\ndes historischen Stoffes eine der schönsten Episoden der deutschen\nGeschichte in eine lächerliche Parodie verwandelt habe.\nWir kommen noch einmal auf die Leistungen der\nSchwestern Ferni zurück, um zu melden, dass zu guter Letzt doch\nein gehaltvolles Stück in ihr Programm Aufnahme fand. Fräulein\nCarolina spielte das Mendelssohn'sche Concert theilweise mit Bra-\nvour, aber auch mit jener Aengstlichkeit, die einer ungewohnten\nAufgabe gegenüber wohl begreiflich ist. Wir haben diese Compo-\nsition von einheimischen Künstlern schon besser, namentlich von\nHellinesberger, mit ungleich tieferem Gefühl vortragen gehört, und\nmöchten nach diesem Versuche fast zweifeln, dass die ausgezeichne-\nten italiänischen Virtuosinnen sich je (wenn sie's auch wollen) in\ndiese Richtung hinein zu spielen vermöchten.\nDas zweite und letzte Concert des Herrn Ja eil in den Abend-\nstunden des 13 v. Mts. hatte ein zahlreiches Publicum herangezo-\ngen, das sich des meisterhaften Spiels des Virtuosen sichtlich er-\nfreute. Anstatt der angekündigten Sonate für Piano und Violine in\nG-dur von Beethoven, welche wegen Unwohlseins des Herrn Hell-\nmesberger wegbleiben musste, spielte der Concertgeber die ß-dur-\nSonate von Beethoven für Pianoforte allein, dieses klare, reizvolle,\nmilde Tonstück, das noch so sehr an die vorangegangenen Meister\nerinnert, aus jener Zeit, wo Beethoven, wenn er componirte, noch\nkeine andere Absicht hatte, als seine Seele unbewusst in Tönen aus-\nströmen zu lassen, und diese Seele noch vertrauensvoll an dem Da-\nsein hing; wo der Gedanke noch nicht von schneidenden Gegensätzen,\nbitteren Erfahrungen, dunkeln Erscheinungen verdüstert, sich gebie-\nterisch in das Walten der Phantasie mischte und ihren Flug au»\nden leichten Regionen der Schönheit abzog. Herr Jaell spielte das\nschöne Werk ganz im Geiste des Tondichters, keine der leinen Con-\nturen und Wendungen ging verloren, sein Vortrag war von warmer\nEmpfindung durchseelt, ohne je die zarte Gränze zu überschreiten.\nNebstbei spielte der Concertgeber noch fünf Tonstücke für Piano\nallein und zwar: a) Lied ohne Worte von Mendelssohn, b) Scherzo\nvon Chopin, c) „Stille Liebe'*, Lied von Schumann (übertragen), d)\n„Lc Carillonil und e) „Polka de Salon\", die drei letztgenannten von\neigener Composition. In allen diesen Vorträgen zeigte sich der Vir-\ntuose im glänzendsten Lichte; namentlich war die Vertheilung von\nLicht und Schatten in dem originellen Chopin'schen Scherzo von\nüberraschender Wirkung, und der ein magisches Glockenspiel aus\nden Tasten hervorzaubernde Anschlag im „Carillon\" erregte stürmi-\ngehen Beifall. Den meisten Anklang aber fand die von den Herren"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590205-01.1.8", "texte": "Jaell und Dachs gespielte symphonische Dichtung „Les Preludes\"\n(nach Lamartine) von Franz Liszt für zwei Pianoforte, weniger\ndurch den Werth und die Macht der Tondichtung, obwohl sie unter\ndie Besseren von Liszt gehört, die uns bald in eine Stimmung hin-\neinführt und der rhapsodischen Behandlung nicht alle rhythmischen\nund melodischen Stützen versagt, als durch das ganz meisterhafte,\nvollendete Spiel voll Kraft und Begeisterung der beiden mit einan-\nder wetteifernden Virtuosen. Am Schlüsse wiederholt stüimisch ge\nrufen, gab Herr Jaell noch eine Triller-Etude zu, deren wundervolle\nAusführung Sensation machte.\nDie florentinisclie Musik-Zeitung ~Armonia\" brachte im vorigen\nJahre eine Reihe von Aufsätzen über Verdi's Musik, welche in so\nfern bemerkenswerth sind, als darin mit einem in Italien unerhörten\nFreimuthe auch der Schattenseiten des Verdi'sclien Stils Erwähnung\ngeschieht. Dieses „Studio sulle opere di Giuseppe Verdi\" ist so eben\nin Florenz in einem Bande von mehr als 300 Seiten herausgekommen.\niVcapel. Am Ende des vorigen Monats veranstaltete das hie-\nsige königliche Conservatorium der Musik ein grosses Concert, durch\ndie Schüler ausgeführt. Das Programm bestand aus Beethoven's\n„Eroica\", aus einer neuen fünfstimmigen Motette, „Salularis Hostia\nvon Rossini (im Chor gesungen), so wie aus einem Chor aus Beet-\nhoven's „Christus am Oelberg\". Unter den Zuhörern befand sich\nauch Verdi.\nGratz* Frau Clara Wieck-Schumann gab hier zwei Ma-\ntineen in der Ressource nnd spielte auch im Theater mit Orchester-\nBegleitung. Zuspruch und Erfolg waren gleich gross."}]}