{"numero_id": "bm-bmtnabi-1859-02-26-01", "volume": "bmtnabi_1859-02-26_01", "ocr_sha256": "e92e536652b97deeb256146a1464910e2a604a9fd110b727e6976f04b806af5b", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1859/02/26_01/bmtnabi_1859-02-26_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590226-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1859-02-26-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-02-26_01#c001", "volume": "bmtnabi_1859-02-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "65", "page_fin": "65", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590226-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "65", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590226-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 472, "texte": "Inhalt.\nDas Geheimniss der neuesten Schule der Musik von E. Sobolewsky. Von Bernhard Scholz Zwei Stellen aus\nLiszt's „Idealen\". Von S. & B. Aus Basel (Abonnements-Concerte). Von —n. Musicalische Zustände in Speyer. Von V. Schil-\nler-Conccrt des kölner Männer-Gesangvereins. Siebentes Gesellschafts-Concert im grossen Gürzenichsaale zu Köln. —Tages- und Un-\nterh altungsbJ att (Köln, Städtischer Sing-Verein, Fräul. 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Vor Allem habe ich bereits auf der\nersten Seite und später noch öfter daraus entnommen,\ndass Herr Sobolewsky die Be rl in er Kritischen Briefe\nüber die Tonkunst (1760) gelesen hat, und mich recht\nsehr an dem Wohlgefallen des genannten Herrn über seine\neigene Belesenheit erbaut. Dann habe ich noch Gelegen-\nheit gehabt, eine Menge besonders neuer Dinge in dem\nSchriftchen zu entdecken, von denen weiter unten einige\nangeführt werden sollen. Nur das Geheimniss der\nneuesten Schule blieb mir bis gegen Ende das, was\nes war ein Geheimniss. Da fand ich auf der vorletzten\nSeite die Worte: „Was ist denn nun wohl das Geheim-\nniss der neueren Schule?\" (Herr Sobolewsky hat ganz\nHecht, wenn er von seinen Lesern bis dahin voraussetzt,\ndass Keiner von allen auch nur eine Ahnung von der Lö-\nsung dieser Frage habe.) Darauf erfolgt dann die Antwort:\n„Sie muss mehr wissen, als diejenige, welche sich heute\ndie ältere nennt.\" Dieser goldene, inhaltschwere Satz ist\nnatürlich mit gesperrter Schrift gedruckt. Zur Erläuterung\nfügt nun Herr Sobolewsky die Anforderungen bei, die er\nan die Jünger der neuesten Schule stellt; es sind genau\ndieselben, welchen auch bisher jeder ordentliche, schaffende\nMusiker entsprechen sollte, und welchen, wenn man von\nden Werken auf ihre Urheber schliessen darf, die Anhän-\nger der neuesten Hichtung am allerwenigsten zu entspre-\nchen vermögen. Es ist daher in doppelter Beziehung son-\nderbar, dass Herr Sobolewsky von denselben verlangt oder\nsagt, sie müssten mehr wissen, als die Jünger der alten\nSchule. Den Schluss der Broschüre bilden die denkwürdi-\ngen Worte: „II est impossible, que tous les esprits pren-\nnent la meme direction (man sieht, Herr Sobolewsky ver-\nsteht auch Französisch): leur marche differe comme le vol\ndes oiseaux Alle aber schwingen sich nach oben, der\nSonne entgegen, und huldigen dem ewigen Axiom: Har-\nmonie!\" —d. h. mit anderen Worten: singe und schreibe\nJeder so gut und so schlecht er kann und mag: es ist\nAlles gut!\n„Harmonie\" ist das letzte Wort des Herrn Sobo-\nlewsky; er muss es—wie man wiU— sehr viel und sehr\nwenig lieben, denn er missbraucht es an zahllosen Stellen\nseines Büchleins. Da lesen wir unter Anderem: „Jede\nGestalt hat Form; diese, sei sie, welche sie wolle, ist\ngut, wenn ihre Theile in einem harmonischen Verhält-\nnisse stehen.\" Wenngleich Herrn Sobolewsky für seine\nEntdeckung, dass jede Gestalt Form habe, Dank gebührt,\nso muss ich doch gestehen, dass ich nach seiner Erklä-\nrung, wann eine Form gut sei, gerade so klug wie vorher\ngewesen bin. Herr Sobolewsky möge doch die Güte ha-\nben, näher zu erklären, was er unter der „Harmonie\nder Theile einer Form\" versteht, und ob vielleicht\nnach seiner Meinung auch die Theile einer symphonischen\nDichtung von Liszt in einem harmonischen Verhältnisse\nstehen. Eben so nichtssagend und albern ist uns der darauf\nfolgende Satz erschienen: „Jede Verbindung von Tönen\nist richtig, wenn sie unter sich und in Bezug auf das Vor-\nhergehende und Nachfolgende in einem harmonischen\nVerhältnisse stehen; ob sie in der Accordenlehre zu finden\noder nicht, ist gleichgültig!\" Durch den letzten Zusatz\nscheint Herr Sobolewsky sogar jede Gesetzmässigkeit für\ndie Accordenfolge zu läugnen. Für die Vocal-Composition\nweiss Herr Sobolewsky ebenfalls nichts Weiteres als den"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590226-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1492, "texte": "Gemeinplatz anzuführen, dass es auch hier wieder auf die\nHarmonie ankomme, in welcher Text und Musik stehen\nmüssen. Er zieht Pag. 26 erschrecklich gegen schlechte\nDeclamation zu Felde, als ob ihm da Jemand widerspre-\nchen wollte, fürchtet jedoch dennoch (Pag. 27), missver-\nstanden zu werden, und gibt eine Anweisung, wie er ver-\nstanden sein will. Daraus verdient denn, und wäre es nur\nwegen des Stils, folgender Ausspruch hervorgehoben zu\nwerden: „Wir müssen in unserer Scala bleiben, die uns\nwenn auch nicht angeboren denn die alten Griechen\nhatten und einige wilde Völker haben eine andere Scala,\nso, dass deren Gesänge ein Europäer eben so wenig auf\nNoten setzen kann, als den Gesang einer Lerche oder\nNachtigall —, dies heisst aber nicht, du hast das Recht,\ndie Sylben, welche man beim Sprechen als lange fühlt,\nauf schlechte Tacttheile zu stellen, oder das Wort, wel-\nches einen Accent hat, nicht durch einen geeigneten Ton\nhervorzuheben.\" (!!)\nEs sei genug! Wer mit Sobolewsky empfinden will,\nwie sich der erste Keim der Musik als: „Ich fühle\",\näussert, und dieses Gefühl, sofern es ein kräftiges ist, gleich\neinem magnetischen Fluidum die Nerven durchwogt und\nsich sodann „natürlicher Weise durch den Kehl-\nkopf entläd\", der möge 27 Kreuzer an Herrn Sobo-\nlewsky's Schrift hängen und sie wo möglich ganz durch-\nlesen. Wen die Schrift nicht zu erleuchten und zu beleh-\nren vermag, den wird sie doch sicherlich für 27 Kreuzer\namusiren.\nNürnberg, den 18. Februar 1859.\n\nBernhard Scholz."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-02-26-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-02-26_01#c003", "volume": "bmtnabi_1859-02-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "66", "page_fin": "67", "image_debut": 2, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590226-01.2.3", "titre_corps": "Zwei Stellen aus Liszt’s „Idealen“.", "titre_sommaire": "Zwei Stellen aus Liszt’s „Idealen“.", "signature_source": "S ; B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590226-01.1.2", "debut_caractere": 1494, "fin_caractere_exclue": 1985, "texte": "Zwei Stellen aus Liszt’s „Idealen“.\n\nWir geben diese Stellen als Beitrag zur Lösung der in der Neuen Zeitschrift für Musik ausgeschriebenen Preis-\nfrage über die Erweiterung der Harmonik durch die neueren Meister. Da eine Beispiel-Sammlung ein treff-\nliches Material für die Preisbewerber sein wird, so werden ähnliche Einsendungen, wie die gegenwärtige, willkommen\nsein. Wir sind gern bereit, den Zweck, die Fortschritte der neueren Harmonik zur Evidenz zu bringen, nach Kräften\nzu fördern."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "67", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590226-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 158, "texte": "Wir können unseren Lesern alles Ernstes versichern, dass sich diese Stellen in der symphonischen Dichtung . Die\nIdeale\" von Liszt wirklich vorfinden.\n\nS. & B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-02-26-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-02-26_01#c006", "volume": "bmtnabi_1859-02-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "67", "page_fin": "67", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590226-01.2.4", "titre_corps": "Aus Basel.", "titre_sommaire": "Aus Basel.", "signature_source": "n", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "67", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590226-01.1.3", "debut_caractere": 160, "fin_caractere_exclue": 3351, "texte": "Aus Basel.\nn.\nDen 16. Februar 1859.\nDie hiesigen Abonnements-Concerte nehmen unter\ndenjenigen der schweizerischen Hauptstädte, sowohl in Be-\ntreff der Orchester-Leistungen als auch hinsichtlich der\nMitwirkung fremder Kunst-Notabilitäten, unbestritten den\nersten Rang ein; ja, es dürfte im benachbarten Süd-\ndeutschland wenig grössere Städte geben, in denen eine\ngleiche Anzahl gediegener Concerte zu Stande kommt, wie\ngerade in Basel.\nNoch in keiner Saison waren diese Abonnements-Con-\ncerte so stark besucht, wie in der diesjährigen, deren Aus-\nstattung vorzugsweise durch die Mitwirkung der Frau\nNissen-Saloman eine glänzende wurde. Die geschätzte\nKünstlerin trat in vier Concerten auf, in denen sie durch\nihr eben so reichhaltiges als werthvolles Repertoire, das\nsich über alle Gebiete der Kunst von der Kirchen-Arie\ndes Stradella bis zu Verdi's Traviata ausdehnt, und durch\nihre hervorragenden Leistungen dem kunstsinnigen Publi-\ncum eine Reihenfolge mannigfaltiger und ausgezeichneter\nGenüsse bot. Vor ihr traten in mehreren Concerten Fräul.\nRutschmann und Frau Rieder-Schlumberger auf;\nerstere eine gute dramatische Sängerin, seither leider ge-\nstorben; letztere eine Repräsentantin der französischen\nSchule und speciel Coloratur-Sängerin. Sodann die am\nRheine so gefeierte Fräul. Auguste Brenken, von der\nvorjährigen Saison her bei uns in gutem Andenken stehend.\nAuffallend war in diesem Winter das Ausbleiben von Vir-\ntuosen, die früher auf ihren Kunstreisen nach Süddeutsch-\nland Basel stets zu berühren pflegten.\nDas Orchester leitete mit gewohnter Sicherheit Herr\nMusik-Directorßeiter, dem Basel sein musicalisches Auf-\nblühen ausschliesslich zu verdanken hat. Ausser den her-\nvorragendsten Werken von Beethoven, Mozart, Haydn,\nSchubert und Schumann gelangten zwei neue Sinfonieen\nzur Aufführung: „Der Ocean\" von Rubinstein, ein\nWerk, das zwar in seinen Einzelheiten anspricht, im\nGanzen jedoch kaum einen tiefer gehenden Eindruck zu\nhinterlassen im Stande ist, und eine Manuscript-Sinfonie\nunseres Concertmeisters Höfl, die, leicht fasslich, allge-\nmein ansprach. Das reiche Gebiet der Ouvertüren war\nvertheilt unter: Beethoven, Leonore, Fidelio; Cherubini,\nAnakreon und Medea; Cimarosa, Heimliche Ehe; Gluck,\nIphigenie; Mozart, Figaro und Schauspiel-Director; Men-\ndelssohn, Athalia und Melusine; Rossini, Teil und Elisa-\nbeth; Spohr, Jessonda; Spontini, Cortez; Weber, Eurvan-\nthe und Beherrscher der Geister. Neu war die unter Lei-\ntung des Componisten gespielte Ouvertüre zur Oper „Tor-\ndenskjold\" von Saloman. Von grösseren Ensemblestücken\nwurden aufgeführt; die Egmont-Musik, der dritte Act\naus Gluck's Iphigenie in Aulis, Beethoven's Meeresstille\nund glückliche Fahrt und das Lorelei-Finale von Mendels-\nsohn. Auf dem Gebiete der Kammermusik sind zu erwäh-\nnen das Nonett von Spohr, Mozart's Adagio für Clarinette\nund Hörner und das Trio-Concert von Beethoven. Die\neigentlichen Kammermusik-Soireen bleiben auf den Schluss\nder Concertsaison verlegt.\nIm Monat Juli wird das allgemeine schweizeri-\nsche Musikfest in Basel abgehalten werden, wofür be-\nreits einige Künstler ersten Ranges engagirt worden sind\nund womit gleichzeitig eine Händel-Feier wird verbunden\nwerden.\n[*]"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-02-26-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-02-26_01#c007", "volume": "bmtnabi_1859-02-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "68", "page_fin": "69", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590226-01.2.5", "titre_corps": "Musicalische Zustände in Speyer.", "titre_sommaire": "Musicalische Zustände in Speyer.", "signature_source": "V", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590226-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5338, "texte": "Musicalische Zustände in Speyer.\n\nDen 12. Februar 1859.\nDie Hälfte des Winters oder, wie ein Grossstädter\nsagen würde, der Winter-Saison ist vorüber; da lässt sich\nschon über gesellschaftliches, musicalisches oder sonst\nkünstlerisches Leben einer Stadt ein Urtheil fällen und\nBericht erstatten. Hat auch das musicalische Leben\nSpeyer s mehr einen privaten als öffentlichen Charakter,\nso wird doch eine leidenschaftslose, das Gute anerkennende\nund das Mangelhafte oder Wünschenswerthe heraushe-\nbende Besprechung nicht nur keinen Anstoss finden, son-\ndern im Interesse sowohl der musicirenden Welt als des\ngeniessenden Publicums am Platze erscheinen. Im Ganzen\nwird in Speyer viel Musik getrieben, und gälte es, statisti-\nsche Notizen darüber zu geben, die Zahl der grösseren\nund kleineren Vereinigungen zu musicalischen Zwecken\nwürde immerhin für die Grösse unserer Stadt stattlich\ngenug ausfallen. Dom-Chor, protestantischer Kirchen-Ge-\nsangverein, Cäcilien-Verein, Liedertafel, Musik-Kränzchen,\ndaneben noch manche Privatcirkel für Männer-Quartette,\nOratorien, Streich-Quartette, und die musicalischen Pro-\nduetionen unserer studirenden Jugend das ist ja wohl\neine hübsche Summe von Vereinen und Gelegenheiten, die\nmusicalischen Kräfte und Talente zu entfalten und zu üben;\nund doch ist kein rechtes Leben, doch werden die vorhan-\ndenen Kräfte nicht gehörig benutzt, um etwas zu leisten,\nwas mehr ins Grosse und Allgemeine ginge und was die\nallgemeine Betheiligung aller Gebildeten in Anspruch\nnähme; doch ist alles Musiciren noch zu sehr auf einen\nkleinen Kreis von Theilnehmern und eben darum auch\nauf ein kleineres Gebiet der Musik selbst beschränkt. Wenn\nwir es unternehmen, Hoffnungen und Wünsche und un-\nsere Absicht auszusprechen, wie darin eine Aenderung\nzum Besseren einzuleiten wäre, so thuri wir es nur in\nUebereinstimmung mit manchen Aenderungen, die inner-\nhalb einzelner der oben genannten Vereine gerade in der\nletzten Zeit herbeigeführt worden sind, und mit Rücksicht\nauf diese Vereine.\nDie Privatcirkel liegen natürlich von selbst ausser un-\nserem Bereiche, aber auch der Dom-Chor und der prote-\nstantische Kirchen-Gesangverein kommen hier nicht in\nBetracht; sie dienen ihrem Zwecke und jeder aul seine\nWeise gut und zur Erbauung ihrer Glaubensgenossen\nbeitragend. Der protestantische Kirchen-Gesangverein\nhatte zwar noch vor einem Jahre neben dem Zwecke, die\nGottesdienste durch seine Gesänge zu verherrlichen, noch\nden weiteren, geistliche Oratorien der Gemeinde vorzufüh-\nren, und man denkt noch mit Dankbarkeit und Vergnügen\nan den den die heiligen Töne des Händel'schen\nMessias und des Mendelssohn'schen Psalmes gewährten.\nAber wir hören, dass der Verein diesen Zweck aufgege-\nben habe und auf die Kirchenchöre allein sich beschrän-\nken wolle. Freilich erfuhr er von Seiten der Gemeinde\nnicht die Unterstützung und Theilnahme, die er verdiente,\nund Mancher, der sich zu den Gebildeten zählt und von\nKunst und Musik zu reden weiss, folgte der so liberalen\nEinladung des Vereins zu seinen Productionen nicht und\nversäumte die Gelegenheit, so reine und edle, erhabene\nMusik zu hören, und zwar in einer wenn auch nicht voll-\nkommenen das ist ja bei keiner Dilettanten-Musik der\nFall—, aber in einer recht guten Ausführung. Wir müss-\nten es bedauern, dass dieser Verein seine grössere Auf-\ngabe nicht mehr verfolgt, und müssten den Wunsch aus-\nsprechen, er möge trotz der geringen Theilnahme seine\nArbeit im Gebiete der Oratorienmusik wieder aufnehmen,\nwenn nicht die Aussicht wäre, dass der Cäcilien-Verein\nmehr als bisher dieses Gebiet auch zu dem seinigen machte\nund so die Lücke ausfüllte, die jetzt in unserem musicali-\nschen Leben herrscht. Denn eine Lücke ist es wenn es\nauch Viele nicht glauben und noch Mehrere nicht begreifen\nwollen —, wenn in einer Stadt wie Speyer mit den da-\nselbst vorhandenen Kräften nicht die Oratorienmusik vor-\nzugsweise gepflegt wird, als die Musik, die gerade den Di-\nlettanten am leichtesten zugänglich und ausführbar, und\ndurch ihren meist biblischen Inhalt am würdigsten ist, ge-\nsungen zu werden. Es wird ja wohl für unsere Pfalz auch\nwieder eine Zeit kommen, da die Musikfeste solche Musik\nuns vorführen und uns aulfordern werden, sie zu pflegen.\nDoch wir haben schon angedeutet, dass die Lücke,\nvon der wir reden, durch den Cäcilien-Verein künftig\nmehr als bisher ausgefüllt werden soll. Dieser Verein ist\nleider zu wenig gekannt und unterstützt, und hält im\nGrunde nur durch die Begeisterung einiger weniger Mu-\nsikfreunde zusammen, die mit ihren kleinen Kräften im-\nmerhin noch genug leisten und den Mitgliedern des Ver-\neins von Zeit zu Zeit einen wirklichen Genuss bereiten. Er\nhat sich eine grosse, ja, für unsere gegenwärtigen Mittel\nfast zu grosse Aufgabe gestellt: Pflege der Vocal- und In-\nstrumental-Musik in allen ihren Gattungen. Wir hörten\nda früher Ouvertüren mit vollem Orchester, Oratorien\ndessgleichen, Trio's und Quartette der besten Meister, Lie-\nder und Ensemblesätze, ja, ganze Acte und Opern. Es gab\nZeiten, wie man uns erzählt, wo die Productionen recht\nwacker gingen und auch von verwöhnten Ohren angehört\nwerden konnten. Es gab aber auch Zeiten, wo es sich\nzeigte, dass man zu viel gewagt, und der Musikfreund\nwünschte manchmal ein mangelhaftes Orchester lieber ganz\nweg, um den meist gut geübten Gesang desto wohlthuen-\nder auf sich wirken zu lassen."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "69", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590226-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1928, "texte": "Blicken wir auf die Concerte dieses Winters zurück,\nund vorwärts auf das, was wir zu erwarten haben, so ist\neine weise und vernünftige Beschränkung wahrzunehmen.\nDas Cäcilien-Fest brachte uns eine Ouvertüre, einige Lie-\nder und Männer-Quartette und das Lied von der Glocke,\nvon Ciavier und mehrstimmigem Streich-Quartette beglei-\ntet. Weiter sollte man nicht gehen, wenn man einmal die\nMittel nicht hat, das ganze Orchester gut zu besetzen. Die\nViolinen, Celli und Bässe geben dem Chor Halt und Kraft,\nund wenn, wie das ja doch auch immer mehr durchdrin-\ngen wird, vorzugsweise Händersche Musik gewählt wird,\nso genügt dies bei der einfachen Instrumentation Händel's\nvollkommen. Auf gleiche Weise wurde die „Schöpfung\"\nvon Haydn aufgeführt, welche mit sehr grossem Beifalle\naufgenommen wurde.\nEine neue Kraft erhält der Cäcilien-Verein durch die\nLiedertafel, die mit ihm erst vor wenigen Tagen zu ge-\nrneinsamem Wirken sich verbunden hat, und die selbst\nerst in neuer Form aus dem früheren Liederkranze her-\nvorgegangen ist. Sie pllegt den Männergesang und vereint\ndie besten Kräfte unserer Stadt; ihre Mitwirkung bei den\nConcerten wird uns manchen Männerchor in möglichst\nvollendeter Form und dadurch in den Cäcilien-Verein\neinige Abwechslung bringen.\nWir glaubten diese Zeilen in so fern in diesen vielge-\nTfcl«\niesenen Blättern mittheilen zu müssen, als sich viele Städte\nin demselben Zustande befinden, wie die unsrige, und\ndieselben es eben so wenig wie wir zu wirklich befriedi-\ngenden künstlerischen Leistungen bringen werden, wenn\nsie nicht mit weiser Berücksichtigung ihrer Mittel sich auf\nein engeres Gebiet musicalischer Aufführungen beschrän-\nken und alle ihre Kräfte dazu vereinigen. Gesang-Vereine,\nwenn sie nicht bloss der Unterhaltung für den Augenblick\ndienen, sondern ein ernstes Ziel mit Beharrlichkeit verfol-\ngen, können unendlich viel für die musicalische Bildung\nund Veredlung der Kunstgenüsse wirken.\n\nV."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-02-26-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-02-26_01#c008", "volume": "bmtnabi_1859-02-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "69", "page_fin": "70", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590226-01.2.6", "titre_corps": "Schiller-Concert des kölner Männer-Gesangvereins im grossen Gürzenichsaale, unter Leitung des königl. Musik-Directors Herrn Franz Weber.", "titre_sommaire": "Schiller-Concert des kölner Männer-Gesangvereins im grossen Gürzenichsaale, unter Leitung des königl. Musik-Directors Herrn Franz Weber.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "69", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590226-01.1.5", "debut_caractere": 1930, "fin_caractere_exclue": 5135, "texte": "Schiller-Concert des kölner Männer-Gesangvereins\nim grossen Gürzenichsaale,\nunter Leitung des königl. Musik-Directors Herrn Franz Weber.\nDonnerstag, den 17. Februar 1859.\nDer kölner Männer-Gesangverein hat in diesem Win-\nter keine Abonnements-Concerte veranstaltet, dagegen\ndurch das Monster-Concert am 17. d. Mts. ein glänzendes\nZeu gniss seines Wirkens und Strebens gegeben, wobei er\nzugleich seinen so oft und so erfolgreich bewährten Sinn\nfür Unterstützung vaterländischer Zwecke von Neuem of-\nfenbarte, indem er den Ertrag des Concertes für den Ver-\nein bestimmte, der in Marbach, dem Geburtsorte Schiller's,\ndem Dichter ein Denkmal errichten will.\nDer Verein hatte nicht nur hiesige, sondern auch aus-\nwärtige berühmte musicalische Kräfte zur Mitwirkung ver-\nanlasst, so dass das Programm ein sehr reiches, ja, über-\nreiches war. Unter den sechszehn Nummern desselben\nbefanden sich an grösseren Instrumental- und Vocal-Wer-\nken K Kies' Ouvertüre zu Don Carlos, Violin-Concert\nvon F. Mendelssohn-Bartholdy, Romanze und Rondo\naus Chopin's Clavier-Concert inE-moll, Schiller's Dithy-\nrambe für Soli, Männerchor und Orchester von Julius\nRietz, das zweite Finale aus Wilhelm Teil von Rossini\nund Mendelsso hn's Festgesang „An die Künstler\".\nBerichten wir ferner, dass Fräulein Bochkoltz-Fal-\nconi die Cavatine aus Semiramis von Rossini, die Sici-\nliana von P ergolese und die glänzenden Variationen sang,\ndie Hummel für die Malibran geschrieben; dass Herr\nConcertmeister Ferdinand David aus Leipzig ausser\ndem genannten Concerte noch sein Andante und Scherzo\ncapriccioso spielte, Herr J. All fei d vom hiesigen Stadt-\ntheater Mozart's „0 Isis und Isiris\" sang und der Männer-\nGesangverein ausser den erwähnten Sachen mit grossem\nOrchester noch fünf Lieder ohne Begleitung vortrug so\nwird man gestehen, dass das Publicum nicht mehr verlan-\ngen konnte. Dass es aber im gedrängt vollen Saale und\nder Galerie mit gespannter Theilnahme den Vorträgen\nfolgte (nur ein kleiner Theil verliess beim Beginn des letz-\nten, oft gehörten Stückes „An die Künstler\" den Saal)\nund sie mit rauschendem Beifall begleitete, war eine deut-\nliche Kundgebung der Befriedigung desselben durch die\nTreft lichkeit der Leistungen.\nAuch war die Anordnung des Programms recht\nzweckmässig und sinnig, indem die vier Werke, zu denen\nSchiller'sche Poesie die Tonsetzer veranlasst hatte, Anfang\nund Ende jeder Abtheilung bildeten: in der ersten Ries'\nOuvertüre zu Don Carlos und Rietzes Dithyrambe, in der\nzweiten Rossinis Rütii-Scene aus Wilhelm Teil und Men-\ndelssohn's testgesang au( die schöne Mahnung Schiller's\nan die Künstler: „der Menschheit Würde zu bewahren,\ndie in ihre Hand gegeben.\"\nVon den Solo-Vorträgen nahmen diejenigen des Fräu-\nleins Anna Bochkoltz-Falconi die erste Stelle ein.\nWir haben uns über die eminenten Eigenschaften dieser\nGesanges-Künstlerin bereits wiederholt ausgesprochen, und\nfügen dem Gesagten nur bei, dass ihre Leistungen in dem\nConcerte am 17. d. Mts. in den verschiedensten Gattun-\ngen— Cavatine aus Rössings Semiramis, einst einer Glanz-\npartie von Henriette Sontag, Siciliana von Pergolese und\nauf allgemeinen Wunsch Wiederholung der Hummerschen\nVariationen unser Urtheil in hohem Grade befestigt"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "70", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590226-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2400, "texte": "haben. Fräulein Falconi riss natürlich zu begeistertem Ap-\nplaus und wiederholtem Hervorruf hin.\nHerr Concertmeister David spielte Mendelssohn's\nViolin-Concert mit Ton und Vortrag, nur schien uns der\nletztere im ersten Allegro zuweilen etwas manierirt, zumal\nbei einigen Ritardando- und Diminuendo-Stellen, in denen\ndas Pianissimo uns an jenen Hornisten erinnerte, der zu-\nletzt, um es dem Dirigenten recht zu machen, gar nicht\nblies und damit endlich dessen Zufriedenheit erlangte.\nFreilich trug unser Standpunkt wir meinen den mate-\nriellen, der etwas weit nach hinten hin in den langen Saal\nfiel und desshalb vielleicht einige Aehnlichkeit mit dem\nüberwundenen\" haben mochte—wohl hauptsächlich die\nSchuld, dass uns vieles entging, das wir von unseren hie-\nsigen Violinisten voriger und gegenwärtiger Zeit klangvoll\nund eindringlich zu hören gewohnt sind. In einem kleine-\nren Salon bemerkten wir indess an Herrn David's Spiel\nkeineswegs einen Mangel an kräftigem Strich, müssen aber\nwünschen, dass er den Ton nicht forcire, indem dabei die\nmateriellen Mittel, wodurch er hervorgebracht wird, sich\nzu sehr bemerklich machen.\nHerr Breunung spielte die zwei letzten Sälzc aus\nChopin's E-moll-Concert ganz trefflich; dass von den fei-\nneren Nuancen in der Romanze und selbst von der glän-\nzenden Bravour im letzten Satze den entfernter Sitzenden\nManches verloren ging, war die Folge des Locals, das für\nalle Solo-Instrumente und besonders für den Flügel zu\ngross ist.\nDer kölner Männer-Gesangverein bewährte\nKraft und Schwung in den grossen Chorgesängen mit In-\nstrumental-Begleitung und behauptete seine alte Meister-\nschaft im Ausdruck des Zarten, Gefühlvollen und Anmu-\nthigen in den Liedern ohne Begleitung, wobei auch bei\nden Solostellen die angenehme, echt lyrische Tenorstimme\ndes Herrn Göbbels aus Aachen und die sonore Bass-\nslimme des Herrn All fei d von hier (Arie „O Isis! ) rtcht\nschön zur Geltung kamen. Die Lieder wurden alle lebhaft\napplaudirt; „Die Wacht am Rhein\", componirt von Mu-\nsik-Director Wilhelm in Crefeld, rief einen patriotischen\nBeifallssturm hervor, der die Sänger zur Wiederholung\nder beiden letzten Strophen nöthigte.\nHerr Musik-Director Weber leitete das Ganze mit\ngewohnter Energie und Tüchtigkeit. Lr und der Vorstand\nhaben sich sehr verdient um die gute Sache gemacht. Die\nEinnahme muss bedeutend gewesen sein, da das Local in\nallen seinen Räumen ganz gefüllt war."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-02-26-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-02-26_01#c009", "volume": "bmtnabi_1859-02-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "70", "page_fin": "71", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590226-01.2.7", "titre_corps": "Siebentes Gesellschafts-Concert in Köln im Hauptsaale des Gürzenich.", "titre_sommaire": "Siebentes Gesellschafts-Concert in Köln im Hauptsaale des Gürzenich.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "70", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590226-01.1.6", "debut_caractere": 2402, "fin_caractere_exclue": 5597, "texte": "Siebentes Gesellschafts-Concert in Köln\nim Hauptsaale des Gürzenich.\nDinstag, den 22. Februar 1859.\nProgramm. Erster Theil: 1) Ouvertüre zu den Abenceragen\nvon Cherubini; 2) Arie aus der Oper Aetius von G. F. Händel,\ngesungen von Herrn Jul. Stockliausen; 3) ~lch lasse dich nicht\nzweichörige Motette von J. Christoph Bach; 4) Concert für\nPianoforte mit Orchester (I. Satz), componirt und gespielt von\nHerrn Aug. Dupont, Professor am Conservatoire zu Brüssel; 5)\nArie aus La Fete du village von Boieldieu, gesungen von Jul.\nStockhausen; 6) La Pluie de Mai und Staccato perp&uel, com-\nponirt und gespielt von Aug. Dupont; 7) Lieder von F. Schu-\nbert, gesungen von J. Stockhausen. Zweiter Theil: Die\nneunte Sinfonie von L. van Beethoven.\nWie man sieht, war die Hälfte des Concertes dieses Mal aus-\nnahmsweise den Vorträgen einzelner Künstler gewidmet, was\ndurch das zum Theil zufällige Zusammentreffen der Herren Dupont\naus Brüssel und Stockhausen aus Paris in Köln, der westlichen\nPforte des musicalischen Deutschlands, veranlasst wurde. Wenn-\ngleich wir nicht wünschen, dass dies zur Regel werde, so war doch\ndie diesmalige Ausnahme nicht nur vollkommen gerechtfertigt, son-\ndern die Abonnenten müssen und werden sicher der Direction sehr\ndankbar sein, dass sie ohne pedantisches Zögern die Gelegenheit er-\ngriffen hat, ihnen den seltenen Genuss der Vorträge von Künstlern\nzu verschaffen, die den höchsten Hang in ihiem Fache einnehmen.\nWenn die Virtuoserei in ihrer Ausartung mit Fug aus den Concert-\nsälen, wo man die Tonkunst um ihrer selbst willen pflegt, verbannt\nwird, so ist dagegen die künstlerische Virtuosität vollkommen be-\nrechtigt, darin aufzutreten, denn sie ist ebenfalls ein Product der\nVereinigung von Genie und Arbeit, worauf alle wirklichen Kunst-\nleistungen beruhen.\nDie Ouvertüre von Cherubini wurde mit Feuer und zugleich mit\nfeiner Nuancirung ausgeführt. Leider machte sich aber schon hier\nein Mangel reiner Stimmung fühlbar, der in der Sinfonie in der\nzweiten Abtheilung, als die Strömungen der künstlich und natürlich\nerwärmten Luft ihre volle Wirkung geäussert hatten und mit den\nkalten Zugwinden in Kampf geriethen, die aus der geheimnissvollen\nAeolshöhle hinter dem Orchester herzublasen pflegen, noch auffal-\nlender wurde.\nDie Motette von J. Chr. Bach verlor sehr durch die Weglassung\ndes mittleren Satzes,—ein Verfahren, das unter keiner Bedingung bei\neinem solchen Concert-Institute wie das hiesige zu billigen ist. Was\nman von Chor- oder Orchestersachen aufführt, gebe man ganz; sind\nGründe zur Verkürzung vorhanden, so lasse man das Ganze weg,\naber nicht dessen in diesem Falle sogar beste Hälfte. Im\nChor selbst können doch die Gründe der Auslassung nicht gelegen\nhaben, wie die vortreffliche Ausführung des weit schwierigeren\nSanctus von J. S. Bach durch den Sing-Verein neulich erst gezeigt\nhat. Geht aber die Festsetzung von Chorstücken für das Concert\ndiesem nicht so lange vorher, dass sie gut eingeübt werden können,\nso ist das unrecht von Seiten der Direction.\nVon Herrn Dupont haben wir schon in Nr. 7 dieses Blattes\ngesprochen. Sein öffentliches Auftreten hat ihn als den in jeder Hin-\nsicht ausgezeichneten Künstler gezeigt, den wir schon längst in ihm"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590226-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2941, "texte": "erkannt hatten. Das neue Concert, von dem er leider nur den ersten\nSatz zu Gehör bringen konnte (auch eine Anomalie! Mit der Zeit\nbekommen wir vielleicht ä la Conservatoire-Publicum in Paris nur\neinzelne Brocken zu hören!), das wir aber in der musicalischen Ge-\nsellschaft vollständig gehört hatten, steht als Composition hoch über\nden gewöhnlichen Producten von Virtuosen. Der erste Satz ist in-\ndess am wenigsten originel in der Erfindung und hat zum Theil\nMendelssohn sehe Physiognomie was uns übrigens zehn Mal lie-\nber ist, als wenn er die verzerrten Züge der neuesten Grimassiers\ntrüge. Allein Form und Arbeit sind klar und schön, das Orchester\nist symphonisch behandelt, aber das Concert-Instrument tritt überall\nlichtvoll hervor und gibt dem Spieler reichliche Gelegenheit, sich\nsowohl im Ausdrucke des Zarten und Anmuthigen, als des Kräftigen\nund Heroischen zu zeigen. In letzterer Hinsicht enthält das Concert\nSchwierigkeiten, bei deren Ausführung Dupont in Sicherheit, Deut-\nlichkeit, Reinheit und Rapidität, wobei andauernde Octaven-Passagen\n(nicht bloss Octaven-Tonleitern) so klingen, als wenn jede Hand sie\neinfach machte, eine so vollendete technische Meisterschaft offen-\nbarte, dass sie sicher nur selten ihres Gleichen finden dürfte; über-\ntroffen aber wird sie wohl von keinem Ciavierspieler unserer Zeit.\nDas Staccato aus dem Handgelenk ist die besondere virtuose Spe-\ncialität des Künstlers, und der Vortrag seines Staccato perpeluel,\neines zum Zweck derselben sehr hübsch componirten Bravourstückes\nfür den Flügel allein, erregt Staunen und klingt doch noch lange\nnicht so schwer, als es zu spielen ist. Herr Dupont hat bei uns\neinen vollständigen Erfolg gehabt, der um so höher anzuschlagen\nist, als der grosse Saal im Gürzenich dem Clavierspiel keineswegs\ngünstig ist. Auf allgemeinen Wunsch wird er ein besonderes Con-\ncert im Theater (Freitag, den 25. d, Mts.) geben.\nUeber Herrn Julius Stock hausen, der durch seine meister-\nhaften Gesang-Vorträge das überaus zahlreiche Publicum wahrhaft\nentzückte, behalten wir uns einen besonderen Artikel in der näch-\nsten Nummer vor.\nDie Aufführung der neunten Sinfonie stand dieses Mal ge-\ngen die früher hier gehörten in vielen Stücken zurück; auch in\nmusicalischen Dingen gilt Schiller's Wort:\n„Denn mit des Geschickes Mächten\nIst kein ew'ger Bund zu flechten.\"\nDennoch machte im letzten Satze der Chor seine imposante Wir-\nkung wie gewöhnlich, uns kam es indess vor, als wäre unsere Or-\nchesterstimmung seit einigen Jahren noch um ein Komma höher\ngeworden. Der sonderbare Versuch, die vier Solostimmen durch\nzwölf an jeder Stimme drei Solisten zu besetzen, hat sich\nnicht bewährt, was übrigens vorauszusehen war. Der Gegensatz von\nvier Solostimmen gegen den vollen Chor ist ein ganz anderer, als\nder eines kleinen Chors gegen den grossen, abgesehen von den\nSchwierigkeiten egaler Ausführung und von dem fast komischen\nEindrucke, den das Tenor-Solo von drei Stimmen macht."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-02-26-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-02-26_01#c010", "volume": "bmtnabi_1859-02-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "71", "page_fin": "72", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590226-01.2.8", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590226-01.1.7", "debut_caractere": 2943, "fin_caractere_exclue": 7249, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nAm 16. d. Mts. hatte der Vorstand des städtischen\nSing-Vereins eine öffentliche Sitzung veranstaltet, in welcher\nmit Clavier-Begleitung der erste Theil von Mendelssohn's Ora-\ntorium „Elias\", das Salve Regina von Hauptmann, das Sanctus\nund Osanna aus der grossen H-moll-Messe von J. Seb. Bach unter\nLeitung des Dirigenten des Vereins, Herrn Ferdinand Breu-\nnung, aufgeführt wurden. Dass unsere Gesang-Vereine auch ausser\nder gemeinsamen Mitwirkung in den Concerten zuweilen besondere\nAufführungen veranstalten, ist eine lobenswerthe und für den Eifer\nund das Studium des Chorgesanges sehr zweckmässige und fordernde\nSitte. Während das Ausschliessliche, das so vielen Vereinen in an-\ndeien Städten zu eigen ist und leider nur zu oft durch Eifersüchte-\nleien die Harmonie zur Disharmonie macht, hier nicht existirt; da\nalle Kielfte bei den Gesellschafts-Concerten und anderen grossen\nAufführungen zusammenwirken, muss der Kunstfreund die öffent-\nlichen Sitzungen eines besonderen Vereins willkommen heissen, weil\nsie ihm einen Blick in das Wesen und den Geist, der darin herrscht,\nöffnen und auf die Art und Weise der Leitung und auf die Theil-\nnähme und den Fleiss der Mitglieder ein helles Licht werfen.\nWer aus eigener Erfahrung weiss, mit wie vielen Mühen die Lei-\ntung von Dilettanten-Vereinen verbunden ist, die gerade da, wo vor-\nzügliche Kräfte vorhanden sind, oft am schwierigsten ist, der wird\ndem städtischen Sing-Verein Glück wünschen zu der Sorgfalt und\numsichtigen Verfahrungsweise, zu dem ernsten Streben und zu der\neifrigen Thätigkeit, welche Herr Breunung neben den übrigen Eigen-\nschaften eines tüchtigen Musikers und ausgezeichneten Clavierspie-\nlers als Dirigent des Vereins entwickelt. Den besten Lohn dafür\nkann ihm der Verein durch vollständiges Eingehen in seine Inten-\ntionen zollen, die auf sichere künstlerische Ausbildung, nicht bloss\nauf musicalische Unterhaltung ausgehen. Und in der That, nach der\nPräcision und dem Schwung zu urtheilen, mit welchen so ernste\nund schwierige Stücke, wie die zwei Sätze aus Bach's grosser Messe,\nausgeführt wurden, muss die Theilnahme der Mitglieder an den\nUebungen wenigstens in der letzten Zeit eine recht zahlreiche und\neifrige gewesen sein. Möge sie es immer bleiben, dann werden auch\nfeinere Abstufungen des Ausdrucks, wie sie z. B das Salve Regina\nverlangt, noch mehr zur Geltung kommen. Uebrigens erklären wir\ngern, dass eine grosse Freude an der Kunst dazu gehört und Köln\ndarin wahrlich zum nachahmenswürdigsten Beispiele angeführt wer-\nden kann, wenn während des ganzen Winters wöchentlich am Mon-\ntag Akademie, am Mittwoch städtischer Sing-Verein, am Freitag\nChorprobe für die Concerte, ausserdem alle 1-1 Tage Hauptprobe für\ndie Concerte Statt finden und alle diese Versammlungen immer von\nDamen und Herren der besten Gesellschaft besucht werden! In\nFrankreich und Belgien z. B. wäre das ein Ding der Unmöglichkeit.\nDass sich bei Gelegenheit einer öffentlichen Aufführung wie die\njetzige auch Solostimmen, und zwar recht hübsche, aus der Mitte\ndes Vereins produciren und dadurch Ermunterung zu weiterer Aus-\nbildung erhalten, ist ebenfalls von grossem Nutzen für die Fort-\nschritte der musicalischen Zustände überhaupt.\nAm 24. d. Mts. gab Fräulein Christine Sauset von hier,\nfrüher Schülerin des hiesigen Conservatoriums, eine recht besuchte\nSoiree im Hotel Disch, worin sie sich durch den Vortrag einiger\nEnsemblestücke aus dem Nachtlager von Granada von Kreutzer und\naus Weber's Euryanthe im Verein mit den Herren Wolters (Te-\nnor) und Tho s s (Bariton), ferner der Cavatine der Alice aus Ro-\nbert und zweier Lieder von Schumann und Dietrich viel Bei-\nfall erwarb. Herr Musik Director Ed. Franck hatte die Gefällig-\nkeit, einige allerliebste Salonstücke für Pianoforte von seiner Com-\nposition vorzutragen.\nIm Theater waren Meyerbeer's „Hugenotten'' mit Fräul. Boch-\nkoltz-Falconi als Valentine, Fräul. Schröder Königin, Frau\nL' Arronge Page, Herr Hoffmann Raoul, Herr Allfeld Mar-\nceil. Fräul. Falconi ist ausserdem als Norma und Donna Anna auf-\ngetreten, und die eminente Concertsängerin hat gezeigt, dass sie\nauch im Fache des dramatischen Gesanges noch immer mit vielen\ngefeierten Grössen um den Preis ringen kann. Die Kunst, mit wel-\ncher sie namentlich in den Hugenotten in dem Duett mit Marcel"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590226-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4374, "texte": "die höchsten Töne durch verwandte nicht bloss zu ersetzen, sondern\ndurch feine und sehr geschmackvolle Coloratur sogar zu Gunsten\nder Composition zu ergänzen wusste, war wahrhaft bewunderns-\nwerth. Auch das hiesige Personal leistete recht Braves, Herr Hoff-\nmann war in Gesang und Spiel ganz ausgezeichnet und erinnerte\nsehr an Niemann; auch Herr Allfeld verdient alles Lob, und die\nganze Vorstellung wäre eine recht gute gewesen, wenn das Haupt\nder Verschwörer, der Marquis de St. Bris, die düstere Farbe seiner\nRolle nicht gar zu disharmonisch aufgetragen hätte.\nMan schreibt uns aus Leipzig, dass das Violin - Quartett\nvon unserem jungen Landsmanne, Herrn Max Bruch, welches m\neinem der letzten Quartettcirkel des Herrn Concertmeisters David\nund Genossen im Gewandhause aufgeführt worden, allgemeinen Ei-\nfolg gehabt hat, nnd dass es seit langer Zeit die erste neuere Com-\nuosition gewesen sei, die dort entschiedenen Beifall gefunden.\n21. Febr. Wie wir vernehmen, ist Herr Musik-Di-\nrector C. Reinecke von den verschiedenen musicalischen Instituten\nin Breslau an die Stelle des verstorbenen Musik-Directors Mose-\nwiu.s gewählt worden, und läge die letzte Entscheidung beieits dem\nMinisterium vor. Es würde somit in Kurzem die Musik-Director-\nSteile in Barmen erledigt werden.\nl7. Februar. Die Violin-Virtuosin Rosa d'Or hat\nhier am 8. d. Mts. mit grossem Erfolg ein Concert gegeben und\nhatte sich der besonderen Anerkennung und Auszeichnung des Dr.\nLiszt und des Theater-Intendanten Dingelstedt zu erfreuen. Einen\nbedeutenden Ruf hat sich die jugendliche Künstlerin bereits auf\nihrer Reise durch Italien, die Schweiz und Oesterreich erworben.\nObwohl eine geborene Venetianerin, hat sie ihre Ausbildung im\nprager Conservatorium erhalten, besitzt eine vorzügliche Technik,\nverbunden mit vollem Tone und seltener Reinheit im Spiel, wie sie\ndurch den Vortrag des sechsten Concertes von de Beriot und Vieux-\ntemps' Reverie und Fantaisie Caprice bewies.\nDie Erläuterung von Schumann's „Paradies und Peri\"\nvon Herrn Grafen Laurencin ist zuerst im vorigen Jahre als Be-\nsprechung oder vielmehr als Apologie der genannten Cantate in einer\nhiesigen Musik-Zeitung veröffentlicht worden. Wenn wir die kleine\nSchrift eine Apologie nennen, so ist damit hinlänglich angedeutet,\nwas sie den eingefleischten „Schumannianern\" werth machen muss\nund was sie der eigentlichen kritischen Besprechung entzieht. Doch\nmuss die Begeisterung, mit welcher der Verfasser sich seiner Auf-\ngabe unterzieht, die volle Hingabe an den würdigen Gegenstand sei-\nner Darstellung die Theilnahme und Anerkennung jedes Musikers\nund jedes musicalisch fühlenden Laien in hohem Gräde erwecken.\nDer hiesige Sing-Verein (unter Herbeck's Leitung) hat an\nder Sing-Akademie (unter Stegmayer) den Vorschlag gemacht,\nHänders hundertsten Todestag, den 14. August 1859, gemeinsam\nzu feiern. Die Sing-Akademie hat sich bedingungsweise dazu bereit\nerklärt, wenn nämlich die Feier auf einen für Concerte günstigeren\nZeitpunkt verlegt, die Mitwirkung sämmtlicher musicalischer Vereine\nWiens gesichert und ein neutraler Dirigent des Ganzen erwählt\nwürde.\nDie dritte Aufführung der „Rose von Castilien\" fand vor einem\nhalbgefüllten Hause Statt und war von ziemlich zweideutigem Bei-\nfall begleitet, von jenem Beifall, an dem sich weder die Logen noch\ndas Parterre, noch der ~vierte Stock\" betheiligen, und den man bloss\nvernimmt, ohne recht zu wissen, aus welchem Winkel des Zuschauer-\nraumes er ertönt.\n„Lohengrin\" erlebte am 11. d. Mts. seine zwanzigste Aufführung*\nDie Theilnahme des Publicums für dieses Werk ist sich gleich ge-\nblieben. Herr Mayerhofer singt die allerhöchsten Recitative des\ndeutschen Königs mit sehr energischem Ausdrucke.,\nlionctoaft. Mendelssohns fünfzigjähriger Geburtstag ist\nhier, wie zu erwarten stand, wenigstens quantitativ in grossartigster\nWeise gefeiert worden. Die zweite Aufführung (in diesem Winter)\ndes ,jPaulusa durch die Sacred Harmonie Society am 28. Januar\nbildete eine Art Vorfeier. Am festlichen Tage, dem 3. Februar, folgte\ndaselbst der „Elias\" unter Costa's Leitung; in St« Martin's Hall\nwurden, Mendelssohn zu Ehren, die Ouvertüren zum ~Sommern-\nachtstraum'4 und zu „Ruy Blas\", das Ciavier- Concert in U-moll\n(Nr. 2), gespielt von Herrn Pauer, und die aufge-\nführt. Endlich kündigt noch nachträglich der Violin-Virtuose Wie-\nniawski auf den 14. Februar eine »Mendelssohn-Night\" an."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "65", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590226-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDas Geheimniss der neuesten Schule der Musik von E. Sobolewsky. Von Bernhard Scholz Zwei Stellen aus\nLiszt's „Idealen\". Von S. & B. Aus Basel (Abonnements-Concerte). Von —n. Musicalische Zustände in Speyer. Von V. Schil-\nler-Conccrt des kölner Männer-Gesangvereins. Siebentes Gesellschafts-Concert im grossen Gürzenichsaale zu Köln. —Tages- und Un-\nterh altungsbJ att (Köln, Städtischer Sing-Verein, Fräul. Christine Sauset, Theater, Max Bruch Barmen Weimar Wien).\n\nDas Geheimniss der neuesten Schule der Musik\nvon E. Sobolewsky.\n\nUnter diesem Titel ist im Jahre des Heils 1859 ein\nkleines, sehr hübsch gedrucktes Büchlein erschienen. Wenn\nich gleich kein Freund jener Schule bin, die sich von den\nanderen hauptsächlich dadurch unterscheidet, dass nichts\nin ihr zu lernen ist, so war ich doch recht begierig, das\nGeheimniss kennen zu lernen, welches uns durch diese\nSchule offenbart werden soll. Ich kaufte also besagtes\nBüchlein; es ist mir aber beim Durchlesen desselben selt-\nsam genug ergangen. Vor Allem habe ich bereits auf der\nersten Seite und später noch öfter daraus entnommen,\ndass Herr Sobolewsky die Be rl in er Kritischen Briefe\nüber die Tonkunst (1760) gelesen hat, und mich recht\nsehr an dem Wohlgefallen des genannten Herrn über seine\neigene Belesenheit erbaut. Dann habe ich noch Gelegen-\nheit gehabt, eine Menge besonders neuer Dinge in dem\nSchriftchen zu entdecken, von denen weiter unten einige\nangeführt werden sollen. Nur das Geheimniss der\nneuesten Schule blieb mir bis gegen Ende das, was\nes war ein Geheimniss. Da fand ich auf der vorletzten\nSeite die Worte: „Was ist denn nun wohl das Geheim-\nniss der neueren Schule?\" (Herr Sobolewsky hat ganz\nHecht, wenn er von seinen Lesern bis dahin voraussetzt,\ndass Keiner von allen auch nur eine Ahnung von der Lö-\nsung dieser Frage habe.) Darauf erfolgt dann die Antwort:\n„Sie muss mehr wissen, als diejenige, welche sich heute\ndie ältere nennt.\" Dieser goldene, inhaltschwere Satz ist\nnatürlich mit gesperrter Schrift gedruckt. Zur Erläuterung\nfügt nun Herr Sobolewsky die Anforderungen bei, die er\nan die Jünger der neuesten Schule stellt; es sind genau\ndieselben, welchen auch bisher jeder ordentliche, schaffende\nMusiker entsprechen sollte, und welchen, wenn man von\nden Werken auf ihre Urheber schliessen darf, die Anhän-\nger der neuesten Hichtung am allerwenigsten zu entspre-\nchen vermögen. Es ist daher in doppelter Beziehung son-\nderbar, dass Herr Sobolewsky von denselben verlangt oder\nsagt, sie müssten mehr wissen, als die Jünger der alten\nSchule. Den Schluss der Broschüre bilden die denkwürdi-\ngen Worte: „II est impossible, que tous les esprits pren-\nnent la meme direction (man sieht, Herr Sobolewsky ver-\nsteht auch Französisch): leur marche differe comme le vol\ndes oiseaux Alle aber schwingen sich nach oben, der\nSonne entgegen, und huldigen dem ewigen Axiom: Har-\nmonie!\" —d. h. mit anderen Worten: singe und schreibe\nJeder so gut und so schlecht er kann und mag: es ist\nAlles gut!\n„Harmonie\" ist das letzte Wort des Herrn Sobo-\nlewsky; er muss es—wie man wiU— sehr viel und sehr\nwenig lieben, denn er missbraucht es an zahllosen Stellen\nseines Büchleins. Da lesen wir unter Anderem: „Jede\nGestalt hat Form; diese, sei sie, welche sie wolle, ist\ngut, wenn ihre Theile in einem harmonischen Verhält-\nnisse stehen.\" Wenngleich Herrn Sobolewsky für seine\nEntdeckung, dass jede Gestalt Form habe, Dank gebührt,\nso muss ich doch gestehen, dass ich nach seiner Erklä-\nrung, wann eine Form gut sei, gerade so klug wie vorher\ngewesen bin. Herr Sobolewsky möge doch die Güte ha-\nben, näher zu erklären, was er unter der „Harmonie\nder Theile einer Form\" versteht, und ob vielleicht\nnach seiner Meinung auch die Theile einer symphonischen\nDichtung von Liszt in einem harmonischen Verhältnisse\nstehen. Eben so nichtssagend und albern ist uns der darauf\nfolgende Satz erschienen: „Jede Verbindung von Tönen\nist richtig, wenn sie unter sich und in Bezug auf das Vor-\nhergehende und Nachfolgende in einem harmonischen\nVerhältnisse stehen; ob sie in der Accordenlehre zu finden\noder nicht, ist gleichgültig!\" Durch den letzten Zusatz\nscheint Herr Sobolewsky sogar jede Gesetzmässigkeit für\ndie Accordenfolge zu läugnen. Für die Vocal-Composition\nweiss Herr Sobolewsky ebenfalls nichts Weiteres als den"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590226-01.1.2", "texte": "Gemeinplatz anzuführen, dass es auch hier wieder auf die\nHarmonie ankomme, in welcher Text und Musik stehen\nmüssen. Er zieht Pag. 26 erschrecklich gegen schlechte\nDeclamation zu Felde, als ob ihm da Jemand widerspre-\nchen wollte, fürchtet jedoch dennoch (Pag. 27), missver-\nstanden zu werden, und gibt eine Anweisung, wie er ver-\nstanden sein will. Daraus verdient denn, und wäre es nur\nwegen des Stils, folgender Ausspruch hervorgehoben zu\nwerden: „Wir müssen in unserer Scala bleiben, die uns\nwenn auch nicht angeboren denn die alten Griechen\nhatten und einige wilde Völker haben eine andere Scala,\nso, dass deren Gesänge ein Europäer eben so wenig auf\nNoten setzen kann, als den Gesang einer Lerche oder\nNachtigall —, dies heisst aber nicht, du hast das Recht,\ndie Sylben, welche man beim Sprechen als lange fühlt,\nauf schlechte Tacttheile zu stellen, oder das Wort, wel-\nches einen Accent hat, nicht durch einen geeigneten Ton\nhervorzuheben.\" (!!)\nEs sei genug! Wer mit Sobolewsky empfinden will,\nwie sich der erste Keim der Musik als: „Ich fühle\",\näussert, und dieses Gefühl, sofern es ein kräftiges ist, gleich\neinem magnetischen Fluidum die Nerven durchwogt und\nsich sodann „natürlicher Weise durch den Kehl-\nkopf entläd\", der möge 27 Kreuzer an Herrn Sobo-\nlewsky's Schrift hängen und sie wo möglich ganz durch-\nlesen. Wen die Schrift nicht zu erleuchten und zu beleh-\nren vermag, den wird sie doch sicherlich für 27 Kreuzer\namusiren.\nNürnberg, den 18. Februar 1859.\n\nBernhard Scholz.\n\nZwei Stellen aus Liszt’s „Idealen“.\n\nWir geben diese Stellen als Beitrag zur Lösung der in der Neuen Zeitschrift für Musik ausgeschriebenen Preis-\nfrage über die Erweiterung der Harmonik durch die neueren Meister. Da eine Beispiel-Sammlung ein treff-\nliches Material für die Preisbewerber sein wird, so werden ähnliche Einsendungen, wie die gegenwärtige, willkommen\nsein. Wir sind gern bereit, den Zweck, die Fortschritte der neueren Harmonik zur Evidenz zu bringen, nach Kräften\nzu fördern."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "67", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590226-01.1.3", "texte": "Wir können unseren Lesern alles Ernstes versichern, dass sich diese Stellen in der symphonischen Dichtung . Die\nIdeale\" von Liszt wirklich vorfinden.\n\nS. & B.\n\nAus Basel.\nn.\nDen 16. Februar 1859.\nDie hiesigen Abonnements-Concerte nehmen unter\ndenjenigen der schweizerischen Hauptstädte, sowohl in Be-\ntreff der Orchester-Leistungen als auch hinsichtlich der\nMitwirkung fremder Kunst-Notabilitäten, unbestritten den\nersten Rang ein; ja, es dürfte im benachbarten Süd-\ndeutschland wenig grössere Städte geben, in denen eine\ngleiche Anzahl gediegener Concerte zu Stande kommt, wie\ngerade in Basel.\nNoch in keiner Saison waren diese Abonnements-Con-\ncerte so stark besucht, wie in der diesjährigen, deren Aus-\nstattung vorzugsweise durch die Mitwirkung der Frau\nNissen-Saloman eine glänzende wurde. Die geschätzte\nKünstlerin trat in vier Concerten auf, in denen sie durch\nihr eben so reichhaltiges als werthvolles Repertoire, das\nsich über alle Gebiete der Kunst von der Kirchen-Arie\ndes Stradella bis zu Verdi's Traviata ausdehnt, und durch\nihre hervorragenden Leistungen dem kunstsinnigen Publi-\ncum eine Reihenfolge mannigfaltiger und ausgezeichneter\nGenüsse bot. Vor ihr traten in mehreren Concerten Fräul.\nRutschmann und Frau Rieder-Schlumberger auf;\nerstere eine gute dramatische Sängerin, seither leider ge-\nstorben; letztere eine Repräsentantin der französischen\nSchule und speciel Coloratur-Sängerin. Sodann die am\nRheine so gefeierte Fräul. Auguste Brenken, von der\nvorjährigen Saison her bei uns in gutem Andenken stehend.\nAuffallend war in diesem Winter das Ausbleiben von Vir-\ntuosen, die früher auf ihren Kunstreisen nach Süddeutsch-\nland Basel stets zu berühren pflegten.\nDas Orchester leitete mit gewohnter Sicherheit Herr\nMusik-Directorßeiter, dem Basel sein musicalisches Auf-\nblühen ausschliesslich zu verdanken hat. Ausser den her-\nvorragendsten Werken von Beethoven, Mozart, Haydn,\nSchubert und Schumann gelangten zwei neue Sinfonieen\nzur Aufführung: „Der Ocean\" von Rubinstein, ein\nWerk, das zwar in seinen Einzelheiten anspricht, im\nGanzen jedoch kaum einen tiefer gehenden Eindruck zu\nhinterlassen im Stande ist, und eine Manuscript-Sinfonie\nunseres Concertmeisters Höfl, die, leicht fasslich, allge-\nmein ansprach. Das reiche Gebiet der Ouvertüren war\nvertheilt unter: Beethoven, Leonore, Fidelio; Cherubini,\nAnakreon und Medea; Cimarosa, Heimliche Ehe; Gluck,\nIphigenie; Mozart, Figaro und Schauspiel-Director; Men-\ndelssohn, Athalia und Melusine; Rossini, Teil und Elisa-\nbeth; Spohr, Jessonda; Spontini, Cortez; Weber, Eurvan-\nthe und Beherrscher der Geister. Neu war die unter Lei-\ntung des Componisten gespielte Ouvertüre zur Oper „Tor-\ndenskjold\" von Saloman. Von grösseren Ensemblestücken\nwurden aufgeführt; die Egmont-Musik, der dritte Act\naus Gluck's Iphigenie in Aulis, Beethoven's Meeresstille\nund glückliche Fahrt und das Lorelei-Finale von Mendels-\nsohn. Auf dem Gebiete der Kammermusik sind zu erwäh-\nnen das Nonett von Spohr, Mozart's Adagio für Clarinette\nund Hörner und das Trio-Concert von Beethoven. Die\neigentlichen Kammermusik-Soireen bleiben auf den Schluss\nder Concertsaison verlegt.\nIm Monat Juli wird das allgemeine schweizeri-\nsche Musikfest in Basel abgehalten werden, wofür be-\nreits einige Künstler ersten Ranges engagirt worden sind\nund womit gleichzeitig eine Händel-Feier wird verbunden\nwerden.\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590226-01.1.4", "texte": "Musicalische Zustände in Speyer.\n\nDen 12. Februar 1859.\nDie Hälfte des Winters oder, wie ein Grossstädter\nsagen würde, der Winter-Saison ist vorüber; da lässt sich\nschon über gesellschaftliches, musicalisches oder sonst\nkünstlerisches Leben einer Stadt ein Urtheil fällen und\nBericht erstatten. Hat auch das musicalische Leben\nSpeyer s mehr einen privaten als öffentlichen Charakter,\nso wird doch eine leidenschaftslose, das Gute anerkennende\nund das Mangelhafte oder Wünschenswerthe heraushe-\nbende Besprechung nicht nur keinen Anstoss finden, son-\ndern im Interesse sowohl der musicirenden Welt als des\ngeniessenden Publicums am Platze erscheinen. Im Ganzen\nwird in Speyer viel Musik getrieben, und gälte es, statisti-\nsche Notizen darüber zu geben, die Zahl der grösseren\nund kleineren Vereinigungen zu musicalischen Zwecken\nwürde immerhin für die Grösse unserer Stadt stattlich\ngenug ausfallen. Dom-Chor, protestantischer Kirchen-Ge-\nsangverein, Cäcilien-Verein, Liedertafel, Musik-Kränzchen,\ndaneben noch manche Privatcirkel für Männer-Quartette,\nOratorien, Streich-Quartette, und die musicalischen Pro-\nduetionen unserer studirenden Jugend das ist ja wohl\neine hübsche Summe von Vereinen und Gelegenheiten, die\nmusicalischen Kräfte und Talente zu entfalten und zu üben;\nund doch ist kein rechtes Leben, doch werden die vorhan-\ndenen Kräfte nicht gehörig benutzt, um etwas zu leisten,\nwas mehr ins Grosse und Allgemeine ginge und was die\nallgemeine Betheiligung aller Gebildeten in Anspruch\nnähme; doch ist alles Musiciren noch zu sehr auf einen\nkleinen Kreis von Theilnehmern und eben darum auch\nauf ein kleineres Gebiet der Musik selbst beschränkt. Wenn\nwir es unternehmen, Hoffnungen und Wünsche und un-\nsere Absicht auszusprechen, wie darin eine Aenderung\nzum Besseren einzuleiten wäre, so thuri wir es nur in\nUebereinstimmung mit manchen Aenderungen, die inner-\nhalb einzelner der oben genannten Vereine gerade in der\nletzten Zeit herbeigeführt worden sind, und mit Rücksicht\nauf diese Vereine.\nDie Privatcirkel liegen natürlich von selbst ausser un-\nserem Bereiche, aber auch der Dom-Chor und der prote-\nstantische Kirchen-Gesangverein kommen hier nicht in\nBetracht; sie dienen ihrem Zwecke und jeder aul seine\nWeise gut und zur Erbauung ihrer Glaubensgenossen\nbeitragend. Der protestantische Kirchen-Gesangverein\nhatte zwar noch vor einem Jahre neben dem Zwecke, die\nGottesdienste durch seine Gesänge zu verherrlichen, noch\nden weiteren, geistliche Oratorien der Gemeinde vorzufüh-\nren, und man denkt noch mit Dankbarkeit und Vergnügen\nan den den die heiligen Töne des Händel'schen\nMessias und des Mendelssohn'schen Psalmes gewährten.\nAber wir hören, dass der Verein diesen Zweck aufgege-\nben habe und auf die Kirchenchöre allein sich beschrän-\nken wolle. Freilich erfuhr er von Seiten der Gemeinde\nnicht die Unterstützung und Theilnahme, die er verdiente,\nund Mancher, der sich zu den Gebildeten zählt und von\nKunst und Musik zu reden weiss, folgte der so liberalen\nEinladung des Vereins zu seinen Productionen nicht und\nversäumte die Gelegenheit, so reine und edle, erhabene\nMusik zu hören, und zwar in einer wenn auch nicht voll-\nkommenen das ist ja bei keiner Dilettanten-Musik der\nFall—, aber in einer recht guten Ausführung. Wir müss-\nten es bedauern, dass dieser Verein seine grössere Auf-\ngabe nicht mehr verfolgt, und müssten den Wunsch aus-\nsprechen, er möge trotz der geringen Theilnahme seine\nArbeit im Gebiete der Oratorienmusik wieder aufnehmen,\nwenn nicht die Aussicht wäre, dass der Cäcilien-Verein\nmehr als bisher dieses Gebiet auch zu dem seinigen machte\nund so die Lücke ausfüllte, die jetzt in unserem musicali-\nschen Leben herrscht. Denn eine Lücke ist es wenn es\nauch Viele nicht glauben und noch Mehrere nicht begreifen\nwollen —, wenn in einer Stadt wie Speyer mit den da-\nselbst vorhandenen Kräften nicht die Oratorienmusik vor-\nzugsweise gepflegt wird, als die Musik, die gerade den Di-\nlettanten am leichtesten zugänglich und ausführbar, und\ndurch ihren meist biblischen Inhalt am würdigsten ist, ge-\nsungen zu werden. Es wird ja wohl für unsere Pfalz auch\nwieder eine Zeit kommen, da die Musikfeste solche Musik\nuns vorführen und uns aulfordern werden, sie zu pflegen.\nDoch wir haben schon angedeutet, dass die Lücke,\nvon der wir reden, durch den Cäcilien-Verein künftig\nmehr als bisher ausgefüllt werden soll. Dieser Verein ist\nleider zu wenig gekannt und unterstützt, und hält im\nGrunde nur durch die Begeisterung einiger weniger Mu-\nsikfreunde zusammen, die mit ihren kleinen Kräften im-\nmerhin noch genug leisten und den Mitgliedern des Ver-\neins von Zeit zu Zeit einen wirklichen Genuss bereiten. Er\nhat sich eine grosse, ja, für unsere gegenwärtigen Mittel\nfast zu grosse Aufgabe gestellt: Pflege der Vocal- und In-\nstrumental-Musik in allen ihren Gattungen. Wir hörten\nda früher Ouvertüren mit vollem Orchester, Oratorien\ndessgleichen, Trio's und Quartette der besten Meister, Lie-\nder und Ensemblesätze, ja, ganze Acte und Opern. Es gab\nZeiten, wie man uns erzählt, wo die Productionen recht\nwacker gingen und auch von verwöhnten Ohren angehört\nwerden konnten. Es gab aber auch Zeiten, wo es sich\nzeigte, dass man zu viel gewagt, und der Musikfreund\nwünschte manchmal ein mangelhaftes Orchester lieber ganz\nweg, um den meist gut geübten Gesang desto wohlthuen-\nder auf sich wirken zu lassen."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "69", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590226-01.1.5", "texte": "Blicken wir auf die Concerte dieses Winters zurück,\nund vorwärts auf das, was wir zu erwarten haben, so ist\neine weise und vernünftige Beschränkung wahrzunehmen.\nDas Cäcilien-Fest brachte uns eine Ouvertüre, einige Lie-\nder und Männer-Quartette und das Lied von der Glocke,\nvon Ciavier und mehrstimmigem Streich-Quartette beglei-\ntet. Weiter sollte man nicht gehen, wenn man einmal die\nMittel nicht hat, das ganze Orchester gut zu besetzen. Die\nViolinen, Celli und Bässe geben dem Chor Halt und Kraft,\nund wenn, wie das ja doch auch immer mehr durchdrin-\ngen wird, vorzugsweise Händersche Musik gewählt wird,\nso genügt dies bei der einfachen Instrumentation Händel's\nvollkommen. Auf gleiche Weise wurde die „Schöpfung\"\nvon Haydn aufgeführt, welche mit sehr grossem Beifalle\naufgenommen wurde.\nEine neue Kraft erhält der Cäcilien-Verein durch die\nLiedertafel, die mit ihm erst vor wenigen Tagen zu ge-\nrneinsamem Wirken sich verbunden hat, und die selbst\nerst in neuer Form aus dem früheren Liederkranze her-\nvorgegangen ist. Sie pllegt den Männergesang und vereint\ndie besten Kräfte unserer Stadt; ihre Mitwirkung bei den\nConcerten wird uns manchen Männerchor in möglichst\nvollendeter Form und dadurch in den Cäcilien-Verein\neinige Abwechslung bringen.\nWir glaubten diese Zeilen in so fern in diesen vielge-\nTfcl«\niesenen Blättern mittheilen zu müssen, als sich viele Städte\nin demselben Zustande befinden, wie die unsrige, und\ndieselben es eben so wenig wie wir zu wirklich befriedi-\ngenden künstlerischen Leistungen bringen werden, wenn\nsie nicht mit weiser Berücksichtigung ihrer Mittel sich auf\nein engeres Gebiet musicalischer Aufführungen beschrän-\nken und alle ihre Kräfte dazu vereinigen. Gesang-Vereine,\nwenn sie nicht bloss der Unterhaltung für den Augenblick\ndienen, sondern ein ernstes Ziel mit Beharrlichkeit verfol-\ngen, können unendlich viel für die musicalische Bildung\nund Veredlung der Kunstgenüsse wirken.\n\nV.\n\nSchiller-Concert des kölner Männer-Gesangvereins\nim grossen Gürzenichsaale,\nunter Leitung des königl. Musik-Directors Herrn Franz Weber.\nDonnerstag, den 17. Februar 1859.\nDer kölner Männer-Gesangverein hat in diesem Win-\nter keine Abonnements-Concerte veranstaltet, dagegen\ndurch das Monster-Concert am 17. d. Mts. ein glänzendes\nZeu gniss seines Wirkens und Strebens gegeben, wobei er\nzugleich seinen so oft und so erfolgreich bewährten Sinn\nfür Unterstützung vaterländischer Zwecke von Neuem of-\nfenbarte, indem er den Ertrag des Concertes für den Ver-\nein bestimmte, der in Marbach, dem Geburtsorte Schiller's,\ndem Dichter ein Denkmal errichten will.\nDer Verein hatte nicht nur hiesige, sondern auch aus-\nwärtige berühmte musicalische Kräfte zur Mitwirkung ver-\nanlasst, so dass das Programm ein sehr reiches, ja, über-\nreiches war. Unter den sechszehn Nummern desselben\nbefanden sich an grösseren Instrumental- und Vocal-Wer-\nken K Kies' Ouvertüre zu Don Carlos, Violin-Concert\nvon F. Mendelssohn-Bartholdy, Romanze und Rondo\naus Chopin's Clavier-Concert inE-moll, Schiller's Dithy-\nrambe für Soli, Männerchor und Orchester von Julius\nRietz, das zweite Finale aus Wilhelm Teil von Rossini\nund Mendelsso hn's Festgesang „An die Künstler\".\nBerichten wir ferner, dass Fräulein Bochkoltz-Fal-\nconi die Cavatine aus Semiramis von Rossini, die Sici-\nliana von P ergolese und die glänzenden Variationen sang,\ndie Hummel für die Malibran geschrieben; dass Herr\nConcertmeister Ferdinand David aus Leipzig ausser\ndem genannten Concerte noch sein Andante und Scherzo\ncapriccioso spielte, Herr J. All fei d vom hiesigen Stadt-\ntheater Mozart's „0 Isis und Isiris\" sang und der Männer-\nGesangverein ausser den erwähnten Sachen mit grossem\nOrchester noch fünf Lieder ohne Begleitung vortrug so\nwird man gestehen, dass das Publicum nicht mehr verlan-\ngen konnte. Dass es aber im gedrängt vollen Saale und\nder Galerie mit gespannter Theilnahme den Vorträgen\nfolgte (nur ein kleiner Theil verliess beim Beginn des letz-\nten, oft gehörten Stückes „An die Künstler\" den Saal)\nund sie mit rauschendem Beifall begleitete, war eine deut-\nliche Kundgebung der Befriedigung desselben durch die\nTreft lichkeit der Leistungen.\nAuch war die Anordnung des Programms recht\nzweckmässig und sinnig, indem die vier Werke, zu denen\nSchiller'sche Poesie die Tonsetzer veranlasst hatte, Anfang\nund Ende jeder Abtheilung bildeten: in der ersten Ries'\nOuvertüre zu Don Carlos und Rietzes Dithyrambe, in der\nzweiten Rossinis Rütii-Scene aus Wilhelm Teil und Men-\ndelssohn's testgesang au( die schöne Mahnung Schiller's\nan die Künstler: „der Menschheit Würde zu bewahren,\ndie in ihre Hand gegeben.\"\nVon den Solo-Vorträgen nahmen diejenigen des Fräu-\nleins Anna Bochkoltz-Falconi die erste Stelle ein.\nWir haben uns über die eminenten Eigenschaften dieser\nGesanges-Künstlerin bereits wiederholt ausgesprochen, und\nfügen dem Gesagten nur bei, dass ihre Leistungen in dem\nConcerte am 17. d. Mts. in den verschiedensten Gattun-\ngen— Cavatine aus Rössings Semiramis, einst einer Glanz-\npartie von Henriette Sontag, Siciliana von Pergolese und\nauf allgemeinen Wunsch Wiederholung der Hummerschen\nVariationen unser Urtheil in hohem Grade befestigt"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "70", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590226-01.1.6", "texte": "haben. Fräulein Falconi riss natürlich zu begeistertem Ap-\nplaus und wiederholtem Hervorruf hin.\nHerr Concertmeister David spielte Mendelssohn's\nViolin-Concert mit Ton und Vortrag, nur schien uns der\nletztere im ersten Allegro zuweilen etwas manierirt, zumal\nbei einigen Ritardando- und Diminuendo-Stellen, in denen\ndas Pianissimo uns an jenen Hornisten erinnerte, der zu-\nletzt, um es dem Dirigenten recht zu machen, gar nicht\nblies und damit endlich dessen Zufriedenheit erlangte.\nFreilich trug unser Standpunkt wir meinen den mate-\nriellen, der etwas weit nach hinten hin in den langen Saal\nfiel und desshalb vielleicht einige Aehnlichkeit mit dem\nüberwundenen\" haben mochte—wohl hauptsächlich die\nSchuld, dass uns vieles entging, das wir von unseren hie-\nsigen Violinisten voriger und gegenwärtiger Zeit klangvoll\nund eindringlich zu hören gewohnt sind. In einem kleine-\nren Salon bemerkten wir indess an Herrn David's Spiel\nkeineswegs einen Mangel an kräftigem Strich, müssen aber\nwünschen, dass er den Ton nicht forcire, indem dabei die\nmateriellen Mittel, wodurch er hervorgebracht wird, sich\nzu sehr bemerklich machen.\nHerr Breunung spielte die zwei letzten Sälzc aus\nChopin's E-moll-Concert ganz trefflich; dass von den fei-\nneren Nuancen in der Romanze und selbst von der glän-\nzenden Bravour im letzten Satze den entfernter Sitzenden\nManches verloren ging, war die Folge des Locals, das für\nalle Solo-Instrumente und besonders für den Flügel zu\ngross ist.\nDer kölner Männer-Gesangverein bewährte\nKraft und Schwung in den grossen Chorgesängen mit In-\nstrumental-Begleitung und behauptete seine alte Meister-\nschaft im Ausdruck des Zarten, Gefühlvollen und Anmu-\nthigen in den Liedern ohne Begleitung, wobei auch bei\nden Solostellen die angenehme, echt lyrische Tenorstimme\ndes Herrn Göbbels aus Aachen und die sonore Bass-\nslimme des Herrn All fei d von hier (Arie „O Isis! ) rtcht\nschön zur Geltung kamen. Die Lieder wurden alle lebhaft\napplaudirt; „Die Wacht am Rhein\", componirt von Mu-\nsik-Director Wilhelm in Crefeld, rief einen patriotischen\nBeifallssturm hervor, der die Sänger zur Wiederholung\nder beiden letzten Strophen nöthigte.\nHerr Musik-Director Weber leitete das Ganze mit\ngewohnter Energie und Tüchtigkeit. Lr und der Vorstand\nhaben sich sehr verdient um die gute Sache gemacht. Die\nEinnahme muss bedeutend gewesen sein, da das Local in\nallen seinen Räumen ganz gefüllt war.\n\nSiebentes Gesellschafts-Concert in Köln\nim Hauptsaale des Gürzenich.\nDinstag, den 22. Februar 1859.\nProgramm. Erster Theil: 1) Ouvertüre zu den Abenceragen\nvon Cherubini; 2) Arie aus der Oper Aetius von G. F. Händel,\ngesungen von Herrn Jul. Stockliausen; 3) ~lch lasse dich nicht\nzweichörige Motette von J. Christoph Bach; 4) Concert für\nPianoforte mit Orchester (I. Satz), componirt und gespielt von\nHerrn Aug. Dupont, Professor am Conservatoire zu Brüssel; 5)\nArie aus La Fete du village von Boieldieu, gesungen von Jul.\nStockhausen; 6) La Pluie de Mai und Staccato perp&uel, com-\nponirt und gespielt von Aug. Dupont; 7) Lieder von F. Schu-\nbert, gesungen von J. Stockhausen. Zweiter Theil: Die\nneunte Sinfonie von L. van Beethoven.\nWie man sieht, war die Hälfte des Concertes dieses Mal aus-\nnahmsweise den Vorträgen einzelner Künstler gewidmet, was\ndurch das zum Theil zufällige Zusammentreffen der Herren Dupont\naus Brüssel und Stockhausen aus Paris in Köln, der westlichen\nPforte des musicalischen Deutschlands, veranlasst wurde. Wenn-\ngleich wir nicht wünschen, dass dies zur Regel werde, so war doch\ndie diesmalige Ausnahme nicht nur vollkommen gerechtfertigt, son-\ndern die Abonnenten müssen und werden sicher der Direction sehr\ndankbar sein, dass sie ohne pedantisches Zögern die Gelegenheit er-\ngriffen hat, ihnen den seltenen Genuss der Vorträge von Künstlern\nzu verschaffen, die den höchsten Hang in ihiem Fache einnehmen.\nWenn die Virtuoserei in ihrer Ausartung mit Fug aus den Concert-\nsälen, wo man die Tonkunst um ihrer selbst willen pflegt, verbannt\nwird, so ist dagegen die künstlerische Virtuosität vollkommen be-\nrechtigt, darin aufzutreten, denn sie ist ebenfalls ein Product der\nVereinigung von Genie und Arbeit, worauf alle wirklichen Kunst-\nleistungen beruhen.\nDie Ouvertüre von Cherubini wurde mit Feuer und zugleich mit\nfeiner Nuancirung ausgeführt. Leider machte sich aber schon hier\nein Mangel reiner Stimmung fühlbar, der in der Sinfonie in der\nzweiten Abtheilung, als die Strömungen der künstlich und natürlich\nerwärmten Luft ihre volle Wirkung geäussert hatten und mit den\nkalten Zugwinden in Kampf geriethen, die aus der geheimnissvollen\nAeolshöhle hinter dem Orchester herzublasen pflegen, noch auffal-\nlender wurde.\nDie Motette von J. Chr. Bach verlor sehr durch die Weglassung\ndes mittleren Satzes,—ein Verfahren, das unter keiner Bedingung bei\neinem solchen Concert-Institute wie das hiesige zu billigen ist. Was\nman von Chor- oder Orchestersachen aufführt, gebe man ganz; sind\nGründe zur Verkürzung vorhanden, so lasse man das Ganze weg,\naber nicht dessen in diesem Falle sogar beste Hälfte. Im\nChor selbst können doch die Gründe der Auslassung nicht gelegen\nhaben, wie die vortreffliche Ausführung des weit schwierigeren\nSanctus von J. S. Bach durch den Sing-Verein neulich erst gezeigt\nhat. Geht aber die Festsetzung von Chorstücken für das Concert\ndiesem nicht so lange vorher, dass sie gut eingeübt werden können,\nso ist das unrecht von Seiten der Direction.\nVon Herrn Dupont haben wir schon in Nr. 7 dieses Blattes\ngesprochen. Sein öffentliches Auftreten hat ihn als den in jeder Hin-\nsicht ausgezeichneten Künstler gezeigt, den wir schon längst in ihm"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590226-01.1.7", "texte": "erkannt hatten. Das neue Concert, von dem er leider nur den ersten\nSatz zu Gehör bringen konnte (auch eine Anomalie! Mit der Zeit\nbekommen wir vielleicht ä la Conservatoire-Publicum in Paris nur\neinzelne Brocken zu hören!), das wir aber in der musicalischen Ge-\nsellschaft vollständig gehört hatten, steht als Composition hoch über\nden gewöhnlichen Producten von Virtuosen. Der erste Satz ist in-\ndess am wenigsten originel in der Erfindung und hat zum Theil\nMendelssohn sehe Physiognomie was uns übrigens zehn Mal lie-\nber ist, als wenn er die verzerrten Züge der neuesten Grimassiers\ntrüge. Allein Form und Arbeit sind klar und schön, das Orchester\nist symphonisch behandelt, aber das Concert-Instrument tritt überall\nlichtvoll hervor und gibt dem Spieler reichliche Gelegenheit, sich\nsowohl im Ausdrucke des Zarten und Anmuthigen, als des Kräftigen\nund Heroischen zu zeigen. In letzterer Hinsicht enthält das Concert\nSchwierigkeiten, bei deren Ausführung Dupont in Sicherheit, Deut-\nlichkeit, Reinheit und Rapidität, wobei andauernde Octaven-Passagen\n(nicht bloss Octaven-Tonleitern) so klingen, als wenn jede Hand sie\neinfach machte, eine so vollendete technische Meisterschaft offen-\nbarte, dass sie sicher nur selten ihres Gleichen finden dürfte; über-\ntroffen aber wird sie wohl von keinem Ciavierspieler unserer Zeit.\nDas Staccato aus dem Handgelenk ist die besondere virtuose Spe-\ncialität des Künstlers, und der Vortrag seines Staccato perpeluel,\neines zum Zweck derselben sehr hübsch componirten Bravourstückes\nfür den Flügel allein, erregt Staunen und klingt doch noch lange\nnicht so schwer, als es zu spielen ist. Herr Dupont hat bei uns\neinen vollständigen Erfolg gehabt, der um so höher anzuschlagen\nist, als der grosse Saal im Gürzenich dem Clavierspiel keineswegs\ngünstig ist. Auf allgemeinen Wunsch wird er ein besonderes Con-\ncert im Theater (Freitag, den 25. d, Mts.) geben.\nUeber Herrn Julius Stock hausen, der durch seine meister-\nhaften Gesang-Vorträge das überaus zahlreiche Publicum wahrhaft\nentzückte, behalten wir uns einen besonderen Artikel in der näch-\nsten Nummer vor.\nDie Aufführung der neunten Sinfonie stand dieses Mal ge-\ngen die früher hier gehörten in vielen Stücken zurück; auch in\nmusicalischen Dingen gilt Schiller's Wort:\n„Denn mit des Geschickes Mächten\nIst kein ew'ger Bund zu flechten.\"\nDennoch machte im letzten Satze der Chor seine imposante Wir-\nkung wie gewöhnlich, uns kam es indess vor, als wäre unsere Or-\nchesterstimmung seit einigen Jahren noch um ein Komma höher\ngeworden. Der sonderbare Versuch, die vier Solostimmen durch\nzwölf an jeder Stimme drei Solisten zu besetzen, hat sich\nnicht bewährt, was übrigens vorauszusehen war. Der Gegensatz von\nvier Solostimmen gegen den vollen Chor ist ein ganz anderer, als\nder eines kleinen Chors gegen den grossen, abgesehen von den\nSchwierigkeiten egaler Ausführung und von dem fast komischen\nEindrucke, den das Tenor-Solo von drei Stimmen macht.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nAm 16. d. Mts. hatte der Vorstand des städtischen\nSing-Vereins eine öffentliche Sitzung veranstaltet, in welcher\nmit Clavier-Begleitung der erste Theil von Mendelssohn's Ora-\ntorium „Elias\", das Salve Regina von Hauptmann, das Sanctus\nund Osanna aus der grossen H-moll-Messe von J. Seb. Bach unter\nLeitung des Dirigenten des Vereins, Herrn Ferdinand Breu-\nnung, aufgeführt wurden. Dass unsere Gesang-Vereine auch ausser\nder gemeinsamen Mitwirkung in den Concerten zuweilen besondere\nAufführungen veranstalten, ist eine lobenswerthe und für den Eifer\nund das Studium des Chorgesanges sehr zweckmässige und fordernde\nSitte. Während das Ausschliessliche, das so vielen Vereinen in an-\ndeien Städten zu eigen ist und leider nur zu oft durch Eifersüchte-\nleien die Harmonie zur Disharmonie macht, hier nicht existirt; da\nalle Kielfte bei den Gesellschafts-Concerten und anderen grossen\nAufführungen zusammenwirken, muss der Kunstfreund die öffent-\nlichen Sitzungen eines besonderen Vereins willkommen heissen, weil\nsie ihm einen Blick in das Wesen und den Geist, der darin herrscht,\nöffnen und auf die Art und Weise der Leitung und auf die Theil-\nnähme und den Fleiss der Mitglieder ein helles Licht werfen.\nWer aus eigener Erfahrung weiss, mit wie vielen Mühen die Lei-\ntung von Dilettanten-Vereinen verbunden ist, die gerade da, wo vor-\nzügliche Kräfte vorhanden sind, oft am schwierigsten ist, der wird\ndem städtischen Sing-Verein Glück wünschen zu der Sorgfalt und\numsichtigen Verfahrungsweise, zu dem ernsten Streben und zu der\neifrigen Thätigkeit, welche Herr Breunung neben den übrigen Eigen-\nschaften eines tüchtigen Musikers und ausgezeichneten Clavierspie-\nlers als Dirigent des Vereins entwickelt. Den besten Lohn dafür\nkann ihm der Verein durch vollständiges Eingehen in seine Inten-\ntionen zollen, die auf sichere künstlerische Ausbildung, nicht bloss\nauf musicalische Unterhaltung ausgehen. Und in der That, nach der\nPräcision und dem Schwung zu urtheilen, mit welchen so ernste\nund schwierige Stücke, wie die zwei Sätze aus Bach's grosser Messe,\nausgeführt wurden, muss die Theilnahme der Mitglieder an den\nUebungen wenigstens in der letzten Zeit eine recht zahlreiche und\neifrige gewesen sein. Möge sie es immer bleiben, dann werden auch\nfeinere Abstufungen des Ausdrucks, wie sie z. B das Salve Regina\nverlangt, noch mehr zur Geltung kommen. Uebrigens erklären wir\ngern, dass eine grosse Freude an der Kunst dazu gehört und Köln\ndarin wahrlich zum nachahmenswürdigsten Beispiele angeführt wer-\nden kann, wenn während des ganzen Winters wöchentlich am Mon-\ntag Akademie, am Mittwoch städtischer Sing-Verein, am Freitag\nChorprobe für die Concerte, ausserdem alle 1-1 Tage Hauptprobe für\ndie Concerte Statt finden und alle diese Versammlungen immer von\nDamen und Herren der besten Gesellschaft besucht werden! In\nFrankreich und Belgien z. B. wäre das ein Ding der Unmöglichkeit.\nDass sich bei Gelegenheit einer öffentlichen Aufführung wie die\njetzige auch Solostimmen, und zwar recht hübsche, aus der Mitte\ndes Vereins produciren und dadurch Ermunterung zu weiterer Aus-\nbildung erhalten, ist ebenfalls von grossem Nutzen für die Fort-\nschritte der musicalischen Zustände überhaupt.\nAm 24. d. Mts. gab Fräulein Christine Sauset von hier,\nfrüher Schülerin des hiesigen Conservatoriums, eine recht besuchte\nSoiree im Hotel Disch, worin sie sich durch den Vortrag einiger\nEnsemblestücke aus dem Nachtlager von Granada von Kreutzer und\naus Weber's Euryanthe im Verein mit den Herren Wolters (Te-\nnor) und Tho s s (Bariton), ferner der Cavatine der Alice aus Ro-\nbert und zweier Lieder von Schumann und Dietrich viel Bei-\nfall erwarb. Herr Musik Director Ed. Franck hatte die Gefällig-\nkeit, einige allerliebste Salonstücke für Pianoforte von seiner Com-\nposition vorzutragen.\nIm Theater waren Meyerbeer's „Hugenotten'' mit Fräul. Boch-\nkoltz-Falconi als Valentine, Fräul. Schröder Königin, Frau\nL' Arronge Page, Herr Hoffmann Raoul, Herr Allfeld Mar-\nceil. Fräul. Falconi ist ausserdem als Norma und Donna Anna auf-\ngetreten, und die eminente Concertsängerin hat gezeigt, dass sie\nauch im Fache des dramatischen Gesanges noch immer mit vielen\ngefeierten Grössen um den Preis ringen kann. Die Kunst, mit wel-\ncher sie namentlich in den Hugenotten in dem Duett mit Marcel"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590226-01.1.8", "texte": "die höchsten Töne durch verwandte nicht bloss zu ersetzen, sondern\ndurch feine und sehr geschmackvolle Coloratur sogar zu Gunsten\nder Composition zu ergänzen wusste, war wahrhaft bewunderns-\nwerth. Auch das hiesige Personal leistete recht Braves, Herr Hoff-\nmann war in Gesang und Spiel ganz ausgezeichnet und erinnerte\nsehr an Niemann; auch Herr Allfeld verdient alles Lob, und die\nganze Vorstellung wäre eine recht gute gewesen, wenn das Haupt\nder Verschwörer, der Marquis de St. Bris, die düstere Farbe seiner\nRolle nicht gar zu disharmonisch aufgetragen hätte.\nMan schreibt uns aus Leipzig, dass das Violin - Quartett\nvon unserem jungen Landsmanne, Herrn Max Bruch, welches m\neinem der letzten Quartettcirkel des Herrn Concertmeisters David\nund Genossen im Gewandhause aufgeführt worden, allgemeinen Ei-\nfolg gehabt hat, nnd dass es seit langer Zeit die erste neuere Com-\nuosition gewesen sei, die dort entschiedenen Beifall gefunden.\n21. Febr. Wie wir vernehmen, ist Herr Musik-Di-\nrector C. Reinecke von den verschiedenen musicalischen Instituten\nin Breslau an die Stelle des verstorbenen Musik-Directors Mose-\nwiu.s gewählt worden, und läge die letzte Entscheidung beieits dem\nMinisterium vor. Es würde somit in Kurzem die Musik-Director-\nSteile in Barmen erledigt werden.\nl7. Februar. Die Violin-Virtuosin Rosa d'Or hat\nhier am 8. d. Mts. mit grossem Erfolg ein Concert gegeben und\nhatte sich der besonderen Anerkennung und Auszeichnung des Dr.\nLiszt und des Theater-Intendanten Dingelstedt zu erfreuen. Einen\nbedeutenden Ruf hat sich die jugendliche Künstlerin bereits auf\nihrer Reise durch Italien, die Schweiz und Oesterreich erworben.\nObwohl eine geborene Venetianerin, hat sie ihre Ausbildung im\nprager Conservatorium erhalten, besitzt eine vorzügliche Technik,\nverbunden mit vollem Tone und seltener Reinheit im Spiel, wie sie\ndurch den Vortrag des sechsten Concertes von de Beriot und Vieux-\ntemps' Reverie und Fantaisie Caprice bewies.\nDie Erläuterung von Schumann's „Paradies und Peri\"\nvon Herrn Grafen Laurencin ist zuerst im vorigen Jahre als Be-\nsprechung oder vielmehr als Apologie der genannten Cantate in einer\nhiesigen Musik-Zeitung veröffentlicht worden. Wenn wir die kleine\nSchrift eine Apologie nennen, so ist damit hinlänglich angedeutet,\nwas sie den eingefleischten „Schumannianern\" werth machen muss\nund was sie der eigentlichen kritischen Besprechung entzieht. Doch\nmuss die Begeisterung, mit welcher der Verfasser sich seiner Auf-\ngabe unterzieht, die volle Hingabe an den würdigen Gegenstand sei-\nner Darstellung die Theilnahme und Anerkennung jedes Musikers\nund jedes musicalisch fühlenden Laien in hohem Gräde erwecken.\nDer hiesige Sing-Verein (unter Herbeck's Leitung) hat an\nder Sing-Akademie (unter Stegmayer) den Vorschlag gemacht,\nHänders hundertsten Todestag, den 14. August 1859, gemeinsam\nzu feiern. Die Sing-Akademie hat sich bedingungsweise dazu bereit\nerklärt, wenn nämlich die Feier auf einen für Concerte günstigeren\nZeitpunkt verlegt, die Mitwirkung sämmtlicher musicalischer Vereine\nWiens gesichert und ein neutraler Dirigent des Ganzen erwählt\nwürde.\nDie dritte Aufführung der „Rose von Castilien\" fand vor einem\nhalbgefüllten Hause Statt und war von ziemlich zweideutigem Bei-\nfall begleitet, von jenem Beifall, an dem sich weder die Logen noch\ndas Parterre, noch der ~vierte Stock\" betheiligen, und den man bloss\nvernimmt, ohne recht zu wissen, aus welchem Winkel des Zuschauer-\nraumes er ertönt.\n„Lohengrin\" erlebte am 11. d. Mts. seine zwanzigste Aufführung*\nDie Theilnahme des Publicums für dieses Werk ist sich gleich ge-\nblieben. Herr Mayerhofer singt die allerhöchsten Recitative des\ndeutschen Königs mit sehr energischem Ausdrucke.,\nlionctoaft. Mendelssohns fünfzigjähriger Geburtstag ist\nhier, wie zu erwarten stand, wenigstens quantitativ in grossartigster\nWeise gefeiert worden. Die zweite Aufführung (in diesem Winter)\ndes ,jPaulusa durch die Sacred Harmonie Society am 28. Januar\nbildete eine Art Vorfeier. Am festlichen Tage, dem 3. Februar, folgte\ndaselbst der „Elias\" unter Costa's Leitung; in St« Martin's Hall\nwurden, Mendelssohn zu Ehren, die Ouvertüren zum ~Sommern-\nachtstraum'4 und zu „Ruy Blas\", das Ciavier- Concert in U-moll\n(Nr. 2), gespielt von Herrn Pauer, und die aufge-\nführt. Endlich kündigt noch nachträglich der Violin-Virtuose Wie-\nniawski auf den 14. Februar eine »Mendelssohn-Night\" an."}]}