{"numero_id": "bm-bmtnabi-1859-03-19-01", "volume": "bmtnabi_1859-03-19_01", "ocr_sha256": "f66ffcb93e9d4aa9b939fdb3c15b71369cb743e6c9cc069339fa270bf469b85f", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1859/03/19_01/bmtnabi_1859-03-19_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590319-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1859-03-19-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-03-19_01#c001", "volume": "bmtnabi_1859-03-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "89", "page_fin": "89", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590319-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "89", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590319-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 477, "texte": "Inhalt.\nUeber den Vortrag der Kirchenmusik älterer Meister. ,Von L. B. Aus Leipzig (Historisches Concert des Universi-\ntäts-Gesangvereins der Pauliner). Yon —7 —. Die classische Musik in Italien Achtes Gesellschafts-Concert im grossen Gürzenich-\nsaale zu Köln. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Musik-Director Ed. Franck Aachen, das letzte Abonnements-Concert\nBerlin, Lohengrin, Geschwister Ferni Hannover Leipzig Dr. Julius Becker -j- Dresden Wien, Servais, Frl. 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Dadurch ist bei vielen\nMusikern die Meinung entstanden, als sei der veischieden\ndurch Betonung und Ausdruck abgestufte, derjenigen Em-\npfindung, die im Texte und in der Melodie vorherrscht,\nangepasste Vortrag bei jenen Compositionen unnöthig oder\ngar vom Hebel. Dass die Verlheidiger dieser Meinung,\nwenn sie consequent bleiben wollen, diese so genannte\nEinfachheit oder Einfalt des Vortrages nicht nur bei den\nChören, sondern auch bei den Arien und Recitativen der\nälteren Kirchen-Compositionen verlangen müssen, scheint\nihnen bei ihrer Behauptung weniger zum Bewusstsein ge-\nkommen zu sein; man kann wenigstens vernünftiger Weise\nnicht wohl annehmen, dass sie auch daran gedacht haben,\ndenn die Anwendung ihres Grundsatzes auf die Soli\nhiesse ja dem Gesänge sein eigentliches Wesen, die durch\nihn allein in ergreifender Weise zur Erscheinung zu brin-\ngende Seele rauben.\nWenn es aber unzweifelhaft ist, dass die Sänger der\nSolostücke in den Compositionen von Bach und Händel\nzur Zeit der Entstehung und ersten Aufführungen dersel-\nben die Kunst des Gesanges und mit ihr allen psychischen\nAusdruck sicher nicht verläugnet und abgeworfen haben,\nmit welchem Rechte will man dann fordern, dass dies bei\nden mehrstimmigen Gesängen geschehen solle? Sollen z.B.\nBach's Choräle so abgeplärrt werden, wie man sie heutzu-\ntage in den Kirchen hört? Ich will Niemandes Gelühl\nantasten, der sich auch bei solchem Gesänge eines ihm\ntheuer gewordenen Kirchenliedes erbauen kann; aber hier\nist von Musik die Rede, von der Kunst, nicht vom Glau-\nben. In dieser Beziehung wird jeder Musikverständige beim\nersten Blicke in die Bach'chen Choräle seiner Passionen\nwahrnehmen, dass diese Stimmführung und Harmonisi-\nrung nicht für die wirkliche Gemeinde, sondern für eine\nideale, durchaus musicalische, mithin für künstlerischen\n«\nVortrag berechnet ist. Mosewius sagt darüber unter An-\nderem: „In Lied und dessen Melodie kann jeder Zuhörer\neinstimmen. Doch wäre dies wider die Absicht des Mei-\nsters; er will der wirklichen Gemeinde gegenüber auch\nseine eigene künstlerisch gestalten und übergibt ihr\nnur in der Hauptstimme den Volksgesang, sich da-\ndurch jener verständlich und bemerkbar zu machen, „ „da-\nmit ihn\" \",wie Eckardt in der Vorrede seiner Choral-Be-\narbeitungen sagt, „„die christliche Gemeinde bei sich\nselbst, nach ihrer Andacht singend imitiren kann\"\"\nbei sich selbst, innerlich, indess die fingirte Gemeinde\nden Kirchengesang in künstlerischer Gestaltung\nvorträgt.\" (J. S. Bach's Matthäus-Passion, S. 30.) An\neinem anderen Orte (S. Bach's Choralgesänge, Berlin, bei\nTrautwein) weis't derselbe Musikgelehrte nach, dass auch\ndie Sammlung Bach'scher Choralgesänge durchaus nicht\nzur Begleitung des Gemeinde-Gesanges beim Gottesdienste\nentworfen sei.\nVeranlassung zu diesen Zeilen war ein Artikel des\n„Frankfurter Volksfreundes\", dessen musicalischer Bericht-\nerstatter durch frühere gelegentliche Bemerkungen über\nfrankfurter Aufführungen sich als sachverständig legitimirt\nhat. Er sagt in Nr. 4 des genannten Blattes:\n„W as die Vorträge der Choräle (ohne Instrumental-\nBegleitung) betrifft, so hat der Cäcilien-Verein eine seltene\nKunstfertigkeit in der Nuancirung und Festhaltung der\nTöne bewiesen. Wer je mit der Einübung grösserer Chöre\nsich zu befassen hatte, kennt die mancherlei Schwierigkei-\nten und Hindernisse, die zur Gewinnung einer kunstsinni-\ngen Schattirung gleichsam zu bekämpfen sind. So sehr wir\nnun aber dieser Kunstgewandtheit des Cäcilien-Vereins\nAnerkennung zollen, so ist doch die vorgekommene Nuan-\ncirung, namentlich das Decrescendo bis zum Hinsterben,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "90", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590319-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5340, "texte": "so wie das allzu häufige Ritardando für die Bach'schen\nChoräle nicht angemessen, sondern es werden dieselben\nhiedurch geradezu modernisirt und erscheinen daher eben\nso unpassend, als wenn man das Contrefait des alten Herrn\nselbst, anstatt es mit altdeutschem Bock, Allonge-Perrücke\n11. s. w.- zu schmücken, mit allem Zubehör eines aulge-\nputzten Stutzers nach neuester pariser Facon ausstaffiren\nwollte. Es ist allerdings bekannt, dass gerade durch der-\nartige Nuancirungen beim Absingen des Miserere von\nAllegri in der Sixtinischen Capelle zu Rom während der\nCharwoche ein ausserordentlicher Effect bewirkt werden\nsoll, was nicht selten (freilich nicht überall mit Glück)\nnachgeahmt wird; man darf aber hierbei nicht übersehen,\ndass dieses Miserere aus nur zwei kurzen, melodisch und\nharmonisch dürftigen, für zwei Chöre bestimmten Ton-\nsälzehen besteht, die sich so oft wiederholen, als der Psalm\neben Verse enthält, und somit bei gleicher Tonstärke Lan-\ngeweile erregen können, wie dann der bezeichnete Effect\nauch noch durch die Decoration und Beleuchtung der\nKirche seine vollständige Eigentümlichkeit erhält. Bach's\nMusik dagegen, die bis zu den Chorälen durch kunst-in-\nteressante Stimmenführung, verbunden mit harmonischer\nFülle, in sich selbst Reiz genug enthält, um zu gefallen,\nuns zu erbauen, zu beseelen, bedarf äusserlicher llülfs-\nmiltel und auch der heutzutage bis zum Uebermaass ver-\nwandten süsslichen Sentimentalitäts-Affectation nicht. Zudem\nhat Bach in der Partitur ausdrücklich den Singstimmen je\nnach ihren Ton-Regionen entsprechende Instrumental-Be-\ngleitung im Einklänge oder in derOctave, so wie Orgel-Be-\ngleitung vorgeschrieben, und es ist somit ein Ueberschrei-\nten der vom Tonmeister angegebenen oder ein Ergänzen-\nwollen der unterlassenen dynamischen Bezeichnungen nicht\nwohl statthaft.\"\nDa wird das Kind wieder einmal mit dem Bade aus-\ngeschüttet! „Süssliche Sentimentalitäts-Affectation\" wird\n.\nman um so weniger in dem Vortrage alter Kirchenmusik\nhaben wollen, als der gesunde Geschmack sie in keiner\neinzigen Gattung von Vocalmusik duldet. In wie weit den\nCäcilien-Verein und dessen Dirigenten dieser Vorwurf trifft,\nkönnen wir nicht wissen, gestehen aber offen, dass wir\nihn für unverdient oder wenigstens für übertrieben halten,\nweil der Referent von seinem Standpunkte aus der Mei-\nnuni; ist, dass der künstlerische Ausdruck bei Bach'schen\nCompositionen „nicht wohl statthaft\" sei und deren „kunst-\ninteressante Stimmführung u. s. w. in sich selbst Reiz ge-\nnug enthalte, um zu gefallen, uns zu erbauen, zu besee-\nlen!\" - Wer sind denn die wir, von denen dieses uns\nkommt? das gebildete Publicum oder die grammatisch fe-\nsten Musiker? das Volk oder die Gelehrten? die Kunst-\nfreunde oder die Pedanten? Zu solchen Fragen gelangen\nwir fast wider unseren Willen, wenn man uns als Gesetz\nhinstellen will, Bach'sche und Händel'sche Sachen „mit\ngleicher Tonstärke\" singen zu lassen. Was heisst das\nüberhaupt? Alles forte,oder Alles oder Alles\nforte*} Man ziehe doch nur die Consequenzen, und man\nwird das Unkünstlerische, ja, Widersinnige solcher Forde-\nrungen einsehen.\nIch werde lür meine Person allerdings mächtig ergrif-\nlen von der Gewalt der Polyphonie in Bach's Musik und\nhabe oft genug an mir selbst empfunden, dass seine grösste\nMacht eben darin liegt; allein das kann mich doch nicht\nblind machen für eine -- wenn auch nur ideale Aus-\nfuhrung derselben mit vollendeter Kunst des Ausdrucks in\njeder Stimme, da offenbar durch eine solche nicht bloss\ndas materielle, sondern das eigentlich geistige Leben der\nPolyphonie recht hervortreten würde.\nZwischen „süsslicher Sentimentalität\" (und gar zwi-\nschen „Alfectation\" derselben) und dem Ausdruck der\nWahrheit des Gefühls durch den Vortrag liegt eine\nungeheure Kluft; diese aber, die Wahrheit des Ge-\nfühls, die Sprache der Seele mögen wir um keinen Preis\naus der Musik verbannen, sie mag Namen und Gattungs-\nCharakter tragen, welche sie wolle. Die grösste Wirkung\nBach'scher Vocalmusik wird dann Statt finden, wenn, wie\nMarx sagt, „der Chor der Stimmen sich wirklich be-\nseelt, wenn jede Stimme im eigenen freien Dasein als\neine Person für sich uns nahe tritt, um sich mit allen\nanderen gleichberechtigten, gleichfreien zu Einem Ganzen,\nzu Einem Zwecke zu vereinen.\" Erst dann wird nicht\nbloss der Musiker, sondern jeder Kunstfreund, ja, selbst\nein grosser Theil des gewöhnlichen Musik-Publicums, füh-\nlen, dass hier nicht bloss eine Probe contrapunktischer\nWeisheit vorgeführt wird, sondern ein geistiges Leben in\nTönen, welches aus einer Menschenbrust quillt, die Alles\nhat, Glauben und Wissen, Gefühl und Verstand, Poesie\nund Technik, und welches desshalb so wie wenig anderes\nvon Menschen Geschaffenes im Stande ist, die Seele zu er-\ngreifen, zu stärken, zu erheben.\nWie sollen wir aber den geeigneten Ausdruck der\nGefühls-Wahrheit in den Compositionen der älteren Mei-\nster finden, um der Ausführung durch ihn Leben zu\ngeben?\nDas ist freilich keine leichte Aufgabe. Hören wir dar-\nüber und über das Thema, das wir besprechen, überhaupt\nMosewius (a. a. 0., S. 19j:\n„Ob denn nun wirklich jene Zeichen Bach's (die No-\nten) alles in sich enthalten, was wir als immanent in ihnen\ngeschaut haben? Ich kann nur sagen: „ „Allerdings, ja!\" \"\nDoch wollen sie ihrem Sinne nach belebt werden; mittels\nder Stimme und Sprache, mittels des Stimmklanges, mittels"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "91", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590319-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5414, "texte": "aller dem lebendigen Geiste zu seiner Kundgebung zu Ge-\nbote stehenden dynamischen Mittel. Fehlt dieser, oder ver-\nmag er das Erkannte nicht im Gefühle zusammen zu fas-\nsen und auszudrücken, dann möchte manche unserer An-\ndeutungen dem Zuhörer nicht zur Anschauung gebracht\nwerden können. Eine andere Frage ist diese: Ob denn die\nzu belebenden vorhandenen musicalischen Zeichen auch\ndas Angedeutete ganz unverkennbar und eben auch\nnur das Angedeutete bestimmt bezeichnend ausdrücken?\nDie Antwort muss entschieden verneinend ausfallen;\nan und für sich, wie sie da stehen, nicht. Es versteht sich\nwohl von selbst, dass, wie in der Sprache auch nur die\nWorte in ihrer Beziehung auf und zu einander, so auch\nin der Musik die Beziehungen der Töne auf einander, die\nBetonung, der schwächere oder schärfere Accent, die mehr\noder mindere Hervorhebung des einzelnen oder mehrerer\ngegen einander dem Satze einen Sinn geben können. Der\nRhythmus, die Gliederung desselben in übereinstimmende\noder sich widersprechende kleinere rhythmische Abthei-\nlungen, Höhe und Tiefe der Töne nach Maassgabe der\nInstrumente und Stimmen, ihre Erhebung und Senkung,\nin an einander gefügten Reihen oder in Sprüngen, ihr\nfestes und bestimmtes Eintreten, oder ihr ruhiges und den\nKlang entwickelndes Ausströmen, ihre Schweifung, ihre\nmehr oder mindere Verzierung, wie die Art der Aus-\nschmückung, dabei ihre harmonische Beziehung auf einan-\nder, lassen den Charakter der Melodie erkennen und geben\nihr im Gesänge durch das ihm verbundene Wort und durch\ndie diesem verliehene Färbung der Vocale bestimmte Be-\ndeutung und unverkennbaren Ausdruck. Nur ein leb-\nhaftes und geübtes Vorstellungs-Vermögen für das Auszu-\ndrückende, ein in sich ruhendes Versenken in den Gegen-\nstand, vollkommene Kenntniss der Form und Herrschaft\nüber ihre Gestaltung können den Sänger wie den Compo-\nnisten zur sicheren und anschaulich deutlichen Darstellung\ndes Charakteristischen und Wahren im Bereiche des Schö-\nnen führen. Die geschriebene Note ist nur ein Zeichen für\nden Ton, ein Buchstabe; ihre Zusammenstellung gibt\nWorte, Sätze und Perioden; und wie in der Rede sich\nblosses Ablesen, richtiges Lesen, sinngemässes Le-\nsen, die Sprache des gewöhnlichen Lebens von der rhe-\ntorischen, diese wieder von Declamation und begei-\nstertem Vortrage unterscheidet, so findet dasselbe Ver-\nhältniss bei jeder Verlautbarung eines musicalischen Satzes\nStatt, wobei jedoch der Unterschied ein sehr wesentlicher\nist, dass ein Satz in Tönen, eben durch die für seine Ver-\nlautbarung noch nothwendige subjective Zuthat, an sich\nimmer vieldeutig bleibt und seine letzte Begründung doch\nmehr im Gefühle als im erklärenden Verstände findet.\nDieser kann nichts weiter als jenes sich verdeutlichen und\nzum Bewusslsein bringen. Ahe und jede musicalische\nAusbildung geht diesen Weg, sobald die Tonkunst nicht\nallein als ein freies Spiel in Tönen betrachtet wird, in wel-\nchem Falle sie aus der Reihe der schönen Künste schei-\nden müsste und nichts weiter als eine verfeinerte mecha-\nnische Kunst wäre. Die gute Absicht, durch Schriftzeichen\ndie musicalische Declamation näher anzudeuten, hat leider\nden Mechanismus in der Tonkunst sehr gefördert. Wir\nfinden vom /// ab bis zum pp-p in neueren Werken jede\nPhrase bezeichnet und in ihnen fast an jeder Note ihr dy-\nnamisches Verhältniss zu den übrigen angedeutet. Diese\nAufgabe, im Vortrage den vorliegenden Zeichen Genüge\nzu leisten, zieht von der lebendigen Auffassung der Melo-\ndieen, von ihrer Darstellung von innen heraus ab. So lernt\ndie leibliche Hand geschickt den Bogen, die Lunge des\nSängers geschickt den Athem nach vorgeschriebenen Zei-\nchen zu scheinbarem Ausdrucke führen; weil jedoch der\nGeist dabei ruht, so fehlt der Hand, welche den Bogen\nführt, auch der ihn belebende Pulsschlag, dem Tone des\nSängers und Bläsers die Wärme der beseelten Brust.\n„In Folge dessen bleiben die herrlichsten Werke sol-\ncher Meister, denen diese Bezeichnung fehlt, von den Aus-\nführenden auch unbelebt und werden häufig als veraltet\nund unschmackhaft bei Seite gelegt. Bach und Händel\nwussten von solchen Zeichen nichts, Mozart Und Haydn\nwenig, und wie viel des zu Bezeichnenden ruht in ihnen!\neine Californien überbietende Fundgrube reichhaltiger\nGoldschätze.\"\nAuf ähnliche Weise spricht sich A. G. Ritter in dem\nVorworte zu seiner Ausgabe der Cantalen J. S. Bach's\nim Clavier-Auszuge (Nr. 1, Magdeburg, bei Heinrichsho-\nfen. Pr. 1V2 Thlr. Chorstimmen zu Bogen 3 Sgr.—schön\nausgestattet, überhaupt eine für Gesang-Vereine sehr em-\npfehlenswerthe Ausgabe) aus:\n„Das Hinwegbleiben aller ausser den vom Autor selbst\nvorgeschriebenen dynamischen Zeichen erregt vielleicht Be-\nfremden bei einem Werke, das vor Allem wünscht, für\ndie lebendige Ausführung sich nützlich zu machen. Han-\ndelte es sich um Herausgabe der Partitur zu praktischem\nGebrauche, so würde die Hinzufügung nicht unterblieben\nsein; hier aber, wo ich vorzugsweise Sängerkreise im Auge\nhabe, die unter der Führung eines der Sache kundigen\nund ihr mit Liebe hingegebenen Mannes gleiche Kunde\nunter gleicher Hingebung zu erlangen bemüht sind, glaubte\nich den sinnigen Tönen des Meisters selbst es überlassen\nzu dürfen, in dem entgegenkommenden Gemüthe die Wur-\nzeln ihres eigenen frischen und lebendigen Wieder-Erblü-\nhens zu fassen. Magdeburg, im October 1854.\"\nDasselbe muss bei den Compositionen der älteren Ita-\nliäner und Niederländer Statt finden. Den Italiänern, qui-\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590319-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2010, "texte": "his dcdit ore rotundo Musa canere, wird es zu keiner Zeit\neingefallen sein, aus dem Kirchengesange jeder Art, nicht\nbloss dem Allegri'schen Miserere, den schönen Vortrag,\nden belebenden Hauch der Seele zu verbannen; ja, selbst\nin unseren Tagen halten sie trotz dem Verfall des edeln\nGesangstils und dem überhand nehmenden Schreien auf\nden Theatern in der Kirchenmusik noch stets auf den ge-\ntragenen, ausdrucksvollen Vortrag nach alter Schule, wie\nneuere Reisende und italiänische Musik-Zeitungen be-\nrichten.\nDass man in den Anforderungen an den Vortrag der\nälteren Chormusik zu weit gehen oder vielmehr einen ver-\nkehrten Weg einschlagen kann, der zu wirklich verwerf-\nlicher Modernität, zu Weichlichkeit und Süsslichkeit führt,\nwer wollte das läugnen und nicht aufs ernstlichste davor\nwarnen? Ist denn aber nicht bei jedem Gesänge das Ma-\nnierirte verwerflich? Auch der musicalische Ausdruck kann\nlügen, eben so wie der sprachliche, wie Miene und Ge-\nberde; welcher Mensch von Geist, Gefühl und Charakter\nwird aber, weil er die Lüge verabscheut, verschmähen, der\nWahrheit den gebührenden Ausdruck zu geben? Es\ngibt freilich Menschen, namentlich in Deutschland, die sich\ndem Schönen gegenüber nicht nur gleichgültig, sondern\nschroff und roh verhalten und das für Charakter, Energie,\nund wie sie es sonst nennen, ausgeben, ja, gewisser Maas-\nsen stolz darauf sind, als wären sie altrömische Republika-\nner, vor denen ein Mann wie Cicero nicht zu sagen wagte,\ndass er die Kunst liebe und etwas davon verstehe. Solche\nLeute, und insbesondere Musiker, sehen dann in der älte-\nren Kirchenmusik nur symmetrische Reihen von Tönen\nund berechnete Folgen von Combinationen; um diese durch\nden Gesang zur Erscheinung zu bringen, bedarf es ja nur\nder Reinheit der Intonation, des richtigen Treffens und\nTactes. So kommen wir denn am Ende dahin, dass über-\nhaupt das Hören überflüssig sein wird zum Genüsse eines\nmusicalischen Werkes; das Lesen reicht hin, dem Ver-\nstände den einzig würdigen Genuss zu verschaffen! L. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-03-19-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-03-19_01#c003", "volume": "bmtnabi_1859-03-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "92", "page_fin": "93", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590319-01.2.3", "titre_corps": "Aus Leipzig.", "titre_sommaire": "Aus Leipzig.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590319-01.1.4", "debut_caractere": 2012, "fin_caractere_exclue": 4949, "texte": "Aus Leipzig.\n[Historisches Concert des Universitäts-Gesang-\nvereins der Pauliner.]\nDie Veranlassung zu diesem Concerte, das am 21. v.\nMts. Statt fand, spricht das Vorwort des Programms aus:\n„Der deutsche Männergesang, eine einflussreiche\nSchöpfung unseres Jahrhunderts, verbreitet durch unzähl-\nbare Vereine überall, wo die deutsche Zunge erklingt, er-\nreichte in diesen Tagen die Zeit seines fünfzigjährigen\nBestehens, ohne dass seine Pfleger, Förderer und Freunde\ndieses Zeit-Ereignisses eingedenk wurden.\n„Am 24. Januar 1809 traten unter dem Dirigenten\nder berliner Sing-Akademie und nach dessen Aufforderung\ndie ersten 24 Mitglieder der „Zelter'sehen Liederta-\nfel1\" zur Pflege des Männergesanges zusammen, und fand\nderselbe in solch freier Vereinigung geistig bedeutender,\nhochgebildeter Männer seine deutsche Wiege.\nIn dankbarer Erinnerung an jene Männer, die mit\nihrem Genius die Gabe des Gesanges als goltgegebenes\nMittel zur Volksveredlung benutzten und die Heranbildung\ndes Männergesanges zu einem würdigen Kunstzweige för-\nderten, hat der Universitäts-Gesangverein bei Wahl seiner\nLieder der hervorragendsten Grössen auf dem Gebiete des\nMännergesanges gedacht, wohl fühlend, dass er nur mit\nEntsagung Namen und Lied manch verehrten Künstlers\nob der kurzen Spanne Zeit verschweigen muss.\"\nDas Programm selbst war folgendes:\nErster Theil. 1. Religiöses Lied für vier Män-\nnerstimmen von Adam Gumpeltzhai-mer (geb. 1659,\nCantor an der St.-Annen-Kirche zu Augsburg). 2. Ou-\nvertüre von Beethoven, Op. 124.\n3. Drei Lieder von H. Nägeli: «Es klingt ein heller\nKlang\"; Zelter: „Invocavit wir rufen laut\" von Göthe\nund C. M. von Weber: „Schöne Ahnung ist entglom-\nmen\", aber mit einem anderen Texte: „Singet dem Ge-\nsang zu Ehren!\" [was uns jedoch unhistorisch, folglich dem\nCharakter des Concertes nicht angemessen dünkt. Weber\nhätte gerade hier durch eines seiner Körner'schen Lieder\nvertreten werden müssen].\n4. Concert für Pianoforte von Beethoven, Nr. 4,\nOp. 58, vorgetragen von Herrn H. von Bülow.\n5. „Die Capelle\" von Conr. Kreutzer. 6. Ver-\ngeb'ne Liebesmüh', altdeutsches Lied von Fr. Schneider.\nZweiter Theil. 1. Chöre (111. Scene des zweiten\nActes) aus Lohengrin von R. Wagner.\n2. Wanderlied („Vom Grund bis zu Gipfeln\") von F.\nMendelssohn-Bartholdy. 3. Die Minnesänger von\nH. Heine („Zu dem Wettgesange schreiten\") von Rob.\nSchumann.\n4. Capriccio über Motive aus Beethoven's Ruinen\nvon Athen für Ciavier und Orchester (von F. Liszt\nManuscript}, vorgetragen von H. von Bülow.\n5. „Die Blumen im Walde\". Schottisches Volkslied\nvon J. Dürrner. 6. „Ueberall bin ich zu Hause.\"\nVon Rob. Franz (zum ersten Male, Manuscript). 7.\nSchlachtlied von Klopstock für zwei Männerchöre mit Or-\nchester. Dem Pauliner-Vereine gewidmet. Von C. Rei-\nnecke, Op. 56 (zum ersten Male).\nAusserdem enthält das elegant gedruckte Programm\n(11 S. in 8.) noch einige historische Notizen über die Ent-\nwicklung des Männergesangs und über die Componisten"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590319-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3633, "texte": "für ihn, zuletzt auch eine sehr wahre Bemerkung über den\nVerfall desselben: „So überreich auch die Literatur für\nden Männergesang in der neuesten Zeit ist, so dürfen wir\nnicht verschweigen, dass der Beschaffenheit der Werke\nnach nur der geringste Theil dem Kunstgebiete angehört.\nEin Kraftlied, das frisch durchschlägt und zündet, ist jetzt\neine seltene Erscheinung, jetzt, wo jede kindische Wen-\ndung lür Humor, Lieder läppischen und zweideutigen In-\nhalts für geeignete Kost der Männer-Gesangvereine gehal-\nten werden. Doch noch gross ist die Zahl der Künstler,\nwelche die wahre Kraft in sich tragen, ein frisches Gedei-\nhen des Männergesanges durch entsprechende Gaben zu\nfördern\" u. s. w.\nDie vierzehn Männer-Quartette von Johann Mi-\nchael Haydn, welche nach der Notiz auf S. 3 im Jahre\n1788 zu Salzburg herausgekommen, sind nicht die einzi-\ngen von diesem fruchtbaren Meister. Gerber führt noch\nan: „Karl der Held\", ein Gesang zu vier Männerstimmen\nohne Begleitung. Salzburg, 1800. „Willkommen im\nGrünen\", eben so, 1800 mit dem Zusätze: „Werden\nfort gesetzt\". Es dürfte für Männer-Gesangvereine interes-\nsant sein, eines oder das andere dieser Lieder einmal wie-\nder ans Licht zu ziehen, zumal jetzt, wo die Neigung zu\nAusgrabungen auf musicalischem Gebiete Mode ist. Im\nNachlasse J. M. Haydn's (er starb den 10. August 1806\nin Salzburg) befanden sich, ebenfalls nach Gerber: „66\ndeutsche vierstimmige Gesellschaftslieder zu Männerstim-\nmen\" und „unzählbare Canoni\".\nUeber die Ausführung füge ich hinzu, dass das Schu-\nmann'sehe Lied da capoverlangt wurde, so wenig es hier\nmundet. Trefflich wurde das alte Lied von Gumpeltz-\nhaimer gesungen, und erwies sich die Composition fri-\nscher, als manche andere, die etliche Hundert Jahre jün-\nger sind. Dürrner's schönes Lied ging an übertriebener\nZartheit und kindlichem Piano zu Grunde; die „Männer\" -\nGesangvereine suchen etwas darin, gelegentlich wie liebes-\nwunde „Mägdlein\" zu seufzen und zu lispeln! Die Lieder\nvon Weber, Kreutzer, Schneider und die Scene aus\nLohengrin waren in der Ausführung tadellos.\nIn Bezug auf neue Compositionen war der Verein\ndieses Jahr nicht glücklich. „Ueberall\" und so weiter\nvon Franz ist ein Dutzend-Lied, welches hübsch gearbei-\ntet ist, aber dem Charakteristik fehlt; es ging ohne Ein-\ndruck vorüber. Wie ganz anders ist der Charakter in dem\nZöllner'sehen „Ich hab' meine Sach' auf nichts gestellt\"\nfestgehalten! Ueberhaupt hat der Pauliner-Verein ein\nschreiendes Unrecht begangen, in seinem historischen\nConcerte nichts von Zöllner aufzuführen, der im Verein\nmit Marschner die rechte Art des Männergesanges für\njunge Kehlen zu treffen wusste, während die Quartette vie-\nler anderen (selbst Mendelssohn nicht ausgenommen) doch\nmehr an Thee-Gesellschaft und Glacd-Handschuh erinnern.\nRein ecke's Schlachtlied halte ich für ein verfehltes\nWerk. Klopstock's Verse im Opernstile, ohne schwere\nDeclamation, mit Zukunfts-Blechmusik das ist meines\nErachtens ein Missgrift', gegen den man sich nur abweh-\nrend verhalten kann. Ohne die Widmung wäre es wohl\nnicht gewählt worden.\nHerr v. Bülow spielte das Beethoven'sche Concert mit\ngrosser Selbstbeherrschung, ohne weimar'sche Faxen, in\nvoller Hingebung, edler Auffassung und vollendeter Tech-\nnik (wenn er auch ein paar Mal daneben griff'). Die Liszt'-\nsche Verballhornung Beelhoven's war vom humoristischen\nStandpunkte aus gelungen, vom musicalischen verdiente sie\ndas Gelächter, mit welchem sie zu Grabe getragen wurde.\nEine andere Kritik ist nicht möglich. Wenig fehlte, und\nHerr v. Bülow hätte auch in Leipzig über das Zischen dem\nPublicum seine Privat-Ansichten mitzutheilen Gelegenheit\ngehabt. —7"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-03-19-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-03-19_01#c004", "volume": "bmtnabi_1859-03-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "93", "page_fin": "95", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590319-01.2.4", "titre_corps": "Die classische Musik in Italien.", "titre_sommaire": "Die classische Musik in Italien.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590319-01.1.5", "debut_caractere": 3635, "fin_caractere_exclue": 5031, "texte": "Die classische Musik in Italien.\nDie Armonia,eine musicalische Zeitung, die in Flo-\nrenz erscheint, sendet uns in ihrer Nummer v. 31. Januar\ndieses Jahres einen Bericht, der in Bezug auf die gegen-\nwärtigen Musik-Zustände in Italien manches Charakteristi-\nsche enthält, das wir auszugsweise mittheilen.\n„Von Zeit zu Zeit\", heisst es darin, „bemühen sich\neinige Verehrer und Freunde der Tonkunst in Florenz,\nder classischen Musik die Würdigung zu verschaffen, die\nihr zukommt, wobei sie mit tausend mächtigen Hindernis-\nsen zu kämpfen haben, ohne sich jedoch dadurch entmu-\nthigen zu lassen. An der Spitze steht die\ndio dellaMusica classica,schon vor Jahren durch Professor\nGeremia Sbolci gestiftet. Neben ihm öffnen zuweilen\ndie Professoren Maglioni, Giorgetti, Giovacchini ihre Säle\nden Freunden classischer Musik. Die\ndie bis jetzt dem edlen Ziele, die heilige Flamme des wah-\nren Musicalisch-Schönen zu nähren, zu widerstreben schien,\nschlägt jetzt auch den besseren Weg ein, um im Sinne der\ngenannten Männer die Blüthe der Musik in unserer Stadt\nzu pliegen.\n„Im Monat Januar haben wir zwei Akademieen (Con-\ncertej, in denen Haydn, Mozart, Beethoven und Mendels-\nsohn das Scepter führten, gehabt. -\n„Die erste (am 15. Januar) gab die\nMusica classica.Sie wurde mit der ersten Sinfonie in\ndur von Beethoven eröffnet. (Unter den Bemerkungen\nüber das Werk heisst es unter Anderem: Die Sinfonie ist"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "94", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590319-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5260, "texte": "1801 geschrieben und wurde mit 20 Ducaten bezahlt.\nUlibischcff sagt mit Recht, sie würde ein Wunderwerk\nsein, wenn Haydn und Mozart nicht gelebt und Beethoven\nseine acht anderen Sinfonieen nicht geschrieben hätte.) Das\nFinale musste auf allgemeines Verlangen wiederholt wer-\nden. Die Ausführung unter Leitung des Prof. Giovacchini\nwar vortrefflich.\n„Es folgte die Messe in D-moll von Jos. Haydn.\nWir miissten zu ausführlich werden, wenn wir alle Schön-\nheiten dieser zauberischen Composition zergliedern wollten.\nVielleicht könnte man ihr und einigen anderen von dem-\nselben Meister zu grossen Reichthum vorwerfen; wesshalb\nsoll denn aber der Reichthum in heiligen Dingen geächtet\nwerden? Sind nicht die Dome reich und prächtig? Wess-\nhalb soll die Tonkunst arm sein? Warum sollen die Erobe-\nrungen, die sie seit dem sechszchnten Jahrhundert gemacht\nhat, für die Kirchenmusik nicht vorhanden sein? Ilaydn\nwendet den Reichthum mit Urlheil und Bescheidenheit an;\nein Musiker, der seine Töne zu Gott erhebt, muss aufrich-\ntig sein, und das war Haydn, der seine Andacht immer\nso ausdrückte, wie er sie fühlte. In der Musik gibt es\nHeuchelei so gut wie in der Bede, und auch in der Mu-\nsik dient die Sprache zuweilen dazu, die Gedanken zu ver-\nbergen. Haydn hat unserer Meinung nach die äusserste\nGränze berührt, und wer ihm folgt und nicht sein Genie\nhat, läuft Gefahr, in den Abgrund der Profanmusik zu\nstürzen, welcher dicht an jener Gränze liegt. Die Ausfüh-\nrung der Messe war sehr gut; der Chor, Damen und\nHerren, bestand aus den Mitgliedern der Gesellschaft, Di-\nlettanten und Sängern von Fach u. s. w.\n„Mozart krönte das Programm. Herr Vincenz Meini\nsang vortrefflich ein Motetto desselben für Bass-Solo mit\nChor, und das Magnificat schloss das Concert. Es musste\nauf einstimmigen Ruf der Zuhörerschaft wiederholt werden.\n„Es war in der That erfreulich, zu sehen, wie befrie-\ndigt alle Zuhörer waren; es belebte dies in uns die Hoff-\nnung, dass endlich sich doch im Allgemeinen die Liebe zu\neiner Kunstgattung entzünden könne, welche bis jetzt\nnoch nicht ohne Widerstreben von dem grossen\nPublicum angehört wird.\n„Wir dürfen nicht verschweigen, dass dieses so schöne\nConcert, so wie viele andere, nicht zu Stande gekommen\nwäre ohne die kräftige Unterstützung des Herzogs San\ndemente. Dieser kenntnissreiche Dilettant widmet das\nder Kunst, was Andere auf frivole Zerstreuungen verwen-\nden. Ihm sind alle aufs höchste verpflichtet, die es zu erle-\nben wünschen, dass die classische Musik in unserem Ita-\nlien besser gewürdigt werde, weil dies allein den\nsonst unvermeidlichen Verfall der Tonkunst\nhindern kann.\n„Die Societä Filarmonicagab am IG. Januar ein\nMorgen-Concert, in welchem ebenfalls die classische Musik\nvorherrschte. Es begann mit der Ouvertüre zur Iphigenie\nin Aulis von Gluck. (Sie scheint nicht recht gemundet zu\nhaben, denn der Berichterstatter sagt: Wenn man sie auch\nheute nicht als Muster aufstellen kann, so zeigt sie doch,\nauf welchem Standpunkte sich diese Gattung von Compo-\nsition im Jahre 1774 befand.)\n„Einem einjährigen Mädchen zu Liebe war, freilich\netwas profan, Schulhof's Carneval von Venedig für Pia-\nnoforte auf das Programm gekommen. Die Kleine spielte\nziemlich gut, und mit Vergnügen hörten wir sie nachher\nim Septett von Hummel.\n„Das Orchester führte ausserordentlich schön die Ouver-\ntüre von F. Mendelssohn-Bart holdy zu Shakespeare'«\nSommernachtstraum aus. Dieses Drama ist eine der gröss-\nten Extravaganzen des grossen englischen Dichters, in der\nThat ein wunderlicher Traum u. s. w. u. s. w. Die Ouver-\ntüre ist eine so freie und geniale Erfindung, wie sie sich\nnicht zwei Mal im Leben eines Menschen findet, ein poe-\ntischer Erguss der Eindrücke der Jugend einer glühenden\nSeele und einer tiefen musicalischen Einsicht. Die Wirkung\nauf die Zuhörer der Filarmonica war eine ausserordent-\nliche, wesshalb wir uns erlauben, eine Bemerkung zu ma-\nchen. Bei unseren Musikern waltet der Irrthum ob, dass\neine Composition keine Wirkung machen könne, wenn sie\nnicht aus vielen Motiven entspringe, welche die Ohren\nkitzeln [che solleUchino assai le orrecchie); nun, in dieser\nOuvertüre findet sich kaum eines von jenen Motivlein\n(motivetii), und dennqph macht sie einen so lebhaften Ein-\ndruck auf das Innere des Zuhörers, so wahr und eindring-\nlich ist darin die musicalische Schilderung. Sie versetzt uns\nin dieselbe Stimmung, wie die Aufführung des Drama's\nes thun würde.\n„Den Schluss machte Beethoven's Sinfonie in C-\nmoll. Man hält sie im Allgemeinen für die beste, die er ge-\nschrieben, für diejenige, in welcher das Genie des Com-\nponisten in der ganzen Macht seiner Originalität sich offen-\nbart. (Nun folgen Bemerkungen aus deutschen Schriften\nüber Beethoven.) Das Finale ist staunenswerth; die mäch -\ntigste Klangwirkung, die man kaum geahnt, zeigt sich hier\nzum ersten Male u. s. w.\n„Hoffen wir, dass dia Filarmonica auf dem guten Wege\nfortgehe, den sie jetzt eingeschlagen hat.\" A.\nEs ist erfreulich und jedenfalls interessant, aus Italien\nsolche Stimmen über die Musik unserer classischen deut-\nschen Meister zu vernehmen. Ob sich durch das lobens-\nwerthe Streben, das sich in Florenz offenbart, die Hoff-\nnung der wahren dortigen Kunstfreunde, dem verdorbe-\nnen Geschmack der Menge einen Damm entgegen zu setzen,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590319-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 723, "texte": "verwirklichen werde, das müssen wir freilich fürs Erste\nnoch bezweifeln. Doch zeigen sich auch anderswo in Italien\nZeichen eines erwachenden Opposition gegen die neu-\neste Schule, z. B. in einigen Aufsätzen von Rovani, „Sulla\niHusicct contempo) anea tu Ttdfociin der Gcizzcttci ufjiciale\nin Mailand, und in desselben Schriftstellers »Studio stille\nOpa 6di Giuscppß Verdi*, das m Florenz erschienen ist.\nI'ieilich spricht die rnailander GCL?zctta Musiccde dem Ro-\nvani musicalisches Urlheil ab; aber ihr Herausgeber ist\nder Verleger von Verdi's Partituren! Dass die Armonia in\nFlorenz nur zwei Mal im Monate erscheint, ist auch kein\nZeichen eines günstigen Vorurtheils für die Richtung, die\nsie im obigen Artikel ausspricht."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-03-19-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-03-19_01#c005", "volume": "bmtnabi_1859-03-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "95", "page_fin": "95", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590319-01.2.5", "titre_corps": "Achtes Gesellschafts-Concert in Köln im Hauptsaale des Gürzenich.", "titre_sommaire": "Achtes Gesellschafts-Concert in Köln im Hauptsaale des Gürzenich.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590319-01.1.7", "debut_caractere": 725, "fin_caractere_exclue": 5592, "texte": "Achtes Gesellschafts-Concert in Köln\nim Hauptsaale des Gürzenich.\nMittwoch, 16. März 1859.\nliogr a m m. Eistcr I heil: i. Ouvertüre zur Oper Iphigenie in\nAulis von Gluck. 2. Chöre aus dem Messias von Händel. 3.\nPhantasie füi die Ilarfe von Parish-Alv&rs, vorgetragen von\nFräul. Marie Mösner. 4. Sinfonie in E-moll von F. Hill er.\nZweiter Theil: 5. Concert-Ouverture von Fdtis. 6. Le reveil des\nPees und La danse des Sylphes für die Harfe von Felix Gode-\nfroy. 7. Ilallelujah aus dem Messias von Händel.\nDie Ouvertüre von Gluck (mit dem Schlüsse von Mozart) wurde\naut sehr wirkungsvolle Weise in demjenigen gemässigten Tempo\nausgeführt, welches allein geeignet ist, die heroische Kraft des\nHaupt-Thema's in den Saiten-Instrumenten gross und breit hervor-\ntreten zu lassen Das Publicum war sichtbar von dem Eindruck die-\nser Art des Vortrags ergriffen und belohnte die Ausführung mit\nlautem Beifall\nEben so vorzüglich gelang dem Orchester der erste Satz von\nHill er7 s grosser £-?»o//-Sinfonie, während die drei übrigen Sätze\nliier und da zu wünschen übrig Hessen; bei nur zwei Proben ist\neine vollendete Ausführung einer schwierigen Composition nicht zu\nverlangen. Die Sinfonie gefiel sehr, jeder Theil derselben wurde mit\nlebhaftem Beifall aufgenommen Wir haben uns schon bei früheren\nAufführungen über den grossen Werth dieser Compositiou ausge-\nsprochen : können wir auch nicht allen Sätzen gleiche Bedeutung\nzuerkennen, so ist doch das ganze Werk eine wirkliche Bereiche-\nrung der musicalischen Literatur auf dem Gebiete der romantischen\nSinfonie, und der Hauptsatz derselben, das erste Allegro, ist eine so\ngeniale Schöpfung voll tiefen Inhalts und Fluss und Guss im Ge-\ndankenstrom und in der Form, c.'ass wir ihm nichts in der so ge-\nnannten Epigonen-Periode nach Beethoven an die Seite zu stellen\nwüssten, das ihn überträfe, und nur weniges, das ihm gleichkommt.\nDie Concert-Ouverture von (dem Aelteren), dem Verneh-\nmen nach erst vor zwei bis drei Jahren componirt, hat uns erfreu-\nlich überrascht durch die Frische der Motive und die fliessende Ar-\nbeit. Der ehrenvverthe Senior der französischen Kritiker und Musik-\ngelehrten bewährt darin, was nicht immer der Fall bei den Theore-\n. *\ntikern ist, seine Lehren; er gibt uns wirkliche Motive, nicht Stück-\nlein von zwei oder drei Tacten, sondern melodische Reihen ; dabei\nist die Factur und Instrumentirung lobenswerth, und das Ganze\nmacht eine recht belebende Wirkung. Die Ouvertüre erhielt lebhaf-\nten Applaus.\nAus Händel's Messias wurden im ersten Theile die drei Chöre\nNr. 23, 24 und 25 in F-moll und F-dur gemacht; das ergreifende\nLargo: „Wahrlich, er trug unsre Qual\", die Fuge: „Durch seine\nWunden\", und der Sänger und Publicum stets erfreuende Chor: „Der\nHerde gleich\"; im zweiten Theile das Hallelujab, Alles von Chor\nund Orchester mit prächtigem Durchdringen der Streich-Instrumente\ngrossartig vorgeführt. Leider waren es nur Proben von dem, was\neine etwas grössere Zusammenstellung aus dem Messias hätte wir-\nken können.\nFräulein Marie Mösner ärntete trotzdem, dass der grosse\nRaum für die Harfe nicht günstig ist, durch ihre Vorträge ausser-\nordentlichen Beifall und wiederholten Hervorruf. Die Technik des\nHarfenspiels ist in Deutschland zu wenig gekannt, um von dem\ngrossen Publicum in gleichem Verhältnisse wie die Kunst des Cla-\nvier-Virtuosen gewürdigt werden zu können. Dennoch erregte die\nausserordentliche Fertigkeit der Künstlerin grosses Aufsehen; ihr\nSpiel ist in der Tliat meisterhaft, und alles, was man in Bezug auf\nVortrag und Schattirung der Tonfarbe auf der Harfe erreichen kann,\nweiss sie dem Instrumente zu entlocken. Es ist zu bedauern, dass\nes so wenig gute Compositionen für die Harfe gibt; wir haben wohl\ngehört, dass einige frühere Harfenspieler schöne Clavier-Compositio-\nnen sich für ihr Instrument eingerichtet haben, z. B. Theodor La-\nbarre, der das A-moll-Concei't von Hummel mutatis mutandis gespielt\nhaben soll. So viel wir wissen, lebt dieser berühmte Harfen-Virtuose\n(geb. 1805) noch in London. Seine Compositionen, von denen wir\nDuo's und Trio's mit Violine oder Blas-Instrumenten, namentlich\nmit Horn und Fagott, gehört zu haben uns erinnern, dürften wieder\nhervor zu suchen sein. Sicher ist es für die Wirkung der Harfe\nvortheilhaft, wenn neben derselben Instrumente anderer Natur, die\nim Stande sind, den Ton zu halten und zu tragen, gehört werden;\ndie Klangfarbe der Harfe, welche, allein gehört, auf die Dauer\nmonoton wird, gewinnt durch den Contrast; daher auch der grosse\nReiz von Harfenklängen im Orchester in Oratorien, Cantaten und\nOpern. Fräulein Mösner hat alle Eigenschaften, die sie zu der\nMission befähigen, die Virtuosität der deutschen Künstler in\nFrankreich und England auch auf einem Instrumente zu voller An-\nerkennung zu bringen, auf welchem in neuerer Zeit hauptsächlich\nnur Künstler aus jenen Ländern glänzten. Wir wünschen ihr\nGlück dazu."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-03-19-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-03-19_01#c006", "volume": "bmtnabi_1859-03-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "95", "page_fin": "96", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590319-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590319-01.1.7", "debut_caractere": 5594, "fin_caractere_exclue": 6132, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMöl it. Dem Vernehmen nach hat Herr Musik-Director Ed.\nFranck die Stelle eines städtischen Musik-Directors zu Bern in\nder Schweiz angenommen.\n* Äaeßaeßi« Das letzte Abonnements- Concert wurde mit der\nOuvertüre zur Oper Genovefa von Rob. Schumann eröffnet. Herr\nConcertmeister Friedrich Wenig mann erwarb sich cfurch den\nVortrag eines Spohr1 scher. Violin-Concertes grossen Beifall. Ferd.\nHiller's schöne Composition: „Gesang der Geister über den\nWassern\", wurde vortrefflich ausgeführt mit Schwung und auch"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590319-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4875, "texte": "mit Feinheit in den Details sowohl im Chor als im Orchester. Von\nFranz Lachner hörten wir eine Fest-Ouverture (zur Ver-\nmählpng des Kaisers von Oesterreich, Manuscript), bestehend aus\neiner Einleitung von feierlichem Charakter und einem sehr compli-\ncirt ausgeführten Allegro, dessen Haupt-Thema ein Festmarsch bil-\ndet, in dessen kunstvolle Bearbeitung auch die Melodie des österrei-\nchischen Volksliedes: „Gott erhalte den Kaiser'*, verflochten ist, erst\nfür das Streich-Quartett, was dann natürlich an Haydn erinnert, und\ndann für sämmtliche Blas-Instrumente über Sechszehntel-Figuren der\nViolinen u. s. w. Leider sind für solche Instrumentation unsere\nViolinen nicht zahlreich genug. Den zweiten Theil des Concertes\nfüllte die Musik von Beethoven zu dem Festspiel: „Die Ruinen\nvon Athen44, aus, zu welcher Herr C. 0. Stern au (Ink ermann)\nsein schönes verbindendes Gedicht vortrug. Die Ausführung war in\nallen Theilen gut, und das Publicum zeigte gespannte Theilnahme\nund Beifall. Wir müssen allen Mitwirkenden und namentlich Herrn\nWüllner, der schon so Bedeutendes in dem ersten Jahre seiner\nhiesigen Wirksamkeit geleistet hatte, den Dank aller Kunstfreunde\naussprechen.\nBs©fl*lin. Dio Wiederholungen der Wagner'schen Oper „Lohen-\ngrin\" sind für die nächste Zeit nicht zu erwarten, da die darin be-\nschäftigte Sängerin Fräulein Wippern wegen Todesfalles ihres Va-\nters beurlaubt worden. Die Künstlerin verlor erst vor vier Monaten\nauch ihre Mutter durch den Tod.\nDie Künstlerinnen Virginia und Carolina Ferni geben\nConcerte unter grossem Beifall des zahlreich zuströmenden Publicums.\nISannOTCr. Der vortreffliche Pianist \"Herr August Dupont\nhat die Ehre gehabt, zwei Mal vor Sr. Majestät dem Könige im kö-\nniglichen Schlosse zu spielen und ist ausserdem für ein zweimaliges\nöffentliches Auftreten im Abonnements-Conccrte und im Hoftheater\nengagirt worden\nIjcigizifg, 12. März. Im 19. Gewandhaus-Concerte am 10. d.\nMts. spielte Aug. Dupont ein symphonisches Concert von seiner\nComposition und im zweiten Theile eine Gavotte von J. S. Bach,\neinen Walzer von Chopin und sein Staccato perpdtuel. Er hatte einen\ngrossen Erfolg; jeder Satz des Concertes wurde applaudirt und er\nselbst wiederholt gerufen. Julius Stockhausen sang ausser eini-\ngen mit Meisterschaft vorgetragenen Liedern die Concert-Arie für\nBass von Mozart und eine Arie aus Rossini's Gazza ladra und ent-\nzückte durch die Leichtigkeit und Eleganz des Vortrages.\nIn Oberlössnitz bei Dresden starb am 26. Februar der bekannte\nVocal-Componist Dr. Julius Becker, ein talentvoller Musiker\nund Schriftsteller.\n1. März. Soiree mitsicale, gegeben von Frau Wil-\nhelmine v. Bock (Sehröder-Devrient). Die hochgeschätzte Künstlerin\nsang den ~Erlkönig\" von Fr. Schubert, „Ich grolle nicht\" von Schu-\nmann und das bereits früher producirte schottische Volkslied, von\nWeber bearbeitet: „Bewunderung\" ; ihr dramatisch-meisterhafter und\ngenialer Vortrag war in den ersten beiden Gesängen wiederum von\nergreifendster Wirkung. Für die Vorführung des Herrn Stockhausen\nsind wir der Concertgeberin zu besonderem Danke verpflichtet. Sein\nGesang hat in jeder Hinsicht eine seltene künstlerisch vollendete\nBildung. Herr Stockhausen sang die Arie des Seneschall aus Johann\nvon Paris von Boieldieu; die durch Verspätung des Accompagna-\nteurs nothwendig gewordene eigene Begleitung des Sängers mochte\nwenn zwar keineswegs der vorzüglichen virtuosen Gesanges-Aus-\nFührung doch der freien Entwicklung des charakteristischen Aus-\ndrucks einigen Eintrag thun. Die gewählten Lieder, von Schubert :\n~An die Leyer\", ~Der Neugierige\" und das auf allseitiges Verlan-\ngen zugegebene ~lch hört ein Bächlein rauschen\", endlich „Herbst-\nlied\" von Mendelssohn möchten zugleich ungefähr den vorwaltenden\nund starken Affecten nicht zugewandten Bereich im lyrischen Ge-\nfühls-Ausdruck des Sängers andeuten. Im höchsten Grade vollendet\nund entzückend war der Vortrag der beiden erstgenannten Lieder,\nderen zweites wiederholt werden musste. (C. B. Dr. J.)\n/\nWien. Servais ist hier angekommen. Sein erstes Concert\nfindet in der zweiten Hälfte dieses Monats Statt.\nFräulein Tietjens, deren Abgang vom Hof-Operntheater bevor-\nstand, ist für die nächste Saison auf acht Monate gegen ein Hono-\nrar von 16,000 Fl. C.-M. als Gast engagirt worden.\nTrotz der kriegerischen Stimmung gegen die Italiäner sind für\ndie nächste italiänische Saison folgende Mitglieder engagirt: Sechs\nPrimadonnen, vier Tenöre, vier Baritone, vier Bässe, endlich der\nBufFo Zecchini. Zur Aufführung sind bestimmt ausser den beliebten\nOpern des alten Repertoirs : Luisa Valasco, Opera seria von Pacini,\nFiorina, Opera Luffa von Pedrotti, endlich die Opera Luffa „Matri-\nmonio segreto\" von Cimarosa.\nDer verdienstvolle Director der Ober-Realschule bei St. Anna,\nHerr Ferdinand Schubert, der Bruder Franz Schubert's, ist\nnach mehrtägigem Krankenlager den 26. Februar am Typhus ver-\nschieden."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "89", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590319-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nUeber den Vortrag der Kirchenmusik älterer Meister. ,Von L. B. Aus Leipzig (Historisches Concert des Universi-\ntäts-Gesangvereins der Pauliner). Yon —7 —. Die classische Musik in Italien Achtes Gesellschafts-Concert im grossen Gürzenich-\nsaale zu Köln. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Musik-Director Ed. Franck Aachen, das letzte Abonnements-Concert\nBerlin, Lohengrin, Geschwister Ferni Hannover Leipzig Dr. Julius Becker -j- Dresden Wien, Servais, Frl. Tietjens).\n\nUeber den Vortrag der Kirchenmusik älterer Meister.\nBekanntlich haben die Kircnen-Componisten vor\nJlaydn den Vortrag in ihren Gesangstücken selten, meist\ngar nicht durch dynamische Zeichen des Ausdrucks [f,\nmf, f., cresc. u. s. w.) angedeutet. Dadurch ist bei vielen\nMusikern die Meinung entstanden, als sei der veischieden\ndurch Betonung und Ausdruck abgestufte, derjenigen Em-\npfindung, die im Texte und in der Melodie vorherrscht,\nangepasste Vortrag bei jenen Compositionen unnöthig oder\ngar vom Hebel. Dass die Verlheidiger dieser Meinung,\nwenn sie consequent bleiben wollen, diese so genannte\nEinfachheit oder Einfalt des Vortrages nicht nur bei den\nChören, sondern auch bei den Arien und Recitativen der\nälteren Kirchen-Compositionen verlangen müssen, scheint\nihnen bei ihrer Behauptung weniger zum Bewusstsein ge-\nkommen zu sein; man kann wenigstens vernünftiger Weise\nnicht wohl annehmen, dass sie auch daran gedacht haben,\ndenn die Anwendung ihres Grundsatzes auf die Soli\nhiesse ja dem Gesänge sein eigentliches Wesen, die durch\nihn allein in ergreifender Weise zur Erscheinung zu brin-\ngende Seele rauben.\nWenn es aber unzweifelhaft ist, dass die Sänger der\nSolostücke in den Compositionen von Bach und Händel\nzur Zeit der Entstehung und ersten Aufführungen dersel-\nben die Kunst des Gesanges und mit ihr allen psychischen\nAusdruck sicher nicht verläugnet und abgeworfen haben,\nmit welchem Rechte will man dann fordern, dass dies bei\nden mehrstimmigen Gesängen geschehen solle? Sollen z.B.\nBach's Choräle so abgeplärrt werden, wie man sie heutzu-\ntage in den Kirchen hört? Ich will Niemandes Gelühl\nantasten, der sich auch bei solchem Gesänge eines ihm\ntheuer gewordenen Kirchenliedes erbauen kann; aber hier\nist von Musik die Rede, von der Kunst, nicht vom Glau-\nben. In dieser Beziehung wird jeder Musikverständige beim\nersten Blicke in die Bach'chen Choräle seiner Passionen\nwahrnehmen, dass diese Stimmführung und Harmonisi-\nrung nicht für die wirkliche Gemeinde, sondern für eine\nideale, durchaus musicalische, mithin für künstlerischen\n«\nVortrag berechnet ist. Mosewius sagt darüber unter An-\nderem: „In Lied und dessen Melodie kann jeder Zuhörer\neinstimmen. Doch wäre dies wider die Absicht des Mei-\nsters; er will der wirklichen Gemeinde gegenüber auch\nseine eigene künstlerisch gestalten und übergibt ihr\nnur in der Hauptstimme den Volksgesang, sich da-\ndurch jener verständlich und bemerkbar zu machen, „ „da-\nmit ihn\" \",wie Eckardt in der Vorrede seiner Choral-Be-\narbeitungen sagt, „„die christliche Gemeinde bei sich\nselbst, nach ihrer Andacht singend imitiren kann\"\"\nbei sich selbst, innerlich, indess die fingirte Gemeinde\nden Kirchengesang in künstlerischer Gestaltung\nvorträgt.\" (J. S. Bach's Matthäus-Passion, S. 30.) An\neinem anderen Orte (S. Bach's Choralgesänge, Berlin, bei\nTrautwein) weis't derselbe Musikgelehrte nach, dass auch\ndie Sammlung Bach'scher Choralgesänge durchaus nicht\nzur Begleitung des Gemeinde-Gesanges beim Gottesdienste\nentworfen sei.\nVeranlassung zu diesen Zeilen war ein Artikel des\n„Frankfurter Volksfreundes\", dessen musicalischer Bericht-\nerstatter durch frühere gelegentliche Bemerkungen über\nfrankfurter Aufführungen sich als sachverständig legitimirt\nhat. Er sagt in Nr. 4 des genannten Blattes:\n„W as die Vorträge der Choräle (ohne Instrumental-\nBegleitung) betrifft, so hat der Cäcilien-Verein eine seltene\nKunstfertigkeit in der Nuancirung und Festhaltung der\nTöne bewiesen. Wer je mit der Einübung grösserer Chöre\nsich zu befassen hatte, kennt die mancherlei Schwierigkei-\nten und Hindernisse, die zur Gewinnung einer kunstsinni-\ngen Schattirung gleichsam zu bekämpfen sind. So sehr wir\nnun aber dieser Kunstgewandtheit des Cäcilien-Vereins\nAnerkennung zollen, so ist doch die vorgekommene Nuan-\ncirung, namentlich das Decrescendo bis zum Hinsterben,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "90", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590319-01.1.2", "texte": "so wie das allzu häufige Ritardando für die Bach'schen\nChoräle nicht angemessen, sondern es werden dieselben\nhiedurch geradezu modernisirt und erscheinen daher eben\nso unpassend, als wenn man das Contrefait des alten Herrn\nselbst, anstatt es mit altdeutschem Bock, Allonge-Perrücke\n11. s. w.- zu schmücken, mit allem Zubehör eines aulge-\nputzten Stutzers nach neuester pariser Facon ausstaffiren\nwollte. Es ist allerdings bekannt, dass gerade durch der-\nartige Nuancirungen beim Absingen des Miserere von\nAllegri in der Sixtinischen Capelle zu Rom während der\nCharwoche ein ausserordentlicher Effect bewirkt werden\nsoll, was nicht selten (freilich nicht überall mit Glück)\nnachgeahmt wird; man darf aber hierbei nicht übersehen,\ndass dieses Miserere aus nur zwei kurzen, melodisch und\nharmonisch dürftigen, für zwei Chöre bestimmten Ton-\nsälzehen besteht, die sich so oft wiederholen, als der Psalm\neben Verse enthält, und somit bei gleicher Tonstärke Lan-\ngeweile erregen können, wie dann der bezeichnete Effect\nauch noch durch die Decoration und Beleuchtung der\nKirche seine vollständige Eigentümlichkeit erhält. Bach's\nMusik dagegen, die bis zu den Chorälen durch kunst-in-\nteressante Stimmenführung, verbunden mit harmonischer\nFülle, in sich selbst Reiz genug enthält, um zu gefallen,\nuns zu erbauen, zu beseelen, bedarf äusserlicher llülfs-\nmiltel und auch der heutzutage bis zum Uebermaass ver-\nwandten süsslichen Sentimentalitäts-Affectation nicht. Zudem\nhat Bach in der Partitur ausdrücklich den Singstimmen je\nnach ihren Ton-Regionen entsprechende Instrumental-Be-\ngleitung im Einklänge oder in derOctave, so wie Orgel-Be-\ngleitung vorgeschrieben, und es ist somit ein Ueberschrei-\nten der vom Tonmeister angegebenen oder ein Ergänzen-\nwollen der unterlassenen dynamischen Bezeichnungen nicht\nwohl statthaft.\"\nDa wird das Kind wieder einmal mit dem Bade aus-\ngeschüttet! „Süssliche Sentimentalitäts-Affectation\" wird\n.\nman um so weniger in dem Vortrage alter Kirchenmusik\nhaben wollen, als der gesunde Geschmack sie in keiner\neinzigen Gattung von Vocalmusik duldet. In wie weit den\nCäcilien-Verein und dessen Dirigenten dieser Vorwurf trifft,\nkönnen wir nicht wissen, gestehen aber offen, dass wir\nihn für unverdient oder wenigstens für übertrieben halten,\nweil der Referent von seinem Standpunkte aus der Mei-\nnuni; ist, dass der künstlerische Ausdruck bei Bach'schen\nCompositionen „nicht wohl statthaft\" sei und deren „kunst-\ninteressante Stimmführung u. s. w. in sich selbst Reiz ge-\nnug enthalte, um zu gefallen, uns zu erbauen, zu besee-\nlen!\" - Wer sind denn die wir, von denen dieses uns\nkommt? das gebildete Publicum oder die grammatisch fe-\nsten Musiker? das Volk oder die Gelehrten? die Kunst-\nfreunde oder die Pedanten? Zu solchen Fragen gelangen\nwir fast wider unseren Willen, wenn man uns als Gesetz\nhinstellen will, Bach'sche und Händel'sche Sachen „mit\ngleicher Tonstärke\" singen zu lassen. Was heisst das\nüberhaupt? Alles forte,oder Alles oder Alles\nforte*} Man ziehe doch nur die Consequenzen, und man\nwird das Unkünstlerische, ja, Widersinnige solcher Forde-\nrungen einsehen.\nIch werde lür meine Person allerdings mächtig ergrif-\nlen von der Gewalt der Polyphonie in Bach's Musik und\nhabe oft genug an mir selbst empfunden, dass seine grösste\nMacht eben darin liegt; allein das kann mich doch nicht\nblind machen für eine -- wenn auch nur ideale Aus-\nfuhrung derselben mit vollendeter Kunst des Ausdrucks in\njeder Stimme, da offenbar durch eine solche nicht bloss\ndas materielle, sondern das eigentlich geistige Leben der\nPolyphonie recht hervortreten würde.\nZwischen „süsslicher Sentimentalität\" (und gar zwi-\nschen „Alfectation\" derselben) und dem Ausdruck der\nWahrheit des Gefühls durch den Vortrag liegt eine\nungeheure Kluft; diese aber, die Wahrheit des Ge-\nfühls, die Sprache der Seele mögen wir um keinen Preis\naus der Musik verbannen, sie mag Namen und Gattungs-\nCharakter tragen, welche sie wolle. Die grösste Wirkung\nBach'scher Vocalmusik wird dann Statt finden, wenn, wie\nMarx sagt, „der Chor der Stimmen sich wirklich be-\nseelt, wenn jede Stimme im eigenen freien Dasein als\neine Person für sich uns nahe tritt, um sich mit allen\nanderen gleichberechtigten, gleichfreien zu Einem Ganzen,\nzu Einem Zwecke zu vereinen.\" Erst dann wird nicht\nbloss der Musiker, sondern jeder Kunstfreund, ja, selbst\nein grosser Theil des gewöhnlichen Musik-Publicums, füh-\nlen, dass hier nicht bloss eine Probe contrapunktischer\nWeisheit vorgeführt wird, sondern ein geistiges Leben in\nTönen, welches aus einer Menschenbrust quillt, die Alles\nhat, Glauben und Wissen, Gefühl und Verstand, Poesie\nund Technik, und welches desshalb so wie wenig anderes\nvon Menschen Geschaffenes im Stande ist, die Seele zu er-\ngreifen, zu stärken, zu erheben.\nWie sollen wir aber den geeigneten Ausdruck der\nGefühls-Wahrheit in den Compositionen der älteren Mei-\nster finden, um der Ausführung durch ihn Leben zu\ngeben?\nDas ist freilich keine leichte Aufgabe. Hören wir dar-\nüber und über das Thema, das wir besprechen, überhaupt\nMosewius (a. a. 0., S. 19j:\n„Ob denn nun wirklich jene Zeichen Bach's (die No-\nten) alles in sich enthalten, was wir als immanent in ihnen\ngeschaut haben? Ich kann nur sagen: „ „Allerdings, ja!\" \"\nDoch wollen sie ihrem Sinne nach belebt werden; mittels\nder Stimme und Sprache, mittels des Stimmklanges, mittels"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "91", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590319-01.1.3", "texte": "aller dem lebendigen Geiste zu seiner Kundgebung zu Ge-\nbote stehenden dynamischen Mittel. Fehlt dieser, oder ver-\nmag er das Erkannte nicht im Gefühle zusammen zu fas-\nsen und auszudrücken, dann möchte manche unserer An-\ndeutungen dem Zuhörer nicht zur Anschauung gebracht\nwerden können. Eine andere Frage ist diese: Ob denn die\nzu belebenden vorhandenen musicalischen Zeichen auch\ndas Angedeutete ganz unverkennbar und eben auch\nnur das Angedeutete bestimmt bezeichnend ausdrücken?\nDie Antwort muss entschieden verneinend ausfallen;\nan und für sich, wie sie da stehen, nicht. Es versteht sich\nwohl von selbst, dass, wie in der Sprache auch nur die\nWorte in ihrer Beziehung auf und zu einander, so auch\nin der Musik die Beziehungen der Töne auf einander, die\nBetonung, der schwächere oder schärfere Accent, die mehr\noder mindere Hervorhebung des einzelnen oder mehrerer\ngegen einander dem Satze einen Sinn geben können. Der\nRhythmus, die Gliederung desselben in übereinstimmende\noder sich widersprechende kleinere rhythmische Abthei-\nlungen, Höhe und Tiefe der Töne nach Maassgabe der\nInstrumente und Stimmen, ihre Erhebung und Senkung,\nin an einander gefügten Reihen oder in Sprüngen, ihr\nfestes und bestimmtes Eintreten, oder ihr ruhiges und den\nKlang entwickelndes Ausströmen, ihre Schweifung, ihre\nmehr oder mindere Verzierung, wie die Art der Aus-\nschmückung, dabei ihre harmonische Beziehung auf einan-\nder, lassen den Charakter der Melodie erkennen und geben\nihr im Gesänge durch das ihm verbundene Wort und durch\ndie diesem verliehene Färbung der Vocale bestimmte Be-\ndeutung und unverkennbaren Ausdruck. Nur ein leb-\nhaftes und geübtes Vorstellungs-Vermögen für das Auszu-\ndrückende, ein in sich ruhendes Versenken in den Gegen-\nstand, vollkommene Kenntniss der Form und Herrschaft\nüber ihre Gestaltung können den Sänger wie den Compo-\nnisten zur sicheren und anschaulich deutlichen Darstellung\ndes Charakteristischen und Wahren im Bereiche des Schö-\nnen führen. Die geschriebene Note ist nur ein Zeichen für\nden Ton, ein Buchstabe; ihre Zusammenstellung gibt\nWorte, Sätze und Perioden; und wie in der Rede sich\nblosses Ablesen, richtiges Lesen, sinngemässes Le-\nsen, die Sprache des gewöhnlichen Lebens von der rhe-\ntorischen, diese wieder von Declamation und begei-\nstertem Vortrage unterscheidet, so findet dasselbe Ver-\nhältniss bei jeder Verlautbarung eines musicalischen Satzes\nStatt, wobei jedoch der Unterschied ein sehr wesentlicher\nist, dass ein Satz in Tönen, eben durch die für seine Ver-\nlautbarung noch nothwendige subjective Zuthat, an sich\nimmer vieldeutig bleibt und seine letzte Begründung doch\nmehr im Gefühle als im erklärenden Verstände findet.\nDieser kann nichts weiter als jenes sich verdeutlichen und\nzum Bewusslsein bringen. Ahe und jede musicalische\nAusbildung geht diesen Weg, sobald die Tonkunst nicht\nallein als ein freies Spiel in Tönen betrachtet wird, in wel-\nchem Falle sie aus der Reihe der schönen Künste schei-\nden müsste und nichts weiter als eine verfeinerte mecha-\nnische Kunst wäre. Die gute Absicht, durch Schriftzeichen\ndie musicalische Declamation näher anzudeuten, hat leider\nden Mechanismus in der Tonkunst sehr gefördert. Wir\nfinden vom /// ab bis zum pp-p in neueren Werken jede\nPhrase bezeichnet und in ihnen fast an jeder Note ihr dy-\nnamisches Verhältniss zu den übrigen angedeutet. Diese\nAufgabe, im Vortrage den vorliegenden Zeichen Genüge\nzu leisten, zieht von der lebendigen Auffassung der Melo-\ndieen, von ihrer Darstellung von innen heraus ab. So lernt\ndie leibliche Hand geschickt den Bogen, die Lunge des\nSängers geschickt den Athem nach vorgeschriebenen Zei-\nchen zu scheinbarem Ausdrucke führen; weil jedoch der\nGeist dabei ruht, so fehlt der Hand, welche den Bogen\nführt, auch der ihn belebende Pulsschlag, dem Tone des\nSängers und Bläsers die Wärme der beseelten Brust.\n„In Folge dessen bleiben die herrlichsten Werke sol-\ncher Meister, denen diese Bezeichnung fehlt, von den Aus-\nführenden auch unbelebt und werden häufig als veraltet\nund unschmackhaft bei Seite gelegt. Bach und Händel\nwussten von solchen Zeichen nichts, Mozart Und Haydn\nwenig, und wie viel des zu Bezeichnenden ruht in ihnen!\neine Californien überbietende Fundgrube reichhaltiger\nGoldschätze.\"\nAuf ähnliche Weise spricht sich A. G. Ritter in dem\nVorworte zu seiner Ausgabe der Cantalen J. S. Bach's\nim Clavier-Auszuge (Nr. 1, Magdeburg, bei Heinrichsho-\nfen. Pr. 1V2 Thlr. Chorstimmen zu Bogen 3 Sgr.—schön\nausgestattet, überhaupt eine für Gesang-Vereine sehr em-\npfehlenswerthe Ausgabe) aus:\n„Das Hinwegbleiben aller ausser den vom Autor selbst\nvorgeschriebenen dynamischen Zeichen erregt vielleicht Be-\nfremden bei einem Werke, das vor Allem wünscht, für\ndie lebendige Ausführung sich nützlich zu machen. Han-\ndelte es sich um Herausgabe der Partitur zu praktischem\nGebrauche, so würde die Hinzufügung nicht unterblieben\nsein; hier aber, wo ich vorzugsweise Sängerkreise im Auge\nhabe, die unter der Führung eines der Sache kundigen\nund ihr mit Liebe hingegebenen Mannes gleiche Kunde\nunter gleicher Hingebung zu erlangen bemüht sind, glaubte\nich den sinnigen Tönen des Meisters selbst es überlassen\nzu dürfen, in dem entgegenkommenden Gemüthe die Wur-\nzeln ihres eigenen frischen und lebendigen Wieder-Erblü-\nhens zu fassen. Magdeburg, im October 1854.\"\nDasselbe muss bei den Compositionen der älteren Ita-\nliäner und Niederländer Statt finden. Den Italiänern, qui-\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590319-01.1.4", "texte": "his dcdit ore rotundo Musa canere, wird es zu keiner Zeit\neingefallen sein, aus dem Kirchengesange jeder Art, nicht\nbloss dem Allegri'schen Miserere, den schönen Vortrag,\nden belebenden Hauch der Seele zu verbannen; ja, selbst\nin unseren Tagen halten sie trotz dem Verfall des edeln\nGesangstils und dem überhand nehmenden Schreien auf\nden Theatern in der Kirchenmusik noch stets auf den ge-\ntragenen, ausdrucksvollen Vortrag nach alter Schule, wie\nneuere Reisende und italiänische Musik-Zeitungen be-\nrichten.\nDass man in den Anforderungen an den Vortrag der\nälteren Chormusik zu weit gehen oder vielmehr einen ver-\nkehrten Weg einschlagen kann, der zu wirklich verwerf-\nlicher Modernität, zu Weichlichkeit und Süsslichkeit führt,\nwer wollte das läugnen und nicht aufs ernstlichste davor\nwarnen? Ist denn aber nicht bei jedem Gesänge das Ma-\nnierirte verwerflich? Auch der musicalische Ausdruck kann\nlügen, eben so wie der sprachliche, wie Miene und Ge-\nberde; welcher Mensch von Geist, Gefühl und Charakter\nwird aber, weil er die Lüge verabscheut, verschmähen, der\nWahrheit den gebührenden Ausdruck zu geben? Es\ngibt freilich Menschen, namentlich in Deutschland, die sich\ndem Schönen gegenüber nicht nur gleichgültig, sondern\nschroff und roh verhalten und das für Charakter, Energie,\nund wie sie es sonst nennen, ausgeben, ja, gewisser Maas-\nsen stolz darauf sind, als wären sie altrömische Republika-\nner, vor denen ein Mann wie Cicero nicht zu sagen wagte,\ndass er die Kunst liebe und etwas davon verstehe. Solche\nLeute, und insbesondere Musiker, sehen dann in der älte-\nren Kirchenmusik nur symmetrische Reihen von Tönen\nund berechnete Folgen von Combinationen; um diese durch\nden Gesang zur Erscheinung zu bringen, bedarf es ja nur\nder Reinheit der Intonation, des richtigen Treffens und\nTactes. So kommen wir denn am Ende dahin, dass über-\nhaupt das Hören überflüssig sein wird zum Genüsse eines\nmusicalischen Werkes; das Lesen reicht hin, dem Ver-\nstände den einzig würdigen Genuss zu verschaffen! L. B.\n\nAus Leipzig.\n[Historisches Concert des Universitäts-Gesang-\nvereins der Pauliner.]\nDie Veranlassung zu diesem Concerte, das am 21. v.\nMts. Statt fand, spricht das Vorwort des Programms aus:\n„Der deutsche Männergesang, eine einflussreiche\nSchöpfung unseres Jahrhunderts, verbreitet durch unzähl-\nbare Vereine überall, wo die deutsche Zunge erklingt, er-\nreichte in diesen Tagen die Zeit seines fünfzigjährigen\nBestehens, ohne dass seine Pfleger, Förderer und Freunde\ndieses Zeit-Ereignisses eingedenk wurden.\n„Am 24. Januar 1809 traten unter dem Dirigenten\nder berliner Sing-Akademie und nach dessen Aufforderung\ndie ersten 24 Mitglieder der „Zelter'sehen Liederta-\nfel1\" zur Pflege des Männergesanges zusammen, und fand\nderselbe in solch freier Vereinigung geistig bedeutender,\nhochgebildeter Männer seine deutsche Wiege.\nIn dankbarer Erinnerung an jene Männer, die mit\nihrem Genius die Gabe des Gesanges als goltgegebenes\nMittel zur Volksveredlung benutzten und die Heranbildung\ndes Männergesanges zu einem würdigen Kunstzweige för-\nderten, hat der Universitäts-Gesangverein bei Wahl seiner\nLieder der hervorragendsten Grössen auf dem Gebiete des\nMännergesanges gedacht, wohl fühlend, dass er nur mit\nEntsagung Namen und Lied manch verehrten Künstlers\nob der kurzen Spanne Zeit verschweigen muss.\"\nDas Programm selbst war folgendes:\nErster Theil. 1. Religiöses Lied für vier Män-\nnerstimmen von Adam Gumpeltzhai-mer (geb. 1659,\nCantor an der St.-Annen-Kirche zu Augsburg). 2. Ou-\nvertüre von Beethoven, Op. 124.\n3. Drei Lieder von H. Nägeli: «Es klingt ein heller\nKlang\"; Zelter: „Invocavit wir rufen laut\" von Göthe\nund C. M. von Weber: „Schöne Ahnung ist entglom-\nmen\", aber mit einem anderen Texte: „Singet dem Ge-\nsang zu Ehren!\" [was uns jedoch unhistorisch, folglich dem\nCharakter des Concertes nicht angemessen dünkt. Weber\nhätte gerade hier durch eines seiner Körner'schen Lieder\nvertreten werden müssen].\n4. Concert für Pianoforte von Beethoven, Nr. 4,\nOp. 58, vorgetragen von Herrn H. von Bülow.\n5. „Die Capelle\" von Conr. Kreutzer. 6. Ver-\ngeb'ne Liebesmüh', altdeutsches Lied von Fr. Schneider.\nZweiter Theil. 1. Chöre (111. Scene des zweiten\nActes) aus Lohengrin von R. Wagner.\n2. Wanderlied („Vom Grund bis zu Gipfeln\") von F.\nMendelssohn-Bartholdy. 3. Die Minnesänger von\nH. Heine („Zu dem Wettgesange schreiten\") von Rob.\nSchumann.\n4. Capriccio über Motive aus Beethoven's Ruinen\nvon Athen für Ciavier und Orchester (von F. Liszt\nManuscript}, vorgetragen von H. von Bülow.\n5. „Die Blumen im Walde\". Schottisches Volkslied\nvon J. Dürrner. 6. „Ueberall bin ich zu Hause.\"\nVon Rob. Franz (zum ersten Male, Manuscript). 7.\nSchlachtlied von Klopstock für zwei Männerchöre mit Or-\nchester. Dem Pauliner-Vereine gewidmet. Von C. Rei-\nnecke, Op. 56 (zum ersten Male).\nAusserdem enthält das elegant gedruckte Programm\n(11 S. in 8.) noch einige historische Notizen über die Ent-\nwicklung des Männergesangs und über die Componisten"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590319-01.1.5", "texte": "für ihn, zuletzt auch eine sehr wahre Bemerkung über den\nVerfall desselben: „So überreich auch die Literatur für\nden Männergesang in der neuesten Zeit ist, so dürfen wir\nnicht verschweigen, dass der Beschaffenheit der Werke\nnach nur der geringste Theil dem Kunstgebiete angehört.\nEin Kraftlied, das frisch durchschlägt und zündet, ist jetzt\neine seltene Erscheinung, jetzt, wo jede kindische Wen-\ndung lür Humor, Lieder läppischen und zweideutigen In-\nhalts für geeignete Kost der Männer-Gesangvereine gehal-\nten werden. Doch noch gross ist die Zahl der Künstler,\nwelche die wahre Kraft in sich tragen, ein frisches Gedei-\nhen des Männergesanges durch entsprechende Gaben zu\nfördern\" u. s. w.\nDie vierzehn Männer-Quartette von Johann Mi-\nchael Haydn, welche nach der Notiz auf S. 3 im Jahre\n1788 zu Salzburg herausgekommen, sind nicht die einzi-\ngen von diesem fruchtbaren Meister. Gerber führt noch\nan: „Karl der Held\", ein Gesang zu vier Männerstimmen\nohne Begleitung. Salzburg, 1800. „Willkommen im\nGrünen\", eben so, 1800 mit dem Zusätze: „Werden\nfort gesetzt\". Es dürfte für Männer-Gesangvereine interes-\nsant sein, eines oder das andere dieser Lieder einmal wie-\nder ans Licht zu ziehen, zumal jetzt, wo die Neigung zu\nAusgrabungen auf musicalischem Gebiete Mode ist. Im\nNachlasse J. M. Haydn's (er starb den 10. August 1806\nin Salzburg) befanden sich, ebenfalls nach Gerber: „66\ndeutsche vierstimmige Gesellschaftslieder zu Männerstim-\nmen\" und „unzählbare Canoni\".\nUeber die Ausführung füge ich hinzu, dass das Schu-\nmann'sehe Lied da capoverlangt wurde, so wenig es hier\nmundet. Trefflich wurde das alte Lied von Gumpeltz-\nhaimer gesungen, und erwies sich die Composition fri-\nscher, als manche andere, die etliche Hundert Jahre jün-\nger sind. Dürrner's schönes Lied ging an übertriebener\nZartheit und kindlichem Piano zu Grunde; die „Männer\" -\nGesangvereine suchen etwas darin, gelegentlich wie liebes-\nwunde „Mägdlein\" zu seufzen und zu lispeln! Die Lieder\nvon Weber, Kreutzer, Schneider und die Scene aus\nLohengrin waren in der Ausführung tadellos.\nIn Bezug auf neue Compositionen war der Verein\ndieses Jahr nicht glücklich. „Ueberall\" und so weiter\nvon Franz ist ein Dutzend-Lied, welches hübsch gearbei-\ntet ist, aber dem Charakteristik fehlt; es ging ohne Ein-\ndruck vorüber. Wie ganz anders ist der Charakter in dem\nZöllner'sehen „Ich hab' meine Sach' auf nichts gestellt\"\nfestgehalten! Ueberhaupt hat der Pauliner-Verein ein\nschreiendes Unrecht begangen, in seinem historischen\nConcerte nichts von Zöllner aufzuführen, der im Verein\nmit Marschner die rechte Art des Männergesanges für\njunge Kehlen zu treffen wusste, während die Quartette vie-\nler anderen (selbst Mendelssohn nicht ausgenommen) doch\nmehr an Thee-Gesellschaft und Glacd-Handschuh erinnern.\nRein ecke's Schlachtlied halte ich für ein verfehltes\nWerk. Klopstock's Verse im Opernstile, ohne schwere\nDeclamation, mit Zukunfts-Blechmusik das ist meines\nErachtens ein Missgrift', gegen den man sich nur abweh-\nrend verhalten kann. Ohne die Widmung wäre es wohl\nnicht gewählt worden.\nHerr v. Bülow spielte das Beethoven'sche Concert mit\ngrosser Selbstbeherrschung, ohne weimar'sche Faxen, in\nvoller Hingebung, edler Auffassung und vollendeter Tech-\nnik (wenn er auch ein paar Mal daneben griff'). Die Liszt'-\nsche Verballhornung Beelhoven's war vom humoristischen\nStandpunkte aus gelungen, vom musicalischen verdiente sie\ndas Gelächter, mit welchem sie zu Grabe getragen wurde.\nEine andere Kritik ist nicht möglich. Wenig fehlte, und\nHerr v. Bülow hätte auch in Leipzig über das Zischen dem\nPublicum seine Privat-Ansichten mitzutheilen Gelegenheit\ngehabt. —7\n\nDie classische Musik in Italien.\nDie Armonia,eine musicalische Zeitung, die in Flo-\nrenz erscheint, sendet uns in ihrer Nummer v. 31. Januar\ndieses Jahres einen Bericht, der in Bezug auf die gegen-\nwärtigen Musik-Zustände in Italien manches Charakteristi-\nsche enthält, das wir auszugsweise mittheilen.\n„Von Zeit zu Zeit\", heisst es darin, „bemühen sich\neinige Verehrer und Freunde der Tonkunst in Florenz,\nder classischen Musik die Würdigung zu verschaffen, die\nihr zukommt, wobei sie mit tausend mächtigen Hindernis-\nsen zu kämpfen haben, ohne sich jedoch dadurch entmu-\nthigen zu lassen. An der Spitze steht die\ndio dellaMusica classica,schon vor Jahren durch Professor\nGeremia Sbolci gestiftet. Neben ihm öffnen zuweilen\ndie Professoren Maglioni, Giorgetti, Giovacchini ihre Säle\nden Freunden classischer Musik. Die\ndie bis jetzt dem edlen Ziele, die heilige Flamme des wah-\nren Musicalisch-Schönen zu nähren, zu widerstreben schien,\nschlägt jetzt auch den besseren Weg ein, um im Sinne der\ngenannten Männer die Blüthe der Musik in unserer Stadt\nzu pliegen.\n„Im Monat Januar haben wir zwei Akademieen (Con-\ncertej, in denen Haydn, Mozart, Beethoven und Mendels-\nsohn das Scepter führten, gehabt. -\n„Die erste (am 15. Januar) gab die\nMusica classica.Sie wurde mit der ersten Sinfonie in\ndur von Beethoven eröffnet. (Unter den Bemerkungen\nüber das Werk heisst es unter Anderem: Die Sinfonie ist"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "94", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590319-01.1.6", "texte": "1801 geschrieben und wurde mit 20 Ducaten bezahlt.\nUlibischcff sagt mit Recht, sie würde ein Wunderwerk\nsein, wenn Haydn und Mozart nicht gelebt und Beethoven\nseine acht anderen Sinfonieen nicht geschrieben hätte.) Das\nFinale musste auf allgemeines Verlangen wiederholt wer-\nden. Die Ausführung unter Leitung des Prof. Giovacchini\nwar vortrefflich.\n„Es folgte die Messe in D-moll von Jos. Haydn.\nWir miissten zu ausführlich werden, wenn wir alle Schön-\nheiten dieser zauberischen Composition zergliedern wollten.\nVielleicht könnte man ihr und einigen anderen von dem-\nselben Meister zu grossen Reichthum vorwerfen; wesshalb\nsoll denn aber der Reichthum in heiligen Dingen geächtet\nwerden? Sind nicht die Dome reich und prächtig? Wess-\nhalb soll die Tonkunst arm sein? Warum sollen die Erobe-\nrungen, die sie seit dem sechszchnten Jahrhundert gemacht\nhat, für die Kirchenmusik nicht vorhanden sein? Ilaydn\nwendet den Reichthum mit Urlheil und Bescheidenheit an;\nein Musiker, der seine Töne zu Gott erhebt, muss aufrich-\ntig sein, und das war Haydn, der seine Andacht immer\nso ausdrückte, wie er sie fühlte. In der Musik gibt es\nHeuchelei so gut wie in der Bede, und auch in der Mu-\nsik dient die Sprache zuweilen dazu, die Gedanken zu ver-\nbergen. Haydn hat unserer Meinung nach die äusserste\nGränze berührt, und wer ihm folgt und nicht sein Genie\nhat, läuft Gefahr, in den Abgrund der Profanmusik zu\nstürzen, welcher dicht an jener Gränze liegt. Die Ausfüh-\nrung der Messe war sehr gut; der Chor, Damen und\nHerren, bestand aus den Mitgliedern der Gesellschaft, Di-\nlettanten und Sängern von Fach u. s. w.\n„Mozart krönte das Programm. Herr Vincenz Meini\nsang vortrefflich ein Motetto desselben für Bass-Solo mit\nChor, und das Magnificat schloss das Concert. Es musste\nauf einstimmigen Ruf der Zuhörerschaft wiederholt werden.\n„Es war in der That erfreulich, zu sehen, wie befrie-\ndigt alle Zuhörer waren; es belebte dies in uns die Hoff-\nnung, dass endlich sich doch im Allgemeinen die Liebe zu\neiner Kunstgattung entzünden könne, welche bis jetzt\nnoch nicht ohne Widerstreben von dem grossen\nPublicum angehört wird.\n„Wir dürfen nicht verschweigen, dass dieses so schöne\nConcert, so wie viele andere, nicht zu Stande gekommen\nwäre ohne die kräftige Unterstützung des Herzogs San\ndemente. Dieser kenntnissreiche Dilettant widmet das\nder Kunst, was Andere auf frivole Zerstreuungen verwen-\nden. Ihm sind alle aufs höchste verpflichtet, die es zu erle-\nben wünschen, dass die classische Musik in unserem Ita-\nlien besser gewürdigt werde, weil dies allein den\nsonst unvermeidlichen Verfall der Tonkunst\nhindern kann.\n„Die Societä Filarmonicagab am IG. Januar ein\nMorgen-Concert, in welchem ebenfalls die classische Musik\nvorherrschte. Es begann mit der Ouvertüre zur Iphigenie\nin Aulis von Gluck. (Sie scheint nicht recht gemundet zu\nhaben, denn der Berichterstatter sagt: Wenn man sie auch\nheute nicht als Muster aufstellen kann, so zeigt sie doch,\nauf welchem Standpunkte sich diese Gattung von Compo-\nsition im Jahre 1774 befand.)\n„Einem einjährigen Mädchen zu Liebe war, freilich\netwas profan, Schulhof's Carneval von Venedig für Pia-\nnoforte auf das Programm gekommen. Die Kleine spielte\nziemlich gut, und mit Vergnügen hörten wir sie nachher\nim Septett von Hummel.\n„Das Orchester führte ausserordentlich schön die Ouver-\ntüre von F. Mendelssohn-Bart holdy zu Shakespeare'«\nSommernachtstraum aus. Dieses Drama ist eine der gröss-\nten Extravaganzen des grossen englischen Dichters, in der\nThat ein wunderlicher Traum u. s. w. u. s. w. Die Ouver-\ntüre ist eine so freie und geniale Erfindung, wie sie sich\nnicht zwei Mal im Leben eines Menschen findet, ein poe-\ntischer Erguss der Eindrücke der Jugend einer glühenden\nSeele und einer tiefen musicalischen Einsicht. Die Wirkung\nauf die Zuhörer der Filarmonica war eine ausserordent-\nliche, wesshalb wir uns erlauben, eine Bemerkung zu ma-\nchen. Bei unseren Musikern waltet der Irrthum ob, dass\neine Composition keine Wirkung machen könne, wenn sie\nnicht aus vielen Motiven entspringe, welche die Ohren\nkitzeln [che solleUchino assai le orrecchie); nun, in dieser\nOuvertüre findet sich kaum eines von jenen Motivlein\n(motivetii), und dennqph macht sie einen so lebhaften Ein-\ndruck auf das Innere des Zuhörers, so wahr und eindring-\nlich ist darin die musicalische Schilderung. Sie versetzt uns\nin dieselbe Stimmung, wie die Aufführung des Drama's\nes thun würde.\n„Den Schluss machte Beethoven's Sinfonie in C-\nmoll. Man hält sie im Allgemeinen für die beste, die er ge-\nschrieben, für diejenige, in welcher das Genie des Com-\nponisten in der ganzen Macht seiner Originalität sich offen-\nbart. (Nun folgen Bemerkungen aus deutschen Schriften\nüber Beethoven.) Das Finale ist staunenswerth; die mäch -\ntigste Klangwirkung, die man kaum geahnt, zeigt sich hier\nzum ersten Male u. s. w.\n„Hoffen wir, dass dia Filarmonica auf dem guten Wege\nfortgehe, den sie jetzt eingeschlagen hat.\" A.\nEs ist erfreulich und jedenfalls interessant, aus Italien\nsolche Stimmen über die Musik unserer classischen deut-\nschen Meister zu vernehmen. Ob sich durch das lobens-\nwerthe Streben, das sich in Florenz offenbart, die Hoff-\nnung der wahren dortigen Kunstfreunde, dem verdorbe-\nnen Geschmack der Menge einen Damm entgegen zu setzen,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590319-01.1.7", "texte": "verwirklichen werde, das müssen wir freilich fürs Erste\nnoch bezweifeln. Doch zeigen sich auch anderswo in Italien\nZeichen eines erwachenden Opposition gegen die neu-\neste Schule, z. B. in einigen Aufsätzen von Rovani, „Sulla\niHusicct contempo) anea tu Ttdfociin der Gcizzcttci ufjiciale\nin Mailand, und in desselben Schriftstellers »Studio stille\nOpa 6di Giuscppß Verdi*, das m Florenz erschienen ist.\nI'ieilich spricht die rnailander GCL?zctta Musiccde dem Ro-\nvani musicalisches Urlheil ab; aber ihr Herausgeber ist\nder Verleger von Verdi's Partituren! Dass die Armonia in\nFlorenz nur zwei Mal im Monate erscheint, ist auch kein\nZeichen eines günstigen Vorurtheils für die Richtung, die\nsie im obigen Artikel ausspricht.\n\nAchtes Gesellschafts-Concert in Köln\nim Hauptsaale des Gürzenich.\nMittwoch, 16. März 1859.\nliogr a m m. Eistcr I heil: i. Ouvertüre zur Oper Iphigenie in\nAulis von Gluck. 2. Chöre aus dem Messias von Händel. 3.\nPhantasie füi die Ilarfe von Parish-Alv&rs, vorgetragen von\nFräul. Marie Mösner. 4. Sinfonie in E-moll von F. Hill er.\nZweiter Theil: 5. Concert-Ouverture von Fdtis. 6. Le reveil des\nPees und La danse des Sylphes für die Harfe von Felix Gode-\nfroy. 7. Ilallelujah aus dem Messias von Händel.\nDie Ouvertüre von Gluck (mit dem Schlüsse von Mozart) wurde\naut sehr wirkungsvolle Weise in demjenigen gemässigten Tempo\nausgeführt, welches allein geeignet ist, die heroische Kraft des\nHaupt-Thema's in den Saiten-Instrumenten gross und breit hervor-\ntreten zu lassen Das Publicum war sichtbar von dem Eindruck die-\nser Art des Vortrags ergriffen und belohnte die Ausführung mit\nlautem Beifall\nEben so vorzüglich gelang dem Orchester der erste Satz von\nHill er7 s grosser £-?»o//-Sinfonie, während die drei übrigen Sätze\nliier und da zu wünschen übrig Hessen; bei nur zwei Proben ist\neine vollendete Ausführung einer schwierigen Composition nicht zu\nverlangen. Die Sinfonie gefiel sehr, jeder Theil derselben wurde mit\nlebhaftem Beifall aufgenommen Wir haben uns schon bei früheren\nAufführungen über den grossen Werth dieser Compositiou ausge-\nsprochen : können wir auch nicht allen Sätzen gleiche Bedeutung\nzuerkennen, so ist doch das ganze Werk eine wirkliche Bereiche-\nrung der musicalischen Literatur auf dem Gebiete der romantischen\nSinfonie, und der Hauptsatz derselben, das erste Allegro, ist eine so\ngeniale Schöpfung voll tiefen Inhalts und Fluss und Guss im Ge-\ndankenstrom und in der Form, c.'ass wir ihm nichts in der so ge-\nnannten Epigonen-Periode nach Beethoven an die Seite zu stellen\nwüssten, das ihn überträfe, und nur weniges, das ihm gleichkommt.\nDie Concert-Ouverture von (dem Aelteren), dem Verneh-\nmen nach erst vor zwei bis drei Jahren componirt, hat uns erfreu-\nlich überrascht durch die Frische der Motive und die fliessende Ar-\nbeit. Der ehrenvverthe Senior der französischen Kritiker und Musik-\ngelehrten bewährt darin, was nicht immer der Fall bei den Theore-\n. *\ntikern ist, seine Lehren; er gibt uns wirkliche Motive, nicht Stück-\nlein von zwei oder drei Tacten, sondern melodische Reihen ; dabei\nist die Factur und Instrumentirung lobenswerth, und das Ganze\nmacht eine recht belebende Wirkung. Die Ouvertüre erhielt lebhaf-\nten Applaus.\nAus Händel's Messias wurden im ersten Theile die drei Chöre\nNr. 23, 24 und 25 in F-moll und F-dur gemacht; das ergreifende\nLargo: „Wahrlich, er trug unsre Qual\", die Fuge: „Durch seine\nWunden\", und der Sänger und Publicum stets erfreuende Chor: „Der\nHerde gleich\"; im zweiten Theile das Hallelujab, Alles von Chor\nund Orchester mit prächtigem Durchdringen der Streich-Instrumente\ngrossartig vorgeführt. Leider waren es nur Proben von dem, was\neine etwas grössere Zusammenstellung aus dem Messias hätte wir-\nken können.\nFräulein Marie Mösner ärntete trotzdem, dass der grosse\nRaum für die Harfe nicht günstig ist, durch ihre Vorträge ausser-\nordentlichen Beifall und wiederholten Hervorruf. Die Technik des\nHarfenspiels ist in Deutschland zu wenig gekannt, um von dem\ngrossen Publicum in gleichem Verhältnisse wie die Kunst des Cla-\nvier-Virtuosen gewürdigt werden zu können. Dennoch erregte die\nausserordentliche Fertigkeit der Künstlerin grosses Aufsehen; ihr\nSpiel ist in der Tliat meisterhaft, und alles, was man in Bezug auf\nVortrag und Schattirung der Tonfarbe auf der Harfe erreichen kann,\nweiss sie dem Instrumente zu entlocken. Es ist zu bedauern, dass\nes so wenig gute Compositionen für die Harfe gibt; wir haben wohl\ngehört, dass einige frühere Harfenspieler schöne Clavier-Compositio-\nnen sich für ihr Instrument eingerichtet haben, z. B. Theodor La-\nbarre, der das A-moll-Concei't von Hummel mutatis mutandis gespielt\nhaben soll. So viel wir wissen, lebt dieser berühmte Harfen-Virtuose\n(geb. 1805) noch in London. Seine Compositionen, von denen wir\nDuo's und Trio's mit Violine oder Blas-Instrumenten, namentlich\nmit Horn und Fagott, gehört zu haben uns erinnern, dürften wieder\nhervor zu suchen sein. Sicher ist es für die Wirkung der Harfe\nvortheilhaft, wenn neben derselben Instrumente anderer Natur, die\nim Stande sind, den Ton zu halten und zu tragen, gehört werden;\ndie Klangfarbe der Harfe, welche, allein gehört, auf die Dauer\nmonoton wird, gewinnt durch den Contrast; daher auch der grosse\nReiz von Harfenklängen im Orchester in Oratorien, Cantaten und\nOpern. Fräulein Mösner hat alle Eigenschaften, die sie zu der\nMission befähigen, die Virtuosität der deutschen Künstler in\nFrankreich und England auch auf einem Instrumente zu voller An-\nerkennung zu bringen, auf welchem in neuerer Zeit hauptsächlich\nnur Künstler aus jenen Ländern glänzten. Wir wünschen ihr\nGlück dazu.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMöl it. Dem Vernehmen nach hat Herr Musik-Director Ed.\nFranck die Stelle eines städtischen Musik-Directors zu Bern in\nder Schweiz angenommen.\n* Äaeßaeßi« Das letzte Abonnements- Concert wurde mit der\nOuvertüre zur Oper Genovefa von Rob. Schumann eröffnet. Herr\nConcertmeister Friedrich Wenig mann erwarb sich cfurch den\nVortrag eines Spohr1 scher. Violin-Concertes grossen Beifall. Ferd.\nHiller's schöne Composition: „Gesang der Geister über den\nWassern\", wurde vortrefflich ausgeführt mit Schwung und auch"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590319-01.1.8", "texte": "mit Feinheit in den Details sowohl im Chor als im Orchester. Von\nFranz Lachner hörten wir eine Fest-Ouverture (zur Ver-\nmählpng des Kaisers von Oesterreich, Manuscript), bestehend aus\neiner Einleitung von feierlichem Charakter und einem sehr compli-\ncirt ausgeführten Allegro, dessen Haupt-Thema ein Festmarsch bil-\ndet, in dessen kunstvolle Bearbeitung auch die Melodie des österrei-\nchischen Volksliedes: „Gott erhalte den Kaiser'*, verflochten ist, erst\nfür das Streich-Quartett, was dann natürlich an Haydn erinnert, und\ndann für sämmtliche Blas-Instrumente über Sechszehntel-Figuren der\nViolinen u. s. w. Leider sind für solche Instrumentation unsere\nViolinen nicht zahlreich genug. Den zweiten Theil des Concertes\nfüllte die Musik von Beethoven zu dem Festspiel: „Die Ruinen\nvon Athen44, aus, zu welcher Herr C. 0. Stern au (Ink ermann)\nsein schönes verbindendes Gedicht vortrug. Die Ausführung war in\nallen Theilen gut, und das Publicum zeigte gespannte Theilnahme\nund Beifall. Wir müssen allen Mitwirkenden und namentlich Herrn\nWüllner, der schon so Bedeutendes in dem ersten Jahre seiner\nhiesigen Wirksamkeit geleistet hatte, den Dank aller Kunstfreunde\naussprechen.\nBs©fl*lin. Dio Wiederholungen der Wagner'schen Oper „Lohen-\ngrin\" sind für die nächste Zeit nicht zu erwarten, da die darin be-\nschäftigte Sängerin Fräulein Wippern wegen Todesfalles ihres Va-\nters beurlaubt worden. Die Künstlerin verlor erst vor vier Monaten\nauch ihre Mutter durch den Tod.\nDie Künstlerinnen Virginia und Carolina Ferni geben\nConcerte unter grossem Beifall des zahlreich zuströmenden Publicums.\nISannOTCr. Der vortreffliche Pianist \"Herr August Dupont\nhat die Ehre gehabt, zwei Mal vor Sr. Majestät dem Könige im kö-\nniglichen Schlosse zu spielen und ist ausserdem für ein zweimaliges\nöffentliches Auftreten im Abonnements-Conccrte und im Hoftheater\nengagirt worden\nIjcigizifg, 12. März. Im 19. Gewandhaus-Concerte am 10. d.\nMts. spielte Aug. Dupont ein symphonisches Concert von seiner\nComposition und im zweiten Theile eine Gavotte von J. S. Bach,\neinen Walzer von Chopin und sein Staccato perpdtuel. Er hatte einen\ngrossen Erfolg; jeder Satz des Concertes wurde applaudirt und er\nselbst wiederholt gerufen. Julius Stockhausen sang ausser eini-\ngen mit Meisterschaft vorgetragenen Liedern die Concert-Arie für\nBass von Mozart und eine Arie aus Rossini's Gazza ladra und ent-\nzückte durch die Leichtigkeit und Eleganz des Vortrages.\nIn Oberlössnitz bei Dresden starb am 26. Februar der bekannte\nVocal-Componist Dr. Julius Becker, ein talentvoller Musiker\nund Schriftsteller.\n1. März. Soiree mitsicale, gegeben von Frau Wil-\nhelmine v. Bock (Sehröder-Devrient). Die hochgeschätzte Künstlerin\nsang den ~Erlkönig\" von Fr. Schubert, „Ich grolle nicht\" von Schu-\nmann und das bereits früher producirte schottische Volkslied, von\nWeber bearbeitet: „Bewunderung\" ; ihr dramatisch-meisterhafter und\ngenialer Vortrag war in den ersten beiden Gesängen wiederum von\nergreifendster Wirkung. Für die Vorführung des Herrn Stockhausen\nsind wir der Concertgeberin zu besonderem Danke verpflichtet. Sein\nGesang hat in jeder Hinsicht eine seltene künstlerisch vollendete\nBildung. Herr Stockhausen sang die Arie des Seneschall aus Johann\nvon Paris von Boieldieu; die durch Verspätung des Accompagna-\nteurs nothwendig gewordene eigene Begleitung des Sängers mochte\nwenn zwar keineswegs der vorzüglichen virtuosen Gesanges-Aus-\nFührung doch der freien Entwicklung des charakteristischen Aus-\ndrucks einigen Eintrag thun. Die gewählten Lieder, von Schubert :\n~An die Leyer\", ~Der Neugierige\" und das auf allseitiges Verlan-\ngen zugegebene ~lch hört ein Bächlein rauschen\", endlich „Herbst-\nlied\" von Mendelssohn möchten zugleich ungefähr den vorwaltenden\nund starken Affecten nicht zugewandten Bereich im lyrischen Ge-\nfühls-Ausdruck des Sängers andeuten. Im höchsten Grade vollendet\nund entzückend war der Vortrag der beiden erstgenannten Lieder,\nderen zweites wiederholt werden musste. (C. B. Dr. J.)\n/\nWien. Servais ist hier angekommen. Sein erstes Concert\nfindet in der zweiten Hälfte dieses Monats Statt.\nFräulein Tietjens, deren Abgang vom Hof-Operntheater bevor-\nstand, ist für die nächste Saison auf acht Monate gegen ein Hono-\nrar von 16,000 Fl. C.-M. als Gast engagirt worden.\nTrotz der kriegerischen Stimmung gegen die Italiäner sind für\ndie nächste italiänische Saison folgende Mitglieder engagirt: Sechs\nPrimadonnen, vier Tenöre, vier Baritone, vier Bässe, endlich der\nBufFo Zecchini. Zur Aufführung sind bestimmt ausser den beliebten\nOpern des alten Repertoirs : Luisa Valasco, Opera seria von Pacini,\nFiorina, Opera Luffa von Pedrotti, endlich die Opera Luffa „Matri-\nmonio segreto\" von Cimarosa.\nDer verdienstvolle Director der Ober-Realschule bei St. Anna,\nHerr Ferdinand Schubert, der Bruder Franz Schubert's, ist\nnach mehrtägigem Krankenlager den 26. Februar am Typhus ver-\nschieden."}]}