{"numero_id": "bm-bmtnabi-1859-04-09-01", "volume": "bmtnabi_1859-04-09_01", "ocr_sha256": "2ec12eb30b4d80e8ad4c0ed828c8c3a9f384b683e678c8b35331868084b56522", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1859/04/09_01/bmtnabi_1859-04-09_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590409-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1859-04-09-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-04-09_01#c001", "volume": "bmtnabi_1859-04-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "113", "page_fin": "113", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590409-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590409-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 472, "texte": "Inhalt.\nAloys Biber, Pianoforte-Fabricant (Nekrolog). Wiener Musik-Verlag im Jahre 1858 (Volkmann, v. Bruyck, Bagge,\nTomascliek, Hager, Dessauer, Herbeck, Hoven, Jachimovicz, Satter). Von Ed. H. Graf L. von Stainlein, Violin-Quartette, Op. 10\nund 11. Aus Neuwied. Von K. Tages- und Un ter h al tun gsbl att (Köln, Concert von Fräul. Mösner, Herr Beck Han-\nnover, letztes Abonnements-Concert Dresden, C. M. v. Weber's Denkmal Meyerbeer's neue Oper*„Le Pardon de Ploermel\")."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-04-09-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-04-09_01#c002", "volume": "bmtnabi_1859-04-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "113", "page_fin": "116", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590409-01.2.2", "titre_corps": "Aloys Biber.", "titre_sommaire": "Aloys Biber.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590409-01.1.1", "debut_caractere": 474, "fin_caractere_exclue": 4300, "texte": "Aloys Biber.\n(Nekrolog.)\nAloys Biber war geboren zu Ellingen den 1. Sep-\ntember 1804 und stammte von väterlicher Seite aus einer\nberühmten musicalischen Familie. Sein Ahnherr, Franz\nHeinrich v. Biber, fürst-erzbischöflicher Truchsess und Ca-\npellmeister von Salzburg, war einer der grössten Violin-\nspieler seiner Zeit. Leopold I. erhob ihn in den Adelstand,\nFerdinand Maria zu München hängte ihm eine goldene Kette\num. Ein Gleiches that Kurfürst Max Emmanuel. Der Va-\nter unseres Verstorbenen war Andreas Biber, Instrumen-\ntenmacher zu Ellingen, ein tüchtiger, lebensfroher Mann,\nder vierzehn Jahre auf der Wanderschaft zubrachte, in\nSpanien, Portugal und zuletzt in dem Etablissement des\nberühmten Pianoforte-Fabricanten Broadwood in London\narbeitete. Er hatte bereits drei Jahre in dieser Fabrik zu-\ngebracht und würde gar nicht mehr nach Hause gekehrt\nsein, wenn ihn nicht der dringende Wunsch seiner Eltern\nund die Bitte des Land-Comthurs dazu veranlasst hätte.\nMit allen Einzelheiten der grossartigsten Pianoforte-Fabrik\nder Welt vertraut, liess er sich zu Ellingen häuslich nie-\nder, heirathete die Tochter des dasigen Bürgermeisters und\nsah in einer sehr glücklichen Ehe der schönsten Zukunft\nentgegen, als der Krieg mit Einem Male sein Vermögen,\nalle seine Hoffnungen und Aussichten für immer zerstörte.\nAus dieser Ehe wurden eilf Kinder geboren, von welchen\nunser Aloys Biber das letzte und jüngste war. Der Vater\nwandte alle Sorgfalt auf die Erziehung dieses Knaben für\neine Kunst, zu welcher ihn durch sein feines Ohr und seine\nausgezeichneten technischen Anlagen die Natur selbst be-\nstimmt zu haben schien. Der gutmüthige Sohn vergalt\ndiese väterlichen Bemühungen mit der wärmsten Kindes-\nliebe; denn von seinem fünfzehnten Jahre an unterstützte\ner aus seinem spärlichen Verdienste Vater und Mutter,\nund der Vater starb buchstäblich in den Armen des wei-\nnenden Sohnes, ehe dieser sich selbst eine bleibende Stätte\ngegründet hatte. Trotz der nachgewiesenen Thatsache,\ndass die Existenz der Eltern von der Handarbeit des Soh-\nnes abhing, musste er doch seiner Militärpflicht Genüge\nleisten. Wieder frei geworden, gab dem jungen, arbeit-\nsamen Biber Göthe's Sprüchlein das Geleite in die Welt:\n„Bleibe nicht am Boden heften,\nFrisch gewagt und frisch hinaus,\nKopf und Herz mit heitern Kräften,\nUeberall sind sie zu Haus.\"\nBiber war ein heller, beobachtender Kopf, eine stille,\necht deutsche, treue Natur. Mit einem nie zu ermüdenden\nFleisse, mit all den Kenntnissen und Erfahrungen seines\nVaters ausgestattet, arbeitete er von seiner ersten Jugend\nan bis zu seiner letzten Todeskrankheit, immer offenen\nKopfes und Herzens, immer vorwärts schreitend, fromm\nund treu das Bessere suchend, war desshalb überall ge-\nliebt, wo er weilte und arbeitete, und genoss das Vertrauen\nseiner Herren und Meister, die, das Streben des arbeitsa-\nmen jungen Mannes schätzend, ihn gewöhnlich in Geheim-\nnisse einweihten, die sie vor Anderen verhüllten.\nAls Biber im Jahre 1833 seinen Wohnsitz in Mün-\nchen aufschlug, stand die Pianoforte-Kunst daselbst nicht\nmehr auf ihrer früheren hohen Stufe. Johann Ludwig Dül-\nken, schon von dem Kunst liebenden und übenden Karl\nTheodor 1781 als „mechanischer\" Hof-Claviermacher\nin München angestellt, war wirklich ein mechanisches Ta-\nlent und hatte unserem München bald einen bedeutenden\nRuf im Fache der Pianoforte-Kunst erworben. Allein er\nwar bereits 72 Jahre alt, hatte sein Geschäft aufgegeben\nund nahm keinen Antheil mehr an den Verhältnissen und\nAnforderungen dieser Zeit. Der Pianofortebauer Sailer, der\nnun um diese Zeit die meisten Flügel in Baiern baute, ar-\nbeitete gut, doch streng nach wiener Mustern, so dass die\nwirklichen wiener Instrumente in München bald den höch-\nsten Ruf erhielten. Von dem Tone englischer Instrumente\nhatte man indessen weder in Wien noch in München einen"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590409-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5464, "texte": "Begriff. Als der damals berühmte wiener Pianoforte-Fa-\nbricant Conrad Graff in Begleitung Czerny's den berühm-\ntesten Pianofortebauern Londons einen Besuch abstattete,\nsandte ihm Broadwood einen Flügel seiner Fabrication als\nAndenken nach Wien, wogegen Grad' gleichfalls einen\nwiener Flügel aus seinem Etablissement an Broadwood\nnach London sandte. Hier ergab sich nun die allerbeste\nGelegenheit, den gewaltigen Unterschied zwischen londoner\nund wiener Instrumenten in recht klarem Lichte zu be-\nobachten, so dass die Engländer, welche überall nur den\ngewaltigen Instrumental-Ton wollen und suchen, durch-\naus keine vorteilhafte Idee von deutschen Ciavier-Instru-\nmenten bekamen.\nZwar hatte der Ciaviermacher Baumgartner in Mün-\nchen seinen Ciavieren bereits einen viel stärkeren Bezug\nc?\ngegeben, und die Vortheile, welche aus dieser neuen Ver-\nänderung entsprangen, namentlich in Hinsicht auf Halt-\nbarkeit des Bezuges und der Stimmung, leuchteten sehr\nklar hervor. Allein die Mechanik blieb denn doch immer\ndie alte augsburg-wiener Mechanik, und Baumgartner, im-\nmer in Geld-Verlegenheit, betrieb sein Geschäft selbst als\nGewerbe so nachlässig und unregelmässig, dass an eine\nReform des Clavier-Instrurnentenbaues nicht zu denken\nwar. Da begann im August 1833 Biber sein Geschäft mit\nnur drei Gesellen in einer hierzu gemietheten Wohnung\nin der Sonnenstrasse. Der Mann, welcher früher nur ge-\nwohnt war, Anderen mit seiner ganzen Hingebung, ja, oft\nmit Selbstaufopferung, zu dienen, war nun Meister, aber\nauch Meister im vollsten Sinne des Wortes. Von 5 Uhr\nMorgens im Kreise seiner Gesellen, selbst am meisten ar-\nbeitend, bis die Sonne sank, dann in seinem einsamen\nKämmerlein sitzend, rechnend, zeichnend, brütend bis des\nnächsten Morgens 2Uhr—gönnte er sich, auf seine eiserne\nGesundheit bauend, nur wenige Stunden Schlaf.\nBald begannen die Clavier-Instrumente, welche aus\ndieser neuen Werkstätte hervorgingen, Aufsehen zu erre-\ngen. Man fand an ihnen bei der schönsten, vollendetsten\nArbeit in ihrem Aeussern eine Fülle des Klanges, eine\nKraft des Tones bei schönster Gleichförmigkeit der Scala\nlauter Eigenschalten, an deren Vereinigung in einem\nInstrumente man bisher in München gar nicht gedacht\nhatte. Er baute zuerst in München seine Pianofortes nach\nenglischem System; dem stärkeren Saitenbezuge wurde\nauch eine stärkere Mechanik als die alte wiener angepasst;\nder Meister war aber nie sclavischer Nachahmer, sondern\nmodificirte, ja, verbesserte, wie es die Zeit, die Umstände\nund die Bedürfnisse erforderten. So wuchs Biber's Ruf\nsehr rasch, wozu noch das einfache, bescheidene Beneh-\nmen des jungen Bürgers gleichfalls gewiss das Seinige bei-\ngetragen hat, und am 6. April 1834 verehelichte er sich\nmit Katharina Schnetter, der Tochter des berühmten Ver-\nfertigers chirurgischer Instrumente, Caspar Schneller,\nwelcher München zuerst in diesem Fabricationszweige Ruf\nerwarb. Wenn auch seine pecuniären Bedürfnisse im Augen-\nblicke durch diese Verehelichung nicht viel verbessert wur-\nden, so gewann er doch eine sehr gebildete Hausfrau, die\nFreude und Leid in seiner neuen Haushaltung redlich bis\nzu seinem letzten Hauche mit ihm theilte und die zuletzt\nso ausgebreitete Correspondenz und Buchfüh-\nrung zum grössten Theile'übernahm. Schon das\nnächste Jahr nach seiner Etablirung erhielten zwei seiner\nInstrumente, ein Mahagoni-Flügel-Instrument und ein\nQuer-Pianoforte, in der Industrie-Ausstellung in Nürnberg\ndie silberne Preis-Medaille. Die Preisrichter fanden nament-\nlich den Ton seines Quer-Pianoforte so stark als den eines\nmünchener Flügels, und noch überdies die Preise ausser-\nordentlich niedrig. Acht solcher Flügel wurden dann auf\neinmal bei unserem Biber in Bestellung gegeben, die\ngrösstenteils für das Ausland bestimmt waren. Der Nach-\nfragen nach Biber's Ciavieren wurden nun bald so viele,\ndass er sich genöthigt sah, einen, zwei, drei Gesellen mehr\naufzunehmen; da wurde denn auch sein gemietetes Local\nzu klein. Aber mit dem steigenden Rufe seiner Fabricate\nwar auch sein Fleiss und seine Genügsamkeit, wenn mög-\nlich, im Steigen begriffen, und so sah er sich bald in den\nStand gesetzt, das Haus, welches er bis zu seinem Ende\nbewohnte, als Eigenthum zu erwerben.\nBiber liess auch, während sein Geschäft immer mehr\nan Ausdehnung gewann und seine Kräfte mehr und mehr in\nAnspruch nahm, in seinen nächtlichen Studien, die das\neigentliche, tiefer liegende Wesen seiner Kunst betrafen,\nnicht nach; er suchte unablässig, oft ganze Nächte dazu\nverwendend, die Ursachen jedes der vielen Mängel auf,\nwelche für den Kenner auch an dem vollkommenst gebau-\nten Pianoforte hervortraten, und half diesen immer mehr\nund mehr ab, und zwar oft durch so unbedeutend schei-\nnende Veränderungen, dass sie selbst dein Auge des Ken-\nners entgangen sein würden, wenn er nicht durch den\nVcrl'erliger darauf aufmerksam gemacht worden wäre.\nNamentlich trat bei der immer stärker seiorderten Besai-\nC 7\ntung der Instrumente der Mangel sehr fühlbar auf, dass\ndie höchsten Discant-Töne, im Vergleich mit den dünner\nbesaiteten wiener Flügeln von längerem Bezüge, immer\nmehr und mehr an Feinheit des Klanges verloren, die man\nvon den wiener Flügeln her gewohnt war. Biber half end-\nlich dem Uebelstande auf eine höchst sinnreiche Art ab.\nEr erfand seine so genannte Klang-Maschine. Ueber die\nzwei höchsten Octaven des Stimmstocksteges geschraubt,\ngibt die Maschine dieser Partie die notwendige Wider-\nstandsfähigkeit und Festigkeit, ohne jedoch jene eigenthüm-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590409-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5436, "texte": "liehe Tonfarbe zu verwischen, welche das Holz allein zu\ngeben im Stande ist. Diese Klang-Maschine ist es, welche\nden Biberseben Flügel-Fortepiano's jenen klingenden und\ndoch voluminösen Glockenton in den höheren Octaven ver-\nleiht, der in solch unveränderlicher Art kaum an ande-\nren Fortepiano's gefunden wird.\nBiber, stets in der Ausdehnung seiner Fabrik beschäf-\ntigt, sandte gleichfalls Instrumente zur allgemeinen Indu-\nstrie- welche im Jahre 1842 in Mainz gehal-\nten wurde, und erhielt hier die goldene Medaille.\nVon diesem Zeitpunkte an verbreitete sich der Ruf der\nBiber'schcn Claviere auch in der Rheingegend, und\nHeckel in Mannheim, der sich immer ein Lager von Cia-\nvieren vorräthig hielt, besorgte ihre Versendung. Ueberall\nfand der grosse, klingende Ton und die Spielart dieser In-\nstrumente ße wu n der un g.\nSchon im Jahre 1846 erhielt Biber vom Könige den\nTitel eines Hof-Fianoforte-Fabricanten. Das Glück oder,\nwie er dies immer selbst mit dankbarer Rührung besser\nnannte, der Segen des Himmels begleitete alle seine Un-\nternehmungen; er war in kurzer Zeit aus einem armen\nein wohlhabender, zuletzt sogar reicher Mann geworden,\nim Herzen aber immer die einfache, bescheidene, kind-\nliche Natur geblieben, die mit der innigsten Liebe nur an\nihrer Familie hing, zu welcher auch Biber's alte Mutter\ngehörte, welche, glücklicher als ihr Gatte, noch zwölf\nJahre Zeuge der gesegneten Verhältnisse ihres Sohnes war\nund im 86. Jahre, ihren Wohlthäter segnend, starb. Die\nbeiden grossen Industrie-Ausstellungen zu Paris lockten\nauch unseren Biber nach dieser Hauptstadt Frankreichs.\nEr kam von dort an Erfahrungen reich wieder zurück.\nImmer beschäftigte seinen Geist die Construction einer\nguten, kraftvollen und doch einfachen Clavier-Mechanik.\nEr wusste nur allzu wohl, dass namentlich Virtuosen ge-\nrade den Werth oder Unwerth eines Pianoforte nach dem\nZustande seiner Mechanik zu beurtheilen pflegen. Bei einer\nguten Mechanik muss derselbe Ton in einer Secunde we-\nnigstens zehn Mal wiederholt werden können, ohne dass\nje einer ausbliebe. Schon Seh. Erard in Strassburg\nsuchte diesem Uebelstande abzuhelfen, indem er 1823\neine höchst sinnreiche Mechanik construirtc, welche, nach\ndem Princip des Italiäners Christofali gebaut, den Ton\nversicherte, auch wenn die Taste nicht wieder ganz in ihre\nursprüngliche Lage zurückfiel. Diese Mechanik ist die be-\nrühmte Erard'sche ä double echappement Sie ist jedoch\nviel zu complicirt und schon desshalb ausserordentlich kost-\nspielig. Eine einzige Taste mit ihrem Hammer besteht aus\nwenigstens 64 Theiien, hat 5 Achsen, die in mit Tuch\nausgefütterten Büchsen laufen. Viel gebraucht, wird sie\ndesshalb bald abgenutzt, klappert und verliert alles, was\nihren Vorzug bedingt. Aus diesem Grunde verbesserte der\npraktische Engländer Broadwood seine früher ange-\nwandte englische, viel einfachere Mechanik, dass es auch\nbei dieser leicht ist, den Ton wieder anzuschlagen, ohne\ndass die Taste ganz an die Stelle ihrer Ruhe zurückgesun-\nken wäre. Broadwood nannte diese Erfindung Victwia\nrepetition. Biber, der mit seiner Zeit in Bezug auf Piano-\nforte-Baukunst stets auf gleicher Höhe blieb, der alles\nkannte, was die Gegenwart im Fache der Pianoforte-Bau-\nkunst leistet, ja, sogar die Geschichte derselben in Modellen\nvor sich hatte, kam zuletzt noch auf einem viel einfacheren\nWege zu demselben Ziele, als Broadwood. Die Erfindung\noiescr einfachen Mechanik vermehrte seine vielen Verdienste\num die Pianoforte-Baukunst wieder um ein neues.\nEr hatte die Natur und Eigenschaften der Materialien,\nwelche er zu dem Bau seiner Claviere verwandte, lange\nund sehr genau studirt. Daher baute er jedes seiner In-\nstrumente nach der Qualität des Holzes und der Materia-\nlien, die er dazu verwandte; aber eben desshalb war kei-\nnes seiner Instrumente im Detail genau so gebaut, wie das\nandere. Daher kamen auch die fruchtlosen Bemühungen,\nseine Instrumente, die man genau copirte, nachzubauen.\nEs war Grundsatz bei ihm, sich immer die besten Mate-\nrialien zu verschaffen. Das Holz zu seinen Ciavieren wählte\ner sich selbst in den Wäldern unserer südlichen Vorge-\nbirge noch in Stämmen aus; denn so war es ihm allein\nmöglich, Holz, wie er es nöthig hatte und wollte, für sei-\nnen Gebrauch zu erhalten.\nDer Verstorbene war kein Clavierspieler, aber er be-\nsass ein feines Ohr für Musik und den Ton als musicali-\nsches Element überhaupt; er war desshalb zugleich der\nbeste Stimmer. Wer das Wesen des Ciavierbaues kennt,\nweiss, dass es für den Verfertiger nicht nöthig ist, ein gu-\nter Pianofortespieler zu sein. Zur richtigen Würdigung\neines Clavier-Instrumentes bedarf es nicht einmal der gan-\nzen Hand ein einziger Finger ist vollkommen ausrei-\nchend; ja, dieser einzige Finger bringt oft manchen Piano-\nfortebauer zur Verzweiflung.\nZu der allgemeinen deutschen Industrie-Ausstellung in\nMünchen lieferte Biber drei Flügel. Der erste, mit so ge-\nnanntem weissem Mahagoni fournirt und mit in Feuer\nvergoldeten Ornamenten garnirt, besass die stärkste Me-\nchanik und war im Tone den grössten Erard'schen und\nBroadwood'schen Flügeln wenigstens gleich. Die zwei an-\nderen Flügel waren mit Palissanderholz fournirt, der eine\nmit Bronze-Verzierungen, der andere ohne dieselben. Der\nprächtige Flügel aus weissem Mahagoni übertraf alles,\nwas von Ciavieren zur Ausstellung geliefert wurde. Mo-\nse heles, der einmal spielend die ausgestellten Instrumente\nmusterte, kam mit sichtbarem Vergnügen wieder und wie-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590409-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2118, "texte": "der zu dem Biber'schen Pianoforte zurück, spielte sich\nendlich warm und schloss in seiner schönen, klaren, leuch-\ntenden, jeder Situation geistig sich anschmiegenden Weise\nmit der Ouvertüre zur Zauberflöte.\nIm Preisgerichte selbst wurde endlich, trotz der vielen\neinander durchkreuzenden patriotischen Interessen der ein-\nzelnen Jury-Mitglieder, dennoch der einstimmige Beschluss\ngefasst, Biber die grosse erste Denkmünze zuzuerkennen,\nnoch überdies mit dem Anhang: „Es möge der Vorsitzende\nwegen der grossen Verdienste, welche sich Biber durch die\nVervollkommnung der Pianoforte-Pabrication um Baiern\nerworben, diese Verdienste Biber's auf irgend einem Wege\nim Namen der Commission zur Kenntniss der baierischen\nAllerhöchsten Stelle bringen.\"\nVom Norden bis Süden häuften sich die Bestellungen\nso sehr, dass Biber ihnen nicht mehr genügen konnte, da\njedes Ciavier, das er verkaufte, auch von seiner Hand voll-\nendet in die Welt ging. Er hätte hinreichenden Grund ge-\nhabt, seine Fabrication um das Dreifache zu vergrössern,\naber er wäre nicht mehr im Stande gewesen, jedes Instru-\nment mit eigener Hand zu vollenden. Trotz allem Anrathen\nwar er nicht zu diesem Entschlüsse zu bringen. Er wollte\nsich erst seinen Sohn herangezogen haben, dass dieser im\nStande wäre, in seine Fussstapfen, wie er es wollte, ein-\nzutreten. Als sein Sohn endlich 21 Jahre alt geworden,\nging er ernstlich an die Realisirung dieses lange durch-\ndachten Planes. Da überfiel ihn der erste Angriff jener\nKrankheit, die ihn zuletzt dem Tode in die Arme lieferte.\nPeriodenweise hatte er sich von mehreren erneuten hefti-\ngen Anfällen dieser Krankheit wieder erholt und seine alte\nThätigkeit von Neuem begonnen, allein den letzten An-\nfällen unterlag endlich seine früher so kräftige Natur.\nRuhig einer fröhlichen Urständ entgegensehend, er-\ngab er sich, wie in alle, so auch in diese letzte der Schickun-\ngen des Himmels, schloss seine Rechnung mit der Welt\nab und wünschte nur, dass, während die Kirche für seine\nSeele bete, vom Chor Mozart's Requiem ertöne. Biber\nstarb am 13. December 1858.\n(Prof. Schafhäutl im Kunst- u. Gew.-81. f. Baiern.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-04-09-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-04-09_01#c003", "volume": "bmtnabi_1859-04-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "116", "page_fin": "118", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590409-01.2.3", "titre_corps": "Vom wiener Musik-Verlage im Jahre 1858.", "titre_sommaire": "Vom wiener Musik-Verlage im Jahre 1858.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590409-01.1.4", "debut_caractere": 2120, "fin_caractere_exclue": 5086, "texte": "Vom wiener Musik-Verlage im Jahre 1858.\nEd. E.Von einem besonderen Aufschwünge des wie-\nner Musik-Verlages ist freilich noch nichts zu melden. Un-\nsere älteren Tonsetzer verstummen allmählich, für die jün-\ngeren, die gern Ernsteres und Grösseres brächten, ist es\näusserst schwer nicht etwa durchzudringen, sondern\nüberhaupt nur anzukommen. Der überwiegend grösste\nTheil des hier Verlegten besteht in Tänzen, Uebungs-\nstücken und jener untersten Schicht brillanter Claviermu-\nsik, die aus ihrer Geistlosigkeit und Unwissenheit kein\nHehl macht.\nDas Bedeutendste, was von einheimischen Kräften im\nFache der Ciaviermusik neuestens gebracht wurde, dürf-\nten Robert Volkmann's „Variationen über ein Thema\nvon Händel\" sein. Es ist das Thema derselben Variationen\nvon Händel in E-dur, die seit Liszt auch in den Concer-\nten Mode geworden sind eine Wahl, die man Volkmann\nnicht verübeln wird. Auch in der Musik muss es freistehen,\neinen alten Stoff neuerdings zu behandeln, sobald Jemand\netwas Neues und Erhebliches darüber zu sagen weiss.\nUeberdies ist gerade die Behandlung der Variation in\nneuerer Zeit eine viel reichere und freiere geworden. Beet-\nhoven's Variationen über den Diabelli'schen Walzer haben\ndas hochwuchernde Unkraut des Gelinek'schen Variatio-\nnen-Stils mit der Wurzel ausgerissen und einen wunder-\ntätigen, immer voller aufblühenden Keim in die offene\nScholle gesenkt.\nWerke wie Schumann's Cfo-mo//-Variationen (Op.\n13) und seine Variationen für zwei Claviere, die Verän-\nderungen von Brahms, Volkmann u. A. zeigen, wie\nsehr diese Form an Freiheit der Bewegung und charakte-\nristischer Vertiefung gewonnen habe. Das Extrem dieser\nFreiheit sehen wir zwar auch bei Volkmann manchmal\ngestreift, es besteht in der allzu grossen Entfernung der\nVariationen von ihrem Thema. Wenn wir diese Neigung\nund einige Härten ausnehmen, so können wir Volkmann's\nVariationen als ein charaktervolles, ernstes und geistrei-\nches Werk unbedingt rühmen. Die Ausführung verlangt\nübrigens ein tieferes Eindringen und eine bedeutende Vir-\ntuosität.\nUngleich geringfügiger sind desselben Verfassers\n„Lieder einer Grossmutter\" für Ciavier. Offenbar\ndurch Schumann's „Kinderscenen\" hervorgerufen, sind\ndiese charakteristischen Stückchen jedoch für die Jugend\nbestimmt, während Schumann's Heft Bilder der Kindheit\nin der Erinnerung des Erwachsenen wiederspiegelt. Sinnig,\nim besten Schumann'schen Geiste, sind Nr. 9 und 10;\nStücke wie Nr. 3 hingegen mit seinen klaffenden Disso-\nnanzen sollte man dem jugendlichen Musiker eben so\nsorgfältig fern halten, wie man die weltschmerzlichen oder\nironischen Ausbrüche Heine's dem jugendlichen Leser\nfern hält.\nWas wir sonst noch an Ciaviermusik hervorzuheben\nhätten, gehört fast durchweg der seit Schumann so vor-\nwiegend cultivirten Form des kleinen Charakterstückes an.\nDas Streben nach charakteristischer Ausprägung des musi-\ncalischen Inhalts bleibt als reiner Gewinn; die Anwendung\nbesonderer Ueberschriften scheint bereits im Abnehmen."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590409-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5175, "texte": "Debrois v. Bruyck, dem wir bereits manch Gelun-\ngenes in diesem Genre verdanken, ist auch diesmal mit\nzwei Heften zuerst zu nennen. Frisch und zuversichtlich\nsingen seine „Burschenlieder\" von Freud' und Leid\ndes Studenten, d. h. von dem leichten Sinne, mit dem Bei-\ndes von dieser wahren Aristokratie der Jugend getragen\nwird. Von dunklerem Colorit sind die „Nachtviolen\",\nbreiter ausgeführt und charakteristischer als die in ihrer\nAnspruchslosigkeit freundlicheren Burschenlieder. Nur im\nInteresse seiner künftigen Werke möchten wir ihn vor di-\nrecten lleminiscenzen aus Schumann gewarnt haben.\nWie Schumann's Einfluss bei Debrois, so ist der Men-\ndelssohn'sche unverkennbar bei Sei mar Bagge, der unter\ndem bescheidenen Titel „Ephemeren\" ein Heft kleiner\nCharakterstücke herausgab. Ohne hervorstechend originel\nzu sein, gewinnen sie doch durch charaktervolle Haltung\nund gewählte Harmonie; die sechste Nummer, die fri-\nscheste, ist zugleich ein dankbares Ciavierstück besseren\nSchlages.\nEin älteres Ciavierwerk, durch dessen neue Autlage\nsich die Spina'sehe Verlagshandlung den Dank aller ge-\nbildeten Musikfreunde erwirbt, sind Torna sehe k's\n„Rhapsodieen\". Welch kräftige, gesunde Kost! Das\nHeft ist ein Beispiel von der künstlerischen Selbstständig-\nkeit, mit der Tomaschek sich neue, damals unerhörte\nFormen schuf, und von dem mitunter herben, aber stets\nmännlich-kraftvollen Geiste seiner Musik. Sollte man die\nWohlthat einer neuen Auflage nicht noch anderen Ciavier-\nwerken dieses Meisters angedeihen lassen? Schon das ent-\nsetzliche Papier und der unleserliche Druck, in welchen\nTomaschek's „Belogen\", „Dithyramben\", „Allegri dibra-\nvura\", Sonaten u. s. w. prangen, schreckt jedes moderne\nMenschenkind davon ab, wenn es nicht vielleicht ausDrey-\nschock's Concerten schon weiss, welche Jugendfrische in\ndas schmutzige Papier gebannt ist.\nFür Gesangmusik dürften das Hervorragendste,\nwas Wien seit einigen Jahren hierin zu Tage gefördert,\ndie Liederhefte von Johannes Hager sein.\nVon D essauer gibt es sechs neue Lieder, wie sich\nvon selbst versteht, melodiös, klar und anmuthig. Dem Be-\nsten aus seiner früheren Zeit stehen sie keineswegs an der\nSeite, vielleicht mit Ausnahme der Geibel'schen Romanze\n„Die Zigeunerin\". Dessauer dachte an die Zigeuner Un-\ngarns und gab dem Liede durch Anwendung ungarischer\nRhythmen und Schlussfälle eine höchst eigentümliche\nnationale Färbung.\nIn unliiugbar geistreicher Weise verwendet auch Her-\nbeck ungarische Rhythmen in seiner Betonung derLenau'-\nschen „Drei Zigeuner\". Im Ganzen blieb uns dieses Werk\nunerquicklich durch seine ans Melodram streifende decla-\nmatorische Behandlung der Stimme, durch das Bestreben,\nin Kleinigkeiten gross zu sein, durch seine Anstrengung\nendlich, die Verhältnisse des Gedichtes zu einem breiten,\nanspruchsvollen Tongemälde auszuweiten, das trotzdem\nlange nicht die Wirkung erreicht, die eine einfache Decla-\nmation des Gedichtes hervorbringt. Wir glauben, dass Her-\nbeck, dessen ungewöhnliches Verdienst als Dirigent wir\nso gern laut anerkennen, einen sehr unvortheilhaften Weg\nals Componist verfolgt.\nDie Musik zu den „drei Zigeunern\" hat er Liszt ge-\nwidmet, sich also damit vollkommen an den rechten Mann\ngewandt.\nDer von Herb eck neu ins Leben gerufene „Gesang\nder Geister über den Wassern\", einer der prachtvollsten\nChöre Franz Schubert's, ist nunmehr auch bei Spina\nin Partitur erschienen.\nJ. Hoven ist seit längerer Pause (die einem staats-\nwissenschaftlichen Werke zu Gute kommen soll) nur mit\ndrei kleineren Liedern (Op. 51) hervorgetreten, von denen\ndas erste („Die Nacht\" von Eichendorff) durch schöne\nStimmung und melodischen Reiz hervorsticht.\nMit Vergnügen begrüssen wir diesmal wieder den Na-\nmen Franz Jachimovicz („Sechs Lieder\", 2. Werk).\nNachdem Op. 1 dieses Componisten vor mehr als fünf\nJahren erschienen, kann man nicht eben sagen, dass er sich\naufdränge. Man fühlt dafür seinen Liedern an, dass sie\nnur dem inneren Drange entspriessen. Die neuen sechs\nLieder zeugen abermals von echt lyrischem Talente, doch\nsind sie im Werthe ungleich.\nVon grösseren Novitäten des wiener Verlages ist uns\nnur Hager's Streich-Quartett in H-inoll (Op. 31) bekannt\ngeworden, dieselbe geistreiche Arbeit, welche im verflossenen\nJahre bei Hellmesberger anonym vorgeführt und so über-\naus glänzend aufgenommen wurde.\nUm nun auch den äusseren Erfolg nicht zu vergessen,\nberichten wir die klägliche Thatsache, dass seit Jahren\nkein Ciavierstück in Wien solchen Absatz fand, als Leo-\npold v. Mayer's Grillenpolka! Als „Grillenpolka\" im\nReiche des Gesanges florirte das „Grüberl im Koi\", das\nobendrein von Localsängerinnen im Costume lleissig kre-\ndenzt wurde. Als Componist dieser erhabenen „Gstanzeln\"\nist auf dem Titel genannt „Gustav Holzel, k. k. Hof-\nOpernsänger und Li eder-Compositeur\". Das überholt\ndoch noch weit die Freiheitsmärsche aus dem Jahre 1848,\nderen Autoren sich auf dem Titel als „Nationalgarde und\nUrwähler\" aufführten. Doch es kommt noch besser. Ein\nHerr Franz Berwald begleitet sein Opus 6,ein Quintett,\nmit einem Vorworte, worin er „jene Schar von Virtuosen,\ndie nur mit den Fingern, aber ohne Kopf und Herz spie-\nlen\", feierlichst ersucht, sein Werk „zu ignoriren\". Völlig"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590409-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1183, "texte": "allerliebst ist aber Folgendes: Auf dem Titelblatte einiger\nhöchst unbedeutenden Concertwalzer von Gustav Satter\n{„Les Belies de New-York\") prangt die stolze Frage:\n„Wer ist Satter?\" und als Antwort darunter steht:\n„Satter ist unzweifelhaft einer der grössten lebenden Pia-\nnisten. Satter wüthet auf dem Piano wie ein brausendes\nMeer. Da wird man fragen: Ist das Alles? Antwort: TS ein.\nSatter singt auch auf dem Piano wie ein Arion. Er spielte\ndie sechste seiner Piano-Sonaten. Ich fragte: Wo sind die\nanderen? Da bekam ich aber als Antwort tüchtig aufge-\npackt, indem er sagte: „ „Wissen Sie denn nicht, dass ich\nauf jedem Gebiete mich versucht habe? Ich componirte\n3 Opern, 5 Symphonieen, 6 Sonaten, 2 Quintetts, 5 Trio's,\nmehrere Streich-Quartette und über 100 Solo's für\nPiano.\"\" Nun suchte ich ihn als Virtuosen zu ergrün-\nden und fragte, was er eigentlich alles spielen könne? Sat-\nter antwortete ganz kühl: „„Ich spiele etwa 100 Fugen\nvon Bach und Händel auswendig, eben so jede andere\ngute Compositum von Bach bis auf die heutige Zeit.\"\"\nDies ist Satter liebes Publicum.\"\nSo weit wäre also die Prostitution im Virtuosenthum\nglücklich angelangt!\nCSV.Presse v. 31. Dec. v. J.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-04-09-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-04-09_01#c004", "volume": "bmtnabi_1859-04-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "118", "page_fin": "119", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590409-01.2.4", "titre_corps": "Beurtheilungen.", "titre_sommaire": "Beurtheilungen.", "signature_source": "L. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590409-01.1.6", "debut_caractere": 1185, "fin_caractere_exclue": 4972, "texte": "Beurtheilungen.\n\nStainlein, comie Louis de, Premier Quatuorpour\n2 VioL, Alto et Violonc\nnard. Op. 10. Mayence,\nPr. 3 PI. 36 Kr.\nSeconcl Quatuor pour 2 Viol. etc. Dedie ä Mr.\nFerclin. Kufferath. Op. 11. item.\nMit diesen zwei neuesten Werken des talentvollen\nComponisten wird es wahrseheinlich allen Kunstfreunden\nso ergehen, wie es uns ergangen ist. Haben sie sich näm-\nlich um die Producte der neuesten Kammermusik für\nPianoforte und für Bogen-Instrumente oft und ernsthaft\nbekümmert, sei es aus Liebhaberei oder aus Beruf der\neinem, beiläufig gesagt, heutzutage oft sehr lästig gemacht\nwird —, so werden sie hei Ansicht und Anhörung dieser\nQuartette so etwas von der Empfindung des Don Ottavio\nbei dessen Worten: Ohime! rim grossen Recitativ\nder Donna Anna in sich verspüren; denn es ist einem da-\nbei in der That so zu Muthe, als athme man einmal wie-\nder reine und frische Tonluft, nachdem man lange Zeit sich\nin Dunst und Qualm befunden, bei dem man das Tuch\nvor den Mund halten musste, um nicht zu ersticken.\nDer Componist zeigt überall in diesen zwei Werken\nerstens, dass er etwas gelernt hat, und zweitens, dass er\nselbstständig und künstlerisch charakterfest genug' ist, um\nsich nicht vor der Modernitäts-Flagge zu beugen, oder auf\ngut Deutsch: um nicht mit den Wölfen zu heulen. Wir\nhaben lange keine Composition gesehen, die so ganz frei\nvon musicalischem Schwulst, von Originalitätssucht durch\nAbsonderliches, Gesetzloses und Hässiiches wäre, wie diese\nQuartette. Und dennoch sind sie originaler als hundert\nandere Ciavier- oder Streich-Quartett-Compositionen unse-\nrer Zeit, in so fern der Autor durchaus seinen eigenen\nWeg geht und nur im Allgemeinen das Musicalisch-Schöne,\nwie es sich bei den classischen Meistern zeigt, zum Muster\ngenommen hat, im Besonderen aber von Nachahmung\neines bestimmten Meisters und dessen Stils nicht die Rede\nbei ihm ist. Namentlich findet sich keine Spur von einem\nEinflüsse Mendelssohn's auf den Componisten, was in der\nThat heutzutage viel sagen will; eben so wenig also auch,\nwie man leicht denken kann, von Schumann. Wir haben\nhier reine Quartett-Musik vor uns, die nichts sein will als\ndas; weder orchestralen Lärm und sinfoniemässige Effecte,\nnoch chaotische Schöpfungswehen oder weltschmerzliche\nGefühle auszudrücken müht sich der Componist ab: er\nwill nur absolute Musik geben, und zwar in der gediegen-\nsten Form, und hält sowohl jene als diese für vollkommen\nhinreichend, das unbefangene Gemülh und den unverdor-\nbenen Geschmack zu erfreuen und zu befriedigen.\nDer Autor zeigt sich ferner auch in so fern originel,\nals er uns in Bezug auf Charakter und Form wirklich für\nStreich-Instrumente gedachte Musik gibt, nicht instrumen-\ntirte oder transscribirte Ciaviermusik, wovor ihn wohl sein\nausübendes Talent (der Graf Stainlein ist ein ausgezeich-\nneter Violoncellspieler) bewahrt haben mag.\nDas Quartett Op. 10 in G-mott beginnt mit einem\nAllegro niodercäo, 4 vTact, dessen Motive einfach, aber\nmelodisch fliessend, nicht zerstückt und gebrochen, sind und\nin klarer und durchsichtiger Arbeit durchgeführt werden.\nVon besonderem Reiz in modulatorischer Hinsicht ist in\nder Wiederholung die Hinführung von aus zum\nzweiten Thema, das dann in G-dur, statt in Moll, auftritt.\nDas Andante espressivoin Es-du\"/4-Tact, ist uns weni-\nger ansprechend erschienen; die Figur des zweiten Motivs,\nobwohl sehr hübsch durchgc-\nführt, dürfte doch an und für sich nicht bedeutend genug\nsein. Ein kurzes Intermezzo in das an die Motive\ndes ersten Allegro erinnert, leitet ein zum Finale in\ndur, 2/4-Tact, Allegro Scherzo dem längsten und\noriginellsten Satze des Werkes. Das erste Thema tritt\nziemlich anspruchslos auf; es macht aber bald einem höchst\neigenthümlichen zweiten in Platz, das den Ein-\ndruck macht, als wenn ein Zug ungarischer oder böhmi-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590409-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1343, "texte": "scher Zigeuner mit mystischen Symbolen heranzöge; dabei\nmachen die in den einzelnen Stimmen bald abwechselnden,\nbald sich in consonirenden Intervallen vereinigenden lau-\ngeren Iriilcr eine ganz besondere Wirkung. Auf einmal\naber springt ein drittes Thema in in hüpfenden\nStaceato-Achteln wie aus dem Versteck hervor und macht\nsich über die Zuversicht, mit welcher die Alten die Schick-\nsale der Menschheit voraussagen wollen, in jugendlichem\nUebermuthe lustig, und so geht es dann fort, bis ein durch\ndas erste Thema herbeigeführter Schluss dem Ernste und\ndem Scherz ein schnelles Ende macht.\nDas zweite Quartett, Op. 11 in hat im Allge-\nmeinen dieselben Vorzüge, namentlich auch denselben kla-\nren Stil, wie das erste. Es hat vier vollständige Sätze, ein\nAllegro con moio, welchem im zweiten Theile ein\nlebhaftes, keineswegs trockenes Fugato mit effectvoller\nSteigerung einen besonderen Werth verleiht; ferner ein\nScherzo Allegro,3/4-Tact, ebenfalls in das in seiner\nleichten, neckischen Weise an den Charakter des dritten\nThema s im Finale des Op. 10 erinnert; dann ein\nreligioso in F-dur.\"2/s-Tact, mit sanft melodischen, etwas\nitaliänisch cadenzirten Cantilenen in der ersten Violine und\nim Violoncell, und zuletzt ein Allegro vivace assai in C-\ndur, yVTact, dem vielleicht für einen Schlusssatz etwas\nmehr Schwung zu wünschen wäre.\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-04-09-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-04-09_01#c006", "volume": "bmtnabi_1859-04-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "119", "page_fin": "119", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590409-01.2.5", "titre_corps": "Aus Neuwied.", "titre_sommaire": "Aus Neuwied.", "signature_source": "K", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590409-01.1.7", "debut_caractere": 1345, "fin_caractere_exclue": 5491, "texte": "Aus Neuwied.\nK.\nIm März 1859.\nDie unlängst erwähnte Aufführung der „Schöpfungu durch den\nFlügeFbChen Gesang-Verein am 1. d. Mts. war bei den eigentüm-\nlichen musicalischen Verhältnissen Neuwieds ein für unsere Stadt so\nbedeutendes Ereigniss, dass es erlaubt sein wird, dieselbe etwas aus-\nführlicher zu besprechen, als dies sonst bei musicalischen Auffüh-\nrungen kleiner Städte der Zweck und der Raum dieses Blattes ge-\nstattet, zumal hiedurch einiges Streiflicht auf die Leiden eines\nKünstlerlebens fällt.\nVor etwa sechs Jahren wurde Gustav Flügel, damals Diri-\ngent des Musik - V er ein s, von der Direction desselben „entbun-\nden\" oder verdrängt, um einem Dilettanten Platz zu machen. Trotz\naller Mühe, welche sich dieser Herr unläugbar gibt, genügen die\nConcerte des Musik-Vereins auch nur mässigen Ansprüchen durch-\naus nicht. Der Grund hiervon liegt zum Theil mit in der unzweck-\nmässigen Auswahl der Musikstücke. Ein verständiger Dirigent be-\nrücksichtigt vor allen Dingen die ihm zu Gebote stehenden Kräfte\nund zieht es vor, leichtere Sachen in relativer Vollendung zu Gehör\nzu bringen, als schwere Stücke mangelhaft vorzuführen. Hier scheint\nman sich aber über die Mängel der Ausführung mit dem Motto:\n„In magnis voluisse seil esl\", zu trösten, wie z. B. bei Mendelssohn's\nPaulus, der auf eine Weise zu Gehör gebracht wurde, dass er, ge-\nlinde gesagt, Niemanden befriedigen konnte. Eine aufrichtige Kritik\nin hiesiger Zeitung weiss man durch allerlei Einwirkungen nicht\naufkommen zu lassen.\nDen entgegengesetzten Weg hat Gustav Flügel eingeschlagen.\nEr gründete vor etwa zwei Jahren unter den bescheidensten Anfän-\ngen einen eigenen Gesang-Verein, und durch unverdrossenes, eifriges\nStudium, selbst die Mühe des Einübens mit einzelnen Mitgliedern\nnicht scheuend, brachte er ihn bald dahin, dass er ältere geistliche\nMusik in einer kleinen Kirche mit Begleitung der Orgel vor einem\neingeladenen Auditorium vortragen konnte. Diese musicalischen\nVespern erregten bald ein solches Interesse, dass der Raum für die\nZahl der Zuhörer zu klein wurde und sich der Wunsch kund gab,\nder Verein möge seine Abend-Unterhaltungen auch Öffentlich gegen\nEntree veranstalten. Dagegen versuchte man von anderer Seite ein\nConcert-Monopol geltend zu machen, und es dauerte wirklich eine\nWeile, ehe man sich allgemein überzeugte, dass dasselbe auch nicht\nentfernt aut einem Rechtstitel beruhte. Hierauf gelang es dann, im\nNovember v. J. eine öffentliche Abend-Unterhaltung (einen Psalm\nvon Händel, eine Motette von Haydn u. s. w.) mit halbem Or-\nchester zu geben; denn die andere Hälfte desselben versagte oder\nmusste ihre Mitwirkung versagen!\nInzwischen war der neue Verein so erstarkt, dass G. Flügel be-\nschloss, die Schöpfung von Haydn zur Aufführung zu bringen.\nWas geschah? Nachdem das Concert öffentlich angekündigt war,\nwurde von Seiten des Musik-V ereins eine Oichester-Probe auf\ndenselben Tag angesetzt, und die neuwieder Musiker bis auf\nzwei oder drei veranlasst, sich schriftlich zur Mitwirkung in dieser\nProbe zu verpflichten. Flügel liess sich indessen nicht irre machen,\nsondern engagirte das ganze Orchester bis auf einige auswärtige Di-\nlettanten von Coblenz. Die Aufführung war, einige, durch diesen\nUmstand, welcher nur Eine Haupt-Probe gestattete, entschuldbare\nFehler des Orchesters abgerechnet, sehr gut. Die Solo-Partieen wur-\nden von Frau Drobegg-Prätorius aus Coblenz (Sopran), Herrn\nWolters aus Köln (Tenor) und Herrn Karl Hill aus Frankfurt\na. M. (Bass) gesungen, welche ihre Aufgaben zur Zufriedenheit lös1-\nten und mit wiederholtem und verdientem Beifalle des Publicums\nbelohnt wurden. Die Chöre waren vortrefflich einstudirt und wurden\nmit einer Sicherheit, einer Kraft und einem Feuer gesungen, die\nman bei manchen an Mitgliedern stärkeren Vereinen vermisst. Wie\nsehr bei solchen Aufführungen der Erfolg von dem Wissen und\nKönnen, der künstlerischen Einsicht und der praktischen Sicherheit\nund Energie des Dirigenten abhängt, brauchen wir Ihnen nicht zu\nsagen; dass man aber auch hier darüber zur Einsicht komme,\nlässt die Theilnahme und der Beifall hoffen, welche das ungewöhn-\nlich zahlreiche Publicum der Ausführung spendete."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-04-09-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-04-09_01#c007", "volume": "bmtnabi_1859-04-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "119", "page_fin": "120", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590409-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590409-01.1.7", "debut_caractere": 5493, "fin_caractere_exclue": 6756, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nRSlil« Fräulein Mö stier hat am 4. d. Mts. hier noch eine\nSoiree im Hotel Disch gegeben, die recht besucht war. Die Künst-\nlerin hatte hier in dem günstigeren Locale noch mehr Gelegenheit,\nihre eminente Virtuosität zu bekunden; auch waren die Duo's für\nHarfe und Violine, letztere von von König slow sehr schön ge-\nspielt, eine besondere Zierde des Abends, Fräul. Hasselt-Barth\nvom Stadttheater sang einige Lieder und die Romanze aus den Ca-\npuletti; Herr Capellmeister Hill er gab uns eine freie Phantasie\nauf dem Flügel.\nHerr Beck vom k. k. Hof-Operntheater zu Wien hat am Dins-\ntag den 5 d. Mts. einen Cyklus von Gastrollen auf dem hiesigen\nStadttheater mit ~Beiisar\" begonnen, Empfang und Erfolg des be-\nrühmten Sängers waren ausgezeichnet,- gleich durch das erste Reci-\ntativ riss er das Publicum zu stürmischem Applaus hin, der sich\nbei jedem Abschnitt seiner Gesangstücke wiederholte und zur enthu-\nsiastischen Theilnahme steigerte. Wie ausserordentlich viel Beck als\nSänger gewonnen, zeigte sich besonders in dem Duett mit Irene,\nFräul. Schröder, die dem Gaste würdig zur Seite stand; das Er-\ngreifende seines Vortrags machte einen tiefen Eindruck auf das Pu-\nblicum. Die zweite Rolle war „Wilhelm Teil\", eine in Gesang und"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590409-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4658, "texte": "Spiel vortreffliche Leistung; wenn bei den declamatorischen Recita-\ntiven die sonore Macht des Organs und die dramatische Wahrheit\nund Kraft Erstaunen erregten die Worte: „und Euer wahrlich!\nhätt' ich nicht gefehlt !c< waren z. B. von erschütterndem Eindruck\n—, so offenbarte der Künstler dagegen in den zarten Gesangstellen,\nnamentlich in der Scene mit Gemmy vor dem Schusse, einen Schmelz\ndes Tones und eine Innigkeit des Vortrags, wie man sie bei einer\nso vollen Baritonstimme kaum erwarten kann. Fräul. Hasselt-\nBarth sang die Partie des Gemmy recht hübsch und mit mehr\nTonfülle, als wir sonst bei diesem jungen Talente wahrgenommen.\nDie Herren Ahlfeld und Zellmann (Arnold von Melchthal) tru-\ngen zum Gelingen der Vorstellung viel bei; möchte der Letztere\ndoch nur begreifen, dass Schreien und Singen zweierlei ist; will\nHerr Zellmann das, was ihm fehlt, nämlich das Edle in Ton und\nVortrag, erlangen, so möge er vor allen Dingen die Lunge weniger\nund das Gemüth mehr zur Geltung bringen.\nAm 2. April fand das achte und letzte Abonnements-Concert un-\nter Joachim's Leitung in Hannover Statt, und zwar, da der\nConcertsaal klein ist, im Logenhause des königlichen Hoftheaters\nselbst. Das ganze Haus war besetzt. I. Theil: 1) Ouvertüre zur\nOper Iphigenie in Aulis von Gluck, und 2) Arie des Agamemnon\naus derselben Oper, vorgetragen von J. Stockhausen (Hervor-\nruf); 3) Concert für Pianoforte (Es-dur) von L. van Beethoven, vor-\ngetragen von Alf. Ja eil (Hervorruf); 4) Arie aus der Oper Die\ndiebische Elster von Rossini, vorgetragen von J. Stockhausen\n(Hervorruf); 5) a. Variationen für Piano von Händel, b. englische\nRhapsodie, componirt und vorgetragen von Jaell (zweimaliges Her-\nvorrufen, Jaell gibt ein Impromptu zum Besten); 6) Der Erlkönig\nvon Schubert, vorgetragen von Stockhausen (Jaell begleitet;\nungeheurer Da-capo-Ruf; Stockhausen singt zwei Lieder von Schu-\nbert; abermaliger Hervorruf, worauf Stockbausen noch zwei Lieder\nsingt)* 11. Theil: Sinfonie (Nr. V., C-moll) von L. van Beethoven.\nDas war wahrlich ein sehr genussreicher Abend!\n29. März. Der Ausschuss zur Errichtung eines\nDenkmals fär Karl Maria v. Weber veröffentlicht einen Bericht\nüber die zu diesem Zwecke eingegangenen Beiträge, behält sich aber\ndie nähere Rechnungs-Ablegmig über den Zinszuwachs, die noch zu\nverhoffenden Einnahmen, so wie über die gesammten Ausgaben bis\nnach erfolgter Aufstellung des Denkmals vor. Seit 1845 bis jetzt\nsind bereits 6643 Thlr. 29 Ngr. 1 Pf. eingegangen. Als höchste\nPosten figuriren auf der Liste 2000 Thlr. Ertrag einer Opern-Vor-\nstellung im k. Hoftheater in Berlin im Jahre 1845; 771 Thlr. 20\nNgr. Ertrag einer gleichen ebendaselbst im Jahre 1859; 705 Thlr.\n8 Ngr. Ertrag einer solchen im Jahre 1845 allhier; 521 Thlr. als\nErtrag eines Concertes und zweier Gastrollen der k. sächsischen Hof-\nsängerin Frau Bürde-Ney in Hamburg und Berlin im Jahre 1858;\n363 Thlr. 10 Ngr. Ertrag einer im Jahre 1846 veranstalteten Samm-\nlung des Herrn Pianisten Adolf Hensel in St. Petersburg; 341 Thlr.\n1 Ngr. 5 Pf. Reinertrag eines Concertes der Frau v. Bock (Schrö-\nder-Devrient) im Jahre 1859; 326 Thlr. 28 Ngr. 5 Pf. Ertrag einer\nOpern-Vorstellung im k. Hoftheater zu München im Jahre 1845 und\n300 Thlr. 19 Sgr. Reinertrag einer dramatischen Vorlesung des\nHerrn Hof-Schauspielers Dawison allhier im Jahre 1859. Die ge-\nsammten Einnahmen bestehen aus nur 25 Posten.\nUeber die erste Aufführung von Meyerbeer's „Le Pardon de\nPloermel\" in Paris enthält die Nr. 97 der Kölnischen Zeitung\nein Feuilleton von M. Ii (artmann), nach welchem Meyerbeer's\nMusik „alle äusseren Zuthaten, als Decorationen, Mondschein, Was-\nserfall, Gewitter u. s. w. überflüssig, ja, auch das Libretto über-\nflüssig gemacht hat, dessen Armseligkeit man vergass. - Mit dieser\nOper stellt sich Meyerbeer in die Zahl der in historischen Zeiten\nseltenen Phänomene, der Michel Angelo, Titian, Göthej der ewi-\ngen Jünglinge, von denen die schaffende Kraft nur zögernd oder\ngar nicht weichen wollte.\" —Es schliesst folgender Maassen : „Ver-\nzeichnen wir genau das Datum: Im Jahre des Heils 1859, am fünf-\nten Tage mensis Aprilis, dreizehn Tage vor Palmarum, in dieser\nunserer guten Stadt Lutetia, im 63. Lebensjahre Giacomo Meyer-\nbeer's.\" Der Berichterstatter nennt sich zwar selbst einen ~unber-\nufenen Laien\"; jedoch ~scheint ihm so viel gewiss, dass der\narbeitende Gedanke, die Reflexion hinter der vollendetsten Kunstform\nvollkommen verschwinde und dass eine überströmende Fülle der\nProduction in einer Einfachheit auftrete, wie sie nur die classiscli-\nsten Schöpfungen charakterisirt.\" Diese wörtlichen Anführungen\nwerden hinreichen, auf das erwähnte Feuilleton aufmerksam zu\nmachen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590409-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nAloys Biber, Pianoforte-Fabricant (Nekrolog). Wiener Musik-Verlag im Jahre 1858 (Volkmann, v. Bruyck, Bagge,\nTomascliek, Hager, Dessauer, Herbeck, Hoven, Jachimovicz, Satter). Von Ed. H. Graf L. von Stainlein, Violin-Quartette, Op. 10\nund 11. Aus Neuwied. Von K. Tages- und Un ter h al tun gsbl att (Köln, Concert von Fräul. Mösner, Herr Beck Han-\nnover, letztes Abonnements-Concert Dresden, C. M. v. Weber's Denkmal Meyerbeer's neue Oper*„Le Pardon de Ploermel\").\n\nAloys Biber.\n(Nekrolog.)\nAloys Biber war geboren zu Ellingen den 1. Sep-\ntember 1804 und stammte von väterlicher Seite aus einer\nberühmten musicalischen Familie. Sein Ahnherr, Franz\nHeinrich v. Biber, fürst-erzbischöflicher Truchsess und Ca-\npellmeister von Salzburg, war einer der grössten Violin-\nspieler seiner Zeit. Leopold I. erhob ihn in den Adelstand,\nFerdinand Maria zu München hängte ihm eine goldene Kette\num. Ein Gleiches that Kurfürst Max Emmanuel. Der Va-\nter unseres Verstorbenen war Andreas Biber, Instrumen-\ntenmacher zu Ellingen, ein tüchtiger, lebensfroher Mann,\nder vierzehn Jahre auf der Wanderschaft zubrachte, in\nSpanien, Portugal und zuletzt in dem Etablissement des\nberühmten Pianoforte-Fabricanten Broadwood in London\narbeitete. Er hatte bereits drei Jahre in dieser Fabrik zu-\ngebracht und würde gar nicht mehr nach Hause gekehrt\nsein, wenn ihn nicht der dringende Wunsch seiner Eltern\nund die Bitte des Land-Comthurs dazu veranlasst hätte.\nMit allen Einzelheiten der grossartigsten Pianoforte-Fabrik\nder Welt vertraut, liess er sich zu Ellingen häuslich nie-\nder, heirathete die Tochter des dasigen Bürgermeisters und\nsah in einer sehr glücklichen Ehe der schönsten Zukunft\nentgegen, als der Krieg mit Einem Male sein Vermögen,\nalle seine Hoffnungen und Aussichten für immer zerstörte.\nAus dieser Ehe wurden eilf Kinder geboren, von welchen\nunser Aloys Biber das letzte und jüngste war. Der Vater\nwandte alle Sorgfalt auf die Erziehung dieses Knaben für\neine Kunst, zu welcher ihn durch sein feines Ohr und seine\nausgezeichneten technischen Anlagen die Natur selbst be-\nstimmt zu haben schien. Der gutmüthige Sohn vergalt\ndiese väterlichen Bemühungen mit der wärmsten Kindes-\nliebe; denn von seinem fünfzehnten Jahre an unterstützte\ner aus seinem spärlichen Verdienste Vater und Mutter,\nund der Vater starb buchstäblich in den Armen des wei-\nnenden Sohnes, ehe dieser sich selbst eine bleibende Stätte\ngegründet hatte. Trotz der nachgewiesenen Thatsache,\ndass die Existenz der Eltern von der Handarbeit des Soh-\nnes abhing, musste er doch seiner Militärpflicht Genüge\nleisten. Wieder frei geworden, gab dem jungen, arbeit-\nsamen Biber Göthe's Sprüchlein das Geleite in die Welt:\n„Bleibe nicht am Boden heften,\nFrisch gewagt und frisch hinaus,\nKopf und Herz mit heitern Kräften,\nUeberall sind sie zu Haus.\"\nBiber war ein heller, beobachtender Kopf, eine stille,\necht deutsche, treue Natur. Mit einem nie zu ermüdenden\nFleisse, mit all den Kenntnissen und Erfahrungen seines\nVaters ausgestattet, arbeitete er von seiner ersten Jugend\nan bis zu seiner letzten Todeskrankheit, immer offenen\nKopfes und Herzens, immer vorwärts schreitend, fromm\nund treu das Bessere suchend, war desshalb überall ge-\nliebt, wo er weilte und arbeitete, und genoss das Vertrauen\nseiner Herren und Meister, die, das Streben des arbeitsa-\nmen jungen Mannes schätzend, ihn gewöhnlich in Geheim-\nnisse einweihten, die sie vor Anderen verhüllten.\nAls Biber im Jahre 1833 seinen Wohnsitz in Mün-\nchen aufschlug, stand die Pianoforte-Kunst daselbst nicht\nmehr auf ihrer früheren hohen Stufe. Johann Ludwig Dül-\nken, schon von dem Kunst liebenden und übenden Karl\nTheodor 1781 als „mechanischer\" Hof-Claviermacher\nin München angestellt, war wirklich ein mechanisches Ta-\nlent und hatte unserem München bald einen bedeutenden\nRuf im Fache der Pianoforte-Kunst erworben. Allein er\nwar bereits 72 Jahre alt, hatte sein Geschäft aufgegeben\nund nahm keinen Antheil mehr an den Verhältnissen und\nAnforderungen dieser Zeit. Der Pianofortebauer Sailer, der\nnun um diese Zeit die meisten Flügel in Baiern baute, ar-\nbeitete gut, doch streng nach wiener Mustern, so dass die\nwirklichen wiener Instrumente in München bald den höch-\nsten Ruf erhielten. Von dem Tone englischer Instrumente\nhatte man indessen weder in Wien noch in München einen"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590409-01.1.2", "texte": "Begriff. Als der damals berühmte wiener Pianoforte-Fa-\nbricant Conrad Graff in Begleitung Czerny's den berühm-\ntesten Pianofortebauern Londons einen Besuch abstattete,\nsandte ihm Broadwood einen Flügel seiner Fabrication als\nAndenken nach Wien, wogegen Grad' gleichfalls einen\nwiener Flügel aus seinem Etablissement an Broadwood\nnach London sandte. Hier ergab sich nun die allerbeste\nGelegenheit, den gewaltigen Unterschied zwischen londoner\nund wiener Instrumenten in recht klarem Lichte zu be-\nobachten, so dass die Engländer, welche überall nur den\ngewaltigen Instrumental-Ton wollen und suchen, durch-\naus keine vorteilhafte Idee von deutschen Ciavier-Instru-\nmenten bekamen.\nZwar hatte der Ciaviermacher Baumgartner in Mün-\nchen seinen Ciavieren bereits einen viel stärkeren Bezug\nc?\ngegeben, und die Vortheile, welche aus dieser neuen Ver-\nänderung entsprangen, namentlich in Hinsicht auf Halt-\nbarkeit des Bezuges und der Stimmung, leuchteten sehr\nklar hervor. Allein die Mechanik blieb denn doch immer\ndie alte augsburg-wiener Mechanik, und Baumgartner, im-\nmer in Geld-Verlegenheit, betrieb sein Geschäft selbst als\nGewerbe so nachlässig und unregelmässig, dass an eine\nReform des Clavier-Instrurnentenbaues nicht zu denken\nwar. Da begann im August 1833 Biber sein Geschäft mit\nnur drei Gesellen in einer hierzu gemietheten Wohnung\nin der Sonnenstrasse. Der Mann, welcher früher nur ge-\nwohnt war, Anderen mit seiner ganzen Hingebung, ja, oft\nmit Selbstaufopferung, zu dienen, war nun Meister, aber\nauch Meister im vollsten Sinne des Wortes. Von 5 Uhr\nMorgens im Kreise seiner Gesellen, selbst am meisten ar-\nbeitend, bis die Sonne sank, dann in seinem einsamen\nKämmerlein sitzend, rechnend, zeichnend, brütend bis des\nnächsten Morgens 2Uhr—gönnte er sich, auf seine eiserne\nGesundheit bauend, nur wenige Stunden Schlaf.\nBald begannen die Clavier-Instrumente, welche aus\ndieser neuen Werkstätte hervorgingen, Aufsehen zu erre-\ngen. Man fand an ihnen bei der schönsten, vollendetsten\nArbeit in ihrem Aeussern eine Fülle des Klanges, eine\nKraft des Tones bei schönster Gleichförmigkeit der Scala\nlauter Eigenschalten, an deren Vereinigung in einem\nInstrumente man bisher in München gar nicht gedacht\nhatte. Er baute zuerst in München seine Pianofortes nach\nenglischem System; dem stärkeren Saitenbezuge wurde\nauch eine stärkere Mechanik als die alte wiener angepasst;\nder Meister war aber nie sclavischer Nachahmer, sondern\nmodificirte, ja, verbesserte, wie es die Zeit, die Umstände\nund die Bedürfnisse erforderten. So wuchs Biber's Ruf\nsehr rasch, wozu noch das einfache, bescheidene Beneh-\nmen des jungen Bürgers gleichfalls gewiss das Seinige bei-\ngetragen hat, und am 6. April 1834 verehelichte er sich\nmit Katharina Schnetter, der Tochter des berühmten Ver-\nfertigers chirurgischer Instrumente, Caspar Schneller,\nwelcher München zuerst in diesem Fabricationszweige Ruf\nerwarb. Wenn auch seine pecuniären Bedürfnisse im Augen-\nblicke durch diese Verehelichung nicht viel verbessert wur-\nden, so gewann er doch eine sehr gebildete Hausfrau, die\nFreude und Leid in seiner neuen Haushaltung redlich bis\nzu seinem letzten Hauche mit ihm theilte und die zuletzt\nso ausgebreitete Correspondenz und Buchfüh-\nrung zum grössten Theile'übernahm. Schon das\nnächste Jahr nach seiner Etablirung erhielten zwei seiner\nInstrumente, ein Mahagoni-Flügel-Instrument und ein\nQuer-Pianoforte, in der Industrie-Ausstellung in Nürnberg\ndie silberne Preis-Medaille. Die Preisrichter fanden nament-\nlich den Ton seines Quer-Pianoforte so stark als den eines\nmünchener Flügels, und noch überdies die Preise ausser-\nordentlich niedrig. Acht solcher Flügel wurden dann auf\neinmal bei unserem Biber in Bestellung gegeben, die\ngrösstenteils für das Ausland bestimmt waren. Der Nach-\nfragen nach Biber's Ciavieren wurden nun bald so viele,\ndass er sich genöthigt sah, einen, zwei, drei Gesellen mehr\naufzunehmen; da wurde denn auch sein gemietetes Local\nzu klein. Aber mit dem steigenden Rufe seiner Fabricate\nwar auch sein Fleiss und seine Genügsamkeit, wenn mög-\nlich, im Steigen begriffen, und so sah er sich bald in den\nStand gesetzt, das Haus, welches er bis zu seinem Ende\nbewohnte, als Eigenthum zu erwerben.\nBiber liess auch, während sein Geschäft immer mehr\nan Ausdehnung gewann und seine Kräfte mehr und mehr in\nAnspruch nahm, in seinen nächtlichen Studien, die das\neigentliche, tiefer liegende Wesen seiner Kunst betrafen,\nnicht nach; er suchte unablässig, oft ganze Nächte dazu\nverwendend, die Ursachen jedes der vielen Mängel auf,\nwelche für den Kenner auch an dem vollkommenst gebau-\nten Pianoforte hervortraten, und half diesen immer mehr\nund mehr ab, und zwar oft durch so unbedeutend schei-\nnende Veränderungen, dass sie selbst dein Auge des Ken-\nners entgangen sein würden, wenn er nicht durch den\nVcrl'erliger darauf aufmerksam gemacht worden wäre.\nNamentlich trat bei der immer stärker seiorderten Besai-\nC 7\ntung der Instrumente der Mangel sehr fühlbar auf, dass\ndie höchsten Discant-Töne, im Vergleich mit den dünner\nbesaiteten wiener Flügeln von längerem Bezüge, immer\nmehr und mehr an Feinheit des Klanges verloren, die man\nvon den wiener Flügeln her gewohnt war. Biber half end-\nlich dem Uebelstande auf eine höchst sinnreiche Art ab.\nEr erfand seine so genannte Klang-Maschine. Ueber die\nzwei höchsten Octaven des Stimmstocksteges geschraubt,\ngibt die Maschine dieser Partie die notwendige Wider-\nstandsfähigkeit und Festigkeit, ohne jedoch jene eigenthüm-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590409-01.1.3", "texte": "liehe Tonfarbe zu verwischen, welche das Holz allein zu\ngeben im Stande ist. Diese Klang-Maschine ist es, welche\nden Biberseben Flügel-Fortepiano's jenen klingenden und\ndoch voluminösen Glockenton in den höheren Octaven ver-\nleiht, der in solch unveränderlicher Art kaum an ande-\nren Fortepiano's gefunden wird.\nBiber, stets in der Ausdehnung seiner Fabrik beschäf-\ntigt, sandte gleichfalls Instrumente zur allgemeinen Indu-\nstrie- welche im Jahre 1842 in Mainz gehal-\nten wurde, und erhielt hier die goldene Medaille.\nVon diesem Zeitpunkte an verbreitete sich der Ruf der\nBiber'schcn Claviere auch in der Rheingegend, und\nHeckel in Mannheim, der sich immer ein Lager von Cia-\nvieren vorräthig hielt, besorgte ihre Versendung. Ueberall\nfand der grosse, klingende Ton und die Spielart dieser In-\nstrumente ße wu n der un g.\nSchon im Jahre 1846 erhielt Biber vom Könige den\nTitel eines Hof-Fianoforte-Fabricanten. Das Glück oder,\nwie er dies immer selbst mit dankbarer Rührung besser\nnannte, der Segen des Himmels begleitete alle seine Un-\nternehmungen; er war in kurzer Zeit aus einem armen\nein wohlhabender, zuletzt sogar reicher Mann geworden,\nim Herzen aber immer die einfache, bescheidene, kind-\nliche Natur geblieben, die mit der innigsten Liebe nur an\nihrer Familie hing, zu welcher auch Biber's alte Mutter\ngehörte, welche, glücklicher als ihr Gatte, noch zwölf\nJahre Zeuge der gesegneten Verhältnisse ihres Sohnes war\nund im 86. Jahre, ihren Wohlthäter segnend, starb. Die\nbeiden grossen Industrie-Ausstellungen zu Paris lockten\nauch unseren Biber nach dieser Hauptstadt Frankreichs.\nEr kam von dort an Erfahrungen reich wieder zurück.\nImmer beschäftigte seinen Geist die Construction einer\nguten, kraftvollen und doch einfachen Clavier-Mechanik.\nEr wusste nur allzu wohl, dass namentlich Virtuosen ge-\nrade den Werth oder Unwerth eines Pianoforte nach dem\nZustande seiner Mechanik zu beurtheilen pflegen. Bei einer\nguten Mechanik muss derselbe Ton in einer Secunde we-\nnigstens zehn Mal wiederholt werden können, ohne dass\nje einer ausbliebe. Schon Seh. Erard in Strassburg\nsuchte diesem Uebelstande abzuhelfen, indem er 1823\neine höchst sinnreiche Mechanik construirtc, welche, nach\ndem Princip des Italiäners Christofali gebaut, den Ton\nversicherte, auch wenn die Taste nicht wieder ganz in ihre\nursprüngliche Lage zurückfiel. Diese Mechanik ist die be-\nrühmte Erard'sche ä double echappement Sie ist jedoch\nviel zu complicirt und schon desshalb ausserordentlich kost-\nspielig. Eine einzige Taste mit ihrem Hammer besteht aus\nwenigstens 64 Theiien, hat 5 Achsen, die in mit Tuch\nausgefütterten Büchsen laufen. Viel gebraucht, wird sie\ndesshalb bald abgenutzt, klappert und verliert alles, was\nihren Vorzug bedingt. Aus diesem Grunde verbesserte der\npraktische Engländer Broadwood seine früher ange-\nwandte englische, viel einfachere Mechanik, dass es auch\nbei dieser leicht ist, den Ton wieder anzuschlagen, ohne\ndass die Taste ganz an die Stelle ihrer Ruhe zurückgesun-\nken wäre. Broadwood nannte diese Erfindung Victwia\nrepetition. Biber, der mit seiner Zeit in Bezug auf Piano-\nforte-Baukunst stets auf gleicher Höhe blieb, der alles\nkannte, was die Gegenwart im Fache der Pianoforte-Bau-\nkunst leistet, ja, sogar die Geschichte derselben in Modellen\nvor sich hatte, kam zuletzt noch auf einem viel einfacheren\nWege zu demselben Ziele, als Broadwood. Die Erfindung\noiescr einfachen Mechanik vermehrte seine vielen Verdienste\num die Pianoforte-Baukunst wieder um ein neues.\nEr hatte die Natur und Eigenschaften der Materialien,\nwelche er zu dem Bau seiner Claviere verwandte, lange\nund sehr genau studirt. Daher baute er jedes seiner In-\nstrumente nach der Qualität des Holzes und der Materia-\nlien, die er dazu verwandte; aber eben desshalb war kei-\nnes seiner Instrumente im Detail genau so gebaut, wie das\nandere. Daher kamen auch die fruchtlosen Bemühungen,\nseine Instrumente, die man genau copirte, nachzubauen.\nEs war Grundsatz bei ihm, sich immer die besten Mate-\nrialien zu verschaffen. Das Holz zu seinen Ciavieren wählte\ner sich selbst in den Wäldern unserer südlichen Vorge-\nbirge noch in Stämmen aus; denn so war es ihm allein\nmöglich, Holz, wie er es nöthig hatte und wollte, für sei-\nnen Gebrauch zu erhalten.\nDer Verstorbene war kein Clavierspieler, aber er be-\nsass ein feines Ohr für Musik und den Ton als musicali-\nsches Element überhaupt; er war desshalb zugleich der\nbeste Stimmer. Wer das Wesen des Ciavierbaues kennt,\nweiss, dass es für den Verfertiger nicht nöthig ist, ein gu-\nter Pianofortespieler zu sein. Zur richtigen Würdigung\neines Clavier-Instrumentes bedarf es nicht einmal der gan-\nzen Hand ein einziger Finger ist vollkommen ausrei-\nchend; ja, dieser einzige Finger bringt oft manchen Piano-\nfortebauer zur Verzweiflung.\nZu der allgemeinen deutschen Industrie-Ausstellung in\nMünchen lieferte Biber drei Flügel. Der erste, mit so ge-\nnanntem weissem Mahagoni fournirt und mit in Feuer\nvergoldeten Ornamenten garnirt, besass die stärkste Me-\nchanik und war im Tone den grössten Erard'schen und\nBroadwood'schen Flügeln wenigstens gleich. Die zwei an-\nderen Flügel waren mit Palissanderholz fournirt, der eine\nmit Bronze-Verzierungen, der andere ohne dieselben. Der\nprächtige Flügel aus weissem Mahagoni übertraf alles,\nwas von Ciavieren zur Ausstellung geliefert wurde. Mo-\nse heles, der einmal spielend die ausgestellten Instrumente\nmusterte, kam mit sichtbarem Vergnügen wieder und wie-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590409-01.1.4", "texte": "der zu dem Biber'schen Pianoforte zurück, spielte sich\nendlich warm und schloss in seiner schönen, klaren, leuch-\ntenden, jeder Situation geistig sich anschmiegenden Weise\nmit der Ouvertüre zur Zauberflöte.\nIm Preisgerichte selbst wurde endlich, trotz der vielen\neinander durchkreuzenden patriotischen Interessen der ein-\nzelnen Jury-Mitglieder, dennoch der einstimmige Beschluss\ngefasst, Biber die grosse erste Denkmünze zuzuerkennen,\nnoch überdies mit dem Anhang: „Es möge der Vorsitzende\nwegen der grossen Verdienste, welche sich Biber durch die\nVervollkommnung der Pianoforte-Pabrication um Baiern\nerworben, diese Verdienste Biber's auf irgend einem Wege\nim Namen der Commission zur Kenntniss der baierischen\nAllerhöchsten Stelle bringen.\"\nVom Norden bis Süden häuften sich die Bestellungen\nso sehr, dass Biber ihnen nicht mehr genügen konnte, da\njedes Ciavier, das er verkaufte, auch von seiner Hand voll-\nendet in die Welt ging. Er hätte hinreichenden Grund ge-\nhabt, seine Fabrication um das Dreifache zu vergrössern,\naber er wäre nicht mehr im Stande gewesen, jedes Instru-\nment mit eigener Hand zu vollenden. Trotz allem Anrathen\nwar er nicht zu diesem Entschlüsse zu bringen. Er wollte\nsich erst seinen Sohn herangezogen haben, dass dieser im\nStande wäre, in seine Fussstapfen, wie er es wollte, ein-\nzutreten. Als sein Sohn endlich 21 Jahre alt geworden,\nging er ernstlich an die Realisirung dieses lange durch-\ndachten Planes. Da überfiel ihn der erste Angriff jener\nKrankheit, die ihn zuletzt dem Tode in die Arme lieferte.\nPeriodenweise hatte er sich von mehreren erneuten hefti-\ngen Anfällen dieser Krankheit wieder erholt und seine alte\nThätigkeit von Neuem begonnen, allein den letzten An-\nfällen unterlag endlich seine früher so kräftige Natur.\nRuhig einer fröhlichen Urständ entgegensehend, er-\ngab er sich, wie in alle, so auch in diese letzte der Schickun-\ngen des Himmels, schloss seine Rechnung mit der Welt\nab und wünschte nur, dass, während die Kirche für seine\nSeele bete, vom Chor Mozart's Requiem ertöne. Biber\nstarb am 13. December 1858.\n(Prof. Schafhäutl im Kunst- u. Gew.-81. f. Baiern.)\n\nVom wiener Musik-Verlage im Jahre 1858.\nEd. E.Von einem besonderen Aufschwünge des wie-\nner Musik-Verlages ist freilich noch nichts zu melden. Un-\nsere älteren Tonsetzer verstummen allmählich, für die jün-\ngeren, die gern Ernsteres und Grösseres brächten, ist es\näusserst schwer nicht etwa durchzudringen, sondern\nüberhaupt nur anzukommen. Der überwiegend grösste\nTheil des hier Verlegten besteht in Tänzen, Uebungs-\nstücken und jener untersten Schicht brillanter Claviermu-\nsik, die aus ihrer Geistlosigkeit und Unwissenheit kein\nHehl macht.\nDas Bedeutendste, was von einheimischen Kräften im\nFache der Ciaviermusik neuestens gebracht wurde, dürf-\nten Robert Volkmann's „Variationen über ein Thema\nvon Händel\" sein. Es ist das Thema derselben Variationen\nvon Händel in E-dur, die seit Liszt auch in den Concer-\nten Mode geworden sind eine Wahl, die man Volkmann\nnicht verübeln wird. Auch in der Musik muss es freistehen,\neinen alten Stoff neuerdings zu behandeln, sobald Jemand\netwas Neues und Erhebliches darüber zu sagen weiss.\nUeberdies ist gerade die Behandlung der Variation in\nneuerer Zeit eine viel reichere und freiere geworden. Beet-\nhoven's Variationen über den Diabelli'schen Walzer haben\ndas hochwuchernde Unkraut des Gelinek'schen Variatio-\nnen-Stils mit der Wurzel ausgerissen und einen wunder-\ntätigen, immer voller aufblühenden Keim in die offene\nScholle gesenkt.\nWerke wie Schumann's Cfo-mo//-Variationen (Op.\n13) und seine Variationen für zwei Claviere, die Verän-\nderungen von Brahms, Volkmann u. A. zeigen, wie\nsehr diese Form an Freiheit der Bewegung und charakte-\nristischer Vertiefung gewonnen habe. Das Extrem dieser\nFreiheit sehen wir zwar auch bei Volkmann manchmal\ngestreift, es besteht in der allzu grossen Entfernung der\nVariationen von ihrem Thema. Wenn wir diese Neigung\nund einige Härten ausnehmen, so können wir Volkmann's\nVariationen als ein charaktervolles, ernstes und geistrei-\nches Werk unbedingt rühmen. Die Ausführung verlangt\nübrigens ein tieferes Eindringen und eine bedeutende Vir-\ntuosität.\nUngleich geringfügiger sind desselben Verfassers\n„Lieder einer Grossmutter\" für Ciavier. Offenbar\ndurch Schumann's „Kinderscenen\" hervorgerufen, sind\ndiese charakteristischen Stückchen jedoch für die Jugend\nbestimmt, während Schumann's Heft Bilder der Kindheit\nin der Erinnerung des Erwachsenen wiederspiegelt. Sinnig,\nim besten Schumann'schen Geiste, sind Nr. 9 und 10;\nStücke wie Nr. 3 hingegen mit seinen klaffenden Disso-\nnanzen sollte man dem jugendlichen Musiker eben so\nsorgfältig fern halten, wie man die weltschmerzlichen oder\nironischen Ausbrüche Heine's dem jugendlichen Leser\nfern hält.\nWas wir sonst noch an Ciaviermusik hervorzuheben\nhätten, gehört fast durchweg der seit Schumann so vor-\nwiegend cultivirten Form des kleinen Charakterstückes an.\nDas Streben nach charakteristischer Ausprägung des musi-\ncalischen Inhalts bleibt als reiner Gewinn; die Anwendung\nbesonderer Ueberschriften scheint bereits im Abnehmen."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590409-01.1.5", "texte": "Debrois v. Bruyck, dem wir bereits manch Gelun-\ngenes in diesem Genre verdanken, ist auch diesmal mit\nzwei Heften zuerst zu nennen. Frisch und zuversichtlich\nsingen seine „Burschenlieder\" von Freud' und Leid\ndes Studenten, d. h. von dem leichten Sinne, mit dem Bei-\ndes von dieser wahren Aristokratie der Jugend getragen\nwird. Von dunklerem Colorit sind die „Nachtviolen\",\nbreiter ausgeführt und charakteristischer als die in ihrer\nAnspruchslosigkeit freundlicheren Burschenlieder. Nur im\nInteresse seiner künftigen Werke möchten wir ihn vor di-\nrecten lleminiscenzen aus Schumann gewarnt haben.\nWie Schumann's Einfluss bei Debrois, so ist der Men-\ndelssohn'sche unverkennbar bei Sei mar Bagge, der unter\ndem bescheidenen Titel „Ephemeren\" ein Heft kleiner\nCharakterstücke herausgab. Ohne hervorstechend originel\nzu sein, gewinnen sie doch durch charaktervolle Haltung\nund gewählte Harmonie; die sechste Nummer, die fri-\nscheste, ist zugleich ein dankbares Ciavierstück besseren\nSchlages.\nEin älteres Ciavierwerk, durch dessen neue Autlage\nsich die Spina'sehe Verlagshandlung den Dank aller ge-\nbildeten Musikfreunde erwirbt, sind Torna sehe k's\n„Rhapsodieen\". Welch kräftige, gesunde Kost! Das\nHeft ist ein Beispiel von der künstlerischen Selbstständig-\nkeit, mit der Tomaschek sich neue, damals unerhörte\nFormen schuf, und von dem mitunter herben, aber stets\nmännlich-kraftvollen Geiste seiner Musik. Sollte man die\nWohlthat einer neuen Auflage nicht noch anderen Ciavier-\nwerken dieses Meisters angedeihen lassen? Schon das ent-\nsetzliche Papier und der unleserliche Druck, in welchen\nTomaschek's „Belogen\", „Dithyramben\", „Allegri dibra-\nvura\", Sonaten u. s. w. prangen, schreckt jedes moderne\nMenschenkind davon ab, wenn es nicht vielleicht ausDrey-\nschock's Concerten schon weiss, welche Jugendfrische in\ndas schmutzige Papier gebannt ist.\nFür Gesangmusik dürften das Hervorragendste,\nwas Wien seit einigen Jahren hierin zu Tage gefördert,\ndie Liederhefte von Johannes Hager sein.\nVon D essauer gibt es sechs neue Lieder, wie sich\nvon selbst versteht, melodiös, klar und anmuthig. Dem Be-\nsten aus seiner früheren Zeit stehen sie keineswegs an der\nSeite, vielleicht mit Ausnahme der Geibel'schen Romanze\n„Die Zigeunerin\". Dessauer dachte an die Zigeuner Un-\ngarns und gab dem Liede durch Anwendung ungarischer\nRhythmen und Schlussfälle eine höchst eigentümliche\nnationale Färbung.\nIn unliiugbar geistreicher Weise verwendet auch Her-\nbeck ungarische Rhythmen in seiner Betonung derLenau'-\nschen „Drei Zigeuner\". Im Ganzen blieb uns dieses Werk\nunerquicklich durch seine ans Melodram streifende decla-\nmatorische Behandlung der Stimme, durch das Bestreben,\nin Kleinigkeiten gross zu sein, durch seine Anstrengung\nendlich, die Verhältnisse des Gedichtes zu einem breiten,\nanspruchsvollen Tongemälde auszuweiten, das trotzdem\nlange nicht die Wirkung erreicht, die eine einfache Decla-\nmation des Gedichtes hervorbringt. Wir glauben, dass Her-\nbeck, dessen ungewöhnliches Verdienst als Dirigent wir\nso gern laut anerkennen, einen sehr unvortheilhaften Weg\nals Componist verfolgt.\nDie Musik zu den „drei Zigeunern\" hat er Liszt ge-\nwidmet, sich also damit vollkommen an den rechten Mann\ngewandt.\nDer von Herb eck neu ins Leben gerufene „Gesang\nder Geister über den Wassern\", einer der prachtvollsten\nChöre Franz Schubert's, ist nunmehr auch bei Spina\nin Partitur erschienen.\nJ. Hoven ist seit längerer Pause (die einem staats-\nwissenschaftlichen Werke zu Gute kommen soll) nur mit\ndrei kleineren Liedern (Op. 51) hervorgetreten, von denen\ndas erste („Die Nacht\" von Eichendorff) durch schöne\nStimmung und melodischen Reiz hervorsticht.\nMit Vergnügen begrüssen wir diesmal wieder den Na-\nmen Franz Jachimovicz („Sechs Lieder\", 2. Werk).\nNachdem Op. 1 dieses Componisten vor mehr als fünf\nJahren erschienen, kann man nicht eben sagen, dass er sich\naufdränge. Man fühlt dafür seinen Liedern an, dass sie\nnur dem inneren Drange entspriessen. Die neuen sechs\nLieder zeugen abermals von echt lyrischem Talente, doch\nsind sie im Werthe ungleich.\nVon grösseren Novitäten des wiener Verlages ist uns\nnur Hager's Streich-Quartett in H-inoll (Op. 31) bekannt\ngeworden, dieselbe geistreiche Arbeit, welche im verflossenen\nJahre bei Hellmesberger anonym vorgeführt und so über-\naus glänzend aufgenommen wurde.\nUm nun auch den äusseren Erfolg nicht zu vergessen,\nberichten wir die klägliche Thatsache, dass seit Jahren\nkein Ciavierstück in Wien solchen Absatz fand, als Leo-\npold v. Mayer's Grillenpolka! Als „Grillenpolka\" im\nReiche des Gesanges florirte das „Grüberl im Koi\", das\nobendrein von Localsängerinnen im Costume lleissig kre-\ndenzt wurde. Als Componist dieser erhabenen „Gstanzeln\"\nist auf dem Titel genannt „Gustav Holzel, k. k. Hof-\nOpernsänger und Li eder-Compositeur\". Das überholt\ndoch noch weit die Freiheitsmärsche aus dem Jahre 1848,\nderen Autoren sich auf dem Titel als „Nationalgarde und\nUrwähler\" aufführten. Doch es kommt noch besser. Ein\nHerr Franz Berwald begleitet sein Opus 6,ein Quintett,\nmit einem Vorworte, worin er „jene Schar von Virtuosen,\ndie nur mit den Fingern, aber ohne Kopf und Herz spie-\nlen\", feierlichst ersucht, sein Werk „zu ignoriren\". Völlig"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590409-01.1.6", "texte": "allerliebst ist aber Folgendes: Auf dem Titelblatte einiger\nhöchst unbedeutenden Concertwalzer von Gustav Satter\n{„Les Belies de New-York\") prangt die stolze Frage:\n„Wer ist Satter?\" und als Antwort darunter steht:\n„Satter ist unzweifelhaft einer der grössten lebenden Pia-\nnisten. Satter wüthet auf dem Piano wie ein brausendes\nMeer. Da wird man fragen: Ist das Alles? Antwort: TS ein.\nSatter singt auch auf dem Piano wie ein Arion. Er spielte\ndie sechste seiner Piano-Sonaten. Ich fragte: Wo sind die\nanderen? Da bekam ich aber als Antwort tüchtig aufge-\npackt, indem er sagte: „ „Wissen Sie denn nicht, dass ich\nauf jedem Gebiete mich versucht habe? Ich componirte\n3 Opern, 5 Symphonieen, 6 Sonaten, 2 Quintetts, 5 Trio's,\nmehrere Streich-Quartette und über 100 Solo's für\nPiano.\"\" Nun suchte ich ihn als Virtuosen zu ergrün-\nden und fragte, was er eigentlich alles spielen könne? Sat-\nter antwortete ganz kühl: „„Ich spiele etwa 100 Fugen\nvon Bach und Händel auswendig, eben so jede andere\ngute Compositum von Bach bis auf die heutige Zeit.\"\"\nDies ist Satter liebes Publicum.\"\nSo weit wäre also die Prostitution im Virtuosenthum\nglücklich angelangt!\nCSV.Presse v. 31. Dec. v. J.)\n\nBeurtheilungen.\n\nStainlein, comie Louis de, Premier Quatuorpour\n2 VioL, Alto et Violonc\nnard. Op. 10. Mayence,\nPr. 3 PI. 36 Kr.\nSeconcl Quatuor pour 2 Viol. etc. Dedie ä Mr.\nFerclin. Kufferath. Op. 11. item.\nMit diesen zwei neuesten Werken des talentvollen\nComponisten wird es wahrseheinlich allen Kunstfreunden\nso ergehen, wie es uns ergangen ist. Haben sie sich näm-\nlich um die Producte der neuesten Kammermusik für\nPianoforte und für Bogen-Instrumente oft und ernsthaft\nbekümmert, sei es aus Liebhaberei oder aus Beruf der\neinem, beiläufig gesagt, heutzutage oft sehr lästig gemacht\nwird —, so werden sie hei Ansicht und Anhörung dieser\nQuartette so etwas von der Empfindung des Don Ottavio\nbei dessen Worten: Ohime! rim grossen Recitativ\nder Donna Anna in sich verspüren; denn es ist einem da-\nbei in der That so zu Muthe, als athme man einmal wie-\nder reine und frische Tonluft, nachdem man lange Zeit sich\nin Dunst und Qualm befunden, bei dem man das Tuch\nvor den Mund halten musste, um nicht zu ersticken.\nDer Componist zeigt überall in diesen zwei Werken\nerstens, dass er etwas gelernt hat, und zweitens, dass er\nselbstständig und künstlerisch charakterfest genug' ist, um\nsich nicht vor der Modernitäts-Flagge zu beugen, oder auf\ngut Deutsch: um nicht mit den Wölfen zu heulen. Wir\nhaben lange keine Composition gesehen, die so ganz frei\nvon musicalischem Schwulst, von Originalitätssucht durch\nAbsonderliches, Gesetzloses und Hässiiches wäre, wie diese\nQuartette. Und dennoch sind sie originaler als hundert\nandere Ciavier- oder Streich-Quartett-Compositionen unse-\nrer Zeit, in so fern der Autor durchaus seinen eigenen\nWeg geht und nur im Allgemeinen das Musicalisch-Schöne,\nwie es sich bei den classischen Meistern zeigt, zum Muster\ngenommen hat, im Besonderen aber von Nachahmung\neines bestimmten Meisters und dessen Stils nicht die Rede\nbei ihm ist. Namentlich findet sich keine Spur von einem\nEinflüsse Mendelssohn's auf den Componisten, was in der\nThat heutzutage viel sagen will; eben so wenig also auch,\nwie man leicht denken kann, von Schumann. Wir haben\nhier reine Quartett-Musik vor uns, die nichts sein will als\ndas; weder orchestralen Lärm und sinfoniemässige Effecte,\nnoch chaotische Schöpfungswehen oder weltschmerzliche\nGefühle auszudrücken müht sich der Componist ab: er\nwill nur absolute Musik geben, und zwar in der gediegen-\nsten Form, und hält sowohl jene als diese für vollkommen\nhinreichend, das unbefangene Gemülh und den unverdor-\nbenen Geschmack zu erfreuen und zu befriedigen.\nDer Autor zeigt sich ferner auch in so fern originel,\nals er uns in Bezug auf Charakter und Form wirklich für\nStreich-Instrumente gedachte Musik gibt, nicht instrumen-\ntirte oder transscribirte Ciaviermusik, wovor ihn wohl sein\nausübendes Talent (der Graf Stainlein ist ein ausgezeich-\nneter Violoncellspieler) bewahrt haben mag.\nDas Quartett Op. 10 in G-mott beginnt mit einem\nAllegro niodercäo, 4 vTact, dessen Motive einfach, aber\nmelodisch fliessend, nicht zerstückt und gebrochen, sind und\nin klarer und durchsichtiger Arbeit durchgeführt werden.\nVon besonderem Reiz in modulatorischer Hinsicht ist in\nder Wiederholung die Hinführung von aus zum\nzweiten Thema, das dann in G-dur, statt in Moll, auftritt.\nDas Andante espressivoin Es-du\"/4-Tact, ist uns weni-\nger ansprechend erschienen; die Figur des zweiten Motivs,\nobwohl sehr hübsch durchgc-\nführt, dürfte doch an und für sich nicht bedeutend genug\nsein. Ein kurzes Intermezzo in das an die Motive\ndes ersten Allegro erinnert, leitet ein zum Finale in\ndur, 2/4-Tact, Allegro Scherzo dem längsten und\noriginellsten Satze des Werkes. Das erste Thema tritt\nziemlich anspruchslos auf; es macht aber bald einem höchst\neigenthümlichen zweiten in Platz, das den Ein-\ndruck macht, als wenn ein Zug ungarischer oder böhmi-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590409-01.1.7", "texte": "scher Zigeuner mit mystischen Symbolen heranzöge; dabei\nmachen die in den einzelnen Stimmen bald abwechselnden,\nbald sich in consonirenden Intervallen vereinigenden lau-\ngeren Iriilcr eine ganz besondere Wirkung. Auf einmal\naber springt ein drittes Thema in in hüpfenden\nStaceato-Achteln wie aus dem Versteck hervor und macht\nsich über die Zuversicht, mit welcher die Alten die Schick-\nsale der Menschheit voraussagen wollen, in jugendlichem\nUebermuthe lustig, und so geht es dann fort, bis ein durch\ndas erste Thema herbeigeführter Schluss dem Ernste und\ndem Scherz ein schnelles Ende macht.\nDas zweite Quartett, Op. 11 in hat im Allge-\nmeinen dieselben Vorzüge, namentlich auch denselben kla-\nren Stil, wie das erste. Es hat vier vollständige Sätze, ein\nAllegro con moio, welchem im zweiten Theile ein\nlebhaftes, keineswegs trockenes Fugato mit effectvoller\nSteigerung einen besonderen Werth verleiht; ferner ein\nScherzo Allegro,3/4-Tact, ebenfalls in das in seiner\nleichten, neckischen Weise an den Charakter des dritten\nThema s im Finale des Op. 10 erinnert; dann ein\nreligioso in F-dur.\"2/s-Tact, mit sanft melodischen, etwas\nitaliänisch cadenzirten Cantilenen in der ersten Violine und\nim Violoncell, und zuletzt ein Allegro vivace assai in C-\ndur, yVTact, dem vielleicht für einen Schlusssatz etwas\nmehr Schwung zu wünschen wäre.\n\nL. B.\n\nAus Neuwied.\nK.\nIm März 1859.\nDie unlängst erwähnte Aufführung der „Schöpfungu durch den\nFlügeFbChen Gesang-Verein am 1. d. Mts. war bei den eigentüm-\nlichen musicalischen Verhältnissen Neuwieds ein für unsere Stadt so\nbedeutendes Ereigniss, dass es erlaubt sein wird, dieselbe etwas aus-\nführlicher zu besprechen, als dies sonst bei musicalischen Auffüh-\nrungen kleiner Städte der Zweck und der Raum dieses Blattes ge-\nstattet, zumal hiedurch einiges Streiflicht auf die Leiden eines\nKünstlerlebens fällt.\nVor etwa sechs Jahren wurde Gustav Flügel, damals Diri-\ngent des Musik - V er ein s, von der Direction desselben „entbun-\nden\" oder verdrängt, um einem Dilettanten Platz zu machen. Trotz\naller Mühe, welche sich dieser Herr unläugbar gibt, genügen die\nConcerte des Musik-Vereins auch nur mässigen Ansprüchen durch-\naus nicht. Der Grund hiervon liegt zum Theil mit in der unzweck-\nmässigen Auswahl der Musikstücke. Ein verständiger Dirigent be-\nrücksichtigt vor allen Dingen die ihm zu Gebote stehenden Kräfte\nund zieht es vor, leichtere Sachen in relativer Vollendung zu Gehör\nzu bringen, als schwere Stücke mangelhaft vorzuführen. Hier scheint\nman sich aber über die Mängel der Ausführung mit dem Motto:\n„In magnis voluisse seil esl\", zu trösten, wie z. B. bei Mendelssohn's\nPaulus, der auf eine Weise zu Gehör gebracht wurde, dass er, ge-\nlinde gesagt, Niemanden befriedigen konnte. Eine aufrichtige Kritik\nin hiesiger Zeitung weiss man durch allerlei Einwirkungen nicht\naufkommen zu lassen.\nDen entgegengesetzten Weg hat Gustav Flügel eingeschlagen.\nEr gründete vor etwa zwei Jahren unter den bescheidensten Anfän-\ngen einen eigenen Gesang-Verein, und durch unverdrossenes, eifriges\nStudium, selbst die Mühe des Einübens mit einzelnen Mitgliedern\nnicht scheuend, brachte er ihn bald dahin, dass er ältere geistliche\nMusik in einer kleinen Kirche mit Begleitung der Orgel vor einem\neingeladenen Auditorium vortragen konnte. Diese musicalischen\nVespern erregten bald ein solches Interesse, dass der Raum für die\nZahl der Zuhörer zu klein wurde und sich der Wunsch kund gab,\nder Verein möge seine Abend-Unterhaltungen auch Öffentlich gegen\nEntree veranstalten. Dagegen versuchte man von anderer Seite ein\nConcert-Monopol geltend zu machen, und es dauerte wirklich eine\nWeile, ehe man sich allgemein überzeugte, dass dasselbe auch nicht\nentfernt aut einem Rechtstitel beruhte. Hierauf gelang es dann, im\nNovember v. J. eine öffentliche Abend-Unterhaltung (einen Psalm\nvon Händel, eine Motette von Haydn u. s. w.) mit halbem Or-\nchester zu geben; denn die andere Hälfte desselben versagte oder\nmusste ihre Mitwirkung versagen!\nInzwischen war der neue Verein so erstarkt, dass G. Flügel be-\nschloss, die Schöpfung von Haydn zur Aufführung zu bringen.\nWas geschah? Nachdem das Concert öffentlich angekündigt war,\nwurde von Seiten des Musik-V ereins eine Oichester-Probe auf\ndenselben Tag angesetzt, und die neuwieder Musiker bis auf\nzwei oder drei veranlasst, sich schriftlich zur Mitwirkung in dieser\nProbe zu verpflichten. Flügel liess sich indessen nicht irre machen,\nsondern engagirte das ganze Orchester bis auf einige auswärtige Di-\nlettanten von Coblenz. Die Aufführung war, einige, durch diesen\nUmstand, welcher nur Eine Haupt-Probe gestattete, entschuldbare\nFehler des Orchesters abgerechnet, sehr gut. Die Solo-Partieen wur-\nden von Frau Drobegg-Prätorius aus Coblenz (Sopran), Herrn\nWolters aus Köln (Tenor) und Herrn Karl Hill aus Frankfurt\na. M. (Bass) gesungen, welche ihre Aufgaben zur Zufriedenheit lös1-\nten und mit wiederholtem und verdientem Beifalle des Publicums\nbelohnt wurden. Die Chöre waren vortrefflich einstudirt und wurden\nmit einer Sicherheit, einer Kraft und einem Feuer gesungen, die\nman bei manchen an Mitgliedern stärkeren Vereinen vermisst. Wie\nsehr bei solchen Aufführungen der Erfolg von dem Wissen und\nKönnen, der künstlerischen Einsicht und der praktischen Sicherheit\nund Energie des Dirigenten abhängt, brauchen wir Ihnen nicht zu\nsagen; dass man aber auch hier darüber zur Einsicht komme,\nlässt die Theilnahme und der Beifall hoffen, welche das ungewöhn-\nlich zahlreiche Publicum der Ausführung spendete.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nRSlil« Fräulein Mö stier hat am 4. d. Mts. hier noch eine\nSoiree im Hotel Disch gegeben, die recht besucht war. Die Künst-\nlerin hatte hier in dem günstigeren Locale noch mehr Gelegenheit,\nihre eminente Virtuosität zu bekunden; auch waren die Duo's für\nHarfe und Violine, letztere von von König slow sehr schön ge-\nspielt, eine besondere Zierde des Abends, Fräul. Hasselt-Barth\nvom Stadttheater sang einige Lieder und die Romanze aus den Ca-\npuletti; Herr Capellmeister Hill er gab uns eine freie Phantasie\nauf dem Flügel.\nHerr Beck vom k. k. Hof-Operntheater zu Wien hat am Dins-\ntag den 5 d. Mts. einen Cyklus von Gastrollen auf dem hiesigen\nStadttheater mit ~Beiisar\" begonnen, Empfang und Erfolg des be-\nrühmten Sängers waren ausgezeichnet,- gleich durch das erste Reci-\ntativ riss er das Publicum zu stürmischem Applaus hin, der sich\nbei jedem Abschnitt seiner Gesangstücke wiederholte und zur enthu-\nsiastischen Theilnahme steigerte. Wie ausserordentlich viel Beck als\nSänger gewonnen, zeigte sich besonders in dem Duett mit Irene,\nFräul. Schröder, die dem Gaste würdig zur Seite stand; das Er-\ngreifende seines Vortrags machte einen tiefen Eindruck auf das Pu-\nblicum. Die zweite Rolle war „Wilhelm Teil\", eine in Gesang und"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590409-01.1.8", "texte": "Spiel vortreffliche Leistung; wenn bei den declamatorischen Recita-\ntiven die sonore Macht des Organs und die dramatische Wahrheit\nund Kraft Erstaunen erregten die Worte: „und Euer wahrlich!\nhätt' ich nicht gefehlt !c< waren z. B. von erschütterndem Eindruck\n—, so offenbarte der Künstler dagegen in den zarten Gesangstellen,\nnamentlich in der Scene mit Gemmy vor dem Schusse, einen Schmelz\ndes Tones und eine Innigkeit des Vortrags, wie man sie bei einer\nso vollen Baritonstimme kaum erwarten kann. Fräul. Hasselt-\nBarth sang die Partie des Gemmy recht hübsch und mit mehr\nTonfülle, als wir sonst bei diesem jungen Talente wahrgenommen.\nDie Herren Ahlfeld und Zellmann (Arnold von Melchthal) tru-\ngen zum Gelingen der Vorstellung viel bei; möchte der Letztere\ndoch nur begreifen, dass Schreien und Singen zweierlei ist; will\nHerr Zellmann das, was ihm fehlt, nämlich das Edle in Ton und\nVortrag, erlangen, so möge er vor allen Dingen die Lunge weniger\nund das Gemüth mehr zur Geltung bringen.\nAm 2. April fand das achte und letzte Abonnements-Concert un-\nter Joachim's Leitung in Hannover Statt, und zwar, da der\nConcertsaal klein ist, im Logenhause des königlichen Hoftheaters\nselbst. Das ganze Haus war besetzt. I. Theil: 1) Ouvertüre zur\nOper Iphigenie in Aulis von Gluck, und 2) Arie des Agamemnon\naus derselben Oper, vorgetragen von J. Stockhausen (Hervor-\nruf); 3) Concert für Pianoforte (Es-dur) von L. van Beethoven, vor-\ngetragen von Alf. Ja eil (Hervorruf); 4) Arie aus der Oper Die\ndiebische Elster von Rossini, vorgetragen von J. Stockhausen\n(Hervorruf); 5) a. Variationen für Piano von Händel, b. englische\nRhapsodie, componirt und vorgetragen von Jaell (zweimaliges Her-\nvorrufen, Jaell gibt ein Impromptu zum Besten); 6) Der Erlkönig\nvon Schubert, vorgetragen von Stockhausen (Jaell begleitet;\nungeheurer Da-capo-Ruf; Stockhausen singt zwei Lieder von Schu-\nbert; abermaliger Hervorruf, worauf Stockbausen noch zwei Lieder\nsingt)* 11. Theil: Sinfonie (Nr. V., C-moll) von L. van Beethoven.\nDas war wahrlich ein sehr genussreicher Abend!\n29. März. Der Ausschuss zur Errichtung eines\nDenkmals fär Karl Maria v. Weber veröffentlicht einen Bericht\nüber die zu diesem Zwecke eingegangenen Beiträge, behält sich aber\ndie nähere Rechnungs-Ablegmig über den Zinszuwachs, die noch zu\nverhoffenden Einnahmen, so wie über die gesammten Ausgaben bis\nnach erfolgter Aufstellung des Denkmals vor. Seit 1845 bis jetzt\nsind bereits 6643 Thlr. 29 Ngr. 1 Pf. eingegangen. Als höchste\nPosten figuriren auf der Liste 2000 Thlr. Ertrag einer Opern-Vor-\nstellung im k. Hoftheater in Berlin im Jahre 1845; 771 Thlr. 20\nNgr. Ertrag einer gleichen ebendaselbst im Jahre 1859; 705 Thlr.\n8 Ngr. Ertrag einer solchen im Jahre 1845 allhier; 521 Thlr. als\nErtrag eines Concertes und zweier Gastrollen der k. sächsischen Hof-\nsängerin Frau Bürde-Ney in Hamburg und Berlin im Jahre 1858;\n363 Thlr. 10 Ngr. Ertrag einer im Jahre 1846 veranstalteten Samm-\nlung des Herrn Pianisten Adolf Hensel in St. Petersburg; 341 Thlr.\n1 Ngr. 5 Pf. Reinertrag eines Concertes der Frau v. Bock (Schrö-\nder-Devrient) im Jahre 1859; 326 Thlr. 28 Ngr. 5 Pf. Ertrag einer\nOpern-Vorstellung im k. Hoftheater zu München im Jahre 1845 und\n300 Thlr. 19 Sgr. Reinertrag einer dramatischen Vorlesung des\nHerrn Hof-Schauspielers Dawison allhier im Jahre 1859. Die ge-\nsammten Einnahmen bestehen aus nur 25 Posten.\nUeber die erste Aufführung von Meyerbeer's „Le Pardon de\nPloermel\" in Paris enthält die Nr. 97 der Kölnischen Zeitung\nein Feuilleton von M. Ii (artmann), nach welchem Meyerbeer's\nMusik „alle äusseren Zuthaten, als Decorationen, Mondschein, Was-\nserfall, Gewitter u. s. w. überflüssig, ja, auch das Libretto über-\nflüssig gemacht hat, dessen Armseligkeit man vergass. - Mit dieser\nOper stellt sich Meyerbeer in die Zahl der in historischen Zeiten\nseltenen Phänomene, der Michel Angelo, Titian, Göthej der ewi-\ngen Jünglinge, von denen die schaffende Kraft nur zögernd oder\ngar nicht weichen wollte.\" —Es schliesst folgender Maassen : „Ver-\nzeichnen wir genau das Datum: Im Jahre des Heils 1859, am fünf-\nten Tage mensis Aprilis, dreizehn Tage vor Palmarum, in dieser\nunserer guten Stadt Lutetia, im 63. Lebensjahre Giacomo Meyer-\nbeer's.\" Der Berichterstatter nennt sich zwar selbst einen ~unber-\nufenen Laien\"; jedoch ~scheint ihm so viel gewiss, dass der\narbeitende Gedanke, die Reflexion hinter der vollendetsten Kunstform\nvollkommen verschwinde und dass eine überströmende Fülle der\nProduction in einer Einfachheit auftrete, wie sie nur die classiscli-\nsten Schöpfungen charakterisirt.\" Diese wörtlichen Anführungen\nwerden hinreichen, auf das erwähnte Feuilleton aufmerksam zu\nmachen."}]}