{"numero_id": "bm-bmtnabi-1859-04-16-01", "volume": "bmtnabi_1859-04-16_01", "ocr_sha256": "464a4d2f21f0203aca28756dca62992057e1f45b1a2a717157bb08d3c0cd3b19", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1859/04/16_01/bmtnabi_1859-04-16_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590416-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1859-04-16-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-04-16_01#c001", "volume": "bmtnabi_1859-04-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "121", "page_fin": "121", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590416-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590416-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 476, "texte": "Inhalt.\nDas wiener Opern-Theater (Uebersicht der deutschen Saison von 1858—1859). Ein Brief von Mosewius Einige Stel-\nlen aus Mosewius' Analyse der Matthäus-Passion von Joh. Selb, Bach. Tages- und Unterhaltungsblatt (Düsseldorf, Auffüh-\nrungen der Künstler-Gesellschaft „Malkasten'4 Crefeld, Concert von C. Reinecke Hannover, Schreiben an die Redaction Frankfurt,\nBenefiz-Concert Leipzig, Tonkünstler-Versammlung Breslau, Bücher-Versteigerung Paris, Meyerbeer's neueste Oper)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-04-16-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-04-16_01#c002", "volume": "bmtnabi_1859-04-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "121", "page_fin": "124", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590416-01.2.2", "titre_corps": "Das wiener Opern-Theater.", "titre_sommaire": "Das wiener Opern-Theater.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590416-01.1.1", "debut_caractere": 478, "fin_caractere_exclue": 4102, "texte": "Das wiener Opern-Theater.\n(Unter dieser Aufschrift enthalten die „Recensionen\nu. s. w. über Theater und Musik\" in Nr. 12 und 14\neine Uebersicht der deutschen Saison von 1858 —1859,\nwelche nicht sehr erfreuliche Blicke in die dermaligen Zu-\nstände des genannten Theaters thun lässt. Da der Aufsatz\nmehr oder weniger die wunden Stellen aller Opern-Thea-\nter-Verwaltungen in Deutschland berührt, so theilen wir\ndie Hauptstellen desselben mit Ausscheidung von allem\nspeciel Localen unseren Lesern mit und ergreifen gern die\nGelegenheit, der Unparteilichkeit und Freimüthigkeit und\ndem Ernste, mit welchem die Redaction das Ziel der För-\nderung wahren Kunstsinnes und richtigen Geschmacks ver-\nfolgt, volle Anerkennung zu zollen. Ob ihre Stimme da,\nwo es noth thut, gehört werde? Schwerlich! Die Wahr-\nheit der Kritik ist missliebig geworden; Unwissenheit und\nFrechheit in Lob und Tadel, dazu gemeine Parteisucht\nüberwuchern ihr Gebiet. Die Redaction.)\nOffenbar sind die Anforderungen, die man an den\nneuen Director des Opern-Theaters stellt, nicht geringer\nArt. Er selbst wird, wenn er seine Aufgabe vom rechten\nStandpunkte betrachtet, nicht umhin können, die Notwen-\ndigkeit tief eingreifender Reformen anzuerkennen.\nNicht von einem neuen System der Opern-Compo-\nsilion, wie Richard Wagner meint, wird uns Besserung\nkommen, sondern in der künstlerischen Verwaltung des\nOpernreiches muss Hand angelegt werden. Die vorhande-\nnen Partiturenscbätze müssen verwerthet und zugleich die\nFrüchte unserer Zeit zur Reife gebracht werden; die sich\nvorfindenden producirenden und darstellenden Kräfte müs-\nsen systematisch gehoben und zum Guten angehalten wer-\nden; auf alle betheiligten Factoren, auch auf das Publi-\ncum, muss dergestalt eingewirkt werden, dass das mögliche\nGute allseitig angestrebt werde.\nWir verlangen nichts Unmögliches, nichts Einseitiges;\nwir wollen nur dies Eine: dass das Opern-Theater in sei-\nner Art werde, was das Burg-Theater war und noch ist.\nDass eine solche Reform übrigens nicht von heute auf\nmorgen durchzuführen ist, versteht sich von selbst. Wenn\nsie nur angebahnt wird, wenn ihr nur wenigstens nicht\nentgegengearbeitet wird. Und ob nicht das Letztere der\nFall ist, das müssen die Resultate der gegenwärtig ablau-\nfenden Saison erweisen.\nVon Opern-Novitäten sahen wir vier grössere, die den\nAbend ausfüllen, und zwei einactige.\nBezüglich der zuletzt gegebenen Novität: „Diana von\nSolange\", wäre es ungerecht, die Verantwortlichkeit für\nD ' O\ndie erlittene Niederlage ausschliesslich dem artistischen\nDirector zuzuschreiben. Gründe anderer Art waren hier\nmaassgebend.\nMit der Wahl des „Lohengrin\" kann man sich nur\neinverstanden erklären; ja, es darf Herrn Eckert hoch\nangerechnet werden, dass er die Annahme dieses Werkes\ndurchgesetzt hat. Besetzung, Einstudirung, Ausstattung be-\nfriedigten in hohem Grade.\nGegen die Aufführung der beiden Operetten „Die\nAlpenhütte\" und „Der Schauspiel-Director\" ist nichts ein-\nzuwenden; jedoch hatte die Zusammenstellung derselben\nan Einem Abende keinen rechten Sinn. Sollte die Gattung\nder einactigen Opern eingeführt werden, was an sich ganz\ngut wäre, so musste man gleich Anfangs praktischer und\nsystematischer verfahren.\nDie Wahl der „Königin Topas\" war ein Missgriff.\nNicht etwa, dass die Musik gar so schlecht wäre; allein\nHerr Eckert hätte sein Personal besser kennen sollen, er\nhätte wissen sollen, dass wir für das Coloraturfach keine\nSängerin aufzuweisen haben, welche eine nicht besonders\nwerthvolle Oper bloss durch ihre Kunstfertigkeit tragen\nund halten könnte, wie dies in Paris mit Mad. Miolan\nder Fall ist. Es ist etwas Anderes, durch Fleiss und Cor-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590416-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5340, "texte": "reetheit die bereits bekannten und beliebten Partieen ir-\ngend eines Faches genügend ausfüllen, etwas Anderes,\neine neue Rolle schaffen und siegreich zur Geltung\nbringen. Die „Königin Topas\" erlebte nur zwei Wieder-\nholungen.\nDasselbe Schicksal war der „Rose von Castilien\" vor-\nbehalten. Die Wahl dieser Oper ist eben so wenig zu\nrechtfertigen. Die flüchtigste Durchsicht der Partitur musste\ndie Werthlosigkeit und die Wirkungslosigkeit dieser Musik\nerkennen lassen. Man hat der „Rose von Castilien\" (heisst\nes in einem Aufsatze über diese Oper) siebenzehn fünf bis\nsechs Seiten lange Recitative untergelegt, das Finale des\nzweiten Actes Verdi'sch instrumentirt und die Nummern\nI , 2, 5, 6, 7, 16, 21 bis auf ein Minimum zusammenge-\nstrichen. Man ahnte also doch wohl, dass es mit dieser\n„Rose\" nicht recht gehen wolle, man fühlte das Bedürf-\nniss irgend welcher Aenderungen und begriff nicht, dass\ndie einzige glückliche Lösung dieses Conllictes darin be-\nstanden hätte, die Oper gar nicht zu geben.\nMit den Opern-Novitäten war man also theiiweise\nnichts weniger als glücklich, und zwar durch eigene Schuld;\ndenn es darf nicht übersehen werden, dass die Direction\nsich durchaus nicht auf den „schlechten Geschmack\" des\nPublicums berufen kann. Das Interessante unter den Novi-\ntäten („Lohengrin\") wurde mit lebhafter und anhaltender\nTheilnahme aufgenommen, das leidlich Hübsche (die Ope-\nretten) mit Befriedigung, das Mittelmässige („Topas\") mit\nZurückhaltung, das geradezu Schlechte mit hinreichend\ndeutlicher Missbilligung. Also: Ehre, dem Ehre gebührt:\ndas Publicum hat sich tactvoll und verständig benommen.\nSehen wir uns nach dem übrigen Opern-Repertoire\num, so finden wir zweiunddreissig Opern aus dem vor-\njährigen Repertoire, drei („Sommernacht\", „Regiments-\ntochter\" , „Lustige Weiber\"), welche vor zwei oder drei\nJahren am Repertoire waren, und keine einzige, die\nals förmlich neu einstudirt gelten könnte. Ein klägliches\nErgebniss, wenn man bedenkt, wie viele alte Opern, die\nnoch ganz wirksam wären und die aus einem gut bestell-\nten Repertoire gar nicht verschwinden sollten, uns fehlen.\nWill man etwa die angebliche Neueinstudirung des\n„Don Juan\" als eine „That\" unseren Klagen entgegen-\nhalten? Uns dünkt, was man bei derselben unterlassen\nhat, wiegt viel schwerer, als was man gethan. Dass man\ndie Recitative nach der ursprünglichen Absicht des Com-\nponisten wieder herstellte, war lobenswert!); aber dass\nman bei dieser Gelegenheit den Text, die Scenirung, die\ndramatische und musicalische Auffassung des Meisterwer-\nkes nach der bisherigen Schablone bestehen liess, das gibt\nder Direction wahrlich keinen Anspruch auf den Dank des\nPublicums und auf die Sympathieen der Kritik.\nAuf ihr Mozart-Repertoire darf die Direction über-\nhaupt nicht stolz sein. Man könnte dicke Broschüren schrei-\nben über die musicalischen, dramatischen und scenischen\nFehler, welche sich nach und nach in die Aufführung des\n„Don Juan\", des „Figaro\", der „Zauberllöte\" eingeschli-\nchen haben, ohne dass bisher irgend ein Anzeichen die\nAbsicht verriethe, diese Mängel zu tilgen.\nIn musicalischer Beziehung waren die Novitäten mit\nlobenswerther Genauigkeit eingeübt. Namentlich hielt sich\ndas Orchester meistens sehr guf. Die alten, oft gerügten\nFehler der zu starken Begleitung des Gesanges, des zu\ngrellen, ruckweise statt allmählich eintretenden Crescendo,\nder ungleichen Ausführung mancher Passage, kommen\njetzt seltener vor und werden jedenfalls aufgewogen durch\ndie felsenfeste Sicherheit, mit welcher das Orchester den\nSängern bei etwaigen Schwankungen zur Stütze dient, durch\ndas Feuer, die Kraft, den Schwung, den es bei allen wich-\ntigen Gelegenheiten entwickelt. Die wohlthätige Einwir-\nkung des Capeilmeist?rs und Directors Eckert,\nso wie des neu engagirtenOrchester-Directors Jos. Ilell-\nmesberger lässt sich da nicht verkennen. Wie sehr sich\nHerr Esser als Dirigent des „Lohengrin\" ausgezeichnet\nhat, ist seiner Zeit hervorgehoben worden.\nIn Bezug auf das, was die Aufführung älterer Opern\nzu wünschen übrig liess, haben wir zu bedenken, dass ein\ntäglich spielendes Theater, dessen Orchester leider auch\nzur Ballet-Begleitung verwandt wird, nicht immer gleich\nMusterhaftes leisten kann. Freilich muss auch hinzugefügt\nwerden, dass z. B. in classischen Werken einerseits die\nAuffassung (der Tempi, der Vortragsweise u. s. w.) geeig-\nnet ist, manche Einwendung hervorzurufen, während an-\ndererseits der Abgang einer guten Regie selbst auf den\nmusicalischen Theil hemmend einwirkt.\n(Im Folgenden verbreitet sich der Aufsatz über das\nOpern-Personal u. s. w.; dann weis t er den Mangel einer\nverständigen Regie durch schlagende Beispiele nach.;\nMit „Don Juan\", „Figaro\", „Freischütz\", „Oberon\"\nist auch nicht der geringste Versuch einer Aenderung im\nlexte, in der Scenirung und Darstellung gemacht worden.\nDie Herren scheinen gar nicht merken zu wollen, dass\nhierin etwas zu thun ist.\n>\\un fragen wir aber, wenn handgreifliche Albernhei-\nten vorkommen, und man beantragt eine mögliche Aen-\nderung, ist das ein idealer Wunsch? Wo finden die Herren\nden Beweis, dass in Meisterwerken, welche in jeder Note\nauf charakteristische Wahrheit gegründet sind, die Sceni-\nrung unwahrscheinlich, ja, oft geradezu verletzend und\nstörend sein dürfe?\nEin unfehlbares Mittel, die an den Schlendrian ge-\nwöhnten und durch die Gunst des Publicums verwöhnten"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "123", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590416-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5395, "texte": "ersten Mitglieder zur Vernunft und zum künstlerischen Ge-\nhorsam zurückzuführen, oder ihre Launen unschädlich zu\nmachen, ist die Ausbildung jüngerer Kräfte. Nur auf die-\nsem Wege, durch die musicalisch-dramatische Erziehung\neiner neuen Sänger-Generation, könnte Leben, Verständ-\nniss und Einheit in das Ensemble kommen. Aber wohl-\ngemerkt, man bildet keine guten Sänger dadurch, dass\nman ihnen in aller Eile die Fides oder den Ernani und\nManrico einleiert. Eine förmliche, sorgfältige Stimmbildung\nmuss vorausgehen, eine genaue Kenntniss des richtigen\nmusicalischen Vortrages muss folgen, eine hinreichende\nKenntniss der dramatischen Elemente muss das Ganze voll-\nenden. Auf dem Wege des vereinzelten Experimentirens,\nden die Herren Capellmeister, jeder für sich, verfolgen,\nwird man niemals einen entsprechenden Nachwuchs erhal-\nten. Wo es sich nur darum handelt, schnell fertig zu wer-\nden mit der musicalischen Erziehung, nur eilig Partieen\neinzustudiren und auf die Bühne zu kommen da wird\nman in der That schnell fertig, aber weder der Kunst-\njünger noch die Direction gewinnt dabei. Ohne ein syste-\nmatisches Vorgehen, ohne dass man wenigstens die An-\nfänge einer förmlichen Opernschule besitzt, ist hier nichts\nzu hoffen.\nDie Vervollständigung des Personals durch gut ge-\nschulte Sänger würde namentlich die Wiederaufnahme äl-\nterer Werke wesentlich erleichtern. Dass solche Reprisen\nwünschenswerth sind, unterliegt wohl keinem Zweifel. Man\nwendet zwar ein: „Die classischen Opern ziehen nicht, das\ngrosse Publicum mag sie nicht; wir haben ja, dem Ge-\nschrei einiger Enthusiasten nachgebend, die „Iphigenie\nauf Tauris\" aufgeführt, und das Haus hat sich nicht ge-\nfüllt.\" So würde man im Burgtheater wohl auch sprechen,\nwenn nach zehnjähriger Versäumniss plötzlich ein einzelnes\nShakespeare'sches Stück wieder zum Vorschein käme. Im\nBurgtheater standen aber Shakespeare, Lessing, Göthe,\nSchiller stets obenan im Bepertoire und in der Gunst der\nMenge, und mit der Bereicherung dieses ohnehin reichen\nRepertoires bat Herr Laube volle Häuser gemacht.\nWarum sollte das wiener Galerie- und Parterre-Publicum\ndie grossen Dichter verstehen und lieben, die grossen Ton-\nsetzer hingegen vernachlässigen? Woher käme diese Gleich-\ngültigkeit im „musicalischen Wien\"? Die Ursache kann\neben nur darin liegen, dass alle bisherigen Opern-Direc-\ntoren es versäumten, auf ihr Publicum jenen Einfluss aus-\nzuüben, der zur Bildung und Kräftigung des allgemeinen\nUrtheils unerlässlich ist; ferner dass alle Versuche mit der\nWiederaufnahme guter älterer Werke vereinzelt, ohne\nZusammenhang und ohne Consequenz vorgenommen wur-\nden; endlich dass die Wiedergabe solcher Werke keine\nganz entsprechende war. Abgesehen davon, dass so viele\nSänger der Gegenwart keine Schule, keinen eigentlichen\nStil haben, der sie befähigte, die schönen, aber schwieri-\ngen Aufgaben, welche Gluck, Mozart, Cimarosa, Mehul,\nCherubini, Spontini u. A. gestellt haben, vollständig zu\nbeherrschen, abgesehen davon, scheinen auch die Capell-\nmeister, welche solche Werke einstudiren, den rechten\nMaassstab dafür nicht zu besitzen. Es ist immer, als gingen\nsie schon ans Werk mit dem einzigen Gedanken: es ist\nveraltet und kann nur durch schnelle Tempi wieder auf-\ngefrischt werden —, während doch die älteren Werke nur\ndurch liebevolle Hingebung an den Geist des Ganzen,\ndurch das Hervorheben einer Menge anscheinend gering-\nfügiger Züge, durch eine gewisse andächtige Ruhe und\nAufmerksamkeit erfasst und dargestellt werden können,\ndann aber auch mit unversiegbarer Frische wirken.\nLeider predigt man immer nur tauben Ohren, und\nder beste, unwiderlegbarste Beweis dafür ist die Wahl\nder Novitäten in der eben vergangenen Saison. Ueber Auf-\nfassung und Darstellung können verschiedene Ansichten\ngeltend gemacht werden. Aber die Aufführungen der\n„Königin Topas\" und der „Rose von Castilien\" waren\nwirklich nicht zu entschuldigen.\nSelten hat übrigens eine Direction eine ähnliche de-\nmüthigende Erfahrung gemacht, wie die hiesige Opern-\nDirection bei dieser Gelegenheit. Wenn man durch seichte,\naber brillante und wirksame Musik dem verdorbenen Ge-\nschmacke des Publicums fröhnt, so ist das noch begreif-\nlich. Man hat doch etwas davon: Beifall und volle Häuser.\nAber der Kunst ins Gesicht schlagen und zugleich auch\ndie Gunst des Publicums verscherzen, es erleben müssen,\ndass die Speculation auf den schlechten Geschmack miss-\nräth, das ist denn doch eine bittere Lehre. Möchte diese\nErfahrung doch nur dem Repertoire der künftigen Saison\nzu Gute kommen!\nDie Behauptung, es gäbe keine guten neuen Opern,\nist längst zur stehenden Phrase geworden. Die Intendan-\nten sämmtlicher deutscher Hoftheater haben sich diesen\nbequemen Glaubensartikel zu eigen gemacht. Wir müssen\njedoch die Richtigkeit desselben in Abrede stellen, wenig-\nstens so lange, bis wir die Ueberzeugung gewonnen haben,\ndass man in Wien, Berlin, Dresden, München, Hannover\nu. a. 0. wirklich danach trachtet, sich neue Opern zu ver-\nschaffen. Diese Ueberzeugung können wir nicht hegen.\nEs würde uns zu weit führen, wollten wir nachweisen,\ndass die im übrigen Deutschland laut werdenden Klagen\nüber Novitätendürre wenigstens zum Theil auf die Sorg-\nlosigkeit und Saumseligkeit der Intendanzen, der Capell-\nmeistcr und Regisseure zurückfallen. Wir haben es nur\nmit der wiener Oper zu thun. Man sagt uns: Es existiren\nkeine guten neuen Opern, am allerwenigsten in Deutsch-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "124", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590416-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4732, "texte": "land. Darauf haben wir mehr als Eine Antwort. Wir\nsprechen nicht von Wagner und Meyerbeer. Des Letzteren\nneuestes Werk werden wir gewiss bald zu hören bekom-\nmen, und nach dem glücklichen Erfolge des „Lohengrin\"\ndürften Wagner's Opern wohl der Reihe nach gegeben\nwerden. Aber es stände schlimm mit unserer Oper, wenn\ndie zeitraubenden Vorbereitungen zu diesen Effect-Opern\nWerke anspruchsloser Art gänzlich verdrängten, oder nichts\ndaneben geduldet würde als Thomas und Balfe. Ohne die\nProduction der Gegenwart allzu hoch anzuschlagen, sind\nwir doch überzeugt, dass man Besseres finden konnte. Er-\nstens ist es bekannt, dass Marschner sein neuestes Werk\nunserer Opern-Direction eingesandt hat. Wir hegen keine\nVorliebe für Marschner'sche Musik und kennen das neue\nWerk nicht; jedenfalls wäre es besser gewesen als die\n„Rose von Castilien\", und im schlimmsten Falle ist es ehren-\nvoller, mit Marschner durchzufallen, als mit Balfe. Ferner\nerinnern wir daran, dass in Stuttgart diesen Winter eine\nneue Oper, „Anna von Landskron\", von Abert beifällig\naufgenommen wurde. Wir sollen sie in der nächsten Sai-\nson hören. Wer ist aber Herr Abert? Ein Schüler des\nprager Conservatoriums. Ist Stuttgart der Ort, wo das\n\"M erk eines prager Zöglings seine erste Aufführung erle-\nben soll? Ferner hatte man das Werk eines wiener Com-\nponisten, „Alma\" von Th. Löwe, zur Darstellung ange-\nnommen; die versprochene Aufführung aber unterblieb,\nweil der Contract des Herrn Steger die sonderbare Clau-\nsel enthielt, Herr Steger brauche nur Eine neue Rolle zu\nstudiren, und weil man so tactvoll war, eine Verdi'sche\nPartie als diese einzige auszuerlesen. Ferner scheint man\nvergessen zu haben, dass vor ein paar Jahren der berühmte\nBalladen-Componist Karl Löwe mit seinem Antrage, eine\nOper für Wien zu componiren, zurückgewiesen ward.\nFerner scheint man nicht zu wissen, dass Dessauer min-\ndestens Eine Oper fertig im Pulte liegen hat. Hat man\nsich dieses Werk zur Durchsicht erbeten? Hat man irgend\neinen Schritt gethan, um irgend einen Componisten (denn\nwir reden keinem Einzelnen das Wort) zur Composition\neinerOper anzuregen oder zur Einreichung eines\nfertigen Werkes zu bestimmen? Und dennoch kommt\nman uns immer und immer wieder mit der abgedrosche-\nnen Phrase: Es gibt keine neuen Opern!\nNicht einmal Singspiele wissen sich die Herren zu ver-\nschaffen. Ausser dem alten des verstorbenen\nAdam und dem Mozart'schen Quodlibet wussten sie\nnichts zu finden. Dass die beliebte Operette von Hoven,\n„Ein Abenteuer Karl's II.\", mit zwei Proben wieder auf-\ngenommen werden konnte, schien man gar nicht zu wis-\nsen. Eben so wenig, dass Mendelssohn ein gewisses klei-\ni«9S, nettes Ding, „Die Heimkehr\", componirt habe. Eben\nso wenig scheinen die geehrten Herren von einer „Pia-\nnella\" Flotow's, von „List um List\" von Schimon,\n„List, Scherz und Rache\" von M. Bruch, „Der Nacht-\nwächter\" vonKrug u. A. je etwas gehört zu haben. Auch\nahnen sie wohl nicht, dass vielleicht Manches von Lortzine\no\nbenutzt werden könnte, dass Dittersdorf nur einer ge-\nschickten Sichtung bedarf, dass in einer Menge französi-\nscher Operetten älteren Schlages Schätze heiterer Musik\naufgespeichert liegen. Ja, nicht einmal von der Existenz\neines gewissen Offenbach halten die geehrten Herren\nKenntniss, und so war es dem Carl-Theater vorbehalten,\nohne Sänger, fast ohne Orchester, diesen Offenbach\nhier einzuführen, volle Häuser damit zu machen und eine\nAnzahl deutscher Hoftheater mit der „Laternen-Hochzeit\"\nnachhinken zu sehen.\nNein, ihr Herren, auf dem Wege der Routine, den\nihr wandelt, da gibt es freilich nichts Neues, da findet ihr\nhöchstens, was am Rande der gemeinen Heerstrasse wild\nwächst oder was sich euch anspruchsvoll lärmend in den\nWeg drängt. Aber zeigt nur einmal, dass ihr mit Bewusst-\nsein an eure Aufgabe geht. Erklärt es officiel: Ihr wollet\nin jeder Saison mindestens zwei grosse Opern und zwei\nSingspiele geben, je ein Werk specifisch österreichischen\nund eines überhaupt deutschen Ursprungs, welche noch auf\nkeiner anderen Bühne aufgeführt wurden; leistet den\nComponisten öffentlich eine Bürgschaft dafür, dass die ein-\ngesandten Werke reiflich geprüft werden, durch Einsetzung\neines Comite's, bestehend aus dem artistischen Director,\nden Capellmeistern und Regisseuren, zwei Mitgliedern des\nSänger-Personals und noch zwei oder drei ausserhalb der\nBühnen-Interessen stehenden Personen—dann erst könnte\nsich nach und nach ein Urtheil bilden über die Befähigung\nder jüngeren Componisten-Generation, und selbst im un-\ngünstigsten Falle, wenn nämlich auch kein einziges her-\nvorragendes Talent sich in den ersten Jahren kund gibt,\nhätte man doch allerseits seine Schuldigkeit gethan, und\ndas Repertoire wäre doch immer wenigstens momentan\nbereichert worden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-04-16-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-04-16_01#c003", "volume": "bmtnabi_1859-04-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "124", "page_fin": "127", "image_debut": 4, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590416-01.2.3", "titre_corps": "Ein Brief von Mosewius.", "titre_sommaire": "Ein Brief von Mosewius.", "signature_source": "Mosewius", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "124", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590416-01.1.4", "debut_caractere": 4734, "fin_caractere_exclue": 5163, "texte": "Ein Brief von Mosewius.\n\nHochgeehrtester Herr!\nWie lange schon trage ich mich mit der Absicht\nherum, Ihnen einige Zeilen zu senden, ohne sie erfüllt zu\nhaben! Die an Tag und Stunde sich anlehnende Schul-\nmeisterei, verbunden mit einer Menge Schreibereien, wie\nsie meinem Berufe anhangen, hat mich die dazu erforder-\nliche ruhige Minute nicht finden lassen vor dem Eintritte\nder Ferien. Mit ihnen lässt auch die dem Wirkungskreise"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "125", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590416-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5490, "texte": "eigene Spannung nach, und so kann ich mich denn auch\ngemessener von dem Drucke befreien, der auf mir ruht.\nEs ist wohl zu allen Zeiten erfreulich, Gleichgesinnte zu\nfinden; in der heutigen Zerfahrenheit und egoistisch-mate-\nriellen Richtung des Künstlerlebens nimmt man jedoch ein\ndoppeltes Interesse an jeder objectiven Anschauung der\nKunst. Wenn der Davidsbündler jugendliche Phantasieen\nungeachtet ihres häufig offenbarten Uebermuthes dennoch\nTheilnahme erregten, so hatte dieses seinen Grund in der\nTüchtigkeit und Gediegenheit, wie in der Hingebung, mit\nwelcher sich Mendelssohn an die alten Kunst-Heroen an-\nlehnte und zu den mitunter extravaganten Expectorationen\nder jungen Herren liebenswürdige und gediegene musica-\nlische Illustrationen machte. Man sah, wo das hinaus\nkonnte, und durfte auch von den anderen eine Entwick-\nlung der Kunst, nicht bloss ins Blaue hinein, hoffen und\nerwarten. Wie ganz anders dagegen die jetzige leipziger\nGesellschaft! Eine unglückliche Cameraderie, die nichts\nweniger als aus Propheten einer gedeihlichen Zukunft be-\nsteht; sie will Kunstgeschichte machen, die sich nach ihrer\nVorschrift gestalten soll; im Ganzen ein Schwindel, theils\nder Eitelkeit, theils des materiellen Bedürfnisses. Mir thut\nLiszt dabei leid, dessen stets excentrische Wege sich jetzt\nim Sande zu verlaufen drohen. Die Nachtreter und Nach-\nbeter sehen seinen genialen Sprüngen mit Erstaunen und\ndemüthiger Anbetung nach. Ich habe mir seine Messe für\nMännerstimmen kommen lassen. Man sieht ihr den guten\nWillen an, sich in eine lebendige Anschauung ihres Textes\nzu vertiefen und dafür eine passende musicalische Form\nzu finden. Aber bald wird ihm derSpass zu lang; er macht,\ndass er damit fertig wird, und entschuldigt sich wohl bei\nsich selbst mit der Unzulänglichkeit der Kräfte des Män-\nnergesanges für eine gleichmässige Durchführung. Es läuft\nAlles auf Effect hinaus.\nUnsere musicalischen Blätter sind grösstentheils gleich\nunerquicklich, und nur Eine Zeitung gewährt den Trost,\ndie musicalischen Angelegenheiten der Zeit von einem un-\nparteiischen und zeitgemässen Standpunkte betrachtet zu\nsehen. Betrachten Sie obige Worte als den\ndankbarsten Ausdruck eines Gleichgesinnten für die Freude,\nsich nicht vereinsamt zu fühlen. Persönlich bin ich Ihnen\nauch noch zu Danke verpflichtet. Sie haben mir durch die\nErwähnung und Beurtheilung meiner kleinen Schrift über\nBach's Matthäus-Passion viel Liebe erwiesen, da sie mich\nfast überhoben hat, die Vorrede der neuen Ausgabe der\nBach-Gesellschaft zu beachten. Doch glaube ich im In-\nteresse der Sache nicht ganz schweigen zu dürfen und\nsende Ihnen anbei einen Aufsatz über den Gegenstand*).\nIch habe mich mehr gegen Rochlitz's Ansicht gewandt,\ndie der Redacteur der Passion recipirt hat, als gegen die-\nsen selbst, schon um der Welt nach der keineswegs harm-\nlosen Polemik Dehn's gegen Becker nicht zu zeigen, es\nherrsche fortdauernd Krieg im Lager der Bachianer.\nEigentlich ist es freilich nicht zu rechtfertigen, dass er bei\nv. Winterfeld z. B. nicht ein paar Seiten weiter gelesen,\nals er gerade für den Augenblick bedurfte; selbst der Ver-\nfolg des Rochlitz'schen Aufsatzes musste ihn aufmerksamer\nmachen.\nWir haben hier Musikfest gespielt, das Jubiläum des\nschlesischen Schullehrer-Gesangvereins gefeiert. Als Volks-\nfest war die Sache sehr beachtenswert!! und vom besten\nErfolge gekrönt. Leider hat die Presse dabei einigen\nSchwindel losgelassen; doch da es zum Vortheil der Sache\nselbst geschah, so thut man gut, dabei sich zu beruhigen.\nIch habe mich nicht mitwirkend dabei betheiligen können,\nweil die Jahreszeit mein Völklein in alle vier Winde zer-\nstreut hat. Ich fürchte, diese Sorte von Presse, die ich wei-\nter nicht liebe, wird es nicht ohne Apostrophe gegen mich\nhingehen lassen. Eine gewisse Gattung von Literaten weiss\ndas und rächt sich dadurch, dass sie in ihren Berichten\nnach auswärts meiner Akademie nie erwähnt. Hierorts\ngeht das nun freilich nicht gut an, und sie muss schon zu\nZeiten in den sauren Apfel beissen. Allerdings ist die\nSing-Akademie Vielen ein Dorn im Auge; sie soll es nach\nmeinem Willen auch bleiben als Aritidotum gegen Mord-\ngrundsbruck u. dgl.; ich habe mir wenigstens vorgenom-\nmen, nicht zu rasten, so lange die Kräfte nicht gebrochen sind.\nUnd nun leben Sie wohl; erhalten Sie auch ferner\nSich Ihren Eifer und Ihre Sorge für das Gedeihen und\nfür die Verbreitung des Kunstsinnes. Tüchtige Vorkämpfer\nthun ihr noth. Die neue „Wiener Monatschrift\" geht scharf\nzu Werke; das ist in Wien doppelt ehrenwerth. Ob es\naber hellen wird? Ich glaube nicht. Der wälsche Gusto,\num mich wienerisch auszudrücken, ist zu sehr mit ihren\nFleischtöpfen verwachsen, als dass die Wiener anders als\nmit Achselzucken dieses ihrer Meinung nach schulmeister-\nliche Gebahren ansehen könnten. Panem et Circenses, wei-\nter kennen sie nichts, und der Theater-Sänger- wie der\nTheater-Recensenten-Unfug ist mit den gebackenen Händin\nin den Norden eingedrungen, den unsinnigen Beifalls-Fu-\nrore und Fanatismus dazu im Gefolge als passenden Bei-\nsatz. Doch verzage ich nicht; es ist so heillos schlecht\nin diesem Punkte geworden, dass alle Theater in ganz\nDeutschland wackeln. Die Speculanten werden alle zu\nGrunde gehen, es werden sich keine neuen finden, die\nihren Geldbeutel zu Markte tragen wollen, und dann muss\nes besser werden, und so wird es sein. Dess wollen wir\nuns freuen. Nehmen Sie die Versicherung u. s. w.\nBreslau, 3. August 1855.\n\n*) „Die Choräle bei J. 8. Bach\", Nr. 33 d. Jahrg. 1855.\n\nMosewius."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590416-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5249, "texte": "Wir schliessen einige Stellen aus Mosewius1 Ana-\nlyse der Matthäus-Passion von J. S. Bach an, welche\nals Commentar zu den Aeusserungen in obigem Briefe\ndienen können und zugleich heute hier recht an ihrer\nStelle sind, um auf die Aufführung jenes wunderbaren\nTonwerkes am Palmsonntag, den 17. d. Mts., auf-\nmerksam zu machen.\nDie erste lautet (S. 25):\n„Das Volk spricht das Todesurtheil über Christus\n(11. Theil, Nr. 43—45). Aber wie naturgetreu führt dies\nBach herbei! Nicht wie aus Einem Munde, in einmüthiger\nUeberzeugung erfolgt das Urtheil; nein, Einer fängt an,\nEiner sagt es dem Anderen nach; sie fallen einander ins\nWort; Jeder will es dann zuerst gesagt haben, bis sich\nendlich Alle in derselben Meinung verbinden. Und wie\nwechselt die Tonart! Oben im Chor des ersten Theiles tritt\nnicht einmal eine Septime bedeutend hervor, kein Vorhalt\nerzeugt eine Dissonanz. Hier bewegt sich in fünf Tacten\ndie Harmonie aus E-moll nach C-dur, A-moll, F-dur und\nwieder durch C-dur und C-mollnach und schliesst\nmit geschärfter grosser Terz. Septimen bleiben als vorhal-\ntende Quarten liegen, die None vor der Octave macht sich\ngeltend und verbindet sich mit ihr. Schon ist der Zorn er-\nregt, das Vorurtheil lodert zum Hasse auf.\n„Wüthend verhöhnen sie den Geschlagenen i Doppel-\nchor): „„Weissage, weissage!\"\" Mit entsetzlichem Ge-\nschrei einander überbietend, wird der Geschmähte herum-\ngezerrt; ein Theil brüllt, der andere lacht; grinsend um-\nsteht die tobende Menge mit geballten Fäusten den Lei-\ndenden. Hier schlägt die kleine None scharf ätzend hinein,\nsich immer wieder von der schon erreichten Octave zur\nherben Dissonanz hinaufschwingend; sie selbst lös't sich\nnur vorübergehend auf; die Grundstimme zieht sich durch\nsie hinauf, so dass der sie darstellende Ton durchgehends\nzur Geltung kommen und sich noch aufwärts bewegen\nkann. Der Tonsatz bewegt sich harmonisch in steter\nUnruhe fort, er scheint endlich nach abschliessen\nzu wollen und bricht plötzlich zu vollem Schlüsse in\nab eine der grossartigsten dramatischen Scenen, die je-\nmals componirt worden sind, voll Wahrheit und tiefen\nEindrucks auf den Zuhörer. - Wir hören häufig von\nAesthetikern der neuesten Schule den Grundsatz ausspre-\nchen, die Musik müsse eine Wahrheit werden. Man müsste\nganz etwas Anderes, Neues, nie Dagewesenes in dieser\nHinsicht erfinden. Wie wenig es auch unsere Absicht\nist, eben hier polemisiren zu wollen, so können wir uns\ndoch eben hier der Frage nicht enthalten: Ist denn\ndies nicht Wahrheit, was uns Bach zunächst in der vorlie-\ngenden Scene gegeben hat? volle, naturgetreue Wahrheit,\nin hoher künstlerischer Vollendung musicalisch dargestellt?\nWeder Gluck noch Mozart hat etwas geschaffen, von\nwelchem man behaupten dürfte, es überträfe an Grossar-\ntigkeit, dramatischer Wahrheit und Wirkung die vorlie-\ngend betrachteten Momente der Leidensgeschichte. Grösse-\nres ist mir wenigstens weder in einer Oper, noch in einem\nOratorium, noch in irgend einem anderen Tonwerke aller\nComponisten aller Zeiten, die neueste mit eingeschlossen,\nnicht bekannt, und ich werde jedem dankbar sein, der\nmich eines Besseren zu belehren wirklich im Stande wäre.\nWenn man solchen Compositionen gegenüber hört: Die\nMusik muss eine Wahrheit werden! so möchte man fra-\ngen: „„Was ist musicalisch-dramatische Wahrheit?\"\"\nDa bleibt kaum ein Anderes übrig, als die Vermuthung,\nes gäbe eine ganz neue Wahrheit, in der Idee wenigstens,\ndie sich von selbst nicht fassen Hesse. Möchte die Kunst\ndoch fortschreitend noch recht bald sich so entwickeln,\ndass sie eine Anschauung dieser neuen Wahrheit darböte.\nBis daher scheinen die Beispiele zu fehlen.\n„Wir wollen aber alle Künstler, welche unseren Bach\nzu überbieten gedenken, oder hoffen, oder mindestens\nwünschen, darauf aufmerksam machen, sich die etwa da-\nbei aufsteigenden Zweifel sorgfältig und ehrlich zu beant-\nworten. Ehrlich, sage ich, dann hat es mit der Kunst\nkeine Gefahr, selbst wenn sie auch ein Irrthum täuschen\nsollte.\"\nDie zweite sagt aus:\n„Es erhellt hieraus, dass man in der Praxis eine zwie-\nfache Temperatur anwandte: auf dem Ciavier eine mög-\nlichst gleichschwebende, im Gesänge und auf solchen In-\nstrumenten, deren Töne auch der Höhe und Tiefe nach\ndem Spieler anheimgegeben sind, eine ungleichschwebende,\nveränderliche, vom eigenen Ermessen des Spielers abhän-\ngende, so dass die enharmonische Verwechslung als ein\nwirksames Ausdrucksmittel angewandt werden konnte, wie\nwir dies später in flaydn's Quartetten und Oratorien, in\nMozart's Werken und anderen Orts häufig antreffen kön-\nnen. Der neueren Zeit blieb es vorbehalten, neben dieser\nScheidung chromatischer Verhältnisse durch enharmoni-\nschen Wechsel beide mit einander zu verschmelzen und,\nwie wir das finden, eine Stimme z. B. in die Be-\ngleitung oder andere Stimmen in gehen zu lassen,\neine Ausdehnung der Temperatur auf ihrer nicht benö-\nthigte Instrumente, weiche die Ausübenden durch Zwei-\ndeutigkeit der Tonschrift verwirrt, an sich unausführbar\nist und nur zur Freude des clavicrspielenden, für die fei-\nneren Ton-Abstufungen ohrlos herangebildeten Heeres er-\nfunden zu sein scheint.\n„Die neueste Zeit wirft Alles durch einander, und\nohne das Walten ihrer grossen Vorbilder in der kunst-\nund seelenvollen Entfaltung des Tones an sich, seines in-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590416-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 889, "texte": "neren Anschlusses in hinströmendem Flusse an andere zur\nGestaltung inhaltsreicher Tonformen zu erkennen, bedient\nsie sich, so das Gehör als die Aufmerksamkeit ermüdend,\nin raschem Vorüberrauschen unerkennbarer Combinatio-\nnen, chromatischer und enharmonischer Tonfolgen, wird\ngänzlich melodielos und sucht diesen Mangel durch so ge-\nnannte geistreiche, grösstentheils mittels Reflexion und\nkümmerlicher Berechnung herbeigeführte Erfindungen zu\nersetzen. Damit hängt denn auch folgerecht der gänzliche\nMangel sinniger Anwendung eines einzelnen Instrumentes\nin seelenvoller Entfaltung seiner Eigentümlichkeit zusam-\nmen, und wo wir sie finden, erkennen wir nur zu deut-\nlich, dass nicht immanente Nothwendigkeit, sondern fast\nimmer nur das Bestreben, durch etwas ganz Besonderes\ndie Äulmerksamkeit zu reizen, ihre Anwendung an die\nHand gegeben hat. 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Mts. wurde von Seiten der Künstler-Gesellschaft „Malkasten* *\nShakespeare's „Was ihr wollt\" aufgeführt, mit Musik von Julius\nTausch. Letztere fand vielen Anklang im Publicum, und wenn sie\nauch im Ganzen nur klein angelegt ist, so verdient sie ihrer anmu-\nthigen und gefälligen Weise wegen auch in weiteren Kreisen Be-\nrücksichtigung. Ganz vorzüglich gelungen sind die beiden Lieder\ndes Narren: ~0 Schatz! auf welchen Wegen\", und: „Komm herbei,\nkomm herbei, TodI'. In letzterem ist, ohne dabei trivial zu werden,\nder alte und schlichte Volkston, jene Weise, welche ~die jungen\nMädchen, wenn sie Spitzen weben\", zu singen pflegen, gut getrof-\nfen, und versetzt es den Zuhörer so recht eigentlich in die von dem\nDichter beabsichtigte Stimmung. (Das Schlusslied des Lustspiels,\nzu Pfeife und Trommel zu singen, war leider weggelassen.)'*\nDas auf vergangenen Samstag von Fräul. Mösner angekündigte\nConcert ist leider (wahrscheinlich wegen mangelnder Theilnahme)\nbis auf Weiteres verschoben, hoffentlich aber nicht aufgehoben; auch\nsang an demselben Tage Herr Beck aus Wien als Teil vor einem\nschwach besetzten Hause! Sobald hier der Frühling grünt und\nblühfy bleiben Theater und Concertsäle leer und verlassen.\n** Crefeld. A m 4. d. Mts. gab Herr Musik-Director C. Rei-\nnecke aus Barmen hier eine musicalische Unterhaltung, in welcher\ner Solostücke von Chopin, St. Heller, Beethoven (Sonate in D-moll),\neigene Variationen über ein Thema von J. S. Bach und zum Sehluss\ndas Quintett von R. Schumann spielte. Fräul. Wölfel aus Aachen\ntrug einige Lieder vor. Das Local war der Stimme nicht günstig ;\ndie technische und ästhetische Ausbildung der Sängerin befriedigte.\nGeehrter Herr Redacteur!\nIch bitte um Aufnahme dieser Zeilen und um Entschuldigung,\ndass ich nochmals der Broschüre des Herrn Sobolewski, „Das Ge-\nheimniss der neuesten Schule\", erwähne. Genannter Herr\nbeantwortet nämlich meine Besprechung seiner Broschüre in Nr. 9\nIhrer Zeitung mit einem Artikel in der Neuen Zeitschrift für Musik\n(Nummer vom 1. April;, der für die Feinheit seines Verfassers aufs\nNeue glänzendes Zeugniss ablegt. Sachliche Widerlegungen meiner\nVorwürfe finde ich darin nirgend, nur bissige Ausfälle des gereizten\nHerrn; es gibt ein altes Sprüchwort: Getroffene Hunde bellen.\nDie erste Rüge des Herrn Sobolewski besteht darin, dass ich sei-\nnen tarnen mit einem y, statt mit einem i geschrieben habe; dafür\nbitte ich ihn tausendmal um Verzeihung, versichere ihm, dass dies\ndie Sache allerdings wesentlich ändert, und dass mein ganzer Arti-\nkel veiinuthlich unterblieben wäre, hätte ich diesen wichtigen Um-\nstand besser beachtet.\nWenn Herr Sobolewski aber glaubt, ich habe seine Broschüre\nfür ein Lehrbuch der Tonkunst angesehen, so irrt er sich; das wäre\nmir am allerletzten eingefallen. Er berichtigt sodann, dass Pag. 27\nin seiner Broschüre (resp. in dem von mir daraus gebrachten Citat)\nnach den Wörtern die uns das Wort geläufig einzuschalten sei.\nIch ersuche alle Leser meines Artikels, dies nachträglich zu thun,\nund zu versuchen, ob es ihnen selbst dann möglich sein wird, zwi-\nschen dem Vorder- und Nachsatze einen vernünftigen Zusammen-\nhang herzustellen. Herr Sobolewski räth mir ferner, zu besserem\nVerständnisse der Broschüre seine „Debatten\" anzuschaffen —\neine recht hübsche Abnehmer für dieselben zu werben; aber\nich bedaure, der Einladung nicht Folge geben zu können, da mich\ndie eine Piobe davon (die Broschüre ist nämlich daraus entnommen)\ngenugsam abgeschreckt hat.\nSchliesslich sagt mir Herr Sobolewski: „Adieu, Herr Scholz in\nNürnberg!\" Es ist recht höflich von ihm, um so mehr, als ich mich\nnicht entsinne, ihm jemals „guten Tag\" gewünscht zu haben.\nIch wüsste noch allerlei zu sagen, doch fürchte ich, Ihre Leser\nverübeln es mir, wenn ich noch länger von Herrn Sobolewski rede.\nLeben Sie wohl! Ihr ergebener\nHannover, 10. April 1859. Bernh. Scholz.\nFl'Ällfiifiii't« Am I. April gab der Vorstand des Museums\ndem Witwen- und Waisen-Fonds des frankfurter Orchesters ein Be-\nnefiz-Concert, das, zahlreich besucht, auch einen grossen künstleri-\nschen Erfolg hatte. Darin zeichneten sich aus Fräulein Emilie\nSchmidt aus Darmstadt und der Pianist Ehrlich. Auch erregte\neine Scene und Arie von C. A. Mangold (Johanna d'Arc nach\ndem Schiller'schen Monologe), die er selbst leitete, ebenfalls von Frl.\nSchmidt vorgetragen, ein allgemeines Interesse. Mozart's Jupiter-\nSinfonie und Cherubini's Anakreon-Ouverture bildeten den Rahmen\nzu diesem ausserordentlichen eilften Museums-Concerte.\nEjeipzig. Wie bereits aus der Ankündigung in Nr. 1 der\nNeuen Zeitschrift für Musik vom 1. Januar d. J. bekannt sein wird,\nbeabsichtigen die Unterzeichneten in den Tagen vom 1 bis. 4. Juni\neine Tonkünstler-Versammlung, verbunden mit musicali-\nschen Aufführungen in Leipzig zu veranstalten. Erster Tag,\nMittwoch den 1. Juni, Abends 6 Uhr, grosses Concert im hiesigen\nStadttheater mit Werken von Schumann, Schubert, Mendelssohn,\nBerlioz, Wagner, Franz und Liszt. Nach dem Concerte Zusammen-\nkunft im Schützenhause. — Zweiter Tag, Donnerstag den 2. Juni\n(am Himmelfahrts-Tage), nach dem Vormittags-Gottesdienste um\nhalb II Uhr wissenschaftliche Vorträge im Saale des Schützenhau-\nses. Zur Eröffnung einleitender Vortrag der Redact. der Neuen Zeit-\nschrift: ,,Zur Anbahnung einer Verständigung\". Nachmittags 4 Uhr\nAufführung der zur Einweihung des graner Domes componirten Fest-\nmesse von Franz Liszt, unter Leitung des Componisten. Abends\nUhr Festmahl im Saale des Schützenhauses. — Dritter Tag, Freitag\nden 3. Juni, mündliche Vorträge und Besprechungen über gestellte\nAnträge im Saale des Schützenhauses. Anfang Uhr. Ende gegen\n3 Uhr (mit den nöthigen Pausen). Abends 6£ Uhr Aufführung der\nhohen Messe in ll-moll von Seb. Bach durch den Riedel'schen Ver-\nein, unter Leitung des Herrn Musik-Directors Riedel Nach der Auf-\nführung Zusammenkunft im Schützenhause. — Vierter Tag, Sams-\ntag den 4. Juni, lOi Uhr Matinee für Kammermusik im Saale des"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590416-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5459, "texte": "Gewandhauses, unter Mitwirkung hiesiger und auswärtiger Künstler,\nu. A. des Hof-Quartetts der Herren Gebr. Müller aus Meiningen.\nHiermit Schluss der Versammlung. — Unter den bis jetzt bestimm-\nten Vorträgen machen wir namhaft: Staats-Anwalt Dr. Ambros in\nPrag: „Ueber Werth und Bedeutung des jetzigen Standes der Musik\nund Musikpflege in Beziehung auf allgemeine Bildung.\" Herr Ge-\nsanglehrer Gustav Nauenburg in Halle: „Physiologie des menschli-\nchen Gesangorgans im Streite mit der praktischen G&sanglehre.\"\nHerr Dr. Pohl in Weimar: ,,Die Stimmungsfrage.'• Ausserdem ha-\nben Herr Musik-Director Weitzmann und Herr Gesanglehrer Ferd.\nSieber in Berlin Vorträge zugesagt, zur Zeit jedoch noch ohne An-\ngabe der Gegenstände. Ferner haben bis jetzt die Herren Hofpianist\nH. v. Bülow, F. Dräseke, Karl Gollmiek, Musik-Director Louis Köh-\nler, Dr. R. Pohl, Musik-Director Julius Schäffer, Dr. Adolf Stern\nBetheiligung bei Vorträgen und durch Anträge in Aussicht gestellt.\nDa es Manchen interessiren dürfte, bei dieser Gelegenheit die herr-\nliche Orgel im Dome zu Merseburg kennen zu lernen, so wird Herr\nMusik-Director Engel Sonntag den 5. Juni, Nachmittags, daselbst\nein grosses Orgel-Concert veranstalten. — Unter den „näheren\nBestimmungen'' ist zu beachten: Da selbstverständlich die Zahl\nunserer speciellen Einladungen nur eine sehr beschränkte sein kann,\nindem uns häufig Wohnort und Adresse oder zufälliger Aufenthalts-\nort unbekannt sind, so bitten wir, im Falle keine speciellen Einla-\ndungen erfolgen, die gegenwärtige Bekanntmachung als solche zu be-\ntrachten und auch ohne directe Aufforderung sich zu betheiligen und\ndie Anmeldungen uns zugehen zu lassen. Besondere Kosten erwach*\nsen aus der Betheiligung nicht, so dass die resp. Theilnehmer nur\nihre Privat-Ausgaben während der ganzen Dauer des Festes zu be-\nstreiten haben. Eben so ist der Zutritt zu den Aufführungen für alle\nunsere Gäste frei und unbeschränkt. Lediglich das Concert im Theater\nmacht hiervon in so weit eine Ausnahme, als uns für dasselbe nur\neine bestimmte Zahl von Freibillets zu Gebote steht.\nLeipzig, Mitte April 1859.\nDr. Franz Brendel. C. F. Kahnt.\nHBreslttie, April 1859. Von den immer seltener werdenden\ngrösseren musicalischen Büchersammlungen ist in letzter Zeit wie-\nderum die werthvolle Bibliothek des verstorbenen Musik-Directors\nl)r. Mosewius, Vorstehers unseres akademischen Musik-Vereins,\nin den Besitz eines Antiquars übergegangen. Während nämlich der\ngrössere Theil der Notensammlung des Verstorbenen durch testa-\nmentarische Verfügung an die Akademie gekommen ist, hat den\nganzen Büchervorrath das hiesige Maske'sche Antiquariat erworben;\ndasselbe wird schon in nächster Zeit dem Publicum ein Verzeichniss\nder Sammlung übergeben» Die Bibliothek ist namentlich an älteren\nWerken deutscher musicalischer Literatur, wie Mattheson's, Kirn-\nberger's u. A m,, reichhaltig, und verspricht so dem kritischen Mu-\nsikfreunde eine seltene Gelegenheit zur Erwerbung historischer Ma-\nterialien. Neben dieser Sammlung besitzt obige Handlung eine nicht\nunerhebliche Collection von Partituren wie Stimmen von Kirchen-\nmusiken, namentlich italiänischer Meister, wie Gabrieli's, Scarletto's,\nPergolese's und vieler Anderen. Wir machen desshalb auf den näch-\nstens erscheinenden Katalog aufmerksam\nDem grosaherzoglich mecklenburgischen Hof-Cap elimeist er Herrn\nGeorg Aloys Schmitt, Sohn von Aloys Schmitt in Frankfurt,\nwurde dieser läge von Sr. Königlichen Hoheit dem Grossherzog von\nMecklenburg-Schwerin nebst einem verbindlichen Cabinetsschreiben\nals Anerkennung seiner Verdienste um die musicalische Geschmacks-\nrichtung des Schweriner Publicums eine Diamant-Vorstecknaiel als\nEhrengeschenk zu TheiL\nB e r i c h t i g u n g. In Nr. 14 dieser geschätzten Blätter (Berliner\nBriefe, Pag. 103, Spalte 2) lesen wir von den Erfolgen des Violi-\nnisten Herrn Concertmeisters Wolff au3 Frankfurt am Main, und\nmöchten zur Vermeidung einer Namensverwechslung\njene Notiz dahin berichtigen, dass damit nur Herr Maximilian\nWolff gemeint sein kann, welcher früher allerdings am frankfurter\nOrchester engagirt und ein Schüler von Heinrich Wolff war,\naber niemals dort Concertmeister gewesen ist. Heinrich\nWolff, welcher sich durch seine früheren Reisen und später durch\nseinen in Frankfurt gestifteten Quartett-Öirkel einen berühmten Na-\nmen erworben, und sich nun, nebenbei gesagt, zum Bedauern aller\nKunstfreunde der Oeffentlichkeit immer mehr zu entziehen scheint,\ndieser befindet sich noch in seiner Function als Concertmeister und\nerster Sologeiger am frankfurter Orchester und ist nicht mit Herrn\nMaximilian Wolff zu verwechseln, der gegenwärtig im nördlichen\nDeutschland Concerte gibt. Gr.\nMeyerbeer's neueste Oper. Die „Wiener Recensionen''\nvom 6. April schreiben : „Mehrere hiesige (wiener) Blätter meldeten\nbereits am dritten und am vierten April den ausserordentlichen\nErfolg von Meyerbeer's Oper in Paris.\" — Dieselbe ist aber erst\nam vierten Abends zum ersten Male gegeben worden!!!\nDie Inddpendance in Brüssel, die Kölnische Zeitung und die\nberliner Musik-Zeitung hatten am 6. April Nachmittags bereits aus-\nführliche Berichte darüber.\nDa der pariser Correspondent der Niederrheinisohen Musik-Zei-\ntung nicht zu den Begünstigten gehört, die zu der Generalprobe\neingeladen zu werden pflegen, und überhaupt nicht zu den Primeurs-\nLäufern gehört, so wird er wohl die Oper erst einige Mal gründlich\nanhören wollen, ehe er berichtet. Unsere Leser müssen sich also\nnoch etwas gedulden."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590416-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDas wiener Opern-Theater (Uebersicht der deutschen Saison von 1858—1859). Ein Brief von Mosewius Einige Stel-\nlen aus Mosewius' Analyse der Matthäus-Passion von Joh. Selb, Bach. Tages- und Unterhaltungsblatt (Düsseldorf, Auffüh-\nrungen der Künstler-Gesellschaft „Malkasten'4 Crefeld, Concert von C. Reinecke Hannover, Schreiben an die Redaction Frankfurt,\nBenefiz-Concert Leipzig, Tonkünstler-Versammlung Breslau, Bücher-Versteigerung Paris, Meyerbeer's neueste Oper).\n\nDas wiener Opern-Theater.\n(Unter dieser Aufschrift enthalten die „Recensionen\nu. s. w. über Theater und Musik\" in Nr. 12 und 14\neine Uebersicht der deutschen Saison von 1858 —1859,\nwelche nicht sehr erfreuliche Blicke in die dermaligen Zu-\nstände des genannten Theaters thun lässt. Da der Aufsatz\nmehr oder weniger die wunden Stellen aller Opern-Thea-\nter-Verwaltungen in Deutschland berührt, so theilen wir\ndie Hauptstellen desselben mit Ausscheidung von allem\nspeciel Localen unseren Lesern mit und ergreifen gern die\nGelegenheit, der Unparteilichkeit und Freimüthigkeit und\ndem Ernste, mit welchem die Redaction das Ziel der För-\nderung wahren Kunstsinnes und richtigen Geschmacks ver-\nfolgt, volle Anerkennung zu zollen. Ob ihre Stimme da,\nwo es noth thut, gehört werde? Schwerlich! Die Wahr-\nheit der Kritik ist missliebig geworden; Unwissenheit und\nFrechheit in Lob und Tadel, dazu gemeine Parteisucht\nüberwuchern ihr Gebiet. Die Redaction.)\nOffenbar sind die Anforderungen, die man an den\nneuen Director des Opern-Theaters stellt, nicht geringer\nArt. Er selbst wird, wenn er seine Aufgabe vom rechten\nStandpunkte betrachtet, nicht umhin können, die Notwen-\ndigkeit tief eingreifender Reformen anzuerkennen.\nNicht von einem neuen System der Opern-Compo-\nsilion, wie Richard Wagner meint, wird uns Besserung\nkommen, sondern in der künstlerischen Verwaltung des\nOpernreiches muss Hand angelegt werden. Die vorhande-\nnen Partiturenscbätze müssen verwerthet und zugleich die\nFrüchte unserer Zeit zur Reife gebracht werden; die sich\nvorfindenden producirenden und darstellenden Kräfte müs-\nsen systematisch gehoben und zum Guten angehalten wer-\nden; auf alle betheiligten Factoren, auch auf das Publi-\ncum, muss dergestalt eingewirkt werden, dass das mögliche\nGute allseitig angestrebt werde.\nWir verlangen nichts Unmögliches, nichts Einseitiges;\nwir wollen nur dies Eine: dass das Opern-Theater in sei-\nner Art werde, was das Burg-Theater war und noch ist.\nDass eine solche Reform übrigens nicht von heute auf\nmorgen durchzuführen ist, versteht sich von selbst. Wenn\nsie nur angebahnt wird, wenn ihr nur wenigstens nicht\nentgegengearbeitet wird. Und ob nicht das Letztere der\nFall ist, das müssen die Resultate der gegenwärtig ablau-\nfenden Saison erweisen.\nVon Opern-Novitäten sahen wir vier grössere, die den\nAbend ausfüllen, und zwei einactige.\nBezüglich der zuletzt gegebenen Novität: „Diana von\nSolange\", wäre es ungerecht, die Verantwortlichkeit für\nD ' O\ndie erlittene Niederlage ausschliesslich dem artistischen\nDirector zuzuschreiben. Gründe anderer Art waren hier\nmaassgebend.\nMit der Wahl des „Lohengrin\" kann man sich nur\neinverstanden erklären; ja, es darf Herrn Eckert hoch\nangerechnet werden, dass er die Annahme dieses Werkes\ndurchgesetzt hat. Besetzung, Einstudirung, Ausstattung be-\nfriedigten in hohem Grade.\nGegen die Aufführung der beiden Operetten „Die\nAlpenhütte\" und „Der Schauspiel-Director\" ist nichts ein-\nzuwenden; jedoch hatte die Zusammenstellung derselben\nan Einem Abende keinen rechten Sinn. Sollte die Gattung\nder einactigen Opern eingeführt werden, was an sich ganz\ngut wäre, so musste man gleich Anfangs praktischer und\nsystematischer verfahren.\nDie Wahl der „Königin Topas\" war ein Missgriff.\nNicht etwa, dass die Musik gar so schlecht wäre; allein\nHerr Eckert hätte sein Personal besser kennen sollen, er\nhätte wissen sollen, dass wir für das Coloraturfach keine\nSängerin aufzuweisen haben, welche eine nicht besonders\nwerthvolle Oper bloss durch ihre Kunstfertigkeit tragen\nund halten könnte, wie dies in Paris mit Mad. Miolan\nder Fall ist. Es ist etwas Anderes, durch Fleiss und Cor-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590416-01.1.2", "texte": "reetheit die bereits bekannten und beliebten Partieen ir-\ngend eines Faches genügend ausfüllen, etwas Anderes,\neine neue Rolle schaffen und siegreich zur Geltung\nbringen. Die „Königin Topas\" erlebte nur zwei Wieder-\nholungen.\nDasselbe Schicksal war der „Rose von Castilien\" vor-\nbehalten. Die Wahl dieser Oper ist eben so wenig zu\nrechtfertigen. Die flüchtigste Durchsicht der Partitur musste\ndie Werthlosigkeit und die Wirkungslosigkeit dieser Musik\nerkennen lassen. Man hat der „Rose von Castilien\" (heisst\nes in einem Aufsatze über diese Oper) siebenzehn fünf bis\nsechs Seiten lange Recitative untergelegt, das Finale des\nzweiten Actes Verdi'sch instrumentirt und die Nummern\nI , 2, 5, 6, 7, 16, 21 bis auf ein Minimum zusammenge-\nstrichen. Man ahnte also doch wohl, dass es mit dieser\n„Rose\" nicht recht gehen wolle, man fühlte das Bedürf-\nniss irgend welcher Aenderungen und begriff nicht, dass\ndie einzige glückliche Lösung dieses Conllictes darin be-\nstanden hätte, die Oper gar nicht zu geben.\nMit den Opern-Novitäten war man also theiiweise\nnichts weniger als glücklich, und zwar durch eigene Schuld;\ndenn es darf nicht übersehen werden, dass die Direction\nsich durchaus nicht auf den „schlechten Geschmack\" des\nPublicums berufen kann. Das Interessante unter den Novi-\ntäten („Lohengrin\") wurde mit lebhafter und anhaltender\nTheilnahme aufgenommen, das leidlich Hübsche (die Ope-\nretten) mit Befriedigung, das Mittelmässige („Topas\") mit\nZurückhaltung, das geradezu Schlechte mit hinreichend\ndeutlicher Missbilligung. Also: Ehre, dem Ehre gebührt:\ndas Publicum hat sich tactvoll und verständig benommen.\nSehen wir uns nach dem übrigen Opern-Repertoire\num, so finden wir zweiunddreissig Opern aus dem vor-\njährigen Repertoire, drei („Sommernacht\", „Regiments-\ntochter\" , „Lustige Weiber\"), welche vor zwei oder drei\nJahren am Repertoire waren, und keine einzige, die\nals förmlich neu einstudirt gelten könnte. Ein klägliches\nErgebniss, wenn man bedenkt, wie viele alte Opern, die\nnoch ganz wirksam wären und die aus einem gut bestell-\nten Repertoire gar nicht verschwinden sollten, uns fehlen.\nWill man etwa die angebliche Neueinstudirung des\n„Don Juan\" als eine „That\" unseren Klagen entgegen-\nhalten? Uns dünkt, was man bei derselben unterlassen\nhat, wiegt viel schwerer, als was man gethan. Dass man\ndie Recitative nach der ursprünglichen Absicht des Com-\nponisten wieder herstellte, war lobenswert!); aber dass\nman bei dieser Gelegenheit den Text, die Scenirung, die\ndramatische und musicalische Auffassung des Meisterwer-\nkes nach der bisherigen Schablone bestehen liess, das gibt\nder Direction wahrlich keinen Anspruch auf den Dank des\nPublicums und auf die Sympathieen der Kritik.\nAuf ihr Mozart-Repertoire darf die Direction über-\nhaupt nicht stolz sein. Man könnte dicke Broschüren schrei-\nben über die musicalischen, dramatischen und scenischen\nFehler, welche sich nach und nach in die Aufführung des\n„Don Juan\", des „Figaro\", der „Zauberllöte\" eingeschli-\nchen haben, ohne dass bisher irgend ein Anzeichen die\nAbsicht verriethe, diese Mängel zu tilgen.\nIn musicalischer Beziehung waren die Novitäten mit\nlobenswerther Genauigkeit eingeübt. Namentlich hielt sich\ndas Orchester meistens sehr guf. Die alten, oft gerügten\nFehler der zu starken Begleitung des Gesanges, des zu\ngrellen, ruckweise statt allmählich eintretenden Crescendo,\nder ungleichen Ausführung mancher Passage, kommen\njetzt seltener vor und werden jedenfalls aufgewogen durch\ndie felsenfeste Sicherheit, mit welcher das Orchester den\nSängern bei etwaigen Schwankungen zur Stütze dient, durch\ndas Feuer, die Kraft, den Schwung, den es bei allen wich-\ntigen Gelegenheiten entwickelt. Die wohlthätige Einwir-\nkung des Capeilmeist?rs und Directors Eckert,\nso wie des neu engagirtenOrchester-Directors Jos. Ilell-\nmesberger lässt sich da nicht verkennen. Wie sehr sich\nHerr Esser als Dirigent des „Lohengrin\" ausgezeichnet\nhat, ist seiner Zeit hervorgehoben worden.\nIn Bezug auf das, was die Aufführung älterer Opern\nzu wünschen übrig liess, haben wir zu bedenken, dass ein\ntäglich spielendes Theater, dessen Orchester leider auch\nzur Ballet-Begleitung verwandt wird, nicht immer gleich\nMusterhaftes leisten kann. Freilich muss auch hinzugefügt\nwerden, dass z. B. in classischen Werken einerseits die\nAuffassung (der Tempi, der Vortragsweise u. s. w.) geeig-\nnet ist, manche Einwendung hervorzurufen, während an-\ndererseits der Abgang einer guten Regie selbst auf den\nmusicalischen Theil hemmend einwirkt.\n(Im Folgenden verbreitet sich der Aufsatz über das\nOpern-Personal u. s. w.; dann weis t er den Mangel einer\nverständigen Regie durch schlagende Beispiele nach.;\nMit „Don Juan\", „Figaro\", „Freischütz\", „Oberon\"\nist auch nicht der geringste Versuch einer Aenderung im\nlexte, in der Scenirung und Darstellung gemacht worden.\nDie Herren scheinen gar nicht merken zu wollen, dass\nhierin etwas zu thun ist.\n>\\un fragen wir aber, wenn handgreifliche Albernhei-\nten vorkommen, und man beantragt eine mögliche Aen-\nderung, ist das ein idealer Wunsch? Wo finden die Herren\nden Beweis, dass in Meisterwerken, welche in jeder Note\nauf charakteristische Wahrheit gegründet sind, die Sceni-\nrung unwahrscheinlich, ja, oft geradezu verletzend und\nstörend sein dürfe?\nEin unfehlbares Mittel, die an den Schlendrian ge-\nwöhnten und durch die Gunst des Publicums verwöhnten"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "123", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590416-01.1.3", "texte": "ersten Mitglieder zur Vernunft und zum künstlerischen Ge-\nhorsam zurückzuführen, oder ihre Launen unschädlich zu\nmachen, ist die Ausbildung jüngerer Kräfte. Nur auf die-\nsem Wege, durch die musicalisch-dramatische Erziehung\neiner neuen Sänger-Generation, könnte Leben, Verständ-\nniss und Einheit in das Ensemble kommen. Aber wohl-\ngemerkt, man bildet keine guten Sänger dadurch, dass\nman ihnen in aller Eile die Fides oder den Ernani und\nManrico einleiert. Eine förmliche, sorgfältige Stimmbildung\nmuss vorausgehen, eine genaue Kenntniss des richtigen\nmusicalischen Vortrages muss folgen, eine hinreichende\nKenntniss der dramatischen Elemente muss das Ganze voll-\nenden. Auf dem Wege des vereinzelten Experimentirens,\nden die Herren Capellmeister, jeder für sich, verfolgen,\nwird man niemals einen entsprechenden Nachwuchs erhal-\nten. Wo es sich nur darum handelt, schnell fertig zu wer-\nden mit der musicalischen Erziehung, nur eilig Partieen\neinzustudiren und auf die Bühne zu kommen da wird\nman in der That schnell fertig, aber weder der Kunst-\njünger noch die Direction gewinnt dabei. Ohne ein syste-\nmatisches Vorgehen, ohne dass man wenigstens die An-\nfänge einer förmlichen Opernschule besitzt, ist hier nichts\nzu hoffen.\nDie Vervollständigung des Personals durch gut ge-\nschulte Sänger würde namentlich die Wiederaufnahme äl-\nterer Werke wesentlich erleichtern. Dass solche Reprisen\nwünschenswerth sind, unterliegt wohl keinem Zweifel. Man\nwendet zwar ein: „Die classischen Opern ziehen nicht, das\ngrosse Publicum mag sie nicht; wir haben ja, dem Ge-\nschrei einiger Enthusiasten nachgebend, die „Iphigenie\nauf Tauris\" aufgeführt, und das Haus hat sich nicht ge-\nfüllt.\" So würde man im Burgtheater wohl auch sprechen,\nwenn nach zehnjähriger Versäumniss plötzlich ein einzelnes\nShakespeare'sches Stück wieder zum Vorschein käme. Im\nBurgtheater standen aber Shakespeare, Lessing, Göthe,\nSchiller stets obenan im Bepertoire und in der Gunst der\nMenge, und mit der Bereicherung dieses ohnehin reichen\nRepertoires bat Herr Laube volle Häuser gemacht.\nWarum sollte das wiener Galerie- und Parterre-Publicum\ndie grossen Dichter verstehen und lieben, die grossen Ton-\nsetzer hingegen vernachlässigen? Woher käme diese Gleich-\ngültigkeit im „musicalischen Wien\"? Die Ursache kann\neben nur darin liegen, dass alle bisherigen Opern-Direc-\ntoren es versäumten, auf ihr Publicum jenen Einfluss aus-\nzuüben, der zur Bildung und Kräftigung des allgemeinen\nUrtheils unerlässlich ist; ferner dass alle Versuche mit der\nWiederaufnahme guter älterer Werke vereinzelt, ohne\nZusammenhang und ohne Consequenz vorgenommen wur-\nden; endlich dass die Wiedergabe solcher Werke keine\nganz entsprechende war. Abgesehen davon, dass so viele\nSänger der Gegenwart keine Schule, keinen eigentlichen\nStil haben, der sie befähigte, die schönen, aber schwieri-\ngen Aufgaben, welche Gluck, Mozart, Cimarosa, Mehul,\nCherubini, Spontini u. A. gestellt haben, vollständig zu\nbeherrschen, abgesehen davon, scheinen auch die Capell-\nmeister, welche solche Werke einstudiren, den rechten\nMaassstab dafür nicht zu besitzen. Es ist immer, als gingen\nsie schon ans Werk mit dem einzigen Gedanken: es ist\nveraltet und kann nur durch schnelle Tempi wieder auf-\ngefrischt werden —, während doch die älteren Werke nur\ndurch liebevolle Hingebung an den Geist des Ganzen,\ndurch das Hervorheben einer Menge anscheinend gering-\nfügiger Züge, durch eine gewisse andächtige Ruhe und\nAufmerksamkeit erfasst und dargestellt werden können,\ndann aber auch mit unversiegbarer Frische wirken.\nLeider predigt man immer nur tauben Ohren, und\nder beste, unwiderlegbarste Beweis dafür ist die Wahl\nder Novitäten in der eben vergangenen Saison. Ueber Auf-\nfassung und Darstellung können verschiedene Ansichten\ngeltend gemacht werden. Aber die Aufführungen der\n„Königin Topas\" und der „Rose von Castilien\" waren\nwirklich nicht zu entschuldigen.\nSelten hat übrigens eine Direction eine ähnliche de-\nmüthigende Erfahrung gemacht, wie die hiesige Opern-\nDirection bei dieser Gelegenheit. Wenn man durch seichte,\naber brillante und wirksame Musik dem verdorbenen Ge-\nschmacke des Publicums fröhnt, so ist das noch begreif-\nlich. Man hat doch etwas davon: Beifall und volle Häuser.\nAber der Kunst ins Gesicht schlagen und zugleich auch\ndie Gunst des Publicums verscherzen, es erleben müssen,\ndass die Speculation auf den schlechten Geschmack miss-\nräth, das ist denn doch eine bittere Lehre. Möchte diese\nErfahrung doch nur dem Repertoire der künftigen Saison\nzu Gute kommen!\nDie Behauptung, es gäbe keine guten neuen Opern,\nist längst zur stehenden Phrase geworden. Die Intendan-\nten sämmtlicher deutscher Hoftheater haben sich diesen\nbequemen Glaubensartikel zu eigen gemacht. Wir müssen\njedoch die Richtigkeit desselben in Abrede stellen, wenig-\nstens so lange, bis wir die Ueberzeugung gewonnen haben,\ndass man in Wien, Berlin, Dresden, München, Hannover\nu. a. 0. wirklich danach trachtet, sich neue Opern zu ver-\nschaffen. Diese Ueberzeugung können wir nicht hegen.\nEs würde uns zu weit führen, wollten wir nachweisen,\ndass die im übrigen Deutschland laut werdenden Klagen\nüber Novitätendürre wenigstens zum Theil auf die Sorg-\nlosigkeit und Saumseligkeit der Intendanzen, der Capell-\nmeistcr und Regisseure zurückfallen. Wir haben es nur\nmit der wiener Oper zu thun. Man sagt uns: Es existiren\nkeine guten neuen Opern, am allerwenigsten in Deutsch-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "124", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590416-01.1.4", "texte": "land. Darauf haben wir mehr als Eine Antwort. Wir\nsprechen nicht von Wagner und Meyerbeer. Des Letzteren\nneuestes Werk werden wir gewiss bald zu hören bekom-\nmen, und nach dem glücklichen Erfolge des „Lohengrin\"\ndürften Wagner's Opern wohl der Reihe nach gegeben\nwerden. Aber es stände schlimm mit unserer Oper, wenn\ndie zeitraubenden Vorbereitungen zu diesen Effect-Opern\nWerke anspruchsloser Art gänzlich verdrängten, oder nichts\ndaneben geduldet würde als Thomas und Balfe. Ohne die\nProduction der Gegenwart allzu hoch anzuschlagen, sind\nwir doch überzeugt, dass man Besseres finden konnte. Er-\nstens ist es bekannt, dass Marschner sein neuestes Werk\nunserer Opern-Direction eingesandt hat. Wir hegen keine\nVorliebe für Marschner'sche Musik und kennen das neue\nWerk nicht; jedenfalls wäre es besser gewesen als die\n„Rose von Castilien\", und im schlimmsten Falle ist es ehren-\nvoller, mit Marschner durchzufallen, als mit Balfe. Ferner\nerinnern wir daran, dass in Stuttgart diesen Winter eine\nneue Oper, „Anna von Landskron\", von Abert beifällig\naufgenommen wurde. Wir sollen sie in der nächsten Sai-\nson hören. Wer ist aber Herr Abert? Ein Schüler des\nprager Conservatoriums. Ist Stuttgart der Ort, wo das\n\"M erk eines prager Zöglings seine erste Aufführung erle-\nben soll? Ferner hatte man das Werk eines wiener Com-\nponisten, „Alma\" von Th. Löwe, zur Darstellung ange-\nnommen; die versprochene Aufführung aber unterblieb,\nweil der Contract des Herrn Steger die sonderbare Clau-\nsel enthielt, Herr Steger brauche nur Eine neue Rolle zu\nstudiren, und weil man so tactvoll war, eine Verdi'sche\nPartie als diese einzige auszuerlesen. Ferner scheint man\nvergessen zu haben, dass vor ein paar Jahren der berühmte\nBalladen-Componist Karl Löwe mit seinem Antrage, eine\nOper für Wien zu componiren, zurückgewiesen ward.\nFerner scheint man nicht zu wissen, dass Dessauer min-\ndestens Eine Oper fertig im Pulte liegen hat. Hat man\nsich dieses Werk zur Durchsicht erbeten? Hat man irgend\neinen Schritt gethan, um irgend einen Componisten (denn\nwir reden keinem Einzelnen das Wort) zur Composition\neinerOper anzuregen oder zur Einreichung eines\nfertigen Werkes zu bestimmen? Und dennoch kommt\nman uns immer und immer wieder mit der abgedrosche-\nnen Phrase: Es gibt keine neuen Opern!\nNicht einmal Singspiele wissen sich die Herren zu ver-\nschaffen. Ausser dem alten des verstorbenen\nAdam und dem Mozart'schen Quodlibet wussten sie\nnichts zu finden. Dass die beliebte Operette von Hoven,\n„Ein Abenteuer Karl's II.\", mit zwei Proben wieder auf-\ngenommen werden konnte, schien man gar nicht zu wis-\nsen. Eben so wenig, dass Mendelssohn ein gewisses klei-\ni«9S, nettes Ding, „Die Heimkehr\", componirt habe. Eben\nso wenig scheinen die geehrten Herren von einer „Pia-\nnella\" Flotow's, von „List um List\" von Schimon,\n„List, Scherz und Rache\" von M. Bruch, „Der Nacht-\nwächter\" vonKrug u. A. je etwas gehört zu haben. Auch\nahnen sie wohl nicht, dass vielleicht Manches von Lortzine\no\nbenutzt werden könnte, dass Dittersdorf nur einer ge-\nschickten Sichtung bedarf, dass in einer Menge französi-\nscher Operetten älteren Schlages Schätze heiterer Musik\naufgespeichert liegen. Ja, nicht einmal von der Existenz\neines gewissen Offenbach halten die geehrten Herren\nKenntniss, und so war es dem Carl-Theater vorbehalten,\nohne Sänger, fast ohne Orchester, diesen Offenbach\nhier einzuführen, volle Häuser damit zu machen und eine\nAnzahl deutscher Hoftheater mit der „Laternen-Hochzeit\"\nnachhinken zu sehen.\nNein, ihr Herren, auf dem Wege der Routine, den\nihr wandelt, da gibt es freilich nichts Neues, da findet ihr\nhöchstens, was am Rande der gemeinen Heerstrasse wild\nwächst oder was sich euch anspruchsvoll lärmend in den\nWeg drängt. Aber zeigt nur einmal, dass ihr mit Bewusst-\nsein an eure Aufgabe geht. Erklärt es officiel: Ihr wollet\nin jeder Saison mindestens zwei grosse Opern und zwei\nSingspiele geben, je ein Werk specifisch österreichischen\nund eines überhaupt deutschen Ursprungs, welche noch auf\nkeiner anderen Bühne aufgeführt wurden; leistet den\nComponisten öffentlich eine Bürgschaft dafür, dass die ein-\ngesandten Werke reiflich geprüft werden, durch Einsetzung\neines Comite's, bestehend aus dem artistischen Director,\nden Capellmeistern und Regisseuren, zwei Mitgliedern des\nSänger-Personals und noch zwei oder drei ausserhalb der\nBühnen-Interessen stehenden Personen—dann erst könnte\nsich nach und nach ein Urtheil bilden über die Befähigung\nder jüngeren Componisten-Generation, und selbst im un-\ngünstigsten Falle, wenn nämlich auch kein einziges her-\nvorragendes Talent sich in den ersten Jahren kund gibt,\nhätte man doch allerseits seine Schuldigkeit gethan, und\ndas Repertoire wäre doch immer wenigstens momentan\nbereichert worden.\n\nEin Brief von Mosewius.\n\nHochgeehrtester Herr!\nWie lange schon trage ich mich mit der Absicht\nherum, Ihnen einige Zeilen zu senden, ohne sie erfüllt zu\nhaben! Die an Tag und Stunde sich anlehnende Schul-\nmeisterei, verbunden mit einer Menge Schreibereien, wie\nsie meinem Berufe anhangen, hat mich die dazu erforder-\nliche ruhige Minute nicht finden lassen vor dem Eintritte\nder Ferien. Mit ihnen lässt auch die dem Wirkungskreise"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "125", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590416-01.1.5", "texte": "eigene Spannung nach, und so kann ich mich denn auch\ngemessener von dem Drucke befreien, der auf mir ruht.\nEs ist wohl zu allen Zeiten erfreulich, Gleichgesinnte zu\nfinden; in der heutigen Zerfahrenheit und egoistisch-mate-\nriellen Richtung des Künstlerlebens nimmt man jedoch ein\ndoppeltes Interesse an jeder objectiven Anschauung der\nKunst. Wenn der Davidsbündler jugendliche Phantasieen\nungeachtet ihres häufig offenbarten Uebermuthes dennoch\nTheilnahme erregten, so hatte dieses seinen Grund in der\nTüchtigkeit und Gediegenheit, wie in der Hingebung, mit\nwelcher sich Mendelssohn an die alten Kunst-Heroen an-\nlehnte und zu den mitunter extravaganten Expectorationen\nder jungen Herren liebenswürdige und gediegene musica-\nlische Illustrationen machte. Man sah, wo das hinaus\nkonnte, und durfte auch von den anderen eine Entwick-\nlung der Kunst, nicht bloss ins Blaue hinein, hoffen und\nerwarten. Wie ganz anders dagegen die jetzige leipziger\nGesellschaft! Eine unglückliche Cameraderie, die nichts\nweniger als aus Propheten einer gedeihlichen Zukunft be-\nsteht; sie will Kunstgeschichte machen, die sich nach ihrer\nVorschrift gestalten soll; im Ganzen ein Schwindel, theils\nder Eitelkeit, theils des materiellen Bedürfnisses. Mir thut\nLiszt dabei leid, dessen stets excentrische Wege sich jetzt\nim Sande zu verlaufen drohen. Die Nachtreter und Nach-\nbeter sehen seinen genialen Sprüngen mit Erstaunen und\ndemüthiger Anbetung nach. Ich habe mir seine Messe für\nMännerstimmen kommen lassen. Man sieht ihr den guten\nWillen an, sich in eine lebendige Anschauung ihres Textes\nzu vertiefen und dafür eine passende musicalische Form\nzu finden. Aber bald wird ihm derSpass zu lang; er macht,\ndass er damit fertig wird, und entschuldigt sich wohl bei\nsich selbst mit der Unzulänglichkeit der Kräfte des Män-\nnergesanges für eine gleichmässige Durchführung. Es läuft\nAlles auf Effect hinaus.\nUnsere musicalischen Blätter sind grösstentheils gleich\nunerquicklich, und nur Eine Zeitung gewährt den Trost,\ndie musicalischen Angelegenheiten der Zeit von einem un-\nparteiischen und zeitgemässen Standpunkte betrachtet zu\nsehen. Betrachten Sie obige Worte als den\ndankbarsten Ausdruck eines Gleichgesinnten für die Freude,\nsich nicht vereinsamt zu fühlen. Persönlich bin ich Ihnen\nauch noch zu Danke verpflichtet. Sie haben mir durch die\nErwähnung und Beurtheilung meiner kleinen Schrift über\nBach's Matthäus-Passion viel Liebe erwiesen, da sie mich\nfast überhoben hat, die Vorrede der neuen Ausgabe der\nBach-Gesellschaft zu beachten. Doch glaube ich im In-\nteresse der Sache nicht ganz schweigen zu dürfen und\nsende Ihnen anbei einen Aufsatz über den Gegenstand*).\nIch habe mich mehr gegen Rochlitz's Ansicht gewandt,\ndie der Redacteur der Passion recipirt hat, als gegen die-\nsen selbst, schon um der Welt nach der keineswegs harm-\nlosen Polemik Dehn's gegen Becker nicht zu zeigen, es\nherrsche fortdauernd Krieg im Lager der Bachianer.\nEigentlich ist es freilich nicht zu rechtfertigen, dass er bei\nv. Winterfeld z. B. nicht ein paar Seiten weiter gelesen,\nals er gerade für den Augenblick bedurfte; selbst der Ver-\nfolg des Rochlitz'schen Aufsatzes musste ihn aufmerksamer\nmachen.\nWir haben hier Musikfest gespielt, das Jubiläum des\nschlesischen Schullehrer-Gesangvereins gefeiert. Als Volks-\nfest war die Sache sehr beachtenswert!! und vom besten\nErfolge gekrönt. Leider hat die Presse dabei einigen\nSchwindel losgelassen; doch da es zum Vortheil der Sache\nselbst geschah, so thut man gut, dabei sich zu beruhigen.\nIch habe mich nicht mitwirkend dabei betheiligen können,\nweil die Jahreszeit mein Völklein in alle vier Winde zer-\nstreut hat. Ich fürchte, diese Sorte von Presse, die ich wei-\nter nicht liebe, wird es nicht ohne Apostrophe gegen mich\nhingehen lassen. Eine gewisse Gattung von Literaten weiss\ndas und rächt sich dadurch, dass sie in ihren Berichten\nnach auswärts meiner Akademie nie erwähnt. Hierorts\ngeht das nun freilich nicht gut an, und sie muss schon zu\nZeiten in den sauren Apfel beissen. Allerdings ist die\nSing-Akademie Vielen ein Dorn im Auge; sie soll es nach\nmeinem Willen auch bleiben als Aritidotum gegen Mord-\ngrundsbruck u. dgl.; ich habe mir wenigstens vorgenom-\nmen, nicht zu rasten, so lange die Kräfte nicht gebrochen sind.\nUnd nun leben Sie wohl; erhalten Sie auch ferner\nSich Ihren Eifer und Ihre Sorge für das Gedeihen und\nfür die Verbreitung des Kunstsinnes. Tüchtige Vorkämpfer\nthun ihr noth. Die neue „Wiener Monatschrift\" geht scharf\nzu Werke; das ist in Wien doppelt ehrenwerth. Ob es\naber hellen wird? Ich glaube nicht. Der wälsche Gusto,\num mich wienerisch auszudrücken, ist zu sehr mit ihren\nFleischtöpfen verwachsen, als dass die Wiener anders als\nmit Achselzucken dieses ihrer Meinung nach schulmeister-\nliche Gebahren ansehen könnten. Panem et Circenses, wei-\nter kennen sie nichts, und der Theater-Sänger- wie der\nTheater-Recensenten-Unfug ist mit den gebackenen Händin\nin den Norden eingedrungen, den unsinnigen Beifalls-Fu-\nrore und Fanatismus dazu im Gefolge als passenden Bei-\nsatz. Doch verzage ich nicht; es ist so heillos schlecht\nin diesem Punkte geworden, dass alle Theater in ganz\nDeutschland wackeln. Die Speculanten werden alle zu\nGrunde gehen, es werden sich keine neuen finden, die\nihren Geldbeutel zu Markte tragen wollen, und dann muss\nes besser werden, und so wird es sein. Dess wollen wir\nuns freuen. Nehmen Sie die Versicherung u. s. w.\nBreslau, 3. August 1855.\n\n*) „Die Choräle bei J. 8. Bach\", Nr. 33 d. Jahrg. 1855.\n\nMosewius."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590416-01.1.6", "texte": "Wir schliessen einige Stellen aus Mosewius1 Ana-\nlyse der Matthäus-Passion von J. S. Bach an, welche\nals Commentar zu den Aeusserungen in obigem Briefe\ndienen können und zugleich heute hier recht an ihrer\nStelle sind, um auf die Aufführung jenes wunderbaren\nTonwerkes am Palmsonntag, den 17. d. Mts., auf-\nmerksam zu machen.\nDie erste lautet (S. 25):\n„Das Volk spricht das Todesurtheil über Christus\n(11. Theil, Nr. 43—45). Aber wie naturgetreu führt dies\nBach herbei! Nicht wie aus Einem Munde, in einmüthiger\nUeberzeugung erfolgt das Urtheil; nein, Einer fängt an,\nEiner sagt es dem Anderen nach; sie fallen einander ins\nWort; Jeder will es dann zuerst gesagt haben, bis sich\nendlich Alle in derselben Meinung verbinden. Und wie\nwechselt die Tonart! Oben im Chor des ersten Theiles tritt\nnicht einmal eine Septime bedeutend hervor, kein Vorhalt\nerzeugt eine Dissonanz. Hier bewegt sich in fünf Tacten\ndie Harmonie aus E-moll nach C-dur, A-moll, F-dur und\nwieder durch C-dur und C-mollnach und schliesst\nmit geschärfter grosser Terz. Septimen bleiben als vorhal-\ntende Quarten liegen, die None vor der Octave macht sich\ngeltend und verbindet sich mit ihr. Schon ist der Zorn er-\nregt, das Vorurtheil lodert zum Hasse auf.\n„Wüthend verhöhnen sie den Geschlagenen i Doppel-\nchor): „„Weissage, weissage!\"\" Mit entsetzlichem Ge-\nschrei einander überbietend, wird der Geschmähte herum-\ngezerrt; ein Theil brüllt, der andere lacht; grinsend um-\nsteht die tobende Menge mit geballten Fäusten den Lei-\ndenden. Hier schlägt die kleine None scharf ätzend hinein,\nsich immer wieder von der schon erreichten Octave zur\nherben Dissonanz hinaufschwingend; sie selbst lös't sich\nnur vorübergehend auf; die Grundstimme zieht sich durch\nsie hinauf, so dass der sie darstellende Ton durchgehends\nzur Geltung kommen und sich noch aufwärts bewegen\nkann. Der Tonsatz bewegt sich harmonisch in steter\nUnruhe fort, er scheint endlich nach abschliessen\nzu wollen und bricht plötzlich zu vollem Schlüsse in\nab eine der grossartigsten dramatischen Scenen, die je-\nmals componirt worden sind, voll Wahrheit und tiefen\nEindrucks auf den Zuhörer. - Wir hören häufig von\nAesthetikern der neuesten Schule den Grundsatz ausspre-\nchen, die Musik müsse eine Wahrheit werden. Man müsste\nganz etwas Anderes, Neues, nie Dagewesenes in dieser\nHinsicht erfinden. Wie wenig es auch unsere Absicht\nist, eben hier polemisiren zu wollen, so können wir uns\ndoch eben hier der Frage nicht enthalten: Ist denn\ndies nicht Wahrheit, was uns Bach zunächst in der vorlie-\ngenden Scene gegeben hat? volle, naturgetreue Wahrheit,\nin hoher künstlerischer Vollendung musicalisch dargestellt?\nWeder Gluck noch Mozart hat etwas geschaffen, von\nwelchem man behaupten dürfte, es überträfe an Grossar-\ntigkeit, dramatischer Wahrheit und Wirkung die vorlie-\ngend betrachteten Momente der Leidensgeschichte. Grösse-\nres ist mir wenigstens weder in einer Oper, noch in einem\nOratorium, noch in irgend einem anderen Tonwerke aller\nComponisten aller Zeiten, die neueste mit eingeschlossen,\nnicht bekannt, und ich werde jedem dankbar sein, der\nmich eines Besseren zu belehren wirklich im Stande wäre.\nWenn man solchen Compositionen gegenüber hört: Die\nMusik muss eine Wahrheit werden! so möchte man fra-\ngen: „„Was ist musicalisch-dramatische Wahrheit?\"\"\nDa bleibt kaum ein Anderes übrig, als die Vermuthung,\nes gäbe eine ganz neue Wahrheit, in der Idee wenigstens,\ndie sich von selbst nicht fassen Hesse. Möchte die Kunst\ndoch fortschreitend noch recht bald sich so entwickeln,\ndass sie eine Anschauung dieser neuen Wahrheit darböte.\nBis daher scheinen die Beispiele zu fehlen.\n„Wir wollen aber alle Künstler, welche unseren Bach\nzu überbieten gedenken, oder hoffen, oder mindestens\nwünschen, darauf aufmerksam machen, sich die etwa da-\nbei aufsteigenden Zweifel sorgfältig und ehrlich zu beant-\nworten. Ehrlich, sage ich, dann hat es mit der Kunst\nkeine Gefahr, selbst wenn sie auch ein Irrthum täuschen\nsollte.\"\nDie zweite sagt aus:\n„Es erhellt hieraus, dass man in der Praxis eine zwie-\nfache Temperatur anwandte: auf dem Ciavier eine mög-\nlichst gleichschwebende, im Gesänge und auf solchen In-\nstrumenten, deren Töne auch der Höhe und Tiefe nach\ndem Spieler anheimgegeben sind, eine ungleichschwebende,\nveränderliche, vom eigenen Ermessen des Spielers abhän-\ngende, so dass die enharmonische Verwechslung als ein\nwirksames Ausdrucksmittel angewandt werden konnte, wie\nwir dies später in flaydn's Quartetten und Oratorien, in\nMozart's Werken und anderen Orts häufig antreffen kön-\nnen. Der neueren Zeit blieb es vorbehalten, neben dieser\nScheidung chromatischer Verhältnisse durch enharmoni-\nschen Wechsel beide mit einander zu verschmelzen und,\nwie wir das finden, eine Stimme z. B. in die Be-\ngleitung oder andere Stimmen in gehen zu lassen,\neine Ausdehnung der Temperatur auf ihrer nicht benö-\nthigte Instrumente, weiche die Ausübenden durch Zwei-\ndeutigkeit der Tonschrift verwirrt, an sich unausführbar\nist und nur zur Freude des clavicrspielenden, für die fei-\nneren Ton-Abstufungen ohrlos herangebildeten Heeres er-\nfunden zu sein scheint.\n„Die neueste Zeit wirft Alles durch einander, und\nohne das Walten ihrer grossen Vorbilder in der kunst-\nund seelenvollen Entfaltung des Tones an sich, seines in-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590416-01.1.7", "texte": "neren Anschlusses in hinströmendem Flusse an andere zur\nGestaltung inhaltsreicher Tonformen zu erkennen, bedient\nsie sich, so das Gehör als die Aufmerksamkeit ermüdend,\nin raschem Vorüberrauschen unerkennbarer Combinatio-\nnen, chromatischer und enharmonischer Tonfolgen, wird\ngänzlich melodielos und sucht diesen Mangel durch so ge-\nnannte geistreiche, grösstentheils mittels Reflexion und\nkümmerlicher Berechnung herbeigeführte Erfindungen zu\nersetzen. Damit hängt denn auch folgerecht der gänzliche\nMangel sinniger Anwendung eines einzelnen Instrumentes\nin seelenvoller Entfaltung seiner Eigentümlichkeit zusam-\nmen, und wo wir sie finden, erkennen wir nur zu deut-\nlich, dass nicht immanente Nothwendigkeit, sondern fast\nimmer nur das Bestreben, durch etwas ganz Besonderes\ndie Äulmerksamkeit zu reizen, ihre Anwendung an die\nHand gegeben hat. Beispiele davon liegen täglich vor\nAugen.\"\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\n■> %: • «\nAus Düsseldorf wird uns geschrieben: „Am 3. und am 12.\nd. Mts. wurde von Seiten der Künstler-Gesellschaft „Malkasten* *\nShakespeare's „Was ihr wollt\" aufgeführt, mit Musik von Julius\nTausch. Letztere fand vielen Anklang im Publicum, und wenn sie\nauch im Ganzen nur klein angelegt ist, so verdient sie ihrer anmu-\nthigen und gefälligen Weise wegen auch in weiteren Kreisen Be-\nrücksichtigung. Ganz vorzüglich gelungen sind die beiden Lieder\ndes Narren: ~0 Schatz! auf welchen Wegen\", und: „Komm herbei,\nkomm herbei, TodI'. In letzterem ist, ohne dabei trivial zu werden,\nder alte und schlichte Volkston, jene Weise, welche ~die jungen\nMädchen, wenn sie Spitzen weben\", zu singen pflegen, gut getrof-\nfen, und versetzt es den Zuhörer so recht eigentlich in die von dem\nDichter beabsichtigte Stimmung. (Das Schlusslied des Lustspiels,\nzu Pfeife und Trommel zu singen, war leider weggelassen.)'*\nDas auf vergangenen Samstag von Fräul. Mösner angekündigte\nConcert ist leider (wahrscheinlich wegen mangelnder Theilnahme)\nbis auf Weiteres verschoben, hoffentlich aber nicht aufgehoben; auch\nsang an demselben Tage Herr Beck aus Wien als Teil vor einem\nschwach besetzten Hause! Sobald hier der Frühling grünt und\nblühfy bleiben Theater und Concertsäle leer und verlassen.\n** Crefeld. A m 4. d. Mts. gab Herr Musik-Director C. Rei-\nnecke aus Barmen hier eine musicalische Unterhaltung, in welcher\ner Solostücke von Chopin, St. Heller, Beethoven (Sonate in D-moll),\neigene Variationen über ein Thema von J. S. Bach und zum Sehluss\ndas Quintett von R. Schumann spielte. Fräul. Wölfel aus Aachen\ntrug einige Lieder vor. Das Local war der Stimme nicht günstig ;\ndie technische und ästhetische Ausbildung der Sängerin befriedigte.\nGeehrter Herr Redacteur!\nIch bitte um Aufnahme dieser Zeilen und um Entschuldigung,\ndass ich nochmals der Broschüre des Herrn Sobolewski, „Das Ge-\nheimniss der neuesten Schule\", erwähne. Genannter Herr\nbeantwortet nämlich meine Besprechung seiner Broschüre in Nr. 9\nIhrer Zeitung mit einem Artikel in der Neuen Zeitschrift für Musik\n(Nummer vom 1. April;, der für die Feinheit seines Verfassers aufs\nNeue glänzendes Zeugniss ablegt. Sachliche Widerlegungen meiner\nVorwürfe finde ich darin nirgend, nur bissige Ausfälle des gereizten\nHerrn; es gibt ein altes Sprüchwort: Getroffene Hunde bellen.\nDie erste Rüge des Herrn Sobolewski besteht darin, dass ich sei-\nnen tarnen mit einem y, statt mit einem i geschrieben habe; dafür\nbitte ich ihn tausendmal um Verzeihung, versichere ihm, dass dies\ndie Sache allerdings wesentlich ändert, und dass mein ganzer Arti-\nkel veiinuthlich unterblieben wäre, hätte ich diesen wichtigen Um-\nstand besser beachtet.\nWenn Herr Sobolewski aber glaubt, ich habe seine Broschüre\nfür ein Lehrbuch der Tonkunst angesehen, so irrt er sich; das wäre\nmir am allerletzten eingefallen. Er berichtigt sodann, dass Pag. 27\nin seiner Broschüre (resp. in dem von mir daraus gebrachten Citat)\nnach den Wörtern die uns das Wort geläufig einzuschalten sei.\nIch ersuche alle Leser meines Artikels, dies nachträglich zu thun,\nund zu versuchen, ob es ihnen selbst dann möglich sein wird, zwi-\nschen dem Vorder- und Nachsatze einen vernünftigen Zusammen-\nhang herzustellen. Herr Sobolewski räth mir ferner, zu besserem\nVerständnisse der Broschüre seine „Debatten\" anzuschaffen —\neine recht hübsche Abnehmer für dieselben zu werben; aber\nich bedaure, der Einladung nicht Folge geben zu können, da mich\ndie eine Piobe davon (die Broschüre ist nämlich daraus entnommen)\ngenugsam abgeschreckt hat.\nSchliesslich sagt mir Herr Sobolewski: „Adieu, Herr Scholz in\nNürnberg!\" Es ist recht höflich von ihm, um so mehr, als ich mich\nnicht entsinne, ihm jemals „guten Tag\" gewünscht zu haben.\nIch wüsste noch allerlei zu sagen, doch fürchte ich, Ihre Leser\nverübeln es mir, wenn ich noch länger von Herrn Sobolewski rede.\nLeben Sie wohl! Ihr ergebener\nHannover, 10. April 1859. Bernh. Scholz.\nFl'Ällfiifiii't« Am I. April gab der Vorstand des Museums\ndem Witwen- und Waisen-Fonds des frankfurter Orchesters ein Be-\nnefiz-Concert, das, zahlreich besucht, auch einen grossen künstleri-\nschen Erfolg hatte. Darin zeichneten sich aus Fräulein Emilie\nSchmidt aus Darmstadt und der Pianist Ehrlich. Auch erregte\neine Scene und Arie von C. A. Mangold (Johanna d'Arc nach\ndem Schiller'schen Monologe), die er selbst leitete, ebenfalls von Frl.\nSchmidt vorgetragen, ein allgemeines Interesse. Mozart's Jupiter-\nSinfonie und Cherubini's Anakreon-Ouverture bildeten den Rahmen\nzu diesem ausserordentlichen eilften Museums-Concerte.\nEjeipzig. Wie bereits aus der Ankündigung in Nr. 1 der\nNeuen Zeitschrift für Musik vom 1. Januar d. J. bekannt sein wird,\nbeabsichtigen die Unterzeichneten in den Tagen vom 1 bis. 4. Juni\neine Tonkünstler-Versammlung, verbunden mit musicali-\nschen Aufführungen in Leipzig zu veranstalten. Erster Tag,\nMittwoch den 1. Juni, Abends 6 Uhr, grosses Concert im hiesigen\nStadttheater mit Werken von Schumann, Schubert, Mendelssohn,\nBerlioz, Wagner, Franz und Liszt. Nach dem Concerte Zusammen-\nkunft im Schützenhause. — Zweiter Tag, Donnerstag den 2. Juni\n(am Himmelfahrts-Tage), nach dem Vormittags-Gottesdienste um\nhalb II Uhr wissenschaftliche Vorträge im Saale des Schützenhau-\nses. Zur Eröffnung einleitender Vortrag der Redact. der Neuen Zeit-\nschrift: ,,Zur Anbahnung einer Verständigung\". Nachmittags 4 Uhr\nAufführung der zur Einweihung des graner Domes componirten Fest-\nmesse von Franz Liszt, unter Leitung des Componisten. Abends\nUhr Festmahl im Saale des Schützenhauses. — Dritter Tag, Freitag\nden 3. Juni, mündliche Vorträge und Besprechungen über gestellte\nAnträge im Saale des Schützenhauses. Anfang Uhr. Ende gegen\n3 Uhr (mit den nöthigen Pausen). Abends 6£ Uhr Aufführung der\nhohen Messe in ll-moll von Seb. Bach durch den Riedel'schen Ver-\nein, unter Leitung des Herrn Musik-Directors Riedel Nach der Auf-\nführung Zusammenkunft im Schützenhause. — Vierter Tag, Sams-\ntag den 4. Juni, lOi Uhr Matinee für Kammermusik im Saale des"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590416-01.1.8", "texte": "Gewandhauses, unter Mitwirkung hiesiger und auswärtiger Künstler,\nu. A. des Hof-Quartetts der Herren Gebr. Müller aus Meiningen.\nHiermit Schluss der Versammlung. — Unter den bis jetzt bestimm-\nten Vorträgen machen wir namhaft: Staats-Anwalt Dr. Ambros in\nPrag: „Ueber Werth und Bedeutung des jetzigen Standes der Musik\nund Musikpflege in Beziehung auf allgemeine Bildung.\" Herr Ge-\nsanglehrer Gustav Nauenburg in Halle: „Physiologie des menschli-\nchen Gesangorgans im Streite mit der praktischen G&sanglehre.\"\nHerr Dr. Pohl in Weimar: ,,Die Stimmungsfrage.'• Ausserdem ha-\nben Herr Musik-Director Weitzmann und Herr Gesanglehrer Ferd.\nSieber in Berlin Vorträge zugesagt, zur Zeit jedoch noch ohne An-\ngabe der Gegenstände. Ferner haben bis jetzt die Herren Hofpianist\nH. v. Bülow, F. Dräseke, Karl Gollmiek, Musik-Director Louis Köh-\nler, Dr. R. Pohl, Musik-Director Julius Schäffer, Dr. Adolf Stern\nBetheiligung bei Vorträgen und durch Anträge in Aussicht gestellt.\nDa es Manchen interessiren dürfte, bei dieser Gelegenheit die herr-\nliche Orgel im Dome zu Merseburg kennen zu lernen, so wird Herr\nMusik-Director Engel Sonntag den 5. Juni, Nachmittags, daselbst\nein grosses Orgel-Concert veranstalten. — Unter den „näheren\nBestimmungen'' ist zu beachten: Da selbstverständlich die Zahl\nunserer speciellen Einladungen nur eine sehr beschränkte sein kann,\nindem uns häufig Wohnort und Adresse oder zufälliger Aufenthalts-\nort unbekannt sind, so bitten wir, im Falle keine speciellen Einla-\ndungen erfolgen, die gegenwärtige Bekanntmachung als solche zu be-\ntrachten und auch ohne directe Aufforderung sich zu betheiligen und\ndie Anmeldungen uns zugehen zu lassen. Besondere Kosten erwach*\nsen aus der Betheiligung nicht, so dass die resp. Theilnehmer nur\nihre Privat-Ausgaben während der ganzen Dauer des Festes zu be-\nstreiten haben. Eben so ist der Zutritt zu den Aufführungen für alle\nunsere Gäste frei und unbeschränkt. Lediglich das Concert im Theater\nmacht hiervon in so weit eine Ausnahme, als uns für dasselbe nur\neine bestimmte Zahl von Freibillets zu Gebote steht.\nLeipzig, Mitte April 1859.\nDr. Franz Brendel. C. F. Kahnt.\nHBreslttie, April 1859. Von den immer seltener werdenden\ngrösseren musicalischen Büchersammlungen ist in letzter Zeit wie-\nderum die werthvolle Bibliothek des verstorbenen Musik-Directors\nl)r. Mosewius, Vorstehers unseres akademischen Musik-Vereins,\nin den Besitz eines Antiquars übergegangen. Während nämlich der\ngrössere Theil der Notensammlung des Verstorbenen durch testa-\nmentarische Verfügung an die Akademie gekommen ist, hat den\nganzen Büchervorrath das hiesige Maske'sche Antiquariat erworben;\ndasselbe wird schon in nächster Zeit dem Publicum ein Verzeichniss\nder Sammlung übergeben» Die Bibliothek ist namentlich an älteren\nWerken deutscher musicalischer Literatur, wie Mattheson's, Kirn-\nberger's u. A m,, reichhaltig, und verspricht so dem kritischen Mu-\nsikfreunde eine seltene Gelegenheit zur Erwerbung historischer Ma-\nterialien. Neben dieser Sammlung besitzt obige Handlung eine nicht\nunerhebliche Collection von Partituren wie Stimmen von Kirchen-\nmusiken, namentlich italiänischer Meister, wie Gabrieli's, Scarletto's,\nPergolese's und vieler Anderen. Wir machen desshalb auf den näch-\nstens erscheinenden Katalog aufmerksam\nDem grosaherzoglich mecklenburgischen Hof-Cap elimeist er Herrn\nGeorg Aloys Schmitt, Sohn von Aloys Schmitt in Frankfurt,\nwurde dieser läge von Sr. Königlichen Hoheit dem Grossherzog von\nMecklenburg-Schwerin nebst einem verbindlichen Cabinetsschreiben\nals Anerkennung seiner Verdienste um die musicalische Geschmacks-\nrichtung des Schweriner Publicums eine Diamant-Vorstecknaiel als\nEhrengeschenk zu TheiL\nB e r i c h t i g u n g. In Nr. 14 dieser geschätzten Blätter (Berliner\nBriefe, Pag. 103, Spalte 2) lesen wir von den Erfolgen des Violi-\nnisten Herrn Concertmeisters Wolff au3 Frankfurt am Main, und\nmöchten zur Vermeidung einer Namensverwechslung\njene Notiz dahin berichtigen, dass damit nur Herr Maximilian\nWolff gemeint sein kann, welcher früher allerdings am frankfurter\nOrchester engagirt und ein Schüler von Heinrich Wolff war,\naber niemals dort Concertmeister gewesen ist. Heinrich\nWolff, welcher sich durch seine früheren Reisen und später durch\nseinen in Frankfurt gestifteten Quartett-Öirkel einen berühmten Na-\nmen erworben, und sich nun, nebenbei gesagt, zum Bedauern aller\nKunstfreunde der Oeffentlichkeit immer mehr zu entziehen scheint,\ndieser befindet sich noch in seiner Function als Concertmeister und\nerster Sologeiger am frankfurter Orchester und ist nicht mit Herrn\nMaximilian Wolff zu verwechseln, der gegenwärtig im nördlichen\nDeutschland Concerte gibt. Gr.\nMeyerbeer's neueste Oper. Die „Wiener Recensionen''\nvom 6. April schreiben : „Mehrere hiesige (wiener) Blätter meldeten\nbereits am dritten und am vierten April den ausserordentlichen\nErfolg von Meyerbeer's Oper in Paris.\" — Dieselbe ist aber erst\nam vierten Abends zum ersten Male gegeben worden!!!\nDie Inddpendance in Brüssel, die Kölnische Zeitung und die\nberliner Musik-Zeitung hatten am 6. April Nachmittags bereits aus-\nführliche Berichte darüber.\nDa der pariser Correspondent der Niederrheinisohen Musik-Zei-\ntung nicht zu den Begünstigten gehört, die zu der Generalprobe\neingeladen zu werden pflegen, und überhaupt nicht zu den Primeurs-\nLäufern gehört, so wird er wohl die Oper erst einige Mal gründlich\nanhören wollen, ehe er berichtet. Unsere Leser müssen sich also\nnoch etwas gedulden."}]}