{"numero_id": "bm-bmtnabi-1859-05-07-01", "volume": "bmtnabi_1859-05-07_01", "ocr_sha256": "a50f35102bf6b4c819f0d599dbd0c5392acda2b4d3baedb2bb6c8b8ec583a36e", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1859/05/07_01/bmtnabi_1859-05-07_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590507-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1859-05-07-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-05-07_01#c001", "volume": "bmtnabi_1859-05-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "145", "page_fin": "145", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590507-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "145", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590507-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 286, "texte": "Inhalt.\nPariser Briefe („Le Pardon de PloermcP', komische Oper in drei Acten, Text von J. 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Barbier und M Carre, Musik von G.\nMeyerbeer]\nI.\nWenn ich in meinem letzten Briefe (s. Nr. 1, 4, 5\ndieses Jahrgangs) über die Unfruchtbarkeit des gegenwär-\ntigen pariser Bodens an Opern-Compositionen klagte, so\nkönnte ich jetzt ein Freudenlied anstimmen; denn ich habe\nja noch über vier Opern zu berichten, die seitdem hier\nin Scene gegangen sind! Es sind der Reihe nach folgende:\n1) Felicien David's vulcanisch-tragisches „Hercula-\nnum\" (den 4. März)—- 2) Victor Masse's höchst komi-\nmische „Fee Carabossa\" (den 7. März) 3) Gounod's\nimportirter „Faust\" (den 19. März) und 4) Meyer-\nbeer's „Pardon\" (den 4. April). Da dieser letzte den\nmeisten Lärm in der hiesigen Welt und in den Journalen\ngemacht hat und fast allgemein als „Ablass\" für alle\nMeyerbeer'schen Sünden, als neuester Beweis, dass das\nGenie unverwelklich ist, oder gar als Metamorphose des\nGenius verkündet worden ist, so muss ich wohl mit ihm\nbeginnen, obwohl ich dadurch einen Anachronismus be-\ngehe, der eigentlich um so weniger zu entschuldigen ist,\nals der Gegenstand meines Berichtes ganz und gar in der\nZeit wurzelt, d. h. nicht die Verwirklichung t...es künst-\nlerischen Ideals, sondern die Befriedigung des Geschmacks\ndes heutigen musicalischen Publicums sich zur Aufgabe\ngestellt zu haben scheint. Diese Aufgabe hat der Compo-\nnist denn auch, wenigstens für das pariser Publicum, auf\neine Weise und durch Mittel gelös't, deren richtige Be-\nrechnung ein unbestreitbarer Erfolg bewiesen hat. Alle\nWelt ist entzückt und voll Bewunderung, und wer es nicht\nist, der ist Mann von Welt genug, es der Welt nicht zu\nsagen. Aber die Musiker? Nun, die Grosshändler unter\nihnen gehen an einander vorüber, wie die Augurn im\nalten Rom; die Kleinhändler und Krämer ärgern sich, dass\nsie bei demselben Willen nicht dasselbe Glück denn das\nTalent trauen sie sich natürlich alle zu wie Meyerbeer\nhaben; ein kleines Häuflein nicht speculirender Musiker\nund solcher, die noch an den Ernst der Kunst glauben,\nsitzen beisammen, tauschen ehrlich ihre kritischen Beden-\nken gegen einander aus und erheitern sich an den Jour-\nnalen—leider auch deutschen! —, deren Lobhudelei dieses\nMal dermaassen über einen Kamm geschoren ist, dass\nboshafte Zungen behaupten, es sei nach oder gar während\nder General-Probe eine lithographirte Correspondenz an-\ngefertigt worden, die dann sofort als allgemeine Grundlage\ngedient habe. Die Parole soll darin gelautet haben: Glän-\nzende Gesellschaft, Toiletten, Brillanten—Verwerfung des\nLibretto Schweigen über den deutschen Maschinisten\nund seine Decorationen einzige und alleinige Ursache\ndes Erfolgs: die Musik—Meyerbeer's Genie Meyerbeer's\nUmkehr zur idyllischen Poesie, zu einfacher Natürlichkeit\n- Apotheose.\nSonderbarer Zufall allerdings, dass ausführliche Feuil-\nletons in ausländischen Blättern, die dieses Mal den hiesi-\ngen vorausgelaufen waren, namentlich in einem belgischen\nund zwei deutschen, dem obigen Turnus ganz überein-\nstimmend folgten und bereits am 6. April gedruckt wa-\nren, während die ersten Berichte in den hiesigen Zeitun-\ngen erst am 9. und 10. April erschienen.\nErgötzt hat es uns aber—ich meine das kleine Häuf-\nlein der „Beisammensitzenden\", das zur Hälfte aus Deut-\nschen besteht—, dass auch manche hiesige Artikel dieselbe\nReihenfolge der Betrachtungen zeigten! Wie gesagt, es\nhat uns bloss ergötzt andere Deutungen liegen uns fern*).\nAllein wir konnten nichts dagegen, dass auch Neider, die\n\n.*) Wie würde dieses Häuflein sich ergötzt haben, wenn es in\nden ~Wiener Recensionen\" Nr. 14 gelesen hätte, dass wiener\nBlätter bereits am 3. und 4. April also vor der Auffüh-\nrung, den ausserordentlichen Erfolg der Oper gemeldet haben!\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "146", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590507-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5375, "texte": "jeder Künstler hat, sieh zu uns setzten. Am harmlosesten\nwaren diejenigen, die ganz naiv gestanden: „Wir haben\nes gerade so versucht, wie er: aber der Teufel überbietet\nuns alle!\"\nNach dieser Einleitung, in der ich wahrlich gegen\nmeine Gewohnheit auf den pariser Klatsch zu sprechen\ngekommen bin, wirst Du schwerlich erwarten, mich in die\nallgemeine Posaune stossen zu hören. Ich gestehe, dass ich\ndas gemeinsame Blasen auf Einem Mundstücke, und wenn\nes auch noch so sehr erweitert wäre und wirklich ganz\nrein gehalten würde, nicht liebe. Ich will hingegen den\nVersuch machen, auch denjenigen, welche die Oper nicht\ngehört haben, durch eine so viel als möglich objective\nAnalyse derselben Gelegenheit zu geben, sich selbst, wo\nnicht einUrtheil zu bilden, doch Stoff zu Betrachtungen und\nErwägungen bei vielleicht späterem Hören zu sammeln.\nDie Ouvertüre ist diesmal gegen Meyerbeer's Ge-\nwohnheit wesentlich, denn sie hat ein bestimmtes Pro-\ngramm; sie ist sogar mehr als blosse Programm-Musik,\nsie bildet eine Art von Vorspiel, bei welchem sich der\nChor, obwohl unsichtbar, betheiligt. Der Inhalt unterschei-\ndet sich aber dadurch von anderen Prologen oder wirkli-\nchen Vorspielen (z. B. den Marschner'schen im Vampyr\nund in Hans Heiling), dass er nicht auf das Drama, d. h.\nauf das, was geschehen soll, vorbereitet, sondern das, was\nvorher geschehen ist, darstellen will.\nDas Wort Pardon bedeutet „Erlass\", „Ablass\" im\nkirchlichen Sinne; früher nannte man auch das Jubiläum\nle grand pardon. In der Bretagne bestehen jährlich wieder-\nkehrende Kirchenfeste unter demselben Namen, und von\neinem solchen in dem Dorfe Ploermel ist hier die Rede.\nFür Deutschland würde allerdings der Titel: „Die Wall-\nfahrt nach Ploermel\" besser klingen. Auch findet dort ein\nbesonderer Marien-Cultus Statt, der durch Wallfahrten ge-\nfeiert wird. Es ist bekannt, dass die Kaiserin Eugenie selbst\neinmal zu frommem Zwecke dort war. Dass dieses auf die\nWahl des Titels und auf den Erfolg bei den Allerhöchsten\nPersonen Einlluss gehabt habe, gehört ebenfalls in den\npariser Klatsch.\nDas Programm der Ouvertüre lautet nun: Kirchgang\neines Brautpaares zu Ploermel während der Procession des\nAblassfestes ein Gewitter unterbricht den Zug und zer-\nstört den kleinen Besitz der Braut, was den Bräutigam in\ndie weite Welt treibt, um Schätze zu sammeln, und die\nBraut dem Wahnsinn zur Beute gibt, in welchem sie nur\nTrost durch die Anhänglichkeit an eine Ziege findet.\nMeyerbeer hat die Aufgabe mit grossem Talent ge-\nlös't; wenn aber die Berichte—wiederum einstimmig (mit\nAusnahme von Fetis in der Gazette musicale und Berlioz\nin den Debats) meinen, die Einleitungs-Sinfonie »ver-\nsetze uns auf der Stelle in die Bretagne\", so gehört das\nwie so vieles Andere in das Reich der Einbildung. Die\nOuvertüre, Allegro animatoin ('/ö-Tact, beginnt\nnach einigen mysteriösen tiefen Klängen des\nklangs ohne Terz mit einer säuselnden Sechszehntel-Figur\nder Violinen ppp mit Sordinen, die wie Vogelgezwitscher\nklingt; da sie sich aber im Laufe der Oper zwei Mal beim\nAuftreten der wahnsinnigen Dinorah wiederholt, so mag\nsie wohl mehr das phantastische, märchenhafte Wesen die-\nser Erscheinung andeuten, was ihr denn auch ganz artig\ngelingt, abgesehen davon, dass die Farbe an Mendelssohn's\nduftige Sommernachts-Musik erinnert. Meyerbeer hat uns\ndadurch offenbar in medias rein die Mitte der Situation,\nmit der die Handlung beginnt, führen wollen. Dies be-\nweist die unmittelbare Folge dieser etwa zwanzig Tacte\ndauernden Figuren, ein munter hüpfendes Thema, einge-\nleitet oder geläutet durch die Klänge eines allermöglichst\nfein und hoch gestimmten Glöckchens (im viergestrichenen\nfis). Dieses Thema kehrt in derselben Art in Nr. 2 wieder,\nwährend die Ziege sich zum ersten Male producirt und von\nHügel zu Hügel springt. Wir haben also hier sogleich die\nmusicalische Einführung von zwei Hauptpersonen des Dra-\nma's, der Wahnsinnigen und der Ziege. Zwar meint Di-\nnorah, „die Welt halte sie und die Ziege für verrückt\"\n(Nr. 2), aber daran braucht man nicht zu glauben, denn\ndas Ziegen-Thema ist ganz gesund, wenn auch nicht so\noriginel, wie die Idee der Ziege selbst, die übrigens in\nDeutschland, ausser bei den Herren Bock & Bote, welche\ndie Oper dem Vernehmen nach für ihr Vaterland gekauft\nhaben, wenig Beifall finden dürfte. Kurz, das Thema wech-\nselt mit einigen scharf rhythmisirten Fanfaren und mit einem\nzweiten, noch weniger durch Neuheit überraschenden Mo-\ntiv ab, bis es nach einem Schlüsse auf in ein\nfurchtbares c,durch alle Octaven unisono, fällt. Dass dieses\ndrei Mal wiederholte c fffetwas Bedeutendes ankündigt,\nist klar, und wirklich ertönt nach einigen leisen Ueber-\ngangs-Accorden nach As-dur hinter der Scene der Chor:\n„Sainte Marie, daigne exaucer nos voeux.'\" Ihm folgt ein\nProcessionsmarsch (Marcia religiosa), der mit einzelnen\nkurzen Strophen des Chors abwechselt, bis sich das Ge-\nwitter ankündigt, Allegro con 4/i-Tact, mit fort-\nwährenden Sextolen der Streich-Instrumente in Sechszelm-\nteln, welches uns, wie es einem Gewitter ziemt, durch alle\nFarben- und Tonarten endlich zu einer gewaltigen Stretta\nführt, die das ganze Stück mit einem triumphirenden Aus-\ndrucke schliesst.\nDieser zweite Theil der Ouvertüre vom Eintritt des\nChors an ist der längste und gehaltvollste. Der Chor hat\neine sanfte, schöne Melodie; der Uebergang aus in\ndurvor der Wiederkehr des Haupt-Motivs ist zwar nicht"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "147", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590507-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4976, "texte": "neu, aber von guter Wirkung. Der Marsch ahmt die Ein-\nfachheit einer Processionsmusik glücklich nach, Melodie\nund Harmonie desselben dürfen offenbar nur von diesem\nGesichtspunkte aus beurtheilt werden. Der Gedanke, das\nMotiv des Marsches und das Motiv des Chors zu der Durch-\nführung des ganzen zweiten Theiles zu benutzen, also die\nunterbrochene und doch immer wieder beginnende Pro-\ncessen während der verschiedenen Stadien des Gewitters\ngewisser Maassen im Tongemälde darzustellen, ist vom\n(Komponisten mit bekannter Meisterschaft in der Factur und\nInstrumentirung durchgeführt worden. Die Motive werden\nbald von Bass-, bald von Sopran-Instrumenten der Bläser,\nbald einfach, bald in voller Harmonie, und in verschiede-\nnen Momenten bald sanft, bald leidenschaftlich und stark\ndurch die Wogen des Sturmes und Wetters in den Scxto-\nlen-Figuren getragen; der Chor der Stimmen erklingt noch\nzwei oder drei Mal dazwischen, aber—sehr verständig\nnur mit dem kurzen Haupt-Motiv des Marienliedes, das\nletzte Mal (nach einer beruhigenden Melodie beim Schwin-\nden des Gewitters) in der Tonregion der eingestrichenen\nOctave (H-dur), während ein Flöten-Triller auf dem drei-\ngestrichenen fisdrei Tacte lang darüber schwebt. Darauf\nschliesst die Stretta in nja-Tact, H-dur, mehr lärmend als\nkräftig.\nDie Einwebung des Chors ist nicht bloss eine Laune,\nein gesuchter Effect, sondern sie ist wesentlich. Die Wir-\nkung der Klänge desselben Mariengesanges führt nämlich\nin der Oper die glückliche Schlusswendung herbei, die Hei-\nlung Dinorah's; sie glaubt sich beim Hören des Liedes\nnach einem langen Traume noch auf dem Brautzuge am\nvorjährigen Ablassfeste. Sollte die Zuhörerschaft diesen\nEindruck begreifen und gewisser Maassen theilen, so\nmusste derselbe Gesang auch von ihr schon einmal gehört\nworden sein, und das hat der Componist auf sehr wir-\nkungsvolle Weise durch dessen Einflechtung in die Ouver-\ntüre erreicht. Ob das neu ist oder nicht, darauf kommt es\nhierbei gar nicht an; es ist eben so verkehrt, Meyerbeer\nwegen der Neuheit ein Lob, als wegen des Vorgangs von\nDonizetti in „Les Martyrs\" einen Tadel zu spenden. Dass\nes hübsch ist und durch Einfachheit wirkt, ist das We-\nsentliche.\nIm Orchester gebraucht Meyerbeer hier und häufig in\nder Oper 4 Flöten (2 grosse und 2 kleine), 3 Oboen (1\nenglisches Horn und 2 Oboen), 3 Clarinetten (2 gewöhn-\nliche und 1 Bass-Clarinette) und Harfe; die Metall-Instru-\nmente wie gewöhnlich bei ihm, doch nicht übermässig\neinmal kommen jedoch fünf Hörner vor, in der Einlei-\ntung zum dritten Acte. Den Marsch in der Ouvertüre\nspielt das Geigen-Quartett und die Bass-Clarinette mit\nPizzicato der Bässe.\nMan wird schon aus dieser Analyse der Ouvertüre,\nsollte ich meinen, ersehen, dass von einem anderen Meyer-\nbeer, als der bisherige war, eben so wenig als von einer\nRückkehr zu „classischer Einfachheit\" die Rede sein kann.\nIch wiederhole, dass die Ouvertüre ein tüchtiges und elfect-\nvolles Stück moderner Musik ist; aber eben so wenig mag\nich verhehlen, dass die lanz-Rhythmen, welche in der\nganzen Oper, wie fast in allen neueren französischen Opern,\ndominiren, schon hier beginnen, und dass oft nur durch\ndie eigentümliche Harmonie und Instrumentirung das Ge-\nwöhnliche, um nicht zu sagen: das Triviale der Melodie\nverdeckt wird; ferner, dass die wohlfeile Steigerung und\nVorbereitung grosser Kraft-Eintritte durch chromatische\nCrescendo's auch hier nicht verbannt und durch Mittel,\nwie sie Mozart und Beethoven, und Spontini anzu-\nwenden wussten, ersetzt ist.\nDer Aufzug des Vorhanges zeigt uns eine wilde, ge-\nbirgige Landschaft, links unter einem Felsen eine Höhle,\ndie zu einer Wohnung umgeschaffen ist. Sie gehört dem\nDudelsackpfeifer Corentin (Tenor), der sie mit dem Du-\ndelsack von seinem Oheim Ivon geerbt hat. Die Abenddäm-\nmerung ist da, ein Chor von Landleuten, hübsch auf den\nHöhen gruppirt, besingt den Abschied eines schönen Tages\nund zieht sich zurück, indem er auf das Nahen der armen\nVerrückten deutet, die ihrer Ziege nachläuft. Die Melodie\nist ziemlich frisch, der Rhythmus etwas gesucht und polo-\nnaisenartig (B-dur,\"/4-Tact). In einem Zwischensatze von\nsechs Frauenstimmen mit Pizzicato der Violinen und Hände-\nklatschen der Bauern beginnt schon die Künstelei statt der\nKunst, das Pikante, dem wir nur allzu häufig im Verlaufe\ndes Ganzen begegnen, statt des Melodischen.\nUnter dem Säuseln der Violin-Figuren, welche wir\nschon aus dem Anfange der Ouvertüre kennen, eilt Dino-\nrah über das Theater, und bei dem hüpfenden Motiv, dem\nHaupt-Thema der Ouvertüre, springt die Ziege über die\nBerge. Dinorah kehrt zurück, ruft ihren Liebling und en-\ndigt mit einer kleinen Rakete:\nwelcher die kleine Flöte nachschiesst,—ein Pröbchen von\nder charakteristischen Einfachheit, die wir in der Partie\nder Mad. Cabel zu erwarten haben. Doch in der That, das\nWiegenlied in G-dur,2/4-Tact, das sie der Ziege singt,\ndie sie in Schlummer versunken wähnt, ist sehr einfach,\ndie Tacte:\nkönnte man sogar simpel nennen, und die Stelle:\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "148", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590507-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3520, "texte": "mag sich selbst rechtfertigen oder anklagen. Die Begleitung\nin den Violinen oder Violoncejls ist reizend; am Schlüsse\nzwitschern die Violinen in der Höhe ppp, während Dino-\nrah den Vögeln zuruft: Ckantez plus und sich entfernt:\nwas man freilich nicht mit dem Schlüsse des Elfenchors im\nOberon: „Viel zu laut!\" vergleichen darf, oder vollends\nmit Liedern von Weber, Schubert, Schumann und hun-\ndert Anderen, selbst bis auf Proch hinab!\nCorentin, der das komische Element der Oper par\nexcellencerepräsentirt, und zwar durch die noch nie da ge-\nwesene Rolle eines Poltrons, tritt auf und erklärt uns in\nCouplets, dass er zu denen gehört, die keine Courage ha-\nben. Die Couplets haben zwei Tempi, ein menuettartiges\nund ein bewegteres fi/8-Allegretto. Sie sind charakte-\nristisch genug; der %-Tact ist eigentlich ein VB-Tact,\nmacht aber, so wie er jetzt geschrieben ist, durch seine\ndreitactigen Perioden einen eigentümlichen rhythmischen\nEffect. Die Menuett-Strophe schliesst mit einer Spielerei\nzwischen wechselndem Duvund\npleins de courage: Moi,je suis de\ndie sehr belacht wird. Was hat der rührende Wechsel\nvon des und dam Schlüsse von Beethoven's\nim Fidelio für Stadien durchlaufen müssen, bis er zum\nkomischen Witz geworden!\nDarauf bläs't er ein Ritornell auf dem Dudelsack (hier\ndie Clarinette, später vertreten ihn auch Oboe und Fagott\nabwechselnd); eine Frauenstimme fallt wiederholend darin\nein und verflicht sich in lauter Imitationen mit demselben\nAlles bravourmässig, z. B.:\nEs ist Dinorah; sie dringt in das Zimmer und befiehlt dem\nvor Schreck Halbtodten, weiter zu spielen, und so entsteht\nein langes Duett zwischen Beiden, in welchem die Tollheit\nbis zum Abgeschmackten sowohl in der Handlung als in\nder Musik getrieben wird! Thema Nr. 1 eine Polka in\ndur, 2/4-Tact, von 8 Tacten; Nr. 2 syllabisches Intermezzo\nmit folgendem Schluss des Soprans:\nach t\nMal wiederholt, während der Tenor alle Heiligen anruft!\nNr. 3 Walzer, 3/3-Tact, 11 Tacte; Nr. 4 Dinorah:\nNr. 5 Tarenteile, 6/8-Tact, Dudelsack-Solo mit\ncanonischer Imitation der Singstimme auf die Svlbe la, 24\nTacte ohne Begleitung. Nr. 6 „Un autre\" wie oben; Nr.\n7 Polka in Fmit obligatem Dudelsack, 24 Tacte, dann\n„Un autreuauf andere Art:\nu. s. w.; Nr. 8 Wiederholung der ersten Polka in A-dur\nmit dem achtmaligen Triolenschluss auf h a gis wie oben;\nNr. 9 recitativisches Intermezzo, sie glaubt in Corentin\nihren Bräutigam zu sehen und zwingt ihn, mit ihr zu tan-\nzen; Nr. 10 langsamer Ländler, 3/4-Tact in dann\nbefiehlt sie dem Armen von Neuem, zu spielen, er beginnt\nmit einer ganz vertrackten Triolen-Passage, aber sie täuscht\nseine Hoffnung und singt auch diese Note für Note nach.\nBei dem Trio in As-dur wird sie müde, er auch, und\nsie schlafen beide ein. Dinorah „träumt\":\ndann nach dem Dominant-Accord hauchen Beide ihre letz-\nten Seufzer in Caus, sie:\nHier hast Du ein treues Bild vom neuesten und echtesten\nMeyerbeer. Es dürfte schwer sein, dieses Stück an Raffine-\nment zu überbieten; die Melodieen selbst—sie werden alle\nvon der Dinorah gesungen sind leider auch so entsetz-\nlich ordinär, dass das ganze Stück auf jeden Gebildeten,\n| #\nvollends aber auf jeden Musiker, der nur noch eine Faser\nvon Künstlernatur an sich hat, einen traurigen Eindruck\nmacht, zumal wenn man an die Hugenotten und an den\nRobert denkt. Sogar der Prophet ist von Anfang bis zu\nEnde goldener Weizen gegen dieses musicalische Häcksel.\nUnd nun lies die Berichte aus Paris von Franzosen und\nDeutschen über den „Ablass\" noch einmal! Alsdann will\nich Dich weiter führen!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-05-07-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-05-07_01#c015", "volume": "bmtnabi_1859-05-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "149", "page_fin": "152", "image_debut": 5, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590507-01.2.3", "titre_corps": "Louis Spohr.", "titre_sommaire": "Louis Spohr.", "signature_source": "C. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "149", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590507-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5413, "texte": "Louis Spohr.\nAus Meiningen.\n\no\nDer hochverehrte Meister Spohr, der einzige noch\nlebende Heros der altclassischen Musik, dessen grosse Ver-\ndienste um die Kunst seinen Ruhm längst in alle Welt-\ntheile getragen haben, brachte das grosse Opfer, zu uns\nherüber zu kommen und selbst die Direction verschiede-\nner seiner Compositionen zu übernehmen. Ungeduldig\nharrend stand die zahllose Menge auf dem Perron und er-\nwartete freudig die Ankunft des gefeierten Meisters. End-\nlich wurde der Zug sichtbar, und als er hielt, wer kann\ndas Gedränge, wer den Jubel der Menge beschreiben, die\nsich glücklich pries, den grossen Meister zu sehen, in sei-\nner Nähe sich zu befinden! Abends gewannen die Strassen\nMeiningens den richtigen Ausdruck einer Residenz. Massen\n.\\on Menschen aus allen Classen wogten auf und nieder,\nbis sie endlich vor Spohr's Wohnung sich dichter und\ndichter drängten und nur dem unter Militärmusik herbei-\nkommenden Fackelzuge Raum gaben. Zunächst sangen\nsämmtliche Männer-Gesangvereine mit Unterstützung der\nOpernsänger unter Capelimeister Bott's Leitung mehrere\nvierstimmige Männer-Quartette, unter anderen zum Schluss\nzwei Mal den herrlichen Marsch aus Jessonda: „Auf und\nlasst die Fahnen fliegen!\" Die Hofcapelle spielte die Spohr'-\nsche Serenade, und endlich erschollen dreimalige donnernde\nHochs auf Spohr, sinnig ausgebracht von Herrn Diaconus\nAusfeld und unserem Capelimeister Bott. Der folgende\nTag, an dem Spohr Abends, nachdem er vorher zur her-\nzoglichen Tafel eingeladen gewesen, die Concert-Probe\ndirigirte, brachte vom kunsteifrigen Publicum überfüllte\nTheaterräume; der Enthusiasmus erreichte aber seine Höhe\nam nächsten Tage, dem der Aufführung. Die Billets wa-\nren von Einheimischen wie Fremden natürlich längst bis\nauf den letzten Platz gekauft. Endlich waren alle Räume\ndes Theaters überfüllt, und eine lautlose Stille gab das auf\nSpohr's Erscheinen freudig gespannte Interesse des Publi-\ncums kund — da erschien er, der grosse Meister, geführt\nvon seinem ihm mit wahrhaft rührend kindlicher Liebe\nzugethanen ehemaligen Schüler Bott, und ein rasender\nBeifallssturm machte sich, begleitet vom Tusch des Orche-\nsters, in einem dreimaligen donnernden Hoch Luft. Seine\nHoheit der regierende Herzog, der hohe Beschützer der\nKunst, hatte Spohr kurz vorher das Comthurkreuz des\nS.-M. Haus-Ordens übersandt. Zuerst hörten wir Spohr's\nberühmte Sinfonie: „Die Weihe der Töne\", mit gewohn-\nter Meisterschaft von unserer Capelle vorgetragen. Der\ngrosse Meister Spohr dirigirte die ganze erste Abtheilung\ndes Concertes hindurch mit einer Frische und Lebendig-\nkeit, die wir bei seinem hohen Alter aufrichtig bewundern\nmussten. Dass diese Bewunderung vom ganzen Publicum\ngetheilt wurde, bewiesen die Kränze, Bouquets lind der\ngleich einem Orkan immer von Neuem hervorbrechende\nBeifallssturm. Uns fielen unwillkürlich die Worte ein:\n„Welch ein Gefühl musst du, o grosser Mann,\nBei der Verehrung dieser Menge haben!\"\nEin Doppelconcert von Spohr mit Orchester-Begleitung,\nvon Capellmeister Bott und Concertmeister Müller vor-\ngetragen, erregte wahrhaften Enthusiasmus im Publicum.\nDie Kritik schweigt, wo die Kunst sich so vollendet zeigt.\nAus Jessonda wurden zwei Duette, darunter das bekann-\ntere: „Schönes Mädchen, kannst mich hassen\", kunstge-\nrecht vorgetragen, und ärntete zumal das eben angeführte,\nin dem Herr Kammersänger Weixlsdorfer und Fräul.\nMichalesi wirkten, den allgemeinsten Beifall. Zwei Spohr'-\nsche Lieder, von Frau Siala gesungen, fanden gleiche\nAufnahme beim Publicum. Den Schluss der ersten Abthei-\nlung machte die herrliche Ouvertüre zum Berggeist. Unter\nnimmer enden wollendem Applaus verliess Spohr seinen\nDirigentenplatz, aber das Publicum liess keine Ruhe und\nrief so lange seinen Namen, bis er, von Bott und dem In-\ntendanten der Hofcapelle, Herrn Baron von Lilienkron,\ngeführt, auf der Bühne erschien, woselbst ihm Bott einen\nfrischen grünen Kranz aufs Haupt drückte. Die frappant\nähnlich getroffene neue Büste Spohr's, die Schläfe mit\neinem Kranze umwunden, schaute mitten unter den höchst\ngeschmackvollen Draperieen auf der Bühne zu ihrem gros-\nsen Meister hinüber. Spohr's Besuch ist für Meiningen um\nso schmeichelhafter und ehrender, als es wohl das letzte\nMal gewesen sein dürfte, dass Spohr überhaupt dirigirt,\nda sein hohes Alter die nothwendig damit verknüpften\nStrapazen nicht mehr erlaubt. Wir legen hiermit dem\ngefeierten Meister für sein grosses Opfer, seine liebens-\nwürdige Bereitwilligkeit in der Betheiligung und Betäti-\ngung am Concerte unseren aufrichtigen Dank zu Füssen;\nWorte sind zu schwach, um das zu sagen, was wir fühl-\nten! Keiner wird sich der Rührung haben erwehren kön-\nnen, diesen grossen Mann, den letzten Genius einer glor-\nreichen Vergangenheit, noch einmal thätig gesehen zu ha-\nben. Der zweite Theil des Concertes brachte uns das\nherrliche Finale aus der Fragment-Oper Loreley von F.\nMendelssohn -Bartholdv. Die Solo-Partie hatte gütigst\nFräul. Michalesi übernommen und sang sie vortrefflich,\nden Chor sang der hiesige Gesang-Verein. Wir müssen\ndie in verhältnissmässig kurzer Zeit wahrhaft treffliche\nEinstudirung durch unseren Capellmeister Bott rühmen,\nindem wir bekennen, dass die Aufführung der Loreley von\neinem der grösseren thüringer Musik-Vereine, der wir vor\nvier Jahren beiwohnten, in gar keinen Vergleich gegen\ndiese kam! Meiningen kann sich glücklich schätzen, Män-\nner zu besitzen, die durch ihren Standpunkt, den sie in"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590507-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2788, "texte": "der Kunst einnehmen, auch zum allgemeinen Aufschwünge\nbeizutragen vermögen, und berechtigen die neueren Er-\nrungenschaften: ein herzogliches Hoftheater, Engagement\nder vorzüglichsten Kräfte für die Hofcapelle, Eisenbahn-\nVerkehr u. s. w., zur Hoffnung auf eine schöne Zukunft\nder hiesigen Kunst-Zustände.\nMeiningen, den 18. April 1859.\nVerzeichniss\nder Schüler von Louis Spohr1).\nIn Braunschweig:\nGrünewald aus Dresden, 1805.\nSpohr (Ferdinand)2) aus Braunschweig, f.\nIn Gotha:\nHildebrandt aus Rathenow, 1807 —lBO9.\nWizmann aus Karlsruhe, 1807.\nFranz aus Dresden, 1807 1808.\nBönlein aus Mannheim, 1808 —lBO9.\nFrei aus Mannheim, 1808. <\nOstückenberg aus Gotha.\nLampert aus Gotha.\nGötze aus Weimar, 1808.\nEberwein aus Rudolstadt, -J-, 1809.\nvon Schmerfeld, Criminalrath, aus Marburg, 1809.\nNass aus Breslau, 1810.\nWassermann aus Philippsthal, -j-, 1810.\nProbst aus Ballenstädt, f, 1810.\nJacob aus Carlsbad, 1810.\nBeer aus Hamburg, 1811.\nMaurer aus Leipzig, 1811.\nHauptmann aus Dresden, 1811.\nBach aus Meiningen, 1811.\nSchäfer aus Dortmund, -J*, 1811.\nIn Wien:\nKeil aus Wien, 1812.\nBeckers aus Wien, 1812.\nFriedenheim aus Wien, 1812.\nAusbacher aus Wien, 1813.\nGebrüder Grafen v. Germaloss aus Moskau, 1813.\nGraf Borgowsky aus Kiew, 1813.\nFürst Zwetwertinsky aus Petersburg, 1814.\nGraf Zamoisky aus Lemberg, 1814.\nLübke3) aus Bückeburg, -j-, 1814.\nIn Mailand:\nGraf Albert Grzymala aus Warschau, 1816.\nIn Neapel:\nOnorio de Vito aus Neapel, 1817.\nDannini aus Neapel, 1817.\nIn Frankfurt:\nSchmidt4) aus Detmold, 1818.\nUrspruch aus Frankfurt, -j-, 1818.\nSchmidtmann aus Duisburg, 1818.\nGanzert aus Braunschweig, 1819.\nBärwolf aus Wiesbaden,.-j-, 1819.\nIn London:\nGeneral Cappel aus London, 1820.\nCorssen aus Bremen, 1820.\nRüper aus London, 1820.\nIn Gandersheim:\nGrund, Eduard 5), aus Hamburg, 1820.\nIn Kassel:\nLindenau aus Hamburg, 1822.\nOchernal aus Bremen, 1822.\nGerke0) aus Lüneburg, 1822.\nPott\") aus Nordheim, 1822,\nKufferath (Utrecht) aus Mülheim an der Ruhr, 1822.\nMühlenbrink8) aus Altona, 1822.\nRies aus Bonn, 1823.\nDavid aus Hamburg, 1823.\nPacius aus Hamburg, 1823.\nHohm aus Aschaffen bürg.\nRadelfahr aus Hamburg.\nHartmann aus Coblenz (in Köln f .\nHerrmann aus Nord hausen.\nSeifarth aus Hamburg.\nFischer I. aus Ballenstädt.\nBurgmüller aus Düsseldorf, f, 1827 1829.\nGerke 11. aus Lüneburg.\nSchmidt aus Rinteln.\nGüth aus Kassel, -j-.\nBuhlmann aus Hamm.\nCarl aus Rudolstadt. 1827.\nBrandt aus Rudolstadt.\nMohr aus Kopenhagen, -f-.\nSiebert aus Arolsen.\nScheuermann aus Arolsen.\nFranzen aus Celle.\nWaizmann aus Berlin, 1828.\nGötz aus Pösneck.\nSehmiedekampf aus Rostock.\nEichler aus Leipzig.\nMawkes aus London, 1830.\nFischeil aus Königsberg.\nAttern aus Iserlohn, f.\nHeise aus Ludwigslust.\nReiter9) aus Wertheim, 1831.\nPfeiffer aus Hersfeld.\nWill aus Hanau.\nWinter aus Leipzig.\nGöhring aus Coburg."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590507-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2727, "texte": "Kiel lfl) aus Sondcrshausen.\nDeichert aus Kassel.\nMaier aus Anspach.\nLindner aus Hamm.\nBerninger aus Mainz, 1831.\nAbel aus Greifswalde, -j- in Petersburg.\nBallin aus Hanau.\nSchöne aus Brünn.\nKarbowsky aus Kassel.\nHarras aus Arnstadt, 1833.\nAbel (zum zweiten Male) aus Greifswalde, +, 1833.\nWölff aus Crefeld, 1833.\nBlagrowe aus London, 1833.\nMartin aus Hanau, 1834.\nGö(z (zum zweiten Male), 1834.\nBrandenburg aus Erluit, 1834.\nKrämer aus Braunschweig, 1834.\nBork aus Königsberg, 1835.\nReder aus Würzburg, 1835.\nSartori aus Würzburg, 1835.\nWeidemüller aus Gotha, 1835.\nBärwolf aus Montabaur, 1835.\nHill aus New-York, 1835.\nFischer 11. aus Ballenstädt, 1835.\nMansbach aus Kassel, 1836.\nHeisterhagen aus Kassel, 1836.\nllovard aus London, 1836.\nllauck aus Petersburg, 1836.\nHornziel aus Lemberg, 1836.\nHohler aus Eckardsberg, 1836.\nWinterstein aus Dresden, 1836.\nHaltmorth aus Dessau, 1837.\nGackstatter aus Rotenburg, 1837 —lB3B.\nLandowsky aus Warschau, 1837 —1839.\nSchneider aus Schweinfurt. 1837 —lB3B.\nWalbrül aus Bonn, 1837.\nEisenbaum aus Warschau, 1837 —lB3B.\nJacobi aus Göttingen, f, 1838.\nKopf aus Cuxhafen, 1838.\nLethierry (Dilettant) aus Lille, 1838.\nMeisner.\nLuminais aus Paris, 1838 —1839.\nHerdtmann aus Friedland, 1839.\nHapp aus Meiningen (f in Frankreich), 1839.\nAbendroth aus Greussen, 1839.\nMüller aus Münster, 1839 —lB4O.\nWegener aus Eimbeck, 1839 —lB4O.\nBode aus Kothen, 1840.\nWittich aus Kothen, 1840.\nBöhm aus Gandersheim, 1840.\nLehmann aus Nürnberg, 1840.\nWenigmann, F., aus Königswinter, 1840.\nRostad aus Norwegen, 1840.\nHeuckeroth aus Eschwege, 1841.\nBott11) aus Kassel, 1840.\nSchürmann aus Bielefeld.\nLangenbach aus Iserlohn.\nUnger aus Göttingen.\nGreiner aus Schwarzburg-Rudolstadt, 1841\nMahr aus Hildburghausen, 1841.\nBeyerle aus Minden, 1842.\nTivendell aus Liverpool, 1842.\nStähle aus Kassel.\nDeichmann, Karl, aus Hannover, 1842.\nGräve aus Westfalen, 1842.\nGeorges aus Nordhausen, 1843.\nFriedrich aus Crefeld, 1843.\nRange aus Grimmen bei Stralsund, 1843.\nSchletterer.\nBührmann aus Kassel.\nBoie aus Altona, 1844.\nKömpel, Aug.I 2), aus Brückenau.\nZeiss aus Allendorf.\nJacobsen aus Altona.\nWichmann, Hermann, aus Berlin, 1845.\nHauser aus Wien.\nKerbusch aus Köln.\nMalibran aus Paris.\nWalbrül 11. aus Bonn.\nKassier aus Sondershausen.\nKuhnert aus Köln, 1846.\nJacobi aus Coburg.\nNeumann aus Breslau.\nMayer aus Herford.\nOtto aus Magdeburg, 1847.\nRichter aus Breslau, 1848.\nHerrmann aus Hanau.\nJacobi 11. aus Göttingen, f, 1849.\nSchmidt aus Hannover.\nHüny aus Horgan bei Zürich.\nBargheer13) aus Bückeburg.\nDietz aus Marburg.\nRundnagel aus Hersfeld, 1851.\nHartmann aus Rossbach, 1852.\nWaldau.\nHassel aus Hagen.\nSchöler aus Weimar.\nDilcher aus Fulda.\nHunnemann aus Möhringen.\nSpohr, Karl, aus Orpherode bei Allendorf."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590507-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2571, "texte": "Tofte aus Kopenhagen.\nHerbold aus Kassel.\nZipf aus Kassel, 1856.\nTannenbaum aus Wolfhagen.\nHeineinann aus Kassel.\nBemerkungen.\nObige Liste ist eine Copie des Original-Verzeichnisses\nvon L. Spohr. Nur der vierte Name in der Liste, Wiz-\nmann, scheint nicht richtig zu sein, kann vielleicht auch\nWizenmann heissen. Das Sterbezeichen -j* befindet sich\ngleichfalls in der Original-Liste vermerkt. [Bei mehreren\nNamen ist es von uns hinzugefügt. Die Redaction.]\nDie angegebenen Städte sind nicht immer mit dem\nGeburtsorte identisch; z. B. Heisst es: Kiel aus Sondershau-\nsen. Kiel ist in Wiesbaden geboren; sein Vater war wahr-\nscheinlich zu jener Zeit in Sondershausen beschäftigt, als\nder Sohn zu Spohr kam.\nJ) Spohr, Dr. Louis, geboren den 5. April 1784\nzu Braunschweig. Der Vater von Dr. L. Spohr kam\nbald nach dessen Geburt von Braunschweig nach Seesen,\ndaher rühren die falschen Angaben. Er erhielt den Titel\nGeneral-Musik-Director bei seinem 25jährigen Amts-Jubi-\nläum in Kassel (1846), vom König von Preussen den Ro-\nthen Adler-Orden 111. Classe. Pensionirt 1857.\n2) Spohr, Ferdinand, Bruder von Louis, geboren den\n12. Juli 1792 zu Seesen, f 10. März 1831 zu Kassel.\n3) Lübke, Sohn des vor etwa acht Jahren zu Bücke-\nburg verstorbenen Concertmeisters.\n4) Schmidt, Simon Georg, geboren den 21. März 1801\nzu Detmold, jetzt in Bremen, früher in Halle, Gemahl der\nSängerin Johanna Schmidt, geb. Wolf.\n5) Grund, Eduard, geboren im Mai 1802 zu Ham-\nburg. Seit 1829 Hof-Capellmeister in Meiningen; daselbst\nim vorigen Jahre in den Ruhestand getreten und durch\nBott ersetzt.\n6) Gerke, Otto, geboren den 13. Juli 1805 in Lüne-\nburg, lebt zu Paderborn. Er sagte mir, dass er zwei Mal bei\nSpohr gewesen. Sein Bruder, Gerke 11., lebt in Hannover.\n7) Pott, Aug., geboren 7. Nov. 1806 zu Nordheim.\nK) Mühlenbrink, wahrscheinlich Mühlenbruch, Hein-\nrich, geboren den 13. October 1803 zu St. Thomas (West-\nindien), Schüler Spohr's, seit 1841 Hof-Capellmeister in\nSchwerin. Ging seit Flotow's Anstellung ab und ist durch\nAloys Schmitt ersetzt. Sein Vater wohnte wahrscheinlich\ndamals in Altona.\n9) Reiter, Ernst, geboren den 30. März 1814 zu\nWertheim, Musik-Director in Basel.\n1!)) Kiel, Aug., geboren den 26. Mai 1813 zu Wies-\nbaden, Hof-Capellmeister in Detmold, Bruder der Sängerin\nFrancisca Cornet, geb. Kiel.\nn) Bott, Jean Joseph, geboren den 9. März 1826 zu\nKassel, Hof-Capellmeister in Meiningen.\n12j Kömpel, Aug., geboren den 15. August 1832 zu\nBrückenau, seit October 1852 Kammermusiker und Solo-\nspieler in Hannover.\nI 3) Mitglied der Hofcapelle zu Detmold.\n/ w\nMinden.\n\nC. B."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "145", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590507-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nPariser Briefe („Le Pardon de PloermcP', komische Oper in drei Acten, Text von J. Barbier und M. Carre, Musik\nvon G. Meyerbeer). I. Louis Spohr (Aus Meiningen, Concert unter L. Spohr's Leitung.) Yerzeichniss der Schüler von Louis\nSpohr. Von C. B. Tages- und Unterhaltungsblatt).\n\nPariser Briefe.\n[,,Le Pardon de Ploermelkomische Oper in drei Acten.\nText von J. Barbier und M Carre, Musik von G.\nMeyerbeer]\nI.\nWenn ich in meinem letzten Briefe (s. Nr. 1, 4, 5\ndieses Jahrgangs) über die Unfruchtbarkeit des gegenwär-\ntigen pariser Bodens an Opern-Compositionen klagte, so\nkönnte ich jetzt ein Freudenlied anstimmen; denn ich habe\nja noch über vier Opern zu berichten, die seitdem hier\nin Scene gegangen sind! Es sind der Reihe nach folgende:\n1) Felicien David's vulcanisch-tragisches „Hercula-\nnum\" (den 4. März)—- 2) Victor Masse's höchst komi-\nmische „Fee Carabossa\" (den 7. März) 3) Gounod's\nimportirter „Faust\" (den 19. März) und 4) Meyer-\nbeer's „Pardon\" (den 4. April). Da dieser letzte den\nmeisten Lärm in der hiesigen Welt und in den Journalen\ngemacht hat und fast allgemein als „Ablass\" für alle\nMeyerbeer'schen Sünden, als neuester Beweis, dass das\nGenie unverwelklich ist, oder gar als Metamorphose des\nGenius verkündet worden ist, so muss ich wohl mit ihm\nbeginnen, obwohl ich dadurch einen Anachronismus be-\ngehe, der eigentlich um so weniger zu entschuldigen ist,\nals der Gegenstand meines Berichtes ganz und gar in der\nZeit wurzelt, d. h. nicht die Verwirklichung t...es künst-\nlerischen Ideals, sondern die Befriedigung des Geschmacks\ndes heutigen musicalischen Publicums sich zur Aufgabe\ngestellt zu haben scheint. Diese Aufgabe hat der Compo-\nnist denn auch, wenigstens für das pariser Publicum, auf\neine Weise und durch Mittel gelös't, deren richtige Be-\nrechnung ein unbestreitbarer Erfolg bewiesen hat. Alle\nWelt ist entzückt und voll Bewunderung, und wer es nicht\nist, der ist Mann von Welt genug, es der Welt nicht zu\nsagen. Aber die Musiker? Nun, die Grosshändler unter\nihnen gehen an einander vorüber, wie die Augurn im\nalten Rom; die Kleinhändler und Krämer ärgern sich, dass\nsie bei demselben Willen nicht dasselbe Glück denn das\nTalent trauen sie sich natürlich alle zu wie Meyerbeer\nhaben; ein kleines Häuflein nicht speculirender Musiker\nund solcher, die noch an den Ernst der Kunst glauben,\nsitzen beisammen, tauschen ehrlich ihre kritischen Beden-\nken gegen einander aus und erheitern sich an den Jour-\nnalen—leider auch deutschen! —, deren Lobhudelei dieses\nMal dermaassen über einen Kamm geschoren ist, dass\nboshafte Zungen behaupten, es sei nach oder gar während\nder General-Probe eine lithographirte Correspondenz an-\ngefertigt worden, die dann sofort als allgemeine Grundlage\ngedient habe. Die Parole soll darin gelautet haben: Glän-\nzende Gesellschaft, Toiletten, Brillanten—Verwerfung des\nLibretto Schweigen über den deutschen Maschinisten\nund seine Decorationen einzige und alleinige Ursache\ndes Erfolgs: die Musik—Meyerbeer's Genie Meyerbeer's\nUmkehr zur idyllischen Poesie, zu einfacher Natürlichkeit\n- Apotheose.\nSonderbarer Zufall allerdings, dass ausführliche Feuil-\nletons in ausländischen Blättern, die dieses Mal den hiesi-\ngen vorausgelaufen waren, namentlich in einem belgischen\nund zwei deutschen, dem obigen Turnus ganz überein-\nstimmend folgten und bereits am 6. April gedruckt wa-\nren, während die ersten Berichte in den hiesigen Zeitun-\ngen erst am 9. und 10. April erschienen.\nErgötzt hat es uns aber—ich meine das kleine Häuf-\nlein der „Beisammensitzenden\", das zur Hälfte aus Deut-\nschen besteht—, dass auch manche hiesige Artikel dieselbe\nReihenfolge der Betrachtungen zeigten! Wie gesagt, es\nhat uns bloss ergötzt andere Deutungen liegen uns fern*).\nAllein wir konnten nichts dagegen, dass auch Neider, die\n\n.*) Wie würde dieses Häuflein sich ergötzt haben, wenn es in\nden ~Wiener Recensionen\" Nr. 14 gelesen hätte, dass wiener\nBlätter bereits am 3. und 4. April also vor der Auffüh-\nrung, den ausserordentlichen Erfolg der Oper gemeldet haben!\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "146", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590507-01.1.2", "texte": "jeder Künstler hat, sieh zu uns setzten. Am harmlosesten\nwaren diejenigen, die ganz naiv gestanden: „Wir haben\nes gerade so versucht, wie er: aber der Teufel überbietet\nuns alle!\"\nNach dieser Einleitung, in der ich wahrlich gegen\nmeine Gewohnheit auf den pariser Klatsch zu sprechen\ngekommen bin, wirst Du schwerlich erwarten, mich in die\nallgemeine Posaune stossen zu hören. Ich gestehe, dass ich\ndas gemeinsame Blasen auf Einem Mundstücke, und wenn\nes auch noch so sehr erweitert wäre und wirklich ganz\nrein gehalten würde, nicht liebe. Ich will hingegen den\nVersuch machen, auch denjenigen, welche die Oper nicht\ngehört haben, durch eine so viel als möglich objective\nAnalyse derselben Gelegenheit zu geben, sich selbst, wo\nnicht einUrtheil zu bilden, doch Stoff zu Betrachtungen und\nErwägungen bei vielleicht späterem Hören zu sammeln.\nDie Ouvertüre ist diesmal gegen Meyerbeer's Ge-\nwohnheit wesentlich, denn sie hat ein bestimmtes Pro-\ngramm; sie ist sogar mehr als blosse Programm-Musik,\nsie bildet eine Art von Vorspiel, bei welchem sich der\nChor, obwohl unsichtbar, betheiligt. Der Inhalt unterschei-\ndet sich aber dadurch von anderen Prologen oder wirkli-\nchen Vorspielen (z. B. den Marschner'schen im Vampyr\nund in Hans Heiling), dass er nicht auf das Drama, d. h.\nauf das, was geschehen soll, vorbereitet, sondern das, was\nvorher geschehen ist, darstellen will.\nDas Wort Pardon bedeutet „Erlass\", „Ablass\" im\nkirchlichen Sinne; früher nannte man auch das Jubiläum\nle grand pardon. In der Bretagne bestehen jährlich wieder-\nkehrende Kirchenfeste unter demselben Namen, und von\neinem solchen in dem Dorfe Ploermel ist hier die Rede.\nFür Deutschland würde allerdings der Titel: „Die Wall-\nfahrt nach Ploermel\" besser klingen. Auch findet dort ein\nbesonderer Marien-Cultus Statt, der durch Wallfahrten ge-\nfeiert wird. Es ist bekannt, dass die Kaiserin Eugenie selbst\neinmal zu frommem Zwecke dort war. Dass dieses auf die\nWahl des Titels und auf den Erfolg bei den Allerhöchsten\nPersonen Einlluss gehabt habe, gehört ebenfalls in den\npariser Klatsch.\nDas Programm der Ouvertüre lautet nun: Kirchgang\neines Brautpaares zu Ploermel während der Procession des\nAblassfestes ein Gewitter unterbricht den Zug und zer-\nstört den kleinen Besitz der Braut, was den Bräutigam in\ndie weite Welt treibt, um Schätze zu sammeln, und die\nBraut dem Wahnsinn zur Beute gibt, in welchem sie nur\nTrost durch die Anhänglichkeit an eine Ziege findet.\nMeyerbeer hat die Aufgabe mit grossem Talent ge-\nlös't; wenn aber die Berichte—wiederum einstimmig (mit\nAusnahme von Fetis in der Gazette musicale und Berlioz\nin den Debats) meinen, die Einleitungs-Sinfonie »ver-\nsetze uns auf der Stelle in die Bretagne\", so gehört das\nwie so vieles Andere in das Reich der Einbildung. Die\nOuvertüre, Allegro animatoin ('/ö-Tact, beginnt\nnach einigen mysteriösen tiefen Klängen des\nklangs ohne Terz mit einer säuselnden Sechszehntel-Figur\nder Violinen ppp mit Sordinen, die wie Vogelgezwitscher\nklingt; da sie sich aber im Laufe der Oper zwei Mal beim\nAuftreten der wahnsinnigen Dinorah wiederholt, so mag\nsie wohl mehr das phantastische, märchenhafte Wesen die-\nser Erscheinung andeuten, was ihr denn auch ganz artig\ngelingt, abgesehen davon, dass die Farbe an Mendelssohn's\nduftige Sommernachts-Musik erinnert. Meyerbeer hat uns\ndadurch offenbar in medias rein die Mitte der Situation,\nmit der die Handlung beginnt, führen wollen. Dies be-\nweist die unmittelbare Folge dieser etwa zwanzig Tacte\ndauernden Figuren, ein munter hüpfendes Thema, einge-\nleitet oder geläutet durch die Klänge eines allermöglichst\nfein und hoch gestimmten Glöckchens (im viergestrichenen\nfis). Dieses Thema kehrt in derselben Art in Nr. 2 wieder,\nwährend die Ziege sich zum ersten Male producirt und von\nHügel zu Hügel springt. Wir haben also hier sogleich die\nmusicalische Einführung von zwei Hauptpersonen des Dra-\nma's, der Wahnsinnigen und der Ziege. Zwar meint Di-\nnorah, „die Welt halte sie und die Ziege für verrückt\"\n(Nr. 2), aber daran braucht man nicht zu glauben, denn\ndas Ziegen-Thema ist ganz gesund, wenn auch nicht so\noriginel, wie die Idee der Ziege selbst, die übrigens in\nDeutschland, ausser bei den Herren Bock & Bote, welche\ndie Oper dem Vernehmen nach für ihr Vaterland gekauft\nhaben, wenig Beifall finden dürfte. Kurz, das Thema wech-\nselt mit einigen scharf rhythmisirten Fanfaren und mit einem\nzweiten, noch weniger durch Neuheit überraschenden Mo-\ntiv ab, bis es nach einem Schlüsse auf in ein\nfurchtbares c,durch alle Octaven unisono, fällt. Dass dieses\ndrei Mal wiederholte c fffetwas Bedeutendes ankündigt,\nist klar, und wirklich ertönt nach einigen leisen Ueber-\ngangs-Accorden nach As-dur hinter der Scene der Chor:\n„Sainte Marie, daigne exaucer nos voeux.'\" Ihm folgt ein\nProcessionsmarsch (Marcia religiosa), der mit einzelnen\nkurzen Strophen des Chors abwechselt, bis sich das Ge-\nwitter ankündigt, Allegro con 4/i-Tact, mit fort-\nwährenden Sextolen der Streich-Instrumente in Sechszelm-\nteln, welches uns, wie es einem Gewitter ziemt, durch alle\nFarben- und Tonarten endlich zu einer gewaltigen Stretta\nführt, die das ganze Stück mit einem triumphirenden Aus-\ndrucke schliesst.\nDieser zweite Theil der Ouvertüre vom Eintritt des\nChors an ist der längste und gehaltvollste. Der Chor hat\neine sanfte, schöne Melodie; der Uebergang aus in\ndurvor der Wiederkehr des Haupt-Motivs ist zwar nicht"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "147", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590507-01.1.3", "texte": "neu, aber von guter Wirkung. Der Marsch ahmt die Ein-\nfachheit einer Processionsmusik glücklich nach, Melodie\nund Harmonie desselben dürfen offenbar nur von diesem\nGesichtspunkte aus beurtheilt werden. Der Gedanke, das\nMotiv des Marsches und das Motiv des Chors zu der Durch-\nführung des ganzen zweiten Theiles zu benutzen, also die\nunterbrochene und doch immer wieder beginnende Pro-\ncessen während der verschiedenen Stadien des Gewitters\ngewisser Maassen im Tongemälde darzustellen, ist vom\n(Komponisten mit bekannter Meisterschaft in der Factur und\nInstrumentirung durchgeführt worden. Die Motive werden\nbald von Bass-, bald von Sopran-Instrumenten der Bläser,\nbald einfach, bald in voller Harmonie, und in verschiede-\nnen Momenten bald sanft, bald leidenschaftlich und stark\ndurch die Wogen des Sturmes und Wetters in den Scxto-\nlen-Figuren getragen; der Chor der Stimmen erklingt noch\nzwei oder drei Mal dazwischen, aber—sehr verständig\nnur mit dem kurzen Haupt-Motiv des Marienliedes, das\nletzte Mal (nach einer beruhigenden Melodie beim Schwin-\nden des Gewitters) in der Tonregion der eingestrichenen\nOctave (H-dur), während ein Flöten-Triller auf dem drei-\ngestrichenen fisdrei Tacte lang darüber schwebt. Darauf\nschliesst die Stretta in nja-Tact, H-dur, mehr lärmend als\nkräftig.\nDie Einwebung des Chors ist nicht bloss eine Laune,\nein gesuchter Effect, sondern sie ist wesentlich. Die Wir-\nkung der Klänge desselben Mariengesanges führt nämlich\nin der Oper die glückliche Schlusswendung herbei, die Hei-\nlung Dinorah's; sie glaubt sich beim Hören des Liedes\nnach einem langen Traume noch auf dem Brautzuge am\nvorjährigen Ablassfeste. Sollte die Zuhörerschaft diesen\nEindruck begreifen und gewisser Maassen theilen, so\nmusste derselbe Gesang auch von ihr schon einmal gehört\nworden sein, und das hat der Componist auf sehr wir-\nkungsvolle Weise durch dessen Einflechtung in die Ouver-\ntüre erreicht. Ob das neu ist oder nicht, darauf kommt es\nhierbei gar nicht an; es ist eben so verkehrt, Meyerbeer\nwegen der Neuheit ein Lob, als wegen des Vorgangs von\nDonizetti in „Les Martyrs\" einen Tadel zu spenden. Dass\nes hübsch ist und durch Einfachheit wirkt, ist das We-\nsentliche.\nIm Orchester gebraucht Meyerbeer hier und häufig in\nder Oper 4 Flöten (2 grosse und 2 kleine), 3 Oboen (1\nenglisches Horn und 2 Oboen), 3 Clarinetten (2 gewöhn-\nliche und 1 Bass-Clarinette) und Harfe; die Metall-Instru-\nmente wie gewöhnlich bei ihm, doch nicht übermässig\neinmal kommen jedoch fünf Hörner vor, in der Einlei-\ntung zum dritten Acte. Den Marsch in der Ouvertüre\nspielt das Geigen-Quartett und die Bass-Clarinette mit\nPizzicato der Bässe.\nMan wird schon aus dieser Analyse der Ouvertüre,\nsollte ich meinen, ersehen, dass von einem anderen Meyer-\nbeer, als der bisherige war, eben so wenig als von einer\nRückkehr zu „classischer Einfachheit\" die Rede sein kann.\nIch wiederhole, dass die Ouvertüre ein tüchtiges und elfect-\nvolles Stück moderner Musik ist; aber eben so wenig mag\nich verhehlen, dass die lanz-Rhythmen, welche in der\nganzen Oper, wie fast in allen neueren französischen Opern,\ndominiren, schon hier beginnen, und dass oft nur durch\ndie eigentümliche Harmonie und Instrumentirung das Ge-\nwöhnliche, um nicht zu sagen: das Triviale der Melodie\nverdeckt wird; ferner, dass die wohlfeile Steigerung und\nVorbereitung grosser Kraft-Eintritte durch chromatische\nCrescendo's auch hier nicht verbannt und durch Mittel,\nwie sie Mozart und Beethoven, und Spontini anzu-\nwenden wussten, ersetzt ist.\nDer Aufzug des Vorhanges zeigt uns eine wilde, ge-\nbirgige Landschaft, links unter einem Felsen eine Höhle,\ndie zu einer Wohnung umgeschaffen ist. Sie gehört dem\nDudelsackpfeifer Corentin (Tenor), der sie mit dem Du-\ndelsack von seinem Oheim Ivon geerbt hat. Die Abenddäm-\nmerung ist da, ein Chor von Landleuten, hübsch auf den\nHöhen gruppirt, besingt den Abschied eines schönen Tages\nund zieht sich zurück, indem er auf das Nahen der armen\nVerrückten deutet, die ihrer Ziege nachläuft. Die Melodie\nist ziemlich frisch, der Rhythmus etwas gesucht und polo-\nnaisenartig (B-dur,\"/4-Tact). In einem Zwischensatze von\nsechs Frauenstimmen mit Pizzicato der Violinen und Hände-\nklatschen der Bauern beginnt schon die Künstelei statt der\nKunst, das Pikante, dem wir nur allzu häufig im Verlaufe\ndes Ganzen begegnen, statt des Melodischen.\nUnter dem Säuseln der Violin-Figuren, welche wir\nschon aus dem Anfange der Ouvertüre kennen, eilt Dino-\nrah über das Theater, und bei dem hüpfenden Motiv, dem\nHaupt-Thema der Ouvertüre, springt die Ziege über die\nBerge. Dinorah kehrt zurück, ruft ihren Liebling und en-\ndigt mit einer kleinen Rakete:\nwelcher die kleine Flöte nachschiesst,—ein Pröbchen von\nder charakteristischen Einfachheit, die wir in der Partie\nder Mad. Cabel zu erwarten haben. Doch in der That, das\nWiegenlied in G-dur,2/4-Tact, das sie der Ziege singt,\ndie sie in Schlummer versunken wähnt, ist sehr einfach,\ndie Tacte:\nkönnte man sogar simpel nennen, und die Stelle:\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "148", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590507-01.1.4", "texte": "mag sich selbst rechtfertigen oder anklagen. Die Begleitung\nin den Violinen oder Violoncejls ist reizend; am Schlüsse\nzwitschern die Violinen in der Höhe ppp, während Dino-\nrah den Vögeln zuruft: Ckantez plus und sich entfernt:\nwas man freilich nicht mit dem Schlüsse des Elfenchors im\nOberon: „Viel zu laut!\" vergleichen darf, oder vollends\nmit Liedern von Weber, Schubert, Schumann und hun-\ndert Anderen, selbst bis auf Proch hinab!\nCorentin, der das komische Element der Oper par\nexcellencerepräsentirt, und zwar durch die noch nie da ge-\nwesene Rolle eines Poltrons, tritt auf und erklärt uns in\nCouplets, dass er zu denen gehört, die keine Courage ha-\nben. Die Couplets haben zwei Tempi, ein menuettartiges\nund ein bewegteres fi/8-Allegretto. Sie sind charakte-\nristisch genug; der %-Tact ist eigentlich ein VB-Tact,\nmacht aber, so wie er jetzt geschrieben ist, durch seine\ndreitactigen Perioden einen eigentümlichen rhythmischen\nEffect. Die Menuett-Strophe schliesst mit einer Spielerei\nzwischen wechselndem Duvund\npleins de courage: Moi,je suis de\ndie sehr belacht wird. Was hat der rührende Wechsel\nvon des und dam Schlüsse von Beethoven's\nim Fidelio für Stadien durchlaufen müssen, bis er zum\nkomischen Witz geworden!\nDarauf bläs't er ein Ritornell auf dem Dudelsack (hier\ndie Clarinette, später vertreten ihn auch Oboe und Fagott\nabwechselnd); eine Frauenstimme fallt wiederholend darin\nein und verflicht sich in lauter Imitationen mit demselben\nAlles bravourmässig, z. B.:\nEs ist Dinorah; sie dringt in das Zimmer und befiehlt dem\nvor Schreck Halbtodten, weiter zu spielen, und so entsteht\nein langes Duett zwischen Beiden, in welchem die Tollheit\nbis zum Abgeschmackten sowohl in der Handlung als in\nder Musik getrieben wird! Thema Nr. 1 eine Polka in\ndur, 2/4-Tact, von 8 Tacten; Nr. 2 syllabisches Intermezzo\nmit folgendem Schluss des Soprans:\nach t\nMal wiederholt, während der Tenor alle Heiligen anruft!\nNr. 3 Walzer, 3/3-Tact, 11 Tacte; Nr. 4 Dinorah:\nNr. 5 Tarenteile, 6/8-Tact, Dudelsack-Solo mit\ncanonischer Imitation der Singstimme auf die Svlbe la, 24\nTacte ohne Begleitung. Nr. 6 „Un autre\" wie oben; Nr.\n7 Polka in Fmit obligatem Dudelsack, 24 Tacte, dann\n„Un autreuauf andere Art:\nu. s. w.; Nr. 8 Wiederholung der ersten Polka in A-dur\nmit dem achtmaligen Triolenschluss auf h a gis wie oben;\nNr. 9 recitativisches Intermezzo, sie glaubt in Corentin\nihren Bräutigam zu sehen und zwingt ihn, mit ihr zu tan-\nzen; Nr. 10 langsamer Ländler, 3/4-Tact in dann\nbefiehlt sie dem Armen von Neuem, zu spielen, er beginnt\nmit einer ganz vertrackten Triolen-Passage, aber sie täuscht\nseine Hoffnung und singt auch diese Note für Note nach.\nBei dem Trio in As-dur wird sie müde, er auch, und\nsie schlafen beide ein. Dinorah „träumt\":\ndann nach dem Dominant-Accord hauchen Beide ihre letz-\nten Seufzer in Caus, sie:\nHier hast Du ein treues Bild vom neuesten und echtesten\nMeyerbeer. Es dürfte schwer sein, dieses Stück an Raffine-\nment zu überbieten; die Melodieen selbst—sie werden alle\nvon der Dinorah gesungen sind leider auch so entsetz-\nlich ordinär, dass das ganze Stück auf jeden Gebildeten,\n| #\nvollends aber auf jeden Musiker, der nur noch eine Faser\nvon Künstlernatur an sich hat, einen traurigen Eindruck\nmacht, zumal wenn man an die Hugenotten und an den\nRobert denkt. Sogar der Prophet ist von Anfang bis zu\nEnde goldener Weizen gegen dieses musicalische Häcksel.\nUnd nun lies die Berichte aus Paris von Franzosen und\nDeutschen über den „Ablass\" noch einmal! Alsdann will\nich Dich weiter führen!"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "149", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590507-01.1.5", "texte": "Louis Spohr.\nAus Meiningen.\n\no\nDer hochverehrte Meister Spohr, der einzige noch\nlebende Heros der altclassischen Musik, dessen grosse Ver-\ndienste um die Kunst seinen Ruhm längst in alle Welt-\ntheile getragen haben, brachte das grosse Opfer, zu uns\nherüber zu kommen und selbst die Direction verschiede-\nner seiner Compositionen zu übernehmen. Ungeduldig\nharrend stand die zahllose Menge auf dem Perron und er-\nwartete freudig die Ankunft des gefeierten Meisters. End-\nlich wurde der Zug sichtbar, und als er hielt, wer kann\ndas Gedränge, wer den Jubel der Menge beschreiben, die\nsich glücklich pries, den grossen Meister zu sehen, in sei-\nner Nähe sich zu befinden! Abends gewannen die Strassen\nMeiningens den richtigen Ausdruck einer Residenz. Massen\n.\\on Menschen aus allen Classen wogten auf und nieder,\nbis sie endlich vor Spohr's Wohnung sich dichter und\ndichter drängten und nur dem unter Militärmusik herbei-\nkommenden Fackelzuge Raum gaben. Zunächst sangen\nsämmtliche Männer-Gesangvereine mit Unterstützung der\nOpernsänger unter Capelimeister Bott's Leitung mehrere\nvierstimmige Männer-Quartette, unter anderen zum Schluss\nzwei Mal den herrlichen Marsch aus Jessonda: „Auf und\nlasst die Fahnen fliegen!\" Die Hofcapelle spielte die Spohr'-\nsche Serenade, und endlich erschollen dreimalige donnernde\nHochs auf Spohr, sinnig ausgebracht von Herrn Diaconus\nAusfeld und unserem Capelimeister Bott. Der folgende\nTag, an dem Spohr Abends, nachdem er vorher zur her-\nzoglichen Tafel eingeladen gewesen, die Concert-Probe\ndirigirte, brachte vom kunsteifrigen Publicum überfüllte\nTheaterräume; der Enthusiasmus erreichte aber seine Höhe\nam nächsten Tage, dem der Aufführung. Die Billets wa-\nren von Einheimischen wie Fremden natürlich längst bis\nauf den letzten Platz gekauft. Endlich waren alle Räume\ndes Theaters überfüllt, und eine lautlose Stille gab das auf\nSpohr's Erscheinen freudig gespannte Interesse des Publi-\ncums kund — da erschien er, der grosse Meister, geführt\nvon seinem ihm mit wahrhaft rührend kindlicher Liebe\nzugethanen ehemaligen Schüler Bott, und ein rasender\nBeifallssturm machte sich, begleitet vom Tusch des Orche-\nsters, in einem dreimaligen donnernden Hoch Luft. Seine\nHoheit der regierende Herzog, der hohe Beschützer der\nKunst, hatte Spohr kurz vorher das Comthurkreuz des\nS.-M. Haus-Ordens übersandt. Zuerst hörten wir Spohr's\nberühmte Sinfonie: „Die Weihe der Töne\", mit gewohn-\nter Meisterschaft von unserer Capelle vorgetragen. Der\ngrosse Meister Spohr dirigirte die ganze erste Abtheilung\ndes Concertes hindurch mit einer Frische und Lebendig-\nkeit, die wir bei seinem hohen Alter aufrichtig bewundern\nmussten. Dass diese Bewunderung vom ganzen Publicum\ngetheilt wurde, bewiesen die Kränze, Bouquets lind der\ngleich einem Orkan immer von Neuem hervorbrechende\nBeifallssturm. Uns fielen unwillkürlich die Worte ein:\n„Welch ein Gefühl musst du, o grosser Mann,\nBei der Verehrung dieser Menge haben!\"\nEin Doppelconcert von Spohr mit Orchester-Begleitung,\nvon Capellmeister Bott und Concertmeister Müller vor-\ngetragen, erregte wahrhaften Enthusiasmus im Publicum.\nDie Kritik schweigt, wo die Kunst sich so vollendet zeigt.\nAus Jessonda wurden zwei Duette, darunter das bekann-\ntere: „Schönes Mädchen, kannst mich hassen\", kunstge-\nrecht vorgetragen, und ärntete zumal das eben angeführte,\nin dem Herr Kammersänger Weixlsdorfer und Fräul.\nMichalesi wirkten, den allgemeinsten Beifall. Zwei Spohr'-\nsche Lieder, von Frau Siala gesungen, fanden gleiche\nAufnahme beim Publicum. Den Schluss der ersten Abthei-\nlung machte die herrliche Ouvertüre zum Berggeist. Unter\nnimmer enden wollendem Applaus verliess Spohr seinen\nDirigentenplatz, aber das Publicum liess keine Ruhe und\nrief so lange seinen Namen, bis er, von Bott und dem In-\ntendanten der Hofcapelle, Herrn Baron von Lilienkron,\ngeführt, auf der Bühne erschien, woselbst ihm Bott einen\nfrischen grünen Kranz aufs Haupt drückte. Die frappant\nähnlich getroffene neue Büste Spohr's, die Schläfe mit\neinem Kranze umwunden, schaute mitten unter den höchst\ngeschmackvollen Draperieen auf der Bühne zu ihrem gros-\nsen Meister hinüber. Spohr's Besuch ist für Meiningen um\nso schmeichelhafter und ehrender, als es wohl das letzte\nMal gewesen sein dürfte, dass Spohr überhaupt dirigirt,\nda sein hohes Alter die nothwendig damit verknüpften\nStrapazen nicht mehr erlaubt. Wir legen hiermit dem\ngefeierten Meister für sein grosses Opfer, seine liebens-\nwürdige Bereitwilligkeit in der Betheiligung und Betäti-\ngung am Concerte unseren aufrichtigen Dank zu Füssen;\nWorte sind zu schwach, um das zu sagen, was wir fühl-\nten! Keiner wird sich der Rührung haben erwehren kön-\nnen, diesen grossen Mann, den letzten Genius einer glor-\nreichen Vergangenheit, noch einmal thätig gesehen zu ha-\nben. Der zweite Theil des Concertes brachte uns das\nherrliche Finale aus der Fragment-Oper Loreley von F.\nMendelssohn -Bartholdv. Die Solo-Partie hatte gütigst\nFräul. Michalesi übernommen und sang sie vortrefflich,\nden Chor sang der hiesige Gesang-Verein. Wir müssen\ndie in verhältnissmässig kurzer Zeit wahrhaft treffliche\nEinstudirung durch unseren Capellmeister Bott rühmen,\nindem wir bekennen, dass die Aufführung der Loreley von\neinem der grösseren thüringer Musik-Vereine, der wir vor\nvier Jahren beiwohnten, in gar keinen Vergleich gegen\ndiese kam! Meiningen kann sich glücklich schätzen, Män-\nner zu besitzen, die durch ihren Standpunkt, den sie in"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590507-01.1.6", "texte": "der Kunst einnehmen, auch zum allgemeinen Aufschwünge\nbeizutragen vermögen, und berechtigen die neueren Er-\nrungenschaften: ein herzogliches Hoftheater, Engagement\nder vorzüglichsten Kräfte für die Hofcapelle, Eisenbahn-\nVerkehr u. s. w., zur Hoffnung auf eine schöne Zukunft\nder hiesigen Kunst-Zustände.\nMeiningen, den 18. April 1859.\nVerzeichniss\nder Schüler von Louis Spohr1).\nIn Braunschweig:\nGrünewald aus Dresden, 1805.\nSpohr (Ferdinand)2) aus Braunschweig, f.\nIn Gotha:\nHildebrandt aus Rathenow, 1807 —lBO9.\nWizmann aus Karlsruhe, 1807.\nFranz aus Dresden, 1807 1808.\nBönlein aus Mannheim, 1808 —lBO9.\nFrei aus Mannheim, 1808. <\nOstückenberg aus Gotha.\nLampert aus Gotha.\nGötze aus Weimar, 1808.\nEberwein aus Rudolstadt, -J-, 1809.\nvon Schmerfeld, Criminalrath, aus Marburg, 1809.\nNass aus Breslau, 1810.\nWassermann aus Philippsthal, -j-, 1810.\nProbst aus Ballenstädt, f, 1810.\nJacob aus Carlsbad, 1810.\nBeer aus Hamburg, 1811.\nMaurer aus Leipzig, 1811.\nHauptmann aus Dresden, 1811.\nBach aus Meiningen, 1811.\nSchäfer aus Dortmund, -J*, 1811.\nIn Wien:\nKeil aus Wien, 1812.\nBeckers aus Wien, 1812.\nFriedenheim aus Wien, 1812.\nAusbacher aus Wien, 1813.\nGebrüder Grafen v. Germaloss aus Moskau, 1813.\nGraf Borgowsky aus Kiew, 1813.\nFürst Zwetwertinsky aus Petersburg, 1814.\nGraf Zamoisky aus Lemberg, 1814.\nLübke3) aus Bückeburg, -j-, 1814.\nIn Mailand:\nGraf Albert Grzymala aus Warschau, 1816.\nIn Neapel:\nOnorio de Vito aus Neapel, 1817.\nDannini aus Neapel, 1817.\nIn Frankfurt:\nSchmidt4) aus Detmold, 1818.\nUrspruch aus Frankfurt, -j-, 1818.\nSchmidtmann aus Duisburg, 1818.\nGanzert aus Braunschweig, 1819.\nBärwolf aus Wiesbaden,.-j-, 1819.\nIn London:\nGeneral Cappel aus London, 1820.\nCorssen aus Bremen, 1820.\nRüper aus London, 1820.\nIn Gandersheim:\nGrund, Eduard 5), aus Hamburg, 1820.\nIn Kassel:\nLindenau aus Hamburg, 1822.\nOchernal aus Bremen, 1822.\nGerke0) aus Lüneburg, 1822.\nPott\") aus Nordheim, 1822,\nKufferath (Utrecht) aus Mülheim an der Ruhr, 1822.\nMühlenbrink8) aus Altona, 1822.\nRies aus Bonn, 1823.\nDavid aus Hamburg, 1823.\nPacius aus Hamburg, 1823.\nHohm aus Aschaffen bürg.\nRadelfahr aus Hamburg.\nHartmann aus Coblenz (in Köln f .\nHerrmann aus Nord hausen.\nSeifarth aus Hamburg.\nFischer I. aus Ballenstädt.\nBurgmüller aus Düsseldorf, f, 1827 1829.\nGerke 11. aus Lüneburg.\nSchmidt aus Rinteln.\nGüth aus Kassel, -j-.\nBuhlmann aus Hamm.\nCarl aus Rudolstadt. 1827.\nBrandt aus Rudolstadt.\nMohr aus Kopenhagen, -f-.\nSiebert aus Arolsen.\nScheuermann aus Arolsen.\nFranzen aus Celle.\nWaizmann aus Berlin, 1828.\nGötz aus Pösneck.\nSehmiedekampf aus Rostock.\nEichler aus Leipzig.\nMawkes aus London, 1830.\nFischeil aus Königsberg.\nAttern aus Iserlohn, f.\nHeise aus Ludwigslust.\nReiter9) aus Wertheim, 1831.\nPfeiffer aus Hersfeld.\nWill aus Hanau.\nWinter aus Leipzig.\nGöhring aus Coburg."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590507-01.1.7", "texte": "Kiel lfl) aus Sondcrshausen.\nDeichert aus Kassel.\nMaier aus Anspach.\nLindner aus Hamm.\nBerninger aus Mainz, 1831.\nAbel aus Greifswalde, -j- in Petersburg.\nBallin aus Hanau.\nSchöne aus Brünn.\nKarbowsky aus Kassel.\nHarras aus Arnstadt, 1833.\nAbel (zum zweiten Male) aus Greifswalde, +, 1833.\nWölff aus Crefeld, 1833.\nBlagrowe aus London, 1833.\nMartin aus Hanau, 1834.\nGö(z (zum zweiten Male), 1834.\nBrandenburg aus Erluit, 1834.\nKrämer aus Braunschweig, 1834.\nBork aus Königsberg, 1835.\nReder aus Würzburg, 1835.\nSartori aus Würzburg, 1835.\nWeidemüller aus Gotha, 1835.\nBärwolf aus Montabaur, 1835.\nHill aus New-York, 1835.\nFischer 11. aus Ballenstädt, 1835.\nMansbach aus Kassel, 1836.\nHeisterhagen aus Kassel, 1836.\nllovard aus London, 1836.\nllauck aus Petersburg, 1836.\nHornziel aus Lemberg, 1836.\nHohler aus Eckardsberg, 1836.\nWinterstein aus Dresden, 1836.\nHaltmorth aus Dessau, 1837.\nGackstatter aus Rotenburg, 1837 —lB3B.\nLandowsky aus Warschau, 1837 —1839.\nSchneider aus Schweinfurt. 1837 —lB3B.\nWalbrül aus Bonn, 1837.\nEisenbaum aus Warschau, 1837 —lB3B.\nJacobi aus Göttingen, f, 1838.\nKopf aus Cuxhafen, 1838.\nLethierry (Dilettant) aus Lille, 1838.\nMeisner.\nLuminais aus Paris, 1838 —1839.\nHerdtmann aus Friedland, 1839.\nHapp aus Meiningen (f in Frankreich), 1839.\nAbendroth aus Greussen, 1839.\nMüller aus Münster, 1839 —lB4O.\nWegener aus Eimbeck, 1839 —lB4O.\nBode aus Kothen, 1840.\nWittich aus Kothen, 1840.\nBöhm aus Gandersheim, 1840.\nLehmann aus Nürnberg, 1840.\nWenigmann, F., aus Königswinter, 1840.\nRostad aus Norwegen, 1840.\nHeuckeroth aus Eschwege, 1841.\nBott11) aus Kassel, 1840.\nSchürmann aus Bielefeld.\nLangenbach aus Iserlohn.\nUnger aus Göttingen.\nGreiner aus Schwarzburg-Rudolstadt, 1841\nMahr aus Hildburghausen, 1841.\nBeyerle aus Minden, 1842.\nTivendell aus Liverpool, 1842.\nStähle aus Kassel.\nDeichmann, Karl, aus Hannover, 1842.\nGräve aus Westfalen, 1842.\nGeorges aus Nordhausen, 1843.\nFriedrich aus Crefeld, 1843.\nRange aus Grimmen bei Stralsund, 1843.\nSchletterer.\nBührmann aus Kassel.\nBoie aus Altona, 1844.\nKömpel, Aug.I 2), aus Brückenau.\nZeiss aus Allendorf.\nJacobsen aus Altona.\nWichmann, Hermann, aus Berlin, 1845.\nHauser aus Wien.\nKerbusch aus Köln.\nMalibran aus Paris.\nWalbrül 11. aus Bonn.\nKassier aus Sondershausen.\nKuhnert aus Köln, 1846.\nJacobi aus Coburg.\nNeumann aus Breslau.\nMayer aus Herford.\nOtto aus Magdeburg, 1847.\nRichter aus Breslau, 1848.\nHerrmann aus Hanau.\nJacobi 11. aus Göttingen, f, 1849.\nSchmidt aus Hannover.\nHüny aus Horgan bei Zürich.\nBargheer13) aus Bückeburg.\nDietz aus Marburg.\nRundnagel aus Hersfeld, 1851.\nHartmann aus Rossbach, 1852.\nWaldau.\nHassel aus Hagen.\nSchöler aus Weimar.\nDilcher aus Fulda.\nHunnemann aus Möhringen.\nSpohr, Karl, aus Orpherode bei Allendorf."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590507-01.1.8", "texte": "Tofte aus Kopenhagen.\nHerbold aus Kassel.\nZipf aus Kassel, 1856.\nTannenbaum aus Wolfhagen.\nHeineinann aus Kassel.\nBemerkungen.\nObige Liste ist eine Copie des Original-Verzeichnisses\nvon L. Spohr. Nur der vierte Name in der Liste, Wiz-\nmann, scheint nicht richtig zu sein, kann vielleicht auch\nWizenmann heissen. Das Sterbezeichen -j* befindet sich\ngleichfalls in der Original-Liste vermerkt. [Bei mehreren\nNamen ist es von uns hinzugefügt. Die Redaction.]\nDie angegebenen Städte sind nicht immer mit dem\nGeburtsorte identisch; z. B. Heisst es: Kiel aus Sondershau-\nsen. Kiel ist in Wiesbaden geboren; sein Vater war wahr-\nscheinlich zu jener Zeit in Sondershausen beschäftigt, als\nder Sohn zu Spohr kam.\nJ) Spohr, Dr. Louis, geboren den 5. April 1784\nzu Braunschweig. Der Vater von Dr. L. Spohr kam\nbald nach dessen Geburt von Braunschweig nach Seesen,\ndaher rühren die falschen Angaben. Er erhielt den Titel\nGeneral-Musik-Director bei seinem 25jährigen Amts-Jubi-\nläum in Kassel (1846), vom König von Preussen den Ro-\nthen Adler-Orden 111. Classe. Pensionirt 1857.\n2) Spohr, Ferdinand, Bruder von Louis, geboren den\n12. Juli 1792 zu Seesen, f 10. März 1831 zu Kassel.\n3) Lübke, Sohn des vor etwa acht Jahren zu Bücke-\nburg verstorbenen Concertmeisters.\n4) Schmidt, Simon Georg, geboren den 21. März 1801\nzu Detmold, jetzt in Bremen, früher in Halle, Gemahl der\nSängerin Johanna Schmidt, geb. Wolf.\n5) Grund, Eduard, geboren im Mai 1802 zu Ham-\nburg. Seit 1829 Hof-Capellmeister in Meiningen; daselbst\nim vorigen Jahre in den Ruhestand getreten und durch\nBott ersetzt.\n6) Gerke, Otto, geboren den 13. Juli 1805 in Lüne-\nburg, lebt zu Paderborn. Er sagte mir, dass er zwei Mal bei\nSpohr gewesen. Sein Bruder, Gerke 11., lebt in Hannover.\n7) Pott, Aug., geboren 7. Nov. 1806 zu Nordheim.\nK) Mühlenbrink, wahrscheinlich Mühlenbruch, Hein-\nrich, geboren den 13. October 1803 zu St. Thomas (West-\nindien), Schüler Spohr's, seit 1841 Hof-Capellmeister in\nSchwerin. Ging seit Flotow's Anstellung ab und ist durch\nAloys Schmitt ersetzt. Sein Vater wohnte wahrscheinlich\ndamals in Altona.\n9) Reiter, Ernst, geboren den 30. März 1814 zu\nWertheim, Musik-Director in Basel.\n1!)) Kiel, Aug., geboren den 26. Mai 1813 zu Wies-\nbaden, Hof-Capellmeister in Detmold, Bruder der Sängerin\nFrancisca Cornet, geb. Kiel.\nn) Bott, Jean Joseph, geboren den 9. März 1826 zu\nKassel, Hof-Capellmeister in Meiningen.\n12j Kömpel, Aug., geboren den 15. August 1832 zu\nBrückenau, seit October 1852 Kammermusiker und Solo-\nspieler in Hannover.\nI 3) Mitglied der Hofcapelle zu Detmold.\n/ w\nMinden.\n\nC. B."}]}