{"numero_id": "bm-bmtnabi-1859-05-14-01", "volume": "bmtnabi_1859-05-14_01", "ocr_sha256": "aa883ef167caeb42d22d76e40fbf4ca13943a85506e63376b50eb2bbd0d89d11", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1859/05/14_01/bmtnabi_1859-05-14_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590514-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1859-05-14-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-05-14_01#c001", "volume": "bmtnabi_1859-05-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "153", "page_fin": "153", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590514-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "153", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590514-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 474, "texte": "Inhalt.\nPariser Briefe („Le Pardon de Ploermel\",komische Oper von G. Meyerbeer). II. — Aus Bremen (Rückblick auf\ndie verflossene musicalische Saison). Von -11. - Aus Mainz (Rückblick auf die verflossene Saison). - Prüfungs-Concert des kölner\nConservatoriums — Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Musik-Director Eduard Franck — Münster, Vereins-Concert — Medin-\ngen, Capellmeister J. J. Bott — Hannover — Mecklenburg-Schwerin — Regensburg — Wien — Petersburg, Frau Bosio f)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-05-14-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-05-14_01#c002", "volume": "bmtnabi_1859-05-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "153", "page_fin": "154", "image_debut": 1, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590514-01.2.2", "titre_corps": "Pariser Briefe.", "titre_sommaire": "Pariser Briefe.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "153", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590514-01.1.1", "debut_caractere": 476, "fin_caractere_exclue": 3811, "texte": "Pariser Briefe.\n[t,Le Pardon de Ploermelkomische Oper von\nG. Meyerbeer] -\nII.\nEs klopft an die Thür, die Schläfer fahren auf, und\nDinorah entflieht durchs Fenster. Herein tritt Hoel (Ba-\nriton), der Geliebte Dinorah's, ein vollständiger Lump, der\nauch nicht eine Spur von Interesse erregen kann, zusam-\nmengesetzt aus Treulosigkeit, Arbeitsscheu, Habsucht,\nAberglauben, Brutalität, Heimtücke bis zum vorbedachten\nMord. Ich übertreibe vielleicht? Man höre! Er verlässt\nseine Braut am Hochzeitstage, weil sie nichts mehr hatte;\ner bringt ein Jahr bei einem alten Hexenmeister zu, der\nihm die Hälfte eines Schatzes verspricht; der Alte beichtet\nihm auf dem Sterbebette, dass er ihn nur als künftiges\nOpfer beim Heben des Schatzes aufgenommen; denn wer\nzuerst den Stein berühre, unter dem der Schatz vergraben\nsei, der sterbe in demselben Jahre. Zur Busse seiner sünd-\nhaften Absicht lehrt er ihn die Zauberformeln, durch die\nder Schatz zu heben. Iloel wählt sich nun einen alten Be-\nkannten aus seiner Heimat, der eben so habsüchtig ist,\nwie er, zum Opfer; desshalb kehrt er zurück (jetzt sind\nwir in der Scene). Er findet den alten Ivon nicht mehr\nam Leben und entschüesst sich, dessen Neffen Corentin\nzur Genossenschaft zu bereden und ihm dann die tödliche\nRolle zu übertragen. Ja, als Beide in dem Thale des Flu-\nches ( Val maudit) ans Schatzheben gehen, Corentin aber\ndie heimtückische Grossmuth seines Genossen durchschaut\nhat, willigt Iloel sogar in den Vorschlag, die eigene Braut\nals Opfer voran zu schicken, ein! Als sie dann beim Ge-\nwittersturme in den Bergstrom stürzt, schlägt endlich sein\nGewissen, er holt sie heraus und heirathet sie!\nEs war nothwendig, diesen Charakter zu schildern,\num zu zeigen, was das für eine Figur ist, welche gewisse\nBerichte einen „phantasievollen Ziegenhirten\",\neinen „kühnen Schatzgräber\" u. s. w. nennen, und\num darzulegen, aus welchen Elementen heutzutage die ko-\nmische Oper der Franzosen der ehemaligen Meister\nin interessanter Verwicklung, in harmlosem Scherz und\nWitz, in Anmuth und Grazie —• und insbesondere die\nneueste „bretonische Idylle\" Meyerbeer's und seiner Li-\nbrettisten zusammengesetzt ist. Konnte die musicalische\nCharakteristik dieser Figur eine andere werden, als die\nBertram's, des Teufels mit dem Herzen voll Liebe, und\nJohann's von Leyden, des gottbegeisterten bewussten Be-\ntrügers?\nDies offenbart sich denn auch gleich in der grossen\nArie E-m011,%-Tact, Allegro spirito, mit welcher\nHoel auftritt, nachdem er Corentin weggeschickt, um Wein\nzu holen:\n0 puissante magie,\nIvresse de nies\nEmpörtes loin de moi\nLe remords et l'e/froi.\nSie ist durchweg eine neue Auflage jener Ausdrucksweise\neiner wilden, dämonischen Leidenschaft, die sich Meyer-\nbeer durch eigenthümliche, instrumentalmässig behandelte\nMelodie und noch mehr durch eigenthümliche Rhythmisi-\nrung geschaffen hat, und die wir aus seinen früheren Wer-\nken sattsam kennen. Die Freunde dieser Darstellungsart\ncontrastirender Gefühle in Einem und demselben Men-\nschen werden das Talent des Componisten hier ganz und\ngar wiederfinden; man kann dieser Arie nur das vorwer»\nfen, dass sie die frühere Manier mehr wiederholt, als durch\nneue Wendungen steigert. Das zweite Allegro in\n„j De Vor, de l'oru,tritt wunderlich genug im Polonaisen-\nTact ganz aus dem rhythmischen und melodischen Cha-\nrakter des ersten heraus:"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "154", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590514-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3850, "texte": "macht aber bei gutem Vortrage von Seiten des Sängers,\ndem zum Schlüsse noch eine brillante Triolen-Coloratur\nzugetheilt worden, die übrigens hier mehr als sonst bei\nMeyerbeer an ihrer Stelle ist, grossen Effect. Die Wirkung\nder sentimentalen Stellen, in denen der Schatzgräber von\nden moralischen Qualen seiner Seele spricht und danii\nversichert, dass er nur aus Liebe und nur für Dinorah\nhabsüchtig u. s. w. sei, wird durch die innere Unwahrheit\ngelähmt. Selbst Fetis kann bei allem Lobe, das er der\nOper spendet, doch sein ehrliches Gefühl in Bezug hierauf\nnicht unterdrücken und „bedauert gewisser Maassen, eine\nso schöne melodische Phrase aus dem Munde eines solchen\nSubjectes zu hören\".\nHoel bemüht sich, den neuen Genossen zutraulich zu\nmachen, erzählt ihm, dass man sich beim Schatzgraben\ndurch allerlei teuflische Blendwerke nicht irren lassen\ndürfe, trinkt ihm wacker zu u. s. w.—theils gesprochener\nDialog, theils zwei Duette. Das erste derselben enthält\nnach einem kurzen Andante in C-moll, in dem schauerlich\ngenug von jenen Blendwerken die Rede ist, die Beschwö-\nrungsformel, mit der die gespenstischen Wächter des\nSchatzes vertrieben werden müssen; Hoel spricht sie vor,\nCorentin spricht sie nach. Das Ganze ist mehr Gespräch\nals Gesang, aber die Notirung in Stimme und Unisono-Be-\ngleitung in der tiefen Octav durch Posaune und Contra-\nbass, alles in abgestossenen Achteln mit Achtelpause zwi-\nschen je zweien, ist pikant. Sonderbar, dass das Motiv\n(.Fis-moll, 4/4-'Tact):\nan die Unisono-Stelle der Bässe und Bratschen in Beelho-\nven's Phantasie für Ciavier und Orchester, Op. 80:\nerinnert, in welcher allerdings auch etwas Geheimniss-\nvolles liegt, das nachher vor der Klarheit des Eintrittes\nder Horner verschwindet. Wenn Meyerbeer Corentin bei\nder Wiederholung des Obigen die Worte in einem Contra-\nMotiv stets zwischen den vorgesprochenen Achteln (also\nauf die Pausen) nachsprechen lässt, so ist das ein hübscher\nEffect, der das Talent des Componisten für dergleichen\npikante Details wieder bekundet. Berlioz sagt indess, Gretry\nhabe im „Richard\" bereits denselben komischen Effect in\neinem Duettino angebracht.\nDas zweite Duett, während dessen Corentin sich be-\ntrinkt, um Courage zu bekommen die Züge aus der\nFlasche werden von absteigenden chromatischen Tonleitern\nim Bass begleitet! —, ist nicht so hübsch gemacht, die In-\nstrumental-Spielereien sind fade, und das letzte Thema ist\nwieder eine Polka. Ueberhaupt ist der Stil hier und an\nvielen anderen Stellen so beschaffen, dass man auf die Ver-\nmulhung kommt, Flotow's Lorbern hätten den Compo-\nnisten nicht ruhen lassen.\nEs ist dunkel geworden. Man hört draussen Dinorah\nund das Glöckchen ihrer Ziege, welches einen halben Ton\ntiefer geworden ist (viergestrichenes f), wahrscheinlich\ndurch die feuchten Nebel der Nacht. Ich habe vergessen,\nzu sagen, dass dem Iloel verheissen worden, eine Ziege\nwerde ihn zu der Stelle des Schatzes führen. Er erkennt\ndaher an dem Tone des Glöckchens eine glückliche Vor-\nbedeutung. Die Stimmen Dinorah's, die ihr Thierlein\nsucht, und drinnen im Zimmer Hoel's und Corentin's ver-\neinigen sich zu einem Terzett, 2/4-Tact,\nDieses Stück ist ein reizendes, wirklich idyllisches Ton-\nbildchen, fein und zierlich in Melodie und Instrumentirung,\nvon schmeichelndem Eindruck. Unbegreiflich, wie Berlioz\ndarin die steigende Courage des halbtrunkenen Corentin\nund die sombre energie des Schatzgräbers finden konnte*),\nda gar keine Charakteristik einzelner Personen und nichts\nDramatisches in diesem Musikstücke liegt; die beiden Män-\nnerstimmen begleiten, nachdem sie das Thema des Soprans\nzweistimmig wiederholt haben, die Oberstimme fast immer\nnur harmonisch. Das Glöckchen spielt seine Rolle bis zu\nEnde fort, ohne jedoch zu dreist zu werden; gegen den\nSchluss erhöhen ferner Donner und vollständige Finster -\nniss seine Wirkung. Der Vorhang fällt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-05-14-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-05-14_01#c007", "volume": "bmtnabi_1859-05-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "154", "page_fin": "157", "image_debut": 2, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590514-01.2.3", "titre_corps": "Aus Bremen.", "titre_sommaire": "Aus Bremen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "154", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590514-01.1.2", "debut_caractere": 3852, "fin_caractere_exclue": 4394, "texte": "Aus Bremen.\nIm Mai 1859.\nDie grosse Jahresuhr hat so eben die fünfte Stunde,\nden Mai, verkündet, der Fink ruft unaufhaltsam sein\n„Pink, pink\", und die Monde lässt Ball- und Concertsaal\nund geht hinaus, den „alten, lieben Liedern\" der gefieder-\nten Musicanten zu lauschen.\nWir ziehen es derweil vor, in stiller Beschaulichkeit\neinen Rückblick auf die verflossene Saison zu werfen, und\n\n*) Auch der Referent in den „Signalen\" nennt dieses Stück ,,ein\nEnsemble, das den ersten Act unter den grossartigsten\nEindrücken schliesst'M D ie -Redaction,"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "155", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590514-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5373, "texte": "da bietet sich ein so reiches Bild musicalischen Lebens dar,\ndass wir uns gedrungen fühlen, dasselbe den Lesern Ihres\nBlattes in einigen Hauptstrichen vorzuführen.\nVoran im Vordergrunde stehen die Privat-Concerte,\nd. h. Sinfonie-Concerte im Stile der leipziger Gewandhaus-\nConcerte, deren eil!' in jedem Jahre gegeben werden, und\ndie oratorischen Aufführungen der Sing-Akademie, welche\nbeide von dem städtischen Musik-Director, Herrn Rein-\nthal er, geleitet werden. Die Leistungen der Privat-Con-\ncerte verdienen einen grösseren Buf, als sie bei der abge-\nschiedenen Lage Bremens erlangt haben. Das hiesige Or-\nchester (24 Violinen, 8 Violen, 8 Celli, 6 Contrabässe)\nzeichnet sich durch Präcision im Zusammenspiel, durch\nschnelle Auffassungskraft und einen gewissen Schwung\naus; es fehlt auch nicht an einzelnen hervorragenden Kräf-\nten in demselben. Die Ausbildung des Dilettantismus hat\neine grosse Iheilnahme für Orchestermusik hervorgerufen,\nso dass seit einer Beihe von Jahren die Liste der Abon-\nnenten geschlossen erscheint, und dass trotz der diesjähri-\ngen Vergrösserung des Saales (er soll bei Sinfonie-Auffüh-\nrung mit Akademie-Chor nicht ganz für 800 Zuhörer\nBaum haben) noch viele Wünsche unberücksichtigt blei-\nben mussten. Auch verdankt Bremen der Direction, dass\nim Laufe der Saison die meisten namhaften Künstler, wel-\nche Norddeutschland berühren, auch in den hiesigen Pri-\nvat-Concerten auftreten.\nDie Programme der Concerte, obwohl sie der classi-\nschen wie der neueren Orchestermusik Genüge thaten, lit-\nten früher durch den Umstand an einer gewissen Mono-\ntonie, dass chorische Aufführungen unmöglich waren.\nDurch die Mitwirkung der Sing-Akademie, welche in die-\nsem Winter zu Stande kam, ist dieser Einseitigkeit begeg-\nnet worden, so dass diese Concerte in der That einen so-\nliden Ileerd für die Pflege echter Kunst in glücklichster\nund umfassendster Weise bilden.\nVon fremden Instrumentalisten hörten wir die Ciavier-\nspieler: Louis B rassin (ö-mo/Z-Concert von Mendelssohn),\nvon früher her noch in gutem Andenken; Fräulein Za-\ndrobslek aus Prag, eine vielversprechende jugendliche\nErscheinung, wenn auch künstlerisch noch nicht ganz ge-\nreift [Es-dur-Concerlvon Beethoven); Herrn Franck aus\nKöln, der durch den classischen, vollendeten Vortrag des\nC'-moll-Concertes von Beethoven und der e von\nBach die Kenner entzückte; die Flötenspieler Gebrüder\nDoppler aus Pesth; den Cellisten Herrn Grützmacher\naus Leipzig in einem Concerte von Molique und einer eige-\nnen Phantasie; die Harfenspielerin Fräulein Marie Mös-\nner aus Salzburg, die als ein aufsteigender Stern erster\nGrosse hier bewundert wurde.\nDie Reihe der Violinspieler eröffnete Herr Blagrove\naus London. Viel Interesse erregte das Auftreten des Herrn\nLudwig Strauss aus Wien (Violin-Concert von Molique\nin A-moll und kleinere Piecen); er verbindet mit vortreff-\nlicher Technik Ruhe und Noblesse der Auflassung, und\nohne durch irgend eine Eigenschaft ganz besonders zu\nglänzen, gehört er entschieden zu den besten unter den\njüngeren Geigern. Herr Concermeister von Königslövv\naus Köln errang mit dem Concert von Spohr, Nr. 9 J)~\nmott, einen schönen Erfolg. Die Weichheit seines Tones,\ndie Wärme und künstlerische Abrundung seines Vortrages\nlanden lebhafte Anerkennung; von seiner früheren Wirk-\nsamkeit in Bremen kamen ihm Sympathie und Freund-\nschalt entgegen. Ihm folgte Herr Capellmeister Bott aus\nMeiningen, ein höchst interessanter Spieler und Compo-\nnist. Im Vortrage eines eigenen Concertes, welches nicht\nohne Originalität ist und Gelegenheit bietet, glänzende\nEigenschalten der Technik zu entfalten, zeigte er schwung-\nhaften Vortrag, eigentümliche Gluth und eine Art Rapi-\ndität im Ausdruck der musicalischen Gedanken. Etwas\nmehr Grösse des Tones und harmonische Ruhe der Dar-\nstellung hätte man vonSpohr'sSchüler erwartet. Joachim\nbeschloss die Saison; er spielte diesmal Kreutzer und eine\nPhantasie von Robert Schumann. Wenn die letztere wirk-\nlich die Verehrung verdient, die ihr Joachim widmet, so\nist sie wenigstens Caviar für die Menge. Joachim spielte\nwie immer mit höchster Meisterschaft.\nAn Sängern und Sängerinnen ist kein Ueberfluss, doch\nwar die Saison nicht ohne glänzende Erscheinungen. Es\ntraten auf Fräul. Brenken, Fräul. Krüger aus Schwe-\nrin, Fräul. Bury, Frau Platzhoff, Fräul. Bochkoltz*\nFalconi, Fräul. Schreck, Herr Karl Schneiderund\nHerr Julius Stockhausen. Frau Platzhoff ist eine ce-\no\nborene Bremerin; doch auch abgesehen davon freute man\nsich über ihren anmuthigen, graziösen Gesang, zumal da\nein solcher immer seltener zu werden beginnt. Fräul. Fal-\nconi imponirte durch die Grösse ihrer Mittel und die pracht-\nvolle Technik. Stockhausen entzückte durch die Eigen*\nschalten, durch die er sich überall den Rang eines Meister*\nsängers im höchsten Sinne des Wortes erworben hat. Er\nsang „Mentre ti lascioo figlia\" von Mozart, dann die Arie\ndes Seneschall und Schubert'sche Müller-Lieder. Unmittel*\nbar neben ihm hatte Fräul. Burv mit Lieder-Vorträgen\neinen schweren Stand; sie ist noch immer im Besitz ihrer\nnamentlich in der Höhe so ansprechenden Stimme; ihre\nArie aus F'igaro fand vielen Beifall. Herr Schneider sang\ndie Paulus-Arie mit Cello-Solo, die Pylades-Arie und den\nLiederkreis von Beethoven. Sein sympathischer Ton, sein\ngediegener, echt deutscher Vortrag stellen ihn hier wie\nüberall auf einen der ersten Plätze unter den jetzieren Ivri*\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "156", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590514-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5364, "texte": "sehen Tenören. Fräul. Schreck scheint ihm in der Rich-\ntung ihrer Kunst verwandt; sie verbindet mit noblem\nStimmklange solide Technik, Einfachheit und Wärme des\nAusdrucks. Sie trug die Scenen aus Orpheus und die Arie\nder Passions-Musik von Bach mit obligater Violin-Beglei-\ntung vor; ausserdem wirkte sie zwei Mal im Oratorium\n„Jephta\" mit.\nUnter den etwa zwanzig Ouvertüren, welche das Or-\nchester vortrug (von Gluck, Mehul, Mozart, Cherubini,\nBeethoven, Weber, Mendelssohn, Gade, Rietz), war nur\nEine Neuigkeit, welche Franck's Anwesenheit herbeiführte,\nseine Ouvertüre zum Römischen Carneval, die, ohne be-\nsonders hervorzuragen, angenehm berührte. Besonderen\nWerth müssen wir auf die Sorgfalt legen, mit der auch\nalte, namentlich Cherubini'sche Werke (Anakreon, Fa-\nniska) diesmal behandelt wurden. Die Ruhe, die Durch-\nsichtigkeit und Klarheit der Ausführung verdanken wir\ndem besonderen Fleisse, mit welchem Herr Reinthaler die\nSachen einstudirt. Die Manie, durch rapide, überstürzende\nTempi einen Effect zu erzwingen, liegt ihm durchaus fern;\nauf die feinen Details, auf den charakteristischen Vortrag\nder einzelnen Phrasen, auf Steigerungen, auf classische\nHaltung und harmonisches Zusammenstreben war ein vor-\nzüglicher Nachdruck gelegt, und so konnte es nicht fehlen,\ndass das Publicum eine hohe Befriedigung bei Aufführung\ndieser Werke empfand.\nVon Sinfonieen war Mozart durch die G-moll-, Haydn\ndurch die (Nr. 2) vertreten. Es wäre wün-\nschenswerth, dass beide Meister, die bildendsten für das\nOrchester selbst und für die Reinheit des Geschmacks,\nrecht oft zur Aufführung kämen. Wenn die Klarheit ihrer\nZeichnung, die Feinheit und Grazie des Ausdrucks, die\nWärme des Colorits, welche sie verlangen, ein dauerndes\nObject so ernster Studien bleiben, wie sie in der diesjäh-\nrigen Saison gewesen sind, so wird nach dieser Seite hin\ngewiss noch ein bedeutender Fortschritt im Orchester er-\nreicht werden. Von Mendelssohn kam Nr. 4, von Gade\nNr. 3, A-moll, von Schumann Nr. 1 in zur Auf-\nführung. Hiesige Verehrer und persönliche Freunde Schü-\nhaben viel zum Verständniss seiner Werke beige-\ntragen. Von Beethoven'schen Sinfonieen hörten wir die\nEroica, die B-dur-, C-moll-, A und die neunte Sinfo-\nnie. Die Aufführung der letzteren, nach einer Reihe von\nJahren zum ersten Male (wenn man will, so gut wie neu),\nwar die bedeutendste That des Orchesters. Das überaus\nglückliche Gelingen derselben gereichte allen Betheiligten\nzur grössten Ehre. Die Veranstaltung der Direction, der\nAufführung der ganzen Sinfonie die Aufführung der drei\nersten' Sätze vierzehn läge im Concerte vorangehen zu\nlassen, erwies sich als zu eckmässig (?). Orchester und Chor\nfanden Zeit, sich in das Werk durch öftere Proben hinein-\nzuleben, und das Publicum wurde in einer Weise ange-\nregt, wie es noch keiner Sinfonie gegenüber vorgekommen\nist; auch haben Männer die Proben besucht, die man noch\nniemals da gesehen hatte.\nEin gutes Stück dieses Erfolges muss dem rastlosen\nStreben des Herrn Musik-Directors Beinthaler zugeschrie-\nben werden, der überall geeignete Kräfte zur Mitwirkung\nheranzog und nicht müde wurde, in Uebungen und Proben\ndas Werk zum Verständniss und zur technisch sicheren\nAufführung zu bringen. Nicht nur die Solisten (die Cadenz\ngelang gut), auch der Chor sang mit Begeisterung und\nüberwand die hohe Lage mit unerwarteter Leichtigkeit.\nDie Sing-Akademie hat in dem letzten Jahre einen grossen\nAufschwung genommen. Sie besteht aus etwa 200 Mit-\nwirkenden. Es finden sich hier, sei es durch Gunst des\nZufalls oder der klimatischen Verhältnisse, viele weiche\nund angenehme Stimmen, namentlich Frauenstimmen, man\nstudirt mit Eifer und Sorgfalt und hat einen wohlklingen-\nden Gesammtton und eine Feinheit der Nuancirung er-\nreicht, die nicht häufig anzutreffen sein dürften. Dieser\nErfolg ist wohl zumeist dem Dirigenten, der bekanntlich\nein tüchtiger Sänger und Gesanglehrer ist, zu verdanken.\nLeider gestatten die Raumverhältnisse nur die Aufstellung\neines Chors von höchstens 120 Personen. Ausser der neun-\nten Sinfonie sang die Akademie (im zehnten Concerte) die\nChöre aus Orpheus von Gluck und „Es ist ein' Ros' ent-\nsprungen\" von Prätorius, letzteres in so anmuthiger Aus-\nführung, dass der in Bremen unerhörte Fall eines Dacapo-\nRufes eintrat. Im siebenten Concerte trug der Chor „Ave\nverum\" von Mozart, „Atta trinitä beatau und den 114.\nPsalm von Mendelssohn: „Da Israel aus Aegypten zog\",\nin gelungenster Ausführung vor.\nDie Sing-Akademie selbst veranstaltete ausserdem\ndrei Oratorien-Aufführungen. Ein Ereigniss für Bremen\nwar die Aufführung des Reinthaler'sehen Oratoriums\n„Jephta\" in der Domkirche. Wir haben für die Aufstel-\nlung grosser Massen und für das Publicum in seiner To-\ntalität keinen anderen Raum als die ehrwürdige Kathe-\ndrale, deren starker, akustischer Nachhall nur dann ge-\ndämpft erscheint, wenn sie vollständig gefüllt ist. Sie fasst\nüber 3000 Menschen; bei der Aufführung des Jephta\nsollen 2400 Zuhörer zugegen gewesen sein, eine Anzahl,\nwelche an die Verhältnisse der Musikfeste erinnert. Die\nschöne Architektonik des gothischen Baues erhöht die poe-\ntische Stimmung, die Erleuchtung und vollständige Hei-\nzung nähert den Raum der Idee, eines Concertsaales. Die\nAufführung des Jephta war glänzend ausgestattet; die\nprachtvolle Orgel von 62 klingenden Stimmen erhöhte an\neinigen Stellen ganz ausserordentlich die Orchesterwirkung,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "157", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590514-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3172, "texte": "Tür deren Detail der Dom nicht günstig ist. Die Soli wa-\nren in den Händen von Herrn DuMont-Fier, der seinen\nKuf als Sänger vollständig bewährte, Herrn Göbbels,\nFräul. Schreck und einer hiesigen Dilettantin, Fräul. M.,\neiner Dame mit schönen Stimmmitteln und bemerkenswer-\nther künstlerischer Ausbildung. Fräul. Mösner hatte die\nHarfen-Partie übernommen. Dass unter der Leitung des\nComponisten der Chor vortreff lich einstudirt war, dass er\ndas Werk seines Dirigenten mit Enthusiasmus sang, braucht\nkaum erwähnt zu werden. Der Eindruck des Ganzen war\nein so gewaltiger, dass er den einstimmigen Beschluss der\nAkademie veranlasste, das Werk noch einmal zu geben.\nDiese zweite Aufführung fand im Laufe des April und im\nConcertsaale Statt. Hier traten die dramatischen Seiten\ndes Oratoriums prägnanter hervor, die Details gewannen\nan Leben und Wärme, namentlich trat die Orchestration\nin ein helleres Licht. Das Werk wurde auch diesmal mit\nEnthusiasmus und ehrenvoller Auszeichnung aufgenommen.\nStatt des Herrn DuMont hatte Herr Sabbath aus Berlin\ndie Bass-Partie übernommen (er hat herrliche Mittel und\nedlen Vortrag); die Sopran-Partie sang Fräul. 8., eine\nhiesige Dilettantin mit einer Stimme, deren Grösse und sel-\ntener Wohllaut die Aufmerksamkeit in weiteren Kreisen\nverdient. Sie singt dabei glockenrein und ist echt musica-\nlisch; die Solo-Partie in der neunten Sinfonie gelang ihr\nausgezeichnet.\nAm Charfreitage gab die Sing-Akademie mit hiesigen\nKräften (den Herren Wallenreiter und Waldmann\nvom Stadttheater) das Requiem von Mozart in der Dom-\nkirche in schöner, abgerundeter Aufführung.\nNimmt man hierzu die Thätigkeit der anderen Gesang-\nVereine, welche ihr Entstehen einer Zeit verdanken, in\nder es galt, durch Gegensätze eine gewisse Frische des\nmusicalischen Lebens zu bewahren, den Cäcilien-Ver-\nein unter Leitung des Herrn Concertmeisters Schmidt\n(Hiller'sLoreley, Gade's Erlkönigs Tochter, Messias), einen\nkleineren Gesang-Verein unter Leitung des Pianisten Herrn\nEngel (Paradies und Peri), den Dom-Chor unter Leitung\ndes Herrn Kurth (er gab zwei Kirchen-Concerte, Chöre\na capellavon Palestrina, Vittoria, Lotti, Melchior Frank,\nAllegri u. s. w., dazwischen freie Orgel-Vorträge und Aus-\nführung Bach'scher Compositionen durch Herrn Musik-Di-\nrector Reinthaler), die Liedertafel unter Herrn Reinthaler's\nLeitung, sodann sechs sehr besuchte Soireen für Kammer-\nmusik, gegeben von den Herren Rötlicher, Sastedt,\nSchmidt und Cabysius, schliesslich den blühenden\nKünstler-Verein, in dessen Mitte manche musicalische Vor-\nträge gehalten werden—so stellt sich das Bild eines reich\nbewegten musicalischen Lebens in Bremen zusammen.\nUnter den jüngeren Künstlern möchte Referent noch\nzwei hervorheben, welche nicht nur als Ciavierspieler, son-\ndern auch als Componisten auf dem Gebiete der Kammer-\nmusik mit Talent und Erfolg sich versuchen: Herrn Mer-\ntel, dessen Trio von hiesigen Kennern als schwungvoll\nund nicht ohne Eigenthümlichkeit bezeichnet wird (Refe-\nrent hat es nicht gehört), und Herrn Streudner, von\nwelchem ein Streich-Quartett und ein Trio, sich an Mo-\nzart und Beethoven's erste Periode glücklich anschliessend,\ngern und öfters gehört wurden. —11."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-05-14-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-05-14_01#c008", "volume": "bmtnabi_1859-05-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "157", "page_fin": "158", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590514-01.2.4", "titre_corps": "Aus Bonn.", "titre_sommaire": "Aus Bonn.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "157", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590514-01.1.5", "debut_caractere": 3174, "fin_caractere_exclue": 6008, "texte": "Aus Bonn.\n[Letztes Abonnements -Concert Ueber künstlerisches\nS ch äffen.]\nDen 20. April 1859.\nDie Reihe unserer Winter-Concerte ist nun auch geschlossen.\nDem Händel'schen Jephta folgten am 15. d. Mts. zwei Mozart'sche\nWerke: die Sinfonie C-dur und das Requiem. Sie werden mit mir\ngestehen: Das war ein schöner Schluss! Ein ganzer Concert-Abend\nnur mit Mozart'scher Musik ausgefällt so gut wird es einem\nnicht oft in unseren Tagen, und Herr Dietrich soll hier auch den\ngebührenden Dank empfangen, sowohl für die Wahl der Werke alg\nauch für die befriedigende Ausführung derselben. Das Orchester hielt\nsich im Ganzen recht wacker; der Chor, offenbar von der Herrlich-\nkeit des Werkes ergriffen, that seiner Aufgabe in schöner Weise\nGenüge; besonders der Damen im Sopran muss ich rühmend geden-\nken, vornehmlich das Lacrimosa haben sie mit sicherem Ausdruck\nund echter Innigkeit vorgetragen. Fräulein Francisca Schreck,\nobgleich während der letzten Tage so vielfach in Anspruch genom-\nmen, hatte dennoch den Quartetten ihre kräftige Mitwirkung nicht\nentzogen. Sie mögen Sieh leicht denken, wie mächtig und ergreifend\ndas Judex ergo und Recordare aus ihrem Munde klang; haben Sie\ndoch zwei Tage später Bach's ~Erbarme Dich\" von ihr gehört.\nDie Sinfonie hat uns wieder mit dem ganzen Zauber ihrer\nSchönheit erfasst. Man fühlt sieh oft in Versuchung, einem Mozart'-\nseben Werke alles das nachzurühmen, was man an einem vollkom-\nmen liebenswürdigen Menschen zu preisen pflegt. Welche Anmuth!\nwelche ungesuchte Zierlichkeit und Sicherheit der Bewegung! wie\nklar und einfach und doch wie mächtig und eindringlich in jedem\neinzelnen Ausdrucke! welche Vollendung und innere Uebereinstim-\nmung des Ganzen, die aus der überall gleichmässig vertheilten\nKraft entspringt! Aber wenn wir alle diese rühmenswerthen Eigen-\nschaften hervorheben, wenn wir ihnen auch noch so viele andere\nähnliche hinzufügen wie wenig ist damit zur Bezeichnung des\neigentlichen Wesens dieser Kunstwerke gesagt! Dieses Lob bezieht\nsich nur auf die Form, die Hülle, in die es dem Künstler gefallen\nhat, sein Werk zu kleiden. Wir können eine vollkommene Einsicht\nin die Vollendung dieser Form besitzen und dennoch fern davon\nsein, den geistigen Gehalt des Werkes erfasst zu haben. Denn wie\njedes Werk der Natur als ein eigenthiimliches dasteht, das nur aus\nsich selbst erkannt werden mag, so lebt auch in jeder Schöpfung\nder Kunst ein eigentümliches Leben, das uns ergreift, an dem wir\nmit unserer Empfindung Theil nehmen müssen, ein Leben, dessen\nTiefen sich nur dem erschliessen, der sich mit unbefangener Hinge-\nbung in sie versenkt. So unbegränzt das Reich der menschlichen\nEmpfindung ist, so unbegränzt ist das Gebiet, das der musicalische\nKünstler sein eigen nennt; wie aber auch der Gehalt seiner Schö-\npfungen in unendlicher Mannigfaltigkeit wechseln mag, stets bleibt"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590514-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6886, "texte": "ihm die Aufgabe gestellt, das mannigfaltig Wechselnde unter das\neine strenge, unerbittliche Gesetz der Form zu beugen, welches\nzugleich das Gesetz der Schönheit ist, und dadurch erst seine Schö-\npfung, zum Unterschiede von allen anderen Erzeugnissen der geisti-\ngen Tliätigkeit des Menschen, zu einer künstlerischen zu er-\nheben.\nAber in dem Geiste des wahren Künstlers vollzieht sich diese\nVereinigung von Form und Gehalt ihm selbst unbewusst. Ihm steht\nnicht das Gesetz der Form als etwas Fremdes, Zwingendes gegen-\nüber, dem er sich wohl fügt, weil die Reflexion ihm diese Satzung\nals eine heilsame erkennen lässt; nein, er trägt das Gesetz in sich;\nihm zu gehorchen, ist die nothwendige Bedingung seiner Natur;\ndie Forrr), erzeugt sich in ihm stets von Neuem mit jedem neuen\nGegenstande seines Schaffens. Denn das ist die Seligkeit, die eben\nnur dem Künstler beschieden wird, dass alles, was er denkt und\nfühlt, ihm alsbald in lauterer Form verklärt sich darstellt als ein\nselbstständiges, in sieh zur Einheit abgeschlossenes Ganzes So kann\ndas, was ursprünglich ihm allein angehörte, das Eigenthum Aller\nwerden; es hat nun ein wirkliches, unzerstörbares Dasein, das einem\njeden zur Freude und Erhebung sich offenbart, der solche herr-\nlichste Offenbarung des Menschengeistes in sich aufzunehmen fähig\nist. Kein echter Künstler kann jenes höchste Gesetz der Form um-\nstossen wollen; er miisste damit sich selbst seiner Würde entkleiden.\nDas feindliche Anstreben gegen jene Satzung kann nur von denen\nausgehen, die, ihres Unvermögens sich bewusst, ihre Schwäche vor\nsich und Anderen verbergen und zugleich rechtfertigen wollen, in-\ndem sie das Gesetz als eine der Kunst aufgedrungene Fessel schmä-\nhen, ihm in Theorie und Praxis mit einem gewissen edlen Trotze\nden Gehorsam aufkündigen und auf die grossen Meister, die be-\nschränkt genug waren, diesem Gesetze doch einige Geltung zu ver-\nstatten, mit einem kaum verhehlten Mitleid herabsehen. Und in der\nThat, sie müssen das Gesetz nur wie eine Fessel empfinden. Wie\nsollte in ihnen die Erkenntniss lebendig werden, dass in der Kunst\nwie im Leben erst das Gesetz die Freiheit gibt? Sie blicken ängst-\nlich darauf hin, wie das Kind auf die Ruthe in der Hand des\nSchulmeisters. Wenn auch nicht im höheren Sinne erfreulich, so ist\nes doch zuweilen ganz ergötzlich und unterhaltend, anzuschauen, zu\nwelchen wunderlichen Wendungen und Krümmungen sie sich zwin-\ngen müssen, um nur jenem gefürchteten schweren Joche zu ent-\ngehen; so wenig man von dem Kinde ein Loblied auf die Ruthe\nerwarten darf, so wTenig darf man von ihnen eine freie, freudige An-\nerkennung des Gesetzes fordern, das ihnen nur als ein von dem lau-\nnischen Zuchtmeister verordnetes Zwangs- und Strafmittel erscheint.\nAn diese hochsinnigen Verächter des höchsten Kunstgesetzes\nschliessen sieh nun die zahmeren Gemüther an, für die jene Vereini-\ngung eines mächtigen geistigen Gehaltes mit einer fest bestimmten,\nscheinbar widerstrebenden Form etwas Unfassbares bleibt. Sie wäh-\nnen, wie im Leben, so auch in der Kunst müsse starke Leiden-\nschaft, überströmende Empfindung über jede Gränze hinausgehen,\njeder äusseren Beschränkung spotten ; sie fürchten, die Form schwäche\ndie G ewalt des Ausdrucks oder lasse wenigstens die Natürlichkeit\nnicht aufkommen, die sie vor Allem so gern dem Kunstwerke zu-\neignen möchten. Sie wissen eben die Form auch nur als eine Be-\nschränkung der freien Schöpferkraft aufzufassen; sie wissen sich\nnicht zur Anschauung jener ursprünglichen Einheit von Form und\nGehalt zu erheben, in der aller Kunst Anfang und Ende beschlossen\nist; weil es der refleetirende Verstand nicht zu fassen vermag, wie\ndiese Einheit erzeugt wird, so ist sie für ihre Betrachtung nicht\nvorhanden. Und allerdings, wenn wir auch die Notwendigkeit dieser\nEinheit theoretisch darthun können, wie sie im Künstler sich bildet,\nso dass sie im Kunstwerke wahrnehmbar hervortritt, das ist uns\nallen eiu Geheimniss, das wir als solches anerkennen müssen. Hier\nist der Punkt, WQ die wunderbare schöpferische Thätigkeit des\nKünstlers beginnt, die wir nicht zergliedern können, die jeder for-\nschenden Betrachtung sich entzieht,* in geheimnissvoller Vereinigung\nwirken alle verschiedenartigen Kräfte des Künstlers auf ein gemein-\nsames Ziel hin, und so entstehen jene höchsten Schönheiten, die,\nwie ungeahnte Wunder, uns rühren nnd erschüttern: es ist das\ngrosse Geheimniss alles Schaffens, Jeglichem offenbar und von Kei-\nnem ergründet.\nIn jeder Kunst gelten diejenigen als die Ersten, in deren Wer-\nken jene Einheit Vollendet sich darstellt, deren Schöpfungen vor Al-\nlem Kunstwerke sind. Künstlern wie Sophokles, Raphael, Händel\noder Mozart hat man wohl immer mit ziemlicher Einstimmigkeit\nden ersten Platz zuerkannt. Doch sind sie es nicht immer, denen\nman sich mit der grössten Begeisterung, mit schwärmerischer Liebe\nanschliesst. Es scheint, die wenigsten Menschen sind fähig, das\nSchöne rein als solches zu erfassen und sich unbefangen seinen Ein-\nwirkungen hinzugeben. Die Meisten suchen im Kunstwerke nach\neinem, wenn ich so sagen darf, menschlichen Anhaltspunkt; sie\nwollen im Künstler vor Allem den MenschPh sehen mit seinen\nungebändigten Leidenschaften, mit seinen schrankenlosen Empfindun-\ngen, wie sie sich gegen die Unterjochung unter das Schöne gleich-\nsam sträuben; an diesen entzündet sich denn auch ihre Leiden-\nschaft, ihre Empfindung, und nun erst ist ihre Theilnahme für das\nKunstwerk rege geworden. Jene unmittelbare Begeisterung und\nLiebe erwecken daher vorzüglich die Künstler, deren Naturen man\nwohl, ich weiss nicht, ob mit Recht, als titanische bezeichnet hat,\ndie mit einer grossartigen Individualität eine mächtige Schöpferkraft\nverbinden, denen es aber nicht gelungen ist, alle verschiedenen\nKräfte ihres Wesens unter sich und die Gesammtheit ihres Wesens\nmit dem Leben und mit der Kunst in Uebereinstimmung zu bringen.\nNach dieser Harmonie, dem höchsten, beneidenswürdigsten Gute des\nKünstlers, ringen sie, und ihre Werke gestalten sich von selbst zu\neiner Darstellung dieses Ringens. Je gewaltiger die Kraft des Indi-\nviduums ist, das allein den Mächten der Welt zum Kampfe gegen-\nüber tritt, um so ergreifender wird das Schauspiel dieses Kampfes,\num so erhebender ist der Sieg, der dem Künstler endlich in der\nVersöhnung mit diesen Mächten zu Theil wird. In diesem Riesen-\nkampfe nun glaubt so Mancher ein Bild seines eigenen Zwiespalts\nmit sich und dem Leben zu erkennen ; er glaubt sich berechtigt,\nund er findet eine Befriedigung darin, alle die Empfindungen, die\ndieser Zwiespalt in ihm erregt hat, in das Kunstwerk hinein zu\nlegen, und so wird sein Verhältniss zu demselben ein pathologisches.\nMit einem gewissen Wohlgefallen an sich selbst fühlt er sich nun\nals Mensch dem Künstler verwandt, der, wie er wähnt, dieselben\nKämpfe und Leiden, in denen auch er sich umgetrieben, zum mäch-\ntigen künstlerischen Ausdruck bringt.\n(Schluss folgt)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-05-14-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-05-14_01#c009", "volume": "bmtnabi_1859-05-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "158", "page_fin": "159", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590514-01.2.5", "titre_corps": "Aus Mainz.", "titre_sommaire": "Aus Mainz.", "signature_source": "A", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590514-01.1.6", "debut_caractere": 6888, "fin_caractere_exclue": 7681, "texte": "Aus Mainz.\n\nDen 1. Mai 1859.\nMit der gestrigen Vorstellung im Theater und dem vorgestrigen\nConcerte des Kunst-Vereins hat die diesjährige Saison ittr Ende er-\nreicht, und zwar zur rechten Zeit, denn die warmen Frühlingstage\nsowohl wie die drohenden Wolken am politischen Horizonte began-\nnen schon mächtig zum Nachtheil der Kunst ihre Wirkung zu\näussern Das Gastspiel des Herrn Nie mann war daher auch in\nden letzten Tagen das einzige Mittel, die Räume des Theaters eini-\nger Maassen zu füllen. Auch hier wurde er in den Partieen des\nRaoul und Eleazar allgemein als ein Sänger begrüsst, der nicht al-\nlein eine Stimme von seltener Schönheit und ausdauernder Kraft be-\nsitzt, sondern - wrorauf heutzutage sehr viel Werth zu legen ist\nauch zu singen versteht. Was die Leistungen der diesjährigen"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590514-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2541, "texte": "Oper unter der neuen Direction des Herrn Cramer betrifft, so kann\nman einerseits nicht in Abrede stellen, dass die einzelnen Gesanges -\nkräfte den hiesigen Verhältnissen entsprechend gut waren, und ver-\ndient von diesen namentlich hervorgehoben zu werden Fräulein Zum\nBusch, die bei einem sehr vorteilhaften Naturel über bedeutende\nStimmmittel zu verfügen hat und es bei einigem Fleiss sehr leicht\nzu einer Sängerin ersten Ranges bringen könnte. Andererseits ist je-\ndoch zu bedauern, dass selten die gehörige Sorgfalt auf das Ein-\nstudiren der Ensemblesätze verwandt wurde und in diesen daher\nstets eine Zerrissenheit herrschte, die bei der ungezügelten Willkür\nder Sänger sehr oft in musicalische Ungeheuerlichkeiten ausartete.\nIn den Kunstvereins-Concerten ist in der zweiten Hälfte der Sai-\nson eine Aenderung eingetreten. Differenzen mit dem Vorstande, der\nin diesen Concerten nur eine musicalische Unterhaltung seiner Mit-\nglieder bezweckt und die künstlerische Tendenz hintansetzt, haben\nden Herrn Capellmeister Lux bewogen, die Leitung dieser Concerte\nniederzulegen und seine ganze Thätigkeit dem mainzer Männer-Ge-\nsangverein zu widmen. An die Stelle des Herrn Lux ist nun der\nCapellmeister vom Stadttheater, Herr Schrameck, getreten, und\nscheint uns derselbe diese günstige Gelegenheit ergriffen zu haben,\num zu seinen Privatstudien mit den Mitteln des Kunstvereins Expe-\nrimente zu machen. Denn nach Anhörung der Mendelssohn'schen\nMusik zum Sommernachtstraum, der Eroica und der Haydn'schen\nj£s-d«r-Sinfonie ist es geradezu unmöglich, anzunehmen, dass Herr\nSchrameck je diese Werke dirigirt noch studirt hat; es gehört etwas\nmehr dazu, als mit Glace-Handschuhen nach den rhythmischen Be-\nwegungen des Orchesters den Tactstock zu schwingen. Der Eindruck\ndes Ganzen war der einer Dilettanten-Musik, und dass mit densel-\nben Kräften etwas ganz Anderes zu Stande gebracht werden kann,\nhaben die Herren Lux und Marpurg oft genug bewiesen.\nUeber die diesjährigen Concerte der Liedertafel in Verbin-\ndung mit dem Damen-Gesangverein sind wir diesmal in der\nangenehmen Lage, recht Erfreuliches berichten zu können. Zurück-\ngekehrt freilich durch den Zwang äusserer Verhältnisse von\ndem früheren Grundsatze, recht viel zu bieten, haben wir, statt acht»\nin diesem Winter nur zwei Concerte jener beiden Vereine gehabt;\nim ersten wurde Samson von fiändel und im zweiten das Re-\nquiem von Mozart nebst der B-dur-Sinfonie von Beethoven auf-\ngeführt, und verdient namentlich das letztere Concert als ein recht\ngelungenes bezeichnet zu werden.\n\nA."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-05-14-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-05-14_01#c010", "volume": "bmtnabi_1859-05-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "159", "page_fin": "159", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590514-01.2.6", "titre_corps": "Prüfungs-Concert des kölner Conservatoriums.", "titre_sommaire": "Prüfungs-Concert des kölner Conservatoriums.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590514-01.1.7", "debut_caractere": 2543, "fin_caractere_exclue": 4809, "texte": "Prüfungs-Concert des kölner Conservatoriums.\nFreitag, den 6. Mai 1859.\nDie Zöglinge der Anstalt traten in folgenden Vorträgen auf:\nErster Theil: 1) Sinfonie von W. A. Mozart (vierter Satz). 2)\nKirchen-Arie von Martini (Fräul. Jobanna Niethen). 3) Violin-Con-\ncert (Gesang-Scene) von Spohr (August Grüters aus Uerdingen). 4)\nRecitativ und Arie aus Jephta von Händel (Fräul. Elise Saart). 5)\nVariationen für Pianoforte zu vier Händen von Mozart (Fräul. Elise\nSchramm aus Essen und Fräul. Amalie Winzmann). 6) Die Hoff-\nnung, Chor für weibliche Stimmen von Rossini.\nZweiter Theil: 7) Trio für Piano, Violine und Violoncello von\nMendelssohn (erster Satz) (A. Grüters, G. Krill und Herr B. Breuer).\n8) Zwei Lieder: a. „Mignon\" von Götbe und Schubert; b. „Das\nVeilchen\" von Göthe und Mozart (Fräul. Pauline Wiesemann aus\nDresden). 9) Phantasie für Violine von Pixis (Georg Krill). 10) Die\nLiebe, Chor für weibliche Stimmen von Rossini (das Solo: Fräul.\nSaart). 11) Concert für vier Violinen von Maurer (Aug. Qriiters, G.\nKrill, Aug. Kufferath aus Mülheim an der Ruhr und Max Molberg\naus Bonn).\nUeberall zeigten die Ausführenden eine gediegene musicalische\nBildung und gaben erfreuliche Beweise von Fortschritten. Einige von\nbesonderen Anlagen unterstützte Zöglinge leisteten bereits Vorzüg-\nliches, namentlich Herr Georg Krill, der mit den Violin-Variationen\nvon Th. Pixis einen vollständigen Virtuosen-Erfolg errang. Herr\nAugust Grüters, von dem uns auch schon recht artige Compositions-\nVersuche vorgeführt worden sind, ist ein vielseitiges Talent, das ge-\nwiss die Stelle eines tüchtigen Musikers einmal ganz befriedigend\nausfüllen wird. Der Chor der Gesangschülerinnen trug die zwei\nGeänge von Rossini allerliebst vor; die Solosängerinnen können nicht\nzu den bedeutenden Stimmen gezählt werden, haben aber alle drei\neine recht gute Schule und in correctem Gesänge Ausdruck und\nAnmuth des Vortrags bekundet. Das zahlreich anwesende Publicum\nzeigte durch Aufmerksamkeit und aufmunternde Beifalls-Aeusserun-\ngen eine sehr rege rheilnahme für die Anstalt und ihr zunehmendes\nGedeihen. Auch die Bewilligung von jährlich 500 Thlrn. aus städti-\nschen Mitteln für dieselbe, welche vor Kurzem Statt gefunden hat,\nist ein erfreuliches Zeugniss der Anerkennung ihrer Wirksamkeit."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-05-14-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-05-14_01#c011", "volume": "bmtnabi_1859-05-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "159", "page_fin": "160", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590514-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "M", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590514-01.1.7", "debut_caractere": 4811, "fin_caractere_exclue": 6910, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\n\nKöln. Herr Musik-Director Eduard Franck, dem das Con-\nservatorium, die Abonnements-Concerte, die musicalische Gesellschaft\nund die Soireen für Kammermusik in den acht Jahren seiner hiesi-\ngen Wirksamkeit so viel zu verdanken haben, verlässt zu allgemei-\nnem Bedauern unsere Stadt, um dem ehrenvollen Rufe nach Bern\nals städtischer Musik-Director und Professor der Tonkunst an der\nUniversität zu folgen. Der Abend des 10. d. Mts. hatte die Kunst-\nfreunde von Köln zu einem Abschiedsmahle im Casino versammelt,\nbei welchem die ungeteilte Hochachtung, welche sich der Schei-\ndende als Künstler und als Mensch gewonnen, den lebhaftesten Aus-\ndruck in den mannigfachsten Offenbarungen durch Reden, Gedichte\nund Gesänge fand. Als bleibendes Zeichen der Erinnerung an seine\nhiesige Wirksamkeit wurden dem Gefeierten eine Dank-Adresse, auch\näusserlich ein wahres Kunstwerk, von den Vorständen des Conser-\nvatoriums, der Concert-Gesellschaft, der musicalischen Gesellschaft\nund der Kammermusik-Soireen durch Herrn Kühlweiter, gegenwärti-\ngen Director der musicalischen Gesellschaft, und ein e'fenbeinener,\nreich mit Gold verzierter Tactstock von seinen Kunstgenossen am\nConservatorium durch den Director desselben, Herrn Capellmeister\nHiller, überreicht. Möge der treffliche, durch Talent, Geist und Ge-\nsinnung ausgezeichnete Künstler in dem schönen Alpenlande sich\neinen recht befriedigenden Wirkungskreis schaffen und die Freund-\nschaft und Liebe wieder finden, die wir am Niederrheine ihm be-\nwahren werden!\nMiknstei*. Das Vereins-Concert am 30. April brachte uns eine\ngute Aufführung der B-dur-Sinfonie Nr. 4 von Beethoven und\nder Oberon-Ouverture von Weber. Fräulein Auguste Brenken\ntrug Mendelssohns Concert-Arie und zwei Lieder mit ausserordent-\nlichem Erfolge vor. Das Lied von Taubert: ~lch muss nun ein-\nmal singen\", trug sie mit der anmuthigsten Virtuosität vor und\nmusste versprechen, es im nächsten Vereins-Concerte noch einmal\nzu singen.\nHerr Capellmeister J. J. Bott in Meiningen hat einen An-\ntrag von der Direction des Stadttbeaters in Leipzig erhalten, zum"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "160", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590514-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5246, "texte": "Herbste d. J. die Stelle des ersten Capellmeisters an demselben an-\nzutreten. Es ist jedoch nicht wahrscheinlich, dass er ihn annehmen\nwerde.\nHannover« Der bekannte Flöten-Virtuose und k. Kammer-\nmusicus Herr Joh. Christian Heinemeyer ist mit Pension in\nden Ruhestand getreten. Er ist aus Celle gebürtig, machte bei einem\nRegiments-Musikcorps schon die Schlacht bei Waterloo mit und war\nseit 1820 Mitglied der k. hannoverschen Hofcapelle. Am 30. April\nd. J. gab er sein Abschieds-Concert unter der Direction des liof-\n<Kapellmeisters Dr. H. Marschner.\nMecklenburg-Seit werln« Das kürzlich im Schauspiel-\nhause mit verstärkten Chören und mit ausserordentlichem Erfolge\ngegebene vierte Abonnements - Concert unter Leitung von G. A.\nSchmitt brachte im ersten Theile die Ouvertüre zu Iphigenia in\nAulis, Hymne für Solostimmen und Männerchor von Franz Schubert,\nViolin-Concert von Bazzini, Scene und Chor der Friedensboten aus\nCola di llienzi'j den zweiten Theil füllte Beethoven's neunte Sinfonie\nmit dem Schlusschor, in Schwerin zum ersten Male aufgeführt. Die\nSolo-Parte der Gesangesnummern waren in den Händen der Damen\nUlrich und Göll mann und der Herren Seyffart, Hinze,\nKurt und Herr mann. Das Violin-Concert trug Herr Concertmei-\nster Jahn vor. Es ist ehrenwerth, dass die hiesigen Blätter sich\nmit vollständigen Analysen über das Riesenwerk Beethoven's be-\nschäftigen. Am Schiasse einer solchen heisst es in Nr. 08 des Meck-\nlenburger Hauptblattes: „Wenn wir auf die Reihe grosser und er-\nhabener Kunstwerke zurücksehen, welche uns in diesen Abonnements-\nConcerten dargeboten wurden, so müssen wir Herrn Hof-Capellmeister\nAloys Schmitt, als dem Unternehmer und Leiter derselben, un-\nsere ungetheilte Anerkennung seines genialen und erfolgreichen Wir-\nkens hiermit aussprechen, und wollen auch schliesslich noch der\nvielen schönen musicalischen Kräfte des Theater-Orchesters und der\nDilettanten, die Herr Schmitt zu dieser erfreulichen Vereinigung\nbrachte, dankend erwähnen, indem wir die Fortdauer gleicher Be-\nstrebungen. zum Wohle der Kunst von ganzem Herzen wünschen.\"\nIfceg;esiS?mrg9 9. Mai. Das bereits in diesen Blättern nach\neiner Correspondenz aus St. Gallen besprochene Werk des Pater\nSchubiger ist erschienen. Es führt den Titel: „Die Sänger-\nschule St. Gallens vom 8. bis 12. Jahrhundert'4, behandelt in\nhöchst anziehender Form die Geschichte aller um den kirchlichen\nGesang (Canlus Gregorianus) verdienten Brüder dieser berühmten\nBenedictiner-Abtei. Es begegnen uns da höchst achtungswerthc Per-\nsönlichkeiten : der Erfinder der Sequenzen, Notker, der Autor der\nComposition Alma Redemptoris, Hermann Contractus, Godeschalk,\nWippo u. s. w. In grosser Anzahl gibt das Werk Facsimiles von\nOriginal-Codices der Bibliothek von St. Gallen und von Einsiedeln. In\nfünfzig Exempeln versucht Schubiger eine Enträthseiung dieser in\nalten Neumen geschriebenen Compositionen, welche meist zum ersten\nMale gedruckt und entziffert erscheinen. Alles vereinigt sich, dieses\nin Quartform gedruckte, überaus splendid ausgestattete Werk zu\neiner bedeutenden Erscheinung auf dem Gebiete der Kunst zu\nmachen.\nMbrien« Es verlautet, Herrn Ander seien von Seiten der berli-\nner Opern-Intendanz so glänzende Anträge (unter Anderem eine le-\nbenslängliche Jahres-Pension von 6000 Thlrn.) gemacht worden, dass\nman glaubt, er werde dieselben nach Ablauf seiner hiesigen Ver-\npflichtungen annehmen. Rubinstein aus Petersburg war wieder\nwenige Tage hier, um nähere Verabredungen mit Herrn v. Mosen-\nthal wegen des Textes zu einer Oper zu treffen, deren Composition\nRubinstein noch im Laufe dieses Sommers zu beginnen beabsichtigt.\nEr ist nach London gegangen, wohin ihn ein Engagement des Con-\ncert-Unternehmers Ella ruft.\nPetersburg« Die am 12. April verstorbene Bosio stand in\nder Bliithe ihrer Jahre, als der Tod sie hin wegraffte. Sie war im\nJahre 1831 in Turin geboren und vollendete in Mailand unter des\nbekannten • Gesanglehrers Cattaneo Leitung ihre musicalischen Stu-\ndien. Mit 17 Jahren betrat sie in Mailand, der Wiege ihres Ruhmes,\nzum ersten Male die Bühne. Der Erfolg war grossartig. Von Mailand\nbegab sie sich nach Verona und später nach Madrid. Hier vermHblte\nsie sich mit Herrn Xinvavelonis, mit welchem sie die Reise nach\nAmerica antrat, wo sie während dreier Saisons in New-York enga-\ngirt war. Sie kehrte nach London zurück und sang unter Gye's Di-\nrection in Coventgarden. In Paris erhielt sie einen Ruf nach Peters-\nburg, wo sie in Folge der ausserordentlichen Erfolge auf drei Jahre\nengagirt wurde und ein Honorar von 100,000 Fl für die Saison er-\nhielt. Die Nachricht von ihrem Hinscheiden hat in allen Kreisen die\nlebhaftesten Sympathieen wachgerufen. Noch kürzlich von Sr. Ma-\njestät dem Kaiser durch Verleihung der grossen goldenen Künstler-\nMedaille, welche, von Brillanten umgeben, in ein Armband gefasst\nwar, ausgezeichnet, gefeiert von der gesammten intelligenten Gesell-\nschaft der Czaarenstadt, ist sie plötzlich dem unerbittlichen Tode\nanheimgefallen. Am 15. fand in der katholischen Kirche zur heiligen\nKatharina das pompöse Leichenbegängniss Statt. Demselben wohnten\nihre sämmtlieheu Collegen, die höchsten Hofwürdenträger, die Flü-\ngel-Adjutanten des Kaisers und der Grossfürsten, Minister, Diplo-\nmaten u. s. w. bei.\n\nDr. M."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "153", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590514-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nPariser Briefe („Le Pardon de Ploermel\",komische Oper von G. Meyerbeer). II. — Aus Bremen (Rückblick auf\ndie verflossene musicalische Saison). Von -11. - Aus Mainz (Rückblick auf die verflossene Saison). - Prüfungs-Concert des kölner\nConservatoriums — Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Musik-Director Eduard Franck — Münster, Vereins-Concert — Medin-\ngen, Capellmeister J. J. Bott — Hannover — Mecklenburg-Schwerin — Regensburg — Wien — Petersburg, Frau Bosio f).\n\nPariser Briefe.\n[t,Le Pardon de Ploermelkomische Oper von\nG. Meyerbeer] -\nII.\nEs klopft an die Thür, die Schläfer fahren auf, und\nDinorah entflieht durchs Fenster. Herein tritt Hoel (Ba-\nriton), der Geliebte Dinorah's, ein vollständiger Lump, der\nauch nicht eine Spur von Interesse erregen kann, zusam-\nmengesetzt aus Treulosigkeit, Arbeitsscheu, Habsucht,\nAberglauben, Brutalität, Heimtücke bis zum vorbedachten\nMord. Ich übertreibe vielleicht? Man höre! Er verlässt\nseine Braut am Hochzeitstage, weil sie nichts mehr hatte;\ner bringt ein Jahr bei einem alten Hexenmeister zu, der\nihm die Hälfte eines Schatzes verspricht; der Alte beichtet\nihm auf dem Sterbebette, dass er ihn nur als künftiges\nOpfer beim Heben des Schatzes aufgenommen; denn wer\nzuerst den Stein berühre, unter dem der Schatz vergraben\nsei, der sterbe in demselben Jahre. Zur Busse seiner sünd-\nhaften Absicht lehrt er ihn die Zauberformeln, durch die\nder Schatz zu heben. Iloel wählt sich nun einen alten Be-\nkannten aus seiner Heimat, der eben so habsüchtig ist,\nwie er, zum Opfer; desshalb kehrt er zurück (jetzt sind\nwir in der Scene). Er findet den alten Ivon nicht mehr\nam Leben und entschüesst sich, dessen Neffen Corentin\nzur Genossenschaft zu bereden und ihm dann die tödliche\nRolle zu übertragen. Ja, als Beide in dem Thale des Flu-\nches ( Val maudit) ans Schatzheben gehen, Corentin aber\ndie heimtückische Grossmuth seines Genossen durchschaut\nhat, willigt Iloel sogar in den Vorschlag, die eigene Braut\nals Opfer voran zu schicken, ein! Als sie dann beim Ge-\nwittersturme in den Bergstrom stürzt, schlägt endlich sein\nGewissen, er holt sie heraus und heirathet sie!\nEs war nothwendig, diesen Charakter zu schildern,\num zu zeigen, was das für eine Figur ist, welche gewisse\nBerichte einen „phantasievollen Ziegenhirten\",\neinen „kühnen Schatzgräber\" u. s. w. nennen, und\num darzulegen, aus welchen Elementen heutzutage die ko-\nmische Oper der Franzosen der ehemaligen Meister\nin interessanter Verwicklung, in harmlosem Scherz und\nWitz, in Anmuth und Grazie —• und insbesondere die\nneueste „bretonische Idylle\" Meyerbeer's und seiner Li-\nbrettisten zusammengesetzt ist. Konnte die musicalische\nCharakteristik dieser Figur eine andere werden, als die\nBertram's, des Teufels mit dem Herzen voll Liebe, und\nJohann's von Leyden, des gottbegeisterten bewussten Be-\ntrügers?\nDies offenbart sich denn auch gleich in der grossen\nArie E-m011,%-Tact, Allegro spirito, mit welcher\nHoel auftritt, nachdem er Corentin weggeschickt, um Wein\nzu holen:\n0 puissante magie,\nIvresse de nies\nEmpörtes loin de moi\nLe remords et l'e/froi.\nSie ist durchweg eine neue Auflage jener Ausdrucksweise\neiner wilden, dämonischen Leidenschaft, die sich Meyer-\nbeer durch eigenthümliche, instrumentalmässig behandelte\nMelodie und noch mehr durch eigenthümliche Rhythmisi-\nrung geschaffen hat, und die wir aus seinen früheren Wer-\nken sattsam kennen. Die Freunde dieser Darstellungsart\ncontrastirender Gefühle in Einem und demselben Men-\nschen werden das Talent des Componisten hier ganz und\ngar wiederfinden; man kann dieser Arie nur das vorwer»\nfen, dass sie die frühere Manier mehr wiederholt, als durch\nneue Wendungen steigert. Das zweite Allegro in\n„j De Vor, de l'oru,tritt wunderlich genug im Polonaisen-\nTact ganz aus dem rhythmischen und melodischen Cha-\nrakter des ersten heraus:"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "154", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590514-01.1.2", "texte": "macht aber bei gutem Vortrage von Seiten des Sängers,\ndem zum Schlüsse noch eine brillante Triolen-Coloratur\nzugetheilt worden, die übrigens hier mehr als sonst bei\nMeyerbeer an ihrer Stelle ist, grossen Effect. Die Wirkung\nder sentimentalen Stellen, in denen der Schatzgräber von\nden moralischen Qualen seiner Seele spricht und danii\nversichert, dass er nur aus Liebe und nur für Dinorah\nhabsüchtig u. s. w. sei, wird durch die innere Unwahrheit\ngelähmt. Selbst Fetis kann bei allem Lobe, das er der\nOper spendet, doch sein ehrliches Gefühl in Bezug hierauf\nnicht unterdrücken und „bedauert gewisser Maassen, eine\nso schöne melodische Phrase aus dem Munde eines solchen\nSubjectes zu hören\".\nHoel bemüht sich, den neuen Genossen zutraulich zu\nmachen, erzählt ihm, dass man sich beim Schatzgraben\ndurch allerlei teuflische Blendwerke nicht irren lassen\ndürfe, trinkt ihm wacker zu u. s. w.—theils gesprochener\nDialog, theils zwei Duette. Das erste derselben enthält\nnach einem kurzen Andante in C-moll, in dem schauerlich\ngenug von jenen Blendwerken die Rede ist, die Beschwö-\nrungsformel, mit der die gespenstischen Wächter des\nSchatzes vertrieben werden müssen; Hoel spricht sie vor,\nCorentin spricht sie nach. Das Ganze ist mehr Gespräch\nals Gesang, aber die Notirung in Stimme und Unisono-Be-\ngleitung in der tiefen Octav durch Posaune und Contra-\nbass, alles in abgestossenen Achteln mit Achtelpause zwi-\nschen je zweien, ist pikant. Sonderbar, dass das Motiv\n(.Fis-moll, 4/4-'Tact):\nan die Unisono-Stelle der Bässe und Bratschen in Beelho-\nven's Phantasie für Ciavier und Orchester, Op. 80:\nerinnert, in welcher allerdings auch etwas Geheimniss-\nvolles liegt, das nachher vor der Klarheit des Eintrittes\nder Horner verschwindet. Wenn Meyerbeer Corentin bei\nder Wiederholung des Obigen die Worte in einem Contra-\nMotiv stets zwischen den vorgesprochenen Achteln (also\nauf die Pausen) nachsprechen lässt, so ist das ein hübscher\nEffect, der das Talent des Componisten für dergleichen\npikante Details wieder bekundet. Berlioz sagt indess, Gretry\nhabe im „Richard\" bereits denselben komischen Effect in\neinem Duettino angebracht.\nDas zweite Duett, während dessen Corentin sich be-\ntrinkt, um Courage zu bekommen die Züge aus der\nFlasche werden von absteigenden chromatischen Tonleitern\nim Bass begleitet! —, ist nicht so hübsch gemacht, die In-\nstrumental-Spielereien sind fade, und das letzte Thema ist\nwieder eine Polka. Ueberhaupt ist der Stil hier und an\nvielen anderen Stellen so beschaffen, dass man auf die Ver-\nmulhung kommt, Flotow's Lorbern hätten den Compo-\nnisten nicht ruhen lassen.\nEs ist dunkel geworden. Man hört draussen Dinorah\nund das Glöckchen ihrer Ziege, welches einen halben Ton\ntiefer geworden ist (viergestrichenes f), wahrscheinlich\ndurch die feuchten Nebel der Nacht. Ich habe vergessen,\nzu sagen, dass dem Iloel verheissen worden, eine Ziege\nwerde ihn zu der Stelle des Schatzes führen. Er erkennt\ndaher an dem Tone des Glöckchens eine glückliche Vor-\nbedeutung. Die Stimmen Dinorah's, die ihr Thierlein\nsucht, und drinnen im Zimmer Hoel's und Corentin's ver-\neinigen sich zu einem Terzett, 2/4-Tact,\nDieses Stück ist ein reizendes, wirklich idyllisches Ton-\nbildchen, fein und zierlich in Melodie und Instrumentirung,\nvon schmeichelndem Eindruck. Unbegreiflich, wie Berlioz\ndarin die steigende Courage des halbtrunkenen Corentin\nund die sombre energie des Schatzgräbers finden konnte*),\nda gar keine Charakteristik einzelner Personen und nichts\nDramatisches in diesem Musikstücke liegt; die beiden Män-\nnerstimmen begleiten, nachdem sie das Thema des Soprans\nzweistimmig wiederholt haben, die Oberstimme fast immer\nnur harmonisch. Das Glöckchen spielt seine Rolle bis zu\nEnde fort, ohne jedoch zu dreist zu werden; gegen den\nSchluss erhöhen ferner Donner und vollständige Finster -\nniss seine Wirkung. Der Vorhang fällt.\n\nAus Bremen.\nIm Mai 1859.\nDie grosse Jahresuhr hat so eben die fünfte Stunde,\nden Mai, verkündet, der Fink ruft unaufhaltsam sein\n„Pink, pink\", und die Monde lässt Ball- und Concertsaal\nund geht hinaus, den „alten, lieben Liedern\" der gefieder-\nten Musicanten zu lauschen.\nWir ziehen es derweil vor, in stiller Beschaulichkeit\neinen Rückblick auf die verflossene Saison zu werfen, und\n\n*) Auch der Referent in den „Signalen\" nennt dieses Stück ,,ein\nEnsemble, das den ersten Act unter den grossartigsten\nEindrücken schliesst'M D ie -Redaction,"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "155", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590514-01.1.3", "texte": "da bietet sich ein so reiches Bild musicalischen Lebens dar,\ndass wir uns gedrungen fühlen, dasselbe den Lesern Ihres\nBlattes in einigen Hauptstrichen vorzuführen.\nVoran im Vordergrunde stehen die Privat-Concerte,\nd. h. Sinfonie-Concerte im Stile der leipziger Gewandhaus-\nConcerte, deren eil!' in jedem Jahre gegeben werden, und\ndie oratorischen Aufführungen der Sing-Akademie, welche\nbeide von dem städtischen Musik-Director, Herrn Rein-\nthal er, geleitet werden. Die Leistungen der Privat-Con-\ncerte verdienen einen grösseren Buf, als sie bei der abge-\nschiedenen Lage Bremens erlangt haben. Das hiesige Or-\nchester (24 Violinen, 8 Violen, 8 Celli, 6 Contrabässe)\nzeichnet sich durch Präcision im Zusammenspiel, durch\nschnelle Auffassungskraft und einen gewissen Schwung\naus; es fehlt auch nicht an einzelnen hervorragenden Kräf-\nten in demselben. Die Ausbildung des Dilettantismus hat\neine grosse Iheilnahme für Orchestermusik hervorgerufen,\nso dass seit einer Beihe von Jahren die Liste der Abon-\nnenten geschlossen erscheint, und dass trotz der diesjähri-\ngen Vergrösserung des Saales (er soll bei Sinfonie-Auffüh-\nrung mit Akademie-Chor nicht ganz für 800 Zuhörer\nBaum haben) noch viele Wünsche unberücksichtigt blei-\nben mussten. Auch verdankt Bremen der Direction, dass\nim Laufe der Saison die meisten namhaften Künstler, wel-\nche Norddeutschland berühren, auch in den hiesigen Pri-\nvat-Concerten auftreten.\nDie Programme der Concerte, obwohl sie der classi-\nschen wie der neueren Orchestermusik Genüge thaten, lit-\nten früher durch den Umstand an einer gewissen Mono-\ntonie, dass chorische Aufführungen unmöglich waren.\nDurch die Mitwirkung der Sing-Akademie, welche in die-\nsem Winter zu Stande kam, ist dieser Einseitigkeit begeg-\nnet worden, so dass diese Concerte in der That einen so-\nliden Ileerd für die Pflege echter Kunst in glücklichster\nund umfassendster Weise bilden.\nVon fremden Instrumentalisten hörten wir die Ciavier-\nspieler: Louis B rassin (ö-mo/Z-Concert von Mendelssohn),\nvon früher her noch in gutem Andenken; Fräulein Za-\ndrobslek aus Prag, eine vielversprechende jugendliche\nErscheinung, wenn auch künstlerisch noch nicht ganz ge-\nreift [Es-dur-Concerlvon Beethoven); Herrn Franck aus\nKöln, der durch den classischen, vollendeten Vortrag des\nC'-moll-Concertes von Beethoven und der e von\nBach die Kenner entzückte; die Flötenspieler Gebrüder\nDoppler aus Pesth; den Cellisten Herrn Grützmacher\naus Leipzig in einem Concerte von Molique und einer eige-\nnen Phantasie; die Harfenspielerin Fräulein Marie Mös-\nner aus Salzburg, die als ein aufsteigender Stern erster\nGrosse hier bewundert wurde.\nDie Reihe der Violinspieler eröffnete Herr Blagrove\naus London. Viel Interesse erregte das Auftreten des Herrn\nLudwig Strauss aus Wien (Violin-Concert von Molique\nin A-moll und kleinere Piecen); er verbindet mit vortreff-\nlicher Technik Ruhe und Noblesse der Auflassung, und\nohne durch irgend eine Eigenschaft ganz besonders zu\nglänzen, gehört er entschieden zu den besten unter den\njüngeren Geigern. Herr Concermeister von Königslövv\naus Köln errang mit dem Concert von Spohr, Nr. 9 J)~\nmott, einen schönen Erfolg. Die Weichheit seines Tones,\ndie Wärme und künstlerische Abrundung seines Vortrages\nlanden lebhafte Anerkennung; von seiner früheren Wirk-\nsamkeit in Bremen kamen ihm Sympathie und Freund-\nschalt entgegen. Ihm folgte Herr Capellmeister Bott aus\nMeiningen, ein höchst interessanter Spieler und Compo-\nnist. Im Vortrage eines eigenen Concertes, welches nicht\nohne Originalität ist und Gelegenheit bietet, glänzende\nEigenschalten der Technik zu entfalten, zeigte er schwung-\nhaften Vortrag, eigentümliche Gluth und eine Art Rapi-\ndität im Ausdruck der musicalischen Gedanken. Etwas\nmehr Grösse des Tones und harmonische Ruhe der Dar-\nstellung hätte man vonSpohr'sSchüler erwartet. Joachim\nbeschloss die Saison; er spielte diesmal Kreutzer und eine\nPhantasie von Robert Schumann. Wenn die letztere wirk-\nlich die Verehrung verdient, die ihr Joachim widmet, so\nist sie wenigstens Caviar für die Menge. Joachim spielte\nwie immer mit höchster Meisterschaft.\nAn Sängern und Sängerinnen ist kein Ueberfluss, doch\nwar die Saison nicht ohne glänzende Erscheinungen. Es\ntraten auf Fräul. Brenken, Fräul. Krüger aus Schwe-\nrin, Fräul. Bury, Frau Platzhoff, Fräul. Bochkoltz*\nFalconi, Fräul. Schreck, Herr Karl Schneiderund\nHerr Julius Stockhausen. Frau Platzhoff ist eine ce-\no\nborene Bremerin; doch auch abgesehen davon freute man\nsich über ihren anmuthigen, graziösen Gesang, zumal da\nein solcher immer seltener zu werden beginnt. Fräul. Fal-\nconi imponirte durch die Grösse ihrer Mittel und die pracht-\nvolle Technik. Stockhausen entzückte durch die Eigen*\nschalten, durch die er sich überall den Rang eines Meister*\nsängers im höchsten Sinne des Wortes erworben hat. Er\nsang „Mentre ti lascioo figlia\" von Mozart, dann die Arie\ndes Seneschall und Schubert'sche Müller-Lieder. Unmittel*\nbar neben ihm hatte Fräul. Burv mit Lieder-Vorträgen\neinen schweren Stand; sie ist noch immer im Besitz ihrer\nnamentlich in der Höhe so ansprechenden Stimme; ihre\nArie aus F'igaro fand vielen Beifall. Herr Schneider sang\ndie Paulus-Arie mit Cello-Solo, die Pylades-Arie und den\nLiederkreis von Beethoven. Sein sympathischer Ton, sein\ngediegener, echt deutscher Vortrag stellen ihn hier wie\nüberall auf einen der ersten Plätze unter den jetzieren Ivri*\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "156", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590514-01.1.4", "texte": "sehen Tenören. Fräul. Schreck scheint ihm in der Rich-\ntung ihrer Kunst verwandt; sie verbindet mit noblem\nStimmklange solide Technik, Einfachheit und Wärme des\nAusdrucks. Sie trug die Scenen aus Orpheus und die Arie\nder Passions-Musik von Bach mit obligater Violin-Beglei-\ntung vor; ausserdem wirkte sie zwei Mal im Oratorium\n„Jephta\" mit.\nUnter den etwa zwanzig Ouvertüren, welche das Or-\nchester vortrug (von Gluck, Mehul, Mozart, Cherubini,\nBeethoven, Weber, Mendelssohn, Gade, Rietz), war nur\nEine Neuigkeit, welche Franck's Anwesenheit herbeiführte,\nseine Ouvertüre zum Römischen Carneval, die, ohne be-\nsonders hervorzuragen, angenehm berührte. Besonderen\nWerth müssen wir auf die Sorgfalt legen, mit der auch\nalte, namentlich Cherubini'sche Werke (Anakreon, Fa-\nniska) diesmal behandelt wurden. Die Ruhe, die Durch-\nsichtigkeit und Klarheit der Ausführung verdanken wir\ndem besonderen Fleisse, mit welchem Herr Reinthaler die\nSachen einstudirt. Die Manie, durch rapide, überstürzende\nTempi einen Effect zu erzwingen, liegt ihm durchaus fern;\nauf die feinen Details, auf den charakteristischen Vortrag\nder einzelnen Phrasen, auf Steigerungen, auf classische\nHaltung und harmonisches Zusammenstreben war ein vor-\nzüglicher Nachdruck gelegt, und so konnte es nicht fehlen,\ndass das Publicum eine hohe Befriedigung bei Aufführung\ndieser Werke empfand.\nVon Sinfonieen war Mozart durch die G-moll-, Haydn\ndurch die (Nr. 2) vertreten. Es wäre wün-\nschenswerth, dass beide Meister, die bildendsten für das\nOrchester selbst und für die Reinheit des Geschmacks,\nrecht oft zur Aufführung kämen. Wenn die Klarheit ihrer\nZeichnung, die Feinheit und Grazie des Ausdrucks, die\nWärme des Colorits, welche sie verlangen, ein dauerndes\nObject so ernster Studien bleiben, wie sie in der diesjäh-\nrigen Saison gewesen sind, so wird nach dieser Seite hin\ngewiss noch ein bedeutender Fortschritt im Orchester er-\nreicht werden. Von Mendelssohn kam Nr. 4, von Gade\nNr. 3, A-moll, von Schumann Nr. 1 in zur Auf-\nführung. Hiesige Verehrer und persönliche Freunde Schü-\nhaben viel zum Verständniss seiner Werke beige-\ntragen. Von Beethoven'schen Sinfonieen hörten wir die\nEroica, die B-dur-, C-moll-, A und die neunte Sinfo-\nnie. Die Aufführung der letzteren, nach einer Reihe von\nJahren zum ersten Male (wenn man will, so gut wie neu),\nwar die bedeutendste That des Orchesters. Das überaus\nglückliche Gelingen derselben gereichte allen Betheiligten\nzur grössten Ehre. Die Veranstaltung der Direction, der\nAufführung der ganzen Sinfonie die Aufführung der drei\nersten' Sätze vierzehn läge im Concerte vorangehen zu\nlassen, erwies sich als zu eckmässig (?). Orchester und Chor\nfanden Zeit, sich in das Werk durch öftere Proben hinein-\nzuleben, und das Publicum wurde in einer Weise ange-\nregt, wie es noch keiner Sinfonie gegenüber vorgekommen\nist; auch haben Männer die Proben besucht, die man noch\nniemals da gesehen hatte.\nEin gutes Stück dieses Erfolges muss dem rastlosen\nStreben des Herrn Musik-Directors Beinthaler zugeschrie-\nben werden, der überall geeignete Kräfte zur Mitwirkung\nheranzog und nicht müde wurde, in Uebungen und Proben\ndas Werk zum Verständniss und zur technisch sicheren\nAufführung zu bringen. Nicht nur die Solisten (die Cadenz\ngelang gut), auch der Chor sang mit Begeisterung und\nüberwand die hohe Lage mit unerwarteter Leichtigkeit.\nDie Sing-Akademie hat in dem letzten Jahre einen grossen\nAufschwung genommen. Sie besteht aus etwa 200 Mit-\nwirkenden. Es finden sich hier, sei es durch Gunst des\nZufalls oder der klimatischen Verhältnisse, viele weiche\nund angenehme Stimmen, namentlich Frauenstimmen, man\nstudirt mit Eifer und Sorgfalt und hat einen wohlklingen-\nden Gesammtton und eine Feinheit der Nuancirung er-\nreicht, die nicht häufig anzutreffen sein dürften. Dieser\nErfolg ist wohl zumeist dem Dirigenten, der bekanntlich\nein tüchtiger Sänger und Gesanglehrer ist, zu verdanken.\nLeider gestatten die Raumverhältnisse nur die Aufstellung\neines Chors von höchstens 120 Personen. Ausser der neun-\nten Sinfonie sang die Akademie (im zehnten Concerte) die\nChöre aus Orpheus von Gluck und „Es ist ein' Ros' ent-\nsprungen\" von Prätorius, letzteres in so anmuthiger Aus-\nführung, dass der in Bremen unerhörte Fall eines Dacapo-\nRufes eintrat. Im siebenten Concerte trug der Chor „Ave\nverum\" von Mozart, „Atta trinitä beatau und den 114.\nPsalm von Mendelssohn: „Da Israel aus Aegypten zog\",\nin gelungenster Ausführung vor.\nDie Sing-Akademie selbst veranstaltete ausserdem\ndrei Oratorien-Aufführungen. Ein Ereigniss für Bremen\nwar die Aufführung des Reinthaler'sehen Oratoriums\n„Jephta\" in der Domkirche. Wir haben für die Aufstel-\nlung grosser Massen und für das Publicum in seiner To-\ntalität keinen anderen Raum als die ehrwürdige Kathe-\ndrale, deren starker, akustischer Nachhall nur dann ge-\ndämpft erscheint, wenn sie vollständig gefüllt ist. Sie fasst\nüber 3000 Menschen; bei der Aufführung des Jephta\nsollen 2400 Zuhörer zugegen gewesen sein, eine Anzahl,\nwelche an die Verhältnisse der Musikfeste erinnert. Die\nschöne Architektonik des gothischen Baues erhöht die poe-\ntische Stimmung, die Erleuchtung und vollständige Hei-\nzung nähert den Raum der Idee, eines Concertsaales. Die\nAufführung des Jephta war glänzend ausgestattet; die\nprachtvolle Orgel von 62 klingenden Stimmen erhöhte an\neinigen Stellen ganz ausserordentlich die Orchesterwirkung,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "157", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590514-01.1.5", "texte": "Tür deren Detail der Dom nicht günstig ist. Die Soli wa-\nren in den Händen von Herrn DuMont-Fier, der seinen\nKuf als Sänger vollständig bewährte, Herrn Göbbels,\nFräul. Schreck und einer hiesigen Dilettantin, Fräul. M.,\neiner Dame mit schönen Stimmmitteln und bemerkenswer-\nther künstlerischer Ausbildung. Fräul. Mösner hatte die\nHarfen-Partie übernommen. Dass unter der Leitung des\nComponisten der Chor vortreff lich einstudirt war, dass er\ndas Werk seines Dirigenten mit Enthusiasmus sang, braucht\nkaum erwähnt zu werden. Der Eindruck des Ganzen war\nein so gewaltiger, dass er den einstimmigen Beschluss der\nAkademie veranlasste, das Werk noch einmal zu geben.\nDiese zweite Aufführung fand im Laufe des April und im\nConcertsaale Statt. Hier traten die dramatischen Seiten\ndes Oratoriums prägnanter hervor, die Details gewannen\nan Leben und Wärme, namentlich trat die Orchestration\nin ein helleres Licht. Das Werk wurde auch diesmal mit\nEnthusiasmus und ehrenvoller Auszeichnung aufgenommen.\nStatt des Herrn DuMont hatte Herr Sabbath aus Berlin\ndie Bass-Partie übernommen (er hat herrliche Mittel und\nedlen Vortrag); die Sopran-Partie sang Fräul. 8., eine\nhiesige Dilettantin mit einer Stimme, deren Grösse und sel-\ntener Wohllaut die Aufmerksamkeit in weiteren Kreisen\nverdient. Sie singt dabei glockenrein und ist echt musica-\nlisch; die Solo-Partie in der neunten Sinfonie gelang ihr\nausgezeichnet.\nAm Charfreitage gab die Sing-Akademie mit hiesigen\nKräften (den Herren Wallenreiter und Waldmann\nvom Stadttheater) das Requiem von Mozart in der Dom-\nkirche in schöner, abgerundeter Aufführung.\nNimmt man hierzu die Thätigkeit der anderen Gesang-\nVereine, welche ihr Entstehen einer Zeit verdanken, in\nder es galt, durch Gegensätze eine gewisse Frische des\nmusicalischen Lebens zu bewahren, den Cäcilien-Ver-\nein unter Leitung des Herrn Concertmeisters Schmidt\n(Hiller'sLoreley, Gade's Erlkönigs Tochter, Messias), einen\nkleineren Gesang-Verein unter Leitung des Pianisten Herrn\nEngel (Paradies und Peri), den Dom-Chor unter Leitung\ndes Herrn Kurth (er gab zwei Kirchen-Concerte, Chöre\na capellavon Palestrina, Vittoria, Lotti, Melchior Frank,\nAllegri u. s. w., dazwischen freie Orgel-Vorträge und Aus-\nführung Bach'scher Compositionen durch Herrn Musik-Di-\nrector Reinthaler), die Liedertafel unter Herrn Reinthaler's\nLeitung, sodann sechs sehr besuchte Soireen für Kammer-\nmusik, gegeben von den Herren Rötlicher, Sastedt,\nSchmidt und Cabysius, schliesslich den blühenden\nKünstler-Verein, in dessen Mitte manche musicalische Vor-\nträge gehalten werden—so stellt sich das Bild eines reich\nbewegten musicalischen Lebens in Bremen zusammen.\nUnter den jüngeren Künstlern möchte Referent noch\nzwei hervorheben, welche nicht nur als Ciavierspieler, son-\ndern auch als Componisten auf dem Gebiete der Kammer-\nmusik mit Talent und Erfolg sich versuchen: Herrn Mer-\ntel, dessen Trio von hiesigen Kennern als schwungvoll\nund nicht ohne Eigenthümlichkeit bezeichnet wird (Refe-\nrent hat es nicht gehört), und Herrn Streudner, von\nwelchem ein Streich-Quartett und ein Trio, sich an Mo-\nzart und Beethoven's erste Periode glücklich anschliessend,\ngern und öfters gehört wurden. —11.\n\nAus Bonn.\n[Letztes Abonnements -Concert Ueber künstlerisches\nS ch äffen.]\nDen 20. April 1859.\nDie Reihe unserer Winter-Concerte ist nun auch geschlossen.\nDem Händel'schen Jephta folgten am 15. d. Mts. zwei Mozart'sche\nWerke: die Sinfonie C-dur und das Requiem. Sie werden mit mir\ngestehen: Das war ein schöner Schluss! Ein ganzer Concert-Abend\nnur mit Mozart'scher Musik ausgefällt so gut wird es einem\nnicht oft in unseren Tagen, und Herr Dietrich soll hier auch den\ngebührenden Dank empfangen, sowohl für die Wahl der Werke alg\nauch für die befriedigende Ausführung derselben. Das Orchester hielt\nsich im Ganzen recht wacker; der Chor, offenbar von der Herrlich-\nkeit des Werkes ergriffen, that seiner Aufgabe in schöner Weise\nGenüge; besonders der Damen im Sopran muss ich rühmend geden-\nken, vornehmlich das Lacrimosa haben sie mit sicherem Ausdruck\nund echter Innigkeit vorgetragen. Fräulein Francisca Schreck,\nobgleich während der letzten Tage so vielfach in Anspruch genom-\nmen, hatte dennoch den Quartetten ihre kräftige Mitwirkung nicht\nentzogen. Sie mögen Sieh leicht denken, wie mächtig und ergreifend\ndas Judex ergo und Recordare aus ihrem Munde klang; haben Sie\ndoch zwei Tage später Bach's ~Erbarme Dich\" von ihr gehört.\nDie Sinfonie hat uns wieder mit dem ganzen Zauber ihrer\nSchönheit erfasst. Man fühlt sieh oft in Versuchung, einem Mozart'-\nseben Werke alles das nachzurühmen, was man an einem vollkom-\nmen liebenswürdigen Menschen zu preisen pflegt. Welche Anmuth!\nwelche ungesuchte Zierlichkeit und Sicherheit der Bewegung! wie\nklar und einfach und doch wie mächtig und eindringlich in jedem\neinzelnen Ausdrucke! welche Vollendung und innere Uebereinstim-\nmung des Ganzen, die aus der überall gleichmässig vertheilten\nKraft entspringt! Aber wenn wir alle diese rühmenswerthen Eigen-\nschaften hervorheben, wenn wir ihnen auch noch so viele andere\nähnliche hinzufügen wie wenig ist damit zur Bezeichnung des\neigentlichen Wesens dieser Kunstwerke gesagt! Dieses Lob bezieht\nsich nur auf die Form, die Hülle, in die es dem Künstler gefallen\nhat, sein Werk zu kleiden. Wir können eine vollkommene Einsicht\nin die Vollendung dieser Form besitzen und dennoch fern davon\nsein, den geistigen Gehalt des Werkes erfasst zu haben. Denn wie\njedes Werk der Natur als ein eigenthiimliches dasteht, das nur aus\nsich selbst erkannt werden mag, so lebt auch in jeder Schöpfung\nder Kunst ein eigentümliches Leben, das uns ergreift, an dem wir\nmit unserer Empfindung Theil nehmen müssen, ein Leben, dessen\nTiefen sich nur dem erschliessen, der sich mit unbefangener Hinge-\nbung in sie versenkt. So unbegränzt das Reich der menschlichen\nEmpfindung ist, so unbegränzt ist das Gebiet, das der musicalische\nKünstler sein eigen nennt; wie aber auch der Gehalt seiner Schö-\npfungen in unendlicher Mannigfaltigkeit wechseln mag, stets bleibt"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590514-01.1.6", "texte": "ihm die Aufgabe gestellt, das mannigfaltig Wechselnde unter das\neine strenge, unerbittliche Gesetz der Form zu beugen, welches\nzugleich das Gesetz der Schönheit ist, und dadurch erst seine Schö-\npfung, zum Unterschiede von allen anderen Erzeugnissen der geisti-\ngen Tliätigkeit des Menschen, zu einer künstlerischen zu er-\nheben.\nAber in dem Geiste des wahren Künstlers vollzieht sich diese\nVereinigung von Form und Gehalt ihm selbst unbewusst. Ihm steht\nnicht das Gesetz der Form als etwas Fremdes, Zwingendes gegen-\nüber, dem er sich wohl fügt, weil die Reflexion ihm diese Satzung\nals eine heilsame erkennen lässt; nein, er trägt das Gesetz in sich;\nihm zu gehorchen, ist die nothwendige Bedingung seiner Natur;\ndie Forrr), erzeugt sich in ihm stets von Neuem mit jedem neuen\nGegenstande seines Schaffens. Denn das ist die Seligkeit, die eben\nnur dem Künstler beschieden wird, dass alles, was er denkt und\nfühlt, ihm alsbald in lauterer Form verklärt sich darstellt als ein\nselbstständiges, in sieh zur Einheit abgeschlossenes Ganzes So kann\ndas, was ursprünglich ihm allein angehörte, das Eigenthum Aller\nwerden; es hat nun ein wirkliches, unzerstörbares Dasein, das einem\njeden zur Freude und Erhebung sich offenbart, der solche herr-\nlichste Offenbarung des Menschengeistes in sich aufzunehmen fähig\nist. Kein echter Künstler kann jenes höchste Gesetz der Form um-\nstossen wollen; er miisste damit sich selbst seiner Würde entkleiden.\nDas feindliche Anstreben gegen jene Satzung kann nur von denen\nausgehen, die, ihres Unvermögens sich bewusst, ihre Schwäche vor\nsich und Anderen verbergen und zugleich rechtfertigen wollen, in-\ndem sie das Gesetz als eine der Kunst aufgedrungene Fessel schmä-\nhen, ihm in Theorie und Praxis mit einem gewissen edlen Trotze\nden Gehorsam aufkündigen und auf die grossen Meister, die be-\nschränkt genug waren, diesem Gesetze doch einige Geltung zu ver-\nstatten, mit einem kaum verhehlten Mitleid herabsehen. Und in der\nThat, sie müssen das Gesetz nur wie eine Fessel empfinden. Wie\nsollte in ihnen die Erkenntniss lebendig werden, dass in der Kunst\nwie im Leben erst das Gesetz die Freiheit gibt? Sie blicken ängst-\nlich darauf hin, wie das Kind auf die Ruthe in der Hand des\nSchulmeisters. Wenn auch nicht im höheren Sinne erfreulich, so ist\nes doch zuweilen ganz ergötzlich und unterhaltend, anzuschauen, zu\nwelchen wunderlichen Wendungen und Krümmungen sie sich zwin-\ngen müssen, um nur jenem gefürchteten schweren Joche zu ent-\ngehen; so wenig man von dem Kinde ein Loblied auf die Ruthe\nerwarten darf, so wTenig darf man von ihnen eine freie, freudige An-\nerkennung des Gesetzes fordern, das ihnen nur als ein von dem lau-\nnischen Zuchtmeister verordnetes Zwangs- und Strafmittel erscheint.\nAn diese hochsinnigen Verächter des höchsten Kunstgesetzes\nschliessen sieh nun die zahmeren Gemüther an, für die jene Vereini-\ngung eines mächtigen geistigen Gehaltes mit einer fest bestimmten,\nscheinbar widerstrebenden Form etwas Unfassbares bleibt. Sie wäh-\nnen, wie im Leben, so auch in der Kunst müsse starke Leiden-\nschaft, überströmende Empfindung über jede Gränze hinausgehen,\njeder äusseren Beschränkung spotten ; sie fürchten, die Form schwäche\ndie G ewalt des Ausdrucks oder lasse wenigstens die Natürlichkeit\nnicht aufkommen, die sie vor Allem so gern dem Kunstwerke zu-\neignen möchten. Sie wissen eben die Form auch nur als eine Be-\nschränkung der freien Schöpferkraft aufzufassen; sie wissen sich\nnicht zur Anschauung jener ursprünglichen Einheit von Form und\nGehalt zu erheben, in der aller Kunst Anfang und Ende beschlossen\nist; weil es der refleetirende Verstand nicht zu fassen vermag, wie\ndiese Einheit erzeugt wird, so ist sie für ihre Betrachtung nicht\nvorhanden. Und allerdings, wenn wir auch die Notwendigkeit dieser\nEinheit theoretisch darthun können, wie sie im Künstler sich bildet,\nso dass sie im Kunstwerke wahrnehmbar hervortritt, das ist uns\nallen eiu Geheimniss, das wir als solches anerkennen müssen. Hier\nist der Punkt, WQ die wunderbare schöpferische Thätigkeit des\nKünstlers beginnt, die wir nicht zergliedern können, die jeder for-\nschenden Betrachtung sich entzieht,* in geheimnissvoller Vereinigung\nwirken alle verschiedenartigen Kräfte des Künstlers auf ein gemein-\nsames Ziel hin, und so entstehen jene höchsten Schönheiten, die,\nwie ungeahnte Wunder, uns rühren nnd erschüttern: es ist das\ngrosse Geheimniss alles Schaffens, Jeglichem offenbar und von Kei-\nnem ergründet.\nIn jeder Kunst gelten diejenigen als die Ersten, in deren Wer-\nken jene Einheit Vollendet sich darstellt, deren Schöpfungen vor Al-\nlem Kunstwerke sind. Künstlern wie Sophokles, Raphael, Händel\noder Mozart hat man wohl immer mit ziemlicher Einstimmigkeit\nden ersten Platz zuerkannt. Doch sind sie es nicht immer, denen\nman sich mit der grössten Begeisterung, mit schwärmerischer Liebe\nanschliesst. Es scheint, die wenigsten Menschen sind fähig, das\nSchöne rein als solches zu erfassen und sich unbefangen seinen Ein-\nwirkungen hinzugeben. Die Meisten suchen im Kunstwerke nach\neinem, wenn ich so sagen darf, menschlichen Anhaltspunkt; sie\nwollen im Künstler vor Allem den MenschPh sehen mit seinen\nungebändigten Leidenschaften, mit seinen schrankenlosen Empfindun-\ngen, wie sie sich gegen die Unterjochung unter das Schöne gleich-\nsam sträuben; an diesen entzündet sich denn auch ihre Leiden-\nschaft, ihre Empfindung, und nun erst ist ihre Theilnahme für das\nKunstwerk rege geworden. Jene unmittelbare Begeisterung und\nLiebe erwecken daher vorzüglich die Künstler, deren Naturen man\nwohl, ich weiss nicht, ob mit Recht, als titanische bezeichnet hat,\ndie mit einer grossartigen Individualität eine mächtige Schöpferkraft\nverbinden, denen es aber nicht gelungen ist, alle verschiedenen\nKräfte ihres Wesens unter sich und die Gesammtheit ihres Wesens\nmit dem Leben und mit der Kunst in Uebereinstimmung zu bringen.\nNach dieser Harmonie, dem höchsten, beneidenswürdigsten Gute des\nKünstlers, ringen sie, und ihre Werke gestalten sich von selbst zu\neiner Darstellung dieses Ringens. Je gewaltiger die Kraft des Indi-\nviduums ist, das allein den Mächten der Welt zum Kampfe gegen-\nüber tritt, um so ergreifender wird das Schauspiel dieses Kampfes,\num so erhebender ist der Sieg, der dem Künstler endlich in der\nVersöhnung mit diesen Mächten zu Theil wird. In diesem Riesen-\nkampfe nun glaubt so Mancher ein Bild seines eigenen Zwiespalts\nmit sich und dem Leben zu erkennen ; er glaubt sich berechtigt,\nund er findet eine Befriedigung darin, alle die Empfindungen, die\ndieser Zwiespalt in ihm erregt hat, in das Kunstwerk hinein zu\nlegen, und so wird sein Verhältniss zu demselben ein pathologisches.\nMit einem gewissen Wohlgefallen an sich selbst fühlt er sich nun\nals Mensch dem Künstler verwandt, der, wie er wähnt, dieselben\nKämpfe und Leiden, in denen auch er sich umgetrieben, zum mäch-\ntigen künstlerischen Ausdruck bringt.\n(Schluss folgt)\n\nAus Mainz.\n\nDen 1. Mai 1859.\nMit der gestrigen Vorstellung im Theater und dem vorgestrigen\nConcerte des Kunst-Vereins hat die diesjährige Saison ittr Ende er-\nreicht, und zwar zur rechten Zeit, denn die warmen Frühlingstage\nsowohl wie die drohenden Wolken am politischen Horizonte began-\nnen schon mächtig zum Nachtheil der Kunst ihre Wirkung zu\näussern Das Gastspiel des Herrn Nie mann war daher auch in\nden letzten Tagen das einzige Mittel, die Räume des Theaters eini-\nger Maassen zu füllen. Auch hier wurde er in den Partieen des\nRaoul und Eleazar allgemein als ein Sänger begrüsst, der nicht al-\nlein eine Stimme von seltener Schönheit und ausdauernder Kraft be-\nsitzt, sondern - wrorauf heutzutage sehr viel Werth zu legen ist\nauch zu singen versteht. Was die Leistungen der diesjährigen"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590514-01.1.7", "texte": "Oper unter der neuen Direction des Herrn Cramer betrifft, so kann\nman einerseits nicht in Abrede stellen, dass die einzelnen Gesanges -\nkräfte den hiesigen Verhältnissen entsprechend gut waren, und ver-\ndient von diesen namentlich hervorgehoben zu werden Fräulein Zum\nBusch, die bei einem sehr vorteilhaften Naturel über bedeutende\nStimmmittel zu verfügen hat und es bei einigem Fleiss sehr leicht\nzu einer Sängerin ersten Ranges bringen könnte. Andererseits ist je-\ndoch zu bedauern, dass selten die gehörige Sorgfalt auf das Ein-\nstudiren der Ensemblesätze verwandt wurde und in diesen daher\nstets eine Zerrissenheit herrschte, die bei der ungezügelten Willkür\nder Sänger sehr oft in musicalische Ungeheuerlichkeiten ausartete.\nIn den Kunstvereins-Concerten ist in der zweiten Hälfte der Sai-\nson eine Aenderung eingetreten. Differenzen mit dem Vorstande, der\nin diesen Concerten nur eine musicalische Unterhaltung seiner Mit-\nglieder bezweckt und die künstlerische Tendenz hintansetzt, haben\nden Herrn Capellmeister Lux bewogen, die Leitung dieser Concerte\nniederzulegen und seine ganze Thätigkeit dem mainzer Männer-Ge-\nsangverein zu widmen. An die Stelle des Herrn Lux ist nun der\nCapellmeister vom Stadttheater, Herr Schrameck, getreten, und\nscheint uns derselbe diese günstige Gelegenheit ergriffen zu haben,\num zu seinen Privatstudien mit den Mitteln des Kunstvereins Expe-\nrimente zu machen. Denn nach Anhörung der Mendelssohn'schen\nMusik zum Sommernachtstraum, der Eroica und der Haydn'schen\nj£s-d«r-Sinfonie ist es geradezu unmöglich, anzunehmen, dass Herr\nSchrameck je diese Werke dirigirt noch studirt hat; es gehört etwas\nmehr dazu, als mit Glace-Handschuhen nach den rhythmischen Be-\nwegungen des Orchesters den Tactstock zu schwingen. Der Eindruck\ndes Ganzen war der einer Dilettanten-Musik, und dass mit densel-\nben Kräften etwas ganz Anderes zu Stande gebracht werden kann,\nhaben die Herren Lux und Marpurg oft genug bewiesen.\nUeber die diesjährigen Concerte der Liedertafel in Verbin-\ndung mit dem Damen-Gesangverein sind wir diesmal in der\nangenehmen Lage, recht Erfreuliches berichten zu können. Zurück-\ngekehrt freilich durch den Zwang äusserer Verhältnisse von\ndem früheren Grundsatze, recht viel zu bieten, haben wir, statt acht»\nin diesem Winter nur zwei Concerte jener beiden Vereine gehabt;\nim ersten wurde Samson von fiändel und im zweiten das Re-\nquiem von Mozart nebst der B-dur-Sinfonie von Beethoven auf-\ngeführt, und verdient namentlich das letztere Concert als ein recht\ngelungenes bezeichnet zu werden.\n\nA.\n\nPrüfungs-Concert des kölner Conservatoriums.\nFreitag, den 6. Mai 1859.\nDie Zöglinge der Anstalt traten in folgenden Vorträgen auf:\nErster Theil: 1) Sinfonie von W. A. Mozart (vierter Satz). 2)\nKirchen-Arie von Martini (Fräul. Jobanna Niethen). 3) Violin-Con-\ncert (Gesang-Scene) von Spohr (August Grüters aus Uerdingen). 4)\nRecitativ und Arie aus Jephta von Händel (Fräul. Elise Saart). 5)\nVariationen für Pianoforte zu vier Händen von Mozart (Fräul. Elise\nSchramm aus Essen und Fräul. Amalie Winzmann). 6) Die Hoff-\nnung, Chor für weibliche Stimmen von Rossini.\nZweiter Theil: 7) Trio für Piano, Violine und Violoncello von\nMendelssohn (erster Satz) (A. Grüters, G. Krill und Herr B. Breuer).\n8) Zwei Lieder: a. „Mignon\" von Götbe und Schubert; b. „Das\nVeilchen\" von Göthe und Mozart (Fräul. Pauline Wiesemann aus\nDresden). 9) Phantasie für Violine von Pixis (Georg Krill). 10) Die\nLiebe, Chor für weibliche Stimmen von Rossini (das Solo: Fräul.\nSaart). 11) Concert für vier Violinen von Maurer (Aug. Qriiters, G.\nKrill, Aug. Kufferath aus Mülheim an der Ruhr und Max Molberg\naus Bonn).\nUeberall zeigten die Ausführenden eine gediegene musicalische\nBildung und gaben erfreuliche Beweise von Fortschritten. Einige von\nbesonderen Anlagen unterstützte Zöglinge leisteten bereits Vorzüg-\nliches, namentlich Herr Georg Krill, der mit den Violin-Variationen\nvon Th. Pixis einen vollständigen Virtuosen-Erfolg errang. Herr\nAugust Grüters, von dem uns auch schon recht artige Compositions-\nVersuche vorgeführt worden sind, ist ein vielseitiges Talent, das ge-\nwiss die Stelle eines tüchtigen Musikers einmal ganz befriedigend\nausfüllen wird. Der Chor der Gesangschülerinnen trug die zwei\nGeänge von Rossini allerliebst vor; die Solosängerinnen können nicht\nzu den bedeutenden Stimmen gezählt werden, haben aber alle drei\neine recht gute Schule und in correctem Gesänge Ausdruck und\nAnmuth des Vortrags bekundet. Das zahlreich anwesende Publicum\nzeigte durch Aufmerksamkeit und aufmunternde Beifalls-Aeusserun-\ngen eine sehr rege rheilnahme für die Anstalt und ihr zunehmendes\nGedeihen. Auch die Bewilligung von jährlich 500 Thlrn. aus städti-\nschen Mitteln für dieselbe, welche vor Kurzem Statt gefunden hat,\nist ein erfreuliches Zeugniss der Anerkennung ihrer Wirksamkeit.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\n\nKöln. Herr Musik-Director Eduard Franck, dem das Con-\nservatorium, die Abonnements-Concerte, die musicalische Gesellschaft\nund die Soireen für Kammermusik in den acht Jahren seiner hiesi-\ngen Wirksamkeit so viel zu verdanken haben, verlässt zu allgemei-\nnem Bedauern unsere Stadt, um dem ehrenvollen Rufe nach Bern\nals städtischer Musik-Director und Professor der Tonkunst an der\nUniversität zu folgen. Der Abend des 10. d. Mts. hatte die Kunst-\nfreunde von Köln zu einem Abschiedsmahle im Casino versammelt,\nbei welchem die ungeteilte Hochachtung, welche sich der Schei-\ndende als Künstler und als Mensch gewonnen, den lebhaftesten Aus-\ndruck in den mannigfachsten Offenbarungen durch Reden, Gedichte\nund Gesänge fand. Als bleibendes Zeichen der Erinnerung an seine\nhiesige Wirksamkeit wurden dem Gefeierten eine Dank-Adresse, auch\näusserlich ein wahres Kunstwerk, von den Vorständen des Conser-\nvatoriums, der Concert-Gesellschaft, der musicalischen Gesellschaft\nund der Kammermusik-Soireen durch Herrn Kühlweiter, gegenwärti-\ngen Director der musicalischen Gesellschaft, und ein e'fenbeinener,\nreich mit Gold verzierter Tactstock von seinen Kunstgenossen am\nConservatorium durch den Director desselben, Herrn Capellmeister\nHiller, überreicht. Möge der treffliche, durch Talent, Geist und Ge-\nsinnung ausgezeichnete Künstler in dem schönen Alpenlande sich\neinen recht befriedigenden Wirkungskreis schaffen und die Freund-\nschaft und Liebe wieder finden, die wir am Niederrheine ihm be-\nwahren werden!\nMiknstei*. Das Vereins-Concert am 30. April brachte uns eine\ngute Aufführung der B-dur-Sinfonie Nr. 4 von Beethoven und\nder Oberon-Ouverture von Weber. Fräulein Auguste Brenken\ntrug Mendelssohns Concert-Arie und zwei Lieder mit ausserordent-\nlichem Erfolge vor. Das Lied von Taubert: ~lch muss nun ein-\nmal singen\", trug sie mit der anmuthigsten Virtuosität vor und\nmusste versprechen, es im nächsten Vereins-Concerte noch einmal\nzu singen.\nHerr Capellmeister J. J. Bott in Meiningen hat einen An-\ntrag von der Direction des Stadttbeaters in Leipzig erhalten, zum"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "160", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590514-01.1.8", "texte": "Herbste d. J. die Stelle des ersten Capellmeisters an demselben an-\nzutreten. Es ist jedoch nicht wahrscheinlich, dass er ihn annehmen\nwerde.\nHannover« Der bekannte Flöten-Virtuose und k. Kammer-\nmusicus Herr Joh. Christian Heinemeyer ist mit Pension in\nden Ruhestand getreten. Er ist aus Celle gebürtig, machte bei einem\nRegiments-Musikcorps schon die Schlacht bei Waterloo mit und war\nseit 1820 Mitglied der k. hannoverschen Hofcapelle. Am 30. April\nd. J. gab er sein Abschieds-Concert unter der Direction des liof-\n<Kapellmeisters Dr. H. Marschner.\nMecklenburg-Seit werln« Das kürzlich im Schauspiel-\nhause mit verstärkten Chören und mit ausserordentlichem Erfolge\ngegebene vierte Abonnements - Concert unter Leitung von G. A.\nSchmitt brachte im ersten Theile die Ouvertüre zu Iphigenia in\nAulis, Hymne für Solostimmen und Männerchor von Franz Schubert,\nViolin-Concert von Bazzini, Scene und Chor der Friedensboten aus\nCola di llienzi'j den zweiten Theil füllte Beethoven's neunte Sinfonie\nmit dem Schlusschor, in Schwerin zum ersten Male aufgeführt. Die\nSolo-Parte der Gesangesnummern waren in den Händen der Damen\nUlrich und Göll mann und der Herren Seyffart, Hinze,\nKurt und Herr mann. Das Violin-Concert trug Herr Concertmei-\nster Jahn vor. Es ist ehrenwerth, dass die hiesigen Blätter sich\nmit vollständigen Analysen über das Riesenwerk Beethoven's be-\nschäftigen. Am Schiasse einer solchen heisst es in Nr. 08 des Meck-\nlenburger Hauptblattes: „Wenn wir auf die Reihe grosser und er-\nhabener Kunstwerke zurücksehen, welche uns in diesen Abonnements-\nConcerten dargeboten wurden, so müssen wir Herrn Hof-Capellmeister\nAloys Schmitt, als dem Unternehmer und Leiter derselben, un-\nsere ungetheilte Anerkennung seines genialen und erfolgreichen Wir-\nkens hiermit aussprechen, und wollen auch schliesslich noch der\nvielen schönen musicalischen Kräfte des Theater-Orchesters und der\nDilettanten, die Herr Schmitt zu dieser erfreulichen Vereinigung\nbrachte, dankend erwähnen, indem wir die Fortdauer gleicher Be-\nstrebungen. zum Wohle der Kunst von ganzem Herzen wünschen.\"\nIfceg;esiS?mrg9 9. Mai. Das bereits in diesen Blättern nach\neiner Correspondenz aus St. Gallen besprochene Werk des Pater\nSchubiger ist erschienen. Es führt den Titel: „Die Sänger-\nschule St. Gallens vom 8. bis 12. Jahrhundert'4, behandelt in\nhöchst anziehender Form die Geschichte aller um den kirchlichen\nGesang (Canlus Gregorianus) verdienten Brüder dieser berühmten\nBenedictiner-Abtei. Es begegnen uns da höchst achtungswerthc Per-\nsönlichkeiten : der Erfinder der Sequenzen, Notker, der Autor der\nComposition Alma Redemptoris, Hermann Contractus, Godeschalk,\nWippo u. s. w. In grosser Anzahl gibt das Werk Facsimiles von\nOriginal-Codices der Bibliothek von St. Gallen und von Einsiedeln. In\nfünfzig Exempeln versucht Schubiger eine Enträthseiung dieser in\nalten Neumen geschriebenen Compositionen, welche meist zum ersten\nMale gedruckt und entziffert erscheinen. Alles vereinigt sich, dieses\nin Quartform gedruckte, überaus splendid ausgestattete Werk zu\neiner bedeutenden Erscheinung auf dem Gebiete der Kunst zu\nmachen.\nMbrien« Es verlautet, Herrn Ander seien von Seiten der berli-\nner Opern-Intendanz so glänzende Anträge (unter Anderem eine le-\nbenslängliche Jahres-Pension von 6000 Thlrn.) gemacht worden, dass\nman glaubt, er werde dieselben nach Ablauf seiner hiesigen Ver-\npflichtungen annehmen. Rubinstein aus Petersburg war wieder\nwenige Tage hier, um nähere Verabredungen mit Herrn v. Mosen-\nthal wegen des Textes zu einer Oper zu treffen, deren Composition\nRubinstein noch im Laufe dieses Sommers zu beginnen beabsichtigt.\nEr ist nach London gegangen, wohin ihn ein Engagement des Con-\ncert-Unternehmers Ella ruft.\nPetersburg« Die am 12. April verstorbene Bosio stand in\nder Bliithe ihrer Jahre, als der Tod sie hin wegraffte. Sie war im\nJahre 1831 in Turin geboren und vollendete in Mailand unter des\nbekannten • Gesanglehrers Cattaneo Leitung ihre musicalischen Stu-\ndien. Mit 17 Jahren betrat sie in Mailand, der Wiege ihres Ruhmes,\nzum ersten Male die Bühne. Der Erfolg war grossartig. Von Mailand\nbegab sie sich nach Verona und später nach Madrid. Hier vermHblte\nsie sich mit Herrn Xinvavelonis, mit welchem sie die Reise nach\nAmerica antrat, wo sie während dreier Saisons in New-York enga-\ngirt war. Sie kehrte nach London zurück und sang unter Gye's Di-\nrection in Coventgarden. In Paris erhielt sie einen Ruf nach Peters-\nburg, wo sie in Folge der ausserordentlichen Erfolge auf drei Jahre\nengagirt wurde und ein Honorar von 100,000 Fl für die Saison er-\nhielt. Die Nachricht von ihrem Hinscheiden hat in allen Kreisen die\nlebhaftesten Sympathieen wachgerufen. Noch kürzlich von Sr. Ma-\njestät dem Kaiser durch Verleihung der grossen goldenen Künstler-\nMedaille, welche, von Brillanten umgeben, in ein Armband gefasst\nwar, ausgezeichnet, gefeiert von der gesammten intelligenten Gesell-\nschaft der Czaarenstadt, ist sie plötzlich dem unerbittlichen Tode\nanheimgefallen. Am 15. fand in der katholischen Kirche zur heiligen\nKatharina das pompöse Leichenbegängniss Statt. Demselben wohnten\nihre sämmtlieheu Collegen, die höchsten Hofwürdenträger, die Flü-\ngel-Adjutanten des Kaisers und der Grossfürsten, Minister, Diplo-\nmaten u. s. w. bei.\n\nDr. M."}]}