{"numero_id": "bm-bmtnabi-1859-05-28-01", "volume": "bmtnabi_1859-05-28_01", "ocr_sha256": "ce5b9d85468fbaf6978789110c3d5d8b005a2e33e2cf7f08a6e31a7ba044715d", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1859/05/28_01/bmtnabi_1859-05-28_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590528-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1859-05-28-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-05-28_01#c001", "volume": "bmtnabi_1859-05-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "169", "page_fin": "169", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590528-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "169", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590528-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 488, "texte": "Inhalt.\nDie Musik in Melbourne. Aus dem Wanderbuche eines österreichischen Virtuosen. Urtheile von Zeitgenossen über Com-\nponisten der älteren komischen Oper in Frankreich. Aus Holland (Schluss der musicalischen Saison). Aus Düsseldorf (Trio-Soiree der\nBrüder Leopold und Gerhard Brassin). Von —7—. Aus München (Concert-Auffiihrungen). Aus Paris (Neue Orgeln von Merklin und\nSchütze). Von B. P. Auguste Gebler (Nekrolog). Von L. B. 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Grosse, mit verschwende-\nrischem Luxus ausgestattete Hotels zieren die geregelten\nStrassen, Tausende von Menschen in allen Farben, Racen\nund Kleidungen drängen sich durch das ewige Gerassel\nder Omnibusse, Equipagen und Güterwagen, die aben-\nteuerlichsten Gestalten und Gesichter sieht man durch das\nbunte Gewimmel der Geschäftsmäkler eilen, die schreiend\nund wunderlich gesticulirend alle zugleich die Beute des\nTages erjagen wollen, und das wogt und flutet gleich einem\nbrausenden Meere Tag und Nacht, dass dem ankommen-\nden Fremden Hören und Sehen vergeht.\nVom Hafen aus führt eine langgestreckte Häuserreihe,\nzu beiden Seiten mit Bäumen bepflanzt, mitten durch die\nStadt, welche sie ihrer ganzen Länge nach durchschneidet.\nRechts und links öffnen sich breite, schön geregelte Stras-\nsen, deren palastähnliche Häuser eben erst aus der Erde\nhervorwachsen. Noch wird hier und dort an den oberen\nStockwerken gebaut, das Dach fehlt, oft sogar die Fen-\nsterrahmen und Gesimse, und doch sieht man Damast-\nVorhänge und hohe Spiegel die schon wohnlich eingerich-\nteten Zimmer zieren.\nIch war Stunden lang herumgewandert und hatte auf\nallen Strassen das regste Leben gefunden. Die Sonne neigte\nsich zum Untergange, als ich ermüdet ins Hotel zurück-\nkehrte, um den Tenor zu erwarten, der indess bei allen\nJournalisten, Theater-Directoren, Musik-Gesellschaften ein-\nsprach, um die Concert-Geschäfte zu besorgen, die hier\nviele Schwierigkeiten machen. Denn ein ganzes Heer von\nSängerinnen, Virtuosen, Equilibristen, Tänzerinnen und\nanderen solchen Paradiesvögeln, die alle zugleich Früchte\nvon den Bäumen schütteln wollten, hatten sämmtliche Con-\ncert-Localitäten theils besetzt und vorgemerkt, oder Wo-\nchen lang hinaus gemiethet.\nIch will noch der ersten Theater-Vorstellung erwäh-\nnen, der ich in Melbourne beiwohnte, welche mich mit\neiner neuen Oper des Engländers Balfe, „Neolanthe, das\nFeenmädchen\", bekanntmachte. Das Opernhaus wird ge-\nwöhnlich sehr stark besucht, die innere Ausstattung des-\nselben ist ungemein reich, fast pomphaft. Den Dresscercle\nfüllen die fashionablen Ladies, die voll englischer Prüderie\nund strengem Ernste, dem kein Lächeln abzugewinnen ist,\nwie angeschmiedet auf ihren Plätzen sitzen, während die\nGentlemen mit affectirter Gleichgültigkeit die Damenwelt\nlorgnettiren oder, Cigarren rauchend, sich nachlässig auf\nihren Sitzen dehnen, dem Spiel auf der Bühne aber fast\ngar keine Aufmerksamkeit schenken; denn in den Logen\ndes ersten Ranges wohin, nebenbei gesagt, eine wahr-\nhaft decente Lady nie den Fuss setzt sieht es sehr ver-\nlockend aus. Da ist das Paradies aller Coquetten und leich-\nten Grazien, da, von rothen Sammt-Yorhängen drapirt,\nvon blendendem Gaslicht umflossen und von galanten Be-\nwunderern umschmeichelt, glänzen die abenteuerlichen\nSchönen aller Länder: Französinnen, Spanierinnen, Creolin-\nnen, in kühner Bioomertracht oder auch in Blumen, Bril-\nlanten und Spitzen prangend. Die Einen lehnen in verfüh-\nrerischer Stellung, Cigarren rauchend, an der Logenbrü-\nstung, Andere wieder plaudern, lachen oder spielen coquet\nmit dem Fächer, obschon das Erröthen bei Mancher längst\nabgekommen zu sein scheint.\nDie Oper, eine wahre Herberge aller musicalischen\nGemeinplätze, scheint für dieses Auditorium, das keinen\nSinn hat für das zarte Saitenspiel der Lust, sondern nur\nein braches Ohr für jede krachende Fröhlichkeit, wie ge-\nschaffen. Die Instrumentirung war chaotisch lärmend, die\nSänger und Sängerinnen führten einen unentschiedenen\nWettkampf im Distoniren und schrieen die trivialen Me-\n\n*) Aus dem Wanderbuche eines österreichischen Virtuosen. Von\nM. Haus er. 11. Bd, Leipzig, bei F. L. Herbig, 1850."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "170", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590528-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5451, "texte": "lodieen, von Pauken und Trompetengeschmetter begleitet,\nunter enthusiastischem Beifallsdonner zu Ende. Der Tenor\nunter ihnen ward noch durch seinen Stimmmangel erträg-\nlich, aber der Bassist ging mit gewissenhafter Treue alle\nUnarten eines schlechten Sängers in alphabetischer Ord-\nnung durch, und wenn er zu „Kraftstellen\" kam, so hätten\nAerzte schon das Zuhören als Vomitiv verschreiben können.\nDie Damen verschmähten jede ästhetische Kunstregel und\nersetzten den einfachen Gesang durch unaufhörliches Tre-\nmoliren.\nGezwungen, mich in die Arme eines Theater-Directors\nzu werfen—denn bei meiner Ankunft fand ich särnmtliche\nConcert-Localitäten vermiethet -—, verpflichtete ich mich\ncontractlich, an zwölf auf einander folgenden Abenden im\nTheater zu spielen. An einem der letzten Mai-Tage sollte\ndas erste Auftreten Statt finden, und der gute Buf, den\ndie Zeitungen von mir verbreiteten, indem sie Wochen\nlang fast täglich sehr enthusiastisch von mir sprachen, so\nwie die allgemein gespannte Neugierde des Publicums\nmachten, dass das Haus sich zum Erdrücken füllte. Ein\nBallet sollte, wie es hier Sitte ist, das Concert eröffnen,\nund alle schönen Musen Melbourne's, die Spanierin Aurelia\nBabetto, die Sängerinnen Miss Octavia Hamilton, Olympia\nMontomerie vereinigten sich zu einer Parforce-Jagd nach\nlangathmigen Trillern, Schnörkeln, Cadenzen, Rouladen,\nund ausser meiner gewöhnlichen Concert-Compagnie kam\nnoch ein hyperpathetischer Declamator und der blutdur-\nstige Ultra-Bass Signor Pottessini. Der Vorhang erhob sich.\nEine französische Tänzerin, leichte, schlanke Figur, viel\nPhysiognomie, wenig Schönheit, frivol bis zur Unverschämt-\nheit, hüpfte im kurzen, kuntgestickten Spitzenröckchen auf\ndie Bühne. Sie wurde mit Beifall empfangen, und das Or-\nchester, das ihre coquetten Schwebekünste sehr charakte-\nristisch in Musik setzte, erhob jetzt ein kriegerisches Trom-\npetengeschmetter. Da erschien eine in voller Jugendblüthe\nprangende Gestalt, eine Creolin mit wundervollen Augen,\ngross und schmachtend, bezaubernd von Colorit, majestä-\ntisch in ihren Formen, kurz, eine wahre Muse, nur ver-\nführerischer. Gleich bei ihrem Eingangs-Complimente er-\nhob sich ein allgemeiner Ruf der Ueberraschung, und der\nmännliche Enthusiasmus machte sich durch einen donnern-\nden Beifallssturm Luit. Diese beiden ungezogenen Lieblinge\nder Grazien stritten in einer schwindelnden Taranteile um\ndie Palme des Abends. Die quecksilberne Pariserin ver-\nschwendete ihren ganzen Reichthum raffinirter Ver-\nJockungskünste, aber die Creolin schien von den Grazien\nbeschützt. Donnernde Beifalls-Salven unterstützten jede\nihrer Bewegungen, die, von einer unbeschreiblichen An-\nmuth belebt, dem Publicum die enthusiastischsten Huldi-\ngungen abschmeichelten, und so oft sie am Rande der\nBühne erschien, (logen ihr ganze Ladungen Blumen-Bou-\nquette, Ringe und Armbänder zu. Die Französin kämpfte\nerhitzt mit ihren letzten Kräften, bis sie erschöpft und\nathemlos zu Boden fiel. Die Creolin näherte sich mitleids-\nvoll der Gefallenen, um sie aufzurichten. Diese aber schoss\nwie ein Blilz empor, schritt erbost und mit geballten Fäu-\nsten auf ihre Feindin zu und versetzte ihr bei offener Scene,\nvor den Augen des versammelten Publicums, mit möglich-\nster Naturtreue eine Ohrfeige.\nDie beiden aufgeregten Weiber stürzten, Hass ath-\nmend, auf einander und zogen sich unter dem tollen Ge-\nschrei des Galerie-Pöbels wüthend bei den Haaren umher.\nSo natürlich sah ich noch kein Spiel auf der Bühne. Das\nscandalsüchtige Publicum sah wie bei den olympischen\nSpielen diesem abscheulichen Treiben zu, bis die Creolin\nohnmächtig von der Bühne getragen wurde. Sie blutete\nheftig, und jetzt erst nahm ein Theil des Publicums ihre\nPartei.\nEinige englische Officiere, die von einer Loge aus dem\nSpectakel zuschauten, liessen, empört über das freche Be-\ntragen der Tänzerin, die Bühne von einigen Constablern\nbesetzen und die Französin in Haft nehmen. Aber die\nFreunde der letzteren, die sich scharenweise zusammen-\nrotteten, widersetzten sich dem, und bald gab es einen all-\ngemeinen Sturm. Ein grosser Theil des Parterres wälzte\nsich gegen die Bühne, das Orchester wurde\nGeigen und Bässe zerbrochen, dichte Staubwolken um-\nhüllten den Schauplatz, halb ohnmächtige Weiber schrieen\nim Gedränge ich aber floh mit meiner Geige, als käme\nder Teufel mit der ganzen Hölle hinter meinen Fersen,\nund nicht eher machteich Halt, als bis ich mein Hotel er-\nreicht hatte. In meinem Zimmer angekommen, warf ich\nmich, des sichern Hafens froh, in den weichsten Sessel\nund zündete mir mit Wohlbehagen eine köstliche Cigarre\nan. Adieu Melbourne! rief ich, und mit den Worten:\n„Morgen reise ich!\" sprang ich vom Stuhle auf. Aber der\nTheater-Director stürzte ins Zimmer: „Was Teufel, Sie\nwollen abreisen, ich lasse Sie nicht von der Stelle!\" rief\nmir seine Bärenstimme ins Ohr und erfüllte mich mit\nSchaudern. Er hielt mir den unterschriebenen Contract\nunter die Nase. „Da lesen Sie Ihre Unterschrift; mir wer-\nden Sie nicht entwischen!\" Ich sah ihn flehentlich an und\nbat ihn, nur heute meiner zu schonen, der Kopf schmerze\nmich, und es sei mir ganz übel ums Herz; aber der Grau-\nsame fühlte kein Erbarmen; er sagte, das Publicum ver-\nlange lärmend den Beginn des Concertes, sonst wolle es\ndas Geld zurück und das Haus einreissen. Ich musste mit.\nEin gräulicher Lärm, ein Dunst und Gepolter kam\nmir entgegen, und eine grosse Bangigkeit überfiel mich.\nDie Ouvertüre zu „Don Juan\" sollte das Concert eröffnen;"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "171", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590528-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5403, "texte": "da aber die Instrumente zertrümmert, die Orchesterleute\nzerstreut waren, und der Capellmeister das Weite gesucht\nhatte, so trat Signor Potessini, der „Ultra-Bass\", hervor.\nDieser Generalpächter der Narrheit erschien, um Effect\nzu machen, in diabolischem Bertram-Costume und wurde\nmit Zischen und Lachen zurückgeschlagen. Die aufgeregte\nMenge begehrte lärmend die Ouvertüre, und der Director\nmusste die Aufführung derselben versprechen. Spät, es\nwar 12 Uhr Nachts, nachdem alle akustischen Zeichen\ndes Spottes und des Tadels erschöpft waren, trat ich vor.\nAls ich mits einem tiefen Complimente mich an die Spitze\ndieses invaliden Musikcorps stellte, begann eine allgemeine\nAugenrüstung; sämmtliche Fernröhre, Lorgnetten und\nOperngucker richteten sich auf mein schwaches Ich, das\nbefangen und ahnungsschwer das Zeichen zum Beginne\ngab. Ich fühlte eine enge Schwüle um mich her und\nmerkte in meiner Verwirrung gar nicht, wie das Werk des\ngrossen Mozart misshandelt und hingerichtet wurde. Da\ntrat ein Policei-Agent mit weissem Stabe auf und schloss\nim Namen des Gouverneurs das Schauspielhaus. Die Bühne\nfüllte sich mit Colonialsoldatcn, das Haus leerte sich, bin-\nnen fünf Minuten schien das ganze Parterre wie ausge-\nkehrt, und in der ganzen Stadt Melbourne war Niemand\nfroher als ich. Folgenden Tages hielten sämmtliche Zei-\ntungen Melbourne's dem ungezogenen Publicum eine Straf-\npredigt. „Was soll Europa, was die Welt von uns sagen,\"\neiferte der „Argus\", „wenn Künstler, die unter so vielen\nGefahren über den Ocean zu uns kommen, so wenig ge-\nehrt, wenn die Kunst, die uns erheben soll., so erniedrigt\nwird?\" Diese eindringlichen Worte schienen ihre Wirkung\nnicht verfehlt zu haben; denn einige Tage später spielte\nich von den grössten Auszeichnungen begleitet.\nIch will noch in aller Schnelligkeit erwähnen, dass ich\nvom englischen Gouverneur den Auftrag erhalten, einen\nFestmarsch zur Eröffnungsfeier der ersten australischen\nIndustrie-Ausstellung zu componiren. Da es mir an Ge-\nduld, Zeit, Lust und noch an verschiedenen anderen Din-\ngen mangelte, die zu einem Effectmarsch für das australi-\nsche Publicum unumgänglich nöthig sind, so beging ich\neine kleine Felonie, schrieb den Marsch ab, den ich einst\nin Schweden im Auftrage des dortigen Königs zur Krö-\nnungsfeierlichkeit componirte, und schickte ihn an das Co-\nmite. Gestern fand die Probe Statt, der Marsch wurde mit\ngrosser Acclamation aufgenommen, und ausser den ver-\nsprochenen 200 Pfund Honorar erhielt ich noch von Sr.\nExcellenz dem Gouverneur eine Diamant-Busennadel.\nUm zu erproben, welch ein lästiges Geschenk des Him-\nmels zuweilen auch der feine Geschmack für Musik sei,\nmuss man nur solch einem transatlantischen Monster-Con-\ncerte beiwohnen, wie es am letzten Juli nach Aufforderung\ndes Gouverneurs im grossen mechanischen Saale Stalt fand.\nEs geschah zum Besten des patriotischen Fonds für ver-\nwundete englische Soldaten im Orient. Der neue philhar-\nmonische Verein, die Sänger-Gesellschaft, alle Schauspie-\nler, Opern-Mitglieder und Musikbanden wirkten durch\nvolle böse sieben Stunden in langen dreissig Nummern mit.\nDie ganze fashionable Gentry Melbourne's, die gewöhnlich\nbei solchen. Gelegenheiten vor Entzücken in einen sanften\nSchlummer verfällt, hielt tapfer aus und blieb aus Zart-\nheit für den wohlthätigen Zweck munter bis zum letzten\nStücke.\nSchon einige Stunden vor der Saal-Eröffnung umstand\neine zahlreich wartende Menge das grosse Arsenal-Gebäude,\nsogar aus den entfernteren Minen kamen ganze Scharen\nherangezogen; es war eine allgemeine Wanderung, wie\nzu den olympischen Spielen, und wer nicht gesunde Rip-\npen und Ellbogen hatte, musste unbefriedigt wieder ab-\nziehen. Gegen 8 Uhr Abends krachten die ersten Lärm-\nschüsse der Ouvertüre einer Composition des Engländers\nLinley, in der die abgebrauchtesten musicalischen Gemein-\nheiten aus sämmtlichen Weltgegenden redlich zusammen-\ngetragen waren. Dann folgte ein grosses orientalisches\nSchlachten-Tonbild von Bishop mit Gesang, Deciamation,\nTanz, obligatem Kanonengedonner, Rulc Britannia's,\nPferdegetrabe, Türkenmärschen u. s. w.\nEinige Tage nach diesem Concerte, das dem patrioti-\nsehen Comite nahe an 20,000 Fl. eintrug, veranstalteten\ndie hier lebenden Franzosen, an deren Spitze der franzö-\nsische Consul Graf Chirapey steht, einen glänzenden Fest-\nball, dem sämmtliche Honoratioren Melbourne's, der Gou-\nverneur, die hohen Militär-Personen und alle fremden Ge-\nsandten und Consuln beiwohnten.\nMiss Hayez ist von ihrer Reise nach Bombay, Kal-\nkutta und Batavia wieder in Melbourne eingetroffen. Die\nindischen Nabobs, bei denen übrigens der Kunstgeschmack\nnoch sehr in der Wiege liegt, haben dieser sonst überall\ngefeierten Muse des Gesanges nur sehr wenig gehuldigt,\ndas heisst, sie machte überall sehr schlechte Geschäfte.\nBei einem grossen Theaterbrande, der eben entstand, als\nsie im Theater zu Kalkutta die „Norma\" sang, wäre sie\nbald verbrannt.\nAuch Lola Montez, die Gräfin Landsfeld, wie sie noch\nimmer sich nennt, ist hier und macht ein rasendes Ge-\nschäft. Die Zeit ist an dieser unverwüstlichen Spanierin,\nan dieser üppigen, in ewigem Sommer prangenden Gestalt\nspurlos vorübergezogen; noch immer dasselbe, von einer\nFülle glänzend schwarzer Haare umwallte, südlich-schwär-\nmerische Antlitz, von dem Sirenenzauber um die Lippen\nwunderbar belebt; noch immer das von langen, schwarzen\nWimpern umschattete Auge, das öfter in ein mildes Leuch-\n\n' [*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "172", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590528-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 396, "texte": "len und träumerisches Umirren sich verlierend, oft aber,\nleidenschaftlich aufflammend wie ein tropischer Blitz, auch\nden kältesten Menschen entzünden und hinreissen kann.\nAber auch immer ist sie noch das kühne, abenteuerliche,\nentfesselte weibliche Wesen, wild, unbedachtsam, flüchtig,\nlustig bis zum Tollwerden, witzig bis zur Ungezogenheit\nund leidenschaftlich bis zur Raserei.\nIm August, 1855."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-05-28-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-05-28_01#c003", "volume": "bmtnabi_1859-05-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "172", "page_fin": "172", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590528-01.2.3", "titre_corps": "Urtheile von Zeitgenossen über Componisten der älteren komischen Oper in Frankreich.", "titre_sommaire": "Urtheile von Zeitgenossen über Componisten der älteren komischen Oper in Frankreich.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "172", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590528-01.1.4", "debut_caractere": 398, "fin_caractere_exclue": 5265, "texte": "Urtheile von Zeitgenossen über Componisten der älteren\nkomischen Oper in Frankreich.\nBei Gelegenheit der Berichte über Meverbeer's neueste\no «J -\nkomische Oper ist uns eine Correspondenz aus Paris vom\nJahre 1773 im ersten Bande von Wieland's Deutschem\nMercur mitgetheilt worden, welche der Vergleichung we-\ngen jetzt wieder interessant ist. (Ueber die darin erwähn-\nten Componisten und ihre Werke vergleiche unseren Auf-\nsatz: „Zur Geschichte der komischen Oper\", im\n11. Jahrgange der Rheinischen Musik-Zeitung, Nr. 75 und\n76 vom 6. und 13. December 1851.) Es heisst in jenem\npariser Briefe unter Anderem:\n„Herr D u ni weiss nicht nur jene sanfte (markige) Mu-\nsik, welche sich langsam und nach Graden einschmeichelt\nund dann ihre Wirkung thut, hervorzubringen, sondern er\nhat auch die starken Griffe, die kräftigen Harmonieen,\nworan die trägsten Ohren erwachen müssen, in seiner Ge-\nwalt. Unterdessen wirft man ihm vor, dass er die Melodie\nbesser als die Harmonie verstehe, dass er nicht mannigfal-\ntig, nicht reich genug sei, dass seinem Kopfe die Fülle\nstarker und kühner Ideen mangele, dass er sich keiner\nvon jenen Ausschweifungen überlasse, welche das Genie\nverrathen und manchmal zum Erhabenen leiten.\n„Im Gegentheil tadelt man an Herrn Philidor, dass\ner den Gesang dem Accompagnement aufopfere [ Was würde\ndiese Kritik heutzutage zu unserem Orchesterlärm sagen!],\ndass er lieber Kunst zeigen als angenehm sein wolle, dass\ner aus lauter Fruchtbarkeit und weil er seine Bilder zu\nsehr überlade, dunkel werde, endlich, dass er bei allen Ge-\nlegenheiten seine musicalischen Reichthümer ausbiete. Un-\nter seinen verschiedenen komischen Opern, welche alle den\nStempel des grossen Meisters an sich tragen, hat sein\nrechal ferrant (Anno 1761) den ausserordentlichsten Zu-\nlauf gehabt. Er entwickelte darin die von den Italiänern so\nsehr gesuchte Kunst, wovon die so genannten\n(Anno 1753) den Geschmack nach Paris gebracht hatten,\ndie stumme, leblose Natur zu schildern, die physischen Be-\nwegungen des Menschen nachzuahmen, und alle die klei-\nnen Details, welche der Maler dem Auge darstellt, dem\nOhr so zu sagen fühlbar zu machen. [Da hätten wir ja den\nMeyerbeer'schen Realismus des Feuerschlagens, Sensen-\nschleifens u. s. w. schon vor hundert Jahren!] Seitdem aber\nist dieser Künstler an Grösse und Ruhm noch merklich ge-\nwachsen. Im Tom Jones schwang er sich weit über seinen\nDichter hinaus. Dieser, trocken und unfruchtbar, brachte\nkeine Wirkung hervor, Philidor hingegen wusste das Er-\nhabene und Rührende des Romans in den Seelen der Zu-\nschauer herzustellen. Er gab diesem schönen Stoffe alle die\nAnnehmlichkeiten, all das Interesse wieder, welches unter\nden Händen des Dichters verloren gegangen war.\n„Monsigni scheint seine Laufbahn mit dem Vorsätze\nangetreten zu haben, die entgegengesetzten Vorzüge die-\nser zweien grossen Männer in sich zu vereinigen, und der\nErfolg hat gezeigt, dass dieses Unternehmen für sein Ge-\nnie nicht zu gross war. In der beträchtlichsten Anzahl sei-\nner Compositionen ist er zärtlich, sanft, einschmeichelnd,\nwie Duni; aber seine Musik ist weniger eintönig, sie hat\nmehr Colorit, mehr Charakter; in vielen anderen Compo-\nsitionen zeigt er sich beredt, warm, göttlich, wie Philidor,\ndoch nicht ganz so reich, so stark, so tiefsinnig. On ne s'a-\nvise jamais de tont, und Rose et Colas werden ihm unter\nden angenehmsten Compositeurs eine Stelle erhalten;\nroi et son fermierund Le desersetzen ihn auf die er-\nhabenste Stufe.\n„Indessen ist ein Mann erschienen, der durch seine be-\nwunderungswürdige Kunst, viel mit Wenigem zu thun,\ndurch die simpelsten Mittel die grössten Wirkungen zu er-\nhalten, diesen seinen Vorgängern den Weg abgewinnt.\nGretry ist dieser Mann. Die Natur scheint ihm die ver-\nborgensten Geheimnisse seiner Kunst unentgeltlich darge-\nboten zu haben. Mit seinem ersten Schritte stand er am\nZiele. Wir besitzen schon sieben Singspiele von ihm, die\nalle Meisterstücke sind. Noch ist er in der Blüthe des Le-\nbens; wenn nur nicht sein brennender Durst nach Ehre\nund die Verfolgungen des Neides seine Tage abkürzen!\nEr arbeitet mit solchem Enthusiasmus, dass er allemal\nwährend der Composition von einem heftigen Fieber über-\nfallen wird; alsdann kommt der Gott der Harmonie über\nihn, seine Imagination schwingt sich über ihre Schranken\nhinaus, und er erneuert die fabelhaften Auftritte der del-\nphischen Pythonisse. Was Wunder, dass während dieser\nerhabenen Raserei so viel Kraft und Zauber in seine\nWerke übergehen, dass er diejenigen, die ihn hören, ent-\nzückt, überwältigt, dahin reisst!\n„Man hat von Gretry ausser den Singspielen noch ver-\nschiedene andere vortreffliche Compositionen, unter ande-\nren Sonaten, auf die sich das hon mot eines gewissen schö-\nnen Geistes: „„Sonate,que me veux-tu ?u u gewiss nicht\nanwenden lässt.\"\nBriefe: „Dieser Artikel ist uns aus Paris von sehr guter\nHand eingeschickt worden.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-05-28-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-05-28_01#c004", "volume": "bmtnabi_1859-05-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "173", "page_fin": "173", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590528-01.2.4", "titre_corps": "Aus Holland.", "titre_sommaire": "Aus Holland.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "173", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590528-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4451, "texte": "Aus Holland.\n[Schluss der musicalischen Saison.]\nIndem Ihnen schon mehrere Berichte über die ersten\nConcerte der diesjährigen Saison, wie auch über einzelne\nAulführungen der Gesellschaft zur Beförderung der Ton-\nkunst zugesandt wurden, haben wir das Ende der Saison\nabwarten wollen, um die übrigen Musik-Aufführungen in\neiner kurzen Uebersicht zusammenfassen zu können, wel-\nches dem Leser manchmal interessanter und angenehmer\nist, als Berichte über einzelne Concerte, welche nur zu oft\nzu nutzlosen Wiederholungen Veranlassung geben.\nDer Zulluss fremder Virtuosen war in diesem Winter\nnicht sehr gross. Um so besser war die Qualität. Deutsch-\nland schickte uns nur drei Sängerinnen: die Damen Jenny\nMeyer, Sternsdorff und Brenken. Letztgenannte hör-\nten wir selbst nicht; dem Vernehmen nach soll aber diese\nSängerin den Sieg davongetragen haben. Auch die in vie-\nlen musicalischen Kreisen beliebte Coloratur-Sängerin der\ndeutschen Oper in Amsterdam, Frau Josephine Wey-\nringer, hat sich in mehreren Concerten hören lassen und\nwurde überall mit grosser Auszeichnung aufgenommen.\nEin tüchtiger Gewinn für unsere Concert-Directionen war\nauch der Besuch des Herrn Prosper Derivis, ersten\nBassetaille der kaiserlichen Oper in Paris. Dieser ausge-\nzeichnete Meistersänger hielt sich hier länger als zwei Mo-\nnate auf und erfreute uns wiederholte Male durch seinen\nrecht künstlerischen Vortrag einiger Arien aus Oedipus zu\nKolonos, Don Juan und Barbier. Auch andere Leistungen\ndieses Künstlers, wie die Duo's aus Oedipus und aus Don\nPasquale, worin derselbe mit unserer geschätzten Sängerin\nFrau Offermans van Hove um den Preis der Ehre\nrang, riefen den grössten Enthusiasmus hervor.\nVon Pianisten hörten wir die Herren Louis Bras-\nsin, August Dupont und Alfred Jaell. Herr Dupont\nwidmete uns seinen ersten Besuch und erwarb als Pianist\nwie auch als Componist grossen Beifall. Alfred Jaell hat\nuns durch den Vortrag des Schumann'schen A-moll-Con-\ncertes bewiesen, wie es ihm noch immer um Ausbildung\nund Vervollkommnung seines schon bedeutenden Talentes\nzu thun ist.\nVirtuosen auf anderen Instrumenten waren sparsam\nvertreten. Der König der Violoncellisten, Servais, war\nuns schon von früher bekannt, darum aber nicht minder\nwillkommen. Herr Joachim trat nur in Utrecht auf. Die\nutrecht'sche Concert-Direction betrachtete den Besuch die-\nses ausgezeichneten Künstlers als eine Ehrensache und be-\nreitete ihm den glänzendsten Empfang. Wir brauchen\nwohl nicht hinzuzufügen, wie sein Spiel Alles zur Begei-\nsterung hinriss.\nMit dem Vorführen von neuen Orchesterwerken schrei-\nten unsere Concert-Directionen immer wacker fort. Sinfo-\nnieen von Bubinstein, Ferdinand Kufferath und Berlyn,\nwie auch Gade's Frühlings-Phantasie, Ouvertüren von\nKietz, Bichard Holl und Anderen kamen zu Gehör. In wie\nweit diese Compositionen auf dem Ilepertoire bleiben kön-\nnen, muss die Zeit lehren, zumal nur sehr wenige einen\nentschiedenen Eindruck nachzulassen vermochten.\nDie Sing-Akademieen der Gesellschaft zur Beförde-\nrung der Tonkunst bemühten sich diesmal wieder eifrig,\nclassische Vocahverke zu Gehör zu bringen. In Amster-\ndam fanden drei Aufführungen Statt; eben so viele im Haag\nund zwei in Botterdam. Die Zeit erlaubt uns nicht, alle\ndiese Aufführungen ausführlich zu besprechen. Wir geben\ndaher nur die Programme. In Amsterdam: I. Comala\nvon Gade; Lobgesang von Mendelssohn. 11. Joseph von\nMehul; Stdbat matervon Bossini (unter Mitwirkung der\nHerren Caubet vom französischen Hoftheater im Haag und\nDerivis. 111. Messias von Händel (unter Mitwirkung von\nFräulein Schreck und Herrn Göbbels). Im Haag: I. Pau-\nlus. 11. Gemischtes Programm von kleineren Vocalwerken\nund Kammermusik. 111. Der 95. Psalm von Mendelssohn;\n„0 weinet nicht\" von Hiller; von Mendels-\nsohn und die Maccabäer (Christus am Oelberg) von Beet-\nhoven. In Botterdam: I. Elia auf Horeb von F. Coenen;\nPsalm 84 von Verhülst; Sinfonie von Nicolai; Ouvertüre,\nChöre und Zwischenact-Musik zum Trauerspiel Lucifer\n(J. van den Vondel) von J. A. van Eyken. 11. Der 95.\nPsalm von Mendelssohn; Samson, Oratorium von Händel.\nAusserdem wurden noch zu Gehör gebracht in Utrecht\n„Jephta\" von Beinthaler und in Zierikzee „Die Jahres-\nzeiten\" von Haydn. Im Allgemeinen haben unsere Chöre\nrecht Tüchtiges geleistet und konnten also ihren alten Buf\nbewahren. Fräulein Schreck lernten wir im Messias und\nim Samson kennen. Wir können nur sagen, dass wir diese\ntüchtige und begabte Sängerin bald wieder zu sehen hoffen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-05-28-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-05-28_01#c005", "volume": "bmtnabi_1859-05-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "173", "page_fin": "174", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590528-01.2.5", "titre_corps": "Aus Düsseldorf.", "titre_sommaire": "Aus Düsseldorf.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "173", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590528-01.1.5", "debut_caractere": 4453, "fin_caractere_exclue": 4963, "texte": "Aus Düsseldorf.\nDen 21. Mai 1859.\nDie lange musicalische Stille, die seit dem letzten\nAbonnements-Concerte geherrscht hat (Garten-Concerte\nder Langenbach'schen Capelle können hier nicht in Be-\ntracht kommen), wurde gestern Abends durch zwei ju-\ngendliche Künstler, die Brüder Leopold und Gerhard\nBrassin, die im Cürten'schen Saale eine Trio-Soiree ver-\nanstaltet hatten, höchst angenehm unterbrochen.\nDas Programm dieser Soiree war echt classisch: Trio\nfür Piano, Violine und Violoncello von Schubert (Es-dur),"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "174", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590528-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4283, "texte": "grosse Sonate für Ciavier (Op. 26, As-dur) von Beetho-\nven, Sonate für Violine (G-moll) von Seb. Bach, Trio von\nMendelssohn (Op. 66, C-mott), und die Ausführung, den\nAnforderungen eines solchen Programms entsprechend, im\nAllgemeinen als sehr befriedigend zu bezeichnen.\nHerr Leopold Brassin bewährte sich in den schwieri-\ngen Trio's als vollendeter Ciavier-Virtuose mit eminenter\nBravour und Kraft, und einer Gediegenheit der Technik,\nwie sie der leipziger Schule eigen ist. War Herr Brassin\nhierin, wie man wohl sagen kann, so recht an seinem\nPlatze, so könnei) wir das nicht so ganz bei der Beetho-\nven'schen Sonate behaupten.\nSelten wohl spricht eine Melodie so sehr zu Herzen,\nals das Andante dieser Sonate; darin ist Alles tiefes Ge-\nmüth, warmer, gefühlvoller Gesang, und desswegen muss\nauch der Künstler den äussersten Grad der Weichheit in\nseinen Vortrag zu legen suchen. Hieher passt das Thal-\nberg'sche Postulat beim Spielen gesangreicher Melodieen:\nwie main desossee et des doigtsdevehurs; touches plu-\ntöt senties que frappees!\nDer Marsch und das Allegro waren beide etwas zu\nrasch genommen, ein Fehler, der bei Virtuosen, die der\nTechnik so vollständig Herr sind, zwar leicht vorkommt,\ndie Wirkung dieser unübertroffenen Musikstücke aber sehr\nbeeinträchtigt. Der Marsch ist nun einmal Trauermarsch,\ner soll die entsprechende Stimmung hervorrufen und darf\nauch nicht annähernd im Tempo eines Parademarsches ge-\nnommen werden. Dass er nicht ermüdend oder abstum-\nptend auf den Zuhörer wirke, dafür sorgte schon Beetho-\nven durch das frappirende Eintreten des _/?z«'-Accordes\nz. B. im 26. Tact) und überhaupt durch den zweiten und\ndritten Satz, wo Trommeln und Pfeifen gleichsam freudig\nsiegesbewusst (Tod, wo ist dein Stachel?) aufwirbeln.\nDas Allegro erfordert immerhin eine tüchtige Tech-\nnik; nie aber darf der Künstler dasselbe als ein Medium\nbenutzen, um diese zur Entwicklung zu bringen. Ulibischeff\nvergleicht diesen Satz so treffend mit dem Sprudeln einer\nQuelle, die bald regelmässig über einen glatten Sandgrund\ntlicsst, bald über einen Baumzweig oder einen Stein schäu-\nmend in kleinen Wasserfällen hinwegstürzt. Indess zur\nVervollständigung dieses reizenden Bildes gehört, dass der\nKunstler das rechte Maass zu halten wisse, denn dann erst\nwird das sprudelnde Wasser so klar und silberhell, dass\nman jedes Steinchen auf seinem Grunde deutlich erkennt.\nHerr Gerhard Brassin bewies durch den Vortrag der\nedlen Bach'schen Sonate einen wesentlichen Fortschritt\ngegen früher. Mit einer Ruhe und Reife, die kaum bei\nseiner Jugend erwartet werden könnte, überwand er die\nenormen Schwierigkeiten dieses eigenthümlichen (fugirten)\nund fesselnden Tonstückes (in dessen Vortrag bekanntlich\nJoachim so excellirt), und wir glauben ihm wohl das\nPrognostikon stellen zu können, dass bei weiterem ernstem\nStreben sein Name dereinst unter den ersten Virtuosen ge-\nnannt werden wird. Eine kleine Bemerkung möge Herr\nBrassin beherzigen: die wiegende Bewegung des Körpers\nim Tacte des Musikstückes wirkt äusserst störend auf den\nZuschauer; dagegen wirkt es ungemein imponirend, wenn\nsogar bei den mächtigsten und leidenschaftlichsten Tönen,\ndie er der Geige entlockt, der Geiger selbst die ruhigste\nHaltung des Körpers zu bewahren weiss.\nDas Ensemble in den Trio's war vortrefflich, die Tempi\nrichtig genommen; unser wackerer Cellist Herr For berg\nunterstützte die Brüder auf anerkennenswerthe Weise.\nLeider war die Betheiligung des Publicums (wie dies\nbei den „schlechten Zeiten\" und schönen Tagen wohl vor-\nauszusehen war) keine sehr bedeutende; doch aber wäre\nzu wünschen, dass die Herren Brassin, die dem Vernehmen\nnach auf längere Zeit sich hier niederlassen werden, da-\ndurch sich nicht abschrecken Hessen, auch fernerhin der-\ngleichen Unterhaltungen zu bereiten. Wir sollten meinen,\ndass die Theilnahme an diesen genussreichen Abenden\nwachsen und das wirklich kunstliebende Publicum Düssel-\ndorfs ihre Veranstaltung dankbar anerkennen würde.\nDas Musikfest, an das so viele schöne Hoffnungen sich\nknüpften, ist in der Comite-Sitzung vom 14. d. Mts. nun\nauch definitiv aufgehoben worden. Eine Scharte mehr, die\nwir dort drüben auszuwetzen haben! Hoffen wir, dass das\nnächste Jahr besser dazu angethan ist, uns alle frisch und\nfrohen Herzens zum Musikfeste hier zu vereinen!\n7"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-05-28-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-05-28_01#c006", "volume": "bmtnabi_1859-05-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "174", "page_fin": "175", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590528-01.2.6", "titre_corps": "Aus München.", "titre_sommaire": "Aus München.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "174", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590528-01.1.6", "debut_caractere": 4285, "fin_caractere_exclue": 5125, "texte": "Aus München.\nAufführungen in der Concert-Saison von März\nbis Mai.\n1. Die musicalische Akademie brachte in ihren\nAbonnements-Concerten: eine Sinfonie in von Jos.\nHäydn; die von Mozart; die Pastoral-Sin-\nfonie von Beethoven; eine Suite in vier Sätzen\n(Allegro, Adagio, Gavotte und Giga) von Joh. Seb. Bach;\neine Sinfonie in Es-clur von Walter, Musik-Director in\nBasel; die beiden letzten Werke zum ersten Male.\nDie Ouvertüre zu König Stephan von Beethoven; die\nOuvertüre von Mendelssohn „Meeresstille und glückliche\nFahrt\"; die Ouvertüre zum Traum einer Christnacht von\nHiller (diese zum ersten Male); das Nonett von Spohr\nin F-dur für Streich-Instrumente, Flöte, Oboe, Clarinette,\nHorn und Fagott (ebenfalls zum ersten Male); die Va-\nriationen für Streich-Instrumente über die österreichische\nVolkshymne von Jos. Haydn mit grosser Besetzung."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "175", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590528-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1892, "texte": "Das Violin-Conccrt in Dvon Beethoven (vorgetragen\nvon Herrn Walther) ; das Violin-Conccrt in von La-\nfont (vorgetragen von Herrn Lauterbach).\nDie Cantate „Ariadne aul'Naxos\" von Jos. Haydn\n(gesungen von Frau Maximilien); eine Arie aus Cherubini's\n„Medea\" (gesungen von Frau Diez); die Bass-Arie aus\ndem Stabat matervon Bossini (gesungen von Herrn Lin-\ndemann); ein Madrigal und eine Canzonelta von Scarlatti\n(vorgetragen von Herrn Grill); der „Nachtgesang im\nWalde\" für vier Männerstimmen mit Begleitung von vier\nWaldhörnern von Fr. Schubert; die drei Männerchöre:\n„Männer und Buben\", „Gebet vor der Schlacht\" und\n„Lützow's wilde Jagd\" aus Ivörner's „Leier und Schwert\"\nvon Weber, und zum ersten Male der 23. Psalm von\nSchubert für Frauenstimmen.\nAm Palmsonntage: „Die sieben Worte des Erlösers\nam Kreuze\" von Jos. Haydn.\n2. Der Oratorien-Verein brachte den Messias von\nHändel nach der Original-Partitur (mit Orgel) und in einem\nkleineren Concerte neben der Hvmne von Mendelssohn für\nSopran-Solo, Chor und Orgelbegleitung, Liedern von Lenz\nu. s. w., an Novitäten eine Motette von Hauptmann, jüngst\nerschienene Lieder für Sopran, Alt, Tenor und Bass von\nK. Perfall und aus den geistlichen Gesängen von Hiller\n„Ach, wie nichtig\" und die Litanei am Allerseelentage.\n3. Die Orchester-Concerte des Herrn Seidel\nbrachten an Novitäten eine Ouvertüre von Leonhard (in\nEs-dur), die Ouvertüre zu Dame Kobold von Beinecke,\nein Octett von obengenanntem Herrn Walter, ein Streich-\nQuartett von Scheffer (Professor am hiesigen Conservato-\nrium), einen Triumphmarsch zum Trauerspiel „Trapeja\"\nvon Beethoven und ein Intermezzo (Gruss aus der Ferne)\nfür Orchester von Verhülst.\n4. Die beiden Concerte des Herrn Molique brachten\nuns die vierte Ouvertüre (E-durzu Fidelio von Beetho-\nven, das fünfte Violin-Concert in A-moll vom Concertgeber,\nein Clavier-Concert, ein Streich-Quartett und Ciavier-\nTrio von ihm."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-05-28-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-05-28_01#c007", "volume": "bmtnabi_1859-05-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "175", "page_fin": "176", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590528-01.2.7", "titre_corps": "Aus Paris.", "titre_sommaire": "Aus Paris.", "signature_source": "B. P", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "175", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590528-01.1.7", "debut_caractere": 1894, "fin_caractere_exclue": 5107, "texte": "Aus Paris.\n\nIm vorigen Monate wohnten wir einer glänzenden Ver-\nsammlung von Geistlichen, Staatsbeamten, Musikern und\nKunstfreunden bei, welche die Herren Orgelbauer Merk-\nlin-Schütze in ihre hiesige Werkstatt eingeladen hatten,\num die neue Orgel zu hören, deren Bestimmung ist, die\nneu restaurirte prachtvolle Kathedrale zu Rouen zu zie-\nren. Da der Bau den berühmten Meistern durch das Mi-\nnisterium des Cultus übertragen worden war, so trug die\nSitzung durch die Anwesenheit zweier Abtheilungs-Direc-\ntoren desselben einen officiellen Charakter. Ferner waren\nder Herr Erzbischof von Bouen, mehrere hohe Geistliche\nund Musikgelehrte, unter ihnen Herr Adrien la Fage, zu-\ngegen. Die Begierung hat die Kosten des Umbaues oder\nrichtiger der gänzlichen Erneuerung der Orgel getragen\nund zuletzt noch 10,000 Francs zugelegt, damit das In-\nstrument im Innern und Aeussern den grossartigen archi-\ntektonischen Verhältnissen des Domes zu Bouen, eines der\nherrlichsten Bau-Denkmale des Mittelalters in Frankreich,\nentsprechen könnte.\nDie Orgel hat 58 klingende Stimmen, 4 Claviere oder\nManuale und ein freies Pedal mit 32füssigem Bass-Tone.\nDie Bäumliehkeit erlaubte jedoch nicht eine vollständige\nAufstellung: das Positiv (das vierte Manual) musste zurück-\nbleiben, da nur für die Stimmen von drei Ciavieren und\ndem Pedal Platz war.\nTrotzdem, dass sich eigentlich nur zwei Drittheile der\ngesammten Tonmächtigkeit der Orgel entfalten konnten,\nmachte die Kraft des vollen Werkes dennoch einen ausser-\nordentlichen Eindruck, den namentlich die gewaltigen Bässe\nunterstützten. Die Mannigfaltigkeit, der Wohllaut und die\nliebliche Klangfarbe der verschiedenen Alt- und Sopran-\nBegister bezauberten besonders alle diejenigen, die noch\nnicht Gelegenheit gehabt hatten, sich von der bekannten\nMeisterschaft der Herren Merklin-Schütze in diesem Theile\nihrer Kunst durch eigenes Hören zu überzeugen. Eben so\nvortrefflich ist die Meohanik und die sämmtliche Arbeit an\ndiesem neuen Werke, dessen kolossale Dimensionen sich\nbis zu den kleinsten und feinsten Einzelheiten abstufen. Man\nwird versucht, die präcise Lenkung dieses riesigen Uhr-\nwerks, dieses grossen Kirchen-Orchesters durch einen ein-\nzigen Menschen für ein Wunder zu halten, so leicht und\ngeräuschlos geht sie vor sich. Es zeigt sich überall, dass\ndie Herren Merklin-Schütze die Gründlichkeit der deut-\nschen Kunst und das musicalische Ohr, das die Natur ihren\nLandsleuten vorzugsweise verliehen hat, mit der Genauig-\nkeit und Eleganz der französischen Arbeit in ihren Orgel-\nwerken aufs glücklichste verbunden haben.\nHerr Batiste, Organist an der Kirche St. Eustache,\nund Herr Benaud de Vilbac, der dieselbe Stelle an St.\nEugene bekleidet, führten die Orgel in mannigfachen Com-\nbinationen ihrer Stimmen vor. Herr Batiste spielte das\nPräludium und die Fuge in von J. S. Bach sehr\nbrav; eine „Communion\" von seiner Composition, vorzugs-\nweise auf das Begister der To und der Flageo-\nletflöte berechnet, sprach an und hielt sich im Ganzen in-\nnerhalb der Gränzen der kirchlichen Musik, während sein\nCollege das Gebiet derselben in seinen Improvisationen gar\nzu weit hinter sich liess. Acht Tage später wurde in\nBouen selbst ein kleineres, aber ebenfalls vorzüglich ge-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590528-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 584, "texte": "lungenes Werk derselben Meister im Orgelbau in der hüb-\nschen Kirche von St. Vincent eingeweiht. Herr Vilbac\nkonnte sich nicht enthalten, den unvermeidlichen Prophe-\nten-Marsch auch hier wieder zum Besten zu geben. Das\nwirkliche Beste waren aber die Vorträge des Herrn Klein,\nOrganisten an der Kathedrale, der Uebertragungen eines\nBenedictas von Mozart und eines anderen von Haydn, die\ner selbst für Orgel eingerichtet hatte, auf edle Weise\nspielte. Die Herren Merklin und Schützb können sich Glück\nwünschen, dass ihr grosses Werk für den Dom in so wür-\ndige Hände kommen wird.\n\nB. P."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-05-28-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-05-28_01#c008", "volume": "bmtnabi_1859-05-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "176", "page_fin": "176", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590528-01.2.8", "titre_corps": "Auguste Gebler.", "titre_sommaire": "Auguste Gebler.", "signature_source": "L. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590528-01.1.8", "debut_caractere": 586, "fin_caractere_exclue": 3109, "texte": "Auguste Gebler.\n(Nekrolog.)\nL. B.\nWenn der Tod einen Künstler von der irdischen Welt abfordert,\nder eine lange Laufbahn vollendet und die Früchte seiner Begabung\nund seines Fleisses geärntet hat, so wird die Trauer über einen sol-\nchen Verlust durch die Erinnerung an seinen Ruhm, durch die Nach-\nwirkung seiner Thätigkeit gemildert. Rafft aber das Geschick ein\ngrosses Talent im Beginne seiner Entwicklung dahin, so übt der\nSchmerz sein Recht auf das fühlende Herz und fordert Thränen statt\nder Lorbern über dem Grabe, das sich über Hoffnungen, die so\nreich erblühten, geschlossen hat. Auguste Gebler verschied hier\nam 21. d. Mts. in den Armen ihrer trostlosen Eltern; ihr folgt die\ntiefe Trauer um die geknickte Doppelbliithe der Jugend und des\nkünstlerischen Talentes. Geboren zu Minden den 9. September 18-35,\nzog sie mit ihren Eltern, da der Vater, gegenwärtig Major a. D.,\nhieher versetzt worden war, nach Köln, das ihre zweite Heimat\nwurde. Sie folgte nur dem inneren Berufe, wenn sie sich der Kunst\nwidmete, da die Natur ihr eine der lieblichsten Sopranstimmen von\nbedeutender Höhe verliehen hatte. Ihre Ausbildung zur Sängerin be-\ngann vor mehreren Jahren auf der hiesigen Musikschule, wo man\njedoch ihr Talent nicht so anerkannte, wie dasselbe es verdiente.\nSie verliess daher nach zwei\" Jahren die Anstalt und setzte ihre Stu-\ndien unter anderer Leitung, zuletzt in Paris bei Frau Damoreau-\nCinti und Herrn Faure, fort. Nachdem sie in Köln auf der Bühne\neinige Male mit grossem Beifall aufgetreten war, nahm sie ein En-\ngagement in Bremen an, brachte dann den Sommer vorigen Jahres\ngrösstentheils hier im Hause ihrer Eltern zu und ging im September\nnach Stettin, wo sie nach den Urtheilen sachverständiger Kritiker\n(z. B. K. Lowe's) ebeil so wie in Bremen als die Zierde der dorti-\ngen Bühne anerkannt wurde. Leider brachte nur zu bald eine Er-\nkältung, verbunden mit zu grosser Anstrengung und Aufregung, ein\nIJebel zum Ausbruch, das sich nach ihrer schleunigen Rückkehr\nhieher zu einer Abnehmungskrankheit steigerte, welcher sie am 21.\nd. Mts. erlag. Ihre Leistungen im colorirten und mit allen möglichen\nVerzierungen ausgestatteten Gesänge waren vortrefflich; selten gibt\ndie Natur einer Stimme eine so wunderbare Anlage zur Coloratur\nund zum Triller, wie sie Auguste Gebler besass; die Kunst brauchte\nbei ihr mit geringer Mühe das nur zu vervollkommnen, was die\nNatur bereits fast fertig ihr zur Mitgabe verliehen. Es ist ein schö-\nnes Talent mit ihr zur ewigen Ruhe gebettet worden l\nKöln, den 2G. Mai 1859."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-05-28-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-05-28_01#c009", "volume": "bmtnabi_1859-05-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "176", "page_fin": "176", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590528-01.2.9", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590528-01.1.8", "debut_caractere": 3111, "fin_caractere_exclue": 4473, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nDie Gerüchte, Anderes Engagement in Berlin betreffend, demen-\ntirt die „Deutsche Theaterzeitung\". Weder Verhandlungen noch An-\ngeböte haben Statt gefunden; die Stellung des Herrn Ander 111 Wien\nist dazu zu glänzend und er selbst ist dort durch die Gefühle der\nDankbarkeit gegen die ihm so reichlich erwiesene Gnade des Kaiser-\nhauses gebunden.\nCapellmeister Sobolewski von Bremen begibt sich mit seiner\nTochter nach America.\ns&taes«ieu. Die königliche Capelle hat am 5. d. Mts. ein gros-\nses Concert im Hoftheater zum Besten des Weber-Denkmals veran-\nstaltet und A, Drey schock zur Ausführung des Concertstückes (in\nF-moll), so wie Fr. Bürde-Ney und die Herren Tichatschek, Schloss,\n.Rudolph, Marchion, Mitterwurzer, Bohrer, Freny und Eichberger für\ndie Gesangnummern gewonnen. Das Programm enthielt: 1. Sinfonie\nin C-dur Nr. 1 ; 2. Cavatine aus „Euryanthe\" (Glöcklein im Thale);\n3. Concertsttick für Pianoforte; 4. zwei Lieder aus „Leier und\nSchwert\": a) das Schwertlied, b) Lützow's wilde Jagd; 5. L'lri-\nquidtude von Drey schock; 6. Arie zu Atalia und 7. Jubel-Ouverture.\nAusser der Salon-Piece von Dreyschock waren sämmtliche Compo-\nsitionen von C. M. von Weber. Das Theater war überfüllt; die Ein-\nnahme soll nahe an 1000 Thlr. ergeben haben, wozu als fernerer\nBeitrag der hiesigen städtischen Behörden noch 1000 Thlr. kamen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "169", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590528-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie Musik in Melbourne. Aus dem Wanderbuche eines österreichischen Virtuosen. Urtheile von Zeitgenossen über Com-\nponisten der älteren komischen Oper in Frankreich. Aus Holland (Schluss der musicalischen Saison). Aus Düsseldorf (Trio-Soiree der\nBrüder Leopold und Gerhard Brassin). Von —7—. Aus München (Concert-Auffiihrungen). Aus Paris (Neue Orgeln von Merklin und\nSchütze). Von B. P. Auguste Gebler (Nekrolog). Von L. B. Tages- und Unterhaltungsblatt (Berlin, Bremen, Dresden).\n\nDie Musik in Melbourne\n*).\nMelbourne, von beinahe 150,000 Seelen bewohnt,\nliegt im Mittelpunkte der Colonie Victoria und ist die\nHauptstadt des ganzen Landes. Grosse, mit verschwende-\nrischem Luxus ausgestattete Hotels zieren die geregelten\nStrassen, Tausende von Menschen in allen Farben, Racen\nund Kleidungen drängen sich durch das ewige Gerassel\nder Omnibusse, Equipagen und Güterwagen, die aben-\nteuerlichsten Gestalten und Gesichter sieht man durch das\nbunte Gewimmel der Geschäftsmäkler eilen, die schreiend\nund wunderlich gesticulirend alle zugleich die Beute des\nTages erjagen wollen, und das wogt und flutet gleich einem\nbrausenden Meere Tag und Nacht, dass dem ankommen-\nden Fremden Hören und Sehen vergeht.\nVom Hafen aus führt eine langgestreckte Häuserreihe,\nzu beiden Seiten mit Bäumen bepflanzt, mitten durch die\nStadt, welche sie ihrer ganzen Länge nach durchschneidet.\nRechts und links öffnen sich breite, schön geregelte Stras-\nsen, deren palastähnliche Häuser eben erst aus der Erde\nhervorwachsen. Noch wird hier und dort an den oberen\nStockwerken gebaut, das Dach fehlt, oft sogar die Fen-\nsterrahmen und Gesimse, und doch sieht man Damast-\nVorhänge und hohe Spiegel die schon wohnlich eingerich-\nteten Zimmer zieren.\nIch war Stunden lang herumgewandert und hatte auf\nallen Strassen das regste Leben gefunden. Die Sonne neigte\nsich zum Untergange, als ich ermüdet ins Hotel zurück-\nkehrte, um den Tenor zu erwarten, der indess bei allen\nJournalisten, Theater-Directoren, Musik-Gesellschaften ein-\nsprach, um die Concert-Geschäfte zu besorgen, die hier\nviele Schwierigkeiten machen. Denn ein ganzes Heer von\nSängerinnen, Virtuosen, Equilibristen, Tänzerinnen und\nanderen solchen Paradiesvögeln, die alle zugleich Früchte\nvon den Bäumen schütteln wollten, hatten sämmtliche Con-\ncert-Localitäten theils besetzt und vorgemerkt, oder Wo-\nchen lang hinaus gemiethet.\nIch will noch der ersten Theater-Vorstellung erwäh-\nnen, der ich in Melbourne beiwohnte, welche mich mit\neiner neuen Oper des Engländers Balfe, „Neolanthe, das\nFeenmädchen\", bekanntmachte. Das Opernhaus wird ge-\nwöhnlich sehr stark besucht, die innere Ausstattung des-\nselben ist ungemein reich, fast pomphaft. Den Dresscercle\nfüllen die fashionablen Ladies, die voll englischer Prüderie\nund strengem Ernste, dem kein Lächeln abzugewinnen ist,\nwie angeschmiedet auf ihren Plätzen sitzen, während die\nGentlemen mit affectirter Gleichgültigkeit die Damenwelt\nlorgnettiren oder, Cigarren rauchend, sich nachlässig auf\nihren Sitzen dehnen, dem Spiel auf der Bühne aber fast\ngar keine Aufmerksamkeit schenken; denn in den Logen\ndes ersten Ranges wohin, nebenbei gesagt, eine wahr-\nhaft decente Lady nie den Fuss setzt sieht es sehr ver-\nlockend aus. Da ist das Paradies aller Coquetten und leich-\nten Grazien, da, von rothen Sammt-Yorhängen drapirt,\nvon blendendem Gaslicht umflossen und von galanten Be-\nwunderern umschmeichelt, glänzen die abenteuerlichen\nSchönen aller Länder: Französinnen, Spanierinnen, Creolin-\nnen, in kühner Bioomertracht oder auch in Blumen, Bril-\nlanten und Spitzen prangend. Die Einen lehnen in verfüh-\nrerischer Stellung, Cigarren rauchend, an der Logenbrü-\nstung, Andere wieder plaudern, lachen oder spielen coquet\nmit dem Fächer, obschon das Erröthen bei Mancher längst\nabgekommen zu sein scheint.\nDie Oper, eine wahre Herberge aller musicalischen\nGemeinplätze, scheint für dieses Auditorium, das keinen\nSinn hat für das zarte Saitenspiel der Lust, sondern nur\nein braches Ohr für jede krachende Fröhlichkeit, wie ge-\nschaffen. Die Instrumentirung war chaotisch lärmend, die\nSänger und Sängerinnen führten einen unentschiedenen\nWettkampf im Distoniren und schrieen die trivialen Me-\n\n*) Aus dem Wanderbuche eines österreichischen Virtuosen. Von\nM. Haus er. 11. Bd, Leipzig, bei F. L. Herbig, 1850."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "170", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590528-01.1.2", "texte": "lodieen, von Pauken und Trompetengeschmetter begleitet,\nunter enthusiastischem Beifallsdonner zu Ende. Der Tenor\nunter ihnen ward noch durch seinen Stimmmangel erträg-\nlich, aber der Bassist ging mit gewissenhafter Treue alle\nUnarten eines schlechten Sängers in alphabetischer Ord-\nnung durch, und wenn er zu „Kraftstellen\" kam, so hätten\nAerzte schon das Zuhören als Vomitiv verschreiben können.\nDie Damen verschmähten jede ästhetische Kunstregel und\nersetzten den einfachen Gesang durch unaufhörliches Tre-\nmoliren.\nGezwungen, mich in die Arme eines Theater-Directors\nzu werfen—denn bei meiner Ankunft fand ich särnmtliche\nConcert-Localitäten vermiethet -—, verpflichtete ich mich\ncontractlich, an zwölf auf einander folgenden Abenden im\nTheater zu spielen. An einem der letzten Mai-Tage sollte\ndas erste Auftreten Statt finden, und der gute Buf, den\ndie Zeitungen von mir verbreiteten, indem sie Wochen\nlang fast täglich sehr enthusiastisch von mir sprachen, so\nwie die allgemein gespannte Neugierde des Publicums\nmachten, dass das Haus sich zum Erdrücken füllte. Ein\nBallet sollte, wie es hier Sitte ist, das Concert eröffnen,\nund alle schönen Musen Melbourne's, die Spanierin Aurelia\nBabetto, die Sängerinnen Miss Octavia Hamilton, Olympia\nMontomerie vereinigten sich zu einer Parforce-Jagd nach\nlangathmigen Trillern, Schnörkeln, Cadenzen, Rouladen,\nund ausser meiner gewöhnlichen Concert-Compagnie kam\nnoch ein hyperpathetischer Declamator und der blutdur-\nstige Ultra-Bass Signor Pottessini. Der Vorhang erhob sich.\nEine französische Tänzerin, leichte, schlanke Figur, viel\nPhysiognomie, wenig Schönheit, frivol bis zur Unverschämt-\nheit, hüpfte im kurzen, kuntgestickten Spitzenröckchen auf\ndie Bühne. Sie wurde mit Beifall empfangen, und das Or-\nchester, das ihre coquetten Schwebekünste sehr charakte-\nristisch in Musik setzte, erhob jetzt ein kriegerisches Trom-\npetengeschmetter. Da erschien eine in voller Jugendblüthe\nprangende Gestalt, eine Creolin mit wundervollen Augen,\ngross und schmachtend, bezaubernd von Colorit, majestä-\ntisch in ihren Formen, kurz, eine wahre Muse, nur ver-\nführerischer. Gleich bei ihrem Eingangs-Complimente er-\nhob sich ein allgemeiner Ruf der Ueberraschung, und der\nmännliche Enthusiasmus machte sich durch einen donnern-\nden Beifallssturm Luit. Diese beiden ungezogenen Lieblinge\nder Grazien stritten in einer schwindelnden Taranteile um\ndie Palme des Abends. Die quecksilberne Pariserin ver-\nschwendete ihren ganzen Reichthum raffinirter Ver-\nJockungskünste, aber die Creolin schien von den Grazien\nbeschützt. Donnernde Beifalls-Salven unterstützten jede\nihrer Bewegungen, die, von einer unbeschreiblichen An-\nmuth belebt, dem Publicum die enthusiastischsten Huldi-\ngungen abschmeichelten, und so oft sie am Rande der\nBühne erschien, (logen ihr ganze Ladungen Blumen-Bou-\nquette, Ringe und Armbänder zu. Die Französin kämpfte\nerhitzt mit ihren letzten Kräften, bis sie erschöpft und\nathemlos zu Boden fiel. Die Creolin näherte sich mitleids-\nvoll der Gefallenen, um sie aufzurichten. Diese aber schoss\nwie ein Blilz empor, schritt erbost und mit geballten Fäu-\nsten auf ihre Feindin zu und versetzte ihr bei offener Scene,\nvor den Augen des versammelten Publicums, mit möglich-\nster Naturtreue eine Ohrfeige.\nDie beiden aufgeregten Weiber stürzten, Hass ath-\nmend, auf einander und zogen sich unter dem tollen Ge-\nschrei des Galerie-Pöbels wüthend bei den Haaren umher.\nSo natürlich sah ich noch kein Spiel auf der Bühne. Das\nscandalsüchtige Publicum sah wie bei den olympischen\nSpielen diesem abscheulichen Treiben zu, bis die Creolin\nohnmächtig von der Bühne getragen wurde. Sie blutete\nheftig, und jetzt erst nahm ein Theil des Publicums ihre\nPartei.\nEinige englische Officiere, die von einer Loge aus dem\nSpectakel zuschauten, liessen, empört über das freche Be-\ntragen der Tänzerin, die Bühne von einigen Constablern\nbesetzen und die Französin in Haft nehmen. Aber die\nFreunde der letzteren, die sich scharenweise zusammen-\nrotteten, widersetzten sich dem, und bald gab es einen all-\ngemeinen Sturm. Ein grosser Theil des Parterres wälzte\nsich gegen die Bühne, das Orchester wurde\nGeigen und Bässe zerbrochen, dichte Staubwolken um-\nhüllten den Schauplatz, halb ohnmächtige Weiber schrieen\nim Gedränge ich aber floh mit meiner Geige, als käme\nder Teufel mit der ganzen Hölle hinter meinen Fersen,\nund nicht eher machteich Halt, als bis ich mein Hotel er-\nreicht hatte. In meinem Zimmer angekommen, warf ich\nmich, des sichern Hafens froh, in den weichsten Sessel\nund zündete mir mit Wohlbehagen eine köstliche Cigarre\nan. Adieu Melbourne! rief ich, und mit den Worten:\n„Morgen reise ich!\" sprang ich vom Stuhle auf. Aber der\nTheater-Director stürzte ins Zimmer: „Was Teufel, Sie\nwollen abreisen, ich lasse Sie nicht von der Stelle!\" rief\nmir seine Bärenstimme ins Ohr und erfüllte mich mit\nSchaudern. Er hielt mir den unterschriebenen Contract\nunter die Nase. „Da lesen Sie Ihre Unterschrift; mir wer-\nden Sie nicht entwischen!\" Ich sah ihn flehentlich an und\nbat ihn, nur heute meiner zu schonen, der Kopf schmerze\nmich, und es sei mir ganz übel ums Herz; aber der Grau-\nsame fühlte kein Erbarmen; er sagte, das Publicum ver-\nlange lärmend den Beginn des Concertes, sonst wolle es\ndas Geld zurück und das Haus einreissen. Ich musste mit.\nEin gräulicher Lärm, ein Dunst und Gepolter kam\nmir entgegen, und eine grosse Bangigkeit überfiel mich.\nDie Ouvertüre zu „Don Juan\" sollte das Concert eröffnen;"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "171", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590528-01.1.3", "texte": "da aber die Instrumente zertrümmert, die Orchesterleute\nzerstreut waren, und der Capellmeister das Weite gesucht\nhatte, so trat Signor Potessini, der „Ultra-Bass\", hervor.\nDieser Generalpächter der Narrheit erschien, um Effect\nzu machen, in diabolischem Bertram-Costume und wurde\nmit Zischen und Lachen zurückgeschlagen. Die aufgeregte\nMenge begehrte lärmend die Ouvertüre, und der Director\nmusste die Aufführung derselben versprechen. Spät, es\nwar 12 Uhr Nachts, nachdem alle akustischen Zeichen\ndes Spottes und des Tadels erschöpft waren, trat ich vor.\nAls ich mits einem tiefen Complimente mich an die Spitze\ndieses invaliden Musikcorps stellte, begann eine allgemeine\nAugenrüstung; sämmtliche Fernröhre, Lorgnetten und\nOperngucker richteten sich auf mein schwaches Ich, das\nbefangen und ahnungsschwer das Zeichen zum Beginne\ngab. Ich fühlte eine enge Schwüle um mich her und\nmerkte in meiner Verwirrung gar nicht, wie das Werk des\ngrossen Mozart misshandelt und hingerichtet wurde. Da\ntrat ein Policei-Agent mit weissem Stabe auf und schloss\nim Namen des Gouverneurs das Schauspielhaus. Die Bühne\nfüllte sich mit Colonialsoldatcn, das Haus leerte sich, bin-\nnen fünf Minuten schien das ganze Parterre wie ausge-\nkehrt, und in der ganzen Stadt Melbourne war Niemand\nfroher als ich. Folgenden Tages hielten sämmtliche Zei-\ntungen Melbourne's dem ungezogenen Publicum eine Straf-\npredigt. „Was soll Europa, was die Welt von uns sagen,\"\neiferte der „Argus\", „wenn Künstler, die unter so vielen\nGefahren über den Ocean zu uns kommen, so wenig ge-\nehrt, wenn die Kunst, die uns erheben soll., so erniedrigt\nwird?\" Diese eindringlichen Worte schienen ihre Wirkung\nnicht verfehlt zu haben; denn einige Tage später spielte\nich von den grössten Auszeichnungen begleitet.\nIch will noch in aller Schnelligkeit erwähnen, dass ich\nvom englischen Gouverneur den Auftrag erhalten, einen\nFestmarsch zur Eröffnungsfeier der ersten australischen\nIndustrie-Ausstellung zu componiren. Da es mir an Ge-\nduld, Zeit, Lust und noch an verschiedenen anderen Din-\ngen mangelte, die zu einem Effectmarsch für das australi-\nsche Publicum unumgänglich nöthig sind, so beging ich\neine kleine Felonie, schrieb den Marsch ab, den ich einst\nin Schweden im Auftrage des dortigen Königs zur Krö-\nnungsfeierlichkeit componirte, und schickte ihn an das Co-\nmite. Gestern fand die Probe Statt, der Marsch wurde mit\ngrosser Acclamation aufgenommen, und ausser den ver-\nsprochenen 200 Pfund Honorar erhielt ich noch von Sr.\nExcellenz dem Gouverneur eine Diamant-Busennadel.\nUm zu erproben, welch ein lästiges Geschenk des Him-\nmels zuweilen auch der feine Geschmack für Musik sei,\nmuss man nur solch einem transatlantischen Monster-Con-\ncerte beiwohnen, wie es am letzten Juli nach Aufforderung\ndes Gouverneurs im grossen mechanischen Saale Stalt fand.\nEs geschah zum Besten des patriotischen Fonds für ver-\nwundete englische Soldaten im Orient. Der neue philhar-\nmonische Verein, die Sänger-Gesellschaft, alle Schauspie-\nler, Opern-Mitglieder und Musikbanden wirkten durch\nvolle böse sieben Stunden in langen dreissig Nummern mit.\nDie ganze fashionable Gentry Melbourne's, die gewöhnlich\nbei solchen. Gelegenheiten vor Entzücken in einen sanften\nSchlummer verfällt, hielt tapfer aus und blieb aus Zart-\nheit für den wohlthätigen Zweck munter bis zum letzten\nStücke.\nSchon einige Stunden vor der Saal-Eröffnung umstand\neine zahlreich wartende Menge das grosse Arsenal-Gebäude,\nsogar aus den entfernteren Minen kamen ganze Scharen\nherangezogen; es war eine allgemeine Wanderung, wie\nzu den olympischen Spielen, und wer nicht gesunde Rip-\npen und Ellbogen hatte, musste unbefriedigt wieder ab-\nziehen. Gegen 8 Uhr Abends krachten die ersten Lärm-\nschüsse der Ouvertüre einer Composition des Engländers\nLinley, in der die abgebrauchtesten musicalischen Gemein-\nheiten aus sämmtlichen Weltgegenden redlich zusammen-\ngetragen waren. Dann folgte ein grosses orientalisches\nSchlachten-Tonbild von Bishop mit Gesang, Deciamation,\nTanz, obligatem Kanonengedonner, Rulc Britannia's,\nPferdegetrabe, Türkenmärschen u. s. w.\nEinige Tage nach diesem Concerte, das dem patrioti-\nsehen Comite nahe an 20,000 Fl. eintrug, veranstalteten\ndie hier lebenden Franzosen, an deren Spitze der franzö-\nsische Consul Graf Chirapey steht, einen glänzenden Fest-\nball, dem sämmtliche Honoratioren Melbourne's, der Gou-\nverneur, die hohen Militär-Personen und alle fremden Ge-\nsandten und Consuln beiwohnten.\nMiss Hayez ist von ihrer Reise nach Bombay, Kal-\nkutta und Batavia wieder in Melbourne eingetroffen. Die\nindischen Nabobs, bei denen übrigens der Kunstgeschmack\nnoch sehr in der Wiege liegt, haben dieser sonst überall\ngefeierten Muse des Gesanges nur sehr wenig gehuldigt,\ndas heisst, sie machte überall sehr schlechte Geschäfte.\nBei einem grossen Theaterbrande, der eben entstand, als\nsie im Theater zu Kalkutta die „Norma\" sang, wäre sie\nbald verbrannt.\nAuch Lola Montez, die Gräfin Landsfeld, wie sie noch\nimmer sich nennt, ist hier und macht ein rasendes Ge-\nschäft. Die Zeit ist an dieser unverwüstlichen Spanierin,\nan dieser üppigen, in ewigem Sommer prangenden Gestalt\nspurlos vorübergezogen; noch immer dasselbe, von einer\nFülle glänzend schwarzer Haare umwallte, südlich-schwär-\nmerische Antlitz, von dem Sirenenzauber um die Lippen\nwunderbar belebt; noch immer das von langen, schwarzen\nWimpern umschattete Auge, das öfter in ein mildes Leuch-\n\n' [*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "172", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590528-01.1.4", "texte": "len und träumerisches Umirren sich verlierend, oft aber,\nleidenschaftlich aufflammend wie ein tropischer Blitz, auch\nden kältesten Menschen entzünden und hinreissen kann.\nAber auch immer ist sie noch das kühne, abenteuerliche,\nentfesselte weibliche Wesen, wild, unbedachtsam, flüchtig,\nlustig bis zum Tollwerden, witzig bis zur Ungezogenheit\nund leidenschaftlich bis zur Raserei.\nIm August, 1855.\n\nUrtheile von Zeitgenossen über Componisten der älteren\nkomischen Oper in Frankreich.\nBei Gelegenheit der Berichte über Meverbeer's neueste\no «J -\nkomische Oper ist uns eine Correspondenz aus Paris vom\nJahre 1773 im ersten Bande von Wieland's Deutschem\nMercur mitgetheilt worden, welche der Vergleichung we-\ngen jetzt wieder interessant ist. (Ueber die darin erwähn-\nten Componisten und ihre Werke vergleiche unseren Auf-\nsatz: „Zur Geschichte der komischen Oper\", im\n11. Jahrgange der Rheinischen Musik-Zeitung, Nr. 75 und\n76 vom 6. und 13. December 1851.) Es heisst in jenem\npariser Briefe unter Anderem:\n„Herr D u ni weiss nicht nur jene sanfte (markige) Mu-\nsik, welche sich langsam und nach Graden einschmeichelt\nund dann ihre Wirkung thut, hervorzubringen, sondern er\nhat auch die starken Griffe, die kräftigen Harmonieen,\nworan die trägsten Ohren erwachen müssen, in seiner Ge-\nwalt. Unterdessen wirft man ihm vor, dass er die Melodie\nbesser als die Harmonie verstehe, dass er nicht mannigfal-\ntig, nicht reich genug sei, dass seinem Kopfe die Fülle\nstarker und kühner Ideen mangele, dass er sich keiner\nvon jenen Ausschweifungen überlasse, welche das Genie\nverrathen und manchmal zum Erhabenen leiten.\n„Im Gegentheil tadelt man an Herrn Philidor, dass\ner den Gesang dem Accompagnement aufopfere [ Was würde\ndiese Kritik heutzutage zu unserem Orchesterlärm sagen!],\ndass er lieber Kunst zeigen als angenehm sein wolle, dass\ner aus lauter Fruchtbarkeit und weil er seine Bilder zu\nsehr überlade, dunkel werde, endlich, dass er bei allen Ge-\nlegenheiten seine musicalischen Reichthümer ausbiete. Un-\nter seinen verschiedenen komischen Opern, welche alle den\nStempel des grossen Meisters an sich tragen, hat sein\nrechal ferrant (Anno 1761) den ausserordentlichsten Zu-\nlauf gehabt. Er entwickelte darin die von den Italiänern so\nsehr gesuchte Kunst, wovon die so genannten\n(Anno 1753) den Geschmack nach Paris gebracht hatten,\ndie stumme, leblose Natur zu schildern, die physischen Be-\nwegungen des Menschen nachzuahmen, und alle die klei-\nnen Details, welche der Maler dem Auge darstellt, dem\nOhr so zu sagen fühlbar zu machen. [Da hätten wir ja den\nMeyerbeer'schen Realismus des Feuerschlagens, Sensen-\nschleifens u. s. w. schon vor hundert Jahren!] Seitdem aber\nist dieser Künstler an Grösse und Ruhm noch merklich ge-\nwachsen. Im Tom Jones schwang er sich weit über seinen\nDichter hinaus. Dieser, trocken und unfruchtbar, brachte\nkeine Wirkung hervor, Philidor hingegen wusste das Er-\nhabene und Rührende des Romans in den Seelen der Zu-\nschauer herzustellen. Er gab diesem schönen Stoffe alle die\nAnnehmlichkeiten, all das Interesse wieder, welches unter\nden Händen des Dichters verloren gegangen war.\n„Monsigni scheint seine Laufbahn mit dem Vorsätze\nangetreten zu haben, die entgegengesetzten Vorzüge die-\nser zweien grossen Männer in sich zu vereinigen, und der\nErfolg hat gezeigt, dass dieses Unternehmen für sein Ge-\nnie nicht zu gross war. In der beträchtlichsten Anzahl sei-\nner Compositionen ist er zärtlich, sanft, einschmeichelnd,\nwie Duni; aber seine Musik ist weniger eintönig, sie hat\nmehr Colorit, mehr Charakter; in vielen anderen Compo-\nsitionen zeigt er sich beredt, warm, göttlich, wie Philidor,\ndoch nicht ganz so reich, so stark, so tiefsinnig. On ne s'a-\nvise jamais de tont, und Rose et Colas werden ihm unter\nden angenehmsten Compositeurs eine Stelle erhalten;\nroi et son fermierund Le desersetzen ihn auf die er-\nhabenste Stufe.\n„Indessen ist ein Mann erschienen, der durch seine be-\nwunderungswürdige Kunst, viel mit Wenigem zu thun,\ndurch die simpelsten Mittel die grössten Wirkungen zu er-\nhalten, diesen seinen Vorgängern den Weg abgewinnt.\nGretry ist dieser Mann. Die Natur scheint ihm die ver-\nborgensten Geheimnisse seiner Kunst unentgeltlich darge-\nboten zu haben. Mit seinem ersten Schritte stand er am\nZiele. Wir besitzen schon sieben Singspiele von ihm, die\nalle Meisterstücke sind. Noch ist er in der Blüthe des Le-\nbens; wenn nur nicht sein brennender Durst nach Ehre\nund die Verfolgungen des Neides seine Tage abkürzen!\nEr arbeitet mit solchem Enthusiasmus, dass er allemal\nwährend der Composition von einem heftigen Fieber über-\nfallen wird; alsdann kommt der Gott der Harmonie über\nihn, seine Imagination schwingt sich über ihre Schranken\nhinaus, und er erneuert die fabelhaften Auftritte der del-\nphischen Pythonisse. Was Wunder, dass während dieser\nerhabenen Raserei so viel Kraft und Zauber in seine\nWerke übergehen, dass er diejenigen, die ihn hören, ent-\nzückt, überwältigt, dahin reisst!\n„Man hat von Gretry ausser den Singspielen noch ver-\nschiedene andere vortreffliche Compositionen, unter ande-\nren Sonaten, auf die sich das hon mot eines gewissen schö-\nnen Geistes: „„Sonate,que me veux-tu ?u u gewiss nicht\nanwenden lässt.\"\nBriefe: „Dieser Artikel ist uns aus Paris von sehr guter\nHand eingeschickt worden.\""}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "173", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590528-01.1.5", "texte": "Aus Holland.\n[Schluss der musicalischen Saison.]\nIndem Ihnen schon mehrere Berichte über die ersten\nConcerte der diesjährigen Saison, wie auch über einzelne\nAulführungen der Gesellschaft zur Beförderung der Ton-\nkunst zugesandt wurden, haben wir das Ende der Saison\nabwarten wollen, um die übrigen Musik-Aufführungen in\neiner kurzen Uebersicht zusammenfassen zu können, wel-\nches dem Leser manchmal interessanter und angenehmer\nist, als Berichte über einzelne Concerte, welche nur zu oft\nzu nutzlosen Wiederholungen Veranlassung geben.\nDer Zulluss fremder Virtuosen war in diesem Winter\nnicht sehr gross. Um so besser war die Qualität. Deutsch-\nland schickte uns nur drei Sängerinnen: die Damen Jenny\nMeyer, Sternsdorff und Brenken. Letztgenannte hör-\nten wir selbst nicht; dem Vernehmen nach soll aber diese\nSängerin den Sieg davongetragen haben. Auch die in vie-\nlen musicalischen Kreisen beliebte Coloratur-Sängerin der\ndeutschen Oper in Amsterdam, Frau Josephine Wey-\nringer, hat sich in mehreren Concerten hören lassen und\nwurde überall mit grosser Auszeichnung aufgenommen.\nEin tüchtiger Gewinn für unsere Concert-Directionen war\nauch der Besuch des Herrn Prosper Derivis, ersten\nBassetaille der kaiserlichen Oper in Paris. Dieser ausge-\nzeichnete Meistersänger hielt sich hier länger als zwei Mo-\nnate auf und erfreute uns wiederholte Male durch seinen\nrecht künstlerischen Vortrag einiger Arien aus Oedipus zu\nKolonos, Don Juan und Barbier. Auch andere Leistungen\ndieses Künstlers, wie die Duo's aus Oedipus und aus Don\nPasquale, worin derselbe mit unserer geschätzten Sängerin\nFrau Offermans van Hove um den Preis der Ehre\nrang, riefen den grössten Enthusiasmus hervor.\nVon Pianisten hörten wir die Herren Louis Bras-\nsin, August Dupont und Alfred Jaell. Herr Dupont\nwidmete uns seinen ersten Besuch und erwarb als Pianist\nwie auch als Componist grossen Beifall. Alfred Jaell hat\nuns durch den Vortrag des Schumann'schen A-moll-Con-\ncertes bewiesen, wie es ihm noch immer um Ausbildung\nund Vervollkommnung seines schon bedeutenden Talentes\nzu thun ist.\nVirtuosen auf anderen Instrumenten waren sparsam\nvertreten. Der König der Violoncellisten, Servais, war\nuns schon von früher bekannt, darum aber nicht minder\nwillkommen. Herr Joachim trat nur in Utrecht auf. Die\nutrecht'sche Concert-Direction betrachtete den Besuch die-\nses ausgezeichneten Künstlers als eine Ehrensache und be-\nreitete ihm den glänzendsten Empfang. Wir brauchen\nwohl nicht hinzuzufügen, wie sein Spiel Alles zur Begei-\nsterung hinriss.\nMit dem Vorführen von neuen Orchesterwerken schrei-\nten unsere Concert-Directionen immer wacker fort. Sinfo-\nnieen von Bubinstein, Ferdinand Kufferath und Berlyn,\nwie auch Gade's Frühlings-Phantasie, Ouvertüren von\nKietz, Bichard Holl und Anderen kamen zu Gehör. In wie\nweit diese Compositionen auf dem Ilepertoire bleiben kön-\nnen, muss die Zeit lehren, zumal nur sehr wenige einen\nentschiedenen Eindruck nachzulassen vermochten.\nDie Sing-Akademieen der Gesellschaft zur Beförde-\nrung der Tonkunst bemühten sich diesmal wieder eifrig,\nclassische Vocahverke zu Gehör zu bringen. In Amster-\ndam fanden drei Aufführungen Statt; eben so viele im Haag\nund zwei in Botterdam. Die Zeit erlaubt uns nicht, alle\ndiese Aufführungen ausführlich zu besprechen. Wir geben\ndaher nur die Programme. In Amsterdam: I. Comala\nvon Gade; Lobgesang von Mendelssohn. 11. Joseph von\nMehul; Stdbat matervon Bossini (unter Mitwirkung der\nHerren Caubet vom französischen Hoftheater im Haag und\nDerivis. 111. Messias von Händel (unter Mitwirkung von\nFräulein Schreck und Herrn Göbbels). Im Haag: I. Pau-\nlus. 11. Gemischtes Programm von kleineren Vocalwerken\nund Kammermusik. 111. Der 95. Psalm von Mendelssohn;\n„0 weinet nicht\" von Hiller; von Mendels-\nsohn und die Maccabäer (Christus am Oelberg) von Beet-\nhoven. In Botterdam: I. Elia auf Horeb von F. Coenen;\nPsalm 84 von Verhülst; Sinfonie von Nicolai; Ouvertüre,\nChöre und Zwischenact-Musik zum Trauerspiel Lucifer\n(J. van den Vondel) von J. A. van Eyken. 11. Der 95.\nPsalm von Mendelssohn; Samson, Oratorium von Händel.\nAusserdem wurden noch zu Gehör gebracht in Utrecht\n„Jephta\" von Beinthaler und in Zierikzee „Die Jahres-\nzeiten\" von Haydn. Im Allgemeinen haben unsere Chöre\nrecht Tüchtiges geleistet und konnten also ihren alten Buf\nbewahren. Fräulein Schreck lernten wir im Messias und\nim Samson kennen. Wir können nur sagen, dass wir diese\ntüchtige und begabte Sängerin bald wieder zu sehen hoffen.\n\nAus Düsseldorf.\nDen 21. Mai 1859.\nDie lange musicalische Stille, die seit dem letzten\nAbonnements-Concerte geherrscht hat (Garten-Concerte\nder Langenbach'schen Capelle können hier nicht in Be-\ntracht kommen), wurde gestern Abends durch zwei ju-\ngendliche Künstler, die Brüder Leopold und Gerhard\nBrassin, die im Cürten'schen Saale eine Trio-Soiree ver-\nanstaltet hatten, höchst angenehm unterbrochen.\nDas Programm dieser Soiree war echt classisch: Trio\nfür Piano, Violine und Violoncello von Schubert (Es-dur),"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "174", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590528-01.1.6", "texte": "grosse Sonate für Ciavier (Op. 26, As-dur) von Beetho-\nven, Sonate für Violine (G-moll) von Seb. Bach, Trio von\nMendelssohn (Op. 66, C-mott), und die Ausführung, den\nAnforderungen eines solchen Programms entsprechend, im\nAllgemeinen als sehr befriedigend zu bezeichnen.\nHerr Leopold Brassin bewährte sich in den schwieri-\ngen Trio's als vollendeter Ciavier-Virtuose mit eminenter\nBravour und Kraft, und einer Gediegenheit der Technik,\nwie sie der leipziger Schule eigen ist. War Herr Brassin\nhierin, wie man wohl sagen kann, so recht an seinem\nPlatze, so könnei) wir das nicht so ganz bei der Beetho-\nven'schen Sonate behaupten.\nSelten wohl spricht eine Melodie so sehr zu Herzen,\nals das Andante dieser Sonate; darin ist Alles tiefes Ge-\nmüth, warmer, gefühlvoller Gesang, und desswegen muss\nauch der Künstler den äussersten Grad der Weichheit in\nseinen Vortrag zu legen suchen. Hieher passt das Thal-\nberg'sche Postulat beim Spielen gesangreicher Melodieen:\nwie main desossee et des doigtsdevehurs; touches plu-\ntöt senties que frappees!\nDer Marsch und das Allegro waren beide etwas zu\nrasch genommen, ein Fehler, der bei Virtuosen, die der\nTechnik so vollständig Herr sind, zwar leicht vorkommt,\ndie Wirkung dieser unübertroffenen Musikstücke aber sehr\nbeeinträchtigt. Der Marsch ist nun einmal Trauermarsch,\ner soll die entsprechende Stimmung hervorrufen und darf\nauch nicht annähernd im Tempo eines Parademarsches ge-\nnommen werden. Dass er nicht ermüdend oder abstum-\nptend auf den Zuhörer wirke, dafür sorgte schon Beetho-\nven durch das frappirende Eintreten des _/?z«'-Accordes\nz. B. im 26. Tact) und überhaupt durch den zweiten und\ndritten Satz, wo Trommeln und Pfeifen gleichsam freudig\nsiegesbewusst (Tod, wo ist dein Stachel?) aufwirbeln.\nDas Allegro erfordert immerhin eine tüchtige Tech-\nnik; nie aber darf der Künstler dasselbe als ein Medium\nbenutzen, um diese zur Entwicklung zu bringen. Ulibischeff\nvergleicht diesen Satz so treffend mit dem Sprudeln einer\nQuelle, die bald regelmässig über einen glatten Sandgrund\ntlicsst, bald über einen Baumzweig oder einen Stein schäu-\nmend in kleinen Wasserfällen hinwegstürzt. Indess zur\nVervollständigung dieses reizenden Bildes gehört, dass der\nKunstler das rechte Maass zu halten wisse, denn dann erst\nwird das sprudelnde Wasser so klar und silberhell, dass\nman jedes Steinchen auf seinem Grunde deutlich erkennt.\nHerr Gerhard Brassin bewies durch den Vortrag der\nedlen Bach'schen Sonate einen wesentlichen Fortschritt\ngegen früher. Mit einer Ruhe und Reife, die kaum bei\nseiner Jugend erwartet werden könnte, überwand er die\nenormen Schwierigkeiten dieses eigenthümlichen (fugirten)\nund fesselnden Tonstückes (in dessen Vortrag bekanntlich\nJoachim so excellirt), und wir glauben ihm wohl das\nPrognostikon stellen zu können, dass bei weiterem ernstem\nStreben sein Name dereinst unter den ersten Virtuosen ge-\nnannt werden wird. Eine kleine Bemerkung möge Herr\nBrassin beherzigen: die wiegende Bewegung des Körpers\nim Tacte des Musikstückes wirkt äusserst störend auf den\nZuschauer; dagegen wirkt es ungemein imponirend, wenn\nsogar bei den mächtigsten und leidenschaftlichsten Tönen,\ndie er der Geige entlockt, der Geiger selbst die ruhigste\nHaltung des Körpers zu bewahren weiss.\nDas Ensemble in den Trio's war vortrefflich, die Tempi\nrichtig genommen; unser wackerer Cellist Herr For berg\nunterstützte die Brüder auf anerkennenswerthe Weise.\nLeider war die Betheiligung des Publicums (wie dies\nbei den „schlechten Zeiten\" und schönen Tagen wohl vor-\nauszusehen war) keine sehr bedeutende; doch aber wäre\nzu wünschen, dass die Herren Brassin, die dem Vernehmen\nnach auf längere Zeit sich hier niederlassen werden, da-\ndurch sich nicht abschrecken Hessen, auch fernerhin der-\ngleichen Unterhaltungen zu bereiten. Wir sollten meinen,\ndass die Theilnahme an diesen genussreichen Abenden\nwachsen und das wirklich kunstliebende Publicum Düssel-\ndorfs ihre Veranstaltung dankbar anerkennen würde.\nDas Musikfest, an das so viele schöne Hoffnungen sich\nknüpften, ist in der Comite-Sitzung vom 14. d. Mts. nun\nauch definitiv aufgehoben worden. Eine Scharte mehr, die\nwir dort drüben auszuwetzen haben! Hoffen wir, dass das\nnächste Jahr besser dazu angethan ist, uns alle frisch und\nfrohen Herzens zum Musikfeste hier zu vereinen!\n7\n\nAus München.\nAufführungen in der Concert-Saison von März\nbis Mai.\n1. Die musicalische Akademie brachte in ihren\nAbonnements-Concerten: eine Sinfonie in von Jos.\nHäydn; die von Mozart; die Pastoral-Sin-\nfonie von Beethoven; eine Suite in vier Sätzen\n(Allegro, Adagio, Gavotte und Giga) von Joh. Seb. Bach;\neine Sinfonie in Es-clur von Walter, Musik-Director in\nBasel; die beiden letzten Werke zum ersten Male.\nDie Ouvertüre zu König Stephan von Beethoven; die\nOuvertüre von Mendelssohn „Meeresstille und glückliche\nFahrt\"; die Ouvertüre zum Traum einer Christnacht von\nHiller (diese zum ersten Male); das Nonett von Spohr\nin F-dur für Streich-Instrumente, Flöte, Oboe, Clarinette,\nHorn und Fagott (ebenfalls zum ersten Male); die Va-\nriationen für Streich-Instrumente über die österreichische\nVolkshymne von Jos. Haydn mit grosser Besetzung."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "175", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590528-01.1.7", "texte": "Das Violin-Conccrt in Dvon Beethoven (vorgetragen\nvon Herrn Walther) ; das Violin-Conccrt in von La-\nfont (vorgetragen von Herrn Lauterbach).\nDie Cantate „Ariadne aul'Naxos\" von Jos. Haydn\n(gesungen von Frau Maximilien); eine Arie aus Cherubini's\n„Medea\" (gesungen von Frau Diez); die Bass-Arie aus\ndem Stabat matervon Bossini (gesungen von Herrn Lin-\ndemann); ein Madrigal und eine Canzonelta von Scarlatti\n(vorgetragen von Herrn Grill); der „Nachtgesang im\nWalde\" für vier Männerstimmen mit Begleitung von vier\nWaldhörnern von Fr. Schubert; die drei Männerchöre:\n„Männer und Buben\", „Gebet vor der Schlacht\" und\n„Lützow's wilde Jagd\" aus Ivörner's „Leier und Schwert\"\nvon Weber, und zum ersten Male der 23. Psalm von\nSchubert für Frauenstimmen.\nAm Palmsonntage: „Die sieben Worte des Erlösers\nam Kreuze\" von Jos. Haydn.\n2. Der Oratorien-Verein brachte den Messias von\nHändel nach der Original-Partitur (mit Orgel) und in einem\nkleineren Concerte neben der Hvmne von Mendelssohn für\nSopran-Solo, Chor und Orgelbegleitung, Liedern von Lenz\nu. s. w., an Novitäten eine Motette von Hauptmann, jüngst\nerschienene Lieder für Sopran, Alt, Tenor und Bass von\nK. Perfall und aus den geistlichen Gesängen von Hiller\n„Ach, wie nichtig\" und die Litanei am Allerseelentage.\n3. Die Orchester-Concerte des Herrn Seidel\nbrachten an Novitäten eine Ouvertüre von Leonhard (in\nEs-dur), die Ouvertüre zu Dame Kobold von Beinecke,\nein Octett von obengenanntem Herrn Walter, ein Streich-\nQuartett von Scheffer (Professor am hiesigen Conservato-\nrium), einen Triumphmarsch zum Trauerspiel „Trapeja\"\nvon Beethoven und ein Intermezzo (Gruss aus der Ferne)\nfür Orchester von Verhülst.\n4. Die beiden Concerte des Herrn Molique brachten\nuns die vierte Ouvertüre (E-durzu Fidelio von Beetho-\nven, das fünfte Violin-Concert in A-moll vom Concertgeber,\nein Clavier-Concert, ein Streich-Quartett und Ciavier-\nTrio von ihm.\n\nAus Paris.\n\nIm vorigen Monate wohnten wir einer glänzenden Ver-\nsammlung von Geistlichen, Staatsbeamten, Musikern und\nKunstfreunden bei, welche die Herren Orgelbauer Merk-\nlin-Schütze in ihre hiesige Werkstatt eingeladen hatten,\num die neue Orgel zu hören, deren Bestimmung ist, die\nneu restaurirte prachtvolle Kathedrale zu Rouen zu zie-\nren. Da der Bau den berühmten Meistern durch das Mi-\nnisterium des Cultus übertragen worden war, so trug die\nSitzung durch die Anwesenheit zweier Abtheilungs-Direc-\ntoren desselben einen officiellen Charakter. Ferner waren\nder Herr Erzbischof von Bouen, mehrere hohe Geistliche\nund Musikgelehrte, unter ihnen Herr Adrien la Fage, zu-\ngegen. Die Begierung hat die Kosten des Umbaues oder\nrichtiger der gänzlichen Erneuerung der Orgel getragen\nund zuletzt noch 10,000 Francs zugelegt, damit das In-\nstrument im Innern und Aeussern den grossartigen archi-\ntektonischen Verhältnissen des Domes zu Bouen, eines der\nherrlichsten Bau-Denkmale des Mittelalters in Frankreich,\nentsprechen könnte.\nDie Orgel hat 58 klingende Stimmen, 4 Claviere oder\nManuale und ein freies Pedal mit 32füssigem Bass-Tone.\nDie Bäumliehkeit erlaubte jedoch nicht eine vollständige\nAufstellung: das Positiv (das vierte Manual) musste zurück-\nbleiben, da nur für die Stimmen von drei Ciavieren und\ndem Pedal Platz war.\nTrotzdem, dass sich eigentlich nur zwei Drittheile der\ngesammten Tonmächtigkeit der Orgel entfalten konnten,\nmachte die Kraft des vollen Werkes dennoch einen ausser-\nordentlichen Eindruck, den namentlich die gewaltigen Bässe\nunterstützten. Die Mannigfaltigkeit, der Wohllaut und die\nliebliche Klangfarbe der verschiedenen Alt- und Sopran-\nBegister bezauberten besonders alle diejenigen, die noch\nnicht Gelegenheit gehabt hatten, sich von der bekannten\nMeisterschaft der Herren Merklin-Schütze in diesem Theile\nihrer Kunst durch eigenes Hören zu überzeugen. Eben so\nvortrefflich ist die Meohanik und die sämmtliche Arbeit an\ndiesem neuen Werke, dessen kolossale Dimensionen sich\nbis zu den kleinsten und feinsten Einzelheiten abstufen. Man\nwird versucht, die präcise Lenkung dieses riesigen Uhr-\nwerks, dieses grossen Kirchen-Orchesters durch einen ein-\nzigen Menschen für ein Wunder zu halten, so leicht und\ngeräuschlos geht sie vor sich. Es zeigt sich überall, dass\ndie Herren Merklin-Schütze die Gründlichkeit der deut-\nschen Kunst und das musicalische Ohr, das die Natur ihren\nLandsleuten vorzugsweise verliehen hat, mit der Genauig-\nkeit und Eleganz der französischen Arbeit in ihren Orgel-\nwerken aufs glücklichste verbunden haben.\nHerr Batiste, Organist an der Kirche St. Eustache,\nund Herr Benaud de Vilbac, der dieselbe Stelle an St.\nEugene bekleidet, führten die Orgel in mannigfachen Com-\nbinationen ihrer Stimmen vor. Herr Batiste spielte das\nPräludium und die Fuge in von J. S. Bach sehr\nbrav; eine „Communion\" von seiner Composition, vorzugs-\nweise auf das Begister der To und der Flageo-\nletflöte berechnet, sprach an und hielt sich im Ganzen in-\nnerhalb der Gränzen der kirchlichen Musik, während sein\nCollege das Gebiet derselben in seinen Improvisationen gar\nzu weit hinter sich liess. Acht Tage später wurde in\nBouen selbst ein kleineres, aber ebenfalls vorzüglich ge-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590528-01.1.8", "texte": "lungenes Werk derselben Meister im Orgelbau in der hüb-\nschen Kirche von St. Vincent eingeweiht. Herr Vilbac\nkonnte sich nicht enthalten, den unvermeidlichen Prophe-\nten-Marsch auch hier wieder zum Besten zu geben. Das\nwirkliche Beste waren aber die Vorträge des Herrn Klein,\nOrganisten an der Kathedrale, der Uebertragungen eines\nBenedictas von Mozart und eines anderen von Haydn, die\ner selbst für Orgel eingerichtet hatte, auf edle Weise\nspielte. Die Herren Merklin und Schützb können sich Glück\nwünschen, dass ihr grosses Werk für den Dom in so wür-\ndige Hände kommen wird.\n\nB. P.\n\nAuguste Gebler.\n(Nekrolog.)\nL. B.\nWenn der Tod einen Künstler von der irdischen Welt abfordert,\nder eine lange Laufbahn vollendet und die Früchte seiner Begabung\nund seines Fleisses geärntet hat, so wird die Trauer über einen sol-\nchen Verlust durch die Erinnerung an seinen Ruhm, durch die Nach-\nwirkung seiner Thätigkeit gemildert. Rafft aber das Geschick ein\ngrosses Talent im Beginne seiner Entwicklung dahin, so übt der\nSchmerz sein Recht auf das fühlende Herz und fordert Thränen statt\nder Lorbern über dem Grabe, das sich über Hoffnungen, die so\nreich erblühten, geschlossen hat. Auguste Gebler verschied hier\nam 21. d. Mts. in den Armen ihrer trostlosen Eltern; ihr folgt die\ntiefe Trauer um die geknickte Doppelbliithe der Jugend und des\nkünstlerischen Talentes. Geboren zu Minden den 9. September 18-35,\nzog sie mit ihren Eltern, da der Vater, gegenwärtig Major a. D.,\nhieher versetzt worden war, nach Köln, das ihre zweite Heimat\nwurde. Sie folgte nur dem inneren Berufe, wenn sie sich der Kunst\nwidmete, da die Natur ihr eine der lieblichsten Sopranstimmen von\nbedeutender Höhe verliehen hatte. Ihre Ausbildung zur Sängerin be-\ngann vor mehreren Jahren auf der hiesigen Musikschule, wo man\njedoch ihr Talent nicht so anerkannte, wie dasselbe es verdiente.\nSie verliess daher nach zwei\" Jahren die Anstalt und setzte ihre Stu-\ndien unter anderer Leitung, zuletzt in Paris bei Frau Damoreau-\nCinti und Herrn Faure, fort. Nachdem sie in Köln auf der Bühne\neinige Male mit grossem Beifall aufgetreten war, nahm sie ein En-\ngagement in Bremen an, brachte dann den Sommer vorigen Jahres\ngrösstentheils hier im Hause ihrer Eltern zu und ging im September\nnach Stettin, wo sie nach den Urtheilen sachverständiger Kritiker\n(z. B. K. Lowe's) ebeil so wie in Bremen als die Zierde der dorti-\ngen Bühne anerkannt wurde. Leider brachte nur zu bald eine Er-\nkältung, verbunden mit zu grosser Anstrengung und Aufregung, ein\nIJebel zum Ausbruch, das sich nach ihrer schleunigen Rückkehr\nhieher zu einer Abnehmungskrankheit steigerte, welcher sie am 21.\nd. Mts. erlag. Ihre Leistungen im colorirten und mit allen möglichen\nVerzierungen ausgestatteten Gesänge waren vortrefflich; selten gibt\ndie Natur einer Stimme eine so wunderbare Anlage zur Coloratur\nund zum Triller, wie sie Auguste Gebler besass; die Kunst brauchte\nbei ihr mit geringer Mühe das nur zu vervollkommnen, was die\nNatur bereits fast fertig ihr zur Mitgabe verliehen. Es ist ein schö-\nnes Talent mit ihr zur ewigen Ruhe gebettet worden l\nKöln, den 2G. Mai 1859.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nDie Gerüchte, Anderes Engagement in Berlin betreffend, demen-\ntirt die „Deutsche Theaterzeitung\". Weder Verhandlungen noch An-\ngeböte haben Statt gefunden; die Stellung des Herrn Ander 111 Wien\nist dazu zu glänzend und er selbst ist dort durch die Gefühle der\nDankbarkeit gegen die ihm so reichlich erwiesene Gnade des Kaiser-\nhauses gebunden.\nCapellmeister Sobolewski von Bremen begibt sich mit seiner\nTochter nach America.\ns&taes«ieu. Die königliche Capelle hat am 5. d. Mts. ein gros-\nses Concert im Hoftheater zum Besten des Weber-Denkmals veran-\nstaltet und A, Drey schock zur Ausführung des Concertstückes (in\nF-moll), so wie Fr. Bürde-Ney und die Herren Tichatschek, Schloss,\n.Rudolph, Marchion, Mitterwurzer, Bohrer, Freny und Eichberger für\ndie Gesangnummern gewonnen. Das Programm enthielt: 1. Sinfonie\nin C-dur Nr. 1 ; 2. Cavatine aus „Euryanthe\" (Glöcklein im Thale);\n3. Concertsttick für Pianoforte; 4. zwei Lieder aus „Leier und\nSchwert\": a) das Schwertlied, b) Lützow's wilde Jagd; 5. L'lri-\nquidtude von Drey schock; 6. Arie zu Atalia und 7. Jubel-Ouverture.\nAusser der Salon-Piece von Dreyschock waren sämmtliche Compo-\nsitionen von C. M. von Weber. Das Theater war überfüllt; die Ein-\nnahme soll nahe an 1000 Thlr. ergeben haben, wozu als fernerer\nBeitrag der hiesigen städtischen Behörden noch 1000 Thlr. kamen."}]}