{"numero_id": "bm-bmtnabi-1859-06-11-01", "volume": "bmtnabi_1859-06-11_01", "ocr_sha256": "c8645c3e7b190bc6313c2c5fdce81ca9eaae47afacf99761559d6c091d5c7fd1", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1859/06/11_01/bmtnabi_1859-06-11_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590611-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1859-06-11-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-06-11_01#c001", "volume": "bmtnabi_1859-06-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "185", "page_fin": "185", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590611-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "185", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590611-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 350, "texte": "Inhalt.\nTristan und Isolde. Von Richard Wagner. Von L. B. Aus Göthen (Kunstzustände, Sing-Akademie}.\nPages- und UnterhaltungsbJatt (Düsseldorf, Aufführung patriotischer Männerchöre, Händel's Samson Neuwied, Abschieds-\nConcert von Musik-Director Flügel Baden-Baden Hannover, Vermählungen, Zum Weber-Denkmal Metz, Fräul. Bochkolz-Falconi\nParis Neapel)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-06-11-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-06-11_01#c002", "volume": "bmtnabi_1859-06-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "185", "page_fin": "190", "image_debut": 1, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590611-01.2.2", "titre_corps": "Tristan und Isolde.", "titre_sommaire": "Tristan und Isolde.", "signature_source": "Richard Wagner ; L. 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Den Kern der Sage bildet die\nLiebe fristan's zur Isolde, der Gemahlin seines Oheims,\ndes Königs Marke von Cornwallis: „Es ist eine alte\nGeschichte, Doch bleibt sie ewig neu\" u. s. w. Den Wi-\nderstreit zwischen Natur und Sitte lös't die alte Mähr\ndurch einen Zaubertrank, den die beiden Liebenden unbe-\nvvusst genossen; das Tragische liegt also darin, dass sie\nunschuldig durch ihre Leidenschaft zu Grunde gehen.\nDiese Anschauung stimmt aber mit unserem moder-\nnen Gefühle so wenig überein, dass ein Drama, welches\ndarauf gebaut ist und welches die Menschen, die unsere\ninnigste Theilnahme erregen sollen, als willenlose Geschöpfe\nzeigt, die wir nicht als unseres Gleichen zu erkennen ver-\nmögen, keine Sympathieen wecken wird. Lässt nun vollends\nder Dichter diese unheimliche Entstehung der Liebe nicht\nim Dunkeln, sondern stellt, wie Wagner es tlnit, den Ge-\nnuss des Liebestrankes und die urplötzliche Umwandlung\ndes tödlichen Hasses auf der einen und der ehrfurchts-\nvollsten Sitte auf der anderen Seite in glühende, maass-\nlose, „übersinnlich sinnliche\" Liebe sichtbar auf der\nBühne dar, so dürfte es kaum zu hindern sein, dass eine\nsolche Scene allen Ernst aus der Stimmung der Zuschauer\nverscheuche.\nIm ersten Aufzuge zeigt Wagner gleich wieder, wie\nim Tannhäuser und im Lohengrin, sein grosses Talent als\nRegisseur und Decorateur. Die Bühne zeigt das Vorder-\ndeck eines Seeschiffes, ein zeltartiges Gemach, das nach\ndem Hintergrunde zu durch Vorhänge geschlossen ist.\nIsolde auf einem Ruhebette, „das Gesicht in die Kissen\ngedrückt\"; Brangäne, ihre Vertraute. Das Lied „eines\njungen Seemannes erklingt aus der Höhe, wie vom Mäste\nher\". Der Matrose sehnt sich nach seinem „irischen Kind\"\nund gibt uns gleich von vorn herein eine Probe von der\nSchwulst-Poesie und Sprach-Misshandlung, der wir das\nganze Gedicht hindurch begegnen, in den zwei Versen:\n„S ind' s deiner Seufzer Wehen,\nDie mir die Segel blähen?'4\nDas arme Kind! schon die Seufzer verursachen ihr We-\nhen! Eben so deutsch wäre: „Sind's der Jäger Blasen,\ndie mich rufen?\" oder: „Sind's des Busens Sehnen, die\nnach ihm sich drängen?\" —Das Wehen und die Wehen,\ndas Blasen und die Blasen, das Streben und die Streben,\ndas Sehnen und die Sehnen u. s. w. haben bis jetzt sehr\nverschiedene Bedeutungen gehabt; nun, in der „Zukunft\"\nwird das wohl anders werden.\nIsolde fährt auf, verwünscht Cornwall's Strand, den\nsie nie betreten möchte, und beschwört die Winde, das\nSchiff zu zertrümmern, in feuriger Rede voll Poesie, welche\nnur die letzte Pointe: „was auf ihm lebt, den wehenden\nAthem, den lass' ich euch zum Lohn!\" —etwas abschwächt.\nAuf ihren Buf nach Luft öffnet Brangäne die Vorhänge\nim Hintergrunde. Man sieht das ganze Schiff der Länge\nnach bis zum Hinterdeck am Steuer*) und darüber hinaus\ndas Meer und den Horizont. Um den Mast „Seevolk\" ee-\n\" o\nlagert, über „sie\" hinaus Ritter und Knappen, etwas von\n\n*) Leipzig, bei Breitkopf & Härtel. 1859. Kl. 8. 110 S.\n*) Wagner gebraucht hier und öfter irrthümlich das Wort\n„Steuerbord\", welches bekanntlich die rechte Langseite des\nSchiffes (vom Steuer aus gesehen) bedeutet, für Hinterdeck\nam Steuer. Steuerbord in seiner wirklichen Bedeutung würde\ndie ganze Scenirung unmöglich machen."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "186", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590611-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5077, "texte": "ihnen entfernt Tristan ins Meer blickend, zu seinen His-\nsen sein Gefährte Kurwenal. Vom Mäste her wieder der\nGesang des jungen Seemannes.—Vortrefflich in der That!\nVerdienter Applaus kann diesem scenischen Moment nicht\nfehlen.\nIsolde lässt durch Brangäne Iristan zu sich „befehlen\n~Befehlen liess'\ndem Eigenholde (?),\nFurcht der Herrin\nich, Isolde.\"\nTristan: „Ihr gehorsam, | was zu hören, [ meldet hö-\nfisch 1 mir die traute Magd?\" Doch lehnt er höflich\n(oder vielleicht auch höfisch?) ab, wobei wir erfahren, dass\ner sie als Braut zu seinem Könige Mai ko geleite. Kurw e-\nnal aber wird grob, schickt Brangäne mit den Worten\nfort:\n„Du sag's, und grollten\nmir tausend Frau Isolten.\"\nNiemandem wird der trotzige Humor zwischen und\nDur, d und t, hier entgehen, zumal wenn ihn die Musik,\nwie nach Wagner's System erforderlich, unterstützt! Aus-\nser dieser Abtrumpfung pfeift er ihr noch etwas, d. h. „er\nsin»t der zögernd sich Entfernenden mit höchster Stärke\"\nein Spotllied auf den von Tristan erschlagenen Morold\nnach, der einst für Isolde in den Kampf ging.\nBrangäne kommt wieder nach vorn und schliesst die\nVorhänge. Isolde, „dem furchtbarsten Ausbruche nahe\",\nfasst sich und fragt. Jene antwortet: „Mit höf'sehen\nWorten (da haben wir's!) wich er aus.\" Nun erzählt\nIsolde ihr, dass Tristan derselbe sei, der Morold, ihren\n..Angelobten\", erschlagen und dann verwundet in ihre Ge-\nwalt gekommen. Das über ihn gezückte „Schwert, das\nliess ich fallen\" „heilte seine Wunde, dass er ge-\ns u n d e\"\n„und heim nach Hause kehre\n1 J\nmit dem Blick mich nicht mehr beschwere.\" (!)\nDarauf habe er ihr Dank und Treue geschworen, aber\nnachher sie verhöhnt und dem König Marke zur Gattin\nangepriesen. Die Erzählung umfasst achtzig Verse! Da-\nher ihr Hass, ihre Qual,\n„ungeminnt den hehrsten Mann\nstets mir nah' zu sehen.\"\nBrangäne stellt ihr die Partie mit König Marke als im\nGrunde doch sehr annehmlich vor, und was Tristan's be-\nfürchtete Kälte betrifft, so gebe es dagegen wohl ein Mit-\ntel unter den Tränken, welche Isoldcns Mutter, erfahren\nin Zauberkünsten, ihnen mitgegeben!\nIsolde wählt aber aus dem „Schrein\", dem Apotheker-\nkästchen, den Todestrank; den will sie Tristan zutrinken\nund mit ihm sterben. Da das Schiff sich dem Strande na-\nhet, bescheidet sie ihn zu sich, um den „Trank der Sühne\"\nmit ihm zu theilen. Nach einem ziemlich langen, dialektisch\ngewürzten und mit Wortfügungen, gegen welche ein be-\nkannter hoher Participial-Stil klarer liedefluss ist, verkno-\nteten Zwiegespräch*) über das Vergangene und die jetzt\nnothwendige Sühne, lässt Isolde, herrisch gebietend, von\nBrangäne die goldene Schale mit dem Todestrank füllen\nund reicht sie Tristan. Er trinkt; da er aber nicht todt\nzusammenfällt, rult sie: „Betrug auch hier? Mein die\nHälfte! Verräther, ich trink' sie dir!\"\nHierauf Wagner: „(Sie trinkt. Dann wirft sie die\nSchale fort. Beide, von Schauer erfasst, blicken sich mit\nhöchster Aufregung, doch mit starrer Haltung, unverwandt\nin die Augen, in deren Ausdruck der Todestrotz bald der\nLiebesgluth weicht. Zittern ergreift sie. Sie fassen sich\nkrampfhaft an das Herz und führen die Hand wieder\nan die Stirn.—Dann suchen sie sich wieder mit dem Blicke,\nsenken ihn verwirrt und heften ihn von Neuem mit stei-\ngender Sehnsucht auf einander.) Isolde (mit bebender\nStimme): Tristan! Tristan (überströmend): Isolde!\nSie (an seine Brust sinkend): Treuloser Holder!—Er (mit\nGluth sie umfassend): Seligste Frau! (Sie verbleiben in\nstummer Umarmung.)\"**)\nDraussen erschallen Trompeten: man ist am Ufer, Kö-\nnig Marke nahet. Die Vorhänge werden aufgerissen, das\nVerdeck ist voll Menschen; hinten ein neuer Prospect: „das\nUfer mit einer hohen Felscnburg gekrönt\". Die Lieben-\nden, die eben noch ein Duett gesungen mit dem Schluss:\n„Jach in der Brust | jauchzende Lust! | Isolde! Iri-\nstan! j Tristan! Isolde! j Weltenentronnen, j du mir ge-\nwonnen!\" —fahren auf, Isolde ruft: „Ha! welcher Trank?\"\nBrangäne (verzweillungsvoll): „Der Liebestrank.\"\nIsolde sinkt in Ohnmacht, das Schiffsvolk ruft: Heil dem\nKönig! Alles geht durch einander, Einige steigen über\nBord, Andere legen eine Brücke aus; was wird das geben,\n\n*) Damit man uns nicht der Uebertreibung zeihe, so führen wir\nBeispiele an, in denen wir die Verse aus Raumersparniss nur\ndurch Striche abtheilen.\nIsolde. ,,Da ich vor ihm stund, | schwieg — da mein\nMund, | bannt1 — ich meine Hand, | doch, was einst mit Hand\n| und Mund ich gelobt, | das schwur ich schweigend zu hal-\nten/' (S. 29.)\n„Siech und matt | in meiner Macht, | warum ich dich da\nnicht schlug, | das sag' dir (sage du, soll aber heissen: sage\nich!) mit leichtem Fug: | ich pflag des Wunden, | dass den\nheil Gesunden I rächend schlüge der Mann, | der Isolden ihn\nabgewann.4' (S. 30.)\nTristan (düster). „Des Schweigens Herrin j heisst mich\nschweigen; | fass' ich, was sie verschwieg, | verschweig' ich,\nwas sie nicht fasst.\" (S. 32.) (Ja wohl, düster!) U. s. w.\n**) Wörtlich, ohne Ab- und Zuthat (S. 35). — „Seligste\nFrau\"?? Beseligende? Undeutsch. Durch mich seligste? Das\nwäre gar zu arg! Vielleicht ein altertümlicher Ausdruck für\n,.gnädigste Frau\"!!"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "187", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590611-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5554, "texte": "wenn der König aufs Schür kommt! Hat nichts zu sa-\ngen— „der Vorhang fällt schnell.\" Es war hohe Zeit!\nIm Zwischenact hat sich Alles wieder beruhigt. Isoide\no\nist König Marke's Ehefrau; wir sehen sie mit Brangäne\nO o\nbeim zweiten Aufzug im Garten vor ihrem Gemach. An-\nmuthige Sommernacht. Jagdgetön, das sich entfernt. Es\nrührt von einem „nächtlichen Jagen\" her, auf das der\nKönig mit seinem und Tristan's Freunde Melot auszieht.\nTristan harrt auf das Zeichen, das Löschen der Fackel,\ndie am Gartenthor brennt. Brangäne warnt vor Melot's\nVerrath: „0 lass' die warnende Zünde! die Gefahr lass'\nsie dir zeigen; nur heute lösche sie nicht!\" -—-Vergebens!\nIsolde's glühende Leidenschaft siegt, sie löscht die Fackel.\nBrangäne steigt auf eine Warte hinter der Scene.\nTristan „stürzt herein\" „glühende Umarmung\".—\nDer Herzens-Erguss Beider spricht oder singt sich nun\nbald zweiztimmig, bald in den einzelnen Stimmen wechselnd\nauf einen Text von einundzwanzig Seiten aus, den\nnichts unterbricht als ein kurzer Warnungsruf Brangäncns\n(hinter der Scene) von dreizehn Zeilen, während dessen\nden Liebenden „mit zurück gesenkten Häuptern\nlange, schweigende Umarmung\" (auf einer Blumenbank)\nvorgeschrieben ist!\nDiese lange lyrische Scene ist in jeder Hinsicht unge-\nniessbar und unschön bis zum Hässlichen. Empfindung\nund Sprache sind erkünstelt und geschraubt, und wo sie\ndas nicht sind, gränzenlos malt und alltäglich; die Alt-\ndeutschthümelci widert eben so an, wie die Misshandlung\nder Sprache verletzt. Die Tändelei mit Antithesen von\n„Fern\" und „Lang\", „Nah\" und „Weit\", von „Tag\" und\n„Nacht\", in welchen die Liebe all ihren Witz sieben Sei-\nten lang aufbietet, um den Tag anzuschwärzen und die\nNacht zu feiern (die Liebenden nennen sich selbst „Nacht-\ngeweihte\"), die Spielerei mit dem „süssen Wörtlein und\"\n(„Unsre Liebe, heisst sie nicht Tristan und Isolde?\"), die\newigen Spitzfindigkeiten, die an Flachheit und Leere die\nfadeste Versmacherei der späteren Minnesänger überbie-\nten, die angequälte Ziererei und gesuchte Gedankenkün-\nstelei alles das ist nicht nur nicht im Stande, den Man-\ngel an Innigkeit des Gefühls und an Phantasie zu ersetzen,\nsondern stellt ihn erst recht ins grellste Licht. Und das\nalles tritt uns in einer Form entgegen, die dermaassen\nfessellos und schlotterig ist, dass sie sich nur durch will-\nkürliche Anwendung des meist trivialen, oft falschen, hier\nund da bloss durch Assonanz vertretenen Reims von der\nnüchternsten Prosa unterscheidet. Belege zu allem Ge-\nsagten bietet jede Seite. Um derer willen, welche die Kri-\ntiker nur nach Für und Wider classificiren, lassen wir\nBehufs Berufung auf den gesunden Menschenverstand hier\neinige folgen, che der Leser in die obigen Tadeis-Ilubriken\neinreihen mag.\nBeide. Bist da mein? Bin icli's? bist du's ? Ist es kein Traum V\n— Seligste Lust! Ohne Gleiche! Ueberrciche! Ungeahnte! Nie ge-\nkannte (gekahnte)! Himmelhöchstes Weltentrücken! Mein und dein!\nImmer ein! Ewig, ewig ein!\nIsolde. Wie lange fern! Wie fern so lang'!\nTristan. Wie weit so nah'! So nah' wie weit! — — Der Tag\nsteckt sein Zeichen an der Liebsten Thüre, dass nicht ich zu ihr\nführe! — — — Liebchen hegt ihn am Haus, steckt mir drohend\nihn aus.\nIsolde. Hegt' ihn die Liebste am eignen Haus, im eignen Her-\nzen hell und kraus hegt' ihn trotzig einst mein Trauter. War's\nnicht der Tag, der aus ihm log, als er nach Irland werbend zog?\nTristan. Der Tag, der dich umgliss — — — Was dich\numgliss mit hehrer Pracht — — durch Haupt und Scheitel\ndrang mir ein bis in des Herzens tiefsten Schrein. — — Was ohne\nWiss' und Wahn ich dämmernd dort empfah'n, ein Bild, das\nmeine Augen zu schau'n sich nicht getrauten, von des Tages\nSchein betroffen lag mir's da schimmernd offen.\nIsolde. O eitler Tagesknecht! Getäuscht von ihm, der dich ge-\ntäuscht, wie musst1 ich um dich leiden, den — von seines Gleichen\nTrug umfangen, dort, wo ihn Liebe heiss umfasste, im tiefsten Her-\nzen hell ich hasste! — — — Der falsche Trank! dem einzig am\nTode lag, den gab er wieder dem Tag.\nTristan. Heil dem Trank! — — Von dem Bild scheucht' er\ndes Tages täuschenden Schein, dass nachtsiehtig mein Auge\nwahr es zu sehen tauge ! — — — Wer des Todes Nacht liebend\nerschaut, des Tages Lügen, wie eitler Staub der Sonnen sind sie\nvor dem zerspönnen.\nBeide. — Nacht der Liebe, nimm mich auf\nin deinen Schooss,\nlöse von\nder Welt mich los !\nVerloschen nun | die letzte Leuchte;\nwas wir dachten, | was uns däuchte,\nall' Gedanken, | all1 Gemahnen,\nheiTger Dämm'rung | hehres Ahnen\nlöscht des Wähnens Graus\nWelt-erlösend aus. (!!!) — —\nErbleicht die Welt, | die mir der Tag | entgegenstellt, | selbst dann\nbin ich die Welt. | Liebe-heiligstes Leben, | Wonne-hehrstes We-\nben, | Nie-Wieder-Erwachens | wahnlos | hold bewusster Wunsch.\n(Mit zurückgesenkten Häuptern lange schweigende Umarmung\nBeider!)\nReicht das hin, um vor dem Richterstuhle der Gram-\nmatik, Poetik, des gesunden Geschmacks und der Gefühls-\nwahrheit, mit Einem Worte: der Poesie, diejenigen des\nfalschen Zeugnisses und des Meineides gegen die Treue,\ndie sie den ewigen Gesetzen des Schönen geschworen, zu\nüberführen, welche von Wagner's Dichter-Genie und\ngar von seiner Bedeutung „für die Entwicklungs-Geschichte\nder deutschen Literatur\" prahlen? — Und doch ist\ndies nur eine ßlumenlese aus den ersten dreizehn Seiten!\nNoch sind beinahe acht Seiten dieses Duetts übrig. Ohne\nauf Unsinn, wie „namenlos umfangen\" — „urheilig\nErwarmen\" — „endlos ewig ein-bewusst\" u. s. w. und\nauf die fortgesetzte Spielerei mit dem Tage und der Nacht\nfeiner ins Endlose gedehnten Verwässerung der so genann-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "188", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590611-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4854, "texte": "ten Taglieder der Minnesänger, und einer Affen-Carica-\ntur von Julia's und Romeo'sr «Der lag ist ja noch fern,\nEs war die Nachtigall und nicht die Lercheu Zürne\nnicht, Geist des grossen Dichters, dass ich dich in solche\nUmgehung bringe!)— ohne aul alles dieses weiter einzu-\ngehen, wollen wir nur noch die wenigen Verse hersetzen,\nin denen sich das mystisch-dialektische Liebesfaseln gipfelt\n(S. 62 und 63):\nTristan. Stand' er vor mir, der mächt'ge Tod, wie war'\nseinen Streichen die Liebe selbst zu erreichen?\nStürb1 ich nun ihr,\nder so gern ich sterbe,\nwie könnte die Liebe\nmit mir sterben?\nDoch, stürbe nie seine Liebe,\nwie stürbe dann Tristan\n/ seiner Liebe ?\nIsolde. Doch unsre Liebe, | heisst sie nicht Tristan | und\nIsolde ?\nDies süsse Wörtlein: und,\nwas es bindet,\nder Liebe Bund,\nwenn Tristanstürb1,\nzerstört es nicht der Tod ?\nTristan. Was stürbe den Tod,\nals was uns stört u. s. w.\nIsolde. Doch das Wörtlein: und,\nwar1 es zerstört,\nwie anders als\nmit Isolde's eignem Leben\nwar1 Tristan der Tod gegeben?\nDoch genug und übergenug!\nDie Ein-bewussten stören der König und Gefolge, von\nMelot hereingeführt. Isolde schämt sich „unwillkürlich\";\nTristan streckt „ebenfalls unwillkürlich\" (sie!) den Mantel\nbreit vor ihr aus. Marke, eine gute ehrliche Haut, beweis't\nzuerst dialektisch dem Melot, dass er sich irrt, wenn er\nmeint, sein Rath hätte ihm die Ehre gewahrt, denn die\n„frei'ste That (!) von Tristan's Treue\" habe sein Herz\ngetroffen. Dann erst wendet er sich an Tristan: „Mir\ndies? Dies, Tristan, mir?\" Darauf hält er ihm eine milde\nStrafpredigt von vier Seiten, die er mit der Frage schliesst:\n„Warum mir diese Schmach?\"\nTristan, „in dessen Mienen zunehmende Trauer zu\nlesen\" (wirklich?), antwortet sehr poetisch: „0 König,\ndas—kann ich dir nicht sagen.\" Dann fragt er Isolde, ob\nsie ihm folgen wolle „ins Wunderreich der Nacht,\nwas, da sie (seine Mutter) mich gebar,\nihr Liebes-Berge war,\nals, den im Tode sie empfangen,\nim Tod sie liess zum Licht gelangen.\" (!!)\nIsolde sagt Ja, aber mit eben so mystischem Umschweif.\nDer gute Marke sagt gar nichts, aber Melot fährt auf.\n„Tristan dringt auf ihn ein; als Melot ihm das Schwert\nentgegenstreckt, lässt Tristan das seinige fallen und sinkt\nverwundet nieder. Isolde stürzt sich an seine Brust, Marke\nhält Melot zurück der Vorhang fällt schnell.\"\nDer dritte Aufzug zeigt uns den Garten oben auf Tri-\nstan's Burg; über die Mauer hin Aussicht nach dem Meere.\n„Man hört einen sehnsüchtigen Hirtenreigen auf der Schal-\nmei geblasen.\"\nTristan liegt wie leblos auf einem Ruhebette. Sein\ntreuer Kurwenal beiläufig gesagt, die einzige charakte-\nristisch gehaltene dramatische Figur im ganzen Drama—\nhat ihn hieher gebracht und steht neben ihm. Auch hat\ner „nach der einz'gen Aerztin, die hilft\", bereits einen\ntreuen Steuermann abgeschickt. Tristan erwacht; der gute\nGefährte müht sich ab, ihn die Heimat erkennen zu lassen,\naber Tristan schwärmt in anderen Regionen: „Ich war,\nwo ich von je gewesen, wohin auf je ich gehe wo\nnur ein Wissen uns eigen: göttlich-ewiges Ur-Verges-\nsen!\" Der arme „Tag\" muss natürlich auch wieder her-\nhalten. Kurwenal verkündet dem Schwärmenden, dass\ner nach Isolden gesandt. Das regt ihn auf - aber da die\nSchalmei des Hirtenknaben immer wieder das traurige\nLied bläs't, das Zeichen, das noch kein Schifflein sichtbar\nist, so verfällt er wieder in Schwermuth, ja, sogar in Ohn-\nmacht. Doch er erholt sich, der lustige Reigen ertönt, „das\nSchiff, das Schiff\", er ist ausser sich *), Isolde naht—schon\nruft sie von aussen: „Tristan! Geliebter!\" —Er rafft sich\nauf: „Wie hör' ich das Licht!\" (!) stürzt in ihre Arme\nund sinkt entseelt zu ihren Füssen nieder.\nDiese Scene nimmt im Textbuche 23 Seiten (der Rest\ndes Ganzen noch 11 Seiten) ein. Sie dürfte daher für den\nSänger eine sehr schwierige Aufgabe bilden, zumal da\nTristan nicht, wie Tannhäuser im letzten Acte, nur im In-\nnern zertrümmert, sondern auch körperlich todeswund ist.\nAuch bietet dort die Erzählung weit mehr Wechsel und\nSpannung, als hier der träumerisch-mystische Ausdruck\nEiner und derselben Empfindung, wiewohl Wagner ge-\nschickt genug die Eintönigkeit durch die Klänge des Ilir-\ntenreigens und dadurch, dass Kurwenal auf der Warte\nden Lauf des Schiffes und die Gefahr desselben am Küsten-\nriff beobachtet und schildert, zu mildern gesucht hat.\nIsoldens Schmerz bricht aus; der Ausdruck desselben\nist von einem Hauch wahrer Empfindung und wirklicher\nPoesie durchweht. Sie sinkt ohnmächtig über der Leiche\nzusammen.\n„Aus der Tiefe hört man Getümmel und Waffenge-\nklirr.\" König Marke ist gelandet, dringt herauf, draussen\nBrangänens, Melot's Stimme. Kurwenal stellt sich im Burg-\n\n*) Und dennoch: „(in wachsender Begeisterung) Die mir Isolde\n| einzig enthält, | wie war' Isolde | mir aus der Welt?\" Ist\nes zu begreifen, einen Todesmatten im letzten seligen Augen\nblicke noch so sophistisiren zu lassen ?!"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "189", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590611-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5137, "texte": "tlior (im Hintergründe) zur Wehr, erschlägt Melot, dringt\nauf Marke und die Gewaffneten ein, wird verwundet und\nstirbt an Tristan's Leiche. Brangäne „hat sich seitwärts\nüber die Mauer geschwungen\" (!), müht sich um Isolde,\nbringt sie zur Besinnung, ruft ihr zu, dass sie dem Könige\n„das Geheimniss des Trankes\" gestanden, dass er hier sei,\nihr zu entsagen, sie mit Tristan zu vermählen! Der gute\nMarke spricht auch noch einige Worte, die wieder mit\nseiner Lieblings-Anrede: „Warum, Isolde, warum mir\ndas?\" beginnen. Er fügt sich, nach Wagner's dramatur-\ngischen Grundsätzen, dem Wunder, der Zauberei, aber es\nist zu spät. Isolde hört Alles theilnahmlos und haucht ihre\nSeele unter schwärmerischem Hellsehen aus, das also\nschliesst:\n„In des Wonnemeeres\nwogendem Schwall,\nin der Duft-Wellen\ntönendem Schall,\nin des Welt-Athems\nwehendem All\nertrinken\nversinken\nunbewusst\nhöchste Lust!\"\n„Wie verklärt sinkt sie auf Tristan's Leiche. Grosse\nRührung und Entrücktheit unter den Umstehenden.\nMarke segnet die Leichen. Der Vorhang fällt langsam.\"\nWerfen wir nun einen Rückblick auf das Ganze, so\nmüssen wir in Wagner's Tristan und Isolde das Product\neines noch gesteigerten Irrthums über das Wesen der dra-\nmatischen Poesie finden. In seinem „fliegenden Holländer\"\nist das Motiv zwar auch ein übersinnliches, die Sage von\ndem so lange auf dem Meere umhertreibenden Verdamm-\nten, bis er ein treues Weib findet. Allein erstens hat diese\nSage selbst festen Grund und Boden im Volke, und zwei-\ntens ist die dramatische Behandlung, wenn auch monoton,\ndoch individuel. Im Tannhäuser haben die übersinnlichen\nIdeen schon weit mehr die Herrschaft; die Menschen wer-\nden nur zu Trägern dieser Ideen, und damit wird schon\ndem Drama, welches menschlich fühlende und menschlich\nhandelnde Wesen fordert, der Boden entzogen. Wagner\nhat hier schon einen Schritt weiter in der supranaturalisti-\nschen Richtung gethan; er legt mehr Gewicht auf das\nTendentiöse und Symbolische, als auf das Thatsächliche\nder Sage, das durch Handlung anschaulich und dem Ge-\nfühle unmittelbar wahrnehmbar wird. Im Lohengrin wird\nvollends der Triumph des Uebersinnlichen gefeiert; wir\nkönnen aber unmöglich darin einstimmen, da unser gan-\nzes sittliches Bewusstsein sich gegen das Motiv sträubt, das\ndieser Dichtung zu Grunde liegt. Dass das Weib ihren\nMann nie fragen solle, wer er sei, ist gegen die mensch-\nliche Natur und gegen das Sittengesetz zugleich, und das\nCapitel der Ritter des heiligen Gral auf dem Montsalwatsch\nkann unser Gefühl, das sich darüber empört, eben so we-\nnig zum Schweigen bringen, als die mystisch-symbolisch-\nabergläubische Stimmung, die sich Wagner gemacht und\nzu der er sich als zu etwas seiner Natur Fremdem hinauf-\ngeschraubt hat, eine wahr empfundene oder gar christ-\nliche ist.\nUnd was bringt er uns nun in Tristan und Isolde als\nHauptmotiv ? Eine menschliche Kraft oder eine mensch-\nliche Schwäche? einen menschlichen Willen oder eine\nmenschliche Leidenschaft? überhaupt irgend etwas, worin\nder frische Puls des wirklichen Lebens schlägt? Nein! Er\ntischt uns das abgestandene, der Lächerlichkeit verfallene\nMärchen von einem Liebestrank wieder auf und macht\ndiesen übernatürlichen Zauber zum alleinigen Hebel eines\nDrama's! Dadurch werden seine Personen für uns nicht\nMenschen, sondern Marionetten. Woher soll das dramati-\nsche Interesse an Personen kommen, die nicht zurechnungs-\nfähig sind? woher unsere Theilnahme für Geschöpfe, die\nnicht fühlen wie wir, sondern nach einer Arznei fühlen\nmüssen, deren Handeln sich nicht psychologisch aus\nihrem Charakter und einzelnen Momenten und gegebenen\nVerhältnissen entwickelt, sondern einzig und allein einem\näusseren übernatürlichen Impuls folgt? für Geschöpfe end-\nlich, deren spitzfindig-empfindelnde Sprache wir nicht ver-\nstehen? Von Gedanken ist nirgends die Bede; wir verneh-\nmen nur allgemein gehaltene Empfindungen, die mit sehr\nwenigen Ausnahmen in den hergebrachten Klingklang ab-\ngeblasster Opern-Lyrik auslaufen, oder zu dialektischen\nTändeleien und Pointen zugespitzt sind. Was ist aber\nwidriger, als sentimentaler Witz? Zur Charakteristik\nder Figuren kommt es gar nicht; nur in der Nebenrolle\nKurwenal's wird ein Streben danach sichtbar. Dieser allein\nist etwas, ein treuer, roher Kerl. Isolde und Tristan han-\ndeln willenlos, folgen einer äusseren zwingenden Macht.\nBrangäne ist gar nichts; Marke ein gutmüthiger Narr, der\naus Respect vor dem Liebestrank (vor dem Wunder!) Fünf\ngerade sein lässt; Melot ein Statist, der dem Ritter Gele-\ngenheit gibt, in sein Schwert zu rennen, und vom Knappen\nerschlagen wird, wobei in zwei Auftritten höchstens fünf-\nzig Worte über seine Lippen kommen.\nDas ist ein Drama! Denkt man nun vollends daran,\ndass es die Grundlage eines musicalischen Werkes, einer\nOper - selbst neuesten Stils sein soll, so stehen einem\ndie Haare vor Grauen zu Berge. Wenn Wagner dieses\nGedicht nur so in Musik setzt, dass es sich erträglich an-\nhört, so müssen wir ihn für ein musicalisches Genie hal-\nten. Vielleicht hat er das einundzwanzig Seiten lange Duett\nder Liebenden, die Tag- und Nacht-Parallele, nur desswe-\ngen gedichtet, um durch dessen Composition zu beweisen,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "190", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590611-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3202, "texte": "dass er doch fähig sei, einen grossen musicalisehen Ge-\ndanken festzuhalten und durchzuführen, woran man be-\nkanntlich bis jetzt stark gezweifelt hat.\nWir schliessen mit einigen Betrachtungen Julian\nSchmidt's in seiner Geschichte der deutschen Literatur\n(4. Auflage, Bd. -3, S. 194):\n„Während Richard Wagner in seinen Mitteln dieselbe\nCharlatanerie anwendet, wie Meyerbeer, handelt er doch\nim besten Glauben; er ist ein Fanatiker seiner eigenen\nIdeen, die ursprünglich nichts weiter ausdrücken, als das\nBewusstsein von der Gränze seines eigenen Talentes, und\nmit unermüdlichem Eifer weiht er alle Kräfte seines Le-\nbens diesem eingebildeten Zwecke. Eine solche Hingebung\nimponirt uns Deutschen, und wenn in der Propaganda\nsehr menschliche Motive mitwirken, wenn der cynische\nTon der Schule den widerlichsten Eindruck macht, so ist\nder ursprüngliche Grund doch wohl die Freude über eine\nconcenfrirte Willenskraft in einer schlaffen Zeit. Dieses Ge-\nfühl ist edel, aber man muss ihm Widerstand leisten, sonst\nverführt es uns zu den unglaublichsten Thorheiten, zu je-\nnen Thorheiten, die uns schon häufig zum Spott der Welt\ngemacht haben. Es ist bei Wagners Schöpfungen um so\nnothwendiger, da das, was bei ihm Wirkung t'hut, nicht\ndie Naturkraft ist, die allen Stoff belebt, sondern der matte\nStrahl eines Jenseits, der nur durch seinen Gegensatz ge-\ngen die Erde imponirt. Sowohl seine Poesie wie seine Mu-\nsik durchziltert jener anspruchsvolle, seltsame Ton, der\ndem Anscheine nach etwas sehr Spiritualistisches ist, eigent-\nlich aber die gemeine Sinnlichkeit afficirt. Man hat ihn\ngar zu einem nationalen Dichter machen wollen\nwegen seiner mittelalterlichen Stoffe, aber die charakte-\nristische Eigenschaft der deutschen Nation beruht auf dem\nGemüthe, der Einheit der idealen Anschauung mit dem\nGewissen, und in dieser Beziehung sind Wagner's Opern\ndurchaus undeutsch. Seine Sittlichkeit ist eine transscen-\ndente, von dem Gemüthe wie von dem Gewissen losgelös't.\nSeine Motive sind überirdisch, seine Figuren somnambül.\nEben so ist seine Musik auf das raffinirteste darauf berech-\nnet, die Nerven zu reizen. Wer sich diesem Beiz unterwirft,\nwird in eine unklare Stimmung versetzt werden, wie bei\ngeschickt erzählten Gespenstergeschichten; wer aber dem\nersten Eindruck widersteht, wird es als eine Entweihung\nder Kunst empfinden. Wagner spannt die Phantasie ge-\nwaltsam an, nicht durch das Medium des Gemüthes und\ndes Gewissens, wie alle grossen Dichter und Componisten,\nsondern unmittelbar, wie alle Romantiker, Charlatane und\nMagiker. Die wahre Kunst geht aus dem Können hervor,\naus einer von überquellender Realität erfüllten Seele; die\nfalsche Kunst entspringt aus der Reflexion über die Kunst,\ndie nach einer phantastischen Realität sucht, aber statt der\nleibhaftigen Helena ein Schattenbild umarmt. Und da zwi-\nschen der Kunst und dem Leben eine beständige Wech-\nselwirkung Statt findet, so dürfte es zweckmässig sein, die\nKunst beständig vor jenem Venusberg einer vom Leben\ngetrennten Schattenweit zu warnen, welcher die Nerven\nabspannt, das Blut krankhaft reizt und die Einbildungs-\nkraft mit Hirngespinnsten so übersättigt, dass sie zuletzt\nin matter, hoffnungsloser Biasirtheit endigt.\"\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-06-11-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-06-11_01#c003", "volume": "bmtnabi_1859-06-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "190", "page_fin": "191", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590611-01.2.3", "titre_corps": "Aus Cöthen.", "titre_sommaire": "Aus Cöthen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "190", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590611-01.1.6", "debut_caractere": 3204, "fin_caractere_exclue": 5402, "texte": "Aus Cöthen.\nEs ist für jeden Verehrer der Kunst von Interesse, zu\nerfahren, wo und wie die Kunst besonders gepflegt wird,\nund an welcher Stelle sie ein neues, fröhliches Blüthenreis\ngetrieben hat. In dieser Beziehung ist es denn wohl auch\nan der Zeit, über die cöthener Sing-Akademie ein\nWort zu reden, die nun bereits seit vier Jahren von ihrem\nDasein in hiesiger Stadt wie in der Umgegend so mehr-\nfache als auch erfreuliche Beweise gegeben hat.\nDer Dirigent der gegenwärtigen cöthener Sing-Aka-\ndemie, Herr Rudolf Magnus, im Frühjahr 1855 nach\nGöthen kommend, wurde demnächst vom hiesigen Herrn\nDr. Lutze aufgefordert, in dessen Behausung ein Chorge-\nsang-Quartett einzurichten. Es traten dieser neuen Gele-\ngenheit für Gesang bald mehr männliche und weibliche\nTheilnehmer zu, um so eher, da der Dirigent ausser einem\nhohen Grade musicalischer Befähigung für die Direction\nauch einen besonderen Eifer für diesen edlen Zweig der\nTonkunst an den Tag legte. Es währte nicht lange, dass\nauch bereits einige glückliche Versuche mit Solo- und Chor-\ngesang aus Opern gemacht wurden, da der Genannte auch\nfür den ersteren mit gutem Erfolg männliche und weib-\nliche Stimmen bildete. Da das weibliche Personal sich ver-\ngrösserte, so wurde ausser der gewöhnlichen wöchentli-\nchen Vorübung zum nächsten allgemeinen Chorgesange\nauch noch eine wirkliche Elementar-Unterrichtsstunde ge-\nhalten. Auf diesem sicheren Wege fortschreitend, konnte\nes dem thätigen Dirigenten auch bald möglich werden, mit\nder ihm eng angeschlossenen Sängerschar an grössere,\nnamhafte Werke zu gehen. So wurden unter Clavier-Be-\ngleitung gesungen: Mozart, 1. Act der Zauberflöte, das\n2. Finale aus Titus; Weber, 1. Finale aus Euryanthe,\nTenor-Solo mit Chor aus Oberon. Ausserdem Mozart's\nRequiem; Händel's Ode am Cäcilien-Tag, Messias; Men-\ndelssohn's Walpurgisnacht und Paulus; Haydn's Jahreszei-\nten. Mit Orchester: Haydn's Schöpfung, Händel's Samson\nund Seb. Bach's Passion, iii welcher die Akademie bei\neiner zweimaligen Aufführung in Dessau den zweiten Chor\nzu singen hatte. Ausserdem fanden in Göthen und der Um-\ngegend kirchliche Concerte Statt, in welchen ausser kirch-\nlichen Gesangsachen auch noch Orgel-Vorträge vom Diri-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "191", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590611-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2701, "texte": "geilten gegeben wurden, in denen er eine besondere tech-\nnische Gewandtheit, so wie eine reiche Phantasie zeigte.\nIm Jahre 1858 constituirte sich der Sing-Verein gesetz-\nlich unter dem Namen „Sing-Akademie\". Das Streben des\nHerrn Magnus war nun zunächst hauptsächlich dahin ge-\nrichtet, die Poesie des einfachen Volksliedes im Chor-\ngesange besonders hervorzuheben und durch kunstgemäs-\nsen, resp. seelischen Vortrag Sängern und Zuhörern zur\nklarsten Anschauung zu bringen. Dies wurde auch in meh-\nreren öffentlichen Concerten wirklich empfunden, z. B. wo\nnach irgend einem der Mendelssohn'schen vierstimmigen\nLieder (sämmtlich von der Akademie gesungen) der Beifall\ndes Publicums sich diesmal nicht auf die gewöhnliche laute\nWeise durch Klatschen, sondern mehr durch ein fast un-\nmerkliches Flüstern, durch ein leises Aufathmen zu erken-\nnen gab, indem das lauschende Ohr sich endlich aus dem\nsüssen Zauberkreise der Tonkunst wieder in die allgemeine\nWirklichkeit entrückt fühlte. Obgleich nun auch die all-\ngemeine Stimme des Publicums über die künstlerischen\nLeistungen der Akademie nicht anders als der Anerkennung\nund des Lobes voll ist, so steht dennoch ein anderer Theil\ndes Publicums entgegen, entweder 1) aus einer Art von\nGeringschätzung gegen derartigen Gesang überhaupt, dem\nman vielleicht eine mehr sinnlich in die Ohren fallende,\nlärmende Instrumentalmusik vorzieht, oder 2) aus persön-\nlichen Rücksichten Partei nehmend gegen das anerkannt\nBessere, eben weil es das Bessere ist und weil eben durch\ndasselbe die Leistungen eines anderen „Gesang-Vereins\"\n(liccus anon lucendo)etwas mehr in Schatten, oder auch,\numgekehrt gesagt: ins Licht treten. Es hat denn auch so-\nnach obgleich hier in Göthen vier bis fünf Männer-Ge-\nsangvereine ganz friedlich neben einander bestehen—von\neiner Seite her nicht an wiederholten Bestrebungen gefehlt,\nder öffentlichen Wirksamkeit der Akademie in den Weg\nzu treten. Noch erhoben sich von der Gegenpartei Stim-\nmen gegen Herrn Magnus als Ausländer, der die Be-\nfugniss nicht hätte, die Kunst hier öffentlich zu treiben.\nWas würde aber, wäre hierauf zu antworten, aus einem\nso genannten Zunftwesen in der Kunst wohl Anderes her-\nvorgehen können, als der offenbare Tod derselben?\nAn der Sing-Akademie ist es nun schliesslich, die so\nerfolgreichen Kunstbestrebungen ihres uneigennützigen Di-\nrigenten mit gebührendstem Danke anzuerkennen, zugleich\nnicht ohne einige Wehmuth in die Zukunft hinausblickend,\nwo derselbe wirklich ins Ausland gegangen sein und\nunsere gute Stadt Göthen in der Kunst verwais't zurück-\ngelassen haben wird, auf welchen beklagenswerthen Zu-\nstand bereits auch ein anderer Referent wiederholt hinzu-\ndeuten Veranlassung genommen hat."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-06-11-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-06-11_01#c004", "volume": "bmtnabi_1859-06-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "191", "page_fin": "192", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590611-01.2.4", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "191", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590611-01.1.7", "debut_caractere": 2703, "fin_caractere_exclue": 6625, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nIHisselclOfi'f1, 6. Juni. Gestern Nachmittags fand in der Geis-\nler'sehen Tonhalle unter Leitung des Herrn Musik-Directors Knappe\neine „Aufführung patriotischer Männerchöre44 Statt, zu der sich die\ndüsseldorfer Gesangvereine mit dem Manner-Gesangverein von iNeuss,\nden Liedertafeln von Crefeld, Gladbach, Duisburg, dem Sängerbunde\nvon Hilden und anderen vereinigt hatten. Im Ganzen mochte ein\nimposanter Chor von 150 Sängern beisammen sein. Nach einem ein-\nleitenden Choral: „Der alte Gott, der lebet noch\", und Kleinas Mo-\ntette: „Hoch thut euch auf\" —folgten verschiedene, meist bekannte\nund der Tendenz des Concertes angemessene Lieder, so unter ande-\nren das Vaterlandslied von Kücken, Rheinlied von Wayaffe, Kriegs-\nlied von Knappe, Körner's Schwertlied von Weber. Als neu wurde\nuns der Rheingruss, eine frische, lebendige Composition unseres\nTausch, geboten, die, mit verdientem Beifall allerdings aufgenom-\nmen, bei mehr Präcision im Vortrage doch noch kräftiger hätte\ndurchschlagen müssen. Besonders gut gelang die Wacht am Rhein\nvon Wilhelm; mit dem kernigen Schluss : „Fest steht und treu die\nWacht am Rhein!\" machte sie einen mächtigen Eindruck auf die\nzahlreiche Zuhörerschaft und wurde stürmisch da caiw verlangt.\nVöllig misslungen war leider das Schlusslied, herr-\nlicher Festgesang an die Künstler; anstatt mit so kläglicher Instru-\nmental-Begleitung sich zu begnügen, hätte man besser gethan, sie\nganz fort zu lassen. Im Allgemeinen fehlte es den Chören an gehö-\nriger Durchbildung der einzelnen Stimmen, wesshalb denn auch eine\nkünstlerisch befriedigende Wirkung wohl nicht erzielt werden konnte.\nWenn ich Ihnen nun noch mittheile, dass wir am Samstag Abends\n(4. Juni) Händel's Samson im Instrumentalmusik-Verein (unter\ngefälliger Mitwirkung des Gesangmusik-Vereins) zu hören bekamen,\nsollten Sie da nicht meinen, wir hätten zum Ersatz für den Ausfall\neines Besseren ganz unter uns das Musikfest im Kleinen und zu-\ngleich des grossen Meisters Gedächtniss gefeiert?! Doch da die\nAufführung durchaus keinen öffentlichen Charakter trug wenn-\ngleich ein zahlreiches und gewähltes Publicum sich eingefunden\nhatte —, so gebührt es uns nicht, darüber zu kritisiren. Bemerken\nwir nur, dass die Chöre nichts zu wünschen übrig Hessen; sie wa-\nren, zu einem höheren Zwecke bestimmt, mit vielem Fleisse einstu-\ndirt, und gelangen namentlich der fugirte Chor der Israeliten im\nersten Tlieile und die Schlusschöre des zweiten und dritten Theils\nganz vorzüglich. „Laut schallte der Stimmen voller Chor\", dass es\nringsum die weiten Räume der Tonhalle erfüllte und wohl bei jedem\nAnwesenden den Eindruck der Unvergänglichkeit solcher Gesänge\nlebhaft aufs Neue erweckte und verstärkte.\nEs sind nun im August gerade hundert Jahre, seit die sterbliche\nHülle des unsterblichen Händel in der Westminster-Abtei dem Stand-\nbilde Shakespeare's gegenüber beigesetzt wurde. Seine Sonaten, seine\nOpern sind längst verklungen aber so lange überhaupt noch eine\nSaite gerührt, ein Instrument angehaucht wird, so lange werden\nnoch seine Oratorien, mit deren Tönen er, wie Herder sich äussert,\nden Cherub selbst vom Himmel hätte herabzwingen mögen, die Her-\nzen aller Hörer tief erschüttern und hoch erheben! —7—\nJXettwiefil. Mittwoch, 2\". Mai, fand das Absehieds-Concert\ndes Herrn Musik-Directors Flügel im Saale des „Alten Riesen\"\nStatt. Der Concertgeber trug vor seine Pianoforte-Sonatc Nr. 8, B-\ndur, Mendelssohn zugeeignet, und eine grosse Sonate von Beethoven.\nDer Flügel'sche Verein sang den Chor aus der Schöpfung: „Die\nHimmel erzählen die Ehre Gottes\", und den „Bergmannsgruss\", Ge-\ndicht von M. Döring, melodramatisch in Musik gesetzt für Solo-\nund Chorstimmen mit Pianoforte-Begleitung von A. F. Anacker.\nFräulein Nanny Becker aus Coblenz unterstützte das Concert\ndurch Gesang-Vorträge, und ein tüchtiger Dilettant trug ein Violin-\nConcert von Rode vor. Unsere Stadt verliert in Herrn Flügel die"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "192", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590611-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4165, "texte": "Hauptstütze, wo nicht die einzige, des künstlerischen Aufschwungs\nder Musik.\nötMleil-llstillesi« Herr Benazet, der Kaiser der französischen\nSpielpächter in Deutschland, hat verweigert, die treffliche Sängerin\nMad. Miolan-Carvalho in Paris von ihrem Contract für die er-\nsten vierzehn Tage des August zu entbinden, während welcher sie\ndie Hauptrolle in einer neuen für Herrn Benazet von Gounod com-\nponirten Oper zu singen übernommen hat. Herr Benazet, so nahe\ndem Sitze des deutschen Bundestages, gibt uns damit eine Bürg-\nschaft des Friedens, wenigstens zwischen Baden und Frankreich!\nHailßßOier« Am 31. Mai hat hier die Vermählung der k.\nHof-Schauspielerin Marie Seebach mit dem k. Hof-Opernsänger\nN i e m a n n , und die der Sängerin Fischer-Nimbs mit dem Schau-\nspieler Michaelis Statt gefunden.\nAm Donnerstag den 2G. Mai wurde zum Besten des Denkmals\nvon C. M. von Weber in Dresden hier dessen Oper „Oberon\" ge-\ngeben. Auf dem Theaterzettel steht: „Im dritten Aufzuge La S 6-\nduclion, von den Damen Kobler, Grantzow und dem Corps de Bal-\nlet\" Diese französischen Flicke auf einem deutschen Mantel passen\nschlecht zu dem kriegerischen Antrage von Hannover beim Bun-\ndestage !\nFräulein Bochkolz-Falconi hat in Metz mit ungeheurem\nBeifall gesungen; sie trug (im Theater) die grosse Arie der Vitellia\naus Titus, die brillanten Variationen von Hummel und aus Meyer-\nbeer1 s neuer Oper den Schatten-Walzer der Dinorah vor. Der Applaus\nwar so, wie man ihn noch nie in Metz erlebt hatte. Das Orchester\nbrachte der Sängerin an demselben Abende ein Ständchen. Sie wird\nauch in der Rolle der Fides dort auftreten.\nIn Paris hat man in voriger Woche in der grossen Oper den\nVersuch gemacht, Verdi's ~Sicilianische Vesper\" wieder in Scene\nzu setzen, aber ohne Glück. Die Ausstellung (1855) und Sophie\nCruvelli fehlen, welche die beiden Hebel des ersten Erfolgs waren,\ndessen kurze Dauer unser Correspondent schon damals voraussagte.\nWie curios überhaupt, dass man jetzt eine Oper wieder hervor-\nholt, in welcher der glühendste Hass der Italiäner gegen die Fran-\nzosen sich ausspricht, eine österreichische Herzogin die Verschwö-\nrung schürt und leitet, und Procida am Schlüsse beim allgemeinen\nMorden der Franzosen ausruft: Frappei toujours! Dieu choisira les\nsiens!\nSivori hat in Italien, namentlich in Neapel, eine Reihe von\nglänzenden Concerten gegeben. Er hat aber jetzt wieder den Aufent-\nhalt in Paris vorgezogen.\nHector Berlioz erzählt in seinem Buche.' ~Les Grotesques de\nla Musique\", welches eine Menge von musicalischen Anekdoten ent-\nhält: Als noch ganz junger, angehender Musiker wurde ich von\nden Mitgliedern einer philharmonischen Liebhaber-Gesellschaft gebe-\nten, ihr Orcliester-Director zu sein. Ihr Orchester musste wohl elend\nsein, und war es in der Tliat. Der Gedanke aber, mich in der Di-\nrection instrumentaler Massen zu üben und auf diese Art in anima\nvili zu experimentiren, bestimmte mich zur Annahme. Als der Tag\nder Probe gekommen war, verfüge ich mich in ihr Local und finde\ndaselbst bei sechszig Concertirende, die mit dem den Liebhaber-Or-\nchestern eigenen einschneidenden Getöse stimmten. Es war eine Sin-\nfonie in l) \\on Gyrowetz aufgelegt. Ich ergebe mich, wir beginnen.\nIch vernehme gräuliche Misstöne der Clarinette. Ich unterbreche das\nOrchester und wende mich an die Clarinettisten mit den Worten:\n„Sie haben gewiss, meine Herren, ein Stück mit dem anderen ver*\nwechselt, wir spielen in />, und Sie blasen in Fl\" „Nein, mein\nHeri, das ist die bezeichnete Sinfonie !a wir noch-\nMals!u Neue Missklänge, neue Unterbrechung. , Aber das ist ganz\nunmöglich; lassen Sie mich Ihre Stimme sehen! Ihre Stimme hat\nallerdings die Note f, aber für klingt also d. Sie ha-\nben Sich im Instrumente vergriffen.'4 „Mein Herr, wir haben nur\nC-Clarinette.*' „Nun denn, so transponiren Sie um die kleine\nTerz.\" ,»Wir können nicht transponiren.— „So schweigen Sie\ndenn ganz!\" „Oho! auch wir sind Mitglieder der Gesellschaft, und\nwir haben das Recht, zu spielen, wie alle anderen \\u Bei \"diesen un-\nglaublichen Worten liess ich den Tactirstab sinken, machte mich,\nals trüge mich der Teufel davon, aus dem Staube und habe diese\nPhilharmoniker nie wieder gesehen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "185", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590611-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nTristan und Isolde. Von Richard Wagner. Von L. B. Aus Göthen (Kunstzustände, Sing-Akademie}.\nPages- und UnterhaltungsbJatt (Düsseldorf, Aufführung patriotischer Männerchöre, Händel's Samson Neuwied, Abschieds-\nConcert von Musik-Director Flügel Baden-Baden Hannover, Vermählungen, Zum Weber-Denkmal Metz, Fräul. Bochkolz-Falconi\nParis Neapel).\n\nTristan und Isolde.\nVon Richard Wagner\n\n*).\nDie alte bretonische Sage von Tristan und Isolde ge-\nhörte im Mittelalter vom zwölften Jahrhundert an zu den\nverbreitetsten. Nach Deutschland wurde sie auch schon\num 1170 verpllanzt und lebte theils in Volksbüchern in\nungebundener Rede, theils in romantisch-epischen Gedich-\nten von Gottfried von Strassburg (1210) und seinen Er-\ngänzern bis auf Immermann fort. Als wirkliches Drama\nist sie, so viel uns bekannt, ausser durch Hans Sachs, noch\nnicht behandelt worden. Den Kern der Sage bildet die\nLiebe fristan's zur Isolde, der Gemahlin seines Oheims,\ndes Königs Marke von Cornwallis: „Es ist eine alte\nGeschichte, Doch bleibt sie ewig neu\" u. s. w. Den Wi-\nderstreit zwischen Natur und Sitte lös't die alte Mähr\ndurch einen Zaubertrank, den die beiden Liebenden unbe-\nvvusst genossen; das Tragische liegt also darin, dass sie\nunschuldig durch ihre Leidenschaft zu Grunde gehen.\nDiese Anschauung stimmt aber mit unserem moder-\nnen Gefühle so wenig überein, dass ein Drama, welches\ndarauf gebaut ist und welches die Menschen, die unsere\ninnigste Theilnahme erregen sollen, als willenlose Geschöpfe\nzeigt, die wir nicht als unseres Gleichen zu erkennen ver-\nmögen, keine Sympathieen wecken wird. Lässt nun vollends\nder Dichter diese unheimliche Entstehung der Liebe nicht\nim Dunkeln, sondern stellt, wie Wagner es tlnit, den Ge-\nnuss des Liebestrankes und die urplötzliche Umwandlung\ndes tödlichen Hasses auf der einen und der ehrfurchts-\nvollsten Sitte auf der anderen Seite in glühende, maass-\nlose, „übersinnlich sinnliche\" Liebe sichtbar auf der\nBühne dar, so dürfte es kaum zu hindern sein, dass eine\nsolche Scene allen Ernst aus der Stimmung der Zuschauer\nverscheuche.\nIm ersten Aufzuge zeigt Wagner gleich wieder, wie\nim Tannhäuser und im Lohengrin, sein grosses Talent als\nRegisseur und Decorateur. Die Bühne zeigt das Vorder-\ndeck eines Seeschiffes, ein zeltartiges Gemach, das nach\ndem Hintergrunde zu durch Vorhänge geschlossen ist.\nIsolde auf einem Ruhebette, „das Gesicht in die Kissen\ngedrückt\"; Brangäne, ihre Vertraute. Das Lied „eines\njungen Seemannes erklingt aus der Höhe, wie vom Mäste\nher\". Der Matrose sehnt sich nach seinem „irischen Kind\"\nund gibt uns gleich von vorn herein eine Probe von der\nSchwulst-Poesie und Sprach-Misshandlung, der wir das\nganze Gedicht hindurch begegnen, in den zwei Versen:\n„S ind' s deiner Seufzer Wehen,\nDie mir die Segel blähen?'4\nDas arme Kind! schon die Seufzer verursachen ihr We-\nhen! Eben so deutsch wäre: „Sind's der Jäger Blasen,\ndie mich rufen?\" oder: „Sind's des Busens Sehnen, die\nnach ihm sich drängen?\" —Das Wehen und die Wehen,\ndas Blasen und die Blasen, das Streben und die Streben,\ndas Sehnen und die Sehnen u. s. w. haben bis jetzt sehr\nverschiedene Bedeutungen gehabt; nun, in der „Zukunft\"\nwird das wohl anders werden.\nIsolde fährt auf, verwünscht Cornwall's Strand, den\nsie nie betreten möchte, und beschwört die Winde, das\nSchiff zu zertrümmern, in feuriger Rede voll Poesie, welche\nnur die letzte Pointe: „was auf ihm lebt, den wehenden\nAthem, den lass' ich euch zum Lohn!\" —etwas abschwächt.\nAuf ihren Buf nach Luft öffnet Brangäne die Vorhänge\nim Hintergrunde. Man sieht das ganze Schiff der Länge\nnach bis zum Hinterdeck am Steuer*) und darüber hinaus\ndas Meer und den Horizont. Um den Mast „Seevolk\" ee-\n\" o\nlagert, über „sie\" hinaus Ritter und Knappen, etwas von\n\n*) Leipzig, bei Breitkopf & Härtel. 1859. Kl. 8. 110 S.\n*) Wagner gebraucht hier und öfter irrthümlich das Wort\n„Steuerbord\", welches bekanntlich die rechte Langseite des\nSchiffes (vom Steuer aus gesehen) bedeutet, für Hinterdeck\nam Steuer. Steuerbord in seiner wirklichen Bedeutung würde\ndie ganze Scenirung unmöglich machen."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "186", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590611-01.1.2", "texte": "ihnen entfernt Tristan ins Meer blickend, zu seinen His-\nsen sein Gefährte Kurwenal. Vom Mäste her wieder der\nGesang des jungen Seemannes.—Vortrefflich in der That!\nVerdienter Applaus kann diesem scenischen Moment nicht\nfehlen.\nIsolde lässt durch Brangäne Iristan zu sich „befehlen\n~Befehlen liess'\ndem Eigenholde (?),\nFurcht der Herrin\nich, Isolde.\"\nTristan: „Ihr gehorsam, | was zu hören, [ meldet hö-\nfisch 1 mir die traute Magd?\" Doch lehnt er höflich\n(oder vielleicht auch höfisch?) ab, wobei wir erfahren, dass\ner sie als Braut zu seinem Könige Mai ko geleite. Kurw e-\nnal aber wird grob, schickt Brangäne mit den Worten\nfort:\n„Du sag's, und grollten\nmir tausend Frau Isolten.\"\nNiemandem wird der trotzige Humor zwischen und\nDur, d und t, hier entgehen, zumal wenn ihn die Musik,\nwie nach Wagner's System erforderlich, unterstützt! Aus-\nser dieser Abtrumpfung pfeift er ihr noch etwas, d. h. „er\nsin»t der zögernd sich Entfernenden mit höchster Stärke\"\nein Spotllied auf den von Tristan erschlagenen Morold\nnach, der einst für Isolde in den Kampf ging.\nBrangäne kommt wieder nach vorn und schliesst die\nVorhänge. Isolde, „dem furchtbarsten Ausbruche nahe\",\nfasst sich und fragt. Jene antwortet: „Mit höf'sehen\nWorten (da haben wir's!) wich er aus.\" Nun erzählt\nIsolde ihr, dass Tristan derselbe sei, der Morold, ihren\n..Angelobten\", erschlagen und dann verwundet in ihre Ge-\nwalt gekommen. Das über ihn gezückte „Schwert, das\nliess ich fallen\" „heilte seine Wunde, dass er ge-\ns u n d e\"\n„und heim nach Hause kehre\n1 J\nmit dem Blick mich nicht mehr beschwere.\" (!)\nDarauf habe er ihr Dank und Treue geschworen, aber\nnachher sie verhöhnt und dem König Marke zur Gattin\nangepriesen. Die Erzählung umfasst achtzig Verse! Da-\nher ihr Hass, ihre Qual,\n„ungeminnt den hehrsten Mann\nstets mir nah' zu sehen.\"\nBrangäne stellt ihr die Partie mit König Marke als im\nGrunde doch sehr annehmlich vor, und was Tristan's be-\nfürchtete Kälte betrifft, so gebe es dagegen wohl ein Mit-\ntel unter den Tränken, welche Isoldcns Mutter, erfahren\nin Zauberkünsten, ihnen mitgegeben!\nIsolde wählt aber aus dem „Schrein\", dem Apotheker-\nkästchen, den Todestrank; den will sie Tristan zutrinken\nund mit ihm sterben. Da das Schiff sich dem Strande na-\nhet, bescheidet sie ihn zu sich, um den „Trank der Sühne\"\nmit ihm zu theilen. Nach einem ziemlich langen, dialektisch\ngewürzten und mit Wortfügungen, gegen welche ein be-\nkannter hoher Participial-Stil klarer liedefluss ist, verkno-\nteten Zwiegespräch*) über das Vergangene und die jetzt\nnothwendige Sühne, lässt Isolde, herrisch gebietend, von\nBrangäne die goldene Schale mit dem Todestrank füllen\nund reicht sie Tristan. Er trinkt; da er aber nicht todt\nzusammenfällt, rult sie: „Betrug auch hier? Mein die\nHälfte! Verräther, ich trink' sie dir!\"\nHierauf Wagner: „(Sie trinkt. Dann wirft sie die\nSchale fort. Beide, von Schauer erfasst, blicken sich mit\nhöchster Aufregung, doch mit starrer Haltung, unverwandt\nin die Augen, in deren Ausdruck der Todestrotz bald der\nLiebesgluth weicht. Zittern ergreift sie. Sie fassen sich\nkrampfhaft an das Herz und führen die Hand wieder\nan die Stirn.—Dann suchen sie sich wieder mit dem Blicke,\nsenken ihn verwirrt und heften ihn von Neuem mit stei-\ngender Sehnsucht auf einander.) Isolde (mit bebender\nStimme): Tristan! Tristan (überströmend): Isolde!\nSie (an seine Brust sinkend): Treuloser Holder!—Er (mit\nGluth sie umfassend): Seligste Frau! (Sie verbleiben in\nstummer Umarmung.)\"**)\nDraussen erschallen Trompeten: man ist am Ufer, Kö-\nnig Marke nahet. Die Vorhänge werden aufgerissen, das\nVerdeck ist voll Menschen; hinten ein neuer Prospect: „das\nUfer mit einer hohen Felscnburg gekrönt\". Die Lieben-\nden, die eben noch ein Duett gesungen mit dem Schluss:\n„Jach in der Brust | jauchzende Lust! | Isolde! Iri-\nstan! j Tristan! Isolde! j Weltenentronnen, j du mir ge-\nwonnen!\" —fahren auf, Isolde ruft: „Ha! welcher Trank?\"\nBrangäne (verzweillungsvoll): „Der Liebestrank.\"\nIsolde sinkt in Ohnmacht, das Schiffsvolk ruft: Heil dem\nKönig! Alles geht durch einander, Einige steigen über\nBord, Andere legen eine Brücke aus; was wird das geben,\n\n*) Damit man uns nicht der Uebertreibung zeihe, so führen wir\nBeispiele an, in denen wir die Verse aus Raumersparniss nur\ndurch Striche abtheilen.\nIsolde. ,,Da ich vor ihm stund, | schwieg — da mein\nMund, | bannt1 — ich meine Hand, | doch, was einst mit Hand\n| und Mund ich gelobt, | das schwur ich schweigend zu hal-\nten/' (S. 29.)\n„Siech und matt | in meiner Macht, | warum ich dich da\nnicht schlug, | das sag' dir (sage du, soll aber heissen: sage\nich!) mit leichtem Fug: | ich pflag des Wunden, | dass den\nheil Gesunden I rächend schlüge der Mann, | der Isolden ihn\nabgewann.4' (S. 30.)\nTristan (düster). „Des Schweigens Herrin j heisst mich\nschweigen; | fass' ich, was sie verschwieg, | verschweig' ich,\nwas sie nicht fasst.\" (S. 32.) (Ja wohl, düster!) U. s. w.\n**) Wörtlich, ohne Ab- und Zuthat (S. 35). — „Seligste\nFrau\"?? Beseligende? Undeutsch. Durch mich seligste? Das\nwäre gar zu arg! Vielleicht ein altertümlicher Ausdruck für\n,.gnädigste Frau\"!!"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "187", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590611-01.1.3", "texte": "wenn der König aufs Schür kommt! Hat nichts zu sa-\ngen— „der Vorhang fällt schnell.\" Es war hohe Zeit!\nIm Zwischenact hat sich Alles wieder beruhigt. Isoide\no\nist König Marke's Ehefrau; wir sehen sie mit Brangäne\nO o\nbeim zweiten Aufzug im Garten vor ihrem Gemach. An-\nmuthige Sommernacht. Jagdgetön, das sich entfernt. Es\nrührt von einem „nächtlichen Jagen\" her, auf das der\nKönig mit seinem und Tristan's Freunde Melot auszieht.\nTristan harrt auf das Zeichen, das Löschen der Fackel,\ndie am Gartenthor brennt. Brangäne warnt vor Melot's\nVerrath: „0 lass' die warnende Zünde! die Gefahr lass'\nsie dir zeigen; nur heute lösche sie nicht!\" -—-Vergebens!\nIsolde's glühende Leidenschaft siegt, sie löscht die Fackel.\nBrangäne steigt auf eine Warte hinter der Scene.\nTristan „stürzt herein\" „glühende Umarmung\".—\nDer Herzens-Erguss Beider spricht oder singt sich nun\nbald zweiztimmig, bald in den einzelnen Stimmen wechselnd\nauf einen Text von einundzwanzig Seiten aus, den\nnichts unterbricht als ein kurzer Warnungsruf Brangäncns\n(hinter der Scene) von dreizehn Zeilen, während dessen\nden Liebenden „mit zurück gesenkten Häuptern\nlange, schweigende Umarmung\" (auf einer Blumenbank)\nvorgeschrieben ist!\nDiese lange lyrische Scene ist in jeder Hinsicht unge-\nniessbar und unschön bis zum Hässlichen. Empfindung\nund Sprache sind erkünstelt und geschraubt, und wo sie\ndas nicht sind, gränzenlos malt und alltäglich; die Alt-\ndeutschthümelci widert eben so an, wie die Misshandlung\nder Sprache verletzt. Die Tändelei mit Antithesen von\n„Fern\" und „Lang\", „Nah\" und „Weit\", von „Tag\" und\n„Nacht\", in welchen die Liebe all ihren Witz sieben Sei-\nten lang aufbietet, um den Tag anzuschwärzen und die\nNacht zu feiern (die Liebenden nennen sich selbst „Nacht-\ngeweihte\"), die Spielerei mit dem „süssen Wörtlein und\"\n(„Unsre Liebe, heisst sie nicht Tristan und Isolde?\"), die\newigen Spitzfindigkeiten, die an Flachheit und Leere die\nfadeste Versmacherei der späteren Minnesänger überbie-\nten, die angequälte Ziererei und gesuchte Gedankenkün-\nstelei alles das ist nicht nur nicht im Stande, den Man-\ngel an Innigkeit des Gefühls und an Phantasie zu ersetzen,\nsondern stellt ihn erst recht ins grellste Licht. Und das\nalles tritt uns in einer Form entgegen, die dermaassen\nfessellos und schlotterig ist, dass sie sich nur durch will-\nkürliche Anwendung des meist trivialen, oft falschen, hier\nund da bloss durch Assonanz vertretenen Reims von der\nnüchternsten Prosa unterscheidet. Belege zu allem Ge-\nsagten bietet jede Seite. Um derer willen, welche die Kri-\ntiker nur nach Für und Wider classificiren, lassen wir\nBehufs Berufung auf den gesunden Menschenverstand hier\neinige folgen, che der Leser in die obigen Tadeis-Ilubriken\neinreihen mag.\nBeide. Bist da mein? Bin icli's? bist du's ? Ist es kein Traum V\n— Seligste Lust! Ohne Gleiche! Ueberrciche! Ungeahnte! Nie ge-\nkannte (gekahnte)! Himmelhöchstes Weltentrücken! Mein und dein!\nImmer ein! Ewig, ewig ein!\nIsolde. Wie lange fern! Wie fern so lang'!\nTristan. Wie weit so nah'! So nah' wie weit! — — Der Tag\nsteckt sein Zeichen an der Liebsten Thüre, dass nicht ich zu ihr\nführe! — — — Liebchen hegt ihn am Haus, steckt mir drohend\nihn aus.\nIsolde. Hegt' ihn die Liebste am eignen Haus, im eignen Her-\nzen hell und kraus hegt' ihn trotzig einst mein Trauter. War's\nnicht der Tag, der aus ihm log, als er nach Irland werbend zog?\nTristan. Der Tag, der dich umgliss — — — Was dich\numgliss mit hehrer Pracht — — durch Haupt und Scheitel\ndrang mir ein bis in des Herzens tiefsten Schrein. — — Was ohne\nWiss' und Wahn ich dämmernd dort empfah'n, ein Bild, das\nmeine Augen zu schau'n sich nicht getrauten, von des Tages\nSchein betroffen lag mir's da schimmernd offen.\nIsolde. O eitler Tagesknecht! Getäuscht von ihm, der dich ge-\ntäuscht, wie musst1 ich um dich leiden, den — von seines Gleichen\nTrug umfangen, dort, wo ihn Liebe heiss umfasste, im tiefsten Her-\nzen hell ich hasste! — — — Der falsche Trank! dem einzig am\nTode lag, den gab er wieder dem Tag.\nTristan. Heil dem Trank! — — Von dem Bild scheucht' er\ndes Tages täuschenden Schein, dass nachtsiehtig mein Auge\nwahr es zu sehen tauge ! — — — Wer des Todes Nacht liebend\nerschaut, des Tages Lügen, wie eitler Staub der Sonnen sind sie\nvor dem zerspönnen.\nBeide. — Nacht der Liebe, nimm mich auf\nin deinen Schooss,\nlöse von\nder Welt mich los !\nVerloschen nun | die letzte Leuchte;\nwas wir dachten, | was uns däuchte,\nall' Gedanken, | all1 Gemahnen,\nheiTger Dämm'rung | hehres Ahnen\nlöscht des Wähnens Graus\nWelt-erlösend aus. (!!!) — —\nErbleicht die Welt, | die mir der Tag | entgegenstellt, | selbst dann\nbin ich die Welt. | Liebe-heiligstes Leben, | Wonne-hehrstes We-\nben, | Nie-Wieder-Erwachens | wahnlos | hold bewusster Wunsch.\n(Mit zurückgesenkten Häuptern lange schweigende Umarmung\nBeider!)\nReicht das hin, um vor dem Richterstuhle der Gram-\nmatik, Poetik, des gesunden Geschmacks und der Gefühls-\nwahrheit, mit Einem Worte: der Poesie, diejenigen des\nfalschen Zeugnisses und des Meineides gegen die Treue,\ndie sie den ewigen Gesetzen des Schönen geschworen, zu\nüberführen, welche von Wagner's Dichter-Genie und\ngar von seiner Bedeutung „für die Entwicklungs-Geschichte\nder deutschen Literatur\" prahlen? — Und doch ist\ndies nur eine ßlumenlese aus den ersten dreizehn Seiten!\nNoch sind beinahe acht Seiten dieses Duetts übrig. Ohne\nauf Unsinn, wie „namenlos umfangen\" — „urheilig\nErwarmen\" — „endlos ewig ein-bewusst\" u. s. w. und\nauf die fortgesetzte Spielerei mit dem Tage und der Nacht\nfeiner ins Endlose gedehnten Verwässerung der so genann-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "188", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590611-01.1.4", "texte": "ten Taglieder der Minnesänger, und einer Affen-Carica-\ntur von Julia's und Romeo'sr «Der lag ist ja noch fern,\nEs war die Nachtigall und nicht die Lercheu Zürne\nnicht, Geist des grossen Dichters, dass ich dich in solche\nUmgehung bringe!)— ohne aul alles dieses weiter einzu-\ngehen, wollen wir nur noch die wenigen Verse hersetzen,\nin denen sich das mystisch-dialektische Liebesfaseln gipfelt\n(S. 62 und 63):\nTristan. Stand' er vor mir, der mächt'ge Tod, wie war'\nseinen Streichen die Liebe selbst zu erreichen?\nStürb1 ich nun ihr,\nder so gern ich sterbe,\nwie könnte die Liebe\nmit mir sterben?\nDoch, stürbe nie seine Liebe,\nwie stürbe dann Tristan\n/ seiner Liebe ?\nIsolde. Doch unsre Liebe, | heisst sie nicht Tristan | und\nIsolde ?\nDies süsse Wörtlein: und,\nwas es bindet,\nder Liebe Bund,\nwenn Tristanstürb1,\nzerstört es nicht der Tod ?\nTristan. Was stürbe den Tod,\nals was uns stört u. s. w.\nIsolde. Doch das Wörtlein: und,\nwar1 es zerstört,\nwie anders als\nmit Isolde's eignem Leben\nwar1 Tristan der Tod gegeben?\nDoch genug und übergenug!\nDie Ein-bewussten stören der König und Gefolge, von\nMelot hereingeführt. Isolde schämt sich „unwillkürlich\";\nTristan streckt „ebenfalls unwillkürlich\" (sie!) den Mantel\nbreit vor ihr aus. Marke, eine gute ehrliche Haut, beweis't\nzuerst dialektisch dem Melot, dass er sich irrt, wenn er\nmeint, sein Rath hätte ihm die Ehre gewahrt, denn die\n„frei'ste That (!) von Tristan's Treue\" habe sein Herz\ngetroffen. Dann erst wendet er sich an Tristan: „Mir\ndies? Dies, Tristan, mir?\" Darauf hält er ihm eine milde\nStrafpredigt von vier Seiten, die er mit der Frage schliesst:\n„Warum mir diese Schmach?\"\nTristan, „in dessen Mienen zunehmende Trauer zu\nlesen\" (wirklich?), antwortet sehr poetisch: „0 König,\ndas—kann ich dir nicht sagen.\" Dann fragt er Isolde, ob\nsie ihm folgen wolle „ins Wunderreich der Nacht,\nwas, da sie (seine Mutter) mich gebar,\nihr Liebes-Berge war,\nals, den im Tode sie empfangen,\nim Tod sie liess zum Licht gelangen.\" (!!)\nIsolde sagt Ja, aber mit eben so mystischem Umschweif.\nDer gute Marke sagt gar nichts, aber Melot fährt auf.\n„Tristan dringt auf ihn ein; als Melot ihm das Schwert\nentgegenstreckt, lässt Tristan das seinige fallen und sinkt\nverwundet nieder. Isolde stürzt sich an seine Brust, Marke\nhält Melot zurück der Vorhang fällt schnell.\"\nDer dritte Aufzug zeigt uns den Garten oben auf Tri-\nstan's Burg; über die Mauer hin Aussicht nach dem Meere.\n„Man hört einen sehnsüchtigen Hirtenreigen auf der Schal-\nmei geblasen.\"\nTristan liegt wie leblos auf einem Ruhebette. Sein\ntreuer Kurwenal beiläufig gesagt, die einzige charakte-\nristisch gehaltene dramatische Figur im ganzen Drama—\nhat ihn hieher gebracht und steht neben ihm. Auch hat\ner „nach der einz'gen Aerztin, die hilft\", bereits einen\ntreuen Steuermann abgeschickt. Tristan erwacht; der gute\nGefährte müht sich ab, ihn die Heimat erkennen zu lassen,\naber Tristan schwärmt in anderen Regionen: „Ich war,\nwo ich von je gewesen, wohin auf je ich gehe wo\nnur ein Wissen uns eigen: göttlich-ewiges Ur-Verges-\nsen!\" Der arme „Tag\" muss natürlich auch wieder her-\nhalten. Kurwenal verkündet dem Schwärmenden, dass\ner nach Isolden gesandt. Das regt ihn auf - aber da die\nSchalmei des Hirtenknaben immer wieder das traurige\nLied bläs't, das Zeichen, das noch kein Schifflein sichtbar\nist, so verfällt er wieder in Schwermuth, ja, sogar in Ohn-\nmacht. Doch er erholt sich, der lustige Reigen ertönt, „das\nSchiff, das Schiff\", er ist ausser sich *), Isolde naht—schon\nruft sie von aussen: „Tristan! Geliebter!\" —Er rafft sich\nauf: „Wie hör' ich das Licht!\" (!) stürzt in ihre Arme\nund sinkt entseelt zu ihren Füssen nieder.\nDiese Scene nimmt im Textbuche 23 Seiten (der Rest\ndes Ganzen noch 11 Seiten) ein. Sie dürfte daher für den\nSänger eine sehr schwierige Aufgabe bilden, zumal da\nTristan nicht, wie Tannhäuser im letzten Acte, nur im In-\nnern zertrümmert, sondern auch körperlich todeswund ist.\nAuch bietet dort die Erzählung weit mehr Wechsel und\nSpannung, als hier der träumerisch-mystische Ausdruck\nEiner und derselben Empfindung, wiewohl Wagner ge-\nschickt genug die Eintönigkeit durch die Klänge des Ilir-\ntenreigens und dadurch, dass Kurwenal auf der Warte\nden Lauf des Schiffes und die Gefahr desselben am Küsten-\nriff beobachtet und schildert, zu mildern gesucht hat.\nIsoldens Schmerz bricht aus; der Ausdruck desselben\nist von einem Hauch wahrer Empfindung und wirklicher\nPoesie durchweht. Sie sinkt ohnmächtig über der Leiche\nzusammen.\n„Aus der Tiefe hört man Getümmel und Waffenge-\nklirr.\" König Marke ist gelandet, dringt herauf, draussen\nBrangänens, Melot's Stimme. Kurwenal stellt sich im Burg-\n\n*) Und dennoch: „(in wachsender Begeisterung) Die mir Isolde\n| einzig enthält, | wie war' Isolde | mir aus der Welt?\" Ist\nes zu begreifen, einen Todesmatten im letzten seligen Augen\nblicke noch so sophistisiren zu lassen ?!"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "189", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590611-01.1.5", "texte": "tlior (im Hintergründe) zur Wehr, erschlägt Melot, dringt\nauf Marke und die Gewaffneten ein, wird verwundet und\nstirbt an Tristan's Leiche. Brangäne „hat sich seitwärts\nüber die Mauer geschwungen\" (!), müht sich um Isolde,\nbringt sie zur Besinnung, ruft ihr zu, dass sie dem Könige\n„das Geheimniss des Trankes\" gestanden, dass er hier sei,\nihr zu entsagen, sie mit Tristan zu vermählen! Der gute\nMarke spricht auch noch einige Worte, die wieder mit\nseiner Lieblings-Anrede: „Warum, Isolde, warum mir\ndas?\" beginnen. Er fügt sich, nach Wagner's dramatur-\ngischen Grundsätzen, dem Wunder, der Zauberei, aber es\nist zu spät. Isolde hört Alles theilnahmlos und haucht ihre\nSeele unter schwärmerischem Hellsehen aus, das also\nschliesst:\n„In des Wonnemeeres\nwogendem Schwall,\nin der Duft-Wellen\ntönendem Schall,\nin des Welt-Athems\nwehendem All\nertrinken\nversinken\nunbewusst\nhöchste Lust!\"\n„Wie verklärt sinkt sie auf Tristan's Leiche. Grosse\nRührung und Entrücktheit unter den Umstehenden.\nMarke segnet die Leichen. Der Vorhang fällt langsam.\"\nWerfen wir nun einen Rückblick auf das Ganze, so\nmüssen wir in Wagner's Tristan und Isolde das Product\neines noch gesteigerten Irrthums über das Wesen der dra-\nmatischen Poesie finden. In seinem „fliegenden Holländer\"\nist das Motiv zwar auch ein übersinnliches, die Sage von\ndem so lange auf dem Meere umhertreibenden Verdamm-\nten, bis er ein treues Weib findet. Allein erstens hat diese\nSage selbst festen Grund und Boden im Volke, und zwei-\ntens ist die dramatische Behandlung, wenn auch monoton,\ndoch individuel. Im Tannhäuser haben die übersinnlichen\nIdeen schon weit mehr die Herrschaft; die Menschen wer-\nden nur zu Trägern dieser Ideen, und damit wird schon\ndem Drama, welches menschlich fühlende und menschlich\nhandelnde Wesen fordert, der Boden entzogen. Wagner\nhat hier schon einen Schritt weiter in der supranaturalisti-\nschen Richtung gethan; er legt mehr Gewicht auf das\nTendentiöse und Symbolische, als auf das Thatsächliche\nder Sage, das durch Handlung anschaulich und dem Ge-\nfühle unmittelbar wahrnehmbar wird. Im Lohengrin wird\nvollends der Triumph des Uebersinnlichen gefeiert; wir\nkönnen aber unmöglich darin einstimmen, da unser gan-\nzes sittliches Bewusstsein sich gegen das Motiv sträubt, das\ndieser Dichtung zu Grunde liegt. Dass das Weib ihren\nMann nie fragen solle, wer er sei, ist gegen die mensch-\nliche Natur und gegen das Sittengesetz zugleich, und das\nCapitel der Ritter des heiligen Gral auf dem Montsalwatsch\nkann unser Gefühl, das sich darüber empört, eben so we-\nnig zum Schweigen bringen, als die mystisch-symbolisch-\nabergläubische Stimmung, die sich Wagner gemacht und\nzu der er sich als zu etwas seiner Natur Fremdem hinauf-\ngeschraubt hat, eine wahr empfundene oder gar christ-\nliche ist.\nUnd was bringt er uns nun in Tristan und Isolde als\nHauptmotiv ? Eine menschliche Kraft oder eine mensch-\nliche Schwäche? einen menschlichen Willen oder eine\nmenschliche Leidenschaft? überhaupt irgend etwas, worin\nder frische Puls des wirklichen Lebens schlägt? Nein! Er\ntischt uns das abgestandene, der Lächerlichkeit verfallene\nMärchen von einem Liebestrank wieder auf und macht\ndiesen übernatürlichen Zauber zum alleinigen Hebel eines\nDrama's! Dadurch werden seine Personen für uns nicht\nMenschen, sondern Marionetten. Woher soll das dramati-\nsche Interesse an Personen kommen, die nicht zurechnungs-\nfähig sind? woher unsere Theilnahme für Geschöpfe, die\nnicht fühlen wie wir, sondern nach einer Arznei fühlen\nmüssen, deren Handeln sich nicht psychologisch aus\nihrem Charakter und einzelnen Momenten und gegebenen\nVerhältnissen entwickelt, sondern einzig und allein einem\näusseren übernatürlichen Impuls folgt? für Geschöpfe end-\nlich, deren spitzfindig-empfindelnde Sprache wir nicht ver-\nstehen? Von Gedanken ist nirgends die Bede; wir verneh-\nmen nur allgemein gehaltene Empfindungen, die mit sehr\nwenigen Ausnahmen in den hergebrachten Klingklang ab-\ngeblasster Opern-Lyrik auslaufen, oder zu dialektischen\nTändeleien und Pointen zugespitzt sind. Was ist aber\nwidriger, als sentimentaler Witz? Zur Charakteristik\nder Figuren kommt es gar nicht; nur in der Nebenrolle\nKurwenal's wird ein Streben danach sichtbar. Dieser allein\nist etwas, ein treuer, roher Kerl. Isolde und Tristan han-\ndeln willenlos, folgen einer äusseren zwingenden Macht.\nBrangäne ist gar nichts; Marke ein gutmüthiger Narr, der\naus Respect vor dem Liebestrank (vor dem Wunder!) Fünf\ngerade sein lässt; Melot ein Statist, der dem Ritter Gele-\ngenheit gibt, in sein Schwert zu rennen, und vom Knappen\nerschlagen wird, wobei in zwei Auftritten höchstens fünf-\nzig Worte über seine Lippen kommen.\nDas ist ein Drama! Denkt man nun vollends daran,\ndass es die Grundlage eines musicalischen Werkes, einer\nOper - selbst neuesten Stils sein soll, so stehen einem\ndie Haare vor Grauen zu Berge. Wenn Wagner dieses\nGedicht nur so in Musik setzt, dass es sich erträglich an-\nhört, so müssen wir ihn für ein musicalisches Genie hal-\nten. Vielleicht hat er das einundzwanzig Seiten lange Duett\nder Liebenden, die Tag- und Nacht-Parallele, nur desswe-\ngen gedichtet, um durch dessen Composition zu beweisen,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "190", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590611-01.1.6", "texte": "dass er doch fähig sei, einen grossen musicalisehen Ge-\ndanken festzuhalten und durchzuführen, woran man be-\nkanntlich bis jetzt stark gezweifelt hat.\nWir schliessen mit einigen Betrachtungen Julian\nSchmidt's in seiner Geschichte der deutschen Literatur\n(4. Auflage, Bd. -3, S. 194):\n„Während Richard Wagner in seinen Mitteln dieselbe\nCharlatanerie anwendet, wie Meyerbeer, handelt er doch\nim besten Glauben; er ist ein Fanatiker seiner eigenen\nIdeen, die ursprünglich nichts weiter ausdrücken, als das\nBewusstsein von der Gränze seines eigenen Talentes, und\nmit unermüdlichem Eifer weiht er alle Kräfte seines Le-\nbens diesem eingebildeten Zwecke. Eine solche Hingebung\nimponirt uns Deutschen, und wenn in der Propaganda\nsehr menschliche Motive mitwirken, wenn der cynische\nTon der Schule den widerlichsten Eindruck macht, so ist\nder ursprüngliche Grund doch wohl die Freude über eine\nconcenfrirte Willenskraft in einer schlaffen Zeit. Dieses Ge-\nfühl ist edel, aber man muss ihm Widerstand leisten, sonst\nverführt es uns zu den unglaublichsten Thorheiten, zu je-\nnen Thorheiten, die uns schon häufig zum Spott der Welt\ngemacht haben. Es ist bei Wagners Schöpfungen um so\nnothwendiger, da das, was bei ihm Wirkung t'hut, nicht\ndie Naturkraft ist, die allen Stoff belebt, sondern der matte\nStrahl eines Jenseits, der nur durch seinen Gegensatz ge-\ngen die Erde imponirt. Sowohl seine Poesie wie seine Mu-\nsik durchziltert jener anspruchsvolle, seltsame Ton, der\ndem Anscheine nach etwas sehr Spiritualistisches ist, eigent-\nlich aber die gemeine Sinnlichkeit afficirt. Man hat ihn\ngar zu einem nationalen Dichter machen wollen\nwegen seiner mittelalterlichen Stoffe, aber die charakte-\nristische Eigenschaft der deutschen Nation beruht auf dem\nGemüthe, der Einheit der idealen Anschauung mit dem\nGewissen, und in dieser Beziehung sind Wagner's Opern\ndurchaus undeutsch. Seine Sittlichkeit ist eine transscen-\ndente, von dem Gemüthe wie von dem Gewissen losgelös't.\nSeine Motive sind überirdisch, seine Figuren somnambül.\nEben so ist seine Musik auf das raffinirteste darauf berech-\nnet, die Nerven zu reizen. Wer sich diesem Beiz unterwirft,\nwird in eine unklare Stimmung versetzt werden, wie bei\ngeschickt erzählten Gespenstergeschichten; wer aber dem\nersten Eindruck widersteht, wird es als eine Entweihung\nder Kunst empfinden. Wagner spannt die Phantasie ge-\nwaltsam an, nicht durch das Medium des Gemüthes und\ndes Gewissens, wie alle grossen Dichter und Componisten,\nsondern unmittelbar, wie alle Romantiker, Charlatane und\nMagiker. Die wahre Kunst geht aus dem Können hervor,\naus einer von überquellender Realität erfüllten Seele; die\nfalsche Kunst entspringt aus der Reflexion über die Kunst,\ndie nach einer phantastischen Realität sucht, aber statt der\nleibhaftigen Helena ein Schattenbild umarmt. Und da zwi-\nschen der Kunst und dem Leben eine beständige Wech-\nselwirkung Statt findet, so dürfte es zweckmässig sein, die\nKunst beständig vor jenem Venusberg einer vom Leben\ngetrennten Schattenweit zu warnen, welcher die Nerven\nabspannt, das Blut krankhaft reizt und die Einbildungs-\nkraft mit Hirngespinnsten so übersättigt, dass sie zuletzt\nin matter, hoffnungsloser Biasirtheit endigt.\"\n\nL. B.\n\nAus Cöthen.\nEs ist für jeden Verehrer der Kunst von Interesse, zu\nerfahren, wo und wie die Kunst besonders gepflegt wird,\nund an welcher Stelle sie ein neues, fröhliches Blüthenreis\ngetrieben hat. In dieser Beziehung ist es denn wohl auch\nan der Zeit, über die cöthener Sing-Akademie ein\nWort zu reden, die nun bereits seit vier Jahren von ihrem\nDasein in hiesiger Stadt wie in der Umgegend so mehr-\nfache als auch erfreuliche Beweise gegeben hat.\nDer Dirigent der gegenwärtigen cöthener Sing-Aka-\ndemie, Herr Rudolf Magnus, im Frühjahr 1855 nach\nGöthen kommend, wurde demnächst vom hiesigen Herrn\nDr. Lutze aufgefordert, in dessen Behausung ein Chorge-\nsang-Quartett einzurichten. Es traten dieser neuen Gele-\ngenheit für Gesang bald mehr männliche und weibliche\nTheilnehmer zu, um so eher, da der Dirigent ausser einem\nhohen Grade musicalischer Befähigung für die Direction\nauch einen besonderen Eifer für diesen edlen Zweig der\nTonkunst an den Tag legte. Es währte nicht lange, dass\nauch bereits einige glückliche Versuche mit Solo- und Chor-\ngesang aus Opern gemacht wurden, da der Genannte auch\nfür den ersteren mit gutem Erfolg männliche und weib-\nliche Stimmen bildete. Da das weibliche Personal sich ver-\ngrösserte, so wurde ausser der gewöhnlichen wöchentli-\nchen Vorübung zum nächsten allgemeinen Chorgesange\nauch noch eine wirkliche Elementar-Unterrichtsstunde ge-\nhalten. Auf diesem sicheren Wege fortschreitend, konnte\nes dem thätigen Dirigenten auch bald möglich werden, mit\nder ihm eng angeschlossenen Sängerschar an grössere,\nnamhafte Werke zu gehen. So wurden unter Clavier-Be-\ngleitung gesungen: Mozart, 1. Act der Zauberflöte, das\n2. Finale aus Titus; Weber, 1. Finale aus Euryanthe,\nTenor-Solo mit Chor aus Oberon. Ausserdem Mozart's\nRequiem; Händel's Ode am Cäcilien-Tag, Messias; Men-\ndelssohn's Walpurgisnacht und Paulus; Haydn's Jahreszei-\nten. Mit Orchester: Haydn's Schöpfung, Händel's Samson\nund Seb. Bach's Passion, iii welcher die Akademie bei\neiner zweimaligen Aufführung in Dessau den zweiten Chor\nzu singen hatte. Ausserdem fanden in Göthen und der Um-\ngegend kirchliche Concerte Statt, in welchen ausser kirch-\nlichen Gesangsachen auch noch Orgel-Vorträge vom Diri-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "191", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590611-01.1.7", "texte": "geilten gegeben wurden, in denen er eine besondere tech-\nnische Gewandtheit, so wie eine reiche Phantasie zeigte.\nIm Jahre 1858 constituirte sich der Sing-Verein gesetz-\nlich unter dem Namen „Sing-Akademie\". Das Streben des\nHerrn Magnus war nun zunächst hauptsächlich dahin ge-\nrichtet, die Poesie des einfachen Volksliedes im Chor-\ngesange besonders hervorzuheben und durch kunstgemäs-\nsen, resp. seelischen Vortrag Sängern und Zuhörern zur\nklarsten Anschauung zu bringen. Dies wurde auch in meh-\nreren öffentlichen Concerten wirklich empfunden, z. B. wo\nnach irgend einem der Mendelssohn'schen vierstimmigen\nLieder (sämmtlich von der Akademie gesungen) der Beifall\ndes Publicums sich diesmal nicht auf die gewöhnliche laute\nWeise durch Klatschen, sondern mehr durch ein fast un-\nmerkliches Flüstern, durch ein leises Aufathmen zu erken-\nnen gab, indem das lauschende Ohr sich endlich aus dem\nsüssen Zauberkreise der Tonkunst wieder in die allgemeine\nWirklichkeit entrückt fühlte. Obgleich nun auch die all-\ngemeine Stimme des Publicums über die künstlerischen\nLeistungen der Akademie nicht anders als der Anerkennung\nund des Lobes voll ist, so steht dennoch ein anderer Theil\ndes Publicums entgegen, entweder 1) aus einer Art von\nGeringschätzung gegen derartigen Gesang überhaupt, dem\nman vielleicht eine mehr sinnlich in die Ohren fallende,\nlärmende Instrumentalmusik vorzieht, oder 2) aus persön-\nlichen Rücksichten Partei nehmend gegen das anerkannt\nBessere, eben weil es das Bessere ist und weil eben durch\ndasselbe die Leistungen eines anderen „Gesang-Vereins\"\n(liccus anon lucendo)etwas mehr in Schatten, oder auch,\numgekehrt gesagt: ins Licht treten. Es hat denn auch so-\nnach obgleich hier in Göthen vier bis fünf Männer-Ge-\nsangvereine ganz friedlich neben einander bestehen—von\neiner Seite her nicht an wiederholten Bestrebungen gefehlt,\nder öffentlichen Wirksamkeit der Akademie in den Weg\nzu treten. Noch erhoben sich von der Gegenpartei Stim-\nmen gegen Herrn Magnus als Ausländer, der die Be-\nfugniss nicht hätte, die Kunst hier öffentlich zu treiben.\nWas würde aber, wäre hierauf zu antworten, aus einem\nso genannten Zunftwesen in der Kunst wohl Anderes her-\nvorgehen können, als der offenbare Tod derselben?\nAn der Sing-Akademie ist es nun schliesslich, die so\nerfolgreichen Kunstbestrebungen ihres uneigennützigen Di-\nrigenten mit gebührendstem Danke anzuerkennen, zugleich\nnicht ohne einige Wehmuth in die Zukunft hinausblickend,\nwo derselbe wirklich ins Ausland gegangen sein und\nunsere gute Stadt Göthen in der Kunst verwais't zurück-\ngelassen haben wird, auf welchen beklagenswerthen Zu-\nstand bereits auch ein anderer Referent wiederholt hinzu-\ndeuten Veranlassung genommen hat.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nIHisselclOfi'f1, 6. Juni. Gestern Nachmittags fand in der Geis-\nler'sehen Tonhalle unter Leitung des Herrn Musik-Directors Knappe\neine „Aufführung patriotischer Männerchöre44 Statt, zu der sich die\ndüsseldorfer Gesangvereine mit dem Manner-Gesangverein von iNeuss,\nden Liedertafeln von Crefeld, Gladbach, Duisburg, dem Sängerbunde\nvon Hilden und anderen vereinigt hatten. Im Ganzen mochte ein\nimposanter Chor von 150 Sängern beisammen sein. Nach einem ein-\nleitenden Choral: „Der alte Gott, der lebet noch\", und Kleinas Mo-\ntette: „Hoch thut euch auf\" —folgten verschiedene, meist bekannte\nund der Tendenz des Concertes angemessene Lieder, so unter ande-\nren das Vaterlandslied von Kücken, Rheinlied von Wayaffe, Kriegs-\nlied von Knappe, Körner's Schwertlied von Weber. Als neu wurde\nuns der Rheingruss, eine frische, lebendige Composition unseres\nTausch, geboten, die, mit verdientem Beifall allerdings aufgenom-\nmen, bei mehr Präcision im Vortrage doch noch kräftiger hätte\ndurchschlagen müssen. Besonders gut gelang die Wacht am Rhein\nvon Wilhelm; mit dem kernigen Schluss : „Fest steht und treu die\nWacht am Rhein!\" machte sie einen mächtigen Eindruck auf die\nzahlreiche Zuhörerschaft und wurde stürmisch da caiw verlangt.\nVöllig misslungen war leider das Schlusslied, herr-\nlicher Festgesang an die Künstler; anstatt mit so kläglicher Instru-\nmental-Begleitung sich zu begnügen, hätte man besser gethan, sie\nganz fort zu lassen. Im Allgemeinen fehlte es den Chören an gehö-\nriger Durchbildung der einzelnen Stimmen, wesshalb denn auch eine\nkünstlerisch befriedigende Wirkung wohl nicht erzielt werden konnte.\nWenn ich Ihnen nun noch mittheile, dass wir am Samstag Abends\n(4. Juni) Händel's Samson im Instrumentalmusik-Verein (unter\ngefälliger Mitwirkung des Gesangmusik-Vereins) zu hören bekamen,\nsollten Sie da nicht meinen, wir hätten zum Ersatz für den Ausfall\neines Besseren ganz unter uns das Musikfest im Kleinen und zu-\ngleich des grossen Meisters Gedächtniss gefeiert?! Doch da die\nAufführung durchaus keinen öffentlichen Charakter trug wenn-\ngleich ein zahlreiches und gewähltes Publicum sich eingefunden\nhatte —, so gebührt es uns nicht, darüber zu kritisiren. Bemerken\nwir nur, dass die Chöre nichts zu wünschen übrig Hessen; sie wa-\nren, zu einem höheren Zwecke bestimmt, mit vielem Fleisse einstu-\ndirt, und gelangen namentlich der fugirte Chor der Israeliten im\nersten Tlieile und die Schlusschöre des zweiten und dritten Theils\nganz vorzüglich. „Laut schallte der Stimmen voller Chor\", dass es\nringsum die weiten Räume der Tonhalle erfüllte und wohl bei jedem\nAnwesenden den Eindruck der Unvergänglichkeit solcher Gesänge\nlebhaft aufs Neue erweckte und verstärkte.\nEs sind nun im August gerade hundert Jahre, seit die sterbliche\nHülle des unsterblichen Händel in der Westminster-Abtei dem Stand-\nbilde Shakespeare's gegenüber beigesetzt wurde. Seine Sonaten, seine\nOpern sind längst verklungen aber so lange überhaupt noch eine\nSaite gerührt, ein Instrument angehaucht wird, so lange werden\nnoch seine Oratorien, mit deren Tönen er, wie Herder sich äussert,\nden Cherub selbst vom Himmel hätte herabzwingen mögen, die Her-\nzen aller Hörer tief erschüttern und hoch erheben! —7—\nJXettwiefil. Mittwoch, 2\". Mai, fand das Absehieds-Concert\ndes Herrn Musik-Directors Flügel im Saale des „Alten Riesen\"\nStatt. Der Concertgeber trug vor seine Pianoforte-Sonatc Nr. 8, B-\ndur, Mendelssohn zugeeignet, und eine grosse Sonate von Beethoven.\nDer Flügel'sche Verein sang den Chor aus der Schöpfung: „Die\nHimmel erzählen die Ehre Gottes\", und den „Bergmannsgruss\", Ge-\ndicht von M. Döring, melodramatisch in Musik gesetzt für Solo-\nund Chorstimmen mit Pianoforte-Begleitung von A. F. Anacker.\nFräulein Nanny Becker aus Coblenz unterstützte das Concert\ndurch Gesang-Vorträge, und ein tüchtiger Dilettant trug ein Violin-\nConcert von Rode vor. Unsere Stadt verliert in Herrn Flügel die"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "192", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590611-01.1.8", "texte": "Hauptstütze, wo nicht die einzige, des künstlerischen Aufschwungs\nder Musik.\nötMleil-llstillesi« Herr Benazet, der Kaiser der französischen\nSpielpächter in Deutschland, hat verweigert, die treffliche Sängerin\nMad. Miolan-Carvalho in Paris von ihrem Contract für die er-\nsten vierzehn Tage des August zu entbinden, während welcher sie\ndie Hauptrolle in einer neuen für Herrn Benazet von Gounod com-\nponirten Oper zu singen übernommen hat. Herr Benazet, so nahe\ndem Sitze des deutschen Bundestages, gibt uns damit eine Bürg-\nschaft des Friedens, wenigstens zwischen Baden und Frankreich!\nHailßßOier« Am 31. Mai hat hier die Vermählung der k.\nHof-Schauspielerin Marie Seebach mit dem k. Hof-Opernsänger\nN i e m a n n , und die der Sängerin Fischer-Nimbs mit dem Schau-\nspieler Michaelis Statt gefunden.\nAm Donnerstag den 2G. Mai wurde zum Besten des Denkmals\nvon C. M. von Weber in Dresden hier dessen Oper „Oberon\" ge-\ngeben. Auf dem Theaterzettel steht: „Im dritten Aufzuge La S 6-\nduclion, von den Damen Kobler, Grantzow und dem Corps de Bal-\nlet\" Diese französischen Flicke auf einem deutschen Mantel passen\nschlecht zu dem kriegerischen Antrage von Hannover beim Bun-\ndestage !\nFräulein Bochkolz-Falconi hat in Metz mit ungeheurem\nBeifall gesungen; sie trug (im Theater) die grosse Arie der Vitellia\naus Titus, die brillanten Variationen von Hummel und aus Meyer-\nbeer1 s neuer Oper den Schatten-Walzer der Dinorah vor. Der Applaus\nwar so, wie man ihn noch nie in Metz erlebt hatte. Das Orchester\nbrachte der Sängerin an demselben Abende ein Ständchen. Sie wird\nauch in der Rolle der Fides dort auftreten.\nIn Paris hat man in voriger Woche in der grossen Oper den\nVersuch gemacht, Verdi's ~Sicilianische Vesper\" wieder in Scene\nzu setzen, aber ohne Glück. Die Ausstellung (1855) und Sophie\nCruvelli fehlen, welche die beiden Hebel des ersten Erfolgs waren,\ndessen kurze Dauer unser Correspondent schon damals voraussagte.\nWie curios überhaupt, dass man jetzt eine Oper wieder hervor-\nholt, in welcher der glühendste Hass der Italiäner gegen die Fran-\nzosen sich ausspricht, eine österreichische Herzogin die Verschwö-\nrung schürt und leitet, und Procida am Schlüsse beim allgemeinen\nMorden der Franzosen ausruft: Frappei toujours! Dieu choisira les\nsiens!\nSivori hat in Italien, namentlich in Neapel, eine Reihe von\nglänzenden Concerten gegeben. Er hat aber jetzt wieder den Aufent-\nhalt in Paris vorgezogen.\nHector Berlioz erzählt in seinem Buche.' ~Les Grotesques de\nla Musique\", welches eine Menge von musicalischen Anekdoten ent-\nhält: Als noch ganz junger, angehender Musiker wurde ich von\nden Mitgliedern einer philharmonischen Liebhaber-Gesellschaft gebe-\nten, ihr Orcliester-Director zu sein. Ihr Orchester musste wohl elend\nsein, und war es in der Tliat. Der Gedanke aber, mich in der Di-\nrection instrumentaler Massen zu üben und auf diese Art in anima\nvili zu experimentiren, bestimmte mich zur Annahme. Als der Tag\nder Probe gekommen war, verfüge ich mich in ihr Local und finde\ndaselbst bei sechszig Concertirende, die mit dem den Liebhaber-Or-\nchestern eigenen einschneidenden Getöse stimmten. Es war eine Sin-\nfonie in l) \\on Gyrowetz aufgelegt. Ich ergebe mich, wir beginnen.\nIch vernehme gräuliche Misstöne der Clarinette. Ich unterbreche das\nOrchester und wende mich an die Clarinettisten mit den Worten:\n„Sie haben gewiss, meine Herren, ein Stück mit dem anderen ver*\nwechselt, wir spielen in />, und Sie blasen in Fl\" „Nein, mein\nHeri, das ist die bezeichnete Sinfonie !a wir noch-\nMals!u Neue Missklänge, neue Unterbrechung. , Aber das ist ganz\nunmöglich; lassen Sie mich Ihre Stimme sehen! Ihre Stimme hat\nallerdings die Note f, aber für klingt also d. Sie ha-\nben Sich im Instrumente vergriffen.'4 „Mein Herr, wir haben nur\nC-Clarinette.*' „Nun denn, so transponiren Sie um die kleine\nTerz.\" ,»Wir können nicht transponiren.— „So schweigen Sie\ndenn ganz!\" „Oho! auch wir sind Mitglieder der Gesellschaft, und\nwir haben das Recht, zu spielen, wie alle anderen \\u Bei \"diesen un-\nglaublichen Worten liess ich den Tactirstab sinken, machte mich,\nals trüge mich der Teufel davon, aus dem Staube und habe diese\nPhilharmoniker nie wieder gesehen."}]}