{"numero_id": "bm-bmtnabi-1859-06-18-01", "volume": "bmtnabi_1859-06-18_01", "ocr_sha256": "e86a90bd56bc55b9656b3fffdc961667a17ea923fd7cb66aabfbfc3b7f7b3c7f", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1859/06/18_01/bmtnabi_1859-06-18_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590618-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1859-06-18-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-06-18_01#c001", "volume": "bmtnabi_1859-06-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "193", "page_fin": "193", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590618-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "193", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590618-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 443, "texte": "Inhalt.\nWagner und Liszt, Gegensätze. Aus Prag (Aufführungen des Conservatoriums). Das Erinnerungsfest an\nHändel in London (Musik-Aufführungen während des Festes). - Literarische Anzeigen (Vorschläge zu einer gründlichen Reform in der\nMusik Allgemeine Idusiklehre). Von L. Tages* und Unterhaltungsblatt (M.-Gladbach, Conceite Gera, Schluss der Saison\nWeimar, Neue Oper von J. Rietz München, Idomeneo C. M. v. Weber's hinterlassene Werke Wien)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-06-18-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-06-18_01#c002", "volume": "bmtnabi_1859-06-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "193", "page_fin": "196", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590618-01.2.2", "titre_corps": "Wagner und Liszt, Gegensätze.", "titre_sommaire": "Wagner und Liszt, Gegensätze.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "193", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590618-01.1.1", "debut_caractere": 445, "fin_caractere_exclue": 4287, "texte": "Wagner und Liszt, Gegensätze.\nDie Wagner-Literatur hat durch eine kleine Schrift\nvon Dr. Friedrich Meyer in Thorn*) einen Zuwachs\nerhalten, der gerade nicht neue Gesichtspunkte der Auf-\nfassung der „brennenden Frage\" enthält, worauf der Ver-\nfasser auch keine Ansprüche macht, aber trotzdem Aner-\nkennung und Empfehlung verdient, da er nicht bloss eine\nfleissige, auf wirkliches Studium der Schriften, Opern-\nDichtungen und Compositionen Wagner's begründete Zu-\nsammenstellung zu vollständiger Orientirung jedes gebilde-\nten Lesers über Wagner enthält, sondern auch ein aus\nredlichem Bestreben, ihm allseitig gerecht zu werden, her-\nvorgehendes Urtheil über sein Wollen und Können. Wenn\nder Verfasser im Vorworte meint, dass Wagner zu einsei-\ntig bloss in der specifisch musicalischen Tagespresse, und\nnamentlich von seinen Gegnern zu viel von der speci-\nfisch musicalischen Seite, besprochen worden wäre, so\nmüssen wir, wenigstens was die Niederrheinische Musik-\nZeitur.g betrifft, uns gegen diesen Vorwurf verwahren.\nWahr ist es allerdings, dass die philosophisch-phantasti-\nschen Lobpreisungen seiner Kunstwerke durch seine\nFreunde, welche das Haupt-Element eines dramatisch-mu-\nsicalischen Werkes, die Musik, so gut wie gar nicht be-\nrührten und den musicalischen Werth seiner Opern aus\nallem Möglichen, nur nicht aus der musicalischen Aesthe-\ntik, herauszuerklären suchten, nothwendig eine Reaction\nder Musiker hervorriefen, die ihre volle Berechtigung hatte\nund um so eindringlicher wirkte, je mehr Handhaben und\nWaffen ihr Wagner's Musik darbot. Wir haben jedoch,\nund viele Andere mit uns, Wagner stets in seinem ganzen\nWesen aufgefasst. Wir haben niemals einseitig den Maass-\nstab der ausschliesslich musicalischen Kritik an seine Lei-\nstungen gelegt, vielmehr in unseren Beurtheilungen des\nTannhäuser und Lohengrin u. s. w. stets sein System (also\nseine „ästhetisch-theoretische\" Seite) und seine Dichtungen\n(seine „dichterische\" Seite) nicht nur berücksichtigt, son-\ndern als seine Musik erzeugend und mit ihr verwachsen\nbetrachtet. Noch in der vorigen Nummer (24) haben wir\nja dem Dichter Wagner durch Besprechung seines neu-\nesten Productes „Tristan und Isolde\" einen ausführlichen\nArtikel gewidmet.\nDer Verfasser stellt Wagner als „Romantiker par ex-\ncellence\" dar, und zwar in allen drei Beziehungen seiner\nThätigkeit, als Aesthetiker, Dichter und Musiker, vorherr-\nschend jedoch als Dichter, anknüpfend an die Romantiker\nin der deutschen Literatur. Diese Ansicht gibt ihm auch\nden „Schlüssel zur Erklärung der tiefen Kluft, welche zwi-\nschen seinen Kunstwerken und seinen Kunstanseh au-\nungen liegt; denn dieses Missverhältniss zwischen Denken\nund Thun, zwischen Wollen und Können ist eine charak-\nteristische Eigenschaft der specifischen Romantik\". (S. V.\nund S. 64 ff.)\nMehr, als bisher geschehen, betont der Verfasser mit\nRecht Marschner's Einfluss auf Wagner (S. 22,33 und\nbesonders S. 50). An dieser zuletzt angeführten Stelle sagt\ner: „Aber auch in der feinen und sinnigen Forderung,\ndass im Einzelnen die Melodie aus der Melodie des Wort-\nverses, d. h. aus ihren Hebungen und Senkungen des To-\nnes gleichsam unwillkürlich hervorwachsen müsse, ist\nWagner nicht neu. Von Gluck und Mozart müssen wir hier\nschweigen, da Ersterer französische, Letzterer fast nur\nitaliänische Texte componirte. Aber Beethoven's „Fidelio\"\nist hier zu nennen, und besonders Marschner. In diesem\nPunkte, welcher so Viele besticht, die mit poetischem Sinn\nan die Oper gehen und poetische Ansprüche auch an das\nEinzelne in ihr machen, ist Marschner Wagner's Vorbild.\nMir scheint das bis jetzt lange nicht in gebührendem Maasse\nbeachtet, obwohl bei einem tiefer gehenden -Vertrautsein\n\n*) Kichard Wagner und seine Stellung zur Vergangenheit und\n„Zukunft\". Eine literär- und musik-historische Studie. Thorn,\n3859, bei Ernst Lamlbeek. VI und 76 S. 8."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "194", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590618-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5372, "texte": "mit Marschner die Sache klar in die Augen springt. Man\nsehe einmal darauf z. B. den ganzen „Meiling\" bis in die\nfeinste Einzelheit durch, und man wird finden, wie leicht\ner sich vortragen lässt, wenn der Sänger sich in den Cha-\nrakter, die Situation und die Stimmung der betreffenden\nRolle vertieft hat. Die Melodie schmiegt sich häufig der\nHede auf das engste an. Die Feinheit des Ausdrucks im\nEinzelnen, wie sie beispielsweise in der Introduction und\ndem unübertreff lichen Terzett Nr. 4 (Nun gut, so lass' uns\ngehen) sich findet, ist von Wagner auch in den besten\nStellen seiner Opern (z. B. dem ersten Acte des Lohengrin)\nnicht übertroffen. Nun kommt aber noch hinzu, dass im\nLohengrin der rhetorische Charakter bei allen Personen\nmehr oder weniger vorherrscht, während die Mannigfaltig-\nkeit der einzelnen Figuren im „Meiling\" viel grösser ist,\nund nicht eine wie die andere, sondern jede in ihrem Cha-\nrakter sich ausdrückt, musicalisch spricht.\"\nBei Gelegenheit des Tadels des romantischen Schwul-\nstes des Tannhäuser-Textes bemerkt Dr. Meyer:\n„Ich weiss sehr wohl, dass Wagner dieses getrennte Be-\ntrachten des Textes nicht gestattet. Er würde das eine\n„ „anatomische\"\" Zerlegung des Kunstwerkes nennen. Ja,\ner legt Gewicht darauf, dass das Kunstwerk in seiner sinn-\nlichen Erscheinung in der Weise der „ „Ueberraschung\"\"\nwirken müsse (Drei Operndichtungen u. s. w., S. 87). Er\nerzählt von einem „ „geistreichen Berichterstatter\"\", der\nwährend der Aufführung des Lohengrin keinen Anlass zur\nKritik erhielt, wohl aber nachher, und sagt dann trium-\nphirend, der „„wirkliche Künstler\"\" habe ihn eben ganz\nverstehen können, der „ „kritische Mensch\"\" nicht! (Ebend.\nS. 111.) Das ist zu charakteristisch, um übergangen zu\nwerden. Sollte wirklich die „ „überraschende\"\" Wirkung\ndes Moments das Wahre sein? Dass „„Ueberraschung\"\"\nwirkt, ist gewiss; aber diese Wirkung ist eine einmalige\nund wohnt also eigentlich dem Werke als etwas Inneres,\nBleibendes, wenn ich so sagen darf: Unsterbliches, nicht\nbei. Mag die Kraft dieser Sorte von Wirkung die grösste\nsein, in ihrem Wesen ist sie die äusserlichste und nicht die\nedelste. Was thut denn Meyerbeer im Princip Schlimme-\nres? Wer hat denn nicht im Theater die stärksten Ein-\ndrücke empfangen, und wer hat nicht bei ruhigerem Blute,\nbei mehrmaliger Wiederholung erkannt, dass er verblen-\ndet war? Vollends bei der Musik, die nicht bloss ästhetisch,\nsondern so leicht auch „„pathologisch\"\" wirkt, ist Nie-\nmand, auch ein „ „wirklicher Künstler\"\" nicht, vor einem\nsolchen Irrthum sicher. Nie ist der „ „Effect\"\" in des Wor-\ntes schlimmster und für den guten Geschmack gefährlich-\nster Bedeutung hinter feineren, sophistischeren Gedanken\nund geistreicheren Worten verhüllt worden.\"\nWir müssen in Bezug auf anderes Interessantes den Leser\nauf die kleine Schrift selbst verweisen und führen nur noch\ndas Endergebniss an, zu welchem der Verfasser Seite 65\nkommt:\n„Aus dem Gesagten scheint hervorzugehen, zunächst,\ndass, wenn es richtig ist, dass Wagner eine in der Litera-\ntur wie in der Musik längst vorhandene Richtung zum Ab-\nschluss bringt, er unmöglich die Stellung eines Reforma-\ntors der Oper oder des musicalischen Drama's einnehmen\nkann. Ein Reformator ist nur der, der unmittelbar seiner\nZeit und der nächstliegenden (nicht der fernen) Zukunft\nthatsächlich durch seine Werke einen neuen Geist ein-\nhaucht. Das hat Wagner aber nicht gethan. Dass, wie\nBrendel sagt, Wagner's Opern aus einer neuen Kunst-\nAnschauung hervorgegangen, kann nimmermehr zugege-\nben werden. Seine Opern sind zwar bedeutende Kunst-\nleislungen, und er hat auch eine angeblich neue Kunst-\nAnschauung der Welt vorgetragen; aber aus der letzteren\nsind die ersteren nicht, aus der letzteren ist bis jetzt über-\nhaupt gar nichts hervorgegangen. Bei Gluck liegt die Sache\nganz anders. Nicht jene Vorrede zur „Alceste\" macht ihn\nzum Reformator, sondern die „Alceste\" selbst und seine\nübrigen grossen Werke, in welchen seine einfachen Ge-\ndanken sofort Leben gewonnen. Ob aus Wagner's Kunst-\nAnschauung, so weit sie nicht Altes lediglich wiederholt,\neine künstlerische That hervorgehen wird und kann, wird\ndie Folge erst zu beweisen haben. Die Erfahrung lässt die\nErfolge solcher philosophisch-ästhetischen Streifzüge in den\nAether sehr zweifelhaft erscheinen.\"\nVorzüglich beachtenswerth ist aber der Schluss des\nSchriftchens, der uns zu der Ueberschrift dieses Artikels\nVeranlassung gegeben hat, und aus welchem wir die\nHauptpunkte zu Veranlassung näherer Einsicht mittheilen.\n„Die enge Verbindung (heisst es S. 68), in welcher\ndie Namen Wagner und Liszt genannt zu werden plle-\ngen, denen dann noch meistens Berlioz hinzugesellt wird,\nzeugt davon, dass man die Gegensätze zwischen Wagner\nund den letzteren beiden doch lange nicht gehörig wür-\ndigt. Wagner selbst hat sich über Berlioz so deutlich und\nmit einer so scharfen Kritik ausgesprochen, dass in Bezug\nauf diesen eigentlich nichts Schlimmeres gesagt ist*). Ob-\nwohl er ihm „„ungewöhnliche musicalische Intelligenz\"\"\nzugesteht, so meint er doch, dass er „ „als Künstler in der\nMechanik untergegangen, als übernatürlicher phantasti-\nscher Schwärmer in einen allverschlingenden Materialismus\nversunken sei.\"\" Er stellt ihn als „ „warnendes Beispiel\"\",\nals eine „ „tief bedauernswürdige Erscheinung hin, da er\nnoch heute von künstlerischem Sehnen verzehrt wird, wo\n\n*) »Oper und Drama\", I. S. 122—126."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "195", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590618-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5248, "texte": "er doch bereits rettungslos unter dem Wüste seiner Ma-\nschinen begraben liegt.\"\"\n„Liszt ist als Instrumental-Componist für das Orche-\nster erst nach dem Erscheinen der Wagner'schen Schriften\naufgetreten, und darum kann sich in diesen begreiflicher\nWeise nichts über ihn direct finden. Wohl aber verdammt\nWagner ganz im Allgemeinen diejenige Richtung, welche\nLiszt in seinen Instrumental-Compositionen eingeschla-\ngen hat.\n„Von vorn herein leuchtet ein, dass Wagner, eben so\nwie jede andere Kunst in ihrer Besonderung, so auch die\nreine, absolute Musik von seinem Standpunkte aus ver-\nwirft. Das Höchste, meint er, könne die Musik doch nur\nin Gemeinschaft mit den anderen Künsten, zunächst in Ge-\nmeinschaft mit der Dichtung leisten. Denn was in der mu-\nsicalischen Sprache auszudrücken sei, seien einzig „ „Ge-\nfühle und Empfindungen, d. h. der von unserer zum rei-\nnen Verstandes-Organ gewordenen Wortsprache abgelös'te\nGefühls-Inhalt der reinmenschlichen Sprache überhaupt.\"\"\nWas sie eben darum nicht ausdrücken könne, das sei die\ngenaue Bestimmung des Gegenstandes des Gefühles und\nder Empfindung; das Vermögen zur Bezeichnung des In-\ndividuellen erlange sie erst durch die Vermählung mit der\nWortsprache*). Ohne diese Verbindung entbehre das Werk\ndes absoluten Musikers jeder dichterischen Absicht. Denn\nwenn auch der Componist sich bei einem Thema etwas\ngedacht habe, so verstände dies doch Niemand, höchstens\nder, dem er das, was er sich gedacht, in nüchternen Wor-\nten mitgetheilt **). Der absolute Musiker habe das\nGefühl vollständig angeregt und aufgeregt, aber ohne es\nzu bestimmen und ohne gerade in dieser vollsten Aufre-\ngung ihm Beruhigung zuzuführen; denn der Verstand habe\nden Inhalt des Ausgedrückten vergeblich gesucht. Um nun\n„ „vor diesem zwecklos erregten Gefühle sich zu entschul-\ndigen\" \", habe der Musiker seinem Werke einen Titel, ein\nProgramm gegeben***).\n„ „Das Vorgeben der musicalischen Schilderung eines\nder Natur oder dem menschlichen Leben entnommenen\nGegenstandes wurde als Programm dem Zuhörer zu Hän-\nden gebracht, und der Einbildungskraft blieb es überlas-\nsen, der einmal gegebenen Hinweisung gemäss alle die mu-\nsicalischen Sonderbarkeiten sich zu deuten, die nun in fes-\nselloser Willkür bis zum buntesten chaotischen Gewirre\nlosgelassen werden konnten\"\"****).\n„Diese Worte enthalten in schärfster, schneidendster\nWeise eine Kritik der ganzen Liszt'schen Programm-Mu-\nsik. Denn das Wesen derselben soll eben die Verbindung\ndes Instrumental-Werkes mit einem darüber schwebenden\ndichterischen Gedanken sein, der nicht etwa den Compo-\nnisten bloss angeregt und ihm beim Schaffen seiner Phantasie\nvorgeschwebt hat, sondern als ein Fertiges, Abgeschlosse-\nnes, Bewusstes und mit Bewusstsein Gewolltes von ihm\nals Ausgangspunkt seiner ganzen Thätigkeit hingestellt ist,\nso jedoch, dass dieser Gedanke durch die Musik allein\nnicht zum Verständniss gebracht werden soll, weil dieses\nnicht möglich ist, sondern durch ein Programm, durch eine\nvorher von dem Hörer zu lesende Erklärung demselben\neinfach dargereicht, behändigt wird*).\n„Es kommt uns hier nur darauf an, zu constatiren,\ndass in vielen Stellen der Wagner'schen Schriften, ganz\nbesonders in der eben mitgetheilten, das absoluteste Ver-\ndammungs-Urtheil über Liszt enthalten ist, welches irgend\nJemand über ihn aussprechen kann und ausgesprochen\nhat. Und dieses Verdammungs-Urtheil steht auch mit\nWagner's Ansichten im innigsten Zusammenhange. Es ist\nvöllig consequent, wenn er ein Programm, eine derartige\nErinnerung des Hörers an das, was er sich denken solle,\nfür ungenügend erklärt; wenn er im Gegensatze dazu be-\nhauptet, dass, wenn ein musicalisches Motiv auf uns einen\nbestimmten Eindruck machen solle, die darin ausgespro-\nchene Empfindung vor unseren Augen von einem bestimm-\nten Individuum an einem bestimmten Gegenstande kund\ngegeben werden müsse, und wenn er damit schliesst, dass\ndies nur im Drama möglich sei.\n„Es liegt hier der Widerspruch zwischen Wagner\nund Liszt in einer jeden Unbefangenen überzeugenden\nWeise klar vor. Nun hat bekanntlich Wagner die Strenge\nseiner Ansichten in Bezug auf Liszt gemildert, und zwar\nin dem bekannten „ „Briefe\" \"**); aber man darf wohl ge-\ntrost an das Urtheil eines jeden, der unbefangen Wagner's\nfrühere Schriften studirt hat, dafür appelliren, dass die dort\nversuchte Vermittlung zweier Gegensätze keine philoso-\nphische ist, sondern wenn man so sagen darf—eine di-\nplomatische***), und das Resultat, welches dabei heraus-\nkommt, ist ein echtes Juste-iyiilieu. Denn es ist nur zu\ndeutlich, dass die Verurtheilung der absoluten Musik, auch\nder Programm-Musik, eine ganz nothwendige Consequenz\ndes Wagner'schen Systems ist.\n„Wagner's Kunst-Anschauungen verneinen die Be-\nrechtigung Liszt's, und seine Kunst-Schöpfungen, da sie\nnur dem Gebiete der Oper oder des musicalischen Dramas\nangehören, ohne hier im eigentlichen Sinne Epoche zu\n\n*) „Drei Operndichtungen\", S. 145, 146. „Oper u. Drama\", I. S. 30.\n**) „Oper und Drama\", 111. S. 161, 162.\n***) „Oper und Drama\", 111. S. 189.\n****) „Oper und Drama\", T. S. 120.\n*) Brendel, „Liszt als Symphoniker\", S. 35 ff.\n**) ~Neue Zeitschrift für Musik\", Band 46, Nr. 15.\n***) Vielleicht wieder mit auf persönlichen Motiven beruhend, wenn\nauch Motiven edler Art!\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "196", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590618-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1833, "texte": "machen, führen oder drängen keineswegs zu demjenigen\nSchritte, den Liszt gethan hat, auch nur im Entferntesten\nhin, stehen überhaupt mit Liszt's Werken in keiner inne-\nren Beziehung.\n„Indessen kann die klare Erkenntniss jenes Gegen-\nsatzes zwischen beiden, die Ueberzeugung, dass unter dem\nNamen „ „Zukunfts-Musik\"\" zwei ganz verschiedenartige\nRichtungen zusammengefasst werden, der richtigen Wür-\ndigung jeder einzelnen nur förderlich sein. Ja, es könnte\nsich fragen, ob die Lösung dieser unnatürlichen Vereini-\ngung nicht vielleicht sogar für eine weitere Kunst-Entwick-\nlung von Bedeutung wäre. Ob freilich Liszt der offenba-\nrende Genius für eine neue Epoche der Musik schon ist,\ndas ist eine ganz andere Frage, deren Erörterung nicht\nGegenstand dieser Blätter ist.\n„Aber das Eine dürfen wir festhalten: Die Berechtigung\nder Musik, als einer eigenartigen Kunst für sich, wird,\ntrotz Wagner, wohl nicht in Zweifel gezogen werden. Denn\ndie Musik ist und bleibt für alle Zeit unsere Sprache für\ndas ganze grosse, geheimnissvolle Bereich unseres inneren\nSeelenlebens (nicht bloss Gefühlslebens), in das kein Wort\nunserer Sprache (kein Gedicht und auch kein Programm)\nje eingedrungen ist, und an dessen Schwelle wir oft lau-\nschend stehen bleiben. Die Griechen kannten dieses See-\nlenleben nicht, und daher hatten sie nur eine die Dichtung\nbegleitende Musik, aber keine Musik ohne Worte. Aber\ngerade die Deutschen haben in jenen tiefen, wunderbaren\nQuell ihres inneren Lebens immer mit Vorliebe sich ver-\nsenkt, und sein Rauschen in Tönen wiedergegeben, für\nwelche es schlechthin keine Worte gibt. Das sind die gros-\nsen Instrumentalwerke unserer Heroen, und diese ehernen\nDenkmäler der Vergangenheit vertreten die über alles Ver-\nmögen der Wortsprache hinausgehende ureigene Macht\nder Musik für alle Zeit—und gegen jede „ „Zukunft\"\"."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-06-18-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-06-18_01#c003", "volume": "bmtnabi_1859-06-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "196", "page_fin": "198", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590618-01.2.3", "titre_corps": "Aus Prag.", "titre_sommaire": "Aus Prag.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "196", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590618-01.1.4", "debut_caractere": 1835, "fin_caractere_exclue": 5339, "texte": "Aus Prag.\nMehrere äussere widrige Umstände wirkten heuer mit,\num die Concerte des hiesigen Conservatoriums in ihrer\ndurch die Statuten des Vereins zur Beförderung der Ton-\nkunst in Böhmen ohnehin sehr beschränkten Anzahl zu\nvermindern, deren Abhaltung erst bis in den April zu ver-\nzögern und die Wahl der Glanzpunkte in den Leistungen\ndes Instituts, der zur Aufführung zu bestimmenden Sinfo-\nnieen, Ouvertüren und selbstständigen Orchestralwerke\nüberhaupt zu beeinflussen. Der Beginn eines neuen Turnus\nder sechsjährigen Bildungszeit liess nur Schüler des ersten\nCursus disponibel erscheinen, und das den Herrn Director\nKittl betroffene Unglück eines Armbruches entzog den Lei-\n| ter des Instituts durch mehrere Monate seiner pädagogi-\nschen Wirksamkeit und verzögerte so die Vorbereitungen\nzu den Productionen seiner Zöglinge. Wir hatten dieses\nMal nur zwei Concerte und in diesen nur die Aufführun-\ngen von zwei Sinfonieen und einer Ouvertüre. Dass dieses\nMal Beethoven und die Repräsentanten der modernen\nSchule gänzlich fehlten, lässt sich nach dem Gesagten leicht\nerklären und noch leichter entschuldigen, weil die Wahl\nauf bewährte ältere Werke fiel und die Reproducirung\nderselben in der That nichts Wesentliches zu wünschen\nübrig Hess. Wenn wir diesmal abermals und besonders\nhervorheben, dass sich Kittl bei seinem ersten Erscheinen\nals Dirigent seines trefflichen Orchesters nach dem ihn be-\ntroffenen Unfälle besonderer Gunstbezeugungen von Seiten\ndes eben so glänzenden als zahlreichen Publicums zu er-\nfreuen hatte, so geschieht es zumal desshalb, weil dieselben\neine höhere Bedeutung als sonst haben; denn die Erfah-\nrungen, die dieser verdiente Künstler im vorigen Jahre bei\nGelegenheit der fünfzigjährigen Jubelfeier des Instituts und\nmit dieser des musicalischen Prag überhaupt gemacht, ver-\nlangten eine öffentliche Berichtigung von Seiten jener, wel-\nche die Verdienste des Dircctors um das ihm anvertraute\nInstitut aus Autopsie zu würdigen wissen, und mit diesem\nVerständnisse auch die. Ausfälle eines gewissen Correspori-\ndententhums au!' ihre letzten Gründe und Ungründe zu-\nrückzuführen vermögen. Das Publicum freut sich seines\nnationalen Instituts und ist sich seines Gedeihens auch jetzt\nnoch bewusst; denn Thatsachen sprechen deutlicher und\nwahrer, als gewisse Stimmen der periodischen Presse.\nWenn es heuer vielleicht auch hier Einige gab, welche\ndas Zurückgreifen zu Mozart und Spohr naserümpfend be-\ntrachteten, so ist das aus den angeführten Gründen nicht\nnur, sondern auch desshalb unbillig, weil Herr Director\nKittl während seiner langjährigen Wirksamkeit eine Ob-\njectivität bewiesen hat, welche uns unter seiner Aegide\nnicht nur alle Sinfonieen Beethoven's und Mendelssohn's,\nsondern auch die hervorragendsten Orchesterwerke Schü-\nmanns, Berlioz', Gade's, Liszt's und anderer Repräsentan-\nten moderner Musik in trefflicher Aufführung brachte,\nund mit dieser allseitigen Richtung seiner Thätigkeit den\nVorwurf einer etwaigen Einseitigkeit schon ipso facto und\nim Voraus gründlich beseitigte. Im ersten Concerte kam\ndie selten zur Aufführung gelangende D-efor-Sinfonie zu\nGehör. Das Werk bereitete allen Verehrern des Mozart'-\nsehen Genius einen grossen Hochgenuss, ja, war für die\nmeisten der Zuhörer eine Novität. Es ist die bloss aus drei\nSätzen bestehende ohne das Menuetto oder das Scherzo.\nDas in derselben musikfreudig pulsirende Tonleben, die Uep-\npigkeit des Schaffens, die Meisterhaftigkeit der künstleri-\nschen Anordnung sind wohl geeignet, jene Momente in den"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "197", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590618-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5573, "texte": "Hintergrund zu stellen, welche, wie überhaupt manche in\nanderen Werken des Meisters, eine Erinnerung an die so\neigenthümliehen, jetzt uns veraltet dünkenden costümlichen\nZeugen seiner Zeit wach zu rufen im Stande wären. Im\nzweiten Concerte brachte Kittl die D-moll-Sinfonie von\nSpohr, ein Werk seiner früheren Periode. Es trägt ganz\nund gar den Stempel der Individualität dieses subjectivsten\naller Ton-Poeten, und mithin alle anziehenden Vorzüge\ndieses Lyrikers ersten Ranges, aber auch die Schwächen\ndes in seine consequente Richtung gebannten Tonsetzers.\nDass auch dieser sinfonistische Flug jenem eines in seinen\nFittichen gelähmten Adlers gleiche, ist nicht zu läugnen;\naber die liebenswürdige Persönlichkeit des edlen Elegikers\nist eine so anziehende, dass wir dem Poeten auch unter\nsolchen Bedingungen unsere innigste Sympathie zuwenden\nmüssen. Von Ouvertüren kam diesmal nur eine, die zu\nBürger's „Der wilde Jäger\" von C. M. Kappel Ritter von\nSavenau zur Darstellung. Die Aufmunterung junger hei-\nmischer Talente ist gewiss die Pflicht jener, denen eine\nsolche obliegt. Dass aber Herr Kittl dem Componisten die\nAuszeichnung zu Theil werden iiess, sein Werk selbst in\neinem Concerte des Conservatoriums zu dirigiren, halten\nwir, gelinde ausgedrückt, für eine verfrühte Gunstbezeu-\ngung, für ein Zeichen gar zu aimabler Protection. Die\nOuvertüre zeugt von dem emsigsten Studium im Bereiche\nder Tonkunst, doch scheint uns, namentlich was die Instru-\nmentation betrifft, nicht Alles den beabsichtigten Zweck zu\nerreichen, abgesehen von dem Zwiespalt, der zwischen der\nformellen Festhaltung einer strengen Disciplin und dem\nWesen einer Programm-Musik liegt. •—ln einem Concerte\nzum Besten der Armen, bei welchem das Conservatorium\nmitwirkte, brachte Herr Director Kittl noch die Ouvertüre\nzu Lord Byron's „Manfred\", und es verdient besonders\nbetont zu werden, dass die Aufführung dieser mit En-\nsemble-Schwierigkeiten der mannigfachsten Art reich do-\ntirten Composition eine sehr gute war.\nNach den Ensemble-Leistungen, welche immer die\nGlanzpunkte der Concerte des Instituts bilden, müssen wir\nuns noch den Solo-Nummern der Programme zuwenden.\nIn dieser Beziehung geschah heuer in so fern eine Verän-\nderung, dass man den concertanten Vorträgen der Zög-\nlinge noch die zweier zur Mitwirkung beigezogenen Gäste\nbeifügte. Im ersten Concerte spielte Alexander Drei-\nschock Beethoven's Es-dur-Concert und einen MarcJte\ntriomphale eigener Composition. Dass der berühmte Mei-\nster im ersteren die ganze Vollkommenheit seines den To-\ntal-Eindruck eben so meisterhaft wie das minutiöse Detail\nbeherrschenden Künstlerthums entfaltete, während er im\nzweiten die bis zum höchsten Grade bewundernswerth aus-\ngebildete Virtuosität glänzen liess, bedarf wohl keiner be-\nsonderen Erläuterung. Der ausserordentliche Erfolg dieser\nöffentlichen Proben seiner vorzüglichen Leistungsfähigkeit\nist um so höher anzuschlagen, als Prag gerade heuer Ge-\nlegenheit hatte, den ersten Repräsentanten der Liszt'schen\nSchule, Herrn Hans von Bülow, kennen zu lernen, und\nmit der poetischen Clara Schumann sich dem Genüsse\nhöchster Künstlerschaft hinzugeben.—Der zweite Gast war\neine nicht minder bedeutende Notabilität, der einzige Cellist\nServais, der im zweiten Concerte sein C-wo/Z-Concert\nund Phantasie über slawische Melodieen spielte. Servais ist\nin der Virtuosenwelt wohl eine Erscheinung einziger Art.\nDem grossen, klangvollen Tone seines schönen Instrumen-\ntes, dem seelenvollen, poetischen Gesänge seines Bogens\ngesellt sich eine Technik bei, die, so wie jene Dreischock's\nauf dem Tasten-Instrumente, als eine vollkommene bezeich-\nnet werden kann. Zu den Wundern in allen Arten der\nBogenfiihrung, zu den staunenswerthen Flageolets, den\nArpeggien, dem mehrstimmigen Spiele, Alles in reinster\nIntonation, kommen noch eine Menge von scheinbaren Un-\nmöglichkeiten, z. B. die Illusion mit Tönen unter der gros-\nsen Octave, welche um so mehr zündend wirken müssen,\nals neben den oft absonderlichen Bizarrerieen einer höch-\nsten Virtuosität wahrhaft künstlerische, poetische Momente\nauftauchen, die eine höhere Bedeutung haben, als bloss\nStaunen zu erwecken. Von dem Erfolge des Künstlers noch\nbesonders berichten zu wollen, wäre wohl überffüssig. Dass\ndie unmittelbare Nähe solcher Leistungen jene der Zög-\nlinge als Solisten nothwendig beeinflussen müssen, und zwar\nnicht im günstigen Sinne des Wortes, begreift sich; auch\nvon der Empfänglichkeit des Publicums für die zumeist\nersten Proben werdender Virtuosen gilt dasselbe. Nament-\nlich kann dieses von den weiblichen Debütanten gelten,\nund so schreiben wir das mindere Gelingen zweier Opern-\nschülerinnen nicht nur ihrer bedeutenden Befangenheit,\nsondern auch der minderen Empfänglichkeit der Zuhörer\nzu. Auch ein Violinist, welcher im ersten Concerte die zwei\nletzten Sätze aus Molique's fünftem Concerte spielte,scheint\nsowohl was den Vortrag als was den Erfolg betrifft, unter\ndiesem Umstände gelitten zu haben. Glücklicher waren\nzwei Solisten des zweiten Concertes. Der Clarincttist erhielt\nnach dem Vortrage eines Beer'schen Divertissements\nwohlverdienten Beifall, und wahrhaftes Furore machten\nneun Geiger, welche im vierstimmigen Einklänge der Prin-\ncipal- und im fünfstimmigen der zweiten Stimme in einem\nDuo concertantevon Allard das Beste leisteten, was man\nsich in dieser Beziehung denken kann. Die Production war\nso eminent, dass sie auf Verlangen in dem schon erwähn-\nten Extra-Concerte zum Besten der Armen wiederholt\nwerden musste, und bildete den Glanzpunkt der heurigen\nSolo-Vorträge. Als Resultat können die heurigen Erfolge"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "198", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590618-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 332, "texte": "des Conservatoriums nur höchst befriedigend genannt wer-\nden, und dürfen wir, wenn es das Verhängniss der jetzigen\nZeiten nur einiger Maassen zulässt, den weiteren Phasen\ndes Conservatoriums um so getroster entgegensehen, als\nso ausserordentliche hemmende Umstände, wie die heuri-\ngen, hoffentlich nicht so bald wiederkehren werden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-06-18-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-06-18_01#c004", "volume": "bmtnabi_1859-06-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "198", "page_fin": "199", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590618-01.2.4", "titre_corps": "Das Erinnerungsfest an Händel in London.", "titre_sommaire": "Das Erinnerungsfest an Händel in London.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "198", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590618-01.1.6", "debut_caractere": 334, "fin_caractere_exclue": 5040, "texte": "Das Erinnerungsfest an Händel in London.\nDie Vorbereitungen zur Säcularfeier Händel's, der im\nJahre 1759 starb, wurden von der iSacred\nciety in London schon im 31onat November des Jahres\n1856 begonnen, und im Jahre 1857 fand bekanntlich\nim Krystallpalaste bereits ein Händel-Fest in grossartigem\nMaassstabe Statt, gleichsam eine Vorfeier und zugleich eine\nProbe, um praktische Erfahrungen über den Bau der Or-\nchesterbühne, Aufstellung der mitwirkenden Massen und\nAkustik zu machen.\nDas Querschiff (The Central Transept) des Krystall-\npalastes, in welchem das ungeheure Concert gehalten wer-\nden wird, ist 360 Fuss lang und an 216 Fuss breit und\nenthält einen Flächenraum von 77,760 Quadratfuss, dazu\nmehrere Reihen von Galerieen.\nBei dem Concerte im Jahre 1857 hatte man beobach-\ntet, dass die damalige Masse der Ausführenden in Chor\nund Orchester doch nicht den erwarteten übermächtigen\nEindruck machte, dass namentlich der Klang der Chöre\nden Raum des Querschiffs nicht vollständig ausfüllte. Man\nbeschloss desshalb, die Zahl der Mitwirkenden für das ge-\ngenwärtige Fest auf 4000 zu steigern.\nDer Prospect versichert, dass diese ungeheure Masse\nder Ausführenden nicht willkürlich oder durch Laune fest-\ngesetzt worden, sondern dass sie das Ergebniss eines sorg-\nfältigen Studiums und des Gutachtens von Musikern und'\nFestordnern sei, die sich häufig mit der Anordnung gros-\nser Musikfeste beschäftigt hätten. Wir bleiben indess der\nMeinung, dass, so wie der akustische Bau seine durch die\nTheorie noch nirgends unfehlbar gelös'ten Räthsel hat,\nauch die Klangwirkung von Massen in bestimmten Räumen\nsich nicht berechnen lässt. Die Erfahrung scheint zu lehren,\ndass es eine gewisse Gränze gibt, innerhalb welcher sich\ndie Stärke des Klanges im Verhältniss zu der Zahl der\nStimmen und Instrumente steigert: über diese Gränze hin-\naus findet nicht dieselbe Proportion Statt. Es ist aller-\ndings ein grosser Unterschied, ob ein Chor von 20 oder\nvon 200 Stimmen singt; aber zwischen einem Chor von\n200 und von 2000 Stimmen entspricht das Klangverhält-\nniss keineswegs dem arithmetischen, was wir besonders\nbei grossen Männer-Gesangfesten häufig beobachtet haben,\nnamentlich bei dem internationalen belgisch-deutschen\nFeste in Köln im Jahre 1846, wo im Gürzenichsaale die\n2000 Sänger keine grössere Wirkung machten, als sonst\ndrei- bis vierhundert.\nMan hat ferner im Krystallpalaste mehrere Vorrichtun-\ngen getroffen, die Einfluss auf das Concentriren des Klan-\nges und das Auswerfen des Schalles haben werden. Man\nhat hinter dem Orchester und der Orgel her eine starke\nBretterwand gezogen, die ihre ovalen Seitenwände bis an\ndie ersten Reihen der Tonbühne ausdehnt; die Stufen der\nBühne steigen bergähnlich bis zu gewaltiger Höhe empor,\nund über das ganze Orchester hin ist etwa auf halber Höhe\ndes Querschiffes ein Schalldach von dichtem, repercutiren-\ndem Material angebracht. Man spricht sogar von einer Er-\nfindung für die Schallverstärkung der Solostimmen (?). Die\nBühne umfasst die ganze Breite des Schiffes von 216 Fuss\nund hat von der Vorderwand bis zur Mitte des Ovals hin-\nter der Orgel eine Tiefe von 100 Fuss. Der Durchmesser\nderselben beträgt gerade das Doppelte des Durchmessers\ndes Raumes unter der Kuppel der Paulskirche.\nDie Direction versichert, bei der Zulassung der Dilet-\ntanten zum Chor sehr vorsichtig gewesen zu sein. In Lon-\ndon selbst zählt die Dilettanten-Abtheilung im Chor 1600;\nsie studirt die zur Aufführung bestimmten Sachen schon\nseit vielen Monaten in Exeter Hall, dem Locale der\ncred Harmonie Society.\nBei den Erörterungen über die Wahl der Musikwerke\nzur Aufführung musste ausser der künstlerischen auch die\nökonomische Rücksicht zur Geltung kommen, da die un-\ngeheuren Kosten auch eine möglichst reiche Einnahme\nwünschenswert!] machten. Man beschloss desshalb, nicht\nden seltener gehörten und also gewisser Maassen neuen\nWerken Händel's den Vorzug zu geben, sondern vielmehr\ndenjenigen, mit deren Inhalt und Schönheiten das Publi-\ncum bereits vertraut ist. Man glaubte - und wohl mit\nvollem Rechte —, dass nicht so sehr der Reiz der Neuheit\nder Werke, als die grossartigen Proportionen und die Voll-\nkommenheit der Ausführung der bekannten und geliebten\nMeister-Schöpfungen die lebhafteste Theilnahme erregen\nwürden. So hat man sich denn zu folgendem Programm\ngeeinigt:\nMontag, den 20. Juni Der Messias.\nMittwoch, den 22. Juni Das Dettinger\nD eum Auswahl aus den Oratorien: Saul,\nSamson, Belsazar, Judas Maccabäus.\nFreitag, den 24. Juni lsrael in Aegypten.\nEcht englisch ist die Ankündigung, dass die „Erin-\nner ungs wo che\" auch ausser den Tagen der grossen\nConcerte Gelegenheit bieten wird, Händel's Genius in den\nverschiedensten Gestalten zu feiern, indem die Harmonie-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "199", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590618-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1919, "texte": "Musikcorps in dem Palastgarten während des Springens\nder Fontainen Märsche, Menuetts und andere Compositio-\nnen von Händel, namentlich auch dessen Wassermusik\nund Feuermusik (?), spielen werden, und an den Zwischen-\ntagen eine Auswahl aus dessen italiänischen Opern und\nanderen weltlichen Werken im QuerschifF von der ver-\nmehrten Krystallpalast-Capelle unter Direction des Herrn\nManns ausgeführt werden würden.\nDie Eintritts-Preise sind folgende: Ein numerirter Sitz\nim Centrum 1 Guinee, für alle drei Tage 2% Guinee.\nEin Sitz an den Seiten des Centrums % Guinee, für\ndie drei Tage 25 Shill. Auf den beiden Galerieen ein\nSitz in den Vorderreihen für alle drei Tage fünf, in den\nHinterreihen 2% Guinee. Dabei ist, wie der Prospect\nsagt, auf die Wohlfeilheit der Plätze Rücksicht genommen!\nNeuerdings sind auch Plätze im Langschiffe zu beiden\nSeiten des Querschiffes für 5 Shill. eingerichtet. Der Zu-\ndrang ist trotz der Zeitverhältnisse ausserordentlich gross,\nso dass man sogar noch von einer neu zu errichtenden\nGalerie über dem Orchester spricht.\nDie Proben haben schon längst in Exeter Hall begon-\nnen. Dirigent der Aufführungen ist Costa. Die wirkliche\nMasse der Ausführenden besteht aus 242 Violinen und\nBratschen, 120 Violoncells und Contrabässen und mehr\nals 100 Blas- und anderen Instrumenten. Dazu die grosse\nOrgel und ein Chor von 2700 Personen, zusammen also\nüber 3000. Die Hauptprobe am 18. Juni ist öffentlich\ngegen ein Eintrittsgeld von 7 % Shill. Für die Bericht-\nerstatter der londoner und der Provincial-Presse sind be-\nsondere Sitze vorbehalten.\nEin Händel-Saal wird im Krystallpalaste eingerich-\ntet. Händel's Autograph-Partituren vom Messias, Israel in\nAegypten und dem dettinger viele Briefe des-\nselben, Partituren, aus denen er dirigirt hat, sein Bild aus\ndem Buckingham-Palaste, mehrere Statuen und Portraits,\ndie Ausgaben seiner Werke u. s. w. werden darin ausge-\nstellt und aufgelegt werden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-06-18-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-06-18_01#c005", "volume": "bmtnabi_1859-06-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "199", "page_fin": "200", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590618-01.2.5", "titre_corps": "Literarische Anzeigen.", "titre_sommaire": "Literarische Anzeigen.", "signature_source": "L", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "199", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590618-01.1.7", "debut_caractere": 1921, "fin_caractere_exclue": 4772, "texte": "Literarische Anzeigen.\n\nDie „Vorschläge zu einer gründlichen Re-\nform in der Musik\" u. s. w. von Karl Bernh. Schu-\nmann— Berlin, Gsellius'sche Buchhandlung enthalten\nauf 24 Octavseiten die Auseinandersetzung eines neuen\nTon- und Noten-Systems nebst der Beschreibung einer nach\ndiesem System construirten Tastatur des Claviers. Es ist\nalso von einer doppelten Reform die Rede, einer theoreti-\nschen und einer mechanischen, und da die erstere ohne die\nletztere nicht wohl anwendbar ist, so ist freilich fürs Erste\nwenig Aussicht vorhanden, dass der Reformator durchdrin-\ngen wird, zumal da sein System eine völlig neue Noten-\nschrift und seine Tastatur eine völlig neue Applicatur und\nneu zu erringende technische Fertigkeit verlangt. Den Ver-\nfasser leitet ein Vereinfachungs-Princip, wobei, wie schon\nso manchmal bei früheren Versuchen der Art, z. B. von\nHeringen, Aeusserlichkeiten, namentlich die Vorzeichnun-\ngen für Erhöhung und Erniedrigung der Töne, die wich-\ntigste Rolle spielen und als Schwierigkeiten, ja, Hinder-\nnisse der Verständlichkeit des Tonsystems bezeichnet wer-\nden, die weggeräumt werden müssten. Unsere gegenwärtige\nTastatur auf Orgel und Ciavier erscheint ihm als durchaus\nunregelmässig, weil auf der unteren Tastenreihe ganze und\nhalbe Tonstufen liegen, und weil vollends die Obertasten\nzum Theil um eine, zum Theil um eine und eine halbe\nStufe von einander entfernt sind. Um allen Tonleitern Eine\nund dieselbe Lage zu geben und eine regelmässige Grund-\nlage zu gewinnen, könne nur die chromatische Tonleiter\nals Basis gebraucht werden. Der Verfasser kam daher auf\nden Gedanken, alle Tasten [c u. s. w.) in eine\nEbene zu legen (!), ging aber davon ab, „weil das Piano\nalsdann wenig übersichtlich und die Tasten bei gleicher\nBreite zu schmal für den sichern Anschlag geworden wä-\nren\". An die Unmöglichkeit der Applicatur mit steter\nUeberspringung einer Taste zwischen jedem ganzen-Tone\nscheint er nicht gedacht zu haben. Jetzt aber hat er die\nTasten in zwei Reihen, obere und untere, wie bisher, ge-\nordnet, aber so, dass jede Octave von zwölf Halbtönen\nsechs Unter- und sechs Obertasten hat, deren re-\ngelmässige Entfernung von einander stets nur eine halbe\nTonstufe beträgt. Dadurch kommt folgende Tastatur\nheraus:\nJede j%<r-Tonleiter beginnt demnach mit drei Tönen der-\njenigen Tastenreihe, auf welcher man sie beginnt; darauf\nfolgt der halbe Ton, mit dem man auf die andere Tasten-\nO s\nreihe übergeht und dann mit den drei folgenden Tonen\nauf dieser anderen bleibt; z. B. Unten Oben\nfaa h. - Cis-dur: Oben eis dfc f, Unten fis gis als c.\nMan sieht, das ist regelmässig genug; aber wo bleibt das\nharmonische System, da der Verfasser kein eis, his, kein\ndes es as bu. s. w. kennt? Bei den i¥ö//-Tonarten ist es\nauch selbst mit der Regelmässigkcit schon vorbei, da z.B.\ndes Verfassers C-moK-Tonleiter so aussieht:\nund abwärts:"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "200", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590618-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1041, "texte": "Das Noten-System möge man in dem Schriftchen selbst\nnachlesen, da das Obige hinreicht, um auf die Ideen des\nVerfassers aufmerksam zu machen.\nDie „Allgemeine Musiklehre\" von Joseph\nProksch (Director einer Musik-Bildungsanstalt in Prag)\n—Prag, bei Karl Bellmann, I. 92 S. 11. 148 S. in 8. Pr.\n1 Fl. 48 Kr.—, ist in Frage- und Antwort-Form geschrie-\nben, eine freilich etwas veraltete und trockene Manier. Der\nInhalt ist aber ausführlicher, als die Katechismus-Form er-\nwarten lässt. Er zerfällt in zwei Haupt-Theile: I. Die\nTonlehre, in 10 Abschnitten, und: 11. Die Rhythmik,\nin ebenfalls 10, jedoch grösseren Abschnitten, überall mit\nvielen in den Text gedruckten Noten-Beispielen und zweck-\nmässigen Aufgaben für Schüler zur Einübung des Vor-\ngetragenen. Alles Gegebene bezieht sich nur auf die Musik\nim Allgemeinen; über Einzelnes, sonst auch zur „allgemei-\nnen Musiklehre\" Gerechnetes, z. B. Natur und Umfang\nder verschiedenen Instrumente, u. s. w. enthält das Buch\nnichts. Es kann für den gewollten Zweck als recht brauch-\nbar gelten.\n\nL."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-06-18-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-06-18_01#c009", "volume": "bmtnabi_1859-06-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "200", "page_fin": "200", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590618-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "200", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590618-01.1.8", "debut_caractere": 1043, "fin_caractere_exclue": 5621, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nM.-GSlaslfo Stell. Bei unseren Winter-Coucerten offenbarte sich\neine rege Strebsamkeit des Gesang-Vereins und seines Dirigenten.\nDas erste brachte das Clavier-Concert in Es-dur von Beethoven, von\nHerrn Lange gespielt, und den Lobgesang von Mendelssohn, bei\nwelchem der Chor dureh Sicherheit einiger Maassen ersetzte, was an\nMassen, die dieses Werk eigentlich verlangt, ihm abging. Die Vier-\ncck'sche Capelle von Crefeld trug wesentlich zur gelungenen Auf-\nführung bei. In dem zweiten Concerte hörten wir den „Samson''\nvon Händel. Wir lernten darin eine angehende Sopran-Sängerin aus\nKöln, Fräulein Saart, kennen, welche zu schönen Hoffnungen für\ndie Zukunft berechtigt. Die anderen Solo-Partieen waren in Händen\nhiesiger Dilettanten, unter denen namentlich die Altistin durch ihre\nschöne Stimme und edlen Vortrag der Hauptpartie sehr gefiel.\n2G. Mai. Nachdem vor einigen Wochen der Musicali-\nsche Verein hier sein einunddreissigstes Concert gab, in welchem\nunter anderen ein neues, höchst anerkennenswerthes Orchesterwerk\nvon W. Tschirch (sinfonische Phantasie mit dem Motto: „Warum\nwill nie das Leid der Seele enden? Vertrau1 auf ihn, er wird's zum\nHeile wenden !\"j zur Aufführung gebracht worden war, beschloss der\nVerein die diesjährige Saison gestern mit der Aufführung des in der\nneueren Zeit mit Recht Aufsehen erregenden grossen Oratoriums\n„Jephta und seine Tochter'' von C. Reinthaler. Das schwierige\nTonwerk wurde uns nach allen Seiten hin in gelungenster Weise\nvorgeführt und bewies, dass der musicalische Dirigent des Vereins\n(Capellmeister Tschirch) zur Einübung desselben weder Zeit noch\nMühe gespart hatte. Die Partie des Jephta hatte Herr Sabbath\naus Berlin übernommen und führte dieselbe, wie sich von dem rühm-\nlichst bekannten Oratoriensänger nicht anders erwarten liess, in tüch-\ntigster Weise durch. Fräul. v. Vaernewyk aus Leipzig (Schülerin\ndes dasigen Conservatoriums) sang die Partie der Mirjam. Die junge\nKünstlerin, im Besitz eines in allen Stimmlagen klangvollen Organs,\nerwarb sich ebenfalls den Beifall der zahlreich versammelten Zuhö-\nrer. Chöre und Orchester wetteiferten, zum Gelingen des Ganzen das\nIhrige redlich beizutragen.\nEine neue einactige Oper von Julius Rietz ist\nhier am 25. Mai zur ersten Aufführung gekommen. Der Text, von\nErnst P asque, behandelt die Sage von der verpfändeten und wie-\nder eingelösten Viola di Gamba Georg Neumark's, der Anno 1681\nals hochfürstlich sächsischer Geheim-Archiv-Secretär und Bibliothekar\nzu Weimar starb, und dessen Andenken sich durch seine geistlichen\nLieder erhielt, vornehmlich durch das bekannte: „Wer nur den lie-\nben Gott lässt walten\" u. s. w. Die Oper heisst: „Georg Neumark\nund seine Gambe\" Ueber ihren Erfolg schweigen die Blätter.\nMünchen« Mozart's „Idomeneo\" wurde hier nach langer Ruhe\nin den letzten Mai-Tagen wieder aufgeführt. Die Besetzung durch\ndie Damen Schwarzbach, Diez, Maximilian und die Pierren Heinrich,\nStrohl u. s. w. war eine befriedigende und die Aufnahme der Oper\neine günstige. Idomeneo wurde am 29. Jänner 1781 unter Mozart's\npersönlicher Leitung auf der hiesigen Holbühne zum ersten Male,\nund zwar mit beispiellosem Erfolg gegeben.\nDer geniale Balladen-Componist Karl Löwe hat eine Oper in\nseinem Pulte liegen: „Emmy\", Text nach Walter Scott's Roman\n„Kenilworth\".\nVon den hinterlassenen Schriften Carl Maria von Weber's wird\neine zweite vermehrte und verbesserte Auflage seit Jahren vom\nSohne des Componisten, Max Maria von Weber, vorbereitet. Die\nerste Ausgabe der „hinterlassenen Schriften von Carl Maria von We-\nber c wurde sofort nach dem Tode des Componisten von Theodor\nHell (Hofrath Winkler) veranstaltet und erschien 1827 und 1828 in\ndrei Bänden. Dieselbe Sammlung wurde als zweite Ausgabe im Jahre\n1850 noch einmal versandt. Die demnächst zu erwartende zweite\nAuflage wird von einer Biographie Weber's hegleitet sein, welche sein\nSohn nach den Tagebüchern und Briefen des Verewigten bearbeitet.\nWien. Es werden jetzt durch den Karten-Fabricanten Herrn\nSageder Original-Theater-Whistkarten angefertigt, die dadurch, dass\ndie zwölf Figuren des Speeles Portraits der ersten Mitglieder des\nk. k. Hofburgtheaters enthalten, ihrem Titel entsprechen. Die vier\nKönige zeigen die Portraits der Herren Anschütz, Fichtner, La Roche\nund Löwe; jene der vier Damen die der Fränlein Bossler, Frau Ga-\nbillon, Fräulein Gossmann und Frau Rettich, und jene der vier Va-\nlets die der Herren Baumeister, Lewinsky, Sonnenthal und Joseph\nWagner. (!)\nMarie Wieck lässt sich in London nicht nur als Clavierspie-\nlerin, sondern auch als Sängerin hören."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "193", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590618-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nWagner und Liszt, Gegensätze. Aus Prag (Aufführungen des Conservatoriums). Das Erinnerungsfest an\nHändel in London (Musik-Aufführungen während des Festes). - Literarische Anzeigen (Vorschläge zu einer gründlichen Reform in der\nMusik Allgemeine Idusiklehre). Von L. Tages* und Unterhaltungsblatt (M.-Gladbach, Conceite Gera, Schluss der Saison\nWeimar, Neue Oper von J. Rietz München, Idomeneo C. M. v. Weber's hinterlassene Werke Wien).\n\nWagner und Liszt, Gegensätze.\nDie Wagner-Literatur hat durch eine kleine Schrift\nvon Dr. Friedrich Meyer in Thorn*) einen Zuwachs\nerhalten, der gerade nicht neue Gesichtspunkte der Auf-\nfassung der „brennenden Frage\" enthält, worauf der Ver-\nfasser auch keine Ansprüche macht, aber trotzdem Aner-\nkennung und Empfehlung verdient, da er nicht bloss eine\nfleissige, auf wirkliches Studium der Schriften, Opern-\nDichtungen und Compositionen Wagner's begründete Zu-\nsammenstellung zu vollständiger Orientirung jedes gebilde-\nten Lesers über Wagner enthält, sondern auch ein aus\nredlichem Bestreben, ihm allseitig gerecht zu werden, her-\nvorgehendes Urtheil über sein Wollen und Können. Wenn\nder Verfasser im Vorworte meint, dass Wagner zu einsei-\ntig bloss in der specifisch musicalischen Tagespresse, und\nnamentlich von seinen Gegnern zu viel von der speci-\nfisch musicalischen Seite, besprochen worden wäre, so\nmüssen wir, wenigstens was die Niederrheinische Musik-\nZeitur.g betrifft, uns gegen diesen Vorwurf verwahren.\nWahr ist es allerdings, dass die philosophisch-phantasti-\nschen Lobpreisungen seiner Kunstwerke durch seine\nFreunde, welche das Haupt-Element eines dramatisch-mu-\nsicalischen Werkes, die Musik, so gut wie gar nicht be-\nrührten und den musicalischen Werth seiner Opern aus\nallem Möglichen, nur nicht aus der musicalischen Aesthe-\ntik, herauszuerklären suchten, nothwendig eine Reaction\nder Musiker hervorriefen, die ihre volle Berechtigung hatte\nund um so eindringlicher wirkte, je mehr Handhaben und\nWaffen ihr Wagner's Musik darbot. Wir haben jedoch,\nund viele Andere mit uns, Wagner stets in seinem ganzen\nWesen aufgefasst. Wir haben niemals einseitig den Maass-\nstab der ausschliesslich musicalischen Kritik an seine Lei-\nstungen gelegt, vielmehr in unseren Beurtheilungen des\nTannhäuser und Lohengrin u. s. w. stets sein System (also\nseine „ästhetisch-theoretische\" Seite) und seine Dichtungen\n(seine „dichterische\" Seite) nicht nur berücksichtigt, son-\ndern als seine Musik erzeugend und mit ihr verwachsen\nbetrachtet. Noch in der vorigen Nummer (24) haben wir\nja dem Dichter Wagner durch Besprechung seines neu-\nesten Productes „Tristan und Isolde\" einen ausführlichen\nArtikel gewidmet.\nDer Verfasser stellt Wagner als „Romantiker par ex-\ncellence\" dar, und zwar in allen drei Beziehungen seiner\nThätigkeit, als Aesthetiker, Dichter und Musiker, vorherr-\nschend jedoch als Dichter, anknüpfend an die Romantiker\nin der deutschen Literatur. Diese Ansicht gibt ihm auch\nden „Schlüssel zur Erklärung der tiefen Kluft, welche zwi-\nschen seinen Kunstwerken und seinen Kunstanseh au-\nungen liegt; denn dieses Missverhältniss zwischen Denken\nund Thun, zwischen Wollen und Können ist eine charak-\nteristische Eigenschaft der specifischen Romantik\". (S. V.\nund S. 64 ff.)\nMehr, als bisher geschehen, betont der Verfasser mit\nRecht Marschner's Einfluss auf Wagner (S. 22,33 und\nbesonders S. 50). An dieser zuletzt angeführten Stelle sagt\ner: „Aber auch in der feinen und sinnigen Forderung,\ndass im Einzelnen die Melodie aus der Melodie des Wort-\nverses, d. h. aus ihren Hebungen und Senkungen des To-\nnes gleichsam unwillkürlich hervorwachsen müsse, ist\nWagner nicht neu. Von Gluck und Mozart müssen wir hier\nschweigen, da Ersterer französische, Letzterer fast nur\nitaliänische Texte componirte. Aber Beethoven's „Fidelio\"\nist hier zu nennen, und besonders Marschner. In diesem\nPunkte, welcher so Viele besticht, die mit poetischem Sinn\nan die Oper gehen und poetische Ansprüche auch an das\nEinzelne in ihr machen, ist Marschner Wagner's Vorbild.\nMir scheint das bis jetzt lange nicht in gebührendem Maasse\nbeachtet, obwohl bei einem tiefer gehenden -Vertrautsein\n\n*) Kichard Wagner und seine Stellung zur Vergangenheit und\n„Zukunft\". Eine literär- und musik-historische Studie. Thorn,\n3859, bei Ernst Lamlbeek. VI und 76 S. 8."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "194", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590618-01.1.2", "texte": "mit Marschner die Sache klar in die Augen springt. Man\nsehe einmal darauf z. B. den ganzen „Meiling\" bis in die\nfeinste Einzelheit durch, und man wird finden, wie leicht\ner sich vortragen lässt, wenn der Sänger sich in den Cha-\nrakter, die Situation und die Stimmung der betreffenden\nRolle vertieft hat. Die Melodie schmiegt sich häufig der\nHede auf das engste an. Die Feinheit des Ausdrucks im\nEinzelnen, wie sie beispielsweise in der Introduction und\ndem unübertreff lichen Terzett Nr. 4 (Nun gut, so lass' uns\ngehen) sich findet, ist von Wagner auch in den besten\nStellen seiner Opern (z. B. dem ersten Acte des Lohengrin)\nnicht übertroffen. Nun kommt aber noch hinzu, dass im\nLohengrin der rhetorische Charakter bei allen Personen\nmehr oder weniger vorherrscht, während die Mannigfaltig-\nkeit der einzelnen Figuren im „Meiling\" viel grösser ist,\nund nicht eine wie die andere, sondern jede in ihrem Cha-\nrakter sich ausdrückt, musicalisch spricht.\"\nBei Gelegenheit des Tadels des romantischen Schwul-\nstes des Tannhäuser-Textes bemerkt Dr. Meyer:\n„Ich weiss sehr wohl, dass Wagner dieses getrennte Be-\ntrachten des Textes nicht gestattet. Er würde das eine\n„ „anatomische\"\" Zerlegung des Kunstwerkes nennen. Ja,\ner legt Gewicht darauf, dass das Kunstwerk in seiner sinn-\nlichen Erscheinung in der Weise der „ „Ueberraschung\"\"\nwirken müsse (Drei Operndichtungen u. s. w., S. 87). Er\nerzählt von einem „ „geistreichen Berichterstatter\"\", der\nwährend der Aufführung des Lohengrin keinen Anlass zur\nKritik erhielt, wohl aber nachher, und sagt dann trium-\nphirend, der „„wirkliche Künstler\"\" habe ihn eben ganz\nverstehen können, der „ „kritische Mensch\"\" nicht! (Ebend.\nS. 111.) Das ist zu charakteristisch, um übergangen zu\nwerden. Sollte wirklich die „ „überraschende\"\" Wirkung\ndes Moments das Wahre sein? Dass „„Ueberraschung\"\"\nwirkt, ist gewiss; aber diese Wirkung ist eine einmalige\nund wohnt also eigentlich dem Werke als etwas Inneres,\nBleibendes, wenn ich so sagen darf: Unsterbliches, nicht\nbei. Mag die Kraft dieser Sorte von Wirkung die grösste\nsein, in ihrem Wesen ist sie die äusserlichste und nicht die\nedelste. Was thut denn Meyerbeer im Princip Schlimme-\nres? Wer hat denn nicht im Theater die stärksten Ein-\ndrücke empfangen, und wer hat nicht bei ruhigerem Blute,\nbei mehrmaliger Wiederholung erkannt, dass er verblen-\ndet war? Vollends bei der Musik, die nicht bloss ästhetisch,\nsondern so leicht auch „„pathologisch\"\" wirkt, ist Nie-\nmand, auch ein „ „wirklicher Künstler\"\" nicht, vor einem\nsolchen Irrthum sicher. Nie ist der „ „Effect\"\" in des Wor-\ntes schlimmster und für den guten Geschmack gefährlich-\nster Bedeutung hinter feineren, sophistischeren Gedanken\nund geistreicheren Worten verhüllt worden.\"\nWir müssen in Bezug auf anderes Interessantes den Leser\nauf die kleine Schrift selbst verweisen und führen nur noch\ndas Endergebniss an, zu welchem der Verfasser Seite 65\nkommt:\n„Aus dem Gesagten scheint hervorzugehen, zunächst,\ndass, wenn es richtig ist, dass Wagner eine in der Litera-\ntur wie in der Musik längst vorhandene Richtung zum Ab-\nschluss bringt, er unmöglich die Stellung eines Reforma-\ntors der Oper oder des musicalischen Drama's einnehmen\nkann. Ein Reformator ist nur der, der unmittelbar seiner\nZeit und der nächstliegenden (nicht der fernen) Zukunft\nthatsächlich durch seine Werke einen neuen Geist ein-\nhaucht. Das hat Wagner aber nicht gethan. Dass, wie\nBrendel sagt, Wagner's Opern aus einer neuen Kunst-\nAnschauung hervorgegangen, kann nimmermehr zugege-\nben werden. Seine Opern sind zwar bedeutende Kunst-\nleislungen, und er hat auch eine angeblich neue Kunst-\nAnschauung der Welt vorgetragen; aber aus der letzteren\nsind die ersteren nicht, aus der letzteren ist bis jetzt über-\nhaupt gar nichts hervorgegangen. Bei Gluck liegt die Sache\nganz anders. Nicht jene Vorrede zur „Alceste\" macht ihn\nzum Reformator, sondern die „Alceste\" selbst und seine\nübrigen grossen Werke, in welchen seine einfachen Ge-\ndanken sofort Leben gewonnen. Ob aus Wagner's Kunst-\nAnschauung, so weit sie nicht Altes lediglich wiederholt,\neine künstlerische That hervorgehen wird und kann, wird\ndie Folge erst zu beweisen haben. Die Erfahrung lässt die\nErfolge solcher philosophisch-ästhetischen Streifzüge in den\nAether sehr zweifelhaft erscheinen.\"\nVorzüglich beachtenswerth ist aber der Schluss des\nSchriftchens, der uns zu der Ueberschrift dieses Artikels\nVeranlassung gegeben hat, und aus welchem wir die\nHauptpunkte zu Veranlassung näherer Einsicht mittheilen.\n„Die enge Verbindung (heisst es S. 68), in welcher\ndie Namen Wagner und Liszt genannt zu werden plle-\ngen, denen dann noch meistens Berlioz hinzugesellt wird,\nzeugt davon, dass man die Gegensätze zwischen Wagner\nund den letzteren beiden doch lange nicht gehörig wür-\ndigt. Wagner selbst hat sich über Berlioz so deutlich und\nmit einer so scharfen Kritik ausgesprochen, dass in Bezug\nauf diesen eigentlich nichts Schlimmeres gesagt ist*). Ob-\nwohl er ihm „„ungewöhnliche musicalische Intelligenz\"\"\nzugesteht, so meint er doch, dass er „ „als Künstler in der\nMechanik untergegangen, als übernatürlicher phantasti-\nscher Schwärmer in einen allverschlingenden Materialismus\nversunken sei.\"\" Er stellt ihn als „ „warnendes Beispiel\"\",\nals eine „ „tief bedauernswürdige Erscheinung hin, da er\nnoch heute von künstlerischem Sehnen verzehrt wird, wo\n\n*) »Oper und Drama\", I. S. 122—126."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "195", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590618-01.1.3", "texte": "er doch bereits rettungslos unter dem Wüste seiner Ma-\nschinen begraben liegt.\"\"\n„Liszt ist als Instrumental-Componist für das Orche-\nster erst nach dem Erscheinen der Wagner'schen Schriften\naufgetreten, und darum kann sich in diesen begreiflicher\nWeise nichts über ihn direct finden. Wohl aber verdammt\nWagner ganz im Allgemeinen diejenige Richtung, welche\nLiszt in seinen Instrumental-Compositionen eingeschla-\ngen hat.\n„Von vorn herein leuchtet ein, dass Wagner, eben so\nwie jede andere Kunst in ihrer Besonderung, so auch die\nreine, absolute Musik von seinem Standpunkte aus ver-\nwirft. Das Höchste, meint er, könne die Musik doch nur\nin Gemeinschaft mit den anderen Künsten, zunächst in Ge-\nmeinschaft mit der Dichtung leisten. Denn was in der mu-\nsicalischen Sprache auszudrücken sei, seien einzig „ „Ge-\nfühle und Empfindungen, d. h. der von unserer zum rei-\nnen Verstandes-Organ gewordenen Wortsprache abgelös'te\nGefühls-Inhalt der reinmenschlichen Sprache überhaupt.\"\"\nWas sie eben darum nicht ausdrücken könne, das sei die\ngenaue Bestimmung des Gegenstandes des Gefühles und\nder Empfindung; das Vermögen zur Bezeichnung des In-\ndividuellen erlange sie erst durch die Vermählung mit der\nWortsprache*). Ohne diese Verbindung entbehre das Werk\ndes absoluten Musikers jeder dichterischen Absicht. Denn\nwenn auch der Componist sich bei einem Thema etwas\ngedacht habe, so verstände dies doch Niemand, höchstens\nder, dem er das, was er sich gedacht, in nüchternen Wor-\nten mitgetheilt **). Der absolute Musiker habe das\nGefühl vollständig angeregt und aufgeregt, aber ohne es\nzu bestimmen und ohne gerade in dieser vollsten Aufre-\ngung ihm Beruhigung zuzuführen; denn der Verstand habe\nden Inhalt des Ausgedrückten vergeblich gesucht. Um nun\n„ „vor diesem zwecklos erregten Gefühle sich zu entschul-\ndigen\" \", habe der Musiker seinem Werke einen Titel, ein\nProgramm gegeben***).\n„ „Das Vorgeben der musicalischen Schilderung eines\nder Natur oder dem menschlichen Leben entnommenen\nGegenstandes wurde als Programm dem Zuhörer zu Hän-\nden gebracht, und der Einbildungskraft blieb es überlas-\nsen, der einmal gegebenen Hinweisung gemäss alle die mu-\nsicalischen Sonderbarkeiten sich zu deuten, die nun in fes-\nselloser Willkür bis zum buntesten chaotischen Gewirre\nlosgelassen werden konnten\"\"****).\n„Diese Worte enthalten in schärfster, schneidendster\nWeise eine Kritik der ganzen Liszt'schen Programm-Mu-\nsik. Denn das Wesen derselben soll eben die Verbindung\ndes Instrumental-Werkes mit einem darüber schwebenden\ndichterischen Gedanken sein, der nicht etwa den Compo-\nnisten bloss angeregt und ihm beim Schaffen seiner Phantasie\nvorgeschwebt hat, sondern als ein Fertiges, Abgeschlosse-\nnes, Bewusstes und mit Bewusstsein Gewolltes von ihm\nals Ausgangspunkt seiner ganzen Thätigkeit hingestellt ist,\nso jedoch, dass dieser Gedanke durch die Musik allein\nnicht zum Verständniss gebracht werden soll, weil dieses\nnicht möglich ist, sondern durch ein Programm, durch eine\nvorher von dem Hörer zu lesende Erklärung demselben\neinfach dargereicht, behändigt wird*).\n„Es kommt uns hier nur darauf an, zu constatiren,\ndass in vielen Stellen der Wagner'schen Schriften, ganz\nbesonders in der eben mitgetheilten, das absoluteste Ver-\ndammungs-Urtheil über Liszt enthalten ist, welches irgend\nJemand über ihn aussprechen kann und ausgesprochen\nhat. Und dieses Verdammungs-Urtheil steht auch mit\nWagner's Ansichten im innigsten Zusammenhange. Es ist\nvöllig consequent, wenn er ein Programm, eine derartige\nErinnerung des Hörers an das, was er sich denken solle,\nfür ungenügend erklärt; wenn er im Gegensatze dazu be-\nhauptet, dass, wenn ein musicalisches Motiv auf uns einen\nbestimmten Eindruck machen solle, die darin ausgespro-\nchene Empfindung vor unseren Augen von einem bestimm-\nten Individuum an einem bestimmten Gegenstande kund\ngegeben werden müsse, und wenn er damit schliesst, dass\ndies nur im Drama möglich sei.\n„Es liegt hier der Widerspruch zwischen Wagner\nund Liszt in einer jeden Unbefangenen überzeugenden\nWeise klar vor. Nun hat bekanntlich Wagner die Strenge\nseiner Ansichten in Bezug auf Liszt gemildert, und zwar\nin dem bekannten „ „Briefe\" \"**); aber man darf wohl ge-\ntrost an das Urtheil eines jeden, der unbefangen Wagner's\nfrühere Schriften studirt hat, dafür appelliren, dass die dort\nversuchte Vermittlung zweier Gegensätze keine philoso-\nphische ist, sondern wenn man so sagen darf—eine di-\nplomatische***), und das Resultat, welches dabei heraus-\nkommt, ist ein echtes Juste-iyiilieu. Denn es ist nur zu\ndeutlich, dass die Verurtheilung der absoluten Musik, auch\nder Programm-Musik, eine ganz nothwendige Consequenz\ndes Wagner'schen Systems ist.\n„Wagner's Kunst-Anschauungen verneinen die Be-\nrechtigung Liszt's, und seine Kunst-Schöpfungen, da sie\nnur dem Gebiete der Oper oder des musicalischen Dramas\nangehören, ohne hier im eigentlichen Sinne Epoche zu\n\n*) „Drei Operndichtungen\", S. 145, 146. „Oper u. Drama\", I. S. 30.\n**) „Oper und Drama\", 111. S. 161, 162.\n***) „Oper und Drama\", 111. S. 189.\n****) „Oper und Drama\", T. S. 120.\n*) Brendel, „Liszt als Symphoniker\", S. 35 ff.\n**) ~Neue Zeitschrift für Musik\", Band 46, Nr. 15.\n***) Vielleicht wieder mit auf persönlichen Motiven beruhend, wenn\nauch Motiven edler Art!\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "196", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590618-01.1.4", "texte": "machen, führen oder drängen keineswegs zu demjenigen\nSchritte, den Liszt gethan hat, auch nur im Entferntesten\nhin, stehen überhaupt mit Liszt's Werken in keiner inne-\nren Beziehung.\n„Indessen kann die klare Erkenntniss jenes Gegen-\nsatzes zwischen beiden, die Ueberzeugung, dass unter dem\nNamen „ „Zukunfts-Musik\"\" zwei ganz verschiedenartige\nRichtungen zusammengefasst werden, der richtigen Wür-\ndigung jeder einzelnen nur förderlich sein. Ja, es könnte\nsich fragen, ob die Lösung dieser unnatürlichen Vereini-\ngung nicht vielleicht sogar für eine weitere Kunst-Entwick-\nlung von Bedeutung wäre. Ob freilich Liszt der offenba-\nrende Genius für eine neue Epoche der Musik schon ist,\ndas ist eine ganz andere Frage, deren Erörterung nicht\nGegenstand dieser Blätter ist.\n„Aber das Eine dürfen wir festhalten: Die Berechtigung\nder Musik, als einer eigenartigen Kunst für sich, wird,\ntrotz Wagner, wohl nicht in Zweifel gezogen werden. Denn\ndie Musik ist und bleibt für alle Zeit unsere Sprache für\ndas ganze grosse, geheimnissvolle Bereich unseres inneren\nSeelenlebens (nicht bloss Gefühlslebens), in das kein Wort\nunserer Sprache (kein Gedicht und auch kein Programm)\nje eingedrungen ist, und an dessen Schwelle wir oft lau-\nschend stehen bleiben. Die Griechen kannten dieses See-\nlenleben nicht, und daher hatten sie nur eine die Dichtung\nbegleitende Musik, aber keine Musik ohne Worte. Aber\ngerade die Deutschen haben in jenen tiefen, wunderbaren\nQuell ihres inneren Lebens immer mit Vorliebe sich ver-\nsenkt, und sein Rauschen in Tönen wiedergegeben, für\nwelche es schlechthin keine Worte gibt. Das sind die gros-\nsen Instrumentalwerke unserer Heroen, und diese ehernen\nDenkmäler der Vergangenheit vertreten die über alles Ver-\nmögen der Wortsprache hinausgehende ureigene Macht\nder Musik für alle Zeit—und gegen jede „ „Zukunft\"\".\n\nAus Prag.\nMehrere äussere widrige Umstände wirkten heuer mit,\num die Concerte des hiesigen Conservatoriums in ihrer\ndurch die Statuten des Vereins zur Beförderung der Ton-\nkunst in Böhmen ohnehin sehr beschränkten Anzahl zu\nvermindern, deren Abhaltung erst bis in den April zu ver-\nzögern und die Wahl der Glanzpunkte in den Leistungen\ndes Instituts, der zur Aufführung zu bestimmenden Sinfo-\nnieen, Ouvertüren und selbstständigen Orchestralwerke\nüberhaupt zu beeinflussen. Der Beginn eines neuen Turnus\nder sechsjährigen Bildungszeit liess nur Schüler des ersten\nCursus disponibel erscheinen, und das den Herrn Director\nKittl betroffene Unglück eines Armbruches entzog den Lei-\n| ter des Instituts durch mehrere Monate seiner pädagogi-\nschen Wirksamkeit und verzögerte so die Vorbereitungen\nzu den Productionen seiner Zöglinge. Wir hatten dieses\nMal nur zwei Concerte und in diesen nur die Aufführun-\ngen von zwei Sinfonieen und einer Ouvertüre. Dass dieses\nMal Beethoven und die Repräsentanten der modernen\nSchule gänzlich fehlten, lässt sich nach dem Gesagten leicht\nerklären und noch leichter entschuldigen, weil die Wahl\nauf bewährte ältere Werke fiel und die Reproducirung\nderselben in der That nichts Wesentliches zu wünschen\nübrig Hess. Wenn wir diesmal abermals und besonders\nhervorheben, dass sich Kittl bei seinem ersten Erscheinen\nals Dirigent seines trefflichen Orchesters nach dem ihn be-\ntroffenen Unfälle besonderer Gunstbezeugungen von Seiten\ndes eben so glänzenden als zahlreichen Publicums zu er-\nfreuen hatte, so geschieht es zumal desshalb, weil dieselben\neine höhere Bedeutung als sonst haben; denn die Erfah-\nrungen, die dieser verdiente Künstler im vorigen Jahre bei\nGelegenheit der fünfzigjährigen Jubelfeier des Instituts und\nmit dieser des musicalischen Prag überhaupt gemacht, ver-\nlangten eine öffentliche Berichtigung von Seiten jener, wel-\nche die Verdienste des Dircctors um das ihm anvertraute\nInstitut aus Autopsie zu würdigen wissen, und mit diesem\nVerständnisse auch die. Ausfälle eines gewissen Correspori-\ndententhums au!' ihre letzten Gründe und Ungründe zu-\nrückzuführen vermögen. Das Publicum freut sich seines\nnationalen Instituts und ist sich seines Gedeihens auch jetzt\nnoch bewusst; denn Thatsachen sprechen deutlicher und\nwahrer, als gewisse Stimmen der periodischen Presse.\nWenn es heuer vielleicht auch hier Einige gab, welche\ndas Zurückgreifen zu Mozart und Spohr naserümpfend be-\ntrachteten, so ist das aus den angeführten Gründen nicht\nnur, sondern auch desshalb unbillig, weil Herr Director\nKittl während seiner langjährigen Wirksamkeit eine Ob-\njectivität bewiesen hat, welche uns unter seiner Aegide\nnicht nur alle Sinfonieen Beethoven's und Mendelssohn's,\nsondern auch die hervorragendsten Orchesterwerke Schü-\nmanns, Berlioz', Gade's, Liszt's und anderer Repräsentan-\nten moderner Musik in trefflicher Aufführung brachte,\nund mit dieser allseitigen Richtung seiner Thätigkeit den\nVorwurf einer etwaigen Einseitigkeit schon ipso facto und\nim Voraus gründlich beseitigte. Im ersten Concerte kam\ndie selten zur Aufführung gelangende D-efor-Sinfonie zu\nGehör. Das Werk bereitete allen Verehrern des Mozart'-\nsehen Genius einen grossen Hochgenuss, ja, war für die\nmeisten der Zuhörer eine Novität. Es ist die bloss aus drei\nSätzen bestehende ohne das Menuetto oder das Scherzo.\nDas in derselben musikfreudig pulsirende Tonleben, die Uep-\npigkeit des Schaffens, die Meisterhaftigkeit der künstleri-\nschen Anordnung sind wohl geeignet, jene Momente in den"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "197", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590618-01.1.5", "texte": "Hintergrund zu stellen, welche, wie überhaupt manche in\nanderen Werken des Meisters, eine Erinnerung an die so\neigenthümliehen, jetzt uns veraltet dünkenden costümlichen\nZeugen seiner Zeit wach zu rufen im Stande wären. Im\nzweiten Concerte brachte Kittl die D-moll-Sinfonie von\nSpohr, ein Werk seiner früheren Periode. Es trägt ganz\nund gar den Stempel der Individualität dieses subjectivsten\naller Ton-Poeten, und mithin alle anziehenden Vorzüge\ndieses Lyrikers ersten Ranges, aber auch die Schwächen\ndes in seine consequente Richtung gebannten Tonsetzers.\nDass auch dieser sinfonistische Flug jenem eines in seinen\nFittichen gelähmten Adlers gleiche, ist nicht zu läugnen;\naber die liebenswürdige Persönlichkeit des edlen Elegikers\nist eine so anziehende, dass wir dem Poeten auch unter\nsolchen Bedingungen unsere innigste Sympathie zuwenden\nmüssen. Von Ouvertüren kam diesmal nur eine, die zu\nBürger's „Der wilde Jäger\" von C. M. Kappel Ritter von\nSavenau zur Darstellung. Die Aufmunterung junger hei-\nmischer Talente ist gewiss die Pflicht jener, denen eine\nsolche obliegt. Dass aber Herr Kittl dem Componisten die\nAuszeichnung zu Theil werden iiess, sein Werk selbst in\neinem Concerte des Conservatoriums zu dirigiren, halten\nwir, gelinde ausgedrückt, für eine verfrühte Gunstbezeu-\ngung, für ein Zeichen gar zu aimabler Protection. Die\nOuvertüre zeugt von dem emsigsten Studium im Bereiche\nder Tonkunst, doch scheint uns, namentlich was die Instru-\nmentation betrifft, nicht Alles den beabsichtigten Zweck zu\nerreichen, abgesehen von dem Zwiespalt, der zwischen der\nformellen Festhaltung einer strengen Disciplin und dem\nWesen einer Programm-Musik liegt. •—ln einem Concerte\nzum Besten der Armen, bei welchem das Conservatorium\nmitwirkte, brachte Herr Director Kittl noch die Ouvertüre\nzu Lord Byron's „Manfred\", und es verdient besonders\nbetont zu werden, dass die Aufführung dieser mit En-\nsemble-Schwierigkeiten der mannigfachsten Art reich do-\ntirten Composition eine sehr gute war.\nNach den Ensemble-Leistungen, welche immer die\nGlanzpunkte der Concerte des Instituts bilden, müssen wir\nuns noch den Solo-Nummern der Programme zuwenden.\nIn dieser Beziehung geschah heuer in so fern eine Verän-\nderung, dass man den concertanten Vorträgen der Zög-\nlinge noch die zweier zur Mitwirkung beigezogenen Gäste\nbeifügte. Im ersten Concerte spielte Alexander Drei-\nschock Beethoven's Es-dur-Concert und einen MarcJte\ntriomphale eigener Composition. Dass der berühmte Mei-\nster im ersteren die ganze Vollkommenheit seines den To-\ntal-Eindruck eben so meisterhaft wie das minutiöse Detail\nbeherrschenden Künstlerthums entfaltete, während er im\nzweiten die bis zum höchsten Grade bewundernswerth aus-\ngebildete Virtuosität glänzen liess, bedarf wohl keiner be-\nsonderen Erläuterung. Der ausserordentliche Erfolg dieser\nöffentlichen Proben seiner vorzüglichen Leistungsfähigkeit\nist um so höher anzuschlagen, als Prag gerade heuer Ge-\nlegenheit hatte, den ersten Repräsentanten der Liszt'schen\nSchule, Herrn Hans von Bülow, kennen zu lernen, und\nmit der poetischen Clara Schumann sich dem Genüsse\nhöchster Künstlerschaft hinzugeben.—Der zweite Gast war\neine nicht minder bedeutende Notabilität, der einzige Cellist\nServais, der im zweiten Concerte sein C-wo/Z-Concert\nund Phantasie über slawische Melodieen spielte. Servais ist\nin der Virtuosenwelt wohl eine Erscheinung einziger Art.\nDem grossen, klangvollen Tone seines schönen Instrumen-\ntes, dem seelenvollen, poetischen Gesänge seines Bogens\ngesellt sich eine Technik bei, die, so wie jene Dreischock's\nauf dem Tasten-Instrumente, als eine vollkommene bezeich-\nnet werden kann. Zu den Wundern in allen Arten der\nBogenfiihrung, zu den staunenswerthen Flageolets, den\nArpeggien, dem mehrstimmigen Spiele, Alles in reinster\nIntonation, kommen noch eine Menge von scheinbaren Un-\nmöglichkeiten, z. B. die Illusion mit Tönen unter der gros-\nsen Octave, welche um so mehr zündend wirken müssen,\nals neben den oft absonderlichen Bizarrerieen einer höch-\nsten Virtuosität wahrhaft künstlerische, poetische Momente\nauftauchen, die eine höhere Bedeutung haben, als bloss\nStaunen zu erwecken. Von dem Erfolge des Künstlers noch\nbesonders berichten zu wollen, wäre wohl überffüssig. Dass\ndie unmittelbare Nähe solcher Leistungen jene der Zög-\nlinge als Solisten nothwendig beeinflussen müssen, und zwar\nnicht im günstigen Sinne des Wortes, begreift sich; auch\nvon der Empfänglichkeit des Publicums für die zumeist\nersten Proben werdender Virtuosen gilt dasselbe. Nament-\nlich kann dieses von den weiblichen Debütanten gelten,\nund so schreiben wir das mindere Gelingen zweier Opern-\nschülerinnen nicht nur ihrer bedeutenden Befangenheit,\nsondern auch der minderen Empfänglichkeit der Zuhörer\nzu. Auch ein Violinist, welcher im ersten Concerte die zwei\nletzten Sätze aus Molique's fünftem Concerte spielte,scheint\nsowohl was den Vortrag als was den Erfolg betrifft, unter\ndiesem Umstände gelitten zu haben. Glücklicher waren\nzwei Solisten des zweiten Concertes. Der Clarincttist erhielt\nnach dem Vortrage eines Beer'schen Divertissements\nwohlverdienten Beifall, und wahrhaftes Furore machten\nneun Geiger, welche im vierstimmigen Einklänge der Prin-\ncipal- und im fünfstimmigen der zweiten Stimme in einem\nDuo concertantevon Allard das Beste leisteten, was man\nsich in dieser Beziehung denken kann. Die Production war\nso eminent, dass sie auf Verlangen in dem schon erwähn-\nten Extra-Concerte zum Besten der Armen wiederholt\nwerden musste, und bildete den Glanzpunkt der heurigen\nSolo-Vorträge. Als Resultat können die heurigen Erfolge"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "198", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590618-01.1.6", "texte": "des Conservatoriums nur höchst befriedigend genannt wer-\nden, und dürfen wir, wenn es das Verhängniss der jetzigen\nZeiten nur einiger Maassen zulässt, den weiteren Phasen\ndes Conservatoriums um so getroster entgegensehen, als\nso ausserordentliche hemmende Umstände, wie die heuri-\ngen, hoffentlich nicht so bald wiederkehren werden.\n\nDas Erinnerungsfest an Händel in London.\nDie Vorbereitungen zur Säcularfeier Händel's, der im\nJahre 1759 starb, wurden von der iSacred\nciety in London schon im 31onat November des Jahres\n1856 begonnen, und im Jahre 1857 fand bekanntlich\nim Krystallpalaste bereits ein Händel-Fest in grossartigem\nMaassstabe Statt, gleichsam eine Vorfeier und zugleich eine\nProbe, um praktische Erfahrungen über den Bau der Or-\nchesterbühne, Aufstellung der mitwirkenden Massen und\nAkustik zu machen.\nDas Querschiff (The Central Transept) des Krystall-\npalastes, in welchem das ungeheure Concert gehalten wer-\nden wird, ist 360 Fuss lang und an 216 Fuss breit und\nenthält einen Flächenraum von 77,760 Quadratfuss, dazu\nmehrere Reihen von Galerieen.\nBei dem Concerte im Jahre 1857 hatte man beobach-\ntet, dass die damalige Masse der Ausführenden in Chor\nund Orchester doch nicht den erwarteten übermächtigen\nEindruck machte, dass namentlich der Klang der Chöre\nden Raum des Querschiffs nicht vollständig ausfüllte. Man\nbeschloss desshalb, die Zahl der Mitwirkenden für das ge-\ngenwärtige Fest auf 4000 zu steigern.\nDer Prospect versichert, dass diese ungeheure Masse\nder Ausführenden nicht willkürlich oder durch Laune fest-\ngesetzt worden, sondern dass sie das Ergebniss eines sorg-\nfältigen Studiums und des Gutachtens von Musikern und'\nFestordnern sei, die sich häufig mit der Anordnung gros-\nser Musikfeste beschäftigt hätten. Wir bleiben indess der\nMeinung, dass, so wie der akustische Bau seine durch die\nTheorie noch nirgends unfehlbar gelös'ten Räthsel hat,\nauch die Klangwirkung von Massen in bestimmten Räumen\nsich nicht berechnen lässt. Die Erfahrung scheint zu lehren,\ndass es eine gewisse Gränze gibt, innerhalb welcher sich\ndie Stärke des Klanges im Verhältniss zu der Zahl der\nStimmen und Instrumente steigert: über diese Gränze hin-\naus findet nicht dieselbe Proportion Statt. Es ist aller-\ndings ein grosser Unterschied, ob ein Chor von 20 oder\nvon 200 Stimmen singt; aber zwischen einem Chor von\n200 und von 2000 Stimmen entspricht das Klangverhält-\nniss keineswegs dem arithmetischen, was wir besonders\nbei grossen Männer-Gesangfesten häufig beobachtet haben,\nnamentlich bei dem internationalen belgisch-deutschen\nFeste in Köln im Jahre 1846, wo im Gürzenichsaale die\n2000 Sänger keine grössere Wirkung machten, als sonst\ndrei- bis vierhundert.\nMan hat ferner im Krystallpalaste mehrere Vorrichtun-\ngen getroffen, die Einfluss auf das Concentriren des Klan-\nges und das Auswerfen des Schalles haben werden. Man\nhat hinter dem Orchester und der Orgel her eine starke\nBretterwand gezogen, die ihre ovalen Seitenwände bis an\ndie ersten Reihen der Tonbühne ausdehnt; die Stufen der\nBühne steigen bergähnlich bis zu gewaltiger Höhe empor,\nund über das ganze Orchester hin ist etwa auf halber Höhe\ndes Querschiffes ein Schalldach von dichtem, repercutiren-\ndem Material angebracht. Man spricht sogar von einer Er-\nfindung für die Schallverstärkung der Solostimmen (?). Die\nBühne umfasst die ganze Breite des Schiffes von 216 Fuss\nund hat von der Vorderwand bis zur Mitte des Ovals hin-\nter der Orgel eine Tiefe von 100 Fuss. Der Durchmesser\nderselben beträgt gerade das Doppelte des Durchmessers\ndes Raumes unter der Kuppel der Paulskirche.\nDie Direction versichert, bei der Zulassung der Dilet-\ntanten zum Chor sehr vorsichtig gewesen zu sein. In Lon-\ndon selbst zählt die Dilettanten-Abtheilung im Chor 1600;\nsie studirt die zur Aufführung bestimmten Sachen schon\nseit vielen Monaten in Exeter Hall, dem Locale der\ncred Harmonie Society.\nBei den Erörterungen über die Wahl der Musikwerke\nzur Aufführung musste ausser der künstlerischen auch die\nökonomische Rücksicht zur Geltung kommen, da die un-\ngeheuren Kosten auch eine möglichst reiche Einnahme\nwünschenswert!] machten. Man beschloss desshalb, nicht\nden seltener gehörten und also gewisser Maassen neuen\nWerken Händel's den Vorzug zu geben, sondern vielmehr\ndenjenigen, mit deren Inhalt und Schönheiten das Publi-\ncum bereits vertraut ist. Man glaubte - und wohl mit\nvollem Rechte —, dass nicht so sehr der Reiz der Neuheit\nder Werke, als die grossartigen Proportionen und die Voll-\nkommenheit der Ausführung der bekannten und geliebten\nMeister-Schöpfungen die lebhafteste Theilnahme erregen\nwürden. So hat man sich denn zu folgendem Programm\ngeeinigt:\nMontag, den 20. Juni Der Messias.\nMittwoch, den 22. Juni Das Dettinger\nD eum Auswahl aus den Oratorien: Saul,\nSamson, Belsazar, Judas Maccabäus.\nFreitag, den 24. Juni lsrael in Aegypten.\nEcht englisch ist die Ankündigung, dass die „Erin-\nner ungs wo che\" auch ausser den Tagen der grossen\nConcerte Gelegenheit bieten wird, Händel's Genius in den\nverschiedensten Gestalten zu feiern, indem die Harmonie-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "199", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590618-01.1.7", "texte": "Musikcorps in dem Palastgarten während des Springens\nder Fontainen Märsche, Menuetts und andere Compositio-\nnen von Händel, namentlich auch dessen Wassermusik\nund Feuermusik (?), spielen werden, und an den Zwischen-\ntagen eine Auswahl aus dessen italiänischen Opern und\nanderen weltlichen Werken im QuerschifF von der ver-\nmehrten Krystallpalast-Capelle unter Direction des Herrn\nManns ausgeführt werden würden.\nDie Eintritts-Preise sind folgende: Ein numerirter Sitz\nim Centrum 1 Guinee, für alle drei Tage 2% Guinee.\nEin Sitz an den Seiten des Centrums % Guinee, für\ndie drei Tage 25 Shill. Auf den beiden Galerieen ein\nSitz in den Vorderreihen für alle drei Tage fünf, in den\nHinterreihen 2% Guinee. Dabei ist, wie der Prospect\nsagt, auf die Wohlfeilheit der Plätze Rücksicht genommen!\nNeuerdings sind auch Plätze im Langschiffe zu beiden\nSeiten des Querschiffes für 5 Shill. eingerichtet. Der Zu-\ndrang ist trotz der Zeitverhältnisse ausserordentlich gross,\nso dass man sogar noch von einer neu zu errichtenden\nGalerie über dem Orchester spricht.\nDie Proben haben schon längst in Exeter Hall begon-\nnen. Dirigent der Aufführungen ist Costa. Die wirkliche\nMasse der Ausführenden besteht aus 242 Violinen und\nBratschen, 120 Violoncells und Contrabässen und mehr\nals 100 Blas- und anderen Instrumenten. Dazu die grosse\nOrgel und ein Chor von 2700 Personen, zusammen also\nüber 3000. Die Hauptprobe am 18. Juni ist öffentlich\ngegen ein Eintrittsgeld von 7 % Shill. Für die Bericht-\nerstatter der londoner und der Provincial-Presse sind be-\nsondere Sitze vorbehalten.\nEin Händel-Saal wird im Krystallpalaste eingerich-\ntet. Händel's Autograph-Partituren vom Messias, Israel in\nAegypten und dem dettinger viele Briefe des-\nselben, Partituren, aus denen er dirigirt hat, sein Bild aus\ndem Buckingham-Palaste, mehrere Statuen und Portraits,\ndie Ausgaben seiner Werke u. s. w. werden darin ausge-\nstellt und aufgelegt werden.\n\nLiterarische Anzeigen.\n\nDie „Vorschläge zu einer gründlichen Re-\nform in der Musik\" u. s. w. von Karl Bernh. Schu-\nmann— Berlin, Gsellius'sche Buchhandlung enthalten\nauf 24 Octavseiten die Auseinandersetzung eines neuen\nTon- und Noten-Systems nebst der Beschreibung einer nach\ndiesem System construirten Tastatur des Claviers. Es ist\nalso von einer doppelten Reform die Rede, einer theoreti-\nschen und einer mechanischen, und da die erstere ohne die\nletztere nicht wohl anwendbar ist, so ist freilich fürs Erste\nwenig Aussicht vorhanden, dass der Reformator durchdrin-\ngen wird, zumal da sein System eine völlig neue Noten-\nschrift und seine Tastatur eine völlig neue Applicatur und\nneu zu erringende technische Fertigkeit verlangt. Den Ver-\nfasser leitet ein Vereinfachungs-Princip, wobei, wie schon\nso manchmal bei früheren Versuchen der Art, z. B. von\nHeringen, Aeusserlichkeiten, namentlich die Vorzeichnun-\ngen für Erhöhung und Erniedrigung der Töne, die wich-\ntigste Rolle spielen und als Schwierigkeiten, ja, Hinder-\nnisse der Verständlichkeit des Tonsystems bezeichnet wer-\nden, die weggeräumt werden müssten. Unsere gegenwärtige\nTastatur auf Orgel und Ciavier erscheint ihm als durchaus\nunregelmässig, weil auf der unteren Tastenreihe ganze und\nhalbe Tonstufen liegen, und weil vollends die Obertasten\nzum Theil um eine, zum Theil um eine und eine halbe\nStufe von einander entfernt sind. Um allen Tonleitern Eine\nund dieselbe Lage zu geben und eine regelmässige Grund-\nlage zu gewinnen, könne nur die chromatische Tonleiter\nals Basis gebraucht werden. Der Verfasser kam daher auf\nden Gedanken, alle Tasten [c u. s. w.) in eine\nEbene zu legen (!), ging aber davon ab, „weil das Piano\nalsdann wenig übersichtlich und die Tasten bei gleicher\nBreite zu schmal für den sichern Anschlag geworden wä-\nren\". An die Unmöglichkeit der Applicatur mit steter\nUeberspringung einer Taste zwischen jedem ganzen-Tone\nscheint er nicht gedacht zu haben. Jetzt aber hat er die\nTasten in zwei Reihen, obere und untere, wie bisher, ge-\nordnet, aber so, dass jede Octave von zwölf Halbtönen\nsechs Unter- und sechs Obertasten hat, deren re-\ngelmässige Entfernung von einander stets nur eine halbe\nTonstufe beträgt. Dadurch kommt folgende Tastatur\nheraus:\nJede j%<r-Tonleiter beginnt demnach mit drei Tönen der-\njenigen Tastenreihe, auf welcher man sie beginnt; darauf\nfolgt der halbe Ton, mit dem man auf die andere Tasten-\nO s\nreihe übergeht und dann mit den drei folgenden Tonen\nauf dieser anderen bleibt; z. B. Unten Oben\nfaa h. - Cis-dur: Oben eis dfc f, Unten fis gis als c.\nMan sieht, das ist regelmässig genug; aber wo bleibt das\nharmonische System, da der Verfasser kein eis, his, kein\ndes es as bu. s. w. kennt? Bei den i¥ö//-Tonarten ist es\nauch selbst mit der Regelmässigkcit schon vorbei, da z.B.\ndes Verfassers C-moK-Tonleiter so aussieht:\nund abwärts:"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "200", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590618-01.1.8", "texte": "Das Noten-System möge man in dem Schriftchen selbst\nnachlesen, da das Obige hinreicht, um auf die Ideen des\nVerfassers aufmerksam zu machen.\nDie „Allgemeine Musiklehre\" von Joseph\nProksch (Director einer Musik-Bildungsanstalt in Prag)\n—Prag, bei Karl Bellmann, I. 92 S. 11. 148 S. in 8. Pr.\n1 Fl. 48 Kr.—, ist in Frage- und Antwort-Form geschrie-\nben, eine freilich etwas veraltete und trockene Manier. Der\nInhalt ist aber ausführlicher, als die Katechismus-Form er-\nwarten lässt. Er zerfällt in zwei Haupt-Theile: I. Die\nTonlehre, in 10 Abschnitten, und: 11. Die Rhythmik,\nin ebenfalls 10, jedoch grösseren Abschnitten, überall mit\nvielen in den Text gedruckten Noten-Beispielen und zweck-\nmässigen Aufgaben für Schüler zur Einübung des Vor-\ngetragenen. Alles Gegebene bezieht sich nur auf die Musik\nim Allgemeinen; über Einzelnes, sonst auch zur „allgemei-\nnen Musiklehre\" Gerechnetes, z. B. Natur und Umfang\nder verschiedenen Instrumente, u. s. w. enthält das Buch\nnichts. Es kann für den gewollten Zweck als recht brauch-\nbar gelten.\n\nL.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nM.-GSlaslfo Stell. Bei unseren Winter-Coucerten offenbarte sich\neine rege Strebsamkeit des Gesang-Vereins und seines Dirigenten.\nDas erste brachte das Clavier-Concert in Es-dur von Beethoven, von\nHerrn Lange gespielt, und den Lobgesang von Mendelssohn, bei\nwelchem der Chor dureh Sicherheit einiger Maassen ersetzte, was an\nMassen, die dieses Werk eigentlich verlangt, ihm abging. Die Vier-\ncck'sche Capelle von Crefeld trug wesentlich zur gelungenen Auf-\nführung bei. In dem zweiten Concerte hörten wir den „Samson''\nvon Händel. Wir lernten darin eine angehende Sopran-Sängerin aus\nKöln, Fräulein Saart, kennen, welche zu schönen Hoffnungen für\ndie Zukunft berechtigt. Die anderen Solo-Partieen waren in Händen\nhiesiger Dilettanten, unter denen namentlich die Altistin durch ihre\nschöne Stimme und edlen Vortrag der Hauptpartie sehr gefiel.\n2G. Mai. Nachdem vor einigen Wochen der Musicali-\nsche Verein hier sein einunddreissigstes Concert gab, in welchem\nunter anderen ein neues, höchst anerkennenswerthes Orchesterwerk\nvon W. Tschirch (sinfonische Phantasie mit dem Motto: „Warum\nwill nie das Leid der Seele enden? Vertrau1 auf ihn, er wird's zum\nHeile wenden !\"j zur Aufführung gebracht worden war, beschloss der\nVerein die diesjährige Saison gestern mit der Aufführung des in der\nneueren Zeit mit Recht Aufsehen erregenden grossen Oratoriums\n„Jephta und seine Tochter'' von C. Reinthaler. Das schwierige\nTonwerk wurde uns nach allen Seiten hin in gelungenster Weise\nvorgeführt und bewies, dass der musicalische Dirigent des Vereins\n(Capellmeister Tschirch) zur Einübung desselben weder Zeit noch\nMühe gespart hatte. Die Partie des Jephta hatte Herr Sabbath\naus Berlin übernommen und führte dieselbe, wie sich von dem rühm-\nlichst bekannten Oratoriensänger nicht anders erwarten liess, in tüch-\ntigster Weise durch. Fräul. v. Vaernewyk aus Leipzig (Schülerin\ndes dasigen Conservatoriums) sang die Partie der Mirjam. Die junge\nKünstlerin, im Besitz eines in allen Stimmlagen klangvollen Organs,\nerwarb sich ebenfalls den Beifall der zahlreich versammelten Zuhö-\nrer. Chöre und Orchester wetteiferten, zum Gelingen des Ganzen das\nIhrige redlich beizutragen.\nEine neue einactige Oper von Julius Rietz ist\nhier am 25. Mai zur ersten Aufführung gekommen. Der Text, von\nErnst P asque, behandelt die Sage von der verpfändeten und wie-\nder eingelösten Viola di Gamba Georg Neumark's, der Anno 1681\nals hochfürstlich sächsischer Geheim-Archiv-Secretär und Bibliothekar\nzu Weimar starb, und dessen Andenken sich durch seine geistlichen\nLieder erhielt, vornehmlich durch das bekannte: „Wer nur den lie-\nben Gott lässt walten\" u. s. w. Die Oper heisst: „Georg Neumark\nund seine Gambe\" Ueber ihren Erfolg schweigen die Blätter.\nMünchen« Mozart's „Idomeneo\" wurde hier nach langer Ruhe\nin den letzten Mai-Tagen wieder aufgeführt. Die Besetzung durch\ndie Damen Schwarzbach, Diez, Maximilian und die Pierren Heinrich,\nStrohl u. s. w. war eine befriedigende und die Aufnahme der Oper\neine günstige. Idomeneo wurde am 29. Jänner 1781 unter Mozart's\npersönlicher Leitung auf der hiesigen Holbühne zum ersten Male,\nund zwar mit beispiellosem Erfolg gegeben.\nDer geniale Balladen-Componist Karl Löwe hat eine Oper in\nseinem Pulte liegen: „Emmy\", Text nach Walter Scott's Roman\n„Kenilworth\".\nVon den hinterlassenen Schriften Carl Maria von Weber's wird\neine zweite vermehrte und verbesserte Auflage seit Jahren vom\nSohne des Componisten, Max Maria von Weber, vorbereitet. Die\nerste Ausgabe der „hinterlassenen Schriften von Carl Maria von We-\nber c wurde sofort nach dem Tode des Componisten von Theodor\nHell (Hofrath Winkler) veranstaltet und erschien 1827 und 1828 in\ndrei Bänden. Dieselbe Sammlung wurde als zweite Ausgabe im Jahre\n1850 noch einmal versandt. Die demnächst zu erwartende zweite\nAuflage wird von einer Biographie Weber's hegleitet sein, welche sein\nSohn nach den Tagebüchern und Briefen des Verewigten bearbeitet.\nWien. Es werden jetzt durch den Karten-Fabricanten Herrn\nSageder Original-Theater-Whistkarten angefertigt, die dadurch, dass\ndie zwölf Figuren des Speeles Portraits der ersten Mitglieder des\nk. k. Hofburgtheaters enthalten, ihrem Titel entsprechen. Die vier\nKönige zeigen die Portraits der Herren Anschütz, Fichtner, La Roche\nund Löwe; jene der vier Damen die der Fränlein Bossler, Frau Ga-\nbillon, Fräulein Gossmann und Frau Rettich, und jene der vier Va-\nlets die der Herren Baumeister, Lewinsky, Sonnenthal und Joseph\nWagner. (!)\nMarie Wieck lässt sich in London nicht nur als Clavierspie-\nlerin, sondern auch als Sängerin hören."}]}