{"numero_id": "bm-bmtnabi-1859-07-23-01", "volume": "bmtnabi_1859-07-23_01", "ocr_sha256": "8293f000ee68a8b0f3da07cc994edce1e132797f9289afcf068a09365a4e27ca", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1859/07/23_01/bmtnabi_1859-07-23_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590723-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1859-07-23-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-07-23_01#c001", "volume": "bmtnabi_1859-07-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "233", "page_fin": "233", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590723-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "233", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590723-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 314, "texte": "Inhalt.\nNatur und Geist in Tönen. Yon Dr. Ed. Krüger. Franz Joseph Gossec. 111. Aus Wiesbaden\n(Concert). Von h. Theaterjahr 1858—J859 in Berlin. Tages- und Unterhaltungsblatt (Wien, Deutsche Oper, Italiänische\nOper Schwalbach, Musicalische Soiree Arnheira London, Karl Formes Pesth, Theater-Zustände Anton Ascher)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-07-23-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-07-23_01#c002", "volume": "bmtnabi_1859-07-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "233", "page_fin": "236", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590723-01.2.2", "titre_corps": "Natur und Geist in Tönen.", "titre_sommaire": "Natur und Geist in Tönen.", "signature_source": "Ed. Krüger", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "233", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590723-01.1.1", "debut_caractere": 316, "fin_caractere_exclue": 4099, "texte": "Natur und Geist in Tönen.\nVon Dr. Ed. Krüger.\nUeber die Natur und Wirkung, Geist und Bedeutung\nder Töne sind wiederholentlich Untersuchungen angestellt,\nderen Ergebniss noch nicht abgeschlossen ist. Sei es daher\nerlaubt, dieselben fortzuführen und ihre endliche Lösung\nvorbereiten zu helfen.\nDie Frage, woher die Töne stammen, näher gesagt:\nwo unser heutiges Tonwesen begründet sei, ist zwar mehr\nphilosophischer als praktischer Bedeutung; doch gehen die\nConsequenzen der philosophischen Ergebnisse an vielen\nStellen unmerklich ins Praktische, in die Lebensäusserung\nder Tonübung hinüber. Umgekehrt auch sind viele Fragen\nnach Temperatur, Tonhöhe, Klangfarben, Tongeschlecht\nu. s. w. zwar dem Wesen nach praktisch, aber wer ihnen\nernstlich nachgeht, findet die Fäden der Untersuchung weit\nzurückgehend in das Gebiet des i'dealen Gedankens. Wir\nhaben daran ein Beispiel, wie unzerreisslich Denken und\nSein, Logos und Leiblichkeit verbunden sind.\n„Liegt der Urgrund der Musik ursprünglich im Men-\nschen, oder empfängt der Mensch ihn durch die Wirkung\nder Aussenwelt auf seine Organisation?\" Also stellt Fetis\ndie Fragen in der Niederrheinischen Musik-Zeitung, 1858,\nNr. 39, und entscheidet sich für die Bejahung der ersten\nFrage: der Mensch habe die Musik wollend, wissend, er-\nkennend erschaffen. Die Beweisführung geht davon aus,\ndass alle Versuche, die aussermenschliche Entstehung\ndes Tonsystens darzuthun, poetische Träumereien, philoso-\nphische Hypothesen seien, „Behauptungen ohne Be-\nweis\" (1858, S. 306).—Nach dieser verneinenden (apa-\ngogischen) Wendung sollte man meinen, dass die Behaup-\ntung von der menschlichen Erfindung, an welcher Fe-\ntis festhält, desto bewiesener wäre, und zwar nicht\nin verneipender, sondern bejahender Weise—-nicht apago-\ngisch, sondern thetisch, deduetiv. Aber nein! Eben so un-\nbewiesen und quasi re lene gfährt der Verfasser fort:\n„Der Mensch allein ist die Ursache, der Urgrund seiner\nMusik\" u. s. w., ohne den Schatten eines Beweises zu brin-\ngen, ausser jener Abweisung des Gegners. Es ist aber nicht\nlogisch, die Wahrheit durch Subtraction und Negation\nfinden zu wollen, wie jener Advocat: „Du hast Unrecht,\nfolglich habe ich, dein Gegner, Recht.\"\nWir ermüden die Leser nicht mit Widerlegung aller\neinzelnen Betrachtungen des berühmten Musikgelehrten,\nund verweilen nur bei der Erwägung des Wortes Natur,\nNatur-Tonleiter u. s. w. Das allerdings ist gewiss: die\nNatur im eigentlichen Sinne ist entweder gar nicht oder\nnur in sehr zweifelhaften Fällen die Erzeugerin musica-\nlischer Töne. Denn dass die Natur Schälle, Töne, Klänge\nu. dgl., woran die älteren kursächsischen Theoretiker einen\nundankbaren Fleiss verschwendeten, hervorbringt, wie z.\nB. Sturmessausen, Bachesrieseln, Vogelgesang, das wissen\nwir freilich. Aber menschlich musicalische, d. h. harmo-\nnisch messbare, harmonisch bezügliche Töne wissen wir in\nder Natur nicht nachzuweisen. So ist z. B. „das eigenthüm-\nliche Pfeifen des Sturmes auf der von der Esse (Schorn-\nstein) gebildeten grossen Orgelpfeife\" (Chrysander, 1855,\nS. 99) kein reines Naturproduct, weil die Esse von Men-\nschenhand gebaut ist; imgleichen die Töne der Aeolsharfe\ntönen aus einem Gebild der Menschenhand, wenn auch\nder Wind ohne Menschenhand den Ton erregt. Eher möchte\nman den eigenthümlichen Klang, den der Windhauch in\nder Fingalshöhle und irgendwo auf der Insel Ceylon erzeu-\ngen soll, als einen Naturton erkennen—wenn die Sache\nvon wissenschaftlichen Tonkünstlern untersucht und erwie-\nsen wäre. Ein Gleiches gilt von den musicalischen Tönen\nächzender Schiffstaue, wovon man einst fabelte.\nMit allem dem ist aber nicht bewiesen, dass der\nMensch, sei es durch Erkenntniss-, Gefühls- oder Wil-\nlens-Vermögen (1858,306), der reine Selbstschöpfer\nder harmonischen Musik sei. Nur diese, die harmonisch-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "234", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590723-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5331, "texte": "künstlerische Fassung der Töne ist es, welche hier der\nUntersuchung unterliegt; und hier zeigt die Erfahrung:\ndes Menschen „Verstand und Urtheil der Gesetzmässig-\nkeit\" (Fetis, S. 307 b) reicht II i Cll t aus, die Urharmo-\nnie schöpferisch zu erfinden. Wie wenig Verstand,\nBewusstsein, Willenskraft hier wirke, wie vielmehr ein\nunerklärlicher, unbewusster Naturgrund illl Men-\nschen, das beweiset Mozart's Kindheit, die sich schon im\ndritten Jahre an gefundenen—nicht erfundenen—Terzen\nfreute, die Secunden aber verabscheute, ohne dass weder\nsein Wille noch seines Vaters Lehre diese Empfindung ge-\nregelt hätte; auch beweiset es sich in der Erfahrung mäs-\nsig tonbegabter Menschen, die am Dreiklange Wohlgefal-\nlen finden, bei der Minder-Septime ängstlich werden, ehe\nes ihnen gelehrt ist. Die angenehmen und unangeneh-\nmen Gefühle beim Zusammenklang gewisser Töne— „was\nist das alles anders als eine Reihe von Folgen eines Ge-\nsetzes der Tonverhältnisse und ihrer Beziehungen auf ein-\nander, welches in der menschlichen Natur liegt, und\ndessen wir uns aus Instinct bewusst werden?\" (Fetis,\n306—307.) Richtig! Aber hiermit sind in Wirklichkeit\nalle früheren Behauptungen der willenskräftigen\nSelbstschöpfung der harmonischen Musik abseiten des\nMenschen-Verstandes widerlegt, und das von dem-\nselben Fetis, der sie zu beweisen sich anheischig macht.\nWo ist nun hier die logische Lücke, da wir wenig-\nstens alle gewiss sind, dass die reine Natur so wenig als\nder reine Willensgeist die harmonische Musik schafft?\nDie Lücke liegt in der willkürlichen Aufstellung des Ge-\ngensatzes selbst. Die Begriffe „Natur und Geist\" sind\nvieldeutig, dem Streite der Schulen unterworfen; diese\nmüssen näher bestimmt werden für jede Einzelwissenschaft,\num hülfreich zu sein; reine Natur, reiner Geist genügt\ndesshalb nicht, weil zwischen beiden noch unendlich viele\nGlieder vorhanden sind, was schon die gangbaren Aus-\ndrücke: Menschennatur, Seelennatur,—Naturgeist, Welt-\ngeist u. s. w. deutlich darthun.\nEines dieser unendlich vielen Glieder zwischen den\nEndpunkten, welche Natur und Geist gleichmässig anrüh-\nren, ist die Mathematik. Ist sie Natur? Nein; die ganze\nNatur zeigt kein streng mathematisches Gebilde. Ist sie\nA\\illensgeist, ethischer, hewusster Geist? Nein; ihre Ab-\nstractionen sind ohne Gemüth, Ethik, Seelenleben; sie sind\nreine Formen der Abstraction, gedacht, nicht wirklich.\nSo möchte sie dem Geiste verwandter scheinen als der\nNatur; und doch zeigt sie und lehrt sie überwiegend na-\nturhafte (kosmische) Verhältnisse, vom Willensgeist (Ethos,\nethischen Geiste) so unabhängig, dass der orthodoxe Leib-\nnitz ausrufen konnte: „Die Mathematik scheint ohne Gott\nzu sein; der Atheist wie der Gläubige begreifen gleicher\nMaassen, dass zweimal zwei vier ist; das unterscheidet\nsie von allen anderen Wissenschaften, deren Gestalt durch\nTheismus und Atheismus überall wesentlich berührt\nund verändert wird\" (nach dem Gedächtnisse, nicht\nwörtlich citirt).\nDiese Mathematik nun, die zwischen Himmel und Erde\narbeitet, zwischen Natur und Geist sich bewegt und Bei-\ndes nicht ist, deren Stellung zu bestimmen, den Philoso-\nphen wohl noch lange Zeit Mühe machen wird: sie mit\nihrer Tochter Physik (Akustik) ist es, die auch von Fetis\nS. 318 zwar in ihrem Rechte äusserlich anerkannt, aber\ndabei innerlich doch nicht erkannt ist; denn selbst die am\nSchlüsse seiner Betrachtungen hingestellten Axiome halten\nkeineswegs Natur und Geist deutlich begränzt aus einander.\nDesto gewisser erscheint aber das nunmehr durch Fetis'\nwiderwilliges Zeugniss bestätigte Ergebniss: „Die Grund-\nverhältnisse der Harmonie werden vom Menschen instinct-\nmässig in seiner Natur (Natürlichkeit, yv%rj\nempfunden; also sind sie II 1 C Ii t Schöpfungen des freien\nWillensgeistes, sondern ausser dem bewussten Willen\ndes Menschen, also auch ausser seinem Verstände oder\nüber demselben.\"\nDer Urgrund der harmonischen Tongestalten ist über\ndem Menschen, gleichwie alle jene Mächte, die wir als\nZwischenmächte bezeichnen und deren sich bei weite-\nrem Nachdenken mehrere finden, als unsere Schuldenk-\nlehren aufzuzeichnen gut finden. Solche Begründung auf\npbysicalischer Mathematik gereicht unserer Kunst nicht zur\nSchande, obwohl Hegel das gern behauptet, um ihr Eines\nanzuhängen. S. Aesth. 3, 161. Es sind nämlich unzweifel-\nhaft die besonderen übermenschlichen, d. h. nicht von Men-\nschen erdachten, sondern physicalisch-natürlichen Grund-\nmächte unserer Musik, Rhythmus und Harmonie. Sie\nsind desshalb nicht seelenlos, weil sie der Mensch nicht\nerfunden hat; ja, sie haben mystisch-überwältigende Wir-\nkung auf die Seele des Menschen, welche sich hier leidend,\nnicht zeugend verhält.\nDass es mystische Gewalten selbst in der als ra-\ntionalistisch verrufenen Mathematik gibt, ist übrigens je-\ndermann offenbar, der nicht die ratio des Rationalismus\nals ultima ratio aller Weltweisheit anbetet. Ein Beispiel:\nWie geht es zu bei der quadratischen und cubischen Po-\ntenzirung? Durchaus mystisch, mindestens den ersten\nGrundsätzen der reinen Mathematik entgegen. Denn\nbei der Quadratrechnung scheinen aus Linien Flächen\ngemacht zu werden—3X3'=9DFUSS—bei der Wür-\nfelrechnung aus Flächen Körper—3x3x3'=27 Ku-\nbikfuss—, was Beides der rationellen Definition von\nLinie, Fläche, Körper zuwider ist; und dennoch bewährt\nes sich. Auch die Wahrscheinlichkeits- und Unendlichkeits-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "235", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590723-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5344, "texte": "Rechnung geht über die rat des definibel Messbaren\nhinaus und hat dennoch mathematisch bewährte Gültigkeit.\nDas Ergebniss hiervon ist nun: Die Mathematik ist\nirfcht Natur, sie ist auch nicht menschliches Geschöpf aus\nKraft des Willens; sie ist vom Menschen gefunden, nicht\nerfunden, also ist sie über dem Menschen und doch auch\nin ihm.\nEin Gleiches zeigt sich nun bei den musicalischen\nGrundgewalten des Rhythmus und der Harmonie. Der\nRhythmus ist eine Gewalt über und ausser dem Men-\nschen, Ilicllt vom Menschen gemacht oder gar, wie die\nschale und kahle Erklärung des Rationalismus will, dazu\nausgesonnen, um die Massen zu theilen und die\nTheile besser zu übersehen. Den Reweis einer höhe-\nren Auffassung lehrt die höhere Messkunst an Pendel und\nWellenschlag. Der Pendel ist gleichwie Schornstein (Esse),\nSaite, Glocke und Aeolsharfe kein Naturproduet, da-\nher seine Resultate menschliche Abstractionen, d. h. Ab-\nnehmungen, nicht Schöpfungen; er lehrt die bei richtiger\nAbwägung der Schwere regelmässigen, unabänderlichen\nSchwingungen eines unbelebten Dinges. Der Wellen-\nschlag ist dagegen von Naturgewalt durchzogen; es ist\nin ihm ausser der reinen Gleichmässigkeit ein durch hö-\nheres Leben erwirkter Ueberschwang, ein Erhöhen\nund Ermatten, eine Ungleichheit im idealen Gleichgewicht.\nDieser ursprüngliche Rhythmus ist der der Zwei, des rei-\nnen Gegensatzes, daher die Zweitheilung die weit über-\nwiegende, gleichsam „natürliche\" ist; der Tripel-Rhyth-\nmus scheint menschliche Erfindung. Diese nicht pen-\ndelhaft natürliche, sondern natur-geistige Erhöhung des\nelementaren Rhvthmus benannten die alten Tonlehrer\n«J\nmensura perfecta; der Tripeltact hiess perfectio, der\nDupeltact imperfecta, nach alter mystischer Lehre dess-\nhalb, weil Drei die vollkommenste Zahl und ein Abbild\nder Dreieinigkeit sei, vielleicht auch aus dem unbewussten\nGrunde, weil sie erkannten, dass die Dreitheilung eine\ngeistig bewusste, menschliche Erfindung sei gegenüber der\nelementar-natürlichen Zweitheilung. Alles dieses mochte\nHegel, der Musikfeind, nicht begreifen, weil ihm die An-\nschauung fehlte; er behauptet vom Wellenschlag und Mu-\nsik-Rhythmus dasselbe, was dem todten Verstandes-Gleich-\ngewicht des Pendels zukommt*)—und jeder Gesang, jede\nSaitenschwingung konnte ihn des Gegentheils belehren;\ndenn alles Lebendig-Erregte, sogar die Sternenbahnen,\ngehen den rhythmischen (mehr als pendelhaften) Gang des\nUeberschwanges, der Reschleunigung, des Hin- und Wie-\nder-Undulirens —• was jeder Tonkünstler weiss, und was\ndie Tactlosigkeit geistloser Virtuosen bis zum Ekel, ja, zur\nVerrücktheit ausbeutet.\nDen ursprünglichen Rhythmus, der über dem Men-\nschen ist, zeigt der natürliche Mensch im Tanzen und Sin-\ngen, falls er sonst tonbegabt und schönheitliebend beschal-\nlen ist. Denselben ursprünglichen Rhythmus schwingt die\nSaite, tönt die Glocke, beides menschliche Kunstgebilde,\ndie aber, wie oben gezeigt, von ihrem Schöpfer sogleich\nemancipirt, ihren eigenen mathematisch natürlichen oder\naussermenschlichen Gang einschlagen.\nDasselbe ist bei der Urharmonie der Fall. Die Ur-\nharmonie ist das Urphänomen der Kunstmusik; die na-\ntürliche) Grundgestalt, welche der Mensch vernimmt,\ndas ist die Vernunft, welche erst empfängt, dann wei-\nter gestaltet in eigener subjectiver Freiheit. Dieses Ur-\nphänomen ist der .Öwr-Dreiklang, welchen jeder musi-\ncalische Körper, falls er gross und kräftig genug ist, um\nvernehmbar zu sein, aus sich selbst schwingt; die Saite\n(am liebsten auf tiefen Ciavier-, Cello-, Contrabass-Saiten,\naber auch auf der Violine durch Flageolet darstellbar)\nvibrirt ihn, die Orgelpfeife hallt ihn aus, die Glocke\ntönt ihn laut und leise verklingend, die Posaune und ih-\nres Gleichen zeigen ihn in den zwanglos (ohne Versetzung,\nStopfen u. dgl.) ausgeblasenen so genannten Naturtönen\n0, c, g, gestrichen c, gestrichen e\nDiese Töne sind nicht erwählt, erdacht oder ertappt,\nsondern gegeben, und die menschliche Vernunft nimmt,\nwas gegeben ist; sie ist weder hier noch in irgend einer\ntranscendenten Region schöpferisch, sondern empfangend\n—die vernehmende Vernunft; nach der Empfängniss erst\nbegibt sie sich zur schöpferisch freien Gestaltung, aber auf\ndem Grunde des Gegebenen. Es ist daher der naturge-\nmässe Gang der Kunstlehre, mit dem Drei klang, als der\nWurzel aller Musik, zu beginnen, nicht mit der Tonleiter.\nAbsichtlich haben wir eine weiter zurückgehende Ur-\nfrage Anfangs umgangen, um sie jetzt auf mehr zusam-\nmenhangende Weise zu beantworten, die Frage: Ist des\nMenschen Gesang früher gewesen oder die Instrumente?\nDiese Frage, wie leicht sie scheine, ist wissenschaftlich zu\nbeantworten schwierig, doch vielleicht eben so lösbar, wie\nmanches andere Urgeschichtliche. Jene ältere Antwort,\nder Mensch habe von Vögeln singen gelernt, ist von der\nneuen Wissenschaft mit Recht verworfen, gleichwie auch\nandere Künste und Natürlichkeiten (mit Verlaub zu sagen),\ndie Adam den Thieren soll abgeguckt haben, wohl aus\neinem höheren Princip als dem der älfischen Nachahmung\nzu erläutern sind. Dass der Vogelgesang incommen-\nsurabel ist wegen der über aller menschlichen Messbar-\nkeit entlegenen Tonhöhe, ist bekannt und von Schleiden\nund Chrysander klar nachgewiesen. Auch das rbythmisch-\n\n*) Hegel9s Aestb. 3, 161. Aehnlich Marx1 Comp.-L. 1, 25. 2,\n168 der 2. Ausg. Vergl. dagegen Krüger1 s Beiträge zur Ton-\nkunst, S. 152, 312.\nH"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "236", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590723-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2858, "texte": "melodische Element fehlt den Vögeln so sehr, dass sogar\ndie beredte Nachtigall in menschliche Buchstaben schwer\nzu übersetzen ist, wovon a. a. O. die Versuche von Kir-\ncher und Bechstein genügende Beweise geben; übri-\ngens hat schon Aristophanes 300 Jahre v. Chr. ähn-\nliche Versuche gemacht in seinem Lustspiel: „Die Vögel1\",\ndie an ähnlichen Mängeln leiden, aber dennoch die Grund-\nlage aller Versuche von Kircher, Bechstein und Buf-\nfon geblieben sind.\nWas ist also hier das absolute Wir befinden\nuns auf dem Boden des Unerweislichen, der Hypothesen,\nkönnen aber folgende Anhaltspunkte der Wahrscheinlich-\nkeit aus der Natur und Geschichte der Menschen wohl\nfeststellen. Dass der Mensch aus sich selbst singe, ohne\nHülfe oder Stütze eines mechanischen Tonwerkzeuges,\nscheint das Natürliche, Selbstverständliche; er habe ja,\nlieisst es, mit oder ohne Nachahmung der Thiere die\nStimme und Sprache in seiner Gewalt, ehe er den Gesang\nversuche; es dränge ihn, die thierischen Ausbrüche der\nInterjectionen von Leid und Lust in edlere Form zu fassen;\ndies sei der Anfang des Gesanges. /Vielleicht. Aber die\nnähere Kenntniss neuerer Völkerkunde zeigt, dass alle so\ngenannten Wilden oder Naturvölker, so lange sie nur ihre\nStimme allein liedweise tönen lassen, nichts als unklare\nRecitative ohne musicalische Messbarkeit, daher ohne\npoetische Klarheit, zu Tage bringen, ohne Anfang und\nEnde, zuckend, verfliessend, gränzenlos, bildlos. Die älte-\nsten Bilder und Lieder aller gebildeten Völker dage-\ngen beweisen vom alten Testamente bis zu Homer, dass\naller melodische Gesang mit Instrumenten ver-\nknüpft war; die Plastik zeigt Lyra und Harfe in unzer-\ntrennlichem Geleit des Sehers und Propheten; die älteste\nTheorie sowohl bei den Altgriechen als im deutschen Mit-\ntelalter geht aus von der Festhaltung eines Grund-\ntones und von dem Bewusstsein der Octave: Dinge,\ndie ohne Instrumente undenkbar sind, weil eine objective\nAnschauung ohne äusserliche Messbarkeit unmöglich ist.\nEs ist hiernach, wenn auch historisch unbeweisbar,\ndoch auf wissenschaftlichem Wege mindestens als höchste\nWahrscheinlichkeit festzuhalten, dass die wahrhaft melo-\ndische Musik erst mit und nach dem wenn auch unvoll-\nkommensten Tonwerkzeuge (Instrumente) entstanden ist,\nwährend das so genannte naturmenschliche Singen beim\nRecitativ—oder nach Malayenart beim rhythmischen Bum-\nsen, Rasseln, Klopfen und Trommeln—ohne Grundton,\ndaher ohne Einheit, ohne Selbstständigkeit, ohne künstle-\nrische Bildhaftigkeit beharrt.\nUnd wenn, wie uns ebenfalls alte Bildwerke und Sa-\ngen lehren, die frühesten Instrumente nicht der Malayen\nund Feuerländer, wohl aber der Indogermanen oder Ja-\nphetiden, Harfe und Posaune, oder Saite und Pfeife gewe-\nsen sind, so sind dieses eben diejenigen, welche das Ur-\nphänomen des dem empfänglichen Sinne\nam leichtesten und hellsten offenbaren.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-07-23-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-07-23_01#c003", "volume": "bmtnabi_1859-07-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "236", "page_fin": "238", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590723-01.2.3", "titre_corps": "Franz Joseph Gossec.", "titre_sommaire": "Franz Joseph Gossec.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "236", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590723-01.1.4", "debut_caractere": 2860, "fin_caractere_exclue": 4980, "texte": "Franz Joseph Gossec.\nIII.\n(I. s. Nr. 27. 11. Nr. 29.)\nIm Jahre 1784 fasste Gossec den Plan, eine Gesang-\nschule zur Bildung von Theatersängern zu gründen. Der\nBaron von Breteuil lieferte ihm die Mittel dazu. Diese\nEcole de chant et de declamation enthielt den Keim von\ndem, was später durch das Conservatorium der Musik aus-\ngeführt wurde. Ihr Gedeihen wurde jedoch im Jahre 1789\ndurch die Revolution unterbrochen.\nGossec war sechsundfünfzig Jahre alt, als die Revo-\nlution ausbrach. Er war mit Entschiedenheit für die\nGrundsätze von 1789, ohne späterhin irgend einer der\nextremen Parteien anzugehören. Er widmete natürlich sein\nmusicalisches Talent den nationalen Ideen und Festlichkei-\nten, wie alle Künstler der damaligen Zeit. Er war der\nComponist des „Hymnus auf das höchste Wesen\", der\nMusik zu den Apotheosen J. J. Rousseau's und Voltaire's\nund des Trauermarsches zu Mirabeau's Begräbniss. In die-\nsem Marsche gebrauchte er zum ersten Male den Tamtam;\ndie gewaltigen, wie Trauerglocken-Töne weithin hallenden\nKlänge des damals ganz unbekannten Instruments, von\ndem sicherlich das Exemplar in Paris das einzige in Eu-\nropa war, machten eine ungeheure Wirkung, und sollen\nin dem Leichenzuge, den eine ganze Bevölkerung bildete,\nwahrhaft erschütternde Eindrücke hervorgebracht haben.\nDerselbe Marsch wurde späterhin bei der Beisetzung der\nLeiche des Herzogs von Montebello (Marschall Lannes) im\nPantheon (1810) gespielt. Auch zu zwei Gelegenheits-\nstücken: „Das Lager von Grandpre\" und „Die Belage-\nrung von Toulon\", schrieb Gossec die Musik.\nMit Sarrette wurde er zum Director der\ncipale de musiqueernannt, welche der bald darauf erfolg-\nten Gründung des Conservatoriums vorausging, das, erst\nInstitut national de musique genannt (1793), im Jahre\n1795 seine definitive Einrichtung und den Namen Conser-\nvatoire erhielt. Sarrette wurde Director und Gossec einer\nvon den fünf Inspectoren der Anstalt.\nSarrette war kein Musiker von Fach, aber seinen aus-\ndauernden und aufopfernden Bestrebungen hat die Ton-\nkunst und namentlich das Conservatorium in Paris ausser-\nordentlich viel zu verdanken. Er war es auch, der das"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "237", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590723-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5348, "texte": "einer Harmonie- und Compositionslehre\nnach verschiedenen Systemen auf Einer und derselben An-\nstalt einsah. Cherubini und Langle lehrten nach der ita-\nliänischen, Mehul, Rigel, Martin und Eier nach der deut-\nschen, Gossec, Lesueur, Rey und Rudolphe nach der fran-\nzösischen Schule. Charles Simon Catel (geb. 1773, gest.\n1830), ein Schweizer aus dem Waadtlande, der sehr jung\nnach Paris gekommen und Gossec's Schüler geworden war,\nmachte durch seinen Tratte den er auf Sar-\nrettes Aufforderung ausarbeitete, dieser Verwirrung ein\nEnde. Er hat dadurch für Frankreich offenbar einen Fort-\nschritt in der Theorie begründet und das gekünstelte Sy-\nstem Rameau's verdrängt; dass ihm die Systeme der deut-\nschen Theoretiker Kirnberger, Türk, Marpurg u. s. w. be-\nkannt waren, ist kaum zu bezweifeln. Adolph Adam sagt\nselbst von Catel, dass er die deutsche Schule studirt und\ndie Principien derselben mit der italiänischen zu vereinigen\ngesucht habe. Die Anhänger beider unter den Inspectoren\nwaren auch auf der Stelle für die Annahme von Catel's\nWerk als Lehrbuch des Conservatoriums; bei den Fran-\nzosen legte Gossec's Erklärung und volle Anerkennung der\nArbeit seines ehemaligen Schülers den Gegnern Schwei-\ngen auf.\nGossec war einer der Ersten, welche Mitglieder des\nInstitut national wurden, und eben so derer, die bei der\nGründung der Ehrenlegion den Orden derselben erhielten.\nAls bei der Restauration sein Freund Sarrette vom Con-\nservatorium entfernt wurde, nahm auch er seine Pension,\nauf welche er in seinem einundachtzigsten Lebensjahre die\ngerechtesten Ansprüche hatte. Dennoch blieb sein Interesse\nfür die Tonkunst lebendig, er versäumte so leicht nicht\neine Sitzung des Instituts und las auch nach jenem Zeit-\npunkte noch einige Aufsätze vor.\nSeine Frau hatte er schon längst verloren. Ohne Fa-\nmilie wohnte er Place des Ital mit einer Wirthschaf-\nterin, die seine einzige Gesellschaft ausmachte und ihn je-\nden Abend ins Theater Fevdeau führte, wo er seinen be-\nstimmten Platz am linken Ende des Balcons dicht an der\nScene hatte. Seit 1823 wurde er sehr altersschwach,\nkaum konnte er seine besten Freunde noch erkennen. Sar-\nrette war ihm stets treu geblieben und sorgte auch jetzt\nnoch dafür, dass er aufs Land zog, nach Passy, wo seine\nWirthschafterin und ihr Mann ihn in ihr Haus aufnahmen\nund sich ganz seiner Pflege widmeten, wogegen er ihnen\nsein ganzes Einkommen, die Pension, das Gehalt als Aka-\ndemiker und als Mitglied der Ehrenlegion überliess. Seine\nkörperlichen Kräfte hatten weit weniger abgenommen, als\ndie geistigen. Er ging mit seiner Führerin noch immer\nspaziren; kamen sie an ein bestimmtes Gebäude, so sagte\ner stets: „Aha! das ist die komische Oper!\" —wollte auch\nimmer hineingehen, wovon ihn dann jedes Mal seine Füh-\nrerin durch den Vorwand, es sei Oster- oder Weihnachts-\ntag, abbrachte, und er sich mit der Hoffnung auf den\nnächsten Abend tröstete. So waren die letzten Tage seines\nLebens, in so fern man ein solches Dasein noch Leben\nnennen kann, wenigstens sorglos und durch Einbildungen\nund Illusionen glücklich. Er starb im Anlange des Jahres\n1829, kurz nachdem er sein sechsundneunzigstes Lebens-\njahr erreicht hatte.\nWelch eine Laufbahn hatte er durchmessen! Er hatte\nin Paris noch die letzten Aufführungen von Lullv's Opern\ngehört und die ersten Triumphe Rossini's erlebt!\nAber als Künstler hat Gossec ein sonderbar merkwür-\ndiges Schicksal gehabt. Der Zufall wollte, dass fast immer\nin dem Augenblicke, wo Gossec eine hohe Stufe des Ruh-\nmes in einer Musikgattung erreicht hatte, ein Genie auf-\ntauchte, das ihn von seinem Platze verdrängte, ohne dass\ner ihm die Bahn dazu geebnet hatte. Er gründete seinen\nRuf durch Sinfonieen und Quartette, aber als er am feste-\nsten begründet erschien, wurden Joseph Haydn's Werke\nbekannt. Er schrieb eine Todtenmesse, die für die bedeu-\ntendste Leistung der Epoche gehalten wurde; da hört man\nMozart's Requiem, und Gossec's Messe wird nicht mehr\nerwähnt. Seine komischen, seine ernsten Opern haben Er-\nfolg, aber Gretrv und Gluck verdrängen sie von der Bühne.\nEr gründet die erste Gesangschule in Frankreich, aber die\nRevolution stösst das kaum aufgeführte Gebäude um, und\nder Glanz des Conservatoires stellt sein Verdienst in Schat-\nten. Unbestritten bleibt ihm der Ruhm des grossen Theo-\nretikers: auch das nicht—sein eigener Schüler nimmt ihm\nden Kranz vom Haupte.\nWie edel und liebenswürdig steht aber sein Charak-\nter da, wenn man sein ganzes Leben hindurch wahr-\nnimmt, dass er diese Ungerechtigkeit des Schicksals für\nseine Person nie bemerkte, geschweige denn anklagte. Im\nGegentheil: er ging darauf ein, er begünstigte sie selbst,\nindem er den Nebenbuhlern, die ihn entthronten, stets\nhülfreiche Hand leistete, um ihnen empor zu helfen. Er\nwar der Erste, der Haydn's Werke in Frankreich ein-\nführte und verbreitete, welche die seinigen in Vergessen-\nheit begruben; er half Gluck, eine musicalische Revolution\nzu vollbringen, welche den Styl seiner eigenen dramati-\nschen Arbeiten verurtheilte. Gossec besass die bei Künst-\nlern leider so seltene Eigenschaft, die Kunst rein um ihrer\nselbst willen zu lieben, ohne alle Beziehung auf seine Per-\nson und seine eigenen Werke. Er gehörte zu der kleinen\nAnzahl von Künstlern, die sich über die Erfolge Anderer\nwahrhaft freuen und in ihren Genossen nicht Neben-\nbuhler, sondern Brüder und Mitförderer der Kuns!\nsehen."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "238", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590723-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 693, "texte": "Er war kein Genie ersten Ranges, aber ein ungeheu-\nres Talent, das alles, was es angriff, bis zu einer gewissen\nVollendung führte, und alles, was es erreichte, sich selbst\nzu danken hatte. Seine Werke, jetzt vergessen, wie so\nvieles Andere, gehören der Geschichte der Tonkunst an.\n[Es dürfte jedoch heutzutage, wo die Mode der Antiken-\nliebhaberei in der Musik ihm zu Hülfe kommt, der Versuch\nder Mühe lohnen, Bruchstücke aus dem Requiem, dem\nTe Deum, dem Oratorium La Nativite (das dem neuesten\nfranzösischen Componisten eines ähnlichen Stoffes nicht\nunbekannt gewesen sein soll) u. s. w., und namentlich das\n0 salutaris hostia für drei Männerstimmen a capella ein-\nmal wieder hervorzuholen.]"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-07-23-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-07-23_01#c004", "volume": "bmtnabi_1859-07-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "238", "page_fin": "238", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590723-01.2.4", "titre_corps": "Aus Wiesbaden", "titre_sommaire": "Aus Wiesbaden", "signature_source": "h", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "238", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590723-01.1.6", "debut_caractere": 695, "fin_caractere_exclue": 4445, "texte": "Aus Wiesbaden\nh.\n>*)•\nDie Herren Virtuosen scheinen mit richtigem Tact ge-\nfühlt zu haben, dass in diesem Jahre in unserer Curstadt\nder Boden nicht besonders geeignet ist, eine erspriessliche\nAernte hoffen zu lassen; sie sind ausgeblieben, die Herren\nZugvögel, und streifen unterdessen entweder in milderen\nLuftschichten, wo das wilde Kriegsgeschrei die Ohren der\nMenschen noch nicht abgestumpft hat für die weichen\nKlänge der Pensees sentimentales u. s. w., oder sie haben\nnoch höhere Regionen erstiegen, um uns demnächst mit\nzeitgemässen Tongemälden zu beglücken, in denen wir den\nDonner der gezogenen Kanonen zu hören und die Zuaven\nund Turcos zu sehen bekommen. Doch wie dem auch sein\nmöge, wir wollen die Herren Virtuosen ruhig da lassen,\nwo sie sind, und von einem Concerte sprechen, welches\nam 11. Juli im hiesigen Curhause Statt fand und uns ganz\nandere Sachen brachte als Paradestückchen des modernen\nVirtuosenthums.\nMit sechsundfünfzig Mitgliedern des mainzer Män-\nner-Gesangvereins und den Instrumentalkräften der\nhiesigen Hofcapelle, so wie der nassauischen Militärmusik\nveranstaltete nämlich Herr Capellmeister Lux aus Mainz\nvor einem sehr zahlreichen Publicum ein Concert, welches\neben so sehr durch den künstlerischen Werth der vorge-\nführten Tonstücke als durch die gelungene Aufführung\nderselben grosses Interesse gewährte. Für den wahren\nKunstfreuud wurde das letztere noch in so fern erhöht, als\ndieses Concert uns den abermaligen Beweis lieferte, dass\nes heutzutage doch noch Künstler gibt, die im Stande sind,\nNeues zu schallen, ohne barock zu werden und die Gränz-\nlinien des Musicalisch-Schönen zu überschreiten. Zu dieser\nUeberzeugung gelangten wir bei Anhörung der Ouver-\ntüre zur Oper „Rosamunde\" und der Cantate „Corio-\nlan\", beides Compositionen des Herrn F. Lux. Die erstere\nist wegen ihrer elegischen Färbung von wunderbarer Wir-\nkung, und im „Coriolan\" begegnen wir einem Bilde krie-\ngerischen Lebens, welches in den prachtvollen und sehr\ndankbaren Männerchören zum vollsten Ausdruck gelangt.\nDie Motive sind überall von frischer und gesunder Farbe,\nund in der glänzenden, aber nie überladenen Instrumen-\ntirung finden wir sehr viele Stellen, die neben der geisti-\ngen Gabe der Erfindung das grosse Talent des Compo-\nnisten in der eigentlichen Factur bekunden. Die weiblichen\nSolo-Partieen waren in den Händen von Fräulein Zum\nBusch aus Mainz und Fräulein Hartmann von hier und\nwurden recht schön vorgetragen; dasselbe können wir je-\ndoch nicht von Herrn Prelinger vom hiesigen Hofthea-\nter sagen, der die effectvolle Partie des Coriolan denn doch\netwas gar zu nachlässig behandelte. Da wir hier auch\nVereine besitzen, die den Männergesang cultiviren, so war\nman auf das Auftreten des mainzer Vereins sehr gespannt,\nund die Aufgabe desselben war um so schwieriger. Allein\nman erkannte sehr bald die Trefflichkeit der Leistungen,\nund nach jeder einzelnen Nummer brach ein wahrer Bei-\nfallssturm aus. Vom künstlerischen Standpunkte aus müs-\nsen auch wir den Beifall als einen wohlverdienten bezeich-\nnen, denn die Chöre aus Coriolan sowohl wie die beiden\nQuartette: „Wie hab' ich sie geliebt\" von Möhring und\n„Der Wald\" von Häser, wurden mit der reinsten Intona-\ntion und den feinsten Nuancirungen vorgetragen. Schliess-\nlich sei noch erwähnt, dass die Sängerin Fräulein Zum\nBusch mit der Ocean-Arie aus Oberon grossen Beifall\nerrang, Herr Pianist Pallat von hier mit trefflicher\nTechnik und künstlerischer Auffassung das Capriccio in\n11-moll von Mendelssohn spielte, und das Ave von\nSchubert, übertragen von F. Lux, für Harfe, Violoncelle\nund Orgel-Melodium eine schöne Wirkung hervorbrachte.\n*') Nicht von unserem gewöhnlichen Correspondenten, dessen Be-\nricht über das letzte Semester wir entgegensehen.\nDie Redaction."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-07-23-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-07-23_01#c005", "volume": "bmtnabi_1859-07-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "238", "page_fin": "239", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590723-01.2.5", "titre_corps": "Theaterjahr 1858—1859 in Berlin.", "titre_sommaire": "Theaterjahr 1858—1859 in Berlin.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "238", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590723-01.1.6", "debut_caractere": 4447, "fin_caractere_exclue": 5031, "texte": "Theaterjahr 1858—1859 in Berlin.\nDas Schauspiel beschloss seine Vorstellungen am 9.\nJuni mit Lessing's „Nathan\", die Oper am 19. Juni mit\neinzelnen Acten und Scenen aus „Teil\", der „Weissen\nFrau\", „Jüdin\", und das Ballet am 30. Juni mit „Flick's\nund Flock's Abenteuer\". Der in letzter Zeit sehr spärliche\nBesuch mag wohl die General-Intendanz dazu veranlasst\nhaben, die k. Bühnen früher als sonst zu schliessen. Die\nFerien währen bis zum 31. Juli. Geschlossen blieben die\nk. Theater, wie gewöhnlich, am 21., 22., 23. April (Char-\nwoche), am 18. Mai (Busstag) und am 7. Juni (Sterbetag"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "239", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590723-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3156, "texte": "des Königs). Die Gesammtzahl der vom 18. August 1858\nbis 30. Juni 1859 gegebenen Vorstellungen betrug 50-3,\ndie sich folgenderMaassen vertheilen: 61 Trauerspiele, 119\nSchauspiele, 99 Lustspiele, 13 Possen, 100 ernste Opern,\n40 komische Opern, 12 Singspiele und 92 Ballette.\nIm Schauspiel kamen vor:\nBabo 1, Bauernfeld 1, Benedix 7, Birch-Pfeiffer 28,\nBlum 1, Brachvogel 13, Calderon 3, Freytag 4, Göthe\n11, Griepenkerl 5, Halm 1, Hersch 30, Herz 4, Hack-\nländer 2, Iffland 3, Jordan 3, Kleist 4, Kotzebue 8, Ket-\ntel 2, Kühne 2, Laube 2, Lederer 5, Lessing 10, v.\nMevern 6, Moliere 15, Moreto 3, Mosenthal 2, Prinz. A.\nv. S. 1, Putlitz 2,9, Raupach 13, Rautenstrauch 2, von\nRedwitz 4, Schiller 21, Schröder 1, Scribe 17, Shake-\nspeare 29, Tenelli 2, Töpfer 4, Uchard 1, Wilhelmi 8,\nWölfl' 6, v. Weissenthurn 6 Mal.\nDessgleichen in der Oper:\nAuber 14, Bellini 5, Beethoven 4, Boieldieu 2, Che-\nrubini 4, Conradi 6, Donizetti 9, Dorn 2, v. Flotow 10,\nGluck 6, Halevy 1, Isouard 5, Lortzing 1, Meyerbeer 18,\nMozart 20, Nicolai 5, Offenbach 6, Rossini 9, Spohr 1,\nSpontini 5, Taubert 5, Verdi 3, R. Wagner 15, Weber 6\nMal.\nVon den Ballet-Vorstellungen kommen 72 auf Paul\nTaglioni, 7 auf Hoguet, 7 auf Perrot, 4 auf Mazilier und\n2 auf Philippe Taglioni.\nDie Novitäten und Neuinscenesetzungen waren:\na) Im Schauspiel (9 Stücke): 2 Trauerspiele („Mon-\ndecäs\", „Die Witwe des Agis\"); 5 Schauspiele („Das\nTestament des grossen Kurfürsten\", „Heinrich von Schwe-\nrin'\", „Die Anna-Lise\", „Philippine Welser\", „Auf der\nhohen Rast\"); 2 Lustspiele („Durchs Fernrohr\", „Fräu-\nlein Höckerchen\").\nNeu einstudirt (5 Stücke): 1 Drama („König Rene's\nTochter\"); 3 Lustspiele („Der Geizige\", nach Dingelstedt's\nBearbeitung, „Der Freimaurer\", „Das letzte Mittel\");\n1 Posse („Die feindlichen Brüder\").\nDas in Aussicht gestandene Trauerspiel „Die Sabine-\nrinnen\" kam nicht zur Aufführung.\nb) In der Oper zwei ernste Opern („Lohengrin\",\n„Hernani\"); eine komische („Die Braut des Flussgottes\");\nein Singspiel („Die Verlobung bei der Laterne\").\nNeu einstudirt: „Sophie Katharina\" von Flotow; „So\nmachen es Alle\" von Mozart.\nc) Im Ballet: „Flick's und Flock's Abenteuer\"; „Des\nMalers Traumbild\" (einactig).\nNeu einstudirt: „Der Polterabend\" (einactig).\nIn der Oper zwei Debüts: Fräul. Carl und Herr\nMeyer. Beide haben nach kurzem Engagement die k.\nBühne wieder verlassen. Gastspiele fanden siebenzehn\nStatt (an 42 Abenden). Die Damen: Bury 4 Mal, Gün-\nther 1 Mal, Eben 1 Mal, Kraus 2 Mal, Sofia 2 Mal,\nUlrich 2 Mal, Pollack 2 Mal, Härting 2 Mal, Feh-\nringer 2 Mal, Nimbs 2 Mal, Marquardt 1 Mal; die\nHerren: Grill 3 Mal, Humbser 1 Mal, Karl Schnei-\nder 3 Mal, Ander 9 Mal, Betz 3 Mal, Grimminger\n2 Mal. Die Gesellschaft der Bearner Sänger gastirte 2\nMal. Neu engagirt wurden für die nächste Saison:\ndie Damen: Pollack, Härting, Deahna, die Herren\nBetz, Grimminger, Woworski, Schilke.\nIm Ballet fanden sechs Gastspiele (an 20 Abenden)\nStatt. Die Damen: Guichard 2 Mal, Bagdanoff 10\nMal, Frideberg 4 Mal, Casati 1 Mal, Battaglini 2\nMal (die beiden letzten wurden engagirt) und Herr Bag-\ndanoff 1 Mal.—Herr und Frau Teile sind (nach Wien\nabgegangen.\nGestorben: Herr Jerrmann, Herr Commentz."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-07-23-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-07-23_01#c006", "volume": "bmtnabi_1859-07-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "239", "page_fin": "240", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590723-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "239", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590723-01.1.7", "debut_caractere": 3158, "fin_caractere_exclue": 5544, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\n*** Wien. Die deutsche Oper im Hof-Operntheater hat am\n17. Juli mit Fidelio begonnen. Dem Vernehmen nach werden die er-\nsten neuen Opern, die zur Aufführung kommen, Meyerbeer's Wall-\nfahrt nach Ploermel und K. Wagner1 s Tannhäuser sein. Als eine\nbald zu erwartende Reprise bezeichnet man ~Die Musketiere der\nKönigin\", in welcher der neue Tenor, Herr Vukovic, debutiren\nwird. Auch eine neue Scenirung des Freischütz und eine Auffüh-\nrung der Taubert'schen Oper Macbeth, in welcher Frau Czillag die\nLady Macbeth singen würde, steht in Aussicht. Auch von der neuen\nOper von Marschner ist wieder die Rede und von Gluck's\nArmida.\nDie italienische Oper ist zu Ende. Ob für immer oder nur\nfür diese Saison ? Das erstere ist kaum wahrscheinlich, obgleich\nwährend des Krieges sich starke oder wenigstens sehr laute Stim-\nmen für die Entbehrlichkeit erklärten. Wenn diese sich durch die\nKostspieligkeit und schlechte Organisation des Unternehmens bestim-\nmen liessen, so waren das allerdings haltbare Gründe und sind es\nnoch j flössen sie aber aus nationalen Antipathieen, so muss man\ngegen den Einfluss von dergleichen Grundsätzen, die oft sogar nur\nStimmungen sind, anf die Kunst Verwahrung einlegen. Der Besuch\nwar freilich dieses Mal sehr spärlich; man würde aber ungerecht\nsein, den Mangel an Theilnahme der Mittelmässigkeit der Opern-Ge-\nsellschaft zur Last zu legen, da nur die Zeitverhältnisse ihn mit\nsich brachten. Den übellaunigen Kritiken mancher hiesigen Blätter\ntreten andere, deren Urtheil weniger von Leidenschaft getrübt ist,\nentgegen, wie z. B. die „Recensionen\" und die „Neue Wiener Mu-\nsik-Zeitung\". Erstere namentlich gedenken, ohne sich irgendwie dem\nTadel des Tadelnswürdigen zu verschliessen, des mannichfachen\nGuten der diesjährigen Saison, worunter das Auftreten der Damen\nLafon und Fioretti gehört, zweier mit zwar ganz verschiedenen,\naber nicht gewöhnlichen Vorzügen begabter Sängerinnen, und das\nErscheinen einer neuen komischen Oper in zwei Acten,\nvon Carlo Pedrotti, deren Erfolg durch die melodiöse Compo-\nsition und die Darstellung der Hauptrollen durch Fräul. Fioretti und\nden trefflichen Buffo Zucchini herbeigeführt wurde. „Maestro Pe-\ndrotti\" sagt das genannte Blatt ~ist nicht so ganz talentlos,\nwie so viele seiner Collegen, auch nicht ohne Geschicklichkeit. Hier\nund da kommt ein Gedanke vor, den der Componist mit gutem Ge-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "240", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590723-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4341, "texte": "wissen als sein Eigenthum betrachten darf, und das ist heutzutage\nschon viel. Was er Anderen entlehnt, verarbeitet er mit Geschick\nund mit Effect. Leider nur äussert sich Verdi1 s Einfluss allzu sehr\nin der Rohheit lärmender Instrumentation u. s. w. Erfreulich ist das\nVorwalten des melodischen Elements und eine unverkennbare Frische\nund Ungezwungenheit der Bewegung.\" — Unter den 72 Vorstellun-\ngen fielen 20 auf Rossini (Barbier 7 Mal), 15 auf Verdi (Tro-\nvatore 6 Mal), 11 auf Bellini (Norma 8 Mal), 10 auf Doni-\nzetti (Lucrezia 7 Mal), 5 auf Pedrotti, 4 auf Cimarosa, (11\nmalrimonio scgrelo, neu einstudirt, grosser Erfolg), o auf Mozait\n(Figaro), 3 auf Picini (Elisa Valesco, mit schwachem Eindruck).\n*** Seltwalbaclt* Am 8. d. Mts. gab der treffliche Pianist,\nHerr Wilhelm Wülfing hoff aus Wiesbaden, hier eine Soiree\nvor einer glänzenden Versammlung, welche die ganze vornehme Bade-\nGesellschaft bildete. Diese Frequenz der Zuhörerschaft war sowohl\ndurch das anerkannte Talent des Concertgebers, der hier in jeder\n♦\nSaison dem gebildeten Kreise der Musikfreunde eine willkommene\nErscheinung ist, als durch das Interesse hervorgerufen, welches das\nAuftreten eines ausgezeichneten Dilettanten erregte. Der kaiserlich\nrussische Collegienrath und Ritter des Stanislaus-Ordens II. Classe,\nHerr H. . . welcher die Güte hatte, den Concertgeber zu unter-\nstützen, besitzt eine Tenorstimme, welche in der That ein Phänomen\nist, da sie nicht mit angequälter französischer Forcirung, sondern\nmit natürlicher Leichtigkeit das hohe h und c aus der Brust her-\ngibt. Herr H. sang sieben Piecen in russischer, deutscher, französi-\nscher und italiänischer Sprache mit grossem Beifall. Ganz besonders\ninteressant waren unter seinen Vorträgen zwei russische Romanzen\nvon Warlamow und von Bulachow. Die Ciavier-Vorträge wur-\nden alle mit grossem Beifall aufgenommen; besonders ausgezeichnet\nwurden Beethoven' s W ülfinghoffs Grande\nEtüde d'expression und Messer's „Glockenspiel'4, ein ganz artiges\nStück, in welchem mehr als die Klingelei liegt, die man dem Titel\nnach erwartet.\n** Arailftcim# Die Nachricht (in Nr. 23) über das allgemeine\nMusikfest des grossen niederländischen Vereins zur Beförderung\nder Tonkunst, welches hier im August Statt finden sollte, beruhte\nauf einem Irrthum. Der Verein hat das Fest bereits Anfangs Juni\nwegen der politischen Verhältnisse vertagt.\nSiöBUale&Ba, Karl Form es ist vorige Woche durch London\ngekommen, hat aber seine Reise nach dem Rheine gleich weiter\nfortgesetzt, um sich in Wiesbaden von den Anstrengungen seiner\nReisen in America zu erholen, wo der ungeheure Erfolg ganz dem\ngrossen Rufe entsprach, den er in Europa erworben hat. Er wird\naber bald hieher zurückkommen, wo ihn alsdann sicherlich das ganze\nhiesige Publicum mit herzlichem Jubel empfangen wird.\n(Mus. World.)\nPesther Blätter schreiben: „Welch lähmenden Einfluss die Un-\ngunst der Zeitverhältnisse auf die Theaterlust übt, erhellt daraus,\ndass die Statt findenden Gastspiele zweier so bedeutsamen Kunst-\nkräfte, wie Herr und Frau Nie mann (Marie Seebach) es sind, das\ndeutsche Theater kaum zur Hälfte füllen. Wir haben die letztge-\nnannte Künstlerin bisher als Fenella in der Stummen von Portici,\nals Katharina in dem Shakespeare'schen Lustspiele Die bezähmte\nWiderspänstige und als Griseldis gesehen, und in allen diesen Lei-\nstungen die üppige Fülle ihrer reichen Kunstbegabung an allen Stel-\nlen zu bewundern Gelegenheit gehabt, an denen die Eigentümlich-\nkeit ihres Kunstvermögens zur freien, durch keinerlei Verkünstelung\nbehinderten Entwicklung kam. Leider aber scheint die Neigung, sich\nin Künsteleien zu ergehen, immer vorwiegender zu werden. In Herrn\nNiemann lernten wir einen trefflichen Sänger kennen, welcher in\ndieser tenor-armen Zeit auf mehr als gewöhnliche Beachtung An-\nspruch machen darf. Die imponirende Gestalt, die volle, meist wohl-\nlautende Stimme, der von guten Studien zeugende correcte Vortrag\nstimmen zu Gunsten des Sängers, dessen vorzüglichste Wirksamkeits-\nSphäre die der so genannten Heldentenor-Partieen zu sein scheint.\nEr erzielte als Raoul in den Hugenotten, in welcher Oper er die\nvon uns gerühmten Vorzüge in vollem Maasse entfaltete, den gün-\nstigsten Erfolg.\"\nDie nach wiener Journalen in der vorigen Nummer mitgetheilte\nNachricht, dass der bekannte Schauspieler Ascher gestorben sei,\nbestätigt sich nicht."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "233", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590723-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nNatur und Geist in Tönen. Yon Dr. Ed. Krüger. Franz Joseph Gossec. 111. Aus Wiesbaden\n(Concert). Von h. Theaterjahr 1858—J859 in Berlin. Tages- und Unterhaltungsblatt (Wien, Deutsche Oper, Italiänische\nOper Schwalbach, Musicalische Soiree Arnheira London, Karl Formes Pesth, Theater-Zustände Anton Ascher).\n\nNatur und Geist in Tönen.\nVon Dr. Ed. Krüger.\nUeber die Natur und Wirkung, Geist und Bedeutung\nder Töne sind wiederholentlich Untersuchungen angestellt,\nderen Ergebniss noch nicht abgeschlossen ist. Sei es daher\nerlaubt, dieselben fortzuführen und ihre endliche Lösung\nvorbereiten zu helfen.\nDie Frage, woher die Töne stammen, näher gesagt:\nwo unser heutiges Tonwesen begründet sei, ist zwar mehr\nphilosophischer als praktischer Bedeutung; doch gehen die\nConsequenzen der philosophischen Ergebnisse an vielen\nStellen unmerklich ins Praktische, in die Lebensäusserung\nder Tonübung hinüber. Umgekehrt auch sind viele Fragen\nnach Temperatur, Tonhöhe, Klangfarben, Tongeschlecht\nu. s. w. zwar dem Wesen nach praktisch, aber wer ihnen\nernstlich nachgeht, findet die Fäden der Untersuchung weit\nzurückgehend in das Gebiet des i'dealen Gedankens. Wir\nhaben daran ein Beispiel, wie unzerreisslich Denken und\nSein, Logos und Leiblichkeit verbunden sind.\n„Liegt der Urgrund der Musik ursprünglich im Men-\nschen, oder empfängt der Mensch ihn durch die Wirkung\nder Aussenwelt auf seine Organisation?\" Also stellt Fetis\ndie Fragen in der Niederrheinischen Musik-Zeitung, 1858,\nNr. 39, und entscheidet sich für die Bejahung der ersten\nFrage: der Mensch habe die Musik wollend, wissend, er-\nkennend erschaffen. Die Beweisführung geht davon aus,\ndass alle Versuche, die aussermenschliche Entstehung\ndes Tonsystens darzuthun, poetische Träumereien, philoso-\nphische Hypothesen seien, „Behauptungen ohne Be-\nweis\" (1858, S. 306).—Nach dieser verneinenden (apa-\ngogischen) Wendung sollte man meinen, dass die Behaup-\ntung von der menschlichen Erfindung, an welcher Fe-\ntis festhält, desto bewiesener wäre, und zwar nicht\nin verneipender, sondern bejahender Weise—-nicht apago-\ngisch, sondern thetisch, deduetiv. Aber nein! Eben so un-\nbewiesen und quasi re lene gfährt der Verfasser fort:\n„Der Mensch allein ist die Ursache, der Urgrund seiner\nMusik\" u. s. w., ohne den Schatten eines Beweises zu brin-\ngen, ausser jener Abweisung des Gegners. Es ist aber nicht\nlogisch, die Wahrheit durch Subtraction und Negation\nfinden zu wollen, wie jener Advocat: „Du hast Unrecht,\nfolglich habe ich, dein Gegner, Recht.\"\nWir ermüden die Leser nicht mit Widerlegung aller\neinzelnen Betrachtungen des berühmten Musikgelehrten,\nund verweilen nur bei der Erwägung des Wortes Natur,\nNatur-Tonleiter u. s. w. Das allerdings ist gewiss: die\nNatur im eigentlichen Sinne ist entweder gar nicht oder\nnur in sehr zweifelhaften Fällen die Erzeugerin musica-\nlischer Töne. Denn dass die Natur Schälle, Töne, Klänge\nu. dgl., woran die älteren kursächsischen Theoretiker einen\nundankbaren Fleiss verschwendeten, hervorbringt, wie z.\nB. Sturmessausen, Bachesrieseln, Vogelgesang, das wissen\nwir freilich. Aber menschlich musicalische, d. h. harmo-\nnisch messbare, harmonisch bezügliche Töne wissen wir in\nder Natur nicht nachzuweisen. So ist z. B. „das eigenthüm-\nliche Pfeifen des Sturmes auf der von der Esse (Schorn-\nstein) gebildeten grossen Orgelpfeife\" (Chrysander, 1855,\nS. 99) kein reines Naturproduct, weil die Esse von Men-\nschenhand gebaut ist; imgleichen die Töne der Aeolsharfe\ntönen aus einem Gebild der Menschenhand, wenn auch\nder Wind ohne Menschenhand den Ton erregt. Eher möchte\nman den eigenthümlichen Klang, den der Windhauch in\nder Fingalshöhle und irgendwo auf der Insel Ceylon erzeu-\ngen soll, als einen Naturton erkennen—wenn die Sache\nvon wissenschaftlichen Tonkünstlern untersucht und erwie-\nsen wäre. Ein Gleiches gilt von den musicalischen Tönen\nächzender Schiffstaue, wovon man einst fabelte.\nMit allem dem ist aber nicht bewiesen, dass der\nMensch, sei es durch Erkenntniss-, Gefühls- oder Wil-\nlens-Vermögen (1858,306), der reine Selbstschöpfer\nder harmonischen Musik sei. Nur diese, die harmonisch-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "234", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590723-01.1.2", "texte": "künstlerische Fassung der Töne ist es, welche hier der\nUntersuchung unterliegt; und hier zeigt die Erfahrung:\ndes Menschen „Verstand und Urtheil der Gesetzmässig-\nkeit\" (Fetis, S. 307 b) reicht II i Cll t aus, die Urharmo-\nnie schöpferisch zu erfinden. Wie wenig Verstand,\nBewusstsein, Willenskraft hier wirke, wie vielmehr ein\nunerklärlicher, unbewusster Naturgrund illl Men-\nschen, das beweiset Mozart's Kindheit, die sich schon im\ndritten Jahre an gefundenen—nicht erfundenen—Terzen\nfreute, die Secunden aber verabscheute, ohne dass weder\nsein Wille noch seines Vaters Lehre diese Empfindung ge-\nregelt hätte; auch beweiset es sich in der Erfahrung mäs-\nsig tonbegabter Menschen, die am Dreiklange Wohlgefal-\nlen finden, bei der Minder-Septime ängstlich werden, ehe\nes ihnen gelehrt ist. Die angenehmen und unangeneh-\nmen Gefühle beim Zusammenklang gewisser Töne— „was\nist das alles anders als eine Reihe von Folgen eines Ge-\nsetzes der Tonverhältnisse und ihrer Beziehungen auf ein-\nander, welches in der menschlichen Natur liegt, und\ndessen wir uns aus Instinct bewusst werden?\" (Fetis,\n306—307.) Richtig! Aber hiermit sind in Wirklichkeit\nalle früheren Behauptungen der willenskräftigen\nSelbstschöpfung der harmonischen Musik abseiten des\nMenschen-Verstandes widerlegt, und das von dem-\nselben Fetis, der sie zu beweisen sich anheischig macht.\nWo ist nun hier die logische Lücke, da wir wenig-\nstens alle gewiss sind, dass die reine Natur so wenig als\nder reine Willensgeist die harmonische Musik schafft?\nDie Lücke liegt in der willkürlichen Aufstellung des Ge-\ngensatzes selbst. Die Begriffe „Natur und Geist\" sind\nvieldeutig, dem Streite der Schulen unterworfen; diese\nmüssen näher bestimmt werden für jede Einzelwissenschaft,\num hülfreich zu sein; reine Natur, reiner Geist genügt\ndesshalb nicht, weil zwischen beiden noch unendlich viele\nGlieder vorhanden sind, was schon die gangbaren Aus-\ndrücke: Menschennatur, Seelennatur,—Naturgeist, Welt-\ngeist u. s. w. deutlich darthun.\nEines dieser unendlich vielen Glieder zwischen den\nEndpunkten, welche Natur und Geist gleichmässig anrüh-\nren, ist die Mathematik. Ist sie Natur? Nein; die ganze\nNatur zeigt kein streng mathematisches Gebilde. Ist sie\nA\\illensgeist, ethischer, hewusster Geist? Nein; ihre Ab-\nstractionen sind ohne Gemüth, Ethik, Seelenleben; sie sind\nreine Formen der Abstraction, gedacht, nicht wirklich.\nSo möchte sie dem Geiste verwandter scheinen als der\nNatur; und doch zeigt sie und lehrt sie überwiegend na-\nturhafte (kosmische) Verhältnisse, vom Willensgeist (Ethos,\nethischen Geiste) so unabhängig, dass der orthodoxe Leib-\nnitz ausrufen konnte: „Die Mathematik scheint ohne Gott\nzu sein; der Atheist wie der Gläubige begreifen gleicher\nMaassen, dass zweimal zwei vier ist; das unterscheidet\nsie von allen anderen Wissenschaften, deren Gestalt durch\nTheismus und Atheismus überall wesentlich berührt\nund verändert wird\" (nach dem Gedächtnisse, nicht\nwörtlich citirt).\nDiese Mathematik nun, die zwischen Himmel und Erde\narbeitet, zwischen Natur und Geist sich bewegt und Bei-\ndes nicht ist, deren Stellung zu bestimmen, den Philoso-\nphen wohl noch lange Zeit Mühe machen wird: sie mit\nihrer Tochter Physik (Akustik) ist es, die auch von Fetis\nS. 318 zwar in ihrem Rechte äusserlich anerkannt, aber\ndabei innerlich doch nicht erkannt ist; denn selbst die am\nSchlüsse seiner Betrachtungen hingestellten Axiome halten\nkeineswegs Natur und Geist deutlich begränzt aus einander.\nDesto gewisser erscheint aber das nunmehr durch Fetis'\nwiderwilliges Zeugniss bestätigte Ergebniss: „Die Grund-\nverhältnisse der Harmonie werden vom Menschen instinct-\nmässig in seiner Natur (Natürlichkeit, yv%rj\nempfunden; also sind sie II 1 C Ii t Schöpfungen des freien\nWillensgeistes, sondern ausser dem bewussten Willen\ndes Menschen, also auch ausser seinem Verstände oder\nüber demselben.\"\nDer Urgrund der harmonischen Tongestalten ist über\ndem Menschen, gleichwie alle jene Mächte, die wir als\nZwischenmächte bezeichnen und deren sich bei weite-\nrem Nachdenken mehrere finden, als unsere Schuldenk-\nlehren aufzuzeichnen gut finden. Solche Begründung auf\npbysicalischer Mathematik gereicht unserer Kunst nicht zur\nSchande, obwohl Hegel das gern behauptet, um ihr Eines\nanzuhängen. S. Aesth. 3, 161. Es sind nämlich unzweifel-\nhaft die besonderen übermenschlichen, d. h. nicht von Men-\nschen erdachten, sondern physicalisch-natürlichen Grund-\nmächte unserer Musik, Rhythmus und Harmonie. Sie\nsind desshalb nicht seelenlos, weil sie der Mensch nicht\nerfunden hat; ja, sie haben mystisch-überwältigende Wir-\nkung auf die Seele des Menschen, welche sich hier leidend,\nnicht zeugend verhält.\nDass es mystische Gewalten selbst in der als ra-\ntionalistisch verrufenen Mathematik gibt, ist übrigens je-\ndermann offenbar, der nicht die ratio des Rationalismus\nals ultima ratio aller Weltweisheit anbetet. Ein Beispiel:\nWie geht es zu bei der quadratischen und cubischen Po-\ntenzirung? Durchaus mystisch, mindestens den ersten\nGrundsätzen der reinen Mathematik entgegen. Denn\nbei der Quadratrechnung scheinen aus Linien Flächen\ngemacht zu werden—3X3'=9DFUSS—bei der Wür-\nfelrechnung aus Flächen Körper—3x3x3'=27 Ku-\nbikfuss—, was Beides der rationellen Definition von\nLinie, Fläche, Körper zuwider ist; und dennoch bewährt\nes sich. Auch die Wahrscheinlichkeits- und Unendlichkeits-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "235", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590723-01.1.3", "texte": "Rechnung geht über die rat des definibel Messbaren\nhinaus und hat dennoch mathematisch bewährte Gültigkeit.\nDas Ergebniss hiervon ist nun: Die Mathematik ist\nirfcht Natur, sie ist auch nicht menschliches Geschöpf aus\nKraft des Willens; sie ist vom Menschen gefunden, nicht\nerfunden, also ist sie über dem Menschen und doch auch\nin ihm.\nEin Gleiches zeigt sich nun bei den musicalischen\nGrundgewalten des Rhythmus und der Harmonie. Der\nRhythmus ist eine Gewalt über und ausser dem Men-\nschen, Ilicllt vom Menschen gemacht oder gar, wie die\nschale und kahle Erklärung des Rationalismus will, dazu\nausgesonnen, um die Massen zu theilen und die\nTheile besser zu übersehen. Den Reweis einer höhe-\nren Auffassung lehrt die höhere Messkunst an Pendel und\nWellenschlag. Der Pendel ist gleichwie Schornstein (Esse),\nSaite, Glocke und Aeolsharfe kein Naturproduet, da-\nher seine Resultate menschliche Abstractionen, d. h. Ab-\nnehmungen, nicht Schöpfungen; er lehrt die bei richtiger\nAbwägung der Schwere regelmässigen, unabänderlichen\nSchwingungen eines unbelebten Dinges. Der Wellen-\nschlag ist dagegen von Naturgewalt durchzogen; es ist\nin ihm ausser der reinen Gleichmässigkeit ein durch hö-\nheres Leben erwirkter Ueberschwang, ein Erhöhen\nund Ermatten, eine Ungleichheit im idealen Gleichgewicht.\nDieser ursprüngliche Rhythmus ist der der Zwei, des rei-\nnen Gegensatzes, daher die Zweitheilung die weit über-\nwiegende, gleichsam „natürliche\" ist; der Tripel-Rhyth-\nmus scheint menschliche Erfindung. Diese nicht pen-\ndelhaft natürliche, sondern natur-geistige Erhöhung des\nelementaren Rhvthmus benannten die alten Tonlehrer\n«J\nmensura perfecta; der Tripeltact hiess perfectio, der\nDupeltact imperfecta, nach alter mystischer Lehre dess-\nhalb, weil Drei die vollkommenste Zahl und ein Abbild\nder Dreieinigkeit sei, vielleicht auch aus dem unbewussten\nGrunde, weil sie erkannten, dass die Dreitheilung eine\ngeistig bewusste, menschliche Erfindung sei gegenüber der\nelementar-natürlichen Zweitheilung. Alles dieses mochte\nHegel, der Musikfeind, nicht begreifen, weil ihm die An-\nschauung fehlte; er behauptet vom Wellenschlag und Mu-\nsik-Rhythmus dasselbe, was dem todten Verstandes-Gleich-\ngewicht des Pendels zukommt*)—und jeder Gesang, jede\nSaitenschwingung konnte ihn des Gegentheils belehren;\ndenn alles Lebendig-Erregte, sogar die Sternenbahnen,\ngehen den rhythmischen (mehr als pendelhaften) Gang des\nUeberschwanges, der Reschleunigung, des Hin- und Wie-\nder-Undulirens —• was jeder Tonkünstler weiss, und was\ndie Tactlosigkeit geistloser Virtuosen bis zum Ekel, ja, zur\nVerrücktheit ausbeutet.\nDen ursprünglichen Rhythmus, der über dem Men-\nschen ist, zeigt der natürliche Mensch im Tanzen und Sin-\ngen, falls er sonst tonbegabt und schönheitliebend beschal-\nlen ist. Denselben ursprünglichen Rhythmus schwingt die\nSaite, tönt die Glocke, beides menschliche Kunstgebilde,\ndie aber, wie oben gezeigt, von ihrem Schöpfer sogleich\nemancipirt, ihren eigenen mathematisch natürlichen oder\naussermenschlichen Gang einschlagen.\nDasselbe ist bei der Urharmonie der Fall. Die Ur-\nharmonie ist das Urphänomen der Kunstmusik; die na-\ntürliche) Grundgestalt, welche der Mensch vernimmt,\ndas ist die Vernunft, welche erst empfängt, dann wei-\nter gestaltet in eigener subjectiver Freiheit. Dieses Ur-\nphänomen ist der .Öwr-Dreiklang, welchen jeder musi-\ncalische Körper, falls er gross und kräftig genug ist, um\nvernehmbar zu sein, aus sich selbst schwingt; die Saite\n(am liebsten auf tiefen Ciavier-, Cello-, Contrabass-Saiten,\naber auch auf der Violine durch Flageolet darstellbar)\nvibrirt ihn, die Orgelpfeife hallt ihn aus, die Glocke\ntönt ihn laut und leise verklingend, die Posaune und ih-\nres Gleichen zeigen ihn in den zwanglos (ohne Versetzung,\nStopfen u. dgl.) ausgeblasenen so genannten Naturtönen\n0, c, g, gestrichen c, gestrichen e\nDiese Töne sind nicht erwählt, erdacht oder ertappt,\nsondern gegeben, und die menschliche Vernunft nimmt,\nwas gegeben ist; sie ist weder hier noch in irgend einer\ntranscendenten Region schöpferisch, sondern empfangend\n—die vernehmende Vernunft; nach der Empfängniss erst\nbegibt sie sich zur schöpferisch freien Gestaltung, aber auf\ndem Grunde des Gegebenen. Es ist daher der naturge-\nmässe Gang der Kunstlehre, mit dem Drei klang, als der\nWurzel aller Musik, zu beginnen, nicht mit der Tonleiter.\nAbsichtlich haben wir eine weiter zurückgehende Ur-\nfrage Anfangs umgangen, um sie jetzt auf mehr zusam-\nmenhangende Weise zu beantworten, die Frage: Ist des\nMenschen Gesang früher gewesen oder die Instrumente?\nDiese Frage, wie leicht sie scheine, ist wissenschaftlich zu\nbeantworten schwierig, doch vielleicht eben so lösbar, wie\nmanches andere Urgeschichtliche. Jene ältere Antwort,\nder Mensch habe von Vögeln singen gelernt, ist von der\nneuen Wissenschaft mit Recht verworfen, gleichwie auch\nandere Künste und Natürlichkeiten (mit Verlaub zu sagen),\ndie Adam den Thieren soll abgeguckt haben, wohl aus\neinem höheren Princip als dem der älfischen Nachahmung\nzu erläutern sind. Dass der Vogelgesang incommen-\nsurabel ist wegen der über aller menschlichen Messbar-\nkeit entlegenen Tonhöhe, ist bekannt und von Schleiden\nund Chrysander klar nachgewiesen. Auch das rbythmisch-\n\n*) Hegel9s Aestb. 3, 161. Aehnlich Marx1 Comp.-L. 1, 25. 2,\n168 der 2. Ausg. Vergl. dagegen Krüger1 s Beiträge zur Ton-\nkunst, S. 152, 312.\nH"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "236", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590723-01.1.4", "texte": "melodische Element fehlt den Vögeln so sehr, dass sogar\ndie beredte Nachtigall in menschliche Buchstaben schwer\nzu übersetzen ist, wovon a. a. O. die Versuche von Kir-\ncher und Bechstein genügende Beweise geben; übri-\ngens hat schon Aristophanes 300 Jahre v. Chr. ähn-\nliche Versuche gemacht in seinem Lustspiel: „Die Vögel1\",\ndie an ähnlichen Mängeln leiden, aber dennoch die Grund-\nlage aller Versuche von Kircher, Bechstein und Buf-\nfon geblieben sind.\nWas ist also hier das absolute Wir befinden\nuns auf dem Boden des Unerweislichen, der Hypothesen,\nkönnen aber folgende Anhaltspunkte der Wahrscheinlich-\nkeit aus der Natur und Geschichte der Menschen wohl\nfeststellen. Dass der Mensch aus sich selbst singe, ohne\nHülfe oder Stütze eines mechanischen Tonwerkzeuges,\nscheint das Natürliche, Selbstverständliche; er habe ja,\nlieisst es, mit oder ohne Nachahmung der Thiere die\nStimme und Sprache in seiner Gewalt, ehe er den Gesang\nversuche; es dränge ihn, die thierischen Ausbrüche der\nInterjectionen von Leid und Lust in edlere Form zu fassen;\ndies sei der Anfang des Gesanges. /Vielleicht. Aber die\nnähere Kenntniss neuerer Völkerkunde zeigt, dass alle so\ngenannten Wilden oder Naturvölker, so lange sie nur ihre\nStimme allein liedweise tönen lassen, nichts als unklare\nRecitative ohne musicalische Messbarkeit, daher ohne\npoetische Klarheit, zu Tage bringen, ohne Anfang und\nEnde, zuckend, verfliessend, gränzenlos, bildlos. Die älte-\nsten Bilder und Lieder aller gebildeten Völker dage-\ngen beweisen vom alten Testamente bis zu Homer, dass\naller melodische Gesang mit Instrumenten ver-\nknüpft war; die Plastik zeigt Lyra und Harfe in unzer-\ntrennlichem Geleit des Sehers und Propheten; die älteste\nTheorie sowohl bei den Altgriechen als im deutschen Mit-\ntelalter geht aus von der Festhaltung eines Grund-\ntones und von dem Bewusstsein der Octave: Dinge,\ndie ohne Instrumente undenkbar sind, weil eine objective\nAnschauung ohne äusserliche Messbarkeit unmöglich ist.\nEs ist hiernach, wenn auch historisch unbeweisbar,\ndoch auf wissenschaftlichem Wege mindestens als höchste\nWahrscheinlichkeit festzuhalten, dass die wahrhaft melo-\ndische Musik erst mit und nach dem wenn auch unvoll-\nkommensten Tonwerkzeuge (Instrumente) entstanden ist,\nwährend das so genannte naturmenschliche Singen beim\nRecitativ—oder nach Malayenart beim rhythmischen Bum-\nsen, Rasseln, Klopfen und Trommeln—ohne Grundton,\ndaher ohne Einheit, ohne Selbstständigkeit, ohne künstle-\nrische Bildhaftigkeit beharrt.\nUnd wenn, wie uns ebenfalls alte Bildwerke und Sa-\ngen lehren, die frühesten Instrumente nicht der Malayen\nund Feuerländer, wohl aber der Indogermanen oder Ja-\nphetiden, Harfe und Posaune, oder Saite und Pfeife gewe-\nsen sind, so sind dieses eben diejenigen, welche das Ur-\nphänomen des dem empfänglichen Sinne\nam leichtesten und hellsten offenbaren.\n(Schluss folgt.)\n\nFranz Joseph Gossec.\nIII.\n(I. s. Nr. 27. 11. Nr. 29.)\nIm Jahre 1784 fasste Gossec den Plan, eine Gesang-\nschule zur Bildung von Theatersängern zu gründen. Der\nBaron von Breteuil lieferte ihm die Mittel dazu. Diese\nEcole de chant et de declamation enthielt den Keim von\ndem, was später durch das Conservatorium der Musik aus-\ngeführt wurde. Ihr Gedeihen wurde jedoch im Jahre 1789\ndurch die Revolution unterbrochen.\nGossec war sechsundfünfzig Jahre alt, als die Revo-\nlution ausbrach. Er war mit Entschiedenheit für die\nGrundsätze von 1789, ohne späterhin irgend einer der\nextremen Parteien anzugehören. Er widmete natürlich sein\nmusicalisches Talent den nationalen Ideen und Festlichkei-\nten, wie alle Künstler der damaligen Zeit. Er war der\nComponist des „Hymnus auf das höchste Wesen\", der\nMusik zu den Apotheosen J. J. Rousseau's und Voltaire's\nund des Trauermarsches zu Mirabeau's Begräbniss. In die-\nsem Marsche gebrauchte er zum ersten Male den Tamtam;\ndie gewaltigen, wie Trauerglocken-Töne weithin hallenden\nKlänge des damals ganz unbekannten Instruments, von\ndem sicherlich das Exemplar in Paris das einzige in Eu-\nropa war, machten eine ungeheure Wirkung, und sollen\nin dem Leichenzuge, den eine ganze Bevölkerung bildete,\nwahrhaft erschütternde Eindrücke hervorgebracht haben.\nDerselbe Marsch wurde späterhin bei der Beisetzung der\nLeiche des Herzogs von Montebello (Marschall Lannes) im\nPantheon (1810) gespielt. Auch zu zwei Gelegenheits-\nstücken: „Das Lager von Grandpre\" und „Die Belage-\nrung von Toulon\", schrieb Gossec die Musik.\nMit Sarrette wurde er zum Director der\ncipale de musiqueernannt, welche der bald darauf erfolg-\nten Gründung des Conservatoriums vorausging, das, erst\nInstitut national de musique genannt (1793), im Jahre\n1795 seine definitive Einrichtung und den Namen Conser-\nvatoire erhielt. Sarrette wurde Director und Gossec einer\nvon den fünf Inspectoren der Anstalt.\nSarrette war kein Musiker von Fach, aber seinen aus-\ndauernden und aufopfernden Bestrebungen hat die Ton-\nkunst und namentlich das Conservatorium in Paris ausser-\nordentlich viel zu verdanken. Er war es auch, der das"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "237", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590723-01.1.5", "texte": "einer Harmonie- und Compositionslehre\nnach verschiedenen Systemen auf Einer und derselben An-\nstalt einsah. Cherubini und Langle lehrten nach der ita-\nliänischen, Mehul, Rigel, Martin und Eier nach der deut-\nschen, Gossec, Lesueur, Rey und Rudolphe nach der fran-\nzösischen Schule. Charles Simon Catel (geb. 1773, gest.\n1830), ein Schweizer aus dem Waadtlande, der sehr jung\nnach Paris gekommen und Gossec's Schüler geworden war,\nmachte durch seinen Tratte den er auf Sar-\nrettes Aufforderung ausarbeitete, dieser Verwirrung ein\nEnde. Er hat dadurch für Frankreich offenbar einen Fort-\nschritt in der Theorie begründet und das gekünstelte Sy-\nstem Rameau's verdrängt; dass ihm die Systeme der deut-\nschen Theoretiker Kirnberger, Türk, Marpurg u. s. w. be-\nkannt waren, ist kaum zu bezweifeln. Adolph Adam sagt\nselbst von Catel, dass er die deutsche Schule studirt und\ndie Principien derselben mit der italiänischen zu vereinigen\ngesucht habe. Die Anhänger beider unter den Inspectoren\nwaren auch auf der Stelle für die Annahme von Catel's\nWerk als Lehrbuch des Conservatoriums; bei den Fran-\nzosen legte Gossec's Erklärung und volle Anerkennung der\nArbeit seines ehemaligen Schülers den Gegnern Schwei-\ngen auf.\nGossec war einer der Ersten, welche Mitglieder des\nInstitut national wurden, und eben so derer, die bei der\nGründung der Ehrenlegion den Orden derselben erhielten.\nAls bei der Restauration sein Freund Sarrette vom Con-\nservatorium entfernt wurde, nahm auch er seine Pension,\nauf welche er in seinem einundachtzigsten Lebensjahre die\ngerechtesten Ansprüche hatte. Dennoch blieb sein Interesse\nfür die Tonkunst lebendig, er versäumte so leicht nicht\neine Sitzung des Instituts und las auch nach jenem Zeit-\npunkte noch einige Aufsätze vor.\nSeine Frau hatte er schon längst verloren. Ohne Fa-\nmilie wohnte er Place des Ital mit einer Wirthschaf-\nterin, die seine einzige Gesellschaft ausmachte und ihn je-\nden Abend ins Theater Fevdeau führte, wo er seinen be-\nstimmten Platz am linken Ende des Balcons dicht an der\nScene hatte. Seit 1823 wurde er sehr altersschwach,\nkaum konnte er seine besten Freunde noch erkennen. Sar-\nrette war ihm stets treu geblieben und sorgte auch jetzt\nnoch dafür, dass er aufs Land zog, nach Passy, wo seine\nWirthschafterin und ihr Mann ihn in ihr Haus aufnahmen\nund sich ganz seiner Pflege widmeten, wogegen er ihnen\nsein ganzes Einkommen, die Pension, das Gehalt als Aka-\ndemiker und als Mitglied der Ehrenlegion überliess. Seine\nkörperlichen Kräfte hatten weit weniger abgenommen, als\ndie geistigen. Er ging mit seiner Führerin noch immer\nspaziren; kamen sie an ein bestimmtes Gebäude, so sagte\ner stets: „Aha! das ist die komische Oper!\" —wollte auch\nimmer hineingehen, wovon ihn dann jedes Mal seine Füh-\nrerin durch den Vorwand, es sei Oster- oder Weihnachts-\ntag, abbrachte, und er sich mit der Hoffnung auf den\nnächsten Abend tröstete. So waren die letzten Tage seines\nLebens, in so fern man ein solches Dasein noch Leben\nnennen kann, wenigstens sorglos und durch Einbildungen\nund Illusionen glücklich. Er starb im Anlange des Jahres\n1829, kurz nachdem er sein sechsundneunzigstes Lebens-\njahr erreicht hatte.\nWelch eine Laufbahn hatte er durchmessen! Er hatte\nin Paris noch die letzten Aufführungen von Lullv's Opern\ngehört und die ersten Triumphe Rossini's erlebt!\nAber als Künstler hat Gossec ein sonderbar merkwür-\ndiges Schicksal gehabt. Der Zufall wollte, dass fast immer\nin dem Augenblicke, wo Gossec eine hohe Stufe des Ruh-\nmes in einer Musikgattung erreicht hatte, ein Genie auf-\ntauchte, das ihn von seinem Platze verdrängte, ohne dass\ner ihm die Bahn dazu geebnet hatte. Er gründete seinen\nRuf durch Sinfonieen und Quartette, aber als er am feste-\nsten begründet erschien, wurden Joseph Haydn's Werke\nbekannt. Er schrieb eine Todtenmesse, die für die bedeu-\ntendste Leistung der Epoche gehalten wurde; da hört man\nMozart's Requiem, und Gossec's Messe wird nicht mehr\nerwähnt. Seine komischen, seine ernsten Opern haben Er-\nfolg, aber Gretrv und Gluck verdrängen sie von der Bühne.\nEr gründet die erste Gesangschule in Frankreich, aber die\nRevolution stösst das kaum aufgeführte Gebäude um, und\nder Glanz des Conservatoires stellt sein Verdienst in Schat-\nten. Unbestritten bleibt ihm der Ruhm des grossen Theo-\nretikers: auch das nicht—sein eigener Schüler nimmt ihm\nden Kranz vom Haupte.\nWie edel und liebenswürdig steht aber sein Charak-\nter da, wenn man sein ganzes Leben hindurch wahr-\nnimmt, dass er diese Ungerechtigkeit des Schicksals für\nseine Person nie bemerkte, geschweige denn anklagte. Im\nGegentheil: er ging darauf ein, er begünstigte sie selbst,\nindem er den Nebenbuhlern, die ihn entthronten, stets\nhülfreiche Hand leistete, um ihnen empor zu helfen. Er\nwar der Erste, der Haydn's Werke in Frankreich ein-\nführte und verbreitete, welche die seinigen in Vergessen-\nheit begruben; er half Gluck, eine musicalische Revolution\nzu vollbringen, welche den Styl seiner eigenen dramati-\nschen Arbeiten verurtheilte. Gossec besass die bei Künst-\nlern leider so seltene Eigenschaft, die Kunst rein um ihrer\nselbst willen zu lieben, ohne alle Beziehung auf seine Per-\nson und seine eigenen Werke. Er gehörte zu der kleinen\nAnzahl von Künstlern, die sich über die Erfolge Anderer\nwahrhaft freuen und in ihren Genossen nicht Neben-\nbuhler, sondern Brüder und Mitförderer der Kuns!\nsehen."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "238", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590723-01.1.6", "texte": "Er war kein Genie ersten Ranges, aber ein ungeheu-\nres Talent, das alles, was es angriff, bis zu einer gewissen\nVollendung führte, und alles, was es erreichte, sich selbst\nzu danken hatte. Seine Werke, jetzt vergessen, wie so\nvieles Andere, gehören der Geschichte der Tonkunst an.\n[Es dürfte jedoch heutzutage, wo die Mode der Antiken-\nliebhaberei in der Musik ihm zu Hülfe kommt, der Versuch\nder Mühe lohnen, Bruchstücke aus dem Requiem, dem\nTe Deum, dem Oratorium La Nativite (das dem neuesten\nfranzösischen Componisten eines ähnlichen Stoffes nicht\nunbekannt gewesen sein soll) u. s. w., und namentlich das\n0 salutaris hostia für drei Männerstimmen a capella ein-\nmal wieder hervorzuholen.]\n\nAus Wiesbaden\nh.\n>*)•\nDie Herren Virtuosen scheinen mit richtigem Tact ge-\nfühlt zu haben, dass in diesem Jahre in unserer Curstadt\nder Boden nicht besonders geeignet ist, eine erspriessliche\nAernte hoffen zu lassen; sie sind ausgeblieben, die Herren\nZugvögel, und streifen unterdessen entweder in milderen\nLuftschichten, wo das wilde Kriegsgeschrei die Ohren der\nMenschen noch nicht abgestumpft hat für die weichen\nKlänge der Pensees sentimentales u. s. w., oder sie haben\nnoch höhere Regionen erstiegen, um uns demnächst mit\nzeitgemässen Tongemälden zu beglücken, in denen wir den\nDonner der gezogenen Kanonen zu hören und die Zuaven\nund Turcos zu sehen bekommen. Doch wie dem auch sein\nmöge, wir wollen die Herren Virtuosen ruhig da lassen,\nwo sie sind, und von einem Concerte sprechen, welches\nam 11. Juli im hiesigen Curhause Statt fand und uns ganz\nandere Sachen brachte als Paradestückchen des modernen\nVirtuosenthums.\nMit sechsundfünfzig Mitgliedern des mainzer Män-\nner-Gesangvereins und den Instrumentalkräften der\nhiesigen Hofcapelle, so wie der nassauischen Militärmusik\nveranstaltete nämlich Herr Capellmeister Lux aus Mainz\nvor einem sehr zahlreichen Publicum ein Concert, welches\neben so sehr durch den künstlerischen Werth der vorge-\nführten Tonstücke als durch die gelungene Aufführung\nderselben grosses Interesse gewährte. Für den wahren\nKunstfreuud wurde das letztere noch in so fern erhöht, als\ndieses Concert uns den abermaligen Beweis lieferte, dass\nes heutzutage doch noch Künstler gibt, die im Stande sind,\nNeues zu schallen, ohne barock zu werden und die Gränz-\nlinien des Musicalisch-Schönen zu überschreiten. Zu dieser\nUeberzeugung gelangten wir bei Anhörung der Ouver-\ntüre zur Oper „Rosamunde\" und der Cantate „Corio-\nlan\", beides Compositionen des Herrn F. Lux. Die erstere\nist wegen ihrer elegischen Färbung von wunderbarer Wir-\nkung, und im „Coriolan\" begegnen wir einem Bilde krie-\ngerischen Lebens, welches in den prachtvollen und sehr\ndankbaren Männerchören zum vollsten Ausdruck gelangt.\nDie Motive sind überall von frischer und gesunder Farbe,\nund in der glänzenden, aber nie überladenen Instrumen-\ntirung finden wir sehr viele Stellen, die neben der geisti-\ngen Gabe der Erfindung das grosse Talent des Compo-\nnisten in der eigentlichen Factur bekunden. Die weiblichen\nSolo-Partieen waren in den Händen von Fräulein Zum\nBusch aus Mainz und Fräulein Hartmann von hier und\nwurden recht schön vorgetragen; dasselbe können wir je-\ndoch nicht von Herrn Prelinger vom hiesigen Hofthea-\nter sagen, der die effectvolle Partie des Coriolan denn doch\netwas gar zu nachlässig behandelte. Da wir hier auch\nVereine besitzen, die den Männergesang cultiviren, so war\nman auf das Auftreten des mainzer Vereins sehr gespannt,\nund die Aufgabe desselben war um so schwieriger. Allein\nman erkannte sehr bald die Trefflichkeit der Leistungen,\nund nach jeder einzelnen Nummer brach ein wahrer Bei-\nfallssturm aus. Vom künstlerischen Standpunkte aus müs-\nsen auch wir den Beifall als einen wohlverdienten bezeich-\nnen, denn die Chöre aus Coriolan sowohl wie die beiden\nQuartette: „Wie hab' ich sie geliebt\" von Möhring und\n„Der Wald\" von Häser, wurden mit der reinsten Intona-\ntion und den feinsten Nuancirungen vorgetragen. Schliess-\nlich sei noch erwähnt, dass die Sängerin Fräulein Zum\nBusch mit der Ocean-Arie aus Oberon grossen Beifall\nerrang, Herr Pianist Pallat von hier mit trefflicher\nTechnik und künstlerischer Auffassung das Capriccio in\n11-moll von Mendelssohn spielte, und das Ave von\nSchubert, übertragen von F. Lux, für Harfe, Violoncelle\nund Orgel-Melodium eine schöne Wirkung hervorbrachte.\n*') Nicht von unserem gewöhnlichen Correspondenten, dessen Be-\nricht über das letzte Semester wir entgegensehen.\nDie Redaction.\n\nTheaterjahr 1858—1859 in Berlin.\nDas Schauspiel beschloss seine Vorstellungen am 9.\nJuni mit Lessing's „Nathan\", die Oper am 19. Juni mit\neinzelnen Acten und Scenen aus „Teil\", der „Weissen\nFrau\", „Jüdin\", und das Ballet am 30. Juni mit „Flick's\nund Flock's Abenteuer\". Der in letzter Zeit sehr spärliche\nBesuch mag wohl die General-Intendanz dazu veranlasst\nhaben, die k. Bühnen früher als sonst zu schliessen. Die\nFerien währen bis zum 31. Juli. Geschlossen blieben die\nk. Theater, wie gewöhnlich, am 21., 22., 23. April (Char-\nwoche), am 18. Mai (Busstag) und am 7. Juni (Sterbetag"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "239", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590723-01.1.7", "texte": "des Königs). Die Gesammtzahl der vom 18. August 1858\nbis 30. Juni 1859 gegebenen Vorstellungen betrug 50-3,\ndie sich folgenderMaassen vertheilen: 61 Trauerspiele, 119\nSchauspiele, 99 Lustspiele, 13 Possen, 100 ernste Opern,\n40 komische Opern, 12 Singspiele und 92 Ballette.\nIm Schauspiel kamen vor:\nBabo 1, Bauernfeld 1, Benedix 7, Birch-Pfeiffer 28,\nBlum 1, Brachvogel 13, Calderon 3, Freytag 4, Göthe\n11, Griepenkerl 5, Halm 1, Hersch 30, Herz 4, Hack-\nländer 2, Iffland 3, Jordan 3, Kleist 4, Kotzebue 8, Ket-\ntel 2, Kühne 2, Laube 2, Lederer 5, Lessing 10, v.\nMevern 6, Moliere 15, Moreto 3, Mosenthal 2, Prinz. A.\nv. S. 1, Putlitz 2,9, Raupach 13, Rautenstrauch 2, von\nRedwitz 4, Schiller 21, Schröder 1, Scribe 17, Shake-\nspeare 29, Tenelli 2, Töpfer 4, Uchard 1, Wilhelmi 8,\nWölfl' 6, v. Weissenthurn 6 Mal.\nDessgleichen in der Oper:\nAuber 14, Bellini 5, Beethoven 4, Boieldieu 2, Che-\nrubini 4, Conradi 6, Donizetti 9, Dorn 2, v. Flotow 10,\nGluck 6, Halevy 1, Isouard 5, Lortzing 1, Meyerbeer 18,\nMozart 20, Nicolai 5, Offenbach 6, Rossini 9, Spohr 1,\nSpontini 5, Taubert 5, Verdi 3, R. Wagner 15, Weber 6\nMal.\nVon den Ballet-Vorstellungen kommen 72 auf Paul\nTaglioni, 7 auf Hoguet, 7 auf Perrot, 4 auf Mazilier und\n2 auf Philippe Taglioni.\nDie Novitäten und Neuinscenesetzungen waren:\na) Im Schauspiel (9 Stücke): 2 Trauerspiele („Mon-\ndecäs\", „Die Witwe des Agis\"); 5 Schauspiele („Das\nTestament des grossen Kurfürsten\", „Heinrich von Schwe-\nrin'\", „Die Anna-Lise\", „Philippine Welser\", „Auf der\nhohen Rast\"); 2 Lustspiele („Durchs Fernrohr\", „Fräu-\nlein Höckerchen\").\nNeu einstudirt (5 Stücke): 1 Drama („König Rene's\nTochter\"); 3 Lustspiele („Der Geizige\", nach Dingelstedt's\nBearbeitung, „Der Freimaurer\", „Das letzte Mittel\");\n1 Posse („Die feindlichen Brüder\").\nDas in Aussicht gestandene Trauerspiel „Die Sabine-\nrinnen\" kam nicht zur Aufführung.\nb) In der Oper zwei ernste Opern („Lohengrin\",\n„Hernani\"); eine komische („Die Braut des Flussgottes\");\nein Singspiel („Die Verlobung bei der Laterne\").\nNeu einstudirt: „Sophie Katharina\" von Flotow; „So\nmachen es Alle\" von Mozart.\nc) Im Ballet: „Flick's und Flock's Abenteuer\"; „Des\nMalers Traumbild\" (einactig).\nNeu einstudirt: „Der Polterabend\" (einactig).\nIn der Oper zwei Debüts: Fräul. Carl und Herr\nMeyer. Beide haben nach kurzem Engagement die k.\nBühne wieder verlassen. Gastspiele fanden siebenzehn\nStatt (an 42 Abenden). Die Damen: Bury 4 Mal, Gün-\nther 1 Mal, Eben 1 Mal, Kraus 2 Mal, Sofia 2 Mal,\nUlrich 2 Mal, Pollack 2 Mal, Härting 2 Mal, Feh-\nringer 2 Mal, Nimbs 2 Mal, Marquardt 1 Mal; die\nHerren: Grill 3 Mal, Humbser 1 Mal, Karl Schnei-\nder 3 Mal, Ander 9 Mal, Betz 3 Mal, Grimminger\n2 Mal. Die Gesellschaft der Bearner Sänger gastirte 2\nMal. Neu engagirt wurden für die nächste Saison:\ndie Damen: Pollack, Härting, Deahna, die Herren\nBetz, Grimminger, Woworski, Schilke.\nIm Ballet fanden sechs Gastspiele (an 20 Abenden)\nStatt. Die Damen: Guichard 2 Mal, Bagdanoff 10\nMal, Frideberg 4 Mal, Casati 1 Mal, Battaglini 2\nMal (die beiden letzten wurden engagirt) und Herr Bag-\ndanoff 1 Mal.—Herr und Frau Teile sind (nach Wien\nabgegangen.\nGestorben: Herr Jerrmann, Herr Commentz.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\n*** Wien. Die deutsche Oper im Hof-Operntheater hat am\n17. Juli mit Fidelio begonnen. Dem Vernehmen nach werden die er-\nsten neuen Opern, die zur Aufführung kommen, Meyerbeer's Wall-\nfahrt nach Ploermel und K. Wagner1 s Tannhäuser sein. Als eine\nbald zu erwartende Reprise bezeichnet man ~Die Musketiere der\nKönigin\", in welcher der neue Tenor, Herr Vukovic, debutiren\nwird. Auch eine neue Scenirung des Freischütz und eine Auffüh-\nrung der Taubert'schen Oper Macbeth, in welcher Frau Czillag die\nLady Macbeth singen würde, steht in Aussicht. Auch von der neuen\nOper von Marschner ist wieder die Rede und von Gluck's\nArmida.\nDie italienische Oper ist zu Ende. Ob für immer oder nur\nfür diese Saison ? Das erstere ist kaum wahrscheinlich, obgleich\nwährend des Krieges sich starke oder wenigstens sehr laute Stim-\nmen für die Entbehrlichkeit erklärten. Wenn diese sich durch die\nKostspieligkeit und schlechte Organisation des Unternehmens bestim-\nmen liessen, so waren das allerdings haltbare Gründe und sind es\nnoch j flössen sie aber aus nationalen Antipathieen, so muss man\ngegen den Einfluss von dergleichen Grundsätzen, die oft sogar nur\nStimmungen sind, anf die Kunst Verwahrung einlegen. Der Besuch\nwar freilich dieses Mal sehr spärlich; man würde aber ungerecht\nsein, den Mangel an Theilnahme der Mittelmässigkeit der Opern-Ge-\nsellschaft zur Last zu legen, da nur die Zeitverhältnisse ihn mit\nsich brachten. Den übellaunigen Kritiken mancher hiesigen Blätter\ntreten andere, deren Urtheil weniger von Leidenschaft getrübt ist,\nentgegen, wie z. B. die „Recensionen\" und die „Neue Wiener Mu-\nsik-Zeitung\". Erstere namentlich gedenken, ohne sich irgendwie dem\nTadel des Tadelnswürdigen zu verschliessen, des mannichfachen\nGuten der diesjährigen Saison, worunter das Auftreten der Damen\nLafon und Fioretti gehört, zweier mit zwar ganz verschiedenen,\naber nicht gewöhnlichen Vorzügen begabter Sängerinnen, und das\nErscheinen einer neuen komischen Oper in zwei Acten,\nvon Carlo Pedrotti, deren Erfolg durch die melodiöse Compo-\nsition und die Darstellung der Hauptrollen durch Fräul. Fioretti und\nden trefflichen Buffo Zucchini herbeigeführt wurde. „Maestro Pe-\ndrotti\" sagt das genannte Blatt ~ist nicht so ganz talentlos,\nwie so viele seiner Collegen, auch nicht ohne Geschicklichkeit. Hier\nund da kommt ein Gedanke vor, den der Componist mit gutem Ge-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "240", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590723-01.1.8", "texte": "wissen als sein Eigenthum betrachten darf, und das ist heutzutage\nschon viel. Was er Anderen entlehnt, verarbeitet er mit Geschick\nund mit Effect. Leider nur äussert sich Verdi1 s Einfluss allzu sehr\nin der Rohheit lärmender Instrumentation u. s. w. Erfreulich ist das\nVorwalten des melodischen Elements und eine unverkennbare Frische\nund Ungezwungenheit der Bewegung.\" — Unter den 72 Vorstellun-\ngen fielen 20 auf Rossini (Barbier 7 Mal), 15 auf Verdi (Tro-\nvatore 6 Mal), 11 auf Bellini (Norma 8 Mal), 10 auf Doni-\nzetti (Lucrezia 7 Mal), 5 auf Pedrotti, 4 auf Cimarosa, (11\nmalrimonio scgrelo, neu einstudirt, grosser Erfolg), o auf Mozait\n(Figaro), 3 auf Picini (Elisa Valesco, mit schwachem Eindruck).\n*** Seltwalbaclt* Am 8. d. Mts. gab der treffliche Pianist,\nHerr Wilhelm Wülfing hoff aus Wiesbaden, hier eine Soiree\nvor einer glänzenden Versammlung, welche die ganze vornehme Bade-\nGesellschaft bildete. Diese Frequenz der Zuhörerschaft war sowohl\ndurch das anerkannte Talent des Concertgebers, der hier in jeder\n♦\nSaison dem gebildeten Kreise der Musikfreunde eine willkommene\nErscheinung ist, als durch das Interesse hervorgerufen, welches das\nAuftreten eines ausgezeichneten Dilettanten erregte. Der kaiserlich\nrussische Collegienrath und Ritter des Stanislaus-Ordens II. Classe,\nHerr H. . . welcher die Güte hatte, den Concertgeber zu unter-\nstützen, besitzt eine Tenorstimme, welche in der That ein Phänomen\nist, da sie nicht mit angequälter französischer Forcirung, sondern\nmit natürlicher Leichtigkeit das hohe h und c aus der Brust her-\ngibt. Herr H. sang sieben Piecen in russischer, deutscher, französi-\nscher und italiänischer Sprache mit grossem Beifall. Ganz besonders\ninteressant waren unter seinen Vorträgen zwei russische Romanzen\nvon Warlamow und von Bulachow. Die Ciavier-Vorträge wur-\nden alle mit grossem Beifall aufgenommen; besonders ausgezeichnet\nwurden Beethoven' s W ülfinghoffs Grande\nEtüde d'expression und Messer's „Glockenspiel'4, ein ganz artiges\nStück, in welchem mehr als die Klingelei liegt, die man dem Titel\nnach erwartet.\n** Arailftcim# Die Nachricht (in Nr. 23) über das allgemeine\nMusikfest des grossen niederländischen Vereins zur Beförderung\nder Tonkunst, welches hier im August Statt finden sollte, beruhte\nauf einem Irrthum. Der Verein hat das Fest bereits Anfangs Juni\nwegen der politischen Verhältnisse vertagt.\nSiöBUale&Ba, Karl Form es ist vorige Woche durch London\ngekommen, hat aber seine Reise nach dem Rheine gleich weiter\nfortgesetzt, um sich in Wiesbaden von den Anstrengungen seiner\nReisen in America zu erholen, wo der ungeheure Erfolg ganz dem\ngrossen Rufe entsprach, den er in Europa erworben hat. Er wird\naber bald hieher zurückkommen, wo ihn alsdann sicherlich das ganze\nhiesige Publicum mit herzlichem Jubel empfangen wird.\n(Mus. World.)\nPesther Blätter schreiben: „Welch lähmenden Einfluss die Un-\ngunst der Zeitverhältnisse auf die Theaterlust übt, erhellt daraus,\ndass die Statt findenden Gastspiele zweier so bedeutsamen Kunst-\nkräfte, wie Herr und Frau Nie mann (Marie Seebach) es sind, das\ndeutsche Theater kaum zur Hälfte füllen. Wir haben die letztge-\nnannte Künstlerin bisher als Fenella in der Stummen von Portici,\nals Katharina in dem Shakespeare'schen Lustspiele Die bezähmte\nWiderspänstige und als Griseldis gesehen, und in allen diesen Lei-\nstungen die üppige Fülle ihrer reichen Kunstbegabung an allen Stel-\nlen zu bewundern Gelegenheit gehabt, an denen die Eigentümlich-\nkeit ihres Kunstvermögens zur freien, durch keinerlei Verkünstelung\nbehinderten Entwicklung kam. Leider aber scheint die Neigung, sich\nin Künsteleien zu ergehen, immer vorwiegender zu werden. In Herrn\nNiemann lernten wir einen trefflichen Sänger kennen, welcher in\ndieser tenor-armen Zeit auf mehr als gewöhnliche Beachtung An-\nspruch machen darf. Die imponirende Gestalt, die volle, meist wohl-\nlautende Stimme, der von guten Studien zeugende correcte Vortrag\nstimmen zu Gunsten des Sängers, dessen vorzüglichste Wirksamkeits-\nSphäre die der so genannten Heldentenor-Partieen zu sein scheint.\nEr erzielte als Raoul in den Hugenotten, in welcher Oper er die\nvon uns gerühmten Vorzüge in vollem Maasse entfaltete, den gün-\nstigsten Erfolg.\"\nDie nach wiener Journalen in der vorigen Nummer mitgetheilte\nNachricht, dass der bekannte Schauspieler Ascher gestorben sei,\nbestätigt sich nicht."}]}