{"numero_id": "bm-bmtnabi-1859-08-20-01", "volume": "bmtnabi_1859-08-20_01", "ocr_sha256": "bff10ac714ac9c374728e4108a30989204caefd61d40dd87e005978124a0bfb1", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1859/08/20_01/bmtnabi_1859-08-20_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590820-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1859-08-20-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-08-20_01#c001", "volume": "bmtnabi_1859-08-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "265", "page_fin": "265", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590820-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "265", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590820-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 439, "texte": "Inhalt.\nDer Musik Pflege, Treiben und Auswüchse in Wiesbaden (Vereins-Coneerte, Sinfonie von A. Stadtfeld, Soireen für Kam-\nmermusik, Oper: Repertoire, Personal, Carlo Rosa von B. Scholz). Von W. W. Meyerbeer's in London. Von C. A.\nFräulein Titjens und Frau Czilläg. Schluss. Americanisches Curiosum. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln,\nFräulein Amelie Bido Mainz, Neue Orgel in der Stephanskirche Wien, Theodor Formes Deutsche Tonhalle)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-08-20-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-08-20_01#c002", "volume": "bmtnabi_1859-08-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "265", "page_fin": "269", "image_debut": 1, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590820-01.2.2", "titre_corps": "Der Musik Pflege, Treiben und Auswüchse in Wiesbaden.", "titre_sommaire": "Der Musik Pflege, Treiben und Auswüchse in Wiesbaden.", "signature_source": "W. 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In-\ndem ich um Entschuldigung bitte, gelobe ich, in Zukunft\nmindestens Quartal-Berichte einzusenden.\nZuvörderst seien unsere vier Vereins-Concerte\nerwähnt, vom hiesigen Cäcilien-Verein und vom Thea-\nter-Orchester veranstaltet. Das erste derselben brachte\nN. W. Gade's Comala und Beethoven's C-moll-Sinfonie.\nGedicht und Musik des ersteren Werkes sind hinreichend\nbekannt; die Aufnahme war eine beifällige. Fräul. Leh-\nmann hatte die Partie der Comala, Fräul. Herbold die der\nDesagrena, Fräul. Schönchen die der Melicoma und Herr\nSimon die des Fingal übernommen, und Alle lös'ten ihre\nAufgabe mit Correctheit und Präcision. Mit viel grösserer\nWärme ward Beethoven's Meisterschöpfung aufgenommen,\nderen Ausführung in allen Theilen eine vorzügliche war.\nDas zweite Vereins-Concert brachte ein wenig be-\nkanntes Werk eines leider für die Kunst zu früh verbliche-\nnen Tonkünstlers, nämlich die IV. Sinfonie von Alexan-\nder Stadtfeld, Sohn des hier noch in Wirksamkeit ste-\nhenden Capellmeisters der Militärmusik des herzoglichen\n11. Regiments. Ich kann Ihnen sagen, dass das Werk aus-\nserordentlich schön ist in allen seinen Sätzen und das offen-\nkundigste Zeugniss von dem seltenen Talente des Compo-\nnisten ablegt. Es ist frei von allem Manierirten und Ge-\nkünstelten, gefällt durch eine Einfachheit, die man classisch\nnennen könnte; es zeichnet sich durch eine feine, sinnige\nInstrumentation der natürlich fliessenden Melodieen aus\nund erinnert ganz an Haydn's und Mozart's Sinfonieen.\nMan lauschte der Aufführung mit hohem Interesse und mit\neiner Pietät, die man sonst nur berühmten Todten schuldet.\nDie zweite Abtheilung des Concertes führte uns Mendels-\nsohn's Sinfonie-Cantate „Lobgesang\" nach Worten der\nheiligen Schrift für Soli, Chor und Orchester vor. Die\nTenor-Soli hatte Herr Prelinger übernommen. Dieses ma-\njestätische Werk rief die Begeisterung eines jeden Zuhö-\nrers wach. Ich möchte es eine der schönsten Compositionen\ndes Meisters nennen; edel, gross, schwungvoll, tief und\nwahr empfunden ist es überall. Wie fesselnd und erhebend\nsind nicht die Instrumentalsätze, die des Werkes Einleitung\nund Interpretation zugleich sind! Ich möchte behaupten,\ndass das Orchester im Bewusstsein seiner schönen Aufgabe\nmit seltener Meisterschaft und noch seltenerer Begeisterung\neine Aufführung bot, wie sie nicht oft geboten werden\ndürfte. Die Chöre waren gut einstudirt und gingen gut.\nHerr Prelinger bewies sich als einen gediegenen Concert-\nsänger.\nDas dritte Vereins-Concert brachte die erste\nWalpurgisnacht von Mendelssohn und—bekommen Sie\nnicht alle Achtung für diesen Verein? Beethoven's\nneunte Sinfonie! Das Orchester hat sich immer mehr\nin den Geist dieser Tondichtungen hineingearbeitet, und\nes verdient Herr Capellmeister Hagen grossen Dank für\ndas ernstliche Bemühen, solchen erhabenen Tongemälden,\nwie die genannten sind, immer mehr Eingang bei dem\nPublicum zu verschaffen, das Interesse dafür anzuregen\nund Genuss und Freude und Verständniss für solche Schö-\npfungen anzubahnen.\nDas vierte Vereins-Concert brachte uns eine will-\nkommene Wiederholung der Haydn'schen Schöpfung, uns\nallen vom vorigjährigen, hier Statt gehabten Musikfeste\nnoch in lebhaftester Erinnerung. Fräulein Lehmann sang\njetzt wie damals die Partieen des Gabriel und der Eva,\nHerr Karl Schneider den Uriel, ein mit schönen Stimm-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "266", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590820-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5429, "texte": "mittein begabter Dilettant, Herr Hi 11- Mal apert von\nFrankfurt, den Raphael und den Adam. Der Gesammt-\nEindruck des Werkes war ein günstiger. An Präcision\nfehlte es von keiner Seite; die Tempi waren mehr die tra-\nditionellen, als diejenigen an dem eben erwähnten Musik-\nfeste ; Kräfte und Räumlichkeit standen in ziemlich gutem\nVerhältniss. Die Chöre gingen gut, die Solisten thaten ihr\nSchuldiges und Restes. Das Orchester kann man niemals\nanders als lobend erwähnen.\nAusser diesen Concerten, die Herr Capellmeister Ha-\ngen von hier mit Eifer und grosser Sorgfalt leitet, verdie-\nnen die von den Herren Raldenecker, Scholle, Wag-\nner und Grimm, sämmtlich Mitgliedern des herzoglichen\nTheater-Orchesters, veranstalteten Soireen für Kam-\nmermusik die nächste und rühmlichste Erwähnung. In\nneun Soireen, deren erste am 22. November v. J. und de-\nren letzte am 16. März d. J. Statt fand, kamen zur Aus-\nführung: Quartette von Haydn, Mozart, Reethoven, Schu-\nbert (A-mott,2 Mal) und Spohr; für Pianoforte Sonaten\nvon Reethoven mit Violine oder Violoncell, das\nTrio Op. 97 u. s. w.\nDas Ganze war eine schöne, Achtung gebietende Aus-\nwahl. Der talentvolle Clavierspieler Herr Pallat von hier\nist mit in den Rund der „Vier\" getreten. Herrn Pallat's\nLeistungen sind durchaus zufriedenstellend; er besitzt eine\ntüchtige Technik und lernt einen guten Gebrauch davon\nzu machen. Das Ensemble der erstgenannten vier Herren\ngewinnt alljährlich an Präcision; ihr Fortschreiten ist ein\nsichtliches, und haben sie bereits einen hohen Grad von\nSicherheit erlaiigt. Die Schattirungen sind eben so fern\nvom bloss Effectvollen und Manierirten, als sie dem höhe-\nren Ziele, nur den richtigen, vom Componisten beab-\nsichtigten Ausdruck zu finden, immer näher kommen. Die\nQuartett-Soireen sind ziemlich gut besucht und werden es\njedenfalls von Jahr zu Jahr immer mehr.\nGehen wir zur Oper über, so ist vor Allem die Uner-\nmüdlichkeit unseres fast nie stillstehenden Theaters anzu-\nerkennen. Das Repertoire vollständig mitzutheilen, dürfte\nüberflüssig sein, da es bei allen deutschen Hof- und Stadt-\nTheatern so ziemlich dasselbe ist. Mit dem Personal kön-\nnen wir uns bei dem jetzigen Mangel an wirklichen\nSängern befriedigt erklären. Da hatten wir z. R. die Norma\nmit Herrn Auerbach als Sever, Herrn Lipp als Orovist,\nFräul. Lehmann als Norma, Fräul. Herbold als Adal-\ngisa. Die Oper ist hier beliebt, und Fräul. Lehmann sieht\nsich gern als Frau Norma. Die Oper gibt auch Herrn\nAuerbach Gelegenheit, die Kraft seiner Lunge zu zeigen,\nwelche Gelegenheit er denn auch niemals verabsäumt. Er\nhat last nur einzelne schöne Töne, die zudem nur Erzeug-\nnisse grosser Anstrengung sind. Ich brauche Ihnen danach\nwohl kaum noch zu sagen, dass er der Helden-Tenor un-\nserer Rühne ist. Herr Lipp hat einen sonoren, prächtigen\nRass und ist dabei auch ein gern gesehener Sänger. Impo-\nnirende, schöne Figur, das ist auf dem Theater auch etwas.\nDann erwähne ich „Das Nachtlager von Granada\" von\nKreutzer mit der freundlichen Erscheinung des Fräul. Her-\nbold als Gabriele; ihre Stimme ist hier gerade ausreichend\nund am wirksamsten. Herr Simon (Jäger) hat einen bieg-\nsamen Rariton von grosser Ausgiebigkeit. Er hat das „Zu\nviel\" des Vibrirens bei Seite gelegt und wird noch lange\neine vorzügliche Acquisition für jede gute Oper sein, wenn\ner ernstliches Studium des Gesanges mit ernstlichem Stu-\ndium der richtigen Action Hand in Hand gehen lässt. Herr\nPrelinger ist ein lyrischer Tenor, dessen Stimme eine\naussergewöhnliche Zartheit und Weichheit besitzt. In der\n„Stummen\", mit Herrn Prelinger als Alphonso, Fräul.\nHartmann als Elvira, ist Herr Auerbach als Masaniello in\nder That ausgezeichnet; sein Feuer in Spiel und Gesang\n(ein Risschen loslegen oder losgehen darf er ja hier schon)\nist von hinreissender Gewalt. Fräul. Opfermann ist eine\nvorzügliche Fenella, so wie auch Herr Kren vom gross-\nherzoglichen Hoftheater in Darmstadt als Pietro und unser\nHerr Abich als Rorella lobende Erwähnung verdienen.\nHerr Kren sang auch bald danach den van Rett in Czaar\nund Zimmermann, womit er eine gelungene Leistung hin-\nstellte, jedoch Herrn Abich nicht übertraf, der hier ge-\nwöhnlich diese Partie singt und ganz besonders gut spielt.\nAuch im Othello glänzt Herr Auerbach. Die Zauberllöte\nist dagegen ein weniger ergiebiges Feld für unseren Helden.\nHerr Lippist ein würdiger Sarastro, Fräul. Hartmann\nrecht brav in der Partie der „nächtlichen Königin\"; Fräul.\nClara Gross als Parnina wurde von uns schon früher als\nvielversprechend erwähnt. Fräul. Herbold, Frau Hagen,\nFräul. Schönchen sind (trotz Papageno's Meinung) das\nsehens- und hörenswertheste singende Gefolge der Königin.\nNach Don Juan mit den Original-Recitativen und den Hu-\ngenotten hatten wir Lohengrin in kurzer Zeit drei Mal.\nResetzung: Herr Lipp (Heinrich der Vogler), Herr Auer-\nbach (Lohengrin), der vorzüglich in dieser Partie ist, Fräul.\nHartmann (Elsa), Herr Simon (Telramund), Fräul. Leh-\nmann (Ortrud), Herr Peretti (Heerrufer). Man spricht nicht\ngern mehr von der „italischen Erhebung\" und dem be-\nrühmten „Schmerzensschrei\" der Halbinsel: lassen Sie uns\nauch nicht mehr von dieser „Erhebung\" und diesen\n„Schmerzensschreien\" reden.\nIm Februar veranstaltete Herr Hof-Concertmeister Th.\nSchmidt eine Soiree. Er hatte dreizehn Künstler zur Mit-\nwirkung herbeigezogen. Es wurde das Nonett von Spohr\ngemacht; Herr Rummel spielte die Cascade von Pauer\nund mit dem Concertgeber und Herrn Ruths eine Phan-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "267", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590820-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5176, "texte": "tasie über Motive aus Oberon für Piano, Hoboe und Cla-\nrinette von Christian Rummel. Auch Zither-Vorträge er-\nCT\nklangen im Saale, ausgeführt von Herrn Rössel. Der Con-\ncertgeber ist Mitglied der Hofcapelle, ein vorzüglicher Cia-\nrinettist, der in jüngeren Jahren grössere Kunstreisen mit\nvielen Erfolgen unternommen.\nVor dem Schlüsse des Theaters—vom 1. April bis 1.\nMai sind noch zu erwähnen: „Robert\" und „Fidelio\"\n(Fräul. Lehmann). Man macht sehr oft die grosse\nOuverture, die jedes Mal Zeugniss ablegt von der Tüch-\ntigkeit des Orchesters, des in der Regel meist geplagtesten\nund schlecht bezahltesten Theiles jeder Opernwirthschaft.\nWann wird der Schmerzensschrei sämmtlicher deutscher\nOrchester einmal zu den musicalischen Ohren eines Be-\nfreiers dringen!\nAm 27. März wurde zum ersten Male „Carlo Rosa\",\nromantische Oper in drei Acten, Musik von Bernhard\nScholz, aufgeführt. Besetzung: Jolanthe, Fräul. Hart-\nmann; Therese, Fräul. Herbold; Graf Flavio, Herr Pe-\nretti; Belmonte, Herr Simon; Giacomo, Herr Prelinger;\nNicolo, Herr Lipp.\nLeider ist dem Componisten widerfahren, was so vie-\nlen Musikern in Deutschland begegnet: der Drang, eine\nOper zu schreiben, umnebelt ganz und gar ihr kritisches\nund ästhetisches Urtheil über das Textbuch und führt sie\nzu argen Missgriffen. Es ist fast unbegreiflich, wie Herr\nB. Scholz dieses Gedicht (?) zum Auftreten mit einer dra-\nmatischen Composition wählen konnte! Der Stoff ist abge-\ndroschen, die Handlung bis zu barem Unsinn unwahr-\nscheinlich, die dichterische Ausführung schülerhaft. Carlo\nRosa, ein singender Karl Moor, um seine Geliebte gebracht\nund verbannt, vertauscht den Grafenstand mit der Räuber-\nhauptmannschaft, lässt Jolanthe, die glücklicher Weise be-\nreits eine herzogliche Witwe geworden, von seinen Spiess-\ngesellen fangen und singt, im Busch versteckt, ein Lied,\num zu prüfen, ob sie noch seiner gedenkt, während sein\nBruder sich auf der Stelle in ihre Schwester Therese ver-\nliebt. Ohne sich sehen zu lassen, gibt Carlo sie wieder frei.\nZu Hause ahnt sie den Doppelgänger in dem Spitzbuben\nund ist in Verzweiflung, als ein Officier des Königs von\nSicilien ihr verkündet, dass, um ihr Satisfaction zu schaf-\nfen, ein Preis auf Carlo's Kopf gesetzt sei. Sie fleht den\nHimmel um ein Mittel zur Rettung an, und siehe, sie fin-\ndet eines; sie lässt sich also vernehmen (zugleich als Styl-\nprobe) :\n„Ja, ja, so rette ich sein Leben,\nVielleicht versteht er meinen Plan.\n(Zum Officier:)\nMein Herr! Der König setzte einen Preis\nAuf Carlo Rosa's, des Banditen, Haupt,\nDoch ihn zu überbieten ist erlaubt.\nVernehmt, Herr Officier, denn mein Geheiss.\nMich hat der Räuber mehr als ihn gekränkt,\nUnd nicht befriedigt mich sein Tod.\nSo hört: Dem Tapfern sei mein Herz geschenkt,\nDer mir ihn lebend überbringt\nIhr habt's verstanden? Lebend, unversehrt!\nBei meinem Zorn und wenn der Fang gelingt,\nWill ich mich rächen, wie mein Herz begehrt.\"\nCarlo's Bruder hat aber diesen Auftritt belauscht und\nberichtet ihn Wort für Wort. Carlo ist wüthend über die\nFalsche, besinnt sich jedoch bald eines Bessern und be-\nschliesst, sich selbst in eigener Person ihr zu „überbrin-\ngen\", um sie zu—ärgern. Gedacht, gethan. Er stellt sich\nihr ohne Waffen, lies't ihr aber den Text, wobei er sogar\netwas unhöflich wird. Da sagt sie ihm endlich: „Missver-\nständniss durch falsche Diplomatie! Das Ganze ist ja mein\nPfiff Du bringst Dich mir lebend und hoffentlich auch\nunversehrt—folglich schenke ich Dir meine lland. Gnade\nfür Deine Räuber-Episode habe ich schon erwirkt!\"\nAllgemeiner Jubel, Hochzeit; Belmonte's (Carlo's) Ent-\nzückung:\n„0 Engel, sieh, zu Deinen Füssen\nLiegt, der so lang1 von Dir verbannt!\nLass micli's an Deinem Herzen büssen,\nDass Deine Lieb1 ich so verkannt !u\nWas sagen Sie zu diesem Drama? Um jedoch die\nTragikomödie voll zu machen, ist eine possenhafte Cari-\ncatur von Anbeter der Jolanthe, eine Art Tristan aus der\nMartha, hineingestopft, der in die ernstesten Scenen hinein-\nplumpt, so dass es einem in der That vorkommt, als ob\ndie Posse die Hauptsache und die Räuber- und Liebes-\ngeschichte nur Ironie sei.\nSonderbar, dass in der Musik, wie mir wenigstens es\nscheint, das komische Element am besten ausgedrückt ist;\nich glaube, dass der Componist eine ungewöhnliche Be-\nfähigung für die komische Oper besitzt. Er hat sich übri-\ngens an die besten Meister und Muster angelehnt, oft aber\nEffecte auf Kosten musicalischer Wahrheit nicht verschmäht.\nAn Reminiscenzen und offenbaren Nachbildungen be-\nsonders C. M. von Weber's fehlt es auch nicht. Doch\nsind diese zuweilen sehr schön und innig empfunden, und\nes ist ausser allem Zweifel, dass der Componist eine gute\nSchule durchgemacht hat und dass er Talent besitzt; ob\naber Originalität, möchten wir bezweifeln. Die Melodieen\nlehnen sich in Rhythmen und Begleitung zu oft an be-\nkannte Muster an. Wir rufen dem Componisten jedoch zu:\nDie komische Oper ist das Feld, wo du dir Lorbern zu\npflücken die Begabung und Weisung hast. Gewöhnlich\naber versucht sich der Mensch so leicht in Bahnen, die\nseinen Talenten fern liegen. Es sollte uns freuen, fänden\nAndere dasselbe bestätigt, was wir in dieser Oper wahr-\ngenommen haben. Auch in den Ensemblestücken leuchtet\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "268", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590820-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5359, "texte": "entschiedenes Talent hervor, wie denn z. B. das Finale\ndes ersten Actes vortrefflich ist.\nIm Monat April ist die einzige grössere Pause, welche\ndie Theater-Maschine in ihrem jährlichen Kreislaufe macht.\nIm Mai hatten wir den Barbier von Sevilla mit Fräulein\nTipka vom k. landständischen Theater in Prag als Rosine.\nIm zweiten Acte sang Fräul. Tipka Variationen von Ca-\npellmeister Neswadba und ein ungarisches Lied von Ko-\nwäts. Sie gefiel eben so sehr als Rosine, wie sie die bei-\nfälligste Aufnahme mit ihren Gesangs-Einlagen fand. Sie\nist hier engagirt worden, trat dann als Lucia auf und er-\nrang sich stürmischen Beifall. Auch Herr Abiger als Bide-\nbent gefiel.\nIn den Hugenotten begegneten wir auch der höchst\nanmuthigen Erscheinung des Fräuleins Johanna Barth,\nTochter des hier lebenden Hof-Concertmeisters Barth.\nGenannte talentvolle, sehr junge Dame trat als Urbain in\nden Hugenotten auf und bewies eine gute Gesangschule,\nsang ihre kleine Partie sehr rein und gefiel nicht minder\ndurch ein anmuthiges, natürliches Spiel.\nFräulein Natalie Frassini (geborene Eschborn)\nwurde dann der Magnet der Oper und drängte fast Alles\nin den Hintergrund. Fräul. Frassini trat zuerst als Lucia\nauf. Wir hörten sie in dieser Oper, die seit ihrem Hiersein\noft herhalten muss, dann als Adina im Liebestrank und\nals Gilda in „Iligoletto\", Oper in vier Acten von Giu-\nseppe Verdi, welche hier mit neuer Ausstattung an Deco-\nrationen und Costumen zum ersten Male am Geburtstage\nSr. Hoheit unseres Herzogs aufgeführt wurde. Das Haus\nsoll an jenem Festtage drückend voll gewesen sein; den\nnächsten Sonntag aber, als wir die erste Wiederholung\nsahen, war das Haus erschrecklich leer. Fräul. Frassini\nmusste die Arie (Nr. 6): „Qualtier Malde! du geliebter\nName!\" da caposingen. Vielleicht gebe ich Ihnen später\nnoch einmal Nachricht von dem Eindrucke, den diese viel-\ngepriesene Oper auf mich gemacht hat. Die Vorzüge des\nGesanges der Frassini brauche ich Ihnen nicht zu schil-\ndern, da Sie sie erst vor Kurzem in Köln gehört und Sich\nselbst ausführlich darüber ausgesprochen haben.\nAusser den täglichen Concerten der Militärmusik im\nCurhausgarten, wo auch Richard Wagner's Musik gespielt\nwird und unmittelbar darauf eine Polka Mazurka, oder\nwiener Sperl-Lustklänge ertönen, hatten wir auch schon ein\nhalbes Dutzend grosser Concerte im Curhause selber.\nDas von Herrn Capellmeister Friedrich Lux gegebene\nist in diesen Blättern bereits erwähnt. Ein anderes wurde\nvon Herrn Edmund Singer, Concertmeister des Gross-\nherzogs von Sachsen-Weimar, Herrn Dionys Pruckner\nvon Stuttgart und Fräul. Emilie Genast gegeben. Herr\nSinger spielte mit Herrn Pruckner die so genannte Kreutzer-\nSonate in Avon Beethoven und trug dann noch vor die\nReverie von Vieuxtemps und von ihm\nselber componirt. Beide Sachen gefielen sehr; nicht min-\nder ärnteten die Künstler mit Beethoven's grosser Sonate\nverdienten Beifall. Es ist aber keine Genialität, nicht ein-\nmal grösste Künstlerschaft in Herrn Singers Spiel; es\nscheint uns vielmehr nur die Frucht grossen Fleisses zu\nsein. Den vier ersten Tacten des Adagio sostenuto fehlte\ngleich der Schwung, der Adel, so wie das darauf folgende\nPresto des nöthigen Feuers entbehrte. Es war „nur eben\nso gespielt\", was da an „Noten\" steht, aber ich vermeine\nimmer, diese wie das ungestüme Meer dahin rollenden Fi-\nguren seien mit „feurigen Noten\" geschrieben, und da der\nganze Satz der wahrste Ausdruck der leidenschaftlich er-\nregten Menschenbrust ist, die von Schmerz, Hoffen, Rin-\ngen und Sehnen und Zweifeln erfüllt ist, so müssten sie\nauch mit der grösitmöglichen Begeisterung und Hingebung\ngespielt werden. Das Andante entbehrte auch der Innig-\nkeit und des breiten, grossen Tones. Die vierte Variation\ngefiel besonders. Der J.-<fwr-Presto-Satz hatte die Künstler\nauch im Herzen warm werden lassen und söhnte uns im\nVergleich mit der Kälte des ersten Satzes mit ihnen etwas\naus. Herr Pruckner, vom Musikfeste in Wiesbaden Ihnen\nnoch in Erinnerung, spielte noch eine\nsur la Quadrille des Patineurs (Prophete) par Liszt\neine Erstaunen erregende Arbeit —, ein Impromptu von\nChopin und Valse-Capricevon Liszt. Er errang sich den\nrauschendsten Beifall mit diesen Bravourstücken. Helden-\nClavierspieler sollte man die Pianisten nennen, die Sachen\nwie die Quadrille spielen!\nFräul. Genast besitzt einen sehr schönen Mezzo-So-\npran und singt, wie eine gute deutsche Sängerin singen\nsoll, die von einem Meister der Technik und des guten Ge-\nschmacks ausgebildet worden ist. Sie sang eine Arie aus\nIphigenie von Gluck, die bekannte Arie aus dem „Barbier\",\neine anmuthige Berceuse aus Le und\nzum Schlüsse mit vielem Ausdruck Schubert's Erlkönig.—\nAcht Tage später hatten wir „dans la satte des reunions\",\nwo diese Concerte meistens Statt finden, ein anderes, ver-\nanstaltet von den Herren Schlösser, Rocke, Stepan\nund Ditt, sämmtlich Mitgliedern des grossherzoglichen\nHoftheaters in Mannheim. Sie sangen mit grosser Präci-\nsion, Reinheit und feinen Schattirungen sechs Männer-Quar-\ntette: „An die Musik\" von VincenzLachner, „Wanderers\nNachtlied\" von C. M. v. Wreber, „An das Vaterland\" von\nLachner, noch ein anderes, „An Maria\", von Lachner, ein\nWalzer-Quartett von 11. Marschner und „Rheinland\" von\nLachner. Die Concertgeber scheinen eine Agentur für die\nFirma Vincenz Lachner übernommen zu haben. Der Ge-\nsammt-Eindruck der Quartette war ein äusserst günstiger."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "269", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590820-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3791, "texte": "Es ist erfreulich, zu sehen, dass erste Opernsänger noch\nZeit finden und so viel Geschmack sich bewahren, sich im\nMänner-Quartett zu vervollkommnen.\nAm 5. August hatten wir ein grosses Concert zum\nBesten der unter dem Protectorat Ihrer Hoheit der Her-\nzogin stehenden Paulinen-Stiftung, unter Leitung des Herrn\nHof-Concertmeisters Barth, unter gütiger Mitwirkung des\nFräul. F rassini, des Herrn Karl Formes, des Herrn\nGiovanni di Dio, königlich preuss. Kammer-Violoncel-\nlisten, des Herrn L. B rassin, und der Militärmusik des her-\nzoglichen 11. Regiments. Die Militärmusik spielte zwei\nOuvertüren mit grosser Correctheit, Herr Brassin mit dem-\nselben Orchester Andante und grosse Polonaise von Cho-\npin, dann solo ein „Chant du und Variationen über\nden Carneval beide Nummern von ihm selbst componirt.\nHerr Brassin ist auch ein Helden-Tastenschläger, er be-\nsitzt eine ausgezeichnete Technik, eine Ausdauer, die Er-\nstaunen erregend ist. Er hat auch zuweilen einen weichen,\nschönen Ton, wenn die Finger, nur an Heldenleistungen\ngewohnt, wollen. Herr Brassin besitzt übrigens Feuer in\nseinem Vortrage. Liesse er sich doch bald einmal hier in\nCompositionen hören, in denen wir den vollen, breiten, ge-\ntragenen Gesangton an ihm bewundern könnten! Herr Gio-\nvanni di Dio trat mit „Souvenirs\ntaisie de Servaisund „Ze Lac de Come\", Barcarole-—\ngewiss sehr zeitgemäss—und „Le Cor des Alpes\", welches\ndas bekannte „Von den Alpen tönt das Horn\" war, hervor.\nSolche harmlose Compositionen sind ganz für die Menge\ngeschrieben; ein Virtuose solchen Namens und solchen\nRanges sollte sich aber dazu nicht herablassen. Herr di Dio\nwürde solche Nummern in einem Concerte in Köln oder\nLeipzig jedenfalls weglassen. [Aber vor einem Bad-Publi-\ncum? Rien ne va plus!] Den vollen, breiten Gesangton,\nden grossen Ton hat uns Herr di Dio nicht hören lassen.\nSpielereien sind keine Musik, blosse Effecte, zarte ppp und\nFlageolet-Töne auf dem Violoncello noch weniger. Gibt es\ndenn nichts Besseres an Solosachen? Herr Karl Formes,\nder ruhmgekrönte und wohlberühmte Sänger, sang den\nSchubert'schen „Wanderer\" und die Arie aus dem „Bar-\nbier\" Gesang-Nummern, mit denen er schon vor zehn\nJahren Furore machte. Die Stimme ist noch immer voll\nund gewaltig und hat, es bedünkt uns so, eine seltene\nFrische erhalten, seitdem er in der neuen Welt gewesen.\nStürmischer Empfang und Applaus selbstredend. Fräul.\nFrassini sang „Nel cor piü no ,\nsielb de l'opera: „La Molinara\",\n„Die Vöglein\" von Gumbert und ein „Schweizerlied\" von\nNina Eschborn. Die drei Nummern fanden ausserordent-\nlichen Beifall. Die Variationen über jenes bekannte Thema\nsind auch wirklich allerliebst und höchst singbar und dank-\nbar geschrieben; selbstredend führte Fräul. Eschborn Al-\nles mit der grössten Reinheit und Eleganz aus. Das Con-\ncert war ungewöhnlich stark besucht, was durch den\nZweck desselben und durch so berühmte Namen gerecht-\nfertigt war.\nHinter dem Cursaale, in dem von der Hitze beinahe\nversengten Parke, geht's recht lustig durch einander. Zur\nZeit der Kriegsbereitschaft hatten wir die halbe mainzer\nGarnison allsonntäglich hier; es war oft ein Bild, wie in\nWallenstein's Lager: hier ein Jäger, dort ein Artillerist,\ndort ein schmucker Husaren-Lieutenant, hier preussische\nArtillerie-Olficiere; dazu das Gesumme der vielen Men-\nschen, hier französisch, daneben da wieder\nRussen und Polen, an ihrer Tracht erkennbar und ihrer\nSprache, Alles im buntesten Bunt; Oesterreicher neben\nPreussen, Arm in Arm zwischen Crinolinen, von Franzö-\nsinnen getragen, einherschlendernd. Dazu Märsche und\n„Tanz, mein Leben,\" und Fantaisie elegante sur Don Juan,\nMusique de Mozart!! Und nun Adieu! Heute singt Fras-\nsini im Trovatore und erhält 25 Louisd'or und Beifalls-\nsturm und Blumen daneben, wie jeden Abend.\nWiesbaden, 11. August 1859.\n\nW. W"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-08-20-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-08-20_01#c003", "volume": "bmtnabi_1859-08-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "269", "page_fin": "271", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590820-01.2.3", "titre_corps": "Meyerbeer’s Pardon de Ploërmel in London.", "titre_sommaire": "Meyerbeer’s Pardon de Ploërmel in London.", "signature_source": "C. 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Die Erscheinung der Oper\nPloermel\" wird Epoche in der Geschichte der Oper bei\nuns machen, und die Lorbern, welche die Stirn des Com-\nponisten zieren, erhalten einen frischen Glanz durch das\nBlatt, welches in den Kranz der übrigen gellochten wor-\nden ist. Der Erfolg von Dinorah übertraf alle Erwartung.\n„Das pariser Publicum in der war am\n4. Mai begeistert, das Publicum des Coventgarden-Thea-\nters war jedoch nicht nur enthusiastisch, sondern ausser\nsich. Meyerbeer z. B. wurde bei der ersten Aufführung\nin Paris erst nach dem Fallen des Vorhangs hervorgeru-\nfen, hier dagegen musste er nach jedem Acte erscheinen.\nWir erinnern uns nie eines grösseren Erfolges. Kein Tadel"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "270", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590820-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5409, "texte": "wurde hörbar kein Zeichen einer getäuschten Er-\nwartung.\n„Meyerbeer schien mit Einem Male alle seine Feinde ver-\nsöhnt zu haben, wenn es deren zu versöhnen gab; er be-\nzauberte das Publicum und entwaffnete jede Kritik. Aller\nTadel verstummte, und wer von der Oper sprach, sprach\nmit Entzücken von ihr. Es ist gewiss, dass hier in England\nkeine von Meyerbeer's Opern einen grösseren Erfolg bei\nder ersten Aufführung erlangt hat, als diese. Es mag viel\ndazu beigetragen haben, dass die Oper keine Aus-\nschmückung durch grossartige Chöre enthält, dass weder\nBallette noch herzzerreißende Vorfälle geschichtlicher oder\nsocialer Farbe, dass keine religiöse, noch nationale, noch\npolitische Fehden uns in Anspruch nehmen und das Kunst-\nInteresse beeinträchtigen. Die einfache Geschichte einer\nLegende bildet den Faden, an welchen der talentvolle\nComponist seine unzähligen Perlen gereiht hat. Niemand\ninteressirt sich für Hoel, den Ziegenhirten, welcher sich,\num reich zu werden, ein Jahr in den Wäldern verbirgt,\nohne sich darum zu kümmern, was aus Dinorah wird!\nAuch ist es schwer, mit Dinorah zu sympathisiren, die, von\nAnfang an wahnsinnig, nur dazu gebraucht wird, hinter\nder Ziege herzulaufen, oder mit ihrem eigenen Schatten\nzu coquettiren. Wer fragt nach Corentin, dem feigen\nBauernlümmel und Dudelsackspieler ? Doch die Handlung\ngibt dessen ungeachtet bewunderungswürdige Gelegenheiten\nfür musicalische Illustration, die Meyerbeer mit ungemei-\nnem Vortheil benutzt hat. Der einfache Charakter der Er-\nzählung muss den Componisten angezogen haben, weil er\nihm Gelegenheit gab, der Welt zu zeigen, dass seine Muse\nprächtiger Schauspiele, aufregender, hoch fliegender Stoffe\nund kolossaler Effecte entbehren könne. Das Libretto sagte\nihm in mancher Hinsicht zu: es bot ein romantisches Hir-\ntenleben dar, das neu und anziehend war, trotz seiner Ein-\nfachheit. Ueberdies war da ein Sturm, eine Üeberschwem-\nmung, ein armes Mädchen, die abgebrochene Sätze wilder\nMelodieen singt und wie Ariel bei der Berührung von des\nComponisten Zauberstab erscheint und verschwindet; ein\nDudelsackbläser, um den Buffo des Stückes zu machen;\nHirten und Schnitter, Hochzeitsfeste und Processionen,\nwelches alles, geschickt in einen Rahmen gefügt, ein hüb-\nsches Bild arkadischen Lebens geben musste. Meyerbeer\nerkannte diese Vortheile mit Einem Blicke und übersah\ndie Dummheiten des Buches. Wie er die mannigfaltigen\nZufälle ins Licht gestellt, die verschiedenartigen Charak-\ntere gruppirt und individualisirt hat, brauchen wir nicht\nerst zu sagen. Die Musik von Dinorah ist weniger glänzend,\nhoch und grossartig, als die seiner früheren Productionen,\ndoch sie übertriflt dieselben an Grazie, Erfindung, melo-\ndischer Schönheit, Neuheit der Ideen, Originalität der Be-\nHandlung und Feinheit der Schattirung. Keine Oper von\nMeyerbeer, wagen wir zu behaupten, ist reicher an Me-\nlodie, an derartiger Melodie, welche mit Einem Male ins\nOhr und Herz der Menge dringt. Darum wird diese neue\nOper ihren Platz unter den vollendetsten Schöpfungen des\nGenie's des Componisten erhalten.\"\nDas Morning Chronicle folgt derselben Parole, rühmt\ndie Stärke und anhaltende Dauer des Applauses, die ge-\nspannte und warme Theilnahme und deren laute Kundge-\nbungen u. s. w. Dann lässt der Kritiker die Melodieen sich\nvon allem, was man bis jetzt zu hören gewohnt gewesen,\nganz und gar unterscheiden. „Das Ohr, überrascht durch\ndie Neuheit der Gedanken und die originelle Art der Ver-\narbeitung und Behandlung derselben, kann nicht hinläng-\nlich bei der Einfachheit und Schönheit der Gedanken ver-\nweilen. (!) Wenn der erste effectvolle Eindruck vorüber ist,\nso erhebt sich die Melodie wie die Sonne, die plötzlich\ndurch die Wolken bricht, und dann kann man einen all-\ngemeinen und correcten Eindruck von dem Werke gleich\nbeim ersten Male, dass man es hört, mit sich nehmen.\nDiese Oper ist das vollkommenste und vollendetste Werk\nMeyerbeer's; sein Genie hat aus jedem Hindernisse des\nTextes eine Stufe zum Triumphe gemacht.\" (!)\n} /\nDer Berichterstatter der umschreibt mit mehr\nPhrasen das in Musical World Gesagte, findet die „grösste\nidyllische Einfachheit\" in der Oper, die „ein Meisterstück\nsui genern ist\", stellt die Dinorah „neben Alice, Valen-\ntine, Fides und—Catherine\"! Das Aergste ist indess, dass\ner die Entäusserung von seinem sonst über Musik so rich-\ntigen und gründlichen Urtheile so weit treibt, von zwei\nDuetten zu behaupten, „man könne unter das eine Ros-\nsini, unter das andere Boieldieu schreiben\"! —Und\ndoch heisst es vorher: „Bei alledem ist die ganze Musik\nreiner Meyerbeer\" und dieser „reine Meyerbeer\"\nsoll sich zu der Wahrheit und Innigkeit der Musik eines\nBoieldieu und zu dem genialen Fluss der unerschöpflichen\nMelodie und zu der musicalischen Charakteristik des Com-\nponisten des Barbiers von Sevilla erhoben haben!\nDoch genug! Es fehlt nur noch die Behauptung, dass\nder Zauber der Oper so gross gewesen, dass die ganze\nvornehme Welt von London in der Stadt gehlieben sei\nund das wirkliche Landleben mit der Bewunderung des\nreizenden Raffinements desselben auf dem Theater ver-\ntauscht habe. Herr Gye hat indess für gut gefunden, nach\nder sechsten Vorstellung der Dinorah die Saison zu schlies-\nsen. Wir glauben sehr gern an die Aufrichtigkeit des En-\nthusiasmus des englischen Publicums; aber die Aufrichtig-\nkeit der musicalischen Presse ist „dem Manne des Jahr-\nhunderts (Meyerbeer)\" gegenüber doch himmelweit ver-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "271", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590820-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 111, "texte": "schieden von der Freimüthigkeit der politischen in Bezug\nauf den anderen Mann des Jahrhunderts in Paris.\n\nC. 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S. Nr. 33.)\nWenden wir uns nun zu Frau Czilläg. Wir befinden uns einer\nSängerin gegenüber, die über eine ziemlich mächtige Stimme von\nbedeutendem Umfange und frischem Glänze gebietet, der insbeson-\ndere auch eine dem Sopran selten eigene Kraft in der Tiefe zu Ge-\nbote steht.\nEs fehlt ihr keineswegs an Talent und Ausbildung, aber an der\nwahren Einsicht und dem feinen Schönheitsgefühl. Die Register ihrer\nStimme sind nicht ausgeglichen, sie überbietet die Kraft ihrer ohne-\ndies klangvollen Tiefe und zwingt den Tönen in dieser Lage einen\nunangenehmen, fremdartigen Gaumenlaut auf, der sich wie die Ca-\nricatur einer Männerstimme ausnimmt, grell gegen die übrigen Ton-\nlagen abstiebt und am besten mit ~Blöken14 bezeichnet wird.\nNebst dieser jetzt leider nur zu häufigen Unart muss an dieser\nPrima-Donna überhaupt das Forciren der Kraftstellen, das Loslegen\nin Momenten gesteigerter Leidenschaft ausgestellt werden. Dadurch\nhat auch ihre Stimme bereits an Wohllaut, an natürlicher Anmuth\nund Rundung verloren, sie hat bei stärkeren Accenten schon etwas\nTremolirendes, mitunter selbst Kreischendes an sich.\nFrau Czilläg ist vorzugsweise eine so genannte dramatische Sän-\ngerin. In Halevy's „Die Jüdin\" und „Die Königin von Cypern\",\nim „Propheten\" (Fides), im „Loliengrin\" (Ortrud) u. s. w. feiert sie\nihre grössten Triumphe. Die Darstellungsgabe dieser Sängerin ist\nnicht zu bestreiten, auch fehlt es ihr nicht an Feuer und jenem\nGeiste, der das Richtige in einfachen Aufgaben zu erfassen und\nCharakterbilder, die in allgemeinen, scharf hervortretenden Zügen\nangelegt sind, mit Wahrheit darzustellen weiss; doch wirkt auch bei\nihr .keine interessante Persönlichkeit mit, es ist stets nur eine Scha-\nblonen-Darstellung, es. sind nur Typen, die sie uns entgegenbringt,\nkeine von selbstständigem Leben durchdrungene, mit schöpferischen\nZügen ausgestattete Gestalten. Auch ist ihr Feuer kein aus dem\nInnersten herausleuchtendes und zündendes, ihre Leidenschaft keine\nselbstempfundene, sondern nur eine nachgemachte, äusserliche ; die\neigene Seele ist nicht dabei. Daher kann sie uns auch nie wahrhaft\nergreifen, und so oft wir nicht durch Uebertreibungen abgestossen\nwerden, bleiben wir doch kalt.\nDie Gesangskunst der Frau Czilläg steht jener des Fräuleins\nTitjens nach; sie ist im figurirten Gesänge minder gewandt, und\nauch im getragenen Vortrage stehen ihr die feineren Tinten nicht\nzu Gebote.\nDiese zwei Sängerinnen nun sind es, die in Wien mit Gagen\nvon 12,000 bis 34,000 Gulden und dreimonatlichem Urlaub nicht\nfestzuhalten sind, um die sich die grössten italiänischen Opern-Un-\nternehmungen der Welt, jene des Lumley und Gye in London,\nunter Darbringung der grössten Opfer bewerben, und die als Prime-\ndonne ctssolute vom reinsten Wasser in der europäischen Opernwelt\ngelten!\nDer Schluss, den man hieraus auf den jetzigen Stand der Ge-\nsangskunst und auf die Anforderungen, die eine noch so grosse und\nliberale Opern-Unternehmung zu machen berechtigt ist, ziehen kann,\nergibt sich von selbst.\nDie Ursachen, warum es so und nicht anders ist, warum jetzt\nSängerinnen wie Fräulein Titjens und Frau Czilläg, deren Werth\nund Talent, besonders der ersteren, desshalb nicht verkannt werden\nwill, eine Stellung beanspruchen können, welche einst eine Pasta,\nMalibran, Fodor, Persiani, Yiardot und so manche an-\ndere vollendete Gesangskünstlerinnen einnahmen, sind bereits oft.\neindringlich und mit Sachkenntniss in öffentlichen Organen erörtert\nworden; die vorstehende Hinweisung aber mag wohl eine der ein-\ndringlichsten thatsächlichsten Mahnungen sein, wie noth es\nthue, dass der Gesangskunst wieder eine sorgfältigere, gewissen-\nhaftere Pflege auf jener Stätte, nämlich der Opernbühne, zu Theil\nwerde, wo sie stets eine so grosse und wohlberechtigte Wirksamkeit\nauszuüben bestimmt war."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-08-20-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-08-20_01#c005", "volume": "bmtnabi_1859-08-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "271", "page_fin": "272", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590820-01.2.5", "titre_corps": "Americanisches Curiosum.", "titre_sommaire": "Americanisches Curiosum.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "271", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590820-01.1.7", "debut_caractere": 3943, "fin_caractere_exclue": 6931, "texte": "Americanisches Curiosum.\nAus Veranlassung des am 20. Juni d. J. in der Acadcviy of Music\nStatt gehabten classischen Concertes der vereinigten Musikkräfte\nstiess die in ihrer Art ebenfalls classische Philadelphia\nSunday Dispatch einen Schrei des Schmerzes aus, den wir unseren\nLesern als ein Curiosum des neunzehnten Jahrhunderts im Auszuge\nmitzutheilen uns verpflichtet fühlen, indem wir jedoch zur Ehren-\nrettung der americanischen Presse die Bemerkung beifügen, dass die\nSunday Dispatch von allen übrigen Zeitschriften allein die Schellen-\nkappe getragen hat.\nDas genannte Blatt lässt sich folgender Maassen über das Con-\ncert verlauten :\nMusical Bore.\n~Das Grand Combinalion Musical Festival (tönender Titel) war in\npecuniärer Hinsicht von Erfolg; das Concert am Montag Abends\neine Langweiligkeit (bore). Wer auch immer das Programm auf-\nstellte, der sollte sich augenblicklich von den Geschäften zurück-\nziehen, da es sehr schwer halten würde, irgend jemanden zu finden,\nder einem anderen Festival, nach solch langweiligen Principien ar-\nrangirt, beiwohnen möchte. Da hatten wir ein Solo auf dem Piano\n(Es-dur), welches von Wolfsohn während Stunden gespielt wurde*).\nMan denke sich % Stunden von Beethoven's Musik ohne Zweifel\näusserst classisck voll von Kreuzen und b und allen Sorten von\nHindernissen, aber so unschuldig in der Melodie (melody) (oder wie\ndas gewöhnliche Volk sagen würde: „,,in der Singweise [tune]iiU),\nwie das Rasseln eines Karrenrades! Dies war die Strafe Numero\nEins. Das Auditorium hielt es eine halbe Stunde lang aus, und dann\nwurde ein kühner, wir müssen leider sagen ein erfolgloser Ver-\nsuch gemacht, Wolfsohn mit einem Blumen-Bouquet, welches sehr\ngeschickt geschleudert worden war, dass es ihn senkrecht auf den\nKopf traf, zu Boden zu werfen. Wolfsohn war zuerst betäubt, aber\nvoll von Muth - kam er wieder zu sich, und nachdem er die\nBlätter von den Tasten entfernt hatte, nahm er seinen Sitz mit der\nverzweifelten Absicht wieder ein, dem Publicum noch eine volle\nDosis von Es-dur zu geben, ob es dieselbe nehmen wollte oder\nnicht. Endlich kam er zum Schluss, als Jedermann ausrief: „„Für\ndiese Erlösung vielen Dank!\"\" In dem zweiten Theile brachte\nuns Meignen „„eine Symphonia Eroica\"\" (ebenfalls von dem classi-\nschen und unvergleichlichen [■uncompromising] Beethoven), welche\neben so trocken als Wolfsohn's Solo war. Da gab es ein ungeheures\n„ „tiddywiddying\"66 der Violinen und Tuten der Blasinstrumente.\nNachdem die Sache sich so eine halbe Stunde abgeleiert hatte, folgte\nder ersten Abtheilung ein ungeheurer Applaus ein deutlicher Fin-\ngerzeig für Meignen, mit dem Unsinn sofort einzuhalten; aber dieser\nwar so unerbittlich wie Wolfsohn, und gleich Shylock forderte ei-\nserne V 4 Stunden. Nun war noch ein volles Drittel des Program-\nmes übrig, welches uns ein Violin-Solo von Gärtner brachte (das\n\n*) Es war das Es-dur- Concert von Beethoven, welches\nHerr Wolfsohn die Kühnheit hatte, vor einem americanischen\nPublicum zu spielen. Die Redaction."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "272", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590820-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 532, "texte": "Concert von Mendelssohn). Dieser, natürlich ein Feuerkopf, war\nfest entschlossen, zu zeigen, dass er eben so lange spielen konnte,\nals es Wolfsohn und Meignen gewagt hatten. Wohlan, Gärtner ging\ndaran und verdiente sicherlich grosses Lob für die Art und Weise?\nwie er die Sache ausspann. Man applaudirte ihm, ein sicheres Zei-\nchen, dass das Publicum froh war, ihn am Ende zu sehen; aber\ner verwandelte diese Manifestation in ein Encore und verdoppelte\nohne Gewissensbisse die Dosis, u. s. w. u. s. w.\"\n(D. Mus.-Ztg., Philadelphia.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-08-20-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-08-20_01#c006", "volume": "bmtnabi_1859-08-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "272", "page_fin": "272", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590820-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "272", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590820-01.1.8", "debut_caractere": 534, "fin_caractere_exclue": 5701, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMolil. In einem Privatcirkel hörten wir dieser Tage eine junge\nl)ame, Fräulein Amelie Bido aus Wien, welche wie die Mila-\nnollo, Neruda, Ferni u. s. w. die Violine zu ihrem Lieblings-In-\nstrumente gemacht hat. Eine ganz besondere Neigung zog sie schon\nin den ersten Kinderjahren zu diesem Instrumente hin. Mayseder\nerkannte ihr Talent und unterrichtete sie; zuletzt erhielt sie ihre\nkünstlerische Ausbildung auf dem Conservatorium zu Brüssel in der\nCiasse des berühmten Violinisten Leonard. Dort hat sie so eben\ni\nden ersten Preis errungen, und was wir von ihr gehört haben, be-\nweis't, dass sie ihn vollkommen verdient. Vor Kurzem erst seclis-\nzehn Jahre alt geworden, vereinigt diese junge Künstlerin einen\nmerkwürdig kräftigen und vollen Ton mit einer bereits hochgebilde-\nten Technik, welche nicht bloss im Verhältniss zu ihrer Jugend,\nsondern ganz abgesehen davon vorzüglich anerkennungswerth sind\nund ihr eine schöne Zukunft als Künstlerin sichern.\n% >\nMainz« In der hiesigen Stephanskirche, welche durch die Pul-\nver-Explosion am meisten gelitten hat und nun so weit hergestellt\nist, dass sie in einigen Wochen zum Gottesdienste wieder benutzt\nwerden kann, fand am 2. d. Mts. die Prüfung der von Herrn Drey-\nmann hier erbauten Orgel Statt. Das Werk bat auf zwei Manualen\nund einem Pedal dreissig klingende Stimmen und macht dem Er-\nbauer, den seine Vaterstadt Mainz bis jetzt weniger anerkannt hat,\nals das Ausland, alle Ehre. Von Herrn Capellmeister Lux wurde\nbei dieser Gelegenheit vorgetragen: Präludium und Fuge C-moll mit\nobligatem Pedal von S. Bach, /2-r/wr-Sonate von Mendelssohn, Va-\nriationen von Hesse und Phantasie über 0 sanetissima von F. Lux.\nDen Schluss bildete die vom Männer-Gesangvereine vorgetragene\nHymne ~Die Ehre Gottes\", nach dem Liede von Beethoven für Män-\nnerchor und Orgelbegleitung übertragen von Lux.\nWien. Die Aufführung der ~Stummen\" am 3. d. Mts. führte\nuns Herrn Theodor Formes vom berliner Hoftheater als Gast\nvor. Herr Formes ist, wenn wir nicht irren, vor ungefähr zwölf Jah-\nren in Brünn zum ersten Male aufgetreten und hat hierauf an un-\nserem Operntheater, an der Seite seines Bruders Karl, seine ersten\ntheatralischen Sporen verdient. Als erster Tenor der berliner Hof-\nbühne kehrt Herr Formes nun zurück und seine Leistung nöthigt\nuns Achtung und Theilnahme ab. Gleich in der Barcarole brachten\ndie gesunde, nicht sehr klangvolle, aber leicht ansprechende und\nnatürlich austönende Stimme, die deutliche Aussprache, die correcte\nBetonung, die stramme Haltung, der energische und doch auch feine\nAusdruck die beste Wirkung hervor. Im weiteren Verlauf der Vor-\nstellung ermattete die Stimme, und der durch merkliches Athmen\nund Schlucken gehemmte Vortrag des Schlummerliedes liess bloss\nahnen, dass Herr Formes bei glücklicher Disposition auch diesen\n1 heil seiner Aufgabe mit richtigem Gefühl zu lösen vermöge. Herr\nFormes gehört überhaupt so viel lässt sich bereits nach der\nEinen Rolle feststellen zu den musicalisch wie dramatisch gebil-\ndeten Sängern. Der Einfluss Roger's auf die Entwicklung seiner\nkünstlerischen Eigenschaften ist nicht zu verkennen. Dieser Einfluss\näussert sich in der etwas breiten Tongebung, in der musterhaft deut-\nlichen Aussprache, in gewissen Feinheiten des Vortrags, in der im-\nponirenden Sicherheit, mit welcher sich Herr Formes auf der Bühne\nbewegt, und noch in mancher Kleinigkeit, die sich nicht beschreiben\nlässt. Jedenfalls dürfen wir den weiteren Gastrollen des Künstlers\n(welcher an diesem ersten Abende auch durch die drückende Hitze\nbeengt und bereits angegriffen war, in Folge dessen sein zweites\nAuftreten verschoben ward) theilnahmsvoll entgegensehen.\n(Wiener Rccensionen.)\nD e Ii t § e Ii e Tonhalle.\nDie auf das achtzehnte Preis-Ausschreiben des Vereins rechtzei-\ntig eingekommenen 17 Sonaten für Yioloncell und Clavier\nhaben wir bereits einem der erwählten drei Herren Preisrichter vor-\ngelegt und werden s. Z. den Ausspruch derselben auf diesem Wege\nbekannt zu machen nicht unterlassen.\nDie Ergebnisse der noch ausstehenden Beurtheilungen der auf\nfrühere Yereins-Ausschreiben eingelaufenen 14 Nonette und 38\nStreich-Quartette werden baldigst angezeigt werden können;\nhinsichtlich der 24 Compositionen der Operette „Der Liebes-\nring\" aber steht, wie natürlich, das Ergebniss erst in etwas späte*\nrer Zeit zu erwarten, was wir statt besonderer Antwort auf mehrere\nAnfragen hiermit bemerken.\nMannheim, den 8. August 1859.\nDer Vorstand.\nAnmerkung der Redaction. Man weiss nicht, ob man sich\nüber die fabelhafte Fruchtbarkeit der deutschen Componisten freuen\noder sie belächeln soll! Im Jahre des Heils 1859 haben wir also\ndreiundneunzig Preisbewerber nicht durch Walzer, Polka, Lied\nu. s. w., sondern durch Werke ernster Gattung, namentlich im Fache\nder Instrumentalmusik! Und man kann darauf schwören, dass zwei\nzahlreiche Classen von Musikern sich gar nicht dabei betheiligt ha«\nben, die Componisten von anerkanntem Rufe, deren Sachen ohne\nPreisbewerbung Verleger finden, und das Heer der Fabricanten von\nTänzen, Potpourri's, Opern-Ragouts für das Ciavier u. dgl., denen\nes aus guten Gründen nicht einfällt, Quartette und Sonaten zu\nschreiben."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "265", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590820-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDer Musik Pflege, Treiben und Auswüchse in Wiesbaden (Vereins-Coneerte, Sinfonie von A. Stadtfeld, Soireen für Kam-\nmermusik, Oper: Repertoire, Personal, Carlo Rosa von B. Scholz). Von W. W. Meyerbeer's in London. Von C. A.\nFräulein Titjens und Frau Czilläg. Schluss. Americanisches Curiosum. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln,\nFräulein Amelie Bido Mainz, Neue Orgel in der Stephanskirche Wien, Theodor Formes Deutsche Tonhalle).\n\nDer Musik Pflege, Treiben und Auswüchse\nin Wiesbaden.\n\n[Vereins-Concerte, Sinfonie von A. Stadtfeld; Soireen für Kam-\nmermusik; Oper Repertoire, Personal, Carlo Bosa von B.\nScholz, Fräulein Tipka, Barth, Natalie Frassini; Con-\ncerte: Ed. Singer, Dion. Pruckner, Fräulein Genast, Mann-\nheimer Männer-Quartett, Karl Formes, Louis Brassin,\nGiov. di Dio.]\nDieses Mal haben Sie gerechte Ursache, Sich über\ndie Saumseligkeit Ihres Berichterstatters zu beklagen. In-\ndem ich um Entschuldigung bitte, gelobe ich, in Zukunft\nmindestens Quartal-Berichte einzusenden.\nZuvörderst seien unsere vier Vereins-Concerte\nerwähnt, vom hiesigen Cäcilien-Verein und vom Thea-\nter-Orchester veranstaltet. Das erste derselben brachte\nN. W. Gade's Comala und Beethoven's C-moll-Sinfonie.\nGedicht und Musik des ersteren Werkes sind hinreichend\nbekannt; die Aufnahme war eine beifällige. Fräul. Leh-\nmann hatte die Partie der Comala, Fräul. Herbold die der\nDesagrena, Fräul. Schönchen die der Melicoma und Herr\nSimon die des Fingal übernommen, und Alle lös'ten ihre\nAufgabe mit Correctheit und Präcision. Mit viel grösserer\nWärme ward Beethoven's Meisterschöpfung aufgenommen,\nderen Ausführung in allen Theilen eine vorzügliche war.\nDas zweite Vereins-Concert brachte ein wenig be-\nkanntes Werk eines leider für die Kunst zu früh verbliche-\nnen Tonkünstlers, nämlich die IV. Sinfonie von Alexan-\nder Stadtfeld, Sohn des hier noch in Wirksamkeit ste-\nhenden Capellmeisters der Militärmusik des herzoglichen\n11. Regiments. Ich kann Ihnen sagen, dass das Werk aus-\nserordentlich schön ist in allen seinen Sätzen und das offen-\nkundigste Zeugniss von dem seltenen Talente des Compo-\nnisten ablegt. Es ist frei von allem Manierirten und Ge-\nkünstelten, gefällt durch eine Einfachheit, die man classisch\nnennen könnte; es zeichnet sich durch eine feine, sinnige\nInstrumentation der natürlich fliessenden Melodieen aus\nund erinnert ganz an Haydn's und Mozart's Sinfonieen.\nMan lauschte der Aufführung mit hohem Interesse und mit\neiner Pietät, die man sonst nur berühmten Todten schuldet.\nDie zweite Abtheilung des Concertes führte uns Mendels-\nsohn's Sinfonie-Cantate „Lobgesang\" nach Worten der\nheiligen Schrift für Soli, Chor und Orchester vor. Die\nTenor-Soli hatte Herr Prelinger übernommen. Dieses ma-\njestätische Werk rief die Begeisterung eines jeden Zuhö-\nrers wach. Ich möchte es eine der schönsten Compositionen\ndes Meisters nennen; edel, gross, schwungvoll, tief und\nwahr empfunden ist es überall. Wie fesselnd und erhebend\nsind nicht die Instrumentalsätze, die des Werkes Einleitung\nund Interpretation zugleich sind! Ich möchte behaupten,\ndass das Orchester im Bewusstsein seiner schönen Aufgabe\nmit seltener Meisterschaft und noch seltenerer Begeisterung\neine Aufführung bot, wie sie nicht oft geboten werden\ndürfte. Die Chöre waren gut einstudirt und gingen gut.\nHerr Prelinger bewies sich als einen gediegenen Concert-\nsänger.\nDas dritte Vereins-Concert brachte die erste\nWalpurgisnacht von Mendelssohn und—bekommen Sie\nnicht alle Achtung für diesen Verein? Beethoven's\nneunte Sinfonie! Das Orchester hat sich immer mehr\nin den Geist dieser Tondichtungen hineingearbeitet, und\nes verdient Herr Capellmeister Hagen grossen Dank für\ndas ernstliche Bemühen, solchen erhabenen Tongemälden,\nwie die genannten sind, immer mehr Eingang bei dem\nPublicum zu verschaffen, das Interesse dafür anzuregen\nund Genuss und Freude und Verständniss für solche Schö-\npfungen anzubahnen.\nDas vierte Vereins-Concert brachte uns eine will-\nkommene Wiederholung der Haydn'schen Schöpfung, uns\nallen vom vorigjährigen, hier Statt gehabten Musikfeste\nnoch in lebhaftester Erinnerung. Fräulein Lehmann sang\njetzt wie damals die Partieen des Gabriel und der Eva,\nHerr Karl Schneider den Uriel, ein mit schönen Stimm-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "266", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590820-01.1.2", "texte": "mittein begabter Dilettant, Herr Hi 11- Mal apert von\nFrankfurt, den Raphael und den Adam. Der Gesammt-\nEindruck des Werkes war ein günstiger. An Präcision\nfehlte es von keiner Seite; die Tempi waren mehr die tra-\nditionellen, als diejenigen an dem eben erwähnten Musik-\nfeste ; Kräfte und Räumlichkeit standen in ziemlich gutem\nVerhältniss. Die Chöre gingen gut, die Solisten thaten ihr\nSchuldiges und Restes. Das Orchester kann man niemals\nanders als lobend erwähnen.\nAusser diesen Concerten, die Herr Capellmeister Ha-\ngen von hier mit Eifer und grosser Sorgfalt leitet, verdie-\nnen die von den Herren Raldenecker, Scholle, Wag-\nner und Grimm, sämmtlich Mitgliedern des herzoglichen\nTheater-Orchesters, veranstalteten Soireen für Kam-\nmermusik die nächste und rühmlichste Erwähnung. In\nneun Soireen, deren erste am 22. November v. J. und de-\nren letzte am 16. März d. J. Statt fand, kamen zur Aus-\nführung: Quartette von Haydn, Mozart, Reethoven, Schu-\nbert (A-mott,2 Mal) und Spohr; für Pianoforte Sonaten\nvon Reethoven mit Violine oder Violoncell, das\nTrio Op. 97 u. s. w.\nDas Ganze war eine schöne, Achtung gebietende Aus-\nwahl. Der talentvolle Clavierspieler Herr Pallat von hier\nist mit in den Rund der „Vier\" getreten. Herrn Pallat's\nLeistungen sind durchaus zufriedenstellend; er besitzt eine\ntüchtige Technik und lernt einen guten Gebrauch davon\nzu machen. Das Ensemble der erstgenannten vier Herren\ngewinnt alljährlich an Präcision; ihr Fortschreiten ist ein\nsichtliches, und haben sie bereits einen hohen Grad von\nSicherheit erlaiigt. Die Schattirungen sind eben so fern\nvom bloss Effectvollen und Manierirten, als sie dem höhe-\nren Ziele, nur den richtigen, vom Componisten beab-\nsichtigten Ausdruck zu finden, immer näher kommen. Die\nQuartett-Soireen sind ziemlich gut besucht und werden es\njedenfalls von Jahr zu Jahr immer mehr.\nGehen wir zur Oper über, so ist vor Allem die Uner-\nmüdlichkeit unseres fast nie stillstehenden Theaters anzu-\nerkennen. Das Repertoire vollständig mitzutheilen, dürfte\nüberflüssig sein, da es bei allen deutschen Hof- und Stadt-\nTheatern so ziemlich dasselbe ist. Mit dem Personal kön-\nnen wir uns bei dem jetzigen Mangel an wirklichen\nSängern befriedigt erklären. Da hatten wir z. R. die Norma\nmit Herrn Auerbach als Sever, Herrn Lipp als Orovist,\nFräul. Lehmann als Norma, Fräul. Herbold als Adal-\ngisa. Die Oper ist hier beliebt, und Fräul. Lehmann sieht\nsich gern als Frau Norma. Die Oper gibt auch Herrn\nAuerbach Gelegenheit, die Kraft seiner Lunge zu zeigen,\nwelche Gelegenheit er denn auch niemals verabsäumt. Er\nhat last nur einzelne schöne Töne, die zudem nur Erzeug-\nnisse grosser Anstrengung sind. Ich brauche Ihnen danach\nwohl kaum noch zu sagen, dass er der Helden-Tenor un-\nserer Rühne ist. Herr Lipp hat einen sonoren, prächtigen\nRass und ist dabei auch ein gern gesehener Sänger. Impo-\nnirende, schöne Figur, das ist auf dem Theater auch etwas.\nDann erwähne ich „Das Nachtlager von Granada\" von\nKreutzer mit der freundlichen Erscheinung des Fräul. Her-\nbold als Gabriele; ihre Stimme ist hier gerade ausreichend\nund am wirksamsten. Herr Simon (Jäger) hat einen bieg-\nsamen Rariton von grosser Ausgiebigkeit. Er hat das „Zu\nviel\" des Vibrirens bei Seite gelegt und wird noch lange\neine vorzügliche Acquisition für jede gute Oper sein, wenn\ner ernstliches Studium des Gesanges mit ernstlichem Stu-\ndium der richtigen Action Hand in Hand gehen lässt. Herr\nPrelinger ist ein lyrischer Tenor, dessen Stimme eine\naussergewöhnliche Zartheit und Weichheit besitzt. In der\n„Stummen\", mit Herrn Prelinger als Alphonso, Fräul.\nHartmann als Elvira, ist Herr Auerbach als Masaniello in\nder That ausgezeichnet; sein Feuer in Spiel und Gesang\n(ein Risschen loslegen oder losgehen darf er ja hier schon)\nist von hinreissender Gewalt. Fräul. Opfermann ist eine\nvorzügliche Fenella, so wie auch Herr Kren vom gross-\nherzoglichen Hoftheater in Darmstadt als Pietro und unser\nHerr Abich als Rorella lobende Erwähnung verdienen.\nHerr Kren sang auch bald danach den van Rett in Czaar\nund Zimmermann, womit er eine gelungene Leistung hin-\nstellte, jedoch Herrn Abich nicht übertraf, der hier ge-\nwöhnlich diese Partie singt und ganz besonders gut spielt.\nAuch im Othello glänzt Herr Auerbach. Die Zauberllöte\nist dagegen ein weniger ergiebiges Feld für unseren Helden.\nHerr Lippist ein würdiger Sarastro, Fräul. Hartmann\nrecht brav in der Partie der „nächtlichen Königin\"; Fräul.\nClara Gross als Parnina wurde von uns schon früher als\nvielversprechend erwähnt. Fräul. Herbold, Frau Hagen,\nFräul. Schönchen sind (trotz Papageno's Meinung) das\nsehens- und hörenswertheste singende Gefolge der Königin.\nNach Don Juan mit den Original-Recitativen und den Hu-\ngenotten hatten wir Lohengrin in kurzer Zeit drei Mal.\nResetzung: Herr Lipp (Heinrich der Vogler), Herr Auer-\nbach (Lohengrin), der vorzüglich in dieser Partie ist, Fräul.\nHartmann (Elsa), Herr Simon (Telramund), Fräul. Leh-\nmann (Ortrud), Herr Peretti (Heerrufer). Man spricht nicht\ngern mehr von der „italischen Erhebung\" und dem be-\nrühmten „Schmerzensschrei\" der Halbinsel: lassen Sie uns\nauch nicht mehr von dieser „Erhebung\" und diesen\n„Schmerzensschreien\" reden.\nIm Februar veranstaltete Herr Hof-Concertmeister Th.\nSchmidt eine Soiree. Er hatte dreizehn Künstler zur Mit-\nwirkung herbeigezogen. Es wurde das Nonett von Spohr\ngemacht; Herr Rummel spielte die Cascade von Pauer\nund mit dem Concertgeber und Herrn Ruths eine Phan-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "267", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590820-01.1.3", "texte": "tasie über Motive aus Oberon für Piano, Hoboe und Cla-\nrinette von Christian Rummel. Auch Zither-Vorträge er-\nCT\nklangen im Saale, ausgeführt von Herrn Rössel. Der Con-\ncertgeber ist Mitglied der Hofcapelle, ein vorzüglicher Cia-\nrinettist, der in jüngeren Jahren grössere Kunstreisen mit\nvielen Erfolgen unternommen.\nVor dem Schlüsse des Theaters—vom 1. April bis 1.\nMai sind noch zu erwähnen: „Robert\" und „Fidelio\"\n(Fräul. Lehmann). Man macht sehr oft die grosse\nOuverture, die jedes Mal Zeugniss ablegt von der Tüch-\ntigkeit des Orchesters, des in der Regel meist geplagtesten\nund schlecht bezahltesten Theiles jeder Opernwirthschaft.\nWann wird der Schmerzensschrei sämmtlicher deutscher\nOrchester einmal zu den musicalischen Ohren eines Be-\nfreiers dringen!\nAm 27. März wurde zum ersten Male „Carlo Rosa\",\nromantische Oper in drei Acten, Musik von Bernhard\nScholz, aufgeführt. Besetzung: Jolanthe, Fräul. Hart-\nmann; Therese, Fräul. Herbold; Graf Flavio, Herr Pe-\nretti; Belmonte, Herr Simon; Giacomo, Herr Prelinger;\nNicolo, Herr Lipp.\nLeider ist dem Componisten widerfahren, was so vie-\nlen Musikern in Deutschland begegnet: der Drang, eine\nOper zu schreiben, umnebelt ganz und gar ihr kritisches\nund ästhetisches Urtheil über das Textbuch und führt sie\nzu argen Missgriffen. Es ist fast unbegreiflich, wie Herr\nB. Scholz dieses Gedicht (?) zum Auftreten mit einer dra-\nmatischen Composition wählen konnte! Der Stoff ist abge-\ndroschen, die Handlung bis zu barem Unsinn unwahr-\nscheinlich, die dichterische Ausführung schülerhaft. Carlo\nRosa, ein singender Karl Moor, um seine Geliebte gebracht\nund verbannt, vertauscht den Grafenstand mit der Räuber-\nhauptmannschaft, lässt Jolanthe, die glücklicher Weise be-\nreits eine herzogliche Witwe geworden, von seinen Spiess-\ngesellen fangen und singt, im Busch versteckt, ein Lied,\num zu prüfen, ob sie noch seiner gedenkt, während sein\nBruder sich auf der Stelle in ihre Schwester Therese ver-\nliebt. Ohne sich sehen zu lassen, gibt Carlo sie wieder frei.\nZu Hause ahnt sie den Doppelgänger in dem Spitzbuben\nund ist in Verzweiflung, als ein Officier des Königs von\nSicilien ihr verkündet, dass, um ihr Satisfaction zu schaf-\nfen, ein Preis auf Carlo's Kopf gesetzt sei. Sie fleht den\nHimmel um ein Mittel zur Rettung an, und siehe, sie fin-\ndet eines; sie lässt sich also vernehmen (zugleich als Styl-\nprobe) :\n„Ja, ja, so rette ich sein Leben,\nVielleicht versteht er meinen Plan.\n(Zum Officier:)\nMein Herr! Der König setzte einen Preis\nAuf Carlo Rosa's, des Banditen, Haupt,\nDoch ihn zu überbieten ist erlaubt.\nVernehmt, Herr Officier, denn mein Geheiss.\nMich hat der Räuber mehr als ihn gekränkt,\nUnd nicht befriedigt mich sein Tod.\nSo hört: Dem Tapfern sei mein Herz geschenkt,\nDer mir ihn lebend überbringt\nIhr habt's verstanden? Lebend, unversehrt!\nBei meinem Zorn und wenn der Fang gelingt,\nWill ich mich rächen, wie mein Herz begehrt.\"\nCarlo's Bruder hat aber diesen Auftritt belauscht und\nberichtet ihn Wort für Wort. Carlo ist wüthend über die\nFalsche, besinnt sich jedoch bald eines Bessern und be-\nschliesst, sich selbst in eigener Person ihr zu „überbrin-\ngen\", um sie zu—ärgern. Gedacht, gethan. Er stellt sich\nihr ohne Waffen, lies't ihr aber den Text, wobei er sogar\netwas unhöflich wird. Da sagt sie ihm endlich: „Missver-\nständniss durch falsche Diplomatie! Das Ganze ist ja mein\nPfiff Du bringst Dich mir lebend und hoffentlich auch\nunversehrt—folglich schenke ich Dir meine lland. Gnade\nfür Deine Räuber-Episode habe ich schon erwirkt!\"\nAllgemeiner Jubel, Hochzeit; Belmonte's (Carlo's) Ent-\nzückung:\n„0 Engel, sieh, zu Deinen Füssen\nLiegt, der so lang1 von Dir verbannt!\nLass micli's an Deinem Herzen büssen,\nDass Deine Lieb1 ich so verkannt !u\nWas sagen Sie zu diesem Drama? Um jedoch die\nTragikomödie voll zu machen, ist eine possenhafte Cari-\ncatur von Anbeter der Jolanthe, eine Art Tristan aus der\nMartha, hineingestopft, der in die ernstesten Scenen hinein-\nplumpt, so dass es einem in der That vorkommt, als ob\ndie Posse die Hauptsache und die Räuber- und Liebes-\ngeschichte nur Ironie sei.\nSonderbar, dass in der Musik, wie mir wenigstens es\nscheint, das komische Element am besten ausgedrückt ist;\nich glaube, dass der Componist eine ungewöhnliche Be-\nfähigung für die komische Oper besitzt. Er hat sich übri-\ngens an die besten Meister und Muster angelehnt, oft aber\nEffecte auf Kosten musicalischer Wahrheit nicht verschmäht.\nAn Reminiscenzen und offenbaren Nachbildungen be-\nsonders C. M. von Weber's fehlt es auch nicht. Doch\nsind diese zuweilen sehr schön und innig empfunden, und\nes ist ausser allem Zweifel, dass der Componist eine gute\nSchule durchgemacht hat und dass er Talent besitzt; ob\naber Originalität, möchten wir bezweifeln. Die Melodieen\nlehnen sich in Rhythmen und Begleitung zu oft an be-\nkannte Muster an. Wir rufen dem Componisten jedoch zu:\nDie komische Oper ist das Feld, wo du dir Lorbern zu\npflücken die Begabung und Weisung hast. Gewöhnlich\naber versucht sich der Mensch so leicht in Bahnen, die\nseinen Talenten fern liegen. Es sollte uns freuen, fänden\nAndere dasselbe bestätigt, was wir in dieser Oper wahr-\ngenommen haben. Auch in den Ensemblestücken leuchtet\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "268", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590820-01.1.4", "texte": "entschiedenes Talent hervor, wie denn z. B. das Finale\ndes ersten Actes vortrefflich ist.\nIm Monat April ist die einzige grössere Pause, welche\ndie Theater-Maschine in ihrem jährlichen Kreislaufe macht.\nIm Mai hatten wir den Barbier von Sevilla mit Fräulein\nTipka vom k. landständischen Theater in Prag als Rosine.\nIm zweiten Acte sang Fräul. Tipka Variationen von Ca-\npellmeister Neswadba und ein ungarisches Lied von Ko-\nwäts. Sie gefiel eben so sehr als Rosine, wie sie die bei-\nfälligste Aufnahme mit ihren Gesangs-Einlagen fand. Sie\nist hier engagirt worden, trat dann als Lucia auf und er-\nrang sich stürmischen Beifall. Auch Herr Abiger als Bide-\nbent gefiel.\nIn den Hugenotten begegneten wir auch der höchst\nanmuthigen Erscheinung des Fräuleins Johanna Barth,\nTochter des hier lebenden Hof-Concertmeisters Barth.\nGenannte talentvolle, sehr junge Dame trat als Urbain in\nden Hugenotten auf und bewies eine gute Gesangschule,\nsang ihre kleine Partie sehr rein und gefiel nicht minder\ndurch ein anmuthiges, natürliches Spiel.\nFräulein Natalie Frassini (geborene Eschborn)\nwurde dann der Magnet der Oper und drängte fast Alles\nin den Hintergrund. Fräul. Frassini trat zuerst als Lucia\nauf. Wir hörten sie in dieser Oper, die seit ihrem Hiersein\noft herhalten muss, dann als Adina im Liebestrank und\nals Gilda in „Iligoletto\", Oper in vier Acten von Giu-\nseppe Verdi, welche hier mit neuer Ausstattung an Deco-\nrationen und Costumen zum ersten Male am Geburtstage\nSr. Hoheit unseres Herzogs aufgeführt wurde. Das Haus\nsoll an jenem Festtage drückend voll gewesen sein; den\nnächsten Sonntag aber, als wir die erste Wiederholung\nsahen, war das Haus erschrecklich leer. Fräul. Frassini\nmusste die Arie (Nr. 6): „Qualtier Malde! du geliebter\nName!\" da caposingen. Vielleicht gebe ich Ihnen später\nnoch einmal Nachricht von dem Eindrucke, den diese viel-\ngepriesene Oper auf mich gemacht hat. Die Vorzüge des\nGesanges der Frassini brauche ich Ihnen nicht zu schil-\ndern, da Sie sie erst vor Kurzem in Köln gehört und Sich\nselbst ausführlich darüber ausgesprochen haben.\nAusser den täglichen Concerten der Militärmusik im\nCurhausgarten, wo auch Richard Wagner's Musik gespielt\nwird und unmittelbar darauf eine Polka Mazurka, oder\nwiener Sperl-Lustklänge ertönen, hatten wir auch schon ein\nhalbes Dutzend grosser Concerte im Curhause selber.\nDas von Herrn Capellmeister Friedrich Lux gegebene\nist in diesen Blättern bereits erwähnt. Ein anderes wurde\nvon Herrn Edmund Singer, Concertmeister des Gross-\nherzogs von Sachsen-Weimar, Herrn Dionys Pruckner\nvon Stuttgart und Fräul. Emilie Genast gegeben. Herr\nSinger spielte mit Herrn Pruckner die so genannte Kreutzer-\nSonate in Avon Beethoven und trug dann noch vor die\nReverie von Vieuxtemps und von ihm\nselber componirt. Beide Sachen gefielen sehr; nicht min-\nder ärnteten die Künstler mit Beethoven's grosser Sonate\nverdienten Beifall. Es ist aber keine Genialität, nicht ein-\nmal grösste Künstlerschaft in Herrn Singers Spiel; es\nscheint uns vielmehr nur die Frucht grossen Fleisses zu\nsein. Den vier ersten Tacten des Adagio sostenuto fehlte\ngleich der Schwung, der Adel, so wie das darauf folgende\nPresto des nöthigen Feuers entbehrte. Es war „nur eben\nso gespielt\", was da an „Noten\" steht, aber ich vermeine\nimmer, diese wie das ungestüme Meer dahin rollenden Fi-\nguren seien mit „feurigen Noten\" geschrieben, und da der\nganze Satz der wahrste Ausdruck der leidenschaftlich er-\nregten Menschenbrust ist, die von Schmerz, Hoffen, Rin-\ngen und Sehnen und Zweifeln erfüllt ist, so müssten sie\nauch mit der grösitmöglichen Begeisterung und Hingebung\ngespielt werden. Das Andante entbehrte auch der Innig-\nkeit und des breiten, grossen Tones. Die vierte Variation\ngefiel besonders. Der J.-<fwr-Presto-Satz hatte die Künstler\nauch im Herzen warm werden lassen und söhnte uns im\nVergleich mit der Kälte des ersten Satzes mit ihnen etwas\naus. Herr Pruckner, vom Musikfeste in Wiesbaden Ihnen\nnoch in Erinnerung, spielte noch eine\nsur la Quadrille des Patineurs (Prophete) par Liszt\neine Erstaunen erregende Arbeit —, ein Impromptu von\nChopin und Valse-Capricevon Liszt. Er errang sich den\nrauschendsten Beifall mit diesen Bravourstücken. Helden-\nClavierspieler sollte man die Pianisten nennen, die Sachen\nwie die Quadrille spielen!\nFräul. Genast besitzt einen sehr schönen Mezzo-So-\npran und singt, wie eine gute deutsche Sängerin singen\nsoll, die von einem Meister der Technik und des guten Ge-\nschmacks ausgebildet worden ist. Sie sang eine Arie aus\nIphigenie von Gluck, die bekannte Arie aus dem „Barbier\",\neine anmuthige Berceuse aus Le und\nzum Schlüsse mit vielem Ausdruck Schubert's Erlkönig.—\nAcht Tage später hatten wir „dans la satte des reunions\",\nwo diese Concerte meistens Statt finden, ein anderes, ver-\nanstaltet von den Herren Schlösser, Rocke, Stepan\nund Ditt, sämmtlich Mitgliedern des grossherzoglichen\nHoftheaters in Mannheim. Sie sangen mit grosser Präci-\nsion, Reinheit und feinen Schattirungen sechs Männer-Quar-\ntette: „An die Musik\" von VincenzLachner, „Wanderers\nNachtlied\" von C. M. v. Wreber, „An das Vaterland\" von\nLachner, noch ein anderes, „An Maria\", von Lachner, ein\nWalzer-Quartett von 11. Marschner und „Rheinland\" von\nLachner. Die Concertgeber scheinen eine Agentur für die\nFirma Vincenz Lachner übernommen zu haben. Der Ge-\nsammt-Eindruck der Quartette war ein äusserst günstiger."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "269", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590820-01.1.5", "texte": "Es ist erfreulich, zu sehen, dass erste Opernsänger noch\nZeit finden und so viel Geschmack sich bewahren, sich im\nMänner-Quartett zu vervollkommnen.\nAm 5. August hatten wir ein grosses Concert zum\nBesten der unter dem Protectorat Ihrer Hoheit der Her-\nzogin stehenden Paulinen-Stiftung, unter Leitung des Herrn\nHof-Concertmeisters Barth, unter gütiger Mitwirkung des\nFräul. F rassini, des Herrn Karl Formes, des Herrn\nGiovanni di Dio, königlich preuss. Kammer-Violoncel-\nlisten, des Herrn L. B rassin, und der Militärmusik des her-\nzoglichen 11. Regiments. Die Militärmusik spielte zwei\nOuvertüren mit grosser Correctheit, Herr Brassin mit dem-\nselben Orchester Andante und grosse Polonaise von Cho-\npin, dann solo ein „Chant du und Variationen über\nden Carneval beide Nummern von ihm selbst componirt.\nHerr Brassin ist auch ein Helden-Tastenschläger, er be-\nsitzt eine ausgezeichnete Technik, eine Ausdauer, die Er-\nstaunen erregend ist. Er hat auch zuweilen einen weichen,\nschönen Ton, wenn die Finger, nur an Heldenleistungen\ngewohnt, wollen. Herr Brassin besitzt übrigens Feuer in\nseinem Vortrage. Liesse er sich doch bald einmal hier in\nCompositionen hören, in denen wir den vollen, breiten, ge-\ntragenen Gesangton an ihm bewundern könnten! Herr Gio-\nvanni di Dio trat mit „Souvenirs\ntaisie de Servaisund „Ze Lac de Come\", Barcarole-—\ngewiss sehr zeitgemäss—und „Le Cor des Alpes\", welches\ndas bekannte „Von den Alpen tönt das Horn\" war, hervor.\nSolche harmlose Compositionen sind ganz für die Menge\ngeschrieben; ein Virtuose solchen Namens und solchen\nRanges sollte sich aber dazu nicht herablassen. Herr di Dio\nwürde solche Nummern in einem Concerte in Köln oder\nLeipzig jedenfalls weglassen. [Aber vor einem Bad-Publi-\ncum? Rien ne va plus!] Den vollen, breiten Gesangton,\nden grossen Ton hat uns Herr di Dio nicht hören lassen.\nSpielereien sind keine Musik, blosse Effecte, zarte ppp und\nFlageolet-Töne auf dem Violoncello noch weniger. Gibt es\ndenn nichts Besseres an Solosachen? Herr Karl Formes,\nder ruhmgekrönte und wohlberühmte Sänger, sang den\nSchubert'schen „Wanderer\" und die Arie aus dem „Bar-\nbier\" Gesang-Nummern, mit denen er schon vor zehn\nJahren Furore machte. Die Stimme ist noch immer voll\nund gewaltig und hat, es bedünkt uns so, eine seltene\nFrische erhalten, seitdem er in der neuen Welt gewesen.\nStürmischer Empfang und Applaus selbstredend. Fräul.\nFrassini sang „Nel cor piü no ,\nsielb de l'opera: „La Molinara\",\n„Die Vöglein\" von Gumbert und ein „Schweizerlied\" von\nNina Eschborn. Die drei Nummern fanden ausserordent-\nlichen Beifall. Die Variationen über jenes bekannte Thema\nsind auch wirklich allerliebst und höchst singbar und dank-\nbar geschrieben; selbstredend führte Fräul. Eschborn Al-\nles mit der grössten Reinheit und Eleganz aus. Das Con-\ncert war ungewöhnlich stark besucht, was durch den\nZweck desselben und durch so berühmte Namen gerecht-\nfertigt war.\nHinter dem Cursaale, in dem von der Hitze beinahe\nversengten Parke, geht's recht lustig durch einander. Zur\nZeit der Kriegsbereitschaft hatten wir die halbe mainzer\nGarnison allsonntäglich hier; es war oft ein Bild, wie in\nWallenstein's Lager: hier ein Jäger, dort ein Artillerist,\ndort ein schmucker Husaren-Lieutenant, hier preussische\nArtillerie-Olficiere; dazu das Gesumme der vielen Men-\nschen, hier französisch, daneben da wieder\nRussen und Polen, an ihrer Tracht erkennbar und ihrer\nSprache, Alles im buntesten Bunt; Oesterreicher neben\nPreussen, Arm in Arm zwischen Crinolinen, von Franzö-\nsinnen getragen, einherschlendernd. Dazu Märsche und\n„Tanz, mein Leben,\" und Fantaisie elegante sur Don Juan,\nMusique de Mozart!! Und nun Adieu! Heute singt Fras-\nsini im Trovatore und erhält 25 Louisd'or und Beifalls-\nsturm und Blumen daneben, wie jeden Abend.\nWiesbaden, 11. August 1859.\n\nW. W\n\nMeyerbeer’s Pardon de Ploërmel in London.\n\nWir haben zwei Gründe für die Aufnahme der fol-\ngenden Auszüge aus englischen Blättern: den ersten gibt\nuns die historische Rücksicht, welche die Einregistrirung\neines grossen Erfolgs neuer Werke gebietet; der zweite\nentspringt aus dem Interesse, das die musicalische Kritik\nan der Art und Weise nehmen wird, wie sich ihre bedeu-\ntendsten Organe in England einer Berühmtheit wie Meyer-\nbeer gegenüber verhalten!\nWir lassen zunächst The Musical World reden.\n„Dinstag den 26. Juli war ein grosser Tag für die\nkönigliche italiänische Oper und ein neuer Triumph für\nMeyerbeer. Die Erscheinung der Oper\nPloermel\" wird Epoche in der Geschichte der Oper bei\nuns machen, und die Lorbern, welche die Stirn des Com-\nponisten zieren, erhalten einen frischen Glanz durch das\nBlatt, welches in den Kranz der übrigen gellochten wor-\nden ist. Der Erfolg von Dinorah übertraf alle Erwartung.\n„Das pariser Publicum in der war am\n4. Mai begeistert, das Publicum des Coventgarden-Thea-\nters war jedoch nicht nur enthusiastisch, sondern ausser\nsich. Meyerbeer z. B. wurde bei der ersten Aufführung\nin Paris erst nach dem Fallen des Vorhangs hervorgeru-\nfen, hier dagegen musste er nach jedem Acte erscheinen.\nWir erinnern uns nie eines grösseren Erfolges. Kein Tadel"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "270", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590820-01.1.6", "texte": "wurde hörbar kein Zeichen einer getäuschten Er-\nwartung.\n„Meyerbeer schien mit Einem Male alle seine Feinde ver-\nsöhnt zu haben, wenn es deren zu versöhnen gab; er be-\nzauberte das Publicum und entwaffnete jede Kritik. Aller\nTadel verstummte, und wer von der Oper sprach, sprach\nmit Entzücken von ihr. Es ist gewiss, dass hier in England\nkeine von Meyerbeer's Opern einen grösseren Erfolg bei\nder ersten Aufführung erlangt hat, als diese. Es mag viel\ndazu beigetragen haben, dass die Oper keine Aus-\nschmückung durch grossartige Chöre enthält, dass weder\nBallette noch herzzerreißende Vorfälle geschichtlicher oder\nsocialer Farbe, dass keine religiöse, noch nationale, noch\npolitische Fehden uns in Anspruch nehmen und das Kunst-\nInteresse beeinträchtigen. Die einfache Geschichte einer\nLegende bildet den Faden, an welchen der talentvolle\nComponist seine unzähligen Perlen gereiht hat. Niemand\ninteressirt sich für Hoel, den Ziegenhirten, welcher sich,\num reich zu werden, ein Jahr in den Wäldern verbirgt,\nohne sich darum zu kümmern, was aus Dinorah wird!\nAuch ist es schwer, mit Dinorah zu sympathisiren, die, von\nAnfang an wahnsinnig, nur dazu gebraucht wird, hinter\nder Ziege herzulaufen, oder mit ihrem eigenen Schatten\nzu coquettiren. Wer fragt nach Corentin, dem feigen\nBauernlümmel und Dudelsackspieler ? Doch die Handlung\ngibt dessen ungeachtet bewunderungswürdige Gelegenheiten\nfür musicalische Illustration, die Meyerbeer mit ungemei-\nnem Vortheil benutzt hat. Der einfache Charakter der Er-\nzählung muss den Componisten angezogen haben, weil er\nihm Gelegenheit gab, der Welt zu zeigen, dass seine Muse\nprächtiger Schauspiele, aufregender, hoch fliegender Stoffe\nund kolossaler Effecte entbehren könne. Das Libretto sagte\nihm in mancher Hinsicht zu: es bot ein romantisches Hir-\ntenleben dar, das neu und anziehend war, trotz seiner Ein-\nfachheit. Ueberdies war da ein Sturm, eine Üeberschwem-\nmung, ein armes Mädchen, die abgebrochene Sätze wilder\nMelodieen singt und wie Ariel bei der Berührung von des\nComponisten Zauberstab erscheint und verschwindet; ein\nDudelsackbläser, um den Buffo des Stückes zu machen;\nHirten und Schnitter, Hochzeitsfeste und Processionen,\nwelches alles, geschickt in einen Rahmen gefügt, ein hüb-\nsches Bild arkadischen Lebens geben musste. Meyerbeer\nerkannte diese Vortheile mit Einem Blicke und übersah\ndie Dummheiten des Buches. Wie er die mannigfaltigen\nZufälle ins Licht gestellt, die verschiedenartigen Charak-\ntere gruppirt und individualisirt hat, brauchen wir nicht\nerst zu sagen. Die Musik von Dinorah ist weniger glänzend,\nhoch und grossartig, als die seiner früheren Productionen,\ndoch sie übertriflt dieselben an Grazie, Erfindung, melo-\ndischer Schönheit, Neuheit der Ideen, Originalität der Be-\nHandlung und Feinheit der Schattirung. Keine Oper von\nMeyerbeer, wagen wir zu behaupten, ist reicher an Me-\nlodie, an derartiger Melodie, welche mit Einem Male ins\nOhr und Herz der Menge dringt. Darum wird diese neue\nOper ihren Platz unter den vollendetsten Schöpfungen des\nGenie's des Componisten erhalten.\"\nDas Morning Chronicle folgt derselben Parole, rühmt\ndie Stärke und anhaltende Dauer des Applauses, die ge-\nspannte und warme Theilnahme und deren laute Kundge-\nbungen u. s. w. Dann lässt der Kritiker die Melodieen sich\nvon allem, was man bis jetzt zu hören gewohnt gewesen,\nganz und gar unterscheiden. „Das Ohr, überrascht durch\ndie Neuheit der Gedanken und die originelle Art der Ver-\narbeitung und Behandlung derselben, kann nicht hinläng-\nlich bei der Einfachheit und Schönheit der Gedanken ver-\nweilen. (!) Wenn der erste effectvolle Eindruck vorüber ist,\nso erhebt sich die Melodie wie die Sonne, die plötzlich\ndurch die Wolken bricht, und dann kann man einen all-\ngemeinen und correcten Eindruck von dem Werke gleich\nbeim ersten Male, dass man es hört, mit sich nehmen.\nDiese Oper ist das vollkommenste und vollendetste Werk\nMeyerbeer's; sein Genie hat aus jedem Hindernisse des\nTextes eine Stufe zum Triumphe gemacht.\" (!)\n} /\nDer Berichterstatter der umschreibt mit mehr\nPhrasen das in Musical World Gesagte, findet die „grösste\nidyllische Einfachheit\" in der Oper, die „ein Meisterstück\nsui genern ist\", stellt die Dinorah „neben Alice, Valen-\ntine, Fides und—Catherine\"! Das Aergste ist indess, dass\ner die Entäusserung von seinem sonst über Musik so rich-\ntigen und gründlichen Urtheile so weit treibt, von zwei\nDuetten zu behaupten, „man könne unter das eine Ros-\nsini, unter das andere Boieldieu schreiben\"! —Und\ndoch heisst es vorher: „Bei alledem ist die ganze Musik\nreiner Meyerbeer\" und dieser „reine Meyerbeer\"\nsoll sich zu der Wahrheit und Innigkeit der Musik eines\nBoieldieu und zu dem genialen Fluss der unerschöpflichen\nMelodie und zu der musicalischen Charakteristik des Com-\nponisten des Barbiers von Sevilla erhoben haben!\nDoch genug! Es fehlt nur noch die Behauptung, dass\nder Zauber der Oper so gross gewesen, dass die ganze\nvornehme Welt von London in der Stadt gehlieben sei\nund das wirkliche Landleben mit der Bewunderung des\nreizenden Raffinements desselben auf dem Theater ver-\ntauscht habe. Herr Gye hat indess für gut gefunden, nach\nder sechsten Vorstellung der Dinorah die Saison zu schlies-\nsen. Wir glauben sehr gern an die Aufrichtigkeit des En-\nthusiasmus des englischen Publicums; aber die Aufrichtig-\nkeit der musicalischen Presse ist „dem Manne des Jahr-\nhunderts (Meyerbeer)\" gegenüber doch himmelweit ver-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "271", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590820-01.1.7", "texte": "schieden von der Freimüthigkeit der politischen in Bezug\nauf den anderen Mann des Jahrhunderts in Paris.\n\nC. A.\n\nFräulein Titjens und Frau Czillág.\n(Schluss. S. Nr. 33.)\nWenden wir uns nun zu Frau Czilläg. Wir befinden uns einer\nSängerin gegenüber, die über eine ziemlich mächtige Stimme von\nbedeutendem Umfange und frischem Glänze gebietet, der insbeson-\ndere auch eine dem Sopran selten eigene Kraft in der Tiefe zu Ge-\nbote steht.\nEs fehlt ihr keineswegs an Talent und Ausbildung, aber an der\nwahren Einsicht und dem feinen Schönheitsgefühl. Die Register ihrer\nStimme sind nicht ausgeglichen, sie überbietet die Kraft ihrer ohne-\ndies klangvollen Tiefe und zwingt den Tönen in dieser Lage einen\nunangenehmen, fremdartigen Gaumenlaut auf, der sich wie die Ca-\nricatur einer Männerstimme ausnimmt, grell gegen die übrigen Ton-\nlagen abstiebt und am besten mit ~Blöken14 bezeichnet wird.\nNebst dieser jetzt leider nur zu häufigen Unart muss an dieser\nPrima-Donna überhaupt das Forciren der Kraftstellen, das Loslegen\nin Momenten gesteigerter Leidenschaft ausgestellt werden. Dadurch\nhat auch ihre Stimme bereits an Wohllaut, an natürlicher Anmuth\nund Rundung verloren, sie hat bei stärkeren Accenten schon etwas\nTremolirendes, mitunter selbst Kreischendes an sich.\nFrau Czilläg ist vorzugsweise eine so genannte dramatische Sän-\ngerin. In Halevy's „Die Jüdin\" und „Die Königin von Cypern\",\nim „Propheten\" (Fides), im „Loliengrin\" (Ortrud) u. s. w. feiert sie\nihre grössten Triumphe. Die Darstellungsgabe dieser Sängerin ist\nnicht zu bestreiten, auch fehlt es ihr nicht an Feuer und jenem\nGeiste, der das Richtige in einfachen Aufgaben zu erfassen und\nCharakterbilder, die in allgemeinen, scharf hervortretenden Zügen\nangelegt sind, mit Wahrheit darzustellen weiss; doch wirkt auch bei\nihr .keine interessante Persönlichkeit mit, es ist stets nur eine Scha-\nblonen-Darstellung, es. sind nur Typen, die sie uns entgegenbringt,\nkeine von selbstständigem Leben durchdrungene, mit schöpferischen\nZügen ausgestattete Gestalten. Auch ist ihr Feuer kein aus dem\nInnersten herausleuchtendes und zündendes, ihre Leidenschaft keine\nselbstempfundene, sondern nur eine nachgemachte, äusserliche ; die\neigene Seele ist nicht dabei. Daher kann sie uns auch nie wahrhaft\nergreifen, und so oft wir nicht durch Uebertreibungen abgestossen\nwerden, bleiben wir doch kalt.\nDie Gesangskunst der Frau Czilläg steht jener des Fräuleins\nTitjens nach; sie ist im figurirten Gesänge minder gewandt, und\nauch im getragenen Vortrage stehen ihr die feineren Tinten nicht\nzu Gebote.\nDiese zwei Sängerinnen nun sind es, die in Wien mit Gagen\nvon 12,000 bis 34,000 Gulden und dreimonatlichem Urlaub nicht\nfestzuhalten sind, um die sich die grössten italiänischen Opern-Un-\nternehmungen der Welt, jene des Lumley und Gye in London,\nunter Darbringung der grössten Opfer bewerben, und die als Prime-\ndonne ctssolute vom reinsten Wasser in der europäischen Opernwelt\ngelten!\nDer Schluss, den man hieraus auf den jetzigen Stand der Ge-\nsangskunst und auf die Anforderungen, die eine noch so grosse und\nliberale Opern-Unternehmung zu machen berechtigt ist, ziehen kann,\nergibt sich von selbst.\nDie Ursachen, warum es so und nicht anders ist, warum jetzt\nSängerinnen wie Fräulein Titjens und Frau Czilläg, deren Werth\nund Talent, besonders der ersteren, desshalb nicht verkannt werden\nwill, eine Stellung beanspruchen können, welche einst eine Pasta,\nMalibran, Fodor, Persiani, Yiardot und so manche an-\ndere vollendete Gesangskünstlerinnen einnahmen, sind bereits oft.\neindringlich und mit Sachkenntniss in öffentlichen Organen erörtert\nworden; die vorstehende Hinweisung aber mag wohl eine der ein-\ndringlichsten thatsächlichsten Mahnungen sein, wie noth es\nthue, dass der Gesangskunst wieder eine sorgfältigere, gewissen-\nhaftere Pflege auf jener Stätte, nämlich der Opernbühne, zu Theil\nwerde, wo sie stets eine so grosse und wohlberechtigte Wirksamkeit\nauszuüben bestimmt war.\n\nAmericanisches Curiosum.\nAus Veranlassung des am 20. Juni d. J. in der Acadcviy of Music\nStatt gehabten classischen Concertes der vereinigten Musikkräfte\nstiess die in ihrer Art ebenfalls classische Philadelphia\nSunday Dispatch einen Schrei des Schmerzes aus, den wir unseren\nLesern als ein Curiosum des neunzehnten Jahrhunderts im Auszuge\nmitzutheilen uns verpflichtet fühlen, indem wir jedoch zur Ehren-\nrettung der americanischen Presse die Bemerkung beifügen, dass die\nSunday Dispatch von allen übrigen Zeitschriften allein die Schellen-\nkappe getragen hat.\nDas genannte Blatt lässt sich folgender Maassen über das Con-\ncert verlauten :\nMusical Bore.\n~Das Grand Combinalion Musical Festival (tönender Titel) war in\npecuniärer Hinsicht von Erfolg; das Concert am Montag Abends\neine Langweiligkeit (bore). Wer auch immer das Programm auf-\nstellte, der sollte sich augenblicklich von den Geschäften zurück-\nziehen, da es sehr schwer halten würde, irgend jemanden zu finden,\nder einem anderen Festival, nach solch langweiligen Principien ar-\nrangirt, beiwohnen möchte. Da hatten wir ein Solo auf dem Piano\n(Es-dur), welches von Wolfsohn während Stunden gespielt wurde*).\nMan denke sich % Stunden von Beethoven's Musik ohne Zweifel\näusserst classisck voll von Kreuzen und b und allen Sorten von\nHindernissen, aber so unschuldig in der Melodie (melody) (oder wie\ndas gewöhnliche Volk sagen würde: „,,in der Singweise [tune]iiU),\nwie das Rasseln eines Karrenrades! Dies war die Strafe Numero\nEins. Das Auditorium hielt es eine halbe Stunde lang aus, und dann\nwurde ein kühner, wir müssen leider sagen ein erfolgloser Ver-\nsuch gemacht, Wolfsohn mit einem Blumen-Bouquet, welches sehr\ngeschickt geschleudert worden war, dass es ihn senkrecht auf den\nKopf traf, zu Boden zu werfen. Wolfsohn war zuerst betäubt, aber\nvoll von Muth - kam er wieder zu sich, und nachdem er die\nBlätter von den Tasten entfernt hatte, nahm er seinen Sitz mit der\nverzweifelten Absicht wieder ein, dem Publicum noch eine volle\nDosis von Es-dur zu geben, ob es dieselbe nehmen wollte oder\nnicht. Endlich kam er zum Schluss, als Jedermann ausrief: „„Für\ndiese Erlösung vielen Dank!\"\" In dem zweiten Theile brachte\nuns Meignen „„eine Symphonia Eroica\"\" (ebenfalls von dem classi-\nschen und unvergleichlichen [■uncompromising] Beethoven), welche\neben so trocken als Wolfsohn's Solo war. Da gab es ein ungeheures\n„ „tiddywiddying\"66 der Violinen und Tuten der Blasinstrumente.\nNachdem die Sache sich so eine halbe Stunde abgeleiert hatte, folgte\nder ersten Abtheilung ein ungeheurer Applaus ein deutlicher Fin-\ngerzeig für Meignen, mit dem Unsinn sofort einzuhalten; aber dieser\nwar so unerbittlich wie Wolfsohn, und gleich Shylock forderte ei-\nserne V 4 Stunden. Nun war noch ein volles Drittel des Program-\nmes übrig, welches uns ein Violin-Solo von Gärtner brachte (das\n\n*) Es war das Es-dur- Concert von Beethoven, welches\nHerr Wolfsohn die Kühnheit hatte, vor einem americanischen\nPublicum zu spielen. Die Redaction."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "272", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590820-01.1.8", "texte": "Concert von Mendelssohn). Dieser, natürlich ein Feuerkopf, war\nfest entschlossen, zu zeigen, dass er eben so lange spielen konnte,\nals es Wolfsohn und Meignen gewagt hatten. Wohlan, Gärtner ging\ndaran und verdiente sicherlich grosses Lob für die Art und Weise?\nwie er die Sache ausspann. Man applaudirte ihm, ein sicheres Zei-\nchen, dass das Publicum froh war, ihn am Ende zu sehen; aber\ner verwandelte diese Manifestation in ein Encore und verdoppelte\nohne Gewissensbisse die Dosis, u. s. w. u. s. w.\"\n(D. Mus.-Ztg., Philadelphia.)\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMolil. In einem Privatcirkel hörten wir dieser Tage eine junge\nl)ame, Fräulein Amelie Bido aus Wien, welche wie die Mila-\nnollo, Neruda, Ferni u. s. w. die Violine zu ihrem Lieblings-In-\nstrumente gemacht hat. Eine ganz besondere Neigung zog sie schon\nin den ersten Kinderjahren zu diesem Instrumente hin. Mayseder\nerkannte ihr Talent und unterrichtete sie; zuletzt erhielt sie ihre\nkünstlerische Ausbildung auf dem Conservatorium zu Brüssel in der\nCiasse des berühmten Violinisten Leonard. Dort hat sie so eben\ni\nden ersten Preis errungen, und was wir von ihr gehört haben, be-\nweis't, dass sie ihn vollkommen verdient. Vor Kurzem erst seclis-\nzehn Jahre alt geworden, vereinigt diese junge Künstlerin einen\nmerkwürdig kräftigen und vollen Ton mit einer bereits hochgebilde-\nten Technik, welche nicht bloss im Verhältniss zu ihrer Jugend,\nsondern ganz abgesehen davon vorzüglich anerkennungswerth sind\nund ihr eine schöne Zukunft als Künstlerin sichern.\n% >\nMainz« In der hiesigen Stephanskirche, welche durch die Pul-\nver-Explosion am meisten gelitten hat und nun so weit hergestellt\nist, dass sie in einigen Wochen zum Gottesdienste wieder benutzt\nwerden kann, fand am 2. d. Mts. die Prüfung der von Herrn Drey-\nmann hier erbauten Orgel Statt. Das Werk bat auf zwei Manualen\nund einem Pedal dreissig klingende Stimmen und macht dem Er-\nbauer, den seine Vaterstadt Mainz bis jetzt weniger anerkannt hat,\nals das Ausland, alle Ehre. Von Herrn Capellmeister Lux wurde\nbei dieser Gelegenheit vorgetragen: Präludium und Fuge C-moll mit\nobligatem Pedal von S. Bach, /2-r/wr-Sonate von Mendelssohn, Va-\nriationen von Hesse und Phantasie über 0 sanetissima von F. Lux.\nDen Schluss bildete die vom Männer-Gesangvereine vorgetragene\nHymne ~Die Ehre Gottes\", nach dem Liede von Beethoven für Män-\nnerchor und Orgelbegleitung übertragen von Lux.\nWien. Die Aufführung der ~Stummen\" am 3. d. Mts. führte\nuns Herrn Theodor Formes vom berliner Hoftheater als Gast\nvor. Herr Formes ist, wenn wir nicht irren, vor ungefähr zwölf Jah-\nren in Brünn zum ersten Male aufgetreten und hat hierauf an un-\nserem Operntheater, an der Seite seines Bruders Karl, seine ersten\ntheatralischen Sporen verdient. Als erster Tenor der berliner Hof-\nbühne kehrt Herr Formes nun zurück und seine Leistung nöthigt\nuns Achtung und Theilnahme ab. Gleich in der Barcarole brachten\ndie gesunde, nicht sehr klangvolle, aber leicht ansprechende und\nnatürlich austönende Stimme, die deutliche Aussprache, die correcte\nBetonung, die stramme Haltung, der energische und doch auch feine\nAusdruck die beste Wirkung hervor. Im weiteren Verlauf der Vor-\nstellung ermattete die Stimme, und der durch merkliches Athmen\nund Schlucken gehemmte Vortrag des Schlummerliedes liess bloss\nahnen, dass Herr Formes bei glücklicher Disposition auch diesen\n1 heil seiner Aufgabe mit richtigem Gefühl zu lösen vermöge. Herr\nFormes gehört überhaupt so viel lässt sich bereits nach der\nEinen Rolle feststellen zu den musicalisch wie dramatisch gebil-\ndeten Sängern. Der Einfluss Roger's auf die Entwicklung seiner\nkünstlerischen Eigenschaften ist nicht zu verkennen. Dieser Einfluss\näussert sich in der etwas breiten Tongebung, in der musterhaft deut-\nlichen Aussprache, in gewissen Feinheiten des Vortrags, in der im-\nponirenden Sicherheit, mit welcher sich Herr Formes auf der Bühne\nbewegt, und noch in mancher Kleinigkeit, die sich nicht beschreiben\nlässt. Jedenfalls dürfen wir den weiteren Gastrollen des Künstlers\n(welcher an diesem ersten Abende auch durch die drückende Hitze\nbeengt und bereits angegriffen war, in Folge dessen sein zweites\nAuftreten verschoben ward) theilnahmsvoll entgegensehen.\n(Wiener Rccensionen.)\nD e Ii t § e Ii e Tonhalle.\nDie auf das achtzehnte Preis-Ausschreiben des Vereins rechtzei-\ntig eingekommenen 17 Sonaten für Yioloncell und Clavier\nhaben wir bereits einem der erwählten drei Herren Preisrichter vor-\ngelegt und werden s. Z. den Ausspruch derselben auf diesem Wege\nbekannt zu machen nicht unterlassen.\nDie Ergebnisse der noch ausstehenden Beurtheilungen der auf\nfrühere Yereins-Ausschreiben eingelaufenen 14 Nonette und 38\nStreich-Quartette werden baldigst angezeigt werden können;\nhinsichtlich der 24 Compositionen der Operette „Der Liebes-\nring\" aber steht, wie natürlich, das Ergebniss erst in etwas späte*\nrer Zeit zu erwarten, was wir statt besonderer Antwort auf mehrere\nAnfragen hiermit bemerken.\nMannheim, den 8. August 1859.\nDer Vorstand.\nAnmerkung der Redaction. Man weiss nicht, ob man sich\nüber die fabelhafte Fruchtbarkeit der deutschen Componisten freuen\noder sie belächeln soll! Im Jahre des Heils 1859 haben wir also\ndreiundneunzig Preisbewerber nicht durch Walzer, Polka, Lied\nu. s. w., sondern durch Werke ernster Gattung, namentlich im Fache\nder Instrumentalmusik! Und man kann darauf schwören, dass zwei\nzahlreiche Classen von Musikern sich gar nicht dabei betheiligt ha«\nben, die Componisten von anerkanntem Rufe, deren Sachen ohne\nPreisbewerbung Verleger finden, und das Heer der Fabricanten von\nTänzen, Potpourri's, Opern-Ragouts für das Ciavier u. dgl., denen\nes aus guten Gründen nicht einfällt, Quartette und Sonaten zu\nschreiben."}]}