{"numero_id": "bm-bmtnabi-1859-08-27-01", "volume": "bmtnabi_1859-08-27_01", "ocr_sha256": "8bb6379f58c3bc26d4abed09245857f20ea7d32f36503fb02b5ca5e885c071c0", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1859/08/27_01/bmtnabi_1859-08-27_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590827-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1859-08-27-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-08-27_01#c001", "volume": "bmtnabi_1859-08-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "273", "page_fin": "273", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590827-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "273", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590827-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 434, "texte": "Inhalt.\nAus der alten italienischen Gesangschule. 1. 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Jahrhunderts gehören\nPierfrancesco Tosi, gestorben zu London 1727, acht-\nzig Jahre alt, und Giarabattista Mancini, gestorben\nden 4. Januar 1800 in seinem vierundachtzigsten Jahre\nzu Wien, wo er seit 1761 Gesanglehrer der Erzherzogin-\nnen war.\nBeide haben theoretische Werke über Gesang-Unter-\nricht geschrieben, welche nicht bloss zu dem Besten gehö-\nren, was man über diese schwierige Kunst lesen kann, son-\ndern als die eigentlichen Quellen zu betrachten sind, aus\ndenen alle späteren Theoretiker geschöpft haben. Tosi's\nBuch führt den Titel: Opinioni de' Cantori antichi e mo-\nderni o sieno Osservazioni sopra il Canto figurato (1723\nerschienen, englisch von Gaillard, London, 1743, deutsch\nvon Joh. Fried. Agricola, Berlin, 1757); Mancini's\nWerk sind die Riflessioni\n(dritte Auflage, Mailand, .1777). Beide Werke sind selten\ngeworden und verdienten eine neue deutsche Uebersetzung,\ndie auszugsweise, das heisst mit Ausscheidung des Veral-\nteten und Unwesentlichen, nicht eine Bearbeitung, sondern\neine wörtliche Uebertragung gäbe, damit der Geist, der\nin diesen Lehrbüchern wehet, und der charakteristische\nStil ihrer Verfasser nicht verloren ginge. Namentlich ha-\nben wir bei dem älteren von beiden, Pierfrancesco Tosi,\nin Bezug auf die Schreibart bestätigt gefunden, was E. L.\nGerber von ihm in seinem Tonkünstler-Lexikon sagt: „ein\nvortrefflicher Sänger, geschmackvoller Componist und ele-\nganter Schriftsteller.\"\nTosi's Eifer gegen die Vernachlässigung des Tactes\nbeim Gesänge ist so richtig als heissblutig. „In Wahrheit,\"\nsagt er in dem Capitel von den Arien „die Gering-\nschätzung, welche viele der neueren Sänger gegen den\nTact hegen, geht so weit, dass sie ihn dem geschmacklo-\nsen Gefallen, das sie an ihren geliebten Passaggien und\nFermaten finden, gänzlich aufopfern, und dazu darf man\nnicht stillschweigen. Die Anmaassung gewisser Sänger\nist unerträglich, wenn sie verlangen, ein ganzes Orchester\nsolle im schönsten Fluss der regelmässig bestimmten Be-\nwegung auf einmal sich aufhalten, um ihnen Zeit zu las-\nsen, ihre schlecht begründeten Einfälle auszupacken, die\nsie auswendig gelernt haben, um den Kram von einem\nTheater zum anderen zu tragen, oder die sie einer mehr\nglücklichen als gebildeten Sängerin abgestohlen haben, die\ndadurch den Beifall des Pöbels erobert hat und bei der\nman es auch aus Artigkeit mit dem Tacte nicht so genau\nnimmt. „„Still, mein Herr, mit Eurer Kritik! Ihr wisst\nnicht, was es heisst, nach der Mode singen.\"\" —Nach der\nMode? Fragt nur die wirklichen Sänger, sie werden euch\nsagen, dass man ohne Tact nicht singen kann noch darf;\ndass, wer singen kann, auch bei dem genauesten Tact-\nhalten noch Stellen genug finden wird, seine Kunst zu zei-\ngen, ohne nöthig zu haben, Pausen zu erfinden oder vom\nOrchester zu erbetteln. Die Zuhörer es gibt ja deren,\nwelche die offenbare Schande loben würden bedecken\neure Fehler nicht mit ihrem Applaus, sondern offenbaren\nnur ihre eigene Unwissenheit. Euch selbst kommt es zu,\nsie aus ihrem Irrthum zu reissen und euren vernunftwidri-\ngen Eigensinn zu gestehen und abzulegen. Euer Trotz\nmacht auch alle Instrumentalisten zu Mitschuldigen eures\nVerbrechens, wenn sie euch nachgeben und zum Nachtheil\nihrer eigenen Würde auf euch warten. Denn das Gehor-\nchen ist Sache eines unterthänigen Knechtes, schickt sich\naber nicht für die Musiker, die eures Gleichen sind und\nkeinen anderen Gebieter über sich zu erkennen haben,\nals den Tact.\"\nVon dieser Verschleppung und Misshandlung des Tac-\ntes unterscheidet Tosi aber sehr einsichtsvoll das\nrubato: „Dies ist besonders im pathetischen Adagio oder"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "274", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590827-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5328, "texte": "Andante ein ehrenvoller Raub, welcher zum guten Vor-\ntrag verhilft, wenn nur Einsicht und Verstand das Geraubte\ngeschickt wieder zu ersetzen wissen. Eben so wenig ist\nohne das Tragen der Stimme etwas zu leisten; wer\nsich darin zum Meister machen will, der höre noch mehr\nauf das, was sein Herz ihm sagt, als auf die Regeln der\nKunst. Der grösste Lehrer ist das Herz! Saget es selbst,\nihr besten Sänger, saget es aus schuldiger Dankbarkeit,\ndass ihr seine Schüler seid, sonst wäret ihr nie so gross\ngeworden ! Wenn das Herz aus ihm singt, dann kann kein\nSänger sich verstellen oder heucheln, alsdann bringt nur\ndie Wahrheit den siegenden Eindruck hervor.\"\n„Wer die Musik zuerst auf die Schaubühne geführt\nhat, hat gewiss die Absicht gehabt, ihr einen Triumph zu\nbereiten, sie auf einen Thron zu heben. Wer hätte ge-\ndacht, dass sie selbst nicht sehr lange darauf zum trauri-\ngen Schauspiel ihres eigenen Untergangs dienen würde?\nIhr prächtigen Theatergebäude! wer euch ohne zornig zu\nwerden ansehen kann, der bedenkt nicht oder weiss nicht,\ndass ihr auf den Trümmern der Harmonie erbaut seid!\nVon euch kommt die jetzige Schreibart und die Menge der\nLiedermacher und Bänkelsänger her. Da der arme Con-\ntrapunkt von dem verderbten Zeitalter dazu verdammt\nworden, um ein Stückchen Brod in der Kirche zu betteln,\nwährend die Unwissenheit auf den Theatern triumphirt,\nso hat der grösste Theil der Componisten, entweder durch\ndie Begierde nach Geld oder durch das harte Gebot der\nNoth und Armuth bewogen, dergestalt das gründliche\nStudiren aufgegeben, dass, wenn nicht der Himmel durch\ngrosse Geister den Wenigen, die noch zu ihrem Ruhme\nan den wahren Grundsätzen festhalten, zu Hülfe kommt,\ndie Musik in augenscheinliche Gefahr geräth, für unwür-\ndig erklärt zu werden, sich in der Kirche noch hören zu\nlassen, weil man keine Giquen, Menuetts und Furlanen in\nGottes Tempel haben will. Und in der That, an manchen\nOrten kann man bereits die Kirchen-Composition von\nder Theatermusik nur dadurch unterscheiden, dass man\nan der Kirchthür kein Eintrittsgeld bezahlt!'1\nIm Verlauf dieser feurigen Herzensergiessung kommt\nlosi auf eine Schilderung der damaligen Zukunfts-Musiker\nin Italien, welche heute, nach anderthalb Hundert Jahren!\nmerkwürdige Vergleichungspunkte bietet. Er fährt folgen-\nder Maassen fort:\n„Ich weiss, dass die Welt gewisse wenige grosse Com-\nponisten mit gerechtem Beifall ehrt. An diese weise ich,\nwer aus guten Compositionen gut singen lernen will. Wäre\nihre Zahl vielleicht nicht so klein, wie ich verinuthe, so\nbitte ich diejenigen, die ich mit Unrecht aus unfreiwilligem\nIrrthum ausgeschlossen habe, um Verzeihung, die ich von\nihnen leicht erhalten werde. Die Unwissenden hingegen\npflegen nicht gern zu verzeihen.\n„Ich fragte zu meinem Unglück einstmals einen von\ndiesen Herren, von wem er die Composition gelernt hätte.\nVom Ciavier! antwortete er mir sogleich. Gut. Aus was\nfür einer Tonart, fuhr ich fort, habt ihr den Anfangssatz\neurer Oper gemacht? Was, Tonart? was, Tonart? un-\nterbrach er mich trotzig: warum wollt ihr mir den Kopf\nmit solchen alten, verschimmelten Fragen warm machen?\nMan hört wohl, aus was für einer Schule ihr kommt. Die\nneuere, wenn ihr es etwa nicht wisst, bekümmert sich nicht\num Tonarten, und man lacht mit Recht über die närrische\nEinbildung derer, welche glauben, dass es deren zwei\ngebe; da hingegen diejenigen, welche behaupten, dass sie\nin authentische und plagalische (Haupt- und Neben-Ton-\narten) eingetheilt werden müssten und dass ihrer acht (im\nFalle der Noth auch noch mehr) wären, ganz weislich\neinem jeden in sein freies Belieben stellen, zu componiren,\nwie es ihm selbst recht und gut dünkt. Zu euren Zeiten\nschliel die Welt, und ihr dürft es nicht übel nehmen, wenn\nunsere jetzige ausnehmend sonderbare Art durch die Lu-\nstigkeit, die ans Herz geht und den Fuss zum Tanzen an-\nreizt, sie wieder aufgeweckt hat. Wrachet auch ihr auf, ehe\nihr sterbet, und erhebet den harten, von der Last so vieler\nverkehrten Grillen gebeugten Nacken. Lasst sehen, dass\ndas Alter dasjenige nicht missbilligt, was die Jugend er-\nfindet, sonst werdet ihr erfahren, dass euch eure eigenen\nWorte selbst treffen und euch sagen werden, dass die Un-\nwissenheit alles anfeindet, was gut ist. Die schönen Künste\nwerden immer mehr ins Feinere gebracht ; und wenn man\nmir wird widersprechen wollen, so werde ich mit dem\nDegen in der Faust beweisen, dass die Musik nicht höher\nsteigen kann, als durch uns. Wacht auf, sage ich, und\nwenn ihr noch nicht ganz alle Beurtheilungskraft verloren\nhabt, so höret mir zu. Ihr werdet gestehen müssen, dass\nich aufrichtig rede. Zum Beweise dessen bemerket Fol-\ngendes :\n„Dass unsere so ungemein angenehme Schreibart er-\nfunden worden, um durch den schönen Namen der neuen\nMode die gar zu schweren Hegeln des Contrapunktes zu\nunterdrücken, ist nicht zu läugnen.\n„Dass aber alte, vermooste Graubärte sagen, wir eifer-\nten mit einander um die Wette, wer die ärgsten und die\nmeisten noch nie gehörten Ausschweifungen hervorbringen\nkönne, damit wir uns nur für schöpferische Geister aus-\ngeben könnten, das ist ein boshafter und schwarzer Betrug\nvon denen, die da mit Widerwillen ansehen, wie sehr wir\nerhöht sind. Es sterbe der Neid ! Ihr seht ja wohl, dass\ndie Achtung, welche wir uns nach allgemeiner Ueberein-\nstimmung erworben haben, entscheidend ist; und wenn"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "275", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590827-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5246, "texte": "ein Sänger es nicht mit unserer Zunft hält, so findet er\ngewiss keinen Beschützer, der ihn auch nur ansähe oder\nim Geringsten achtete. Aber (da wir doch im Vertrauen\nund mit der Aufrichtigkeit auf der Zunge reden), sagt mir,\nwer kann wohl gut singen, wer kann wohl gut componi-\nren, ohne unseren Beifall schon zuvor erhalten zu haben?\nEr mag noch so viele Verdienste besitzen (ihr wisst es),\nso fehlt es uns doch nicht an Mitteln, ihn zu stürzen. Ja,\nalle seine Verdienste niederzuschlagen, dazu gehören nur\ndiese wenigen Sylben: Er ist altväterisch.\n„Berichtet mich doch, ich bitte euch, wer würde je-\nmals ohne uns die Singkunst auf den höchsten Gipfel der\nGlückseligkeit gebracht haben, und zwar durch das ein-\nzige, so leichte Mittel, dass wir aus den Arien den ver-\ndriesslichen Wettstreit der ersten und zweiten Violine und\nder Bratsche abgeschafft haben? Getraut sich wohl Jemand,\nuns diesen Ruhm abzudisputiren ? Wir, wir sind diejeni-\ngen, welche durch die Kraft unseres Witzes die Freiheit\nder Sänger auf den höchsten Grad der Vollkommenheit\nhaben steigen lassen, da wir die Arien auch sogar von\ndem rauschenden Getöse der Grundstimmen losgemacht\nhaben, so dass (höret und lernet es wohl!), wenn auch in\neinem Orchester hundert Violinisten wären, wir doch ver-\nmögend sind, so zu setzen, dass alle zu gleicher Zeit eben\ndieselbige Stimme spielen können, welche der Sänger aus-\nführt. Was saget ihr dazu? Habt ihr wohl das Herz,\nuns zu tadeln?\n„0, wie schön ist doch unsere allerliebste Setzart! Sie\nzwingt Keinen von uns zur verdriesslichen Erlernung der\nRegeln; sie beunruhigt das Gemüth nicht durch Nachden-\nken und täuscht uns nicht mit der falschen Einbildung,\nwelche alles, worauf man etwa durch weitläufiges Grübeln\neinmal gefallen sein könnte, auch gleich in wirkliche Aus-\nübung bringen will; sie schadet unserer Gesundheit nicht;\nsie bezaubert die neumodischen Ohren; sie findet Lieb-\nhaber genug, welche sie zu schätzen und reichlich zu be-\nzahlen wissen. Und ihr wolltet euch unterstehen, sie zu\ntadeln ?\n„Was können wir hingegen nicht alles von den fin-\nsteren und höchst widerwärtigen Ausarbeitungen derjeni-\ngen Leute sagen, welche ihr als die ersten unter allen\nMenschen ausposaunet, ob ihr gleich nicht einmal Ehre\ndavon habt! Merket ihr denn nicht, dass das verlegene\nZeug dieser alten Murrköpfe uns Uebelkeiten zuzieht? Wir\nwürden grosse Narren sein, wenn wir uns krumm und\nlahm studiren wollten, um die Harmonie, die Fugen, ihre\nUmkehrungen, den doppelten Contrapunkt, viele zu ver-\nbindende Hauptsätze auszubilden, um sie enge zusammen\nzu bringen, um Canons und anderes dergleichen trockenes\nZeug heraus zu klauben, welches nicht mehr nach der\nMode ist und, was noch schlimmer ist, womit gelobt und\nnoch schlechter bezahlt wird. Was sagt ihr jetzt, Herr\nKunstrichter? Habt ihr mich wohl verstanden? ...Ja,\nmein Herr.\"\" Nun, was antwortet ihr mir denn?\n„ „Nichts.\"\"\nZum Schlüsse geben wir noch einige aphoristische\nBemerkungen aus Tosi (Capitel 9), die auch heute noch\nihre Anwendung finden:\n„Viele Sänger gibt es, die nach dem Augenblicke\nseufzen, in welchem sie der Beschwerlichkeiten des Ler-\nnens der ersten Anfangsgründe los werden möchten, um\nin den Schwärm der Miltelmässigen einzutreten. Finden\nsie hernach durch die Gnade der Vorsehung mit ihrem\nwenigen Wissen Jemanden, der ihnen Brod gibt, so ma-\nchen sie gleich der Musik ein tiefes Abschieds-Compliment.\n„Es sind noch andere, welche nichts Anderes studi-\nren als Fehler. Sie sind dabei mit einer bewundernswür-\ndigen Leichtigkeit, sie alle zu lernen, und mit einem treff-\nlichen Gedächtnisse, sie alle zu behalten, begabt. Ihre na-\ntürliche Neigung treibt sie so zum Bösen, dass, wenn sie\nvielleicht von der Natur mit einer schönen Stimme be-\nschenkt worden, sie ganz untröstlich sind, wenn sie den\nKunstgriff nicht ausfindig machen können, sie in eine der\nschlechtesten zu verwandeln.\n„Der Hochmuth ist nichts Anderes als eine künstliche\nUebung in gewissen Wendungen des Leibes, den man ge-\nschickt aufzublasen weiss, um die Schwachheiten des Ver-\nstandes damit zu verbergen. Hier ist ein Beispiel davon:\nGewisse Sänger würden bei dem Unglücke, das sie haben,\nnicht vier Noten gut vom Blatt singen zu können, nicht\nso ohne Sorge und unerschrocken zu sein scheinen, wenn\nsie nicht den Zuhörern durch Achselzucken, durch Verkeh-\nrung der Augen und durch heimtückisches Kopfschütteln\nweis zu machen wüssten, dass man die groben Fehler,\nwelche sie doch selbst begehen, dem Ciavierspieler oder\ndem Ochester zuschreiben müsste.\n„Ein guter Meister wird über das gleichsam ver-\nhexte Jahrhundert erstaunen, in welchem viele Sänger und\nSängerinnen sich gut bezahlen lassen, um übel zu singen.\nWenn die Mode ein gutes Gedächtniss hätte, so würde ihr\nvielleicht nicht ohne Widerwillen einfallen, dass wer vor\nzwanzig Jahren nur mittelmässig sang, auf den Theatern\nvon zweitem Range eine gar schlechte Rolle spielte.\nUnd heutzutage sammeln Leute, die sich Alles müssen ein-\nkauen lassen wie die Papageien, auf den ersten Theatern\nSchätze.\n„Was wird er von dem sagen, welcher das erstaun-\nliche Kunststück erfunden hat, wie die Grillen zu singen?\nWer hätte sich wohl, ehe es Mode geworden, jemals träu-\nmen lassen, dass man zehn oder zwölf auf einander folgende\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "276", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590827-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 339, "texte": "Achtel eines nach dem anderen durch ein gewisses Zittern\nder Stimme in kleine Stückchen zerbrechen könnte? Und\ndoch wird dieses in kurzer Zeit für ganz neumodische\nMordenten passiren.\n„Aus noch stärkeren Gründen aber wird er die Er-\nfindung verabscheuen, dass man singend lacht, oder so\nsingt wie die Hühner, wenn sie ein Ei gelegt haben.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-08-27-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-08-27_01#c003", "volume": "bmtnabi_1859-08-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "276", "page_fin": "278", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590827-01.2.3", "titre_corps": "Für Clavier-Unterricht.", "titre_sommaire": "Für Clavier-Unterricht.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "276", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590827-01.1.4", "debut_caractere": 341, "fin_caractere_exclue": 4848, "texte": "Für Clavier-Unterricht.\nEs ist natürlich, dass bei der allgemein herrschenden\nCiaviersucht sich eine Menge von Aerzten finden, die sich\nvon ihren Collegen dadurch unterscheiden, dass diese die\nMittel gegen die Krankheit darreichen, jene hingegen die\nEntwicklung derselben so lange zu fördern suchen, bis ein\nZeitpunkt der Rrisis eintritt, auf welchem es sich dann ent-\nscheidet, ob der Patient entweder dem Dilettantenfieber\nunterliegt, oder als unheilbar in einer Clavier-Irrenanstalt\nuntergebracht, oder für die wirkliche Kunst als lebens-\nfähig anerkannt werden muss. Der grösste Theil von ihnen\nprakticirt bloss, besucht seine Kunden regelmässig oder\nunregelmässig, notirt sich die Stunden für künftiges In-\ncasso und die verschiedenen Stadien, in welche der Be-\nhandelte unter seiner Einwirkung tritt. Ein anderer Theil\nbegnügt sich damit nicht, er will auch für die Theorie,\nfür die Wissenschaft (?!; wirken. Was thut er? Er lässt\nseine Recepte drucken.\nSo entstehen denn eine Menge von Ciavierschulen und\nAnleitungen zu Ciavierstudien, von denen man eben weiter\nnichts sagen kann, als dass es Recepte sind, die mehr oder\nweniger brauchbar sein werden, wenn sie in die Hände\neines geschickten Doctors kommen, der ihre Vorschriften\nzu individualisiren und mit gesundem Urtheil anzuwenden\nversteht. Als solche zeigen wir an:\nä\\ X. Chwatal, Praktische Elementar-Piano-\nforteschule. Werk 135 (!). Zwei Theile. I. Me-\nlodieenbuch. 11. Figurenbuch. Magdeburg, bei\nHeinrichshofen. Pr. netto 2 Thlr.\nDer Verfasser, der auch bereits eine „Methodisch\ngeordnete Pianofortesch u Ie\", Op. 92, in demselben\nVerlage herausgegeben hat, leitet in Magdeburg seit 1852\nmit Herrn Musik-Director C. F. Ehrlich ein Institut für\ngemeinschaftlichen Unterricht im Clavierspiel nach\ndem \\ erfahren J. B. Logier's, und veröffentlicht nun in\nOp. 1-35 das Material, das die Schüler seiner Anstalt be-\ndürfen. Beide Hefte das zweite enthält bloss technische\nLebungen müssen neben einander gebraucht werden.\nDer Zusatz aul dein 1 itelblatte: „Nach einer neuen ra-\ntioneilen Methode\", isl wahrscheinlich nur für den Absatz-\nkreis der Firma Schwerdtfeger & Trauernicht (oder Traue-\nnicht?) in St. Louis in America bestimmt.\nDr. C. Kocher, C 1 avierspielbuch. Eine aus den\nersten Elementen theoretisch und praktisch sich\nentwickelnde und durch mehrere Hunderte von\nVorübungen und Tonstücken methodisch fort-\nschreitende Einleitung in das Spiel und Verständ-\nniss der Classiker. Stuttgart, bei Wilh. Nitzschke.\nZwei Hefte bis jetzt; Preis für iedes 21 Silberer.\n(1 Fl. 12 Kr.)\nVon dem langen Titel kann man nicht behaupten,\ndass er zu wenig sagt; indess kann man einräumen, dass\ndas Ciavierspielbuch im Ganzen hält, was er verspricht,\nindem es ein zweckmässiges und gut geordnetes Material\nfür den Unterricht gibt, das in seinen grösseren Stücken,\nals Präludien, Sonatinen u. dgl., eine lobenswerthe Aus-\nwahl aus den besten Meistern, wie Clementi, Mozart u. s.\nw. enthält. Die Einrichtung des Buches ist so, dass die\ngegebene Regel sogleich durch eine Reihe von Beispielen,\ndie von einzelnen Uebungen bis zu zusammenhangenden\nStücken fortschreiten, praktisch erläutert wird und durch\ndiese Beispiele, die das Technische mit dem Melodischen\nvereinigen, ohne den Schüler durch das Einerlei zu ermü-\nden, eingeübt werden kann. Das zweite Heft geht bis zu\nder Tonleiter von A-durund moU, und bis zu Nr. 92 der\nBeispiele. Es sollen im Ganzen sechs Hefte erscheinen.\nDie Ausstattung ist elegant, Lettern- und Notendruck\nrecht gut.\nDie Erklärung der Sextole lautet auf S. 71: „Die\nSextole besteht aus zwei Triolen, von welchen aber\nnur die erste markirt wird.\" Das ist nicht richtig und\nvermehrt die Verwirrung, die freilich grösstentheils\ndurch die ungenaue Schreibung und Bezeichnung durch\ndie Componisten selbst veranlasst über diesen Punkt\nherrscht. Die Sextole besteht aus sechs Tacttheilen, von\ndenen nicht je drei und drei, sondern je zwei und zwei\nzu verbinden sind, wobei dann allerdings die erste Note\nder ganzen Figur accentuirt wird:\nOhne eine kleine, fast unmerkliche Betonung der dritten\nNote (als erster der zweiten Gruppe) ist die Sextolen-Be-\nwegung nicht charakteristisch herauszubringen, sondern\nfällt dann gewöhnlich mit der Triolen-Bewegung zusam-\nmen, die doch eine ganz andere ist, da sie jedesmal von\ndrei verbundenen Noten die erste accentuirt. Nachlässig\n- O\ngenug schreiben die Componisten oft Sextolen, wo sie\nTriolen haben wollen. Neuere Stiche geben zwei ver-\nbundene Triolen richtiger auf folgende Weise wieder:"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "277", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590827-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4847, "texte": "so dass zwischen jeder Triole ein Zwischenraum bleibt.\nJulius Knorr, Ausführliche Ciavier -Methode\nin zwei Theilen. Leipzig, bei C. F. Kahnt. I.\n1 Thlr. 6 Ngr.\nDer erste Theil, der uns allein vorliegt, enthält „die\nMethode\", der zweite soll „die Schule der Mecha-\nnik\" enthalten. Der durch mehrere gute Elementarwerke,\nz. B. „Anfangsstudien\", „Wegweiser\" u. s. w., bekannte\nVerfasser gibt in dieser Clavierschule (77 Seiten kl. 8.)\neine fassliche Anleitung für Lehrer, welche vielen von die-\nsen besonders desswegen willkommen sein wird, weil sie\neine Angabe der Uebungsstücke enthält, die auf jeder Stufe\ndes Unterrichts als zweckmässigste Hülfsmittel zu gebrau-\nchen sind. Für das zweite und dritte Stadium des Ciavier-\nspielers wird diese Angabe durch Verzeichnisse der Behufs\ndes Fortschrittes bis zur höchsten Ausbildung des Spielers\nzu empfehlenden und nothwendig zu studirenden Werke\nfortgesetzt. Ueberden Compositions-Unterricht des Schülers\nim dritten Stadium drückt sich der Verfasser (S. 63) fol-\ngender Maassen aus:\n„Bedarf der Schüler jetzt theoretischer Kenntnisse\nzwar nicht unbedingt, so wird es doch gut sein, ihn bei\naller Gelegenheit und mehr, als beim früheren Unterrichte\ngeschehen konnte, auf dergleichen hinzuführen. Nur ist\nnach unserem Dafürhalten ein förmlicher Compositions-\nUnterricht zur Zeit noch nicht angebracht, einmal, weil der\nleidige Compositions-Teufel nicht zu früh geweckt werden\ndarf, von welchem ohnehin die meisten unserer heutigen\nKunstjünger besessen sind, dann, weil jener Unterricht\nspäterhin, bei gereifterem Verstände, mit um so besserem\nErfolge betrieben werden kann, während er gegenwärtig\nden mechanischen, einst (nach vollendetem Wachsthum der\nFinger) nicht nachzuholenden Studien noch zu vielen Ab-\nbruch thun würde. Denjenigen, welche uns dagegen ein-\nwenden mögen, dass nicht allein ausübende, sondern auch\nschaffende Künstler heran zu bilden seien, müssen wir in\neinzelnen, nicht eben häufigen Fällen allerdings Recht ge-\nben. Nur konnten wir in dem Schaffen unverdaulicher,\nmindestens unerquicklicher Werke ein Verdienst um die\nKunst nie erblicken, dagegen nicht umhin, der Wieder-\ngabe von Meisterwerken in künstlerischer Weise stets un-\nsere Achtung zu zollen. Leider pflegt auf unseren Musik-\nschulen oder so genannten Conservatorien in ersterer Be-\nziehung mehr als in letzterer erreicht zu werden.\"\nSehr erfreulich ist die Bereicherung der musicalischen\nLiteratur durch Composi tionen für angehende Clavier-\nspieler, deren Inhalt sich über das Trockene und Seichte\nfrüherer Uebungsstücke erhebt, ohne dabei den didakti-\nschen Zweck aus den Augen zu setzen und—was nament-\nlich hervorzuheben ist ohne den Geschmack schon von\nAnfang an durch Leierkasten- und Tanz-Melodieen zu ver-\nderben. Als besonders empfehlenswert!* nennen wir unter\ndiesen:\nFerd. Hiller, Acht leichte Ciavierstücke für\nseine kleine Tony. Op. 79. 2 Hefte. Mainz, bei\nSchott. Preis für jedes 1 Fl. 21 Kr.\nAnastasius Struve, Kleine Lieder für Pianoforte\nzu vier Händen, zum Behufe melodischen Aus-\ndrucks für angehende Spieler. Op. 58. Leipzig,\nbei C. F. Kahnt. Zwei Hefte zu je 15 Ngr.\n(Es sind nicht bekannte Lieder-Melodieen, son-\ndern Lieder ohne Worte\nSig. Lebert und L. Stark, Neue Jugend-Bi-\nbliothek für das Pianoforte, in einer systemati-\nschen Reihe leicht ausführbarer, fasslicher und\nfür jede kindliche Alters- und Entwicklungsstufe\neigens berechneter Tonstücke. Stuttgart, bei Ed.\nHallberger. Preis für jedes Heft 10 Ngr.\nDie vor uns liegenden fünf Hefte enthalten lauter\nStücke über Volksweisen aller möglichen Nationen; sie\nsind theils „Phantasieen\" betitelt, theils\nsogar in Heft 111. ein „Divertissemüber deutsche\nVolksweisen\", in Heft 11. vollends ein\ndes Contredanses populaires d Paris\"! Ei, ei! und der\nHaupttitel besagt: „Für den Unterricht eingeführt in der\nStuttgarter Musikschule\"! Eine Musikschule sollte solchen\nFrivolitäten auch nicht einmal in den Namen der Stücke\nVorschub leisten. Es scheint uns, als wenn die ehrenwer-\nthen Herren Componisten, deren „Clavierschule\" wir an-\ngelegentlich empfohlen haben, sich bei diesen Heften ge-\ngen die Wünsche des Verlegers etwas zu nachsichtig ge-\nzeigt hätten.\nVorzügliche Berücksichtigung verdient alles, was\nLouis Köhler in dieser Compositions-Gattung geschrie-\nben hat. Ausser seinen früher erschienenen Volks-Me-\nlodieen für das Pianoforte, Op. 19, zwei Hefte, Magde-\nburg, bei Heinrichshofen, Preis je 10 Sgr. und: Mclo-\ndieenbilder über Volkslieder, Op. 26, Ebendaselbst,\n17 /'i Sgr., sind besonders empfehlenswerth:\nSonate in F-dur. Op. 40. Erfurt und Leipzig, bei\nKörner. 15 Ngr.\nDrei Sonatinen. Op. 42, 43, 44. Winterthur, bei\nJ. Rieter-Biedermann. Preis einer jeden 10 Ngr.\nSonate in C-dur, Gustav Flügel zugeeignet. Op. 49.\nErfurt und Leipzig, bei Körner. 15 Sgr.\nDrei Rondin o's. Op. 58. Winterthur, bei J. Rie-\nter-Biedermann. 10 Ngr."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "278", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590827-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2335, "texte": "Ob der in einer Anmerkung zu dem letzten Werk-\nchen angekündigte »Führer durch den Clavier-Un-\nterricht, ein Repertorium der Clavier-Literatur,\" in dem-\nselben Verlage bereits erschienen ist, wissen wir nicht.\nVon AntonKrause sind „Melodische Uebungs-\nstücke zu vier Händen im Umfange von fünf Tönen bei\nstillstehender Hand\", Op. 8, Leipzig, bei C. F. Kahnt,\ndrei Hefte, je 15 Ngr., so wie dessen Etüden anerken-\nnuneswerth. Eben so:\nKarl R itter, Sechs kleine Ciavierstücke. Op. 3.\nLeipzig, bei Breitkopf & Härtel. 15 Ngr.\nTheodor Kirchner, Albumblätter. Neue kleine\nCiavierstücke. Op. 7. Winterthur, bei J. Rieter-\nBiedermann. Preis 25 Ngr.\nDen Beschluss dieser Uebersicht möge für heute\nmachen:\nStephen Heller, 24 nouvelles Etudes, Op. 90,\ndrei Lieferungen, jede 1 Thlr., Berlin, bei A. M.\nSchlesinger\ndie wir nur zu nennen brauchen, um überzeugt zu sein,\ndass alle Ciavierlehrer und Freunde dieser instructiven\nMusikgattung, auf deren Pult dieses Werk 90 von Heller\nnoch nicht liegt, eilen werden, sich es anzuschaffen.\nAlle diese Sachen überschreiten das Maass der Schwie-\nrigkeit für den ersten Unterricht im Ciavierspiel nicht;\nund es gibt deren noch mehrere, die in ihre Kategorie zu\nstellen sind.. Wo aber so reichlicher Stoff für gesunde\nNahrung der Jugend vorhanden ist, ist es da nicht unver-\nantwortlich, wenn die Lehrer zu faden Süssigkeiten und\nüberzuckertem Schmutz greifen, der Geschmack und Ge-\nfühl von vorn herein ganz und gar verdirbt?\nVon neuen Ausgaben der Werke elastischer Mei-\nster erwähnen wir die Fortsetzung der Hall berger'-\nschen Ausgabe in Stuttgart, besorgt von J. Moscheies,\nderen 4. und 5. Lieferung Beethoven's Sonate Op. 7,\nin Es-dur,und Op. 10 Nr. 1., (jene 7V2, diese 5\nSgr.!), enthalten; die 6. Lieferung bringt Mozart's Phan-\ntasie und Sonate in C-moll (7% Sgr.), die 7. Mozart's\nSonate in A-moll (5 Sgr.).\nSehr hübsch ausgestattet und correct ist die Ausgabe\nsämmtlicher Sonaten Mozart's für Ciavier und Vio-\nline in drei Bänden (die Ciavierstimme in Partitur ge-\ndruckt), die in Braunschweig bei C. Weinholtz in Zinn-\nstich erschienen ist. Preis 5 Thlr. netto.\nFür Anfänger empfehlenswerth sind auch die fünf\nSonatinen fü r vier Hände, nach Mozart's lieblichen Di-\nvertissements für Blas-Instrumente von Jul. Andrö einge-\nrichtet und in Offenbach bei Joh. Andre erschienen. Preis\n4 Fl. 12 Kr."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-08-27-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-08-27_01#c006", "volume": "bmtnabi_1859-08-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "278", "page_fin": "279", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590827-01.2.4", "titre_corps": "Field und Clementi", "titre_sommaire": "Field und Clementi", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "278", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590827-01.1.6", "debut_caractere": 2337, "fin_caractere_exclue": 5020, "texte": "Field und Clementi\n*).\nJohn Field wurde am 26. Juli 1782 zu Dublin,\nwo sein Vater als Violinist bei der Theater-Capelle fun-\ngirte, geboren. Den ersten Unterricht auf dem Ciavier er-\nhielt er von seinem Grossvater, einem Organisten; später\nwurde er Schüler von Muzio Clementi, den die Fran-\nzosen scherzend den „Papa der Ciavierspieler\" nannten.\nMit Letzterem ging er als Jüngling seine Kinderjahre\nhatte er ziemlich träge verlebt—auf Reisen, und sein Spiel\nerrang ihm, besonders in Wien, die lauteste Bewunde-\nrung. Im Jahre 1803 brachte Clementi seinen Schüler\nmit nach Petersburg, woselbst er mit ihm höchst eingezo-\ngen in dem Hotel Paris ein paar Stübchen nach dem Hofe\nhinaus bewohnte und vom Morgen bis spät in die Nacht\nUnterricht, die Stunde zu fünfundzwanzig Rubel, ertheilte.\nSo lange Clementi selbst diesem Verdienste nachjagte, ver-\nmied er es sorgfältig, auf das Talent seines Schülers auf-\nmerksam zu machen, dem nur einmal in dem Concerte\nder Mara eine unscheinbare Rolle zugetheilt wurde. Field's\nEltern hatten Clementi die bedungene Summe von hundert\nPfund Sterling für Verköstigung und Unterricht vorausbe-\nzahlt; aber es hielt dem Zögling schwer, ein Paar Stiefel\ngeflickt zu bekommen, und als John auf der Reise zwi-\nschen Narva und Petersburg einmal seinen Hut verlor,\ndauerte es länger als einen Monat, ehe der gestrenge\n„Papa\" fünf Rubel zu einem neuen hergab, und der junge\nMann musste so lange zu Hause sitzen, nur mit seinem In-\nstrumente beschäftigt. Clementi selbst kaufte sich für die\nWinterzeit keine warme Bekleidung, und so blieb sie auch\nfür Field ein frommer Wunsch; eben so gestattete ihm\nseines Lehrers Geiz nur eine sehr einfache Rost, die in\nThee, Brod, Butter, Käse u. s. w. bestand. Diese Dinge\nmusste er sich selbst aus den Victualienbuden (Lawken)\nholen.\nIm englischen Club, wo Clementi für seine Theilnahme\nan musicalischen Abend-Unterhaltungen gewöhnlich fünf-\nhundert Rubel Honorar bezog, konnte derselbe einst Un-\npässlichkeit halber nicht erscheinen; er sandte John Field.\nDer junge Landsmann fand einen sehr freundlichen Em-\npfang bei den Engländern und liess dieselben den „Papa\nder Ciavierspieler\" nicht vermissen. Field lieferte seinem\nLehrer die empfangenen fünfhundert Rubel ab, der ihm\nindess nicht Einen Rubel zurückliess. Kein Theater konnte\nJohn besuchen, nur einmal führte ihn Clementi ins Or-\nchester, weil es eben nichts kostete.\n\n*) Aus einer biographischen Skizze Field's in Nr. 33 der W.\nRee. von E, Gerber. Dem pensionirten kaiserlichen Hof-\nSchauspieler F. A. Gebhard, noch jetzt, achtzig Jahre alt,\nin Moskau lebend, einem dreiunddreissigjährigen Freunde\nField's, verdankt der Einsender die meisten Angaben über ihn."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "279", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590827-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2527, "texte": "Die Ab reise Clementfs rückte heran. Eines Abends\nbegleitete ihn John, um einer seiner Schülerinnen, Fräul.\nDemidoff, vorgestellt zu werden. Ein kleiner, vornehmer\nKreis empfing Field, und endlich wurde er durch das junge\nschone Fräul. Demidoff zum Fortepiano genöthigt. Er\nspielte, und Alles war bezaubert. John's jugendliches, un-\nbefangenes und bescheidenes Wesen, seine kräftig schlanke\nGestalt, seine edlen Züge, das grosse blaue Auge, sein blon-\nder Lockenkopf dies alles musste ihm Theilnahme er-\nwecken.\nJohn ward nun der Lehrer des Fräuleins. Als er noch-\nmals im englischen Club für Clementi eine Soiree durch\nsein schönes Spiel verherrlicht, das Honorar aber dafür\nzu einem fröhlichen Schmause mit seinen jungen Kunstge-\nnossen verwenden wollte, gab es einen heftigen Wortwech-\nsel zwischen ihm und seinem Lehrer, der schliesslich je-\ndoch mit Auslieferung der fünfhundert Rubel endigte.\nNun sann Field auf Schadloshaltung.\nDen Tag vor Clementi's Abreise (1804) bestellte er\njene Freunde, wohl zwanzig an der Zahl, zu einem solen-\nnen Mittagsmahle in das Hotel. Er eilte, ehe sein Lehrer\ndas Gasthaus verliess, zum Wirthe und zeigte demselben\nan, dass Herr Clementi heute ein Abschiedsfest von zwan-\nzig Gedecken mit dem besten Wein zu geben gesonnen sei.\nDer Wirth stutzte über die Freigebigkeit des knauserigen\n„Papa\", der noch nicht einmal an seiner Tafel gespeis't\nhatte, und als dieser selbst, um auszugehen, in demselben\nAugenblicke hinzutrat, redete ihn John rasch an: „Nicht\nwahr, Herr Clementi, der Herr soll Ihnen über das Be-\nstellte morgen seine Rechnung einhändigen?\" „Ja, ja!\"\nbrummte Clementi und schlüpfte flüchtig zur Thür hinaus,\ndenn es war unter Beiden abgemacht, dass John sich zur\nBelohnung seiner am vorigen Tage ausgeführten Leistun-\ngen Mittagsbrod und Kaffee auf Clementi's Rechnung for-\ndern dürfe.\nDie Eingeladenen versammelten sich; man ass, scherzte,\njubelte. Clementi kam, wie gewöhnlich, erst sehr spät heim,\nund anderen Morgens begrüsste ihn der Wirth mit der\nRechnung. Er sprang auf, lärmte, tobte, wollte John prü-\ngeln; aber es half nichts, er musste zahlen.\n(Den Verfolg der Skizze, die namentlich auch einige\nköstliche Anekdoten enthält, wie Field die Künstlerehre\nder reichen Aristokratie gegenüber wahrte, möge man in\nder genannten Zeitschrift nachlesen. Als ihn während sei-\nner letzten Krankheit eine Dame fragte: „Sind sie katho-\nlischer Christ oder Calvinist?\" antwortete er mild lächelnd:\n„ Madame, je suis Claviciniste.\")\nJohn Field verschied am 11. Jan. 1837 in Moskau."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-08-27-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-08-27_01#c007", "volume": "bmtnabi_1859-08-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "279", "page_fin": "280", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590827-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "279", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590827-01.1.7", "debut_caractere": 2529, "fin_caractere_exclue": 6232, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHol». Am 24. August hatte der städtische Gesang-Ver-\nein eine Gedächtnissfeier des am 30. Juli d. J. verstorbenen Ver-\neins-Mitgliedes Michael DuMont-Fier veranstaltet. Da die\noberste Kirchenbehörde hierselbst die dazu bestimmte Aufführung\ndes Kequiems von Mozart im Dome nicht gestattete (im\nJahre 1859 im preussischen Staate, während man in Italien, Frank-\nreich und Oesterreich ein solches Verbot nicht kennt!), so fand die-\nselbe in dem gewöhnlichen Locale des Vereins unter Leitung des\nDirigenten desselben, Herrn Ferdinand Breunung, mit vollem\nOrchester Statt. Nach einem Prolog von Prof. L. BischofF begann\ndas Requiem aeternam dona, und je mächtiger sich seine wunderbar\nherrlichen löne entfalteten, desto feierlicher wurde die Stimmung\nder Ausführenden und der Zuhörerschaft. Die Soli wurden von\nFräulein Wiesmann (Sopran) und einer ausgezeichneten Dilettantin\n(Alt), Herrn Koch (Tenor) und Herrn DuMont (Bass), einem jünge-\nren Verwandten des Verstorbenen, gesungen. Möge die ernste Liebe\ndes Dahingeschiedenen zur Kunst auf ihn übergehen! Die Natur hat\nihm eine Stimme verliehen, die gar sehr der Ausbildung werth ist.\nDer Eindruck der Chöre, die vortrefflich gingen, war ein mächtiger\nund alle Herzen erhebender.\" Wessen Seele ein solcher Aufschwung\neines begeisterten Chors gläubiger Menschen nicht ergreift und sein\nHerz zu Gott emporhebt (sursum corda!\\ dessen Organisation kön-\nnen wir nur bedauern, da die Natur ihm einen der schönsten und\nedelsten Vorzüge des Menschen vor der übrigen Schöpfung alles Le-\nbendigen versagt hat.\nDie Herren Piatti und Wieniawsky reis'ten am Donnerstag\nhier durch nach Ostende. Letzterer wird sich demnächst mit einer\nenglischen Dame vermählen und dann nach Petersburg zurückkehren.\nIn diesen Tagen hörten wir einen jungen Russen, Herrn Tabo-\nrowsky, dessen Ausbildung zum Violinspieler durch des Kaisers\nvon Russland Majestät unterstützt worden ist. Er war zuletzt Zög-\nling des Conservatoriums in Brüssel, wo er unter FtStis Compo-\nsition studirte und unter Leonard's Leitung sich im Violinspiel\nvervollkommnete. Herr Taborowsky hat zwar die höchste Stufe\nvollendeter lechnik noch nicht erreicht, aber er überwindet dennoch\nSchwierigkeiten, welche den Standpunkt dieser Stufe verlangen, durch\neine hervorragende natürliche Begabung, ja, man kann wohl sagen,\ndurch eine Art von Inspiration. Wenn er sich von dieser Bahn durch\nkeine Nachahmung irgend einer Berühmtheit abbringen lässt, und\nihn sein Geschmack davor bewahrt, dass sein Spiel Manier wird, so\ndürfte er bald zu den eigentümlichsten Violinspielern gehören und\neiner glänzenden Zukunft entgegensehen, zumal, da auch seine Com-\npositionen ein bedeutendes Talent zeigen, das, wenn es sich erst\nbesser abgeklärt hat, keine gewöhnlichen Productionen liefern dürfte.\nNach der PI anno ver' sehen Zeitung ist Heinrich Marsch-\nner von seinem ITof-Capellmeister-Amte entbunden und zum Gene-\nral-Musik-Director ernannt worden. Wie es heisst, wird Capell-\nmeister Fischer, der Verfasser von „Meeresstille und glückliche\nI ahrt\" für Männerchor, die Stelle des Componisten von Hans Hei-\nling, Varnpyr, Templer und Jüdin am Dirigentenpulte ausfüllen.\nSSaeSeia-lSstcßeßa« Das diesjährige grosse Concert, dem\ndie politischen Umstände ungünstig waren, wird nun doch am Mon-\ntag den 29. August Statt finden, und zwar wiederum unter der\nDirection von Hector Berlioz. Das Programm ist folgendes:\nErster The il. J. Die vier ersten Sätze aus Romeo et Juliette,\nSinfonie mit Chören von li. Berlioz. Die Strophen und das Scher-\nzetto des Prologs werden von Mad. Pauline Viardot und Herrn\nL e f o r t gesungen.\n2. Variationen aus der Ceiieretilola von Rossini, gesungen von\nMad. Viardot."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "280", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590827-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6134, "texte": "3. Andante von Beethoven und Rondo von C. M. v. Weber\nfür Pianoforte, vorgetragen von Herrn Theodor Ritter.\n4. Grosse Scene aus dem ersten Act der Oper Les Troyens\n(Die Trojaner), Manuscript in fünf Acten, Text und Musik von\nHector Berlioz, zum ersten Male aufgeführt. Cassandra —Mad.\nViardot; Choröbus Herr Lefort.\nZweiter Theil. ]. Ouvertüre aus Le Pardon de Ploermel von\nMeyerbeer.\n2. Solo für die Clarinette von Schwab, geblasen von Herrn\nWuille.\n3. Duett aus dem vierten Act der „Trojaner\" von H. Berlioz.\nDido und Aeneas Mad. Viardot, Herr Lefort.\n4. „Das verlorene Paradies\", biblische Scene, Text von\nDarou de Coubalte (Kuhwald?), Musik von Th. Ritter, für Tenor\nund Pianoforte (Lefort und Ritter).\n5. Vortrag auf dem Alexander-Orgelmelodium durch Hrn. Engel.\n6. ~Soloveirussisches Lied, und 9iM argotton\"> altfranzösisches\nLied, am Ciavier vorgetragen durch Mad. Viardot\nDas Orchester und der Chor werden aus der grossherzoglichen\nCapelle zu Karlsruhe und Künstlern aus Baden, Strassburg und\nStuttgart gebildet.\nDie pariser Revue et Gazette musicale meint, Gluck's Muse sei in\nder stolzen und furchtbaren Scene des ersten Actes der neuen Oper\nBerlioz's wieder aufgestanden, während das Duett des vierten Actes\ndie zartesten und melodieenreiehsten Inspirationen einer glücklichen\nLiebe enthalte. Auch freut sie sich, dass Meyerbeer's Ouvertüre in\nDeutschland, „dem classischen Boden der Meisterwerke der Instru-\nmentalmusik\", erscheinen und „ihre Stelle unter jenen einnehmen\nwerde\". Baden liegt allerdings in Deutschland, aber die Zuhörer-\nschaft in Herrn Benazet's Concertsaale kennt Mad. Viardot besser\nals die Revue; sie besteht aus Russen und Franzosen.\n„Die Zauberflöte\" im Operntheater am 16. August\nbrachte uns einen neuen Sarastro und eine neue Pamina. Herr Ses-\nselberg, dem Vernehmen nach aus Stuttgart, setzte das musicali-\nsche Publicum durch seine tiefen Töne (tiefes d, tiefes c, tiefes b)\nin Erstaunen. Welcher Gewinn für die Kunst, für die künstlerische\nDurchführung der Aufgabe, für die eigentliche Befriedigung der Hö-\nrer von dieser speciellen Naturgabe zu erwarten steht, vermögen wir\nnicht abzusehen, zumal die Stimme des Herrn Sesselberg nur durch\nihre Ausdehnung nach unten bemerkeuswerth ist, sonst aber weder\nin der normalen Tiefe, noch in der Mittellage durch besondere Kraft?\nFülle oder eine andere Eigenschaft glänzt. Von der höheren Basslage\nist vorläufig noch gar keine Rede, und es kann überhaupt weder\nvon einer weiteren Ausdehnung nach oben, noch von einer Ausbil-\ndung des Organs, noch auch von einem wahrhalt künstlerischen Vor-\ntrage die Rede sein, so lange Herr Sesselberg den fehlerhaften,\nschwerfälligen, übertrieben breiten, Wort und Ton entstellenden An-\nsatz beibehält. Darauf wird er zunächst sein Augenmerk zu richten\nhaben. Ueber seine künstlerischen Fähigkeiten wollen wir nicht so\nschnell aburtheilen; aber dass jeder gebildete Zuhörer vor jener Art,\nden Ton zu erzeugen, zurückschrickt, das können wir Herrn Sessel-\nberg schon jetzt mit Bestimmtheit versichern. Fräulein Krauss sah\nals Pamina recht hübsch aus und sang ihren Part mit staunens-\nwerther musicalischer Sicherheit. Die Stimme schien mehr als je an-\ngegriffen; dagegen war die Sängerin bemüht, ihrem Vortrage etwas\nmehr Wärme einzuhauchen. [Wir hätten kaum jemals geglaubt, dass\nHerr Sesselberg zu der Ehre kommen würde, auf dem wiener Opern-\ntheater durchzufallen !]\nUnter den musicalischen Blättern, die in den Vereinigten\nStaaten von Nordamcrica erseheinen, zeichnet sich dis „Deutsche\nMusik-Zeitung, herausgegeben von Phil. Rohr, redigirt von\nKarl Winterstein (für New-York von Theod. Hagen)\" aus,\nwelche G. & Comp, in Philadelphia verlegen. Sie fröhnt\nkeineswegs, wie z B. die New-Yorker Musikzeitung von Mason, dem\ndurch nichts begründeten Dünkel der Americaner auf nationale\nComponisten, sondern sucht den Geschmack an classischer Musik\nzu verbreiten und zu nähren. Freilich ist auch sie genöthigt, dann\nund wann den Ton anzustimmen, der den Ueberseeischen nun einmal\nallein pikant erscheint So heisst es z. B.: „Die Kunst hat natürlich\nmit allen diesen Erscheinungen (Monster-Concerten in Palace Garden\nu. s. w. in New-York) wenig zu tliun. Namentlich möchte die Ein-\nbürgerung der italiänischen Oper hier eher von Nachtheil als guten\nFolgen sein. Nicht bloss desshalb, dass dadurch einige americani-\nsche Kritiker zu dem Glauben verleitet werden, dass sie, weil sie\nden Trovatore und Lucrezia Borgia kennen, das Recht haben, über-\nhaupt mitsprechen zu dürfen, sondern weil das fortwährende Anhö-\nren Verdi'scher Musik die Empfänglichkeit für Besseres förmlich zu\nnichte macht. Wer immer Schweinefleisch isst, muss am Ende bei\nden Schweinen bleiben.\" Wir erfahren auch aus derselben Num-\nmer, dass ~der bekannte Capellmeister und Componist Sobo-\nlewsky in New-York angekommen ist. Er reis't mit seiner Tochter,\neiner tüchtigen Concertsängerin, und gedenkt sich vorläufig inCin-\ncinnati niederzulassen.\"\nIn einem Opernberichte aus Boston (Ullmann'sche Truppe\nMad Laborde, Karl Formes u. s. w.) findet sich folgendes Urtheil\nüber Flotow's Martha:\n„Martha wurde einmal gespielt. Das ist jetzt die Zug-Oper. Wie\nlange wohl der Triumph dieser glänzenden Oberflächlichkeit dauern\nwird? Trotz allem bunten Melodieenschmuck und den sentimentalen\nblauen Augen ist diese Oper Martha doch nichts mehr als eine ge-\nschickt aufgeputzte alte Jungfer ohne Herz und Eingeweide, d. h„\nohne Gefühl und Leidenschaft. Wie das immer so präcis und co-\nquet im Zweiviertel-Tact einher trippelt und gleitet ! Verwünschter\nZweiviertel-Tact! Gemeiner Zweiviertel-Tact! Von der beigemischten\nSentimentalität will ich gar nicht einmal reden. Die ist für die\ngrosse Menge präparirt, und die grosse Menge weint ihre angeneh-\nmen Thränen bei der allmählichen, ruckweisen Abblätterung der\nletzten Rose und Lionel's Klagelied. Hübsche Tanzmusik ist es.\nWenn Flotow seine Oper nicht geschrieben hätte, so würde Strauss\nkeine Martha-Quadrille haben schreiben können, und das wäre\nsehr schade.\"\nVom 18. Juli ab fand acht Tage lang ein „Mammuth-Musikfest\nunter Leitung der Herren Anschütz, Stoepel, Bergmann und Ma-\nrotzek\" in IN ew-York Statt."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "273", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590827-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nAus der alten italienischen Gesangschule. 1. Fü r Clavier-Unterricht (P. X. Chwatal, Op. 135 Dr. C. Kocher\nJulius Knorr F. Hiller, Op. 79 Anastasius Struve, Op 58 Sig. Lebert und L. Stark Louis Köhler Anton Krause\nKarl Ritter Th. Kirchner St. Heller). Field und Clementi (Lebensskizze). Tages- und Unte r h al tun gsbl a 11\n(Köln, Gedächtnissfeier für M. DuMont-Fier, Fremde Künstler - H. Marschner Baden-Baden, Concert Wien).\n\nAus der alten italiänischen Gesangschule.\nI.\nZu den berühmten Meistern der Gesangeskunst der\nItaliäner des XVII. und XVIII. Jahrhunderts gehören\nPierfrancesco Tosi, gestorben zu London 1727, acht-\nzig Jahre alt, und Giarabattista Mancini, gestorben\nden 4. Januar 1800 in seinem vierundachtzigsten Jahre\nzu Wien, wo er seit 1761 Gesanglehrer der Erzherzogin-\nnen war.\nBeide haben theoretische Werke über Gesang-Unter-\nricht geschrieben, welche nicht bloss zu dem Besten gehö-\nren, was man über diese schwierige Kunst lesen kann, son-\ndern als die eigentlichen Quellen zu betrachten sind, aus\ndenen alle späteren Theoretiker geschöpft haben. Tosi's\nBuch führt den Titel: Opinioni de' Cantori antichi e mo-\nderni o sieno Osservazioni sopra il Canto figurato (1723\nerschienen, englisch von Gaillard, London, 1743, deutsch\nvon Joh. Fried. Agricola, Berlin, 1757); Mancini's\nWerk sind die Riflessioni\n(dritte Auflage, Mailand, .1777). Beide Werke sind selten\ngeworden und verdienten eine neue deutsche Uebersetzung,\ndie auszugsweise, das heisst mit Ausscheidung des Veral-\nteten und Unwesentlichen, nicht eine Bearbeitung, sondern\neine wörtliche Uebertragung gäbe, damit der Geist, der\nin diesen Lehrbüchern wehet, und der charakteristische\nStil ihrer Verfasser nicht verloren ginge. Namentlich ha-\nben wir bei dem älteren von beiden, Pierfrancesco Tosi,\nin Bezug auf die Schreibart bestätigt gefunden, was E. L.\nGerber von ihm in seinem Tonkünstler-Lexikon sagt: „ein\nvortrefflicher Sänger, geschmackvoller Componist und ele-\nganter Schriftsteller.\"\nTosi's Eifer gegen die Vernachlässigung des Tactes\nbeim Gesänge ist so richtig als heissblutig. „In Wahrheit,\"\nsagt er in dem Capitel von den Arien „die Gering-\nschätzung, welche viele der neueren Sänger gegen den\nTact hegen, geht so weit, dass sie ihn dem geschmacklo-\nsen Gefallen, das sie an ihren geliebten Passaggien und\nFermaten finden, gänzlich aufopfern, und dazu darf man\nnicht stillschweigen. Die Anmaassung gewisser Sänger\nist unerträglich, wenn sie verlangen, ein ganzes Orchester\nsolle im schönsten Fluss der regelmässig bestimmten Be-\nwegung auf einmal sich aufhalten, um ihnen Zeit zu las-\nsen, ihre schlecht begründeten Einfälle auszupacken, die\nsie auswendig gelernt haben, um den Kram von einem\nTheater zum anderen zu tragen, oder die sie einer mehr\nglücklichen als gebildeten Sängerin abgestohlen haben, die\ndadurch den Beifall des Pöbels erobert hat und bei der\nman es auch aus Artigkeit mit dem Tacte nicht so genau\nnimmt. „„Still, mein Herr, mit Eurer Kritik! Ihr wisst\nnicht, was es heisst, nach der Mode singen.\"\" —Nach der\nMode? Fragt nur die wirklichen Sänger, sie werden euch\nsagen, dass man ohne Tact nicht singen kann noch darf;\ndass, wer singen kann, auch bei dem genauesten Tact-\nhalten noch Stellen genug finden wird, seine Kunst zu zei-\ngen, ohne nöthig zu haben, Pausen zu erfinden oder vom\nOrchester zu erbetteln. Die Zuhörer es gibt ja deren,\nwelche die offenbare Schande loben würden bedecken\neure Fehler nicht mit ihrem Applaus, sondern offenbaren\nnur ihre eigene Unwissenheit. Euch selbst kommt es zu,\nsie aus ihrem Irrthum zu reissen und euren vernunftwidri-\ngen Eigensinn zu gestehen und abzulegen. Euer Trotz\nmacht auch alle Instrumentalisten zu Mitschuldigen eures\nVerbrechens, wenn sie euch nachgeben und zum Nachtheil\nihrer eigenen Würde auf euch warten. Denn das Gehor-\nchen ist Sache eines unterthänigen Knechtes, schickt sich\naber nicht für die Musiker, die eures Gleichen sind und\nkeinen anderen Gebieter über sich zu erkennen haben,\nals den Tact.\"\nVon dieser Verschleppung und Misshandlung des Tac-\ntes unterscheidet Tosi aber sehr einsichtsvoll das\nrubato: „Dies ist besonders im pathetischen Adagio oder"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "274", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590827-01.1.2", "texte": "Andante ein ehrenvoller Raub, welcher zum guten Vor-\ntrag verhilft, wenn nur Einsicht und Verstand das Geraubte\ngeschickt wieder zu ersetzen wissen. Eben so wenig ist\nohne das Tragen der Stimme etwas zu leisten; wer\nsich darin zum Meister machen will, der höre noch mehr\nauf das, was sein Herz ihm sagt, als auf die Regeln der\nKunst. Der grösste Lehrer ist das Herz! Saget es selbst,\nihr besten Sänger, saget es aus schuldiger Dankbarkeit,\ndass ihr seine Schüler seid, sonst wäret ihr nie so gross\ngeworden ! Wenn das Herz aus ihm singt, dann kann kein\nSänger sich verstellen oder heucheln, alsdann bringt nur\ndie Wahrheit den siegenden Eindruck hervor.\"\n„Wer die Musik zuerst auf die Schaubühne geführt\nhat, hat gewiss die Absicht gehabt, ihr einen Triumph zu\nbereiten, sie auf einen Thron zu heben. Wer hätte ge-\ndacht, dass sie selbst nicht sehr lange darauf zum trauri-\ngen Schauspiel ihres eigenen Untergangs dienen würde?\nIhr prächtigen Theatergebäude! wer euch ohne zornig zu\nwerden ansehen kann, der bedenkt nicht oder weiss nicht,\ndass ihr auf den Trümmern der Harmonie erbaut seid!\nVon euch kommt die jetzige Schreibart und die Menge der\nLiedermacher und Bänkelsänger her. Da der arme Con-\ntrapunkt von dem verderbten Zeitalter dazu verdammt\nworden, um ein Stückchen Brod in der Kirche zu betteln,\nwährend die Unwissenheit auf den Theatern triumphirt,\nso hat der grösste Theil der Componisten, entweder durch\ndie Begierde nach Geld oder durch das harte Gebot der\nNoth und Armuth bewogen, dergestalt das gründliche\nStudiren aufgegeben, dass, wenn nicht der Himmel durch\ngrosse Geister den Wenigen, die noch zu ihrem Ruhme\nan den wahren Grundsätzen festhalten, zu Hülfe kommt,\ndie Musik in augenscheinliche Gefahr geräth, für unwür-\ndig erklärt zu werden, sich in der Kirche noch hören zu\nlassen, weil man keine Giquen, Menuetts und Furlanen in\nGottes Tempel haben will. Und in der That, an manchen\nOrten kann man bereits die Kirchen-Composition von\nder Theatermusik nur dadurch unterscheiden, dass man\nan der Kirchthür kein Eintrittsgeld bezahlt!'1\nIm Verlauf dieser feurigen Herzensergiessung kommt\nlosi auf eine Schilderung der damaligen Zukunfts-Musiker\nin Italien, welche heute, nach anderthalb Hundert Jahren!\nmerkwürdige Vergleichungspunkte bietet. Er fährt folgen-\nder Maassen fort:\n„Ich weiss, dass die Welt gewisse wenige grosse Com-\nponisten mit gerechtem Beifall ehrt. An diese weise ich,\nwer aus guten Compositionen gut singen lernen will. Wäre\nihre Zahl vielleicht nicht so klein, wie ich verinuthe, so\nbitte ich diejenigen, die ich mit Unrecht aus unfreiwilligem\nIrrthum ausgeschlossen habe, um Verzeihung, die ich von\nihnen leicht erhalten werde. Die Unwissenden hingegen\npflegen nicht gern zu verzeihen.\n„Ich fragte zu meinem Unglück einstmals einen von\ndiesen Herren, von wem er die Composition gelernt hätte.\nVom Ciavier! antwortete er mir sogleich. Gut. Aus was\nfür einer Tonart, fuhr ich fort, habt ihr den Anfangssatz\neurer Oper gemacht? Was, Tonart? was, Tonart? un-\nterbrach er mich trotzig: warum wollt ihr mir den Kopf\nmit solchen alten, verschimmelten Fragen warm machen?\nMan hört wohl, aus was für einer Schule ihr kommt. Die\nneuere, wenn ihr es etwa nicht wisst, bekümmert sich nicht\num Tonarten, und man lacht mit Recht über die närrische\nEinbildung derer, welche glauben, dass es deren zwei\ngebe; da hingegen diejenigen, welche behaupten, dass sie\nin authentische und plagalische (Haupt- und Neben-Ton-\narten) eingetheilt werden müssten und dass ihrer acht (im\nFalle der Noth auch noch mehr) wären, ganz weislich\neinem jeden in sein freies Belieben stellen, zu componiren,\nwie es ihm selbst recht und gut dünkt. Zu euren Zeiten\nschliel die Welt, und ihr dürft es nicht übel nehmen, wenn\nunsere jetzige ausnehmend sonderbare Art durch die Lu-\nstigkeit, die ans Herz geht und den Fuss zum Tanzen an-\nreizt, sie wieder aufgeweckt hat. Wrachet auch ihr auf, ehe\nihr sterbet, und erhebet den harten, von der Last so vieler\nverkehrten Grillen gebeugten Nacken. Lasst sehen, dass\ndas Alter dasjenige nicht missbilligt, was die Jugend er-\nfindet, sonst werdet ihr erfahren, dass euch eure eigenen\nWorte selbst treffen und euch sagen werden, dass die Un-\nwissenheit alles anfeindet, was gut ist. Die schönen Künste\nwerden immer mehr ins Feinere gebracht ; und wenn man\nmir wird widersprechen wollen, so werde ich mit dem\nDegen in der Faust beweisen, dass die Musik nicht höher\nsteigen kann, als durch uns. Wacht auf, sage ich, und\nwenn ihr noch nicht ganz alle Beurtheilungskraft verloren\nhabt, so höret mir zu. Ihr werdet gestehen müssen, dass\nich aufrichtig rede. Zum Beweise dessen bemerket Fol-\ngendes :\n„Dass unsere so ungemein angenehme Schreibart er-\nfunden worden, um durch den schönen Namen der neuen\nMode die gar zu schweren Hegeln des Contrapunktes zu\nunterdrücken, ist nicht zu läugnen.\n„Dass aber alte, vermooste Graubärte sagen, wir eifer-\nten mit einander um die Wette, wer die ärgsten und die\nmeisten noch nie gehörten Ausschweifungen hervorbringen\nkönne, damit wir uns nur für schöpferische Geister aus-\ngeben könnten, das ist ein boshafter und schwarzer Betrug\nvon denen, die da mit Widerwillen ansehen, wie sehr wir\nerhöht sind. Es sterbe der Neid ! Ihr seht ja wohl, dass\ndie Achtung, welche wir uns nach allgemeiner Ueberein-\nstimmung erworben haben, entscheidend ist; und wenn"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "275", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590827-01.1.3", "texte": "ein Sänger es nicht mit unserer Zunft hält, so findet er\ngewiss keinen Beschützer, der ihn auch nur ansähe oder\nim Geringsten achtete. Aber (da wir doch im Vertrauen\nund mit der Aufrichtigkeit auf der Zunge reden), sagt mir,\nwer kann wohl gut singen, wer kann wohl gut componi-\nren, ohne unseren Beifall schon zuvor erhalten zu haben?\nEr mag noch so viele Verdienste besitzen (ihr wisst es),\nso fehlt es uns doch nicht an Mitteln, ihn zu stürzen. Ja,\nalle seine Verdienste niederzuschlagen, dazu gehören nur\ndiese wenigen Sylben: Er ist altväterisch.\n„Berichtet mich doch, ich bitte euch, wer würde je-\nmals ohne uns die Singkunst auf den höchsten Gipfel der\nGlückseligkeit gebracht haben, und zwar durch das ein-\nzige, so leichte Mittel, dass wir aus den Arien den ver-\ndriesslichen Wettstreit der ersten und zweiten Violine und\nder Bratsche abgeschafft haben? Getraut sich wohl Jemand,\nuns diesen Ruhm abzudisputiren ? Wir, wir sind diejeni-\ngen, welche durch die Kraft unseres Witzes die Freiheit\nder Sänger auf den höchsten Grad der Vollkommenheit\nhaben steigen lassen, da wir die Arien auch sogar von\ndem rauschenden Getöse der Grundstimmen losgemacht\nhaben, so dass (höret und lernet es wohl!), wenn auch in\neinem Orchester hundert Violinisten wären, wir doch ver-\nmögend sind, so zu setzen, dass alle zu gleicher Zeit eben\ndieselbige Stimme spielen können, welche der Sänger aus-\nführt. Was saget ihr dazu? Habt ihr wohl das Herz,\nuns zu tadeln?\n„0, wie schön ist doch unsere allerliebste Setzart! Sie\nzwingt Keinen von uns zur verdriesslichen Erlernung der\nRegeln; sie beunruhigt das Gemüth nicht durch Nachden-\nken und täuscht uns nicht mit der falschen Einbildung,\nwelche alles, worauf man etwa durch weitläufiges Grübeln\neinmal gefallen sein könnte, auch gleich in wirkliche Aus-\nübung bringen will; sie schadet unserer Gesundheit nicht;\nsie bezaubert die neumodischen Ohren; sie findet Lieb-\nhaber genug, welche sie zu schätzen und reichlich zu be-\nzahlen wissen. Und ihr wolltet euch unterstehen, sie zu\ntadeln ?\n„Was können wir hingegen nicht alles von den fin-\nsteren und höchst widerwärtigen Ausarbeitungen derjeni-\ngen Leute sagen, welche ihr als die ersten unter allen\nMenschen ausposaunet, ob ihr gleich nicht einmal Ehre\ndavon habt! Merket ihr denn nicht, dass das verlegene\nZeug dieser alten Murrköpfe uns Uebelkeiten zuzieht? Wir\nwürden grosse Narren sein, wenn wir uns krumm und\nlahm studiren wollten, um die Harmonie, die Fugen, ihre\nUmkehrungen, den doppelten Contrapunkt, viele zu ver-\nbindende Hauptsätze auszubilden, um sie enge zusammen\nzu bringen, um Canons und anderes dergleichen trockenes\nZeug heraus zu klauben, welches nicht mehr nach der\nMode ist und, was noch schlimmer ist, womit gelobt und\nnoch schlechter bezahlt wird. Was sagt ihr jetzt, Herr\nKunstrichter? Habt ihr mich wohl verstanden? ...Ja,\nmein Herr.\"\" Nun, was antwortet ihr mir denn?\n„ „Nichts.\"\"\nZum Schlüsse geben wir noch einige aphoristische\nBemerkungen aus Tosi (Capitel 9), die auch heute noch\nihre Anwendung finden:\n„Viele Sänger gibt es, die nach dem Augenblicke\nseufzen, in welchem sie der Beschwerlichkeiten des Ler-\nnens der ersten Anfangsgründe los werden möchten, um\nin den Schwärm der Miltelmässigen einzutreten. Finden\nsie hernach durch die Gnade der Vorsehung mit ihrem\nwenigen Wissen Jemanden, der ihnen Brod gibt, so ma-\nchen sie gleich der Musik ein tiefes Abschieds-Compliment.\n„Es sind noch andere, welche nichts Anderes studi-\nren als Fehler. Sie sind dabei mit einer bewundernswür-\ndigen Leichtigkeit, sie alle zu lernen, und mit einem treff-\nlichen Gedächtnisse, sie alle zu behalten, begabt. Ihre na-\ntürliche Neigung treibt sie so zum Bösen, dass, wenn sie\nvielleicht von der Natur mit einer schönen Stimme be-\nschenkt worden, sie ganz untröstlich sind, wenn sie den\nKunstgriff nicht ausfindig machen können, sie in eine der\nschlechtesten zu verwandeln.\n„Der Hochmuth ist nichts Anderes als eine künstliche\nUebung in gewissen Wendungen des Leibes, den man ge-\nschickt aufzublasen weiss, um die Schwachheiten des Ver-\nstandes damit zu verbergen. Hier ist ein Beispiel davon:\nGewisse Sänger würden bei dem Unglücke, das sie haben,\nnicht vier Noten gut vom Blatt singen zu können, nicht\nso ohne Sorge und unerschrocken zu sein scheinen, wenn\nsie nicht den Zuhörern durch Achselzucken, durch Verkeh-\nrung der Augen und durch heimtückisches Kopfschütteln\nweis zu machen wüssten, dass man die groben Fehler,\nwelche sie doch selbst begehen, dem Ciavierspieler oder\ndem Ochester zuschreiben müsste.\n„Ein guter Meister wird über das gleichsam ver-\nhexte Jahrhundert erstaunen, in welchem viele Sänger und\nSängerinnen sich gut bezahlen lassen, um übel zu singen.\nWenn die Mode ein gutes Gedächtniss hätte, so würde ihr\nvielleicht nicht ohne Widerwillen einfallen, dass wer vor\nzwanzig Jahren nur mittelmässig sang, auf den Theatern\nvon zweitem Range eine gar schlechte Rolle spielte.\nUnd heutzutage sammeln Leute, die sich Alles müssen ein-\nkauen lassen wie die Papageien, auf den ersten Theatern\nSchätze.\n„Was wird er von dem sagen, welcher das erstaun-\nliche Kunststück erfunden hat, wie die Grillen zu singen?\nWer hätte sich wohl, ehe es Mode geworden, jemals träu-\nmen lassen, dass man zehn oder zwölf auf einander folgende\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "276", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590827-01.1.4", "texte": "Achtel eines nach dem anderen durch ein gewisses Zittern\nder Stimme in kleine Stückchen zerbrechen könnte? Und\ndoch wird dieses in kurzer Zeit für ganz neumodische\nMordenten passiren.\n„Aus noch stärkeren Gründen aber wird er die Er-\nfindung verabscheuen, dass man singend lacht, oder so\nsingt wie die Hühner, wenn sie ein Ei gelegt haben.\"\n\nFür Clavier-Unterricht.\nEs ist natürlich, dass bei der allgemein herrschenden\nCiaviersucht sich eine Menge von Aerzten finden, die sich\nvon ihren Collegen dadurch unterscheiden, dass diese die\nMittel gegen die Krankheit darreichen, jene hingegen die\nEntwicklung derselben so lange zu fördern suchen, bis ein\nZeitpunkt der Rrisis eintritt, auf welchem es sich dann ent-\nscheidet, ob der Patient entweder dem Dilettantenfieber\nunterliegt, oder als unheilbar in einer Clavier-Irrenanstalt\nuntergebracht, oder für die wirkliche Kunst als lebens-\nfähig anerkannt werden muss. Der grösste Theil von ihnen\nprakticirt bloss, besucht seine Kunden regelmässig oder\nunregelmässig, notirt sich die Stunden für künftiges In-\ncasso und die verschiedenen Stadien, in welche der Be-\nhandelte unter seiner Einwirkung tritt. Ein anderer Theil\nbegnügt sich damit nicht, er will auch für die Theorie,\nfür die Wissenschaft (?!; wirken. Was thut er? Er lässt\nseine Recepte drucken.\nSo entstehen denn eine Menge von Ciavierschulen und\nAnleitungen zu Ciavierstudien, von denen man eben weiter\nnichts sagen kann, als dass es Recepte sind, die mehr oder\nweniger brauchbar sein werden, wenn sie in die Hände\neines geschickten Doctors kommen, der ihre Vorschriften\nzu individualisiren und mit gesundem Urtheil anzuwenden\nversteht. Als solche zeigen wir an:\nä\\ X. Chwatal, Praktische Elementar-Piano-\nforteschule. Werk 135 (!). Zwei Theile. I. Me-\nlodieenbuch. 11. Figurenbuch. Magdeburg, bei\nHeinrichshofen. Pr. netto 2 Thlr.\nDer Verfasser, der auch bereits eine „Methodisch\ngeordnete Pianofortesch u Ie\", Op. 92, in demselben\nVerlage herausgegeben hat, leitet in Magdeburg seit 1852\nmit Herrn Musik-Director C. F. Ehrlich ein Institut für\ngemeinschaftlichen Unterricht im Clavierspiel nach\ndem \\ erfahren J. B. Logier's, und veröffentlicht nun in\nOp. 1-35 das Material, das die Schüler seiner Anstalt be-\ndürfen. Beide Hefte das zweite enthält bloss technische\nLebungen müssen neben einander gebraucht werden.\nDer Zusatz aul dein 1 itelblatte: „Nach einer neuen ra-\ntioneilen Methode\", isl wahrscheinlich nur für den Absatz-\nkreis der Firma Schwerdtfeger & Trauernicht (oder Traue-\nnicht?) in St. Louis in America bestimmt.\nDr. C. Kocher, C 1 avierspielbuch. Eine aus den\nersten Elementen theoretisch und praktisch sich\nentwickelnde und durch mehrere Hunderte von\nVorübungen und Tonstücken methodisch fort-\nschreitende Einleitung in das Spiel und Verständ-\nniss der Classiker. Stuttgart, bei Wilh. Nitzschke.\nZwei Hefte bis jetzt; Preis für iedes 21 Silberer.\n(1 Fl. 12 Kr.)\nVon dem langen Titel kann man nicht behaupten,\ndass er zu wenig sagt; indess kann man einräumen, dass\ndas Ciavierspielbuch im Ganzen hält, was er verspricht,\nindem es ein zweckmässiges und gut geordnetes Material\nfür den Unterricht gibt, das in seinen grösseren Stücken,\nals Präludien, Sonatinen u. dgl., eine lobenswerthe Aus-\nwahl aus den besten Meistern, wie Clementi, Mozart u. s.\nw. enthält. Die Einrichtung des Buches ist so, dass die\ngegebene Regel sogleich durch eine Reihe von Beispielen,\ndie von einzelnen Uebungen bis zu zusammenhangenden\nStücken fortschreiten, praktisch erläutert wird und durch\ndiese Beispiele, die das Technische mit dem Melodischen\nvereinigen, ohne den Schüler durch das Einerlei zu ermü-\nden, eingeübt werden kann. Das zweite Heft geht bis zu\nder Tonleiter von A-durund moU, und bis zu Nr. 92 der\nBeispiele. Es sollen im Ganzen sechs Hefte erscheinen.\nDie Ausstattung ist elegant, Lettern- und Notendruck\nrecht gut.\nDie Erklärung der Sextole lautet auf S. 71: „Die\nSextole besteht aus zwei Triolen, von welchen aber\nnur die erste markirt wird.\" Das ist nicht richtig und\nvermehrt die Verwirrung, die freilich grösstentheils\ndurch die ungenaue Schreibung und Bezeichnung durch\ndie Componisten selbst veranlasst über diesen Punkt\nherrscht. Die Sextole besteht aus sechs Tacttheilen, von\ndenen nicht je drei und drei, sondern je zwei und zwei\nzu verbinden sind, wobei dann allerdings die erste Note\nder ganzen Figur accentuirt wird:\nOhne eine kleine, fast unmerkliche Betonung der dritten\nNote (als erster der zweiten Gruppe) ist die Sextolen-Be-\nwegung nicht charakteristisch herauszubringen, sondern\nfällt dann gewöhnlich mit der Triolen-Bewegung zusam-\nmen, die doch eine ganz andere ist, da sie jedesmal von\ndrei verbundenen Noten die erste accentuirt. Nachlässig\n- O\ngenug schreiben die Componisten oft Sextolen, wo sie\nTriolen haben wollen. Neuere Stiche geben zwei ver-\nbundene Triolen richtiger auf folgende Weise wieder:"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "277", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590827-01.1.5", "texte": "so dass zwischen jeder Triole ein Zwischenraum bleibt.\nJulius Knorr, Ausführliche Ciavier -Methode\nin zwei Theilen. Leipzig, bei C. F. Kahnt. I.\n1 Thlr. 6 Ngr.\nDer erste Theil, der uns allein vorliegt, enthält „die\nMethode\", der zweite soll „die Schule der Mecha-\nnik\" enthalten. Der durch mehrere gute Elementarwerke,\nz. B. „Anfangsstudien\", „Wegweiser\" u. s. w., bekannte\nVerfasser gibt in dieser Clavierschule (77 Seiten kl. 8.)\neine fassliche Anleitung für Lehrer, welche vielen von die-\nsen besonders desswegen willkommen sein wird, weil sie\neine Angabe der Uebungsstücke enthält, die auf jeder Stufe\ndes Unterrichts als zweckmässigste Hülfsmittel zu gebrau-\nchen sind. Für das zweite und dritte Stadium des Ciavier-\nspielers wird diese Angabe durch Verzeichnisse der Behufs\ndes Fortschrittes bis zur höchsten Ausbildung des Spielers\nzu empfehlenden und nothwendig zu studirenden Werke\nfortgesetzt. Ueberden Compositions-Unterricht des Schülers\nim dritten Stadium drückt sich der Verfasser (S. 63) fol-\ngender Maassen aus:\n„Bedarf der Schüler jetzt theoretischer Kenntnisse\nzwar nicht unbedingt, so wird es doch gut sein, ihn bei\naller Gelegenheit und mehr, als beim früheren Unterrichte\ngeschehen konnte, auf dergleichen hinzuführen. Nur ist\nnach unserem Dafürhalten ein förmlicher Compositions-\nUnterricht zur Zeit noch nicht angebracht, einmal, weil der\nleidige Compositions-Teufel nicht zu früh geweckt werden\ndarf, von welchem ohnehin die meisten unserer heutigen\nKunstjünger besessen sind, dann, weil jener Unterricht\nspäterhin, bei gereifterem Verstände, mit um so besserem\nErfolge betrieben werden kann, während er gegenwärtig\nden mechanischen, einst (nach vollendetem Wachsthum der\nFinger) nicht nachzuholenden Studien noch zu vielen Ab-\nbruch thun würde. Denjenigen, welche uns dagegen ein-\nwenden mögen, dass nicht allein ausübende, sondern auch\nschaffende Künstler heran zu bilden seien, müssen wir in\neinzelnen, nicht eben häufigen Fällen allerdings Recht ge-\nben. Nur konnten wir in dem Schaffen unverdaulicher,\nmindestens unerquicklicher Werke ein Verdienst um die\nKunst nie erblicken, dagegen nicht umhin, der Wieder-\ngabe von Meisterwerken in künstlerischer Weise stets un-\nsere Achtung zu zollen. Leider pflegt auf unseren Musik-\nschulen oder so genannten Conservatorien in ersterer Be-\nziehung mehr als in letzterer erreicht zu werden.\"\nSehr erfreulich ist die Bereicherung der musicalischen\nLiteratur durch Composi tionen für angehende Clavier-\nspieler, deren Inhalt sich über das Trockene und Seichte\nfrüherer Uebungsstücke erhebt, ohne dabei den didakti-\nschen Zweck aus den Augen zu setzen und—was nament-\nlich hervorzuheben ist ohne den Geschmack schon von\nAnfang an durch Leierkasten- und Tanz-Melodieen zu ver-\nderben. Als besonders empfehlenswert!* nennen wir unter\ndiesen:\nFerd. Hiller, Acht leichte Ciavierstücke für\nseine kleine Tony. Op. 79. 2 Hefte. Mainz, bei\nSchott. Preis für jedes 1 Fl. 21 Kr.\nAnastasius Struve, Kleine Lieder für Pianoforte\nzu vier Händen, zum Behufe melodischen Aus-\ndrucks für angehende Spieler. Op. 58. Leipzig,\nbei C. F. Kahnt. Zwei Hefte zu je 15 Ngr.\n(Es sind nicht bekannte Lieder-Melodieen, son-\ndern Lieder ohne Worte\nSig. Lebert und L. Stark, Neue Jugend-Bi-\nbliothek für das Pianoforte, in einer systemati-\nschen Reihe leicht ausführbarer, fasslicher und\nfür jede kindliche Alters- und Entwicklungsstufe\neigens berechneter Tonstücke. Stuttgart, bei Ed.\nHallberger. Preis für jedes Heft 10 Ngr.\nDie vor uns liegenden fünf Hefte enthalten lauter\nStücke über Volksweisen aller möglichen Nationen; sie\nsind theils „Phantasieen\" betitelt, theils\nsogar in Heft 111. ein „Divertissemüber deutsche\nVolksweisen\", in Heft 11. vollends ein\ndes Contredanses populaires d Paris\"! Ei, ei! und der\nHaupttitel besagt: „Für den Unterricht eingeführt in der\nStuttgarter Musikschule\"! Eine Musikschule sollte solchen\nFrivolitäten auch nicht einmal in den Namen der Stücke\nVorschub leisten. Es scheint uns, als wenn die ehrenwer-\nthen Herren Componisten, deren „Clavierschule\" wir an-\ngelegentlich empfohlen haben, sich bei diesen Heften ge-\ngen die Wünsche des Verlegers etwas zu nachsichtig ge-\nzeigt hätten.\nVorzügliche Berücksichtigung verdient alles, was\nLouis Köhler in dieser Compositions-Gattung geschrie-\nben hat. Ausser seinen früher erschienenen Volks-Me-\nlodieen für das Pianoforte, Op. 19, zwei Hefte, Magde-\nburg, bei Heinrichshofen, Preis je 10 Sgr. und: Mclo-\ndieenbilder über Volkslieder, Op. 26, Ebendaselbst,\n17 /'i Sgr., sind besonders empfehlenswerth:\nSonate in F-dur. Op. 40. Erfurt und Leipzig, bei\nKörner. 15 Ngr.\nDrei Sonatinen. Op. 42, 43, 44. Winterthur, bei\nJ. Rieter-Biedermann. Preis einer jeden 10 Ngr.\nSonate in C-dur, Gustav Flügel zugeeignet. Op. 49.\nErfurt und Leipzig, bei Körner. 15 Sgr.\nDrei Rondin o's. Op. 58. Winterthur, bei J. Rie-\nter-Biedermann. 10 Ngr."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "278", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590827-01.1.6", "texte": "Ob der in einer Anmerkung zu dem letzten Werk-\nchen angekündigte »Führer durch den Clavier-Un-\nterricht, ein Repertorium der Clavier-Literatur,\" in dem-\nselben Verlage bereits erschienen ist, wissen wir nicht.\nVon AntonKrause sind „Melodische Uebungs-\nstücke zu vier Händen im Umfange von fünf Tönen bei\nstillstehender Hand\", Op. 8, Leipzig, bei C. F. Kahnt,\ndrei Hefte, je 15 Ngr., so wie dessen Etüden anerken-\nnuneswerth. Eben so:\nKarl R itter, Sechs kleine Ciavierstücke. Op. 3.\nLeipzig, bei Breitkopf & Härtel. 15 Ngr.\nTheodor Kirchner, Albumblätter. Neue kleine\nCiavierstücke. Op. 7. Winterthur, bei J. Rieter-\nBiedermann. Preis 25 Ngr.\nDen Beschluss dieser Uebersicht möge für heute\nmachen:\nStephen Heller, 24 nouvelles Etudes, Op. 90,\ndrei Lieferungen, jede 1 Thlr., Berlin, bei A. M.\nSchlesinger\ndie wir nur zu nennen brauchen, um überzeugt zu sein,\ndass alle Ciavierlehrer und Freunde dieser instructiven\nMusikgattung, auf deren Pult dieses Werk 90 von Heller\nnoch nicht liegt, eilen werden, sich es anzuschaffen.\nAlle diese Sachen überschreiten das Maass der Schwie-\nrigkeit für den ersten Unterricht im Ciavierspiel nicht;\nund es gibt deren noch mehrere, die in ihre Kategorie zu\nstellen sind.. Wo aber so reichlicher Stoff für gesunde\nNahrung der Jugend vorhanden ist, ist es da nicht unver-\nantwortlich, wenn die Lehrer zu faden Süssigkeiten und\nüberzuckertem Schmutz greifen, der Geschmack und Ge-\nfühl von vorn herein ganz und gar verdirbt?\nVon neuen Ausgaben der Werke elastischer Mei-\nster erwähnen wir die Fortsetzung der Hall berger'-\nschen Ausgabe in Stuttgart, besorgt von J. Moscheies,\nderen 4. und 5. Lieferung Beethoven's Sonate Op. 7,\nin Es-dur,und Op. 10 Nr. 1., (jene 7V2, diese 5\nSgr.!), enthalten; die 6. Lieferung bringt Mozart's Phan-\ntasie und Sonate in C-moll (7% Sgr.), die 7. Mozart's\nSonate in A-moll (5 Sgr.).\nSehr hübsch ausgestattet und correct ist die Ausgabe\nsämmtlicher Sonaten Mozart's für Ciavier und Vio-\nline in drei Bänden (die Ciavierstimme in Partitur ge-\ndruckt), die in Braunschweig bei C. Weinholtz in Zinn-\nstich erschienen ist. Preis 5 Thlr. netto.\nFür Anfänger empfehlenswerth sind auch die fünf\nSonatinen fü r vier Hände, nach Mozart's lieblichen Di-\nvertissements für Blas-Instrumente von Jul. Andrö einge-\nrichtet und in Offenbach bei Joh. Andre erschienen. Preis\n4 Fl. 12 Kr.\n\nField und Clementi\n*).\nJohn Field wurde am 26. Juli 1782 zu Dublin,\nwo sein Vater als Violinist bei der Theater-Capelle fun-\ngirte, geboren. Den ersten Unterricht auf dem Ciavier er-\nhielt er von seinem Grossvater, einem Organisten; später\nwurde er Schüler von Muzio Clementi, den die Fran-\nzosen scherzend den „Papa der Ciavierspieler\" nannten.\nMit Letzterem ging er als Jüngling seine Kinderjahre\nhatte er ziemlich träge verlebt—auf Reisen, und sein Spiel\nerrang ihm, besonders in Wien, die lauteste Bewunde-\nrung. Im Jahre 1803 brachte Clementi seinen Schüler\nmit nach Petersburg, woselbst er mit ihm höchst eingezo-\ngen in dem Hotel Paris ein paar Stübchen nach dem Hofe\nhinaus bewohnte und vom Morgen bis spät in die Nacht\nUnterricht, die Stunde zu fünfundzwanzig Rubel, ertheilte.\nSo lange Clementi selbst diesem Verdienste nachjagte, ver-\nmied er es sorgfältig, auf das Talent seines Schülers auf-\nmerksam zu machen, dem nur einmal in dem Concerte\nder Mara eine unscheinbare Rolle zugetheilt wurde. Field's\nEltern hatten Clementi die bedungene Summe von hundert\nPfund Sterling für Verköstigung und Unterricht vorausbe-\nzahlt; aber es hielt dem Zögling schwer, ein Paar Stiefel\ngeflickt zu bekommen, und als John auf der Reise zwi-\nschen Narva und Petersburg einmal seinen Hut verlor,\ndauerte es länger als einen Monat, ehe der gestrenge\n„Papa\" fünf Rubel zu einem neuen hergab, und der junge\nMann musste so lange zu Hause sitzen, nur mit seinem In-\nstrumente beschäftigt. Clementi selbst kaufte sich für die\nWinterzeit keine warme Bekleidung, und so blieb sie auch\nfür Field ein frommer Wunsch; eben so gestattete ihm\nseines Lehrers Geiz nur eine sehr einfache Rost, die in\nThee, Brod, Butter, Käse u. s. w. bestand. Diese Dinge\nmusste er sich selbst aus den Victualienbuden (Lawken)\nholen.\nIm englischen Club, wo Clementi für seine Theilnahme\nan musicalischen Abend-Unterhaltungen gewöhnlich fünf-\nhundert Rubel Honorar bezog, konnte derselbe einst Un-\npässlichkeit halber nicht erscheinen; er sandte John Field.\nDer junge Landsmann fand einen sehr freundlichen Em-\npfang bei den Engländern und liess dieselben den „Papa\nder Ciavierspieler\" nicht vermissen. Field lieferte seinem\nLehrer die empfangenen fünfhundert Rubel ab, der ihm\nindess nicht Einen Rubel zurückliess. Kein Theater konnte\nJohn besuchen, nur einmal führte ihn Clementi ins Or-\nchester, weil es eben nichts kostete.\n\n*) Aus einer biographischen Skizze Field's in Nr. 33 der W.\nRee. von E, Gerber. Dem pensionirten kaiserlichen Hof-\nSchauspieler F. A. Gebhard, noch jetzt, achtzig Jahre alt,\nin Moskau lebend, einem dreiunddreissigjährigen Freunde\nField's, verdankt der Einsender die meisten Angaben über ihn."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "279", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590827-01.1.7", "texte": "Die Ab reise Clementfs rückte heran. Eines Abends\nbegleitete ihn John, um einer seiner Schülerinnen, Fräul.\nDemidoff, vorgestellt zu werden. Ein kleiner, vornehmer\nKreis empfing Field, und endlich wurde er durch das junge\nschone Fräul. Demidoff zum Fortepiano genöthigt. Er\nspielte, und Alles war bezaubert. John's jugendliches, un-\nbefangenes und bescheidenes Wesen, seine kräftig schlanke\nGestalt, seine edlen Züge, das grosse blaue Auge, sein blon-\nder Lockenkopf dies alles musste ihm Theilnahme er-\nwecken.\nJohn ward nun der Lehrer des Fräuleins. Als er noch-\nmals im englischen Club für Clementi eine Soiree durch\nsein schönes Spiel verherrlicht, das Honorar aber dafür\nzu einem fröhlichen Schmause mit seinen jungen Kunstge-\nnossen verwenden wollte, gab es einen heftigen Wortwech-\nsel zwischen ihm und seinem Lehrer, der schliesslich je-\ndoch mit Auslieferung der fünfhundert Rubel endigte.\nNun sann Field auf Schadloshaltung.\nDen Tag vor Clementi's Abreise (1804) bestellte er\njene Freunde, wohl zwanzig an der Zahl, zu einem solen-\nnen Mittagsmahle in das Hotel. Er eilte, ehe sein Lehrer\ndas Gasthaus verliess, zum Wirthe und zeigte demselben\nan, dass Herr Clementi heute ein Abschiedsfest von zwan-\nzig Gedecken mit dem besten Wein zu geben gesonnen sei.\nDer Wirth stutzte über die Freigebigkeit des knauserigen\n„Papa\", der noch nicht einmal an seiner Tafel gespeis't\nhatte, und als dieser selbst, um auszugehen, in demselben\nAugenblicke hinzutrat, redete ihn John rasch an: „Nicht\nwahr, Herr Clementi, der Herr soll Ihnen über das Be-\nstellte morgen seine Rechnung einhändigen?\" „Ja, ja!\"\nbrummte Clementi und schlüpfte flüchtig zur Thür hinaus,\ndenn es war unter Beiden abgemacht, dass John sich zur\nBelohnung seiner am vorigen Tage ausgeführten Leistun-\ngen Mittagsbrod und Kaffee auf Clementi's Rechnung for-\ndern dürfe.\nDie Eingeladenen versammelten sich; man ass, scherzte,\njubelte. Clementi kam, wie gewöhnlich, erst sehr spät heim,\nund anderen Morgens begrüsste ihn der Wirth mit der\nRechnung. Er sprang auf, lärmte, tobte, wollte John prü-\ngeln; aber es half nichts, er musste zahlen.\n(Den Verfolg der Skizze, die namentlich auch einige\nköstliche Anekdoten enthält, wie Field die Künstlerehre\nder reichen Aristokratie gegenüber wahrte, möge man in\nder genannten Zeitschrift nachlesen. Als ihn während sei-\nner letzten Krankheit eine Dame fragte: „Sind sie katho-\nlischer Christ oder Calvinist?\" antwortete er mild lächelnd:\n„ Madame, je suis Claviciniste.\")\nJohn Field verschied am 11. Jan. 1837 in Moskau.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHol». Am 24. August hatte der städtische Gesang-Ver-\nein eine Gedächtnissfeier des am 30. Juli d. J. verstorbenen Ver-\neins-Mitgliedes Michael DuMont-Fier veranstaltet. Da die\noberste Kirchenbehörde hierselbst die dazu bestimmte Aufführung\ndes Kequiems von Mozart im Dome nicht gestattete (im\nJahre 1859 im preussischen Staate, während man in Italien, Frank-\nreich und Oesterreich ein solches Verbot nicht kennt!), so fand die-\nselbe in dem gewöhnlichen Locale des Vereins unter Leitung des\nDirigenten desselben, Herrn Ferdinand Breunung, mit vollem\nOrchester Statt. Nach einem Prolog von Prof. L. BischofF begann\ndas Requiem aeternam dona, und je mächtiger sich seine wunderbar\nherrlichen löne entfalteten, desto feierlicher wurde die Stimmung\nder Ausführenden und der Zuhörerschaft. Die Soli wurden von\nFräulein Wiesmann (Sopran) und einer ausgezeichneten Dilettantin\n(Alt), Herrn Koch (Tenor) und Herrn DuMont (Bass), einem jünge-\nren Verwandten des Verstorbenen, gesungen. Möge die ernste Liebe\ndes Dahingeschiedenen zur Kunst auf ihn übergehen! Die Natur hat\nihm eine Stimme verliehen, die gar sehr der Ausbildung werth ist.\nDer Eindruck der Chöre, die vortrefflich gingen, war ein mächtiger\nund alle Herzen erhebender.\" Wessen Seele ein solcher Aufschwung\neines begeisterten Chors gläubiger Menschen nicht ergreift und sein\nHerz zu Gott emporhebt (sursum corda!\\ dessen Organisation kön-\nnen wir nur bedauern, da die Natur ihm einen der schönsten und\nedelsten Vorzüge des Menschen vor der übrigen Schöpfung alles Le-\nbendigen versagt hat.\nDie Herren Piatti und Wieniawsky reis'ten am Donnerstag\nhier durch nach Ostende. Letzterer wird sich demnächst mit einer\nenglischen Dame vermählen und dann nach Petersburg zurückkehren.\nIn diesen Tagen hörten wir einen jungen Russen, Herrn Tabo-\nrowsky, dessen Ausbildung zum Violinspieler durch des Kaisers\nvon Russland Majestät unterstützt worden ist. Er war zuletzt Zög-\nling des Conservatoriums in Brüssel, wo er unter FtStis Compo-\nsition studirte und unter Leonard's Leitung sich im Violinspiel\nvervollkommnete. Herr Taborowsky hat zwar die höchste Stufe\nvollendeter lechnik noch nicht erreicht, aber er überwindet dennoch\nSchwierigkeiten, welche den Standpunkt dieser Stufe verlangen, durch\neine hervorragende natürliche Begabung, ja, man kann wohl sagen,\ndurch eine Art von Inspiration. Wenn er sich von dieser Bahn durch\nkeine Nachahmung irgend einer Berühmtheit abbringen lässt, und\nihn sein Geschmack davor bewahrt, dass sein Spiel Manier wird, so\ndürfte er bald zu den eigentümlichsten Violinspielern gehören und\neiner glänzenden Zukunft entgegensehen, zumal, da auch seine Com-\npositionen ein bedeutendes Talent zeigen, das, wenn es sich erst\nbesser abgeklärt hat, keine gewöhnlichen Productionen liefern dürfte.\nNach der PI anno ver' sehen Zeitung ist Heinrich Marsch-\nner von seinem ITof-Capellmeister-Amte entbunden und zum Gene-\nral-Musik-Director ernannt worden. Wie es heisst, wird Capell-\nmeister Fischer, der Verfasser von „Meeresstille und glückliche\nI ahrt\" für Männerchor, die Stelle des Componisten von Hans Hei-\nling, Varnpyr, Templer und Jüdin am Dirigentenpulte ausfüllen.\nSSaeSeia-lSstcßeßa« Das diesjährige grosse Concert, dem\ndie politischen Umstände ungünstig waren, wird nun doch am Mon-\ntag den 29. August Statt finden, und zwar wiederum unter der\nDirection von Hector Berlioz. Das Programm ist folgendes:\nErster The il. J. Die vier ersten Sätze aus Romeo et Juliette,\nSinfonie mit Chören von li. Berlioz. Die Strophen und das Scher-\nzetto des Prologs werden von Mad. Pauline Viardot und Herrn\nL e f o r t gesungen.\n2. Variationen aus der Ceiieretilola von Rossini, gesungen von\nMad. Viardot."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "280", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590827-01.1.8", "texte": "3. Andante von Beethoven und Rondo von C. M. v. Weber\nfür Pianoforte, vorgetragen von Herrn Theodor Ritter.\n4. Grosse Scene aus dem ersten Act der Oper Les Troyens\n(Die Trojaner), Manuscript in fünf Acten, Text und Musik von\nHector Berlioz, zum ersten Male aufgeführt. Cassandra —Mad.\nViardot; Choröbus Herr Lefort.\nZweiter Theil. ]. Ouvertüre aus Le Pardon de Ploermel von\nMeyerbeer.\n2. Solo für die Clarinette von Schwab, geblasen von Herrn\nWuille.\n3. Duett aus dem vierten Act der „Trojaner\" von H. Berlioz.\nDido und Aeneas Mad. Viardot, Herr Lefort.\n4. „Das verlorene Paradies\", biblische Scene, Text von\nDarou de Coubalte (Kuhwald?), Musik von Th. Ritter, für Tenor\nund Pianoforte (Lefort und Ritter).\n5. Vortrag auf dem Alexander-Orgelmelodium durch Hrn. Engel.\n6. ~Soloveirussisches Lied, und 9iM argotton\"> altfranzösisches\nLied, am Ciavier vorgetragen durch Mad. Viardot\nDas Orchester und der Chor werden aus der grossherzoglichen\nCapelle zu Karlsruhe und Künstlern aus Baden, Strassburg und\nStuttgart gebildet.\nDie pariser Revue et Gazette musicale meint, Gluck's Muse sei in\nder stolzen und furchtbaren Scene des ersten Actes der neuen Oper\nBerlioz's wieder aufgestanden, während das Duett des vierten Actes\ndie zartesten und melodieenreiehsten Inspirationen einer glücklichen\nLiebe enthalte. Auch freut sie sich, dass Meyerbeer's Ouvertüre in\nDeutschland, „dem classischen Boden der Meisterwerke der Instru-\nmentalmusik\", erscheinen und „ihre Stelle unter jenen einnehmen\nwerde\". Baden liegt allerdings in Deutschland, aber die Zuhörer-\nschaft in Herrn Benazet's Concertsaale kennt Mad. Viardot besser\nals die Revue; sie besteht aus Russen und Franzosen.\n„Die Zauberflöte\" im Operntheater am 16. August\nbrachte uns einen neuen Sarastro und eine neue Pamina. Herr Ses-\nselberg, dem Vernehmen nach aus Stuttgart, setzte das musicali-\nsche Publicum durch seine tiefen Töne (tiefes d, tiefes c, tiefes b)\nin Erstaunen. Welcher Gewinn für die Kunst, für die künstlerische\nDurchführung der Aufgabe, für die eigentliche Befriedigung der Hö-\nrer von dieser speciellen Naturgabe zu erwarten steht, vermögen wir\nnicht abzusehen, zumal die Stimme des Herrn Sesselberg nur durch\nihre Ausdehnung nach unten bemerkeuswerth ist, sonst aber weder\nin der normalen Tiefe, noch in der Mittellage durch besondere Kraft?\nFülle oder eine andere Eigenschaft glänzt. Von der höheren Basslage\nist vorläufig noch gar keine Rede, und es kann überhaupt weder\nvon einer weiteren Ausdehnung nach oben, noch von einer Ausbil-\ndung des Organs, noch auch von einem wahrhalt künstlerischen Vor-\ntrage die Rede sein, so lange Herr Sesselberg den fehlerhaften,\nschwerfälligen, übertrieben breiten, Wort und Ton entstellenden An-\nsatz beibehält. Darauf wird er zunächst sein Augenmerk zu richten\nhaben. Ueber seine künstlerischen Fähigkeiten wollen wir nicht so\nschnell aburtheilen; aber dass jeder gebildete Zuhörer vor jener Art,\nden Ton zu erzeugen, zurückschrickt, das können wir Herrn Sessel-\nberg schon jetzt mit Bestimmtheit versichern. Fräulein Krauss sah\nals Pamina recht hübsch aus und sang ihren Part mit staunens-\nwerther musicalischer Sicherheit. Die Stimme schien mehr als je an-\ngegriffen; dagegen war die Sängerin bemüht, ihrem Vortrage etwas\nmehr Wärme einzuhauchen. [Wir hätten kaum jemals geglaubt, dass\nHerr Sesselberg zu der Ehre kommen würde, auf dem wiener Opern-\ntheater durchzufallen !]\nUnter den musicalischen Blättern, die in den Vereinigten\nStaaten von Nordamcrica erseheinen, zeichnet sich dis „Deutsche\nMusik-Zeitung, herausgegeben von Phil. Rohr, redigirt von\nKarl Winterstein (für New-York von Theod. Hagen)\" aus,\nwelche G. & Comp, in Philadelphia verlegen. Sie fröhnt\nkeineswegs, wie z B. die New-Yorker Musikzeitung von Mason, dem\ndurch nichts begründeten Dünkel der Americaner auf nationale\nComponisten, sondern sucht den Geschmack an classischer Musik\nzu verbreiten und zu nähren. Freilich ist auch sie genöthigt, dann\nund wann den Ton anzustimmen, der den Ueberseeischen nun einmal\nallein pikant erscheint So heisst es z. B.: „Die Kunst hat natürlich\nmit allen diesen Erscheinungen (Monster-Concerten in Palace Garden\nu. s. w. in New-York) wenig zu tliun. Namentlich möchte die Ein-\nbürgerung der italiänischen Oper hier eher von Nachtheil als guten\nFolgen sein. Nicht bloss desshalb, dass dadurch einige americani-\nsche Kritiker zu dem Glauben verleitet werden, dass sie, weil sie\nden Trovatore und Lucrezia Borgia kennen, das Recht haben, über-\nhaupt mitsprechen zu dürfen, sondern weil das fortwährende Anhö-\nren Verdi'scher Musik die Empfänglichkeit für Besseres förmlich zu\nnichte macht. Wer immer Schweinefleisch isst, muss am Ende bei\nden Schweinen bleiben.\" Wir erfahren auch aus derselben Num-\nmer, dass ~der bekannte Capellmeister und Componist Sobo-\nlewsky in New-York angekommen ist. Er reis't mit seiner Tochter,\neiner tüchtigen Concertsängerin, und gedenkt sich vorläufig inCin-\ncinnati niederzulassen.\"\nIn einem Opernberichte aus Boston (Ullmann'sche Truppe\nMad Laborde, Karl Formes u. s. w.) findet sich folgendes Urtheil\nüber Flotow's Martha:\n„Martha wurde einmal gespielt. Das ist jetzt die Zug-Oper. Wie\nlange wohl der Triumph dieser glänzenden Oberflächlichkeit dauern\nwird? Trotz allem bunten Melodieenschmuck und den sentimentalen\nblauen Augen ist diese Oper Martha doch nichts mehr als eine ge-\nschickt aufgeputzte alte Jungfer ohne Herz und Eingeweide, d. h„\nohne Gefühl und Leidenschaft. Wie das immer so präcis und co-\nquet im Zweiviertel-Tact einher trippelt und gleitet ! Verwünschter\nZweiviertel-Tact! Gemeiner Zweiviertel-Tact! Von der beigemischten\nSentimentalität will ich gar nicht einmal reden. Die ist für die\ngrosse Menge präparirt, und die grosse Menge weint ihre angeneh-\nmen Thränen bei der allmählichen, ruckweisen Abblätterung der\nletzten Rose und Lionel's Klagelied. Hübsche Tanzmusik ist es.\nWenn Flotow seine Oper nicht geschrieben hätte, so würde Strauss\nkeine Martha-Quadrille haben schreiben können, und das wäre\nsehr schade.\"\nVom 18. Juli ab fand acht Tage lang ein „Mammuth-Musikfest\nunter Leitung der Herren Anschütz, Stoepel, Bergmann und Ma-\nrotzek\" in IN ew-York Statt."}]}