{"numero_id": "bm-bmtnabi-1859-09-03-01", "volume": "bmtnabi_1859-09-03_01", "ocr_sha256": "60a3dc06bda334575491c719fefd1fa92d377a38a6b1ede63e1c3e397723a904", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1859/09/03_01/bmtnabi_1859-09-03_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590903-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1859-09-03-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-09-03_01#c001", "volume": "bmtnabi_1859-09-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "281", "page_fin": "281", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590903-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "281", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590903-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 417, "texte": "Inhalt.\nAus der alten italiänischen Gesangschule. 11. Alexander Boely, der letzte Organist in Frankreich. Beurthei-\nLungen: Bernh. Brähmig, Kirchen- und Haus-Choralbuch mit Texten F. A. Gevaert Petrus Baur Bern. Ant. Pothast, Op. G,\nOp. 2. Tages- und Unterhaltungsblatt (Aachen, Benefiz-Concert Barmen, Orgel-Concert Gesangfest in Trarbach, Neu-\nwied, Adresse an G. 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Die vortreffliche Abhandlung erschien\nzuerst im Jahre 1774 in Wien und machte ein solches\nAufsehen, dass Mancini von allen musicalischen Berühmt-\nheiten der damaligen Zeit die schmeichelhaftesten Briefe\nund Aufforderungen zu einer zweiten Auflage erhielt. Er\nselbst erwähnt namentlich der Zuschriften von Padre Mar-\ntini, von Hasse, genannt il Sas(der Sachse), von Pic-\ncini, Naumann u. s. w. Schon im Jahre 1776 erschien\neine französische Uebersetzung von Desaugiers, welcher\nspäterhin eine vollständigere von Herrn von Rayneval, Paris,\n1796, folgte, während das Original bereits 1777 in der\ndritten, sehr vermehrten und verbesserten Ausgabe zu\nMailand herausgekommen war.\nMancini war ein Schüler des Bernacchi zu Bologna;\nals Sänger war er nicht berühmt, aber nach Bernacchi's\nTode galt er für den ersten Gesanglehrer Italiens, und\nseine Autorität wurde in Italien, Deutschland und Frank-\nreich geachtet. Der zweite Abschnitt seiner Ab-\nhandlung bringt historische Angaben über die besten Schu-\nlen und Sänger der letzten Jahrzehende des siebenzehnten\nund der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts. Er\nenthält unter Anderem folgende interessante Notizen;\nDie berühmteste Singschule gegen Ende des sieben-\nzehnten Jahrhunderts war die Scuola dei Fedi in Rom.\nMan erzählt von einem eigenthümlichen Mittel, das ihre\nLehrer anwandten, um die Schüler von den Fehlern zu\nüberzeugen, die sie machten. Sie gingen mit ihnen vor das\nThor San Paolo, wo eines der berühmtesten und genaue-\nsten Echos ist. Dort Hessen sie ihre Zöglinge singen, und\ndie genaue Wiederholung der fehlerhaften Aussprache,\nder mangelhaften Intonation u. s. w. durch das Echo über-\nzeugte diese weit nachdrücklicher von ihren Mängeln und\nschlechten Angewohnheiten, als die Auseinandersetzungen\ndes Lehrers. Mit dieser Schule waren der ausgezeichnete\nOrgel- und Clavierspieler Pasquino und der berühmte\nViolinist und Componist Corelli verbunden.\nZu den merkwürdigsten Sängern derselben Zeit (Ende\ndes siebenzehnten Jahrhunderts) gehörte der G\nBaldassare Ferriaus Perugia. Er hatte die schönste,\numfangreichste, biegsamste, lieblichste und wohllautendste\nStimme, die man je hören konnte. Sein Gesang war wun-\nderbar. Er besass im höchsten Grade alle Eigenschaften,\ndie zur Vollkommenheit in jeder Vortragsgattung gehören;\ner war nach Gefallen munter, stolz, ernst, zart, und mit\ndem pathetisch Leidenschaftlichen riss er alle Herzen hin.\nEr stieg in Einem Athem zwei volle Octaven in fortwäh-\nrenden Trillern auf und ab; alle chromatischen Intervalle\ngab er ohne alle Begleitung mit solcher Genauigkeit und\nReinheit an, dass, wenn das Orchester plötzlich mit dem\nerhöhten oder erniedrigten Halbtone einfiel, auf welchem\ner gerade verweilte, man jedesmal eine zum Erstaunen\nreine Stimmung vernahm.\nDer CavaliereMatteucci, durch seltene Schönheit\nder Stimme und durch die Art, wie er zum Herzen sang,\nberühmt, hatte sich in seinen späteren Jahren nach seiner\nVaterstadt Neapel zurückgezogen, wo er 1730 noch lebte\nund alle Sonntage aus frommem Eifer in der Kirche sang.\nEr war damals über achtzig Jahre alt und hatte noch eine\nso helle und frische Stimme und sang mit solcher Geläu-\nfigkeit und technischen Fertigkeit, dass jeder Zuhörer, der\nihn nicht sah, einen jungen Mann in der Blüthe der Jahre\nzu hören glaubte. Die gleiche Gabe, bis ins hohe Alter\neine weiche und schöne Stimme bewahrt zu haben, war\nauch dem Sänger Orsini zu Theil geworden, der, mit\n\n*) Nur Adam Hiller hat in der Vorrede zu seiner „Anwei-\nsung zum musicalischen zierlichen Gesänge\" einige historische\nNotizen auszugsweise daraus gegeben."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "282", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590903-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5649, "texte": "Ehren überhäuft, im Dienste des Kaiserhauses zu Wien\nstarb.\nFrancesco Antonio Pistocchi in Bologna (wirkte von\n1690 1720) war ein so vorzüglicher Lehrer, dass er\naus Antonio Bernacchi von Bologna, der Von Natur\nkeineswegs eine schöne Stimme hatte, dennoch einen der\nbedeutendsten und berühmtesten Sänger seinerzeit machte.\nBernacchi sang Jahre lang, während er bei Pistocchi stu-\ndirte, keinen Ton vor Zuhörern, weder in der Kirche, noch\nauf der Bühne, noch vor seinen vertrautesten Freunden.\nErst als sein Meister sagte: „Nun geh' in die Welt!\" trat\ner öffentlich auf, und die Folge davon war allgemeine Be-\nwunderung. Diese einzige Thatsache beweis't, sagt Man-\ncini, was der Unterricht eines trefflichen Meisters und der\nFieiss eines Schülers erreichen können!\nAuch der grosse Tenorist Annibale Pio Fabri, ge-\nnannt Balino, war aus Pistocchi's Schule. Er glänzte von\n1710 —1750 als erster Stern am musicalischen Horizont,\nwurde 1751 nach Lissabon berufen und starb daselbst\nim Jahre 1760. An allen Höfen wurde er mit Ehre und\nGold überhäuft; Kaiser Karl VI. nahm sogar die Pathen-\nstelle über eine Tochter Balino's an.\nVon Sängerinnen erwähnt Mancini zuerst Vittoria\n1 esi 1 ramontini aus Florenz, wo sie den ersten Unter-\nricht von dem berühmten Capellmcister Francesco Bedi\nerhielt. Darauf studirte sie in Bologna unter Compeggi\nund Bernacchi. Als eine bereits vollkommene Sängerin\nfolgte sie ihrer persönlichen Neigung zur Bühne, studirte\ndramatische Declamation und Action und trat dann gleich\nmit ausserordentlichem Erfolg auf. Selten finden sich so\nherrliche Eigenschaften vereinigt, wie bei ihr. Eine schöne\nund volle Gestalt, mit edler und anmulhiger Haltung ver-\nbunden, eine deutliche und reine Aussprache, eine schwung-\nvolle Betonung der Worte je nach ihrem wahren Sinne,\neine Fertigkeit, jede Schattirung des Charakters durch Mi-\nmik und Gesticulation gebührend auszudrücken, eine völ-\nüge Beherrschung der Bühne und endlich eine so vollkom- |\nmen reine Intonation, dass sie auch im grössten Feuer der\nLeidenschalt und der Action niemals schwankte, das bildete\nbei ihr den seltenen Verein von Vorzügen, die so von der\nKunst durchgebildet waren, dass sie sie zu der vollendet-\nsten Meisterin machten, die man hören konnte*). Sie\nwurde in Wahrheit weltberühmt und erhielt sogar einen\nOrden, indem der König von Dänemark ihr das Ritter-\nkreuz des Ordens der Treue verlieh. Sie ist ein Beispiel,\nwie viel darauf ankommt, dass der Künstler seine natür-\nlichen Anlagen zu erkennen und diesen zu folgen verstehe.\nDie Tesi würde durch ihre Stimme und durch ihren, wenn\nauch noch so vollkommenen, Gesang allein niemals die\nBerühmtheit erlangt haben, die sie durch die Verbindung\ndesselben mit ihrer erhabenen Kunst der Declamation und\nAction mit so vollem Hechte erworben hat*). Sie starb in\nWien den 9. Mai 1775.\nIhr zunächst steht Faustina Bordoni, Gattin des\nhochberühmten Maestro Giovanni Hasse, genannt\nsone. In Venedig geboren, erhielt sie den ersten Unterricht\nvon Mich. Angelo Gasperini von Lucca, der zugleich ein\ntüchtiger Contrapunktist aus Antonio Lotti's Schule war.\nFaustina bildete sich eine eigenthümliche Vortragsart,\nderen hauptsächlicher Charakter eine höchst deutliche und\ncorrecle Geläufigkeit war; die unvergleichliche Leichtig-\nkeit ihrer Coloratur erwarb ihr von den ersten Jahren\nihres Auftretens an grossen Beifall. Ihr grösster Vorzug\nbestand darin, eine Passage in Triolen oder gar Sextolen\ndie lonleiter auf- und absteigend in gehörigem Verhält-\nniss der Stärke durchzuführen, ohne jemals zu ermatten\nund ohne die verschiedenen Nuancen zu vernachlässigen,\ndie so nothwendig sind, wenn die Coloratur Eindruck ma-\nchen soll. Die vollkommene und glückliche Ausführung\neiner solchen Geläufigkeit tritt aus dem Gewöhnlichen\nheraus und macht denjenigen, der ihrer Herr ist, zum\ngrossen Künstler; Keine Sängerin konnte hierin der Fau-\nstina gleichkommen, auch nur ihr nachahmen. Zu dieser\neminenten Natur-Anlage besass sie noch die Kunst eines\nmarkigen Trillers, den sie häufig anwandte, ferner bei\neiner vollkommen reinen Intonation eine grosse Sicherheit\nim Aushalten und Tragen der Töne und eine Meisterschaft\nin Behandlung des Athems.\nBei d iesen Vorzügen war es natürlich, dass sie auf\nallen Bühnen ausserordentlichen Beifall fand. Vor ihrer\n\n) Veiehrteste Prima-Donnen unserer Bühnen, wie wird Ihnen\nzu Muthe, wenn feie diese kleine Aufzählung der guten (und\nnothwendigen) Eigenschaften einer dramatischen Sängerin an-\nhören? Erwägen Sie gefälligst einmal, was der alte treffliche\nMancini an Ihnen gern ebenfalls loben möchte, wenn er Sie\nhören könnte! Indess wir bilden uns zu viel ein, wenn wir\nglauben, Ihre Ruhe auch nur einige Augenblicke durch Mit-\ntheilung seiner Betrachtungen gestört zu haben; gegen solche\nAufwallungen besitzen Sie ein unfehlbares Vorbeugungsmittel:\nSie lesen nichts über Ihre Kunst!\n*) Auch von dieser Aeusserung Mancini's, die häufig in seinem\nTractat wiederkehrt, ist Vermerk zu nehmen. Die ältere ita-\nliänisehe Schule wusste sehr gut, was dramatischer Ge-\nsang war, ja, sie konnte sich auch den Concertgesang ohne\nUebereinstimmung wenigstens mit der Mimik, mit dem Aus-\ndruck des Auges und der Gesichtszüge, nicht als vollkommen\ndenken. Dass wir auf unseren jetzigen Bühnen der italiänischen\nOpern in Paris und London (wahrscheinlich auch in Wien)\nund in Italien selbst Sänger und Sängerinnen finden, die an\ndie Lampen vortreten und mit einigen hergebrachten Armbewe-\ngungen und Hüftenbiegungen ihren Part abgurgeln, ohne sich\nim Geringsten um die Handlung zu kümmern, ist wie so vieles\nAndere ein Beweis der Entartung der guten Schule, nicht aber\nein Nationalfehler von Alters her."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "283", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590903-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5299, "texte": "Vermählung bezauberte sie die Engländer dermaassen,\ndass man sie durchaus in London fesseln wollte. Nach Ita-\nlien zurückberufen, vermählte sie sich mit dem berühmten\nHasse und ging mit ihm an den glänzenden Hof zu Dres-\nden. Von da aus machte das Künstlerpaar noch viele Rei-\nsen zusammen, und jetzt (1777) lebt es in ehrenvoller Ruhe\nzu Venedig. (Hasse starb 1783 den 23. December. Fau-\nstina's Todesjahr ist unbekannt.)\n\\\nFrancesca Cuzzoni aus Parma, Schülerin von\nFranz Lanzi, war mit einer Engelsstimme begabt, deren\nWohllaut und Klarheit sie zu einem Gesänge von edelstem\nStil zu benutzen verstand. Sie war ausgezeichnet im\ngate» und Portamento-,letzteres war so vollendet, dass es,\nverbunden mit einer wunderbaren Gleichheit der Register,\ndie Herzen nicht nur hinriss, sondern den Hörer auch mit\nstaunender Verehrung für die Sängerin erfüllte. Diese\nDonna besass in der That alles, was für eine wahrhaft\ngrosse Künstlerin erfordert wird: eine hinreichende Leich-\ntigkeit in der Coloratur und die vollkommene Kunst, die\nStimme zu schwellen, zu tragen, stärker werden und ab-\nnehmen zu lassen nach allen Graden des Ausdrucks hin.\nBeim Vortrag der Arie im Canverschmähte sie nicht,\ndie Melodie, jedoch ohne Beeinträchtigung des Ausdrucks\nund des Charakters, durch die feinsten und gewähltesten\nVerzierungen zu beleben; alle nur denkbaren Passaggien\nführte sie vortrefflich aus, bald gebunden und geschliffen,\nbald mit Trillern und Mordenten in schwungvoller Verbin-\ndung, bald staccato,bald gehalten und getragen, dann in\nungebundenen auf- und absteigenden Läufern, dann wie-\nder ein Legatovon der Tiefe bis zur Höhe kühn empor-\nschleudernd, und Alles mit erstaunenswerther Correctheit\nund Feinheit. Es gab keine Schwierigkeit, die sie nicht mit\nLeichtigkeit überwand, namentlich behandelte sie die Höhe\nmit unvergleichlicher Kunst. Dabei besass sie einen regen,\nschöpferischen Geist, der das Gewöhnliche und Allgemeine\nverschmähte und Neues im Vortrag und Ausdruck zu er-\nfinden und mit richtiger Auswahl anzuwenden wusste, wo-\ndurch ihr Gesang einzig in seiner Art wurde. Sie vermählte\nsich bei ihrer ersten Anwesenheit in London mit dem be-\nrühmten Orgelspieler Sandoni aus Bologna, den man als\neinen Nebenbuhler Händel's auf der Orgel betrachtete.\nAusgezeichnet waren ferner (von 1740 —1770)\nAnna Peruzzi aus Bologna, Therese von Reuther\naus Wien, Caterina Visconti aus Mailand\ntina), Johanna Astrua aus Turin, lange Zeit die Zierde\nder italiänischen Oper Friedrich's 11. in Berlin, Regina\nValentini, in Neapel von deutschen Eltern geboren, eine\nvorzügliche dramatische Sängerin, Caterina Gabrielli\naus Rom u. s. w. u. s. w.\nNachdem Mancini noch mehrere Säuger und Sänge-\nrinnen seiner Zeit mit Ehren erwähnt, kommt er auf\ndie Klage über den Verfall der Kunst des Gesanges in\nItalien zu reden, die schon damals in Italien selbst und in\nDeutschland öfter ausgesprochen wurde. Er sagt — merk-\nwürdig genug—-darüber:\n„Wenn diese Ansicht in Bezug auf die Schulen falsch\nist, so muss man doch gestehen, dass sie in Hinsicht der\nSänger nur allzu wahr ist, unter denen man fast keinen\nEinzigen findet, der als Nachfolger in die Stellen einrücken\nkönnte, welche die älteren Künstler leer gelassen haben.\nUnd dennoch ist kein Zweifel, dass es nicht an natürlichen\nTalenten und Eigenschaften bei dem jüngeren Geschlechte\nfehlt, um etwas Tüchtiges zu werden.\n„Der Ursprung des Uebels — (nun folgen Betrachtun-\ngen, die eben so gut im Jahre 1859 als 17 77 gemacht\nwerden können!) — ist meiner Meinung nach auf den nie-\ndrigen Eigennutz zurückzuführen, von dem die Lehrer\ngrösstenteils beherrscht zu sein scheinen. Sie kümmern\nsich nicht darum, die wahren Begeln der Kunst und die\nihnen überlieferten Vorschriften zu lehren und die gehö-\nrige Aufmerksamkeit auf das verschiedene Talent ihrer\nSchüler zu richten, sondern ihr Trachten ist allein, sie so\nbald wie möglich in eine Laufbahn zu werfen, sie mög-\nlichst schnell auf die Bretter zu stellen, um von ihnen den\nvertragsmässigen Gewinn zu ziehen! So produciren denn\ndie Schüler sich unreif, und häufig genug durch zufälligen\nund vorübergehenden Beifall hochmüthig gemacht, sagen\nsie den Gesangstudien Lebewohl und kommen in den Ge-\nheimnissen und Feinheiten der Kunst um keinen Schritt\nweiter. Wie kann man hoffen, eine grosse Anzahl von gu-\nten Sängern aus dem Unterrichte hervorgehen zu sehen,\nwenn die Schüler an die gierige Habsucht der Lehrer ver-\nkauft werden, die ihnen einige Jahre umsonst Unterricht\ngeben, um mit reichlichen Zinsen von ihnen längeren Ge-\nwinn zu ziehen, und desshalb sich mehr um die Zahl als\num die Fähigkeit ihrer Schüler kümmern? Wie ist es\nmöglich, dass jemand, der die Regeln der Musik und des\nGesanges im Fluge durchgemacht hat, die man sich nur\ndurch lange Uebung aneignen kann, und der kaum so weit\ngebracht worden ist, eine Arie oder eine Motette noth-\ndürftig zu trällern, ein guter Sänger werden kann? Aul\nsolchem Wege ist der Untergang der besten Talente un-\nvermeidlich.\n„Ein anderer, schwer ins Gewicht fallender Nachtheil\nist es, dass Viele es unternehmen, Gesanglehrer vorzustel-\nlen, ohne jemals die Kunst praktisch erlernt zu haben,\nohne zu wissen, wie sie die Schüler stufenweise leiten\nmüssen. Solche Herren glauben, ein Bisschen Violin- oder\nCiavierspiel reiche hin, um Gesanglehrer zu werden, und\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "284", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590903-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2329, "texte": "da sie ihre Bemühung gegen weit niedrigeres Honorar\nanbieten, als es ein guter und gewissenhafter Lehrer thun\nkann, so finden sie Leute genug, die sich aus Liebe zur\nSparsamkeit ihnen anvertrauen.\n„Es ist eine wahre Entweihung der Kunst, wenn ein\nblosser und noch dazu schlechter Tastenschläger oder Sai-\ntenstreicher sich die Fähigkeit anmaasst, Lehrer des Ge-\nsanges zu sein, wovon er nicht einmal die ersten Elemente\nkennt. So Einer lässt seine Schüler aus vollem Halse\nschreien und verdirbt die schönsten Stimmen, weil er sie\nnicht zu bilden und zu biegen versteht. Daher rührt dann\ndie Ungleichheit der Register, die Unreinheit, der Kehl-,\nGaumen- und Nasen-Ton, weil diese Lehrer vom Schüler\nverlangen, mit der Stimme Alles so auszuführen, wie sie\nes auf der Violine, oder dem Claviere, oder dem Violon-\ncell thun.\n„Die einzigen Schulen, in welche diese Ursachen eines\nsicheren Verfalls noch nicht eingedrungen, sind die Con-\nservatorien von Neapel und von Venedig.\n„Wenn zwar in jeder Kunst der Erfolg der Schüler\nzum Theil von dem Wissen der Lehrer und ihrer Unter-\nrichtsgabe bedingt wird, so kann man doch behaupten,\ndass beim Gesänge fast der ganze Erfolg vom Unterrichte\nabhängt. Wenn ein Maler, Bildhauer, Architekt, Compo-\nnist auch gerade nicht zu den Hervorragendsten gehört,\nvielleicht auch die Gabe nicht besitzt, seine Kenntnisse sei-\nnen Schülern anregend mitzutheilen, so können diese doch\nan den Kunstwerken selbst und durch theoretische Schrif-\nten darüber sich zu tüchtigen Meistern heranbilden. Die\nWerke eines Rafael, Correggio, Tizian, da Vinci, Dome-\nnichino, Guido Reni sind da; der Apoll vom Belvedere,\nder Fechter, der Laokoon, eben so die prächtigen Dome\nund Paläste, dann die Partituren der Musiker alle sind\nstumme, aber vortreffliche Lehrer der Künste.\n„Nicht so in der Kunst des Gesanges; da gibt es keine\nDenkmäler und kann keine geben, weil der Sänger seine\nMethode, seinen Vortrag nicht verewigen kann. Hier ist\nalso ohne Lehrer,ohne geschickten,auf Wissenschaft und\nauf praktische Erfahrung gegründeten Unterricht nichts\nauszurichten, und je günstiger die Natur einen Sänger be-\nrücksichtigt hat, desto notwendiger wird das anhaltende\nStudium unter einem verständigen Lehrer, damit die schöne\nStimme nicht verdorben und durch Fehler und schlechte\nAngewohnheiten wirkungslos gemacht werde.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-09-03-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-09-03_01#c003", "volume": "bmtnabi_1859-09-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "284", "page_fin": "285", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590903-01.2.3", "titre_corps": "Alexander Boëly, der letzte Organist in Frankreich.", "titre_sommaire": "Alexander Boëly, der letzte Organist in Frankreich.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "284", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590903-01.1.4", "debut_caractere": 2331, "fin_caractere_exclue": 5188, "texte": "Alexander Boëly, der letzte Organist in Frankreich.\nDass es bei uns in Deutschland noch eine Menge von\nCantoren und Organisten gibt, die, oft mit gründlichstem\nWissen begabt, nur für ihre Kirche und ihre engste Um-\ngebung geistliche Musik schreiben und mit ihrem Ge-\nschmack ausschliesslich bei der Bewunderung der Meister\ndes vorigen Jahrhunderts verweilen, ist eben keine Selten-\nheit. In Frankreich aber gehören dergleichen Exemplare,\ndie aus der alten Schule wie unverwüstliche Trümmer in\ndie Gegenwart herein ragen und wie feste Thürme von den\nWogen der Erfolg- und Effect-Musik unseres Jahrhun-\nderts ohne abzubröckeln bespült werden, zu den Figuren,\ndie man für unmöglich hält.\nUm so merkwürdiger war Alexander Peter Franz\nBoely, der zu Paris im Anfange dieses Jahres gestorben\nist und ganz und gar in jene Kategorie ernster, im Leben\nund in der Musik sitten- und gesinnungs-strenger Musiker\ngehörte, welche, mit ungewöhnlichem Talente begabt, die\nFrüchte desselben fast nur für sich reifen lassen und für\nden speciellen Wirkungskreis, den ihnen Neigung und Ver-\nhältnisse angewiesen haben. Bei diesen Musikern ist das\nWort: „Die Kunst um der Kunst willen üben\" eine\nWahrheit, während es sonst häufig genug nur ein gleis-\nsendes Aushängeschild für eigennützige oder jedenfalls\negoistische Bestrebungen ist.\nVon dem Leben solcher Künstler ist wenig zu erzäh-\nlen. Sie reisen nicht, sie besuchen keine Gesellschaften, die\nSalons wissen nichts von ihnen, sie sind zu einseitig und\ntüchtig, um sich in alle Sättel zu werfen und darauf so\nlange fest zu sitzen, bis ein Anderer sie aus dem Bügel\nhebt, sie sind zu vernünftig, um mit grossen Schicksalen\noder weltschmerzlichen Gefühlen zu coquettiren, sie sind\nzu edel, um ä tont prix auf Kosten Anderer Witz zu ma-\nchen, zu verständig, um geistreich zu sein oder zu schei-\nnen, zu wahr, um zu affectiren. Mein Gott, was kann sol-\nchen Menschen begegnen, das die vornehme Gesellschaft,\nin die sich die heutigen Künstler drängen, interessiren\nkönnte?\nBoely war im Jahre 1785 geboren. Sein Vater war\nMusiker. Der Knabe lernte Ciavier und Orgel spielen, stu-\ndirte die Compositionslehre—bei wem? Weiss kein Mensch\n—, wurde Organist an St. Gervais und nachher an St.\nGermain l'Auxerrois, schrieb viel für seine Orgel und sei-\nnen Kirchenchor, Alles im strengen Stil, wurde desswegen\npensionirt, gab Ciavierstunden und starb. Da haben sie\nihn feierlich bestattet und Reden an seinem Grabe gehal-\nten. Das ist seine Biographie.\nEiner der Redner, d'Ortigue, ein tüchtiger Musik-\ngelehrter, hat unter Anderem von ihm gesagt: „Er war\nder Künstler der alten Zeit, der Mann der Vergangenheit,,\nund dieser Titel ist trotz des Ausschliesslichen, das er in\nsich fasst, ein wohlberechtigter Ehrenname für den Dahin-\ngeschiedenen. Tief durchdrungen von der Bewunderung\nder alten Meister Johann Sebastian und Philipp Emanuel"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "285", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590903-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2365, "texte": "Bach, Händel, Couperiii, Scarlatti, Haydn, Mozart, gab\nBoely nur in so weit etwas auf seine Compositionen, als\nsie ihm wirklich aus jener reinen Quelle der classischen\nMusik zu (Hessen schienen; alle tragen den Stempel eines\nCharakters, dem der Beifall der Menge gleichgültig ist,\ndes Strebens nach einem Ideal, das er sich in der Stille\nseines Arbeitszimmers durch selbstständiges Nachdenken,\nganz und gar unabhängig von den Fortschritten und\nNeuerungen der zeitgenössischen Musik, gebildet hatte. Die\n•wunderbare Umgestaltung der Tonkunst durch Geister\nwie Beethoven und Weber ging an ihm spurlos vorüber,\noder vielmehr, er erfuhr gar nichts von ihr, er kannte sie\ngar nicht, wollte sie vielleicht auch nicht kennen lernen.\n„Aber welch eine Kraft der Ueberzeugung gab ihm\ndiese Vereinzelung auf seinem Standpunkte! Mit starker\nHand hielt er die Fahne der classischen Traditionen des\nOrgelspiels aufrecht. Aber nicht das allein: er litt für seine\nUeberzeugung, er wurde lieber ein Opfer derselben, als\nabtrünnig von ihr. In seinem sechszigsten Jahre, rüstig\nund gesund an Leib und Geist, wurde er genöthigt, das\nAmt eines Organisten an einer der ältesten Kirchengemein-\nden von Paris niederzulegen, um jüngeren Spielern Platz\nzu machen, deren leichtfertige Improvisationen mehr dem\nweltlichen, die Kirehe entweihenden, die Kunst herabwür-\ndigenden Stil und Geschmack gemäss waren, der in unsere\nKirchen eingedrungen ist. Er ging, lächelte, mochte viel-\nleicht denken: »Herr, vergib ihnen, sie wissen nicht, was\nsie thun!\" —beklagte sich aber nirgends, sondern sagte\nnur mit jener Art von Ironie, welche die Gutmüthigkeit\nnur noch liebenswürdiger macht: „Mein Geschmack steht\nnicht mehr auf der Höhe des Jahrhunderts, und ich bin\netwas zu alt, um ihn noch zu ändern.\"\nSo streng wie sein musicalischer Glaube war auch\nseine religiöse Ueberzeugung und sein Lebenswandel. Er\n«tarb, vierundsiebenzig Jahre alt, nach Erfüllung aller sei-\nner Pflichten als katholischer Christ. Mit ihm ist vielleicht\n'der letzte classischeOrganist in Frankreich gestorben; denn\nauch die besten unter den gegenwärtigen Orgelspielern\n•dieses Landes, selbst wenn sie noch classische Studien ge-\nmacht haben, wagen es nicht, sie öffentlich anzuwenden,\nfröhnen lieber dem Geschmack des Pöbels und haben we-\nder religiöse noch musicalische Scheu vor der Versündi-\ngung am Würdigen und Schönen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-09-03-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-09-03_01#c004", "volume": "bmtnabi_1859-09-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "285", "page_fin": "286", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590903-01.2.4", "titre_corps": "Beurtheilungen.", "titre_sommaire": "Beurtheilungen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "285", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590903-01.1.5", "debut_caractere": 2367, "fin_caractere_exclue": 5188, "texte": "Beurtheilungen.\nBernhard Brähmig, Kirchen- und Haus-Cho-\nralbuch mit Texten, für Andachtsübungen,\nso wie auch für den unterrichtlichen Gebrauch,\nvierstimmig für Orgel oder Pianoforte. Nebst\neinem Anhange, enthaltend: I. Eine Anzahl ein-\nfacher und kurzer Tonsätze in vierzehn verschie-\ndenen Tonarten als Choral-Einleitungen. 11. Eine\nAuswahl leichter, besonders für geringspannende\nHände angehender Choralspieler dreistimmig\nbearbeiteter Choräle. Erfurt und Leipzig, Verlag\nvon G. W. Körner. Gr. 8. Preis 1 Thlr. 15 Sgr.\n(bei 12 Exemplaren auf einmal 1 Thlr. und ein\n• Frei-Exemplar!).\nDie thätige Verlagshandlung liefert hier ein Choral-\nbuch, das endlich einmal beides zusammenfasst, was eine\nvollständige Erbauung durch das deutsche Kirchenlied be-\ndingt: die Poesie und die Musik. Die meisten, ja, so viel\nwir wissen, alle bisherigen Choralbücher berücksichtigen\nnur die letztere, und wer den Text nicht auswendig weiss,\nmuss erst wieder ein beliebiges Kirchen-Gesangbuch zu\nHülfe nehmen, um den ganzen Inhalt des Chorals, der ja\ndoch aus dem Gedicht und dessen Melodie besteht, in sich\naufzunehmen. Hier haben wir nun das vollständige Kir-\nchenlied, und das ist zunächst der grösste Vorzug dieses\nBuches; dadurch ist es, abgesehen von seiner Brauchbar-\nkeit für den Organisten in der Kirche, erst ein wirkliches\nHaus-Choralbuch geworden, das wir da auch die\nharmonische Bearbeitung und die ganze äussere Einrich-\ntung, so wie Noten- und Schriftdruck und Papier sehr lo-\nbenswerth und zweckmässig sind zur Erbauung in Fa-\nmilien, Schulen und Erziehungs-Anstalten und überhaupt\njedem Freunde und Verehrer des deutschen Kirchenliedes\nnicht angelegentlich genug empfehlen können.\nDer Text der ersten Strophe steht unter den Noten,\nund zwar nicht zwischen den Linien-Svstemen des Discants\n«J\nund des Basses, sondern unter dem Bass, was der Deut-\nlichkeit und dem Unterlegen desselben unter die beiden\nOberstimmen keinen Eintrag thut, wohl aber die harmo-\nnische Uebersicht und das Lesen der Noten, die auf diese\nWeise einander näher gerückt sind, erleichtert. Die fol-\ngenden Strophen des Liedes sind unmittelbar nach dem\nChoral abgedruckt, und die Form ist stets so eingetheilt,\ndass man diese übrigen Strophen auf derselben Seite hat,\nauf welcher die Choral-Melodie steht. Der Text ist der\nmöglichst treue Urtext und bei der grossen Mehrzahl der\nLieder, namentlich der bekanntesten Kernlieder der evan-\ngelischen Kirche, vollständig.\nDie musicalische Arbeit bei der Herausgabe dieses\nChoralbuches ist in sehr gute Hände gekommen. Herr B.\nBrähmig, der sich uns durch Compositionen im strengen\nStil als ein tüchtiger Contrapunktist bereits früher empfoh-\nlen hat, gibt die Choräle mit Beeilt (schon der praktischen\nBrauchbarkeit wegen) mit Bevorzugung der accentuirend\nrhythmischen Form, einige jedoch auch „in ihrem ur-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "286", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590903-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4157, "texte": "sprünglichen Rhythmus.\" Der harmonische Satz ist für\nOrgel und Pianoforte anwendbar.\nIn Bezug auf den Unterricht im Choralspiel, welches\neinen wichtigen, aber leider meist vernachlässigten Theil\ndes Clavier-Unterrichts ausmacht, ist bei etwa einem\nDutzend der leichteren vierstimmigen Choräle der Finger-\nsatz bezeichnet. Sehr willkommen werden in dieser Hin-\nsicht die dreistimmigen Choräle im Anhang sein (es\nsind deren sechszehn), bei denen durchweg die Applicatur\nbezeichnet ist. Durch diese Zugabe hat sich Herr Brähmig\nvorzugsweise im Vergleich zu anderen Choralbüchern ein\nVerdienst nm die allgemeinere Einführung dieses Bildungs-\nmittels bei dem Clavier-Unterricht erworben.\nAuch die Auswahl ist zu billigen; das Buch enthält\n*276 Choräle, unter denen wir keines von den Kernliedern\nder evangelischen Kirche vermisst haben.\nF. A. Gevaert, Methode pour l'enseignement du\nPlatn- Charit et la maniere de l' accompa-\ngner, suivie de nombreexemples.\nGevaert, editeur de musique etc. Gr. 8. (86 S.\nPreis 5 Francs.)\nDer Verfasser, ein rühmlichst bekannter belgischer\nComponist, der in Paris lebt, hat durch diese Schrift haupt-\nsächlich eine Anleitung zur Begleitung des katholischen\nChoralgesanges [Cantus planus, nicht plein,\nwie olt fälschlich geschrieben wird) mit der Orgel gege-\nben und dieselbe durch zahlreiche Beispiele in den acht\nKirchentönen erläutert. Der Zweck und das besondere\nVerdienst dieser Arbeit ist die Durchführung des Princips,\nlast ausschliesslich den Dreiklang ohne Umkehrung zur\nBegleitung zu gebrauchen, „als die einzige harmonische\nZuthat, die geeignet sei, den kirchlichen Melodieen ihren\neinlach ruhigen Charakter zu bewahren, der nichts mit\nden dissonirenden Reizmitteln der neuern Musik zu thun\nhaben kannI'. Der Verf. hofft dadurch die Begleitungs-und\nSchreibweise der Josquin Desprez, Lassus, Palestrina, Wil-\nlaert u. s. w. wieder herzustellen; ungewöhnliche, etwas\nschroffe Accordfolgen, verdeckte Octaven und Quinten, die\nsich bei diesem System nicht wohl vermeiden lassen, ent-\nschuldigt er mit der Tradition. Das Büchlein verdient\ndie Aufmerksamkeit aller derer, die sich für die Reinhal-\ntung des katholischen Kirchengesanges von Modernitäten\ninteressiren.\nPetrus Baur, Hymnus\nnorem B. M. V. 4 aut 5 voeibus cantandae. (Li-\nthogr. Anst. v. Ed. VVedler in Aachen.) Pr. 1 Thlr.\nHerr P. Baur, Gesanglehrer am Gymnasium zu Aachen,\ngibt hier in einem hübsch ausgestatteten Hefte (42 S. 8.)\nrecht schön harmonisirte Antiphonien im Charakter des\nalten Stds; die vierstimmigen zum Thed für Sopran, zwei\nAlte und Bass, zum Theil für Sopran, Alt, Tenor und\nBass. Am bedeutendsten ist das der\nchoralis aus der Klosterkirche zu Maria Einsiedeln, fünf-\nstimmig in E-moll.—YievErtrag ist für den Baufonds einer\nKirche (sub invoeatione B. M\naedificandae)in Aachen bestimmt.\nBern. Ant. Pothast, Sahato-\nrem.' Quatuor vocum.Op. 6. (Lithogr. Anst. von\nEd. Wedler in Aachen.)\nB. A. Pothast, Te Deum\npour 4 voix cl'komme s,\nPays-Bas. Op. 2. Ni\nbraire.2 Thlr. 17 7* Sgr.\nDer Componist ist Priester und Professor in Rolduc.\nDie Missa ist vierstimmig für Sopran, Alt, Tenor und Bass\ngeschrieben und in Partitur gedruckt, die zugleich als Or-\ngelstimme dient (8 S. Gr. 8.). Der Stil ist einfach und an-\nsprechend, nur in getragenen Accorden ohne figurirten\nGesang. Mehr Ansprüche macht das Te Deum. Es besteht\naus sechs Nummern mit Orgelbegleitung (Partitur 33 S.\nGr. Fol.), welche jedoch nur selten selbstständig auftritt,\nsonst meist mit den Singstimmen geht. Zweckmässige Zwi-\nschenspiele zwischen den ,einzelnen Nummern sind dem\nOrganisten überlassen. Die vier Männerstimmen sind die\ngewöhnlichen, zwei Tenöre und zwei Bässe; nur in Nr. 3\ntritt ein Solo-Sopran in dem zu dem\nMännerchor, ein recht artiger Gedanke und zugleich gut\nausgeführt; der Satz hat nur wenige Tacte, geht nicht\nhoch und kann auch von einer Knabenstimme gesungen\nwerden. Das Werk gibt im Ganzen ein erfreuliches Zeug-\nniss von der Befähigung und den gründlichen musicali-\nschen Studien des Componisten, der zu denjenigen Geist-\nlichen gehört, die noch von thätiger Liebe zur Tonkunst,\nals der ältesten und treuesten Dienerin des Gottesdienstes,\ndurchdrungen sind."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-09-03-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-09-03_01#c005", "volume": "bmtnabi_1859-09-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "286", "page_fin": "288", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590903-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "N", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "286", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590903-01.1.6", "debut_caractere": 4159, "fin_caractere_exclue": 5158, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\n\nAaciieil, 29. August. Selten hat unser grosser Cursaal eine\nso zahlreiche und glänzende Versammlung vereinigt gesehen, als am\nAbende des 25. August in dem ersten Benefiz-Coneerte des städti-\nschen Musik-Directors Herrn Wüllner. Der lebhafte Applaus, der\nihn bei seinem Auftreten empfing, mochte ihm bezeugen, dass das\naachener Publicum seine erfolgreiche Wirksamkeit unter uns durch\nwarme und innige Hochschätzung zu erkennen weiss. Herr Wüllner\ntrug Beethoven's Es-c/«*r-Concert, ferner ein Scherzo, Intermezzo\nund Barcarole von seiner Composition und eine Polonaise von Cho-\npin vor. In dem Beethoven'schen Concerte bewährte er sich durch\nAuffassung des grossartigen Charakters dieser Composition, durch\nEingehen in den Schwung der Gedanken und durch vortreffliche\nTechnik als einen classischen, gediegenen Clavierspieler und erregte\neinen aussergewöhnlichen Enthusiasmus. Auch das Orchester zeich-\nnete sich durch vorzügliche Begleitung unter Leitung des Concert-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "287", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590903-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7735, "texte": "Meisters Herrn F. Wenig mann rühmlich aus Frau Henriette\nWickop sang zwei Lieder mit Begleitung des Pianoforte und Vio-\nloncell (Herr Joh. Wenigmann), deren schöner Vortrag nicht we-\nnig zu dem Kunstgenüsse des Abends beitrug. Das Concert wurde\nmit einer Concert-Ouverture in D-dar von Wüllner eröffnet, wel-\nche einen sehr günstigen Eindruck machte, und mit „Erlkönigs Toch-\nter\" von Niels Gade beschlossen, einem Werk, das durch einige\n7 ö\nLängen allerdings etwas monoton wird, allein doch durch den wohl-\ngetroffenen lyrischen Ton, durch Charakteristik einzelner Scenen und\ndurch die Contraste des Diabolischen und des schmeichelnd Verfüh-\nrerischen eine der beachtenswertesten Compositionen Gade's sein\ndürfte.\nIn der Oper ist Frau Haa s e-Capi t ain e als Valentine, Donna\nAnna, Gräfin in Figaro's Hochzeit us. w. Gegenstand dauernder\nund durch ihren dramatischen Gesang wohlverdienter Ovationen. Sie\nwird von unserer Soubrette, Fräul. Frey, und dem Baritonisten\nHerrn Meyer trefflich unterstützt.\n** Barmen. Am 18. August hat eine in unserem Wupper-\nthale noch ganz neue Art von musicalischer Aufführung in der\nKirche zu Unterbarmen Statt gehabt. Die Veranlassung dazu bot\ndas im vorigen Sommer vollendete grossartige Orgelwerk von 53\nStimmen, welches die Herren A. Ibach Söhne in der genannten\nKirche aufgestellt haben. Da dieses Werk, wenn wir nicht irren\ndas grossartigste in der Rheinprovinz und Westfalen und besonders\ngelungen ist, so beschloss das Presbyterium, den in der so genann-\nt3n Festwoche (Missionsfest, Tractatfest, Prediger-Conferenz u. s. w.)\nherbeieilenden Fremden aus Deutschland, der Schweiz, Frankreich,\nEngland und Holland den unerwarteten Kunstgenuss, eines vollende-\nten Orgelspiels durch Herrn J. A. van Eyken, verbunden mit Ge-\nsang-Vorträgen der beiden Sing-Vereine von Elberfeld und Barmen\nunter Leitung des Herrn Musik-Directors Schornstein, zu bieten.\nDas Programm bestand aus acht Nummern, nämlich vier Orgel-Vor-\nträgen (J. S. Bach, Toccata in F-dur Choral-Vorspiel „Schmücke\ndich\"; Beethoven, Andante aus der V. Sinfonie; van Eyken, Phan-\ntasie über „Ein' feste Burg\") und vier Chören (J. Haydn, „Die Him-\nmel erzählen\"; Mendelssohn, „Wie lieblich sind die Boten\" aus Pau-\nlus ; Choral: „Allein Gott in der Höh' sei Ehr'\", ebendaher, und\nHändel's Hallelujah). Die Aufführung war bis zum letzten Augen-\nblicke von der grössten Aufmerksamkeit der zahllos herbeigeeilten\nZuhörer begleitet. Wir hatten befürchtet, es würde sich ein Miss-\nverhältniss in der Stärke des Tones zwischen Chor und Orgel her-\nausstellen; der Chor wurde aber von der Orgel, die zum Gesänge\nmit passender Registrirung und ohne Mixturen gespielt wurde, nicht\nübertönt, wohl aber in wohlthuender Weise gehalten und getragen.\nZu verwundern war es, wie die Orgel bei der hohen Temperatur,\ndie sich von Minute zu Minute steigerte, bis zum letzten Augen-\nMicke in reiner Stimmung verblieb. Da diese erste kirchliehe\nAufführung einen entschieden günstigen Lindruck hervorgerufen, so\nzweifeln wir nicht daran, dass dem schon vielfach geäusserten Wun-\nsche nach öfterer Veranstaltung solcher Aufführungen entsprochen\nwerden wird.\nAm 2G. August ist Herr Anton Krause von Leipzig zum\nMusik-Directoi für Barmen von den vereinigten hiesigen musicali-\nschen Instituten gewählt worden.\nGesangfest in Trarbach. Die Kölnische Zeitung berichtet\nin Ni. 242, dass Herr Musik-Director Gustav Flügel (gegenwär-\ntig in Stettin) und Herr Lehrer Fetz aus Dierdorf das diesjährige\nmittelrheinische evangelische Lehrer-Gesangfest am 15. September\nin Trarbach an der Mosel gemeinschaftlich leiten werden.\nAus Neuwied wird uns folgende Adresse des FlügeFschen Ge-\nsang-Vereins an Gustav Flügel mitgeteilt:\n„Geehrtester Herr Director! Der Gesang-Verein, den Sie ins Le-\nben gerufen und im Kampfe gegen so mancherlei Schwierigkeiten\nund Hindernisse unverdrossen mit so viel Liebe, Eifer und Treue\ngepflegt und ausgebildet, hat zwar, als Sie das letzte Mal in seiner\nMitte weilten, bereits durch seinen Vorstand Ihnen seine Gefühle des\nBedauerns über Ihr Scheiden zu erkennen gegeben; aber es ist ihm\neine angenehme und unerläßliche Pflicht, sie auch noch schriftlich\nzu wiederholen, mit der Versicherung, dass Sie bei uns, wie bei\nallen hiesigen Kennern und aufrichtigen Verehrern tüchtiger Musik\nund insbesondere der classischen Werke alter Meister stets in aner-\nkennender, dankbarer Erinnerung stehen werden. Auch leben wir der\nfreudigen Hoffnung, dass der Verein, der Ihren Namen trägt, mit\ndem Geiste, der ihn unter Ihrer Leitung beseelte, fortleben und sei-\nnes Namens würdig bleiben möge. - Wie ungern wir Sie, verehr-\nter Herr Director, scheiden sahen, so können wir doch Ihnen nur\nGluck wünschen zu der wohlverdienten Verbesserung Ihrer Lage.\nDer Herr, der nach Seinen unerforsehlichen Rathschlüssen hienied°en\neinem Jeden seine Stelle anweis't, schenke in Ihrer jetzigen Ihnen\nund den werthen Ihrigen reichen Segen und lasse Sie die Gabe der\nTonkunst stets vor Allem zu Seiner Ehre anwenden, in dem Geiste,\nin welchem Sie die Worte Friedrich Ofer's in Töne gesetzt, die wir\nin der achten unserer schönen Vespern unter Ihrer Leitung gesungen\nhaben. Herzlichen Gruss von allen Vereinsgliedern.\n„Neuwied, im Juli 1859.\n„Der Flügel*sehe Gesang-Verein.\"\n(Folgen die Unterschriften.)\nllTiirzlfiiirg, 28. Juli. Gestern wurde vom hiesigen Musik-\nInstitute unter Leitung des Herrn Georg Bratsch, dem Nachfol-\nger des Professors Fröhlich, Sp o h r' s Oratorium ~Die letzten Dinge\"\naufgeführt. In einer Zeit, wo der Musikgeschmack fast ganz verdor-\nben ist und einzelne unberufene und unbescheidene Schreier dem\nPublicum das Verworrene als genial, das Gedankenlose als tiefge-\ndacht, das Schwierige für gelehrt aufzwingen wollen, ist es sehr\n1 obenswerth und erfreulich, wenn sich Dirigenten, denen musicalische\nMittel zu Gebote stehen, die Mühe geben, ein gediegenes, edel ge-\ndachtes und meisterhaft instrumentirtes Werk, wie Spohr's Oratorium\n„Die letzten Dinge'-, einzustudiren und das Publicum damit bekannt\nzu machen. Herr Bratsch, der Dirigent des hiesigen königlichen Mu-\nsik-Instituts, hatte gehört, dass der greise Meister Ludwig Spohr im\nJuli Würzburg besuchen wolle, und beeilte sich, ein Werk einzu-\nstudiren, welches keinesfalls zu den leichteren in dieser Gattung\ngehört. Das Werk ist in der musicalischen Welt bekannt und eine\nKritik überflüssig; denn es hat alle Eigenschaften Spohr'scher Ton-\ndichtungen und zeichnet sich besonders durch Zartheit und Reinheit\naus. Die Aufführung von Seiten des Orchesters und Chor-Personals\nwar sehr gut, die Solisten minder zu rühmen; doch können wir dies\ndem Daigenten nicht zum ~V orwurf machen, er führte das Werk mit\nSchülern des königlichen Instituts auf, und das hat eben jetzt unter\nden Solisten weder schöne Stimmen noch Gesangs-Talente, die über\ndas Mittelmässige gehen. Der akademische Saal war dem Coinpo-\nnisten zu Ehren sehr geschmackvoll decorirt, und ein eben so ele-\ngantes als zahlreiches Publicum hatte sich eingefunden. Der Meister\nwurde am Anfange mit lebhaftem Applaus von Seiten des Publicums\nund von einer Schülerin des Instituts mit einem Prologe begrüsst\nAm Schlüsse wurde wieder sehr applaudirt und ihm ein Kranz\nüberreicht. Spohr war sehr bewegt, und da er hier pur Schüler er-\nwartet hatte, mit der Ausführung sehr zufrieden. Im Orchester wirk-\nten auch die Lehrer des Instituts mit, von denen fast jeder ein Mei-\nster auf seinem Instrumente ist.\nBrenden. Am 6. August ist endlich der vielbesprochene, mit\nSpannung erwartete „Lohengrin\" in Scene gegangen Es ist dies fast\nausschliesslich Herrn Tichatschek's Verdienst; derselbe hatte es in\nseinem neu abgeschlossenen Contracte zur förmlichen Bedingung ge-\nmacht, dass „Lohengrin\" hier zur Aufführung gelange; er hatte zu\n\nN."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "288", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590903-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4134, "texte": "diesem Zwecke im vorigen Jahre längere Zeit mit Wagner zusam-\nmen gelebt und soll die ganze Inscenirung geleitet haben. Der Er-\nfolg der Wagner'schen Oper war am ersten Abende im Allgemeinen\nein sehr günstiger. Die Partie des Lohengrin darf zu den vorzüg-\nlichsten Leistungen Tichatschek's gezählt werden. Ihm würdig zur\nSeite steht Herr Mitterwurzer, welcher den Telramund meisterhaft\ndurchführte. Frau Bürde-Ney und Frau Krebs-Michalesi scheinen die\nElsa und Ortrud mit besonderer Liebe studirt zu haben; sowohl in\ndramatischer wie in musicalischer Hinsicht reihen sich diese Partieen\nden schönsten an, welche uns von den Künstlerinnen in den letzten\nJahren vorgeführt wurden. Die Herren Freny und Eichberger genüg-\nten wohl als Kaiser und Heerrufer, konnten aber nicht die gleiche\nHöhe mit den vier Haupt-Darstellern erreichen. Das Orchester zeigte\nseine bekannte Tüchtigkeit, und der Chor bewährte Kraft, Sicherheit\nund Präcision. (Wiener Recensionen.)\nAus Amsterdam vernehmen wir, dass eine deutsche Oper\ndort begründet werden solle und dass der König die Unternehmung\nmit einer Subvention von 10,000 Fl., die Stadt mit 9000 Fl. jähr-\nlich unterstützen werde. Das wäre sehr erfreulich, zumal da der-\ngleichen Unterstützungen bis jetzt, so viel uns bekannt, nur der\nfranzösischen Oper im Haag zu Theil wurden.\nIn der Kirche Notre-Dame fand vor Kurzem eine merk-\nwürdige und grossartige Aufführung eines Te Deum Statt; das Werk\nist betitelt: Te Deum imperial et müitaire, der Kaiser hat dessen\nWidmung auf Empfehlung des Kriegs-Ministers (Ist der Herr Mar-\nschall so musicalisch?) angenommen. Componist desselben ist Herr\nSaint-d'Ar od, Honorar-Capellmeister des Königs von Sardinien.\nEr war selbst in Paris anwesend und leitete die Proben und die\nAusführung. Es ist für Männerstimmen und Harmoniemusik ge-\nschrieben; der Chor bestand aus einer Auswahl der hiesigen Män-\nnergesang-Vereine unter der Direction von Delaporte ; das Orchester\nbildete das treffliche Musikcorps der Garde de Paris unter Herrn\nPaulus, verstärkt durch eine ganze Phalanx von Contrabässen und\ndurch die Orgel. Der Eindruck der Massen war gross; der musica-\niische Werth der Composition dürfte geringer anzuschlagen sein.\nEine neue prächtige Orgel aus der Werkstatt der Herren\n,-,. T ork 1 in & Schütze, für die Kathedrale von Viviers im Auf-\ntrage der Regierung gebaut, wurde im Etablissement der Erbauer\nbei der Prüfung und Abnahme allgemein bewundert.\nDie neue Einrichtung der C on c er t s Musard in den öhamps\nEh/sees prächtiger Garten mit ungeheurem Kiosk für ein Orchester\nyon 70—80 Personen zieht alle Welt an. Ausgezeichnete Solisten,\nz. B. Legendre auf dem Piston, Demersmann auf der Flöte, wech-\n; , mit dem vollen Orchester ab, welches theils Tänze, theils Musik\nüei Gattung, namentlich Ouvertüren, auch Sinfoniesätze, mit\ngrosser Präcision ausführt. Unter den Tänzen macht besonders Ar-\n■ ; Kalkbrennens Galop ~Der Express-Train 4 Furore.\no; L hat erst in voriger Woche das Bett wieder verlassen\nkönnen,\nEine Or ganist in. In Stockholm ist vor Kurzem folgende\nante Thatsache vorgekommen: Eine tüchtige Orgelspielerin,\nv rs Elfrieda Andren, hatte sich dem Organisten-Examen\n1 ■ ■ der musicalischen Akademie unterzogen und ein rühmliches\n; uss über ihre Kenntnisse erhalten. Sie wandte sich hierauf an\nHegierung mit der Bitte, sich um einen Organisten-Posten be-\n! iD zu dürfen, und verpflichtete sich für den Fall, wenn da, wo\nihr-; Bewerbung Statt fände, die Organistenstelle mit den Functionen\n■ 3 Glöckners verbunden wäre, aus ihren eigenen Mitteln einen\nvon dem Geistlichen und der Gemeinde approbirten Glöckner zu be-\n.sol den, wie es Schullehrer und Geitstliche in gleichen Lagen zu\nthun pflegen, Die Regierung übergab das Gesuch dem Erzbischofe,\nder demselben aber hauptsächlich aus dem Grunde die Genehmigung\nversagte, weil darin eine Abweichung von der jetzt im Reiche gel-\ntenden Ordnung liegen würde, welche ausdrücklich bestimmt, das»\nAemter und Bedienungen von Männern bekleidet werden sollen,\nwelche in das Alter der Mündigkeit eingetreten sind. In Folge dessen\nhat jetzt auch die Regierung die Bittstellerin abschlägig beschieden."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "281", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590903-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nAus der alten italiänischen Gesangschule. 11. Alexander Boely, der letzte Organist in Frankreich. Beurthei-\nLungen: Bernh. Brähmig, Kirchen- und Haus-Choralbuch mit Texten F. A. Gevaert Petrus Baur Bern. Ant. Pothast, Op. G,\nOp. 2. Tages- und Unterhaltungsblatt (Aachen, Benefiz-Concert Barmen, Orgel-Concert Gesangfest in Trarbach, Neu-\nwied, Adresse an G. Flügel Würzburg Dresden Amsterdam Paris Stockholm).\n\nAus der alten italiänischen Gesangschule.\nII.\nGiambattista Mancini's Riflessioni sul Canto figu-\nrato sind, so viel uns bekannt, noch niemals ins Deutsche\nübersetzt worden*). Die vortreffliche Abhandlung erschien\nzuerst im Jahre 1774 in Wien und machte ein solches\nAufsehen, dass Mancini von allen musicalischen Berühmt-\nheiten der damaligen Zeit die schmeichelhaftesten Briefe\nund Aufforderungen zu einer zweiten Auflage erhielt. Er\nselbst erwähnt namentlich der Zuschriften von Padre Mar-\ntini, von Hasse, genannt il Sas(der Sachse), von Pic-\ncini, Naumann u. s. w. Schon im Jahre 1776 erschien\neine französische Uebersetzung von Desaugiers, welcher\nspäterhin eine vollständigere von Herrn von Rayneval, Paris,\n1796, folgte, während das Original bereits 1777 in der\ndritten, sehr vermehrten und verbesserten Ausgabe zu\nMailand herausgekommen war.\nMancini war ein Schüler des Bernacchi zu Bologna;\nals Sänger war er nicht berühmt, aber nach Bernacchi's\nTode galt er für den ersten Gesanglehrer Italiens, und\nseine Autorität wurde in Italien, Deutschland und Frank-\nreich geachtet. Der zweite Abschnitt seiner Ab-\nhandlung bringt historische Angaben über die besten Schu-\nlen und Sänger der letzten Jahrzehende des siebenzehnten\nund der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts. Er\nenthält unter Anderem folgende interessante Notizen;\nDie berühmteste Singschule gegen Ende des sieben-\nzehnten Jahrhunderts war die Scuola dei Fedi in Rom.\nMan erzählt von einem eigenthümlichen Mittel, das ihre\nLehrer anwandten, um die Schüler von den Fehlern zu\nüberzeugen, die sie machten. Sie gingen mit ihnen vor das\nThor San Paolo, wo eines der berühmtesten und genaue-\nsten Echos ist. Dort Hessen sie ihre Zöglinge singen, und\ndie genaue Wiederholung der fehlerhaften Aussprache,\nder mangelhaften Intonation u. s. w. durch das Echo über-\nzeugte diese weit nachdrücklicher von ihren Mängeln und\nschlechten Angewohnheiten, als die Auseinandersetzungen\ndes Lehrers. Mit dieser Schule waren der ausgezeichnete\nOrgel- und Clavierspieler Pasquino und der berühmte\nViolinist und Componist Corelli verbunden.\nZu den merkwürdigsten Sängern derselben Zeit (Ende\ndes siebenzehnten Jahrhunderts) gehörte der G\nBaldassare Ferriaus Perugia. Er hatte die schönste,\numfangreichste, biegsamste, lieblichste und wohllautendste\nStimme, die man je hören konnte. Sein Gesang war wun-\nderbar. Er besass im höchsten Grade alle Eigenschaften,\ndie zur Vollkommenheit in jeder Vortragsgattung gehören;\ner war nach Gefallen munter, stolz, ernst, zart, und mit\ndem pathetisch Leidenschaftlichen riss er alle Herzen hin.\nEr stieg in Einem Athem zwei volle Octaven in fortwäh-\nrenden Trillern auf und ab; alle chromatischen Intervalle\ngab er ohne alle Begleitung mit solcher Genauigkeit und\nReinheit an, dass, wenn das Orchester plötzlich mit dem\nerhöhten oder erniedrigten Halbtone einfiel, auf welchem\ner gerade verweilte, man jedesmal eine zum Erstaunen\nreine Stimmung vernahm.\nDer CavaliereMatteucci, durch seltene Schönheit\nder Stimme und durch die Art, wie er zum Herzen sang,\nberühmt, hatte sich in seinen späteren Jahren nach seiner\nVaterstadt Neapel zurückgezogen, wo er 1730 noch lebte\nund alle Sonntage aus frommem Eifer in der Kirche sang.\nEr war damals über achtzig Jahre alt und hatte noch eine\nso helle und frische Stimme und sang mit solcher Geläu-\nfigkeit und technischen Fertigkeit, dass jeder Zuhörer, der\nihn nicht sah, einen jungen Mann in der Blüthe der Jahre\nzu hören glaubte. Die gleiche Gabe, bis ins hohe Alter\neine weiche und schöne Stimme bewahrt zu haben, war\nauch dem Sänger Orsini zu Theil geworden, der, mit\n\n*) Nur Adam Hiller hat in der Vorrede zu seiner „Anwei-\nsung zum musicalischen zierlichen Gesänge\" einige historische\nNotizen auszugsweise daraus gegeben."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "282", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590903-01.1.2", "texte": "Ehren überhäuft, im Dienste des Kaiserhauses zu Wien\nstarb.\nFrancesco Antonio Pistocchi in Bologna (wirkte von\n1690 1720) war ein so vorzüglicher Lehrer, dass er\naus Antonio Bernacchi von Bologna, der Von Natur\nkeineswegs eine schöne Stimme hatte, dennoch einen der\nbedeutendsten und berühmtesten Sänger seinerzeit machte.\nBernacchi sang Jahre lang, während er bei Pistocchi stu-\ndirte, keinen Ton vor Zuhörern, weder in der Kirche, noch\nauf der Bühne, noch vor seinen vertrautesten Freunden.\nErst als sein Meister sagte: „Nun geh' in die Welt!\" trat\ner öffentlich auf, und die Folge davon war allgemeine Be-\nwunderung. Diese einzige Thatsache beweis't, sagt Man-\ncini, was der Unterricht eines trefflichen Meisters und der\nFieiss eines Schülers erreichen können!\nAuch der grosse Tenorist Annibale Pio Fabri, ge-\nnannt Balino, war aus Pistocchi's Schule. Er glänzte von\n1710 —1750 als erster Stern am musicalischen Horizont,\nwurde 1751 nach Lissabon berufen und starb daselbst\nim Jahre 1760. An allen Höfen wurde er mit Ehre und\nGold überhäuft; Kaiser Karl VI. nahm sogar die Pathen-\nstelle über eine Tochter Balino's an.\nVon Sängerinnen erwähnt Mancini zuerst Vittoria\n1 esi 1 ramontini aus Florenz, wo sie den ersten Unter-\nricht von dem berühmten Capellmcister Francesco Bedi\nerhielt. Darauf studirte sie in Bologna unter Compeggi\nund Bernacchi. Als eine bereits vollkommene Sängerin\nfolgte sie ihrer persönlichen Neigung zur Bühne, studirte\ndramatische Declamation und Action und trat dann gleich\nmit ausserordentlichem Erfolg auf. Selten finden sich so\nherrliche Eigenschaften vereinigt, wie bei ihr. Eine schöne\nund volle Gestalt, mit edler und anmulhiger Haltung ver-\nbunden, eine deutliche und reine Aussprache, eine schwung-\nvolle Betonung der Worte je nach ihrem wahren Sinne,\neine Fertigkeit, jede Schattirung des Charakters durch Mi-\nmik und Gesticulation gebührend auszudrücken, eine völ-\nüge Beherrschung der Bühne und endlich eine so vollkom- |\nmen reine Intonation, dass sie auch im grössten Feuer der\nLeidenschalt und der Action niemals schwankte, das bildete\nbei ihr den seltenen Verein von Vorzügen, die so von der\nKunst durchgebildet waren, dass sie sie zu der vollendet-\nsten Meisterin machten, die man hören konnte*). Sie\nwurde in Wahrheit weltberühmt und erhielt sogar einen\nOrden, indem der König von Dänemark ihr das Ritter-\nkreuz des Ordens der Treue verlieh. Sie ist ein Beispiel,\nwie viel darauf ankommt, dass der Künstler seine natür-\nlichen Anlagen zu erkennen und diesen zu folgen verstehe.\nDie Tesi würde durch ihre Stimme und durch ihren, wenn\nauch noch so vollkommenen, Gesang allein niemals die\nBerühmtheit erlangt haben, die sie durch die Verbindung\ndesselben mit ihrer erhabenen Kunst der Declamation und\nAction mit so vollem Hechte erworben hat*). Sie starb in\nWien den 9. Mai 1775.\nIhr zunächst steht Faustina Bordoni, Gattin des\nhochberühmten Maestro Giovanni Hasse, genannt\nsone. In Venedig geboren, erhielt sie den ersten Unterricht\nvon Mich. Angelo Gasperini von Lucca, der zugleich ein\ntüchtiger Contrapunktist aus Antonio Lotti's Schule war.\nFaustina bildete sich eine eigenthümliche Vortragsart,\nderen hauptsächlicher Charakter eine höchst deutliche und\ncorrecle Geläufigkeit war; die unvergleichliche Leichtig-\nkeit ihrer Coloratur erwarb ihr von den ersten Jahren\nihres Auftretens an grossen Beifall. Ihr grösster Vorzug\nbestand darin, eine Passage in Triolen oder gar Sextolen\ndie lonleiter auf- und absteigend in gehörigem Verhält-\nniss der Stärke durchzuführen, ohne jemals zu ermatten\nund ohne die verschiedenen Nuancen zu vernachlässigen,\ndie so nothwendig sind, wenn die Coloratur Eindruck ma-\nchen soll. Die vollkommene und glückliche Ausführung\neiner solchen Geläufigkeit tritt aus dem Gewöhnlichen\nheraus und macht denjenigen, der ihrer Herr ist, zum\ngrossen Künstler; Keine Sängerin konnte hierin der Fau-\nstina gleichkommen, auch nur ihr nachahmen. Zu dieser\neminenten Natur-Anlage besass sie noch die Kunst eines\nmarkigen Trillers, den sie häufig anwandte, ferner bei\neiner vollkommen reinen Intonation eine grosse Sicherheit\nim Aushalten und Tragen der Töne und eine Meisterschaft\nin Behandlung des Athems.\nBei d iesen Vorzügen war es natürlich, dass sie auf\nallen Bühnen ausserordentlichen Beifall fand. Vor ihrer\n\n) Veiehrteste Prima-Donnen unserer Bühnen, wie wird Ihnen\nzu Muthe, wenn feie diese kleine Aufzählung der guten (und\nnothwendigen) Eigenschaften einer dramatischen Sängerin an-\nhören? Erwägen Sie gefälligst einmal, was der alte treffliche\nMancini an Ihnen gern ebenfalls loben möchte, wenn er Sie\nhören könnte! Indess wir bilden uns zu viel ein, wenn wir\nglauben, Ihre Ruhe auch nur einige Augenblicke durch Mit-\ntheilung seiner Betrachtungen gestört zu haben; gegen solche\nAufwallungen besitzen Sie ein unfehlbares Vorbeugungsmittel:\nSie lesen nichts über Ihre Kunst!\n*) Auch von dieser Aeusserung Mancini's, die häufig in seinem\nTractat wiederkehrt, ist Vermerk zu nehmen. Die ältere ita-\nliänisehe Schule wusste sehr gut, was dramatischer Ge-\nsang war, ja, sie konnte sich auch den Concertgesang ohne\nUebereinstimmung wenigstens mit der Mimik, mit dem Aus-\ndruck des Auges und der Gesichtszüge, nicht als vollkommen\ndenken. Dass wir auf unseren jetzigen Bühnen der italiänischen\nOpern in Paris und London (wahrscheinlich auch in Wien)\nund in Italien selbst Sänger und Sängerinnen finden, die an\ndie Lampen vortreten und mit einigen hergebrachten Armbewe-\ngungen und Hüftenbiegungen ihren Part abgurgeln, ohne sich\nim Geringsten um die Handlung zu kümmern, ist wie so vieles\nAndere ein Beweis der Entartung der guten Schule, nicht aber\nein Nationalfehler von Alters her."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "283", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590903-01.1.3", "texte": "Vermählung bezauberte sie die Engländer dermaassen,\ndass man sie durchaus in London fesseln wollte. Nach Ita-\nlien zurückberufen, vermählte sie sich mit dem berühmten\nHasse und ging mit ihm an den glänzenden Hof zu Dres-\nden. Von da aus machte das Künstlerpaar noch viele Rei-\nsen zusammen, und jetzt (1777) lebt es in ehrenvoller Ruhe\nzu Venedig. (Hasse starb 1783 den 23. December. Fau-\nstina's Todesjahr ist unbekannt.)\n\\\nFrancesca Cuzzoni aus Parma, Schülerin von\nFranz Lanzi, war mit einer Engelsstimme begabt, deren\nWohllaut und Klarheit sie zu einem Gesänge von edelstem\nStil zu benutzen verstand. Sie war ausgezeichnet im\ngate» und Portamento-,letzteres war so vollendet, dass es,\nverbunden mit einer wunderbaren Gleichheit der Register,\ndie Herzen nicht nur hinriss, sondern den Hörer auch mit\nstaunender Verehrung für die Sängerin erfüllte. Diese\nDonna besass in der That alles, was für eine wahrhaft\ngrosse Künstlerin erfordert wird: eine hinreichende Leich-\ntigkeit in der Coloratur und die vollkommene Kunst, die\nStimme zu schwellen, zu tragen, stärker werden und ab-\nnehmen zu lassen nach allen Graden des Ausdrucks hin.\nBeim Vortrag der Arie im Canverschmähte sie nicht,\ndie Melodie, jedoch ohne Beeinträchtigung des Ausdrucks\nund des Charakters, durch die feinsten und gewähltesten\nVerzierungen zu beleben; alle nur denkbaren Passaggien\nführte sie vortrefflich aus, bald gebunden und geschliffen,\nbald mit Trillern und Mordenten in schwungvoller Verbin-\ndung, bald staccato,bald gehalten und getragen, dann in\nungebundenen auf- und absteigenden Läufern, dann wie-\nder ein Legatovon der Tiefe bis zur Höhe kühn empor-\nschleudernd, und Alles mit erstaunenswerther Correctheit\nund Feinheit. Es gab keine Schwierigkeit, die sie nicht mit\nLeichtigkeit überwand, namentlich behandelte sie die Höhe\nmit unvergleichlicher Kunst. Dabei besass sie einen regen,\nschöpferischen Geist, der das Gewöhnliche und Allgemeine\nverschmähte und Neues im Vortrag und Ausdruck zu er-\nfinden und mit richtiger Auswahl anzuwenden wusste, wo-\ndurch ihr Gesang einzig in seiner Art wurde. Sie vermählte\nsich bei ihrer ersten Anwesenheit in London mit dem be-\nrühmten Orgelspieler Sandoni aus Bologna, den man als\neinen Nebenbuhler Händel's auf der Orgel betrachtete.\nAusgezeichnet waren ferner (von 1740 —1770)\nAnna Peruzzi aus Bologna, Therese von Reuther\naus Wien, Caterina Visconti aus Mailand\ntina), Johanna Astrua aus Turin, lange Zeit die Zierde\nder italiänischen Oper Friedrich's 11. in Berlin, Regina\nValentini, in Neapel von deutschen Eltern geboren, eine\nvorzügliche dramatische Sängerin, Caterina Gabrielli\naus Rom u. s. w. u. s. w.\nNachdem Mancini noch mehrere Säuger und Sänge-\nrinnen seiner Zeit mit Ehren erwähnt, kommt er auf\ndie Klage über den Verfall der Kunst des Gesanges in\nItalien zu reden, die schon damals in Italien selbst und in\nDeutschland öfter ausgesprochen wurde. Er sagt — merk-\nwürdig genug—-darüber:\n„Wenn diese Ansicht in Bezug auf die Schulen falsch\nist, so muss man doch gestehen, dass sie in Hinsicht der\nSänger nur allzu wahr ist, unter denen man fast keinen\nEinzigen findet, der als Nachfolger in die Stellen einrücken\nkönnte, welche die älteren Künstler leer gelassen haben.\nUnd dennoch ist kein Zweifel, dass es nicht an natürlichen\nTalenten und Eigenschaften bei dem jüngeren Geschlechte\nfehlt, um etwas Tüchtiges zu werden.\n„Der Ursprung des Uebels — (nun folgen Betrachtun-\ngen, die eben so gut im Jahre 1859 als 17 77 gemacht\nwerden können!) — ist meiner Meinung nach auf den nie-\ndrigen Eigennutz zurückzuführen, von dem die Lehrer\ngrösstenteils beherrscht zu sein scheinen. Sie kümmern\nsich nicht darum, die wahren Begeln der Kunst und die\nihnen überlieferten Vorschriften zu lehren und die gehö-\nrige Aufmerksamkeit auf das verschiedene Talent ihrer\nSchüler zu richten, sondern ihr Trachten ist allein, sie so\nbald wie möglich in eine Laufbahn zu werfen, sie mög-\nlichst schnell auf die Bretter zu stellen, um von ihnen den\nvertragsmässigen Gewinn zu ziehen! So produciren denn\ndie Schüler sich unreif, und häufig genug durch zufälligen\nund vorübergehenden Beifall hochmüthig gemacht, sagen\nsie den Gesangstudien Lebewohl und kommen in den Ge-\nheimnissen und Feinheiten der Kunst um keinen Schritt\nweiter. Wie kann man hoffen, eine grosse Anzahl von gu-\nten Sängern aus dem Unterrichte hervorgehen zu sehen,\nwenn die Schüler an die gierige Habsucht der Lehrer ver-\nkauft werden, die ihnen einige Jahre umsonst Unterricht\ngeben, um mit reichlichen Zinsen von ihnen längeren Ge-\nwinn zu ziehen, und desshalb sich mehr um die Zahl als\num die Fähigkeit ihrer Schüler kümmern? Wie ist es\nmöglich, dass jemand, der die Regeln der Musik und des\nGesanges im Fluge durchgemacht hat, die man sich nur\ndurch lange Uebung aneignen kann, und der kaum so weit\ngebracht worden ist, eine Arie oder eine Motette noth-\ndürftig zu trällern, ein guter Sänger werden kann? Aul\nsolchem Wege ist der Untergang der besten Talente un-\nvermeidlich.\n„Ein anderer, schwer ins Gewicht fallender Nachtheil\nist es, dass Viele es unternehmen, Gesanglehrer vorzustel-\nlen, ohne jemals die Kunst praktisch erlernt zu haben,\nohne zu wissen, wie sie die Schüler stufenweise leiten\nmüssen. Solche Herren glauben, ein Bisschen Violin- oder\nCiavierspiel reiche hin, um Gesanglehrer zu werden, und\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "284", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590903-01.1.4", "texte": "da sie ihre Bemühung gegen weit niedrigeres Honorar\nanbieten, als es ein guter und gewissenhafter Lehrer thun\nkann, so finden sie Leute genug, die sich aus Liebe zur\nSparsamkeit ihnen anvertrauen.\n„Es ist eine wahre Entweihung der Kunst, wenn ein\nblosser und noch dazu schlechter Tastenschläger oder Sai-\ntenstreicher sich die Fähigkeit anmaasst, Lehrer des Ge-\nsanges zu sein, wovon er nicht einmal die ersten Elemente\nkennt. So Einer lässt seine Schüler aus vollem Halse\nschreien und verdirbt die schönsten Stimmen, weil er sie\nnicht zu bilden und zu biegen versteht. Daher rührt dann\ndie Ungleichheit der Register, die Unreinheit, der Kehl-,\nGaumen- und Nasen-Ton, weil diese Lehrer vom Schüler\nverlangen, mit der Stimme Alles so auszuführen, wie sie\nes auf der Violine, oder dem Claviere, oder dem Violon-\ncell thun.\n„Die einzigen Schulen, in welche diese Ursachen eines\nsicheren Verfalls noch nicht eingedrungen, sind die Con-\nservatorien von Neapel und von Venedig.\n„Wenn zwar in jeder Kunst der Erfolg der Schüler\nzum Theil von dem Wissen der Lehrer und ihrer Unter-\nrichtsgabe bedingt wird, so kann man doch behaupten,\ndass beim Gesänge fast der ganze Erfolg vom Unterrichte\nabhängt. Wenn ein Maler, Bildhauer, Architekt, Compo-\nnist auch gerade nicht zu den Hervorragendsten gehört,\nvielleicht auch die Gabe nicht besitzt, seine Kenntnisse sei-\nnen Schülern anregend mitzutheilen, so können diese doch\nan den Kunstwerken selbst und durch theoretische Schrif-\nten darüber sich zu tüchtigen Meistern heranbilden. Die\nWerke eines Rafael, Correggio, Tizian, da Vinci, Dome-\nnichino, Guido Reni sind da; der Apoll vom Belvedere,\nder Fechter, der Laokoon, eben so die prächtigen Dome\nund Paläste, dann die Partituren der Musiker alle sind\nstumme, aber vortreffliche Lehrer der Künste.\n„Nicht so in der Kunst des Gesanges; da gibt es keine\nDenkmäler und kann keine geben, weil der Sänger seine\nMethode, seinen Vortrag nicht verewigen kann. Hier ist\nalso ohne Lehrer,ohne geschickten,auf Wissenschaft und\nauf praktische Erfahrung gegründeten Unterricht nichts\nauszurichten, und je günstiger die Natur einen Sänger be-\nrücksichtigt hat, desto notwendiger wird das anhaltende\nStudium unter einem verständigen Lehrer, damit die schöne\nStimme nicht verdorben und durch Fehler und schlechte\nAngewohnheiten wirkungslos gemacht werde.\"\n\nAlexander Boëly, der letzte Organist in Frankreich.\nDass es bei uns in Deutschland noch eine Menge von\nCantoren und Organisten gibt, die, oft mit gründlichstem\nWissen begabt, nur für ihre Kirche und ihre engste Um-\ngebung geistliche Musik schreiben und mit ihrem Ge-\nschmack ausschliesslich bei der Bewunderung der Meister\ndes vorigen Jahrhunderts verweilen, ist eben keine Selten-\nheit. In Frankreich aber gehören dergleichen Exemplare,\ndie aus der alten Schule wie unverwüstliche Trümmer in\ndie Gegenwart herein ragen und wie feste Thürme von den\nWogen der Erfolg- und Effect-Musik unseres Jahrhun-\nderts ohne abzubröckeln bespült werden, zu den Figuren,\ndie man für unmöglich hält.\nUm so merkwürdiger war Alexander Peter Franz\nBoely, der zu Paris im Anfange dieses Jahres gestorben\nist und ganz und gar in jene Kategorie ernster, im Leben\nund in der Musik sitten- und gesinnungs-strenger Musiker\ngehörte, welche, mit ungewöhnlichem Talente begabt, die\nFrüchte desselben fast nur für sich reifen lassen und für\nden speciellen Wirkungskreis, den ihnen Neigung und Ver-\nhältnisse angewiesen haben. Bei diesen Musikern ist das\nWort: „Die Kunst um der Kunst willen üben\" eine\nWahrheit, während es sonst häufig genug nur ein gleis-\nsendes Aushängeschild für eigennützige oder jedenfalls\negoistische Bestrebungen ist.\nVon dem Leben solcher Künstler ist wenig zu erzäh-\nlen. Sie reisen nicht, sie besuchen keine Gesellschaften, die\nSalons wissen nichts von ihnen, sie sind zu einseitig und\ntüchtig, um sich in alle Sättel zu werfen und darauf so\nlange fest zu sitzen, bis ein Anderer sie aus dem Bügel\nhebt, sie sind zu vernünftig, um mit grossen Schicksalen\noder weltschmerzlichen Gefühlen zu coquettiren, sie sind\nzu edel, um ä tont prix auf Kosten Anderer Witz zu ma-\nchen, zu verständig, um geistreich zu sein oder zu schei-\nnen, zu wahr, um zu affectiren. Mein Gott, was kann sol-\nchen Menschen begegnen, das die vornehme Gesellschaft,\nin die sich die heutigen Künstler drängen, interessiren\nkönnte?\nBoely war im Jahre 1785 geboren. Sein Vater war\nMusiker. Der Knabe lernte Ciavier und Orgel spielen, stu-\ndirte die Compositionslehre—bei wem? Weiss kein Mensch\n—, wurde Organist an St. Gervais und nachher an St.\nGermain l'Auxerrois, schrieb viel für seine Orgel und sei-\nnen Kirchenchor, Alles im strengen Stil, wurde desswegen\npensionirt, gab Ciavierstunden und starb. Da haben sie\nihn feierlich bestattet und Reden an seinem Grabe gehal-\nten. Das ist seine Biographie.\nEiner der Redner, d'Ortigue, ein tüchtiger Musik-\ngelehrter, hat unter Anderem von ihm gesagt: „Er war\nder Künstler der alten Zeit, der Mann der Vergangenheit,,\nund dieser Titel ist trotz des Ausschliesslichen, das er in\nsich fasst, ein wohlberechtigter Ehrenname für den Dahin-\ngeschiedenen. Tief durchdrungen von der Bewunderung\nder alten Meister Johann Sebastian und Philipp Emanuel"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "285", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590903-01.1.5", "texte": "Bach, Händel, Couperiii, Scarlatti, Haydn, Mozart, gab\nBoely nur in so weit etwas auf seine Compositionen, als\nsie ihm wirklich aus jener reinen Quelle der classischen\nMusik zu (Hessen schienen; alle tragen den Stempel eines\nCharakters, dem der Beifall der Menge gleichgültig ist,\ndes Strebens nach einem Ideal, das er sich in der Stille\nseines Arbeitszimmers durch selbstständiges Nachdenken,\nganz und gar unabhängig von den Fortschritten und\nNeuerungen der zeitgenössischen Musik, gebildet hatte. Die\n•wunderbare Umgestaltung der Tonkunst durch Geister\nwie Beethoven und Weber ging an ihm spurlos vorüber,\noder vielmehr, er erfuhr gar nichts von ihr, er kannte sie\ngar nicht, wollte sie vielleicht auch nicht kennen lernen.\n„Aber welch eine Kraft der Ueberzeugung gab ihm\ndiese Vereinzelung auf seinem Standpunkte! Mit starker\nHand hielt er die Fahne der classischen Traditionen des\nOrgelspiels aufrecht. Aber nicht das allein: er litt für seine\nUeberzeugung, er wurde lieber ein Opfer derselben, als\nabtrünnig von ihr. In seinem sechszigsten Jahre, rüstig\nund gesund an Leib und Geist, wurde er genöthigt, das\nAmt eines Organisten an einer der ältesten Kirchengemein-\nden von Paris niederzulegen, um jüngeren Spielern Platz\nzu machen, deren leichtfertige Improvisationen mehr dem\nweltlichen, die Kirehe entweihenden, die Kunst herabwür-\ndigenden Stil und Geschmack gemäss waren, der in unsere\nKirchen eingedrungen ist. Er ging, lächelte, mochte viel-\nleicht denken: »Herr, vergib ihnen, sie wissen nicht, was\nsie thun!\" —beklagte sich aber nirgends, sondern sagte\nnur mit jener Art von Ironie, welche die Gutmüthigkeit\nnur noch liebenswürdiger macht: „Mein Geschmack steht\nnicht mehr auf der Höhe des Jahrhunderts, und ich bin\netwas zu alt, um ihn noch zu ändern.\"\nSo streng wie sein musicalischer Glaube war auch\nseine religiöse Ueberzeugung und sein Lebenswandel. Er\n«tarb, vierundsiebenzig Jahre alt, nach Erfüllung aller sei-\nner Pflichten als katholischer Christ. Mit ihm ist vielleicht\n'der letzte classischeOrganist in Frankreich gestorben; denn\nauch die besten unter den gegenwärtigen Orgelspielern\n•dieses Landes, selbst wenn sie noch classische Studien ge-\nmacht haben, wagen es nicht, sie öffentlich anzuwenden,\nfröhnen lieber dem Geschmack des Pöbels und haben we-\nder religiöse noch musicalische Scheu vor der Versündi-\ngung am Würdigen und Schönen.\n\nBeurtheilungen.\nBernhard Brähmig, Kirchen- und Haus-Cho-\nralbuch mit Texten, für Andachtsübungen,\nso wie auch für den unterrichtlichen Gebrauch,\nvierstimmig für Orgel oder Pianoforte. Nebst\neinem Anhange, enthaltend: I. Eine Anzahl ein-\nfacher und kurzer Tonsätze in vierzehn verschie-\ndenen Tonarten als Choral-Einleitungen. 11. Eine\nAuswahl leichter, besonders für geringspannende\nHände angehender Choralspieler dreistimmig\nbearbeiteter Choräle. Erfurt und Leipzig, Verlag\nvon G. W. Körner. Gr. 8. Preis 1 Thlr. 15 Sgr.\n(bei 12 Exemplaren auf einmal 1 Thlr. und ein\n• Frei-Exemplar!).\nDie thätige Verlagshandlung liefert hier ein Choral-\nbuch, das endlich einmal beides zusammenfasst, was eine\nvollständige Erbauung durch das deutsche Kirchenlied be-\ndingt: die Poesie und die Musik. Die meisten, ja, so viel\nwir wissen, alle bisherigen Choralbücher berücksichtigen\nnur die letztere, und wer den Text nicht auswendig weiss,\nmuss erst wieder ein beliebiges Kirchen-Gesangbuch zu\nHülfe nehmen, um den ganzen Inhalt des Chorals, der ja\ndoch aus dem Gedicht und dessen Melodie besteht, in sich\naufzunehmen. Hier haben wir nun das vollständige Kir-\nchenlied, und das ist zunächst der grösste Vorzug dieses\nBuches; dadurch ist es, abgesehen von seiner Brauchbar-\nkeit für den Organisten in der Kirche, erst ein wirkliches\nHaus-Choralbuch geworden, das wir da auch die\nharmonische Bearbeitung und die ganze äussere Einrich-\ntung, so wie Noten- und Schriftdruck und Papier sehr lo-\nbenswerth und zweckmässig sind zur Erbauung in Fa-\nmilien, Schulen und Erziehungs-Anstalten und überhaupt\njedem Freunde und Verehrer des deutschen Kirchenliedes\nnicht angelegentlich genug empfehlen können.\nDer Text der ersten Strophe steht unter den Noten,\nund zwar nicht zwischen den Linien-Svstemen des Discants\n«J\nund des Basses, sondern unter dem Bass, was der Deut-\nlichkeit und dem Unterlegen desselben unter die beiden\nOberstimmen keinen Eintrag thut, wohl aber die harmo-\nnische Uebersicht und das Lesen der Noten, die auf diese\nWeise einander näher gerückt sind, erleichtert. Die fol-\ngenden Strophen des Liedes sind unmittelbar nach dem\nChoral abgedruckt, und die Form ist stets so eingetheilt,\ndass man diese übrigen Strophen auf derselben Seite hat,\nauf welcher die Choral-Melodie steht. Der Text ist der\nmöglichst treue Urtext und bei der grossen Mehrzahl der\nLieder, namentlich der bekanntesten Kernlieder der evan-\ngelischen Kirche, vollständig.\nDie musicalische Arbeit bei der Herausgabe dieses\nChoralbuches ist in sehr gute Hände gekommen. Herr B.\nBrähmig, der sich uns durch Compositionen im strengen\nStil als ein tüchtiger Contrapunktist bereits früher empfoh-\nlen hat, gibt die Choräle mit Beeilt (schon der praktischen\nBrauchbarkeit wegen) mit Bevorzugung der accentuirend\nrhythmischen Form, einige jedoch auch „in ihrem ur-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "286", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590903-01.1.6", "texte": "sprünglichen Rhythmus.\" Der harmonische Satz ist für\nOrgel und Pianoforte anwendbar.\nIn Bezug auf den Unterricht im Choralspiel, welches\neinen wichtigen, aber leider meist vernachlässigten Theil\ndes Clavier-Unterrichts ausmacht, ist bei etwa einem\nDutzend der leichteren vierstimmigen Choräle der Finger-\nsatz bezeichnet. Sehr willkommen werden in dieser Hin-\nsicht die dreistimmigen Choräle im Anhang sein (es\nsind deren sechszehn), bei denen durchweg die Applicatur\nbezeichnet ist. Durch diese Zugabe hat sich Herr Brähmig\nvorzugsweise im Vergleich zu anderen Choralbüchern ein\nVerdienst nm die allgemeinere Einführung dieses Bildungs-\nmittels bei dem Clavier-Unterricht erworben.\nAuch die Auswahl ist zu billigen; das Buch enthält\n*276 Choräle, unter denen wir keines von den Kernliedern\nder evangelischen Kirche vermisst haben.\nF. A. Gevaert, Methode pour l'enseignement du\nPlatn- Charit et la maniere de l' accompa-\ngner, suivie de nombreexemples.\nGevaert, editeur de musique etc. Gr. 8. (86 S.\nPreis 5 Francs.)\nDer Verfasser, ein rühmlichst bekannter belgischer\nComponist, der in Paris lebt, hat durch diese Schrift haupt-\nsächlich eine Anleitung zur Begleitung des katholischen\nChoralgesanges [Cantus planus, nicht plein,\nwie olt fälschlich geschrieben wird) mit der Orgel gege-\nben und dieselbe durch zahlreiche Beispiele in den acht\nKirchentönen erläutert. Der Zweck und das besondere\nVerdienst dieser Arbeit ist die Durchführung des Princips,\nlast ausschliesslich den Dreiklang ohne Umkehrung zur\nBegleitung zu gebrauchen, „als die einzige harmonische\nZuthat, die geeignet sei, den kirchlichen Melodieen ihren\neinlach ruhigen Charakter zu bewahren, der nichts mit\nden dissonirenden Reizmitteln der neuern Musik zu thun\nhaben kannI'. Der Verf. hofft dadurch die Begleitungs-und\nSchreibweise der Josquin Desprez, Lassus, Palestrina, Wil-\nlaert u. s. w. wieder herzustellen; ungewöhnliche, etwas\nschroffe Accordfolgen, verdeckte Octaven und Quinten, die\nsich bei diesem System nicht wohl vermeiden lassen, ent-\nschuldigt er mit der Tradition. Das Büchlein verdient\ndie Aufmerksamkeit aller derer, die sich für die Reinhal-\ntung des katholischen Kirchengesanges von Modernitäten\ninteressiren.\nPetrus Baur, Hymnus\nnorem B. M. V. 4 aut 5 voeibus cantandae. (Li-\nthogr. Anst. v. Ed. VVedler in Aachen.) Pr. 1 Thlr.\nHerr P. Baur, Gesanglehrer am Gymnasium zu Aachen,\ngibt hier in einem hübsch ausgestatteten Hefte (42 S. 8.)\nrecht schön harmonisirte Antiphonien im Charakter des\nalten Stds; die vierstimmigen zum Thed für Sopran, zwei\nAlte und Bass, zum Theil für Sopran, Alt, Tenor und\nBass. Am bedeutendsten ist das der\nchoralis aus der Klosterkirche zu Maria Einsiedeln, fünf-\nstimmig in E-moll.—YievErtrag ist für den Baufonds einer\nKirche (sub invoeatione B. M\naedificandae)in Aachen bestimmt.\nBern. Ant. Pothast, Sahato-\nrem.' Quatuor vocum.Op. 6. (Lithogr. Anst. von\nEd. Wedler in Aachen.)\nB. A. Pothast, Te Deum\npour 4 voix cl'komme s,\nPays-Bas. Op. 2. Ni\nbraire.2 Thlr. 17 7* Sgr.\nDer Componist ist Priester und Professor in Rolduc.\nDie Missa ist vierstimmig für Sopran, Alt, Tenor und Bass\ngeschrieben und in Partitur gedruckt, die zugleich als Or-\ngelstimme dient (8 S. Gr. 8.). Der Stil ist einfach und an-\nsprechend, nur in getragenen Accorden ohne figurirten\nGesang. Mehr Ansprüche macht das Te Deum. Es besteht\naus sechs Nummern mit Orgelbegleitung (Partitur 33 S.\nGr. Fol.), welche jedoch nur selten selbstständig auftritt,\nsonst meist mit den Singstimmen geht. Zweckmässige Zwi-\nschenspiele zwischen den ,einzelnen Nummern sind dem\nOrganisten überlassen. Die vier Männerstimmen sind die\ngewöhnlichen, zwei Tenöre und zwei Bässe; nur in Nr. 3\ntritt ein Solo-Sopran in dem zu dem\nMännerchor, ein recht artiger Gedanke und zugleich gut\nausgeführt; der Satz hat nur wenige Tacte, geht nicht\nhoch und kann auch von einer Knabenstimme gesungen\nwerden. Das Werk gibt im Ganzen ein erfreuliches Zeug-\nniss von der Befähigung und den gründlichen musicali-\nschen Studien des Componisten, der zu denjenigen Geist-\nlichen gehört, die noch von thätiger Liebe zur Tonkunst,\nals der ältesten und treuesten Dienerin des Gottesdienstes,\ndurchdrungen sind.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\n\nAaciieil, 29. August. Selten hat unser grosser Cursaal eine\nso zahlreiche und glänzende Versammlung vereinigt gesehen, als am\nAbende des 25. August in dem ersten Benefiz-Coneerte des städti-\nschen Musik-Directors Herrn Wüllner. Der lebhafte Applaus, der\nihn bei seinem Auftreten empfing, mochte ihm bezeugen, dass das\naachener Publicum seine erfolgreiche Wirksamkeit unter uns durch\nwarme und innige Hochschätzung zu erkennen weiss. Herr Wüllner\ntrug Beethoven's Es-c/«*r-Concert, ferner ein Scherzo, Intermezzo\nund Barcarole von seiner Composition und eine Polonaise von Cho-\npin vor. In dem Beethoven'schen Concerte bewährte er sich durch\nAuffassung des grossartigen Charakters dieser Composition, durch\nEingehen in den Schwung der Gedanken und durch vortreffliche\nTechnik als einen classischen, gediegenen Clavierspieler und erregte\neinen aussergewöhnlichen Enthusiasmus. Auch das Orchester zeich-\nnete sich durch vorzügliche Begleitung unter Leitung des Concert-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "287", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590903-01.1.7", "texte": "Meisters Herrn F. Wenig mann rühmlich aus Frau Henriette\nWickop sang zwei Lieder mit Begleitung des Pianoforte und Vio-\nloncell (Herr Joh. Wenigmann), deren schöner Vortrag nicht we-\nnig zu dem Kunstgenüsse des Abends beitrug. Das Concert wurde\nmit einer Concert-Ouverture in D-dar von Wüllner eröffnet, wel-\nche einen sehr günstigen Eindruck machte, und mit „Erlkönigs Toch-\nter\" von Niels Gade beschlossen, einem Werk, das durch einige\n7 ö\nLängen allerdings etwas monoton wird, allein doch durch den wohl-\ngetroffenen lyrischen Ton, durch Charakteristik einzelner Scenen und\ndurch die Contraste des Diabolischen und des schmeichelnd Verfüh-\nrerischen eine der beachtenswertesten Compositionen Gade's sein\ndürfte.\nIn der Oper ist Frau Haa s e-Capi t ain e als Valentine, Donna\nAnna, Gräfin in Figaro's Hochzeit us. w. Gegenstand dauernder\nund durch ihren dramatischen Gesang wohlverdienter Ovationen. Sie\nwird von unserer Soubrette, Fräul. Frey, und dem Baritonisten\nHerrn Meyer trefflich unterstützt.\n** Barmen. Am 18. August hat eine in unserem Wupper-\nthale noch ganz neue Art von musicalischer Aufführung in der\nKirche zu Unterbarmen Statt gehabt. Die Veranlassung dazu bot\ndas im vorigen Sommer vollendete grossartige Orgelwerk von 53\nStimmen, welches die Herren A. Ibach Söhne in der genannten\nKirche aufgestellt haben. Da dieses Werk, wenn wir nicht irren\ndas grossartigste in der Rheinprovinz und Westfalen und besonders\ngelungen ist, so beschloss das Presbyterium, den in der so genann-\nt3n Festwoche (Missionsfest, Tractatfest, Prediger-Conferenz u. s. w.)\nherbeieilenden Fremden aus Deutschland, der Schweiz, Frankreich,\nEngland und Holland den unerwarteten Kunstgenuss, eines vollende-\nten Orgelspiels durch Herrn J. A. van Eyken, verbunden mit Ge-\nsang-Vorträgen der beiden Sing-Vereine von Elberfeld und Barmen\nunter Leitung des Herrn Musik-Directors Schornstein, zu bieten.\nDas Programm bestand aus acht Nummern, nämlich vier Orgel-Vor-\nträgen (J. S. Bach, Toccata in F-dur Choral-Vorspiel „Schmücke\ndich\"; Beethoven, Andante aus der V. Sinfonie; van Eyken, Phan-\ntasie über „Ein' feste Burg\") und vier Chören (J. Haydn, „Die Him-\nmel erzählen\"; Mendelssohn, „Wie lieblich sind die Boten\" aus Pau-\nlus ; Choral: „Allein Gott in der Höh' sei Ehr'\", ebendaher, und\nHändel's Hallelujah). Die Aufführung war bis zum letzten Augen-\nblicke von der grössten Aufmerksamkeit der zahllos herbeigeeilten\nZuhörer begleitet. Wir hatten befürchtet, es würde sich ein Miss-\nverhältniss in der Stärke des Tones zwischen Chor und Orgel her-\nausstellen; der Chor wurde aber von der Orgel, die zum Gesänge\nmit passender Registrirung und ohne Mixturen gespielt wurde, nicht\nübertönt, wohl aber in wohlthuender Weise gehalten und getragen.\nZu verwundern war es, wie die Orgel bei der hohen Temperatur,\ndie sich von Minute zu Minute steigerte, bis zum letzten Augen-\nMicke in reiner Stimmung verblieb. Da diese erste kirchliehe\nAufführung einen entschieden günstigen Lindruck hervorgerufen, so\nzweifeln wir nicht daran, dass dem schon vielfach geäusserten Wun-\nsche nach öfterer Veranstaltung solcher Aufführungen entsprochen\nwerden wird.\nAm 2G. August ist Herr Anton Krause von Leipzig zum\nMusik-Directoi für Barmen von den vereinigten hiesigen musicali-\nschen Instituten gewählt worden.\nGesangfest in Trarbach. Die Kölnische Zeitung berichtet\nin Ni. 242, dass Herr Musik-Director Gustav Flügel (gegenwär-\ntig in Stettin) und Herr Lehrer Fetz aus Dierdorf das diesjährige\nmittelrheinische evangelische Lehrer-Gesangfest am 15. September\nin Trarbach an der Mosel gemeinschaftlich leiten werden.\nAus Neuwied wird uns folgende Adresse des FlügeFschen Ge-\nsang-Vereins an Gustav Flügel mitgeteilt:\n„Geehrtester Herr Director! Der Gesang-Verein, den Sie ins Le-\nben gerufen und im Kampfe gegen so mancherlei Schwierigkeiten\nund Hindernisse unverdrossen mit so viel Liebe, Eifer und Treue\ngepflegt und ausgebildet, hat zwar, als Sie das letzte Mal in seiner\nMitte weilten, bereits durch seinen Vorstand Ihnen seine Gefühle des\nBedauerns über Ihr Scheiden zu erkennen gegeben; aber es ist ihm\neine angenehme und unerläßliche Pflicht, sie auch noch schriftlich\nzu wiederholen, mit der Versicherung, dass Sie bei uns, wie bei\nallen hiesigen Kennern und aufrichtigen Verehrern tüchtiger Musik\nund insbesondere der classischen Werke alter Meister stets in aner-\nkennender, dankbarer Erinnerung stehen werden. Auch leben wir der\nfreudigen Hoffnung, dass der Verein, der Ihren Namen trägt, mit\ndem Geiste, der ihn unter Ihrer Leitung beseelte, fortleben und sei-\nnes Namens würdig bleiben möge. - Wie ungern wir Sie, verehr-\nter Herr Director, scheiden sahen, so können wir doch Ihnen nur\nGluck wünschen zu der wohlverdienten Verbesserung Ihrer Lage.\nDer Herr, der nach Seinen unerforsehlichen Rathschlüssen hienied°en\neinem Jeden seine Stelle anweis't, schenke in Ihrer jetzigen Ihnen\nund den werthen Ihrigen reichen Segen und lasse Sie die Gabe der\nTonkunst stets vor Allem zu Seiner Ehre anwenden, in dem Geiste,\nin welchem Sie die Worte Friedrich Ofer's in Töne gesetzt, die wir\nin der achten unserer schönen Vespern unter Ihrer Leitung gesungen\nhaben. Herzlichen Gruss von allen Vereinsgliedern.\n„Neuwied, im Juli 1859.\n„Der Flügel*sehe Gesang-Verein.\"\n(Folgen die Unterschriften.)\nllTiirzlfiiirg, 28. Juli. Gestern wurde vom hiesigen Musik-\nInstitute unter Leitung des Herrn Georg Bratsch, dem Nachfol-\nger des Professors Fröhlich, Sp o h r' s Oratorium ~Die letzten Dinge\"\naufgeführt. In einer Zeit, wo der Musikgeschmack fast ganz verdor-\nben ist und einzelne unberufene und unbescheidene Schreier dem\nPublicum das Verworrene als genial, das Gedankenlose als tiefge-\ndacht, das Schwierige für gelehrt aufzwingen wollen, ist es sehr\n1 obenswerth und erfreulich, wenn sich Dirigenten, denen musicalische\nMittel zu Gebote stehen, die Mühe geben, ein gediegenes, edel ge-\ndachtes und meisterhaft instrumentirtes Werk, wie Spohr's Oratorium\n„Die letzten Dinge'-, einzustudiren und das Publicum damit bekannt\nzu machen. Herr Bratsch, der Dirigent des hiesigen königlichen Mu-\nsik-Instituts, hatte gehört, dass der greise Meister Ludwig Spohr im\nJuli Würzburg besuchen wolle, und beeilte sich, ein Werk einzu-\nstudiren, welches keinesfalls zu den leichteren in dieser Gattung\ngehört. Das Werk ist in der musicalischen Welt bekannt und eine\nKritik überflüssig; denn es hat alle Eigenschaften Spohr'scher Ton-\ndichtungen und zeichnet sich besonders durch Zartheit und Reinheit\naus. Die Aufführung von Seiten des Orchesters und Chor-Personals\nwar sehr gut, die Solisten minder zu rühmen; doch können wir dies\ndem Daigenten nicht zum ~V orwurf machen, er führte das Werk mit\nSchülern des königlichen Instituts auf, und das hat eben jetzt unter\nden Solisten weder schöne Stimmen noch Gesangs-Talente, die über\ndas Mittelmässige gehen. Der akademische Saal war dem Coinpo-\nnisten zu Ehren sehr geschmackvoll decorirt, und ein eben so ele-\ngantes als zahlreiches Publicum hatte sich eingefunden. Der Meister\nwurde am Anfange mit lebhaftem Applaus von Seiten des Publicums\nund von einer Schülerin des Instituts mit einem Prologe begrüsst\nAm Schlüsse wurde wieder sehr applaudirt und ihm ein Kranz\nüberreicht. Spohr war sehr bewegt, und da er hier pur Schüler er-\nwartet hatte, mit der Ausführung sehr zufrieden. Im Orchester wirk-\nten auch die Lehrer des Instituts mit, von denen fast jeder ein Mei-\nster auf seinem Instrumente ist.\nBrenden. Am 6. August ist endlich der vielbesprochene, mit\nSpannung erwartete „Lohengrin\" in Scene gegangen Es ist dies fast\nausschliesslich Herrn Tichatschek's Verdienst; derselbe hatte es in\nseinem neu abgeschlossenen Contracte zur förmlichen Bedingung ge-\nmacht, dass „Lohengrin\" hier zur Aufführung gelange; er hatte zu\n\nN."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "288", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590903-01.1.8", "texte": "diesem Zwecke im vorigen Jahre längere Zeit mit Wagner zusam-\nmen gelebt und soll die ganze Inscenirung geleitet haben. Der Er-\nfolg der Wagner'schen Oper war am ersten Abende im Allgemeinen\nein sehr günstiger. Die Partie des Lohengrin darf zu den vorzüg-\nlichsten Leistungen Tichatschek's gezählt werden. Ihm würdig zur\nSeite steht Herr Mitterwurzer, welcher den Telramund meisterhaft\ndurchführte. Frau Bürde-Ney und Frau Krebs-Michalesi scheinen die\nElsa und Ortrud mit besonderer Liebe studirt zu haben; sowohl in\ndramatischer wie in musicalischer Hinsicht reihen sich diese Partieen\nden schönsten an, welche uns von den Künstlerinnen in den letzten\nJahren vorgeführt wurden. Die Herren Freny und Eichberger genüg-\nten wohl als Kaiser und Heerrufer, konnten aber nicht die gleiche\nHöhe mit den vier Haupt-Darstellern erreichen. Das Orchester zeigte\nseine bekannte Tüchtigkeit, und der Chor bewährte Kraft, Sicherheit\nund Präcision. (Wiener Recensionen.)\nAus Amsterdam vernehmen wir, dass eine deutsche Oper\ndort begründet werden solle und dass der König die Unternehmung\nmit einer Subvention von 10,000 Fl., die Stadt mit 9000 Fl. jähr-\nlich unterstützen werde. Das wäre sehr erfreulich, zumal da der-\ngleichen Unterstützungen bis jetzt, so viel uns bekannt, nur der\nfranzösischen Oper im Haag zu Theil wurden.\nIn der Kirche Notre-Dame fand vor Kurzem eine merk-\nwürdige und grossartige Aufführung eines Te Deum Statt; das Werk\nist betitelt: Te Deum imperial et müitaire, der Kaiser hat dessen\nWidmung auf Empfehlung des Kriegs-Ministers (Ist der Herr Mar-\nschall so musicalisch?) angenommen. Componist desselben ist Herr\nSaint-d'Ar od, Honorar-Capellmeister des Königs von Sardinien.\nEr war selbst in Paris anwesend und leitete die Proben und die\nAusführung. Es ist für Männerstimmen und Harmoniemusik ge-\nschrieben; der Chor bestand aus einer Auswahl der hiesigen Män-\nnergesang-Vereine unter der Direction von Delaporte ; das Orchester\nbildete das treffliche Musikcorps der Garde de Paris unter Herrn\nPaulus, verstärkt durch eine ganze Phalanx von Contrabässen und\ndurch die Orgel. Der Eindruck der Massen war gross; der musica-\niische Werth der Composition dürfte geringer anzuschlagen sein.\nEine neue prächtige Orgel aus der Werkstatt der Herren\n,-,. T ork 1 in & Schütze, für die Kathedrale von Viviers im Auf-\ntrage der Regierung gebaut, wurde im Etablissement der Erbauer\nbei der Prüfung und Abnahme allgemein bewundert.\nDie neue Einrichtung der C on c er t s Musard in den öhamps\nEh/sees prächtiger Garten mit ungeheurem Kiosk für ein Orchester\nyon 70—80 Personen zieht alle Welt an. Ausgezeichnete Solisten,\nz. B. Legendre auf dem Piston, Demersmann auf der Flöte, wech-\n; , mit dem vollen Orchester ab, welches theils Tänze, theils Musik\nüei Gattung, namentlich Ouvertüren, auch Sinfoniesätze, mit\ngrosser Präcision ausführt. Unter den Tänzen macht besonders Ar-\n■ ; Kalkbrennens Galop ~Der Express-Train 4 Furore.\no; L hat erst in voriger Woche das Bett wieder verlassen\nkönnen,\nEine Or ganist in. In Stockholm ist vor Kurzem folgende\nante Thatsache vorgekommen: Eine tüchtige Orgelspielerin,\nv rs Elfrieda Andren, hatte sich dem Organisten-Examen\n1 ■ ■ der musicalischen Akademie unterzogen und ein rühmliches\n; uss über ihre Kenntnisse erhalten. Sie wandte sich hierauf an\nHegierung mit der Bitte, sich um einen Organisten-Posten be-\n! iD zu dürfen, und verpflichtete sich für den Fall, wenn da, wo\nihr-; Bewerbung Statt fände, die Organistenstelle mit den Functionen\n■ 3 Glöckners verbunden wäre, aus ihren eigenen Mitteln einen\nvon dem Geistlichen und der Gemeinde approbirten Glöckner zu be-\n.sol den, wie es Schullehrer und Geitstliche in gleichen Lagen zu\nthun pflegen, Die Regierung übergab das Gesuch dem Erzbischofe,\nder demselben aber hauptsächlich aus dem Grunde die Genehmigung\nversagte, weil darin eine Abweichung von der jetzt im Reiche gel-\ntenden Ordnung liegen würde, welche ausdrücklich bestimmt, das»\nAemter und Bedienungen von Männern bekleidet werden sollen,\nwelche in das Alter der Mündigkeit eingetreten sind. In Folge dessen\nhat jetzt auch die Regierung die Bittstellerin abschlägig beschieden."}]}