{"numero_id": "bm-bmtnabi-1859-09-10-01", "volume": "bmtnabi_1859-09-10_01", "ocr_sha256": "c254b6cf2bddbf587ea3bb926b9649852fff45526d7476af0c658e2048bbc51b", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1859/09/10_01/bmtnabi_1859-09-10_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590910-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1859-09-10-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-09-10_01#c001", "volume": "bmtnabi_1859-09-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "289", "page_fin": "289", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590910-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "289", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590910-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 465, "texte": "Inhalt.\nDie Musik, vom Standpunkte der Moral und Religion betrachtet. - Der Gesang als Grundlage einer christlichen Aestbe-\ntik - Aus Baden (Concert unter Direction von Hector Berlioz). Von S. Tages- und Unterhaltungsblatt (Breslau, Ueber-\nsicht der Opern-Vorstellungen im Theaterjahre 1858—1859 Fräul. Veith ~ Fräu1. Günther - München, Theater-Intendanz. Früul\nStöger Wien, Kirchenmusik, Italiänische Oper, Herr Ander, Hans Heiling Paris London Deutsche Tonhalle)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-09-10-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-09-10_01#c002", "volume": "bmtnabi_1859-09-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "289", "page_fin": "292", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590910-01.2.2", "titre_corps": "Die Musik, vom Standpunkte der Moral und Religion betrachtet.", "titre_sommaire": "Die Musik, vom Standpunkte der Moral und Religion betrachtet.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "289", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590910-01.1.1", "debut_caractere": 467, "fin_caractere_exclue": 4134, "texte": "Die Musik, vom Standpunkte der Moral und Religion\nbetrachtet.\nVor einigen Wochen er hielt Fetis in Brüssel ein Buch\nmit folgender Zuschrift der Verfasserin:\n-Ihre Artikel in der Gazette musicale, mein Herr, ha-\nben mich veranlasst, über den musicalischen Rhythmus\nnachzudenken. Ihre Definitionen haben mir dabei zum\nAusgangspunkte gedient, allein ich bin, wie Sie sehen wer-\nden, nicht zu denselben Schlussfolgen gelangt; ich habe\nmir meine Ansicht als katholische Christin gebildet\nund glaube in der Wahrheit zu sein.\"\nFetis stutzte nicht wenig. Er sollte aus Mangel an\nGlauben in seinen Betrachtungen über den Rhvthmus in\nder Musik auf falsche Wege gerathen sein? Man kann sich\ndenken, dass er auf die Beweisführung neugierig war. Er\nlas das Büchlein von Anfang bis Ende durch, und, wie er\nselbst gesteht, trotz der Gewissensangst, in welche ihn die\nDame versetzt hatte, mit vielem Vergnügen; denn er fand\ndarin Talent, nicht gewöhnliche Gedanken, eine seltene\nBekanntschaft mit der Kunst und eine anziehende Dar-\nstellung. Das Buch führt den Titel: La Musique au\npoint de vue moral et\nMarie Gjertz. Paris, 1859. (86 S. in 8.)\nDer Anfang, sehr original in seiner Art, zeigt von\nvorn herein den Standpunkt, auf welchen sich die geist-\nreiche und glaubensstrenge Dame stellt. Die Ueberschrift\ndes ersten Abschnittes iautet: Einleitung; von einer\nWirthschafterin. Lieber Leser, hast du jemals ein Zimmer\ngekehrt?\" Was hat d er Kehrbesen mit der Musik zu\nschaffen ? Man höre.\n„Von meiner Kindheit an\", sagt Madame Gjertz,\n„habe ich bei der Musik dasselbe unbehagliche Gefühl ge-\nhabt, das man empfindet, wenn man des Morgens in ein\nnoch nicht in Ordnung gebrachtes Zimmer tritt. Als ich\nanfing, zu prüfen und nachzudenken, das heisst, als ich\ndurch Gottes Gnade Katholikin geworden, begriff ich, wo-\nher dieses Gefühl komme; einzig und allein daher, dass\nman in der Musik niemals den Staub abwischt. Wie sollte\nman auch darauf kommen, es zu thun, da man darüber\neinig ist, dass kein Staub darauf liegt? Für die Einen ist\ndie Musik zu einfältig, um Hehlerin des Bösen zu sein,\nfür die Anderen ist sie zu edel dazu. Sie befindet sich also,\nder allgemeinen Uebercinstimmung nach, ausser dem ge-\nmeinsamen Gesetze, nach welchem jedes Werk den Stem-\npel seines Urhebers trägt; der Mensch ist aber ein Gemisch\nvon Gutem und Bösem, von Grösse und Erbärmlichkeit.\n„Da man einmal das Böse von der Musik ausgeschlos-\nsen hatte, so war der Irrthum, dass alle Regungen, die sie\nhervorruft, gut, rein und unschuldig seien, eine natürliche\nFolge jener Annahme. So hat es denn diese glückselige\nKunst dahin gebracht, sich in dem Herzen des Menschen\nein kleines Zimmer zurecht zu machen, in das kein prü-\nfendes Auge und kein fegender Besen kommt.\n„Ein ungefegtes Zimmer: man begreift, dass mir das\njenes unheimliche Gefühl verursachte, von dem ich sprach.\n„Einmal darüber mit mir einig, sann ich darauf, wie\nich es anfangen sollte, dieses Zimmer zu kehren und rein\nzu machen; wo ich einen Besen hernehmen sollte, der\nweich und doch fest genug wäre, um damit alle Ecken\nund Winkel auszufegen; vor Allem, wie ich das volle Ta-\ngeslicht hineinbringen könnte, damit alle Welt einsehe,\nwie nothwendig es sei, dass es gründlich abgestäubt und\ngelüftet werde.\n„Da fiel mir die Arbeit eines berühmten Musikgelehr-\nten über den Rhvthmus in die Hände. Das war ein Licht-\nblick, und zwar von demjenigen Lichte, dessen ich gerade\nbedurfte, um das arme Kämmerchen hell zu machen und\nden Besen darin gebrauchen zu können. Ich sah ein, dass\nman die Bedeutung der rhythmischen Formen ergründen\nund darin das Gute und das Hose erkennen müsse, um\nvermittels dieser Erkenntniss zu zeigen, wie gefährlich"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "290", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590910-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5311, "texte": "jenes neutrale Gebiet ist, auf welchem Weiss und Schwarz,\nGutes und Böses, Gott und Teufel durch einander gehen\nund zur Einheit werden!\n„Den Rhythmus erklären das ist das Licht; eine\nGewissensprüfung mit der Musik vornehmen das ist der\nBesen.\"\nWeiterhin drückt sich die Verfasserin deutlicher über\nihre kunstrichterlichen moralisch-ästhetischen Grundsätze\naus. ,\n„Wenn der Tonkünstler\", sagt sie, „von der Liebe\nzu Gott und dem Streben zum Guten beseelt ist, so wird\nder Rhythmus in seiner Musik eine reine Form sein, welche\nin Herz und Blut des Zuhörers einen Samen guter Gedan-\nken streut. Hat aber der Componist weder Glauben noch\nLiebe zu Gott, was wird dann seine Phantasie für Regun-\ngen erzeugen? Die neuere Musik, dieser faulende Leich-\nnam, gibt die Antwort auf diese Frage; seine Ausdünstun-\ngen sind eben so mörderisch für die Seele, wie die Pest\nfür den Leib! Man täusche sich nicht! Der Klang hat die\nEigenschaft, das zu verdecken und zu verhüllen, was Nie-\nmand ohne diese Verhüllung dulden würde; aber er hat\nnicht die Macht, das Böse zu bannen; das Böse wird durch\nihn im Gegentheil nur noch furchtbarer, gleich jenem fei-\nnen Gifte, welches nach und nach das Leben zerstört und\nan natürlichen Tod glauben lässt. (S. 4 und 5.)\n„llaydn's Sonaten zeigen uns die reine und einfältige\nSeele des Christen, der stets an den lieben Gott geglaubt 1\nund ihn geliebt hat, ohne jemals an Zweifel oder Ver-\nnünftelei mehr zu denken, als ein kleines Kind an die Prü-\nfung der Worte seiner Mutter denkt. Mozart offenbart uns\ndurch das Gefühl von Melancholie, das fast alle seine\nWerke durchdringt, den Zustand einer Seele, die etwas\nAnderes wünscht, als was ihr zu wünschen erlaubt ist,\naber in welcher der noch lebendige Glaube die Entsagung\nerzeugt. Sie gehorcht aus Pllichtgefühl, sie gehorcht nicht\nmehr aus Liebe. So bleibt sie denn auch traurig in ihrem\nGehorsam.\n„Da Haydn den einfältigen Glauben des Kindes, Mo-\nzart die unvollkommene Liebe, die durch das Opfer leidet,\nwiedergegeben hatte, so schien Beethoven'!* Aufgabe zu\nsein, die vollkommene Liebe zu schildern, welche gegen\nAlles ankämpft, Alles überwindet und ihr Glück nur in\ndem Opfer von Allem findet. Die Natur seines Genie's, eine\nFülle von Begeisterung und ein natürlicher Aufschwung\nzum Erhabenen hatten ihn zur Lösung dieser schönen\nAufgabe gleichsam vorherbestimmt. Aber Beethoven hat\neine falsche Bahn eingeschlagen. Wir werden am gehöri-\ngen Orte die künstlerischen Ursachen in prüfenden Betracht\nziehen, welche ihn aul den Abweg gebracht haben; hier\nwollen wir nur die Wirkungen bestätigen. Nachdem Beet-\nhoven in seinen ersten Compositionen Haydn's und Mozart's\nSpuren gefolgt war, offenbarte sich seine persönliche\nEigentümlichkeit durch den Ausdruck eines unbändigen\nBedürfnisses, sich von allen Hegeln und allen Zügeln los-\nzumachen: die Liebe zur Unabhängigkeit. Da die Liebe\nzur Unabhängigkeit in Wahrheit nichts Anderes ist, als die\nSucht, sich von allem frei zu machen, was ihr Zwang an-\nthut, so bringt uns diese Liebe in ihren äussersten Conse-\nquenzen dahin, uns von Gott loszumachen, dessen Dasein\nam Ende einen Zwang für den Menschen in sich schliesst.\nIst der Mensch so weit gekommen, so beginnt jener gräss-\nliche Kampf zwischen dem Stolze, der sich selbst an die\nStelle Gottes setzt, und dem Gefühle unserer Ohnmacht,\ndie vor dem Gedanken, das Gewicht der Gottheit zu er-\ntragen, erbebt. Diesen Kampf schildert Beethoven auf er-\ngreifende Weist- in seinen Werken, und des Kampfes Ende\nnennen wir Wahnsinn oder Verzweiflung. Beethoven's Mu-\nsik lässt uns die Verzweiflung lieben und uns darin wohl\nfühlen; man weint blutige Thränen dabei, nicht über die\nSchmerzen eines Gottes, der für uns gestorben, aber über\ndie ewige Verdammniss des TeufelsRhythmus des Stol-\nzes, der die Wahrheit sucht, der um Wahrheit fleht, aber\nsie nicht unter den Bedingungen anerkennen will, unter\ndenen sie sich uns hat offenbaren wollen. Es ist immer\nwieder der Jude, der zum Erlöser sagt: Steige vom Kreuze\nherab, und wir wollen an Dich glauben!\" (S. 9 —11.)\nNach Madame Gjertz hat also die Musik nicht ihr\nGrundprincip in sich selbst, sondern im kirchlichen Glau-\nben; das Kunstwerk ist nicht die Frucht reiner Begeiste-\nrung, sondern das Bekenntniss des Zustandes der Seele.\nSie drückt sich darüber noch weit energischer aus, z. B.:\n„Die Ausübung der Kunst um der Kunst willen ist\neben so verbrecherisch als einfältig. Warum? Die Be-\ntrachtung der Schönheit erregt eine Sehnsucht, die nur\ndurch die Wahrheit befriedigt werden kann; auch gibt es\nkein anderes Glück als in der Liebe Gottes, welche mit\nder Sehnsucht zugleich ihre Befriedigung und ihre Ruhe\nverleiht. Aber die von der Wahrheit getrennte Betrach-\ntung der Schönheit erzeugtauch eine Sehnsucht,jedoch eine\nunbestimmte und gegenstandslose, welche die Seele in Auf-\nregung und Ungewissheit aller Art stürzt und fast unfehl-\nbar dem Geiste des Bösen verfällt, der stets bei der Hand\nzu sein weiss, um in die gequälte Seele irgend einen als\nWahrheit verkleideten Irrthum zu werfen. Diejenige Kunst,\nwelche uns diese Art von Schönheit darstellt, ist in Wirk-\nlichkeit nur ein schädliches Thier, das die Verderbtheit in\ndie Herzen bringt. (S. 13, 14.) — — Die Beschäftigung\nmit der Kunst um der Kunst willen ist Sünde gegen das\nerste Gebot Gottes, weil jeder Ausdruck des Schönen"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "291", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590910-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5234, "texte": "ein Act der Liebe ist, die in dieser Beziehung\nGott allein zukommt,\" (S. 15.)\nAbgesehen von diesen merkwürdigen Grundsätzen, be-\nkunden die Aeusserungen der Verfasserin über einzelne\nMeister und Werke mehrentheils ein richtiges, auf wirk-\nliches liunstverständniss begründetes Urtheil. Fetis hat\ndarüber eine Reihe von Briefen an die Dame in der\nzette musicale de Paris begonnen, deren erster sich haupt-\nsächlich über einige Missverständnisse seiner Behauptun-\ngen über die Entstehung des Rhythmus von Seiten der-\nselben verbreitet. Von allgemeinerem Interesse ist darin\nFolgendes:\n„Sie behandeln Ihren Gegenstand unter drei Gesichts-\npunkten, indem Sie zuerst die Kunst an sich in ihren Er-\nzeugnissen, dann die Wissenschaft der Kunst, endlich ihren\nhöchsten Zweck betrachten. Bis auf wenige Ausnahmen\nfinde ich nichts in Ihren Urtheilen über musicalische\nKunstwerke, dem ich geradezu entgegen treten möchte.\nWas Sie über die Sonate, über die Vortrefflichkeit ihrer\nForm, die sich im Concerte und in der Sinfonie wieder-\nholt, sagen, ist in Bezug auf die Form unumstösslich rich-\ntig; eben so wahr scheint mir, Ihr ästhetisches Princip bei\nSeite gelassen, was Sie über die Gedankendürre jener\nEtüden äussern, die zum besonderen Zwecke nur die Ueber-\nwindung mechanischer Schwierigkeiten haben. Schon seit\nbeinahe vierzig Jahren sage ich in allen Tonarten dasselbe\nüber die vollständige Wertlosigkeit der käuflichen musi-\ncalischen Waare, was Sie darüber denken. Dergleichen\nMusik kommt und geht, ohne eine Spur ihres ephemeren\nDaseins zu hinterlassen; aber aufhören wird sie nie, weil\nes zu viele Menschen gibt, denen die Kunst nur eine Zer-\nstreuung, ein Zeitvertreib ist, wobei Herz und Verstand\nnichts zu thun haben, und für solche ist jene Musik ein\nBedürfniss.\n„In einigen von Ihren Urtheilen scheinen Sie mir je-\ndoch zu streng zu sein. So sagen Sie z. B. S. 63: „ „Wer\nbeschäftigt sich heutzutage noch viel mit Hummel, Kalk-\nbrenner und Moscheies? Da ihre meisten Werke die-\nselbe Factur haben, wie die Werke von Haydn, Mozart,\nBeethoven, so verschwinden sie nothwendig bei der Ver-\ngleichung mit diesen.\"\" Allerdings dulden diese drei\nRiesen der Kunst keine Parallele; aber muss denn immer\neine Vergleichung in Anwendung kommen? Kann ein\nKunstwerk nicht an und für sich einen Werth haben, und\nverliert es diesen, sobald es nicht die Höhe der Producte\ngewisser Ausnahme-Naturen erreicht? Wir wollen Kalk-\nbrenner bei Seite lassen, dessen Schatten sich selbst über\ndie gute Gesellschaft wundern wird, in die Sie ihn gebracht\nhaben; aber Hummel! Wenn auch seine sämmtlichen\nWerke nicht ein Genie offenbaren, das jenen drei Herr-\nSchern im Reiche der Töne gleich kommt, so wird doch\nkein Mensch verkennen, dass z. B. seine Phantasie Op. 18\n—eine wirkliche Phantasie—, seine Sonate Op. 20\nSeptett, seine Concerte u. s. w.) Werke genialer Erfin-\ndung sind.\n„Ist es ferner nicht viel zu streng, ja, ungerecht,\nMendelssohn so tief zu stellen, wie Sie es thun? Sie sa-\ngen. „ „Mendelssohn ist eine Nachahmung (Imitation\nin dem Sinne, wie man es von nachgemachtem Gold,\nSilber, Edelgestein gebraucht —). Seine Compositionen\nerinnern bald an Beethoven, bald an Hummel, bald an\nWeber, bald an alle Welt, und trotzdem haben sie ein ge-\nwisses Gepräge bewahrt; es ist eine Form, die ihren In-\nhalt sucht.\n„ „Mendelssohn besitzt ein sehr grosses Wissen, aber\nsein Gedanke ist unbestimmt, so wenig entschieden, dass\ner ihn selbst in dem engen Rahmen eines Liedes nicht\nohne Stockung festhält. Diese Unentschiedenheit raubt sei-\nnen Werken die innere Einheit und gibt ihnen etwas Lo-\nses und Unzusammenhangendes; z. B. sein grosses Concert\nin G-moll,dessen Passagen von Anfang bis Ende so aus-\nsehen, als wüssten sie nicht, was sie wollen. Es scheint,\nals hätte Mendelssohn nöthig, seinen Gedanken auf etwas\nGreil bares zu stützen; seine Ideen verwirren sich dem Un-\nendlichen gegenüber, erhalten aber Sicherheit und Festig-\nkeit, sobald er ihnen bestimmte Schranken zieht. Desshalb\nhaben auch seine Oratorien und seine Ouvertüren unend-\nlich mehr Werth, als seine Clavier-Compositionen.\"\"\n„Mit diesem Urtheile wird man weder im Allgemei-\nnen, noch in Bezug auf das G-moll-Concert übereinstim-\nmen können. [Etwas Wahres ist aber doch darin, nur frei-\nlich sehr schroff ausgesprochen.] Auch muss ich Sie\"\nfährt Fetis fort—„vor Widersprüchen warnen, die man\nIhnen jedenfalls aufrechnen wird; so soll z. B. Mendels-\nsohn, wie Sie sagen, Hummel nachgeahmt haben. Nun,\ndann müssen sich doch bei Hummel Dinge finden, die an-\nderswo nicht sind und die als Muster dienen können!\n„Es ist leicht zu begreifen, warum Sie Sich in Ihrem\nBuche bloss mit der Instrumentalmusik beschäftigen; das\nPrincip, das Sie geltend machen wollen, konnte nur an\nder höchsten Offenbarung der Macht der Tonkunst erläu-\ntert werden, an dem Ideal derselben, das von jeder Hem-\nmung und jedem Programm oder Text frei ist. Trotzdem\nwird es Manchem auffallend vorkommen, dass Sie in einer\nSchrift über „ „die Musik unter dem Gesichtspunkte der\nMoral und der Religion\"\" kein Wort über die Kirchen-\nmusik sagen. Mir scheint es jedoch, dass Ihr Gedanken-\ngang die Erwähnung derselben nicht duldete; jedenfalls\nbillige ich Ihren Tact und Ihre Klugheit in dieser Be-\nziehung.\"\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "292", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590910-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 468, "texte": "So weit Felis. Es mag wohl ein anderer Grund an\ndem Schweigen über die Kirchenmusik schuld sein. Wahr-\nscheinlich wird es der Dame eben so ergangen sein, wie\nmanchen deutschen Aesthetikern der Tonkunst; ihre\nGrundsätze passen auf die Eine Seite, welche sie sich an\nden Componisten aussuchen; wenn die Probe auf die Rech-\nnung an der anderen Seite scheitert, so betrachten sie diese\nlieber als gar nicht vorhanden. Wir kommen auf das\nBuch der Madame Gjertz noch zurück."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-09-10-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-09-10_01#c003", "volume": "bmtnabi_1859-09-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "292", "page_fin": "294", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590910-01.2.3", "titre_corps": "Der Gesang als Grundlage einer christlichen Aesthetik.", "titre_sommaire": "Der Gesang als Grundlage einer christlichen Aesthetik.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "292", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590910-01.1.4", "debut_caractere": 470, "fin_caractere_exclue": 5194, "texte": "Der Gesang als Grundlage einer christlichen\nAesthetik.\nEs wäre unrecht, wenn wir der begeisterten Verfech-\nterin des Glaubens, als des Princips der Instrumental-\nmusik und im Besonderen des Rhythmus, als des Lichtes,\nwelches das Gute vom Bösen, das Göttliche vom Teufli-\nschen in der Tonkunst sondert (s. d. vorhergehenden Ar-\ntikel], nicht einen Genossen auf ihrer Bahn zuführen woll-\nten, der, eben so begeistert für seine Idee, als sie für die\nihrige, der menschlichen Stimme und dem Gesänge die\nnächste Stelle am Christenthum einräumt und vermittels\ndes richtigen Gesang-Unterrichts der Entwicklung des in-\nneren Menschen durch eine christliche Aesthetik die wahre\nGrundlag'; zu geben, ja, eine gänzliche .ästhetische Refor-\nmation\" zu bewerkstelligen vor hat. Es ist dies G. C.\nISehrlich (so steht auf dem Titel des Buches; unter der\nWidmung an den König von Preussen aber finden wir:\nC. F. Nehrlich. Welche Lesart ist die richtige?), seit\nder ersten Ausgabe seiner Gesangkunst [Leipzig, 1841,\nbei G. B. Teubner) rühmlich bekannt. Gegenwärtig liegt\nuns die zweite, durchaus umgearbeitete Auflage unter fol-\ngendem Titel vor:\nDer Kunstgesang, physiologisch, psychologisch, pä-\ndagogisch und ästhetisch dargestellt. Eine Ge-\nsangschule für gebildete Stände. Theoretisch-\npraktisches Handbuch u. s. w. u. s. w. Stuttgart,\nDruck und Verlag von K. Lanz, 1859. Gr. Fol.\n1)8 Seiten Text, 47 und 58 S. Noten. (Preis?)\nWas der Verfasser will, spricht er in dem Vorworte\naus, und das ist wahrlich nichts Geringes. Hören wir ihn\nselbst in den Hauptstellen:\n„Ls gilt, eine Ansicht ins Leben zu führen, die, zur\nallgemeinen praktischen Anwendung gebracht, eine neue\nWelt ins Bewusstsein des Menschen führen und dadurch\nsein ganzes Wesen und Leben heben muss. Die Geschichte\nerzählt uns von einer wissenschaftlichen, von einer kirch-\nlichen, von einer politischen Reformation und Emancipa-\ntion, aber von einer ästhetischen, der unschuldigsten und\nnöthigslen von allen, ist noch nie die Rede gewesen; und\ndoch ist das ästhetische Element im Menschen der Grund\nund Boden, aus dem alle anderen Ordnungen seines Gei-\nstes hervorgehen. Dieser Grund und Boden ist uncultivirt,\ndem Lichte des Bewusstseins verschlossen, kann also un-\nmöglich wirken, wie er wirken würde, wenn er wie die\nübrigen Gebiete des Geistes angebaut würde. Alle unsere\nbisherige ästhetische Bildung ist Anbildung von aussen,\nAnllug, Ansatz, und bleibt desshalb ohne Wirkung auf\nunser eigentliches Wesen, auf unser Denken, Fühlen und\nWollen. Mit der feinsten ästhetischen Bildung im gewöhn-\nlichen Sinne verträgt sich alle mögliche Schlechtigkeit, sie\nnimmt der Schlechtigkeit höchstens den äusseren abstos-\nsenden Charakter und macht sie dadurch nur um so ver-\nderblicher. Die schöne Sünde ist doppelte Sünde, und un-\nsere Vorfahren halten nicht ganz Unrecht, wenn sie den\nTeufel in jeder Aesthelik vermutheten und diejenigen, wel-\nche der Aesthetik ihre Liebe zuwandten, Kinder der Welt\nnannten. Diese Aesthetik war gleichsam nur ein schönes\näusserliches Gewand, keine wahre christliche Aesthelik;\nsie stand mit den Forderungen des Christenthums nicht\nselten in Widerspruch und war in keinem ihrer Werke\ndarauf bedacht, das christliche Leben zu fördern, sondern\nweit mehr geneigt, das Heidenthum wieder aufleben zu\nlassen. Es gibt bis auf den heutigen Tag noch keine christ-\nliche Aesthetik und darum noch keine wahrhaft christliche\nKunst. Die christliche Aesthetik ist eine Herausbildung von\ninnen und besteht nicht in schönen Begriffen, sondern in\nschönen Gefühlen, welche dann allerdings das in ihnen\nenthaltene Wesen auch in die Begriffe und Bestrebungen\nübertragen, und in diesen nichts dulden, was ihrem We-\nsen zuwider ist, daher auf der einen Seite die Wahrheit,\nauf der anderen die Tugend beleben. Wie lehrt man nun\naber diese Aesthetik? Worte und Begriffe eignen sich\nnicht dazu. Sie bringen, was sie enthalten, nur in die Vor-\nhallen der Seele, aber nicht in ihren Kern. Es gibt aber\nneben den Worten noch etwas Anderes, welches bestimmt\nist, die innerste Bildung im Menschen zu begründen, und\ndas sind die Töne, aber nicht die Töne der Instrumente,\nsondern die Töne der menschlichen Stimme. Wie\nsich die Worte zu den Begriffen, so verhalten sich die\nTöne zu den Gefühlen. Wie wir durch Worte Begriffe\nin die Seele bringen, so bringen wir durch die Töne Ge-\nfühle in sie hinein. In den Tönen besitzen wir nicht nur\nden Schlüssel zum menschlichen Herzen, sondern auch das\nMittel, das menschliche Herz zu reinigen von allem, was\nden Menschen vom Engel unterscheidet und, in die Nie-\ndrigkeit hinabziehend, dem Thiere gleich macht. Der Töne\nder menschlichen Stimme bediente sich daher die christ-\nliche Kirche frühzeitig zu ihren heiligen Bestrebungen; sie"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "293", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590910-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5437, "texte": "sollten dem heiligen Geiste die Stätte bereiten und das\nHeiz der Zuhörer reinigen von der heidnischen Unlauter-\nkeit. Aber lür diesen Zweck mussten sie aus wahrhaft\nchristlichen Gemüthern kommen. Die früheste christliche\nKirche hatte in diesem Punkte ein schärferes Ohr und Ur-\ntheil, als die Gegenwart. Sie begnügte sich nicht mit einem\nwohlklingenden Tone, sie verlangte Innerlichkeit in ihm,\nden reinsten Abglanz eines reinen Herzens, eine seelisch\ngeistig gehobene Menschennatur. Das verlangt auch die\nchristliche Aesthetik, der ich hier das Wort rede. Nun ist\naber nichts in der Welt geeigneter, Träger eines reinen\nHerzens zu werden und dadurch anregend und ergreifend\ntausend andere Herzen zu reinigen, als die Stimme. Von\ndieser Seite ist also die Kunst der Stimme oder der Ge-\nsang unter allen Künsten dem Christenthume am näch-\nsten; darum vertrat der Gesang vor dem Christenthume\ndie Stelle desselben in der moralischen Erziehung der ge-\nbildetsten Völker, namentlich der Griechen.—\n„Die Liebe zum Gesänge ist allgemein, sie hat die un-\ntersten Volksclassen ergriffen. Damit sind die Pforten zu\neiner allgemeinen Veredlung aufgethan; man warte nicht,\nbis sie sich wieder schliessen. Tüchtige Gesanglehrer, wie\nsie diese Schule verlangt, können allein jene Aesthetik des\nHerzens ins Leben führen, welche ich weiter oben als eine\nchristliche bezeichnete und welche unserer nur auf das\nAeussere gerichteten Zeit doppelt nöthig ist.\n„Nicht in jeder Form sind die Töne zu dem wichti-\ngen Zwecke brauchbar, das Herz zu reinigen und in sich\nklar und schön zu machen. Sie müssen selbst erst rein,\nklar und schön werden. Dazu nun gibt es einen Weg,\nund diesen Weg habe ich mich bemüht in diesem Werke\nzu beschreiben. Es war mir vor allen Dingen darum zu\nthun, die Erzielung der zur Reformation der inneren\nAesthetik nöthigen reinen Töne zu zeigen und auf den ein-\nzigen Weg, den man beim Unterrichte einschlagen muss,\nwenn der Gesang bildend auf den Menschen wirken und\nsich zu einer wahren Kunst erheben soll, aufmerksam zu\nmachen. Die Sprache muss erst gebildet werden, ehe sie\nBildung verbreiten kann. Eben so ist es mit den Tönen.\nEs muss sich erst eine höhere Tonsprache bilden, ehe durch\nsie die lebendige innere Aesthetik allgemein ins Leben ge-\nrufen werden kann. Der Bildung dieser höheren Ton-\nsprache soll die Gesangschule für gebildete Stände als die\nerste Grammatik dienen.\n„An eine Vollendung oder auch nur an eine Annähe-\nrung zur Vollendung ist aber im Gesänge nicht eher zu\ndenken, als bis die plumpe Herrschaft mechanischer Glie-\nderung der melodischen Perioden überwunden ist und die\nInnerlichkeit die musicalischen Formen des Componisten\nbelebt und unter die Sinngemässheit stellt. So lange man\nden Sänger nicht anweist, die musicalischen Gesetze der\nfre;en Gesetzmässigkeit der Innerlichkeit zu unterwerfen,\nwird sein Gesang ewig dem Vortrage eines gereimten Ge-\ndichtes durch einen Schulknaben gleichen, der sich nur\ndurch die rein äusseren Momente des Reims und der in\njeder Zeile gleichmässig wiederkehrenden rhythmischen\nAufeinanderfolge der Sylben leiten lässt. Die mechanisch-\nmusicalischen Sänger singen nicht, sie scandiren bloss ihre\nMelodie. Um dieser Barbarei entgegen zu arbeiten und den\nGeist auf den eigenen Werth der kleineren Theile hinzu-\nlenken, habe ich mich in den praktischen Uebungen bis-\nweilen von dem gewöhnlichen Periodenbau mit Willen\nentlernt und ältere Uebungen mit einer ungeraden Anzahl\nvon Tacten aufgenommen. Ich will damit dem regelmässi-\ngen, das Gefühl ohne Rücksicht auf den Sinn mechanisch\nmit sich fortreissenden musicalischen Flusse der Melodie\nentgegentreten und durch die Unregelmässigkeit im me-\nchanischen Bau auf eine höhere Regelmässigkeit hinführen,\ndie, ohne irgend ein Gesetz unwirksam zu machen, doch\nallen ihre Alleinherrschaft nimmt, indem sie dieselben hö-\nheren Zwecken dienstbar macht, nämlich eine bestimmte\nInnerlichkeit zu malen.\n„Wie der Körper in jedem seiner Theile ein symboli-\nscher Abdruck der Seele ist, so muss auch im Gesänge je-\ndes Moment eine Abspiegelung des Inneren sein. Für die-\nsen Zweck aber muss das Innere erst frei werden von sei-\nner natürlichen Gebundenheit und Rohheit. Hier ist dem\nGesanglehrer zwar oft vorgearbeitet durch die moralisch-\nreligiöse und die intellectuclie Erziehung; denn Moralität\nund Geislesbildung sind zwei Hauptmächte, welche die in-\nnere Freiheit bedingen; aber für die höchsten Leistungen\nim liunstgesange muss in der Seele noch durch die erzie-\nhende Macht des Tones im Organ und der Seele ein drit-\ntes Element erweckt, herangezogen und zur Reife gebracht\nwerden. Dies ist die innere Acsthetik, von der weiter oben\ndie Rede war.—\n„Gefühl ist geistig gewordener Ton, und Ton ist kör-\nperlich gewordenes Gefühl. Der reinste Ton des Stimm-\nOrganismus muss sich als das reinste Gefühl im Seelen-\nOrganismus abspiegeln und das edelste Gefühl der Seele\nim Stimm-Organismus den edelsten Ausdruck gewinnen.\nEs versteht sich von selbst, dass, da der Seelen-0 rganis-\nmus weit freier und impressionabler ist als der Stimm-Or-\nganismus, die Spiegelbilder der Seele in den Tönen un-\ndeutlicher und schwerer wahrzunehmen sind, als die Spie-\ngelbilder der Töne in der Seele. Der Stimm-Organismus\nmuss erst durch lange Uebungen impressionabel gemacht\nwerden, die Seele ist es von Natur, zumal für den Ton.\nDie Bildung der Seele zur künstlerischen Vollendung führt\ndaher nicht durch sich selbst zu künstlerisch vollendeten"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "294", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590910-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2322, "texte": "Tönen, aber künstlerisch vollendete Töne führen durch\nsich selbst zu einem den Tönen entsprechenden künstlerisch\nvollendeten Fühlen. Hierin liegt der Grund des bildenden\nElements eines wahrhaft künstlerischen Gesanges. Wahr-\nhaft künstlerisch kann aber ein Gesang nicht eher werden,\nals bis er edel und religiös geworden ist; denn hiedurch\nerlangt er seine innere Reinheit. Der Kunstgesang ist da-\nher eine Tochter der Religion und seiner innersten Natur\nnach Kirchengesang. Durch den Kirchenstil muss daher\njeder Sänger zu seinen höchsten Leistungen erzogen wer-\nden, auch wenn er seine Kräfte nicht der Kirche, sondern\nder Welt im ConCert- oder Theater-Stil zu widmen be-\nschlossen hat.\"\nDen Schluss des Vorwortes bildet folgende energische\nApostrophe:\n„Alles das wird freilich der grossen Masse derer nicht\neinleuchten, die vermöge ihres tiefen Standpunktes auf der\nStufenleiter der humanen Rildung bei aller praktischen\nTüchtigkeit und Gedächtniss-Weisheit über die Materiali-\ntät der Welt nicht hinauszublicken vermögen; alles das\nwird ferner an der grossen Anzahl derer ohne Wirkung\nvorübergehen, die vermöge ihres Pharisäerthums die Wahr-\nheit nicht lieben oder doch nicht beachten, wenn sie nicht\nvon ihnen selbst ausgegangen ist; alles das wird ferner\nder grossen Menge derer als ungereimtes Zeug erscheinen,\nwelchen ihre Unnatur dermaassen Alles in Allem ist, dass\nsie nicht zu begreifen im Stande sind, wie es noch etwas\nHöheres geben könne; alles das wird endlich von der An-\nzahl derer mit Wuth verfolgt und mit allen möglichen\nEhrentiteln des Hasses belegt werden, welchen die Kunst\neine melkende Kuh ist; aber sie alle habe ich nicht unter\ngebildeten Ständen verstanden, für'die ich mein Werk ge-\nschrieben habe. Die Rildung fängt in meinen Augen da\nan, wo man zur Innerlichkeit durchgedrungen ist. Wo sich\ndie Innerlichkeit geltend macht, treten Bedürfnisse auf, die\nich befriedigen will, gebietet das Gesetz, das mich geleitet\nhat, zündet das Wort der Wahrheit, geht man auf dem\nWege der reinen Natur, fühlt und hört man mit der Seele.\nVon den also Gebildeten erwarte ich einzig und allein die\nReformation, für die ich in diesem Buche aufgetreten bin;\nihnen empfehle ich das Senfkorn der Wahrheit, die ich\ngefunden; in ihren Herzen wird es aufgehen und die herr-\nlichsten Früchte tragen.\"\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-09-10-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-09-10_01#c004", "volume": "bmtnabi_1859-09-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "294", "page_fin": "295", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590910-01.2.4", "titre_corps": "Aus Baden.", "titre_sommaire": "Aus Baden.", "signature_source": "S", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "294", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590910-01.1.6", "debut_caractere": 2324, "fin_caractere_exclue": 5204, "texte": "Aus Baden.\n\nDas grosse Concert unter der Direction von Hector\nBerlioz hat in Baden-Baden auf glänzende Weise Statt\ngefunden. „So lange dieses musicalische Fest in diesem\nJahre noch nicht gefeiert war,\" sagt ein pariser Rericht-\nerstatter, „wollten viele Leute noch nicht an die vollstän-\ndige Aussöhnung der französischen mit der deutschen Ge-\nsellschaft, der Seine mit dem Rheine, glauben. Jetzt kann\nkein Zweifel mehr darüber aufkommen: das Fest hat Statt\ngefunden, IL Rerlioz hat wieder auf seinem ruhmvollen\nFührerposten gestanden, umringt von den musicalischen\nScharen aus Strassburg, Karlsruhe, Stuttgart, Raden!\"\nMithin keine Frage: Frankreich und Deutschland sind\neinig, zumal, wenn Frankreich dirigirt!\nAufgeführt wurden zunächst die vier ersten Theile von\nRerlioz's Sinfonie Romeo und Julie, die den vereinigten\nChören und Orchestern schon vom vorigen Jahre her be-\nkannt war. Die Ausführung liess, namentlich von Seiten\ndes Orchesters, nichts zu wünschen übrig; „so viel ist ge-\nwiss,\" sagt auch Paul Smith in der Gazette musicale, der\nan die Präcision des Orchesters in den Conservaloire-Con-\ncerten gewohnt ist und die Sache zu beurtheilen versteht,\n„dass das berühmte Scherzo La reine Mab nirgends besser\ngehört werden kann, als es in Raden der Fall war. Die\nvortreff lichen deutschen Künstler bildeten, obwohl nur für\nEinen Tag vereinigt, unter Rerlioz's Leitung ein vollende-\ntes, über allen Tadel erhabenes Ganzes, das eben so gewal-\ntig und mächtig an Kraft, als fein und zart im Nuanciren\nwar.\" Hector Rerlioz gab ferner zum ersten Male zwei\nRruchstücke aus seiner grossen Oper „Die Trojaner\", in\nwelcher Alles, Text und Musik, von ihm selbst ist. Rerlioz\nsucht bekanntlich das Ungewöhnliche, Ausserordentliche\nin der Musik oder wenigstens in den Stoffen, die er seinen\nCompositionen zum Grunde legt; er steuert gern nach den\nPolarmeeren, steigt auf den Kotopaxi oder Himalaya und\nbesucht die Ebene nur desshalb zuweilen, um darauf mit\nMassen zu manövriren. Freilich hat in Frankreich schon\nJ. J. Rousseau seine Operette selbst\ngedichtet und componirt, und in Deutschland verdankt be-\nkanntlich R. Wagner seiner Doppelgängerei als Poet und\nMusiker einen grossen Theil seines Erfolgs. Allein das macht\ndie Sache selbst nicht leichter, die Aufgabe bleibt für\nHector und seine Trojaner (nomen et omen habet!) immer\neine sehr schwierige: Dichtung, Composition, Annahme\ndurch den Theater-Areopag, Inscenesetzung, Aufführung\nunter eigener Direction Himmel, welche Thürme von\nSchwierigkeiten, welche Mauern von Hindernissen stehen\ndem entgegen, der das alles allein durchführen will! Da\ngilt es Entschluss, Muth, Ausdauer, Zeit, vielleicht auch\nList (ich meine das Femininum), etwa so ein trojanisches\nPferd, dessen Rauch mit Reclamen gefüllt in die Festung\nder Gegner geschoben würde. Ja, wenn Liszt (das Mascu-\nlinum) helfen könnte, wäre die Sache bald gemacht; aber"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "295", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590910-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3641, "texte": "der theatralische Rahmen zu Weimar ist zu klein für ein\nso kolossales Gemälde, welches vielmehr ein Diorama zu\nnennen ist, da es den Zuschauer von den Trümmern des\nrauchenden Iliums über Karthago nach Italien führt, Ber-\nlioz gab daraus zwei Stücke, eines aus Troja, das andere\naus Karthago; dort fleht Choröbus die Cassandra um Liebe,\nwährend diese sich den finsteren Mächten, die sie zur Un-\nglück weissagenden Prophetin machen, hingibt; hier\nschwärmen Dido und Aeneas in der Mondnacht am Meere\nin seligen Gefühlen, und es scheint nicht, dass der Sohn\nder Venus bereits den civilisirten Gedanken hegt, seine\nSchöne nach Vorwegnahme der Hochzeit sitzen zu lassen.\nBeide Duette wurden von Pauline Garcia und einem\nBariton-Tenor, Namens Lefort, gesungen, für dessen hüb-\nsche, frische Stimme aber Manches zu hoch lag, während\nMadame Viardot, was an Frische fehlte, durch leidenschaft-\nlichen Vortrag ersetzte. Die gänzlich verschiedene Stim-\nmung in diesen beiden Stücken scheint mir dem Dilet-\ntanten—gut ausgedrückt zu sein, wenngleich z. B. in dem\nersten auch wieder hier und da etwas von den, ich möchte\nsagen: handgreiflichen Mitteln angewandt wird, die Berlioz\nwie Meyerbeer zum Charakterisiren nicht entbehren kön-\nnen oder nicht entbehren wollen. Ich rechne dahin die Fi-\ngur der Bässe bei dem Gesänge der Cassandra, welche\ndas furchtbar und immer schneller einherschreitende Schick-\nsal vorstellen sollen. Das zweite Duett ist reicher an Me-\nlodie, und diese hält sich auch fern von italiänischer Tri-\nvialität. Das Publicum nahm beide mit lebhaftem Beifalle\nauf. Wenn ich nun auch darauf gerade keinen hohen\nWerth lege, denn auch nach Meyerbeer's Ouvertüre zum\nPardon de Ploermel, die ich keineswegs für ein geniales,\nsondern nur für ein gut gemachtes Werk halten kann,\nbrach der Sturm aus (der Chor, der das singt,\nwelches darin verwebt ist, stand hinter dem Orchester,\nweil bei der Aufführung hinter der Scene), so ist doch so\nviel gewiss, dass es eine Schande für die kaiserliche grosse\nOper oder Musik-Akademie in Paris ist, wenn sie das\nWerk eines Mannes wie Berlioz nicht zur Aufführung\nbringt; denn das Recht, an das Publicum zu appelliren,\nhat doch wahrhaftig Berlioz durch seine bisherigen Lei-\nstungen in vollem Maasse erworben. Es wäre zu wünschen,\ndass sich der Kaiser oder die Kaiserin, wie einst bei Spon-\ntini's Vestalin, der Sache annähme.\nJa, ja, die Vestalin! Die Ouvertüre dazu machte den\nBeschluss des Concertes und schlug für den wirklich mu-\nsicalisch gebildeten Theil des Publicums freilich Alles nie-\nder; die grösste Hälfte desselben war aber bereits selbst\nniedergeschlagen, denn es war sehr heiss, die Ouvertüre\nbegann erst eine Viertelstunde nach 11 Uhr und war die\nletzte Nummer—Grund genug für die haute volce und die\nLeute von Ton (die sich um den musicalischen nicht küm-\nmern !j, sich \\or Beginn und während derselben zu ent-\nfernen.\nDie Zwischengerichte waren echt parisisch, nicht pa-\nradiesisch, obwohl Lefort eine Scene von Theodor Rit-\nter: „Lc Paradts per du\", sang. W'uille blies vortreff-\nlich; die Nymphe Echo sitzt eben so gern in seiner Clari-\nnette, als in \\ ivier s Horn, und beide Künstler wissen sie\nzu cajoliren und kennen ihr Publicum. Ritter ist ein bra-\nver Pianist, und über Zusammenstellungen wie die von\nBeethoven s Andante und Weber's Rondo dar! man sich\nbei pariser Künstlern nicht wundern. Ihr Eklekticismus\nreisst so Vieles aus einander, warum soll er nicht auch\neinmal etwas zusammenkuppeln, was nicht zusammen ge-\nhört? Schwärmen Sie lür das Melodium, auch Alexan-\nder-Orgel genannt, so hätten Sie hieher kommen müssen,\num auf und aus ihm Engels-Töne zu vernehmen *).\n\nS."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-09-10-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-09-10_01#c005", "volume": "bmtnabi_1859-09-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "295", "page_fin": "296", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590910-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "295", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590910-01.1.7", "debut_caractere": 3643, "fin_caractere_exclue": 5944, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nBreslau. In dem Theaterjahre vom 1. Juli 1858 bis 30. Juni\n1859 wurden an 362 Abenden 173 verschiedene Vorstellungen gege-\nben, und zwar 13 Trauerspiele, 22 Schauspiele und Dramen, 60 Lust-\nspiele und Possen, 31 Opern ernster, 22 Opern heiterer Gattung, 16\nSingspiele und Possen mit Gesang, 9 Ballets. Ausserdem wurden 11\nConcerte von fremden Virtuosen, 1 Vorstellung von ~Dissolving\nViews\", 1 Aufführung der ~Jahreszeiten'4 und 1 Redoute gegeben.\nIm Abonnement fanden 300 Vorstellungen Statt. —■ Von Opern\nwurden zum ersten Male aufgeführt vier grosse Opern: E. H. z. S.,\nSanta Chiara, in 4 Acten, 6 Mal; Verdi, Hernani der Bandit, in 4\nActen, 8 Mal; Verdi, Rigoletto, in 4 Acten, 4 Mal; Wagner (Richard),\nRienzi, in 5 Acten, 11 Mal; Mendelssobn-Bartholdy, Finale zu Lo-\nreley, 3 Mal, Sechs komische Opern und Operetten: v. Flotow, Pia-\nnella, in 1 Act, 12 Mal; Gastincl, Das Singspiel am Fenster, in 1\nAct, G Mal; Olfenbach, Die Verlobung bei der Laterne, in 1 Act,\n21 Mal; Das Mädchen von Elisonzo, in 1 Act, 2 Mal; Schuhflicker\nund Millionär, in 1 Act, 5 Mal; Schmidt (Gustav), Weibertreue, in\n3 Acten, 4 Mal. Im Ballet: Leuven und Mazilier, Die Weibercur,\nin 2 Acten, Musik von Adam, 2 Mal; Pohl, Die Zigeunerin, in 1\nAct, Musik von A. Herr mann, 5 Mal; Pohl, Die Putzmacherinnen,\nin 1 Act, 4 Mal. Neu einstudirt: Zwölf grosse Opern: Auber, Gu-\nstav, oder der Maskenball, in 5 Acten; Cherubini, Der Wasserträger,\nin 3 Acten, 4 Mal; Dorn, Die Nibelungen, in 5 Acten, 3 Mal; Flo-\ntow, Martha, in 4 Acten, 4 Mal; Halevy, Die Jüdin, in 4 Acten, 4\nMal; Mozart, Die Zauberflöte, in 2 Acten, 3 Mal; Rossini, Moses,\nin 4 Acten, 2 Mal; Spontini, Die Vestalin, in 3 Acten; Wagner,\nTannhäuser, in 3 Acten, 6 Mal; Lohengrin, in 3 Acten, 4 Mal; We-\nber, Euryanthe, in 4 Acten; Oberon in 3 Acten. 2 Mal. Zehn komi-\nsöhe Opern und Operetten: Boieldieu, Johann von Paris, in 2 Acten.\n2 Mal; Rothkäppchen, in 3 Acten. 4 Mal; Dittersdorf, Doctor und\nApotheker, in 2 Acten, 3 Mal; Donizetti, Die Regimentstochter, in\n2 Acten; Fioravanti, Die reisenden Operisten, in 2 Acten, 4 Mal;\nGretry, Das Grabmal des Mufti, in 1 Act; Lortzing, Die beiden\nSchützen, in 3 Acten; Mehul, Je toller, je besser, in 2 Acten, 4\n\n*) Auf dem Programm: „So/o d'orgue AI ex an dr e, cxecule par\nMr. Etigel."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "296", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590910-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5490, "texte": "Mal; Nicolai, Die lustigen Weiber von Windsor, in 3 Acten; Weigl,\nAdrian van Ostade, in 1 Act, 4 Mal. Im Ballet: Hoguet, Robert\nund Bertrand, in 2 Acten, Musik von verschiedenen Componisten;\nzwölf Divertissements. Concerte: Die baskischen Sänger 2 Mal,\nHerr Colosanti 2 Mal, die Schwestern Ferni 4 Mal, Fräul. Jenny\nMeyer 3 Mal, Aufführung von Haydn's Jahreszeiten 1 Mal.\nDie Sängerin Fräulein Vei t h verlässt im November wieder die\nHofbühne in Kassel und kehrt nach Frankfurt am Main zurück.\nDagegen ist Fräulein Masius, welche sich vor Kurzem mit dem\nSchauspieler Herrn Braunhofer vermählte, aufs Neue für Kassel\nengagirt.\nFräul. Günther, die bereits als Elisabeth im Tannhäuser Ab-\nschied genommen hatte, ist nun dennoch in Breslau in ein neues\nEngagement getreten, welches am 15. September beginnt.\nMüiacfiten* Der Intendant des k. Theaters, General v. Fr ay s,\nhat die erbetene Entlassung erhalten. Der seitherige Inspector und\nSecretär, Herr Schmid, übernimmt mit dem Titel „Intendanzrath\"\ndie eigentliche Leitung der Kunst-Anstalt, während wahrscheinlich\nein höherer Beamter des Hofes zum Chef ernannt werden wird. Wir\nsagen: „der Kunst-Anstalt\"; möge das Wort eine Wahrheit werden,\ndenn seit Dingelstedt's Abgang war fast in allen Dingen bei unse-\nrem Hoftheater nur die Einnahme maassgebend.\nDie Sängerin Fräul. Stöger ist auf ein Jahr für München enga-\ngirt, worüber die Opernfreunde sehr erfreut sind. Man prophezeit\nihr eine glänzende Zukunft; unter ihren-Gast-Darstellungen waren\ndie Elizabeth im Tannhäuser, die Lucrezia, die Agathe im Frei-\nschütz die vorzüglicheren; minder befriedigte sie als Recha in der\nOper Die Jüdin.\nWien. Der Kirchenmusik steht in Oesterreich ein® radicale Re-\nform bevor. Der A. A. Z. zufolge soll nächstens der Erzbischof Car-\ndinal Rauscher die vom Papste sanetionirten Beschlüsse des im vo-\nrigen Jahre abgehaltenen Provincial-Conciliums promulgiren, welche\nunter An lerem die gänzliche Abschaffung der instrumentalen Kirchen-\nmusik enthalten. Was wird dann mit den Mitgliedern der Hofcapelle\ngeschehen ?\nKeine italiänische Oper mehr! Dem „Wanderer\" zufolge\nist vom Oberstkämmerer-Amte „die gewiss im Interesse der deut-\nschen Oper wünschenswerte Resolution herabgelangt, die übliche\ndreimonatliche italienische Opern-Stagione in Wien vom künftigen\nJahre aufzulassen, in dem betreffenden Decrete ist ausdrücklich ge-\nsagt, es sei, da allen ersten Mitgliedern im Frühjahre contractlich\nein zwölfwöchentlicher Urlaub zugestanden*\"worden, zu verfügen, dass\ndas Theater im Frühjahr lßö'l durch sechs Wochen gesperrt bleibe,\nsechs Wochen aber sich mit Gästen (?) zu behelfen habe\".\nHerr Ander ist im Operntheater am 2/. August als Dom Seba-\nstian 'zum ersten Male nach seiner Genesung wieder aufgetreten.\nDas Publicum empfing seinen Liebling auf das freundlichste. Der\nnou ausgestattete Freischütz, mit Frau Csillag als Agathe und\nHerrn Bukovics als Max, sollte am 3'*. August in Scene gehen,\nwurde jedoch abermals verschoben. Wir werden nächstens einen\nstatistischen Nachweis bringen können über alles, was im Opern-\ntheater in letzter Zeit beschlossen, aber nicht zur Ausführung ge-\nbracht wurde. (W. Ree.)\n• M arschn er's seit Langem vom Repertoire verschwundener\n„Hans Meiling\" wird nächstens reactivirt; die Titelrolle ist Herrn\nRudolf zugedacht. Auch an den Vorbereitungen zu Meyerbeer's\nneuester Oper: „Die Wallfahrt nach Ploermel\", wird eifrig gearbei-\n9\ntet; man hofft damit bis Anfang Novembers fertig zu werden. FräuL\nLiebhardt und Herr Beck werden in den Hauptrollen beschäftigt\nsein, Herr Director Eckert wird das Werk dirigiren. Früher jedoch\nschon soll Gluck's „Armide\" mit Frau Csillag und Herrn Ander in\nScene gehen. [Curiose Zusammenstellung!]\nDas pariser Journal Le Minestrel zeigt die Vermählung des Herrn\nWieniawski (des Violinisten) mit Miss Hampton, Nichte des\nPianisten G. A. Osborne, an. Herr Wieniawski wird nach Pe-\ntersburg gehen, wo er zum kaiserlichen Concertmeister ernannt\nist, eine Stelle, die, so viel uns bekannt, seit Vieuxtemps1 Abgang\nvon dort noch nicht wieder besetzt war.\nAm 9. August wurden in der Metropolitan-Capell e\nzu Dublin getraut Alfonso Gonzaga de Duchi de Ci-\nrella de Napoli, ältester Sohn des Herzogs von Cerella in Neapel,\nmit Carolina Guarducci, der ausgezeichneten Altistin bei de\nitaliänischen Opern-Gesellschaft des Herrn E. Th. Smith. Erste\nBrautführerin war Fräul. Titjens aus Wien. Der Director Smith\ngab ein glänzendes ~Champagner-FrühstückI'. Abends sang die\nschöne Braut in der Favorita im Theater.\nü) e ii I s c Sie 'ST o u Ii a H e.\nVon den in unserer Anzeige vom 8. d. Mts. erwähnten vierzehn\nNonetten, für welche die Herren L. Hetsch, V. Lachner und J. Mo-\nscheies als Preisrichter erwählt waren, hat das Werk des Herrn\nEduard Silas in London eine Stimme für den Preis und eine für\nbesondere Belobung erhalten. Ausser diesem erhielten die folgend\nbenannten je durch eine Stimme besondere Belobung zuerkannt,\nnämlich die Werke der Herren V. E. Becker in Würzburg, Jo-\nhannes Hager in Wien, H. Neu mann in Heiligenstadt (Eichs-\nfeld) und Thomas Täglichsbeck in Dresden.\nIndem wir dieses hiermit anzeigen, machen wir die übrigen\nHerren Preisbewerber darauf aufmerksam, dass ihre Werke nur auf\nunmittelbares und frei einkommendes Verlangen an den Gezeichneten\nrückgegeben werden, nach Verlauf von sechs Monaten, von heute\nan, aber solche Rückgabe nicht mehr verlangt werden kann (Ver-\neins-Satzungen 14 i).\nMannheim, August 1859.\nDer Vorstand.\nI. A. d. A.: Sc hü ss ler, Schriftführer."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "289", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590910-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie Musik, vom Standpunkte der Moral und Religion betrachtet. - Der Gesang als Grundlage einer christlichen Aestbe-\ntik - Aus Baden (Concert unter Direction von Hector Berlioz). Von S. Tages- und Unterhaltungsblatt (Breslau, Ueber-\nsicht der Opern-Vorstellungen im Theaterjahre 1858—1859 Fräul. Veith ~ Fräu1. Günther - München, Theater-Intendanz. Früul\nStöger Wien, Kirchenmusik, Italiänische Oper, Herr Ander, Hans Heiling Paris London Deutsche Tonhalle).\n\nDie Musik, vom Standpunkte der Moral und Religion\nbetrachtet.\nVor einigen Wochen er hielt Fetis in Brüssel ein Buch\nmit folgender Zuschrift der Verfasserin:\n-Ihre Artikel in der Gazette musicale, mein Herr, ha-\nben mich veranlasst, über den musicalischen Rhythmus\nnachzudenken. Ihre Definitionen haben mir dabei zum\nAusgangspunkte gedient, allein ich bin, wie Sie sehen wer-\nden, nicht zu denselben Schlussfolgen gelangt; ich habe\nmir meine Ansicht als katholische Christin gebildet\nund glaube in der Wahrheit zu sein.\"\nFetis stutzte nicht wenig. Er sollte aus Mangel an\nGlauben in seinen Betrachtungen über den Rhvthmus in\nder Musik auf falsche Wege gerathen sein? Man kann sich\ndenken, dass er auf die Beweisführung neugierig war. Er\nlas das Büchlein von Anfang bis Ende durch, und, wie er\nselbst gesteht, trotz der Gewissensangst, in welche ihn die\nDame versetzt hatte, mit vielem Vergnügen; denn er fand\ndarin Talent, nicht gewöhnliche Gedanken, eine seltene\nBekanntschaft mit der Kunst und eine anziehende Dar-\nstellung. Das Buch führt den Titel: La Musique au\npoint de vue moral et\nMarie Gjertz. Paris, 1859. (86 S. in 8.)\nDer Anfang, sehr original in seiner Art, zeigt von\nvorn herein den Standpunkt, auf welchen sich die geist-\nreiche und glaubensstrenge Dame stellt. Die Ueberschrift\ndes ersten Abschnittes iautet: Einleitung; von einer\nWirthschafterin. Lieber Leser, hast du jemals ein Zimmer\ngekehrt?\" Was hat d er Kehrbesen mit der Musik zu\nschaffen ? Man höre.\n„Von meiner Kindheit an\", sagt Madame Gjertz,\n„habe ich bei der Musik dasselbe unbehagliche Gefühl ge-\nhabt, das man empfindet, wenn man des Morgens in ein\nnoch nicht in Ordnung gebrachtes Zimmer tritt. Als ich\nanfing, zu prüfen und nachzudenken, das heisst, als ich\ndurch Gottes Gnade Katholikin geworden, begriff ich, wo-\nher dieses Gefühl komme; einzig und allein daher, dass\nman in der Musik niemals den Staub abwischt. Wie sollte\nman auch darauf kommen, es zu thun, da man darüber\neinig ist, dass kein Staub darauf liegt? Für die Einen ist\ndie Musik zu einfältig, um Hehlerin des Bösen zu sein,\nfür die Anderen ist sie zu edel dazu. Sie befindet sich also,\nder allgemeinen Uebercinstimmung nach, ausser dem ge-\nmeinsamen Gesetze, nach welchem jedes Werk den Stem-\npel seines Urhebers trägt; der Mensch ist aber ein Gemisch\nvon Gutem und Bösem, von Grösse und Erbärmlichkeit.\n„Da man einmal das Böse von der Musik ausgeschlos-\nsen hatte, so war der Irrthum, dass alle Regungen, die sie\nhervorruft, gut, rein und unschuldig seien, eine natürliche\nFolge jener Annahme. So hat es denn diese glückselige\nKunst dahin gebracht, sich in dem Herzen des Menschen\nein kleines Zimmer zurecht zu machen, in das kein prü-\nfendes Auge und kein fegender Besen kommt.\n„Ein ungefegtes Zimmer: man begreift, dass mir das\njenes unheimliche Gefühl verursachte, von dem ich sprach.\n„Einmal darüber mit mir einig, sann ich darauf, wie\nich es anfangen sollte, dieses Zimmer zu kehren und rein\nzu machen; wo ich einen Besen hernehmen sollte, der\nweich und doch fest genug wäre, um damit alle Ecken\nund Winkel auszufegen; vor Allem, wie ich das volle Ta-\ngeslicht hineinbringen könnte, damit alle Welt einsehe,\nwie nothwendig es sei, dass es gründlich abgestäubt und\ngelüftet werde.\n„Da fiel mir die Arbeit eines berühmten Musikgelehr-\nten über den Rhvthmus in die Hände. Das war ein Licht-\nblick, und zwar von demjenigen Lichte, dessen ich gerade\nbedurfte, um das arme Kämmerchen hell zu machen und\nden Besen darin gebrauchen zu können. Ich sah ein, dass\nman die Bedeutung der rhythmischen Formen ergründen\nund darin das Gute und das Hose erkennen müsse, um\nvermittels dieser Erkenntniss zu zeigen, wie gefährlich"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "290", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590910-01.1.2", "texte": "jenes neutrale Gebiet ist, auf welchem Weiss und Schwarz,\nGutes und Böses, Gott und Teufel durch einander gehen\nund zur Einheit werden!\n„Den Rhythmus erklären das ist das Licht; eine\nGewissensprüfung mit der Musik vornehmen das ist der\nBesen.\"\nWeiterhin drückt sich die Verfasserin deutlicher über\nihre kunstrichterlichen moralisch-ästhetischen Grundsätze\naus. ,\n„Wenn der Tonkünstler\", sagt sie, „von der Liebe\nzu Gott und dem Streben zum Guten beseelt ist, so wird\nder Rhythmus in seiner Musik eine reine Form sein, welche\nin Herz und Blut des Zuhörers einen Samen guter Gedan-\nken streut. Hat aber der Componist weder Glauben noch\nLiebe zu Gott, was wird dann seine Phantasie für Regun-\ngen erzeugen? Die neuere Musik, dieser faulende Leich-\nnam, gibt die Antwort auf diese Frage; seine Ausdünstun-\ngen sind eben so mörderisch für die Seele, wie die Pest\nfür den Leib! Man täusche sich nicht! Der Klang hat die\nEigenschaft, das zu verdecken und zu verhüllen, was Nie-\nmand ohne diese Verhüllung dulden würde; aber er hat\nnicht die Macht, das Böse zu bannen; das Böse wird durch\nihn im Gegentheil nur noch furchtbarer, gleich jenem fei-\nnen Gifte, welches nach und nach das Leben zerstört und\nan natürlichen Tod glauben lässt. (S. 4 und 5.)\n„llaydn's Sonaten zeigen uns die reine und einfältige\nSeele des Christen, der stets an den lieben Gott geglaubt 1\nund ihn geliebt hat, ohne jemals an Zweifel oder Ver-\nnünftelei mehr zu denken, als ein kleines Kind an die Prü-\nfung der Worte seiner Mutter denkt. Mozart offenbart uns\ndurch das Gefühl von Melancholie, das fast alle seine\nWerke durchdringt, den Zustand einer Seele, die etwas\nAnderes wünscht, als was ihr zu wünschen erlaubt ist,\naber in welcher der noch lebendige Glaube die Entsagung\nerzeugt. Sie gehorcht aus Pllichtgefühl, sie gehorcht nicht\nmehr aus Liebe. So bleibt sie denn auch traurig in ihrem\nGehorsam.\n„Da Haydn den einfältigen Glauben des Kindes, Mo-\nzart die unvollkommene Liebe, die durch das Opfer leidet,\nwiedergegeben hatte, so schien Beethoven'!* Aufgabe zu\nsein, die vollkommene Liebe zu schildern, welche gegen\nAlles ankämpft, Alles überwindet und ihr Glück nur in\ndem Opfer von Allem findet. Die Natur seines Genie's, eine\nFülle von Begeisterung und ein natürlicher Aufschwung\nzum Erhabenen hatten ihn zur Lösung dieser schönen\nAufgabe gleichsam vorherbestimmt. Aber Beethoven hat\neine falsche Bahn eingeschlagen. Wir werden am gehöri-\ngen Orte die künstlerischen Ursachen in prüfenden Betracht\nziehen, welche ihn aul den Abweg gebracht haben; hier\nwollen wir nur die Wirkungen bestätigen. Nachdem Beet-\nhoven in seinen ersten Compositionen Haydn's und Mozart's\nSpuren gefolgt war, offenbarte sich seine persönliche\nEigentümlichkeit durch den Ausdruck eines unbändigen\nBedürfnisses, sich von allen Hegeln und allen Zügeln los-\nzumachen: die Liebe zur Unabhängigkeit. Da die Liebe\nzur Unabhängigkeit in Wahrheit nichts Anderes ist, als die\nSucht, sich von allem frei zu machen, was ihr Zwang an-\nthut, so bringt uns diese Liebe in ihren äussersten Conse-\nquenzen dahin, uns von Gott loszumachen, dessen Dasein\nam Ende einen Zwang für den Menschen in sich schliesst.\nIst der Mensch so weit gekommen, so beginnt jener gräss-\nliche Kampf zwischen dem Stolze, der sich selbst an die\nStelle Gottes setzt, und dem Gefühle unserer Ohnmacht,\ndie vor dem Gedanken, das Gewicht der Gottheit zu er-\ntragen, erbebt. Diesen Kampf schildert Beethoven auf er-\ngreifende Weist- in seinen Werken, und des Kampfes Ende\nnennen wir Wahnsinn oder Verzweiflung. Beethoven's Mu-\nsik lässt uns die Verzweiflung lieben und uns darin wohl\nfühlen; man weint blutige Thränen dabei, nicht über die\nSchmerzen eines Gottes, der für uns gestorben, aber über\ndie ewige Verdammniss des TeufelsRhythmus des Stol-\nzes, der die Wahrheit sucht, der um Wahrheit fleht, aber\nsie nicht unter den Bedingungen anerkennen will, unter\ndenen sie sich uns hat offenbaren wollen. Es ist immer\nwieder der Jude, der zum Erlöser sagt: Steige vom Kreuze\nherab, und wir wollen an Dich glauben!\" (S. 9 —11.)\nNach Madame Gjertz hat also die Musik nicht ihr\nGrundprincip in sich selbst, sondern im kirchlichen Glau-\nben; das Kunstwerk ist nicht die Frucht reiner Begeiste-\nrung, sondern das Bekenntniss des Zustandes der Seele.\nSie drückt sich darüber noch weit energischer aus, z. B.:\n„Die Ausübung der Kunst um der Kunst willen ist\neben so verbrecherisch als einfältig. Warum? Die Be-\ntrachtung der Schönheit erregt eine Sehnsucht, die nur\ndurch die Wahrheit befriedigt werden kann; auch gibt es\nkein anderes Glück als in der Liebe Gottes, welche mit\nder Sehnsucht zugleich ihre Befriedigung und ihre Ruhe\nverleiht. Aber die von der Wahrheit getrennte Betrach-\ntung der Schönheit erzeugtauch eine Sehnsucht,jedoch eine\nunbestimmte und gegenstandslose, welche die Seele in Auf-\nregung und Ungewissheit aller Art stürzt und fast unfehl-\nbar dem Geiste des Bösen verfällt, der stets bei der Hand\nzu sein weiss, um in die gequälte Seele irgend einen als\nWahrheit verkleideten Irrthum zu werfen. Diejenige Kunst,\nwelche uns diese Art von Schönheit darstellt, ist in Wirk-\nlichkeit nur ein schädliches Thier, das die Verderbtheit in\ndie Herzen bringt. (S. 13, 14.) — — Die Beschäftigung\nmit der Kunst um der Kunst willen ist Sünde gegen das\nerste Gebot Gottes, weil jeder Ausdruck des Schönen"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "291", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590910-01.1.3", "texte": "ein Act der Liebe ist, die in dieser Beziehung\nGott allein zukommt,\" (S. 15.)\nAbgesehen von diesen merkwürdigen Grundsätzen, be-\nkunden die Aeusserungen der Verfasserin über einzelne\nMeister und Werke mehrentheils ein richtiges, auf wirk-\nliches liunstverständniss begründetes Urtheil. Fetis hat\ndarüber eine Reihe von Briefen an die Dame in der\nzette musicale de Paris begonnen, deren erster sich haupt-\nsächlich über einige Missverständnisse seiner Behauptun-\ngen über die Entstehung des Rhythmus von Seiten der-\nselben verbreitet. Von allgemeinerem Interesse ist darin\nFolgendes:\n„Sie behandeln Ihren Gegenstand unter drei Gesichts-\npunkten, indem Sie zuerst die Kunst an sich in ihren Er-\nzeugnissen, dann die Wissenschaft der Kunst, endlich ihren\nhöchsten Zweck betrachten. Bis auf wenige Ausnahmen\nfinde ich nichts in Ihren Urtheilen über musicalische\nKunstwerke, dem ich geradezu entgegen treten möchte.\nWas Sie über die Sonate, über die Vortrefflichkeit ihrer\nForm, die sich im Concerte und in der Sinfonie wieder-\nholt, sagen, ist in Bezug auf die Form unumstösslich rich-\ntig; eben so wahr scheint mir, Ihr ästhetisches Princip bei\nSeite gelassen, was Sie über die Gedankendürre jener\nEtüden äussern, die zum besonderen Zwecke nur die Ueber-\nwindung mechanischer Schwierigkeiten haben. Schon seit\nbeinahe vierzig Jahren sage ich in allen Tonarten dasselbe\nüber die vollständige Wertlosigkeit der käuflichen musi-\ncalischen Waare, was Sie darüber denken. Dergleichen\nMusik kommt und geht, ohne eine Spur ihres ephemeren\nDaseins zu hinterlassen; aber aufhören wird sie nie, weil\nes zu viele Menschen gibt, denen die Kunst nur eine Zer-\nstreuung, ein Zeitvertreib ist, wobei Herz und Verstand\nnichts zu thun haben, und für solche ist jene Musik ein\nBedürfniss.\n„In einigen von Ihren Urtheilen scheinen Sie mir je-\ndoch zu streng zu sein. So sagen Sie z. B. S. 63: „ „Wer\nbeschäftigt sich heutzutage noch viel mit Hummel, Kalk-\nbrenner und Moscheies? Da ihre meisten Werke die-\nselbe Factur haben, wie die Werke von Haydn, Mozart,\nBeethoven, so verschwinden sie nothwendig bei der Ver-\ngleichung mit diesen.\"\" Allerdings dulden diese drei\nRiesen der Kunst keine Parallele; aber muss denn immer\neine Vergleichung in Anwendung kommen? Kann ein\nKunstwerk nicht an und für sich einen Werth haben, und\nverliert es diesen, sobald es nicht die Höhe der Producte\ngewisser Ausnahme-Naturen erreicht? Wir wollen Kalk-\nbrenner bei Seite lassen, dessen Schatten sich selbst über\ndie gute Gesellschaft wundern wird, in die Sie ihn gebracht\nhaben; aber Hummel! Wenn auch seine sämmtlichen\nWerke nicht ein Genie offenbaren, das jenen drei Herr-\nSchern im Reiche der Töne gleich kommt, so wird doch\nkein Mensch verkennen, dass z. B. seine Phantasie Op. 18\n—eine wirkliche Phantasie—, seine Sonate Op. 20\nSeptett, seine Concerte u. s. w.) Werke genialer Erfin-\ndung sind.\n„Ist es ferner nicht viel zu streng, ja, ungerecht,\nMendelssohn so tief zu stellen, wie Sie es thun? Sie sa-\ngen. „ „Mendelssohn ist eine Nachahmung (Imitation\nin dem Sinne, wie man es von nachgemachtem Gold,\nSilber, Edelgestein gebraucht —). Seine Compositionen\nerinnern bald an Beethoven, bald an Hummel, bald an\nWeber, bald an alle Welt, und trotzdem haben sie ein ge-\nwisses Gepräge bewahrt; es ist eine Form, die ihren In-\nhalt sucht.\n„ „Mendelssohn besitzt ein sehr grosses Wissen, aber\nsein Gedanke ist unbestimmt, so wenig entschieden, dass\ner ihn selbst in dem engen Rahmen eines Liedes nicht\nohne Stockung festhält. Diese Unentschiedenheit raubt sei-\nnen Werken die innere Einheit und gibt ihnen etwas Lo-\nses und Unzusammenhangendes; z. B. sein grosses Concert\nin G-moll,dessen Passagen von Anfang bis Ende so aus-\nsehen, als wüssten sie nicht, was sie wollen. Es scheint,\nals hätte Mendelssohn nöthig, seinen Gedanken auf etwas\nGreil bares zu stützen; seine Ideen verwirren sich dem Un-\nendlichen gegenüber, erhalten aber Sicherheit und Festig-\nkeit, sobald er ihnen bestimmte Schranken zieht. Desshalb\nhaben auch seine Oratorien und seine Ouvertüren unend-\nlich mehr Werth, als seine Clavier-Compositionen.\"\"\n„Mit diesem Urtheile wird man weder im Allgemei-\nnen, noch in Bezug auf das G-moll-Concert übereinstim-\nmen können. [Etwas Wahres ist aber doch darin, nur frei-\nlich sehr schroff ausgesprochen.] Auch muss ich Sie\"\nfährt Fetis fort—„vor Widersprüchen warnen, die man\nIhnen jedenfalls aufrechnen wird; so soll z. B. Mendels-\nsohn, wie Sie sagen, Hummel nachgeahmt haben. Nun,\ndann müssen sich doch bei Hummel Dinge finden, die an-\nderswo nicht sind und die als Muster dienen können!\n„Es ist leicht zu begreifen, warum Sie Sich in Ihrem\nBuche bloss mit der Instrumentalmusik beschäftigen; das\nPrincip, das Sie geltend machen wollen, konnte nur an\nder höchsten Offenbarung der Macht der Tonkunst erläu-\ntert werden, an dem Ideal derselben, das von jeder Hem-\nmung und jedem Programm oder Text frei ist. Trotzdem\nwird es Manchem auffallend vorkommen, dass Sie in einer\nSchrift über „ „die Musik unter dem Gesichtspunkte der\nMoral und der Religion\"\" kein Wort über die Kirchen-\nmusik sagen. Mir scheint es jedoch, dass Ihr Gedanken-\ngang die Erwähnung derselben nicht duldete; jedenfalls\nbillige ich Ihren Tact und Ihre Klugheit in dieser Be-\nziehung.\"\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "292", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590910-01.1.4", "texte": "So weit Felis. Es mag wohl ein anderer Grund an\ndem Schweigen über die Kirchenmusik schuld sein. Wahr-\nscheinlich wird es der Dame eben so ergangen sein, wie\nmanchen deutschen Aesthetikern der Tonkunst; ihre\nGrundsätze passen auf die Eine Seite, welche sie sich an\nden Componisten aussuchen; wenn die Probe auf die Rech-\nnung an der anderen Seite scheitert, so betrachten sie diese\nlieber als gar nicht vorhanden. Wir kommen auf das\nBuch der Madame Gjertz noch zurück.\n\nDer Gesang als Grundlage einer christlichen\nAesthetik.\nEs wäre unrecht, wenn wir der begeisterten Verfech-\nterin des Glaubens, als des Princips der Instrumental-\nmusik und im Besonderen des Rhythmus, als des Lichtes,\nwelches das Gute vom Bösen, das Göttliche vom Teufli-\nschen in der Tonkunst sondert (s. d. vorhergehenden Ar-\ntikel], nicht einen Genossen auf ihrer Bahn zuführen woll-\nten, der, eben so begeistert für seine Idee, als sie für die\nihrige, der menschlichen Stimme und dem Gesänge die\nnächste Stelle am Christenthum einräumt und vermittels\ndes richtigen Gesang-Unterrichts der Entwicklung des in-\nneren Menschen durch eine christliche Aesthetik die wahre\nGrundlag'; zu geben, ja, eine gänzliche .ästhetische Refor-\nmation\" zu bewerkstelligen vor hat. Es ist dies G. C.\nISehrlich (so steht auf dem Titel des Buches; unter der\nWidmung an den König von Preussen aber finden wir:\nC. F. Nehrlich. Welche Lesart ist die richtige?), seit\nder ersten Ausgabe seiner Gesangkunst [Leipzig, 1841,\nbei G. B. Teubner) rühmlich bekannt. Gegenwärtig liegt\nuns die zweite, durchaus umgearbeitete Auflage unter fol-\ngendem Titel vor:\nDer Kunstgesang, physiologisch, psychologisch, pä-\ndagogisch und ästhetisch dargestellt. Eine Ge-\nsangschule für gebildete Stände. Theoretisch-\npraktisches Handbuch u. s. w. u. s. w. Stuttgart,\nDruck und Verlag von K. Lanz, 1859. Gr. Fol.\n1)8 Seiten Text, 47 und 58 S. Noten. (Preis?)\nWas der Verfasser will, spricht er in dem Vorworte\naus, und das ist wahrlich nichts Geringes. Hören wir ihn\nselbst in den Hauptstellen:\n„Ls gilt, eine Ansicht ins Leben zu führen, die, zur\nallgemeinen praktischen Anwendung gebracht, eine neue\nWelt ins Bewusstsein des Menschen führen und dadurch\nsein ganzes Wesen und Leben heben muss. Die Geschichte\nerzählt uns von einer wissenschaftlichen, von einer kirch-\nlichen, von einer politischen Reformation und Emancipa-\ntion, aber von einer ästhetischen, der unschuldigsten und\nnöthigslen von allen, ist noch nie die Rede gewesen; und\ndoch ist das ästhetische Element im Menschen der Grund\nund Boden, aus dem alle anderen Ordnungen seines Gei-\nstes hervorgehen. Dieser Grund und Boden ist uncultivirt,\ndem Lichte des Bewusstseins verschlossen, kann also un-\nmöglich wirken, wie er wirken würde, wenn er wie die\nübrigen Gebiete des Geistes angebaut würde. Alle unsere\nbisherige ästhetische Bildung ist Anbildung von aussen,\nAnllug, Ansatz, und bleibt desshalb ohne Wirkung auf\nunser eigentliches Wesen, auf unser Denken, Fühlen und\nWollen. Mit der feinsten ästhetischen Bildung im gewöhn-\nlichen Sinne verträgt sich alle mögliche Schlechtigkeit, sie\nnimmt der Schlechtigkeit höchstens den äusseren abstos-\nsenden Charakter und macht sie dadurch nur um so ver-\nderblicher. Die schöne Sünde ist doppelte Sünde, und un-\nsere Vorfahren halten nicht ganz Unrecht, wenn sie den\nTeufel in jeder Aesthelik vermutheten und diejenigen, wel-\nche der Aesthetik ihre Liebe zuwandten, Kinder der Welt\nnannten. Diese Aesthetik war gleichsam nur ein schönes\näusserliches Gewand, keine wahre christliche Aesthelik;\nsie stand mit den Forderungen des Christenthums nicht\nselten in Widerspruch und war in keinem ihrer Werke\ndarauf bedacht, das christliche Leben zu fördern, sondern\nweit mehr geneigt, das Heidenthum wieder aufleben zu\nlassen. Es gibt bis auf den heutigen Tag noch keine christ-\nliche Aesthetik und darum noch keine wahrhaft christliche\nKunst. Die christliche Aesthetik ist eine Herausbildung von\ninnen und besteht nicht in schönen Begriffen, sondern in\nschönen Gefühlen, welche dann allerdings das in ihnen\nenthaltene Wesen auch in die Begriffe und Bestrebungen\nübertragen, und in diesen nichts dulden, was ihrem We-\nsen zuwider ist, daher auf der einen Seite die Wahrheit,\nauf der anderen die Tugend beleben. Wie lehrt man nun\naber diese Aesthetik? Worte und Begriffe eignen sich\nnicht dazu. Sie bringen, was sie enthalten, nur in die Vor-\nhallen der Seele, aber nicht in ihren Kern. Es gibt aber\nneben den Worten noch etwas Anderes, welches bestimmt\nist, die innerste Bildung im Menschen zu begründen, und\ndas sind die Töne, aber nicht die Töne der Instrumente,\nsondern die Töne der menschlichen Stimme. Wie\nsich die Worte zu den Begriffen, so verhalten sich die\nTöne zu den Gefühlen. Wie wir durch Worte Begriffe\nin die Seele bringen, so bringen wir durch die Töne Ge-\nfühle in sie hinein. In den Tönen besitzen wir nicht nur\nden Schlüssel zum menschlichen Herzen, sondern auch das\nMittel, das menschliche Herz zu reinigen von allem, was\nden Menschen vom Engel unterscheidet und, in die Nie-\ndrigkeit hinabziehend, dem Thiere gleich macht. Der Töne\nder menschlichen Stimme bediente sich daher die christ-\nliche Kirche frühzeitig zu ihren heiligen Bestrebungen; sie"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "293", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590910-01.1.5", "texte": "sollten dem heiligen Geiste die Stätte bereiten und das\nHeiz der Zuhörer reinigen von der heidnischen Unlauter-\nkeit. Aber lür diesen Zweck mussten sie aus wahrhaft\nchristlichen Gemüthern kommen. Die früheste christliche\nKirche hatte in diesem Punkte ein schärferes Ohr und Ur-\ntheil, als die Gegenwart. Sie begnügte sich nicht mit einem\nwohlklingenden Tone, sie verlangte Innerlichkeit in ihm,\nden reinsten Abglanz eines reinen Herzens, eine seelisch\ngeistig gehobene Menschennatur. Das verlangt auch die\nchristliche Aesthetik, der ich hier das Wort rede. Nun ist\naber nichts in der Welt geeigneter, Träger eines reinen\nHerzens zu werden und dadurch anregend und ergreifend\ntausend andere Herzen zu reinigen, als die Stimme. Von\ndieser Seite ist also die Kunst der Stimme oder der Ge-\nsang unter allen Künsten dem Christenthume am näch-\nsten; darum vertrat der Gesang vor dem Christenthume\ndie Stelle desselben in der moralischen Erziehung der ge-\nbildetsten Völker, namentlich der Griechen.—\n„Die Liebe zum Gesänge ist allgemein, sie hat die un-\ntersten Volksclassen ergriffen. Damit sind die Pforten zu\neiner allgemeinen Veredlung aufgethan; man warte nicht,\nbis sie sich wieder schliessen. Tüchtige Gesanglehrer, wie\nsie diese Schule verlangt, können allein jene Aesthetik des\nHerzens ins Leben führen, welche ich weiter oben als eine\nchristliche bezeichnete und welche unserer nur auf das\nAeussere gerichteten Zeit doppelt nöthig ist.\n„Nicht in jeder Form sind die Töne zu dem wichti-\ngen Zwecke brauchbar, das Herz zu reinigen und in sich\nklar und schön zu machen. Sie müssen selbst erst rein,\nklar und schön werden. Dazu nun gibt es einen Weg,\nund diesen Weg habe ich mich bemüht in diesem Werke\nzu beschreiben. Es war mir vor allen Dingen darum zu\nthun, die Erzielung der zur Reformation der inneren\nAesthetik nöthigen reinen Töne zu zeigen und auf den ein-\nzigen Weg, den man beim Unterrichte einschlagen muss,\nwenn der Gesang bildend auf den Menschen wirken und\nsich zu einer wahren Kunst erheben soll, aufmerksam zu\nmachen. Die Sprache muss erst gebildet werden, ehe sie\nBildung verbreiten kann. Eben so ist es mit den Tönen.\nEs muss sich erst eine höhere Tonsprache bilden, ehe durch\nsie die lebendige innere Aesthetik allgemein ins Leben ge-\nrufen werden kann. Der Bildung dieser höheren Ton-\nsprache soll die Gesangschule für gebildete Stände als die\nerste Grammatik dienen.\n„An eine Vollendung oder auch nur an eine Annähe-\nrung zur Vollendung ist aber im Gesänge nicht eher zu\ndenken, als bis die plumpe Herrschaft mechanischer Glie-\nderung der melodischen Perioden überwunden ist und die\nInnerlichkeit die musicalischen Formen des Componisten\nbelebt und unter die Sinngemässheit stellt. So lange man\nden Sänger nicht anweist, die musicalischen Gesetze der\nfre;en Gesetzmässigkeit der Innerlichkeit zu unterwerfen,\nwird sein Gesang ewig dem Vortrage eines gereimten Ge-\ndichtes durch einen Schulknaben gleichen, der sich nur\ndurch die rein äusseren Momente des Reims und der in\njeder Zeile gleichmässig wiederkehrenden rhythmischen\nAufeinanderfolge der Sylben leiten lässt. Die mechanisch-\nmusicalischen Sänger singen nicht, sie scandiren bloss ihre\nMelodie. Um dieser Barbarei entgegen zu arbeiten und den\nGeist auf den eigenen Werth der kleineren Theile hinzu-\nlenken, habe ich mich in den praktischen Uebungen bis-\nweilen von dem gewöhnlichen Periodenbau mit Willen\nentlernt und ältere Uebungen mit einer ungeraden Anzahl\nvon Tacten aufgenommen. Ich will damit dem regelmässi-\ngen, das Gefühl ohne Rücksicht auf den Sinn mechanisch\nmit sich fortreissenden musicalischen Flusse der Melodie\nentgegentreten und durch die Unregelmässigkeit im me-\nchanischen Bau auf eine höhere Regelmässigkeit hinführen,\ndie, ohne irgend ein Gesetz unwirksam zu machen, doch\nallen ihre Alleinherrschaft nimmt, indem sie dieselben hö-\nheren Zwecken dienstbar macht, nämlich eine bestimmte\nInnerlichkeit zu malen.\n„Wie der Körper in jedem seiner Theile ein symboli-\nscher Abdruck der Seele ist, so muss auch im Gesänge je-\ndes Moment eine Abspiegelung des Inneren sein. Für die-\nsen Zweck aber muss das Innere erst frei werden von sei-\nner natürlichen Gebundenheit und Rohheit. Hier ist dem\nGesanglehrer zwar oft vorgearbeitet durch die moralisch-\nreligiöse und die intellectuclie Erziehung; denn Moralität\nund Geislesbildung sind zwei Hauptmächte, welche die in-\nnere Freiheit bedingen; aber für die höchsten Leistungen\nim liunstgesange muss in der Seele noch durch die erzie-\nhende Macht des Tones im Organ und der Seele ein drit-\ntes Element erweckt, herangezogen und zur Reife gebracht\nwerden. Dies ist die innere Acsthetik, von der weiter oben\ndie Rede war.—\n„Gefühl ist geistig gewordener Ton, und Ton ist kör-\nperlich gewordenes Gefühl. Der reinste Ton des Stimm-\nOrganismus muss sich als das reinste Gefühl im Seelen-\nOrganismus abspiegeln und das edelste Gefühl der Seele\nim Stimm-Organismus den edelsten Ausdruck gewinnen.\nEs versteht sich von selbst, dass, da der Seelen-0 rganis-\nmus weit freier und impressionabler ist als der Stimm-Or-\nganismus, die Spiegelbilder der Seele in den Tönen un-\ndeutlicher und schwerer wahrzunehmen sind, als die Spie-\ngelbilder der Töne in der Seele. Der Stimm-Organismus\nmuss erst durch lange Uebungen impressionabel gemacht\nwerden, die Seele ist es von Natur, zumal für den Ton.\nDie Bildung der Seele zur künstlerischen Vollendung führt\ndaher nicht durch sich selbst zu künstlerisch vollendeten"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "294", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590910-01.1.6", "texte": "Tönen, aber künstlerisch vollendete Töne führen durch\nsich selbst zu einem den Tönen entsprechenden künstlerisch\nvollendeten Fühlen. Hierin liegt der Grund des bildenden\nElements eines wahrhaft künstlerischen Gesanges. Wahr-\nhaft künstlerisch kann aber ein Gesang nicht eher werden,\nals bis er edel und religiös geworden ist; denn hiedurch\nerlangt er seine innere Reinheit. Der Kunstgesang ist da-\nher eine Tochter der Religion und seiner innersten Natur\nnach Kirchengesang. Durch den Kirchenstil muss daher\njeder Sänger zu seinen höchsten Leistungen erzogen wer-\nden, auch wenn er seine Kräfte nicht der Kirche, sondern\nder Welt im ConCert- oder Theater-Stil zu widmen be-\nschlossen hat.\"\nDen Schluss des Vorwortes bildet folgende energische\nApostrophe:\n„Alles das wird freilich der grossen Masse derer nicht\neinleuchten, die vermöge ihres tiefen Standpunktes auf der\nStufenleiter der humanen Rildung bei aller praktischen\nTüchtigkeit und Gedächtniss-Weisheit über die Materiali-\ntät der Welt nicht hinauszublicken vermögen; alles das\nwird ferner an der grossen Anzahl derer ohne Wirkung\nvorübergehen, die vermöge ihres Pharisäerthums die Wahr-\nheit nicht lieben oder doch nicht beachten, wenn sie nicht\nvon ihnen selbst ausgegangen ist; alles das wird ferner\nder grossen Menge derer als ungereimtes Zeug erscheinen,\nwelchen ihre Unnatur dermaassen Alles in Allem ist, dass\nsie nicht zu begreifen im Stande sind, wie es noch etwas\nHöheres geben könne; alles das wird endlich von der An-\nzahl derer mit Wuth verfolgt und mit allen möglichen\nEhrentiteln des Hasses belegt werden, welchen die Kunst\neine melkende Kuh ist; aber sie alle habe ich nicht unter\ngebildeten Ständen verstanden, für'die ich mein Werk ge-\nschrieben habe. Die Rildung fängt in meinen Augen da\nan, wo man zur Innerlichkeit durchgedrungen ist. Wo sich\ndie Innerlichkeit geltend macht, treten Bedürfnisse auf, die\nich befriedigen will, gebietet das Gesetz, das mich geleitet\nhat, zündet das Wort der Wahrheit, geht man auf dem\nWege der reinen Natur, fühlt und hört man mit der Seele.\nVon den also Gebildeten erwarte ich einzig und allein die\nReformation, für die ich in diesem Buche aufgetreten bin;\nihnen empfehle ich das Senfkorn der Wahrheit, die ich\ngefunden; in ihren Herzen wird es aufgehen und die herr-\nlichsten Früchte tragen.\"\n(Schluss folgt.)\n\nAus Baden.\n\nDas grosse Concert unter der Direction von Hector\nBerlioz hat in Baden-Baden auf glänzende Weise Statt\ngefunden. „So lange dieses musicalische Fest in diesem\nJahre noch nicht gefeiert war,\" sagt ein pariser Rericht-\nerstatter, „wollten viele Leute noch nicht an die vollstän-\ndige Aussöhnung der französischen mit der deutschen Ge-\nsellschaft, der Seine mit dem Rheine, glauben. Jetzt kann\nkein Zweifel mehr darüber aufkommen: das Fest hat Statt\ngefunden, IL Rerlioz hat wieder auf seinem ruhmvollen\nFührerposten gestanden, umringt von den musicalischen\nScharen aus Strassburg, Karlsruhe, Stuttgart, Raden!\"\nMithin keine Frage: Frankreich und Deutschland sind\neinig, zumal, wenn Frankreich dirigirt!\nAufgeführt wurden zunächst die vier ersten Theile von\nRerlioz's Sinfonie Romeo und Julie, die den vereinigten\nChören und Orchestern schon vom vorigen Jahre her be-\nkannt war. Die Ausführung liess, namentlich von Seiten\ndes Orchesters, nichts zu wünschen übrig; „so viel ist ge-\nwiss,\" sagt auch Paul Smith in der Gazette musicale, der\nan die Präcision des Orchesters in den Conservaloire-Con-\ncerten gewohnt ist und die Sache zu beurtheilen versteht,\n„dass das berühmte Scherzo La reine Mab nirgends besser\ngehört werden kann, als es in Raden der Fall war. Die\nvortreff lichen deutschen Künstler bildeten, obwohl nur für\nEinen Tag vereinigt, unter Rerlioz's Leitung ein vollende-\ntes, über allen Tadel erhabenes Ganzes, das eben so gewal-\ntig und mächtig an Kraft, als fein und zart im Nuanciren\nwar.\" Hector Rerlioz gab ferner zum ersten Male zwei\nRruchstücke aus seiner grossen Oper „Die Trojaner\", in\nwelcher Alles, Text und Musik, von ihm selbst ist. Rerlioz\nsucht bekanntlich das Ungewöhnliche, Ausserordentliche\nin der Musik oder wenigstens in den Stoffen, die er seinen\nCompositionen zum Grunde legt; er steuert gern nach den\nPolarmeeren, steigt auf den Kotopaxi oder Himalaya und\nbesucht die Ebene nur desshalb zuweilen, um darauf mit\nMassen zu manövriren. Freilich hat in Frankreich schon\nJ. J. Rousseau seine Operette selbst\ngedichtet und componirt, und in Deutschland verdankt be-\nkanntlich R. Wagner seiner Doppelgängerei als Poet und\nMusiker einen grossen Theil seines Erfolgs. Allein das macht\ndie Sache selbst nicht leichter, die Aufgabe bleibt für\nHector und seine Trojaner (nomen et omen habet!) immer\neine sehr schwierige: Dichtung, Composition, Annahme\ndurch den Theater-Areopag, Inscenesetzung, Aufführung\nunter eigener Direction Himmel, welche Thürme von\nSchwierigkeiten, welche Mauern von Hindernissen stehen\ndem entgegen, der das alles allein durchführen will! Da\ngilt es Entschluss, Muth, Ausdauer, Zeit, vielleicht auch\nList (ich meine das Femininum), etwa so ein trojanisches\nPferd, dessen Rauch mit Reclamen gefüllt in die Festung\nder Gegner geschoben würde. Ja, wenn Liszt (das Mascu-\nlinum) helfen könnte, wäre die Sache bald gemacht; aber"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "295", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590910-01.1.7", "texte": "der theatralische Rahmen zu Weimar ist zu klein für ein\nso kolossales Gemälde, welches vielmehr ein Diorama zu\nnennen ist, da es den Zuschauer von den Trümmern des\nrauchenden Iliums über Karthago nach Italien führt, Ber-\nlioz gab daraus zwei Stücke, eines aus Troja, das andere\naus Karthago; dort fleht Choröbus die Cassandra um Liebe,\nwährend diese sich den finsteren Mächten, die sie zur Un-\nglück weissagenden Prophetin machen, hingibt; hier\nschwärmen Dido und Aeneas in der Mondnacht am Meere\nin seligen Gefühlen, und es scheint nicht, dass der Sohn\nder Venus bereits den civilisirten Gedanken hegt, seine\nSchöne nach Vorwegnahme der Hochzeit sitzen zu lassen.\nBeide Duette wurden von Pauline Garcia und einem\nBariton-Tenor, Namens Lefort, gesungen, für dessen hüb-\nsche, frische Stimme aber Manches zu hoch lag, während\nMadame Viardot, was an Frische fehlte, durch leidenschaft-\nlichen Vortrag ersetzte. Die gänzlich verschiedene Stim-\nmung in diesen beiden Stücken scheint mir dem Dilet-\ntanten—gut ausgedrückt zu sein, wenngleich z. B. in dem\nersten auch wieder hier und da etwas von den, ich möchte\nsagen: handgreiflichen Mitteln angewandt wird, die Berlioz\nwie Meyerbeer zum Charakterisiren nicht entbehren kön-\nnen oder nicht entbehren wollen. Ich rechne dahin die Fi-\ngur der Bässe bei dem Gesänge der Cassandra, welche\ndas furchtbar und immer schneller einherschreitende Schick-\nsal vorstellen sollen. Das zweite Duett ist reicher an Me-\nlodie, und diese hält sich auch fern von italiänischer Tri-\nvialität. Das Publicum nahm beide mit lebhaftem Beifalle\nauf. Wenn ich nun auch darauf gerade keinen hohen\nWerth lege, denn auch nach Meyerbeer's Ouvertüre zum\nPardon de Ploermel, die ich keineswegs für ein geniales,\nsondern nur für ein gut gemachtes Werk halten kann,\nbrach der Sturm aus (der Chor, der das singt,\nwelches darin verwebt ist, stand hinter dem Orchester,\nweil bei der Aufführung hinter der Scene), so ist doch so\nviel gewiss, dass es eine Schande für die kaiserliche grosse\nOper oder Musik-Akademie in Paris ist, wenn sie das\nWerk eines Mannes wie Berlioz nicht zur Aufführung\nbringt; denn das Recht, an das Publicum zu appelliren,\nhat doch wahrhaftig Berlioz durch seine bisherigen Lei-\nstungen in vollem Maasse erworben. Es wäre zu wünschen,\ndass sich der Kaiser oder die Kaiserin, wie einst bei Spon-\ntini's Vestalin, der Sache annähme.\nJa, ja, die Vestalin! Die Ouvertüre dazu machte den\nBeschluss des Concertes und schlug für den wirklich mu-\nsicalisch gebildeten Theil des Publicums freilich Alles nie-\nder; die grösste Hälfte desselben war aber bereits selbst\nniedergeschlagen, denn es war sehr heiss, die Ouvertüre\nbegann erst eine Viertelstunde nach 11 Uhr und war die\nletzte Nummer—Grund genug für die haute volce und die\nLeute von Ton (die sich um den musicalischen nicht küm-\nmern !j, sich \\or Beginn und während derselben zu ent-\nfernen.\nDie Zwischengerichte waren echt parisisch, nicht pa-\nradiesisch, obwohl Lefort eine Scene von Theodor Rit-\nter: „Lc Paradts per du\", sang. W'uille blies vortreff-\nlich; die Nymphe Echo sitzt eben so gern in seiner Clari-\nnette, als in \\ ivier s Horn, und beide Künstler wissen sie\nzu cajoliren und kennen ihr Publicum. Ritter ist ein bra-\nver Pianist, und über Zusammenstellungen wie die von\nBeethoven s Andante und Weber's Rondo dar! man sich\nbei pariser Künstlern nicht wundern. Ihr Eklekticismus\nreisst so Vieles aus einander, warum soll er nicht auch\neinmal etwas zusammenkuppeln, was nicht zusammen ge-\nhört? Schwärmen Sie lür das Melodium, auch Alexan-\nder-Orgel genannt, so hätten Sie hieher kommen müssen,\num auf und aus ihm Engels-Töne zu vernehmen *).\n\nS.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nBreslau. In dem Theaterjahre vom 1. Juli 1858 bis 30. Juni\n1859 wurden an 362 Abenden 173 verschiedene Vorstellungen gege-\nben, und zwar 13 Trauerspiele, 22 Schauspiele und Dramen, 60 Lust-\nspiele und Possen, 31 Opern ernster, 22 Opern heiterer Gattung, 16\nSingspiele und Possen mit Gesang, 9 Ballets. Ausserdem wurden 11\nConcerte von fremden Virtuosen, 1 Vorstellung von ~Dissolving\nViews\", 1 Aufführung der ~Jahreszeiten'4 und 1 Redoute gegeben.\nIm Abonnement fanden 300 Vorstellungen Statt. —■ Von Opern\nwurden zum ersten Male aufgeführt vier grosse Opern: E. H. z. S.,\nSanta Chiara, in 4 Acten, 6 Mal; Verdi, Hernani der Bandit, in 4\nActen, 8 Mal; Verdi, Rigoletto, in 4 Acten, 4 Mal; Wagner (Richard),\nRienzi, in 5 Acten, 11 Mal; Mendelssobn-Bartholdy, Finale zu Lo-\nreley, 3 Mal, Sechs komische Opern und Operetten: v. Flotow, Pia-\nnella, in 1 Act, 12 Mal; Gastincl, Das Singspiel am Fenster, in 1\nAct, G Mal; Olfenbach, Die Verlobung bei der Laterne, in 1 Act,\n21 Mal; Das Mädchen von Elisonzo, in 1 Act, 2 Mal; Schuhflicker\nund Millionär, in 1 Act, 5 Mal; Schmidt (Gustav), Weibertreue, in\n3 Acten, 4 Mal. Im Ballet: Leuven und Mazilier, Die Weibercur,\nin 2 Acten, Musik von Adam, 2 Mal; Pohl, Die Zigeunerin, in 1\nAct, Musik von A. Herr mann, 5 Mal; Pohl, Die Putzmacherinnen,\nin 1 Act, 4 Mal. Neu einstudirt: Zwölf grosse Opern: Auber, Gu-\nstav, oder der Maskenball, in 5 Acten; Cherubini, Der Wasserträger,\nin 3 Acten, 4 Mal; Dorn, Die Nibelungen, in 5 Acten, 3 Mal; Flo-\ntow, Martha, in 4 Acten, 4 Mal; Halevy, Die Jüdin, in 4 Acten, 4\nMal; Mozart, Die Zauberflöte, in 2 Acten, 3 Mal; Rossini, Moses,\nin 4 Acten, 2 Mal; Spontini, Die Vestalin, in 3 Acten; Wagner,\nTannhäuser, in 3 Acten, 6 Mal; Lohengrin, in 3 Acten, 4 Mal; We-\nber, Euryanthe, in 4 Acten; Oberon in 3 Acten. 2 Mal. Zehn komi-\nsöhe Opern und Operetten: Boieldieu, Johann von Paris, in 2 Acten.\n2 Mal; Rothkäppchen, in 3 Acten. 4 Mal; Dittersdorf, Doctor und\nApotheker, in 2 Acten, 3 Mal; Donizetti, Die Regimentstochter, in\n2 Acten; Fioravanti, Die reisenden Operisten, in 2 Acten, 4 Mal;\nGretry, Das Grabmal des Mufti, in 1 Act; Lortzing, Die beiden\nSchützen, in 3 Acten; Mehul, Je toller, je besser, in 2 Acten, 4\n\n*) Auf dem Programm: „So/o d'orgue AI ex an dr e, cxecule par\nMr. Etigel."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "296", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590910-01.1.8", "texte": "Mal; Nicolai, Die lustigen Weiber von Windsor, in 3 Acten; Weigl,\nAdrian van Ostade, in 1 Act, 4 Mal. Im Ballet: Hoguet, Robert\nund Bertrand, in 2 Acten, Musik von verschiedenen Componisten;\nzwölf Divertissements. Concerte: Die baskischen Sänger 2 Mal,\nHerr Colosanti 2 Mal, die Schwestern Ferni 4 Mal, Fräul. Jenny\nMeyer 3 Mal, Aufführung von Haydn's Jahreszeiten 1 Mal.\nDie Sängerin Fräulein Vei t h verlässt im November wieder die\nHofbühne in Kassel und kehrt nach Frankfurt am Main zurück.\nDagegen ist Fräulein Masius, welche sich vor Kurzem mit dem\nSchauspieler Herrn Braunhofer vermählte, aufs Neue für Kassel\nengagirt.\nFräul. Günther, die bereits als Elisabeth im Tannhäuser Ab-\nschied genommen hatte, ist nun dennoch in Breslau in ein neues\nEngagement getreten, welches am 15. September beginnt.\nMüiacfiten* Der Intendant des k. Theaters, General v. Fr ay s,\nhat die erbetene Entlassung erhalten. Der seitherige Inspector und\nSecretär, Herr Schmid, übernimmt mit dem Titel „Intendanzrath\"\ndie eigentliche Leitung der Kunst-Anstalt, während wahrscheinlich\nein höherer Beamter des Hofes zum Chef ernannt werden wird. Wir\nsagen: „der Kunst-Anstalt\"; möge das Wort eine Wahrheit werden,\ndenn seit Dingelstedt's Abgang war fast in allen Dingen bei unse-\nrem Hoftheater nur die Einnahme maassgebend.\nDie Sängerin Fräul. Stöger ist auf ein Jahr für München enga-\ngirt, worüber die Opernfreunde sehr erfreut sind. Man prophezeit\nihr eine glänzende Zukunft; unter ihren-Gast-Darstellungen waren\ndie Elizabeth im Tannhäuser, die Lucrezia, die Agathe im Frei-\nschütz die vorzüglicheren; minder befriedigte sie als Recha in der\nOper Die Jüdin.\nWien. Der Kirchenmusik steht in Oesterreich ein® radicale Re-\nform bevor. Der A. A. Z. zufolge soll nächstens der Erzbischof Car-\ndinal Rauscher die vom Papste sanetionirten Beschlüsse des im vo-\nrigen Jahre abgehaltenen Provincial-Conciliums promulgiren, welche\nunter An lerem die gänzliche Abschaffung der instrumentalen Kirchen-\nmusik enthalten. Was wird dann mit den Mitgliedern der Hofcapelle\ngeschehen ?\nKeine italiänische Oper mehr! Dem „Wanderer\" zufolge\nist vom Oberstkämmerer-Amte „die gewiss im Interesse der deut-\nschen Oper wünschenswerte Resolution herabgelangt, die übliche\ndreimonatliche italienische Opern-Stagione in Wien vom künftigen\nJahre aufzulassen, in dem betreffenden Decrete ist ausdrücklich ge-\nsagt, es sei, da allen ersten Mitgliedern im Frühjahre contractlich\nein zwölfwöchentlicher Urlaub zugestanden*\"worden, zu verfügen, dass\ndas Theater im Frühjahr lßö'l durch sechs Wochen gesperrt bleibe,\nsechs Wochen aber sich mit Gästen (?) zu behelfen habe\".\nHerr Ander ist im Operntheater am 2/. August als Dom Seba-\nstian 'zum ersten Male nach seiner Genesung wieder aufgetreten.\nDas Publicum empfing seinen Liebling auf das freundlichste. Der\nnou ausgestattete Freischütz, mit Frau Csillag als Agathe und\nHerrn Bukovics als Max, sollte am 3'*. August in Scene gehen,\nwurde jedoch abermals verschoben. Wir werden nächstens einen\nstatistischen Nachweis bringen können über alles, was im Opern-\ntheater in letzter Zeit beschlossen, aber nicht zur Ausführung ge-\nbracht wurde. (W. Ree.)\n• M arschn er's seit Langem vom Repertoire verschwundener\n„Hans Meiling\" wird nächstens reactivirt; die Titelrolle ist Herrn\nRudolf zugedacht. Auch an den Vorbereitungen zu Meyerbeer's\nneuester Oper: „Die Wallfahrt nach Ploermel\", wird eifrig gearbei-\n9\ntet; man hofft damit bis Anfang Novembers fertig zu werden. FräuL\nLiebhardt und Herr Beck werden in den Hauptrollen beschäftigt\nsein, Herr Director Eckert wird das Werk dirigiren. Früher jedoch\nschon soll Gluck's „Armide\" mit Frau Csillag und Herrn Ander in\nScene gehen. [Curiose Zusammenstellung!]\nDas pariser Journal Le Minestrel zeigt die Vermählung des Herrn\nWieniawski (des Violinisten) mit Miss Hampton, Nichte des\nPianisten G. A. Osborne, an. Herr Wieniawski wird nach Pe-\ntersburg gehen, wo er zum kaiserlichen Concertmeister ernannt\nist, eine Stelle, die, so viel uns bekannt, seit Vieuxtemps1 Abgang\nvon dort noch nicht wieder besetzt war.\nAm 9. August wurden in der Metropolitan-Capell e\nzu Dublin getraut Alfonso Gonzaga de Duchi de Ci-\nrella de Napoli, ältester Sohn des Herzogs von Cerella in Neapel,\nmit Carolina Guarducci, der ausgezeichneten Altistin bei de\nitaliänischen Opern-Gesellschaft des Herrn E. Th. Smith. Erste\nBrautführerin war Fräul. Titjens aus Wien. Der Director Smith\ngab ein glänzendes ~Champagner-FrühstückI'. Abends sang die\nschöne Braut in der Favorita im Theater.\nü) e ii I s c Sie 'ST o u Ii a H e.\nVon den in unserer Anzeige vom 8. d. Mts. erwähnten vierzehn\nNonetten, für welche die Herren L. Hetsch, V. Lachner und J. Mo-\nscheies als Preisrichter erwählt waren, hat das Werk des Herrn\nEduard Silas in London eine Stimme für den Preis und eine für\nbesondere Belobung erhalten. Ausser diesem erhielten die folgend\nbenannten je durch eine Stimme besondere Belobung zuerkannt,\nnämlich die Werke der Herren V. E. Becker in Würzburg, Jo-\nhannes Hager in Wien, H. Neu mann in Heiligenstadt (Eichs-\nfeld) und Thomas Täglichsbeck in Dresden.\nIndem wir dieses hiermit anzeigen, machen wir die übrigen\nHerren Preisbewerber darauf aufmerksam, dass ihre Werke nur auf\nunmittelbares und frei einkommendes Verlangen an den Gezeichneten\nrückgegeben werden, nach Verlauf von sechs Monaten, von heute\nan, aber solche Rückgabe nicht mehr verlangt werden kann (Ver-\neins-Satzungen 14 i).\nMannheim, August 1859.\nDer Vorstand.\nI. A. d. A.: Sc hü ss ler, Schriftführer."}]}