{"numero_id": "bm-bmtnabi-1859-09-24-01", "volume": "bmtnabi_1859-09-24_01", "ocr_sha256": "13726d47c9d84929f7077641d443360ebf08e50632e5e6369f2095d7446ed3cd", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1859/09/24_01/bmtnabi_1859-09-24_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590924-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1859-09-24-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-09-24_01#c001", "volume": "bmtnabi_1859-09-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "305", "page_fin": "305", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590924-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "305", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590924-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 477, "texte": "Inhalt.\nDer Gesang als Grundlage einer christlichen Aesthetik. (Der Kunstgesang u. s. w. Von C. G. Nehrlich.) Schluss. Sing-\nÜbungen von Antonio Mazzoni, bearbeitet von R. Wüerst. Systematische, theoretische Elementar-Singschule. Unter Dr. Immanuel Faisst's\nMitwirkung herausgegaben von L. Stark und S. Lebert. Der Zustand der Kirchenmusik überhaupt und in Süd-Deutschland besonders«\nVon Dr. D. M. Tages- und Unterhaltungsblatt (Berlin Dresden Schlestadt Bremen Salzburg Arad)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-09-24-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-09-24_01#c002", "volume": "bmtnabi_1859-09-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "305", "page_fin": "308", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590924-01.2.2", "titre_corps": "Der Gesang als Grundlage einer christlichen Aesthetik.", "titre_sommaire": "Der Gesang als Grundlage einer christlichen Aesthetik.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "305", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590924-01.1.1", "debut_caractere": 479, "fin_caractere_exclue": 4235, "texte": "Der Gesang als Grundlage einer christlichen Aesthetik.\n(Der Ämißgefattg it. f. tu. Hoit ©. <§. Heljrlid).)\n(Schluss. S. Nr. 37.) |\nEs geht Herrn Nehrlich wie allen Enthusiasten, die\nauf praktischem Wege zum Nachdenken über ihre Be-\nschäftigung gekommen: sie nehmen dann das von ihnen\nGefundene für etwas zum ersten Male Erfundenes und\ngerathen in eine Art von Schwärmerei dafür, die, so fern\nsie mehr in der Liebe zur Sache und in der Ueberzeu-\ngungs- und Gewissens-Treue ihre Wurzel hat, als in per-\nsönlicher Eitelkeit, ihre nicht bloss verzeihliche, sondern\nauch nützliche Seite hat, trotzdem aber in ihren Resultaten\nnur mit Vorsicht aufgenommen werden darf. Am gefähr-\nlichsten ist eine solche Schwärmerei in der Kunstlehre,\nzumal wenn sie, nicht von streng wissenschaftlicher Bildung\nunterstützt, dennoch ihr Object wissenschaftlich definiren\nund die Ergebnisse ihres Enthusiasmus philosophisch be-\ngründen will. Eine Epoche wie die jetzige, ein Zeitalter\nder Reflexion, Theorie und Kritik, ist vorzugsweise ange-\nthan, zu verleiten, an die Lösung der Frage nach den letz-\nten Gründen jedes Dinges mit grosser Dreistigkeit ohne\ngehörige Fundamentalbildung des logischen Denkvermö-\ngens zu gehen; und was dann dabei für die Kunstlehre,\nnamentlich für die Aesthetik der Tonkunst, für Zwitter-\nSysteme und Phantasie-Geburten herauskommen, davon\ngibt die neuere musicalische Literatur, Wagner's „Drama\nder Zukunft\" an der Spitze, hinlängliche Beispiele.\nDiese Bemerkungen passen zum grossen Theil auch\nauf die Bestrebungen, die in den beiden (in Nr. 37) von\nuns angeführten Schriften zu Tage kommen. Das Gute,\ndas im Allgemeinen in diesen Bestrebungen, die Musik auf\ntiefere Quellen im Inneren des Menschen zurück zu füh-\nren, liegt, wollen wir keineswegs verkennen: sie sind der\nerfreuliche Ausfluss einer Reaction gegen die Gehaltlosig-\nkeit, ja, Unsittlichkeit des modernen Musiktreibens, der\nseelenlosen Virtuoserei, der oberflächlichen und leichtfer-\ntigen Lehrweise.\nDiese Anerkennung kann uns aber nicht hindern, in\nBezug auf Nehrlich's „Kunstgesang\" zu bedauern, dass\ndas theoretisch Richtige und auch praktisch Brauchbare in\nseinem Buche in einen so weiten Mantel der Darstellung\ngehüllt ist, dass man mitunter Mühe hat, es aus den Falten\ndesselben herauszuschütteln. Zunächst mangelt, was in\neinem Buche, in welchem so viel von Philosophie die Rede\nist, auffällt, die logische Eintheilung des Stoffes. Diese ist\nso nachlässig gemacht, dass der ersten Abtheilung:\n„Theoretischer Theil\", der von Seite 7—86 geht,\nauf S. 87 eine „Einleitung zum dritten oder prakti-\nschen Theile\" folgt, ohne dass von einem zweiten die\nRede gewesen ist. Ferner enthält diese „Einleitung\"\nzum praktischen Theile den ganzen praktischen Theil selbst,\nund zwar nur auf zehn Seiten (88—98), während der\ntheoretische schon vieles bringt, z. B. den Abschnitt „Co-\nloratur\", das in den praktischen gehört. Wie dieser Ab-\nschnitt in folgende Reihe passt: „Theoretischer Theil.\nI. Allgemeines. 11. Körperliches. 111. Geistiges. IV. Beseel-\ntes (Ist das nichts Geistiges?). V. Coloratur\" —das ist über-\nhaupt schwer zu begreifen.\nEin zweiter Uebelstand ist der, dass der Verfasser die-\nses sein neuestes Werk zwar ausdrücklich „Eine Ge-\nsangschule\" nennt und obenein mit dem etwas markt-\nschreierischen Zusatz: „für Gesangstudirende, Künstler\nund Kunstlehrer und alle, welche den höheren Gesang\nlieben, lernen, ausüben oder lehren\"—dennoch aber alle\nAugenblicke auf seine früheren methodischen Bücher ver-\nweis't und den Belehrung Suchenden nach C. G. Nehrlich's\n„Gesangkunst\", zweite Auflage, Leipzig, bei Teubner,\n1853, zurückschickt. Dass nun die Leser des „Kunstge-\nsangs\" von 1859 wieder bei der „Gesangkunst\" von\n1853 in die Schule gehen müssen, riecht etwas stark nach"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "306", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590924-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5259, "texte": "Buchmacherei im Gustav-Schillings-Geschmack, von dem\nwir keine Freunde sind. Anführungen methodischer\nWerke für Gesang-Unterricht, die von Anderen herrühren\nals dem Verfasser, findet man so gut wie gar nicht; Herr\nNehrlich denkt zwar nicht: vApres moi le delugc\", aber:\n„Avant moi le chaos\" —und geht darin viel zu weit. Be-\nsonders auffallend ist, dass er das sehr verdienstliche Werk\nvon Dr. W. Schwarz: „System der Gesangkunst\nnach physiologischen Gesetzen\", Hannover, beiHel-\nwing, 1857—nirgends erwähnt.\nEndlich scheint uns Herr Nehrlich viel zu sehr erfüllt\nvon Ueberschwenglichkeit des Vertrauens auf seine „Ent-\ndeckungen\" und „methodischen Geheimnisse\", wie sie\nsich z. B. gleich in der Einleitung in den Worten kund\ngibt: „Der Verfasser Hess daher neben den Uebungen in\nder technischen und organischen Befähigung zum Gesänge\nUebungen hergehen, welche auf Belebung und Stär-\nkung des Willens, Veredlung des Herzens, Bereicherung\nder Phantasie und Aufklärung des Verstandes berechnet\nwaren. Die Natur, welcher er durch einen\nglücklichen Gedankengang auf die Spur gekommen war,\nliess ihn auch „a posteriori einen Blick in ihre geheime\nWerkstatt thun, um ihm das harmonische Zusammengrei-\nfen der Mittel zu zeigen, durch welche auch die unbe-\ngabteste Stimme zum seelenvollen Organ eines edlen\nGesanges werden kann.\" Da der incorrecte Ausdruck:\n„unbegabteste Stimme\", nichts Anderes bedeuten kann,\nals einen Menschen, „der keineswegs mit einer Stimme\nbegabt ist,\" so hätten wir denn hier eine Methode, durch\nwelche dasjenige, was man bisher für das Haupt-Erforder-\nniss beim Gesänge gehalten hat, nämlich die Stimme, über-\nflüssig gemacht wird!\nDer Verfasser hat (S. 4) in der „Einrichtung des Or-\nganismus und der Gesetzmässigkeit ihrer Functionen den\nKeim für alles Grossartige im Gesänge\" gefunden, ferner\naber „eineneigenthümlichen hellen Klang als die Sonne,\nwelche diesen Keim zur Entfaltung bringt\". Dieser „helle\nKlang\" leistet Alles: „grossen Ton, reinen Ton, Colora-\ntur und deutliche Aussprache\". Dabei müssen wir nur\nbedauern, dass derselbe „bloss mündlich erlernt werden\nkann\" (S. 4); denn aus dem Zusammenhange geht her-\nvor, dass dies heissen soll: der bloss mündlich gelehrt\nwerden kann, da wir keinen Begriff davon haben, wie\nüberhaupt irgend ein Ton anders als mündlich gelernt\nwerden könne. In der That finden wir in dem ganzen\nBuche keine Erklärung, worin dieser Zauberton besteht,\nund keine Anleitung, wie er zu erzielen sei. Wir werden\nalso alle zu Herrn Nehrlich reisen müssen, um „mündlich\nzulernen\". Bis dahin müssen wir den neu entdeckten,\ngeheimnissvollen „hellen Klang\" für einen sehr nahen\nVerwandten der Voix blanche (im Gegensatze der Voix\nsornbre) der älteren Schule halten.\nWas nämlich Seite 39 über „die Kunst des hellen\nTones\" gesagt wird, bringt uns nicht weiter. Es heisst\nauch da nur: „Es lässt sich mit Worten keine Vorstellung\ndavon geben; von dem Lehrer vorgemacht, kann er leicht\nnachgemacht werden und wirkt Wunder. Durch ihn\nentwickelt sich das Chaos der inneren Tonwelt zu fünf\ngeordneten Daseinsstufen, die den fünf Daseinsstufen\nder Aussenwelt entsprechen.\" (!)\nUm dergleichen Mysticismns der Gesanglehre zu ver-\nstehen (?), muss man wissen, dass Herr Nehrlich fünf, sage\nfünf Register der menschlichen Stimme, und zwar jedes\nvon vier Tönen (unabänderlich, jedwede Natur unter die\ngleiche Schablone gebracht!) annimmt (§. 19, S. 28 ff'.).\nDann muss man hören, wie er diese Register in ihrem\nVerhältnisse zur Weltstellung und zu Gott betrachtet\n(S. 38):\n„Ich kann mich hier nicht enthalten, darauf aufmerk-\nsam zu machen, dass Gott mit den Menschen gerade so\nverfährt, wie der Mensch mit den Tönen. Auch die Men-\nschen treten, aus Leib und Seele bestehend, ins äussere\nDasein heraus, das Ebenbild seines inneren Wesens zu\nsein; aber auch der Vollkommenste ist von Natur nicht in\ndem Zustande der Reinheit, die für das Leben erforderlich\nist, zu dem Alle berufen sind, für das Leben im ewigen\nReiche Gottes. Darum trennt Gott die Vereinigung wieder,\ndie durch die Natur zu Stande kam; der Mensch wird\ndurch den Tod in Körper und Seele aufgelös't, und zwar\nin seinen Urkörper und seine Urseele, welche beide aus\neiner dem Menschengeiste unwahrnehmbaren Welt her-\nrühren, daher in ihrer vollkommenen Trennung verschwun-\nden zu sein scheinen; aber sie existiren eben so gewiss, als\ndie Tonkörper und Tonseelen existiren, welche die Kunst\nzu trennen pflegt, um sie einmal zu einem vollkommneren\nGanzen wieder vereinigen zu können; sie werden daher zu\nseiner Zeit, wenn die reine Körperlichkeit (die gefassten\nRegister) den Gipfelpunkt ihrer aufwärts gehenden Ent-\nwicklung, und die reine Geistigkeit oder Seelenhaftigkeit\n(die gehauchten Register) den Fundamentalpunkt ihres Ab-\nwärtssteigens erreicht haben wird, zu einem schöneren\nGanzen wieder vereinigt werden. Das ist der Sinn der Auf-\nerstehung, die viel wörtlicher aufzufassen ist, als sich die\ntief gelehrte Welt träumen lässt.\n„In unserem Verhältnisse zur Tonwelt hat uns Gott ein\nAbbild seines Verhältnisses zur Welt, insbesondere zur\nMenschenwelt, gegeben. Die Register sind das Werkzeug\nder Trennung und der Vereinigung, des Todes und Wie-\nderauflebens. Wie die Töne der Sängerbrust sterben müs-\nsen, um schöner wieder aufzuerstehen, so auch die Men*"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "307", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590924-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5356, "texte": "sehen und die ganze Natur; und wie die Belebung der\nTöne eine unendlich mannigfaltige ist, damit die Verwirk-\nlichung des Gesang-Ideals möglich werde, so wird auch\ndie neue Belebung der Menschen und der Natur unendlich\nmannigfaltig sein, damit das Beich Gottes in seiner ganzen\nReinheit verwirklicht werde.\n„Aber diese neue Belebung zu einem höheren, ver-\nklärten Dasein wird nicht eher eintreten, als bis sich auch\nim ganzen Weltall das Doppelrcgister für eine gegensei-\ntige Verklärung und Durchdringung hergestellt hat, das\nwir im Tonleben unserer Stimme herzustellen im Stande\nsind. Alles, was wir in der Natur sehen, ist eine Offenba-\nrung eines Strebens nach Ausdehnung der Factoren des\nLebens, der Geistigkeit und der Körperlichkeit. Die Kör-\nperlichkeit steigt gleich einer gefassten Registerreihe auf-\nwärts vom schwersten Metalle bis zum geistigen Licht-\nstrahle; die Geistigkeit aber senkt sich belebend gleich\neiner gehauchten Registerreihe abwärts von dem We-\nsen, welches das Menschengehirn in Bewegung setzt, bis\nzu dem Wesen, welches die Atome eines Goldklumpens\nzusammenhält. Diese doppelte Richtung der Natur zur Her-\nvorrufung einer neuen Welt stellen die Register durch ihre\ndoppelte Ausdehnung aufs anschaulichste dar, so dass man\nunwillkürlich auf den Gedanken kommen muss, der Urhe-\nber aller Belebung habe uns in ihrem Zwecke den Zweck\nder Natur vor Augen legen wollen.\n„Noch muss ich hier der Merkwürdigkeit gedenken,\ndass nur die vier ersten Register gefasst oder gehaucht\nvorkommen können, das fünfte und höchste aber seine\nNatur nicht zu ändern vermag. Es weis't damit auf eine\nEntwicklungsstufe des Daseins hin, auf der die Körperlich-\nkeit völlig spiritualisirt, d. h. mit der Seelenhaftigkeit durch\nund durch Eins geworden ist. Das ist auch der Charakter\nder Töne dieses Registers; jeder ist die Offenbarung eines\nin seiner materiellen Lebendigkeit strahlenden Geistes.\"\nWas sollen dergleichen mystische Phantasieen, die\nnoch dazu auf einer so willkürlichen Annahme, wie die des\nfünffachen Tetrachords der Stimmregister ist, beruhen,\nbeim Gesang-Unterricht?\nWeit mehr einverstanden sind wir mit dem praktischen\nTheile des Buches, d. h. mit der Auswahl der Uebun-\ngen und Solfeggien —142 Nummern für Sopran- oder\nTenorstimmen, 174 für Alt- oder Bassstimmen (aber im\ngedruckt). Der Text dieses Theiles könnte frei-\nlich ausführlicher sein, wofür Baum genug durch Aus-\nscheidung unwesentlicherer Dinge aus dem ersten Theile\ngewonnen werden könnte. Auch stimmt die Erklärung des\nVerfassers (S. 87): „Es kann unsere Absicht nicht sein,\neine ausführliche Anleitung zu geben, wie man die gege-\nbenen Solfeggien als Mittel u. s. w. zu behandeln habe, da\ndiese Schule nicht eine Schule zum Selbstunterricht sein,\nsondern dem Lehrer, der eine gute Tonbildung hat, zur\nAnregung, dem Schüler aber unter einem solchen Lehrer\nzum Leitfaden dienen soll\" —nicht zu dem Titel und zu\nder auf dem Titel noch besonders angeführten Bestimmung\ndes Werkes für Gesangstudirende u. s. w. Wir halten\nauch viel auf die „alten Solfeggien\", die der Verfasser\ngegeben hat (sie sind mit Athemstrichen versehen; von\n„neuer Bearbeitung in der Begleitung einiger\" haben wir\nnichts bemerkt), und es ist gut, dass diese, allein auf die\nkunstmässige Ausbildung der Stimme, nicht auf melodiö-\nsen Beiz berechneten Solfeggien der alten Italiiiner, von\ndenen Scarlatti, Caselli, Mazzoni, Hasse, Leo, Porpora ge-\nnannt sind, wieder abgedruckt sind. Allein trotzdem nimmt\nHerr Nehrlich den Mund wieder zu voll gegen sämmtliche\nneuere Solfeggien, von denen er nur die Bordogni'schen\n„mit Auswahl\" zur Benutzung erlauben will. Es gibt von\nCherubini bis zu unseren Zeitgenossen (z. B. Siebert) Com-\nponisten von Solfeggien, die auf geschickte Weise das An-\ngenehme mit dem Nützlichen zu verbinden wissen. Der-\ngleichen Arbeiten sind freilich nicht so leicht und bequem,\nwie der Abdruck von Uebungen aus den Gesangschulen\nder Alten und das Absprechen in Bausch und Bogen über\ndie Neueren.\nSollen wir im Ganzen unsere Ansicht über das vor-\nliegende Buch zusammenfassen, so müssen wir gestehen,\ndass wir wohl das Streben des Verfassers, weniger aber\nden Eutzen seines Werkes anzuerkennen vermögen; na-\nmentlich können wir diesem nicht das Prädicat einer „Ge-\nsangschule\" zuertheilen, da den Hauptinhalt theoretisches\nBaisonnement bildet, dessen Quintessenz auf ein paar Bo-\ngen hätte gegeben werden können, und dem wir über-\nhaupt nicht die grosse Bedeutung beizulegen vermögen,\ndie der Verfasser ihm zuschreibt. Es ist recht schön und\ngut, dass auf das Seelische des Gesanges der Haupt-Accent\ngelegt wird; allein die Methode überschätzt sich selbst,\nwenn sie diese Eigenschaft hervorbringen oder entwickeln\nzu können glaubt. Der richtige Vortrag lässt sich aller-\ndings lehren; den seelenvollen Ton und den beseelten\nVortrag kann keine Methode der Welt da erzeugen, wo\nkeine Seele ist. Der sympathische Klang der Stimme und\nder Gefühls-Ausdruck sind Gaben der Natur; den gemach-\nten und angelernten wird man auf der Stelle von dem\nwahren, angeborenen unterscheiden. Will man gegen diese\nAnsicht die Beispiele von Sängern anführen, die mit wenig\nStimme dennoch das Herz ergriffen und hingerissen ha-\nben, so sprechen diese Beispiele gerade für unseren Satz:\ndenn nur die geistige Organisation, die innere Begabung\nmachte sie fähig—bei gleichen Studien—, andere Sänger,\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "308", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590924-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3759, "texte": "die mehr Stimme, aber weniger Seele, weniger Genie\nhatten, zu übertreffen.\nWir schliessen hier folgende Anzeigen an:\nSingübungen von Antonio Mazzoni, bearbeitet\nvon Richard Wüerst. Berlin, Trautwein'sche\nBuchhandlung. 4 Hefte (2 für Sopran, 2 für Alt),\njedes 1 Thlr.\nAntonio Mazzoni gehört wie Mancini zu den berühm-\nten Gesanglehrern des vorigen Jahrhunderts in Italien (geb.\n1725, gest. nach 1790). Auch als Componist erwarb\ner sich durch mehrere Opern einen bedeutenden Ruf, der\nihn auch nach fremden Ländern führte, nach Russland\nund Schweden und von da nach Spanien. Zuletzt lebte er\nin seiner Vaterstadt Bologna, wo er seit 1770 Capellmei-\nster an San Petronio war.\nHerr R. Wüerst hat von den Singübungen Mazzoni's,\ndie, wie er mit Recht sagt, in ihrer Art noch unübertrof-\nfen sind, acht der vorzüglichsten ausgewählt und mit einer\nleichten Clavier-Begleitung versehen, „ohne dabei an den\nvielfach geschmacklosen, oft sogar fehlerhaften Bässen fest-\nzuhalten, mit denen die Uebungen bekannt waren.\" In\nden zu solfeggirenden langsamen Sätzen hat er die Ton-\nsylben do re miu. s. w. untergelegt und in allen Stücken\nZeichen für das Athemholen angebracht. Die Sopran-\nUebungen sind dieselben, wie für die Altstimme, aber um\neine Quarte höher. Die Begleitung ist recht hübsch in dem\nStil der Melodie gehalten. Die Uebungen sind Musikstücke\nin geschlossener Form, jede besteht aus einem langsamen\nTempo und einem Allegro. Wir empfehlen sie allen Ge-\nsanglehrern und Sängerinnen, denen es mit dem kunst-\nmässigen Gesänge Ernst ist. Der Stil der Coloratur wird\nallerdings von Vielen als zopfig bezeichnet werden, allein\nwer diesen Zopf bezwingt (namentlich Nr. 7 und 8), für\nden wird das moderne Haargekräusel ein Rinderspiel.\nEinen anderen Zweck verfolgt:\nSystematische, theoretische Elementar-Singschule\nzum Gebrauch beim Privat-Unterricht so wie in\nden höheren Lehranstalten und Chorknabenschu-\nlen beider Confessionen. Unter Dr. Immanuel\nFaisst's Mitwirkung verfasst und herausgegeben\nvon Ludwig Stark und Sigmund Lebert,\nLehrern an der Stuttgarter Musikschule. Stuttgart,\nhei J. G. Cotta. 1859. Gr. 8. VI u. 343 Seiten.\nDer Ausdruck im Titel: „in den höheren Lehran-\nstalten\", kann zu Missverständnissen Anlass geben; das\nBuch ist für die Ausbildung und den Gesang-Unterricht\nvon Kinderstimmen vor der Mutation bestimmt, also doch\nhauptsächlich für Elementarschulen, was natürlich den\nGebrauch in den unteren Classen höherer Lehranstalten\nnicht ausschliesst.\nDer angegebene Lehrgang ist zweckmässig und be-\nwährt das Geschick der Verfasser, das Pädagogische mit\nder gründlichen Vorbereitung zum Künstlerischen zu ver-\nbinden. Das Singen nach Zahlen wird mit Recht nur als\nMittel zum Zweck bei den Uebungen im Treffen vorüber-\ngehend angewandt, sonst ist überall das Noten-System zu\nGrunde gelegt. Die Abschnitte, welche die allmähliche\nEntwicklung des Organs bezwecken, und das Capitel über\ndie Aussprache haben uns besonders befriedigt; letzteres\nist in vielen Gesangschulen in Bezug auf praktischen Un-\nterricht und Uebungen ganz und gar vernachlässigt. Der\nzweite Theil enthält auf S. 193—343 eine Sammlung\nvon 16 einstimmigen Liedern mit Clavier-Begleitung, 12\nzweistimmigen und 12 dreistimmigen Chorälen, mehreren\nkatholischen Kirchengesängen mit lateinischem Text, 6\nzwei-, 6 drei-, 12 vierstimmigen Liedern u. s. w. bis zu\n7 dreistimmigen Fugen alles für unmutirte Stimmen.\nSollte es nicht zweckmässig sein und die Einführung er-\nleichtern, wenn die Stimmen zu dieser Sammlung (die viele\neigene Compositionen der Herausgeber und die Bearbei-\ntung der Choräle durch Herrn Dr. Faisst enthält) in wohl-\nfeilem Abdruck den Schülern in die Hände gegeben wer-\nden könnten?—Text- und Notendruck ist vortrefflich, die\nganze äussere Ausstattung vorzüglich."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-09-24-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-09-24_01#c003", "volume": "bmtnabi_1859-09-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "308", "page_fin": "311", "image_debut": 4, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590924-01.2.3", "titre_corps": "Der Zustand der Kirchenmusik überhaupt und in Süd- Deutschland besonders.", "titre_sommaire": "Der Zustand der Kirchenmusik überhaupt und in Süd- Deutschland besonders.", "signature_source": "D. 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Im Sturmschritt vollendete sich von da an die Ver-\nschlechterung der kirchlichen Musik; es hat den Anschein,\nals ob es darauf abgesehen gewesen wäre, durch die Ver-\nflachung dieses mächtigen Factors der religiösen Rührung\ndie Kirche selbst zu schwächen. Es überboten sich ordent-\nlich die Componisten in der Hervorbringung von nichts-\nsagender theatralischer, von Hokuspokus überströmender,\ntänzelnder Kirchenmusik. Der Gräuel an heiliger Stätte\nwar so gross geworden, dass man ungescheut die frivolsten\nPiecen aus komischen und anderen Opern während der\nheiligsten Handlung producirte. Da hätten die Vorsteher"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "309", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590924-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5613, "texte": "der Kirche blind sein müssen, wenn sie nicht den Schaden\nbemerkt hätten, der aus dieser Richtung erwuchs. Gleich-\nwohl dauerte es lange genug, an die 70\nEinschreitungen gegen dieses Gebahren erfolgten. Regens-\nburg hat das Verdienst, die Initiative ergriffen zu haben.\nDer dort als Canonicus lebende Dr. Proske, ein Mann des\ngründlichsten und ausgebreitetsten Wissens, der zudem\nüber zwei Jahre in Rom und anderen berühmten italieni-\nschen Städten die kirchenmusicalischen Schätze nicht nur\nstudirt, sondern eigenhändig copirt hatte, der auch in Folge\ndessen im Resitze einer unendlich kostbaren Ribliothek ist,\nversammelte neben den Sängern des Chors der Stiftskirche\nan der alten Capelle eine Anzahl von Musikfreunden und\nMusikfreundinnen zu regelmässigen Versammlungen, in\ndenen neben theoretischen Relehrungen die Meisterwerke\nder mittelalterlichen Kirchenmusik in chronologischer Folge\npraktisch geübt wurden. Oefters im Jahre wurden öffent-\nliche Aufführungen veranstaltet, die Anfangs der Neuheit\nwegen, allmählich aber auch aus aufrichtiger Regeisterung\nzahlreich besucht wurden. Die Journale nahmen auch schon\nNotiz davon, wenngleich noch schüchtern und vereinzelt.\nWie sehr man an dem Hergebrachten und seit Jahren Ge-\nwohnten hing und wie wenig Hoffnung auf Nachahmung\ndiese Versuche hatten, beweis't der Umstand, dass in Re-\ngensburg selbst nach dreissig Jahren keine einzige Kirche\nzu ähnlichen Restrebungen auch nur im Entferntesten die\nHand bot, die Domkirche ausgenommen, welche doch hin\nund wieder Versuche machte. Von weit her war schon gar\nkeine Aussicht auf Erfolg; man rühmte die Restrebungen,\nbelobte sie, staunte sie an, belächelte sie wohl auch als\neine fixe Idee; dabei blieb es. Selbst nicht ein einziger Kir-\nchenfürst that sich hervor, der ihnen das Wort geredet\nhätte; ja, gerade der Clerus war ihr heftigster und langjäh-\nriger Gegner. Doch endlich sollte die Sache ihre gehörige,\nlängst verdiente Würdigung finden. Der Hochwürdigste\nRischof Valentin von Regensburg, seit 1857 im Grabe\nruhend, veranlasste 1851 die Herausgabe eines Sammel-\nwerkes, das dem oben genannten Canonicus Dr. Proske\nanvertraut wurde und die Verbreitung altclassischer Kir-\nchenmusik zum Gegenstande hat. Ihm zur Seite sollte ein\nHandbuch des Cantus Gregorianus gehen, und sollte der\nkürzlich verstorbene Chorregent Joh. Georg Mettenleiter\ndie Rearbeitung desselben auf sich nehmen. Alsbald erschien\nein Prospeetus zu der beabsichtigten und\nzu dem JEnehiridion Chorale sammt Orgelbuch; und den\nRemühungen des hochseligen Rischofes Valentin, der an alle\nRischöfe Einladungsschreiben zur Retheiligung an diesem\nreformatorischen Werke ergehen liess, ist es vorzüglich zu\ndanken, dass die Subscription eine sehr namhafte Liste\nschon in kurzer Zeit aufwies. Mit dem Erscheinen der ersten\nPartieen, beiden Messen (Pustet in Ilegensburg}, begann\nauch die Aufführung der darin enthaltenen Werke; zwar\nging es damit langsam, der Geschmack war zu sehr ver-\nwöhnt, als dass er an solch ernsten Tongebilden schnell\nGefallen finden konnte. Auch war das Verständniss fast\nganz verloren gegangen; die alten Tonarten, in denen sie\nsich ausschliesslich bewegen, waren so fremd, wie die eigen-\ntümliche Notenschrift der alten Antiphonarien und Gra-\ndualien. Es galt einen gänzlichen Neubau auf ganz neuem\nFundamente. Kein Wunder, dass sich Viele dagegen sträub-\nten; es geschah aus Unlust und Liebe zur Gewohnheit, viel-\nfach aber aus Trägheit. Die Versuche blieben desshalb ver-\neinzelt. Zu einem allgemeinen Durchbruche konnte es so\nnicht kommen; ja, umgekehrt! die Regeisterung, welche An-\nfangs Manchen entflammt hatte, verlor sich allmählich, und\nzwar so sehr, dass schon nach kurzer Frist eine Stockung\nin dem Erscheinen beider genannten Werke eintrat, die\num so nachtheiliger wirkte, als dadurch ein Mangel an auf-\nführbaren Werken selbst für den entstand, welcher mit\nHintansetzung aller Rücksichten opferfreudig und beharr-\nlich der angebahnten Richtung folgte. Der moralische Nach-\ntheil war noch grösser. Man sagte und schrieb es offen,\ndass das Unternehmen nicht zeitgemäss sei, und führte\nals Reweis eben die Unregelmässigkeit und die Schwierig-\nkeit seines Fortbestandes an. Die so schön begonnene Sache\nder Reform der Kirchenmusik schien verloren; der Erlass\ndes genannten Rischofes im Jahre 1857, so schön, erha-\nben, wahr und überzeugend er auch war, konnte doch die\nAngelegenheit nicht retten, um so weniger, als der Tod\ndiesen grossen Beförderer dieser Restauration noch im selben\nJahre wegraffte, und nicht lange nachher der Mit-llaupt-\nträger der ganzen Reform, Chorregent J. G. Mettenleiter,\nin ein viel zu frühes Grab sank. Da erhob sich der Rischof\nvon Passau und übernahm so zu sagen die Erbschaft sei-\nnes begeisterten bischöflichen Mitbruders; er verordnete,\ndass in seiner Domkirche nur die und das\nEnchiridion Chorale gebraucht werden sollten, und er blieb\nsich getreu. Auch der Rischof von Regensburg, Ignaz, selbst\nein grosser Kunstkenner, trat in die Fussstaplen seines Vor-\ngängers, und im Dome und in der alten Capelle zu Regens-\nburg hört man nur Gregor. Cant. und Alt-Classisches. Der\nchristliche Kunstverein war begeistert, als er bei seiner\nzweiten General-Versammlung in Regensburg die Meister-\nwerke mittelalterlicher Kirchenmusik hörte, und sprach\nlaut seine aufrichtigste Rilligung des beiderseitigen Unter-\nnehmens aus. Auch von anderer Seite hört man Aehnliches;\nselbst einfache Dorf-Schullehrer singen auf ihrem Chor\nnach dem Enchiridion, und thun es aus Leberzeugung.\nGleichwohl stockt die Sache; sie schleppt sich nur hin, es\nkommt zu keinem rechten Leben; die zahlreichen Gegner"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "310", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590924-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5543, "texte": "der mittelalterlichen Kirchenmusik und des\nin seinem ganzen Ernste sind nicht bekehrt, ja, sie häufen\nsich an. Dass sich die Presse, die doch sonst Alles in ihren\nBereich zieht, nicht der Sache annimmt, sie vollends igno-\nrirt, wenigstens sehr kalt, um nicht zu sagen: gering, be-\nhandelt, ist kein gutes Zeichen. Woher kommt das? Wel-\nches sind die Ursachen?\nViele Ursachen, warum die reformatorische Thätigkeit\nauf dem Gebiete der Kirchenmusik nicht recht Anklang\nfindet, habe ich schon früher angeführt. Ich werde in\nNachstehendem Weiteres vorbringen, bemerke aber da-\nbei, dass ich mich bloss referirend verhalte. Ich gebe die\nMeinungen Anderer, die ich vernahm, und überlasse es Je-\ndem, sich seine Ansicht danach selbst zu bilden. Hier scheint\nmir weniger als je der Grundsatz gelten zu wollen:\ncc;die Autorität bleibt im Rechte, ob aber ein Macht-\nspruch hier gut angebracht und von Wirkung ist, bleibe\ndahingestellt. Für die Katholiken ist zwar das Wort der\nKirche maassgehend, ob aber auch auf dem Felde der Mu-\nsik, will vielfach angestritten werden, und wie es scheint,\nmit um so mehr Erfolg, als die Aussprüche und Ansichten\nder einzelnen Kirchenfürsten hier nicht übereinstimmen,\nsondern oft weit aus einander gehen. Machen wir einen\nVergleich! Es ist in neuerer Zeit allgemein das Streben\nrege geworden, zu dem Alten zurückzugreifen; ich lasse\nhier ununtersucht, warum und ob mit vollem Rechte. In\nder Baukunst florirt jetzt wieder mehr als je die Gothik;\nin der Malerei sind die alten Bilder vorzüglich beliebt ge-\nworden; ich erinnere nur an den düsseldorfer Bilder-Ver-\nein, der die besten alten Bilder wieder reproducirt. Die\nkirchliche Ornamentik sucht die alten Infuln, Caseln u. s. w.\nhervor; selbst die Kleidertracht neigt zu den alten Formen\nhin. Auch die Poesie endlich liebt es, die Dichtungen des\nMittelalters wieder neu aufzulegen. Diese Einstimmigkeit\nmuss doch in einem Bedürfnisse ihren Grund haben. Doch\ndas gehört nicht hieher. Wie nun? Begnügt man sich bloss\ndamit, die Gothik, die Bilder, die Ornamente, die Lieder\nder alten Zeit in unveränderter Weise zu reproduciren,\noder nimmt man auch die Fortschritte der Neuzeit zu\nHülfe? Man vereinigt Beides. Den Statuen und Bildern\nsucht man den Geist des frommen Alterthums einzuleben,\nman umkleidet sie mit seinen keuschen Falten und Gewan-\ndungen, aber man steht nicht an, die Formen-Gewandtheit\nder jungen Tage zu Hülfe zu nehmen. Und in der That!\nWäre es denn ein Gewinn, wenn ihr Statuen und Bilder\nhinstelltet, die ganz aus dem Alterthum genommen sind?\nKann uns eine Statue gefallen in den älteren Formfehlern?\nIst ein ebenmässig gegliederter Körper nicht schöner, als\nein verwachsener, verkrüppelter? Ist es nicht ein Gewinn,\nwenn wir der mystischen Gothik der Altzeit durch die me-\nchanischen Erfindungen der Neuzeit zu Hülfe kommen?\nIst z. B. die gothische Kirche in der Au bei München we-\nniger schön, weil sie mit den Fortschritten der Neuzeit\naufgebaut ist? Könnte uns ein altes Gedicht in der alten,\nunausgebildeten, wenn auch körnigeren Sprache besser ge-\nfallen, und wäre es nicht besser gethan, den herrlichen In-\nhalt der alten Poesie der Sprache nach in verbessertem\nDeutsch zu lesen? Gewiss! es geht nichts über die alten\nKirchenlieder, und unsere neuere Literatur mitsammt weis't\nnicht ein einziges Gedicht auf, wie den Heliand. Gewiss!\nein Bild von Fiesole ist unübertrefflich an geistigem Ge-\nhalte, und Renner und Liebhaber werden an dem An-\nschauen des unveränderten Werkes unendliches Vergnügen\nfinden. Aber allgemein zugänglich, durchgreifend Gemein-\ngut werden sie in der unveränderten Gewandung und\nSprache nie werden.\nMache man davon nun die Anwendung auf die Kir-\nchenmusik des Mittelalters! Ist auch das Teriium compa-\nrationis nicht vollkommen adaecjuat, so gibt es doch An-\nknüpfungspunkte genug, um sich ein Urtheil zu bilden über\ndie brennende Frage der Restauration der kirchlichen Ton-\nkunst. Gewiss! in den kirchlichen Gottesdienst gehört nichts\nvom Markte der Welt; die kirchliche Musik muss heilig,\nfromm, ernst, mystisch sein, wie die Religion selbst, der\nsie hier dient. Eine Präfation lässt sich gar nicht anders\ndenken, als in Cantu Gregor.;eine Einschmuggelung neue-\nrer Tonweisen wäre hier ein Unsinn; in unsere gothischen\nTempel passt nur ernste, langgehaltene, getragene Musik,\nInstrumente passen schon zur Bauart nicht, sie finden kei-\nnen Hall. (?) Ein tänzelndes Thema, von Flötenton und Sai-\ntenspiel und Trompetenstössen begleitet, taugt so wenig in\neine Kirche, als der Frack auf den Altar, als die Humo-\nreske auf den Predigtstuhl, als Kanape's und Divans und\nFauteuils vor die Communionbank. Aber ob nicht eine\nArt Vereinigung der älteren Tonformen mit den neuen\nFortschritten wenigstens für den Anfang als Brücke vom\nNeuen zum Alten thunlich wäre? Ob diese Art nicht die\nschnellere und sichere Einbürgerung der alten Kirchen-\nmusik erleichterte? Ob gar keine neuere Arbeit mehr gel-\nten dürfe, und wäre sie auch im strengsten Contrapunkte\ngemacht? Ob nicht wenigstens in der Notenschrift und in\nden Schlüsseln von dem starren Alterthum abgegangen\nwerden könnte? Dies sind Fragen, die stets wieder auftau-\nchen, so viel man auch dagegen geschrieben hat. Es müsse\nein plötzlicher und ausnahmsloser Umschlag ins Alte erfol-\ngen, sonst sei gar nichts zu hoffen, sagt man; aber es ist\nbisher nicht gelungen, dieser Meinung viele aufrichtige\nAnhänger zu gewinnen. Wer die Verhältnisse kennt, wie\nsie wirklich sind, nicht wie sie in der Idee sich darstellen\noder wie sie sein sollen, wird obigen Wünschen nicht alle"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "311", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590924-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3405, "texte": "Berechtigung absprechen. Sicher ist mehr gewonnen, wenn\nden Bedürfnissen und Mängeln, die nicht mit Einem Athem-\nzuge wegzuwehen sind, Rechnung getragen wird, als wenn\nman etwas von dem fordert, der nichts oder doch nicht\ndas Verlangte hat.\nJedenfalls ist es gut, von banalen Machtsprüchen ab-\nzulassen. Diese sind ohnmächtig und verrathen, dass die\nvertheidigte Sache eigentlich auf sehr schwachen Füssen\nstehe, da sie der Donnerkeile bedarf. Das Wahre bricht\nsich Bahn, es ist aus Gott, und Gott schreitet ruhig, sanft\nund fest, aber um so sicherer vor. Die Leidenschaft ver-\ndränge man; auch ist es nicht rathsam, zu viel von einem\neinzelnen Indviduum zu hoffen. Die Kirche wird auch hier\nihr segnendes Wirken entfalten; zwar wird sie nicht zwin-\ngend auftreten, aber gleichgültig bleibt sie auch nicht. Sie\nkann es nicht; in dem entgegengesetzten Lager geht man\nmächtig voran. Der Organist Herzog, um nur diesen\nEinen Namen zu nennen, baut seine Choralwerke ganz\nrecht und verständig auf die alten Tonarten. Ein altes Lied\nist ohne diese kaum denkbar, es verflacht sich jedenfalls in\nmoderner Auffassung unendlich. Eben so, wie seine Choral-\narbeiten, veröffentlicht derselbe auch Vorspiele, die sich in\nden alten Tonarten bewegen; er bietet damit den Orga-\nnisten unschätzbare Gaben. Ein Präambulum zu einem al-\nten Choral kann sich in nichts Anderem bewegen, als in\nder alten Tonart, in der er gesetzt ist. Dies will man zwar\nnur sehr schwer zugeben; aber es wird nichts helfen, die\nZeit drängt unwiderstehlich dahin.\nSo eben, da ich diesen Artikel schliessen will, erhalte\nich eine Nachricht, die denselben besser als Erwägun-\ngen beenden kann. Die Orgelbegleitung zu dem Enchi-\nridion Chorale des seligen Joh. Georg Mettenleiter wird\nsicher und bald fortgesetzt. Dass diese Mittheilung eine\nfreudige ist, wird jeder gern zugeben, der die Bedeutung\ndes genannten Werkes zu würdigen versteht. Bekanntlich\nberuht dieHarmonisirung, die hier angewandt ist, auf dem\nSystem des reinen Dreiklangs und ist ganz und gar con-\nform den Arbeiten der mittelalterlichen Meister, welche,\nwie bekannt, fast durchaus ihren Kirchen-Compositionen\nden Canius Gregor, zu Grunde legten. Leider hat der ver-\ndiente Meister die Arbeit nur bis zur dritten Section fort-\ngesetzt; es erübrigt noch das Proprium und Commune\niSanctorum, was weitaus die Hälfte des Ganzen sein dürfte.\nDie Unterbrechung des Werkes wäre um so schmerzlicher\ngewesen, da es bereits in sehr vielen Orten eingeführt ist,\nwie z. B. in Passau, Regensburg, in mehreren Orten am\nRheine, in Würtemberg, der Schweiz u. s. w. Dasselbe\nsagt man mir von dem kostbaren Sammelwerke des Cano-\nnicus Dr. Proske, Musica divina, von welchem der ver-\newigte Mettenleiter die Correctur und Stimmen-Ausgabe\nbesorgte. Das Erscheinen des dritten Bandes (Vesper-Band\nmit Psalmen und Magnificat) ist baldigst zu erwarten, da\nnur noch einzelne Stimmen zu vollenden sind. Auch der\nvierte Band wird in schnellen Angriff genommen und da-\nmit der erste Jahrgang dieses verdienstvollsten Unterneh-\nmens auf dem Gebiete der Kirchenmusik in neuester Zeit\ngeschlossen. Mögen dem ersten Jahrgange noch viele an-\ndere folgen! Das Bedürfniss nach solcher Musik wird mehr\nund mehr entstehen; und der gelehrte Canonicus Dr.\nProske hat ja einen fast unerschöpflichen Reichthum an\nWerken der mittelalterlichen Meister bis herab auf die\nZeit unserer grossen deutschen Classiker.\n\nDr. D. M."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-09-24-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-09-24_01#c004", "volume": "bmtnabi_1859-09-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "311", "page_fin": "312", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590924-01.2.4", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "311", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590924-01.1.7", "debut_caractere": 3407, "fin_caractere_exclue": 6054, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nIm berliner Hoftheater kamen vom 18. August 1858 bis 30. Juni\n1859 100 ernste Opern, 40 komische Opern und 12 Singspiele zur\nAufführung. Darunter war Mozart mit 20, Meyerbeer mit 18, Wag-\nner mit 15 und Auber mit 14 Vorstellungen vertreten. Neu waren\nzwei grosse Opern, eine komische Oper und ein Singspiel.\nDem im April 1858 verstorbenen Professor Dehn ist jetzt auf\ndem Sophien-Kirchhofe in Berlin ein würdiges Grabdenkmal gesetzt\nworden, wozu der Bildhauer Heidel die Zeichnungen gemacht und\nzum Theil ausgeführt hat. Der Sockel besteht aus Granit, eben so\nder fünf Fuss hohe Grabstein, an welchem eine bronzene Bekrö-\nnung ist, worunter sich in Bronze das wohlgetroffene Portrait Dehn's\nin Medaillenform befindet. Die Inschrift unter demselben ist in Stein\ngehauen und gibt das Geburts- und das Sterbejahr an.\nHans von Bülow bearbeitet den Clavier-Auszug von Richard\nWagner's „Tristan und Isolde\" und hat so eben den zweiten Act\nbeendet. Bülow spricht sich über das Werk selbst in folgender em-\nphatischer Weise aus: „Mit dem Erscheinen von Tristan und Isolde\ntritt die äusserliche Situation der neu-deutschen Schule in eine ganz\nneue Phase. Da die Nibelungen vor der Hand in Wagner's Pulte\nruhen bleiben, so tritt diese einabendige Oper an die Stelle. Hier ist\ndie Verwirklichung von Wagner's Tendenzen und zwar in ganz un-\ngeahnter Weise. Solche Musik hat Niemand von erwartet.\nDas knüpft direct an den letzten Beethoven (!) an keine Analogie\nmehr zu Weber oder Gluck. Zum Lohengrin verhält sieh Tristan,\nwie Fidelio zur Entführung aus dem Serail, wie das Cis-moll-Quar-\ntett zum ersten in Op. 18. Ich gestehe, aus einer Ueberra-\nschung des Entzückens in die andere gerathen zu sein. Welcher\nMusiker hier noch nicht an den Fortschritt glauben will, der hat\nkeine Ohren. Auf jeder Seite schlägt Wagner durch sein gewaltiges\nrein-musicalisches Wissen. Von dieser Architektonik, dieser musica-\nlischen Detail-Arbeit können Sie Sich keinen zu hohen Begriff ma-\nchen. An Erfindung ist Tristan Wagner's potentestes Werk. Nichts\nist so erhaben, als z. B. dieser zweite Act. Nach Tristan gibt es\nnur noch zwei Parteien: die Leute, die etwas gelernt, und die,\nwelche nichts gelernt haben. Wen diese Oper nicht bekehrt, der hat\nkeine Musik im Leibe. So reiche, klare und originale Polyphonie\ngibt es in nicht allzu vielen früheren Partituren» Populär kann Tri-\nstan und Isolde kaum werden, aber jeder einiger Maassen poetisch\nbegabte Laie wird gepackt werden müssen von der Erhabenheit und\nGewalt des Genies, die sich in diesem Werke offenbaren Abgesehen\nvon allem Uebrigen, ich versichere: die Oper ist der Gipfelpunkt"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "312", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590924-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5376, "texte": "bisheriger Tonkunst!\" Wir wünschen es im Interesse Wag-\nner's lebhaft, dass sich diese zu den sublimsten Anforderungen an\nsein Werk berechtigenden Aeusserungen um so mehr bewähren\nmögen, je mehr sie ihm den Weg billiger Schätzung und Anerken-\nnung offenbar erschweren. Möge Wagner niemals Ursache haben,\nähnlicher Vorkommnisse wegen sich über den Eifer seiner Freunde\nmehr zu beklagen, als über jenen seiner Gegner. (81. f. Mus.)\nDresden. Herr St. Leon, durch seine Leistungen als Violin-\nvirtuose und Balletmeister wohlbekannt und in letzterer Eigenschaft\nseit geraumer Zeit in Dresden thätig, hat eine besondere Behandlung\nder Violine entdeckt, wodurch eine Bereicherung ihrer Tonerschei-\nnungen erzielt wird. Eine zufällige Wahrnehmung, durch mannig-\nfache Versuche weiter gefördert, führte zu dieser eigentümlichen\nEntdeckung, welche höchst interessant ist. Sie besteht in einer Sour-\ndine, welche Herr St. vorläufig Sourdine orgue nennt. Sobald\nder Spieler diese Sourdine in das der G-Saite zunächst liegende f\n(Schallloch) der Resonanzdecke des Instruments an einer gewissen\nStelle hineinsetzt, was rasch auszuführen, so erklingen 1) in der\nTonleiter der 6\"- und D-Saite die Octaven nach der Tiefe zu mit;\n2) vervollständigen sich auf der G- und /)-Saite angegebene Doppel-\ngriffe durch den Mitklang des natürlichen dritten Tones des Aecords\nebenfalls nach der Tiefe zu; in einigen Fällen tritt sogar der ver-\ndoppelte vierte Ton des Accords hinzu. Dieser Mitklang in der tie-\nferen Tonlage ist indess keineswegs schwach, wie er bekanntlich bei\neinzelnen Doppelgriffen stets dem feinen Ohr hörbar war, sondern\nvollkommen deutlich. Grossentheils kommt er sogar an Ton-Volumen\nganz nahe den mit dem Bogen selbst angegebenen Tönen, nur fehlt\nnatürlich der durch den Bogenaufsatz bewirkte schärfere Ton-Accent,\nund der Charakter des nur durch innere Vibration des Instruments\nverursachten Klanges wird hiedurch einiger Maassen verändert.\nC. Banck.\nSdalestatlt. Die vierte Vereinigung der elsässischen Gesell-\nschaft für den Chorgesang hat am 24. Juli in Schlestadt im Elsass\nStatt gefunden, und diese kleine Stadt hat mit seltener Liberalität\nnicht weniger als 30,000 Gulden zur glänzenden Ausstattung dieses\nFestes gewidmet. Nach dem Vortrage der s;Eintracht\" von Mozart,\nder eine ergreifende Wirkung hervorbrachte, wurde der Concurs er-\nöffnet, an welchem 27 Gesellschaften Theil nahmen und einen EfFec-\ntivstand von 750 Sängern bildeten. Präsident der Jury war George\nKastner, Mitglied des Instituts; die übrigen Mitglieder bestanden aus\nMusik-Notabiiitäten von Paris, Mainz, Strassburg, Metz und Schle-\nstadt. Die concurrirenden Vereine waren in drei Abtheilungen ver-\ntheilt. Fünf Medaillen, von der Stadt Schlestadt gewidmet, waren als\nPreise für die dritte Abtheilung bestimmt, die aus zwei Vereinen\nbestand. Die zweite Abtheilung umfasste sieben Vereine und drei\nebenfalls von Schlestadt gewidmete Medaillen. Der Preis für die erste\nAbtheilung bestand in einer goldenen Medaille, die von Herrn George\nKastner gespendet worden und von der Societe chorale in Strassburg\nerrungen wurde, der auch die von dem Kaiser gespendete, einem be-\nsonderen Wettkampfe vorbehaltene Medaille zu Theil wurde. Die an\ndiesem Kampfe mitbetheiligte Union musicale von Strassburg war\nnahe am Ziele und erhielt jene Medaille, welche der Präses des Cen-\ntral-Comite's für diesen besonderen Wettkampf gewidmet hatte. Die\nausgeführten Gesangstücke machten durchaus den günstigsten Ein-\ndruck ; die Zuhörerschaft schien durch ihre Beifalls-Aeusserungen\ndie Union musicale von Strassburg, geleitet von Herrn Hoff, aus-\nzuzeichnen. Sie sang den prachtvollen Chor von Storch, „Leben\nund Lieda, in welchem ihr Solo-Tenor Oskar Schützenberger bewun-\ndert wurde. Der Gesang, mit welchem die Societe cliorale de Slrass-\nhoiirg den Kaiser-Preis errang, war der von ihrem Director Liebe\ncomponirte Chor „Herbstahnung\". Ein patriotischer Chor von Pley-\nberger, „Patrie\", verschaffte dem Orpheon von Colmar den erstes\nPreis der zweiten Abtheilung. Grossen Beifall errang auch die Sainte\nCecile von Mühlhausen Die vereinigten Sänger trugen drei Ensemble-\nChöre vor, unter welchen die Cantate alsicienne, von George Kast-\nner eigens für diese Gelegenheit componirt, hervorragte. [Warum\naber lauter französische Namen für deutsche und deutsch singende\nVereine ?]\nDie durch Sobolewski's Uebersiedelung nach America vacant ge-\nwordene Capellmeister-Stelle am bremer Stadttheater ist dem Herrn\nFriedrich Rietz (Sohn des Herrn Capellmeisters J. Rietz) über-\ntragen worden.\nlirjB»« Das Concert für den Mozarteums-Pensionsfonds\nhat am 3. September in der Aula acadetnica Statt gefunden. Der\nhier anwesende Clavier-Virtuose Herr Alfred Jaell, dann die Sänge-\nrin Fräul. Fanny Hochegger aus München haben aus Gefälligkeit\nfür das Mozarteum mitgewirkt. Jaell trug das Es-dur-Concert von\nBeethoven und eine Phantasie über die Oper „Diana von Solange\"\nund „Home sweet home\"y componirt von ihm selbst, vor.\nArttd« Das hiesige ungarische Blatt „Aradi Hiradö\" brachte\nunlängst einen Aufsatz als Verwahrung gegen LisztTs Broschüre:\n„Des Bohemiens et de leur musique en Hongrie\", gegen welche auch\nin wiener Blättern Herr Koloman v. Simonffy Protest erhoben hat.\nDie „Arader Zeitung'6 verspricht auch in dem von ihr herauszuge-\nbenden Kalender „Alföldi Kulanz\" eine Widerlegung der Liszt'schen\nAnsichten zu veröffentlichen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "305", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590924-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDer Gesang als Grundlage einer christlichen Aesthetik. (Der Kunstgesang u. s. w. Von C. G. Nehrlich.) Schluss. Sing-\nÜbungen von Antonio Mazzoni, bearbeitet von R. Wüerst. Systematische, theoretische Elementar-Singschule. Unter Dr. Immanuel Faisst's\nMitwirkung herausgegaben von L. Stark und S. Lebert. Der Zustand der Kirchenmusik überhaupt und in Süd-Deutschland besonders«\nVon Dr. D. M. Tages- und Unterhaltungsblatt (Berlin Dresden Schlestadt Bremen Salzburg Arad).\n\nDer Gesang als Grundlage einer christlichen Aesthetik.\n(Der Ämißgefattg it. f. tu. Hoit ©. <§. Heljrlid).)\n(Schluss. S. Nr. 37.) |\nEs geht Herrn Nehrlich wie allen Enthusiasten, die\nauf praktischem Wege zum Nachdenken über ihre Be-\nschäftigung gekommen: sie nehmen dann das von ihnen\nGefundene für etwas zum ersten Male Erfundenes und\ngerathen in eine Art von Schwärmerei dafür, die, so fern\nsie mehr in der Liebe zur Sache und in der Ueberzeu-\ngungs- und Gewissens-Treue ihre Wurzel hat, als in per-\nsönlicher Eitelkeit, ihre nicht bloss verzeihliche, sondern\nauch nützliche Seite hat, trotzdem aber in ihren Resultaten\nnur mit Vorsicht aufgenommen werden darf. Am gefähr-\nlichsten ist eine solche Schwärmerei in der Kunstlehre,\nzumal wenn sie, nicht von streng wissenschaftlicher Bildung\nunterstützt, dennoch ihr Object wissenschaftlich definiren\nund die Ergebnisse ihres Enthusiasmus philosophisch be-\ngründen will. Eine Epoche wie die jetzige, ein Zeitalter\nder Reflexion, Theorie und Kritik, ist vorzugsweise ange-\nthan, zu verleiten, an die Lösung der Frage nach den letz-\nten Gründen jedes Dinges mit grosser Dreistigkeit ohne\ngehörige Fundamentalbildung des logischen Denkvermö-\ngens zu gehen; und was dann dabei für die Kunstlehre,\nnamentlich für die Aesthetik der Tonkunst, für Zwitter-\nSysteme und Phantasie-Geburten herauskommen, davon\ngibt die neuere musicalische Literatur, Wagner's „Drama\nder Zukunft\" an der Spitze, hinlängliche Beispiele.\nDiese Bemerkungen passen zum grossen Theil auch\nauf die Bestrebungen, die in den beiden (in Nr. 37) von\nuns angeführten Schriften zu Tage kommen. Das Gute,\ndas im Allgemeinen in diesen Bestrebungen, die Musik auf\ntiefere Quellen im Inneren des Menschen zurück zu füh-\nren, liegt, wollen wir keineswegs verkennen: sie sind der\nerfreuliche Ausfluss einer Reaction gegen die Gehaltlosig-\nkeit, ja, Unsittlichkeit des modernen Musiktreibens, der\nseelenlosen Virtuoserei, der oberflächlichen und leichtfer-\ntigen Lehrweise.\nDiese Anerkennung kann uns aber nicht hindern, in\nBezug auf Nehrlich's „Kunstgesang\" zu bedauern, dass\ndas theoretisch Richtige und auch praktisch Brauchbare in\nseinem Buche in einen so weiten Mantel der Darstellung\ngehüllt ist, dass man mitunter Mühe hat, es aus den Falten\ndesselben herauszuschütteln. Zunächst mangelt, was in\neinem Buche, in welchem so viel von Philosophie die Rede\nist, auffällt, die logische Eintheilung des Stoffes. Diese ist\nso nachlässig gemacht, dass der ersten Abtheilung:\n„Theoretischer Theil\", der von Seite 7—86 geht,\nauf S. 87 eine „Einleitung zum dritten oder prakti-\nschen Theile\" folgt, ohne dass von einem zweiten die\nRede gewesen ist. Ferner enthält diese „Einleitung\"\nzum praktischen Theile den ganzen praktischen Theil selbst,\nund zwar nur auf zehn Seiten (88—98), während der\ntheoretische schon vieles bringt, z. B. den Abschnitt „Co-\nloratur\", das in den praktischen gehört. Wie dieser Ab-\nschnitt in folgende Reihe passt: „Theoretischer Theil.\nI. Allgemeines. 11. Körperliches. 111. Geistiges. IV. Beseel-\ntes (Ist das nichts Geistiges?). V. Coloratur\" —das ist über-\nhaupt schwer zu begreifen.\nEin zweiter Uebelstand ist der, dass der Verfasser die-\nses sein neuestes Werk zwar ausdrücklich „Eine Ge-\nsangschule\" nennt und obenein mit dem etwas markt-\nschreierischen Zusatz: „für Gesangstudirende, Künstler\nund Kunstlehrer und alle, welche den höheren Gesang\nlieben, lernen, ausüben oder lehren\"—dennoch aber alle\nAugenblicke auf seine früheren methodischen Bücher ver-\nweis't und den Belehrung Suchenden nach C. G. Nehrlich's\n„Gesangkunst\", zweite Auflage, Leipzig, bei Teubner,\n1853, zurückschickt. Dass nun die Leser des „Kunstge-\nsangs\" von 1859 wieder bei der „Gesangkunst\" von\n1853 in die Schule gehen müssen, riecht etwas stark nach"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "306", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590924-01.1.2", "texte": "Buchmacherei im Gustav-Schillings-Geschmack, von dem\nwir keine Freunde sind. Anführungen methodischer\nWerke für Gesang-Unterricht, die von Anderen herrühren\nals dem Verfasser, findet man so gut wie gar nicht; Herr\nNehrlich denkt zwar nicht: vApres moi le delugc\", aber:\n„Avant moi le chaos\" —und geht darin viel zu weit. Be-\nsonders auffallend ist, dass er das sehr verdienstliche Werk\nvon Dr. W. Schwarz: „System der Gesangkunst\nnach physiologischen Gesetzen\", Hannover, beiHel-\nwing, 1857—nirgends erwähnt.\nEndlich scheint uns Herr Nehrlich viel zu sehr erfüllt\nvon Ueberschwenglichkeit des Vertrauens auf seine „Ent-\ndeckungen\" und „methodischen Geheimnisse\", wie sie\nsich z. B. gleich in der Einleitung in den Worten kund\ngibt: „Der Verfasser Hess daher neben den Uebungen in\nder technischen und organischen Befähigung zum Gesänge\nUebungen hergehen, welche auf Belebung und Stär-\nkung des Willens, Veredlung des Herzens, Bereicherung\nder Phantasie und Aufklärung des Verstandes berechnet\nwaren. Die Natur, welcher er durch einen\nglücklichen Gedankengang auf die Spur gekommen war,\nliess ihn auch „a posteriori einen Blick in ihre geheime\nWerkstatt thun, um ihm das harmonische Zusammengrei-\nfen der Mittel zu zeigen, durch welche auch die unbe-\ngabteste Stimme zum seelenvollen Organ eines edlen\nGesanges werden kann.\" Da der incorrecte Ausdruck:\n„unbegabteste Stimme\", nichts Anderes bedeuten kann,\nals einen Menschen, „der keineswegs mit einer Stimme\nbegabt ist,\" so hätten wir denn hier eine Methode, durch\nwelche dasjenige, was man bisher für das Haupt-Erforder-\nniss beim Gesänge gehalten hat, nämlich die Stimme, über-\nflüssig gemacht wird!\nDer Verfasser hat (S. 4) in der „Einrichtung des Or-\nganismus und der Gesetzmässigkeit ihrer Functionen den\nKeim für alles Grossartige im Gesänge\" gefunden, ferner\naber „eineneigenthümlichen hellen Klang als die Sonne,\nwelche diesen Keim zur Entfaltung bringt\". Dieser „helle\nKlang\" leistet Alles: „grossen Ton, reinen Ton, Colora-\ntur und deutliche Aussprache\". Dabei müssen wir nur\nbedauern, dass derselbe „bloss mündlich erlernt werden\nkann\" (S. 4); denn aus dem Zusammenhange geht her-\nvor, dass dies heissen soll: der bloss mündlich gelehrt\nwerden kann, da wir keinen Begriff davon haben, wie\nüberhaupt irgend ein Ton anders als mündlich gelernt\nwerden könne. In der That finden wir in dem ganzen\nBuche keine Erklärung, worin dieser Zauberton besteht,\nund keine Anleitung, wie er zu erzielen sei. Wir werden\nalso alle zu Herrn Nehrlich reisen müssen, um „mündlich\nzulernen\". Bis dahin müssen wir den neu entdeckten,\ngeheimnissvollen „hellen Klang\" für einen sehr nahen\nVerwandten der Voix blanche (im Gegensatze der Voix\nsornbre) der älteren Schule halten.\nWas nämlich Seite 39 über „die Kunst des hellen\nTones\" gesagt wird, bringt uns nicht weiter. Es heisst\nauch da nur: „Es lässt sich mit Worten keine Vorstellung\ndavon geben; von dem Lehrer vorgemacht, kann er leicht\nnachgemacht werden und wirkt Wunder. Durch ihn\nentwickelt sich das Chaos der inneren Tonwelt zu fünf\ngeordneten Daseinsstufen, die den fünf Daseinsstufen\nder Aussenwelt entsprechen.\" (!)\nUm dergleichen Mysticismns der Gesanglehre zu ver-\nstehen (?), muss man wissen, dass Herr Nehrlich fünf, sage\nfünf Register der menschlichen Stimme, und zwar jedes\nvon vier Tönen (unabänderlich, jedwede Natur unter die\ngleiche Schablone gebracht!) annimmt (§. 19, S. 28 ff'.).\nDann muss man hören, wie er diese Register in ihrem\nVerhältnisse zur Weltstellung und zu Gott betrachtet\n(S. 38):\n„Ich kann mich hier nicht enthalten, darauf aufmerk-\nsam zu machen, dass Gott mit den Menschen gerade so\nverfährt, wie der Mensch mit den Tönen. Auch die Men-\nschen treten, aus Leib und Seele bestehend, ins äussere\nDasein heraus, das Ebenbild seines inneren Wesens zu\nsein; aber auch der Vollkommenste ist von Natur nicht in\ndem Zustande der Reinheit, die für das Leben erforderlich\nist, zu dem Alle berufen sind, für das Leben im ewigen\nReiche Gottes. Darum trennt Gott die Vereinigung wieder,\ndie durch die Natur zu Stande kam; der Mensch wird\ndurch den Tod in Körper und Seele aufgelös't, und zwar\nin seinen Urkörper und seine Urseele, welche beide aus\neiner dem Menschengeiste unwahrnehmbaren Welt her-\nrühren, daher in ihrer vollkommenen Trennung verschwun-\nden zu sein scheinen; aber sie existiren eben so gewiss, als\ndie Tonkörper und Tonseelen existiren, welche die Kunst\nzu trennen pflegt, um sie einmal zu einem vollkommneren\nGanzen wieder vereinigen zu können; sie werden daher zu\nseiner Zeit, wenn die reine Körperlichkeit (die gefassten\nRegister) den Gipfelpunkt ihrer aufwärts gehenden Ent-\nwicklung, und die reine Geistigkeit oder Seelenhaftigkeit\n(die gehauchten Register) den Fundamentalpunkt ihres Ab-\nwärtssteigens erreicht haben wird, zu einem schöneren\nGanzen wieder vereinigt werden. Das ist der Sinn der Auf-\nerstehung, die viel wörtlicher aufzufassen ist, als sich die\ntief gelehrte Welt träumen lässt.\n„In unserem Verhältnisse zur Tonwelt hat uns Gott ein\nAbbild seines Verhältnisses zur Welt, insbesondere zur\nMenschenwelt, gegeben. Die Register sind das Werkzeug\nder Trennung und der Vereinigung, des Todes und Wie-\nderauflebens. Wie die Töne der Sängerbrust sterben müs-\nsen, um schöner wieder aufzuerstehen, so auch die Men*"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "307", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590924-01.1.3", "texte": "sehen und die ganze Natur; und wie die Belebung der\nTöne eine unendlich mannigfaltige ist, damit die Verwirk-\nlichung des Gesang-Ideals möglich werde, so wird auch\ndie neue Belebung der Menschen und der Natur unendlich\nmannigfaltig sein, damit das Beich Gottes in seiner ganzen\nReinheit verwirklicht werde.\n„Aber diese neue Belebung zu einem höheren, ver-\nklärten Dasein wird nicht eher eintreten, als bis sich auch\nim ganzen Weltall das Doppelrcgister für eine gegensei-\ntige Verklärung und Durchdringung hergestellt hat, das\nwir im Tonleben unserer Stimme herzustellen im Stande\nsind. Alles, was wir in der Natur sehen, ist eine Offenba-\nrung eines Strebens nach Ausdehnung der Factoren des\nLebens, der Geistigkeit und der Körperlichkeit. Die Kör-\nperlichkeit steigt gleich einer gefassten Registerreihe auf-\nwärts vom schwersten Metalle bis zum geistigen Licht-\nstrahle; die Geistigkeit aber senkt sich belebend gleich\neiner gehauchten Registerreihe abwärts von dem We-\nsen, welches das Menschengehirn in Bewegung setzt, bis\nzu dem Wesen, welches die Atome eines Goldklumpens\nzusammenhält. Diese doppelte Richtung der Natur zur Her-\nvorrufung einer neuen Welt stellen die Register durch ihre\ndoppelte Ausdehnung aufs anschaulichste dar, so dass man\nunwillkürlich auf den Gedanken kommen muss, der Urhe-\nber aller Belebung habe uns in ihrem Zwecke den Zweck\nder Natur vor Augen legen wollen.\n„Noch muss ich hier der Merkwürdigkeit gedenken,\ndass nur die vier ersten Register gefasst oder gehaucht\nvorkommen können, das fünfte und höchste aber seine\nNatur nicht zu ändern vermag. Es weis't damit auf eine\nEntwicklungsstufe des Daseins hin, auf der die Körperlich-\nkeit völlig spiritualisirt, d. h. mit der Seelenhaftigkeit durch\nund durch Eins geworden ist. Das ist auch der Charakter\nder Töne dieses Registers; jeder ist die Offenbarung eines\nin seiner materiellen Lebendigkeit strahlenden Geistes.\"\nWas sollen dergleichen mystische Phantasieen, die\nnoch dazu auf einer so willkürlichen Annahme, wie die des\nfünffachen Tetrachords der Stimmregister ist, beruhen,\nbeim Gesang-Unterricht?\nWeit mehr einverstanden sind wir mit dem praktischen\nTheile des Buches, d. h. mit der Auswahl der Uebun-\ngen und Solfeggien —142 Nummern für Sopran- oder\nTenorstimmen, 174 für Alt- oder Bassstimmen (aber im\ngedruckt). Der Text dieses Theiles könnte frei-\nlich ausführlicher sein, wofür Baum genug durch Aus-\nscheidung unwesentlicherer Dinge aus dem ersten Theile\ngewonnen werden könnte. Auch stimmt die Erklärung des\nVerfassers (S. 87): „Es kann unsere Absicht nicht sein,\neine ausführliche Anleitung zu geben, wie man die gege-\nbenen Solfeggien als Mittel u. s. w. zu behandeln habe, da\ndiese Schule nicht eine Schule zum Selbstunterricht sein,\nsondern dem Lehrer, der eine gute Tonbildung hat, zur\nAnregung, dem Schüler aber unter einem solchen Lehrer\nzum Leitfaden dienen soll\" —nicht zu dem Titel und zu\nder auf dem Titel noch besonders angeführten Bestimmung\ndes Werkes für Gesangstudirende u. s. w. Wir halten\nauch viel auf die „alten Solfeggien\", die der Verfasser\ngegeben hat (sie sind mit Athemstrichen versehen; von\n„neuer Bearbeitung in der Begleitung einiger\" haben wir\nnichts bemerkt), und es ist gut, dass diese, allein auf die\nkunstmässige Ausbildung der Stimme, nicht auf melodiö-\nsen Beiz berechneten Solfeggien der alten Italiiiner, von\ndenen Scarlatti, Caselli, Mazzoni, Hasse, Leo, Porpora ge-\nnannt sind, wieder abgedruckt sind. Allein trotzdem nimmt\nHerr Nehrlich den Mund wieder zu voll gegen sämmtliche\nneuere Solfeggien, von denen er nur die Bordogni'schen\n„mit Auswahl\" zur Benutzung erlauben will. Es gibt von\nCherubini bis zu unseren Zeitgenossen (z. B. Siebert) Com-\nponisten von Solfeggien, die auf geschickte Weise das An-\ngenehme mit dem Nützlichen zu verbinden wissen. Der-\ngleichen Arbeiten sind freilich nicht so leicht und bequem,\nwie der Abdruck von Uebungen aus den Gesangschulen\nder Alten und das Absprechen in Bausch und Bogen über\ndie Neueren.\nSollen wir im Ganzen unsere Ansicht über das vor-\nliegende Buch zusammenfassen, so müssen wir gestehen,\ndass wir wohl das Streben des Verfassers, weniger aber\nden Eutzen seines Werkes anzuerkennen vermögen; na-\nmentlich können wir diesem nicht das Prädicat einer „Ge-\nsangschule\" zuertheilen, da den Hauptinhalt theoretisches\nBaisonnement bildet, dessen Quintessenz auf ein paar Bo-\ngen hätte gegeben werden können, und dem wir über-\nhaupt nicht die grosse Bedeutung beizulegen vermögen,\ndie der Verfasser ihm zuschreibt. Es ist recht schön und\ngut, dass auf das Seelische des Gesanges der Haupt-Accent\ngelegt wird; allein die Methode überschätzt sich selbst,\nwenn sie diese Eigenschaft hervorbringen oder entwickeln\nzu können glaubt. Der richtige Vortrag lässt sich aller-\ndings lehren; den seelenvollen Ton und den beseelten\nVortrag kann keine Methode der Welt da erzeugen, wo\nkeine Seele ist. Der sympathische Klang der Stimme und\nder Gefühls-Ausdruck sind Gaben der Natur; den gemach-\nten und angelernten wird man auf der Stelle von dem\nwahren, angeborenen unterscheiden. Will man gegen diese\nAnsicht die Beispiele von Sängern anführen, die mit wenig\nStimme dennoch das Herz ergriffen und hingerissen ha-\nben, so sprechen diese Beispiele gerade für unseren Satz:\ndenn nur die geistige Organisation, die innere Begabung\nmachte sie fähig—bei gleichen Studien—, andere Sänger,\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "308", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590924-01.1.4", "texte": "die mehr Stimme, aber weniger Seele, weniger Genie\nhatten, zu übertreffen.\nWir schliessen hier folgende Anzeigen an:\nSingübungen von Antonio Mazzoni, bearbeitet\nvon Richard Wüerst. Berlin, Trautwein'sche\nBuchhandlung. 4 Hefte (2 für Sopran, 2 für Alt),\njedes 1 Thlr.\nAntonio Mazzoni gehört wie Mancini zu den berühm-\nten Gesanglehrern des vorigen Jahrhunderts in Italien (geb.\n1725, gest. nach 1790). Auch als Componist erwarb\ner sich durch mehrere Opern einen bedeutenden Ruf, der\nihn auch nach fremden Ländern führte, nach Russland\nund Schweden und von da nach Spanien. Zuletzt lebte er\nin seiner Vaterstadt Bologna, wo er seit 1770 Capellmei-\nster an San Petronio war.\nHerr R. Wüerst hat von den Singübungen Mazzoni's,\ndie, wie er mit Recht sagt, in ihrer Art noch unübertrof-\nfen sind, acht der vorzüglichsten ausgewählt und mit einer\nleichten Clavier-Begleitung versehen, „ohne dabei an den\nvielfach geschmacklosen, oft sogar fehlerhaften Bässen fest-\nzuhalten, mit denen die Uebungen bekannt waren.\" In\nden zu solfeggirenden langsamen Sätzen hat er die Ton-\nsylben do re miu. s. w. untergelegt und in allen Stücken\nZeichen für das Athemholen angebracht. Die Sopran-\nUebungen sind dieselben, wie für die Altstimme, aber um\neine Quarte höher. Die Begleitung ist recht hübsch in dem\nStil der Melodie gehalten. Die Uebungen sind Musikstücke\nin geschlossener Form, jede besteht aus einem langsamen\nTempo und einem Allegro. Wir empfehlen sie allen Ge-\nsanglehrern und Sängerinnen, denen es mit dem kunst-\nmässigen Gesänge Ernst ist. Der Stil der Coloratur wird\nallerdings von Vielen als zopfig bezeichnet werden, allein\nwer diesen Zopf bezwingt (namentlich Nr. 7 und 8), für\nden wird das moderne Haargekräusel ein Rinderspiel.\nEinen anderen Zweck verfolgt:\nSystematische, theoretische Elementar-Singschule\nzum Gebrauch beim Privat-Unterricht so wie in\nden höheren Lehranstalten und Chorknabenschu-\nlen beider Confessionen. Unter Dr. Immanuel\nFaisst's Mitwirkung verfasst und herausgegeben\nvon Ludwig Stark und Sigmund Lebert,\nLehrern an der Stuttgarter Musikschule. Stuttgart,\nhei J. G. Cotta. 1859. Gr. 8. VI u. 343 Seiten.\nDer Ausdruck im Titel: „in den höheren Lehran-\nstalten\", kann zu Missverständnissen Anlass geben; das\nBuch ist für die Ausbildung und den Gesang-Unterricht\nvon Kinderstimmen vor der Mutation bestimmt, also doch\nhauptsächlich für Elementarschulen, was natürlich den\nGebrauch in den unteren Classen höherer Lehranstalten\nnicht ausschliesst.\nDer angegebene Lehrgang ist zweckmässig und be-\nwährt das Geschick der Verfasser, das Pädagogische mit\nder gründlichen Vorbereitung zum Künstlerischen zu ver-\nbinden. Das Singen nach Zahlen wird mit Recht nur als\nMittel zum Zweck bei den Uebungen im Treffen vorüber-\ngehend angewandt, sonst ist überall das Noten-System zu\nGrunde gelegt. Die Abschnitte, welche die allmähliche\nEntwicklung des Organs bezwecken, und das Capitel über\ndie Aussprache haben uns besonders befriedigt; letzteres\nist in vielen Gesangschulen in Bezug auf praktischen Un-\nterricht und Uebungen ganz und gar vernachlässigt. Der\nzweite Theil enthält auf S. 193—343 eine Sammlung\nvon 16 einstimmigen Liedern mit Clavier-Begleitung, 12\nzweistimmigen und 12 dreistimmigen Chorälen, mehreren\nkatholischen Kirchengesängen mit lateinischem Text, 6\nzwei-, 6 drei-, 12 vierstimmigen Liedern u. s. w. bis zu\n7 dreistimmigen Fugen alles für unmutirte Stimmen.\nSollte es nicht zweckmässig sein und die Einführung er-\nleichtern, wenn die Stimmen zu dieser Sammlung (die viele\neigene Compositionen der Herausgeber und die Bearbei-\ntung der Choräle durch Herrn Dr. Faisst enthält) in wohl-\nfeilem Abdruck den Schülern in die Hände gegeben wer-\nden könnten?—Text- und Notendruck ist vortrefflich, die\nganze äussere Ausstattung vorzüglich.\n\nDer Zustand der Kirchenmusik überhaupt und in Süd-\nDeutschland besonders.\n\nDass die Musik in der katholischen Kirche (von der\nzunächst die Rede sein muss) seit Scarlatti und weiter\nherab sich verschlechterte, weiss jeder, der die hieher be-\nzügliche Literatur kennt. Das von Pergolese,\ndessen schöpferischer Geist übrigens ganz unangetastet\nbleibt, leitete jenen überscbwänglichen Sentimentalismus\nin der Musik ein, der den thränenreichen poetischen Fa-\nbricaten einer nicht fern gelegenen Zeit verglichen werden\nkann. Im Sturmschritt vollendete sich von da an die Ver-\nschlechterung der kirchlichen Musik; es hat den Anschein,\nals ob es darauf abgesehen gewesen wäre, durch die Ver-\nflachung dieses mächtigen Factors der religiösen Rührung\ndie Kirche selbst zu schwächen. Es überboten sich ordent-\nlich die Componisten in der Hervorbringung von nichts-\nsagender theatralischer, von Hokuspokus überströmender,\ntänzelnder Kirchenmusik. Der Gräuel an heiliger Stätte\nwar so gross geworden, dass man ungescheut die frivolsten\nPiecen aus komischen und anderen Opern während der\nheiligsten Handlung producirte. Da hätten die Vorsteher"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "309", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590924-01.1.5", "texte": "der Kirche blind sein müssen, wenn sie nicht den Schaden\nbemerkt hätten, der aus dieser Richtung erwuchs. Gleich-\nwohl dauerte es lange genug, an die 70\nEinschreitungen gegen dieses Gebahren erfolgten. Regens-\nburg hat das Verdienst, die Initiative ergriffen zu haben.\nDer dort als Canonicus lebende Dr. Proske, ein Mann des\ngründlichsten und ausgebreitetsten Wissens, der zudem\nüber zwei Jahre in Rom und anderen berühmten italieni-\nschen Städten die kirchenmusicalischen Schätze nicht nur\nstudirt, sondern eigenhändig copirt hatte, der auch in Folge\ndessen im Resitze einer unendlich kostbaren Ribliothek ist,\nversammelte neben den Sängern des Chors der Stiftskirche\nan der alten Capelle eine Anzahl von Musikfreunden und\nMusikfreundinnen zu regelmässigen Versammlungen, in\ndenen neben theoretischen Relehrungen die Meisterwerke\nder mittelalterlichen Kirchenmusik in chronologischer Folge\npraktisch geübt wurden. Oefters im Jahre wurden öffent-\nliche Aufführungen veranstaltet, die Anfangs der Neuheit\nwegen, allmählich aber auch aus aufrichtiger Regeisterung\nzahlreich besucht wurden. Die Journale nahmen auch schon\nNotiz davon, wenngleich noch schüchtern und vereinzelt.\nWie sehr man an dem Hergebrachten und seit Jahren Ge-\nwohnten hing und wie wenig Hoffnung auf Nachahmung\ndiese Versuche hatten, beweis't der Umstand, dass in Re-\ngensburg selbst nach dreissig Jahren keine einzige Kirche\nzu ähnlichen Restrebungen auch nur im Entferntesten die\nHand bot, die Domkirche ausgenommen, welche doch hin\nund wieder Versuche machte. Von weit her war schon gar\nkeine Aussicht auf Erfolg; man rühmte die Restrebungen,\nbelobte sie, staunte sie an, belächelte sie wohl auch als\neine fixe Idee; dabei blieb es. Selbst nicht ein einziger Kir-\nchenfürst that sich hervor, der ihnen das Wort geredet\nhätte; ja, gerade der Clerus war ihr heftigster und langjäh-\nriger Gegner. Doch endlich sollte die Sache ihre gehörige,\nlängst verdiente Würdigung finden. Der Hochwürdigste\nRischof Valentin von Regensburg, seit 1857 im Grabe\nruhend, veranlasste 1851 die Herausgabe eines Sammel-\nwerkes, das dem oben genannten Canonicus Dr. Proske\nanvertraut wurde und die Verbreitung altclassischer Kir-\nchenmusik zum Gegenstande hat. Ihm zur Seite sollte ein\nHandbuch des Cantus Gregorianus gehen, und sollte der\nkürzlich verstorbene Chorregent Joh. Georg Mettenleiter\ndie Rearbeitung desselben auf sich nehmen. Alsbald erschien\nein Prospeetus zu der beabsichtigten und\nzu dem JEnehiridion Chorale sammt Orgelbuch; und den\nRemühungen des hochseligen Rischofes Valentin, der an alle\nRischöfe Einladungsschreiben zur Retheiligung an diesem\nreformatorischen Werke ergehen liess, ist es vorzüglich zu\ndanken, dass die Subscription eine sehr namhafte Liste\nschon in kurzer Zeit aufwies. Mit dem Erscheinen der ersten\nPartieen, beiden Messen (Pustet in Ilegensburg}, begann\nauch die Aufführung der darin enthaltenen Werke; zwar\nging es damit langsam, der Geschmack war zu sehr ver-\nwöhnt, als dass er an solch ernsten Tongebilden schnell\nGefallen finden konnte. Auch war das Verständniss fast\nganz verloren gegangen; die alten Tonarten, in denen sie\nsich ausschliesslich bewegen, waren so fremd, wie die eigen-\ntümliche Notenschrift der alten Antiphonarien und Gra-\ndualien. Es galt einen gänzlichen Neubau auf ganz neuem\nFundamente. Kein Wunder, dass sich Viele dagegen sträub-\nten; es geschah aus Unlust und Liebe zur Gewohnheit, viel-\nfach aber aus Trägheit. Die Versuche blieben desshalb ver-\neinzelt. Zu einem allgemeinen Durchbruche konnte es so\nnicht kommen; ja, umgekehrt! die Regeisterung, welche An-\nfangs Manchen entflammt hatte, verlor sich allmählich, und\nzwar so sehr, dass schon nach kurzer Frist eine Stockung\nin dem Erscheinen beider genannten Werke eintrat, die\num so nachtheiliger wirkte, als dadurch ein Mangel an auf-\nführbaren Werken selbst für den entstand, welcher mit\nHintansetzung aller Rücksichten opferfreudig und beharr-\nlich der angebahnten Richtung folgte. Der moralische Nach-\ntheil war noch grösser. Man sagte und schrieb es offen,\ndass das Unternehmen nicht zeitgemäss sei, und führte\nals Reweis eben die Unregelmässigkeit und die Schwierig-\nkeit seines Fortbestandes an. Die so schön begonnene Sache\nder Reform der Kirchenmusik schien verloren; der Erlass\ndes genannten Rischofes im Jahre 1857, so schön, erha-\nben, wahr und überzeugend er auch war, konnte doch die\nAngelegenheit nicht retten, um so weniger, als der Tod\ndiesen grossen Beförderer dieser Restauration noch im selben\nJahre wegraffte, und nicht lange nachher der Mit-llaupt-\nträger der ganzen Reform, Chorregent J. G. Mettenleiter,\nin ein viel zu frühes Grab sank. Da erhob sich der Rischof\nvon Passau und übernahm so zu sagen die Erbschaft sei-\nnes begeisterten bischöflichen Mitbruders; er verordnete,\ndass in seiner Domkirche nur die und das\nEnchiridion Chorale gebraucht werden sollten, und er blieb\nsich getreu. Auch der Rischof von Regensburg, Ignaz, selbst\nein grosser Kunstkenner, trat in die Fussstaplen seines Vor-\ngängers, und im Dome und in der alten Capelle zu Regens-\nburg hört man nur Gregor. Cant. und Alt-Classisches. Der\nchristliche Kunstverein war begeistert, als er bei seiner\nzweiten General-Versammlung in Regensburg die Meister-\nwerke mittelalterlicher Kirchenmusik hörte, und sprach\nlaut seine aufrichtigste Rilligung des beiderseitigen Unter-\nnehmens aus. Auch von anderer Seite hört man Aehnliches;\nselbst einfache Dorf-Schullehrer singen auf ihrem Chor\nnach dem Enchiridion, und thun es aus Leberzeugung.\nGleichwohl stockt die Sache; sie schleppt sich nur hin, es\nkommt zu keinem rechten Leben; die zahlreichen Gegner"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "310", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590924-01.1.6", "texte": "der mittelalterlichen Kirchenmusik und des\nin seinem ganzen Ernste sind nicht bekehrt, ja, sie häufen\nsich an. Dass sich die Presse, die doch sonst Alles in ihren\nBereich zieht, nicht der Sache annimmt, sie vollends igno-\nrirt, wenigstens sehr kalt, um nicht zu sagen: gering, be-\nhandelt, ist kein gutes Zeichen. Woher kommt das? Wel-\nches sind die Ursachen?\nViele Ursachen, warum die reformatorische Thätigkeit\nauf dem Gebiete der Kirchenmusik nicht recht Anklang\nfindet, habe ich schon früher angeführt. Ich werde in\nNachstehendem Weiteres vorbringen, bemerke aber da-\nbei, dass ich mich bloss referirend verhalte. Ich gebe die\nMeinungen Anderer, die ich vernahm, und überlasse es Je-\ndem, sich seine Ansicht danach selbst zu bilden. Hier scheint\nmir weniger als je der Grundsatz gelten zu wollen:\ncc;die Autorität bleibt im Rechte, ob aber ein Macht-\nspruch hier gut angebracht und von Wirkung ist, bleibe\ndahingestellt. Für die Katholiken ist zwar das Wort der\nKirche maassgehend, ob aber auch auf dem Felde der Mu-\nsik, will vielfach angestritten werden, und wie es scheint,\nmit um so mehr Erfolg, als die Aussprüche und Ansichten\nder einzelnen Kirchenfürsten hier nicht übereinstimmen,\nsondern oft weit aus einander gehen. Machen wir einen\nVergleich! Es ist in neuerer Zeit allgemein das Streben\nrege geworden, zu dem Alten zurückzugreifen; ich lasse\nhier ununtersucht, warum und ob mit vollem Rechte. In\nder Baukunst florirt jetzt wieder mehr als je die Gothik;\nin der Malerei sind die alten Bilder vorzüglich beliebt ge-\nworden; ich erinnere nur an den düsseldorfer Bilder-Ver-\nein, der die besten alten Bilder wieder reproducirt. Die\nkirchliche Ornamentik sucht die alten Infuln, Caseln u. s. w.\nhervor; selbst die Kleidertracht neigt zu den alten Formen\nhin. Auch die Poesie endlich liebt es, die Dichtungen des\nMittelalters wieder neu aufzulegen. Diese Einstimmigkeit\nmuss doch in einem Bedürfnisse ihren Grund haben. Doch\ndas gehört nicht hieher. Wie nun? Begnügt man sich bloss\ndamit, die Gothik, die Bilder, die Ornamente, die Lieder\nder alten Zeit in unveränderter Weise zu reproduciren,\noder nimmt man auch die Fortschritte der Neuzeit zu\nHülfe? Man vereinigt Beides. Den Statuen und Bildern\nsucht man den Geist des frommen Alterthums einzuleben,\nman umkleidet sie mit seinen keuschen Falten und Gewan-\ndungen, aber man steht nicht an, die Formen-Gewandtheit\nder jungen Tage zu Hülfe zu nehmen. Und in der That!\nWäre es denn ein Gewinn, wenn ihr Statuen und Bilder\nhinstelltet, die ganz aus dem Alterthum genommen sind?\nKann uns eine Statue gefallen in den älteren Formfehlern?\nIst ein ebenmässig gegliederter Körper nicht schöner, als\nein verwachsener, verkrüppelter? Ist es nicht ein Gewinn,\nwenn wir der mystischen Gothik der Altzeit durch die me-\nchanischen Erfindungen der Neuzeit zu Hülfe kommen?\nIst z. B. die gothische Kirche in der Au bei München we-\nniger schön, weil sie mit den Fortschritten der Neuzeit\naufgebaut ist? Könnte uns ein altes Gedicht in der alten,\nunausgebildeten, wenn auch körnigeren Sprache besser ge-\nfallen, und wäre es nicht besser gethan, den herrlichen In-\nhalt der alten Poesie der Sprache nach in verbessertem\nDeutsch zu lesen? Gewiss! es geht nichts über die alten\nKirchenlieder, und unsere neuere Literatur mitsammt weis't\nnicht ein einziges Gedicht auf, wie den Heliand. Gewiss!\nein Bild von Fiesole ist unübertrefflich an geistigem Ge-\nhalte, und Renner und Liebhaber werden an dem An-\nschauen des unveränderten Werkes unendliches Vergnügen\nfinden. Aber allgemein zugänglich, durchgreifend Gemein-\ngut werden sie in der unveränderten Gewandung und\nSprache nie werden.\nMache man davon nun die Anwendung auf die Kir-\nchenmusik des Mittelalters! Ist auch das Teriium compa-\nrationis nicht vollkommen adaecjuat, so gibt es doch An-\nknüpfungspunkte genug, um sich ein Urtheil zu bilden über\ndie brennende Frage der Restauration der kirchlichen Ton-\nkunst. Gewiss! in den kirchlichen Gottesdienst gehört nichts\nvom Markte der Welt; die kirchliche Musik muss heilig,\nfromm, ernst, mystisch sein, wie die Religion selbst, der\nsie hier dient. Eine Präfation lässt sich gar nicht anders\ndenken, als in Cantu Gregor.;eine Einschmuggelung neue-\nrer Tonweisen wäre hier ein Unsinn; in unsere gothischen\nTempel passt nur ernste, langgehaltene, getragene Musik,\nInstrumente passen schon zur Bauart nicht, sie finden kei-\nnen Hall. (?) Ein tänzelndes Thema, von Flötenton und Sai-\ntenspiel und Trompetenstössen begleitet, taugt so wenig in\neine Kirche, als der Frack auf den Altar, als die Humo-\nreske auf den Predigtstuhl, als Kanape's und Divans und\nFauteuils vor die Communionbank. Aber ob nicht eine\nArt Vereinigung der älteren Tonformen mit den neuen\nFortschritten wenigstens für den Anfang als Brücke vom\nNeuen zum Alten thunlich wäre? Ob diese Art nicht die\nschnellere und sichere Einbürgerung der alten Kirchen-\nmusik erleichterte? Ob gar keine neuere Arbeit mehr gel-\nten dürfe, und wäre sie auch im strengsten Contrapunkte\ngemacht? Ob nicht wenigstens in der Notenschrift und in\nden Schlüsseln von dem starren Alterthum abgegangen\nwerden könnte? Dies sind Fragen, die stets wieder auftau-\nchen, so viel man auch dagegen geschrieben hat. Es müsse\nein plötzlicher und ausnahmsloser Umschlag ins Alte erfol-\ngen, sonst sei gar nichts zu hoffen, sagt man; aber es ist\nbisher nicht gelungen, dieser Meinung viele aufrichtige\nAnhänger zu gewinnen. Wer die Verhältnisse kennt, wie\nsie wirklich sind, nicht wie sie in der Idee sich darstellen\noder wie sie sein sollen, wird obigen Wünschen nicht alle"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "311", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590924-01.1.7", "texte": "Berechtigung absprechen. Sicher ist mehr gewonnen, wenn\nden Bedürfnissen und Mängeln, die nicht mit Einem Athem-\nzuge wegzuwehen sind, Rechnung getragen wird, als wenn\nman etwas von dem fordert, der nichts oder doch nicht\ndas Verlangte hat.\nJedenfalls ist es gut, von banalen Machtsprüchen ab-\nzulassen. Diese sind ohnmächtig und verrathen, dass die\nvertheidigte Sache eigentlich auf sehr schwachen Füssen\nstehe, da sie der Donnerkeile bedarf. Das Wahre bricht\nsich Bahn, es ist aus Gott, und Gott schreitet ruhig, sanft\nund fest, aber um so sicherer vor. Die Leidenschaft ver-\ndränge man; auch ist es nicht rathsam, zu viel von einem\neinzelnen Indviduum zu hoffen. Die Kirche wird auch hier\nihr segnendes Wirken entfalten; zwar wird sie nicht zwin-\ngend auftreten, aber gleichgültig bleibt sie auch nicht. Sie\nkann es nicht; in dem entgegengesetzten Lager geht man\nmächtig voran. Der Organist Herzog, um nur diesen\nEinen Namen zu nennen, baut seine Choralwerke ganz\nrecht und verständig auf die alten Tonarten. Ein altes Lied\nist ohne diese kaum denkbar, es verflacht sich jedenfalls in\nmoderner Auffassung unendlich. Eben so, wie seine Choral-\narbeiten, veröffentlicht derselbe auch Vorspiele, die sich in\nden alten Tonarten bewegen; er bietet damit den Orga-\nnisten unschätzbare Gaben. Ein Präambulum zu einem al-\nten Choral kann sich in nichts Anderem bewegen, als in\nder alten Tonart, in der er gesetzt ist. Dies will man zwar\nnur sehr schwer zugeben; aber es wird nichts helfen, die\nZeit drängt unwiderstehlich dahin.\nSo eben, da ich diesen Artikel schliessen will, erhalte\nich eine Nachricht, die denselben besser als Erwägun-\ngen beenden kann. Die Orgelbegleitung zu dem Enchi-\nridion Chorale des seligen Joh. Georg Mettenleiter wird\nsicher und bald fortgesetzt. Dass diese Mittheilung eine\nfreudige ist, wird jeder gern zugeben, der die Bedeutung\ndes genannten Werkes zu würdigen versteht. Bekanntlich\nberuht dieHarmonisirung, die hier angewandt ist, auf dem\nSystem des reinen Dreiklangs und ist ganz und gar con-\nform den Arbeiten der mittelalterlichen Meister, welche,\nwie bekannt, fast durchaus ihren Kirchen-Compositionen\nden Canius Gregor, zu Grunde legten. Leider hat der ver-\ndiente Meister die Arbeit nur bis zur dritten Section fort-\ngesetzt; es erübrigt noch das Proprium und Commune\niSanctorum, was weitaus die Hälfte des Ganzen sein dürfte.\nDie Unterbrechung des Werkes wäre um so schmerzlicher\ngewesen, da es bereits in sehr vielen Orten eingeführt ist,\nwie z. B. in Passau, Regensburg, in mehreren Orten am\nRheine, in Würtemberg, der Schweiz u. s. w. Dasselbe\nsagt man mir von dem kostbaren Sammelwerke des Cano-\nnicus Dr. Proske, Musica divina, von welchem der ver-\newigte Mettenleiter die Correctur und Stimmen-Ausgabe\nbesorgte. Das Erscheinen des dritten Bandes (Vesper-Band\nmit Psalmen und Magnificat) ist baldigst zu erwarten, da\nnur noch einzelne Stimmen zu vollenden sind. Auch der\nvierte Band wird in schnellen Angriff genommen und da-\nmit der erste Jahrgang dieses verdienstvollsten Unterneh-\nmens auf dem Gebiete der Kirchenmusik in neuester Zeit\ngeschlossen. Mögen dem ersten Jahrgange noch viele an-\ndere folgen! Das Bedürfniss nach solcher Musik wird mehr\nund mehr entstehen; und der gelehrte Canonicus Dr.\nProske hat ja einen fast unerschöpflichen Reichthum an\nWerken der mittelalterlichen Meister bis herab auf die\nZeit unserer grossen deutschen Classiker.\n\nDr. D. M.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nIm berliner Hoftheater kamen vom 18. August 1858 bis 30. Juni\n1859 100 ernste Opern, 40 komische Opern und 12 Singspiele zur\nAufführung. Darunter war Mozart mit 20, Meyerbeer mit 18, Wag-\nner mit 15 und Auber mit 14 Vorstellungen vertreten. Neu waren\nzwei grosse Opern, eine komische Oper und ein Singspiel.\nDem im April 1858 verstorbenen Professor Dehn ist jetzt auf\ndem Sophien-Kirchhofe in Berlin ein würdiges Grabdenkmal gesetzt\nworden, wozu der Bildhauer Heidel die Zeichnungen gemacht und\nzum Theil ausgeführt hat. Der Sockel besteht aus Granit, eben so\nder fünf Fuss hohe Grabstein, an welchem eine bronzene Bekrö-\nnung ist, worunter sich in Bronze das wohlgetroffene Portrait Dehn's\nin Medaillenform befindet. Die Inschrift unter demselben ist in Stein\ngehauen und gibt das Geburts- und das Sterbejahr an.\nHans von Bülow bearbeitet den Clavier-Auszug von Richard\nWagner's „Tristan und Isolde\" und hat so eben den zweiten Act\nbeendet. Bülow spricht sich über das Werk selbst in folgender em-\nphatischer Weise aus: „Mit dem Erscheinen von Tristan und Isolde\ntritt die äusserliche Situation der neu-deutschen Schule in eine ganz\nneue Phase. Da die Nibelungen vor der Hand in Wagner's Pulte\nruhen bleiben, so tritt diese einabendige Oper an die Stelle. Hier ist\ndie Verwirklichung von Wagner's Tendenzen und zwar in ganz un-\ngeahnter Weise. Solche Musik hat Niemand von erwartet.\nDas knüpft direct an den letzten Beethoven (!) an keine Analogie\nmehr zu Weber oder Gluck. Zum Lohengrin verhält sieh Tristan,\nwie Fidelio zur Entführung aus dem Serail, wie das Cis-moll-Quar-\ntett zum ersten in Op. 18. Ich gestehe, aus einer Ueberra-\nschung des Entzückens in die andere gerathen zu sein. Welcher\nMusiker hier noch nicht an den Fortschritt glauben will, der hat\nkeine Ohren. Auf jeder Seite schlägt Wagner durch sein gewaltiges\nrein-musicalisches Wissen. Von dieser Architektonik, dieser musica-\nlischen Detail-Arbeit können Sie Sich keinen zu hohen Begriff ma-\nchen. An Erfindung ist Tristan Wagner's potentestes Werk. Nichts\nist so erhaben, als z. B. dieser zweite Act. Nach Tristan gibt es\nnur noch zwei Parteien: die Leute, die etwas gelernt, und die,\nwelche nichts gelernt haben. Wen diese Oper nicht bekehrt, der hat\nkeine Musik im Leibe. So reiche, klare und originale Polyphonie\ngibt es in nicht allzu vielen früheren Partituren» Populär kann Tri-\nstan und Isolde kaum werden, aber jeder einiger Maassen poetisch\nbegabte Laie wird gepackt werden müssen von der Erhabenheit und\nGewalt des Genies, die sich in diesem Werke offenbaren Abgesehen\nvon allem Uebrigen, ich versichere: die Oper ist der Gipfelpunkt"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "312", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18590924-01.1.8", "texte": "bisheriger Tonkunst!\" Wir wünschen es im Interesse Wag-\nner's lebhaft, dass sich diese zu den sublimsten Anforderungen an\nsein Werk berechtigenden Aeusserungen um so mehr bewähren\nmögen, je mehr sie ihm den Weg billiger Schätzung und Anerken-\nnung offenbar erschweren. Möge Wagner niemals Ursache haben,\nähnlicher Vorkommnisse wegen sich über den Eifer seiner Freunde\nmehr zu beklagen, als über jenen seiner Gegner. (81. f. Mus.)\nDresden. Herr St. Leon, durch seine Leistungen als Violin-\nvirtuose und Balletmeister wohlbekannt und in letzterer Eigenschaft\nseit geraumer Zeit in Dresden thätig, hat eine besondere Behandlung\nder Violine entdeckt, wodurch eine Bereicherung ihrer Tonerschei-\nnungen erzielt wird. Eine zufällige Wahrnehmung, durch mannig-\nfache Versuche weiter gefördert, führte zu dieser eigentümlichen\nEntdeckung, welche höchst interessant ist. Sie besteht in einer Sour-\ndine, welche Herr St. vorläufig Sourdine orgue nennt. Sobald\nder Spieler diese Sourdine in das der G-Saite zunächst liegende f\n(Schallloch) der Resonanzdecke des Instruments an einer gewissen\nStelle hineinsetzt, was rasch auszuführen, so erklingen 1) in der\nTonleiter der 6\"- und D-Saite die Octaven nach der Tiefe zu mit;\n2) vervollständigen sich auf der G- und /)-Saite angegebene Doppel-\ngriffe durch den Mitklang des natürlichen dritten Tones des Aecords\nebenfalls nach der Tiefe zu; in einigen Fällen tritt sogar der ver-\ndoppelte vierte Ton des Accords hinzu. Dieser Mitklang in der tie-\nferen Tonlage ist indess keineswegs schwach, wie er bekanntlich bei\neinzelnen Doppelgriffen stets dem feinen Ohr hörbar war, sondern\nvollkommen deutlich. Grossentheils kommt er sogar an Ton-Volumen\nganz nahe den mit dem Bogen selbst angegebenen Tönen, nur fehlt\nnatürlich der durch den Bogenaufsatz bewirkte schärfere Ton-Accent,\nund der Charakter des nur durch innere Vibration des Instruments\nverursachten Klanges wird hiedurch einiger Maassen verändert.\nC. Banck.\nSdalestatlt. Die vierte Vereinigung der elsässischen Gesell-\nschaft für den Chorgesang hat am 24. Juli in Schlestadt im Elsass\nStatt gefunden, und diese kleine Stadt hat mit seltener Liberalität\nnicht weniger als 30,000 Gulden zur glänzenden Ausstattung dieses\nFestes gewidmet. Nach dem Vortrage der s;Eintracht\" von Mozart,\nder eine ergreifende Wirkung hervorbrachte, wurde der Concurs er-\nöffnet, an welchem 27 Gesellschaften Theil nahmen und einen EfFec-\ntivstand von 750 Sängern bildeten. Präsident der Jury war George\nKastner, Mitglied des Instituts; die übrigen Mitglieder bestanden aus\nMusik-Notabiiitäten von Paris, Mainz, Strassburg, Metz und Schle-\nstadt. Die concurrirenden Vereine waren in drei Abtheilungen ver-\ntheilt. Fünf Medaillen, von der Stadt Schlestadt gewidmet, waren als\nPreise für die dritte Abtheilung bestimmt, die aus zwei Vereinen\nbestand. Die zweite Abtheilung umfasste sieben Vereine und drei\nebenfalls von Schlestadt gewidmete Medaillen. Der Preis für die erste\nAbtheilung bestand in einer goldenen Medaille, die von Herrn George\nKastner gespendet worden und von der Societe chorale in Strassburg\nerrungen wurde, der auch die von dem Kaiser gespendete, einem be-\nsonderen Wettkampfe vorbehaltene Medaille zu Theil wurde. Die an\ndiesem Kampfe mitbetheiligte Union musicale von Strassburg war\nnahe am Ziele und erhielt jene Medaille, welche der Präses des Cen-\ntral-Comite's für diesen besonderen Wettkampf gewidmet hatte. Die\nausgeführten Gesangstücke machten durchaus den günstigsten Ein-\ndruck ; die Zuhörerschaft schien durch ihre Beifalls-Aeusserungen\ndie Union musicale von Strassburg, geleitet von Herrn Hoff, aus-\nzuzeichnen. Sie sang den prachtvollen Chor von Storch, „Leben\nund Lieda, in welchem ihr Solo-Tenor Oskar Schützenberger bewun-\ndert wurde. Der Gesang, mit welchem die Societe cliorale de Slrass-\nhoiirg den Kaiser-Preis errang, war der von ihrem Director Liebe\ncomponirte Chor „Herbstahnung\". Ein patriotischer Chor von Pley-\nberger, „Patrie\", verschaffte dem Orpheon von Colmar den erstes\nPreis der zweiten Abtheilung. Grossen Beifall errang auch die Sainte\nCecile von Mühlhausen Die vereinigten Sänger trugen drei Ensemble-\nChöre vor, unter welchen die Cantate alsicienne, von George Kast-\nner eigens für diese Gelegenheit componirt, hervorragte. [Warum\naber lauter französische Namen für deutsche und deutsch singende\nVereine ?]\nDie durch Sobolewski's Uebersiedelung nach America vacant ge-\nwordene Capellmeister-Stelle am bremer Stadttheater ist dem Herrn\nFriedrich Rietz (Sohn des Herrn Capellmeisters J. Rietz) über-\ntragen worden.\nlirjB»« Das Concert für den Mozarteums-Pensionsfonds\nhat am 3. September in der Aula acadetnica Statt gefunden. Der\nhier anwesende Clavier-Virtuose Herr Alfred Jaell, dann die Sänge-\nrin Fräul. Fanny Hochegger aus München haben aus Gefälligkeit\nfür das Mozarteum mitgewirkt. Jaell trug das Es-dur-Concert von\nBeethoven und eine Phantasie über die Oper „Diana von Solange\"\nund „Home sweet home\"y componirt von ihm selbst, vor.\nArttd« Das hiesige ungarische Blatt „Aradi Hiradö\" brachte\nunlängst einen Aufsatz als Verwahrung gegen LisztTs Broschüre:\n„Des Bohemiens et de leur musique en Hongrie\", gegen welche auch\nin wiener Blättern Herr Koloman v. Simonffy Protest erhoben hat.\nDie „Arader Zeitung'6 verspricht auch in dem von ihr herauszuge-\nbenden Kalender „Alföldi Kulanz\" eine Widerlegung der Liszt'schen\nAnsichten zu veröffentlichen."}]}