{"numero_id": "bm-bmtnabi-1859-10-08-01", "volume": "bmtnabi_1859-10-08_01", "ocr_sha256": "fc5f94003b7f0d2f70b148336387cf9b4b1f59000c92421467c2660ca44b365d", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1859/10/08_01/bmtnabi_1859-10-08_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591008-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1859-10-08-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-10-08_01#c001", "volume": "bmtnabi_1859-10-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "321", "page_fin": "321", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591008-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "321", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591008-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 364, "texte": "Inhalt.\nDie Compositionen des Stabat Mater. „Zukunftsmusik\". 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Die\nDame hatte nämlich sich dahin geäussert, dass Herrn Felis\nnach seiner klaren und schlagenden Darlegung der Geistig-\nkeit der Musik nur übrig geblieben wäre, die Gesetze,\nwelche die inneren Erregungen leiten, auf die Tonkunst\nanzuwenden. „Anstatt aber diese GesetzeI',1', fährt sie (ort,\n„im Katechismus zu suchen, hat er sie bei den Philosophen\ngesucht. Nachdem er sich bei Allen Raths erholt, von Plato\nbis auf Cousin, ist er zum Eklekticismus gekommen\" u.s.w.\nFetis zeigt nun an dem Beispiel der Compositionen\ndes Stabat Mater von Josquin Depres bis auf Rossini, dass\nein relatives Urtheil über das Musicalisch-Schöne seine\nvolle Berechtigung hat. Er nennt als die bedeutendsten\nsieben Compositionen nämlich die von Josquin Depres,\nPalestrina, Pergolese, dem Marchese Ligniville, Fürsten\nvon Conca, J. Haydn, Boccherini und Rossini. Auffallend\nist, dass Emanuel Astorga fehlt (siehe unten).\nJosquin Deprfes war zu seiner Zeit (er blühte von\n1470 bis 1512) Herrscher im Reiche der Tonkunst. „Da-\nmals schrieb man Kirchenmusik nur für Gesang allein, selbst\nohne Begleitung der Orgel; die Harmonie war auf den\nconsonirenden Accorfi beschränkt. Für Josquin war das\nStabat Mater eine Sequenz, ein Gebet, und er hatte kei-\nnen anderen Zweck, als diesem Gebete den Charakter der\nRuhe und Andacht durch seine Töne zu verleihen. Der\nErlöser am Kreuze und der Sehmerz der Maria haben\nnichts mit menschlichen Empfindungen gemein ; das My-\nsterium der Erlösung erfüllt sich. Der Tonkünstler sali\nnichts Anderes darin, und für den Ausdruck der ruhigen\nAndacht hatte er, was er brauchte: den reinen Klang der\nMenschenstimme und die Consonanz in der Harmonie. Das\nStück ist fünfstimmig im sechsten römischen Kirchentone.\nEine Stimme führt den Cantus in langen Noten\nununterbrochen durch, während die vier anderen sich in\nangenehmen, nirgends schroffen Harmonieen und Imita-\ntionen um dieselbe schlingen—das Ganze in Betracht der\nZeit und der Auffassung eine schöne und würdige Com-\nposition.\n„Drei Viertel-Jahrhunderte später schrieb Palestrina\nsein Stabat Mater.Das musicalische System ist noch das-\nselbe, aber die Form ist bereits erweitert, und in die Auf-\nfassung hat Palestrina die Macht seiner Persönlichkeit ge-\ntragen. Allerdings sind die Mittel zum wirkungsvollen Aus-\ndruck noch beschränkt, aber das Streben, sie aufzufinden,\nist schon vorhanden. Das Stab ist achtstimmig in zwei\nChören, die bald getrennt, bald vereint ergreifende Klang-\nwirkungen hervorbringen. Man sieht offenbar, dass Pale-\nstrina in dieser erhabenen Composition sich durch die\nWorte des Evangelisten Matthäus hat begeistern lassen* ;\nein Gefühl des Schreckens herrscht in dem Werke vor.\nDie drei Z)wr-Dreiklänge, mit welchen der erste Chor auf\ndie Worte Stabat Mater beginnt und mit welchen der\nzweite Chor die Worte Juxta einsetzt, haben etwas\nEntsetzliches, das durch die Schroffheit ihrer Aufeinander-\nfolge das musicalische Gefühl verletzt. Das tritt ganz aus\nPalestrina's Weise heraus; aber da er einen Ausdruck des\nSchreckens wollte und die dissonirenden Accorde noch\nnicht bekannt waren, so blieb ihm nur diese harte Zusam-\n\n*) Capitel 27, V. 51, 52: Und siehe da, der Vorhang im Tempel\nzerriss in zwei Stücke, und die Erde erbebete, und die Felsen\nzerrissen."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "322", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591008-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5316, "texte": "inenstellung übrig. Beim Zusammentritt beider Chöre be-\nginnt der Ausdruck des düsteren Schmerzes: 0 quam tristis\net afflicta Fuit illa benedicta Mater Unigenitil welcher\nbis zum Schlüsse das ganze Werk durchzieht.\n„Zwischen Palestrina und Pergolese liegen hundert\nund fünfzig Jahre. Das neuere Ton-System ist gefunden\nund stellt dem Componisten bisher unbekannte Mittel zur\nVerfügung, und die Instrumente vereinigen sich mit dem\nKlange der menschlichen Stimme zu Einem Ganzen. Dem\nAusdruck der Kraft und Grösse ist Pergolese nicht ge-\nwachsen, seine Natur ist dafür nicht geeignet, er fühlt\nsich nur wohl in Werken von kleinerem Maasse, er hat\nTöne für Liebe und Sanftmuth, keine für Kraft und Macht.\nSein Stabat Mater ist daher keine Gomposition von gros-\nser Entwicklung musicalischer Ideen und Ausdrucksmittel,\ndaher auch keine Anwendung des Chors; eine Sopran-\nund eine Altstimme genügen ihm, und sein Orchester be-\nsteht nur aus dem Quartett der Saiten-Instrumente und\nder Orgel. Alles ist nicht von gleicher Schönheit in seinem\nWerke, zwei Sätze erscheinen besonders schwach an Er-\nfindung; allein welch ein rührender Gesang ist in den\nübrigen! es ist, als wären dem Künstler die Thränen der\nMaria aufs Ilerz gefallen. Durch vollendete Sängerinnen\n—denn diese gehören dazu—ausgeführt, hat Pergolese's\nStabat die Zuhörer immer ergriffen und eine Berühmtheit\nerlangt, welche die früheren Compositionen verdunkelte.\nAuch jetzt noch hat es keineswegs an Werth für den\nKenner verloren, der sich von dem Einflüsse unserer Zeit\nfrei hält.\n„Wiewohl Haydn in seinen Kirchen-Compositionen\nnicht aul derselben Höhe des Genie's steht, wie in seinen\nInstrumentalwerken [mit jenen sind dann doch wohl nur\nseine Messen gemeint, überhaupt die eigentlichen Compo-\nsitionen für die Kirche, nicht aber die beiden Oratorien],\nso ist doch sein Stabat Mater das Erzeugniss einer sehr\nglücklichen Eingebung. Der Adel der Gedanken, der im\nAllgemeinen darin herrscht, verbindet sich in diesem Werke\nmit einer sanften melancholischen Färbung. Es scheint, als\nhabe er gefühlt, dass der Schmerz der Mutter Jesu kein\nmenschlicher Schmerz sein konnte. Auf der Tiefe dieser\nAuflassung liegt das sich ganz hingebende Vertrauen auf\ndie Früchte der Erlösung. Diese schöne Composition ist\nzu wenig bekannt; es sind nur einige wTenige Figuren des\nZeitgeschmacks darin, die man weg wünscht.\n„Am wenigsten bekannt ist aber das Stabat Mater\n\\on dem Marquis von Ligniville, einem Dilettanten, des-\nsen Genie hinter dem von Marcello nicht zurückstand, der\naber jung starb und wenig geschrieben hat. Ein Stabat.\nentzückendes Salve Regina und ein Dixit Dominus\nfür vier Stimmen mit Orchester sind alles, was ich von ihm\nkenne. Er hat im Stabatseine Aufgabe anders aufgefasst, als\ndie bisher genannten Componisten, er versucht nicht, Ge-\nfühle auszudrücken, die über die menschliche Natur er-\nhaben sind, noch die Zuhörer in Schrecken zu setzen; die\nmystische Liebe der Menschheit zu Gott, der am Kreuze\ndahinstirbt, hat er ausdrücken wollen, und das ist ihm auf\nwunderbar schöne Weise gelungen. Drei Stimmen, bald\ngleiche, z. B. drei Soprane in dem ersten Vers, dann drei\nAltstimmen in dem Quae moereb dann wieder\nSopran, Tenor und Bass, oder Alt, Tenor und Bass, genü-\ngen ohne alle Begleitung dem Componisten, um den ergrei-\nfendsten Eindruck zu machen. Alle Sätze sind canonisch,\naber die strenge Form schadet keineswegs dem Ausdruck*).\n„Boccherini hat sich auf denselben Standpunkt ge-\nstellt, wie Ligniville; indess gebraucht er reichere Mittel,\nda sein Stabat zwar ebenfalls nur dreistimmig, aber mit\nBegleitung des Orchesters geschrieben ist. Die natürliche\nFülle von glücklichen Motiven, die sich in allen Compo-\nsitionen Boccherini's findet, verläugnet sich auch in seinem\nStabat nicht, doch ist mehr melancholische Empfindung\nund selbst Kraft darin, als in seinen anderen Werken.\nObwohl fast unbekannt, verdient es die Bewunderung der\nKenner.\n„Das fruchtbare Genie Rossini's endlich hat aus dem\nStabat Mater ein Drama in Form eines Oratoriums oder\neiner Cantate gemacht. Um es richtig zu würdigen, muss\nman sich nothwendig auf seinen Standpunkt stellen. An\nund für sich als musicalisches Vocalwerk, nicht als kirch-\nliches, betrachtet, ist es ein Werk, das viel Schönes in sich\nschliesst; namentlich sind die Introduction, die Tenor-Arie,\ndas Quartett Sancta inater und das Inflammatus lobens-\nwert!].\"\nSo weit Fetis. Wir haben schon oben erwähnt, dass\ndas; Stabat Mater von Emmanuel Astorga in der Reihe\nder angeführten fehlt, obwohl es eines der berühmtesten,\njetzt auch bekannteren, ist und seinen Ruhm verdient. Es\nist im Anfange des achtzehnten Jahrhunderts geschrieben,\nwahrscheinlich in London, da die Bibliothek der dortigen\nAcademy of ancient Musiclange Zeit die einzige Abschrift\ndavon besass. Vgl. Rochlitz, Für Freunde der Tonkunst,\nBd. IL, wo auch Astorga's Leben, aber freilich etwas ro-\nmanhaft, geschildert wird.\nNeuerdings gibt uns aber F. Chrysander von einem\nbisher ganz unbekannten, nach seinem Urtheil vortreff-\nlichen Stabat Mater von Agostino Steffani Kunde.\nSteffani war Capellmeister des Herzogs Ernst August,\n\n*) Wann hat dieser Marquis de Ligniville gelebt? Sind die ange-\nführten Sachen gedruckt oder nur handschriftlich vorhanden ?\nund wo? Wir finden m den uns zugänglichen Quellen nicht*\nüber ihn» Die Redaction."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "323", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591008-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5210, "texte": "nachmaligem Kurfürsten von Hannover, wurde aber in\nden 1690 er Jahren auch als Gesandter an verschiedenen\nHöfen gebraucht. Er war ein Gönner Händel's, der ihm\nseine Stellung in Hannover zu verdanken hatte. Nach aus-\nführlichen und interessanten Notizen über diesen ausge-\nzeichneten Musiker in seinem „G. F. Händel\", Bd. 1., Leip-\nzig, 1858, berichtet F. Chrysander über jenes\nMater folgender Maassen (S. 350 ff.):\n„Das grösste und vielleicht auch das letzte von Stef-\nfani's Tonwerken mache ich hier, so viel ich weiss, sogar\ndem Namen nach zuerst bekannt. Es ist ein grosses Stabat\nMater.Die Handschrift, die ich sah, steht mit dem be-\nrühmt gewordenen Stabat Mater von Astorga in Einem\nBande und ist diesem an Umfang ziemlich gleich. Wenn\nich hinzulüge, dass Steffani's Composition ihm auch an\nKunst ebenbürtig ist, so möge man dies nicht für eine je-\nner billigen Phrasen halten, durch welche unbekannte\nWerke zweiten und dritten Ranges so oft mit bekannteren\nerster Grösse verglichen werden. Eine Uebertreibung zu\nGunsten Steffani's würde eine zwiefache Ungerechtigkeit\neinschliessen. Emanuel d'Astorga's Werk ist das einzige\nSchäflein, von dem sein Ruhm sich nährt, Steffani hat eine\nganze Herde, und seine Bedeutung steht fest, wie auch sein\nStabat Mater beschaffen sesn möge. Aber die kühlste Un-\ntersuchung muss gestehen, dass hier eine der merkwürdig-\nsten Tondichtungen vorliegt, von der es völlig unbegreif-\nlich ist, wie sie nur so lange verborgen bleiben konnte,\num so mehr, da es wahrscheinlich derselbe Band ist, auf\nden alle Abschriften von Astorga's zurück-\ngehen. Einer Vergleichung mit diesem kann man sich kaum\nentschlagen, die Compositionen sind aber so verschieden,\ndass man sie nicht leichter und besser erklären könnte, als\ndurch eine Aufführung unmittelbar hinter einander. Bei\neinigen der zwölf Sätze würde sich die Neigung für den\nBaron, bei anderen für den Bischof erklären. Der Eingang\ndes letzten Chors: Quanclo corpus morietur, ist dem Astorga\nam schönsten gerathen, aber den Chor als Ganzes betrach-\ntet, muss man Steffani's Arbeit den Vorzug geben. Aus\neinigen Sätzen leuchtet die Verschiedenheit der Auffassung\nso stark hervor, dass sie eine Abschätzung kaum zulassen,\nund beide Meister waren befähigt genug, ihre Absicht zu\nerreichen; doch würde ich dem einfachen und doch kunst- '\nvollen Chor des Astorga: Virgo vor i\ndem mystischen Terzett des Steffani den Vorzug geben,\neben wegen seiner Eindringlichkeit und Fasslichkeit; aus\ndemselben Grunde aber auch dem Chor Steffani's: Fac me\nplagis, vor einem Bass-Solo des Barons. Im Ganzen ge-\nnommen, erscheint Astorga vorzugsweise als edel, Steffani\nvorzugsweise als kirchlich. Das Tiefe und Feierliche haben\nbeide gemein, doch auch dies wieder mit einem erheblichen\nUnterschiede. In Astorga's Tondichtung waltet das Indivi-\nduelle, das Persönliche vor, und so hat man sie auch im-\nmer aufgefasst; sein Werk wäre schwächlich, wenn es\nnicht darin seine Stärke hätte. Für die schmerzvollen Ac-\ncente, mit denen er uns überrascht, suchen wir nach Er-\nklärungen, nicht im Texte oder in kirchlichen Vorgängen,\nsondern in unglücklichen Schicksalen seines eigenen Le-\nbens. Bei Steffani wird uns das niemals in den Sinn kom-\nmen. Wie tief und schmerzensreich intonirt bei ihm der\nzweite Sopran Stabat Mater, und von welcher Gewalt ist\ndarauf der herrliche sechsstimmige Chor! Wie wirkt der\nvierte: Pro peceatts, und wie wundervoll kunstreich ist der\nsechste: JUja mater! Aber das Leben des Tonsetzers, wiiss-\nten wir auch noch viel mehr davon, als wir wissen, würde\nuns diese Gestalten schwerlich deutlicher machen, als Text,\nKirchengebrauch und die Bedeutung der Sache thun kön-\nnen; wenn uns auch das Werk der schönste Beweis ist*\ndass der kleine, freundliche Mann unter seinem zarten\nAeusseren ein tiefes Innenleben nährte. Der ganze Unter-\nschied zwischen Steffani und Astorga ist in zwei Worten\nder zwischen Mystik und Romantik. Was Astorga, als der\nspäter Lebende, an moderner, an populärer Haltung, was\ner als der im Unglück erwachsene Mensch an einigen er-\ngreifend leidenschaftlichen Sätzen voraus hat, das bringt\nSteffani wieder ein durch ein einheitliches, kirchlich-feier-\nliches Ganzes und durch den wunderbaren, Astorga weit\nüberragenden Tiefsinn seines Contrapunktes. Das Werk\nist voll und merkwürdig instrumentirt: Violine 1 und 2,\nViola 1 und 2 und 3 und Violoncell, sechs Singstimmen,\nsechs Instrumente und Orgel. Die Instrumente haben we-\nsentlich das, was der Gesang hat, mitunter direct beglei-\ntend, mitunter in freier Verwebung. Hier ist eine merkliche\nAbweichung von Händel und eher eine Verwandtschalt\nmit Bach zu bemerken; in Wahrheit ist es aber nur die\nveredelte und vervollkommnete italiänische Weise, Chöre\nzu bauen. Auch die Soli sind zum Theil mehrstimmig be-\ngleitet, und es steckt Alles voller Contrapunkte. Für eine\njetzige Aufführung liegt das Werk ganz fertig da. Wie\ndie Sachen nun einmal stehen ich will sagen: weil wir\nfür die Duette keine Sänger haben—, dürfte das\nMater diejenige Composition sein, durch welche uns der\nentfremdete Meister zuerst wieder nahe treten könnte.\nBis es gedruckt ist, wird es mir ein Vergnügen\nsein, deutschen Gesang-Verein en eine richtige\nAbschrift zu vermitteln.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-10-08-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-10-08_01#c003", "volume": "bmtnabi_1859-10-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "324", "page_fin": "326", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591008-01.2.3", "titre_corps": "„Zukunftsmusik“.", "titre_sommaire": "„Zukunftsmusik“.", "signature_source": "Lp", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "324", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591008-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5380, "texte": "„Zukunftsmusik“.\n\nEs gibt Namen und es gibt Benennungen. Namen ent-\nstehen, Benennungen werden gemacht; Namen sind der\nunwillkürliche Ausdruck einer Wahrnehmung, Benennun-\ngen werden gesucht und ausgewählt; Namen sind ein Ge-\nmeinproduct Vieler, eines Volkes, einer Partei, einer An-\nzahl Zusammenlebender, Zusammenstrebender, Benennun-\ngen sind das Ergebniss vereinzelter Interessen, äusserer\nZweckmässigkeit; Namen treffen die Sache, Benennungen\nwerden ihr aufgeklebt; aber Namen fassen die Sache in\nihrer ersten, augenfälligsten Seite, Benennungen wollen das\nGanze bezeichnen; daher sind Namen spitz und schar! und\nerscheinen schroff, einseitig, Benennungen sind nach allen\nSeiten wohl abgewogen und daher meistens stumpf, abge-\nschliffen; Namen beissen, Benennungen thun Niemandem\nwas zu Leide; aber Namen besagen etwas, Benennungen\nwollen Alles sagen und sagen nichts; Benennungen wer-\nden nach Belieben angenommen und abgelegt, Namen\nbleiben; Spitznamen kleben an Kletten, und selbst-\nhervorgerufene Spitznamen erträgt man am besten mit gu-\ntem Humor, sonst wird man lächerlich.\nDiese Gedanken mögen sich Manchem aufgedrängt\nhaben, als er erfuhr, dass auf der letzten Tonkünstler-Ver-\nsammlung in Leipzig der Name „Zukunftsmusik'\" weg-\ndecretirt worden ist. Dr. Brendel schlug als eine im\nInteresse der Partei zu treffende Maassregel vor, den sich\nselbst widersprechenden Namen fürderhin (allen zu lassen,\nund die Versammlung applaudirte beifällig. Das ginge nun\nso weit Niemanden etwas an; sich unter einander mögen\ndie Herren heissen, wie sie wollen. Aber es scheint, man\nwill jetzt dieselbe Forderung auch denen „draussen \" ge-\ngenüber aufstellen; man beginnt, Zeitschriften (z. B. die\nGrenzboten) mit Berichtigungen in dieser Hinsicht zu be-\nhelligen; man versucht, Einzelne dafür zu maassregeln;\nman findet, dass „jeder Schusterjunge\" das Wort brauche,\nworaus wohl folgen soll, dass alle, die es brauchen, Schu-\nsterjungen sind. Das sieht sehr bedenklich aus, und bei\njetzigen Zeitläuften mag vielleicht Mancher in sich gehen\nund sich fragen, ob er nicht ungebührlichen Spott auf die\nHäupter der Betreffenden geladen habe. Er mag sich trö-\nsten! Was im Jahre 1859 so anstössig scheint, hat im\nJahre 1855 noch guten Klang gehabt; in diesem Jahre\nwenigstens berichtet die Neue Zeitschrift für Musik aus\nWeimar, dass Liszt selbst bei einer Antwort auf einen\nToast hervorgehoben hat, der Name Zukunftsmusiker sei\nvon der Partei als Ehrenname aeeeptirt worden, wie er\ndenn auch nicht selten in solcher Bedeutung angewandt ist.\nAlso keine Angst! Die „Schusterjungen\" sind in guter Ge-\nsellschaft, der Gesellschaft Zukünftelnder zwar, aber sonst\nganz anständiger Hof-Capellmeister, Conccrtmeister, Docto-\nren der Philosophie u. dgl. Um so weniger wird man es\nuns verdenken, wenn wir, etwas altmodisch, wie wir nun\neinmal sind, und nicht geneigt, uns über Nacht einen gäng\nund gebe gewordenen Namen von Anderen wegoctroyireri\nzu lassen, ohne Hass und Gunst ruhig überlegen, was wir\nan dem Worte haben, einen Namen oder eine Benennung,\neine Redensart oder einen Begriff.\nWundern wird sich wohl über die Entstehung des\nNamens Niemand. Das „Kunstwerk der Zukunft\" ist so\nlange das Partei-Schlagwort gewesen, so laut das Kampf-\ngeschrei der Streitenden, so heftig das gegenseitige An-\nstürmen, dass der Name ganz einfach dem unbetheiligten\nBeobachter noch spät nach beendigter Schlacht in den\nOhren fortgesummt hat und gar manchmal als das einzig\nVerständliche in gewissen Expectorationen erscheinen\nmochte; es ist ein einfaches Rechen-Exempel, was das W ort\nin die Mode gebracht hat; das Wort, das von unserem ge-\nsammten Sprachschatze am meisten hin und her geschleu-\ndert wurde, musste wohl als Niederschlag haften bleiben.\nUnd dass es etwas Charakteristisches auffasst, ist wohl auch\nnicht zu läugnen. Denn so viel wir auch schon Kunstrich-\ntungen gehabt haben, überall ist es Brauch gewesen, dass\nman erst die Sache, das Kunstwerk, herstellte und dadurch\nhübsch fein in der Gegenwart blieb, und dann die Zukunft\nihre eigene Entwicklung zuwege bringen liess. So hat\nGluck das Vorwort zur Alceste nicht eher geschrieben, als\nbis diese Oper vollendet, aufgeführt und beifällig aufge-\nnommen und damit die Zukunft zur Gegenwart gemacht\nwar. So hat Mozart über die bereits fertige „Entführung\"\nsich ausgesprochen; so hat Schiller eist Dramen geschrie-\nben und dann sein Volk auf den Weg der Bildung durch\ndie Kunst hingewiesen. Wagner und noch mehr seine An-\nhänger haben es anders gemacht; erst Tannhäuser und\nLohengrin, die noch nicht die rechte Zukunft sind, dann\ndie theoretischen Schriften, erst Wagner's, dann all der\nanderen Accoucheure der Zukunft, und endlich tropfen-\nweise die wirklichen Zukunftswerke. Das ist sicherlich we-\nnigstens neu, noch nicht da gewesen und also wohl werth,\nin einem Worte verewigt zu werden. Kurz, man mag da»\nWort ansehen, wie man will, es rechtfertigt sich als rech-\nter und berechtigter Name.\nAber Zukunftsmusik da steckt es, sagt Dr. Bren-\ndel, der „bedauert, sagen zu müssen, dass darin (wenn es\nnicht gleich Fortschritt sein soll) gar kein Sinn und Ver-\nstand ist. Richard Wagner hat von einem Kunstwerke der\nZukunft gesprochen, d. h. von einem solchen, in dem die\neinzelnen Künste zu Gunsten des Ganzen ihre Selbststän-\ndigkeit aufgeben, das also auch die Musik als selbstständige\nKunst ausschliesst. In diesem Sinne von Zukunftsmusik zu"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "325", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591008-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5455, "texte": "sprechen, ist also eine Contradict wie wenn\nman sagen wollte: hölzernes Eisen, viereckige Rundung.\"\nSehr scharfsinnig und für uns Schusterjungen sehr schlimm !\nAber zu rechter Zeit fällt uns da ein Buch in die Hände:\nDie Musik der Gegenwart und die Gesammtkunst der Zu-\nkunft, von einem gewissen Franz Brendel. Derselbe\nI'ranz Brendel kann das wohl nicht sein; denn da steht\nS. 166 (und sonst): der Musik müsse eine vom Gesammt-\nkunstwerke getrennte, obschon untergeordnete Sphäre er-\nhalten bleiben. Ohne eine solche müsste dieselbe verschwin-\nden, unfähig, ihre Eigentümlichkeit zu wahren. Also auch\nhier der Trost: es wird auch in der Zukunft Sondermusi-\nker geben, und die, welche nach der oben angewiesenen\nStellung der Musik lüstern sind, werden ganz passend Zu-\nkunftsmusiker heissen, ohne darum schon hölzernes Eisen\noder runde Vierecke zu sein. Denn wenn alle diese Zu-\nkunfts-Weissagungen sich erfüllen, wird das denn nicht\nauch eine andere Musik sein? Sollte die Musik aus dem\nengen Bunde mit der Poesie, der ihr zugedacht ist, als\ndieselbe wieder hervorgehen? Geben uns die Düfteleien,\nSinnigkeiten und Unsinnigkeiten, die Auslegerkünste der\nZukunfts-Aesthetiker nicht genug Vorschmack von dem,\nwas wir da erleben werden? Und wird es nicht gut sein,\ndafür einen Namen zu haben? In der That, es ist zu\nfürchten, der Name wird, wenn die prophezeite Zukunft\nschon Gegenwart geworden sein sollte, die Gegner dann\nnoch über die traurige Gegenwart täuschen, bis die Zu-\nkunftsmusiker ihnen auch diesen letzten Trost rauben, in-\ndem sie ebenfalls auf einer Zukünftlers-Versammlung den\nAnbruch der Zukunft und das Aussercourssetzen der Ge-\ngenwart decretiren.\nUnd so bedenklich steht es auch schon. Der Harmo-\nnielehre wird bereits mit Preis-Aufgaben Behufs der Ver-\nzukünftelung zugesetzt; natürlich, ist erst bewiesen, dass,\nwas Schumann an Beriioz abscheulich gefunden, schön ist,\ndass alle Ergüsse einer maasslosen, ausschweifenden, zü-\ngellosen Phantasie bei Liszt richtig sind und nur dem „bor-\nnirten\" Musiker unfasslich, dann kann man mit Columbus\nLand! Land! rufen, dann hat man den ersten Strahl des\nneuen Lichtes in Spiritus verwahrt. Doch hoffen wir mit\nden Zukunftsmännern selbst noch auf eine nicht allzu kurze\nGnadenfrist, denn „erst nach geraumer Zeit (meint\nLiszt noch 1857, N. Ztg. f. Musik, S. 26) kann über solche\nDinge ein entscheidendes Urtheil Statt finden; denn wel-\nchem Richterspruche würden sich die Orthodoxen einer-\nseits oder die Häresiarchen andererseits unterwerfen? Die\nEinen wie die Anderen müssen also wohl einer mehr\noder minder entfernten Zukunft die Lösung derartiger\nProbleme anheimgeben.\" Also auch in solchen Punkten\ndes Details einer Kunst dieselbe Berufung auf die Zukunft.\nLnd man soii nicht von Zukunftsmusik sprechen? In was\nwird man denn sonst noch die Zukunft beschwören? Ap-\nplaudirt ein Publicum nicht, vertröstet man auf die Zu-\nkunft; fallen Damen in Ohnmacht, betäubt von der Ma-\nterie des Schalles, so wird die Zukunft stärkere Nerven\nhaben; findet man etwas unverständlich, die Zukunft wird's\nerklären. Wie? und ihr wollt nicht Zukunftsmusiker heis-\nsen? freilich nicht: denn alle diese Wechsel, die ihr auf\ndie Zukunft ausstellt,—wer bürgt uns dafür, dass sie ho-\nnorirt werden? Und wer Wechsel ausstellt, ohne Sicherheit,\ndass sie aeeeptirt werden, —fragt doch einen Juristen, was\ndem das gemeine deutsche Wechselrecht in Aussicht stellt.\nAber wie anmaasslich bescheiden diese Anweisungen\nauf die Zukunft sind! Natürlich, alle grossen Geister sind\nja erst von der Zukunft anerkannt worden; also sind\nauch alle, die von der Gegenwart „verkannt\" werden,\ngrosse Geister! Kann es einen schlagenderen Beweis geben?\nUnd wie rührend pfiffig zugleich! Da ist man ein Martv-\nrer, stempelt sich selbst dazu und hat alsbald die S\\mpa-\nthieen aller mitleidigen Seelen. Und wenn nichts bleibt für\ndie Gegenwart, so hat man doch wenigstens Unsterblich-\nkeit. Woher wisst ihr denn, dass euch überhaupt die Zu-\nkunft nur nennen wird? Und wird es euch genug sein,\nwenn sie Manchem das Urtheil spricht, dass er zu den\nmancherlei Verschrobenheiten einer aus den Fugen gerathe-\nnen Zeit noch einige neue hinzugelugt, und mit ihnen, da\ndie Gegenwart keinen Raum mehr bot, auch noch die\nZukunft belastet, ihr zugemuthet, eure Ruckuckseier aus-\nzubrüten? Arme Zukunft! Was sie doch alles aufs Gewis-\nsen nehmen soll! Andere, eingedenk, dass, wer den Besten\nseiner Zeit genug gethan, für alle Zeiten gelebt hat, be-\nscheiden sich, in der ihnen zugewiesenen Spanne Zeit nach\nKräften zu wirken, gewiss, wo es in Treue und Redlich-\nkeit geschehen, nicht umsonst gewirkt zu haben, unbe-\nkümmert, ob der eigene Name mit so vielem Anderen,\nBesseren verfliegt oder fortklingt. Dort scheint das Wich-\ntigste der süsse Wahn, wenigstens genannt zu sein, und\nsollte auch die künstlich erzwungene Frühgeburt der Zu-\nkunft mit noch so grossem Rechte die unberufenen Heb-\nammendienste als Charlatanerie und gemeingefährliche\nWunderdoctorei brandmarken.\nAlso, es bleibt dabei: ihr heisst nicht nur, ihr seid Zu-\nkunftsmusiker. All die Ungegohrenheit, der Schwindel, all\ndie Eitelkeit, all die Selbstbespiegelung, all die Trägheit,\nder Zukunft zuzuschieben, was man selbst leisten müsste,\nall die Hohlheit und Saalbaderei der ästhetischen Schwätzer\nwie schön fasstsich das alles in dem Einen Worte „Zu-\nkunftsmusik\" zusammen!\nUnd ihr selbst habt euch den Namen gegeben, freilich\nunwillkürlich. So werdet ihr ihn auch nicht los werden."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "326", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591008-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 338, "texte": "Neudeutsche Schule möchtet ihr lieber heissen, ihr, d. h.\nder Magyare Liszt, der Franzose Berlioz und der in we-\nsentlichen Entwicklungspunkten ganz mit Meyerbeer'schem\nOrchester hantierende, in seinen theoretischen Ansichten\nlaut Brendel) den französischen Socialisten analoge Wag-\nner?— Geht doch, macht uns keine schlechten Witze!\n\nLp."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-10-08-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-10-08_01#c004", "volume": "bmtnabi_1859-10-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "326", "page_fin": "327", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591008-01.2.4", "titre_corps": "Die königliche italiänische Oper in London.", "titre_sommaire": "Die königliche italiänische Oper in London.", "signature_source": "C. 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Wo aber nicht viel zu berich-\nten ist, wo Alles sich bis auf einige persönliche Ausnahmen\nJahr aus, Jahr ein in demselben Geleise fortschiebt, da\nverliert man die Theilnahme und die Lust an der Sache\nder Kunst, wenigstens an dieser Gattung derselben.\nDie Saison wurde wieder mit Verdi eröffnet und mit\nMeyerbeer geschlossen; der Trovatore und Le Pardon de\nPloermel bildeten den charakteristischen Rahmen, in wel-\nchen sich Rossini, Bellini, Donizetti, von Flotow und aus\naltem Usus auch Mozart wenigstens Ein Mal fügen mussten.\nNeu in der Gesellschalt waren die Prima Donna Sisjnora\nLotti della Santa und der Bariton Debassini. Die erslere\nmachte als Lconore im Trovatore keinen grossen Eindruck,\nnamentlich nicht auf die alte Garde von Coventgarden,\nwelche die Grisi als absolute Beherrscherin wie eine jähr-\nlich wiederkehrende Festung umgibt und sie durch ihr\nschweres Geschütz mit Beifallssalven gegen jeden Angriff\nder Kritik schützt. Mit jedem späteren Auftreten setzte sich\njedoch Signora Lotti fester \"in der Gunst des Publicums,\nda ihre Befangenheit schwand und die schöne, volle und\nkräftige Stimme das ersetzte, was ihr an dramatischer Dar-\nstellungskunst und freilich auch an Gewandtheit im Kunst-\ngesange fehlt. Debassini war schon vor sechs Jahren hier,\ndoch ist Stimme und Gesang bei ihm noch recht frisch,\nwenn er auch seinen Vorgänger Graziani in der Partie des\nGrafen Luna nicht erreichte. Noch weniger konnte der\nTenor Neri-Baraldi Mario und lamberlik, die früheren\nDarsteller des Manrico, ersetzen. Die Mezzo-Sopranistin\n(Azucena), Mad. Nantier-Didie, wrar in ihrer Partie zu\nHause und auch für London eine alte Bekannte. Das En-\nsemble war über Erwartung gut; aber bei dem Opern-\nPublicum in London ist das Nebensache, und die Solisten\nerregten durch diese erste Vorstellung eben nicht hoch-\nfliegende Hoffnungen.\nNach dem Trovatore kam die Sonnambula, etwas ganz\nNeues, wie Sie sehen, an die Reihe. Eine Mademoiselle Cal-\nderon zeigte als Amina, dass von dem dramatisch-poeti-\nschen Geiste ihres grossen Ahnen in Spanien nichts auf sie\nübergegangen war, und dass auch Stimme und Gesang\nder Aufgabe, erste Partieen auszufüllen, nicht genügten.\nSie trat auf und wieder ab: wir haben sie nicht wieder\ngesehen.\nDas war also ein schlimmer Anfang, und Herr Gye\nwar etwas Weniges in Verzweiflung. Er flog nach Paris\nund holte Madame Penco. Zwar weigerte sie sich, die\nPartie der Dinorah zu übernehmen, übrigens aber war sie\ndoch eine gute Acquisition. Trotzdem konnte Rossini's Bar-\nbier in der Saison nicht zur Aufführung kommen—etwas\nUnerhörtes in der Geschichte der italiänischen Oper zu\nLondon! Eben so wenig konnte Auber's Fra Diavolo, der\nmit der Bosio als Zerline früher sehr gezogen hatte, auf\ndie Scene kommen. Ueberall hörte man nichts als Sehn-\nsuchtsruf nach dieser in der That höchst liebens- und be-\nwunderungswürdigen Sängerin, die der Tod so früh dahin\ngerafft hatte.\nMaria di Rohan machte bei der ersten Aufführung\nnichts; das Haus war sehr voll; man erwartete das erste\nAultreten von Ronconi (als Herzog von Chevreuse) in die-\nser Saison, allein statt seiner erschien Debassini, da er un-\nwohl geworden war. Das nächste Mal sang Ronconi. Je-\ndem, der ihn jetzt zum ersten Male hört, wird ein Publi-\ncum, das ihm entzückt zuhört und seine Leistung mit\nEnthusiasmus begleitet, wunderlich, ja, vielleicht etwas\nunzurechnungsfähig vorkommen. Aber in Alt-England ist\ndas etwas Anderes; da lässt man vom Alten so leicht nicht\nab und freut sich der Ruinen auf den Höhen der Kunst.\nDie GCISZCL ladrawurde—wiederum merkwürdig für\nden hiesigen Geschmack eine Zug-Oper der Saison. Und\ndoch war weder die Lotti vollkommen, noch vermochte\nDebassini die Coloratur seiner Partie zu bewältigen; aber\nfreilich machte Ronconi als Podesta seine Galerie-Spässe\nzur Ergötzung der Zuhörer im Frack und in Seide.\nIn Verdi's Rigoletto zeigte sich Signora Lotti auf glän-\nzende Weise und gewann endlich den Sieg auch über den\nTheil des Publicums, der stets nur an altberühmten Na-\nmen hängt. Mario entzückte, und man kann es nicht\nläugnen mit Recht; der Triumph der Kunst, die abneh-\nmende Kraft der Natur fast unbemerkbar zu machen,\nmuss rühmend anerkannt werden. Was wir aber zu der\nLeistung der Grisi als Valentine in den Hugenotten sagen\nsollen, wissen wir in der That nicht, da wir, leider! in der\nKunst keine Anhänger der Pietät sind, zumal, wenn alles\nHörbare entweder gar nicht oder widrig klingt. Da auch\nsolche Opern hier ohne Probe gegeben werden, so kann\nman ein vollkommenes Ensemble niemals erwarten.\nMadame Penco trat zum ersten Male in Verdi's\nviata auf; sie drang indess erst mit der Zerhne im Don\nGiovanni durch, welche Partie eine ganz vortreffliche Lei-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "327", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591008-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3248, "texte": "stung der Künstlerin war, die, ohne gerade eine jener im-\nponirenden grossen Stimmen zu besitzen, durch reizenden\nVortrag und treffliche Eigenschaften in Gesang und Spiel\nfesselt, wenngleich ihre Schule nicht so vollendet genannt\nwerden kann, wie bei einer Sontag und Garcia und deren\nGleichen. Uebrigens war der Don Juan, in welchem man\ndurch Alary's Misshandlung der Partitur Mozart häufig gar\nnicht wiedererkennt, eine Vorstellung, die jedem wahren\nKenner und namentlich jedem Deutschen zuwider sein\nmusste, wozu denn auch Mario als Don Juan selbst nicht\nwenig beitrug. Es ist wahrlich ein heilloser Erevel, den\ndiese Italiäner an Mozart begehen, und er wird in einem\nLande geduldet, das auf die Heilighaltung der musicali-\nschen Tradition stolz sein will und dieselbe auch an Hän-\ndel wirklich bewährt!\nVon Lucrezia Borgia, Norma und Othello (Grisi, Tam-\nberlik und Ronconi) ist nicht viel zu sagen. Tamberlik hat\nauch im Don Juan den Ottavio schön gesungen; die Unart\nmit dem hohen bam Schlüsse kann man ihm freilich kaum\nvergeben. An Rossini's Othello wollte das Publicum indess\nkeinen rechten Antheil nehmen, und doch ist der letzte Act\nwohl mit das Schönste, was er geschrieben hat. Dass Flo-\ntow's Martha keine ausgezeichnete Anziehungskraft be-\nwährte, lässt man sich schon eher gefallen.\nMercadante's II Giuramento,seit mehreren Jahren\nauf dem Abonnements-Programm versprochen, wurde end-\nlich in dieser Saison (den 9. Juli) zu Tage gefördert und\nbegraben, um nie wieder zu erscheinen. Ein so auffal-\nlendes Fiasco ist hier selten erlebt worden, trotz der Be-\nsetzung mit Grisi, Mario u. s. w. Was war zu thun?\nDer Trovatore musste noch einmal vor dem Schlüsse her-\nhalten, und zwar mit Grisi, Mario und Graziani. Alles in\nAllem war die Season ein Armuths-Zeugniss für Herrn\nGye und die heutige italiänische Oper in London.\nMeyerbeer's Dinorah ossi\nmel schloss mit sechs Vorstellungen die Saison. Ich habe\nIhnen schon früher darüber berichtet. (Vergl. Nr. 34 vom\n*2O. August d. J.)\nDas Coventgarden-Theater soll übrigens bald wieder\neröffnet werden, aber nicht durch eine italiänische, son-\ndern durch eine englische Oper. Dass eine National-\nOper in der Hauptstadt von England ein heisser Wunsch\naller wahren Musikfreunde ist, lässt sich eben so wenig\nläugnen, als dass bis jetzt jede feste Grundlage zum Durch-\ndringen einer solchen bis zu Popularität und einträglichem\nErfolg gefehlt hat. Der Patriotismus der Engländer er-\nstreckt sich nicht bis auf die Kunst, und die neue Unter-\nnehmung der wackeren Sängerin Miss Louise Pyne und\ndes Herrn W. Harrison wird am Ende, wie so manche\nVersuche einer deutschen Oper in London, an dem Mangel\nan Sinn für tiefere dramatische Musik bei dem grössleit\nund leider reichsten Theile des londoner Thcater-Publi-\ncums scheitern. Man spricht von neuen National-Opern in\nText und Composilion, einer Lorelei oder von\nWallace, einer dritten Oper von Balle unter Mitwirkung\neines englischen Dichters und Sängers. Wir können diesen\nOpern keinen durchschlagenden Erfolg prophezeien, so wie\nwir das hiesige Publicum kennen. Etwas Anderes wäre\nfreilich die ebenfalls projectirte Inscenesetzung von Meyer-\nbeer's Pardon mit englischem Texte. Kann das aber als-\ndann eine National-Oper genannt werden?\n\nC. A."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-10-08-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-10-08_01#c005", "volume": "bmtnabi_1859-10-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "327", "page_fin": "328", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591008-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "327", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591008-01.1.7", "debut_caractere": 3250, "fin_caractere_exclue": 6035, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. Bei den grossen Festlichkeiten am 3. October bei der\nEinweihung der stellenden Rheinbrücke hierselbst, welche\ndurch die Anwesenheit Ihrer Königl. Hoheiten des Prinz-Regen-\nten und des Prinzen Friedrich Wilhelm verherrlicht wurden,\nwurde eine zu dieser Feier von Ferd. Hiller für Männer- Und\nKnabenchor mit Militärmusik-Begleitung componirte Cantate, Text\nvon L. Bisehoff, von einem zahlreichen Chor im Freien auf einer\nerhöhten Bühne an der Ostseite des Domes aufgeführt. Der Ein-\ndruck war grossaitig.\nDer städtische Capellmeister Herr Ferdinand Hiller hat bei\ndieser Gelegenheit den Rothen Adler-Orden vierter Claase erhalten.\n** CokleilZ« Vor einigen Tagen gab Fräul. Anna Zick,\neine junge Sängerin, deren Leistungen schon im September v. J. in\ndiesem rheinischen Musik-Organe besprochen wurden, nachdem sie\nihr drittes Studienjahr in dem brüsseler Conservatorium beendigt\nhatte, und aufgemuntert durch mehrere Musikfreunde, hier ein Con-\ncert, dessen zahlreicher Besuch den Beweis lieferte, welch grossen\nAntheil alle Musikverehrer ihrer Vaterstadt an diesem hoffnungsvollen\nTalente nehmen. Zu ihren Vorträgen wählte sie natürlich zumeist\nsolche Sachen, welche der durchgemachten Schule des italiänischen\nund französischen Gesanges entsprechen, nämlich: i) die von de Be-\nriot für seine Gattin, die berühmte Malibran, componirte Arie; -1\neine Arie aus Buondelmonte von Donizetti; 3) eine Sccne für So-\npran, Tenor und Chor aus Trovatore von Verdi, worin sie durch\nunseren Tenor Herrn S. und mehrere Mitglieder unserer Concordia\nin sehr gelungener Weise unterstützt wurde. In allen diesen Vorträ-\ngen bekundete Fräul. Zick ihre durch grossen Fleiss besonders im\nletzten Jahre erlangte Ausbildung. Ihr Vortrag ist viel bestimmter,\nsicherer geworden der getragene Ton kommt mit Geschmack und\npoetischem Gefühl zur Geltung die Coloraturen wurden präcis\nund brillant, die chromatischen Passagen sehr deutlich und die Tril-\nler sowohl in der Höhe als in der Tiefe so schön und kunstgerecht\nausgeführt, als man es von einer noch nicht völlig ausgebildeten\nSängerin nur irgend erwarten durfte. Sie wurde dafür auch mit\ngrossem Beifall beschenkt. Die Arie aus Don Juan:\nschien ihrer Methode nicht so zuzusagen, wie der colorirte Gesang.\nAusserdem hörten wir noch mit Vergnügen den Vortrag eines Cla-\nvierstückes durch Herrn K. und zwei vierstimmige Lieder durch\nMitglieder der Concordia. Fräul. Zick geht nun ehestens in das\nConservatorium nach Paris, worin sie durch Vermittlung ihres ge-\nehrten Protectors Herrn de Beriot mit grosser Munificenz Aufnahme\nerhält, um den Schlussstein zu ihren Studien zu legen. Möge sie\ndiese mit beharrlichem Fleisse und gutem Erfolge beendigen und\nsich bei ihrem dereinstigen öffentlichen Auftreten als eine Künstlonu"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "328", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591008-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5735, "texte": "bewähren, die ihrer Vaterstadt zur Ehre gereicht. Unsere besten\nWünsche begleiten sie dahin.\nMan sehreibt aus Magdeburg: , Zu den Männern, die in neue-\nrer Zeit sich ein grosses Verdienst um die Blüthe des Männerge-\nsanges erworben haben, gehört besonders auch der Ilof-Capellmeister\nW. Tschirch in Gera. Viele geistliche und weltliche Gesänge für\nMännerchor, die sich durch melodischen Reichthum und textgemässe\nAuffassung auszeichnen, verdanken ihm ihr Dasein und sichern dem\nwackeren Meister unter den Freunden des Männergesanges für alle\nZeiten ein ehrenvolles Andenken. Die bedeutendste von diesen Com-\nPositionen für Männerchor ist das dramatische Tongemälde: „Eine\nNacht auf dem Meerevt (Dichtung von Erdmann Stiller) Bei der Auf-\nführung derselben hat er einen wohlverdienten grossen Triumph ge-\nfeiert Von dem Lehrer-Gesangverein zur persönlichen Leitung der\nöffentlichen Production des Musikstückes eingeladen, wurde derselbe\nam 16. September durch ein Ständchen, das ihm 200 Sängerstimmen\nbrachten, willkommen geheiesen. Die Aufführung selbst fand am 17.\nAbends Statt und wurde mit grossem Beifall aufgenommen/'\nBarmstedt. Das im September wieder eröffnete grossherzog-\nliche Hoftheater hat in den bis jetzt Statt gehabten Vorstellungen\nden Erwartungen der Kunstfreunde wohl entsprochen Die Mitglieder\nder Oper, Fräul. Emilie Schmidt (Helene, Melanie), die Herren Becker\n(Montfort, Asthon), Dalle Aste (Procida, Ankarström), Künzel (Nota),\nPeez (Gustav) erfreuten sich des lebhaftesten Beifalls, und die neu\neingetretenen wurden in ihren Debüts vom Publicum aufs freund-\nlichste aufgenommen. Fräul. Schnaidtinger, vom deutschen Theater\nin Pesthj gab als Lucia in Gesang und Spiel, und eben so Herr\nGarso, vom Stadttheater zu Danzig, uns schon durch sein Gastspiel\nam Schlüsse der vorigen Saison in guter Erinnerung, als Edgar in\nderselben Oper eine tüchtige Leistung. Beide wurden durch warmen\nBeifall und Hervorruf ausgezeichnet. Gleich freundliche Aufnahme\nfand Fräul. Louise Limbach, vom Stadttheater in Breslau, eine an-\ngenehme Erscheinung, als Page im Maskenball. Mit Ireude sahen\nwir unseren trefflichen Hof-Capellmeister Herrn Schindelmeisser, nach\nlängerem Unwohlsein glücklich hergestellt, wieder auf seinem Posten.\nI&arlsrifil*e9 20. Sept. Die Oper studirt jetzt, wie bereits mit-\ngetheilt wurde, Wagner's „Tristan und Isolde4'. Ein kundiger Beur-\niheiler schildert uns die Aufführung dieses Werkes als eine Aufgabe,\n„nicht nur ohne Beispiel, sondern auch noch nie als denkbar ge-\ndacht,'* Man ist um so begieriger auf das Resultat.\nIi u bin stein hat eine Zeitlang hier verweilt und ist\nsodann nach Berlin und Königsberg gegangen, um nach Petersburg\nzurückzukehren. Neulich fanden wir unter Inseraten eines hiesigen\nTheater-Journals eines, welches ein paar Opern texte zum Componi-\nren anbot; am liebsten für Rubinstein, wie der Dichter naiv hinzu-\nsetzte.\nLiszt hat ein grösseres musicalisches Werk vollendet, die Le-\ngende der heiligen Elisabeth (Text von Otto Roquette) in sieben\nGesängen, für Soli, Chor und Orchester. Die Composition ist ber\nstimmt, Ihrer Majestät der Kaiserin von Oesterreich gewidmet zu\nwerden, und es verlautet, dass das Werk zuerst in Wien zur Auf-\nführung gelangen soll.\nAus Warschau berichtet man, dass nach dem günstigen Er-\nfolge von Moniusko's Oper ?,IIalka\", der ersten eigentlichen polni-\nschen Oper seit Eisner und Kurpinski, sich gegenwärtig vielfach\nwarme Sympathieen für die Wiedererweckung dieses nationalen\nKunstgebietes zu zeigen beginnen. Die bedeutendsten literarischen\nTalente haben sich an Bearbeitung von Librettos gemacht. Mendels-\n„Paulus\" und Beethoven1« neunte Sinfonie haben hier eine\nanerkennenswerthe Aufführung und dankbare Aufnahme erlebt.\nf*aris. Am 21. September gaben Offenbach's Bouffes Parisie?is\nin der Passage Choiseul eine neue Operette, Veuve Grapin, in einem\nAct, Text von de Forges, Musik von Herrn von Flotow. Im\nTheälre de VOptra comique werden die Proben zur Oper L'Ame en\npeine von demselben Componisten eifrig fortgesetzt.\nMeyerbeer ist am 23. September von Baden wieder hier ein-\ngetroffen.\nDem Sänger Roger ist jetzt wirklich vom Minister der Antrag\nder Stelle eines Professors am Conservatoire und zugleich Gesang-\nInspectors am kaiserlichen Operntheater gemacht worden. Roger hat\ngeglaubt, diesen Beweis der höchsten Gunst nicht annehmen zu dür-\nfen, da er für jetzt noch nicht gesonnen ist, der Ausübung seiner\nKunst zu entsagen. Er wird, wie es heisst, gleich nach seiner voll-\nständigen Heilung eine Reise durch Frankreich und das Ausland\nmachen, um Gastdarstellungen zu geben.\nEin hiesiger Musik-Verleger, Herr Maho, hat das Eigenthum der\nPartitur von Lortzing's Czaar und Zimmermann für Frank-\nreich an sich gebracht. Der „Martha\" droht also eine andere Con-\ncurrenz aus Deutschland.\nDie italiänische Oper ist am 1. October mit Verdi's Tra-\nviata (Madame Penco) wieder eröffnet worden.\nDie Stadt hat den Grund und Boden und das Gebäude des\nTheälre lyrique für 1,400,0 0 Francs gekauft, um es niederzureissen,\nwas jedoch erst im März 1860 geschehen wird. Man versichert, dass\nauf dem Platze Chatelet ein neues Haus gebaut werden und der\njetzige Liirector, Herr Carvalho, sein Privilegium behalten wird.\nMario ist nach einer Erholungsreise in Italien vor einigen Ta-\ngen hier angekommen und begibt sich mit einer italienischen Opern-\ngesellschaft als Director derselben nach Madrid.\nBrüssel. De Beriot ist hier und wird den russischen Für-\nsten Yussupoff, einen enthusiastischen Musikfreund, nach Russland\nbegleiten.\nHerr Ernst Pauer, einer der ersten Pianisten der Gegenwart,\nder seinen bleibenden Aufenthalt in London genommen, ist zum Pro-\nfessor erster Classe der Ciavierschule an der königlichen Akademie\nin London ernannt worden."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "321", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591008-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie Compositionen des Stabat Mater. „Zukunftsmusik\". Die königliche italienische Oper in London (Rückblick\nauf die letztverflossene Saison). Yon C. A. - Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Fest-Cantate, Ordens-Verleihung Coblenz,\nConcert von Fräul. Anna Zick Magdeburg, W. Tschirch Darmstadt, Theater Karlsruhe Leipzig Warschau Brüssel\nParis Ernst Pauer).\n\nDie Compositionen des Stabat Mater.\nIn seiner Abwehr gegen die Complimente und gegen\ndie Vorwürfe, die ihm Madame Gjertz in ihrer in Nr. -37\ndieser Blätter angeführten Schrift macht, kommt Fetis in\nder Revue et Gazette musicale auf die verschiedenen Com-\npositionen des vortrefflichen Hymnus dessen\nText aus dem dreizehnten Jahrhundert herrührt, um zu\nzeigen, dass der Eklekticismus in der Kunst nicht ein ab-\nsolutes Schönes festsetzt, sondern auf Zeit und Zustände\nund den jedesmaligen Zweck des Kunstwerkes Rücksicht\nnimmt, folglich die aufgeklärte Unparteilichkeit ist. Die\nDame hatte nämlich sich dahin geäussert, dass Herrn Felis\nnach seiner klaren und schlagenden Darlegung der Geistig-\nkeit der Musik nur übrig geblieben wäre, die Gesetze,\nwelche die inneren Erregungen leiten, auf die Tonkunst\nanzuwenden. „Anstatt aber diese GesetzeI',1', fährt sie (ort,\n„im Katechismus zu suchen, hat er sie bei den Philosophen\ngesucht. Nachdem er sich bei Allen Raths erholt, von Plato\nbis auf Cousin, ist er zum Eklekticismus gekommen\" u.s.w.\nFetis zeigt nun an dem Beispiel der Compositionen\ndes Stabat Mater von Josquin Depres bis auf Rossini, dass\nein relatives Urtheil über das Musicalisch-Schöne seine\nvolle Berechtigung hat. Er nennt als die bedeutendsten\nsieben Compositionen nämlich die von Josquin Depres,\nPalestrina, Pergolese, dem Marchese Ligniville, Fürsten\nvon Conca, J. Haydn, Boccherini und Rossini. Auffallend\nist, dass Emanuel Astorga fehlt (siehe unten).\nJosquin Deprfes war zu seiner Zeit (er blühte von\n1470 bis 1512) Herrscher im Reiche der Tonkunst. „Da-\nmals schrieb man Kirchenmusik nur für Gesang allein, selbst\nohne Begleitung der Orgel; die Harmonie war auf den\nconsonirenden Accorfi beschränkt. Für Josquin war das\nStabat Mater eine Sequenz, ein Gebet, und er hatte kei-\nnen anderen Zweck, als diesem Gebete den Charakter der\nRuhe und Andacht durch seine Töne zu verleihen. Der\nErlöser am Kreuze und der Sehmerz der Maria haben\nnichts mit menschlichen Empfindungen gemein ; das My-\nsterium der Erlösung erfüllt sich. Der Tonkünstler sali\nnichts Anderes darin, und für den Ausdruck der ruhigen\nAndacht hatte er, was er brauchte: den reinen Klang der\nMenschenstimme und die Consonanz in der Harmonie. Das\nStück ist fünfstimmig im sechsten römischen Kirchentone.\nEine Stimme führt den Cantus in langen Noten\nununterbrochen durch, während die vier anderen sich in\nangenehmen, nirgends schroffen Harmonieen und Imita-\ntionen um dieselbe schlingen—das Ganze in Betracht der\nZeit und der Auffassung eine schöne und würdige Com-\nposition.\n„Drei Viertel-Jahrhunderte später schrieb Palestrina\nsein Stabat Mater.Das musicalische System ist noch das-\nselbe, aber die Form ist bereits erweitert, und in die Auf-\nfassung hat Palestrina die Macht seiner Persönlichkeit ge-\ntragen. Allerdings sind die Mittel zum wirkungsvollen Aus-\ndruck noch beschränkt, aber das Streben, sie aufzufinden,\nist schon vorhanden. Das Stab ist achtstimmig in zwei\nChören, die bald getrennt, bald vereint ergreifende Klang-\nwirkungen hervorbringen. Man sieht offenbar, dass Pale-\nstrina in dieser erhabenen Composition sich durch die\nWorte des Evangelisten Matthäus hat begeistern lassen* ;\nein Gefühl des Schreckens herrscht in dem Werke vor.\nDie drei Z)wr-Dreiklänge, mit welchen der erste Chor auf\ndie Worte Stabat Mater beginnt und mit welchen der\nzweite Chor die Worte Juxta einsetzt, haben etwas\nEntsetzliches, das durch die Schroffheit ihrer Aufeinander-\nfolge das musicalische Gefühl verletzt. Das tritt ganz aus\nPalestrina's Weise heraus; aber da er einen Ausdruck des\nSchreckens wollte und die dissonirenden Accorde noch\nnicht bekannt waren, so blieb ihm nur diese harte Zusam-\n\n*) Capitel 27, V. 51, 52: Und siehe da, der Vorhang im Tempel\nzerriss in zwei Stücke, und die Erde erbebete, und die Felsen\nzerrissen."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "322", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591008-01.1.2", "texte": "inenstellung übrig. Beim Zusammentritt beider Chöre be-\nginnt der Ausdruck des düsteren Schmerzes: 0 quam tristis\net afflicta Fuit illa benedicta Mater Unigenitil welcher\nbis zum Schlüsse das ganze Werk durchzieht.\n„Zwischen Palestrina und Pergolese liegen hundert\nund fünfzig Jahre. Das neuere Ton-System ist gefunden\nund stellt dem Componisten bisher unbekannte Mittel zur\nVerfügung, und die Instrumente vereinigen sich mit dem\nKlange der menschlichen Stimme zu Einem Ganzen. Dem\nAusdruck der Kraft und Grösse ist Pergolese nicht ge-\nwachsen, seine Natur ist dafür nicht geeignet, er fühlt\nsich nur wohl in Werken von kleinerem Maasse, er hat\nTöne für Liebe und Sanftmuth, keine für Kraft und Macht.\nSein Stabat Mater ist daher keine Gomposition von gros-\nser Entwicklung musicalischer Ideen und Ausdrucksmittel,\ndaher auch keine Anwendung des Chors; eine Sopran-\nund eine Altstimme genügen ihm, und sein Orchester be-\nsteht nur aus dem Quartett der Saiten-Instrumente und\nder Orgel. Alles ist nicht von gleicher Schönheit in seinem\nWerke, zwei Sätze erscheinen besonders schwach an Er-\nfindung; allein welch ein rührender Gesang ist in den\nübrigen! es ist, als wären dem Künstler die Thränen der\nMaria aufs Ilerz gefallen. Durch vollendete Sängerinnen\n—denn diese gehören dazu—ausgeführt, hat Pergolese's\nStabat die Zuhörer immer ergriffen und eine Berühmtheit\nerlangt, welche die früheren Compositionen verdunkelte.\nAuch jetzt noch hat es keineswegs an Werth für den\nKenner verloren, der sich von dem Einflüsse unserer Zeit\nfrei hält.\n„Wiewohl Haydn in seinen Kirchen-Compositionen\nnicht aul derselben Höhe des Genie's steht, wie in seinen\nInstrumentalwerken [mit jenen sind dann doch wohl nur\nseine Messen gemeint, überhaupt die eigentlichen Compo-\nsitionen für die Kirche, nicht aber die beiden Oratorien],\nso ist doch sein Stabat Mater das Erzeugniss einer sehr\nglücklichen Eingebung. Der Adel der Gedanken, der im\nAllgemeinen darin herrscht, verbindet sich in diesem Werke\nmit einer sanften melancholischen Färbung. Es scheint, als\nhabe er gefühlt, dass der Schmerz der Mutter Jesu kein\nmenschlicher Schmerz sein konnte. Auf der Tiefe dieser\nAuflassung liegt das sich ganz hingebende Vertrauen auf\ndie Früchte der Erlösung. Diese schöne Composition ist\nzu wenig bekannt; es sind nur einige wTenige Figuren des\nZeitgeschmacks darin, die man weg wünscht.\n„Am wenigsten bekannt ist aber das Stabat Mater\n\\on dem Marquis von Ligniville, einem Dilettanten, des-\nsen Genie hinter dem von Marcello nicht zurückstand, der\naber jung starb und wenig geschrieben hat. Ein Stabat.\nentzückendes Salve Regina und ein Dixit Dominus\nfür vier Stimmen mit Orchester sind alles, was ich von ihm\nkenne. Er hat im Stabatseine Aufgabe anders aufgefasst, als\ndie bisher genannten Componisten, er versucht nicht, Ge-\nfühle auszudrücken, die über die menschliche Natur er-\nhaben sind, noch die Zuhörer in Schrecken zu setzen; die\nmystische Liebe der Menschheit zu Gott, der am Kreuze\ndahinstirbt, hat er ausdrücken wollen, und das ist ihm auf\nwunderbar schöne Weise gelungen. Drei Stimmen, bald\ngleiche, z. B. drei Soprane in dem ersten Vers, dann drei\nAltstimmen in dem Quae moereb dann wieder\nSopran, Tenor und Bass, oder Alt, Tenor und Bass, genü-\ngen ohne alle Begleitung dem Componisten, um den ergrei-\nfendsten Eindruck zu machen. Alle Sätze sind canonisch,\naber die strenge Form schadet keineswegs dem Ausdruck*).\n„Boccherini hat sich auf denselben Standpunkt ge-\nstellt, wie Ligniville; indess gebraucht er reichere Mittel,\nda sein Stabat zwar ebenfalls nur dreistimmig, aber mit\nBegleitung des Orchesters geschrieben ist. Die natürliche\nFülle von glücklichen Motiven, die sich in allen Compo-\nsitionen Boccherini's findet, verläugnet sich auch in seinem\nStabat nicht, doch ist mehr melancholische Empfindung\nund selbst Kraft darin, als in seinen anderen Werken.\nObwohl fast unbekannt, verdient es die Bewunderung der\nKenner.\n„Das fruchtbare Genie Rossini's endlich hat aus dem\nStabat Mater ein Drama in Form eines Oratoriums oder\neiner Cantate gemacht. Um es richtig zu würdigen, muss\nman sich nothwendig auf seinen Standpunkt stellen. An\nund für sich als musicalisches Vocalwerk, nicht als kirch-\nliches, betrachtet, ist es ein Werk, das viel Schönes in sich\nschliesst; namentlich sind die Introduction, die Tenor-Arie,\ndas Quartett Sancta inater und das Inflammatus lobens-\nwert!].\"\nSo weit Fetis. Wir haben schon oben erwähnt, dass\ndas; Stabat Mater von Emmanuel Astorga in der Reihe\nder angeführten fehlt, obwohl es eines der berühmtesten,\njetzt auch bekannteren, ist und seinen Ruhm verdient. Es\nist im Anfange des achtzehnten Jahrhunderts geschrieben,\nwahrscheinlich in London, da die Bibliothek der dortigen\nAcademy of ancient Musiclange Zeit die einzige Abschrift\ndavon besass. Vgl. Rochlitz, Für Freunde der Tonkunst,\nBd. IL, wo auch Astorga's Leben, aber freilich etwas ro-\nmanhaft, geschildert wird.\nNeuerdings gibt uns aber F. Chrysander von einem\nbisher ganz unbekannten, nach seinem Urtheil vortreff-\nlichen Stabat Mater von Agostino Steffani Kunde.\nSteffani war Capellmeister des Herzogs Ernst August,\n\n*) Wann hat dieser Marquis de Ligniville gelebt? Sind die ange-\nführten Sachen gedruckt oder nur handschriftlich vorhanden ?\nund wo? Wir finden m den uns zugänglichen Quellen nicht*\nüber ihn» Die Redaction."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "323", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591008-01.1.3", "texte": "nachmaligem Kurfürsten von Hannover, wurde aber in\nden 1690 er Jahren auch als Gesandter an verschiedenen\nHöfen gebraucht. Er war ein Gönner Händel's, der ihm\nseine Stellung in Hannover zu verdanken hatte. Nach aus-\nführlichen und interessanten Notizen über diesen ausge-\nzeichneten Musiker in seinem „G. F. Händel\", Bd. 1., Leip-\nzig, 1858, berichtet F. Chrysander über jenes\nMater folgender Maassen (S. 350 ff.):\n„Das grösste und vielleicht auch das letzte von Stef-\nfani's Tonwerken mache ich hier, so viel ich weiss, sogar\ndem Namen nach zuerst bekannt. Es ist ein grosses Stabat\nMater.Die Handschrift, die ich sah, steht mit dem be-\nrühmt gewordenen Stabat Mater von Astorga in Einem\nBande und ist diesem an Umfang ziemlich gleich. Wenn\nich hinzulüge, dass Steffani's Composition ihm auch an\nKunst ebenbürtig ist, so möge man dies nicht für eine je-\nner billigen Phrasen halten, durch welche unbekannte\nWerke zweiten und dritten Ranges so oft mit bekannteren\nerster Grösse verglichen werden. Eine Uebertreibung zu\nGunsten Steffani's würde eine zwiefache Ungerechtigkeit\neinschliessen. Emanuel d'Astorga's Werk ist das einzige\nSchäflein, von dem sein Ruhm sich nährt, Steffani hat eine\nganze Herde, und seine Bedeutung steht fest, wie auch sein\nStabat Mater beschaffen sesn möge. Aber die kühlste Un-\ntersuchung muss gestehen, dass hier eine der merkwürdig-\nsten Tondichtungen vorliegt, von der es völlig unbegreif-\nlich ist, wie sie nur so lange verborgen bleiben konnte,\num so mehr, da es wahrscheinlich derselbe Band ist, auf\nden alle Abschriften von Astorga's zurück-\ngehen. Einer Vergleichung mit diesem kann man sich kaum\nentschlagen, die Compositionen sind aber so verschieden,\ndass man sie nicht leichter und besser erklären könnte, als\ndurch eine Aufführung unmittelbar hinter einander. Bei\neinigen der zwölf Sätze würde sich die Neigung für den\nBaron, bei anderen für den Bischof erklären. Der Eingang\ndes letzten Chors: Quanclo corpus morietur, ist dem Astorga\nam schönsten gerathen, aber den Chor als Ganzes betrach-\ntet, muss man Steffani's Arbeit den Vorzug geben. Aus\neinigen Sätzen leuchtet die Verschiedenheit der Auffassung\nso stark hervor, dass sie eine Abschätzung kaum zulassen,\nund beide Meister waren befähigt genug, ihre Absicht zu\nerreichen; doch würde ich dem einfachen und doch kunst- '\nvollen Chor des Astorga: Virgo vor i\ndem mystischen Terzett des Steffani den Vorzug geben,\neben wegen seiner Eindringlichkeit und Fasslichkeit; aus\ndemselben Grunde aber auch dem Chor Steffani's: Fac me\nplagis, vor einem Bass-Solo des Barons. Im Ganzen ge-\nnommen, erscheint Astorga vorzugsweise als edel, Steffani\nvorzugsweise als kirchlich. Das Tiefe und Feierliche haben\nbeide gemein, doch auch dies wieder mit einem erheblichen\nUnterschiede. In Astorga's Tondichtung waltet das Indivi-\nduelle, das Persönliche vor, und so hat man sie auch im-\nmer aufgefasst; sein Werk wäre schwächlich, wenn es\nnicht darin seine Stärke hätte. Für die schmerzvollen Ac-\ncente, mit denen er uns überrascht, suchen wir nach Er-\nklärungen, nicht im Texte oder in kirchlichen Vorgängen,\nsondern in unglücklichen Schicksalen seines eigenen Le-\nbens. Bei Steffani wird uns das niemals in den Sinn kom-\nmen. Wie tief und schmerzensreich intonirt bei ihm der\nzweite Sopran Stabat Mater, und von welcher Gewalt ist\ndarauf der herrliche sechsstimmige Chor! Wie wirkt der\nvierte: Pro peceatts, und wie wundervoll kunstreich ist der\nsechste: JUja mater! Aber das Leben des Tonsetzers, wiiss-\nten wir auch noch viel mehr davon, als wir wissen, würde\nuns diese Gestalten schwerlich deutlicher machen, als Text,\nKirchengebrauch und die Bedeutung der Sache thun kön-\nnen; wenn uns auch das Werk der schönste Beweis ist*\ndass der kleine, freundliche Mann unter seinem zarten\nAeusseren ein tiefes Innenleben nährte. Der ganze Unter-\nschied zwischen Steffani und Astorga ist in zwei Worten\nder zwischen Mystik und Romantik. Was Astorga, als der\nspäter Lebende, an moderner, an populärer Haltung, was\ner als der im Unglück erwachsene Mensch an einigen er-\ngreifend leidenschaftlichen Sätzen voraus hat, das bringt\nSteffani wieder ein durch ein einheitliches, kirchlich-feier-\nliches Ganzes und durch den wunderbaren, Astorga weit\nüberragenden Tiefsinn seines Contrapunktes. Das Werk\nist voll und merkwürdig instrumentirt: Violine 1 und 2,\nViola 1 und 2 und 3 und Violoncell, sechs Singstimmen,\nsechs Instrumente und Orgel. Die Instrumente haben we-\nsentlich das, was der Gesang hat, mitunter direct beglei-\ntend, mitunter in freier Verwebung. Hier ist eine merkliche\nAbweichung von Händel und eher eine Verwandtschalt\nmit Bach zu bemerken; in Wahrheit ist es aber nur die\nveredelte und vervollkommnete italiänische Weise, Chöre\nzu bauen. Auch die Soli sind zum Theil mehrstimmig be-\ngleitet, und es steckt Alles voller Contrapunkte. Für eine\njetzige Aufführung liegt das Werk ganz fertig da. Wie\ndie Sachen nun einmal stehen ich will sagen: weil wir\nfür die Duette keine Sänger haben—, dürfte das\nMater diejenige Composition sein, durch welche uns der\nentfremdete Meister zuerst wieder nahe treten könnte.\nBis es gedruckt ist, wird es mir ein Vergnügen\nsein, deutschen Gesang-Verein en eine richtige\nAbschrift zu vermitteln.\""}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "324", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591008-01.1.4", "texte": "„Zukunftsmusik“.\n\nEs gibt Namen und es gibt Benennungen. Namen ent-\nstehen, Benennungen werden gemacht; Namen sind der\nunwillkürliche Ausdruck einer Wahrnehmung, Benennun-\ngen werden gesucht und ausgewählt; Namen sind ein Ge-\nmeinproduct Vieler, eines Volkes, einer Partei, einer An-\nzahl Zusammenlebender, Zusammenstrebender, Benennun-\ngen sind das Ergebniss vereinzelter Interessen, äusserer\nZweckmässigkeit; Namen treffen die Sache, Benennungen\nwerden ihr aufgeklebt; aber Namen fassen die Sache in\nihrer ersten, augenfälligsten Seite, Benennungen wollen das\nGanze bezeichnen; daher sind Namen spitz und schar! und\nerscheinen schroff, einseitig, Benennungen sind nach allen\nSeiten wohl abgewogen und daher meistens stumpf, abge-\nschliffen; Namen beissen, Benennungen thun Niemandem\nwas zu Leide; aber Namen besagen etwas, Benennungen\nwollen Alles sagen und sagen nichts; Benennungen wer-\nden nach Belieben angenommen und abgelegt, Namen\nbleiben; Spitznamen kleben an Kletten, und selbst-\nhervorgerufene Spitznamen erträgt man am besten mit gu-\ntem Humor, sonst wird man lächerlich.\nDiese Gedanken mögen sich Manchem aufgedrängt\nhaben, als er erfuhr, dass auf der letzten Tonkünstler-Ver-\nsammlung in Leipzig der Name „Zukunftsmusik'\" weg-\ndecretirt worden ist. Dr. Brendel schlug als eine im\nInteresse der Partei zu treffende Maassregel vor, den sich\nselbst widersprechenden Namen fürderhin (allen zu lassen,\nund die Versammlung applaudirte beifällig. Das ginge nun\nso weit Niemanden etwas an; sich unter einander mögen\ndie Herren heissen, wie sie wollen. Aber es scheint, man\nwill jetzt dieselbe Forderung auch denen „draussen \" ge-\ngenüber aufstellen; man beginnt, Zeitschriften (z. B. die\nGrenzboten) mit Berichtigungen in dieser Hinsicht zu be-\nhelligen; man versucht, Einzelne dafür zu maassregeln;\nman findet, dass „jeder Schusterjunge\" das Wort brauche,\nworaus wohl folgen soll, dass alle, die es brauchen, Schu-\nsterjungen sind. Das sieht sehr bedenklich aus, und bei\njetzigen Zeitläuften mag vielleicht Mancher in sich gehen\nund sich fragen, ob er nicht ungebührlichen Spott auf die\nHäupter der Betreffenden geladen habe. Er mag sich trö-\nsten! Was im Jahre 1859 so anstössig scheint, hat im\nJahre 1855 noch guten Klang gehabt; in diesem Jahre\nwenigstens berichtet die Neue Zeitschrift für Musik aus\nWeimar, dass Liszt selbst bei einer Antwort auf einen\nToast hervorgehoben hat, der Name Zukunftsmusiker sei\nvon der Partei als Ehrenname aeeeptirt worden, wie er\ndenn auch nicht selten in solcher Bedeutung angewandt ist.\nAlso keine Angst! Die „Schusterjungen\" sind in guter Ge-\nsellschaft, der Gesellschaft Zukünftelnder zwar, aber sonst\nganz anständiger Hof-Capellmeister, Conccrtmeister, Docto-\nren der Philosophie u. dgl. Um so weniger wird man es\nuns verdenken, wenn wir, etwas altmodisch, wie wir nun\neinmal sind, und nicht geneigt, uns über Nacht einen gäng\nund gebe gewordenen Namen von Anderen wegoctroyireri\nzu lassen, ohne Hass und Gunst ruhig überlegen, was wir\nan dem Worte haben, einen Namen oder eine Benennung,\neine Redensart oder einen Begriff.\nWundern wird sich wohl über die Entstehung des\nNamens Niemand. Das „Kunstwerk der Zukunft\" ist so\nlange das Partei-Schlagwort gewesen, so laut das Kampf-\ngeschrei der Streitenden, so heftig das gegenseitige An-\nstürmen, dass der Name ganz einfach dem unbetheiligten\nBeobachter noch spät nach beendigter Schlacht in den\nOhren fortgesummt hat und gar manchmal als das einzig\nVerständliche in gewissen Expectorationen erscheinen\nmochte; es ist ein einfaches Rechen-Exempel, was das W ort\nin die Mode gebracht hat; das Wort, das von unserem ge-\nsammten Sprachschatze am meisten hin und her geschleu-\ndert wurde, musste wohl als Niederschlag haften bleiben.\nUnd dass es etwas Charakteristisches auffasst, ist wohl auch\nnicht zu läugnen. Denn so viel wir auch schon Kunstrich-\ntungen gehabt haben, überall ist es Brauch gewesen, dass\nman erst die Sache, das Kunstwerk, herstellte und dadurch\nhübsch fein in der Gegenwart blieb, und dann die Zukunft\nihre eigene Entwicklung zuwege bringen liess. So hat\nGluck das Vorwort zur Alceste nicht eher geschrieben, als\nbis diese Oper vollendet, aufgeführt und beifällig aufge-\nnommen und damit die Zukunft zur Gegenwart gemacht\nwar. So hat Mozart über die bereits fertige „Entführung\"\nsich ausgesprochen; so hat Schiller eist Dramen geschrie-\nben und dann sein Volk auf den Weg der Bildung durch\ndie Kunst hingewiesen. Wagner und noch mehr seine An-\nhänger haben es anders gemacht; erst Tannhäuser und\nLohengrin, die noch nicht die rechte Zukunft sind, dann\ndie theoretischen Schriften, erst Wagner's, dann all der\nanderen Accoucheure der Zukunft, und endlich tropfen-\nweise die wirklichen Zukunftswerke. Das ist sicherlich we-\nnigstens neu, noch nicht da gewesen und also wohl werth,\nin einem Worte verewigt zu werden. Kurz, man mag da»\nWort ansehen, wie man will, es rechtfertigt sich als rech-\nter und berechtigter Name.\nAber Zukunftsmusik da steckt es, sagt Dr. Bren-\ndel, der „bedauert, sagen zu müssen, dass darin (wenn es\nnicht gleich Fortschritt sein soll) gar kein Sinn und Ver-\nstand ist. Richard Wagner hat von einem Kunstwerke der\nZukunft gesprochen, d. h. von einem solchen, in dem die\neinzelnen Künste zu Gunsten des Ganzen ihre Selbststän-\ndigkeit aufgeben, das also auch die Musik als selbstständige\nKunst ausschliesst. In diesem Sinne von Zukunftsmusik zu"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "325", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591008-01.1.5", "texte": "sprechen, ist also eine Contradict wie wenn\nman sagen wollte: hölzernes Eisen, viereckige Rundung.\"\nSehr scharfsinnig und für uns Schusterjungen sehr schlimm !\nAber zu rechter Zeit fällt uns da ein Buch in die Hände:\nDie Musik der Gegenwart und die Gesammtkunst der Zu-\nkunft, von einem gewissen Franz Brendel. Derselbe\nI'ranz Brendel kann das wohl nicht sein; denn da steht\nS. 166 (und sonst): der Musik müsse eine vom Gesammt-\nkunstwerke getrennte, obschon untergeordnete Sphäre er-\nhalten bleiben. Ohne eine solche müsste dieselbe verschwin-\nden, unfähig, ihre Eigentümlichkeit zu wahren. Also auch\nhier der Trost: es wird auch in der Zukunft Sondermusi-\nker geben, und die, welche nach der oben angewiesenen\nStellung der Musik lüstern sind, werden ganz passend Zu-\nkunftsmusiker heissen, ohne darum schon hölzernes Eisen\noder runde Vierecke zu sein. Denn wenn alle diese Zu-\nkunfts-Weissagungen sich erfüllen, wird das denn nicht\nauch eine andere Musik sein? Sollte die Musik aus dem\nengen Bunde mit der Poesie, der ihr zugedacht ist, als\ndieselbe wieder hervorgehen? Geben uns die Düfteleien,\nSinnigkeiten und Unsinnigkeiten, die Auslegerkünste der\nZukunfts-Aesthetiker nicht genug Vorschmack von dem,\nwas wir da erleben werden? Und wird es nicht gut sein,\ndafür einen Namen zu haben? In der That, es ist zu\nfürchten, der Name wird, wenn die prophezeite Zukunft\nschon Gegenwart geworden sein sollte, die Gegner dann\nnoch über die traurige Gegenwart täuschen, bis die Zu-\nkunftsmusiker ihnen auch diesen letzten Trost rauben, in-\ndem sie ebenfalls auf einer Zukünftlers-Versammlung den\nAnbruch der Zukunft und das Aussercourssetzen der Ge-\ngenwart decretiren.\nUnd so bedenklich steht es auch schon. Der Harmo-\nnielehre wird bereits mit Preis-Aufgaben Behufs der Ver-\nzukünftelung zugesetzt; natürlich, ist erst bewiesen, dass,\nwas Schumann an Beriioz abscheulich gefunden, schön ist,\ndass alle Ergüsse einer maasslosen, ausschweifenden, zü-\ngellosen Phantasie bei Liszt richtig sind und nur dem „bor-\nnirten\" Musiker unfasslich, dann kann man mit Columbus\nLand! Land! rufen, dann hat man den ersten Strahl des\nneuen Lichtes in Spiritus verwahrt. Doch hoffen wir mit\nden Zukunftsmännern selbst noch auf eine nicht allzu kurze\nGnadenfrist, denn „erst nach geraumer Zeit (meint\nLiszt noch 1857, N. Ztg. f. Musik, S. 26) kann über solche\nDinge ein entscheidendes Urtheil Statt finden; denn wel-\nchem Richterspruche würden sich die Orthodoxen einer-\nseits oder die Häresiarchen andererseits unterwerfen? Die\nEinen wie die Anderen müssen also wohl einer mehr\noder minder entfernten Zukunft die Lösung derartiger\nProbleme anheimgeben.\" Also auch in solchen Punkten\ndes Details einer Kunst dieselbe Berufung auf die Zukunft.\nLnd man soii nicht von Zukunftsmusik sprechen? In was\nwird man denn sonst noch die Zukunft beschwören? Ap-\nplaudirt ein Publicum nicht, vertröstet man auf die Zu-\nkunft; fallen Damen in Ohnmacht, betäubt von der Ma-\nterie des Schalles, so wird die Zukunft stärkere Nerven\nhaben; findet man etwas unverständlich, die Zukunft wird's\nerklären. Wie? und ihr wollt nicht Zukunftsmusiker heis-\nsen? freilich nicht: denn alle diese Wechsel, die ihr auf\ndie Zukunft ausstellt,—wer bürgt uns dafür, dass sie ho-\nnorirt werden? Und wer Wechsel ausstellt, ohne Sicherheit,\ndass sie aeeeptirt werden, —fragt doch einen Juristen, was\ndem das gemeine deutsche Wechselrecht in Aussicht stellt.\nAber wie anmaasslich bescheiden diese Anweisungen\nauf die Zukunft sind! Natürlich, alle grossen Geister sind\nja erst von der Zukunft anerkannt worden; also sind\nauch alle, die von der Gegenwart „verkannt\" werden,\ngrosse Geister! Kann es einen schlagenderen Beweis geben?\nUnd wie rührend pfiffig zugleich! Da ist man ein Martv-\nrer, stempelt sich selbst dazu und hat alsbald die S\\mpa-\nthieen aller mitleidigen Seelen. Und wenn nichts bleibt für\ndie Gegenwart, so hat man doch wenigstens Unsterblich-\nkeit. Woher wisst ihr denn, dass euch überhaupt die Zu-\nkunft nur nennen wird? Und wird es euch genug sein,\nwenn sie Manchem das Urtheil spricht, dass er zu den\nmancherlei Verschrobenheiten einer aus den Fugen gerathe-\nnen Zeit noch einige neue hinzugelugt, und mit ihnen, da\ndie Gegenwart keinen Raum mehr bot, auch noch die\nZukunft belastet, ihr zugemuthet, eure Ruckuckseier aus-\nzubrüten? Arme Zukunft! Was sie doch alles aufs Gewis-\nsen nehmen soll! Andere, eingedenk, dass, wer den Besten\nseiner Zeit genug gethan, für alle Zeiten gelebt hat, be-\nscheiden sich, in der ihnen zugewiesenen Spanne Zeit nach\nKräften zu wirken, gewiss, wo es in Treue und Redlich-\nkeit geschehen, nicht umsonst gewirkt zu haben, unbe-\nkümmert, ob der eigene Name mit so vielem Anderen,\nBesseren verfliegt oder fortklingt. Dort scheint das Wich-\ntigste der süsse Wahn, wenigstens genannt zu sein, und\nsollte auch die künstlich erzwungene Frühgeburt der Zu-\nkunft mit noch so grossem Rechte die unberufenen Heb-\nammendienste als Charlatanerie und gemeingefährliche\nWunderdoctorei brandmarken.\nAlso, es bleibt dabei: ihr heisst nicht nur, ihr seid Zu-\nkunftsmusiker. All die Ungegohrenheit, der Schwindel, all\ndie Eitelkeit, all die Selbstbespiegelung, all die Trägheit,\nder Zukunft zuzuschieben, was man selbst leisten müsste,\nall die Hohlheit und Saalbaderei der ästhetischen Schwätzer\nwie schön fasstsich das alles in dem Einen Worte „Zu-\nkunftsmusik\" zusammen!\nUnd ihr selbst habt euch den Namen gegeben, freilich\nunwillkürlich. So werdet ihr ihn auch nicht los werden."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "326", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591008-01.1.6", "texte": "Neudeutsche Schule möchtet ihr lieber heissen, ihr, d. h.\nder Magyare Liszt, der Franzose Berlioz und der in we-\nsentlichen Entwicklungspunkten ganz mit Meyerbeer'schem\nOrchester hantierende, in seinen theoretischen Ansichten\nlaut Brendel) den französischen Socialisten analoge Wag-\nner?— Geht doch, macht uns keine schlechten Witze!\n\nLp.\n\nDie königliche italiänische Oper in London.\n\nSie beklagen Sich, verehrter Herr, über die Verspä-\ntung meines Berichtes über die vergangene Saison der kö-\nniglichen italiänischen Oper. Wo aber nicht viel zu berich-\nten ist, wo Alles sich bis auf einige persönliche Ausnahmen\nJahr aus, Jahr ein in demselben Geleise fortschiebt, da\nverliert man die Theilnahme und die Lust an der Sache\nder Kunst, wenigstens an dieser Gattung derselben.\nDie Saison wurde wieder mit Verdi eröffnet und mit\nMeyerbeer geschlossen; der Trovatore und Le Pardon de\nPloermel bildeten den charakteristischen Rahmen, in wel-\nchen sich Rossini, Bellini, Donizetti, von Flotow und aus\naltem Usus auch Mozart wenigstens Ein Mal fügen mussten.\nNeu in der Gesellschalt waren die Prima Donna Sisjnora\nLotti della Santa und der Bariton Debassini. Die erslere\nmachte als Lconore im Trovatore keinen grossen Eindruck,\nnamentlich nicht auf die alte Garde von Coventgarden,\nwelche die Grisi als absolute Beherrscherin wie eine jähr-\nlich wiederkehrende Festung umgibt und sie durch ihr\nschweres Geschütz mit Beifallssalven gegen jeden Angriff\nder Kritik schützt. Mit jedem späteren Auftreten setzte sich\njedoch Signora Lotti fester \"in der Gunst des Publicums,\nda ihre Befangenheit schwand und die schöne, volle und\nkräftige Stimme das ersetzte, was ihr an dramatischer Dar-\nstellungskunst und freilich auch an Gewandtheit im Kunst-\ngesange fehlt. Debassini war schon vor sechs Jahren hier,\ndoch ist Stimme und Gesang bei ihm noch recht frisch,\nwenn er auch seinen Vorgänger Graziani in der Partie des\nGrafen Luna nicht erreichte. Noch weniger konnte der\nTenor Neri-Baraldi Mario und lamberlik, die früheren\nDarsteller des Manrico, ersetzen. Die Mezzo-Sopranistin\n(Azucena), Mad. Nantier-Didie, wrar in ihrer Partie zu\nHause und auch für London eine alte Bekannte. Das En-\nsemble war über Erwartung gut; aber bei dem Opern-\nPublicum in London ist das Nebensache, und die Solisten\nerregten durch diese erste Vorstellung eben nicht hoch-\nfliegende Hoffnungen.\nNach dem Trovatore kam die Sonnambula, etwas ganz\nNeues, wie Sie sehen, an die Reihe. Eine Mademoiselle Cal-\nderon zeigte als Amina, dass von dem dramatisch-poeti-\nschen Geiste ihres grossen Ahnen in Spanien nichts auf sie\nübergegangen war, und dass auch Stimme und Gesang\nder Aufgabe, erste Partieen auszufüllen, nicht genügten.\nSie trat auf und wieder ab: wir haben sie nicht wieder\ngesehen.\nDas war also ein schlimmer Anfang, und Herr Gye\nwar etwas Weniges in Verzweiflung. Er flog nach Paris\nund holte Madame Penco. Zwar weigerte sie sich, die\nPartie der Dinorah zu übernehmen, übrigens aber war sie\ndoch eine gute Acquisition. Trotzdem konnte Rossini's Bar-\nbier in der Saison nicht zur Aufführung kommen—etwas\nUnerhörtes in der Geschichte der italiänischen Oper zu\nLondon! Eben so wenig konnte Auber's Fra Diavolo, der\nmit der Bosio als Zerline früher sehr gezogen hatte, auf\ndie Scene kommen. Ueberall hörte man nichts als Sehn-\nsuchtsruf nach dieser in der That höchst liebens- und be-\nwunderungswürdigen Sängerin, die der Tod so früh dahin\ngerafft hatte.\nMaria di Rohan machte bei der ersten Aufführung\nnichts; das Haus war sehr voll; man erwartete das erste\nAultreten von Ronconi (als Herzog von Chevreuse) in die-\nser Saison, allein statt seiner erschien Debassini, da er un-\nwohl geworden war. Das nächste Mal sang Ronconi. Je-\ndem, der ihn jetzt zum ersten Male hört, wird ein Publi-\ncum, das ihm entzückt zuhört und seine Leistung mit\nEnthusiasmus begleitet, wunderlich, ja, vielleicht etwas\nunzurechnungsfähig vorkommen. Aber in Alt-England ist\ndas etwas Anderes; da lässt man vom Alten so leicht nicht\nab und freut sich der Ruinen auf den Höhen der Kunst.\nDie GCISZCL ladrawurde—wiederum merkwürdig für\nden hiesigen Geschmack eine Zug-Oper der Saison. Und\ndoch war weder die Lotti vollkommen, noch vermochte\nDebassini die Coloratur seiner Partie zu bewältigen; aber\nfreilich machte Ronconi als Podesta seine Galerie-Spässe\nzur Ergötzung der Zuhörer im Frack und in Seide.\nIn Verdi's Rigoletto zeigte sich Signora Lotti auf glän-\nzende Weise und gewann endlich den Sieg auch über den\nTheil des Publicums, der stets nur an altberühmten Na-\nmen hängt. Mario entzückte, und man kann es nicht\nläugnen mit Recht; der Triumph der Kunst, die abneh-\nmende Kraft der Natur fast unbemerkbar zu machen,\nmuss rühmend anerkannt werden. Was wir aber zu der\nLeistung der Grisi als Valentine in den Hugenotten sagen\nsollen, wissen wir in der That nicht, da wir, leider! in der\nKunst keine Anhänger der Pietät sind, zumal, wenn alles\nHörbare entweder gar nicht oder widrig klingt. Da auch\nsolche Opern hier ohne Probe gegeben werden, so kann\nman ein vollkommenes Ensemble niemals erwarten.\nMadame Penco trat zum ersten Male in Verdi's\nviata auf; sie drang indess erst mit der Zerhne im Don\nGiovanni durch, welche Partie eine ganz vortreffliche Lei-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "327", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591008-01.1.7", "texte": "stung der Künstlerin war, die, ohne gerade eine jener im-\nponirenden grossen Stimmen zu besitzen, durch reizenden\nVortrag und treffliche Eigenschaften in Gesang und Spiel\nfesselt, wenngleich ihre Schule nicht so vollendet genannt\nwerden kann, wie bei einer Sontag und Garcia und deren\nGleichen. Uebrigens war der Don Juan, in welchem man\ndurch Alary's Misshandlung der Partitur Mozart häufig gar\nnicht wiedererkennt, eine Vorstellung, die jedem wahren\nKenner und namentlich jedem Deutschen zuwider sein\nmusste, wozu denn auch Mario als Don Juan selbst nicht\nwenig beitrug. Es ist wahrlich ein heilloser Erevel, den\ndiese Italiäner an Mozart begehen, und er wird in einem\nLande geduldet, das auf die Heilighaltung der musicali-\nschen Tradition stolz sein will und dieselbe auch an Hän-\ndel wirklich bewährt!\nVon Lucrezia Borgia, Norma und Othello (Grisi, Tam-\nberlik und Ronconi) ist nicht viel zu sagen. Tamberlik hat\nauch im Don Juan den Ottavio schön gesungen; die Unart\nmit dem hohen bam Schlüsse kann man ihm freilich kaum\nvergeben. An Rossini's Othello wollte das Publicum indess\nkeinen rechten Antheil nehmen, und doch ist der letzte Act\nwohl mit das Schönste, was er geschrieben hat. Dass Flo-\ntow's Martha keine ausgezeichnete Anziehungskraft be-\nwährte, lässt man sich schon eher gefallen.\nMercadante's II Giuramento,seit mehreren Jahren\nauf dem Abonnements-Programm versprochen, wurde end-\nlich in dieser Saison (den 9. Juli) zu Tage gefördert und\nbegraben, um nie wieder zu erscheinen. Ein so auffal-\nlendes Fiasco ist hier selten erlebt worden, trotz der Be-\nsetzung mit Grisi, Mario u. s. w. Was war zu thun?\nDer Trovatore musste noch einmal vor dem Schlüsse her-\nhalten, und zwar mit Grisi, Mario und Graziani. Alles in\nAllem war die Season ein Armuths-Zeugniss für Herrn\nGye und die heutige italiänische Oper in London.\nMeyerbeer's Dinorah ossi\nmel schloss mit sechs Vorstellungen die Saison. Ich habe\nIhnen schon früher darüber berichtet. (Vergl. Nr. 34 vom\n*2O. August d. J.)\nDas Coventgarden-Theater soll übrigens bald wieder\neröffnet werden, aber nicht durch eine italiänische, son-\ndern durch eine englische Oper. Dass eine National-\nOper in der Hauptstadt von England ein heisser Wunsch\naller wahren Musikfreunde ist, lässt sich eben so wenig\nläugnen, als dass bis jetzt jede feste Grundlage zum Durch-\ndringen einer solchen bis zu Popularität und einträglichem\nErfolg gefehlt hat. Der Patriotismus der Engländer er-\nstreckt sich nicht bis auf die Kunst, und die neue Unter-\nnehmung der wackeren Sängerin Miss Louise Pyne und\ndes Herrn W. Harrison wird am Ende, wie so manche\nVersuche einer deutschen Oper in London, an dem Mangel\nan Sinn für tiefere dramatische Musik bei dem grössleit\nund leider reichsten Theile des londoner Thcater-Publi-\ncums scheitern. Man spricht von neuen National-Opern in\nText und Composilion, einer Lorelei oder von\nWallace, einer dritten Oper von Balle unter Mitwirkung\neines englischen Dichters und Sängers. Wir können diesen\nOpern keinen durchschlagenden Erfolg prophezeien, so wie\nwir das hiesige Publicum kennen. Etwas Anderes wäre\nfreilich die ebenfalls projectirte Inscenesetzung von Meyer-\nbeer's Pardon mit englischem Texte. Kann das aber als-\ndann eine National-Oper genannt werden?\n\nC. A.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln. Bei den grossen Festlichkeiten am 3. October bei der\nEinweihung der stellenden Rheinbrücke hierselbst, welche\ndurch die Anwesenheit Ihrer Königl. Hoheiten des Prinz-Regen-\nten und des Prinzen Friedrich Wilhelm verherrlicht wurden,\nwurde eine zu dieser Feier von Ferd. Hiller für Männer- Und\nKnabenchor mit Militärmusik-Begleitung componirte Cantate, Text\nvon L. Bisehoff, von einem zahlreichen Chor im Freien auf einer\nerhöhten Bühne an der Ostseite des Domes aufgeführt. Der Ein-\ndruck war grossaitig.\nDer städtische Capellmeister Herr Ferdinand Hiller hat bei\ndieser Gelegenheit den Rothen Adler-Orden vierter Claase erhalten.\n** CokleilZ« Vor einigen Tagen gab Fräul. Anna Zick,\neine junge Sängerin, deren Leistungen schon im September v. J. in\ndiesem rheinischen Musik-Organe besprochen wurden, nachdem sie\nihr drittes Studienjahr in dem brüsseler Conservatorium beendigt\nhatte, und aufgemuntert durch mehrere Musikfreunde, hier ein Con-\ncert, dessen zahlreicher Besuch den Beweis lieferte, welch grossen\nAntheil alle Musikverehrer ihrer Vaterstadt an diesem hoffnungsvollen\nTalente nehmen. Zu ihren Vorträgen wählte sie natürlich zumeist\nsolche Sachen, welche der durchgemachten Schule des italiänischen\nund französischen Gesanges entsprechen, nämlich: i) die von de Be-\nriot für seine Gattin, die berühmte Malibran, componirte Arie; -1\neine Arie aus Buondelmonte von Donizetti; 3) eine Sccne für So-\npran, Tenor und Chor aus Trovatore von Verdi, worin sie durch\nunseren Tenor Herrn S. und mehrere Mitglieder unserer Concordia\nin sehr gelungener Weise unterstützt wurde. In allen diesen Vorträ-\ngen bekundete Fräul. Zick ihre durch grossen Fleiss besonders im\nletzten Jahre erlangte Ausbildung. Ihr Vortrag ist viel bestimmter,\nsicherer geworden der getragene Ton kommt mit Geschmack und\npoetischem Gefühl zur Geltung die Coloraturen wurden präcis\nund brillant, die chromatischen Passagen sehr deutlich und die Tril-\nler sowohl in der Höhe als in der Tiefe so schön und kunstgerecht\nausgeführt, als man es von einer noch nicht völlig ausgebildeten\nSängerin nur irgend erwarten durfte. Sie wurde dafür auch mit\ngrossem Beifall beschenkt. Die Arie aus Don Juan:\nschien ihrer Methode nicht so zuzusagen, wie der colorirte Gesang.\nAusserdem hörten wir noch mit Vergnügen den Vortrag eines Cla-\nvierstückes durch Herrn K. und zwei vierstimmige Lieder durch\nMitglieder der Concordia. Fräul. Zick geht nun ehestens in das\nConservatorium nach Paris, worin sie durch Vermittlung ihres ge-\nehrten Protectors Herrn de Beriot mit grosser Munificenz Aufnahme\nerhält, um den Schlussstein zu ihren Studien zu legen. Möge sie\ndiese mit beharrlichem Fleisse und gutem Erfolge beendigen und\nsich bei ihrem dereinstigen öffentlichen Auftreten als eine Künstlonu"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "328", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591008-01.1.8", "texte": "bewähren, die ihrer Vaterstadt zur Ehre gereicht. Unsere besten\nWünsche begleiten sie dahin.\nMan sehreibt aus Magdeburg: , Zu den Männern, die in neue-\nrer Zeit sich ein grosses Verdienst um die Blüthe des Männerge-\nsanges erworben haben, gehört besonders auch der Ilof-Capellmeister\nW. Tschirch in Gera. Viele geistliche und weltliche Gesänge für\nMännerchor, die sich durch melodischen Reichthum und textgemässe\nAuffassung auszeichnen, verdanken ihm ihr Dasein und sichern dem\nwackeren Meister unter den Freunden des Männergesanges für alle\nZeiten ein ehrenvolles Andenken. Die bedeutendste von diesen Com-\nPositionen für Männerchor ist das dramatische Tongemälde: „Eine\nNacht auf dem Meerevt (Dichtung von Erdmann Stiller) Bei der Auf-\nführung derselben hat er einen wohlverdienten grossen Triumph ge-\nfeiert Von dem Lehrer-Gesangverein zur persönlichen Leitung der\nöffentlichen Production des Musikstückes eingeladen, wurde derselbe\nam 16. September durch ein Ständchen, das ihm 200 Sängerstimmen\nbrachten, willkommen geheiesen. Die Aufführung selbst fand am 17.\nAbends Statt und wurde mit grossem Beifall aufgenommen/'\nBarmstedt. Das im September wieder eröffnete grossherzog-\nliche Hoftheater hat in den bis jetzt Statt gehabten Vorstellungen\nden Erwartungen der Kunstfreunde wohl entsprochen Die Mitglieder\nder Oper, Fräul. Emilie Schmidt (Helene, Melanie), die Herren Becker\n(Montfort, Asthon), Dalle Aste (Procida, Ankarström), Künzel (Nota),\nPeez (Gustav) erfreuten sich des lebhaftesten Beifalls, und die neu\neingetretenen wurden in ihren Debüts vom Publicum aufs freund-\nlichste aufgenommen. Fräul. Schnaidtinger, vom deutschen Theater\nin Pesthj gab als Lucia in Gesang und Spiel, und eben so Herr\nGarso, vom Stadttheater zu Danzig, uns schon durch sein Gastspiel\nam Schlüsse der vorigen Saison in guter Erinnerung, als Edgar in\nderselben Oper eine tüchtige Leistung. Beide wurden durch warmen\nBeifall und Hervorruf ausgezeichnet. Gleich freundliche Aufnahme\nfand Fräul. Louise Limbach, vom Stadttheater in Breslau, eine an-\ngenehme Erscheinung, als Page im Maskenball. Mit Ireude sahen\nwir unseren trefflichen Hof-Capellmeister Herrn Schindelmeisser, nach\nlängerem Unwohlsein glücklich hergestellt, wieder auf seinem Posten.\nI&arlsrifil*e9 20. Sept. Die Oper studirt jetzt, wie bereits mit-\ngetheilt wurde, Wagner's „Tristan und Isolde4'. Ein kundiger Beur-\niheiler schildert uns die Aufführung dieses Werkes als eine Aufgabe,\n„nicht nur ohne Beispiel, sondern auch noch nie als denkbar ge-\ndacht,'* Man ist um so begieriger auf das Resultat.\nIi u bin stein hat eine Zeitlang hier verweilt und ist\nsodann nach Berlin und Königsberg gegangen, um nach Petersburg\nzurückzukehren. Neulich fanden wir unter Inseraten eines hiesigen\nTheater-Journals eines, welches ein paar Opern texte zum Componi-\nren anbot; am liebsten für Rubinstein, wie der Dichter naiv hinzu-\nsetzte.\nLiszt hat ein grösseres musicalisches Werk vollendet, die Le-\ngende der heiligen Elisabeth (Text von Otto Roquette) in sieben\nGesängen, für Soli, Chor und Orchester. Die Composition ist ber\nstimmt, Ihrer Majestät der Kaiserin von Oesterreich gewidmet zu\nwerden, und es verlautet, dass das Werk zuerst in Wien zur Auf-\nführung gelangen soll.\nAus Warschau berichtet man, dass nach dem günstigen Er-\nfolge von Moniusko's Oper ?,IIalka\", der ersten eigentlichen polni-\nschen Oper seit Eisner und Kurpinski, sich gegenwärtig vielfach\nwarme Sympathieen für die Wiedererweckung dieses nationalen\nKunstgebietes zu zeigen beginnen. Die bedeutendsten literarischen\nTalente haben sich an Bearbeitung von Librettos gemacht. Mendels-\n„Paulus\" und Beethoven1« neunte Sinfonie haben hier eine\nanerkennenswerthe Aufführung und dankbare Aufnahme erlebt.\nf*aris. Am 21. September gaben Offenbach's Bouffes Parisie?is\nin der Passage Choiseul eine neue Operette, Veuve Grapin, in einem\nAct, Text von de Forges, Musik von Herrn von Flotow. Im\nTheälre de VOptra comique werden die Proben zur Oper L'Ame en\npeine von demselben Componisten eifrig fortgesetzt.\nMeyerbeer ist am 23. September von Baden wieder hier ein-\ngetroffen.\nDem Sänger Roger ist jetzt wirklich vom Minister der Antrag\nder Stelle eines Professors am Conservatoire und zugleich Gesang-\nInspectors am kaiserlichen Operntheater gemacht worden. Roger hat\ngeglaubt, diesen Beweis der höchsten Gunst nicht annehmen zu dür-\nfen, da er für jetzt noch nicht gesonnen ist, der Ausübung seiner\nKunst zu entsagen. Er wird, wie es heisst, gleich nach seiner voll-\nständigen Heilung eine Reise durch Frankreich und das Ausland\nmachen, um Gastdarstellungen zu geben.\nEin hiesiger Musik-Verleger, Herr Maho, hat das Eigenthum der\nPartitur von Lortzing's Czaar und Zimmermann für Frank-\nreich an sich gebracht. Der „Martha\" droht also eine andere Con-\ncurrenz aus Deutschland.\nDie italiänische Oper ist am 1. October mit Verdi's Tra-\nviata (Madame Penco) wieder eröffnet worden.\nDie Stadt hat den Grund und Boden und das Gebäude des\nTheälre lyrique für 1,400,0 0 Francs gekauft, um es niederzureissen,\nwas jedoch erst im März 1860 geschehen wird. Man versichert, dass\nauf dem Platze Chatelet ein neues Haus gebaut werden und der\njetzige Liirector, Herr Carvalho, sein Privilegium behalten wird.\nMario ist nach einer Erholungsreise in Italien vor einigen Ta-\ngen hier angekommen und begibt sich mit einer italienischen Opern-\ngesellschaft als Director derselben nach Madrid.\nBrüssel. De Beriot ist hier und wird den russischen Für-\nsten Yussupoff, einen enthusiastischen Musikfreund, nach Russland\nbegleiten.\nHerr Ernst Pauer, einer der ersten Pianisten der Gegenwart,\nder seinen bleibenden Aufenthalt in London genommen, ist zum Pro-\nfessor erster Classe der Ciavierschule an der königlichen Akademie\nin London ernannt worden."}]}