{"numero_id": "bm-bmtnabi-1859-10-22-01", "volume": "bmtnabi_1859-10-22_01", "ocr_sha256": "5f8775657092397d4fd9dd9b3213572ea761691bfe552942d799ccbf59102343", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1859/10/22_01/bmtnabi_1859-10-22_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591022-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1859-10-22-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-10-22_01#c001", "volume": "bmtnabi_1859-10-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "337", "page_fin": "337", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591022-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "337", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591022-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 358, "texte": "Inhalt.\nC v. „ Esther. 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F.\nHändel, in deutscher Uebersetzung und im Cla-\nvier-Auszug nach der Original-Partitur nebst\neinem Anhang herausgegeben von Jul. Joseph\nMai er, Conservator der musicalischen Abthei-\nlung der königlich baierischen Hof- und Staats-\nBibliothek. Leipzig, bei Breitkopf & Härte!. Preis\n5 Thlr. (Chorstimmen IV3 Thlr.) IV und 120\nSeiten Fol.\nUeber die Geschichte des Oratoriums Esther berichtet\nJ. J. Maier im Vorwort, wie folgt:\n„Es liegen uns darüber zwei neuere umständliche Re-\nlationen vor: die Vorrede des Charles Lucas zu der von\nihm redigirten Esther-Ausgabe, welche die Handel Society\nin ihrem Jahrgange 18f£ veröffentlichte, und die betref-\nfenden Stellen in Victor Schölcher's The life of Handel.\nLondon, 1857. Bvo. Ich gebe hier das Wesentliche. Der\nHerzog von Chandos hatte im Anfange des achtzehnten\nJahrhunderts neun englische Meilen von London ein pracht-\nvolles Schloss, Cannons,und in dessen Nähe eine Kirche,\nWhitehurch, erbaut, für welche letztere er eine eigene\nMusik-Capelle hielt. Der Herzog ernannte 1718 Händel\nzu seinem Capellmeister, welchen Posten dieser bis 1721\nbekleidete. Händel schrieb in dieser Zeit für den Herzog\nnebst anderen Werken das Oratorium Esther, für welches\ner ein Honorar von 1000 Pfund erhielt. Die Esther wurde\nam 29. August 1720 zum ersten Male in Cannons vor\ndem Herzog aufgeführt. „ „Die Esther lag\"\", berichtet\nSchölcher, ~ „in Cannons begraben, und Händel dachte\nnicht daran, sie öffentlich aufzuführen. Da liess sie Mr.\nBernard Gates (Director der Sängerknaben an der k. Ca-\npelle von St. James), welcher sich eine Copie der Partitur\nverschafft hatte, am 23. Februar 1731 von seinen Ton-\nlingen aufführen\"\" u. s. w. Bald darauf führte die Aka-\ndemie für alte Musik, unterstützt von Gates, die Esther in\ngrösserer Besetzung auf, jedoch war auch diese noch eine\nPrivat-Aufführung. Diese zwei Versuche mussten in der\nmusicalischen Welt wohl Aufsehen erregen, und ihr Er-\nfolg bestimmte einen Speculanten, dieses Oratorium öffent-\nlich aufzuführen. Dies ist im Daily Journalsom 17. April\n1732 also angekündigt: „ „Noch nie öffentlich aufgeführt.\nIn den grossen Räumlichkeiten der York-Gebäude in der\nVillarsstrasse wird Donnerstag den 20. dieses Monats April\nvon den besten Vocal- und Instrumentalkräften aufgeführt\nEsther, ein Oratorium oder geistliches Drama, wie es ur-\nsprünglich für den sehr ehrenwerthen James Herzog von\nChandos von Georg Friedrich Händel componirt wurde.\nDas Billet 5 Schillinge.\"\"\n„Händel that, ob er nun die Macht dazu hatte oder\nnicht, keine Einsprache, als so Andere seine Musik gleich-\nsam vor seiner Thür ausbeuteten; er ergriff nur Mittel,\num sich an dem etwa möglichen Gewinne zu betheiligen.\nAls die Herren von der Villarsstrasse am 19. April im\nDaily Journal ihre Ankündigung wiederholten mit dem\nBeisatz: Text von Mr. Pope) und die Aufführung für den\nfolgenden Tag festsetzten, erschien an der Seite ihrer An-\nkündigung folgende andere:\n„ „Auf Sr. Majestät Befehl.\n„„Auf dem k. Theater am Heumarkt wird Donners-\ntag den 2. Mai [1732] die heilige Geschichte der Esther"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "338", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591022-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5191, "texte": "aufgeführt, ein Oratorium in englischer Sprache, schon\nfrüher von Händel componirt und nun von ihm nochmals\ndurchgesehen, mit mehreren Zusätzen und ausgeführt von\neiner grossen Anzahl von Sängern und Instrumentalisten.\nNB. Es findet keine dramatische Darstellung Statt, doch\nwird das Haus dem Gegenstande entsprechend hergerich-\ntet sem. Das Personal ist nach Art der Krönungs-Cere-\nmoniells placirt. Billette werden um denselben Preis abge-\nsehen.\" \"\no\n„Der Erfolg dieses Experiments war ein vollständiger.\nColman erwähnt (in seinem handschriftlichen Verzeichniss\nder von 1712- 1734 von der italiänischen Oper in Lon-\ndon aufgeführten Werke) im Mai 1732: ein\nenglisches Oratorium, 6 Male aufgeführt und sehr voll.\"\"\nDie Esther wurde von den besten Mitgliedern der italiäni-\nschen Gesellschaft (Sa. Strada, Sa. Bertolli, Montagnana\nund Senesino) englisch gesungen. Das Jahr 1732 macht\nsomit Epoche in der Geschichte der Musik. Bisher kannte\nEngland die Oratorien nur dem Namen nach.\n„Zu Händel's Lebzeiten wurde die Esther ausser\ndem so eben Mitgetheilten nach Schölcher mit neuien\nZusätzen in London während der Fasten 1735 sechs Mal,\nin der Saison von 17|f, 17f§ mehrere Male, 1751 ein\nMal, 1757 zwei Mal und in Dublin 17|+ drei Mal, nach\nLucas auch während der Fasten 1734 aufgeführt. Die\nOuvertüre der Esther blieb eine beliebte Nummer für\nkirchliche und weltliche Productionen.\"\nf. Chrysander (G. F. Händel. I. S. 471) bedauert,\ndass „über eine so wichtige Begebenheit, als die Entstehung\ndes ersten englischen Oratoriums von Händel sein muss,\nuns fast gar nichts überliefert ist.\" (Nun, obige Notizen\nsind doch etwas mehr als nichts, und wir wüssten keinen\nGrund zu einem Zweifel an ihrer Echtheit, auf den man\naus Chrysander's Ignoriren derselben schliessen könnte.)\n„Alles, was man zu erzählen weiss, ist dieses: Und zuletzt,\nals Herzog James ein Oratorium zu hören wünschte, setzte\nHändel die Esther; das Gedicht machte der junge S. Hum-\npbreys; am 29. August 1720, während der Opernferien,\nwar in Carinons die erste Aulführung; für die Composition\nzahlte der Herzog tausend Pfund.\"\nDie Autograph-Partitur der Esther befindet sich\nin der königlichen Bibliothek zu London. Nach ihr ist die\nPartitur in der Ausgabe der Handel Society, besorgt von\nLucas, gedruckt—sie enthält das Oratorium von drei Ab-\nteilungen in einer Ouvertüre und 34 Nummern.-—Diesen\nfolgt ein Anhang von 10 Nummern (6 Recitative und 4\nArien, wovon eine mit hinzutretendem Chor); dies sind\nspätere Einlagen.\nJ. J. Maier hat in seinem Clavier-Auszug das geschlos-\nsene Oratorium ganz so, wie es in der Lucas'schen Partitur\nsteht, aufgenommen; sein „Anhang\" enthält aber nur 5\nNummern, theils aus der Partitur von Lucas, theils aus der\nvon Arnold, welche letztere wahrscheinlich nach einer Co-\npie des Oratoriums von C. Smith, Handels Amanuensis,\ngemacht worden ist. Das merkwürdigste Stück dieses An-\nhangs ist eine grosse Bravour-Arie für Sopran über das\nWort Halleluja aus B-dur, P,2/8-Tact. Die meisten\nvon diesen Einlagen sind wohl für die Aufführung in Lon-\ndon im Jahre 1732 gemacht oder aus früheren Werken\nhinzugethan. So weis't jetzt z. B. Chrysander nach, dass\ndie eben erwähnte Arie aus einem „Motetto\": Sil\nventi—einem Musikstück, das aus einer Instrumental-Sin-\nfonie und acht Nummern für ein Sopran-Solo besteht\ngenommen ist.— Die Auslassung mehrerer Nummern aus\ndem Lucas'schen Anhang rechtfertigt Maier im Vorwort\nzur Genüge.\nFerner fand Maier in einer im vorigen Jahrhundert\ngeschriebenen Partitur der deutschen Passion von\nHändel (die mit der Thibaut'schen Sammlung an die k.\nBibliothek in München kam) sieben vollständige Nummern\nder Esther, nämlich Nr. 14, 17, 18, 19, 22, 23, 27,\n30. (Er gibt acht an, allein Nr. 18, Recitativ von drei Tac-\nten, gehört zu der Arie Nr. 19 aus Die k. Bi-\nbliothek in London besitzt diese Passion (nach Maier und\nden bisher bekannten Nachrichten um 1717 geschrieben);\nSchölcher bespricht sie, hat aber nicht bemerkt, dass sie\nsieben Stücke enthält, welche in der Esther wieder vor-\nkommen. Auch Lucas weiss oder erwähnt wenigstens\nnichts davon.\nDie „deutsche Passion\" Händel's (nicht zu verwech-\nseln mit einer früheren, auf einen Text von Christian Po-\nstel im Jahre 1704 componirten s. Chrysander, 1., S.\n88 ff.) ist die Composition eines Passions-Gedichtes von\ndem seiner Zeit allberühmten und allbewunderten ham-\nburgischen Rathsherrn und Dichter Bart hold Heinr.\nBrockes: „Der für die Sünden der Welt gemarterte und\nsterbende Jesus aus den vier Evangelisten in gebundener\nRede dargestellt. Hamburg, 1712.\" Dieses Gedicht, das\nbis 1727 mehr als dreissig Auflagen erlebte, wurde zu-\nerst von Keiser, dem trefflichen Opern-Componisten in\nHamburg, in Musik gesetzt, dann von Telemann im An-\nfange des Jahres 1716, und noch in demselben Jahre von\nHändel. Händel's Handschrift ist nicht erhalten. Chrysander\nverglich zwei Abschriften auf der Bibliothek im Bucking-\nham-Palaste, zwei andere in Berlin, Maier die schon er-\nwähnte, aus der Pölchau'schen in die Thihaut'sche Samm-\nlung übergegangene, in München.\nChrysander hebt (S. 440 ff.) mehrere Nummern in\nausführlicher Besprechung hervor, namentlich den Choral\nam Schlüsse der Abendmahls-Handlung auf die vierte"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "339", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591022-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5375, "texte": "Strophe des Liedes: Schmücke dich, o liebe Seele, „auf\nwelchem die volle Weihe des kirchlichen Gemeindegesan-\nges ruht\", und von welchem er sagt: „Auch Bach hat in\ndiesem Stil nicht viel gesetzt, was diesem Choralsatze gleich-\nkommt, und nichts, was ihn überragen könnte.\" Ferner\nChristi Gebet in Gethsemane (übergegangen in Esther Nr.\n30), ein Duett zwischen Maria und Christus (in Esther Nr.\n22, zwischen Esther und Ahasverus; wunderlich genug,\naber sehr schöti!) u. s. w. —Sein Endurtheil über die Pas-\nsion ist, „dass dieses letzte deutsche Tonwerk Händel's\nkeine vergebliche Arbeit war, dass es sich wirklich der\nMühe lohnte, eine vergängliche Dichtung mit unvergäng-\nlichen Tönen zu schmücken.\"\nUebrigens hatte Händel für die Passion einige Sätze\naus früheren Oden, Te Deum, Cantaten und Opern ent-\nlehnt ; die neu componirten hat er grösstentheils bei späte-\nren Werken benutzt, besonders bei Esther, auch bei De-\nborah, einen Satz sogar bei der Oper Julius Cäsar.\nWir können Chrysander's Urtheil nur an den sieben\nNummern prüfen, welche aus der Passion in das Orato-\nrium Esther übergegangen sind. Diese finden wir sämmt-\nlich schön, einige sogar ausgezeichnet, z. B. die Alt-Arie\nin G-moll,Nr. 14, die Sopran-Arie Nr. 19, das\nDuett in F-moll, Nr. 22, die flehende Bitte des Haman in\nD-moll, Nr. 30, und den Chor Nr. 27 in mit der\nkräftigen absteigenden Triolenfigur in den Orchesterbässen.\nUeber den Inhalt und die Charakterisirung der Com-\nposition des ganzen Oratoriums folgen wir auszugsweise\nder Analyse Chrysander's (S. 471 ff.), da wir nichts zu\nsagen wüssten, was die Musikfreunde besser auf dieses\nWerk aulmerksam machen, dessen Genuss vorbereiten und\ndie erste Veröffentlichung desselben durch Maier's Ciavier-\nAuszug eindringlicher allen Vereinen und Concert-Institu-\nten empfehlen könnte.\n„Als Originalwerk stand das Gedicht der Esther mit\nHändeFs Musik so ziemlich auf gleicher Stufe; denn wie\nHändel zu einem guten Theile seine deutsche Passion aus-\nzog, so legte Elumphreys eine französische Esther zu\nGrunde, die von Racine gedichtete und mit musicalischen\nChören von Jean Baptiste Moreau durcli die Nonnen von\nSaint-Cyr 1689 dem grossen Ludwig vorgestellte Esther,\nund begnügte sich, ganze Strophen einfach zu übersetzen.\nDiese französischen Kloster-Dramen, als unmittelbare\nQuelle für Händel's erste englische Oratorien-Texte, fin-\nden wir bei Deborah und Athalia wieder.\n„Die Ouvertüre ist von allen, die Händel geschrieben\nhat, eine der schönsten und sinnvollsten. In drei Sätzen\nsind Haman's Tücke, Israel's Klagen und das Gefühl der\nErrettung angedeutet. Die Schlussfuge ist ausserordentlich\nkunstvoll und freudestrahlend. Dieses Orchesterstück ge-\nhört auch zu den am meisten gespielten; die Jahresfeste\neiner milden Stiftung in London für die Erziehunc unver-\nsorgter Predigersöhne wurden regelmässig damit eröffnet.\n„Das Oratorium ist wie eine Oper in Scenen abgetheilt,\ndie aber durch Händel s einheitliche Gestaltung als grosse,\ndie Hörer über den Bühnenschritt erhebende Tonbilder\nerscheinen und auch in solcher Weise aufgefasst werden\nmüssen. Das erste Bild, die Exposition, zeigt uns Haman\nund seine Umgebung. Eines Freundes Ermahnungen zur\nMilde werden hochmüthig abgewiesen, die Söldlinge em-\npfangen den Befehl, von Israel alles, was da ist, Stamm,\nZweig und Wurzel, auszurotten; mit blinder Gier schicken\nsie sich zum Gehorsam an. In einem meisterhaften Chor,\nder eines seiner Motive aus der voraufgehenden Arie Ha-\nman's entlehnt, kommt die volle Gewalt des Hasses gegen\ndas hülflose Volk und seinen Gott mit höchster Kunst zum\nAusdruck.\n„Zweites Bild. Israel ist voll Freude, dass Esther Kö-\nnigin geworden, und stimmt, alles vorige Leid vergessend,\ndie Harfen zum Preisgesang, da nun der Weg zum gelob-\nten Lande wieder offen und der Gottesdienst wieder frei-\ngegeben sei. Es sind lauter schöne Gesänge, in denen sich\ndie Freude ausbreitet; ein sehr merkwürdiger Chor hält\nsie zusammen.\n„Die Botschaft von Haman's Anschlägen und dem un-\nmenschlichen Gesetze, das der König ausgehen lassen, un-\nterbricht Israel's Jubellieder; tiefe Trauer überschattet die\nScene, die schaurigsten Bilder steigen herauf. Bei dem\nkleinen Chor, der nun ertönt, ist gleich zu Anfang der\nEinsatz der Oberstimme und des Basses als Ausdruck eines\nunbeschreiblichen Schmerzes von wunderbarer Wirkung.\nAlles lautet düster und verzagt, selbst der Jordanstrom,\nauf den sehnsuchtsvoll die Erinnerung gelenkt wird, Iliesst\ntraurig dahin. (Nr. 14. Alt-Arie aus der Passion.)\n„Drittes Bild. Esther und Mardochai. Warum ist dein\nverehrtes Haupt mit Asche bestreut, der Leib mit einem\nSack bekleidet? fragt die Pflegetochter. Mardochai berich-\ntet und gibt ihre persönliche Verwendung beim Könige\nals einziges Bettungsmittel an. Sie schwankt, denn das Ge-\nsetz verhänge den Tod über den, der ungerufen vor den\nKönig tritt. Mardochai: Zittere nicht, Königin, und ver-\ntraue der Liebe; fürchten soll man Gott allein. Esther: Ich\nwill zum Könige gehen; muss ein Opfer sein, o Gott, so\nnimm mein Leben und schone Deines auserwählten Vol-\nkes. Die schönen Gesänge Beider sind aus der deutschen\nPassion genommen. (Nr. 17 —19.) Ein Chor, eine Bitte\ndes Volkes, beschliesst den Vorgang; obwohl nur dreizehn\nTacte lang, ist die Situation darin vollständig erschöpft.\n„Das vierte Bild zeigt uns, wie Esther den König be-\nsucht und Gnade vor ihm findet. Von d6n vier Gesänsen"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "340", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591022-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5433, "texte": "sind zwei Arien und der abschliessende Chor: .\nh'iith and innoeencc, aus der Passion. Der ganz neu ge-\nsetzte schmeichelnde Gesang des Königs: „How\nstay\" —W ie kann ich weilen, wenn die Liebe ruft! —, hat\nein ausserordentlich treffendes Motiv, das namentlich bei\nder dritten Wiederholung durch den absteigenden Gang\nund die Verkettung der Tonarten seinen vollen Zauber\noffenbart. Ueber die ganze Scene ist eine grosse Anmuth\ngebreitet.\n„Der ganze letzte Theil des Oratoriums ist ein einziges\nBild, an Umlang den vier voraufgehenden gleich, an gei-\nstiger Grösse sie überragend. Der eigentlich menschliche\n% organg hierin, das Mahl bei Esther und die Verurtei-\nlung Haman's, erlischt fast ganz vor dem Strahlenglanze\neiner neuen Gott-Offenbarung, zu deren Verherrlichung\nder Tonmeister seine beste Kraft einsetzt. Den Anfang\nmacht der Ruf einer einzelnen Stimme zu dem Gott, der\nim ewigen Lichte wohnt, dessen Diener Winde und Feuer-\nilammen sind, die Bitte, nun, in entscheidender Stunde,\nsein Antlitz zu zeigen, vernichtend für die Heiden, heil-\nbringend seinem Israel. Das Gebet wirkt wie ein Zauberruf,\nder die Himmel bewegt und den Herrn Himmels und der\nErde im Gewitter herablockt. Sein Nahen schildert der\nfolgende grosse Chor: „He comesu —Er kommt, euer Elend\nzu enden —, der gleichsam das Universum in Bewegung\nbringt und alles in sich vereinigt, was eine solche Musik\nauf der Stufe höchster Vollendung in sich vereinigen muss,\ndas lurchthare Brausen eines Gewittersturmes, die Erha-\nbenheit grosser Naturmächte, die Einfachheit ungesucht\nnatürlicher Laute, die Kunst des grössten Meisterwerkes.\nDen Mitteltheil in D-moll: „Eartli trembleu Erde, er-\n/ittre, Jakob, erhebe dich und gehe deinem Gott entgegen!\n, muss man nur hören, um die unwiderstehliche Gewalt\nzu empfinden, mit der Israel sich zu dem in feuriger Wolke\nherablahrenden Herrn hingezogen fühlte. Die Anschauung\nist ganz alttestamentlich, obwohl nicht aus dem biblischen\nBuche Esther, sondern aus Hiob und namentlich aus der\nErzählung über die Gesetzgebung am Sinai gezogen eine\nIdee, die Händel seinem Dichter wird an die Hand gege-\nben haben. Die Wirkung einer solchen Naturerscheinung\nauf ein frommes israelitisches Gemüth kann nicht stärker\nund reiner gewesen sein, als die ist, welche HändeFs Töne\nhervorbringen. Was wir vorhin Psalmentreue nannten, er-\nscheint hier als historische Treue, als Treue des Charak-\nters in den höchsten Beziehungen. Und mit welchen un-\nglaublich einfachen Mitteln ist dieses Tonbild gestaltet! In\nden Singstimmen meistentheils Dreiklangfolgen, durch die\nnatürlichsten Gänge fortschreitend, ohne Fugen werk har-\nmonisch geordnet, nur hin und wieder nach Hauptschlüs-\nsen mit einigen kurzen Nachahmungen aufs Neue zu der\nMacht eines vollstimraigen Chors sich aufschwingend ; itt\nden Instrumenten ein wogendes Leben, das den Gesang\nhebt und trägt, fern von Tonmalerei, obwohl hier ein Ge-\ngenstand mit einem eigenartigen Naturlaute vorlag, über-\nall mit dem Gesänge innig verwachsen, eine herrliche Um-\ntönung dessen, was der Chor verkündet.\n„Als Haman geknickt ist, fleht er mit der feierlichen\nMusik aus der Passion Esther um Schutz an (Nr. 30);\n• •\naber sie weis't ihn höhnend zurück in einer fugirten Arie\n(.Flatt'ring tongue no more 1 hear tliee), die zu den ersten\nGesängen des Oratoriums gehört. Auch die folgende: „Ilm«\nart thou fall'nr —Wie bist du von deiner Höhe gestürzt!\neine moralische Betrachtung über den Sturz des all-\nmächtigen Günstlings, passender von einer Bassstimme in\nHaman's Namen, als von ihm selbst zu singen, ist bedeu-\ntend. Wäre in dem ganzen Werke irgend ein Gesang un-\nerheblich oder überflüssig, so müsste er in den Theilen\nstecken, die später für die an Bravourgesang gewohnte\nMenge hinzugefügt wurden, obwohl auch diese an Schön-\nheiten reich sind; das eigentliche Cannons-Oratorium ist\nin allen Theilen gehaltvoll.\n„In dem Schlusschor: „ The ,\nhaben wir das wahre Gegenbild des Chors, welcher den\nletzten Theil eröffnet, eine gewaltige, endlose Tonmasse,\ndie Händel, alle Mittel der Aufführung vergessend, hinge-\nworfen, um sich selber zu genügen. Die Chöre sind über-\nall lünfstimmig, und dieser letzte ist völlig so lang, wie alle\nvorhergehenden zusammen (29 Doppelseiten im Ciavier-\nAuszug). Eine solche, selbst bei Händel ungewöhnliche\nAusdehnung ist hier nicht ohne inneren Grund; denn die\nFreude Israels, die zu Anfang durch Haman plötzlich zu-\nrückgedrängt wurde, strömt jetzt um so stärker, um so\nrauschender hervor und will ihre Länge und Breite haben.\nDer Chor hat neun Einschnitte; der dritte greift in den\nAnfang zurück, führt dann aber den neuen\nein, der von nun an als Band und Anhalt für die Einzel-\nstimmen, als feierliche, lautschallende Erhebung des Prei-\nses göttlicher Macht sich durch den ganzen Chor hinzieht;\nder vierte ist ein Solo für Alt, das in den fünften, eine\nneue Chorverflechtung des genannten ein-\nmündet; der sechste bildet eine kleine duettirende Strophe\nzwischen Esther und Mardochai, die wieder von dem fol-\ngenden Chor, einer neuen Gestaltung des Choral-Motivs,\nverschlungen wird; dem achten Absätze, einem canonischen\nDuett für zwei Bässe, folgt eine abermalige und noch ton-\nreicher entfaltete Gestaltung des durchwirkenden Grund-\ngedankens, worauf der feierliche Schluss erscheint.K\nDas Oratorium Esther besitzt in der That so grosse\ninnere Vorzüge, dass es, abgesehen von seinem historischen\nInteresse, bloss als musicalisches Kunstwerk betrachtet, ein"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "341", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591022-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3233, "texte": "Juwel in dem strahlenden Kranze der HändePsehen Ora-\ntorien ist, wenngleich die oratonsche Form darin noch\nnicht so vollkommen erscheint, wie Händel sie später ge-\nstaltete. Aber der ernste und grosse Stil ist bereits überall\nmehr als nur in seinen Elementen sichtbar und wagt sich\noft schon mit Erfolg an die Darstellung des Erhabenen.\nI einei treten hier zum ersten Male die Chöre als wesent-\nlicher Bestandteil eines Oratoriums auf. In den bisherigen\nCompositionen dieser Gattung folgte der eröffnenden Sin-\nfonie gewöhnlich eine Reihe von Recitativen und Arien,\nselten ein Duett, und nur am Schlüsse jedes Theiles ein\nChor, der in der Regel sehr kurz war. So enthält z. B.\nScarlatti s „Zedekias\" in zwei Abtheilungen 62 Nummern,\ndarunter zwei Sinlonieen oder Ouvertüren, zwei Duette und\nnur zwei Chöre. So Händel's in Italien geschriebenes Ora-\ntorium Lei Resurrczionein zwei Theilen 52 Nummern,\ndarunter nur zwei kleine Chöre.\nNun erschien die Esther mit einer Ouvertüre und nur\n3-3 Nummern, von denen aber 9 Chöre sind, und unter\ndiesen Nr. 27 „Tugend, Wahrheit, Unschuld\" von 7 Folio-\nseiten (Clavier-Auszug), Nr. 28 „Er kommt, uns zu be-\nfreienu von 11 Seiten, und der Schlusschor Nr. 34 „Der\nHerr hat unsern Peind besiegt4* von 29 Seiten, der längste,\nden Handel je schrieb, und der mit seinen kurzen Zwischen-\nsolis einen Preis- und Siegesgesang für sich allein bildet.\nSo führte Händel die Völkerstimmen in das Oratorium\nein, und das war ein ungeheurer Fortschritt. Wie sehr sie\nnachher in seinen grössten und herrlichsten Werken zur\nHauptsache wurden, und welche Wirkungen er bis auf\nunsere Zeit damit erreichte und in alle Zukunft erreichen\nwird, das wissen wir alle. Um so dankbarer müssen wir\ndesshalb Herrn Maier und der Verlagshandlung sein, dass\nsie uns durch den Clavier-Auszug die ersten Früchte der\nBegeisterung Handelns für das Auftreten von Volksmassen\nim Oratorium vor Augen gelegt haben; ein Jeder wird sich\nbeeilen, danach zu greifen, und dann um so mehr Theil-\nnahme der Gesammt-Ausgabe Händel's durch die\ndeutsche Händel-Gesellschaft widmen, die uns ge-\nwiss bald auch die Partitur der Esther bringen wird.\nMaier's Clavier-Auszug ist übrigens lange vor der Ent-\nstehung dieser Gesellschaft vollendet worden.\nDie Uebersetzung des englischen Textes, welcher un-\nter dem deutschen steht, ist ebenfalls von J. J. Maier. Er\nhat auf den Reim verzichtet, was wir ihm in einem Ora-\ntorium nicht gerade zum Vorwurf machen wollen; doch\nvermissen wir ungern den Gleichklang, wenn auch nur\nsparsam und mit Freiheit angewandt. Die grossen Schwie-\nrigkeiten einer solchen Arbeit kennen wir aus eigener Er-\nfahrung recht gut; im Ganzen verdient die vorliegende Lob,\nnur selten stösst man auf Widerspruch zwischen Text und\nMusik, wie z. ß. im ersten Rccitaliv, wo\nrace shall bleecl mit: „Sterben soll all jüdisch Blut\",\nwiedergegeben ist, wodurch der Haupt-Accent und der\nhöchste Ton d auf soll, anstatt auf jüdisch fällt.\nBehufs der Aufführung mit Orchester—zunächst für\ndie hier in Köln bevorstehende—hat Ferdinand Hiller\ndie Partitur instrumentirt und durch Einreibung der Num-\nmern des Anhangs, so wie durch einige Auslassungen und\nZusätze zweckmässig eingerichtet. Wir werden nach der\nAuflührung darauf zurückkommen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-10-22-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-10-22_01#c003", "volume": "bmtnabi_1859-10-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "341", "page_fin": "342", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591022-01.2.3", "titre_corps": "Beethoven.", "titre_sommaire": "Beethoven.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "341", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591022-01.1.5", "debut_caractere": 3235, "fin_caractere_exclue": 5066, "texte": "Beethoven.\nI.\nMit Vergnügen begrüssen wir die Erscheinung der\ndritten Auflage der\nT» * | , \\\nBiographie von Ludwig van Beethoven. Ver-\nfasst von Anton Schindler. Dritte, neu bear-\nbeitete und vermehrte Aullage. Münster, Verlag der\nAschendorff'schen Buchhandlung, 1860. II Theile\nin Bvo. Erster Theil. XXV und 272 S. Mit dem\nPortrait Beethoven's nach Schimon's Oelgemälde\nund zwei Facsimiles seiner Handschrift. Zweiter\nTheil. 373 S., mit Facsimüe seiner Notenschrift\nund der Handschrift von Breuning. Preis 3 Thlr.\nEs war Zeit, dass endlich das Buch, dessen reine Quelle\ndurch so vieles Schöpfen daraus gar mannigfach getrübt\nin die YY elt strömte, von seinem Verfasser einer neuen Be-\narbeitung unterworfen wurde. Diese liegt uns nun vor und\nist eine wirkliche, nicht bloss so genannte, voll von Ergän-\nzungen und Berichtigungen, und sowohl durch Einzelnes\nals durch ganze Abschnitte bedeutend vermehrt.\nZunächst erfahren wir im „Vorwort\" das Nähere über\ndie Entstehung dieser Biographie, was zur Beurtheilung\nder Stellung des Verfassers zu seiner Aufgabe nothwendig\nist, und dessen Mittheilung nur aus Rücksichten für Le-\nbende bei der ersten Aullage unterlassen worden.\nSchindler erzählt S. IX: „Bald nach des Meisters Hin-\nscheiden überschickte mir der Geheime Regierungs- und\nMedicinalrath Dr. Wegeier in Coblenz Notizen über Beet-\nhoven's Jugendjahre, überhaupt über dessen in Bonn ver-\nlebte Zeit, nachdem er von seinem Schwager, dem k. k.\nWirklichen Hofrathe Stephan von Breuning, erfahren hatte,\nwelchen Auftrag der sterbende Meister uns beiden in Be-\ntreff einer Biographie von ihm gegeben. Bei einem im\nJahre 1833 dem würdigen Manne gemachten Besuche zu\nCoblenz kam auch die Bede auf die ihm bereits von Wien\naus gemeldete Ablehnung von Friedrich Rochlitz, sich der\nihm zugedachten Abfassung nicht unterziehen zu können."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "342", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591022-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5294, "texte": "Da äusserte VVegeler: Das Beste für eine Biographie Beet-\nhoven's, unseres gemeinschaftlichen Freundes und bezie-\nhungsweise Lehrers, wäre, wenn wir Drei, nämlich We-\ngeier, Ferdinand Bies und der Unterzeichnete, uns zu die-\nser Herausgabe verbünden wollten; zugleich forderte er\nmich auf, diesen Plan mit Bies, den ich schon nach wenig\nTagen zu Frankfurt am Main sehen sollte, des Weiteren zu\nbesprechen, was auch geschah. Bies ging sogleich darauf\nein; indess schon bei Vorlegung der Beethoven'schen Briefe\nan ihn und Mittheilung verschiedener, mir zumeist bekann-\nter Erlebnisse mit dem Meister wollte es mir scheinen, als\nwerde ein gemeinschaftliches Zusammenwirken nach We-\ngeler's Plane kaum möglich sein. Bies legte nämlich Werth\nauf Dinge, die theils interesselos, theils verletzender Art\nwaren, darum keinesfalls vor das öffentliche Forum gehör-\nten. Er trug einen lang' genährten Groll gegen seinen Leh-\nrer und Freund im Herzen, den zu beschwichtigen mir\nnicht gelingen wollte, weil er sich auf Gründe gestützt. Im\nContexte wird davon die Bede sein müssen, um Beiden,\nLehrer und Schüler, gerecht sein zu können. Ueberhaupt\nvertheidigte Bies den Satz: Ueber grosse Männer darf Al-\nles ausgesagt werden; es schadet ihnen nicht.\n„Diese wenig erfreulichen Ergebnisse meiner Sollici-\ntationen wurden auf meiner Bückreise nach dem Nieder-\nrheine Wegeier mitgetheilt, von ihm jedoch ohne sonder-\nliche Ueberraschung angehört. Ich fasste Muth, mir seine\nZustimmung zu erbitten, in der in Bede stehenden Sache\nmit ihm allein vorzugehen. Anfänglich Bedenken findend,\nwilligte er endlich unter der Bedingung ein, dass von bei-\nden Seiten unverzüglich an die Ausarbeitung geschritten\nwerde. Ich versprach es. Allein schon beim ersten Versuche,\ngewünschter Auskünfte über mancherlei Punkte vermittels\nCorrespondenz aus Wien habhaft zu werden, zeigten sich\nHindernisse und lange Zögerungen, die zu einem Verschie-\nben der Arbeit nöthigten. Wegeier verlor darüber die Ge-\nduld. Unterm 28. October 1844 machte er mir die An-\nzeige, den Druck seiner Aufzeichnungen sofort besorgen\nzu wollen. Dazu ist es indess nicht gekommen, vielmehr\nwurde, mit Bies weiter unterhandelt.\n„Das niederrheinische Musikfest 1837 zu Aachen\nl ührte Bies und den Unterzeichneten zu vereintem Wirken\nanbei auf volle fünf Wochen zusammen. Wegeler's Plan\nward daselbst mehrfach von uns besprochen, die Besultate\nblieben aber nicht mehr wie ehedem im Zweifel, im Ge-\ngentheil, Bies' hartnäckiges Festhalten an seiner Willens-\nmeinung hätte beinahe einen Zwiespalt zwischen uns zur\nFolge gehabt. Kurz, schon im nächsten Jahre, bald nach\nseinem plötzlichen Dahinscheiden, erschienen: „„Biogra-\nphische Notizen über Ludwig van Beethoven\"\" wn We-\ngeier und Bies.\n„In Wien befand sich der Hof- und Gerichts-Advocat\nDr. Johann Baptist Bach, mit dessen Persönlichkeit der\nLeser weiterhin näher bekannt werden wird. Hier am Orte\nsei bloss angeführt, dass derselbe eine der hervorragend-\nsten juristischen Autoritäten der Kaiserstadt und Beetho-\nven's Vertreter in Bechtssachen gewesen; aber auch in mu-\nsicalischen Angelegenheiten wichtiger Art ward er vom\nMeister mit zu Bathe gezogen. Der Verfasser durfte diesen\nausgezeichneten Mann, in dessen Kanzlei er während sei-\nner Studienzeit gearbeitet, zu seinen besonderen Gönnern\nzählen. Weil derselbe sich lebhaft für baldiges Zustande-\nkommen einer Lebensschilderung des Meisters inleressirte,\nüberdies derjenige war, der unter allen Umständen als\nsehützende Aegide bei diesem Unternehmen gelten durfte,\nwenn es nach dem buchstäblichen Verlangen Beethoven's\nausgeführt werden sollte, so musste er von den Vorgängen\nmit Wegeier und Bies unterrichtet werden.\n„Ganz unerwartet erwiderte er mit der Aufforderung,\ndass ich allein und unverzüglich an die Abfassung einer\nbiographischen Schrift gehen solle, er werde mich in jeder\nmöglichen Weise dabei unterstützen; zugleich äusserte er\nden Wunsch, das Manuscript zu kritischer Durchsicht zu\nerhalten. Dies war der Sporn, mich alsbald an den Schreib-\ntisch zu setzen, fern jedoch von jeder Spur eines\nbiographicus.\n„Nicht ohne Bangen wanderte die Ausarbeitung zur\nCensur nach Wien, fand indess im Ganzen keine ungün-\nstige Aufnahme daselbst; nur hat des Gönners Bothstift\nwider alle Erwartung arg darin gehaus't. Dem Freunde\nvon Kürze und Bündigkeit in der Darstellung—im Gegen-\nsatze zur üblichen Advocaten-Praxis - erschien Manches\nzu ausführlich; Thatsächliches, mit der Geschichte der Zeit\nCollidirendes, wenngleich in Bezug auf unseren Meister als\nganz besonderes Charakteristikum zu betrachten, erklärte\ner als gefahrbringend für uns beide. Darum ward nach\nCensoren-Art ohne Bücksicht auf inneren Zusammenhang\nund Motivirung gestrichen. Manches nun Nachgeholte wird\nzeigen, was der Hof- und Gerichts-Advocat aus dem Buche\nentfernt hat.\n„Kurz, unter vorbenannten Cautelen und Beschränkun-\ngen konnte das Buch in erster Auflage erscheinen. Vor\nGalgen und Bad war der Verfasser hinreichend sicher ge-\nstellt, nicht aber vor Verdächtigungen und Bänken, die\nalsogleich bemüht gewesen, der Sache in weiten Kreisen\nzu schaden, ohne jedoch offen dagegen aufzutreten. Dieses\nzu enthüllen, gebietet Beethoven's Sache, aber auch das\nInteresse des musicalischen Publicums. Es soll in dem Er-\ngänzungs-Aufsatze „ „Beethoven's Studien\"\" geschehen.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-10-22-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-10-22_01#c004", "volume": "bmtnabi_1859-10-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "343", "page_fin": "343", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591022-01.2.4", "titre_corps": "Berichtigung.", "titre_sommaire": "Berichtigung.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "343", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591022-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3030, "texte": "Berichtigung.\nWir haben in Nr. 39 eine Notiz aus den Wiener Blättern\nfür Mueik u. s. w. mit Angabe der Quelle abgedruckt, welche\nH. von Bülow's Ansichten über Wagner's Musik zu „Tristan\nund Isolde\" enthielt und besprach. Wir konnten natürlich nicht\nanders als voraussetzen, dass jene Ansichten irgend einem durch den\nDruck veröffentlichten Artikel entnommen wären. Herr von Bülow\ntheilt uns aber mit, dass sie einem Privatbriefe an Dr. Brendel ent-\nlehnt sind, und ersucht uns, zur Aufklärung der Sache die Abschrift\nseines Schreibens an Dr. L. A. Zellner in Wien zu veröffentlichen,\nwas hiermit geschieht. Die Redaction.\nHerrn Dr. L. Zellner in Wien, Redacteur der Blätter für\nMusik.\nSehr geehrter Herr Doctor !\nIn einer der letzten INuminern Ihres geschätzten Blattes, die mir\nso eben zu Gesicht kommt, lese ich die Reproduction eines Privat-\nbriefes an meinen Freund Dr. lirendel, den dieser die Indiscretion\nhatte, in seiner Zeitung abdrucken zu lassen, dabei jedoch so höf-\nlich war, dem Abdruck ein Bekenntniss seiner Indiscretion voranzu-\nschicken. Die Redaction der Wiener Blätter für Musik behandelt im\nWiderspruch hiermit vor ihren Lesern meinen auch schon durch seine\nflüchtige, ungefeilte Fassung als solcher erkenntlichen Privatbrief\nals einen offenen und benutzt ihn zu wenig freundlichen Commenta-\nren, denen mein Schreiben offenbar nicht ausgesetzt zu werden be-\nstimmt war. Ich kann nicht umhin, Ihnen auszusprechen, dass ich\ndieses Verfahren von Ew. Wohlgeboren Tact und Geschmack zu er-\nwarten nicht eben veranlasst sein konnte. Ich wünschte mich über\ndie Motive, welche die Redaction überhaupt zum Abdruck bestimmt\nhaben mögen, mit einem gewissen Optimismus zu täuschen. Jedoch\ndie bereits beregten Commentare der Redaction, vornehmlich die Va-\nriation über das bekannte Thema vom ~Eifer der Freunde\", qualifi-\nciren sich dazu, einen persönlichen „dolus\" gegen den ~Freund\"\nWagners vermuthen zu lassen. Es ist dies eine der beliebtesten\nBlumen in der Anthologie der Sophismen unserer Gegner, eine der\nhandlichsten Waffen ihres Arsenals: die Freunde zu verdäch-\ntigen; wo möglich in den Augen derer, für die sie mit\nAufopferung aller Persönlichkeitsregungen kämpfen,\nals unwillkürliche Beschädiger verhasst zu machen.\nIch wüsste mir wirklich keinen plausiblen Grund vorzustellen,\n*arum Ew. Wohlgeboren speciel gegen mich, der stets nur mit Ach-\ntung und Artigkeit von Ihrem Wirken gesprochen und geschrieben,\neine derartige Tendenz concipirt haben sollten, und darf daher wohl\num so eher auf Berücksichtigung meines dringenden Wunsches hof-\nfen, wenn ich an den Gentleman im Schriftsteller ap-\npellire: die in der besagten Notiz versäumten erklärenden Ent-\nschuldigungen d<?e Abdruckes eines Privatbriefes gefälligst bald nach-\nholen zu wollen.\nIch benutze diese Gelegenheit u. s. w.\nHans v. Bülow.\nBerlin, 20. September 1859.\nHerr Dr. Zellner hat für gut befunden, von dieser Reclamation\nkeine Notiz zu nehmen. Es folgt hieraus, dass ich an eine abwe-\nsende oder nicht existirende Person appellirt habe\nH. v. 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Herr Capellmeister Ferdinand Hiller ist von der\nphilharmonischen Gesellschaft in London zum Ehren-Mit-\ngliede ernannt worden.\nDie erste Hälfte der Gesellschafts-Concerte dieses Win-\nters im grossen Gürzenichsaale ist folgender Maassen festgesetzt:\nDinstag den 25. October;\nDonnerstag den 10. November (Schiller-Feier ;\nDinstag den 22. November;\nDinstag den 6. December;\nDinstag den 2'L December.\nIn dem Concerte zum Schillerfeste wird eiDe zu dieser Feier vor.\nF. Hiller componirte Cantate und Beethoven's neunte Sinfonie\nmit dem Schlusssatze über Schiller'« Ode an die Freude aufgeführt\nwerden. Für die Anordnung einer dramatisch-declamatorisehen\nteier am 9. und li. November ist ein Comite zusammengetreten.\nHe.r Karl Mandel, Irülier Capellmeister beim k preussisChen\n33. Infanterie-Regiment, gegenwärtig Lehrer der Harmonie an der\nMilitär-Musikschule zu London, hat uns bei seiner Durchreise einen\nsehr sinn g erdachten und praktischen Apparat zur Erleichterung des\nTransponirens in alle Tonarten und in alle Stimmungen der\nBlas-Instrumente vorgelegt, der durch seine leichte und bequeme\nAnwendung die Aufmerksamkeit besonders derjenigen Musiker ver-\ndient, die im Falle sind, sich viel mit Eiurichtung von Orchester-\noder Claviersachen für Militär- oder Harmoniemusik zu beschäftigen.\nDerselbe hat auch ein Werk über Instrumentirung für Militär-\nmusik herausgegeben: A TreutiseOH\nBands; describing the cliaracler and proper emptoyment of every mu-\nsical Instrument used in reed Bands. London, Boosey and Sons. 68 S.\ngl. 4. eine klar und fasslich geschriebene Anleitung zur Kennt-\nniss aller bei der Militärmusik benutzten Instrumente, ihrer Natur\nund der Sphäre ihrer Anwendung, Alles durch ausführliche Noten-\nbeispiele erläutert Wir glauben, dass eine deutsche Bearbeitung des\nWerkchens willkommen sein würde.\nNcfiwerfin (Mecklenburg). Der grossberzogliche Schloss-Chor\nwurde im Jahre 1855 nach dem Muster des berliner k Dom-Chors\ngebildet, um wie in Berlin ausschliesslich nur liturgischen Zwecken\nzu dienen. Derselbe besteht gegenwärtig aus 8 Sopranen, 6 Alten, 5\nlenöien und o Bässen, dirigirt von dem kenntnissreichen Musik-Di-\nrector Julius Schaff er. Derselbe zieht die Aspiranten und Re-\nservisten der beiden oberen Stimmen zu allen Uebungen heran und\nlässt sie bei öffentlichen Productionen mitwirken; so gelingt es, ein\nrichtiges Verhältniss zwischen Männer- und Knabenstimmen herzu-\nstellen, da letztere bei gleicher numerischer Stärke gegen die erste-\nren zu schwach erscheinen würden. Die Aufführungen, welche am\n14 October 1855 zum ersten Male begannen, finden seitdem an allen\nSonn- und Pesttagen in der Schlosskirche Statt, und ausserdem seit\nzwei Jahren einige Kirchen-Concerte im Winter, deren Ertrag den\nChoj-Mitgliedern zu Gute kommt. Beim Grottesdienste werden ausser\nden gewöhnlichen Kesponsorien die Introiten der einzelnen Sonn- und\nFesttage, das Kyrief (xloridy Patrem, Sanctus, Bcnedictus, Agnus JDei,\neinze.ne Psalmen und andere Stücke nach herilichen, meist alt-kirch-\nlichen Tondichtungen auf das trefflichste ausgeführt. In den Concer-\nten wurden bisher zu Gehör gebracht: Palestrina's Satictns aus der\nMarcellus-Messe, Sicut cervus? 0 botie Jesuf J'enebrcie, Vittoria's 0\nvos ortines, Lotti's sechs- und achtstimmige Crucißxus, Petri's Ado-\nrarnus le Christe, Mozart's Ave verum und Misericordias Domini, fer-\nner Stücke von M. Haydn, Gallus, Heinrich Schütz, Hammerschmidt}\nMichael Bach, Motetten und 22. und 2c£. Psalm (achtstimmig) von\nMendelssohn, ausserdem Choräle von Bach, Eckard, Vulpius, Schrö-\nder, Prätorius u. s. w., und weltliche Chorlieder von Mendelssohn,\nFranz, Neithard, Sehäffer u s. w. (Die geistlichen Gesänge sind\nsämmtlich in der sowohl durch Inhalt als Correctheit trefflichen\nSammlung „Musica sacra des k. Dom-Chors\", Berlin, Sehlesinger, in\nPartitur und in. ausgesetzten Stimmen enthalten.)\nDer in Stuttgart verstorbene Freiherr v. Wiesenhüiten hat\ndem österreichischen Componisten und Hofmusicus Abert in Stutt-\ngart eine beträchtliche lebenslängliche Rente vermacht."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "344", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591022-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2577, "texte": "Wteiii Die Concert-Saison wurde, wenn auch nicht auf glän-\nzende, so doch gewiss auf ganz eigenthümliche Weise eröffnet. Herr\nAlexander von Lasarew veranstaltete am 9. October im grossen\nKedoutensaale ein ~Concert neuer Musik im Geiste und Charakter\nder Slaven\". Zur Aufführung kamen: „Der Tod des Holofernes\",\nOuvertüre, ~Die Schöpfung der Welt\", Oratorium in drei Abtheilun-\ngen, und „Das jüngste Gericht\", Oratorium. Diese beiden Oratorien\nsind ebenfalls Instrumentalwerke, haben aber, wie die Ouvertüre,\nein ausführliches Programm, „an das das P. T. Publicum höflichst\nersucht wird, sich zur genaueren und vollständigeren Auffassung\nder einzelnen Momente der Musik streng zu halten.\" Ueber die\nComposition lässt sich nichts sagen, als dass sie eben nicht schlech-\nter ist, als viele jener Ausgeburten, welche uns die „neudeutsche\nSchule\" bescheert. Ohne Programm würde man offenbar keine\nAhnung haben von dem, was der Componist auszudrücken beab-\nsichtigte, und es könnte der Tod des Holofernes eben so gut die\nSchöpfung der Welt vorstellen, diese das letzte Gericht u. s. w. Es\nmochten sich ungefähr hundert Personen zu diesem Concerte einge-\nfunden haben, welche in lautloser Stille ihr Schicksal ertrugen.\nWahrhaft originel und dem weisen Ben Akiba zum Trotz „noch\nnicht da gewesen\" ist folgende Anzeige, welche an der Spitze des\nProgramms, wahrscheinlich als Schreckschuss für das natürlicher\nWeise wenig disponirte Orchester, gedruckt war: „Herr Alexander\nvon Lasarew, Compositeur neuer Musik im Geiste und Charakter\nder Slaven, von dem Wunsche durchdrungen, seine musicalischen\nCompositionen, welche in Deutschland, Frankreich und Italien den\nungetheilten Beifall fanden (.Journal des Debats, 9 Decembre 1854,\nLe Nord et Moniteur franqais, 2, 3 et 17 Janvier 1859, Neue Preus-\nsische Zeitung, 27. October 1857 u. s. w.), der Beurtheilung des\nkunstliebenden Publicums in Wien zu unterziehen, erlaubt sich zur\nKenntniss zu bringen, dass in dem von ihm zur Aufführung seiner\nCompositionen und mit Bestreitung aller Kosten zum Zwecke der\nWohlthätigkeit veranstalteten Concerte die Musikstücke im Falle des\nNichtgelingens wiederholt und nur bei gelungener, präciser Auffüh-\nrung die Aufschrift der Piece abgenommen werden wird.\"\n(W. Kec.)\nBezüglich der angeblichen Verpachtung des Operntheaters in\nWien versichert ein wiener Correspondent der Grazer Zeitung, dass\nman an betreffenderstelle nichts von jener Verpachtung wissen will,\ndaher auch die in den wiener Zeitungen gebrachte Notiz von einer\npachtweisen Ueberlassung dieses Theaters der Begründung entbeh-\nren dürfte."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "337", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591022-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nC v. „ Esther. Oratorium von G. F. Händel. - Beethoven. I. (Biographie von Ludwig van Beethoven Verfasst von Anton\nSchindler. Dritte Auflage.) Berichtigung (11. von Bülow contra Dr. L. Zellner). Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln\nGapellmeister F. Hiller, Gesellschafts-Concerte, Herr Karl Mandel Schwerin, Schloss-Chor Stuttgart, Vermächtniss Wien).\n\nEsther.\nOratorium von G. F. Händel.\nDieses Oratorium, das erste mit englischem Texte,\nwelches Händel geschrieben—in Rom hatte er auf italiä-\nnische Texte La Resurr esioneund\n(beide 1708) componirt -—, überhaupt aber auch wohl\ndas erste, welches in dem eigentümlichen Oratorienstil\ngeschrieben ist, der aus den Compositionen der Anthems\nund Psalmen des Meisters sich allmählich entwickelte, ist\nuns zuerst durch den Clavier-Auszug bekannt geworden,\ndessen vollständiger Titel lautet:\nEsther, Oratorium in drei Abiheilungen von G. F.\nHändel, in deutscher Uebersetzung und im Cla-\nvier-Auszug nach der Original-Partitur nebst\neinem Anhang herausgegeben von Jul. Joseph\nMai er, Conservator der musicalischen Abthei-\nlung der königlich baierischen Hof- und Staats-\nBibliothek. Leipzig, bei Breitkopf & Härte!. Preis\n5 Thlr. (Chorstimmen IV3 Thlr.) IV und 120\nSeiten Fol.\nUeber die Geschichte des Oratoriums Esther berichtet\nJ. J. Maier im Vorwort, wie folgt:\n„Es liegen uns darüber zwei neuere umständliche Re-\nlationen vor: die Vorrede des Charles Lucas zu der von\nihm redigirten Esther-Ausgabe, welche die Handel Society\nin ihrem Jahrgange 18f£ veröffentlichte, und die betref-\nfenden Stellen in Victor Schölcher's The life of Handel.\nLondon, 1857. Bvo. Ich gebe hier das Wesentliche. Der\nHerzog von Chandos hatte im Anfange des achtzehnten\nJahrhunderts neun englische Meilen von London ein pracht-\nvolles Schloss, Cannons,und in dessen Nähe eine Kirche,\nWhitehurch, erbaut, für welche letztere er eine eigene\nMusik-Capelle hielt. Der Herzog ernannte 1718 Händel\nzu seinem Capellmeister, welchen Posten dieser bis 1721\nbekleidete. Händel schrieb in dieser Zeit für den Herzog\nnebst anderen Werken das Oratorium Esther, für welches\ner ein Honorar von 1000 Pfund erhielt. Die Esther wurde\nam 29. August 1720 zum ersten Male in Cannons vor\ndem Herzog aufgeführt. „ „Die Esther lag\"\", berichtet\nSchölcher, ~ „in Cannons begraben, und Händel dachte\nnicht daran, sie öffentlich aufzuführen. Da liess sie Mr.\nBernard Gates (Director der Sängerknaben an der k. Ca-\npelle von St. James), welcher sich eine Copie der Partitur\nverschafft hatte, am 23. Februar 1731 von seinen Ton-\nlingen aufführen\"\" u. s. w. Bald darauf führte die Aka-\ndemie für alte Musik, unterstützt von Gates, die Esther in\ngrösserer Besetzung auf, jedoch war auch diese noch eine\nPrivat-Aufführung. Diese zwei Versuche mussten in der\nmusicalischen Welt wohl Aufsehen erregen, und ihr Er-\nfolg bestimmte einen Speculanten, dieses Oratorium öffent-\nlich aufzuführen. Dies ist im Daily Journalsom 17. April\n1732 also angekündigt: „ „Noch nie öffentlich aufgeführt.\nIn den grossen Räumlichkeiten der York-Gebäude in der\nVillarsstrasse wird Donnerstag den 20. dieses Monats April\nvon den besten Vocal- und Instrumentalkräften aufgeführt\nEsther, ein Oratorium oder geistliches Drama, wie es ur-\nsprünglich für den sehr ehrenwerthen James Herzog von\nChandos von Georg Friedrich Händel componirt wurde.\nDas Billet 5 Schillinge.\"\"\n„Händel that, ob er nun die Macht dazu hatte oder\nnicht, keine Einsprache, als so Andere seine Musik gleich-\nsam vor seiner Thür ausbeuteten; er ergriff nur Mittel,\num sich an dem etwa möglichen Gewinne zu betheiligen.\nAls die Herren von der Villarsstrasse am 19. April im\nDaily Journal ihre Ankündigung wiederholten mit dem\nBeisatz: Text von Mr. Pope) und die Aufführung für den\nfolgenden Tag festsetzten, erschien an der Seite ihrer An-\nkündigung folgende andere:\n„ „Auf Sr. Majestät Befehl.\n„„Auf dem k. Theater am Heumarkt wird Donners-\ntag den 2. Mai [1732] die heilige Geschichte der Esther"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "338", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591022-01.1.2", "texte": "aufgeführt, ein Oratorium in englischer Sprache, schon\nfrüher von Händel componirt und nun von ihm nochmals\ndurchgesehen, mit mehreren Zusätzen und ausgeführt von\neiner grossen Anzahl von Sängern und Instrumentalisten.\nNB. Es findet keine dramatische Darstellung Statt, doch\nwird das Haus dem Gegenstande entsprechend hergerich-\ntet sem. Das Personal ist nach Art der Krönungs-Cere-\nmoniells placirt. Billette werden um denselben Preis abge-\nsehen.\" \"\no\n„Der Erfolg dieses Experiments war ein vollständiger.\nColman erwähnt (in seinem handschriftlichen Verzeichniss\nder von 1712- 1734 von der italiänischen Oper in Lon-\ndon aufgeführten Werke) im Mai 1732: ein\nenglisches Oratorium, 6 Male aufgeführt und sehr voll.\"\"\nDie Esther wurde von den besten Mitgliedern der italiäni-\nschen Gesellschaft (Sa. Strada, Sa. Bertolli, Montagnana\nund Senesino) englisch gesungen. Das Jahr 1732 macht\nsomit Epoche in der Geschichte der Musik. Bisher kannte\nEngland die Oratorien nur dem Namen nach.\n„Zu Händel's Lebzeiten wurde die Esther ausser\ndem so eben Mitgetheilten nach Schölcher mit neuien\nZusätzen in London während der Fasten 1735 sechs Mal,\nin der Saison von 17|f, 17f§ mehrere Male, 1751 ein\nMal, 1757 zwei Mal und in Dublin 17|+ drei Mal, nach\nLucas auch während der Fasten 1734 aufgeführt. Die\nOuvertüre der Esther blieb eine beliebte Nummer für\nkirchliche und weltliche Productionen.\"\nf. Chrysander (G. F. Händel. I. S. 471) bedauert,\ndass „über eine so wichtige Begebenheit, als die Entstehung\ndes ersten englischen Oratoriums von Händel sein muss,\nuns fast gar nichts überliefert ist.\" (Nun, obige Notizen\nsind doch etwas mehr als nichts, und wir wüssten keinen\nGrund zu einem Zweifel an ihrer Echtheit, auf den man\naus Chrysander's Ignoriren derselben schliessen könnte.)\n„Alles, was man zu erzählen weiss, ist dieses: Und zuletzt,\nals Herzog James ein Oratorium zu hören wünschte, setzte\nHändel die Esther; das Gedicht machte der junge S. Hum-\npbreys; am 29. August 1720, während der Opernferien,\nwar in Carinons die erste Aulführung; für die Composition\nzahlte der Herzog tausend Pfund.\"\nDie Autograph-Partitur der Esther befindet sich\nin der königlichen Bibliothek zu London. Nach ihr ist die\nPartitur in der Ausgabe der Handel Society, besorgt von\nLucas, gedruckt—sie enthält das Oratorium von drei Ab-\nteilungen in einer Ouvertüre und 34 Nummern.-—Diesen\nfolgt ein Anhang von 10 Nummern (6 Recitative und 4\nArien, wovon eine mit hinzutretendem Chor); dies sind\nspätere Einlagen.\nJ. J. Maier hat in seinem Clavier-Auszug das geschlos-\nsene Oratorium ganz so, wie es in der Lucas'schen Partitur\nsteht, aufgenommen; sein „Anhang\" enthält aber nur 5\nNummern, theils aus der Partitur von Lucas, theils aus der\nvon Arnold, welche letztere wahrscheinlich nach einer Co-\npie des Oratoriums von C. Smith, Handels Amanuensis,\ngemacht worden ist. Das merkwürdigste Stück dieses An-\nhangs ist eine grosse Bravour-Arie für Sopran über das\nWort Halleluja aus B-dur, P,2/8-Tact. Die meisten\nvon diesen Einlagen sind wohl für die Aufführung in Lon-\ndon im Jahre 1732 gemacht oder aus früheren Werken\nhinzugethan. So weis't jetzt z. B. Chrysander nach, dass\ndie eben erwähnte Arie aus einem „Motetto\": Sil\nventi—einem Musikstück, das aus einer Instrumental-Sin-\nfonie und acht Nummern für ein Sopran-Solo besteht\ngenommen ist.— Die Auslassung mehrerer Nummern aus\ndem Lucas'schen Anhang rechtfertigt Maier im Vorwort\nzur Genüge.\nFerner fand Maier in einer im vorigen Jahrhundert\ngeschriebenen Partitur der deutschen Passion von\nHändel (die mit der Thibaut'schen Sammlung an die k.\nBibliothek in München kam) sieben vollständige Nummern\nder Esther, nämlich Nr. 14, 17, 18, 19, 22, 23, 27,\n30. (Er gibt acht an, allein Nr. 18, Recitativ von drei Tac-\nten, gehört zu der Arie Nr. 19 aus Die k. Bi-\nbliothek in London besitzt diese Passion (nach Maier und\nden bisher bekannten Nachrichten um 1717 geschrieben);\nSchölcher bespricht sie, hat aber nicht bemerkt, dass sie\nsieben Stücke enthält, welche in der Esther wieder vor-\nkommen. Auch Lucas weiss oder erwähnt wenigstens\nnichts davon.\nDie „deutsche Passion\" Händel's (nicht zu verwech-\nseln mit einer früheren, auf einen Text von Christian Po-\nstel im Jahre 1704 componirten s. Chrysander, 1., S.\n88 ff.) ist die Composition eines Passions-Gedichtes von\ndem seiner Zeit allberühmten und allbewunderten ham-\nburgischen Rathsherrn und Dichter Bart hold Heinr.\nBrockes: „Der für die Sünden der Welt gemarterte und\nsterbende Jesus aus den vier Evangelisten in gebundener\nRede dargestellt. Hamburg, 1712.\" Dieses Gedicht, das\nbis 1727 mehr als dreissig Auflagen erlebte, wurde zu-\nerst von Keiser, dem trefflichen Opern-Componisten in\nHamburg, in Musik gesetzt, dann von Telemann im An-\nfange des Jahres 1716, und noch in demselben Jahre von\nHändel. Händel's Handschrift ist nicht erhalten. Chrysander\nverglich zwei Abschriften auf der Bibliothek im Bucking-\nham-Palaste, zwei andere in Berlin, Maier die schon er-\nwähnte, aus der Pölchau'schen in die Thihaut'sche Samm-\nlung übergegangene, in München.\nChrysander hebt (S. 440 ff.) mehrere Nummern in\nausführlicher Besprechung hervor, namentlich den Choral\nam Schlüsse der Abendmahls-Handlung auf die vierte"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "339", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591022-01.1.3", "texte": "Strophe des Liedes: Schmücke dich, o liebe Seele, „auf\nwelchem die volle Weihe des kirchlichen Gemeindegesan-\nges ruht\", und von welchem er sagt: „Auch Bach hat in\ndiesem Stil nicht viel gesetzt, was diesem Choralsatze gleich-\nkommt, und nichts, was ihn überragen könnte.\" Ferner\nChristi Gebet in Gethsemane (übergegangen in Esther Nr.\n30), ein Duett zwischen Maria und Christus (in Esther Nr.\n22, zwischen Esther und Ahasverus; wunderlich genug,\naber sehr schöti!) u. s. w. —Sein Endurtheil über die Pas-\nsion ist, „dass dieses letzte deutsche Tonwerk Händel's\nkeine vergebliche Arbeit war, dass es sich wirklich der\nMühe lohnte, eine vergängliche Dichtung mit unvergäng-\nlichen Tönen zu schmücken.\"\nUebrigens hatte Händel für die Passion einige Sätze\naus früheren Oden, Te Deum, Cantaten und Opern ent-\nlehnt ; die neu componirten hat er grösstentheils bei späte-\nren Werken benutzt, besonders bei Esther, auch bei De-\nborah, einen Satz sogar bei der Oper Julius Cäsar.\nWir können Chrysander's Urtheil nur an den sieben\nNummern prüfen, welche aus der Passion in das Orato-\nrium Esther übergegangen sind. Diese finden wir sämmt-\nlich schön, einige sogar ausgezeichnet, z. B. die Alt-Arie\nin G-moll,Nr. 14, die Sopran-Arie Nr. 19, das\nDuett in F-moll, Nr. 22, die flehende Bitte des Haman in\nD-moll, Nr. 30, und den Chor Nr. 27 in mit der\nkräftigen absteigenden Triolenfigur in den Orchesterbässen.\nUeber den Inhalt und die Charakterisirung der Com-\nposition des ganzen Oratoriums folgen wir auszugsweise\nder Analyse Chrysander's (S. 471 ff.), da wir nichts zu\nsagen wüssten, was die Musikfreunde besser auf dieses\nWerk aulmerksam machen, dessen Genuss vorbereiten und\ndie erste Veröffentlichung desselben durch Maier's Ciavier-\nAuszug eindringlicher allen Vereinen und Concert-Institu-\nten empfehlen könnte.\n„Als Originalwerk stand das Gedicht der Esther mit\nHändeFs Musik so ziemlich auf gleicher Stufe; denn wie\nHändel zu einem guten Theile seine deutsche Passion aus-\nzog, so legte Elumphreys eine französische Esther zu\nGrunde, die von Racine gedichtete und mit musicalischen\nChören von Jean Baptiste Moreau durcli die Nonnen von\nSaint-Cyr 1689 dem grossen Ludwig vorgestellte Esther,\nund begnügte sich, ganze Strophen einfach zu übersetzen.\nDiese französischen Kloster-Dramen, als unmittelbare\nQuelle für Händel's erste englische Oratorien-Texte, fin-\nden wir bei Deborah und Athalia wieder.\n„Die Ouvertüre ist von allen, die Händel geschrieben\nhat, eine der schönsten und sinnvollsten. In drei Sätzen\nsind Haman's Tücke, Israel's Klagen und das Gefühl der\nErrettung angedeutet. Die Schlussfuge ist ausserordentlich\nkunstvoll und freudestrahlend. Dieses Orchesterstück ge-\nhört auch zu den am meisten gespielten; die Jahresfeste\neiner milden Stiftung in London für die Erziehunc unver-\nsorgter Predigersöhne wurden regelmässig damit eröffnet.\n„Das Oratorium ist wie eine Oper in Scenen abgetheilt,\ndie aber durch Händel s einheitliche Gestaltung als grosse,\ndie Hörer über den Bühnenschritt erhebende Tonbilder\nerscheinen und auch in solcher Weise aufgefasst werden\nmüssen. Das erste Bild, die Exposition, zeigt uns Haman\nund seine Umgebung. Eines Freundes Ermahnungen zur\nMilde werden hochmüthig abgewiesen, die Söldlinge em-\npfangen den Befehl, von Israel alles, was da ist, Stamm,\nZweig und Wurzel, auszurotten; mit blinder Gier schicken\nsie sich zum Gehorsam an. In einem meisterhaften Chor,\nder eines seiner Motive aus der voraufgehenden Arie Ha-\nman's entlehnt, kommt die volle Gewalt des Hasses gegen\ndas hülflose Volk und seinen Gott mit höchster Kunst zum\nAusdruck.\n„Zweites Bild. Israel ist voll Freude, dass Esther Kö-\nnigin geworden, und stimmt, alles vorige Leid vergessend,\ndie Harfen zum Preisgesang, da nun der Weg zum gelob-\nten Lande wieder offen und der Gottesdienst wieder frei-\ngegeben sei. Es sind lauter schöne Gesänge, in denen sich\ndie Freude ausbreitet; ein sehr merkwürdiger Chor hält\nsie zusammen.\n„Die Botschaft von Haman's Anschlägen und dem un-\nmenschlichen Gesetze, das der König ausgehen lassen, un-\nterbricht Israel's Jubellieder; tiefe Trauer überschattet die\nScene, die schaurigsten Bilder steigen herauf. Bei dem\nkleinen Chor, der nun ertönt, ist gleich zu Anfang der\nEinsatz der Oberstimme und des Basses als Ausdruck eines\nunbeschreiblichen Schmerzes von wunderbarer Wirkung.\nAlles lautet düster und verzagt, selbst der Jordanstrom,\nauf den sehnsuchtsvoll die Erinnerung gelenkt wird, Iliesst\ntraurig dahin. (Nr. 14. Alt-Arie aus der Passion.)\n„Drittes Bild. Esther und Mardochai. Warum ist dein\nverehrtes Haupt mit Asche bestreut, der Leib mit einem\nSack bekleidet? fragt die Pflegetochter. Mardochai berich-\ntet und gibt ihre persönliche Verwendung beim Könige\nals einziges Bettungsmittel an. Sie schwankt, denn das Ge-\nsetz verhänge den Tod über den, der ungerufen vor den\nKönig tritt. Mardochai: Zittere nicht, Königin, und ver-\ntraue der Liebe; fürchten soll man Gott allein. Esther: Ich\nwill zum Könige gehen; muss ein Opfer sein, o Gott, so\nnimm mein Leben und schone Deines auserwählten Vol-\nkes. Die schönen Gesänge Beider sind aus der deutschen\nPassion genommen. (Nr. 17 —19.) Ein Chor, eine Bitte\ndes Volkes, beschliesst den Vorgang; obwohl nur dreizehn\nTacte lang, ist die Situation darin vollständig erschöpft.\n„Das vierte Bild zeigt uns, wie Esther den König be-\nsucht und Gnade vor ihm findet. Von d6n vier Gesänsen"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "340", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591022-01.1.4", "texte": "sind zwei Arien und der abschliessende Chor: .\nh'iith and innoeencc, aus der Passion. Der ganz neu ge-\nsetzte schmeichelnde Gesang des Königs: „How\nstay\" —W ie kann ich weilen, wenn die Liebe ruft! —, hat\nein ausserordentlich treffendes Motiv, das namentlich bei\nder dritten Wiederholung durch den absteigenden Gang\nund die Verkettung der Tonarten seinen vollen Zauber\noffenbart. Ueber die ganze Scene ist eine grosse Anmuth\ngebreitet.\n„Der ganze letzte Theil des Oratoriums ist ein einziges\nBild, an Umlang den vier voraufgehenden gleich, an gei-\nstiger Grösse sie überragend. Der eigentlich menschliche\n% organg hierin, das Mahl bei Esther und die Verurtei-\nlung Haman's, erlischt fast ganz vor dem Strahlenglanze\neiner neuen Gott-Offenbarung, zu deren Verherrlichung\nder Tonmeister seine beste Kraft einsetzt. Den Anfang\nmacht der Ruf einer einzelnen Stimme zu dem Gott, der\nim ewigen Lichte wohnt, dessen Diener Winde und Feuer-\nilammen sind, die Bitte, nun, in entscheidender Stunde,\nsein Antlitz zu zeigen, vernichtend für die Heiden, heil-\nbringend seinem Israel. Das Gebet wirkt wie ein Zauberruf,\nder die Himmel bewegt und den Herrn Himmels und der\nErde im Gewitter herablockt. Sein Nahen schildert der\nfolgende grosse Chor: „He comesu —Er kommt, euer Elend\nzu enden —, der gleichsam das Universum in Bewegung\nbringt und alles in sich vereinigt, was eine solche Musik\nauf der Stufe höchster Vollendung in sich vereinigen muss,\ndas lurchthare Brausen eines Gewittersturmes, die Erha-\nbenheit grosser Naturmächte, die Einfachheit ungesucht\nnatürlicher Laute, die Kunst des grössten Meisterwerkes.\nDen Mitteltheil in D-moll: „Eartli trembleu Erde, er-\n/ittre, Jakob, erhebe dich und gehe deinem Gott entgegen!\n, muss man nur hören, um die unwiderstehliche Gewalt\nzu empfinden, mit der Israel sich zu dem in feuriger Wolke\nherablahrenden Herrn hingezogen fühlte. Die Anschauung\nist ganz alttestamentlich, obwohl nicht aus dem biblischen\nBuche Esther, sondern aus Hiob und namentlich aus der\nErzählung über die Gesetzgebung am Sinai gezogen eine\nIdee, die Händel seinem Dichter wird an die Hand gege-\nben haben. Die Wirkung einer solchen Naturerscheinung\nauf ein frommes israelitisches Gemüth kann nicht stärker\nund reiner gewesen sein, als die ist, welche HändeFs Töne\nhervorbringen. Was wir vorhin Psalmentreue nannten, er-\nscheint hier als historische Treue, als Treue des Charak-\nters in den höchsten Beziehungen. Und mit welchen un-\nglaublich einfachen Mitteln ist dieses Tonbild gestaltet! In\nden Singstimmen meistentheils Dreiklangfolgen, durch die\nnatürlichsten Gänge fortschreitend, ohne Fugen werk har-\nmonisch geordnet, nur hin und wieder nach Hauptschlüs-\nsen mit einigen kurzen Nachahmungen aufs Neue zu der\nMacht eines vollstimraigen Chors sich aufschwingend ; itt\nden Instrumenten ein wogendes Leben, das den Gesang\nhebt und trägt, fern von Tonmalerei, obwohl hier ein Ge-\ngenstand mit einem eigenartigen Naturlaute vorlag, über-\nall mit dem Gesänge innig verwachsen, eine herrliche Um-\ntönung dessen, was der Chor verkündet.\n„Als Haman geknickt ist, fleht er mit der feierlichen\nMusik aus der Passion Esther um Schutz an (Nr. 30);\n• •\naber sie weis't ihn höhnend zurück in einer fugirten Arie\n(.Flatt'ring tongue no more 1 hear tliee), die zu den ersten\nGesängen des Oratoriums gehört. Auch die folgende: „Ilm«\nart thou fall'nr —Wie bist du von deiner Höhe gestürzt!\neine moralische Betrachtung über den Sturz des all-\nmächtigen Günstlings, passender von einer Bassstimme in\nHaman's Namen, als von ihm selbst zu singen, ist bedeu-\ntend. Wäre in dem ganzen Werke irgend ein Gesang un-\nerheblich oder überflüssig, so müsste er in den Theilen\nstecken, die später für die an Bravourgesang gewohnte\nMenge hinzugefügt wurden, obwohl auch diese an Schön-\nheiten reich sind; das eigentliche Cannons-Oratorium ist\nin allen Theilen gehaltvoll.\n„In dem Schlusschor: „ The ,\nhaben wir das wahre Gegenbild des Chors, welcher den\nletzten Theil eröffnet, eine gewaltige, endlose Tonmasse,\ndie Händel, alle Mittel der Aufführung vergessend, hinge-\nworfen, um sich selber zu genügen. Die Chöre sind über-\nall lünfstimmig, und dieser letzte ist völlig so lang, wie alle\nvorhergehenden zusammen (29 Doppelseiten im Ciavier-\nAuszug). Eine solche, selbst bei Händel ungewöhnliche\nAusdehnung ist hier nicht ohne inneren Grund; denn die\nFreude Israels, die zu Anfang durch Haman plötzlich zu-\nrückgedrängt wurde, strömt jetzt um so stärker, um so\nrauschender hervor und will ihre Länge und Breite haben.\nDer Chor hat neun Einschnitte; der dritte greift in den\nAnfang zurück, führt dann aber den neuen\nein, der von nun an als Band und Anhalt für die Einzel-\nstimmen, als feierliche, lautschallende Erhebung des Prei-\nses göttlicher Macht sich durch den ganzen Chor hinzieht;\nder vierte ist ein Solo für Alt, das in den fünften, eine\nneue Chorverflechtung des genannten ein-\nmündet; der sechste bildet eine kleine duettirende Strophe\nzwischen Esther und Mardochai, die wieder von dem fol-\ngenden Chor, einer neuen Gestaltung des Choral-Motivs,\nverschlungen wird; dem achten Absätze, einem canonischen\nDuett für zwei Bässe, folgt eine abermalige und noch ton-\nreicher entfaltete Gestaltung des durchwirkenden Grund-\ngedankens, worauf der feierliche Schluss erscheint.K\nDas Oratorium Esther besitzt in der That so grosse\ninnere Vorzüge, dass es, abgesehen von seinem historischen\nInteresse, bloss als musicalisches Kunstwerk betrachtet, ein"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "341", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591022-01.1.5", "texte": "Juwel in dem strahlenden Kranze der HändePsehen Ora-\ntorien ist, wenngleich die oratonsche Form darin noch\nnicht so vollkommen erscheint, wie Händel sie später ge-\nstaltete. Aber der ernste und grosse Stil ist bereits überall\nmehr als nur in seinen Elementen sichtbar und wagt sich\noft schon mit Erfolg an die Darstellung des Erhabenen.\nI einei treten hier zum ersten Male die Chöre als wesent-\nlicher Bestandteil eines Oratoriums auf. In den bisherigen\nCompositionen dieser Gattung folgte der eröffnenden Sin-\nfonie gewöhnlich eine Reihe von Recitativen und Arien,\nselten ein Duett, und nur am Schlüsse jedes Theiles ein\nChor, der in der Regel sehr kurz war. So enthält z. B.\nScarlatti s „Zedekias\" in zwei Abtheilungen 62 Nummern,\ndarunter zwei Sinlonieen oder Ouvertüren, zwei Duette und\nnur zwei Chöre. So Händel's in Italien geschriebenes Ora-\ntorium Lei Resurrczionein zwei Theilen 52 Nummern,\ndarunter nur zwei kleine Chöre.\nNun erschien die Esther mit einer Ouvertüre und nur\n3-3 Nummern, von denen aber 9 Chöre sind, und unter\ndiesen Nr. 27 „Tugend, Wahrheit, Unschuld\" von 7 Folio-\nseiten (Clavier-Auszug), Nr. 28 „Er kommt, uns zu be-\nfreienu von 11 Seiten, und der Schlusschor Nr. 34 „Der\nHerr hat unsern Peind besiegt4* von 29 Seiten, der längste,\nden Handel je schrieb, und der mit seinen kurzen Zwischen-\nsolis einen Preis- und Siegesgesang für sich allein bildet.\nSo führte Händel die Völkerstimmen in das Oratorium\nein, und das war ein ungeheurer Fortschritt. Wie sehr sie\nnachher in seinen grössten und herrlichsten Werken zur\nHauptsache wurden, und welche Wirkungen er bis auf\nunsere Zeit damit erreichte und in alle Zukunft erreichen\nwird, das wissen wir alle. Um so dankbarer müssen wir\ndesshalb Herrn Maier und der Verlagshandlung sein, dass\nsie uns durch den Clavier-Auszug die ersten Früchte der\nBegeisterung Handelns für das Auftreten von Volksmassen\nim Oratorium vor Augen gelegt haben; ein Jeder wird sich\nbeeilen, danach zu greifen, und dann um so mehr Theil-\nnahme der Gesammt-Ausgabe Händel's durch die\ndeutsche Händel-Gesellschaft widmen, die uns ge-\nwiss bald auch die Partitur der Esther bringen wird.\nMaier's Clavier-Auszug ist übrigens lange vor der Ent-\nstehung dieser Gesellschaft vollendet worden.\nDie Uebersetzung des englischen Textes, welcher un-\nter dem deutschen steht, ist ebenfalls von J. J. Maier. Er\nhat auf den Reim verzichtet, was wir ihm in einem Ora-\ntorium nicht gerade zum Vorwurf machen wollen; doch\nvermissen wir ungern den Gleichklang, wenn auch nur\nsparsam und mit Freiheit angewandt. Die grossen Schwie-\nrigkeiten einer solchen Arbeit kennen wir aus eigener Er-\nfahrung recht gut; im Ganzen verdient die vorliegende Lob,\nnur selten stösst man auf Widerspruch zwischen Text und\nMusik, wie z. ß. im ersten Rccitaliv, wo\nrace shall bleecl mit: „Sterben soll all jüdisch Blut\",\nwiedergegeben ist, wodurch der Haupt-Accent und der\nhöchste Ton d auf soll, anstatt auf jüdisch fällt.\nBehufs der Aufführung mit Orchester—zunächst für\ndie hier in Köln bevorstehende—hat Ferdinand Hiller\ndie Partitur instrumentirt und durch Einreibung der Num-\nmern des Anhangs, so wie durch einige Auslassungen und\nZusätze zweckmässig eingerichtet. Wir werden nach der\nAuflührung darauf zurückkommen.\n\nBeethoven.\nI.\nMit Vergnügen begrüssen wir die Erscheinung der\ndritten Auflage der\nT» * | , \\\nBiographie von Ludwig van Beethoven. Ver-\nfasst von Anton Schindler. Dritte, neu bear-\nbeitete und vermehrte Aullage. Münster, Verlag der\nAschendorff'schen Buchhandlung, 1860. II Theile\nin Bvo. Erster Theil. XXV und 272 S. Mit dem\nPortrait Beethoven's nach Schimon's Oelgemälde\nund zwei Facsimiles seiner Handschrift. Zweiter\nTheil. 373 S., mit Facsimüe seiner Notenschrift\nund der Handschrift von Breuning. Preis 3 Thlr.\nEs war Zeit, dass endlich das Buch, dessen reine Quelle\ndurch so vieles Schöpfen daraus gar mannigfach getrübt\nin die YY elt strömte, von seinem Verfasser einer neuen Be-\narbeitung unterworfen wurde. Diese liegt uns nun vor und\nist eine wirkliche, nicht bloss so genannte, voll von Ergän-\nzungen und Berichtigungen, und sowohl durch Einzelnes\nals durch ganze Abschnitte bedeutend vermehrt.\nZunächst erfahren wir im „Vorwort\" das Nähere über\ndie Entstehung dieser Biographie, was zur Beurtheilung\nder Stellung des Verfassers zu seiner Aufgabe nothwendig\nist, und dessen Mittheilung nur aus Rücksichten für Le-\nbende bei der ersten Aullage unterlassen worden.\nSchindler erzählt S. IX: „Bald nach des Meisters Hin-\nscheiden überschickte mir der Geheime Regierungs- und\nMedicinalrath Dr. Wegeier in Coblenz Notizen über Beet-\nhoven's Jugendjahre, überhaupt über dessen in Bonn ver-\nlebte Zeit, nachdem er von seinem Schwager, dem k. k.\nWirklichen Hofrathe Stephan von Breuning, erfahren hatte,\nwelchen Auftrag der sterbende Meister uns beiden in Be-\ntreff einer Biographie von ihm gegeben. Bei einem im\nJahre 1833 dem würdigen Manne gemachten Besuche zu\nCoblenz kam auch die Bede auf die ihm bereits von Wien\naus gemeldete Ablehnung von Friedrich Rochlitz, sich der\nihm zugedachten Abfassung nicht unterziehen zu können."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "342", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591022-01.1.6", "texte": "Da äusserte VVegeler: Das Beste für eine Biographie Beet-\nhoven's, unseres gemeinschaftlichen Freundes und bezie-\nhungsweise Lehrers, wäre, wenn wir Drei, nämlich We-\ngeier, Ferdinand Bies und der Unterzeichnete, uns zu die-\nser Herausgabe verbünden wollten; zugleich forderte er\nmich auf, diesen Plan mit Bies, den ich schon nach wenig\nTagen zu Frankfurt am Main sehen sollte, des Weiteren zu\nbesprechen, was auch geschah. Bies ging sogleich darauf\nein; indess schon bei Vorlegung der Beethoven'schen Briefe\nan ihn und Mittheilung verschiedener, mir zumeist bekann-\nter Erlebnisse mit dem Meister wollte es mir scheinen, als\nwerde ein gemeinschaftliches Zusammenwirken nach We-\ngeler's Plane kaum möglich sein. Bies legte nämlich Werth\nauf Dinge, die theils interesselos, theils verletzender Art\nwaren, darum keinesfalls vor das öffentliche Forum gehör-\nten. Er trug einen lang' genährten Groll gegen seinen Leh-\nrer und Freund im Herzen, den zu beschwichtigen mir\nnicht gelingen wollte, weil er sich auf Gründe gestützt. Im\nContexte wird davon die Bede sein müssen, um Beiden,\nLehrer und Schüler, gerecht sein zu können. Ueberhaupt\nvertheidigte Bies den Satz: Ueber grosse Männer darf Al-\nles ausgesagt werden; es schadet ihnen nicht.\n„Diese wenig erfreulichen Ergebnisse meiner Sollici-\ntationen wurden auf meiner Bückreise nach dem Nieder-\nrheine Wegeier mitgetheilt, von ihm jedoch ohne sonder-\nliche Ueberraschung angehört. Ich fasste Muth, mir seine\nZustimmung zu erbitten, in der in Bede stehenden Sache\nmit ihm allein vorzugehen. Anfänglich Bedenken findend,\nwilligte er endlich unter der Bedingung ein, dass von bei-\nden Seiten unverzüglich an die Ausarbeitung geschritten\nwerde. Ich versprach es. Allein schon beim ersten Versuche,\ngewünschter Auskünfte über mancherlei Punkte vermittels\nCorrespondenz aus Wien habhaft zu werden, zeigten sich\nHindernisse und lange Zögerungen, die zu einem Verschie-\nben der Arbeit nöthigten. Wegeier verlor darüber die Ge-\nduld. Unterm 28. October 1844 machte er mir die An-\nzeige, den Druck seiner Aufzeichnungen sofort besorgen\nzu wollen. Dazu ist es indess nicht gekommen, vielmehr\nwurde, mit Bies weiter unterhandelt.\n„Das niederrheinische Musikfest 1837 zu Aachen\nl ührte Bies und den Unterzeichneten zu vereintem Wirken\nanbei auf volle fünf Wochen zusammen. Wegeler's Plan\nward daselbst mehrfach von uns besprochen, die Besultate\nblieben aber nicht mehr wie ehedem im Zweifel, im Ge-\ngentheil, Bies' hartnäckiges Festhalten an seiner Willens-\nmeinung hätte beinahe einen Zwiespalt zwischen uns zur\nFolge gehabt. Kurz, schon im nächsten Jahre, bald nach\nseinem plötzlichen Dahinscheiden, erschienen: „„Biogra-\nphische Notizen über Ludwig van Beethoven\"\" wn We-\ngeier und Bies.\n„In Wien befand sich der Hof- und Gerichts-Advocat\nDr. Johann Baptist Bach, mit dessen Persönlichkeit der\nLeser weiterhin näher bekannt werden wird. Hier am Orte\nsei bloss angeführt, dass derselbe eine der hervorragend-\nsten juristischen Autoritäten der Kaiserstadt und Beetho-\nven's Vertreter in Bechtssachen gewesen; aber auch in mu-\nsicalischen Angelegenheiten wichtiger Art ward er vom\nMeister mit zu Bathe gezogen. Der Verfasser durfte diesen\nausgezeichneten Mann, in dessen Kanzlei er während sei-\nner Studienzeit gearbeitet, zu seinen besonderen Gönnern\nzählen. Weil derselbe sich lebhaft für baldiges Zustande-\nkommen einer Lebensschilderung des Meisters inleressirte,\nüberdies derjenige war, der unter allen Umständen als\nsehützende Aegide bei diesem Unternehmen gelten durfte,\nwenn es nach dem buchstäblichen Verlangen Beethoven's\nausgeführt werden sollte, so musste er von den Vorgängen\nmit Wegeier und Bies unterrichtet werden.\n„Ganz unerwartet erwiderte er mit der Aufforderung,\ndass ich allein und unverzüglich an die Abfassung einer\nbiographischen Schrift gehen solle, er werde mich in jeder\nmöglichen Weise dabei unterstützen; zugleich äusserte er\nden Wunsch, das Manuscript zu kritischer Durchsicht zu\nerhalten. Dies war der Sporn, mich alsbald an den Schreib-\ntisch zu setzen, fern jedoch von jeder Spur eines\nbiographicus.\n„Nicht ohne Bangen wanderte die Ausarbeitung zur\nCensur nach Wien, fand indess im Ganzen keine ungün-\nstige Aufnahme daselbst; nur hat des Gönners Bothstift\nwider alle Erwartung arg darin gehaus't. Dem Freunde\nvon Kürze und Bündigkeit in der Darstellung—im Gegen-\nsatze zur üblichen Advocaten-Praxis - erschien Manches\nzu ausführlich; Thatsächliches, mit der Geschichte der Zeit\nCollidirendes, wenngleich in Bezug auf unseren Meister als\nganz besonderes Charakteristikum zu betrachten, erklärte\ner als gefahrbringend für uns beide. Darum ward nach\nCensoren-Art ohne Bücksicht auf inneren Zusammenhang\nund Motivirung gestrichen. Manches nun Nachgeholte wird\nzeigen, was der Hof- und Gerichts-Advocat aus dem Buche\nentfernt hat.\n„Kurz, unter vorbenannten Cautelen und Beschränkun-\ngen konnte das Buch in erster Auflage erscheinen. Vor\nGalgen und Bad war der Verfasser hinreichend sicher ge-\nstellt, nicht aber vor Verdächtigungen und Bänken, die\nalsogleich bemüht gewesen, der Sache in weiten Kreisen\nzu schaden, ohne jedoch offen dagegen aufzutreten. Dieses\nzu enthüllen, gebietet Beethoven's Sache, aber auch das\nInteresse des musicalischen Publicums. Es soll in dem Er-\ngänzungs-Aufsatze „ „Beethoven's Studien\"\" geschehen.\""}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "343", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591022-01.1.7", "texte": "Berichtigung.\nWir haben in Nr. 39 eine Notiz aus den Wiener Blättern\nfür Mueik u. s. w. mit Angabe der Quelle abgedruckt, welche\nH. von Bülow's Ansichten über Wagner's Musik zu „Tristan\nund Isolde\" enthielt und besprach. Wir konnten natürlich nicht\nanders als voraussetzen, dass jene Ansichten irgend einem durch den\nDruck veröffentlichten Artikel entnommen wären. Herr von Bülow\ntheilt uns aber mit, dass sie einem Privatbriefe an Dr. Brendel ent-\nlehnt sind, und ersucht uns, zur Aufklärung der Sache die Abschrift\nseines Schreibens an Dr. L. A. Zellner in Wien zu veröffentlichen,\nwas hiermit geschieht. Die Redaction.\nHerrn Dr. L. Zellner in Wien, Redacteur der Blätter für\nMusik.\nSehr geehrter Herr Doctor !\nIn einer der letzten INuminern Ihres geschätzten Blattes, die mir\nso eben zu Gesicht kommt, lese ich die Reproduction eines Privat-\nbriefes an meinen Freund Dr. lirendel, den dieser die Indiscretion\nhatte, in seiner Zeitung abdrucken zu lassen, dabei jedoch so höf-\nlich war, dem Abdruck ein Bekenntniss seiner Indiscretion voranzu-\nschicken. Die Redaction der Wiener Blätter für Musik behandelt im\nWiderspruch hiermit vor ihren Lesern meinen auch schon durch seine\nflüchtige, ungefeilte Fassung als solcher erkenntlichen Privatbrief\nals einen offenen und benutzt ihn zu wenig freundlichen Commenta-\nren, denen mein Schreiben offenbar nicht ausgesetzt zu werden be-\nstimmt war. Ich kann nicht umhin, Ihnen auszusprechen, dass ich\ndieses Verfahren von Ew. Wohlgeboren Tact und Geschmack zu er-\nwarten nicht eben veranlasst sein konnte. Ich wünschte mich über\ndie Motive, welche die Redaction überhaupt zum Abdruck bestimmt\nhaben mögen, mit einem gewissen Optimismus zu täuschen. Jedoch\ndie bereits beregten Commentare der Redaction, vornehmlich die Va-\nriation über das bekannte Thema vom ~Eifer der Freunde\", qualifi-\nciren sich dazu, einen persönlichen „dolus\" gegen den ~Freund\"\nWagners vermuthen zu lassen. Es ist dies eine der beliebtesten\nBlumen in der Anthologie der Sophismen unserer Gegner, eine der\nhandlichsten Waffen ihres Arsenals: die Freunde zu verdäch-\ntigen; wo möglich in den Augen derer, für die sie mit\nAufopferung aller Persönlichkeitsregungen kämpfen,\nals unwillkürliche Beschädiger verhasst zu machen.\nIch wüsste mir wirklich keinen plausiblen Grund vorzustellen,\n*arum Ew. Wohlgeboren speciel gegen mich, der stets nur mit Ach-\ntung und Artigkeit von Ihrem Wirken gesprochen und geschrieben,\neine derartige Tendenz concipirt haben sollten, und darf daher wohl\num so eher auf Berücksichtigung meines dringenden Wunsches hof-\nfen, wenn ich an den Gentleman im Schriftsteller ap-\npellire: die in der besagten Notiz versäumten erklärenden Ent-\nschuldigungen d<?e Abdruckes eines Privatbriefes gefälligst bald nach-\nholen zu wollen.\nIch benutze diese Gelegenheit u. s. w.\nHans v. Bülow.\nBerlin, 20. September 1859.\nHerr Dr. Zellner hat für gut befunden, von dieser Reclamation\nkeine Notiz zu nehmen. Es folgt hieraus, dass ich an eine abwe-\nsende oder nicht existirende Person appellirt habe\nH. v. B\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nÄoli». Herr Capellmeister Ferdinand Hiller ist von der\nphilharmonischen Gesellschaft in London zum Ehren-Mit-\ngliede ernannt worden.\nDie erste Hälfte der Gesellschafts-Concerte dieses Win-\nters im grossen Gürzenichsaale ist folgender Maassen festgesetzt:\nDinstag den 25. October;\nDonnerstag den 10. November (Schiller-Feier ;\nDinstag den 22. November;\nDinstag den 6. December;\nDinstag den 2'L December.\nIn dem Concerte zum Schillerfeste wird eiDe zu dieser Feier vor.\nF. Hiller componirte Cantate und Beethoven's neunte Sinfonie\nmit dem Schlusssatze über Schiller'« Ode an die Freude aufgeführt\nwerden. Für die Anordnung einer dramatisch-declamatorisehen\nteier am 9. und li. November ist ein Comite zusammengetreten.\nHe.r Karl Mandel, Irülier Capellmeister beim k preussisChen\n33. Infanterie-Regiment, gegenwärtig Lehrer der Harmonie an der\nMilitär-Musikschule zu London, hat uns bei seiner Durchreise einen\nsehr sinn g erdachten und praktischen Apparat zur Erleichterung des\nTransponirens in alle Tonarten und in alle Stimmungen der\nBlas-Instrumente vorgelegt, der durch seine leichte und bequeme\nAnwendung die Aufmerksamkeit besonders derjenigen Musiker ver-\ndient, die im Falle sind, sich viel mit Eiurichtung von Orchester-\noder Claviersachen für Militär- oder Harmoniemusik zu beschäftigen.\nDerselbe hat auch ein Werk über Instrumentirung für Militär-\nmusik herausgegeben: A TreutiseOH\nBands; describing the cliaracler and proper emptoyment of every mu-\nsical Instrument used in reed Bands. London, Boosey and Sons. 68 S.\ngl. 4. eine klar und fasslich geschriebene Anleitung zur Kennt-\nniss aller bei der Militärmusik benutzten Instrumente, ihrer Natur\nund der Sphäre ihrer Anwendung, Alles durch ausführliche Noten-\nbeispiele erläutert Wir glauben, dass eine deutsche Bearbeitung des\nWerkchens willkommen sein würde.\nNcfiwerfin (Mecklenburg). Der grossberzogliche Schloss-Chor\nwurde im Jahre 1855 nach dem Muster des berliner k Dom-Chors\ngebildet, um wie in Berlin ausschliesslich nur liturgischen Zwecken\nzu dienen. Derselbe besteht gegenwärtig aus 8 Sopranen, 6 Alten, 5\nlenöien und o Bässen, dirigirt von dem kenntnissreichen Musik-Di-\nrector Julius Schaff er. Derselbe zieht die Aspiranten und Re-\nservisten der beiden oberen Stimmen zu allen Uebungen heran und\nlässt sie bei öffentlichen Productionen mitwirken; so gelingt es, ein\nrichtiges Verhältniss zwischen Männer- und Knabenstimmen herzu-\nstellen, da letztere bei gleicher numerischer Stärke gegen die erste-\nren zu schwach erscheinen würden. Die Aufführungen, welche am\n14 October 1855 zum ersten Male begannen, finden seitdem an allen\nSonn- und Pesttagen in der Schlosskirche Statt, und ausserdem seit\nzwei Jahren einige Kirchen-Concerte im Winter, deren Ertrag den\nChoj-Mitgliedern zu Gute kommt. Beim Grottesdienste werden ausser\nden gewöhnlichen Kesponsorien die Introiten der einzelnen Sonn- und\nFesttage, das Kyrief (xloridy Patrem, Sanctus, Bcnedictus, Agnus JDei,\neinze.ne Psalmen und andere Stücke nach herilichen, meist alt-kirch-\nlichen Tondichtungen auf das trefflichste ausgeführt. In den Concer-\nten wurden bisher zu Gehör gebracht: Palestrina's Satictns aus der\nMarcellus-Messe, Sicut cervus? 0 botie Jesuf J'enebrcie, Vittoria's 0\nvos ortines, Lotti's sechs- und achtstimmige Crucißxus, Petri's Ado-\nrarnus le Christe, Mozart's Ave verum und Misericordias Domini, fer-\nner Stücke von M. Haydn, Gallus, Heinrich Schütz, Hammerschmidt}\nMichael Bach, Motetten und 22. und 2c£. Psalm (achtstimmig) von\nMendelssohn, ausserdem Choräle von Bach, Eckard, Vulpius, Schrö-\nder, Prätorius u. s. w., und weltliche Chorlieder von Mendelssohn,\nFranz, Neithard, Sehäffer u s. w. (Die geistlichen Gesänge sind\nsämmtlich in der sowohl durch Inhalt als Correctheit trefflichen\nSammlung „Musica sacra des k. Dom-Chors\", Berlin, Sehlesinger, in\nPartitur und in. ausgesetzten Stimmen enthalten.)\nDer in Stuttgart verstorbene Freiherr v. Wiesenhüiten hat\ndem österreichischen Componisten und Hofmusicus Abert in Stutt-\ngart eine beträchtliche lebenslängliche Rente vermacht."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "344", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591022-01.1.8", "texte": "Wteiii Die Concert-Saison wurde, wenn auch nicht auf glän-\nzende, so doch gewiss auf ganz eigenthümliche Weise eröffnet. Herr\nAlexander von Lasarew veranstaltete am 9. October im grossen\nKedoutensaale ein ~Concert neuer Musik im Geiste und Charakter\nder Slaven\". Zur Aufführung kamen: „Der Tod des Holofernes\",\nOuvertüre, ~Die Schöpfung der Welt\", Oratorium in drei Abtheilun-\ngen, und „Das jüngste Gericht\", Oratorium. Diese beiden Oratorien\nsind ebenfalls Instrumentalwerke, haben aber, wie die Ouvertüre,\nein ausführliches Programm, „an das das P. T. Publicum höflichst\nersucht wird, sich zur genaueren und vollständigeren Auffassung\nder einzelnen Momente der Musik streng zu halten.\" Ueber die\nComposition lässt sich nichts sagen, als dass sie eben nicht schlech-\nter ist, als viele jener Ausgeburten, welche uns die „neudeutsche\nSchule\" bescheert. Ohne Programm würde man offenbar keine\nAhnung haben von dem, was der Componist auszudrücken beab-\nsichtigte, und es könnte der Tod des Holofernes eben so gut die\nSchöpfung der Welt vorstellen, diese das letzte Gericht u. s. w. Es\nmochten sich ungefähr hundert Personen zu diesem Concerte einge-\nfunden haben, welche in lautloser Stille ihr Schicksal ertrugen.\nWahrhaft originel und dem weisen Ben Akiba zum Trotz „noch\nnicht da gewesen\" ist folgende Anzeige, welche an der Spitze des\nProgramms, wahrscheinlich als Schreckschuss für das natürlicher\nWeise wenig disponirte Orchester, gedruckt war: „Herr Alexander\nvon Lasarew, Compositeur neuer Musik im Geiste und Charakter\nder Slaven, von dem Wunsche durchdrungen, seine musicalischen\nCompositionen, welche in Deutschland, Frankreich und Italien den\nungetheilten Beifall fanden (.Journal des Debats, 9 Decembre 1854,\nLe Nord et Moniteur franqais, 2, 3 et 17 Janvier 1859, Neue Preus-\nsische Zeitung, 27. October 1857 u. s. w.), der Beurtheilung des\nkunstliebenden Publicums in Wien zu unterziehen, erlaubt sich zur\nKenntniss zu bringen, dass in dem von ihm zur Aufführung seiner\nCompositionen und mit Bestreitung aller Kosten zum Zwecke der\nWohlthätigkeit veranstalteten Concerte die Musikstücke im Falle des\nNichtgelingens wiederholt und nur bei gelungener, präciser Auffüh-\nrung die Aufschrift der Piece abgenommen werden wird.\"\n(W. Kec.)\nBezüglich der angeblichen Verpachtung des Operntheaters in\nWien versichert ein wiener Correspondent der Grazer Zeitung, dass\nman an betreffenderstelle nichts von jener Verpachtung wissen will,\ndaher auch die in den wiener Zeitungen gebrachte Notiz von einer\npachtweisen Ueberlassung dieses Theaters der Begründung entbeh-\nren dürfte."}]}