{"numero_id": "bm-bmtnabi-1859-10-29-01", "volume": "bmtnabi_1859-10-29_01", "ocr_sha256": "eb25f2dbe22bf65a83f3c6fcd7c39efbae0a08badf9a9ba3ea6937645d5a43b1", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1859/10/29_01/bmtnabi_1859-10-29_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591029-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1859-10-29-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-10-29_01#c001", "volume": "bmtnabi_1859-10-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "345", "page_fin": "345", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591029-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "345", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591029-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 466, "texte": "Inhalt.\nMusicalische Früchte, gebrochen in dem heissen Sommer 1859 in der Thermenstadt Wiesbaden. Von W. W. Aus\nAachen (Beginn der Abonnements-Concerte). Von N. Erstes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unter-\nhaltungsblatt (Köln, Schiller-Fest - Mülheim a. d. Ruhr, Concert - Kassel, Dr. Louis Spohr f Frankfurt a. M., Fräul. Fran-\ncisca Veith Potsdam, J. 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Dieser Umstand erklärt sich\nallerdings nur in der grossen Bestimmung, welche dieser\nparadiesische Garten, dieses Eden, dieses Eldorado als\nZufluchtstätte so vieler Müden, Gesunden und Kranken,\nZerstreuung wie Aufregung Suchenden auf unserem Pla-\nneten hat.\nDie nie rastende Oper beschenkte uns mit Flotow's\n„Alessandro Stradella\" mit Herrn Prelinger als Alessandro,\nHerrn Abich als Bassi, Fräul. Barth als Leonore, Herrn\nSimon und Herrn Auerbach als Malvoglio und Barbarino.\nAls neu für hier war „Des Teufels Antheil\" von Auber mit\nFräul. Frassini als Carlo Broschi und Herrn Schneider,\ndem bekannten gediegenen Oratoriensänger, als Rafael,\nFräul. Herbold alsCasilda, Herrn Abiger als Ferdinand VI.\nund Frau Hagen als Maria Theresia. Die Musik ist als\nAuber'sche bekannt. Die Oper war gut einstudirt. Dann\nhatten wir Halevy's „Jüdin\" mit Herrn Auerbach als Elea-\nzar, Fräul. Lehmann als Recha, Fräul. Tipka als Prin-\nzessin, Herrn Lipp als Cardinal und Herrn Prelinger als\nHerzog Leopold. Die gute Besetzung dieser Oper, in wel-\ncher die Genannten recht an ihrem Platze sind, stellt die\nwirksame Aufführung derselben niemals in Frage. Für\nHerrn Auerbach ist die Rolle um so geeigneter, als sein\nfeuriges Spiel eine nicht unwesentliche Unterstützung seines\nGesanges ist. Der „Liebestrank\" von Donizetti mit Fräul.\nFrassini als Adina, Herrn Prelinger als Nemorino, Herrn\nSimon als Belcore und Herrn Abiger als Dulcamara ent-\nzückt das Publicum durch seine Komik nicht minder, als\ndurch die Leistungen des Fräul. Frassini, welche für jede\nOper ein Magnet ist. Fräul. Frassini erfreut in dieser Oper\ndas Publicum mit einer kleinen Beilage, dem bekannten\nWalzer von Luigi Venzano, mit dem sie Herzen, Fiisschen\nund Hände in Bewegung setzt. An demselben Abend sah\nich ein komisches Ballet, „Das schlecht bewachte Mädchen\",\nvon dem Balletmeister Opfermann in Scene gesetzt. Es ist\nrecht unterhaltend und erreicht aufs vollständigste seineu\nZweck. Herr Opfermann jun., Fräul. Rosa Opfermann und\nHerr Opfermann (Vater) excelliren darin und haben recht\nartige Gelegenheit, ihr Talent zu bekunden. Immerhin\nbleibt es sehr zu bedauern, dass die eben genannte Familie\nmit dem 1. October die hiesige Bühne verlassen hat. Sie\nist am Stadttheater zu Frankfurt auf ein Jahr engagirt\nworden. Herr Opfermann jun. ist ein ganz bedeutender\nTänzer, und ihm vollkommen ebenbürtig ist seine Schwe-\nster, Fräul. Rosa Opfermann.\nDer Barbier von Sevilla ist wieder eine willkommene\nArena für Fräul. Frassini, die als Gesang-Einlagen einmal\neine Arie von Donizetti, ein Schweizerlied von Nina Esch-\nborn und den Ricci'schen Walzer brachte. Auch Norrna\npassirte wieder die Bühne, in welcher Herr Franosch als\nOrovist neu war. Herr Franosch war noch zu wenig be-\nschäftigt, als dass ich ein Urtheil über seine Leistungen\nwagte; indess könnte man vorläufig sagen, dass seine Stimme\neine gewisse Härte und Schärfe besitzt, welche noch einer\ngrösseren Ausgleichung Platz machen muss. Ausser der\nsaftigen Südfrucht „Rigoletto\", von der das Publicum\nmehrere Male ass und sich daran gesättigt zu haben scheint,\nbrachen wir noch eine andere, fast giftige, Betäubung und\nErbrechen erregende; wir meinen die jungfräuliche Oper\n„Violetta\" (La Traviata), in welcher die Musik so keusch\nist, als das pikante Sujet. Verdi ist bekanntlich der Erzeu-\nger dieser entarteten, ausschweifenden, fessellosen, ja, wol-\nlüstigen Musik, die eine Herabwürdigung aller Kunst ist\nund ein Faustschlag ins Gesicht aller Aesthetik, ja, jedes"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "346", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591029-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5451, "texte": "natürlichen Gefühls. Das hier stabile Publicum hat bereits\nüber diese beiden Opern zu Gericht gesessen und sie mit\nRecht „Bord.. Opern\" benannt. Es wäre nicht ungerecht-\nfertigt, wenn sich an einem schönen Abende bei Vorfüh-\nrung einer dieser sauberen Schwestern im Musentempel\neine deutsche Volks-Justiz ins Mittel legte, diese Musik aus\nStadt und Land zu verjagen. Wir unsererseits bedauern\nsehr, dass Fräul. Frassini ihre herrlichen Mittel zu solcher\nMusik verwendet. Fräul. Frassini strebt sichtbar nach dem\nt'\nLobe, dass sie in jeder Musikgattung singen könne; sie\nleistet auch fast gleich Grosses in der komischen wie in der\ngrossen Oper; aber warum muss sie denn die Hand\nnach einer solchen Partitur ausstrecken, sie, ein deutsches\nMädchen*)? Ungleich grösseres Lob verdient sie, wenn sie\nihr Repertoire mit Rollen wie die der Elsa im Lohengrin\nerweitert.\nLa Traviataist noch durch eine Kranken- und Sterbe-\nScene (im letzten Acte natürlich) bemerkenswerth, die an-\nzusehen und anzuhören etwas so Widerliches und Pein-\nliches ist, wie wir noch nie empfanden. Wir haben Fräul.\nFrassini als Leonore im Troubadour nicht gehört, da wir\nvom vorigen Jahre her noch genug an dieser Oper hatten.\nIm Lohengrin gab auch Fräul. Tipka die Elsa, und\nihre Auffassung und Ausführung dieser Partie verdient\ngrosses Lob.\nWenn wir noch länger von der Oper reden, so ist es\nnur noch um eines in der Theaterwelt populären Namens\nwillen: Karl Formes.\nKarl Formes steht als Sänger und Darsteller auf jener\nStufe, wohin Genialität einen Künstler stellt; er ist ein ge-\nborener Künstler, wesshalb ihn die ausserordentlichsten,\nallgemeinsten Erfolge begleiten werden, wie der Schatten\nseinen Körper. Auch er bekundet jene Vielseitigkeit, die\nder Frassini eigen ist; Formes ist von gleich grosser Wir-\nkung in der Operabuffa, wie in der Er war\nvon der herzoglichen Intendanz für fünf Gastrollen enga-\ngirt, zu welchen indess noch eine letzte Gastdarstellung\n(13. September) und noch eine Gastdarstellung „auf\nvielseitiges Verlangen\" (18. September) kam.\nSein erstes Auftreten war im „Robert\" mit Fräul.\nFrassini als Isabella, Herrn Auerbach als Robert, Fräul.\nLehmann (Alice), Herrn Peretti (Raimbaud). (Erhöhte Ein-\ntrittspreise fanden beim jedesmaligen Auftreten von Formes,\nwie von der Frassini Statt; kein Abonnement während der\nSaison.) Die zweite Gastdarstellung war S'igaro in der\ngleichnamigen Oper, mit Fräul. Frassini als Susanne; die\ndritte Rolle war Marcel; die vierte eine Wiederholung des\nFigaro; die fünfte Rolle nochmals Marcel, mit Fräul. Fras-\nsini als Valentine, Herrn Auerbach als Raoul, Fräul. Tipka\n(Margarethe), Herrn Abiger (Gouverneur desjLouvre, Gral\nvon St. Bris), Herrn Simon (Graf von N vers). Die letzte\nGastdarstellung war sein Leporello, mit Fräul. Frassini als\nDonna Anna, Herrn Simon als Don Juan, Herrn Franosch\n(Gouverneur), Fräul. Tipka (Donna Elvira), Herrn Schnei-\nder (Don Ottavio), Fräul. Barth (Zerline), welche Oper\nwenige Tage nachher auf vielseitiges Verlangen wiederholt\nwerden musste. Herr Formes sang also sieben Mal, und\nzwar jedes Mal mit seiner rheinländischen Schwester, Fräul.\nFrassini. Das Haus war jedes Mal zum Erdrücken voll, der\nBeifall ein eben so erdrückender für beide Künstler, dessen\nsie sich wohl noch in ihren ältesten Tagen erinnern dürften.\nHerr Formes, welcher sich hier am Fusse des Nero-\nberges, der alljährlich ein köstliches „Nass\" liefert, häus-\nlich, ja, grundlich niedergelassen hat, beabsichtigt einem\non ditzufolge eine zweite Reise nach dem fernen Westen.\nDen Schlussstein der Gastdarstellungen des Fräul.\nFrassini, welche vom 3. Juli bis zum 9. October 29 Mal\naufgetreten ist, legte ihre Elsa von Brabant im Loherigrin.\nEs ist diese Vielseitigkeit der verehrten Künstlerin wirk-\nlich erstaunenswerth; auch hier genügte sie nicht allein\nallen Anforderungen, die der Componist und Dichter an\ndie Sängerin und Darstellerin der Elsa macht, viel mehr\nnoch, als das: sie verlieh dieser Gestaltung so viel Inner-\nlichkeit, Reinheit und Erhabenheit, dass Wagner sagen\nwürde, so habe Elsa seiner Seele vorgeschwebt. Um der\nAbschiedsrolle des Fräul. Frassini vielleicht noch mehr\nCharaktereinheit und Glanz zu verleihen, hatte man eigens\nHerrn Schnorr vom grossherzoglichen Hoftheater in Karls-\nruhe eingeladen, um die Rolle des Lohengrin zu überneh-\nmen. Das ist ein Tenor, wie man ihn sich wünschen kann:\nnatürliche Kraft und Gleichheit einer Stimme, die ohne die\nleiseste Anstrengung, ohne Laufen und Jagen über die\nBühne, ohne alles Arm- und Kopfwerfen einen Ton hören\nlässt, der neben seiner räumlichen Kraft alles Harte, Ge-\npresste und Gedrückte ausschliesst. Der ganze Umfang der\nschönen Stimme scheint Ein Register zu sein. Jeder Ton\ndes Herrn Schnorr ist ein Brustton. Sein Spiel war edel\nund wahr, meist jedem Haschen nach Effect fremd. Dabei\nist Herr Schnorr eine grosse, imponirende Gestalt; er soll\nerst 24 Sommer zählen, wie ein hiesiges Blatt sagt, und\nin Dresden mit 4000 Thlr. engagirt sein. Sein Costume\nkonnte uns im zweiten Acte nicht zusagen; es erinnert fast\nzu sehr an den Meyerbeer'schen Propheten. Er sah zu sehr\naus wie eine Art Oberpriester, wie ein Fürst, der zugleich\nein hohes geistliches Amt verwaltet. Allerdings wird Herr\nSchnorr dieses Costume durch Wagner's Idee von dem hei-\nligen Gral und dessen zu solchen zarten Missionen ver-\nwandten Rittern zu rechtfertigen wissen.\n\n*) Hat sie denn das Repertoire bei dem Hoftheater in Wies-\nbaden zu bestimmen? Die Redaction"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "347", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591029-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5244, "texte": "Ausser der bekannten Besetzung muss ich noch von\nHerrn Abiger reden (Heerrufer des Königs), welcher eine\nkräftige Bassstimme besitzt, dabei eine reine, feste Intona-\ntion. Einen besseren Heerrufer halte Nassau noch niemals.\nWenige Tage vorher hatte zum Vortheil des Fräul.\nFrassini eine in Bezug auf Mannigfaltigkeit ausserordent-\nliche Vortellung Statt gefunden; auch hier bot jede Lei-\nstung der Künstlerin Vorzügliches. Verwelkten die Blu-\nmen nicht, welche der genialen Künstlerin während des\nSommers, vorzüglich aber an diesem und den letzten Aben-\nden ihres Auftretens, gespendet wurden Fräul. Frassini\ndürfte sich ein eigenes Blumenhaus oder so eine kleine\nBlumengärtnerei anlegen, um sie mit Erinnerungen der\nLiebe an ein durch sie entzücktes Publicum mit Müsse be-\ntrachten zu können. Das dankbare Publicum verliess in\neinem Rausche des Enthusiasmus das Haus. Wir müssen\nauch mit Freude bekennen, dass sämmtliche Leistungen\ndes Fräul. Frassini unübertrefflich waren, trotzdem, dass\nman versichert, die Künstlerin sei an jenem Abende lei-\ndend gewesen.\nZu Anfang Octobers kehrte die Theater-Maschine wie-\nder in ihr gewohntes Geleise zurück, um den Winter-Cur-\nsus zu durchlaufen.\nEine übersichtliche Musterung der Concerte mag mei-\nnen diesmaligen Quartalbericht abschliessen.\nDie grösseren Bäder spielen in der Geschichte der Ge-\ngenwart eine Rolle; sie concentriren während der so ge-\nnannten Saison ein artiges und nach vielen Seiten hin\nhöchst interessantes, zu Studien anregendes und über Stu-\ndien Aufschluss gebendes Stückchen Menschenleben, ein\nStückchen Welt im engeren, dafür aber auch desto über-\nsichtlicheren Rahmen. Die da Heilung und Gesundheit Su-\nchenden und ernstlich Erstrebenden bilden ein gar kleines\nHäuflein, und alljährlich desertiren von ihnen viele in das\nbei Weitem grössere bunte Lager. Vergnügen, Zerstreuung,\nAufregung und Erregung, das ist die Parole der Mehrzahl\nder Bade- oder richtiger der Spielgäste.\nDa nun Sing- und andere Vögel, Lockvögel u. s. w.\nnicht ausreichend sein würden, den Hain der Wonne und\nLust zu bevölkern, so verabsäumt es die Leitung der Fest-\nlichkeiten nicht, Künstler und Künstlerinnen herbei zu zie-\nhen, um Gold und Lorbern, wenigstens aber Blumen in\nihren Schooss zu schütten, den theilweise wieder zu leeren\nihnen von Mittags 11 bis Abends 11 Uhr frei gegeben ist.\nAlso : Herbei, herbei!\n„Entzückung dringt durch alle Sinne,\nGewahr' ich diesen Dämmerschein:\nDies ist das Zauberreich der Minne,\nIn den Cursaal drangen wir jetzt ein!\" (Tannhäuser.)\nDa hatten wir von Mitte August an, nachdem schon\nein ganzes halbes Dutzend oder mehr Concerte Statt ge-\nFunden hatte, ein „grosses Concert\", gegeben von dem\nauf dem Programm sich berühmt nennenden eilfjährigen\nPianisten und Componisten (?) Henri Ketten, unter Mit-\nwirkung von Mad. Cambardi, Sängerin der italiänischen\nOpernwirthschaft zu Paris, und Herrn Seligmann, des\nVioloncellisten. Herr Seligmann spielte ein Morceau de\nConceri sur la Juive und ein Rondo du Concerto de Vio-\nloncelle, dedie au Hot de llollandc, und „violoncellte\" auch\nnoch „Die schönsten Augen\" als\ndeStigeüi.Der eilfjährige Pianist-Componist spielte ein von\nihm componirtes Nocturne, Thalberg's Grande Fantaime\nsur la Sonnambule und mit Orchester-Begleitung Mendels-\nsohns Capriccio,Op. 22. Die Leistungen des talentvollen\nKnaben sind ausserordentlich; allein wenn der eigene Va-\nter sein Kind öffentlich auf Placaten und Programmen be-\nrühmt und es einen Componisten, dazu noch einen „be-\nrühmten\", nennt, so verdient das Kind Bedauern und\neinen Vormund.\nDann gab Herr Haas, königlich hannoverscher Hof-\nsänger, unter Mitwirkung von Fräul. Lehmann, Fräul.\nOctavie Caussemille und Herrn Vivier aus Paris, ein Con-\ncert. Die gutmüthige und niemals mit Dank oder Blumen-\nspenden noch Hervorruf belohnte Militärmusik eröffnet ge-\nwöhnlich den Concert-Reigen, der in zwei Hälften zerfällt.\nDass diese Hälften immer ehelich oder auch nur ehrlich\neinander angetraut wären, kann man nicht sagen. Herr\nHaas gefällt sich bekanntlich in sentimentalen, auf das em-\npfängliche Frauenherz wirkenden Liedern, besitzt aber noch\nimmer einen schönen Bariton. Fräul. Caussemille clavierte\nLa Sonnambulavon Leybach, von\nihr selber comprimirt und compromittirt, und ein\nd'Othellovon Goria. Herr Vivier machte in einem\nfour Cor seine bekannten Kunststücke; er gab mit seinem\nHorn, oder besser gesagt: durch sein Horn, zuweilen drei\nund vier Töne zugleich von sich; aber mit diesen hornigen\nHarmonieen oder gehörnten Phantasieen setzt man einem\nguten deutschen Hornisten so leicht kein Horn.\nSpäter kam Herr Ferdinand Ludwig, Pianist, mit\nFräul. Ottilie Schmitz, von vielen Hoftheatern entfernt\nwohnend, Herr H. Wieniawski und Herr Jakob\nFranco-Mendes. Herr Ludwig spielte Chopin's Polo-\nnaise in D-mollund von sich selber slawische Träume und\nein Schweizerlied, eine Erinnerung von Joachim Raff. Herr\nMendes-Franco phantasirte und melodirte; Fräul. Schmitz\nweinte eine Arie aus der „Schöpfung\", für die—und die\nfür—sie nicht geschaffen scheint, ein Lied von ihrem Herrn\nVater und 's Sträusli von irgend einem Haas. Herr Wie-\nniawski, nun ja, das ist ein Geiger par excellence! er phan-\ntasirte über Othello-Motive von Ernst und über Airs\nrusses, dass es eine Lust war.\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "348", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591029-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5353, "texte": "Darauf gab oder schenkte Herr Maximilian Wo)ff,\nSolo-Violinist von Frankfurt am Main, ein Concert. Fräul.\nMarth sang das „Veilchen\" von Mozart, die „Post\" von\nSchubert und mit Herrn Schneider einen Zweigesang von\nRossini. Herr WolfF spielte das Mendelssohn'sche Violin-\nConcert wahrhaft meisterhaft, und mit Herrn Lux aus\nMainz eine Sonate für Piano und Violine im edelsten,\nschönsten Vortrage. Herr Wölfl* ist ein höchst sauberer\nGeiger, rein und gross wie die Unschuld. Sein Genius\nmöge ihn nie verlassen!\nEtwas später gab ein Zitherspieler, Herr Miller, ein\nGlied vom hiesigen Opernkörper, ein Concert. Darin spielte\nHerr Pallat (der ständige Begleiter sämmtlicher Concerte)\nLa danse des feesvon Willmers; Fräul. Frassini sang eine\nArie aus dem Elias, Herr Schneider zwei Lieder, Herr Karl\nFormes einen Meyerbeer'schen „Mönch\" und mit Fräul.\nFrassini und Herrn Schneider ein Terzett aus Lucrezia.\nHerr Miller er musste doch auch etwas thun\nzilherte drei Pieccn, und Fräul. Schönchen zitherte eben-\nfalls mit Herrn Miller gemeinschaftlich einen Ländler. Das\nwar erzitternd schön!\nEine Woche später gab's wieder ein grosses, ganz\ngrosses Concert zum Besten des hiesigen Verschönerungs-\nVereins. Herr llof-Goncertmeister Dr. Barth von hier\nhatte die Mühe auf sich geladen, das Concert zu arrangi-\nren; sein Name prangte an der Spitze eines mehr als manns-\nhohen Anschlagszettels [das eingesandte Exemplar misst\nvier Ellen], Nach ihm las man nebenher die unbedeuten-\nderen Namen: Fräul. Frassini, Herr Karl Formes, Herr\nAlfred Piatti aus London und Herr G. Nacciarone aus\nNeapel. Fräul. Frassini sang eine Arie aus Torquato Tasso\nvon Donizelti und einen Walzer von Balle; Herr Piatti\nsäuselte über La Sonnambida auf dem Violoncell und sou-\nvenirte sich, Linda di Chamouni gehört zu haben; Herr\nFormes läutete die Glocken von llölzl und sang die Arie\naus dem Barbier; Herr Nacciarone aber erging sich in\nLiszt'schen Erinnerungen an Norma und phantasirte, sich\nnach Naples träumend, in Erinnerungen an seine glück-\nliche Heimat. Grosse Bravour! Auch er ein Helden-Tasten-\nschläger. Ein Secretär begleitet ihn auf seinen ruhmbe-\nkränzten Pfaden durch die Auen der deutschen Barbaren.\nIn einem anderen Concerte zeigte sich Herr Hein-\nrich Schönchen aus München als einen gediegenen, vor-\nzüglichen Ciavierspieler, ohne ein Helden-Tastenschläger\nzu sein.\nAm T. October wurde der Schlussstein der Concert-\nSaison gelegt mit einem Concerte, in welchem ausser den\nbekannten Namen: Fräul. Frassini u.s.w., auch ein Violin-\nspieler Taborowsky, ein Russe, auftrat. Fräul.Frassini,\nHerr Schneider und Herr Simon sangen ein Terzett aus\nden Lombarden von Verdi; Fräul. Frassini noch eine Po-\nlacca aus dito; Herr Schneider mit schönem Tone und gu-\ntem Vortrage Beethoven's Adelaide. Er vergriff jedoch beide\nTempi; denn er sang beide Sätze zu langsam. Der letzte\nSatz entbehrte desshalb eines gewissen Schwunges. Herr\nTaborowsky, welcher das Conservatoire zu Brüssel absol-\nvirt bat, dort unter Damcke Composition studirte, so wie\nbei Leonard im Violinspiel sich ausbildete, ist im Besitze\neiner sehr grossen Technik und zeigt viel geistige Auffas-\nsung in seinem Vortrage. Wir möchten sagen, er über-\nstürze sich oft selber durch ein zu fesselloses Feuer. Er\nspielte das Adagio und das erste Allegro des ersten Con-\ncertes von Vieuxtemps mit Kundgebung bezeichneter Eigen-\nschaften. Man kann sein Spiel im engeren Sinne des Wor-\ntes die belgische Schule nennen, welche wir jedoch der\nSpohr'schen oder deutschen Schule unterordnen. Herr Ta-\nborowsky spielte das Vieuxtemps'sche Concert mit grossem\nApplaus, so wie auch die Romanze von Beethoven\nund eine kleine Composition von ihm: Es\nwurde ihm nach jeder Nummer die Ehre und Auszeich-\nnung des Hervorrufs zu Theil. Herr Taborowsky beabsich-\ntigt, sein Vaterland mit der Violine zu durchmessen; der\nErfolg dürfte ihm gewiss sein. Wir hatten Gelegenheit,\neine Menge kleinerer und grösserer Compositionen des\nHerrn Taborowsky durchzusehen, welche alle von grossem\nTalente zeugen. Herr Capellmeister Hagen begleitete sämmt-\nliche Nummern am Piano.\nIch kann nicht unterlassen, am Schlüsse meines Be-\nrichts Ihnen zu erzählen, dass in Homburg ebenfalls ein\nreges Musikleben herrscht. Geben Sie nur Acht! In einem\nGarten-Concerte hörte ich Nummern aus dem Propheten,\nder Martha, dem Liebesmahl der Apostel von R. Wagner\nund zum Schluss eine Polka. Das Orchester, welches ein\nStreich-Orchester ist, steht unter der zweihäuptigen Di-\nrection der Herren Garbe und Koch, Allein Homburg\nhat auch eine deutsche Bühne! 0, hier fehlen mir Worte\nund Pinsel, um Ihnen eine Skizze davon zu geben! Auf\neinem Hofe steht ein scheunenartiger Bau, an dessen Gie-\nbel eine Lyra prangt, ziemlich grob geschnitzt, aber jeden-\nfalls frisch und neu, wesshalb sie bedeutend gegen die Um-\ngebung absticht. Aber nun der Zuschauerraum—die Bühne!\nAuf nackter Mutter Erde stehen Bänke, vor dem Orche-\nster, das durch einen Flügel repräsentirt wird, Stühle. Dem\nGanzen gibt Eine Hängelampe, über dem Flügel ange-\nbracht, eine glänzende Erleuchtung. Neben dem wurm-\nstichigen Souffleurkasten stehen an jeder Seite drei Beleuch-\ntungs-Apparate, die beschrieben zu werden verdienen.\nVielleicht nehmen einige Bühnen-Directoren Beispiel daran.\nAlso die erwähnten Apparate bestehen aus einer einen Fuss\nhohen Blechplatte, die auf einem kleinen, ungehobelten,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "349", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591029-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2360, "texte": "rohen Holzklötzchen befestigt ist, welches besagte Holz-\nklötzchen eben gross und schwer genug ist, um an jeder\nSeite der Platte ein Talglicht aufzunehmen, eines für die\nweitere Erhellung des Zuschauerraumes, eines für die Be-\nleuchtung c'er Bühne; beregtes Talgücht wird sehr prak-\ntisch in einen eisernen Stift gesteckt, der in das llolz-\nklötzchen eingetrieben ist. Alles Weitere ist im schönsten\nEinklänge mit diesen Einrichtungen. Ich schritt ernsten\nGeistes über diese Bühne, auf der ich mich ein Riese\ndünkte, nahm auf einem schwachbeinigen Stuhle Platz,\nwarf einen Blick in die Coulissen: da stand ein Kreuz, dort\nhing ein Säbel, da lag ein musterhaft eingedrückter Hut\nund dergleichen kostbare Utensilien zur würdigen Vorfüh-\nrung des deutschen Schauspiels in Homburg vor der Höhe!\nEs war am 1. September 1859, als Herr von Duval, der\nDirector der Gesellschaft, sein Benefiz hatte. Es sollten die\nReise-Abenteuer des von Münchhausen gegeben werden,\nund am Fusse des Zettels fand ich erröthend folgende\nWorte: „Sehr geehrte Kunstfreunde! Wahrend dieser Sai-\nson waren die Geschäfte von der Art, dass ich ein bedeu-\ntendes Deficit erlitt; bitte daher, in dieser Vorstellung mich\nmit Ihrem zahlreichen freundlichen Besuche zu beehren,\nwobei ich Ihnen die Versicherung geben kann, dass durch\ndiese Posse, welche aller Orten mit dem besten Erfolg auf-\ngenommen wurde, ein gewiss heiterer Abend geboten\nwird. Mich Ihrer Huld und Gewogenheit empfehlend,\nzeichne ich mich in Hochachtung Ihr ergebenster A. v. Du-\nral, Director.\"\nUnd am 7. Juli folgendes Slil-Pröbchen desselben deut-\nschen Theater-Directors: „Möge ein hochgeschätztes und\ngeehrtes Publicum manches zu wünschen übrig, durch\nineine Gesellschaft, welche , und durch welche\nich die schönste Abwechslung zu bieten im Stande bin,\nvergessen und mir zu der schönen Hoffnung Raum lassen,\ndass sich der Besuch von Tag zu Tag steigern wird.\"\nIch höre, das Publicum habe ihm bis zu Ende „Raum ge-\nnug\" gelassen.\nSolche Wunderdinge kommen Ihnen wohl unerwartet\nvor aus den berühmten Taunusbädern? Ich sagte Ihnen\nja, sie concentriren ein merkwürdiges Stückchen Menschen-\nleben. Aber die Kugel rollt auf der Roulette fort und fort,\nRussen und Franzosen lachen über uns und machen „un-\nter des deutschen Bundes schützenden Privilegien\" ihr\nSpiel. Was wollen Sie mehr? Rien\nWiesbaden, im October 1859.\n\nW. W."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-10-29-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-10-29_01#c003", "volume": "bmtnabi_1859-10-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "349", "page_fin": "350", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591029-01.2.3", "titre_corps": "Aus Aachen.", "titre_sommaire": "Aus Aachen.", "signature_source": "N", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "349", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591029-01.1.5", "debut_caractere": 2362, "fin_caractere_exclue": 4961, "texte": "Aus Aachen.\n\nUnsere Abonnements-Concerte haben unter sehr glück-\nlichen Auspicien begonnen; niemals ist die Zahl der Abon-\nnenten so gross gewesen, wie in diesem Jahre. Die vier\nRiesen, welche seit langen Jahren das Gewölbe unseres\nCursaales auf ihren Schultern tragen, machten grosse Au-\ngen, als sie bei dem Concerte am 21. October die zahl-\nreiche Zuhörerschaft laut nach einem grösseren Saale ver-\nlangen hörten, der mit dem hiesigen Sinne für Musik in\nrichtigerem Verhältnisse stände. In ihren Mienen war zu\nlesen: „So lange haben wir diesen Versammlungsort aller\nNationen gehütet, die zur Zeit der Roulette seligen Anden-\nkens euch ihr schönes Geld hieher brachten, und jetzt sol-\nlen wir nicht mehr genügen! Wir haben es uns so ange-\nlegen sein lassen, eure Ohren zu entzücken, euren Gaumen\nzu kitzeln und euren Geschmack zu läutern, eure Füsse in\nBewegung zu setzen —ja, meine Damen, einer grossen\nAnzahl von Ihnen die theuren Hälften zu verschaffen, in\nderen Besitze Sie ohne Zweifel unendlich glücklich sind:\nund Sie, gerade Sie lehnen Sich am meisten gegen uns auf\nund verlangen für die furchtbare Peripherie Ihrer Reif-,\nHaar- und Stahlröcke zehn Quadratfuss Raum mehr, als\nIhnen von Rechts wegen zukommt und wir Ihnen bieten\nkönnen! 0 schwarzer Undank!\"\nTrotz alledem haben die Aachener doch nicht Un-\nrecht; das Concert am Donnerstag hat gezeigt, dass der\nSaal zu klein ist; viele Abonnenten haben in den anstos-\nsenden Zimmern ein Unterkommen suchen müssen.\nFreilich hat an diesem Abende wohl Frau Clara\nSchumann eben so sehr eine besondere Anziehungskrall\ngeübt, als auch dem Concerte selbst einen besonderen\nGlanz verliehen. Alles strömte herbei, um die grosse Künst-\nlerin als Dolmetscherin von Mozart's Genie in dessen\nmoll-Concert zu hören, wozu sie sich glänzende Cadenzen\ncomponirt hatte, von denen besonders die in den letzten\nSatz eingelegte in Bezug auf Stil bemerkenswerth war. Sie\nhat uns gezeigt, dass sie den reinsten Grad der Virtuosität\nrepräsentirt. Der Beifall war der Künstlerin würdig, eben\nso nach Chopin's Impromptu in und nach dem\nSchlummerlied von R. Schumann. Vorzüglich enthusias-\nmirte sie jedoch das Publicum durch die Gavotte von Bach,\ndie sie auf stürmisches Verlangen der Zuhörer wiederholte.\nUnser Orchester hat unter der geschickten Leitung\ndes Herrn Wüllner sich neue Lorbern errungen; die\nAusführung der Sinfonie Nr. I. in von R. Schu-\nmann und der Leonoren-Ouverlure Nr. 2 von Beetho-\nven war vortrefflich; man kann sagen, sie liess nichts zu\nwünschen übrig. Diese ausgezeichneten Leistungen stellten\ndie Aufführung des 115. Psalmes von Mendelssohn"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "350", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591029-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 178, "texte": "etwas in Schatten, welche, ohne dass eigentlich Rügens-\nwerthes aufgefallen wäre, doch den Schwung und den\nAplomb vermissen liess, an welche uns der Chor sonst ge-\nwöhnt hat.\n\nN."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-10-29-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-10-29_01#c004", "volume": "bmtnabi_1859-10-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "350", "page_fin": "351", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591029-01.2.4", "titre_corps": "Grstes Gesellschafts-Concert in Köln Im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferd. 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Lobgesang.\nSinfonie-Cantate von F. Mendelssohn.\nDie Gesellsehafts-Concerte haben wieder begonnen. Der grosse\nSaal des Gürzenich hat sich durch reiche Vergoldung und maleri-\nsche Färbung an den Säulen und Spitzbogen und an der Decke ver-\nschönert; auch die Zurückschiebung der Tonbühne ist als eine Ver-\nbesserung anzusehen, da sie die Akustik nicht zu beeinträchtigen\nscheint und die Architektur des Saales noch besser dadurch her-\nvortritt.\nDie Gesammtkräfte der ausführenden Künstler und Dilettanten\nbestehen wie früher im Chor aus der Verbindung sämmtlicher Ge-\nsangvereine mit Hinzuziehung einzelner stimmbegabter uncl musica-\nlisch gebildeter Sängerinnen and Sänger, auch wenn sie nicht Mit-\nglieder irgend eines Vereins sind, so dass der Chor der Concert-\nGesellschaft ein für sich bestehender ist, der an 250 300 Mitwir-\nkende zählt. Bei der Instrumental-Partie bildet das städtische Orchester\ndas Fundament; es wird durch hiesige Künstler und Dilettanten und\nzum Theil auch durch auswärtige verstärkt und repräsentirt einen\nstattlichen Körper von 24 —3O Violinen, unter Anführung der beiden\nConcertmeister Herren Grunewald und von Königslow, und\nverhältnissmässiger Besetzung der übrigen Instrumente.\nBeide Tonkörper, der Chor und das Orchester, haben uns gleich\nim ersten Concerte die erfreuliche Ueberzeugung gegeben, dass sie\ntrotz der Sommer-Pause keineswegs zurückgegangen, sondern im Ge-\ngentheii vorangeschritten sind Resultat der eifrigen Theilnahme\nan den Uebungen der Akademie und des städtischen Gesang-Vereins\nunter Leitung des Herrn Musik-Directors Weber und des Herrn\nBreunung, und im Orchester der gründlichen musicalischen Bil-\ndung und der zum Theil ausgezeichneten technischen Leistungsfähig-\nkeit der Mitglieder, der neu eingerichteten zweimaligen Proben in der\nWoche, die durch den Mangel eines Operntheaters ermöglicht wor-\nden sind, und der trefflichen Leitung des städtischen Capellmeisters\nHerrn F. Hiller.\nWeber's Euryanthe-Ouverture wurde sehr gut ausgeführt, sowohl\nmit Kraft und Schwung, als mit Zartheit und sanftem Ausdruck da,\nwo sie hin gehören. In Mozart's Ave verum zeigte der Chor den\nschönen, vollrunden Gesammtton, der ihm eigentümlich und in der\nThat von bezaubernder Wirkung ist.\nFrau Clara Schumann spielte das Cr-dwr-Concert von Beet-\nhoven und dann im zweiten Theile die oben genannten kleineren\nStücke, denen sie, durch den Hervorruf nach der Gavotte bewogen,\nnoch ein Stück aus Chopin's nachgelassenen Compositionen hinzu-\nfügte. Ueber das hohe Talent der genialen Frau, so wie über ihre\neminente technische Fertigkeit, den wundervollen Anschlag, die zarte\nSchattirung des Vortrags u. s. w. herrscht in der Kunstwelt nur\nEine Stimme, und auch die gegenwärtigen Leistungen der Künstlerin\nberechtigen vollkommen zu dem Lobe, von welchem diese Stimme\nwiederhallt. Anders verhält es sich mit der AufFassungs- und Vor-\ntragsweise im Ganzen, welche Frau Schumann den classischen Com-\npositionen, namentlich den Boethoven'schen, angedeihen lässt; über\ndiese sind die Stimmen sehr getheilt. Je höher Clara Schumann\nsteht, je gefeierter ihr Name und ihr Beispiel ist, desto strenger\nmüssen an ihre Leistungen die Forderungen einer Kritik gelegt wer-\nden, die über den Künstler nicht das Kunstwerk, über die Virtuo-\nsität nicht die Composition vergisst. WTir haben schon öfter uns gegen\ndie Uebereilung der Tempi in classischen Compositionen durch die\nneueren Virtuosen erklärt, glaubten jedoch, als wir zuletzt vor eini-\ngen Jahren Frau Schumann hörten in einem in jeder Hinsicht\nvortrefflichen Vortrage des G-moll-Concertes von Mendelssohn —, dass\ndiese Künstlerin von der fieberhaften Aufregung, durch welche sie\nsich zuweilen hinreissen liess, zurück gekommen wäre. Indess ver-\nnahmen wir späterhin von mehreren Seiten, namentlich aus Wien,\nneuerlich auch wieder aus London, Entgegengesetztes. Mit Bedauern\nhaben wir in dem Concert am 25. d. Mts. die Erfahrung gemacht,\ndass die Stimmen aus Wien und London Recht haben: wir ge-\nstehen, dass wir die classische Ruhe, die wir für die Hauptbedin-\ngung des künstlerisch vollendeten Vortrags halten müssen, nicht\nbloss bei dem Beethoven'schen Concerte, sondern selbst auch bei\nden Musikstücken von Chopin und Bach vermisst haben. Der erste\nTheil des Chopin'schen Scherzo wurde durch eine fabelhafte Rapi-\ndität unfassbar selbst für Musiker, wenn sie die Composition nicht\ngenau kannten, geschweige denn für das Publicum. Es ist, besonders\nin einem grossen Saale (namentlich im Gürzenich, wo überhaupt\nschon das Pianoforte mit den ungeheuren Raum-Verhältnissen zu\nkämpfen hat), nicht anders möglich, als dass bei einem so rasend\nschnellen Tempo die Deutlichkeit des Spiels leidet. Bei der Gavotte\nliess die reizende Ausführung über das Tempo hinwegsehen, dessen\nBewegung doch auch noch Maass hatte. Der erste Satz des G-dur-\nConcertes verlor aber durch das zu schnelle Tempo einen Haupttheil\nseines bezaubernden Reizes, und wir müssen die Auffassung dessel-\nben geradezu für verfehlt erklären. Wenn es so fortgeht mit dem\nVergreifen der Tempi bei Beethoven, wie die Mehrzahl der heutigen\nClavierspieler, auch der Sinfonie-Dirigenten, es angefangen hat, so\nwerden wir bald eben so bedauern müssen, dass Niemand mehr Beet-\nhoven in seinem Geiste reproduciren kann, wie wir bereits längst\nbedauern, dass Keiner mehr so schreiben kann, wie er. Der fragliche\nSatz ist Allegro mo der cito bezeichnet, und sein Vierviertel-Tact\nenthält in den meisten Passagen Sechszehntel-Triolen und Sextolen,\ndie sogar oft in Zweiunddreissigstel übergehen also äussere Wahr-\nzeichen genug für das richtige Tempo, abgesehen von dem inneren\nCharakter, der nirgends zu Hast und Aufregung berechtigt, im Ge-\ngentheil in einer, ich möchte sagen: seligen Ruhe des künstlerischen\nEbenmaasses sein eigenthümlich schönes Gepiäge hat. Der Vortrag\nder ersten fünf Tacte, in welchen das Pianoforte allein das Haupt-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "351", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591029-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2384, "texte": "Motiv erklingen lässt, ist entscheidend für die Auffassung de 3 gan-\nzen Satzes. Beethoven schreibt darunter piano und dolce; es liegt\ndarin ein „süsses\" Gefühl der Befriedigung, in welchem die sehn-\nsüchtige Wehmuth nachklingt, die noch nicht wagt, sich dem Glücke\nganz hinzugeben. Wer kann das, zumal nach dem geisterhaften\nEintritt des H-dur im Orchester pianissimo, der vor jedem Ueber-\nmuth warnt, verkennen? Wer hört nicht in den letzten Tacten\ndes Tutti, wiederum dolce bezeichnet, in derselben Figur und\nBetonung die Rückkehr zu dem süssen Tönen des Trostes und der\ninnig freudigen Zuversicht, welche die unmittelbar vorhergehenden\nTacte (die herabsteigenden Sechszehntel-Läufe nach d und der schroffe\nAbsprung auf es) uns beinahe verkümmert hätten? Und nun denke\nman sich jenes, wenn es mit dem richtigen Ausdruck wiedergegeben\nwird, himmlische Motiv durch ein frivoles Tempo zu einer ganz ge-\nwöhnlichen Fanfare gemacht! Nein, für solche Missgriffe, welche den\nCharakter einer ganzen Tondichtung umstossen, ist die so genannte\nBerechtigung der individuellen Auffassung ein elender Behelf, eine\nVersündigung an dem Geiste, der aus der Composition vor unserer\nPhantasie erstehen und von Anfang bis Ende darüber schweben soll.\nWir behalten uns vor, an anderer Stelle unsere Ansicht über den\nVortrag der Beethoven'schen Concerte in G-dur und in Es-dur aus-\nführlicher zu entwickeln und, wenigstens so viel an uns liegt, dem\nUntergange dieser reichen Goldwerke unter dem Raubbau der mo-\ndernen Virtuosen zu steuern.\nMendelssohn's Sinfonie-Cantate „Lobgesang\" wurde mit\ngrosser Präcision und mit Schwung ausgeführt. Die Solo-Partieen,\ngesungen von Fräul. Charlotte Beste aus Bremen (1. Sopran),\nFräul. Saar dt und Herrn A. Pütz, waren genügend besetzt, be-\nsonders erfreulich wirkte der angenehme Tenor des letzteren. Fräul.\nBeste, so viel wir wissen, ebenfalls eine Dilettantin, ist im Besitze\ntrefflicher Mittel; ihre volle, reine und egale Sopranstimme ist eine\nschöne Begabung, die bei fortgesetzter sorgfältiger Cultur reiche\nFrucht tragen wird, zumal wenn die Tonbildung dermaassen fortge-\nschritten sein wird, dass sie im Stande ist, den Klang je nach den\nverschiedenen Empfindungen zu nuanciren und die Aussprache der\nWorte nicht darunter leiden zu lassen. In dem Vortrage der Arie\naus Elias: „Höre, Israel\", hatte die junge Dame besonders im Alle-\ngro recht gute Momente."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-10-29-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-10-29_01#c005", "volume": "bmtnabi_1859-10-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "351", "page_fin": "352", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591029-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "351", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591029-01.1.7", "debut_caractere": 2386, "fin_caractere_exclue": 7290, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKfllsa« Das Schiller-Fest wird hier vom 9.—11. November\nauf folgende Weise begangen werden: Am 9. im Theater unter Lei-\ntung des Herrn Directors L'Arronge Festspiel, gedichtet von Dr.\nBcrnays in Bonn; Wallenstein's Lager; die Glocke, Declamation\nund lebende Bilder. Am 10. im grossen Gürzenichsaale zweites\nGesellschafts-Concert, Prolog von Wolfg. Müller, Cantate von\nL. Bischoff, für Soli, Chor und Orchester componirt von Ferd.\nHill er; Ouvertüre zu Don Carlos von F. Ries; zum Schluss die\nneunte Sinfonie von Beethoven. Im Theater: Wallenstein's\nTod. Am 11. im Gürzenichsaale declamatorisch-musicalische Feier:\nProlog von Gustav Pfarrius; Hymnus an die Künstler von F.\nMendelssohn-Bartholdy durch den kölner Männergesang-Ver-\nein; Declamation, Scene aus Don Carlos u. s. w.; in der zweiten\nAbtheilung: Schillers Glocke, für Soli, Chor und Orchester compo-\nnirt von A. Romberg; zum Schluss : Epilog zur Glocke von Gö-\nthe. Festmahl.\nMifllßneiail it. <fl. ü&iaS*s% 24. October. Es gereicht mir zur\nFreude, Ihnen von der Aufführung des Oratoriums „Die Zerstörung\nJerusalems\" Mittheilung machen zu können. Dem Herrn Musik-Di-\nrector Engels gebührt die dankbare Anerkennung, dieselbe ins Werk\ngesetzt zu haben. Die gemischten Gesang-Vereine zu Duisburg und\nMülheim, unterstützt von den dortigen Capellen, und der Gesang-\nVerein zu Essen, in Verbindung mit der Bergcapelle, hatten die Aus-\nführung übernommen. Der gefeierte Componist des Oratoriums, Herr\nCapellmeister Hill er, war der freundlichen Einladung gefolgt, die\nLeitung des Ganzen zu übernehmen. Derselbe wurde mit stürmischem\nJubel empfangen und sah sich an der Spitze eines Chors von etwa\n60 Damen und 40 Herren, so wie einer vollständig besetzten Capelle\nvon einigen dreissig Musikern. Schon in der am Samstag Statt ge-\nfundenen General-Probe fand sich derselbe bewogen, seinen Dank\nfür die rege Theilnahme an seinem, wie er es nannte, Jugendwerke\nund für dessen exacte Ausführung zu erkennen zu geben. Bei der\nAufführung selbst mochte die Zuhörerschaft, welche aus nah und\nfern herbeigekommen war, wohl 400 Personen zählen, und auch diese\nspendete reichen Beifall. Es ist hier nicht am Platze, den Vorträgen\nins Detail zu folgen, aber wir können uns nicht enthalten, daraus\nEinzelnes hervorzuheben. Die Bekanntschaft mit der gewaltigen und\nerhebenden Instrumentirung und der eine Epoche in der Musik be-\nzeichnenden dramatischen Auffassung des Oratoriums setzen wir vor-\naus und gedenken des Herrn Scholl, welcher in seinem vollen Ba-\nriton den Jeremias vortrefflich und sicher vortrug. Die schöne Stimme\nder Frau Wiskott sang die Hanna mit dramatischer Färbung, em-\npfindungsvoll. In Herrn Bötticher hörten wir den klagenden, be-\ndrückten König, und wahrhaft ergreifend war: „Ick will an dieses\nHeiligthumes Stufen\". Die Chamital gab uns Frau Vorster, welche\nüberdies von Frau Wiskott ein Duett übernommen hatte, Herr\nSteinmetz sang den Achicam, und Beide entzückten sowohl die\nZuhörerschaft als auch die Mitwirkenden durch ihre reichen Mittel\nund durch hohe künstlerische Ausführung. Das Duett „0, wär' mein\nHaupt ein Thränenquell\" war die Perle des Ganzen, seelenvolle\nSphärenklänge. Unter den schön durchgeführten Chören gefielen\nbesonders: „Wie heilig und hehr sind Deine Hallen\", „Wer unter\ndem Schirme des Höchsten sitzet\", „Heil Nebukadnezar\", die gewal-\ntig und ergreifend; ferner: „Wir zittern vor des Sehers Dräuen\"\nund „Wir ziehen gebeugt\", welche mit äusserst zarter Behandlung\nund sicherem Staccato vorgetragen wurden. Weniger sicher war der\nschwierige Chor: „Ha, wir haben sie vertilgt!'4 Der Meister er-\nhielt noch durch Ueberreichung eines Lorberkranzes eine besondere\nAnerkennung, welche die Zuhörerschaft theilte. Der Abend wurde\nin heiterer Geselligkeit durch Tanz beschlossen, wozu ein reicher\nund besonders schöner Damenkreis einlud.\nKassel« Am 22. October, Abends halb zehn Uhr, ist Dr,\nLouis Spohr gestorben, nachdem er am 19. von einem Schlag-\nanfalle getroffen worden. Er war am 5. April 1784 zu Braunschweig\ngeboren; seit 1822 bekleidete er in Kassel die Stelle eines Hof-Ca-\npellmeisters und General-Musik-Directors.\nFrankfurt a« Uff« Fräulein- Francisca Veith ist aus\nihrem Engagement beim Hoftheater in Kassel geschieden, nachdem\nsie mit dem Baritonisten Rübsamen daselbst ein Engagement an-\nderer Art, gewöhnlich Verlobung genannt, geschlossen. Hier ist sie\nbereits in mehreren Köllen wieder aufgetreten und mit ungewöhn-\nlichem Beifall, namentlich als Amine, aufgenommen worden.\n* • ■' * • ' 1 i |\nIn Potsdam ist der Musik-Director und Organist Joh. Cliri\nstian Schärtlich am 30. September, 70 Jahre alt, gestorben. Er\nwar zu Dresden 1789 geboren, sang im Kirchenchor, war dann Schü-\nler des Lehrer-Seminars unter Dinter's Direction, machte gründliche\nmusicalische Studien und kam 1817 an die Haupt Elementarschule\nzu Potsdam, in welcher Stadt er sich nach und nach als Organist,"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "352", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591029-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2846, "texte": "Dirigent des liturgischen Chors der Garnisonkirche und seit 1844\ndes Männergesang-Vereins einen ausgebreiteten Wirkungskreis schuf\nBei seinem fünfzigjährigen Jubiläum erhielt er den Kothen Adler-\nOrden vierter Classe. Von seinen Liedern haben viele eine grosse\nPopularität durch die Männergesang-Vereine erlangt.\nMehrere Journale haben von uniibersteiglichen Schwie-\nrigkeiten gesprochen, die sich der Einführung der vom Ministerium\nverordneten N ormal stimm un g entgegenstellten. Diese Schwierig-\nkeiten sind einer ernsten Prüfung unterzogen worden, und ihre Lö-\nsung steht bevor.\nTheodor Parmentier ist von hier nach Toulouse abgereis't,\nwohin ihn sein Beruf als Adjutant des Marschalls Niel ruft Seine\nmilitärische Laufbahn hat ihn bis jetzt nicht zurückgehalten, auch\nals Musiker und musicalischer Schriftsteller zu wirken. Seine Gattin,\nTherese, geb. Milanollo, hat sich vor der Abreise noch einmal\nim Salon der Madame Behr hören lassen. Die berühmte Künstlerin\nentzückte durch den Vortrag eines Adagio von Vieuxtemps, mehre-\nrer Stücke eigener Composition, eines glänzenden Rondo und eines\neinfachen Wiegenliedes von Cuvillon.\nBei dem Schiller-Feste am 10. November, Abends 8 Uhr, im\nCirque de Vlmpdratrice in den Champs Elysees werden vorkommen\nzwei neue Compositionen von Meyerbeer (ein Marsch und eine\ngrosse Cantate), eine Festrede, der Festgesang an die Künstler von\nMendelssohn und der letzte Satz der neunten Sinfonie von Beetho-\nven. Pasdeloup (der Dirigent der Societe des jeunes Artistes du\nConservaloire) wird die Masse der 500 Mitwirkenden (Chor und Or-\nchester) leiten. Der Reinertrag ist zu einem wohlthätigen Zwecke\nbestimmt. [Hoffentlich doch für die Schiller-Stiftung!] Eintritts-\ngeld zu 10, 5 und 2 Francs.\nDer Neubau eines Theaters für die grosse Oper ist entschieden;\nes soll in achtzehn Monaten fertig sein.\nDie Oper Orpheus von Gluck wird einstudirt; Madame Viar-\ndot wird den Orpheus singen.\nIjontlovi« Der Earl von Westmoreland, Peer von Eng-\nland, früher k. grossbritannischer Gesandter in Berlin und in Wien,\nist auf seinem Landsitze in Nortliamptonshire, 76 Jahre alt, gestor-\nben. Er war ein thätiger Musikfreund und kein schlechter Compo-\nnist; er schrieb Opern und Kirchenmusik. Sieben Opern, sechs Can-\ntaten, eine Messe und mehrere Motetten zeugen von seiner ausser-\nordentlichen Thätigkeit im musicalischen Berufe Er ist Gründer der\nAkademie der Musik, der Vocal-Association u. s. w. Die Kunst und\ndie Künstler haben an dem edeln Lord eine grosse Stütze verloren.\nB e i* i e 1t t i g u n\nIn dem Artikel I. über A. Schindlers Biographie Beet-\nhoven's (in Nr. 43) ist S. 342 statt ~den 28. October 1844\",\nzu lesen 1834. Der Fehler stammt aus dem Vorworte des Buches\nS. X her, wo er leider, wie so manche andere Druckfehler in dem\nBuche, unberichtigt geblieben ist.\nIm Auftrage des Verfassers der Biographie."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "345", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591029-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nMusicalische Früchte, gebrochen in dem heissen Sommer 1859 in der Thermenstadt Wiesbaden. Von W. W. Aus\nAachen (Beginn der Abonnements-Concerte). Von N. Erstes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unter-\nhaltungsblatt (Köln, Schiller-Fest - Mülheim a. d. Ruhr, Concert - Kassel, Dr. Louis Spohr f Frankfurt a. M., Fräul. Fran-\ncisca Veith Potsdam, J. C Schärtlich -J- Paris, Normalstimmung, Schiller-Fest London, Earl von Westmoreland *j*).\n\nMusicalische Früchte, gebrochen in dem heissen Sommer\n1859 in der Thermenstadt Wiesbaden.\n\nIn der That, das war ein blüthenreicher musicalischer\nSommer, ein an Früchten, sogar an Südfrüchten, reich\ngesegneter Herbst. Es liesse sich wohl nicht so leicht eine\nzweite Stadt finden, in welcher verhältnissmässig so viel\nTöne gerade während der schönen Jahreszeit erklingen,\nals in dem nassauischen Nizza. Dieser Umstand erklärt sich\nallerdings nur in der grossen Bestimmung, welche dieser\nparadiesische Garten, dieses Eden, dieses Eldorado als\nZufluchtstätte so vieler Müden, Gesunden und Kranken,\nZerstreuung wie Aufregung Suchenden auf unserem Pla-\nneten hat.\nDie nie rastende Oper beschenkte uns mit Flotow's\n„Alessandro Stradella\" mit Herrn Prelinger als Alessandro,\nHerrn Abich als Bassi, Fräul. Barth als Leonore, Herrn\nSimon und Herrn Auerbach als Malvoglio und Barbarino.\nAls neu für hier war „Des Teufels Antheil\" von Auber mit\nFräul. Frassini als Carlo Broschi und Herrn Schneider,\ndem bekannten gediegenen Oratoriensänger, als Rafael,\nFräul. Herbold alsCasilda, Herrn Abiger als Ferdinand VI.\nund Frau Hagen als Maria Theresia. Die Musik ist als\nAuber'sche bekannt. Die Oper war gut einstudirt. Dann\nhatten wir Halevy's „Jüdin\" mit Herrn Auerbach als Elea-\nzar, Fräul. Lehmann als Recha, Fräul. Tipka als Prin-\nzessin, Herrn Lipp als Cardinal und Herrn Prelinger als\nHerzog Leopold. Die gute Besetzung dieser Oper, in wel-\ncher die Genannten recht an ihrem Platze sind, stellt die\nwirksame Aufführung derselben niemals in Frage. Für\nHerrn Auerbach ist die Rolle um so geeigneter, als sein\nfeuriges Spiel eine nicht unwesentliche Unterstützung seines\nGesanges ist. Der „Liebestrank\" von Donizetti mit Fräul.\nFrassini als Adina, Herrn Prelinger als Nemorino, Herrn\nSimon als Belcore und Herrn Abiger als Dulcamara ent-\nzückt das Publicum durch seine Komik nicht minder, als\ndurch die Leistungen des Fräul. Frassini, welche für jede\nOper ein Magnet ist. Fräul. Frassini erfreut in dieser Oper\ndas Publicum mit einer kleinen Beilage, dem bekannten\nWalzer von Luigi Venzano, mit dem sie Herzen, Fiisschen\nund Hände in Bewegung setzt. An demselben Abend sah\nich ein komisches Ballet, „Das schlecht bewachte Mädchen\",\nvon dem Balletmeister Opfermann in Scene gesetzt. Es ist\nrecht unterhaltend und erreicht aufs vollständigste seineu\nZweck. Herr Opfermann jun., Fräul. Rosa Opfermann und\nHerr Opfermann (Vater) excelliren darin und haben recht\nartige Gelegenheit, ihr Talent zu bekunden. Immerhin\nbleibt es sehr zu bedauern, dass die eben genannte Familie\nmit dem 1. October die hiesige Bühne verlassen hat. Sie\nist am Stadttheater zu Frankfurt auf ein Jahr engagirt\nworden. Herr Opfermann jun. ist ein ganz bedeutender\nTänzer, und ihm vollkommen ebenbürtig ist seine Schwe-\nster, Fräul. Rosa Opfermann.\nDer Barbier von Sevilla ist wieder eine willkommene\nArena für Fräul. Frassini, die als Gesang-Einlagen einmal\neine Arie von Donizetti, ein Schweizerlied von Nina Esch-\nborn und den Ricci'schen Walzer brachte. Auch Norrna\npassirte wieder die Bühne, in welcher Herr Franosch als\nOrovist neu war. Herr Franosch war noch zu wenig be-\nschäftigt, als dass ich ein Urtheil über seine Leistungen\nwagte; indess könnte man vorläufig sagen, dass seine Stimme\neine gewisse Härte und Schärfe besitzt, welche noch einer\ngrösseren Ausgleichung Platz machen muss. Ausser der\nsaftigen Südfrucht „Rigoletto\", von der das Publicum\nmehrere Male ass und sich daran gesättigt zu haben scheint,\nbrachen wir noch eine andere, fast giftige, Betäubung und\nErbrechen erregende; wir meinen die jungfräuliche Oper\n„Violetta\" (La Traviata), in welcher die Musik so keusch\nist, als das pikante Sujet. Verdi ist bekanntlich der Erzeu-\nger dieser entarteten, ausschweifenden, fessellosen, ja, wol-\nlüstigen Musik, die eine Herabwürdigung aller Kunst ist\nund ein Faustschlag ins Gesicht aller Aesthetik, ja, jedes"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "346", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591029-01.1.2", "texte": "natürlichen Gefühls. Das hier stabile Publicum hat bereits\nüber diese beiden Opern zu Gericht gesessen und sie mit\nRecht „Bord.. Opern\" benannt. Es wäre nicht ungerecht-\nfertigt, wenn sich an einem schönen Abende bei Vorfüh-\nrung einer dieser sauberen Schwestern im Musentempel\neine deutsche Volks-Justiz ins Mittel legte, diese Musik aus\nStadt und Land zu verjagen. Wir unsererseits bedauern\nsehr, dass Fräul. Frassini ihre herrlichen Mittel zu solcher\nMusik verwendet. Fräul. Frassini strebt sichtbar nach dem\nt'\nLobe, dass sie in jeder Musikgattung singen könne; sie\nleistet auch fast gleich Grosses in der komischen wie in der\ngrossen Oper; aber warum muss sie denn die Hand\nnach einer solchen Partitur ausstrecken, sie, ein deutsches\nMädchen*)? Ungleich grösseres Lob verdient sie, wenn sie\nihr Repertoire mit Rollen wie die der Elsa im Lohengrin\nerweitert.\nLa Traviataist noch durch eine Kranken- und Sterbe-\nScene (im letzten Acte natürlich) bemerkenswerth, die an-\nzusehen und anzuhören etwas so Widerliches und Pein-\nliches ist, wie wir noch nie empfanden. Wir haben Fräul.\nFrassini als Leonore im Troubadour nicht gehört, da wir\nvom vorigen Jahre her noch genug an dieser Oper hatten.\nIm Lohengrin gab auch Fräul. Tipka die Elsa, und\nihre Auffassung und Ausführung dieser Partie verdient\ngrosses Lob.\nWenn wir noch länger von der Oper reden, so ist es\nnur noch um eines in der Theaterwelt populären Namens\nwillen: Karl Formes.\nKarl Formes steht als Sänger und Darsteller auf jener\nStufe, wohin Genialität einen Künstler stellt; er ist ein ge-\nborener Künstler, wesshalb ihn die ausserordentlichsten,\nallgemeinsten Erfolge begleiten werden, wie der Schatten\nseinen Körper. Auch er bekundet jene Vielseitigkeit, die\nder Frassini eigen ist; Formes ist von gleich grosser Wir-\nkung in der Operabuffa, wie in der Er war\nvon der herzoglichen Intendanz für fünf Gastrollen enga-\ngirt, zu welchen indess noch eine letzte Gastdarstellung\n(13. September) und noch eine Gastdarstellung „auf\nvielseitiges Verlangen\" (18. September) kam.\nSein erstes Auftreten war im „Robert\" mit Fräul.\nFrassini als Isabella, Herrn Auerbach als Robert, Fräul.\nLehmann (Alice), Herrn Peretti (Raimbaud). (Erhöhte Ein-\ntrittspreise fanden beim jedesmaligen Auftreten von Formes,\nwie von der Frassini Statt; kein Abonnement während der\nSaison.) Die zweite Gastdarstellung war S'igaro in der\ngleichnamigen Oper, mit Fräul. Frassini als Susanne; die\ndritte Rolle war Marcel; die vierte eine Wiederholung des\nFigaro; die fünfte Rolle nochmals Marcel, mit Fräul. Fras-\nsini als Valentine, Herrn Auerbach als Raoul, Fräul. Tipka\n(Margarethe), Herrn Abiger (Gouverneur desjLouvre, Gral\nvon St. Bris), Herrn Simon (Graf von N vers). Die letzte\nGastdarstellung war sein Leporello, mit Fräul. Frassini als\nDonna Anna, Herrn Simon als Don Juan, Herrn Franosch\n(Gouverneur), Fräul. Tipka (Donna Elvira), Herrn Schnei-\nder (Don Ottavio), Fräul. Barth (Zerline), welche Oper\nwenige Tage nachher auf vielseitiges Verlangen wiederholt\nwerden musste. Herr Formes sang also sieben Mal, und\nzwar jedes Mal mit seiner rheinländischen Schwester, Fräul.\nFrassini. Das Haus war jedes Mal zum Erdrücken voll, der\nBeifall ein eben so erdrückender für beide Künstler, dessen\nsie sich wohl noch in ihren ältesten Tagen erinnern dürften.\nHerr Formes, welcher sich hier am Fusse des Nero-\nberges, der alljährlich ein köstliches „Nass\" liefert, häus-\nlich, ja, grundlich niedergelassen hat, beabsichtigt einem\non ditzufolge eine zweite Reise nach dem fernen Westen.\nDen Schlussstein der Gastdarstellungen des Fräul.\nFrassini, welche vom 3. Juli bis zum 9. October 29 Mal\naufgetreten ist, legte ihre Elsa von Brabant im Loherigrin.\nEs ist diese Vielseitigkeit der verehrten Künstlerin wirk-\nlich erstaunenswerth; auch hier genügte sie nicht allein\nallen Anforderungen, die der Componist und Dichter an\ndie Sängerin und Darstellerin der Elsa macht, viel mehr\nnoch, als das: sie verlieh dieser Gestaltung so viel Inner-\nlichkeit, Reinheit und Erhabenheit, dass Wagner sagen\nwürde, so habe Elsa seiner Seele vorgeschwebt. Um der\nAbschiedsrolle des Fräul. Frassini vielleicht noch mehr\nCharaktereinheit und Glanz zu verleihen, hatte man eigens\nHerrn Schnorr vom grossherzoglichen Hoftheater in Karls-\nruhe eingeladen, um die Rolle des Lohengrin zu überneh-\nmen. Das ist ein Tenor, wie man ihn sich wünschen kann:\nnatürliche Kraft und Gleichheit einer Stimme, die ohne die\nleiseste Anstrengung, ohne Laufen und Jagen über die\nBühne, ohne alles Arm- und Kopfwerfen einen Ton hören\nlässt, der neben seiner räumlichen Kraft alles Harte, Ge-\npresste und Gedrückte ausschliesst. Der ganze Umfang der\nschönen Stimme scheint Ein Register zu sein. Jeder Ton\ndes Herrn Schnorr ist ein Brustton. Sein Spiel war edel\nund wahr, meist jedem Haschen nach Effect fremd. Dabei\nist Herr Schnorr eine grosse, imponirende Gestalt; er soll\nerst 24 Sommer zählen, wie ein hiesiges Blatt sagt, und\nin Dresden mit 4000 Thlr. engagirt sein. Sein Costume\nkonnte uns im zweiten Acte nicht zusagen; es erinnert fast\nzu sehr an den Meyerbeer'schen Propheten. Er sah zu sehr\naus wie eine Art Oberpriester, wie ein Fürst, der zugleich\nein hohes geistliches Amt verwaltet. Allerdings wird Herr\nSchnorr dieses Costume durch Wagner's Idee von dem hei-\nligen Gral und dessen zu solchen zarten Missionen ver-\nwandten Rittern zu rechtfertigen wissen.\n\n*) Hat sie denn das Repertoire bei dem Hoftheater in Wies-\nbaden zu bestimmen? Die Redaction"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "347", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591029-01.1.3", "texte": "Ausser der bekannten Besetzung muss ich noch von\nHerrn Abiger reden (Heerrufer des Königs), welcher eine\nkräftige Bassstimme besitzt, dabei eine reine, feste Intona-\ntion. Einen besseren Heerrufer halte Nassau noch niemals.\nWenige Tage vorher hatte zum Vortheil des Fräul.\nFrassini eine in Bezug auf Mannigfaltigkeit ausserordent-\nliche Vortellung Statt gefunden; auch hier bot jede Lei-\nstung der Künstlerin Vorzügliches. Verwelkten die Blu-\nmen nicht, welche der genialen Künstlerin während des\nSommers, vorzüglich aber an diesem und den letzten Aben-\nden ihres Auftretens, gespendet wurden Fräul. Frassini\ndürfte sich ein eigenes Blumenhaus oder so eine kleine\nBlumengärtnerei anlegen, um sie mit Erinnerungen der\nLiebe an ein durch sie entzücktes Publicum mit Müsse be-\ntrachten zu können. Das dankbare Publicum verliess in\neinem Rausche des Enthusiasmus das Haus. Wir müssen\nauch mit Freude bekennen, dass sämmtliche Leistungen\ndes Fräul. Frassini unübertrefflich waren, trotzdem, dass\nman versichert, die Künstlerin sei an jenem Abende lei-\ndend gewesen.\nZu Anfang Octobers kehrte die Theater-Maschine wie-\nder in ihr gewohntes Geleise zurück, um den Winter-Cur-\nsus zu durchlaufen.\nEine übersichtliche Musterung der Concerte mag mei-\nnen diesmaligen Quartalbericht abschliessen.\nDie grösseren Bäder spielen in der Geschichte der Ge-\ngenwart eine Rolle; sie concentriren während der so ge-\nnannten Saison ein artiges und nach vielen Seiten hin\nhöchst interessantes, zu Studien anregendes und über Stu-\ndien Aufschluss gebendes Stückchen Menschenleben, ein\nStückchen Welt im engeren, dafür aber auch desto über-\nsichtlicheren Rahmen. Die da Heilung und Gesundheit Su-\nchenden und ernstlich Erstrebenden bilden ein gar kleines\nHäuflein, und alljährlich desertiren von ihnen viele in das\nbei Weitem grössere bunte Lager. Vergnügen, Zerstreuung,\nAufregung und Erregung, das ist die Parole der Mehrzahl\nder Bade- oder richtiger der Spielgäste.\nDa nun Sing- und andere Vögel, Lockvögel u. s. w.\nnicht ausreichend sein würden, den Hain der Wonne und\nLust zu bevölkern, so verabsäumt es die Leitung der Fest-\nlichkeiten nicht, Künstler und Künstlerinnen herbei zu zie-\nhen, um Gold und Lorbern, wenigstens aber Blumen in\nihren Schooss zu schütten, den theilweise wieder zu leeren\nihnen von Mittags 11 bis Abends 11 Uhr frei gegeben ist.\nAlso : Herbei, herbei!\n„Entzückung dringt durch alle Sinne,\nGewahr' ich diesen Dämmerschein:\nDies ist das Zauberreich der Minne,\nIn den Cursaal drangen wir jetzt ein!\" (Tannhäuser.)\nDa hatten wir von Mitte August an, nachdem schon\nein ganzes halbes Dutzend oder mehr Concerte Statt ge-\nFunden hatte, ein „grosses Concert\", gegeben von dem\nauf dem Programm sich berühmt nennenden eilfjährigen\nPianisten und Componisten (?) Henri Ketten, unter Mit-\nwirkung von Mad. Cambardi, Sängerin der italiänischen\nOpernwirthschaft zu Paris, und Herrn Seligmann, des\nVioloncellisten. Herr Seligmann spielte ein Morceau de\nConceri sur la Juive und ein Rondo du Concerto de Vio-\nloncelle, dedie au Hot de llollandc, und „violoncellte\" auch\nnoch „Die schönsten Augen\" als\ndeStigeüi.Der eilfjährige Pianist-Componist spielte ein von\nihm componirtes Nocturne, Thalberg's Grande Fantaime\nsur la Sonnambule und mit Orchester-Begleitung Mendels-\nsohns Capriccio,Op. 22. Die Leistungen des talentvollen\nKnaben sind ausserordentlich; allein wenn der eigene Va-\nter sein Kind öffentlich auf Placaten und Programmen be-\nrühmt und es einen Componisten, dazu noch einen „be-\nrühmten\", nennt, so verdient das Kind Bedauern und\neinen Vormund.\nDann gab Herr Haas, königlich hannoverscher Hof-\nsänger, unter Mitwirkung von Fräul. Lehmann, Fräul.\nOctavie Caussemille und Herrn Vivier aus Paris, ein Con-\ncert. Die gutmüthige und niemals mit Dank oder Blumen-\nspenden noch Hervorruf belohnte Militärmusik eröffnet ge-\nwöhnlich den Concert-Reigen, der in zwei Hälften zerfällt.\nDass diese Hälften immer ehelich oder auch nur ehrlich\neinander angetraut wären, kann man nicht sagen. Herr\nHaas gefällt sich bekanntlich in sentimentalen, auf das em-\npfängliche Frauenherz wirkenden Liedern, besitzt aber noch\nimmer einen schönen Bariton. Fräul. Caussemille clavierte\nLa Sonnambulavon Leybach, von\nihr selber comprimirt und compromittirt, und ein\nd'Othellovon Goria. Herr Vivier machte in einem\nfour Cor seine bekannten Kunststücke; er gab mit seinem\nHorn, oder besser gesagt: durch sein Horn, zuweilen drei\nund vier Töne zugleich von sich; aber mit diesen hornigen\nHarmonieen oder gehörnten Phantasieen setzt man einem\nguten deutschen Hornisten so leicht kein Horn.\nSpäter kam Herr Ferdinand Ludwig, Pianist, mit\nFräul. Ottilie Schmitz, von vielen Hoftheatern entfernt\nwohnend, Herr H. Wieniawski und Herr Jakob\nFranco-Mendes. Herr Ludwig spielte Chopin's Polo-\nnaise in D-mollund von sich selber slawische Träume und\nein Schweizerlied, eine Erinnerung von Joachim Raff. Herr\nMendes-Franco phantasirte und melodirte; Fräul. Schmitz\nweinte eine Arie aus der „Schöpfung\", für die—und die\nfür—sie nicht geschaffen scheint, ein Lied von ihrem Herrn\nVater und 's Sträusli von irgend einem Haas. Herr Wie-\nniawski, nun ja, das ist ein Geiger par excellence! er phan-\ntasirte über Othello-Motive von Ernst und über Airs\nrusses, dass es eine Lust war.\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "348", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591029-01.1.4", "texte": "Darauf gab oder schenkte Herr Maximilian Wo)ff,\nSolo-Violinist von Frankfurt am Main, ein Concert. Fräul.\nMarth sang das „Veilchen\" von Mozart, die „Post\" von\nSchubert und mit Herrn Schneider einen Zweigesang von\nRossini. Herr WolfF spielte das Mendelssohn'sche Violin-\nConcert wahrhaft meisterhaft, und mit Herrn Lux aus\nMainz eine Sonate für Piano und Violine im edelsten,\nschönsten Vortrage. Herr Wölfl* ist ein höchst sauberer\nGeiger, rein und gross wie die Unschuld. Sein Genius\nmöge ihn nie verlassen!\nEtwas später gab ein Zitherspieler, Herr Miller, ein\nGlied vom hiesigen Opernkörper, ein Concert. Darin spielte\nHerr Pallat (der ständige Begleiter sämmtlicher Concerte)\nLa danse des feesvon Willmers; Fräul. Frassini sang eine\nArie aus dem Elias, Herr Schneider zwei Lieder, Herr Karl\nFormes einen Meyerbeer'schen „Mönch\" und mit Fräul.\nFrassini und Herrn Schneider ein Terzett aus Lucrezia.\nHerr Miller er musste doch auch etwas thun\nzilherte drei Pieccn, und Fräul. Schönchen zitherte eben-\nfalls mit Herrn Miller gemeinschaftlich einen Ländler. Das\nwar erzitternd schön!\nEine Woche später gab's wieder ein grosses, ganz\ngrosses Concert zum Besten des hiesigen Verschönerungs-\nVereins. Herr llof-Goncertmeister Dr. Barth von hier\nhatte die Mühe auf sich geladen, das Concert zu arrangi-\nren; sein Name prangte an der Spitze eines mehr als manns-\nhohen Anschlagszettels [das eingesandte Exemplar misst\nvier Ellen], Nach ihm las man nebenher die unbedeuten-\nderen Namen: Fräul. Frassini, Herr Karl Formes, Herr\nAlfred Piatti aus London und Herr G. Nacciarone aus\nNeapel. Fräul. Frassini sang eine Arie aus Torquato Tasso\nvon Donizelti und einen Walzer von Balle; Herr Piatti\nsäuselte über La Sonnambida auf dem Violoncell und sou-\nvenirte sich, Linda di Chamouni gehört zu haben; Herr\nFormes läutete die Glocken von llölzl und sang die Arie\naus dem Barbier; Herr Nacciarone aber erging sich in\nLiszt'schen Erinnerungen an Norma und phantasirte, sich\nnach Naples träumend, in Erinnerungen an seine glück-\nliche Heimat. Grosse Bravour! Auch er ein Helden-Tasten-\nschläger. Ein Secretär begleitet ihn auf seinen ruhmbe-\nkränzten Pfaden durch die Auen der deutschen Barbaren.\nIn einem anderen Concerte zeigte sich Herr Hein-\nrich Schönchen aus München als einen gediegenen, vor-\nzüglichen Ciavierspieler, ohne ein Helden-Tastenschläger\nzu sein.\nAm T. October wurde der Schlussstein der Concert-\nSaison gelegt mit einem Concerte, in welchem ausser den\nbekannten Namen: Fräul. Frassini u.s.w., auch ein Violin-\nspieler Taborowsky, ein Russe, auftrat. Fräul.Frassini,\nHerr Schneider und Herr Simon sangen ein Terzett aus\nden Lombarden von Verdi; Fräul. Frassini noch eine Po-\nlacca aus dito; Herr Schneider mit schönem Tone und gu-\ntem Vortrage Beethoven's Adelaide. Er vergriff jedoch beide\nTempi; denn er sang beide Sätze zu langsam. Der letzte\nSatz entbehrte desshalb eines gewissen Schwunges. Herr\nTaborowsky, welcher das Conservatoire zu Brüssel absol-\nvirt bat, dort unter Damcke Composition studirte, so wie\nbei Leonard im Violinspiel sich ausbildete, ist im Besitze\neiner sehr grossen Technik und zeigt viel geistige Auffas-\nsung in seinem Vortrage. Wir möchten sagen, er über-\nstürze sich oft selber durch ein zu fesselloses Feuer. Er\nspielte das Adagio und das erste Allegro des ersten Con-\ncertes von Vieuxtemps mit Kundgebung bezeichneter Eigen-\nschaften. Man kann sein Spiel im engeren Sinne des Wor-\ntes die belgische Schule nennen, welche wir jedoch der\nSpohr'schen oder deutschen Schule unterordnen. Herr Ta-\nborowsky spielte das Vieuxtemps'sche Concert mit grossem\nApplaus, so wie auch die Romanze von Beethoven\nund eine kleine Composition von ihm: Es\nwurde ihm nach jeder Nummer die Ehre und Auszeich-\nnung des Hervorrufs zu Theil. Herr Taborowsky beabsich-\ntigt, sein Vaterland mit der Violine zu durchmessen; der\nErfolg dürfte ihm gewiss sein. Wir hatten Gelegenheit,\neine Menge kleinerer und grösserer Compositionen des\nHerrn Taborowsky durchzusehen, welche alle von grossem\nTalente zeugen. Herr Capellmeister Hagen begleitete sämmt-\nliche Nummern am Piano.\nIch kann nicht unterlassen, am Schlüsse meines Be-\nrichts Ihnen zu erzählen, dass in Homburg ebenfalls ein\nreges Musikleben herrscht. Geben Sie nur Acht! In einem\nGarten-Concerte hörte ich Nummern aus dem Propheten,\nder Martha, dem Liebesmahl der Apostel von R. Wagner\nund zum Schluss eine Polka. Das Orchester, welches ein\nStreich-Orchester ist, steht unter der zweihäuptigen Di-\nrection der Herren Garbe und Koch, Allein Homburg\nhat auch eine deutsche Bühne! 0, hier fehlen mir Worte\nund Pinsel, um Ihnen eine Skizze davon zu geben! Auf\neinem Hofe steht ein scheunenartiger Bau, an dessen Gie-\nbel eine Lyra prangt, ziemlich grob geschnitzt, aber jeden-\nfalls frisch und neu, wesshalb sie bedeutend gegen die Um-\ngebung absticht. Aber nun der Zuschauerraum—die Bühne!\nAuf nackter Mutter Erde stehen Bänke, vor dem Orche-\nster, das durch einen Flügel repräsentirt wird, Stühle. Dem\nGanzen gibt Eine Hängelampe, über dem Flügel ange-\nbracht, eine glänzende Erleuchtung. Neben dem wurm-\nstichigen Souffleurkasten stehen an jeder Seite drei Beleuch-\ntungs-Apparate, die beschrieben zu werden verdienen.\nVielleicht nehmen einige Bühnen-Directoren Beispiel daran.\nAlso die erwähnten Apparate bestehen aus einer einen Fuss\nhohen Blechplatte, die auf einem kleinen, ungehobelten,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "349", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591029-01.1.5", "texte": "rohen Holzklötzchen befestigt ist, welches besagte Holz-\nklötzchen eben gross und schwer genug ist, um an jeder\nSeite der Platte ein Talglicht aufzunehmen, eines für die\nweitere Erhellung des Zuschauerraumes, eines für die Be-\nleuchtung c'er Bühne; beregtes Talgücht wird sehr prak-\ntisch in einen eisernen Stift gesteckt, der in das llolz-\nklötzchen eingetrieben ist. Alles Weitere ist im schönsten\nEinklänge mit diesen Einrichtungen. Ich schritt ernsten\nGeistes über diese Bühne, auf der ich mich ein Riese\ndünkte, nahm auf einem schwachbeinigen Stuhle Platz,\nwarf einen Blick in die Coulissen: da stand ein Kreuz, dort\nhing ein Säbel, da lag ein musterhaft eingedrückter Hut\nund dergleichen kostbare Utensilien zur würdigen Vorfüh-\nrung des deutschen Schauspiels in Homburg vor der Höhe!\nEs war am 1. September 1859, als Herr von Duval, der\nDirector der Gesellschaft, sein Benefiz hatte. Es sollten die\nReise-Abenteuer des von Münchhausen gegeben werden,\nund am Fusse des Zettels fand ich erröthend folgende\nWorte: „Sehr geehrte Kunstfreunde! Wahrend dieser Sai-\nson waren die Geschäfte von der Art, dass ich ein bedeu-\ntendes Deficit erlitt; bitte daher, in dieser Vorstellung mich\nmit Ihrem zahlreichen freundlichen Besuche zu beehren,\nwobei ich Ihnen die Versicherung geben kann, dass durch\ndiese Posse, welche aller Orten mit dem besten Erfolg auf-\ngenommen wurde, ein gewiss heiterer Abend geboten\nwird. Mich Ihrer Huld und Gewogenheit empfehlend,\nzeichne ich mich in Hochachtung Ihr ergebenster A. v. Du-\nral, Director.\"\nUnd am 7. Juli folgendes Slil-Pröbchen desselben deut-\nschen Theater-Directors: „Möge ein hochgeschätztes und\ngeehrtes Publicum manches zu wünschen übrig, durch\nineine Gesellschaft, welche , und durch welche\nich die schönste Abwechslung zu bieten im Stande bin,\nvergessen und mir zu der schönen Hoffnung Raum lassen,\ndass sich der Besuch von Tag zu Tag steigern wird.\"\nIch höre, das Publicum habe ihm bis zu Ende „Raum ge-\nnug\" gelassen.\nSolche Wunderdinge kommen Ihnen wohl unerwartet\nvor aus den berühmten Taunusbädern? Ich sagte Ihnen\nja, sie concentriren ein merkwürdiges Stückchen Menschen-\nleben. Aber die Kugel rollt auf der Roulette fort und fort,\nRussen und Franzosen lachen über uns und machen „un-\nter des deutschen Bundes schützenden Privilegien\" ihr\nSpiel. Was wollen Sie mehr? Rien\nWiesbaden, im October 1859.\n\nW. W.\n\nAus Aachen.\n\nUnsere Abonnements-Concerte haben unter sehr glück-\nlichen Auspicien begonnen; niemals ist die Zahl der Abon-\nnenten so gross gewesen, wie in diesem Jahre. Die vier\nRiesen, welche seit langen Jahren das Gewölbe unseres\nCursaales auf ihren Schultern tragen, machten grosse Au-\ngen, als sie bei dem Concerte am 21. October die zahl-\nreiche Zuhörerschaft laut nach einem grösseren Saale ver-\nlangen hörten, der mit dem hiesigen Sinne für Musik in\nrichtigerem Verhältnisse stände. In ihren Mienen war zu\nlesen: „So lange haben wir diesen Versammlungsort aller\nNationen gehütet, die zur Zeit der Roulette seligen Anden-\nkens euch ihr schönes Geld hieher brachten, und jetzt sol-\nlen wir nicht mehr genügen! Wir haben es uns so ange-\nlegen sein lassen, eure Ohren zu entzücken, euren Gaumen\nzu kitzeln und euren Geschmack zu läutern, eure Füsse in\nBewegung zu setzen —ja, meine Damen, einer grossen\nAnzahl von Ihnen die theuren Hälften zu verschaffen, in\nderen Besitze Sie ohne Zweifel unendlich glücklich sind:\nund Sie, gerade Sie lehnen Sich am meisten gegen uns auf\nund verlangen für die furchtbare Peripherie Ihrer Reif-,\nHaar- und Stahlröcke zehn Quadratfuss Raum mehr, als\nIhnen von Rechts wegen zukommt und wir Ihnen bieten\nkönnen! 0 schwarzer Undank!\"\nTrotz alledem haben die Aachener doch nicht Un-\nrecht; das Concert am Donnerstag hat gezeigt, dass der\nSaal zu klein ist; viele Abonnenten haben in den anstos-\nsenden Zimmern ein Unterkommen suchen müssen.\nFreilich hat an diesem Abende wohl Frau Clara\nSchumann eben so sehr eine besondere Anziehungskrall\ngeübt, als auch dem Concerte selbst einen besonderen\nGlanz verliehen. Alles strömte herbei, um die grosse Künst-\nlerin als Dolmetscherin von Mozart's Genie in dessen\nmoll-Concert zu hören, wozu sie sich glänzende Cadenzen\ncomponirt hatte, von denen besonders die in den letzten\nSatz eingelegte in Bezug auf Stil bemerkenswerth war. Sie\nhat uns gezeigt, dass sie den reinsten Grad der Virtuosität\nrepräsentirt. Der Beifall war der Künstlerin würdig, eben\nso nach Chopin's Impromptu in und nach dem\nSchlummerlied von R. Schumann. Vorzüglich enthusias-\nmirte sie jedoch das Publicum durch die Gavotte von Bach,\ndie sie auf stürmisches Verlangen der Zuhörer wiederholte.\nUnser Orchester hat unter der geschickten Leitung\ndes Herrn Wüllner sich neue Lorbern errungen; die\nAusführung der Sinfonie Nr. I. in von R. Schu-\nmann und der Leonoren-Ouverlure Nr. 2 von Beetho-\nven war vortrefflich; man kann sagen, sie liess nichts zu\nwünschen übrig. Diese ausgezeichneten Leistungen stellten\ndie Aufführung des 115. Psalmes von Mendelssohn"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "350", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591029-01.1.6", "texte": "etwas in Schatten, welche, ohne dass eigentlich Rügens-\nwerthes aufgefallen wäre, doch den Schwung und den\nAplomb vermissen liess, an welche uns der Chor sonst ge-\nwöhnt hat.\n\nN.\n\nGrstes Gesellschafts-Concert in Köln\nIm Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferd. Hiller.\nDinstag, 25. October 1859.\nProgramm. I. Theil. 1. Ouvertüre zu Euryanthe von C. M. von\nWeber. 2. Ave verum corpus von W. A. Mozart, 3. Concert für\nPianoforte in G-dur von L. van Beethoven (Frau Clara Schu-\nmann). 4. „Höre, Israel!\" Sopran-Arie von F. Mendelssohn\n(Fräul. Charlotte Beste). 5. Scherzo in H-moll von Chopin,\nGavotte von J. S. Bach für Pianoforte. 11. Theil. Lobgesang.\nSinfonie-Cantate von F. Mendelssohn.\nDie Gesellsehafts-Concerte haben wieder begonnen. Der grosse\nSaal des Gürzenich hat sich durch reiche Vergoldung und maleri-\nsche Färbung an den Säulen und Spitzbogen und an der Decke ver-\nschönert; auch die Zurückschiebung der Tonbühne ist als eine Ver-\nbesserung anzusehen, da sie die Akustik nicht zu beeinträchtigen\nscheint und die Architektur des Saales noch besser dadurch her-\nvortritt.\nDie Gesammtkräfte der ausführenden Künstler und Dilettanten\nbestehen wie früher im Chor aus der Verbindung sämmtlicher Ge-\nsangvereine mit Hinzuziehung einzelner stimmbegabter uncl musica-\nlisch gebildeter Sängerinnen and Sänger, auch wenn sie nicht Mit-\nglieder irgend eines Vereins sind, so dass der Chor der Concert-\nGesellschaft ein für sich bestehender ist, der an 250 300 Mitwir-\nkende zählt. Bei der Instrumental-Partie bildet das städtische Orchester\ndas Fundament; es wird durch hiesige Künstler und Dilettanten und\nzum Theil auch durch auswärtige verstärkt und repräsentirt einen\nstattlichen Körper von 24 —3O Violinen, unter Anführung der beiden\nConcertmeister Herren Grunewald und von Königslow, und\nverhältnissmässiger Besetzung der übrigen Instrumente.\nBeide Tonkörper, der Chor und das Orchester, haben uns gleich\nim ersten Concerte die erfreuliche Ueberzeugung gegeben, dass sie\ntrotz der Sommer-Pause keineswegs zurückgegangen, sondern im Ge-\ngentheii vorangeschritten sind Resultat der eifrigen Theilnahme\nan den Uebungen der Akademie und des städtischen Gesang-Vereins\nunter Leitung des Herrn Musik-Directors Weber und des Herrn\nBreunung, und im Orchester der gründlichen musicalischen Bil-\ndung und der zum Theil ausgezeichneten technischen Leistungsfähig-\nkeit der Mitglieder, der neu eingerichteten zweimaligen Proben in der\nWoche, die durch den Mangel eines Operntheaters ermöglicht wor-\nden sind, und der trefflichen Leitung des städtischen Capellmeisters\nHerrn F. Hiller.\nWeber's Euryanthe-Ouverture wurde sehr gut ausgeführt, sowohl\nmit Kraft und Schwung, als mit Zartheit und sanftem Ausdruck da,\nwo sie hin gehören. In Mozart's Ave verum zeigte der Chor den\nschönen, vollrunden Gesammtton, der ihm eigentümlich und in der\nThat von bezaubernder Wirkung ist.\nFrau Clara Schumann spielte das Cr-dwr-Concert von Beet-\nhoven und dann im zweiten Theile die oben genannten kleineren\nStücke, denen sie, durch den Hervorruf nach der Gavotte bewogen,\nnoch ein Stück aus Chopin's nachgelassenen Compositionen hinzu-\nfügte. Ueber das hohe Talent der genialen Frau, so wie über ihre\neminente technische Fertigkeit, den wundervollen Anschlag, die zarte\nSchattirung des Vortrags u. s. w. herrscht in der Kunstwelt nur\nEine Stimme, und auch die gegenwärtigen Leistungen der Künstlerin\nberechtigen vollkommen zu dem Lobe, von welchem diese Stimme\nwiederhallt. Anders verhält es sich mit der AufFassungs- und Vor-\ntragsweise im Ganzen, welche Frau Schumann den classischen Com-\npositionen, namentlich den Boethoven'schen, angedeihen lässt; über\ndiese sind die Stimmen sehr getheilt. Je höher Clara Schumann\nsteht, je gefeierter ihr Name und ihr Beispiel ist, desto strenger\nmüssen an ihre Leistungen die Forderungen einer Kritik gelegt wer-\nden, die über den Künstler nicht das Kunstwerk, über die Virtuo-\nsität nicht die Composition vergisst. WTir haben schon öfter uns gegen\ndie Uebereilung der Tempi in classischen Compositionen durch die\nneueren Virtuosen erklärt, glaubten jedoch, als wir zuletzt vor eini-\ngen Jahren Frau Schumann hörten in einem in jeder Hinsicht\nvortrefflichen Vortrage des G-moll-Concertes von Mendelssohn —, dass\ndiese Künstlerin von der fieberhaften Aufregung, durch welche sie\nsich zuweilen hinreissen liess, zurück gekommen wäre. Indess ver-\nnahmen wir späterhin von mehreren Seiten, namentlich aus Wien,\nneuerlich auch wieder aus London, Entgegengesetztes. Mit Bedauern\nhaben wir in dem Concert am 25. d. Mts. die Erfahrung gemacht,\ndass die Stimmen aus Wien und London Recht haben: wir ge-\nstehen, dass wir die classische Ruhe, die wir für die Hauptbedin-\ngung des künstlerisch vollendeten Vortrags halten müssen, nicht\nbloss bei dem Beethoven'schen Concerte, sondern selbst auch bei\nden Musikstücken von Chopin und Bach vermisst haben. Der erste\nTheil des Chopin'schen Scherzo wurde durch eine fabelhafte Rapi-\ndität unfassbar selbst für Musiker, wenn sie die Composition nicht\ngenau kannten, geschweige denn für das Publicum. Es ist, besonders\nin einem grossen Saale (namentlich im Gürzenich, wo überhaupt\nschon das Pianoforte mit den ungeheuren Raum-Verhältnissen zu\nkämpfen hat), nicht anders möglich, als dass bei einem so rasend\nschnellen Tempo die Deutlichkeit des Spiels leidet. Bei der Gavotte\nliess die reizende Ausführung über das Tempo hinwegsehen, dessen\nBewegung doch auch noch Maass hatte. Der erste Satz des G-dur-\nConcertes verlor aber durch das zu schnelle Tempo einen Haupttheil\nseines bezaubernden Reizes, und wir müssen die Auffassung dessel-\nben geradezu für verfehlt erklären. Wenn es so fortgeht mit dem\nVergreifen der Tempi bei Beethoven, wie die Mehrzahl der heutigen\nClavierspieler, auch der Sinfonie-Dirigenten, es angefangen hat, so\nwerden wir bald eben so bedauern müssen, dass Niemand mehr Beet-\nhoven in seinem Geiste reproduciren kann, wie wir bereits längst\nbedauern, dass Keiner mehr so schreiben kann, wie er. Der fragliche\nSatz ist Allegro mo der cito bezeichnet, und sein Vierviertel-Tact\nenthält in den meisten Passagen Sechszehntel-Triolen und Sextolen,\ndie sogar oft in Zweiunddreissigstel übergehen also äussere Wahr-\nzeichen genug für das richtige Tempo, abgesehen von dem inneren\nCharakter, der nirgends zu Hast und Aufregung berechtigt, im Ge-\ngentheil in einer, ich möchte sagen: seligen Ruhe des künstlerischen\nEbenmaasses sein eigenthümlich schönes Gepiäge hat. Der Vortrag\nder ersten fünf Tacte, in welchen das Pianoforte allein das Haupt-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "351", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591029-01.1.7", "texte": "Motiv erklingen lässt, ist entscheidend für die Auffassung de 3 gan-\nzen Satzes. Beethoven schreibt darunter piano und dolce; es liegt\ndarin ein „süsses\" Gefühl der Befriedigung, in welchem die sehn-\nsüchtige Wehmuth nachklingt, die noch nicht wagt, sich dem Glücke\nganz hinzugeben. Wer kann das, zumal nach dem geisterhaften\nEintritt des H-dur im Orchester pianissimo, der vor jedem Ueber-\nmuth warnt, verkennen? Wer hört nicht in den letzten Tacten\ndes Tutti, wiederum dolce bezeichnet, in derselben Figur und\nBetonung die Rückkehr zu dem süssen Tönen des Trostes und der\ninnig freudigen Zuversicht, welche die unmittelbar vorhergehenden\nTacte (die herabsteigenden Sechszehntel-Läufe nach d und der schroffe\nAbsprung auf es) uns beinahe verkümmert hätten? Und nun denke\nman sich jenes, wenn es mit dem richtigen Ausdruck wiedergegeben\nwird, himmlische Motiv durch ein frivoles Tempo zu einer ganz ge-\nwöhnlichen Fanfare gemacht! Nein, für solche Missgriffe, welche den\nCharakter einer ganzen Tondichtung umstossen, ist die so genannte\nBerechtigung der individuellen Auffassung ein elender Behelf, eine\nVersündigung an dem Geiste, der aus der Composition vor unserer\nPhantasie erstehen und von Anfang bis Ende darüber schweben soll.\nWir behalten uns vor, an anderer Stelle unsere Ansicht über den\nVortrag der Beethoven'schen Concerte in G-dur und in Es-dur aus-\nführlicher zu entwickeln und, wenigstens so viel an uns liegt, dem\nUntergange dieser reichen Goldwerke unter dem Raubbau der mo-\ndernen Virtuosen zu steuern.\nMendelssohn's Sinfonie-Cantate „Lobgesang\" wurde mit\ngrosser Präcision und mit Schwung ausgeführt. Die Solo-Partieen,\ngesungen von Fräul. Charlotte Beste aus Bremen (1. Sopran),\nFräul. Saar dt und Herrn A. Pütz, waren genügend besetzt, be-\nsonders erfreulich wirkte der angenehme Tenor des letzteren. Fräul.\nBeste, so viel wir wissen, ebenfalls eine Dilettantin, ist im Besitze\ntrefflicher Mittel; ihre volle, reine und egale Sopranstimme ist eine\nschöne Begabung, die bei fortgesetzter sorgfältiger Cultur reiche\nFrucht tragen wird, zumal wenn die Tonbildung dermaassen fortge-\nschritten sein wird, dass sie im Stande ist, den Klang je nach den\nverschiedenen Empfindungen zu nuanciren und die Aussprache der\nWorte nicht darunter leiden zu lassen. In dem Vortrage der Arie\naus Elias: „Höre, Israel\", hatte die junge Dame besonders im Alle-\ngro recht gute Momente.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKfllsa« Das Schiller-Fest wird hier vom 9.—11. November\nauf folgende Weise begangen werden: Am 9. im Theater unter Lei-\ntung des Herrn Directors L'Arronge Festspiel, gedichtet von Dr.\nBcrnays in Bonn; Wallenstein's Lager; die Glocke, Declamation\nund lebende Bilder. Am 10. im grossen Gürzenichsaale zweites\nGesellschafts-Concert, Prolog von Wolfg. Müller, Cantate von\nL. Bischoff, für Soli, Chor und Orchester componirt von Ferd.\nHill er; Ouvertüre zu Don Carlos von F. Ries; zum Schluss die\nneunte Sinfonie von Beethoven. Im Theater: Wallenstein's\nTod. Am 11. im Gürzenichsaale declamatorisch-musicalische Feier:\nProlog von Gustav Pfarrius; Hymnus an die Künstler von F.\nMendelssohn-Bartholdy durch den kölner Männergesang-Ver-\nein; Declamation, Scene aus Don Carlos u. s. w.; in der zweiten\nAbtheilung: Schillers Glocke, für Soli, Chor und Orchester compo-\nnirt von A. Romberg; zum Schluss : Epilog zur Glocke von Gö-\nthe. Festmahl.\nMifllßneiail it. <fl. ü&iaS*s% 24. October. Es gereicht mir zur\nFreude, Ihnen von der Aufführung des Oratoriums „Die Zerstörung\nJerusalems\" Mittheilung machen zu können. Dem Herrn Musik-Di-\nrector Engels gebührt die dankbare Anerkennung, dieselbe ins Werk\ngesetzt zu haben. Die gemischten Gesang-Vereine zu Duisburg und\nMülheim, unterstützt von den dortigen Capellen, und der Gesang-\nVerein zu Essen, in Verbindung mit der Bergcapelle, hatten die Aus-\nführung übernommen. Der gefeierte Componist des Oratoriums, Herr\nCapellmeister Hill er, war der freundlichen Einladung gefolgt, die\nLeitung des Ganzen zu übernehmen. Derselbe wurde mit stürmischem\nJubel empfangen und sah sich an der Spitze eines Chors von etwa\n60 Damen und 40 Herren, so wie einer vollständig besetzten Capelle\nvon einigen dreissig Musikern. Schon in der am Samstag Statt ge-\nfundenen General-Probe fand sich derselbe bewogen, seinen Dank\nfür die rege Theilnahme an seinem, wie er es nannte, Jugendwerke\nund für dessen exacte Ausführung zu erkennen zu geben. Bei der\nAufführung selbst mochte die Zuhörerschaft, welche aus nah und\nfern herbeigekommen war, wohl 400 Personen zählen, und auch diese\nspendete reichen Beifall. Es ist hier nicht am Platze, den Vorträgen\nins Detail zu folgen, aber wir können uns nicht enthalten, daraus\nEinzelnes hervorzuheben. Die Bekanntschaft mit der gewaltigen und\nerhebenden Instrumentirung und der eine Epoche in der Musik be-\nzeichnenden dramatischen Auffassung des Oratoriums setzen wir vor-\naus und gedenken des Herrn Scholl, welcher in seinem vollen Ba-\nriton den Jeremias vortrefflich und sicher vortrug. Die schöne Stimme\nder Frau Wiskott sang die Hanna mit dramatischer Färbung, em-\npfindungsvoll. In Herrn Bötticher hörten wir den klagenden, be-\ndrückten König, und wahrhaft ergreifend war: „Ick will an dieses\nHeiligthumes Stufen\". Die Chamital gab uns Frau Vorster, welche\nüberdies von Frau Wiskott ein Duett übernommen hatte, Herr\nSteinmetz sang den Achicam, und Beide entzückten sowohl die\nZuhörerschaft als auch die Mitwirkenden durch ihre reichen Mittel\nund durch hohe künstlerische Ausführung. Das Duett „0, wär' mein\nHaupt ein Thränenquell\" war die Perle des Ganzen, seelenvolle\nSphärenklänge. Unter den schön durchgeführten Chören gefielen\nbesonders: „Wie heilig und hehr sind Deine Hallen\", „Wer unter\ndem Schirme des Höchsten sitzet\", „Heil Nebukadnezar\", die gewal-\ntig und ergreifend; ferner: „Wir zittern vor des Sehers Dräuen\"\nund „Wir ziehen gebeugt\", welche mit äusserst zarter Behandlung\nund sicherem Staccato vorgetragen wurden. Weniger sicher war der\nschwierige Chor: „Ha, wir haben sie vertilgt!'4 Der Meister er-\nhielt noch durch Ueberreichung eines Lorberkranzes eine besondere\nAnerkennung, welche die Zuhörerschaft theilte. Der Abend wurde\nin heiterer Geselligkeit durch Tanz beschlossen, wozu ein reicher\nund besonders schöner Damenkreis einlud.\nKassel« Am 22. October, Abends halb zehn Uhr, ist Dr,\nLouis Spohr gestorben, nachdem er am 19. von einem Schlag-\nanfalle getroffen worden. Er war am 5. April 1784 zu Braunschweig\ngeboren; seit 1822 bekleidete er in Kassel die Stelle eines Hof-Ca-\npellmeisters und General-Musik-Directors.\nFrankfurt a« Uff« Fräulein- Francisca Veith ist aus\nihrem Engagement beim Hoftheater in Kassel geschieden, nachdem\nsie mit dem Baritonisten Rübsamen daselbst ein Engagement an-\nderer Art, gewöhnlich Verlobung genannt, geschlossen. Hier ist sie\nbereits in mehreren Köllen wieder aufgetreten und mit ungewöhn-\nlichem Beifall, namentlich als Amine, aufgenommen worden.\n* • ■' * • ' 1 i |\nIn Potsdam ist der Musik-Director und Organist Joh. Cliri\nstian Schärtlich am 30. September, 70 Jahre alt, gestorben. Er\nwar zu Dresden 1789 geboren, sang im Kirchenchor, war dann Schü-\nler des Lehrer-Seminars unter Dinter's Direction, machte gründliche\nmusicalische Studien und kam 1817 an die Haupt Elementarschule\nzu Potsdam, in welcher Stadt er sich nach und nach als Organist,"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "352", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591029-01.1.8", "texte": "Dirigent des liturgischen Chors der Garnisonkirche und seit 1844\ndes Männergesang-Vereins einen ausgebreiteten Wirkungskreis schuf\nBei seinem fünfzigjährigen Jubiläum erhielt er den Kothen Adler-\nOrden vierter Classe. Von seinen Liedern haben viele eine grosse\nPopularität durch die Männergesang-Vereine erlangt.\nMehrere Journale haben von uniibersteiglichen Schwie-\nrigkeiten gesprochen, die sich der Einführung der vom Ministerium\nverordneten N ormal stimm un g entgegenstellten. Diese Schwierig-\nkeiten sind einer ernsten Prüfung unterzogen worden, und ihre Lö-\nsung steht bevor.\nTheodor Parmentier ist von hier nach Toulouse abgereis't,\nwohin ihn sein Beruf als Adjutant des Marschalls Niel ruft Seine\nmilitärische Laufbahn hat ihn bis jetzt nicht zurückgehalten, auch\nals Musiker und musicalischer Schriftsteller zu wirken. Seine Gattin,\nTherese, geb. Milanollo, hat sich vor der Abreise noch einmal\nim Salon der Madame Behr hören lassen. Die berühmte Künstlerin\nentzückte durch den Vortrag eines Adagio von Vieuxtemps, mehre-\nrer Stücke eigener Composition, eines glänzenden Rondo und eines\neinfachen Wiegenliedes von Cuvillon.\nBei dem Schiller-Feste am 10. November, Abends 8 Uhr, im\nCirque de Vlmpdratrice in den Champs Elysees werden vorkommen\nzwei neue Compositionen von Meyerbeer (ein Marsch und eine\ngrosse Cantate), eine Festrede, der Festgesang an die Künstler von\nMendelssohn und der letzte Satz der neunten Sinfonie von Beetho-\nven. Pasdeloup (der Dirigent der Societe des jeunes Artistes du\nConservaloire) wird die Masse der 500 Mitwirkenden (Chor und Or-\nchester) leiten. Der Reinertrag ist zu einem wohlthätigen Zwecke\nbestimmt. [Hoffentlich doch für die Schiller-Stiftung!] Eintritts-\ngeld zu 10, 5 und 2 Francs.\nDer Neubau eines Theaters für die grosse Oper ist entschieden;\nes soll in achtzehn Monaten fertig sein.\nDie Oper Orpheus von Gluck wird einstudirt; Madame Viar-\ndot wird den Orpheus singen.\nIjontlovi« Der Earl von Westmoreland, Peer von Eng-\nland, früher k. grossbritannischer Gesandter in Berlin und in Wien,\nist auf seinem Landsitze in Nortliamptonshire, 76 Jahre alt, gestor-\nben. Er war ein thätiger Musikfreund und kein schlechter Compo-\nnist; er schrieb Opern und Kirchenmusik. Sieben Opern, sechs Can-\ntaten, eine Messe und mehrere Motetten zeugen von seiner ausser-\nordentlichen Thätigkeit im musicalischen Berufe Er ist Gründer der\nAkademie der Musik, der Vocal-Association u. s. w. Die Kunst und\ndie Künstler haben an dem edeln Lord eine grosse Stütze verloren.\nB e i* i e 1t t i g u n\nIn dem Artikel I. über A. Schindlers Biographie Beet-\nhoven's (in Nr. 43) ist S. 342 statt ~den 28. October 1844\",\nzu lesen 1834. Der Fehler stammt aus dem Vorworte des Buches\nS. X her, wo er leider, wie so manche andere Druckfehler in dem\nBuche, unberichtigt geblieben ist.\nIm Auftrage des Verfassers der Biographie."}]}