{"numero_id": "bm-bmtnabi-1859-11-05-01", "volume": "bmtnabi_1859-11-05_01", "ocr_sha256": "0f0e1bf353e4841b23c8f010ba39e4cf7719061b58284a07d300bf6684e7aeb9", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1859/11/05_01/bmtnabi_1859-11-05_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591105-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1859-11-05-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-11-05_01#c001", "volume": "bmtnabi_1859-11-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "353", "page_fin": "353", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591105-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "353", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591105-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 413, "texte": "Inhalt.\nLudwig Spohr (Biographische Uebersicht). Von C. A. Uebersicht der Abtheilungen des Vereins zur Beförderung der\nTonkunst in Niederland im Jahre 1858—1859. Jakob Andreas Romberg Die deutsche Schiller-Stiftung an die Deutschen.\nLudwig Spohr's Begräbniss. Tages- und Unterhaltungsblatt (Hannover, H. Marschner Dresden Ludwig Wolf f Stutt-\ngart, Schiller-Fest Regensburg Heilbronn, Schiller-Fest Wien Brüssel)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-11-05-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-11-05_01#c002", "volume": "bmtnabi_1859-11-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "353", "page_fin": "355", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591105-01.2.2", "titre_corps": "Ludwig Spohr", "titre_sommaire": "Ludwig Spohr", "signature_source": "C. A", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "353", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591105-01.1.1", "debut_caractere": 415, "fin_caractere_exclue": 4300, "texte": "Ludwig Spohr\n\n*)•\nDurch das ganze Deutschland, ja, durch die ganze\ncivilisirte Welt wird die Kunde gehen, dass Ludwig Spohr\nnicht mehr unter den Lebenden weilt, und überall wird\nsie das Echo der Trauer wecken. Denn wir verlieren auch\ndie ungern und mit schmerzlichem Bewusstsein von der\nFlüchtigkeit des Irdischen, deren Tagewerk geendet war,\ndie nur noch als Person, als leibhaftige Menschen mit uns\nwandelten und durch ihre Erscheinung an die Tage ihrer\nSchaffenskraft erinnerten. Die Zeit, in der Ludwig Spohr\nsich Denkmale unvergänglicher Dauer im Gebiete der Kunst\nschuf, liegt dahinten, er selbst aber war uns bis dahin ge-\nblieben als einer der grossen Genien, die aus vergangenen\nTagen in die unseren ragen, von denen der Tod nach der\nreichen Aernte, die er in den letzten Jahren gehalten, nur\nnoch wenige zu sammeln hat. Wir nun, die ihn persönlich\nden Unsrigen nennen durften, haben besondere Ursache,\nnun, da er abgerufen, daran zu erinnern, was er uns ge-\nwesen. Seit mehr als siebenunddreissig Jahren hat der\nHaupttheil seines Wirkens unserer Stadt angehört, sein\nRuhm ist in gewissem Betracht mit ihr verknüpft, denn die\nStätte, die ein grosser Mensch betrat, ist ja geweiht für\nalle Zeiten. In aller Welt leben ihm Bewunderer; bei uns\nlebte ihm und wird ihm leben Liebe und dankbare Ver-\nehrung. War auch sein äusserliches Wesen schroffer, als\ndie seelenvolle Zartheit, die elegische Weichheit seiner\nTongebilde vermuthen liess, so sind doch nicht Wenige,\ndenen es vergönnt war, die herrliche Innerlichkeit seiner\nSeele auch in nicht künstlerischen Beziehungen leuchten zu\nsehen. Wer solche wunderbare Lieblichkeit in Töne zu\nhauchen verstand, wer so schöne Lieder aus der Fülle sei-\nnes Innern hervorströmen lassen konnte, der konnte auch\nim Leben der Liebe und Herzlichkeit nicht baar sein. Tau-\nsende wissen zu rühmen von der thätigen, uneigennützigen\nBereitwilligkeit Spohr's, dem unbemittelten Talent Förde-\nrung, der Dürftigkeit Unterstützung zu gewähren, und an\nseinen Früchten mag man auch ihn besser erkennen, als\nan dem, was er äusserlich Vielen schien.\nWerfen wir einen flüchtigen Blick auf das reiche Le-\nben, das nun zum Abschluss gekommen. Ludwig Spohr\nward am 5. April 1784 zu Braunschweig geboren. Die\nRindheitsjahre verbrachte er nach des Vaters, der als Arzt\nwirkte, Versetzung grösstenteils in dem Städtchen Seesen.\nDort hatte der Bector Biemenschneider die erste Leitung\ndes musicalischen Unterrichts, nachdem der Vater wider-\nstrebend, da er den Sohn der Wissenschaft bestimmte,\ndem früh erwachten künstlerischen Triebe des Knaben\nund den Bitten der Mutter nachgab und den Unterricht im\nGeigenspiel neben ernsthaften wissenschaftlichen Studien\ngestattete. Ein Befugie, Dufour, trat dem Bector als Leh-\nrer zur Seite, um Weniges befähigter, als dieser. Nach-\ndem der achtjährige Knabe bereits durch Compositions-\nVersuche entschiedenste Begabung gezeigt, verstand sich\nder Vater selbst dazu, die weitere Ausbildung in der Be-\nsidenz zu ermöglichen. In Braunschweig genoss Ludwig\nSpohr einen kurzen theoretischen Unterricht, den einzigen,\nden er im Leben hatte, beim Organisten Härtung, wäh-\nrend das Geigenspiel unter Leitung von Kanisch, Maucourt\nund Franz Eck nach einander weitergeübt wurde. Am 23.\nOclober 1799 also vor sechszig Jahren erhielt der\nfünfzehnjährige Knabe das Bescript als herzoglicher Kam-\nmermusicus. Einer Kunstreise mit seinem Lehrer Eck nach\nBussland (1803) folgte 1804 die erste selbstständigo\nKunstfahrt durch Deutschland, die dem jungen Künstler\nsofort Buhm und Ehren die Fülle eintrug. Der Herzog\nvon Gotha berief im nächsten Jahre Ludwig Spohr zu sich\nals Concertmeister. In Gotha vermählte sich Spohr mit\n\n*) Wir entnehmen der Kasseler Zeitung (Nr. 230) diesen Artikel,\nweil er, neben der kurzen biographischen Uebersicht, der Ver-\nehrung der nächsten Umgebung des Verewigten einen so\nwarmen Ausdruck gibt. Die Kedaction."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "354", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591105-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5433, "texte": "Dorothea, geborenen Scheidler, einer alsllarfen-Vir-\ntuosin berühmt gewordenen Künstlerin. Er fand in ihr das\ntreueste Weib neben kunstverwandter Begabung. Um jene\nZeit entstand ausser zahlreichen anderen Werken das Ora-\ntorium „Das jüngste Gericht\" und die Oper „Der Zwei-\nkampf mit der Geliebten\". 1813 ward Spohr in die Kai-\nserstadt an das Theater an der Wien berufen. Während\ndes folgenden Jahres zur Congress-Zeit entzückte sein Gei-\ngenspiel die versammelte Menge von Berühmtheiten, Macht-\nhabern und Notabilitäten an Geist und Körper. Spohr's\nWeltruhm stammt aus jenen Tagen. Damals schrieb er\nseinen „Faust\", aus dem einzelne Stücke, namentlich die\nFest-Polonaise, die Bunde durch Europa machten, und\nausser vielen Instrumentalwerken das Oratorium „Das be-\nfreite Deutschland\", das der Zeitstimmung begeisterten\nAusdruck lieh. Einer Reise nach Italien (im Jahre 1817)\nfolgte die Anstellung Spohr's als Musik-Direclor am Stadt-\ntheater zu Frankfurt am Main, in welcher Stadt die wun-\nderbar anmuthige Composition von „Zemire und Azor\"\ngedichtet wurde. Die Wanderneigung des Künstlers liess\nihn bald darauf seine Stellung aufgeben und eine Reise\nnach England unternehmen. Dort wurde er gefeiert, wie\nseit Händel kein deutscher Tonmeister. Glänzende Aner-\nbietungen von Seiten des königlichen Hofes vermochten\naber seine lleimatsliebe nicht zu überstimmen; nach der\nVollendung seiner zweiten Sinfonie in London kehrte er\nnach Deutschland zurück und begab sich zunächst nach\nDresden, bis er 1822 auf den Ruf Kurfürst Wilhelm's 11.,\ndes unvergesslichen Förderers der Künste, an die Spitze\nunserer kasseler Hofcapelle trat.\nIn den Beginn seiner Wirksamkeit hier fällt gleich\neine That, deren dauernde Erfolge für Spohr noch eine\nandere ruhmreiche Erinnerung begründen, als seine Künst-\nlerschalt. Mit Zurücksetzung eigenen Vortheils, indem er\naul ein ihm für jedes Jahr bewilligtes Benefiz-Concert ver-\nzichtete, begründete er den Unterstützungs-Fonds für Wit-\nwen und Waisen des Hof-Orchesters. Auch die Stiftung\ndes Cäcilien-Vereins fällt in das Jahr seiner Berufung Die\nUebersiedelung in unsere Stadt scheint bald günstig auf\ndas schöpferische Vermögen Spohr's gewirkt zu haben;\ndenn kurz nachdem er unser Mitbürger geworden, schuf\ner dasjenige Opernwerk, das am dauerndsten Besitz vom\ndeutschen Opern-Repertoire unter allen seinen dramati-\nschen Compositionen genommen, das viele Tausend Herzen\nentzückte und wie oft noch entzücken wird: seine „Jes-\nsonda\" (1822). Fünfunddreissig Jahre später nahm der\nMeister mit dieser Oper, die gleichsam sein Willkomm-\ngruss an Kassel gewesen, Abschied von dem Dirigenten-\npulte, an dem er so lange das Orchester geleitet. Wie\n„Jessonda\", so entstanden die meisten übrigen Opern\nSpohr's in der kasseler Zeit: der „Berggeist\" (1824),\n„Pietro von Abano\" (1827), „Der Alchymist\" (1830),\n„Die Kreuzfahrer\" (1844). Ueberhaupt dürfen wir die\nEntstehung der meisten grösseren Compositionen Spohr's\nörtlich nach Kassel verlegen. Von den Oratorien: „Die\nletzten Dinge\", „Des Heilands letzte Stunden\", „Der Fall\nBabylons\", „Vater-Unser\" u.s.w.; ferner sechs Sinfo-\nnieen, die Mehrzahl der Violin-Concerte, zahlreiche Quar-\ntette und Quintette, eine Fülle wunderschöner Lieder\nu. s. w.\nDen stillen Frieden des Hauses, das wir alle kennen,\ndas als Asyl eines in Zurückgezogenheit schaffenden gros-\nsen Genius für alle Zukunft uns Kasselanern geweiht sein\nwird, brach nach zwölf Jahren ungestörten Familienglückes\nder Tod. Dorothea Spohr starb zum unendlichen Schmerze\ndes Meisters (1834, den 20. November). Ihr Harfenspiel\nwar längst nicht mehr erklungen, da die angestrengten\nUebungen und Productionen noch in London (1819) sie\nso erschöpft hatten, dass sie das geliebte Instrument ganz\naufgeben und sich mehr als früher dem Ciavier zuwenden\nmusste. Ihr Verlust raubte dem Gatten die treu bewährte\nGefährtin in Leben und Kunst. Die letztere, nun in einsa-\nmer Trauer gepflegt, übte aber bald ihre wunderbare\nMacht und wirkte zugleich abziehend und aufrichtend auf\nden gebeugten Meister. Nach einigen Jahren fand er die\nhingebende Liebe einer zweiten, ebenfalls kunstbegeisterten\nGattin in der Tochter des ausgezeichneten Rechtsgelehrten\nB. W. Pfeiffer, mit der er s'ch 1836 im Januar vermählte.\nIn der Folge ist Spohr's häusliches Leben bis auf einen\nschweren Verlust, der ihn (1838) im Tode der jüngsten\nunter den drei Töchtern, die ihm die erste Ehe geschenkt,\nhart traf, äusserlich ungetrübt geblieben. Die letzten zwan-\nzig Jahre seines Lebens waren reich an höchsten künstle-\nrischen Ehren. Am lautesten erhoben sich die Engländer\nbei ihren Huldigungen. Im September 1839 dirigirte\nSpohr, einer Einladung folgend, das grosse Musikfest zu\nNorwich, auf dem sein Oratorium „Des Heilands letzte\nStunden\" so grossen Enthusiasmus hervorrief, dass man\nden Künstler um die Composition eines ähnlichen Werkes\nfür das nächste Fest (1842) anging. Das dadurch hervor-\ngerufene und gleich in der Anlage auf die bedeutenden\nMassen der Ausführenden berechnete Oratorium, eines der\ngrossartigsten, die überhaupt je geschrieben sind, ist „Der\nFall Babylons\". An der Leitung des Fest-Concertes ward\nSpohr durch mangelnden Urlaub gehindert. Im Juli des\nfolgenden Jahres entschädigten ihn für das Versäumte zwei\ngrandiose Concerte in London (in und in\nnover Square), die zwei Mal das Oratorium zur Auffüh-\nrung und dem Componisten den begeistertsten Beifall\nbrachten. 1847 erlebte der Meister auf deutscher, insbe-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "355", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591105-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3512, "texte": "sondere auf hessischer Erde eine Verherrlichung, bei der,\nwas ihr an stürmischer, geräuschvoller Massenhaftigkeit\nabging, durch innige Theilnahme und sinnige Anordnung\nersetzt wurde. Den Bewohnern Kassels werden die Tage\ndes 20. und 22. Januar 1847, an denen man das fünf-\nundzwanzigjährige Amts-Jubiläum Spohr's, als des Leiters\nunserer Capelle, feierte, in treuer Erinnerung sein. Seit-\ndem gehörte der Meister auch als Bürger unserer Stadt\nan, nachdem der Magistrat ihn und sich durch Verleihung\ndes Ehren-Bürgerrechts geehrt. Der vaterländischen Hul-\ndigung folgte im Juni desselben Jahres wiederum eine in\nEngland, wo Spohr, zufolge erhaltener Aufforderung, in drei\nConcerten eben so viele seiner Oratorien zur Aufführung\nbrachte. Die stürmischen Revolutionszeiten überstand er\ndann in zurückgezogener künstlerischer Thätigkeit; im März\n1848 schrieb er sein herrliches Sextett für zwei Violinen,\nzwei Bratschen, zwei Violoncello's, und war dann in der\nfolgenden Zeit hauptsächlich damit beschäftigt, den Dialog\nim „Faust\" durch Recitative zu ersetzen und die zwei\nActe der Oper in drei umzuwandeln. Seit 1853, wo er\nmit staunenswerther Jugendlichkeit und Frische noch ein-\nmal seine ganze schöpferische Begabung in dem Septett\nfür Ciavier, zwei Streich- und vier Blas-Instrumente be-\nkundete, schriebSpohr noch Verschiedenes, ohne dass ihm\nselbst die damals entstandenen Arbeiten genügt hätten, da-\nher er sie nicht veröffentlichte. Seine Dirigenten-Thätigkeit\nbeschränkte sich, nachdem er (1857, den 22. November)\nin den Ruhestand versetzt worden, auf die Leitung einer\nAufführung seiner „Jessonda\" auf dem prager Musikfeste\n(8. Juli 1858) und auf die Direction eines von seinem\nSchüler J. J. Bott, Capellmeister in Meiningen, zu seinen\nEhren veranstalteten Concerts (12. April 1859), in dem\nnur Spohr'sche Compositionen aufgeführt wurden.\nDie Folgen eines Armbruches (Januar 1858) zwan-\ngen den Meister, dem geliebten Geigenspiel zu entsagen.\nOeffentlich, in eigentlichen Solo-Vorträgen, war freilich\nsein Zauberspiel seit langen Jahren nicht mehr gehört wor-\nden; nur im Privatkreise hat es noch Viele entzückt. Auch\ndie Compositions-Versuche wurden nach jenem Unfälle\naufgegeben, insbesondere ein begonnenes unvoll-\nendet gelassen, da der Meister selbst an sich spürte, dass\nihm der Abend des Lebens hereingebrochen sei, an dem\nNiemand wirken kann.\nNun ist dieser Abend zur kurzen Nacht geworden.\nAber vom Tage her glänzt noch der lichte Schein über\nuns alle, wie von der gesunkenen Sonne, und wir dürfen\nwohl sagen, dass dieser Schein nimmermehr verbleichen\nwird. Was Meister Ludwig geschaffen, das ist das Erbe,\ndas viele Tausende antreten und den Enkeln überliefern\nwerden. Seine Melodieen tönen fort, und sein Name steht\nwie eine klingende Memnonssäule in der Geschichte der\nMusik aufgerichtet. Dankbare Jünger, die selbst schon zu\nMeistern geworden, blicken dem Geschiedenen aus vielen\ndeutschen Gauen, ja, aus fernen Ländern nach, sein uner-\nreichbares Vorbild, zum Streben lockend, in ihrer Erin-\nnerung. Unzählige, die seine Tongebilde, deren Adel von\nkeinem deutschen, von keinem Tonmeister der Welt über-\ntreffen ward, vernommen haben und vernehmen werden,\ngedenken in begeisterter Verehrung dessen, der so Lieb-\nliches, Herrliches schuf. Und wir, seine Mitbürger, werden\nuns freudig erinnern, dass er in vielem Betracht derUnsrice\no\ngewesen, dass auf dem Boden unserer Heimat von ihm so\nWunderherrliches gezeugt ward, dass wir einen hochbe-\ngabten Genius lange unter uns wandeln sahen.\n\nC. A."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-11-05-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-11-05_01#c003", "volume": "bmtnabi_1859-11-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "355", "page_fin": "357", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591105-01.2.3", "titre_corps": "Uebersicht der Abtheilungen des Vereins zur Beförderung der Tonkunst in Niederland im Jahre 1858-1859.", "titre_sommaire": "Uebersicht der Abtheilungen des Vereins zur Beförderung der Tonkunst in Niederland im Jahre 1858-1859.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "355", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591105-01.1.3", "debut_caractere": 3514, "fin_caractere_exclue": 5080, "texte": "Uebersicht der Abtheilungen des Vereins zur Beför-\nderung der Tonkunst in Niederland im Jahre\n1858-1859.\nAmsterdam. 616 Mitglieder, 21 beitragende Künst-\nler, 25 Ehren-Mitglieder. Vorstand 9 Mitglieder. Vor-\nsitzender Herr P. C. Stadniski.\nGesang-Verein von 300 Mitgliedern, Dirigent Ri-\nchard Hol.—Aufführungen mit Orchester den 18. De-\ncember und 9. April. I. Lobgesang von Mendelssohn; Co-\nmala von Gade. 11. Messias von Händel; Einleitungen und\nChöre zu Vondel's Lucifer von van Eyken. Den 28.\nFebruar grosses Concert zum Besten einer Stiftung für\nhülfsbedürftige inländische Künstler: Joseph von Mehul;\nStabat Mater von Rossini.\nArnheim. 142 Mitglieder, 3 beitragende Künstler,\n1 Ehren-Mitglied. Vorstand 7 Mitglieder. Vorsitzender\nBaron von Pallandt von Westervoort.\nGesang-Verein 96 Mitglieder, 8 Ehren-Mitglieder.\nDirigent C. H. Marx, Stellvertreter J. van der Düssen.\n—Aufführungen den 28. December und 5. April. I. Lob-\ngesang von Mendelssohn und Fragmente des Paulus. 11.\nGraun's Tod Jesu; Gade's Comala.\nDordrecht. 17 Mitglieder, 3 beitragende Künstler,\n4 Ehren-Mitglieder. Vorstand 3 Mitglieder. Vorsitzender\nHerr J. J. E. van den Brandeier. Musiklehrer Böhm.\nEnkhuizen. 25 Mitglieder, 1 beitragender Künstler,\n2 Ehren-Mitglieder. Vorstand 6 Mitglieder. Vorsitzender\nIL A. van Bleiswyk. Singschule (24 Schüler, davon\n17 Freischüler, 6 Stunden wöchentlich); Instrumental-\nschule (3 Schüler). Gesang-Verein 42 Mitglieder (3 Stun-\nden wöchentlich). DirigentG.ll.Meyroos. Aufführung:\nder 84. Psalm von van Bree; Beethoven's Messe (3 Hym-\nnen) in C-dur.\n\n[*J"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "356", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591105-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4947, "texte": "Gertrui den bürg. 4 Mitglieder. Vorsitzender Dr.\nTitsing.\nGoes. 54 Mitglieder, 1 beitragender Künstler, 7 Eh-\nren-Mitglieder. Vorstand 5 Mitglieder. Vorsitzender Dr.\nR. B. van den Bosch. Singschule von 33 Schülern (14\nfrei), 9 Stunden wöchentlich. Gesang-Verein von 62 Mit-\ngliedern. Dirigent J. F. Ahrensmann. Aufführungen:\nI. Spohr's „Die letzten Dinge\". 11. Mendelssohn's Paulus.\n's Gravenhage. 199 Mitglieder, 15 beitragende\nKünstler, 32 Ehren-Mitglieder. Vorstand 7 Mitglieder.\nVorsitzender Herr P. N. Roche.\nGesang-Verein von 104 Mitgliedern. Dirigent Capell-\nmeister J. 11. Lübeck; Vice-Dirigenten: J. FI. Verhülst,\nW. F. G. N icolai.—Aufführungen: den 21. December,\n3. Februar und 9. März. I. Mendelssohn's Paulus. 11. Men-\ndelssohn's Lorelei; Nicolai, Sonate für Piano und Violon-\ncell; Schumann, Requiem für Mignon; Gade, Erlkönigs\nTochter. 111. Der 95. Psalm von Mendelssohn; Lauda Sion\nvon demselben; F. Hiller, „0 weint um sie\"; Beethoven,\nDie Maccabäer (Christus am Oelberge).\nHaarlem. 110 Mitglieder, 7 beitragende Künstler,\n3 Ehren-Mitglieder. Vorstand 6 Mitglieder. Vorsitzender\nN. J. A. Travaglino.\nSingschule, 60 Schüler (6 frei), 8 Stunden wöchent-\nlich. Gesang-Verein 34 Mitgl. Dirigent W. B. Weidner.\nIleusden. 11 Mitglieder, 1 beitragender Künstler,\n2 Ehren-Mitglieder. Vorstand 6 Mitglieder. Vorsitzender\nJ. A. Gerlach. Musiklehrer: J. Broers.\nRotterdam. 253 Mitglieder, 15 beitragende Künst-\nler, 16 Ehren-Mitglieder. Vorstand 8 Mitglieder. Vor-\nsitzender C. G. Schütze van Houten.\nGesang-Verein 153 Mitglieder, 26 Ehren-Mitglieder.\nChoiÜbung: 17 Mitglieder. 2 Stunden wöchentlich.—\nMusikschule 277 Schüler (Gesang 128, Ciavier 138,\nVioline 7, Violoncell 4; Gesang 18 Stunden, Instrumente\n44 Stunden wöchentlich.)\nLehrer: Joh. J. H. Verhülst (Dirigent des Gesang-\nVereins und der Chorübung), B. Tours, J. 11. Paling,\nS. de Lange, W. Hutschenruyter, S. Ganz, J. ß.\n11. Bremer.\nAufführungen: I. Oeffentlicher Gesang-Verein (einge-\nladenes Publicum): 1. Vier Chöre von Palestrina, Orlando\nLasso undLotti. 2. „Jesus, meine Freude\" von J. S.Bach.\n3. „Des Staubes eitle Sorgen\" von J. Haydn. 4. Vier\ngeistliche Gesänge aus Op. 38 von Verhülst. 5. Hymne\nfür Sopran, Chor und Orgel von Mendelssohn. 6. Advent-\nlied von Schumann.— 11. Inländisches Musikfest: 1. Elias\nauf Iloreb von F. Coenen (von den Preisrichtern des Ver-\neins ehrenvoll erwähnt). 2. Der 84. Psalm von Verhülst.\n3. Sinfonie in C-dur von W. F. G. Nicolai. 4. Ouvertüre,\nEinleitungen und Chöre zu Lucifer von J. A. van Eyken\n(ebenfalls ehrenvoll erwähnt). Alle diese Musikstücke wur-\nden mit Orchester und unter Leitung ihrer Componisten\nausgeführt (den 7. Januar 1859).—111. Zum Besten der\noben bereits erwähnten Stiftung, unter Leitung von Ver-\nhülst: der 95. Psalm von Mendelssohn; Samson von Hän-\ndel (den 25. März 1859; 200 Mitwirkende).—IV. Prü-\nfung und Preis-Vertheilung in der Musikschule den 8. Fe-\nbruar 1859.\nUtrecht. 92 Mitglieder, 24 beitragende Künstler, 14\nEhren-Mitglieder. Vorstand 5 Mitglieder. Vorsitzender Dr.\nF. C. Kist, Redacteur der Musik-Zeitung „Cäcilia\".\nGesangschule 40 Schüler, 3 Stunden wöchentlich; Leh-\nrer: J. van den Berg.\nZierikzee. 35 Mitglieder, 1 beitragender Künstler.\nVorstand 5 Mitglieder. Vorsitzender M. J. Schüürbeque\nBoeije. Gesangschule 31 Schüler (3 frei), 4 Stunden\nwöchentlich. Gesang-Verein 61 Mitglieder, 7 Ehren-Mit-\nglieder. Dirigent Karl Eisner. Aufführung (den 28. April\n1859): „Die Jahreszeiten\" von J. Haydn mit Orchester.\nZütphen. 10 Mitglieder, 2 beitragende Künstler.\nVorstand 5 Mitglieder. Vorsitzender W. J. C. Putman\nCramer.\nAlle diese Abtheilungen sind Filial-Vereine der gros-\nsen Maatschappij tot Bevordering der 2'oonkunst, deren\nHauptzweck übrigens nicht die Aufführungen sind, son-\ndern die Hebung der Musik durch Preisausschreiben für\ninländische Componisten, Herausgabe von älteren Werken\nund von gekrönten Compositionen neuerer Tonsetzer, Er-\nrichtung von Musik-, besonders Gesangschulen, Gesang-\nVereinen u. s. w. Man darf desshalb das Musikleben in\nHolland in Bezug auf öffentliche Aufführungen nicht bloss\nnach der obigen Uebersicht beurtheilen; denn jede einiger\nMaassen bedeutende Stadt hat ausserdem noch ihr von der\nMaatschappij unabhängiges Concert-Institut die\ngrösseren Städte oft mehr als eines —, welches, ebenfalls\nauf Association und Abonnement beruhend, des Winters\neine mehr oder weniger umfassende Reihe von Concerten\nveranstaltet.\nWir müssen diesen Bericht leider mit einer Trauer-\nNachricht schliessen. Holland hat in diesem Sommer eine\nsehr talentvolle junge Sängerin verloren, die auf dem Wege\nwar, als ausgezeichnete Künstlerin sich einen berühmten\nNamen zu machen. Helena Margare tha Hutschen-\nruyter, geboren zu Rotterdam den 29. Januar 1832,\nTochter des dortigen, oben genannten Musik-Directors, ist\nam 11. August dieses Jahres nach einer längeren Krank-\nheit, die nach und nach immer weniger Hoffnung auf Ge-\nnesung liess, gestorben. Sie hatte eine wohllautende, um-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "357", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591105-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 430, "texte": "fangreiche Sopranstimme und führte bereits auch grössere\nPartieen in Oratorien mit wohlverdientem Erfolg aus.\nSchülerin ihres Vaters und der Musikschule zu Rotterdam,\nhatte ihr Talent auch die Theilnahme der berühmten Sän-\ngerinnen Frau Goldschmidt-Lind und Fräul. Bochkoltz-\nFalconi erregt, die sie durch ihren wohlwollenden Rath\nbegünstigten, Bei dem jetzigen Mangel an guten Sänge-\nrinnen ist ihr Tod ein Verlust für die Kunst."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-11-05-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-11-05_01#c004", "volume": "bmtnabi_1859-11-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "357", "page_fin": "357", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591105-01.2.4", "titre_corps": "Jakob Andreas Romberg.", "titre_sommaire": "Jakob Andreas Romberg.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "357", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591105-01.1.5", "debut_caractere": 432, "fin_caractere_exclue": 3785, "texte": "Jakob Andreas Romberg.\nDie Compositionen Schiller'scher Gedichte von An-\ndreas Romberg, die in vielen Städten in das Programm\ndes Schiller-Festes aufgenommen sind, namentlich „Die\nGlocke\", für Soli, Chor und Orchester (hier in Köln aus-\nserdem auch noch „Die Sehnsucht\" für eine Tenor-\nstimme), haben, abgesehen von ihrem musicalischen, be-\nsonders melodischen Werth, der von Unbefangenen stets\nnoch anerkannt wird, durch die ausserordentliche Popula-\nrität, welche sie in den ersten Jahrzehenden unseres Jahr-\nhunderts erlangt hatten, und durch die grosse Verbreitung,\nwelche sie durch die Musik den Gedichten Schiller's auch\njn Kreisen verschafften, wohin sie noch nicht gedrungen\nwaren, ein volles historisches Anrecht auf die Wahl zur\nAufführung an der Jahrhundertfeier von Schiller's Ge-\nburtstag. Merkwürdig genug tritt aber noch hinzu, dass\nder 10. November, Schiller's Geburtstag, der Todes-\ntag A. Romberg's (im Jahre 1821) ist! Für Rheinland\nund Westfalen liegt dann ferner noch eine nähere Veran-\nlassung zur Wahl jener Musikstücke darin, dass die Künst-\nlerfamilie Romberg aus Westfalen stammt und in Mün-\nster und in der kurkölnischen Capelle zu Bonn mit Aus-\nzeichnung wirkte. Der Vater von Andreas Romberg, Geb-\nhard Heinrich Romberg, warMusik-Director in Mün-\nster und berühmter Clarinettist, und dessen Bruder Anton\nRomberg eben so trefflicher Fagottist; beide waren mit\nihren Söhnen Andreas und Bernhard (die also Ge-\nschwisterkinder, nicht Brüder waren) Mitglieder der kur-\nkölnischen Capelle. Als diese 1793 sich auflös'te, gingen\ndie beiden Vettern nach Hamburg; Andreas war Meister\nauf der Violine, Bernhard auf dem Violoncell. Nach einem\nfast dreijährigen Aufenthalt in Italien (1795 —1797) ging\nAndreas nach Hamburg zurück, Bernhard bereis'te noch\nEngland, Spanien und Portugal. Im Jahre 1800 trafen\nBeide wieder in Paris zusammen, wo sie eine komische\nOper: Don Mendose, schrieben, die im Theätre Feydeau\naufgeführt wurde. Seit 1801 hatte Andreas Romberg sei-\nnen bleibenden Wohnsitz in Hamburg aufgeschlagen,\nmachte von da Kunstreisen und hielt sich auch oft längere\nZeit in Münster auf. Als Ludwig Spohr sein Amt in Gotha\nals herzoglicher Concertmeister aufgab und nach Wien\nging, wurde Andreas Romberg berufen und nahm von\n1815 an in Gotha dieselbe Stellung ein. Dort raffle ihn\nschon nach sechs Jahren, am 10. November 1821, der\nTod dahin. Er war den 27. April 1767 zu Vechte im\nStift Münster geboren.\nA. Romberg war ein sehr fruchtbarer Componist. In\nseinen Instrumentalwerken (Sinfonieen, Quintetten, Quar-\ntetten) erkennt man Haydn's Vorbild, das er, wenn auch\nnicht in genialer Erfindung, doch in anmuthig melodischem\nHuss und in Klarheit und Reinheit des Satzes erreichte.\nAllgemeineren Beifall fanden seine Gesang-Compositionen\nund unter diesen vorzüglich die Compositionen der Ge-\ndichte: „Die Glocke\" und: „Die Macht des Gesanges\" von\nSchiller, für Solostimmen, Chor und Orchester. Von seinen\nOpern (z. ß. „Die Ruinen von Paluzzo\") hat ihn keine\nüberlebt. Durch jene Gesangstücke aber (in ähnlicher Form\ncomponirte er auch noch Gedichte von Anderen, z. B. „Die\nHarmonie der Sphären\" von Rosegarten) hat er sehr viel\nzur Errichtung, Anregung und Belebung der Gesang-Ver-\neine von Dilettanten beigetragen, denen Deutschland jetzt\ndie in keinem Lande übertroffenen Chor-Aufführungen\nvon Oratorien und Cantaten verdankt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-11-05-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-11-05_01#c005", "volume": "bmtnabi_1859-11-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "357", "page_fin": "358", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591105-01.2.5", "titre_corps": "Die Deutsche Schiller-Stiftung an die Deutschen", "titre_sommaire": "Die Deutsche Schiller-Stiftung an die Deutschen", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "357", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591105-01.1.5", "debut_caractere": 3787, "fin_caractere_exclue": 4967, "texte": "Die Deutsche Schiller-Stiftung an die Deutschen\nAm heutigen Tage hat sich die Deutsche Schiller-\nStiftung constituiit zu dem in §. 1 der Satzungen ausge-\nsprochenen Zwecke:\n„Deutsche Schriftsteller und Schriftstellerinnen, welche\nfür die National-Literatur (mit Ausschluss der strengen\nFach-Wissenschaften) verdienstlich gewirkt, vorzugsweise\nsolche, die sich dichterischer Formen bedient haben, da-\ndurch zu ehren, dass sie ihnen oder ihren nächstangehöri-\ngen Ilinterlassenen in Fällen über sie verhängter schwerer\nLebenssorge Hülfe und Beistand darbietet.\n„Sollten es die Mittel erlauben und Schriftsteller oder\nSchriftstellerinnen, auf welche obige Merkmale nicht sämmt-\nlich zutreffen, zu Hülfe und Beistand empfohlen werden,\nso bleibt deren Berücksichtigung dem Ermessen des Ver-\nwaltungsrathes überlassen.\"\nDie Constituirung dieser Stiftung fällt nahe zusammen\nmit dem hundertjährigen Geburtsfeste des unsterblichen\nDichters, zu dessen würdiger, nationaler Feier, so weit\n\n*) V Red. wird durch den von der constituirenden Versainnjlung\nder Deutschen Schiller Stiftung erwählten Vorort derselben er-\nsucht u. s w. Weimar, den 25. October 1859. (Gez.) Franz\nDingelsted t.\n*)•"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "358", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591105-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3692, "texte": "die deutsche Zunge klingt, die grossartigsten Vorbereitun-\ngen getroffen werden.\nDeutsche! Bei dem festlichen Klange jener Glocke, die\nin ewiger Höhe tönt, sammelt Euch, nicht bloss, um zu\nseinen Ehren ein begeistertes Gedächtnissfest zu begehen,\nsondern auch, um ein bleibendes Denkmal werkthäti ger\nLiebe für unseren volkstümlichsten Dichter auf alle Zei-\nten zu stiften.\nWie er selbst gesungen:\nGöttern kann man nicht vergelten;\nSchön ist's, ihnen gleich zu sein.\nGram und Armuth soll sich melden,\nMit den Frohen sich erfreu'n,\nso können wir auch ihm selbst nicht vergelten, wohl aber\ndurch die mit seinem Namen geschmückte Stiftung den\nDank seines Volkes dadurch abtragen, dass wir geistig Stre-\nbende, die von schwerer Lebenssorge heimgesucht sind,\ndurch Beistand und Hülfe ehren.\nDeutsche! Keinen Ort gibt es im Vaterlande, so abge-\nschieden von den grossen geistigen Besitzthümern unseres\nDaseins, dass nicht Männer und Frauen, Jünglinge und\nJungfrauen darin lebten, in denen die Dankbarkeit glüht\nfür das, was Schiller uns allen geworden. In der Fremde\nlebt kein Deutscher, dem nicht der Name Schiller ein\nheiliger Heimatsruf ist, so dass in diesem Namen eine\nWeihestimmung, einzig in ihrer Art, und ein Gesammtbe-\nwusstsein, auf so vielen Gebieten des öffentlichen Lebens\nschmerzlich vermisst, zur erhebenden Erscheinung kommt.\nSo tretet denn am 10. November zur Bildung von\nSchiller-Stiftungen überall zusammen; wo eine solche sich\nnicht gründen lässt, sammelt Beiträge; wo sich frohe Her-\nzen zum Festmahle vereinigen, verkündet diese unsere\nWorte und lasstnach dem Festgrusse für den Dichter durch\ndie Hände Eurer Frauen und Jungfrauen Spenden der Liebe\nin Empfang nehmen. Wo Gesang-Vereine und Liederta-\nfeln, wo Capellen und Theater seinem Andenken huldigen,\nopfert ihm den Ertrag seines Ehrentages.\nUnd du, deutsche Jugend, in deren frische Herzen er\ndie ersten Keime edler Begeisterung senkt, fehle auch du\nnicht in den Reihen der Opfernden. Die kleinste Gabe ist\nwillkommen.\nAuf, Deutsche! Lasset uns ein Beispiel geben zur Ehre\nfür uns und unsere dass der Freude schö-\nner Götterfunken, der Begeisterung Flamme nicht wir-\nkungslos verlodere, sondern dass die hundertjährige Jubel-\nfeier von Schiller's Geburt als der Geburtstag der in sei-\nnem Namen gegründeten Stiftung ein Lichtpunkt sei und\nbleibe, tröstlich hineinleuchtend in die Nacht der Sorge\nund der Noth.\nDie bis jetzt bestehenden Schiller-Stiftungen befinden\nsich in Berlin, Breslau, Coburg, Darmstadt, Dresden, Frank-\nFurt a. M., Gratz, Hamburg, Leipzig, München, Nienburg,\nNürnberg, Offenbach, Stuttgart, Weimar (als Vorort für\ndie nächsten fünf Jahre gewählt), Wien.\nAn eine derselben wollen die Beiträge für die Stiftung\neingesandt werden.\nDresden, den 10. October 1859.\nDie constituirende Versammlung der Deutschen\nSchiller- Stiftung:\nDr. Berthold Auerbach aus Dresden. Dr. Ludwig Blum\naus Stuttgart. Dr. Ludwig Braunfels aus Frank-\nfurt a. M. Heinrich Brockhaus aus Leipzig. Geh.\nMedicinalrath Dr. Karl Gustav Carusaus Dresden.\nGeneral-Intendant Dr. Franz Dingelstedt aus Wei-\nmar. Dr. Johann Georg Fischer aus Stuttgart. Dr.\nErnst Förster aus München. Advocat Adolar Ger-\nhard aus Leipzig. Dr. Karl Gutzkow aus Dresden.\nProfessor Dr. Friedrich Haase aus Breslau. Dr.\nJulius Hammer aus Dresden. Dr. Gustav Haubold\naus Leipzig. Graf Stanislaus Kalckreuth aus Wei-\nmar. Dr. Moriz Lazarus aus Berlin. General-Con-\nsul Ernst Merck aus Hamburg. Hoftheater-Re-\ngisseur Ferdinand Pirscher aus Darmstadt. Karl\nRick aus Wien. Major Serre auf Maxen aus Dres-\nden. Karl Voigt aus Weimar. Staats-Minister a. D.\nDr. Ernst von Wietersheim aus Dresden. Dr. Fried-\nrich Zabel aus Berlin. Dr. Georg Zimmermann\naus Darmstadt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-11-05-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-11-05_01#c006", "volume": "bmtnabi_1859-11-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "358", "page_fin": "359", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591105-01.2.6", "titre_corps": "Ludwig Spohr’s Begräbnik.", "titre_sommaire": "Ludwig Spohr’s Begräbnik.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "358", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591105-01.1.6", "debut_caractere": 3694, "fin_caractere_exclue": 5236, "texte": "Ludwig Spohr’s Begräbnik.\nKassel, den 25. October 1859.\nHeute um 3 Uhr Nachmittags wurden Spöhr's irdische Ueber-\nreste feierlich und in einer so zahlreichen Begleitung, wie sie hier\nwohl selten bei einem Leichenbegängnisse gesehen worden, zur Erde\nbestattet. Schon lange vor dem Abgange des Trauerzuges füllten\nsich die dem Spohr'schen Hause benachbarten Strassen und Plätze\nund auch die, welche der Zug zu passiren hatte, mit Menschen, Ein\nTrauergesang von Frauenstimmen mit Instrumental-Begleitung be-\nzeichnete die Versetzung des Sarges auf den Leichenwagen. Den\nZug eröffneten zwei Trauermarschälle; darauf folgten die Mitglieder\ndes kurfürstlichen Hof-Orchesters mit umflorten Instrumenten; sie\nspielten Beethoven's Trauermarsch; sodann die Prediger der lutheri-\nschen Gemeinde; wieder zwei Trauermarschälle; alsdann der mit\nvier Pferden bespannte Trauerwagen; hinter demselben das älteste\n(emeritirte) Mitglied des Sänger-Personals (Herr FöppelJ, welcher auf\neinem weissatlassenen Kissen den goldenen Lorberkranz trug, der\ndem gefeierten Meister einst bei seinem fünfundzwanzigjährigen\nDienst-Jubiläum verehrt worden, so wie den Dirigentenstab, und das\nälteste Mitglied des Orchesters (Herr Schubank), welcher auf einem\neben solchen Kissen die Ordens-Decorationen des Verblichenen trug*);\n\n*) Spolir war Ritter des kurfürstlich hessischen Wilhelms-Ordens,\ndes k. Preussischen Rothen Adler-Ordens und des Ordens poar\nle merile für die Friedensciasse, des k. baierischen Maximilians-\nund des herzoglich sächsischen Ernestinischen Ordens."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "359", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591105-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4446, "texte": "alsdann die Mitglieder seiner Familie, voran seine beiden Prüder;\nein Fiauermarschall ; hierauf der General-Intendant des kurfürstlichen\nHoftheaters, Holmarschall v. Heringen, und sämmtliche Beamte und\nOfficianten dei Hoftheater-Bureaux j der Hof-Capellmeister Reiss und\nsämmtliche Mitglieder des Hof-Orchesters, das männliche Personal\nder Oper, des Schauspiels und des Gesangchors; ein Trauermar-\nschall ; die anwesenden fremden Künstler und Schüler des verewig-\nten Meisters, darunter die Capellmeister Bott aus Meiningen, Wehner\naus Hannovei, Musik-Director Grimm aus Göttingen, Kammermusi-\ncus Kömpel aus Hannover; wieder ein Trauermarschall, die Mitglie-\nder der hiesigen Gesang-Vereine; ein Trauermarschall, die Mitglieder\ndes Stadtrathes und hierauf die unabsehbare Reihe der anderen Be-\nwohner Kassels, welche sich eingefunden hatten, um ihrem hochbe-\nlühmten und würdigen Mitbürger die letzte Ehre zu erweisen; ein\nIlaueimarschall schloss diesen Zug. Hierauf folgte der achtspännige\nStaats wagen Sr. K. Hoheit des Kurfürsten mit Livree-Begleitung und\ndarauf eine lange Reihe von Ecjuipagen. Der Zug ging durch die\nKölnische Strasse, um den Königsplatz herum, die Königsstrasse\nhinunter, zum Holl/indischen Thore hinaus durch ein dichtgedräng-\ntes Spalier von Mensehen; alle Fenster waren mit Zuschauern be-\nsetzt. Se. K. Hoheit der Kurfürst nebst Allerhöchstseiner Gemahlin,\nder Fürstin von Hanau, waren mit Gefolge in den Fenstern des er-\nsten Stockes des kurfürstlichen Postgebäudes zu erblicken, um den\nTrauerzug durch hohe Gegenwart zu ehren. Die meisten Läden in\nder Königssti asse waren geschlossen; beim Vorüberziehen des Trauer-\nwagens entblössten zu beiden Seiten die Zuschauer ihre Häupter.\nVom Thoie bis zum Friedhofe war keine geringere Alenschenmenge\ntheils aufgestellt, thcils in Bewegung. Auf dem Friedhofe angekom-\nmen, wurde der Trauerzug, von welchem inzwischen die Hofsänger,\nder Hoftheater-Chor und die Gesang-Vereine sich getrennt hatten,\nmit einem Chorgesang unter Instrumental-Begleitung von der Com-\nposition des Verewigten (aus der Oper Pietro von Abano) empfan-\ngen, der Sarg in die gewölbte Halle getragen und daselbst in der\nbestimmten Gruft*) beigesetzt. Rührend war es, wie hier die als\nZeichen inniger Verehrung eingeschickten Kränze vom Sarge genom-\nmen wurden; es waren ihrer eilf, darunter zwei Palmzweige von\nSeiner Majestät dem Könige von Hannover, ein Kranz von Ihrer\nMajestät der Königin von Hannover Kränze der Liedertafeln und\nGesang-Vereine zu Kassel, Braunschweig Leipzig, Göttingen, eine\nreiche Lorber-Guirlande von Seiten des Friedhofs-Inspectors Junk\nu. s. w. Hierauf hielt Pfarrer Jatho dem Verblichenen die Grabrede.\nEr wiederholte in kurzen Umrissen die Züge dieses denkwürdigen\nund herrlichen Künstlerlebens und hob dann mit kräftigen, zu allen\nHerzen dringenden Worten hervor, wie dieser grosse Meister zugleich\ndurch und durch ein edler Mann, erfüllt von Wohlwollen und thä-\ntiger, hülfreicher Menschenliebe war, wie sein ganzes Leben durch-\ndrungen war von deutschem Ernste und reinem, rastlosem Streben,\nwie er in der Einfachheit und Zurückg'ezogenheit des Familienlebens\nallein hienieden sein Glück und seine Genugthuung fand, und wie\nauch der Sänger so trefflicher Oratorien, der Componist eines „Va-\nter Unser\", von „Des Heilands letzte Stunden44, der „Letzten Dinge\"\nund anderer heiliger Tonschöpfungen, auch abgesehen von jedem be-\nsonderen Bekenntmss, erfüllt war von echt religiösem und frommem\nWesen Hierauf trugen die Sänger-Chöre eine Trauer-Cantate, com-\nponirt von Hof-Capellmeister Keiss, unter Instruraental-Begleitunjr\nvor, und die Gruft sehloss sich über der Ruhestätte eines Mannes,\ndessen Andenken im Herzen der Seinigen fortleben und in der Dank-\nbarkeit der Menschen und in der Geschichte der Kunst unvergän-\nlieh sein wird. °\n\n*) Die nächsten Angehörigen des Verewigten hatten die Absicht,\nihn in einem der Grabgewölbe auf dem neuen Kirchhofe bei-\nsetzen zu lassen, uni es waren zur Erwerbung eines solchen\nals Familiengruft schon die Unterhandlungen dem Abschlüsse\nnahe, als ein aus Spohr's Freunden und Verehrern gebildetes\nComite dieselben ersuchte, zu gestatten, dass für diesen Zweck\ndas grosse mittlere Gewölbe von unseren Mitbürgern angekauft\nwürde, welchem Wunsche die Familie in der Wreise gern bei-\nstimmte, dass sie ihrerseits die bereits bestimmte Summe bei-\ntragen dürfe, um somit ihr nächstes Anrecht auf diese für sie\ngeheiligte Stätte zu bewahren."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-11-05-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-11-05_01#c007", "volume": "bmtnabi_1859-11-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "359", "page_fin": "360", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591105-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "359", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591105-01.1.7", "debut_caractere": 4448, "fin_caractere_exclue": 7672, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHannover, 26. October. Gestern wurde Marschner's\n„Hans Heiling\" gegeben. Zum ersten Male nach seiner Pensioniruntr\ntrat der Meister wieder an das Directionspult, um die Aufführun-\nder Oper zu leiten, da ihm bekanntlich bei seiner Ernennung zum\nGeneral-Musik-Director die Direction seiner eigenen Opern vorbehal-\nten worden. Der berühmte Componist, den man ungern so früh aus\nder amtlichen Wirksamkeit scheiden sah, wurde mit brausendem\nJubel und Tusch des Orchesters und mit einem Strom von Blumen\nund Kränzen empfangen und fand auf seinem Pulte einen silbernen,\nmit Edelsteinen verzierten Tactstock, der die Inschrift trägt: „Von\nden deutschen Verehrern der Marschner'schen Musik\nDen 25. October 1859.\" - Diese Worte stehen wohl in Bezie-\nhung auf die glänzenden Anträge, welche dem General-Musik-Diree-\ntor Marschner von seinen Verehrern in America gemacht worden\nsind Die Unternehmer der Academy of Music in New-York haben\nihn dringend eingeladen, seine drei Haupt-Opern „Vampyr\", „Hans\nHeiling\" und „Templer\" für die italiänische Oper daselbst einzu-\nrichten und die Aufführungen derselben zu dirigiren. Ferner: die\nDirection eines Goncert-Instituts zu übernehmen, das zu seinen Eh-\nlen dtn Namen .1/ arsch tt c r lii/ h t tritt ott ic führen soll* Diese\nneue Coneert-Gesellsehaft würde in New-York, Boston und Philadel-\nphia Concerte geben. An namhafte deutsche Künstler und Künstle-\nrinnen, unter Anderen an Frau Clara Schumann, sind bereits Einla-\ndungen ergangen, in diesen Concerten aufzutreten.\nEs ist ein sonderbares Spiel des Zufalls, dass die Ovation für\nMarschner in Hannover gerade an demselben Tage den 25. Octo\nbei Statt fand, an welchem in Kassel das oben beschriebene feier-\nliche Begräbniss Spohr's gehalten wurde. Von den grossen deutschen\nComponisten ist nun Heinrich Marschner der Nestor; mögen seine\nZeitgenossen in allen Ländern und besonders in Deutschland wett-\neifern, ihm den Abend seines Lebens, das noch von so frischer Schö-\npfungskraft überströmt, auf alle Weise zu verschönern! Mahnt doch\ndie bevorstehende Schiller-Feier die deutschen Fürsten und Völker\nlecht ernstlich daian, mit der nicht bloss ehrenvollen, sondern auch\nthatsächlichen Anerkennung unserer grossen Männer nicht bis nach\nihrem Tode zu warten !\nDl'esdeil. An der vielverbreiteten Notiz über angebliche Pen-\nsionirung Reissiger's ist kein wahres Wort. Die k. Hof-Opern-\nsängerin Fräul. Krall hat sich am 2. October mit dem k. Hof-\nschauspieler Herrn Jauner ehelich verbunden.\nDie Neue Zeitschrift für Musik enthält einen Nekrolog des Com-\nponisten Ludwig Wolf, der am G. August d. J. in Wien ge-\nstorben ist. Ludwig Wolf, der Sohn eines frankfurter Orchester Mit-\n; gliedes, gehörte zuerst dem Kaufmannsstande an und begann unge-\nfähr in seinem zweiundzwanzigsten Jahre zu componiren. Nach Wien\n! übergesiedelt, erhielt er Unterricht bei Seyfried und widmete sich\nganz der Kunst. ~Manche seiner Compositionen fanden ihre Verleger,\nj und ein grosses Trio wurde in Mannheim mit einem Preise gekrönt.\nEr war ein vortrefflicher Geiger und Pianist Das nur zu häufige\nSchicksal der Tonkünstler ward jedoch auch Wolf; unter Componi-\nren, Concert- und Stundengeben \\ erstrich seine Zeit geräusch- und"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "360", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591105-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5528, "texte": "anspruchslos. Er gehörte zu den Künstlern, die, beglückt während\ndes Schaffens, mit dem Geschaffenen nur nicht speculiren können,\nund deren Sanctum nicht der geräuschvolle Markt, sondern die stille\nZelle ist.\" Er war geboren zu Frankfurt 1804. Die Neue Zeitschrift\nbringt zugleich ein Verzeichniss von Wolfs Compositionen. Es sind\nMessen, Ouvertüren, Märsche, Streich-Quartette, Quartette und Trios,\nClavier-Trios, Sonaten für Ciavier mit und ohne Begleitung, Lieder\nund vierstimmige Gesänge.\nDas Schiller-Jubiläum wird hier am 9. November\nNachmittags beginnen mit einer Begrüssung der einzuladenden Fest-\ngäste. Abends wird im Hoftheater ein Prolog gesprochen und sodann\n„Wallenstein's Lager\" und die „Piccolomini\" aufgeführt. Am 10.\nwird ein grosser Festzug, an dem alle Stände Theil nehmen sollen,\ndie Hauptstrassen der Stadt durchziehen und Mittags die Hauptfeier\nim k. Reithause Statt haben. Capellmeister Kücken hat eine Can-\ntate zur Einleitung der Feier geschrieben, der bekannte Lyriker\nJ. G. Fischer wird die Festrede halten, der Regisseur Grunert\nSchiller's „Glocke\" sprechen und zum Schlüsse Beethoven's neunte\nSinfonie mit den Chören aufgeführt werden Abends Festzug an das\nerleuchtete Schiller-Denkmal, wo unter Mo/.art'sehen Klängen Schiller\nein Hoch gebracht wird. Am 11. wird in Marbach das in seiner al-\nten Gestalt wieder hergestellte Geburtshaus Schiller's eingeweiht und\nzum Schlüsse des Festes hier im Hoftheater „Wallenstein's Tod\"\ngegeben.\njj RegeilsVlurg? im October. Im Interesse der Kirche, welche\nnur solche Musik bei ihrem Gottesdienste dulden kann und darf,\ndurch welche die Gläubigen erbaut werden, muss ich offen eine Ein-\nsprache erheben gegen Compositionen wie die nachstehenden: 4 Tan-\ntum ergo von Moll; 12 Tantum ergo von Ennemoser; Harmonie-Messe\nvon Zangl (sämmtlich bei Möst in Innsbruck); Sebast. Higner, Mes-\nsen etc. für eine Singstimme, Orgel und Instrumente (Straubing). Man\nthut sehr unrecht, wenn man solche Compositionen empfiehlt; noch\nübler ist es, wenn man sie producirt. Jeder Text, darunter gelegt,\nlässt sich leichter dazu singen, als der heilige des Kyrie, Gloria\nu. s. w. Die Ausstattung mit allem Klingklang von Instrumenten\nverschlechtert die üble Sache noch mehr. Es ist eine arge Ent-\nweihung, solche Musik in der Kirche zu machen. Das Aushänge-\nschild: ~Für Land-Chöre\", zieht bei Verständigen nicht mehr; die\nLandleute haben viel besseren Geschmack, als man glauben sollte.\nDie alles Unheil stiften, sind lediglich diejenigen Musiker und Mu.\nsicanten, die für etwas Ernstes keinen Sinn haben und nebenbei be-\nflissen sind, ihre Machwerke um Geld an den Mann zu bringen und\nsich horribile dictu einen Namen zu machen. Dr. M*\nlleilädA'OHift* Auch unserer Stadt ist es vergönnt, angeregt\ndurch ein besonderes Comite, unseren gesangreichsten deutschen\nDichter Schiller durch eine musicalisch-declamatorische Production\nam 10. November zu feiern. Es wird die „Glocke\" mit Musik von\nA. Romberg, der Chor ~An die Künstler\" von Mendelssohn\nnebst anderen Stücken zur Aufführung kommen, und bei dem Eifer\nund der Energie unseres trefflichen Directors Herrn Ernst Ma-\nscheck dürfen wir nicht weniger Vorzügliches erwarten, als er uns\ndurch den 0 ratorien-Verein leistet, unter dessen Aufführungen in\ndiesem Jahre besonders die tadelfreie Aufführung des ~Messiasu mit\nUnterstützung der ersten Solisten und der k. Hofcapelle von Stutt-\ngart rühmlich ausgezeichnet werden muss. Wenn wir so Ursache\nhaben, mit unseren musicalischen Zuständen im Allgemeinen immer\nmehr befriedigt zu sein, so macht es uns noch besondere Freude,\ndass wir auch im Solospiel einen Kunstjünger der Musik weit ankün-\ndigen können, der die volle Aufmerksamkeit derselben verdient. Die-\nses ist der kaum sechszehn Jahre alte Hugo Heer mann, der\nseit drei Jahren am k. Conservatorium in Brüssel seine Studien\nmacht und bei dem letzten Violin Concurs mit dem ersten Preise ge-\nkrönt worden ist. Derselbe hat hier und auf dem k. Hoftheater in\nStuttgart ein für ihn componirtes Concert von Prof. Meerts gespielt\nund sowohl bei Kunstkennern als beim Publicum den ungetheiltesten\nBeifall geärntet. Sein Spiel ist glockenrein, der Ton schön und die\nAuffassung eine poetische und das Wesen der Musik erfassende. Das\nConcert von Meerts enthält bei grossen Schwierigkeiten die Schön-\nheiten einer classischen Violin-Composition, und der jugendliche und\nbescheidene Künstler lös'te die schwierige Aufgabe auf eine solche\nWeise, dass wir überzeugt sind, er werde sehr bald zu den ersten\nYiolinspielern gezählt werden.\nSchiller-Stiftung. Die wiener Blätter enthalten einen Auf-\nruf zur Betheiligung Wiens an der Schiller-Stiftung entweder\ndurch eine einmalige Gabe oder durch Zeichnung eines Jahres-\nBeitrages. Se. Majestät der Kaiser haben derselben Stiftung schon\nvor längerer Zeit einen namhaften Beitrag zuzuwenden und die Con-\nstituirung eines Filial-Comite's zu genehmigen geruht Unter-\nzeichnet ist der Aufruf von Aloys Auer, Ed. von Bauern fei d,\nHerrn Bonitz, Dr. Castelli, Fürst Konstantin Czarto-\nryski, L. A. Frank 1, Mor. Gerold, Franz Grillparzer,\nFriedr. Pia Im (Eligius von Münch-Bellinghausen), Dr. Friedr.\nHebbel, Leopold Komp er t, Kuranda, la Roche, Dr. H.\nLaube, Dr. Mosenthal, Dr. Pachler, O. Prechtler, K.\nRick, J. G. Sei dl, Ritter yon Seiller (Bürgermeister), J. H.\nStreicher, Franz Graf T h un-H oh enst ei n, Dr. v. Wurz-\nbach, Christ. Frhr. v. Zedlitz.\n£Sft*ii3Sel« Herr Fdtis, Director des Conservatoires u. s. w,\nist zum Commandeur des Leopold-Ordens vom Könige der Belgier\nernannt worden."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "353", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591105-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nLudwig Spohr (Biographische Uebersicht). Von C. A. Uebersicht der Abtheilungen des Vereins zur Beförderung der\nTonkunst in Niederland im Jahre 1858—1859. Jakob Andreas Romberg Die deutsche Schiller-Stiftung an die Deutschen.\nLudwig Spohr's Begräbniss. Tages- und Unterhaltungsblatt (Hannover, H. Marschner Dresden Ludwig Wolf f Stutt-\ngart, Schiller-Fest Regensburg Heilbronn, Schiller-Fest Wien Brüssel).\n\nLudwig Spohr\n\n*)•\nDurch das ganze Deutschland, ja, durch die ganze\ncivilisirte Welt wird die Kunde gehen, dass Ludwig Spohr\nnicht mehr unter den Lebenden weilt, und überall wird\nsie das Echo der Trauer wecken. Denn wir verlieren auch\ndie ungern und mit schmerzlichem Bewusstsein von der\nFlüchtigkeit des Irdischen, deren Tagewerk geendet war,\ndie nur noch als Person, als leibhaftige Menschen mit uns\nwandelten und durch ihre Erscheinung an die Tage ihrer\nSchaffenskraft erinnerten. Die Zeit, in der Ludwig Spohr\nsich Denkmale unvergänglicher Dauer im Gebiete der Kunst\nschuf, liegt dahinten, er selbst aber war uns bis dahin ge-\nblieben als einer der grossen Genien, die aus vergangenen\nTagen in die unseren ragen, von denen der Tod nach der\nreichen Aernte, die er in den letzten Jahren gehalten, nur\nnoch wenige zu sammeln hat. Wir nun, die ihn persönlich\nden Unsrigen nennen durften, haben besondere Ursache,\nnun, da er abgerufen, daran zu erinnern, was er uns ge-\nwesen. Seit mehr als siebenunddreissig Jahren hat der\nHaupttheil seines Wirkens unserer Stadt angehört, sein\nRuhm ist in gewissem Betracht mit ihr verknüpft, denn die\nStätte, die ein grosser Mensch betrat, ist ja geweiht für\nalle Zeiten. In aller Welt leben ihm Bewunderer; bei uns\nlebte ihm und wird ihm leben Liebe und dankbare Ver-\nehrung. War auch sein äusserliches Wesen schroffer, als\ndie seelenvolle Zartheit, die elegische Weichheit seiner\nTongebilde vermuthen liess, so sind doch nicht Wenige,\ndenen es vergönnt war, die herrliche Innerlichkeit seiner\nSeele auch in nicht künstlerischen Beziehungen leuchten zu\nsehen. Wer solche wunderbare Lieblichkeit in Töne zu\nhauchen verstand, wer so schöne Lieder aus der Fülle sei-\nnes Innern hervorströmen lassen konnte, der konnte auch\nim Leben der Liebe und Herzlichkeit nicht baar sein. Tau-\nsende wissen zu rühmen von der thätigen, uneigennützigen\nBereitwilligkeit Spohr's, dem unbemittelten Talent Förde-\nrung, der Dürftigkeit Unterstützung zu gewähren, und an\nseinen Früchten mag man auch ihn besser erkennen, als\nan dem, was er äusserlich Vielen schien.\nWerfen wir einen flüchtigen Blick auf das reiche Le-\nben, das nun zum Abschluss gekommen. Ludwig Spohr\nward am 5. April 1784 zu Braunschweig geboren. Die\nRindheitsjahre verbrachte er nach des Vaters, der als Arzt\nwirkte, Versetzung grösstenteils in dem Städtchen Seesen.\nDort hatte der Bector Biemenschneider die erste Leitung\ndes musicalischen Unterrichts, nachdem der Vater wider-\nstrebend, da er den Sohn der Wissenschaft bestimmte,\ndem früh erwachten künstlerischen Triebe des Knaben\nund den Bitten der Mutter nachgab und den Unterricht im\nGeigenspiel neben ernsthaften wissenschaftlichen Studien\ngestattete. Ein Befugie, Dufour, trat dem Bector als Leh-\nrer zur Seite, um Weniges befähigter, als dieser. Nach-\ndem der achtjährige Knabe bereits durch Compositions-\nVersuche entschiedenste Begabung gezeigt, verstand sich\nder Vater selbst dazu, die weitere Ausbildung in der Be-\nsidenz zu ermöglichen. In Braunschweig genoss Ludwig\nSpohr einen kurzen theoretischen Unterricht, den einzigen,\nden er im Leben hatte, beim Organisten Härtung, wäh-\nrend das Geigenspiel unter Leitung von Kanisch, Maucourt\nund Franz Eck nach einander weitergeübt wurde. Am 23.\nOclober 1799 also vor sechszig Jahren erhielt der\nfünfzehnjährige Knabe das Bescript als herzoglicher Kam-\nmermusicus. Einer Kunstreise mit seinem Lehrer Eck nach\nBussland (1803) folgte 1804 die erste selbstständigo\nKunstfahrt durch Deutschland, die dem jungen Künstler\nsofort Buhm und Ehren die Fülle eintrug. Der Herzog\nvon Gotha berief im nächsten Jahre Ludwig Spohr zu sich\nals Concertmeister. In Gotha vermählte sich Spohr mit\n\n*) Wir entnehmen der Kasseler Zeitung (Nr. 230) diesen Artikel,\nweil er, neben der kurzen biographischen Uebersicht, der Ver-\nehrung der nächsten Umgebung des Verewigten einen so\nwarmen Ausdruck gibt. Die Kedaction."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "354", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591105-01.1.2", "texte": "Dorothea, geborenen Scheidler, einer alsllarfen-Vir-\ntuosin berühmt gewordenen Künstlerin. Er fand in ihr das\ntreueste Weib neben kunstverwandter Begabung. Um jene\nZeit entstand ausser zahlreichen anderen Werken das Ora-\ntorium „Das jüngste Gericht\" und die Oper „Der Zwei-\nkampf mit der Geliebten\". 1813 ward Spohr in die Kai-\nserstadt an das Theater an der Wien berufen. Während\ndes folgenden Jahres zur Congress-Zeit entzückte sein Gei-\ngenspiel die versammelte Menge von Berühmtheiten, Macht-\nhabern und Notabilitäten an Geist und Körper. Spohr's\nWeltruhm stammt aus jenen Tagen. Damals schrieb er\nseinen „Faust\", aus dem einzelne Stücke, namentlich die\nFest-Polonaise, die Bunde durch Europa machten, und\nausser vielen Instrumentalwerken das Oratorium „Das be-\nfreite Deutschland\", das der Zeitstimmung begeisterten\nAusdruck lieh. Einer Reise nach Italien (im Jahre 1817)\nfolgte die Anstellung Spohr's als Musik-Direclor am Stadt-\ntheater zu Frankfurt am Main, in welcher Stadt die wun-\nderbar anmuthige Composition von „Zemire und Azor\"\ngedichtet wurde. Die Wanderneigung des Künstlers liess\nihn bald darauf seine Stellung aufgeben und eine Reise\nnach England unternehmen. Dort wurde er gefeiert, wie\nseit Händel kein deutscher Tonmeister. Glänzende Aner-\nbietungen von Seiten des königlichen Hofes vermochten\naber seine lleimatsliebe nicht zu überstimmen; nach der\nVollendung seiner zweiten Sinfonie in London kehrte er\nnach Deutschland zurück und begab sich zunächst nach\nDresden, bis er 1822 auf den Ruf Kurfürst Wilhelm's 11.,\ndes unvergesslichen Förderers der Künste, an die Spitze\nunserer kasseler Hofcapelle trat.\nIn den Beginn seiner Wirksamkeit hier fällt gleich\neine That, deren dauernde Erfolge für Spohr noch eine\nandere ruhmreiche Erinnerung begründen, als seine Künst-\nlerschalt. Mit Zurücksetzung eigenen Vortheils, indem er\naul ein ihm für jedes Jahr bewilligtes Benefiz-Concert ver-\nzichtete, begründete er den Unterstützungs-Fonds für Wit-\nwen und Waisen des Hof-Orchesters. Auch die Stiftung\ndes Cäcilien-Vereins fällt in das Jahr seiner Berufung Die\nUebersiedelung in unsere Stadt scheint bald günstig auf\ndas schöpferische Vermögen Spohr's gewirkt zu haben;\ndenn kurz nachdem er unser Mitbürger geworden, schuf\ner dasjenige Opernwerk, das am dauerndsten Besitz vom\ndeutschen Opern-Repertoire unter allen seinen dramati-\nschen Compositionen genommen, das viele Tausend Herzen\nentzückte und wie oft noch entzücken wird: seine „Jes-\nsonda\" (1822). Fünfunddreissig Jahre später nahm der\nMeister mit dieser Oper, die gleichsam sein Willkomm-\ngruss an Kassel gewesen, Abschied von dem Dirigenten-\npulte, an dem er so lange das Orchester geleitet. Wie\n„Jessonda\", so entstanden die meisten übrigen Opern\nSpohr's in der kasseler Zeit: der „Berggeist\" (1824),\n„Pietro von Abano\" (1827), „Der Alchymist\" (1830),\n„Die Kreuzfahrer\" (1844). Ueberhaupt dürfen wir die\nEntstehung der meisten grösseren Compositionen Spohr's\nörtlich nach Kassel verlegen. Von den Oratorien: „Die\nletzten Dinge\", „Des Heilands letzte Stunden\", „Der Fall\nBabylons\", „Vater-Unser\" u.s.w.; ferner sechs Sinfo-\nnieen, die Mehrzahl der Violin-Concerte, zahlreiche Quar-\ntette und Quintette, eine Fülle wunderschöner Lieder\nu. s. w.\nDen stillen Frieden des Hauses, das wir alle kennen,\ndas als Asyl eines in Zurückgezogenheit schaffenden gros-\nsen Genius für alle Zukunft uns Kasselanern geweiht sein\nwird, brach nach zwölf Jahren ungestörten Familienglückes\nder Tod. Dorothea Spohr starb zum unendlichen Schmerze\ndes Meisters (1834, den 20. November). Ihr Harfenspiel\nwar längst nicht mehr erklungen, da die angestrengten\nUebungen und Productionen noch in London (1819) sie\nso erschöpft hatten, dass sie das geliebte Instrument ganz\naufgeben und sich mehr als früher dem Ciavier zuwenden\nmusste. Ihr Verlust raubte dem Gatten die treu bewährte\nGefährtin in Leben und Kunst. Die letztere, nun in einsa-\nmer Trauer gepflegt, übte aber bald ihre wunderbare\nMacht und wirkte zugleich abziehend und aufrichtend auf\nden gebeugten Meister. Nach einigen Jahren fand er die\nhingebende Liebe einer zweiten, ebenfalls kunstbegeisterten\nGattin in der Tochter des ausgezeichneten Rechtsgelehrten\nB. W. Pfeiffer, mit der er s'ch 1836 im Januar vermählte.\nIn der Folge ist Spohr's häusliches Leben bis auf einen\nschweren Verlust, der ihn (1838) im Tode der jüngsten\nunter den drei Töchtern, die ihm die erste Ehe geschenkt,\nhart traf, äusserlich ungetrübt geblieben. Die letzten zwan-\nzig Jahre seines Lebens waren reich an höchsten künstle-\nrischen Ehren. Am lautesten erhoben sich die Engländer\nbei ihren Huldigungen. Im September 1839 dirigirte\nSpohr, einer Einladung folgend, das grosse Musikfest zu\nNorwich, auf dem sein Oratorium „Des Heilands letzte\nStunden\" so grossen Enthusiasmus hervorrief, dass man\nden Künstler um die Composition eines ähnlichen Werkes\nfür das nächste Fest (1842) anging. Das dadurch hervor-\ngerufene und gleich in der Anlage auf die bedeutenden\nMassen der Ausführenden berechnete Oratorium, eines der\ngrossartigsten, die überhaupt je geschrieben sind, ist „Der\nFall Babylons\". An der Leitung des Fest-Concertes ward\nSpohr durch mangelnden Urlaub gehindert. Im Juli des\nfolgenden Jahres entschädigten ihn für das Versäumte zwei\ngrandiose Concerte in London (in und in\nnover Square), die zwei Mal das Oratorium zur Auffüh-\nrung und dem Componisten den begeistertsten Beifall\nbrachten. 1847 erlebte der Meister auf deutscher, insbe-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "355", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591105-01.1.3", "texte": "sondere auf hessischer Erde eine Verherrlichung, bei der,\nwas ihr an stürmischer, geräuschvoller Massenhaftigkeit\nabging, durch innige Theilnahme und sinnige Anordnung\nersetzt wurde. Den Bewohnern Kassels werden die Tage\ndes 20. und 22. Januar 1847, an denen man das fünf-\nundzwanzigjährige Amts-Jubiläum Spohr's, als des Leiters\nunserer Capelle, feierte, in treuer Erinnerung sein. Seit-\ndem gehörte der Meister auch als Bürger unserer Stadt\nan, nachdem der Magistrat ihn und sich durch Verleihung\ndes Ehren-Bürgerrechts geehrt. Der vaterländischen Hul-\ndigung folgte im Juni desselben Jahres wiederum eine in\nEngland, wo Spohr, zufolge erhaltener Aufforderung, in drei\nConcerten eben so viele seiner Oratorien zur Aufführung\nbrachte. Die stürmischen Revolutionszeiten überstand er\ndann in zurückgezogener künstlerischer Thätigkeit; im März\n1848 schrieb er sein herrliches Sextett für zwei Violinen,\nzwei Bratschen, zwei Violoncello's, und war dann in der\nfolgenden Zeit hauptsächlich damit beschäftigt, den Dialog\nim „Faust\" durch Recitative zu ersetzen und die zwei\nActe der Oper in drei umzuwandeln. Seit 1853, wo er\nmit staunenswerther Jugendlichkeit und Frische noch ein-\nmal seine ganze schöpferische Begabung in dem Septett\nfür Ciavier, zwei Streich- und vier Blas-Instrumente be-\nkundete, schriebSpohr noch Verschiedenes, ohne dass ihm\nselbst die damals entstandenen Arbeiten genügt hätten, da-\nher er sie nicht veröffentlichte. Seine Dirigenten-Thätigkeit\nbeschränkte sich, nachdem er (1857, den 22. November)\nin den Ruhestand versetzt worden, auf die Leitung einer\nAufführung seiner „Jessonda\" auf dem prager Musikfeste\n(8. Juli 1858) und auf die Direction eines von seinem\nSchüler J. J. Bott, Capellmeister in Meiningen, zu seinen\nEhren veranstalteten Concerts (12. April 1859), in dem\nnur Spohr'sche Compositionen aufgeführt wurden.\nDie Folgen eines Armbruches (Januar 1858) zwan-\ngen den Meister, dem geliebten Geigenspiel zu entsagen.\nOeffentlich, in eigentlichen Solo-Vorträgen, war freilich\nsein Zauberspiel seit langen Jahren nicht mehr gehört wor-\nden; nur im Privatkreise hat es noch Viele entzückt. Auch\ndie Compositions-Versuche wurden nach jenem Unfälle\naufgegeben, insbesondere ein begonnenes unvoll-\nendet gelassen, da der Meister selbst an sich spürte, dass\nihm der Abend des Lebens hereingebrochen sei, an dem\nNiemand wirken kann.\nNun ist dieser Abend zur kurzen Nacht geworden.\nAber vom Tage her glänzt noch der lichte Schein über\nuns alle, wie von der gesunkenen Sonne, und wir dürfen\nwohl sagen, dass dieser Schein nimmermehr verbleichen\nwird. Was Meister Ludwig geschaffen, das ist das Erbe,\ndas viele Tausende antreten und den Enkeln überliefern\nwerden. Seine Melodieen tönen fort, und sein Name steht\nwie eine klingende Memnonssäule in der Geschichte der\nMusik aufgerichtet. Dankbare Jünger, die selbst schon zu\nMeistern geworden, blicken dem Geschiedenen aus vielen\ndeutschen Gauen, ja, aus fernen Ländern nach, sein uner-\nreichbares Vorbild, zum Streben lockend, in ihrer Erin-\nnerung. Unzählige, die seine Tongebilde, deren Adel von\nkeinem deutschen, von keinem Tonmeister der Welt über-\ntreffen ward, vernommen haben und vernehmen werden,\ngedenken in begeisterter Verehrung dessen, der so Lieb-\nliches, Herrliches schuf. Und wir, seine Mitbürger, werden\nuns freudig erinnern, dass er in vielem Betracht derUnsrice\no\ngewesen, dass auf dem Boden unserer Heimat von ihm so\nWunderherrliches gezeugt ward, dass wir einen hochbe-\ngabten Genius lange unter uns wandeln sahen.\n\nC. A.\n\nUebersicht der Abtheilungen des Vereins zur Beför-\nderung der Tonkunst in Niederland im Jahre\n1858-1859.\nAmsterdam. 616 Mitglieder, 21 beitragende Künst-\nler, 25 Ehren-Mitglieder. Vorstand 9 Mitglieder. Vor-\nsitzender Herr P. C. Stadniski.\nGesang-Verein von 300 Mitgliedern, Dirigent Ri-\nchard Hol.—Aufführungen mit Orchester den 18. De-\ncember und 9. April. I. Lobgesang von Mendelssohn; Co-\nmala von Gade. 11. Messias von Händel; Einleitungen und\nChöre zu Vondel's Lucifer von van Eyken. Den 28.\nFebruar grosses Concert zum Besten einer Stiftung für\nhülfsbedürftige inländische Künstler: Joseph von Mehul;\nStabat Mater von Rossini.\nArnheim. 142 Mitglieder, 3 beitragende Künstler,\n1 Ehren-Mitglied. Vorstand 7 Mitglieder. Vorsitzender\nBaron von Pallandt von Westervoort.\nGesang-Verein 96 Mitglieder, 8 Ehren-Mitglieder.\nDirigent C. H. Marx, Stellvertreter J. van der Düssen.\n—Aufführungen den 28. December und 5. April. I. Lob-\ngesang von Mendelssohn und Fragmente des Paulus. 11.\nGraun's Tod Jesu; Gade's Comala.\nDordrecht. 17 Mitglieder, 3 beitragende Künstler,\n4 Ehren-Mitglieder. Vorstand 3 Mitglieder. Vorsitzender\nHerr J. J. E. van den Brandeier. Musiklehrer Böhm.\nEnkhuizen. 25 Mitglieder, 1 beitragender Künstler,\n2 Ehren-Mitglieder. Vorstand 6 Mitglieder. Vorsitzender\nIL A. van Bleiswyk. Singschule (24 Schüler, davon\n17 Freischüler, 6 Stunden wöchentlich); Instrumental-\nschule (3 Schüler). Gesang-Verein 42 Mitglieder (3 Stun-\nden wöchentlich). DirigentG.ll.Meyroos. Aufführung:\nder 84. Psalm von van Bree; Beethoven's Messe (3 Hym-\nnen) in C-dur.\n\n[*J"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "356", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591105-01.1.4", "texte": "Gertrui den bürg. 4 Mitglieder. Vorsitzender Dr.\nTitsing.\nGoes. 54 Mitglieder, 1 beitragender Künstler, 7 Eh-\nren-Mitglieder. Vorstand 5 Mitglieder. Vorsitzender Dr.\nR. B. van den Bosch. Singschule von 33 Schülern (14\nfrei), 9 Stunden wöchentlich. Gesang-Verein von 62 Mit-\ngliedern. Dirigent J. F. Ahrensmann. Aufführungen:\nI. Spohr's „Die letzten Dinge\". 11. Mendelssohn's Paulus.\n's Gravenhage. 199 Mitglieder, 15 beitragende\nKünstler, 32 Ehren-Mitglieder. Vorstand 7 Mitglieder.\nVorsitzender Herr P. N. Roche.\nGesang-Verein von 104 Mitgliedern. Dirigent Capell-\nmeister J. 11. Lübeck; Vice-Dirigenten: J. FI. Verhülst,\nW. F. G. N icolai.—Aufführungen: den 21. December,\n3. Februar und 9. März. I. Mendelssohn's Paulus. 11. Men-\ndelssohn's Lorelei; Nicolai, Sonate für Piano und Violon-\ncell; Schumann, Requiem für Mignon; Gade, Erlkönigs\nTochter. 111. Der 95. Psalm von Mendelssohn; Lauda Sion\nvon demselben; F. Hiller, „0 weint um sie\"; Beethoven,\nDie Maccabäer (Christus am Oelberge).\nHaarlem. 110 Mitglieder, 7 beitragende Künstler,\n3 Ehren-Mitglieder. Vorstand 6 Mitglieder. Vorsitzender\nN. J. A. Travaglino.\nSingschule, 60 Schüler (6 frei), 8 Stunden wöchent-\nlich. Gesang-Verein 34 Mitgl. Dirigent W. B. Weidner.\nIleusden. 11 Mitglieder, 1 beitragender Künstler,\n2 Ehren-Mitglieder. Vorstand 6 Mitglieder. Vorsitzender\nJ. A. Gerlach. Musiklehrer: J. Broers.\nRotterdam. 253 Mitglieder, 15 beitragende Künst-\nler, 16 Ehren-Mitglieder. Vorstand 8 Mitglieder. Vor-\nsitzender C. G. Schütze van Houten.\nGesang-Verein 153 Mitglieder, 26 Ehren-Mitglieder.\nChoiÜbung: 17 Mitglieder. 2 Stunden wöchentlich.—\nMusikschule 277 Schüler (Gesang 128, Ciavier 138,\nVioline 7, Violoncell 4; Gesang 18 Stunden, Instrumente\n44 Stunden wöchentlich.)\nLehrer: Joh. J. H. Verhülst (Dirigent des Gesang-\nVereins und der Chorübung), B. Tours, J. 11. Paling,\nS. de Lange, W. Hutschenruyter, S. Ganz, J. ß.\n11. Bremer.\nAufführungen: I. Oeffentlicher Gesang-Verein (einge-\nladenes Publicum): 1. Vier Chöre von Palestrina, Orlando\nLasso undLotti. 2. „Jesus, meine Freude\" von J. S.Bach.\n3. „Des Staubes eitle Sorgen\" von J. Haydn. 4. Vier\ngeistliche Gesänge aus Op. 38 von Verhülst. 5. Hymne\nfür Sopran, Chor und Orgel von Mendelssohn. 6. Advent-\nlied von Schumann.— 11. Inländisches Musikfest: 1. Elias\nauf Iloreb von F. Coenen (von den Preisrichtern des Ver-\neins ehrenvoll erwähnt). 2. Der 84. Psalm von Verhülst.\n3. Sinfonie in C-dur von W. F. G. Nicolai. 4. Ouvertüre,\nEinleitungen und Chöre zu Lucifer von J. A. van Eyken\n(ebenfalls ehrenvoll erwähnt). Alle diese Musikstücke wur-\nden mit Orchester und unter Leitung ihrer Componisten\nausgeführt (den 7. Januar 1859).—111. Zum Besten der\noben bereits erwähnten Stiftung, unter Leitung von Ver-\nhülst: der 95. Psalm von Mendelssohn; Samson von Hän-\ndel (den 25. März 1859; 200 Mitwirkende).—IV. Prü-\nfung und Preis-Vertheilung in der Musikschule den 8. Fe-\nbruar 1859.\nUtrecht. 92 Mitglieder, 24 beitragende Künstler, 14\nEhren-Mitglieder. Vorstand 5 Mitglieder. Vorsitzender Dr.\nF. C. Kist, Redacteur der Musik-Zeitung „Cäcilia\".\nGesangschule 40 Schüler, 3 Stunden wöchentlich; Leh-\nrer: J. van den Berg.\nZierikzee. 35 Mitglieder, 1 beitragender Künstler.\nVorstand 5 Mitglieder. Vorsitzender M. J. Schüürbeque\nBoeije. Gesangschule 31 Schüler (3 frei), 4 Stunden\nwöchentlich. Gesang-Verein 61 Mitglieder, 7 Ehren-Mit-\nglieder. Dirigent Karl Eisner. Aufführung (den 28. April\n1859): „Die Jahreszeiten\" von J. Haydn mit Orchester.\nZütphen. 10 Mitglieder, 2 beitragende Künstler.\nVorstand 5 Mitglieder. Vorsitzender W. J. C. Putman\nCramer.\nAlle diese Abtheilungen sind Filial-Vereine der gros-\nsen Maatschappij tot Bevordering der 2'oonkunst, deren\nHauptzweck übrigens nicht die Aufführungen sind, son-\ndern die Hebung der Musik durch Preisausschreiben für\ninländische Componisten, Herausgabe von älteren Werken\nund von gekrönten Compositionen neuerer Tonsetzer, Er-\nrichtung von Musik-, besonders Gesangschulen, Gesang-\nVereinen u. s. w. Man darf desshalb das Musikleben in\nHolland in Bezug auf öffentliche Aufführungen nicht bloss\nnach der obigen Uebersicht beurtheilen; denn jede einiger\nMaassen bedeutende Stadt hat ausserdem noch ihr von der\nMaatschappij unabhängiges Concert-Institut die\ngrösseren Städte oft mehr als eines —, welches, ebenfalls\nauf Association und Abonnement beruhend, des Winters\neine mehr oder weniger umfassende Reihe von Concerten\nveranstaltet.\nWir müssen diesen Bericht leider mit einer Trauer-\nNachricht schliessen. Holland hat in diesem Sommer eine\nsehr talentvolle junge Sängerin verloren, die auf dem Wege\nwar, als ausgezeichnete Künstlerin sich einen berühmten\nNamen zu machen. Helena Margare tha Hutschen-\nruyter, geboren zu Rotterdam den 29. Januar 1832,\nTochter des dortigen, oben genannten Musik-Directors, ist\nam 11. August dieses Jahres nach einer längeren Krank-\nheit, die nach und nach immer weniger Hoffnung auf Ge-\nnesung liess, gestorben. Sie hatte eine wohllautende, um-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "357", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591105-01.1.5", "texte": "fangreiche Sopranstimme und führte bereits auch grössere\nPartieen in Oratorien mit wohlverdientem Erfolg aus.\nSchülerin ihres Vaters und der Musikschule zu Rotterdam,\nhatte ihr Talent auch die Theilnahme der berühmten Sän-\ngerinnen Frau Goldschmidt-Lind und Fräul. Bochkoltz-\nFalconi erregt, die sie durch ihren wohlwollenden Rath\nbegünstigten, Bei dem jetzigen Mangel an guten Sänge-\nrinnen ist ihr Tod ein Verlust für die Kunst.\n\nJakob Andreas Romberg.\nDie Compositionen Schiller'scher Gedichte von An-\ndreas Romberg, die in vielen Städten in das Programm\ndes Schiller-Festes aufgenommen sind, namentlich „Die\nGlocke\", für Soli, Chor und Orchester (hier in Köln aus-\nserdem auch noch „Die Sehnsucht\" für eine Tenor-\nstimme), haben, abgesehen von ihrem musicalischen, be-\nsonders melodischen Werth, der von Unbefangenen stets\nnoch anerkannt wird, durch die ausserordentliche Popula-\nrität, welche sie in den ersten Jahrzehenden unseres Jahr-\nhunderts erlangt hatten, und durch die grosse Verbreitung,\nwelche sie durch die Musik den Gedichten Schiller's auch\njn Kreisen verschafften, wohin sie noch nicht gedrungen\nwaren, ein volles historisches Anrecht auf die Wahl zur\nAufführung an der Jahrhundertfeier von Schiller's Ge-\nburtstag. Merkwürdig genug tritt aber noch hinzu, dass\nder 10. November, Schiller's Geburtstag, der Todes-\ntag A. Romberg's (im Jahre 1821) ist! Für Rheinland\nund Westfalen liegt dann ferner noch eine nähere Veran-\nlassung zur Wahl jener Musikstücke darin, dass die Künst-\nlerfamilie Romberg aus Westfalen stammt und in Mün-\nster und in der kurkölnischen Capelle zu Bonn mit Aus-\nzeichnung wirkte. Der Vater von Andreas Romberg, Geb-\nhard Heinrich Romberg, warMusik-Director in Mün-\nster und berühmter Clarinettist, und dessen Bruder Anton\nRomberg eben so trefflicher Fagottist; beide waren mit\nihren Söhnen Andreas und Bernhard (die also Ge-\nschwisterkinder, nicht Brüder waren) Mitglieder der kur-\nkölnischen Capelle. Als diese 1793 sich auflös'te, gingen\ndie beiden Vettern nach Hamburg; Andreas war Meister\nauf der Violine, Bernhard auf dem Violoncell. Nach einem\nfast dreijährigen Aufenthalt in Italien (1795 —1797) ging\nAndreas nach Hamburg zurück, Bernhard bereis'te noch\nEngland, Spanien und Portugal. Im Jahre 1800 trafen\nBeide wieder in Paris zusammen, wo sie eine komische\nOper: Don Mendose, schrieben, die im Theätre Feydeau\naufgeführt wurde. Seit 1801 hatte Andreas Romberg sei-\nnen bleibenden Wohnsitz in Hamburg aufgeschlagen,\nmachte von da Kunstreisen und hielt sich auch oft längere\nZeit in Münster auf. Als Ludwig Spohr sein Amt in Gotha\nals herzoglicher Concertmeister aufgab und nach Wien\nging, wurde Andreas Romberg berufen und nahm von\n1815 an in Gotha dieselbe Stellung ein. Dort raffle ihn\nschon nach sechs Jahren, am 10. November 1821, der\nTod dahin. Er war den 27. April 1767 zu Vechte im\nStift Münster geboren.\nA. Romberg war ein sehr fruchtbarer Componist. In\nseinen Instrumentalwerken (Sinfonieen, Quintetten, Quar-\ntetten) erkennt man Haydn's Vorbild, das er, wenn auch\nnicht in genialer Erfindung, doch in anmuthig melodischem\nHuss und in Klarheit und Reinheit des Satzes erreichte.\nAllgemeineren Beifall fanden seine Gesang-Compositionen\nund unter diesen vorzüglich die Compositionen der Ge-\ndichte: „Die Glocke\" und: „Die Macht des Gesanges\" von\nSchiller, für Solostimmen, Chor und Orchester. Von seinen\nOpern (z. ß. „Die Ruinen von Paluzzo\") hat ihn keine\nüberlebt. Durch jene Gesangstücke aber (in ähnlicher Form\ncomponirte er auch noch Gedichte von Anderen, z. B. „Die\nHarmonie der Sphären\" von Rosegarten) hat er sehr viel\nzur Errichtung, Anregung und Belebung der Gesang-Ver-\neine von Dilettanten beigetragen, denen Deutschland jetzt\ndie in keinem Lande übertroffenen Chor-Aufführungen\nvon Oratorien und Cantaten verdankt.\n\nDie Deutsche Schiller-Stiftung an die Deutschen\nAm heutigen Tage hat sich die Deutsche Schiller-\nStiftung constituiit zu dem in §. 1 der Satzungen ausge-\nsprochenen Zwecke:\n„Deutsche Schriftsteller und Schriftstellerinnen, welche\nfür die National-Literatur (mit Ausschluss der strengen\nFach-Wissenschaften) verdienstlich gewirkt, vorzugsweise\nsolche, die sich dichterischer Formen bedient haben, da-\ndurch zu ehren, dass sie ihnen oder ihren nächstangehöri-\ngen Ilinterlassenen in Fällen über sie verhängter schwerer\nLebenssorge Hülfe und Beistand darbietet.\n„Sollten es die Mittel erlauben und Schriftsteller oder\nSchriftstellerinnen, auf welche obige Merkmale nicht sämmt-\nlich zutreffen, zu Hülfe und Beistand empfohlen werden,\nso bleibt deren Berücksichtigung dem Ermessen des Ver-\nwaltungsrathes überlassen.\"\nDie Constituirung dieser Stiftung fällt nahe zusammen\nmit dem hundertjährigen Geburtsfeste des unsterblichen\nDichters, zu dessen würdiger, nationaler Feier, so weit\n\n*) V Red. wird durch den von der constituirenden Versainnjlung\nder Deutschen Schiller Stiftung erwählten Vorort derselben er-\nsucht u. s w. Weimar, den 25. October 1859. (Gez.) Franz\nDingelsted t.\n*)•"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "358", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591105-01.1.6", "texte": "die deutsche Zunge klingt, die grossartigsten Vorbereitun-\ngen getroffen werden.\nDeutsche! Bei dem festlichen Klange jener Glocke, die\nin ewiger Höhe tönt, sammelt Euch, nicht bloss, um zu\nseinen Ehren ein begeistertes Gedächtnissfest zu begehen,\nsondern auch, um ein bleibendes Denkmal werkthäti ger\nLiebe für unseren volkstümlichsten Dichter auf alle Zei-\nten zu stiften.\nWie er selbst gesungen:\nGöttern kann man nicht vergelten;\nSchön ist's, ihnen gleich zu sein.\nGram und Armuth soll sich melden,\nMit den Frohen sich erfreu'n,\nso können wir auch ihm selbst nicht vergelten, wohl aber\ndurch die mit seinem Namen geschmückte Stiftung den\nDank seines Volkes dadurch abtragen, dass wir geistig Stre-\nbende, die von schwerer Lebenssorge heimgesucht sind,\ndurch Beistand und Hülfe ehren.\nDeutsche! Keinen Ort gibt es im Vaterlande, so abge-\nschieden von den grossen geistigen Besitzthümern unseres\nDaseins, dass nicht Männer und Frauen, Jünglinge und\nJungfrauen darin lebten, in denen die Dankbarkeit glüht\nfür das, was Schiller uns allen geworden. In der Fremde\nlebt kein Deutscher, dem nicht der Name Schiller ein\nheiliger Heimatsruf ist, so dass in diesem Namen eine\nWeihestimmung, einzig in ihrer Art, und ein Gesammtbe-\nwusstsein, auf so vielen Gebieten des öffentlichen Lebens\nschmerzlich vermisst, zur erhebenden Erscheinung kommt.\nSo tretet denn am 10. November zur Bildung von\nSchiller-Stiftungen überall zusammen; wo eine solche sich\nnicht gründen lässt, sammelt Beiträge; wo sich frohe Her-\nzen zum Festmahle vereinigen, verkündet diese unsere\nWorte und lasstnach dem Festgrusse für den Dichter durch\ndie Hände Eurer Frauen und Jungfrauen Spenden der Liebe\nin Empfang nehmen. Wo Gesang-Vereine und Liederta-\nfeln, wo Capellen und Theater seinem Andenken huldigen,\nopfert ihm den Ertrag seines Ehrentages.\nUnd du, deutsche Jugend, in deren frische Herzen er\ndie ersten Keime edler Begeisterung senkt, fehle auch du\nnicht in den Reihen der Opfernden. Die kleinste Gabe ist\nwillkommen.\nAuf, Deutsche! Lasset uns ein Beispiel geben zur Ehre\nfür uns und unsere dass der Freude schö-\nner Götterfunken, der Begeisterung Flamme nicht wir-\nkungslos verlodere, sondern dass die hundertjährige Jubel-\nfeier von Schiller's Geburt als der Geburtstag der in sei-\nnem Namen gegründeten Stiftung ein Lichtpunkt sei und\nbleibe, tröstlich hineinleuchtend in die Nacht der Sorge\nund der Noth.\nDie bis jetzt bestehenden Schiller-Stiftungen befinden\nsich in Berlin, Breslau, Coburg, Darmstadt, Dresden, Frank-\nFurt a. M., Gratz, Hamburg, Leipzig, München, Nienburg,\nNürnberg, Offenbach, Stuttgart, Weimar (als Vorort für\ndie nächsten fünf Jahre gewählt), Wien.\nAn eine derselben wollen die Beiträge für die Stiftung\neingesandt werden.\nDresden, den 10. October 1859.\nDie constituirende Versammlung der Deutschen\nSchiller- Stiftung:\nDr. Berthold Auerbach aus Dresden. Dr. Ludwig Blum\naus Stuttgart. Dr. Ludwig Braunfels aus Frank-\nfurt a. M. Heinrich Brockhaus aus Leipzig. Geh.\nMedicinalrath Dr. Karl Gustav Carusaus Dresden.\nGeneral-Intendant Dr. Franz Dingelstedt aus Wei-\nmar. Dr. Johann Georg Fischer aus Stuttgart. Dr.\nErnst Förster aus München. Advocat Adolar Ger-\nhard aus Leipzig. Dr. Karl Gutzkow aus Dresden.\nProfessor Dr. Friedrich Haase aus Breslau. Dr.\nJulius Hammer aus Dresden. Dr. Gustav Haubold\naus Leipzig. Graf Stanislaus Kalckreuth aus Wei-\nmar. Dr. Moriz Lazarus aus Berlin. General-Con-\nsul Ernst Merck aus Hamburg. Hoftheater-Re-\ngisseur Ferdinand Pirscher aus Darmstadt. Karl\nRick aus Wien. Major Serre auf Maxen aus Dres-\nden. Karl Voigt aus Weimar. Staats-Minister a. D.\nDr. Ernst von Wietersheim aus Dresden. Dr. Fried-\nrich Zabel aus Berlin. Dr. Georg Zimmermann\naus Darmstadt.\n\nLudwig Spohr’s Begräbnik.\nKassel, den 25. October 1859.\nHeute um 3 Uhr Nachmittags wurden Spöhr's irdische Ueber-\nreste feierlich und in einer so zahlreichen Begleitung, wie sie hier\nwohl selten bei einem Leichenbegängnisse gesehen worden, zur Erde\nbestattet. Schon lange vor dem Abgange des Trauerzuges füllten\nsich die dem Spohr'schen Hause benachbarten Strassen und Plätze\nund auch die, welche der Zug zu passiren hatte, mit Menschen, Ein\nTrauergesang von Frauenstimmen mit Instrumental-Begleitung be-\nzeichnete die Versetzung des Sarges auf den Leichenwagen. Den\nZug eröffneten zwei Trauermarschälle; darauf folgten die Mitglieder\ndes kurfürstlichen Hof-Orchesters mit umflorten Instrumenten; sie\nspielten Beethoven's Trauermarsch; sodann die Prediger der lutheri-\nschen Gemeinde; wieder zwei Trauermarschälle; alsdann der mit\nvier Pferden bespannte Trauerwagen; hinter demselben das älteste\n(emeritirte) Mitglied des Sänger-Personals (Herr FöppelJ, welcher auf\neinem weissatlassenen Kissen den goldenen Lorberkranz trug, der\ndem gefeierten Meister einst bei seinem fünfundzwanzigjährigen\nDienst-Jubiläum verehrt worden, so wie den Dirigentenstab, und das\nälteste Mitglied des Orchesters (Herr Schubank), welcher auf einem\neben solchen Kissen die Ordens-Decorationen des Verblichenen trug*);\n\n*) Spolir war Ritter des kurfürstlich hessischen Wilhelms-Ordens,\ndes k. Preussischen Rothen Adler-Ordens und des Ordens poar\nle merile für die Friedensciasse, des k. baierischen Maximilians-\nund des herzoglich sächsischen Ernestinischen Ordens."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "359", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591105-01.1.7", "texte": "alsdann die Mitglieder seiner Familie, voran seine beiden Prüder;\nein Fiauermarschall ; hierauf der General-Intendant des kurfürstlichen\nHoftheaters, Holmarschall v. Heringen, und sämmtliche Beamte und\nOfficianten dei Hoftheater-Bureaux j der Hof-Capellmeister Reiss und\nsämmtliche Mitglieder des Hof-Orchesters, das männliche Personal\nder Oper, des Schauspiels und des Gesangchors; ein Trauermar-\nschall ; die anwesenden fremden Künstler und Schüler des verewig-\nten Meisters, darunter die Capellmeister Bott aus Meiningen, Wehner\naus Hannovei, Musik-Director Grimm aus Göttingen, Kammermusi-\ncus Kömpel aus Hannover; wieder ein Trauermarschall, die Mitglie-\nder der hiesigen Gesang-Vereine; ein Trauermarschall, die Mitglieder\ndes Stadtrathes und hierauf die unabsehbare Reihe der anderen Be-\nwohner Kassels, welche sich eingefunden hatten, um ihrem hochbe-\nlühmten und würdigen Mitbürger die letzte Ehre zu erweisen; ein\nIlaueimarschall schloss diesen Zug. Hierauf folgte der achtspännige\nStaats wagen Sr. K. Hoheit des Kurfürsten mit Livree-Begleitung und\ndarauf eine lange Reihe von Ecjuipagen. Der Zug ging durch die\nKölnische Strasse, um den Königsplatz herum, die Königsstrasse\nhinunter, zum Holl/indischen Thore hinaus durch ein dichtgedräng-\ntes Spalier von Mensehen; alle Fenster waren mit Zuschauern be-\nsetzt. Se. K. Hoheit der Kurfürst nebst Allerhöchstseiner Gemahlin,\nder Fürstin von Hanau, waren mit Gefolge in den Fenstern des er-\nsten Stockes des kurfürstlichen Postgebäudes zu erblicken, um den\nTrauerzug durch hohe Gegenwart zu ehren. Die meisten Läden in\nder Königssti asse waren geschlossen; beim Vorüberziehen des Trauer-\nwagens entblössten zu beiden Seiten die Zuschauer ihre Häupter.\nVom Thoie bis zum Friedhofe war keine geringere Alenschenmenge\ntheils aufgestellt, thcils in Bewegung. Auf dem Friedhofe angekom-\nmen, wurde der Trauerzug, von welchem inzwischen die Hofsänger,\nder Hoftheater-Chor und die Gesang-Vereine sich getrennt hatten,\nmit einem Chorgesang unter Instrumental-Begleitung von der Com-\nposition des Verewigten (aus der Oper Pietro von Abano) empfan-\ngen, der Sarg in die gewölbte Halle getragen und daselbst in der\nbestimmten Gruft*) beigesetzt. Rührend war es, wie hier die als\nZeichen inniger Verehrung eingeschickten Kränze vom Sarge genom-\nmen wurden; es waren ihrer eilf, darunter zwei Palmzweige von\nSeiner Majestät dem Könige von Hannover, ein Kranz von Ihrer\nMajestät der Königin von Hannover Kränze der Liedertafeln und\nGesang-Vereine zu Kassel, Braunschweig Leipzig, Göttingen, eine\nreiche Lorber-Guirlande von Seiten des Friedhofs-Inspectors Junk\nu. s. w. Hierauf hielt Pfarrer Jatho dem Verblichenen die Grabrede.\nEr wiederholte in kurzen Umrissen die Züge dieses denkwürdigen\nund herrlichen Künstlerlebens und hob dann mit kräftigen, zu allen\nHerzen dringenden Worten hervor, wie dieser grosse Meister zugleich\ndurch und durch ein edler Mann, erfüllt von Wohlwollen und thä-\ntiger, hülfreicher Menschenliebe war, wie sein ganzes Leben durch-\ndrungen war von deutschem Ernste und reinem, rastlosem Streben,\nwie er in der Einfachheit und Zurückg'ezogenheit des Familienlebens\nallein hienieden sein Glück und seine Genugthuung fand, und wie\nauch der Sänger so trefflicher Oratorien, der Componist eines „Va-\nter Unser\", von „Des Heilands letzte Stunden44, der „Letzten Dinge\"\nund anderer heiliger Tonschöpfungen, auch abgesehen von jedem be-\nsonderen Bekenntmss, erfüllt war von echt religiösem und frommem\nWesen Hierauf trugen die Sänger-Chöre eine Trauer-Cantate, com-\nponirt von Hof-Capellmeister Keiss, unter Instruraental-Begleitunjr\nvor, und die Gruft sehloss sich über der Ruhestätte eines Mannes,\ndessen Andenken im Herzen der Seinigen fortleben und in der Dank-\nbarkeit der Menschen und in der Geschichte der Kunst unvergän-\nlieh sein wird. °\n\n*) Die nächsten Angehörigen des Verewigten hatten die Absicht,\nihn in einem der Grabgewölbe auf dem neuen Kirchhofe bei-\nsetzen zu lassen, uni es waren zur Erwerbung eines solchen\nals Familiengruft schon die Unterhandlungen dem Abschlüsse\nnahe, als ein aus Spohr's Freunden und Verehrern gebildetes\nComite dieselben ersuchte, zu gestatten, dass für diesen Zweck\ndas grosse mittlere Gewölbe von unseren Mitbürgern angekauft\nwürde, welchem Wunsche die Familie in der Wreise gern bei-\nstimmte, dass sie ihrerseits die bereits bestimmte Summe bei-\ntragen dürfe, um somit ihr nächstes Anrecht auf diese für sie\ngeheiligte Stätte zu bewahren.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHannover, 26. October. Gestern wurde Marschner's\n„Hans Heiling\" gegeben. Zum ersten Male nach seiner Pensioniruntr\ntrat der Meister wieder an das Directionspult, um die Aufführun-\nder Oper zu leiten, da ihm bekanntlich bei seiner Ernennung zum\nGeneral-Musik-Director die Direction seiner eigenen Opern vorbehal-\nten worden. Der berühmte Componist, den man ungern so früh aus\nder amtlichen Wirksamkeit scheiden sah, wurde mit brausendem\nJubel und Tusch des Orchesters und mit einem Strom von Blumen\nund Kränzen empfangen und fand auf seinem Pulte einen silbernen,\nmit Edelsteinen verzierten Tactstock, der die Inschrift trägt: „Von\nden deutschen Verehrern der Marschner'schen Musik\nDen 25. October 1859.\" - Diese Worte stehen wohl in Bezie-\nhung auf die glänzenden Anträge, welche dem General-Musik-Diree-\ntor Marschner von seinen Verehrern in America gemacht worden\nsind Die Unternehmer der Academy of Music in New-York haben\nihn dringend eingeladen, seine drei Haupt-Opern „Vampyr\", „Hans\nHeiling\" und „Templer\" für die italiänische Oper daselbst einzu-\nrichten und die Aufführungen derselben zu dirigiren. Ferner: die\nDirection eines Goncert-Instituts zu übernehmen, das zu seinen Eh-\nlen dtn Namen .1/ arsch tt c r lii/ h t tritt ott ic führen soll* Diese\nneue Coneert-Gesellsehaft würde in New-York, Boston und Philadel-\nphia Concerte geben. An namhafte deutsche Künstler und Künstle-\nrinnen, unter Anderen an Frau Clara Schumann, sind bereits Einla-\ndungen ergangen, in diesen Concerten aufzutreten.\nEs ist ein sonderbares Spiel des Zufalls, dass die Ovation für\nMarschner in Hannover gerade an demselben Tage den 25. Octo\nbei Statt fand, an welchem in Kassel das oben beschriebene feier-\nliche Begräbniss Spohr's gehalten wurde. Von den grossen deutschen\nComponisten ist nun Heinrich Marschner der Nestor; mögen seine\nZeitgenossen in allen Ländern und besonders in Deutschland wett-\neifern, ihm den Abend seines Lebens, das noch von so frischer Schö-\npfungskraft überströmt, auf alle Weise zu verschönern! Mahnt doch\ndie bevorstehende Schiller-Feier die deutschen Fürsten und Völker\nlecht ernstlich daian, mit der nicht bloss ehrenvollen, sondern auch\nthatsächlichen Anerkennung unserer grossen Männer nicht bis nach\nihrem Tode zu warten !\nDl'esdeil. An der vielverbreiteten Notiz über angebliche Pen-\nsionirung Reissiger's ist kein wahres Wort. Die k. Hof-Opern-\nsängerin Fräul. Krall hat sich am 2. October mit dem k. Hof-\nschauspieler Herrn Jauner ehelich verbunden.\nDie Neue Zeitschrift für Musik enthält einen Nekrolog des Com-\nponisten Ludwig Wolf, der am G. August d. J. in Wien ge-\nstorben ist. Ludwig Wolf, der Sohn eines frankfurter Orchester Mit-\n; gliedes, gehörte zuerst dem Kaufmannsstande an und begann unge-\nfähr in seinem zweiundzwanzigsten Jahre zu componiren. Nach Wien\n! übergesiedelt, erhielt er Unterricht bei Seyfried und widmete sich\nganz der Kunst. ~Manche seiner Compositionen fanden ihre Verleger,\nj und ein grosses Trio wurde in Mannheim mit einem Preise gekrönt.\nEr war ein vortrefflicher Geiger und Pianist Das nur zu häufige\nSchicksal der Tonkünstler ward jedoch auch Wolf; unter Componi-\nren, Concert- und Stundengeben \\ erstrich seine Zeit geräusch- und"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "360", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591105-01.1.8", "texte": "anspruchslos. Er gehörte zu den Künstlern, die, beglückt während\ndes Schaffens, mit dem Geschaffenen nur nicht speculiren können,\nund deren Sanctum nicht der geräuschvolle Markt, sondern die stille\nZelle ist.\" Er war geboren zu Frankfurt 1804. Die Neue Zeitschrift\nbringt zugleich ein Verzeichniss von Wolfs Compositionen. Es sind\nMessen, Ouvertüren, Märsche, Streich-Quartette, Quartette und Trios,\nClavier-Trios, Sonaten für Ciavier mit und ohne Begleitung, Lieder\nund vierstimmige Gesänge.\nDas Schiller-Jubiläum wird hier am 9. November\nNachmittags beginnen mit einer Begrüssung der einzuladenden Fest-\ngäste. Abends wird im Hoftheater ein Prolog gesprochen und sodann\n„Wallenstein's Lager\" und die „Piccolomini\" aufgeführt. Am 10.\nwird ein grosser Festzug, an dem alle Stände Theil nehmen sollen,\ndie Hauptstrassen der Stadt durchziehen und Mittags die Hauptfeier\nim k. Reithause Statt haben. Capellmeister Kücken hat eine Can-\ntate zur Einleitung der Feier geschrieben, der bekannte Lyriker\nJ. G. Fischer wird die Festrede halten, der Regisseur Grunert\nSchiller's „Glocke\" sprechen und zum Schlüsse Beethoven's neunte\nSinfonie mit den Chören aufgeführt werden Abends Festzug an das\nerleuchtete Schiller-Denkmal, wo unter Mo/.art'sehen Klängen Schiller\nein Hoch gebracht wird. Am 11. wird in Marbach das in seiner al-\nten Gestalt wieder hergestellte Geburtshaus Schiller's eingeweiht und\nzum Schlüsse des Festes hier im Hoftheater „Wallenstein's Tod\"\ngegeben.\njj RegeilsVlurg? im October. Im Interesse der Kirche, welche\nnur solche Musik bei ihrem Gottesdienste dulden kann und darf,\ndurch welche die Gläubigen erbaut werden, muss ich offen eine Ein-\nsprache erheben gegen Compositionen wie die nachstehenden: 4 Tan-\ntum ergo von Moll; 12 Tantum ergo von Ennemoser; Harmonie-Messe\nvon Zangl (sämmtlich bei Möst in Innsbruck); Sebast. Higner, Mes-\nsen etc. für eine Singstimme, Orgel und Instrumente (Straubing). Man\nthut sehr unrecht, wenn man solche Compositionen empfiehlt; noch\nübler ist es, wenn man sie producirt. Jeder Text, darunter gelegt,\nlässt sich leichter dazu singen, als der heilige des Kyrie, Gloria\nu. s. w. Die Ausstattung mit allem Klingklang von Instrumenten\nverschlechtert die üble Sache noch mehr. Es ist eine arge Ent-\nweihung, solche Musik in der Kirche zu machen. Das Aushänge-\nschild: ~Für Land-Chöre\", zieht bei Verständigen nicht mehr; die\nLandleute haben viel besseren Geschmack, als man glauben sollte.\nDie alles Unheil stiften, sind lediglich diejenigen Musiker und Mu.\nsicanten, die für etwas Ernstes keinen Sinn haben und nebenbei be-\nflissen sind, ihre Machwerke um Geld an den Mann zu bringen und\nsich horribile dictu einen Namen zu machen. Dr. M*\nlleilädA'OHift* Auch unserer Stadt ist es vergönnt, angeregt\ndurch ein besonderes Comite, unseren gesangreichsten deutschen\nDichter Schiller durch eine musicalisch-declamatorische Production\nam 10. November zu feiern. Es wird die „Glocke\" mit Musik von\nA. Romberg, der Chor ~An die Künstler\" von Mendelssohn\nnebst anderen Stücken zur Aufführung kommen, und bei dem Eifer\nund der Energie unseres trefflichen Directors Herrn Ernst Ma-\nscheck dürfen wir nicht weniger Vorzügliches erwarten, als er uns\ndurch den 0 ratorien-Verein leistet, unter dessen Aufführungen in\ndiesem Jahre besonders die tadelfreie Aufführung des ~Messiasu mit\nUnterstützung der ersten Solisten und der k. Hofcapelle von Stutt-\ngart rühmlich ausgezeichnet werden muss. Wenn wir so Ursache\nhaben, mit unseren musicalischen Zuständen im Allgemeinen immer\nmehr befriedigt zu sein, so macht es uns noch besondere Freude,\ndass wir auch im Solospiel einen Kunstjünger der Musik weit ankün-\ndigen können, der die volle Aufmerksamkeit derselben verdient. Die-\nses ist der kaum sechszehn Jahre alte Hugo Heer mann, der\nseit drei Jahren am k. Conservatorium in Brüssel seine Studien\nmacht und bei dem letzten Violin Concurs mit dem ersten Preise ge-\nkrönt worden ist. Derselbe hat hier und auf dem k. Hoftheater in\nStuttgart ein für ihn componirtes Concert von Prof. Meerts gespielt\nund sowohl bei Kunstkennern als beim Publicum den ungetheiltesten\nBeifall geärntet. Sein Spiel ist glockenrein, der Ton schön und die\nAuffassung eine poetische und das Wesen der Musik erfassende. Das\nConcert von Meerts enthält bei grossen Schwierigkeiten die Schön-\nheiten einer classischen Violin-Composition, und der jugendliche und\nbescheidene Künstler lös'te die schwierige Aufgabe auf eine solche\nWeise, dass wir überzeugt sind, er werde sehr bald zu den ersten\nYiolinspielern gezählt werden.\nSchiller-Stiftung. Die wiener Blätter enthalten einen Auf-\nruf zur Betheiligung Wiens an der Schiller-Stiftung entweder\ndurch eine einmalige Gabe oder durch Zeichnung eines Jahres-\nBeitrages. Se. Majestät der Kaiser haben derselben Stiftung schon\nvor längerer Zeit einen namhaften Beitrag zuzuwenden und die Con-\nstituirung eines Filial-Comite's zu genehmigen geruht Unter-\nzeichnet ist der Aufruf von Aloys Auer, Ed. von Bauern fei d,\nHerrn Bonitz, Dr. Castelli, Fürst Konstantin Czarto-\nryski, L. A. Frank 1, Mor. Gerold, Franz Grillparzer,\nFriedr. Pia Im (Eligius von Münch-Bellinghausen), Dr. Friedr.\nHebbel, Leopold Komp er t, Kuranda, la Roche, Dr. H.\nLaube, Dr. Mosenthal, Dr. Pachler, O. Prechtler, K.\nRick, J. G. Sei dl, Ritter yon Seiller (Bürgermeister), J. H.\nStreicher, Franz Graf T h un-H oh enst ei n, Dr. v. Wurz-\nbach, Christ. Frhr. v. Zedlitz.\n£Sft*ii3Sel« Herr Fdtis, Director des Conservatoires u. s. w,\nist zum Commandeur des Leopold-Ordens vom Könige der Belgier\nernannt worden."}]}