{"numero_id": "bm-bmtnabi-1859-11-12-01", "volume": "bmtnabi_1859-11-12_01", "ocr_sha256": "30d9872294556504448cd284701650d65e67c7acaff739343a1c97028ea686b4", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1859/11/12_01/bmtnabi_1859-11-12_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591112-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1859-11-12-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-11-12_01#c001", "volume": "bmtnabi_1859-11-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "361", "page_fin": "361", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591112-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "361", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591112-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 471, "texte": "Inhalt.\nA Schindlers Biographie von L. van Beethoven. 11. Oeffentlicher Concurs um die vacant gewordene Preisrichter-\nStelle zur Beurtheilung der Werke, welche den Nachweis zu liefern haben, dass die neuesten Fortschritte in der Harmonik auf die Natur\ngegründet sind. Zweites Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich zur Feier des Schiller-Festes. Tages- und Unterh al tun gs -\nblatt (Berlin Braunschweig Dresden Breslau Mainz Wiesbaden Frankfurt Prag Madrid New-York)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-11-12-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-11-12_01#c002", "volume": "bmtnabi_1859-11-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "361", "page_fin": "364", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591112-01.2.2", "titre_corps": "A. Schindler’s Biographie von L. van Beethoven.", "titre_sommaire": "A. Schindler’s Biographie von L. van Beethoven.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "361", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591112-01.1.1", "debut_caractere": 473, "fin_caractere_exclue": 4162, "texte": "A. Schindler’s Biographie von L. van Beethoven.\nII.\n(I. vgl. Nr. 43.)\nDen allgemeinen Charakter des Buches kann man als\n„urkundlich\" bezeichnen, sowohl in Beziehung auf die\nQuellen, die dem Verfasser zu Gebote standen, und auf\ndie vielfachen Belege, die wörtlich angeführt werden, als\nin Anerkennung des ehrlichsten Strebens nach Wahrheit,\ndas sich bei tiefster Verehrung für den Meister weder\ndurch Vorliebe für ihn wankend machen, noch durch sub-\njective Construction seiner Entwicklung nach einem vorge-\nfassten System, noch durch äussere Rücksichtnahmen vom\ngeraden Wege abbringen lässt. Dieser Eifer für die histo-\nrische,mau möchte sagen: actenmässig festzustellende Wahr-\nheit hat allerdings die Darstellung nicht immer zu ihrem\nVortheil beeinflusst und Form und Guss des Ganzen oft\nunterbrochen; allein er tritt dagegen so unabhängig, ja,\nrücksichtslos überall, wo er sich in seinem Beeilte weiss,\nhervor, dass er auch der Ausdrucksweise eine gewisse Kern-\nhaftigkeit verleiht, die gegen die zerfahrende Farblosigkeit,\ndie studirte Glätte und den witzelnden welche in\nden Blättern und Büchern, in die das moderne Kunstge-\nschwätz der Salons sich ablagert, zu finden sind, sehr er-\nfreulich absticht.\nDas Biographische und die künstlerische Entwicklung\nBeethoven's theilt der Verfasser auch in dieser neuen Auf-\nlage wie bisher in drei Perioden ein, jedoch mit dem\nUnterschiede, dass der Abschluss der zweiten bis Ende\n1814 verlängert wird, weil gerade in diesem Jahre der\nMeister den höchsten Gipfel seines Künstlerruhmes erreicht\nhat und die im Jahre 1815 eingetretenen Familien-Er-\neignisse und die daraus hervorgegangene Umgestaltung al-\nler Lebensverhältnisse eine auffallende Scheidewand bilden.\nDemnach umfasst die erste Periode die dreissig Le-\nbensjahre Beethoven's von seiner Geburt (den 17. Decem-\nber 1770) bis Ende 1800; die zweite reicht von 1801\nbis Ende 1814; die dritte schliesst sein Tod (den 20.\nMärz 1827) ab.\nBeethoven gehört bekanntlich nicht zu den frühreifen\nmusicalischen Genies; er war bereits fünfundzwanzig Jahre\nalt, als im Jahre 1795 sein erstes Werk, die drei Trio's\nin Es-dur, G-durund C-moll,zu Wien bei Artaria er-\nschien. Merkwürdig, dass das letzte (in welches\nlängst als das eigenthümlichste und reifste von den dreien\nanerkannt ist, der Zeit nach das zuerst geschriebene ist.\nUnd wie viele „Ausleger\" haben nicht schon in diesen drei\nersten Trio's in ihrer jetzigen Reihenfolge den vollstän-\ndigen Embryo der steigenden, dreiperiodischen Entwick-\nlung des Meisters sehen wollen!\nDie schaffende Thätigkeit Beethoven's tritt also in der\nersten Periode nur in den letzten fünf Jahren derselben\nauf und hat die Werke Op. 1 bis 15 (Concert für Pia-\nnoforte in C-dur)erzeugt. Ausserdem rühren aus densel-\nben Jahren her neun Nummern von Clavier-Variationen,\nferner die ersten drei Violin-Quartette (in F, G und\nD) des Op. 18; die Scene für Gesang (im\nJahre 1790 für die Gräfin Clari geschrieben, von ihm\nselbst auf einer Partitur im Besitz von AI. Fuchs als Op.\n46 (?) bezeichnet, im Stich bei Hofmeister als Op. 48, bei\nBreitkopf & Härtel gar als Op. 65!); die „Adelaide\",\ndie laut Beethoven's Brief an Matthisson vom 4. August\n1800 „bereits einige Jahre (seit 1797) im Stich heraus\nwar\" (Schindler, S. 59), so dass die Bezeichnung Op. 46\nebenfalls irrthümlich ist.\nVon dem Quintett für zwei Violinen u. s. w., Op.\n4in Es-dur,berichtet Schindler S. 55, dass es „aus dem\nersten Versuche Beethoven's, für Blas-Instrumente zu\nschreiben, aus dem Octett für 2 Oboen, 2 Clarinetten, 2\nHörner und 2 Fagotte (das unter der öpuszahl 103 cur-\nsirt), davon sich das Manuscript bei Artaria befindet, ent-\nstanden sei\" —nicht umgekehrt, wie z. B. der thematische"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "362", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591112-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5447, "texte": "Katalog der Beethoveu'schen Werke von Breitkopf & Här-\ntel angibt.\nUeber die katalogischen Verwirrungen bei Beethoven\nlässt sich der Verfasser folgender Maassen aus:\n„A. Die Werke Beethoven's theilen sich in zwei Kate-\ngorieen ab, deren eine mit Opuszahlen, die andere mit\nNummern versehen ist. Erstere rühren vom Componisten\nher, dürfen demnach bis zu einer gewissen Höhe, so lange\nnämlich derselbe die Gewohnheit festgehalten, selbe eigen-\nhändig auf jedem Manuscripte zu notiren, als ziemlich ver-\nlässlich angesehen werden. Diese Kategorie umfasst zu-\nmeist die grösseren und grossen Werke jeder Gattung.\nDie mit Nummern versehene aber wurde durch Ueber-\neinkunft der verschiedenen Verleger, anfänglich im Einver-\nständniss mit dem Componisten, aufgestellt und umfasst\nbloss kleine Werke, als: Variationen, Tänze, kleine Lieder,\nvon denen nicht wenige erst nach dem Ableben Beetho-\nven's veröffentlicht worden.\n„Diese Unterscheidung hat jedoch lediglich nur bei\nKatalogisirung der Werke aus den letzten fünf Jahren\ndieser ersten Periode eine chronologisch richtige Geltung.\nW eiterhin wird von einer katalogischen Unordnung zu be-\nrichten sein, wie sie wohl in so hohem Grade niemals bei\neinem Autor vorgekommen sein dürfte. Auf Beethoven sel-\nber fällt nur ein geringer Theil der Schuld, der grösste\naber auf die Verleger und ausser diesen noch auf die den\nTondichter lange Zeit hindurch bevormundenden Personen.\n„Die Verleger betreffend, so war es zumeist Mangel\nan Einverständniss, zuweilen in Folge von gegenseitiger\nEifersucht und Beneidung, durch welches die bedauerliche\nVerwirrung herbeigeführt worden. Ein anderer Grund\nfindet sich in der unberechtigten, zumeist willkürlichen Ein-\nschaltung so vieler arrangirten Werke unter die Opuszah-\nlen. Nur durch Beseitigung der Arrangements in eine ab-\ngesonderte Kategorie könnte eine bessere Ordnung bei den\nOriginalen erzweckt werden.\n„B. Sind d ie Werke unseres Meisters nicht immer in\nderselben Ordnung zur Veröffentlichung gelangt, als sie\nentstanden. Einzelne wurden theils wegen späterhin noch\nanzulegender Feile zurückgehalten, theils blieben sie aus\nVerlags- oder richtiger Speculationsgründen viele Jahre im\nPulte des Verlegers verborgen. Das der dritten Periode\nanhangende Verzeichniss wird derlei vom Verleger zurück-\ngehaltener Werke mehrere anführen. Hinsichtlich der chro-\nnologischen Beihenfolge findet sich schon bei Opus 1 eine\nUnrichtigkeit. Das Trio in C-moll, welches in der Samm-\nlung an dritter Stelle steht, war das zu allererst vollen-\ndete. Steigerung des Effectes von Nummer zu Nummer\nwar der Grund, dass es dem in JEs-dur und in G-dur\nnachgestellt worden. Oder der Componist sah sich bei dreien\nin ein Opus zusammengelegten Producten gleicher Gattung\nveranlasst, das schwächere in die Mitte zu stellen. So findet\nes sich bei den drei Sonaten, Op. 2, ferner noch bei den\ndrei Sonaten, Op. 10, dieser Periode angehörig. Weiter-\nhin erscheint ein solcher Grund nicht mehr vorwaltend.\n„Bei dem gegenwärtig blühenden Zustande der Con-\njectural-Kritik in Beethoven's Musik, vornehmlich in Kuss-\nland und Frankreich, ist mehrfach ausgesagt worden, dass\neinzelne von den Werken, die mit anderen zusammen un-\nter einer Opuszahl vorliegen und entweder im Stil oder\nim Gehalt von den mitgehenden sich unterscheiden, ihr\nEntstehen einer früheren Zeit verdanken. Dem muss ent-\nschieden widersprochen werden. Ein Jahr früher oder spä-\nter niedergeschrieben, ist von keiner Bedeutung, und meh-\nrere Jahre lagen niemals dazwischen. Als ganz zuverlässig\ngilt, dass keines der weiter unten verzeichneten Werke vor\n1794 verfasst worden. Einzelne dieser im Uebermaass\ngrübelnden und tiftelnden Conjectural-Kritiker, in der Ein-\nbildung, bei Beethoven ein stetes Fortschreiten ohne Rück-\nschritt auffinden zu wollen, haben dessen Opuscula, als die\nBagatellen und andere kleine Sachen für Pianoforte, viele\nLieder u. dgl. in des Meisters Jugendzeit zurückverwiesen.\nSie conjecturirten und philosophirten, dass nach „Fidelio\",\nder C-moll-und der Pastoral-Sinfonie der Autor solche\nKleinigkeiten nicht mehr schreiben gekonnt. Diese verbis-\nsenen Kunstschwätzer, die sich in fast bedauerlicherweise\nabmühen, das Aufsteigen des Beethoven'schen Genius tri-\ngonometrisch berechnen zu können, wie ihnen gerade\ndie Opuszahlen in den Kram taugen, mögen vernehmen,\ndass nicht wenige dieser Opuscula während des Zusam-\nmenlebens mit Beethoven vor meinen Augen entstanden,\nund von einigen noch Abschriften mit Correcturen des Com-\nponisten von mir aufbewahrt werden. Ist der Montblanc\nnicht von mehreren minder hohen Bergen, sogar von ganz\nniedrigen, umgeben?\n„Hörten wir gleichwohl einige Seitenzahlen zurück\nden eben dreissig Lebensjahre zählenden Beethoven aus-\nrufen: „ „Nichts von Ruhe!\"\" so darf doch versichert wer-\nden, dass er nach weiteren zwanzig Jahren nicht mehr so\ngedacht, vielmehr gefühlt habe, dass er zuweilen der Ruhe\nbedürfe, nämlich einer thätigen Ruhe oder ruhigen Thä-\ntigkeit. Aus solchen Momenten datiren verschiedene Klei-\nnigkeiten, deren einige aus Gefälligkeit für Gönner und\nFreunde geschrieben worden. Warum wollen die das In-\nnere des Erdballs durchwühlenden Kunstphilosophen nicht\nlieber aus solchem Verfahren denSchluss ziehen, dass Beet-\nhoven sich zuweilen in ein jugendliches Alter zurückver-\nsetzte, um dann wieder neugestärkt mit aller Willens- und\nGeisteskraft mehrere Schritte nach vorwärts thun zu kön-\nnen? Mit welchem Epitheton er selber solche Kleinig-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "363", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591112-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5408, "texte": "keiten charakterisirt, werden wir in der dritten Periode\nvernehmen.\n„C. Wird unter vorbemerkten Umständen nur um die\nZeit des Erschienenseins der verschiedenen Werke gefragt\nwerden dürfen. Allein selbst dabei können einzelne leise\nZweifel nicht mit Sicherheit gelös't werden. Indess sind\nDifferenzen um ein Jahr früher oder später von keiner Be-\ndeutung. Es konnte mit Gewissheit nicht ermittelt werden,\nob ein Werk zu Ausgang des einen oder bei Eingang des\nfolgenden Jahres der Oeffentlichkeit übergeben worden.\nHinsichtlich Feststellung einer chronologischen Ordnung,\nwenigstens bei den grösseren Werken, war der Verfasser\nnoch bei Lebzeiten des Meisters unter Mitwirkung der Ver-\nleger Artaria und Diabelli beflissen. Anlass hierzu hatte\neine Zuschrift mit vielen Fragezeichen von Ersterem an\nBeethoven im Jahre 1819 gegeben, welche als Beleg für\ndie katalogische Unordnung im Anhange zur zweiten Pe-\nriode mitgetheilt werden soll. Leider aber war kein Aus-\nweg aus diesem gräulichen Verhaue zu ermitteln. Das\nOriginal von Artaria's Zuschrift liegt vor.\n„D. Soll im Verzeichniss der Werke, wo nur thunlich,\nder erste Verleger genannt werden, und zwar auf Grund\nvon deren Correctheit, wenigstens im Allgemeinen. Es ist\nder Sache wegen wichtig, zu wissen, dass Beethoven seine\nwiener Ausgaben stets selber corrigirt hat. Von auswärts\ngedruckten Werken sind mir, als von ihm corrigirt, nur die\nletzten Sonaten, Op. 109, 110 und 111, im Schlesinger'-\nschen Verlage zu Paris bekannt. Dass sich indess alle die\nvon ihm selber corrigirten oder bloss revidirten Ausgaben\ndurch absolute Reinheit auszeichnen sollten, wird man\nwohl kaum erwarten. Es bleibt überall noch zu wünschen.\nUnter den älteren wiener Officinen gab es eine und andere,\ndie sich der Nachlässigkeit wie auch Unsauberkeit diesfalls\nnur gar zu oft schuldig gemacht hatte, dem Seitens des\nComponisten nicht zu steuern war. So hat man z. B. in der\nSonate pathetique den Abgang einer ansehnlichen Zahl von\nVortragszeichen im ersten und zweiten Satze, wichtig für\nrichtige Auffassung, nicht bloss für Färbung, zu beklagen.\nUnd diese Mängel laufen durch alle Nachdrucke. Was die\nvielerlei Nachdrucke in letzter Zeit hinsichtlich der Correct-\nheit noch überdies verschuldet, soll beigehend nur berührt,\naber offen gestanden werden, dass einzelne der Verlags-\nhandlungen starken Tadel verdienen.\n„Eine Verlagshandlung, die sich um Auffindung aller\nOriginal-Drucke von Ciaviermusik bemühen und danach\neinen mit allem Fleisse gesäuberten Nachdruck bewerk-\nstelligen wollte, würde sich um Beethoven's Literatur hoch\nverdient machen. In der Wohlfeilheit der Ausgaben darf\nman solches Verdienst allein nicht finden wollen, wie man\nin unseren Tagen thut, will man sich nicht auf gleiche\nStufe mit Baumwoll-Fabricanten stellen lassen. Sind gleich-'\nwohl die meisten der alten wiener Verlagshandlungen er-\nloschen und ihr Verlag auf Andere übergegangen, wie\nz. B. der reichhaltige des Kunst- und Industric-\nComptoirs sammt dem von Eder, Mollo & Comp, auf\nSteiner & Comp, (gegenwärtig Haslinger), ferner der\nVerlag von Cappi auf Witzendorf, so ist es nicht wohl\nglaublich, dass deren Original-Drucke sämmtlich verloren\nsein sollten.\"\nDer hier erwähnte Brief Artaria's ist vom *24. Juli\n1819. Er erwähnt (S. 203) als im Katalog der Beetho-\nven'schen Werke fehlende Nummern, die er nirgends habe\nfinden können: Op. 46, 48, 51, 65, 66, 71, 72, 87,\n88, 80, 103, und unter mehr als zwanzig (gedruckten)\nWerken, die keine Opuszahl haben, nennt er ausser meh-\nreren kleineren auch: Fidelio, Ouvertüre zu Leonore (nach\nSchindler Nr. 3, die 1810 veröffentlicht worden), sechs\nLieder von Geliert, Adelaide, Quintett für zwei Violinen\nu. s. w. in Es-dur,Quintett desgl. in\nSextett für Blas-Instrumente u. s. w.\nBeethoven, damals in Mödling mit seiner grossen\nin D beschäftigt, erwiederte alsbald (Schindler 1., S. 205):\nEr habe nun keine Zeit, sich mit dieser Verwirrung\nabzugeben, sei überhaupt ausser Stande, etwas in dieser\nSache zu thun; die Herren Verleger hätten diese Unord-\nnung herbeigeführt, sie sollen nun sehen, wie sie damit\nzurecht kommen. Schliesslich adressirte er Artaria an sei-\nnen Collegen Steiner u. Comp, behufs der* Mitwirkung zu\neiner allenfalls möglichen Entwirrung. „Diese Verlagshand-\nlung lehnte jedoch die Theilnahme ab, indem sie bereits\nmit Beethoven auf nicht besonders freundlichem Eusse\nstand. Kurz vorher hatte dieselbe ein absonderliches Mei-\nsterstück mit Einreihung zweier kleinen Lieder von Beet-\nhoven unter die Opuszahlen fertig gebracht, ohne den\nMeister früher befragt zu haben; es sind die Liedchen:\n„Der Mann von Wort\", mit Op. 99, dann: „Merkenstein\",\nmit Op. 100 bezeichnet, ein jedes bloss aus zwei Seiten\nbestehend. Beethoven's Protestation gegen solche Willkür\nwurde nicht beachtet. Wir ersehen daraus den Fortbe-\nstand der verlegerischen Rücksichtslosigkeit gegen Mah-\nnungen, wie auch gegen Interessen der Autoren, wie Ein-\ngangs der zweiten Periode schon gezeigt worden.\"\nBei so bewandten Umständen wird man es dem Ver-\nfasser nicht zum Vorwurf machen können, dass auch er\nkeine Ordnung in die Verwirrung des Katalogs der Beet-\nhoven'schen Werke gebracht habe. Er hat gesucht, die\ngrösseren Werke in die richtige Zeit ihres Entstehens ein-\nzureihen, und hat darin gethan, was er konnte. Ultra posse\nnemo obligatur.Das Uebel ist so tief eingewurzelt, dass es\nschwerlich jemals mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "364", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591112-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 364, "texte": "kann. An eine Aenderung der Opuszahlen, wäre sie auch\nnoch so urkundlich beglaubigt, ist schon desswegen, wie\nauch Schindler selbst sagt, nicht zu denken, „weil das Pu-\nblicum sich mit den bestehenden Opuszahlen längst ver-\ntraut gemacht hat.\" So spottet im Kleinen wie im Grossen\nein Irrthum, welcher der Menge bequem nnd lieb gewor-\nden, der Fackel der Wahrheit."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-11-12-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-11-12_01#c003", "volume": "bmtnabi_1859-11-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "364", "page_fin": "366", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591112-01.2.3", "titre_corps": "Oeffentlicher Concurs um die vacant gewordene Preisrichter-Stelle zur Beurtheilung der Werke, welche den Nachweis zu liefern haben, dass die neuesten Fortschritte in der Harmonik auf die Natur gegründet sind.", "titre_sommaire": "Oeffentlicher Concurs um die vacant gewordene Preisrichter-Stelle zur Beurtheilung der Werke, welche den Nachweis zu liefern haben, dass die neuesten Fortschritte in der Harmonik auf die Natur gegründet sind.", "signature_source": "Terpander", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "364", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591112-01.1.4", "debut_caractere": 366, "fin_caractere_exclue": 3374, "texte": "Oeffentlicher Concurs um die vacant gewordene Preis-\nrichter-Stelle zur Beurtheilung der Werke, welche den\nNachweis zu liefern haben, dass die neuesten Fort-\nschritte in der Harmonik auf die Natur\ngegründet sind.\n\nDa einer der Herren Preisrichter in obiger Angele-\ngenheit dem Vernehmen nach das ihm von Dr. Brendel\nin Leipzig übertragene Ehrenamt niedergelegt hat, und es\nausgemacht ist, dass es kaum einen angenehmeren und\ninteressanteren Auftrag geben könnte, als mit Herrn\nPreisrichter Fr. Liszt über die beste Erklärung der vom\nComponisten Fr. Liszt erfundenen harmonischen Neue-\nrungen Erörterungen anzuknüpfen und schliesslich mit dem\nErsteren über den Letzteren abzustimmen, so erlaubt\nsich der gehorsamst Unterzeichnete die Bitte, ihm dieses\nvacante Amt gütigst anvertrauen zu wollen. Wir sind\nnatürlich bereit, eine Probe unseres Talentes abzulegen,\nund da wir mit der Thür ins Haus zu fallen lieben, so wol-\nlen wir sogleich mit einer solchen Probe dienen.\nWir wählen als Object die für Männerstim-\nmen\" von Dr. Liszt und gehen dieselbe durch, das Wich-\ntigste heraushebend.\nIm Kyrie findet sich leider des Enharmonischen so\nwenig, dass wir fürchten müssen, dieses Stück werde bald\nzur Vergangenheits-Musik gerechnet werden. Die einzige\nStelle, die uns interessiren könnte, wären die Tacte 29\nbis 36, welche also lauten:\nDa jedoch eine solche Fortrückung von verminderten\nzu Dominant-Septimen-Accorden ganz und gar nichts\nNeues ist (siehe Mozart's Requiem) und auch gar nicht\nfrappant klingt, so wollen wir uns dabei nicht aufhalten,\nsondern zu einer ganz eminenten Stelle, dem Schlüsse des\nGbria, übergehen. Hier ist sie:\nDie hohe Originalität dieses Schlusses und besonders\nder letzten fünf Tacte leuchtet sofort ein, und da sie den\nPhilistern viel Aergerniss verursachen dürfte, so folge hier\neiligst ihre Erklärung und Rechtfertigung.\nDer Anfang der abgedruckten Stelle bis zu den letz-\nten fünf Tacten scheint aus B-dur zu gehen. Das wäre\naber die erste Täuschung, welche dem Hörer passiren\nkönnte, und welche ihm schon den Secund-Accord auf\nals etwas kühn erscheinen lassen würde. Man muss die\nStelle in Es-durmit vierter erhöhter Stufe [in\ndico) hören, dann begreift man leicht jenen Secund-Accord\nauf des.Der letzte darf aber nicht als Dominant-Accord\nvon gehört werden, sonst würde man eben er-\nwarten. Man muss vielmehr entweder sich beeilen, eine\nenharmonische Verwandlung im Gehör vorzunehmen und\nden ganzen i?s-Accord in einen Zfe-Accord umdenken,\nund zwar schnell, bevor der Tact zu Ende ist; dann aber\nbraucht man bloss einen bekannten Trugschluss zu erwar-\nten und wird das E-dur also in Ordnung finden;—oder\nman nimmt den E-dur-Accord als einen Fes-dur-Accord\nhin, wobei man sich den schwierigen Process des enhar-\nmonischen Umdenkens ersparen kann. Allein im letzten\nFalle was weiter? Nach Fes-dur kommt F-dur. Man\nmüsste also wieder entweder Fes-dur in E-dur umdenken,\noder F-dur als Doppel-(?£S-e?«r hören, auf welche Art man\ndenn am Ende des Stückes glücklich in Doppel-As-dur"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "365", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591112-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3264, "texte": "angelangt wäre. Wir rathen zu dem letzteren oder auch\nzu einem anderen Mittel, nämlich dazu, schon viel früher\nstatt Es-dur Dis-dur,und statt zu denken.\nEinem gebildeten Musiker kann Beides keine grosse Schwie-\nrigkeiten machen, und er wird für die kleine Mühe durch\ndie Freude entschädigt sein, diese Stelle, namentlich den\nIj-Accord von E-dur,rein zu gemessen, ohne Schrecken\nund Angst.\nWir gehen weiter und springen sogleich zu dem ande-\nren „Amen\"am Ende des Credo Welch tiefer Grund Liszt\nbewogen haben mag, hier nicht enharmoriisch-neudeutsch,\nsondern alt-italiänisch zu schreiben, möchten wir uns kaum\ngetrauen mit Sicherheit anzugeben, doch sei hier wenig-\nstens eine Vermuthung gestaltet.\nJedenfalls denkt Liszt bei dem des an\nGottes allumfassende Gnade und Liebe. Er kann sich\ndas Amen hier nicht anders denken, als mit einer Umar-\nmung oder Umspannung des ganzen Weltkreises, welche\nmusicalisch nicht anders auszudrücken ist, als durch eine\nrasche Modulation durch den Kreis der gesammten vier-\nund zwanzig Tonarten, natürlich mit Auslassung einiger,\nda sonst zu viel Aufenthalt entstehen müsste. Bei dem\nAmen des „Credo\"dagegen kann Liszt wohl nicht anders,\nals an die alten Glaubenslehren denken, welche musica-\nlisch nur mit Accord-Folgen der alten Italiäner wiederzu-\ngeben sind. Hier steht dieses\nDas Sanctus beginnt mit einer höchst interessanten\nTonfolge, welche sich leider schon im siebenten Tacte in\nbanales G-durauflös't, was diesem Satze in nicht ferner\nZukunft sehr zum Nachtheil angerechnet werden wird:\nBei diesem Anfange ist offenbar das Princip der\nSelbstständigkeit der Stimmen auf geistvolle Weise zur\nDurchfuhrung gebracht, und es wird ein höchst zeitge-\nmässes Veto eingelegt gegen die veraltete Regel, dass alle\nStimmen, welche zugleich ertönen, in dem tyrannischen\nZwinger einer Tonart zu verbleiben haben. Unser\nTenore solo hat hierbei den drei anderen Stimmen eeeen-\nüber eine schwierige Stellung; er'muss bei den Worten:\n„Heilig, heilig!\" der Erde so gänzlich entrückt sein, dass\ner nicht mehr vernimmt, was die unter ihm singen. Denn\nindem er von d durch dis nach e, und von e durch eis\nnach fisgeht, drückt er für sich allein die Modulation vom\nJ9-Accord nach E-moll oder O-dur, dann vom E-dur-Ac-\ncord nach D-duroder Fis-mollans. Die unteren Stimmen\naber bewahren mit seltener Consequenz unter einander\ndas Recht, einen Staat im Staate zu bilden und den Obe-\nren im Blauen singen zu lassen, was ihm seine „Entrückt-\nheit\" eingibt. Wenn dies jedoch gewöhnlichen Menschen-\nkindern frappant vorkommen sollte, so erlauben wir uns\nanzudeuten, dass die unteren Stimmen die gesammte\nMenschheit vorstellen, welche von der höchsten, obersten\n(Gottes-) Stimme sichtbar, man könnte sagen: an den Haa-\nren, hinaufgezogen wird. Die Hauptsache bleibt, wie ge-\nsagt, immer, dass die Selbstständigkeit der Stimmführung\ngewahrt wird, und da die Aussenstimmen immer bei der\nQuinte wieder zusammen kommen, so lässt sich dagegen\nwohl kaum etwas weiter einwenden, als höchstens die\n„Quinten\", die dabei herauskommen, welche zu classifi-\nciren und geschichtlich einzureihen wir dem geschätzten\nGelehrten im Fache des Quinten-Verbots, Herrn D. Am-\nbros in Prag, überlassen.\nWir gelangen nunmehr zu den aussergewöhnlichen\nAccord-Fortschreitungen im"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "366", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591112-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1178, "texte": "Abgesehen davon, dass diese Stelle sieh auf ähnliche\nArt erklaren lässt, wie die vorige, müssen wir hier den\nsublimen Einfall Liszt's bewundern, dass er die vier Stim-\nmen nicht eher laut Mosanna singen lässt, als bis sie „in\nder Höhe\" von Es-dur („in excelsis\") angekommen sind.\nAuch eignet sich die chromatische Fortschreitung ganz be-\nsonders für die gedrückte Stimmung, welche den Sünder\nerfüllen muss, wenn er Hosianna ruft und dabei seiner\nSchuld gedenkt, welche der Sohn Gottes durch seinen\nOpfertod hinwegnimmt.\nWir wären nun mit der beabsichtigten Probelegung\nfertig und hoffen durch dieselbe unsere Berechtigung zur\nBewerbung um das oben bezeichnete Richteramt nachge-\nwiesen zu haben, wollen aber noch die einmal genommene\nVeranlassung benutzen, um einige andere Dinge, die nicht\nzur Harmonik gehören, zu berühren und uns vollkommen\neinverstanden damit zu erklären, dass die Zukunfts-Partei\nan dem Satze festhält: „Quod\nWenn Schumann mitunter Fehler gegen die richtige De-\nclamation macht, so ist das ein Frevel ohne Gleichen; bei\nLiszt ist dergleichen natürlich eine Schönheit ohne\nGl eichen. Oder sind die folgenden nicht unstreitig höchst\ngeniale Züge?\n\nTerpander."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-11-12-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-11-12_01#c012", "volume": "bmtnabi_1859-11-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "366", "page_fin": "367", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591112-01.2.4", "titre_corps": "Zweites Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferd. Hiller. Zur Feier des hundertjährigen Geburtstages Schiller’s.", "titre_sommaire": "Zweites Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferd. Hiller. 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Schubert (für Orchester instrumentirt von F.\nHill er), gesungen von Herrn Wolters. 5. Fest-Cantate:\n„An Schiller's Wiege\", nach Schiller'schen Worten verfasst von L.\nBischoff, componirt für Soli, Chor und Orchester von F. Hiller.\nSoli: Fräul. Vroonen aus Brüssel, Fräul. Schreck, die Herren\nWolters und Schiffer.\n11. Theil. Die neunte Sinfonie von L. van Beethoven.\nAn Schiller’s Wiege.\n(Instrumental-Einleitung.)\n<£itu Stimme (Sopran).\n* *\nWelch ein Wehen,\nWelch ein Klingen\nAus den Wolken,\nAus den Höhen!\nTragen mich des Geistes Schwingen,\nHebt mich Phantasie empor?\nliarmonieen hör' ich klingen,\nUnd es hallt ein Geisterchor.\nCtjor (Frauenstimmen).\nSenkt euch zur Erde\nMit sanftem Flügelschlag:\nEs ruf' ein mächtig Werde\nDen schlummernden Genius wach.\nErwach'! erhebe dich zu neuem Leben!\nJUlßcmeiner CEljor.\n„Auf! dringe durch das Morgenthor des Schönen'4\nIn der Begeist'rung hehres Zauberland!\nAn deiner Wiege stehen die Kamönen,\nUnd Lieb' und Freiheit fassen ihre Hand.\n„Und was im milden Saitenklang der Musen\nDein Herz mit süssem Leben bald durchdringt,\nErzieh' die hohe Kraft in deinem Busen,\nDie sich dereinst empor zum Weltgeist schwingt/'\n(Sine stimme (Bariton).\n„Es liebt die Welt, das Strahlende zu schwärzen,\nUnd das Erhab'ne in den Staub zu zieh'n:\nDoch fürchte nicht! Es gibt noch edle Herzen,\nDie für das Hohe, für das Schöne glüh'n.\"\nHHcr stimmen*\n„Wie mit dem Stab des Götterboten\"\nBeherrsche du das junge Herz;"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "367", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591112-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1001, "texte": "Ob sie auch Nacht und Tod bedrohten,\nDu führst die Liebe himmelwärts.\n„Die Sehnsucht blickt nach schönen Hügeln,\nDie ewig jung und ewig grün\":\nDie Phantasie auf gold'nen Flügeln,\nSie trägt dich zu den Hügeln hin.\n„O zarte Sehnsucht! süsses Hoffen,\nDer ersten Liebe gold'ne Zeit!\nDas Auge sieht den Himmel offen,\nEs schwelgt das Herz in Seligkeit.\"\nJUlgcnttincr Ctjor.\n„Doch, wenn auf einmal in die Kreise\nDer Freude mit Gigantenschritt\nVerheerend nach Tyrannenweise\nEin ungeheures Schicksal tritt\":\n„Dann flüchte du aus Kerkerschranken\nDich in die Freiheit der Gedanken.\"\nHat dich dein Geist emporgetragen\nZum göttlich hohen Ideal,\n~So musst du glauben, musst du wagen\",\nDich blende nicht der Sonne Strahl:\nErhebe hoch des Lichtes Fahne,\nDass sie den Weg zur Freiheit bahne!\n<£ine stimme (Sopran) unfc C()or.\nWas du gesungen, es wird leben!\nErhaben über Brauch und Zeit\nDir ewig grüne Kränze weben\nIm Glänze der Unsterblichkeit!\nUnd aus den Hütten, von den Thronen\nBringt dir das Vaterland die Kronen!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-11-12-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-11-12_01#c013", "volume": "bmtnabi_1859-11-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "367", "page_fin": "368", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591112-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "367", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591112-01.1.7", "debut_caractere": 1003, "fin_caractere_exclue": 6101, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nBerlin, 5. November. Der königliche Opernsänger Theodor\nForm es, welcher zu einer Cur verreis't war, ist völlig genesen\nliieher zurückgekehrt und wird in den nächsten Tagen wieder die\nBühne betreten.\nUnsere Concert-Saison hat nun auch ihren\nAnfang genommen. Die vier jüngeren Gebrüder Müller haben drei\nQuartett-Soireen veranstaltet und Werke von Haydn, Mozart, Beet-\nhoven und Volkmann ausgeführt. In Braunschweig, der \\ aterstadt\nder beiden Müller'schen Quartette, ist das Interesse für dieselben\nstets ein sehr lebhaftes; die allgemeine Stimme lässt den Nachfol-\ngern des ursprünglichen berühmten Quartetts volle Gerechtigkeit\nwiderfahren und würdigt das übereinstimmend Gute, wie auch das\ncharakteristisch Verschiedene derselben im Vergleich zu den unver-\ngesslichen älteren Brüdern.\nUrescieai, 1. November. Vieuxtemps, der in voriger Woche im\nleipziger Gewandhaus-Concerte spielte, wird hier ungefähr Mitte die-\nses Monats eoncertiren. Die Gebrüder Müller gaben hier drei\nQuartett-Akademieen.\nBreslau. Die Direction des Stadttheaters lässt vom 1. No-\nvember d. J. an täglich Nachmittags von 4 bis 5 Uhr unentgelt-\nlichen Unterricht in Musik und Gesang an befähigte Personen er-\ntheilen, welche das sechszehnte Jahr erreicht haben. Diejenigen,\nwelche den Vortheil dieses Unterrichts geniessen wollen, müssen die\nGenehmigung ihrer Eltern oder Vormünder beibringen und sich ver-\npflichten, auf eine bestimmte Zeit gegen entsprechende Entschädigung\nim Chor mitzuwirken. (Breslauer Zeitung.)\nMainz. Die Aufführung von Mendelssohn's ~Paulus\" am 31.\nOetob er muss zu den gelungensten Productionen unserer Liedertafel\nund des Damengesang-Vereins gerechnet werden. Das herrliche Werk\nwar mit ausserordentlicher Liebe einstudirt worden, und die Ausfüh-\nrung der Chöre liess fast nichts zu wünschen übrig. Licht und\nSchatten in dem Tongemälde Hessen die feinen Nuancen des Vor-\ntrags hervortreten, der Eindruck des Mühevollen und Aengstlichen\nverschwand, und der Zuhörer gewann das Gefühl der vollsten Be-\nherrschung der technischen Schwierigkeiten und konnte sich dess-\nhalb ungestört der grossen Schönheiten erfreuen, welche gerade die-\nses Oratorium in so reichem Maasse bietet. Der Soli, gesungen von\nFräul. Lehmann aus Wiesbaden, den Herren Hill und Schneider aus\nFrankfurt und Wiesbaden, müssen wir besonders rühmend gedenken.\nDie beiden geschätzten Gäste aus Wiesbaden sind als treffliche Ora-\ntoriensänger bekannt. Herr Schneider wird sogar vielfach für den\nbesten Oratorien-Tenor gehalten, und nach der ausgezeichneten Lei-\nstung an diesem Abende unterschreiben wir dieses Urtheil ohne Zö-\ngern. Herr C. Hill, welchem von Frankfurt ein sehr schmeichelhafter\nRuf vorausgegangen, rechtfertigte denselben trotz seiner kleinen In-\ndisposition vollkommen. (Südd. Musik-Ztg.)\nWiesbaden, 2. November. Vorige Woche fand in dem gros-\nsen Saale des Curhauses das erste der Abonnements-Concerte des\nCäcilien-Vereins in Verbindung mit dem Orchester unserer Hofbühne\nStatt. Dasselbe bot in der ersten Abtheilung die Sinfonie in G-moll\nvon Mozart, den Chor aus dem Weihnachts-Oratorium von S. Bach,\ndie Phantasie für Pianoforte, Orchester und Chor von Beethoven;\nin der zweiten Abtheilung die Ouvertüre zu „Coriolan\" von Beetho-\nven, ein Recitativ und Arie für Sopran und obligate Violine mit\nOrchesterbegleitung von Mozart (Fräul. Zirndorfer), ein Violin-Con-\ncert von de (Herr Kahl vom Theater-Orchester) und den 114.\nPsalm von Mendelssohn. In der Phantasie hatte Herr Capellmeister\nMarpurg aus Mainz den Ciavierpart übernommen.\nDer Cäcilien- und der Rühl'sche Gesang-Verein\nhaben ihre regelmässigen Proben begonnen und ihre Programme ver-\nöffentlicht. Hiernach gibt der zuerst genannte Verein vier Concerte;\nim ersten Requiem von Mozart und „Lobgesang\", Sinfonie-Cantate\nvon Mendelssohn; im zweiten Josua, Oratorium von Händel;\nim dritten ~Passion\" nach dem Evangelium Matthäi von J. S. Bach;\nim vierten „Iniproperia\" von Palästrina, Stabat maier von\n~Psalm\" von Marcello, Cantate „Gottes Zeit\" von J. S. Bach, „Ute\ndies\" von Cherubini, eine Motette von Haydn und „Hymne an die\nheilige Cäcilia\" von L. Spohr. Der RühFsche Verein kündigt drei\nConcerte an; im ersten sollen ~Psalm 30, Aus der Tiefe\" von J. S.\nBach und Missa in C von Beethoven, im zweiten „Comala\" von\nNiels W. Gade und „Die erste Walpurgisnacht\" von Mendelssohn,\nim dritten „Salomon\", Oratorium von Händel, zur Aufführung kom-\nmen, und zwar sämmtliche Tonwerke mit Orchesterbegleitung. Auch\nsechs Quartett-Soireen von den Herren L. Strauss, II Stein, E. Wei-\ncker und H. Brinkmann sind angekündigt, welche uns achtzehn der\nbesten Tonwerke dieser Gattung, worunter auch drei Streich-Trio's\nund zwei Quintette, von Haydn, Mozart, Beethoven, Cherubini,\nSchubert, Mendelssohn u. s w. vorführen werden.\n!®rag. Die seit Wochen erwartete Aufführung von Richard\nWagner's „Rienzi\" hat endlich Statt gefunden. Der Referent der\nBohemia\" berichtet, dass mehrere bedeutende Momente der volle\nVi '\nvier Stunden in Anspruch nehmenden Vorstellung von dem sehr\nvollen Hause äusserste Theilnahme fanden, und nach den einzelnen"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "368", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591112-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5315, "texte": "Acten, in deren Finales die grössten Effecte fallen, stürmische Her-\nvorrufe Statt fanden. Die drei Haupt-Partieen waren durch die Da-\nmen Prause, Mik und Herrn Bachmann besetzt; die meisten Deco-\nrationen neu.\nMafllfi'id, 12. October. Die italiänische Oper unter Mario1 s\nDirection (Unternehmung eines pariser Capitalisten) hat mit einem\nauffallenden Scandal begonnen. Man eröffnete mit Norma. Die Sän-\ngerin Calderon (Adalgisa), so wie Mario und Bouche wurden gut\naufgenommen, nicht so die Grisi. Dafür erlaubte sie sich einige\nstarke Ausdrücke, die, von den nächsten Zuschauern gehört, sehr\nbald im ganzen Hause bekannt wurden. Als sie wieder auftrat, er-\nschallte ein furchtbares Pfeifen. Am folgenden Tage erschienen ent-\nschuldigende Worte der Künstlerin in der Presse vergebens: sie\nwurde in der zweiten Vorstellung noch stärker ausgepfiffen. Darüber\nwurde Mario unwohl, bat um Nachsicht, die Oper konnte nicht aus-\ngespielt werden, und das Paar kann und wird nicht wieder auttreten\nUeber den Verkauf der Geige de s an Wieniawski\n(s. Nr. 42 d. Bl.) geht uns die Berichtigung zu, dass allerdings in\nEms die Bedingungen (20,000 Eres. Kaufpreis) festgestellt worden\nsind, Wieniawski aber den Verkäufer ersucht hat, seine entschei-\ndende Antwort erst in Petersburg, wo beide Künstler diesen Winter\nwieder zusammentreffen .werden, entgegen nehmen zu wollen. Bis\njetzt ist also der prachtvolle Magini noch im Besitze de Beriot's.\nHew-Yoi'k« Herr Karl Bergmann wird die Sonntags-Con-\ncerte der vorigen Jahre auch in diesem Winter fortsetzen. Der Pro-\nspectus ist bereits veröffentlicht. Von Sinfonieen sollen wir\nven's in A-dur und dessen Pastorale, Mozart's in D-dur, Haydn's\nin G-dur, Mendelssohn's in A-moll, Schuberts in C-dur, Schumann's\nin ß-dur und D-rnoll, Gade's in C-moll und von Liszt's symphoni-\nschen Dichtungen Tasso, Festklänge und die Präludien hören. Von\nOuvertüren stehen uns in Aussicht Beethoven's Leonore und Corio-\nlan, Mendelssohn's Meeresstille und die Hebriden, Schumann's Man-\nfred, Wagner's Faust, Rienzi und Tannhäuser, Berlioz' König Lear,\nDie Vehmrichter, Romeo und Julie (Fest bei Capulet), Fee Mab;\nvon Concerten für Pianoforte Beethoven's in Es und in G-dur, ferner\nsein Tripel-Concert für Piano, Violine und Cello, Schumann's in A-\nmoll, Chopin's in F-moll, Liszt's in Es-dur und andere mehr; und\nendlich an Chören die aus Schumann's Paradies und Peri und Der\nRose Pilgerfahrt; ferner aus Aleeste, Orpheus, Fidelio, Fliegende\nHolländer, Rienzi, Tannhäuser und Lohengrin. Kein Zweifel, dass\nein solches Programm und dessen getreue Ausführung nicht bloss\nauf eine erfreuliche musicalische Gegenwart deutet, sondern auch\nsehr schöne Hoffnungen für die Zukunft erweckt. Es wird wohl\nKeinem einfallen, in demselben ein Uebergewicht des Neuen über\ndas Alte zu erkennen. Ein solches Verfahren wäre nicht bloss auf-\nfällig, sondern auch einfältig. Aber auf der anderen Seite würde es\ndies ebenfalls sein, wenn man verkennen wollte, wie schön dabei\nder Pflicht genügt ist, dem Neuen Rechnung zu tragen. Lasset uns\nhören und immer wieder hören, was der schöpferische Genius der\nmusicalischen Gegenwart in Deutschland gebiert, das Uebrige findet\nsich von selbst.\nSt. IjöiaiSj 1. October. Vor Kurzem wurde das von dem Dr.\nBörnstein, dem bedeutenden deutsch-americanischen Theater-Un-\nternehmer, gebaute neue Opernhaus durch die freilich sehr mittel-\nmässige Truppe Parodi eröffnet. Es sollen darin italiänische Oper\nund deutsches Schauspiel abwechseln. Es ist entschieden eines\nder schönsten und bequemsten Theater in der Union. Der Zuschauer-\nraum ist sehr geräumig, so dass ein Ueberfüllen des Hauses kaum\nmöglich ist. Es sind zwei Dress-Circles, der eine ist etwas über das\nParquet erhaben, während der andere die erste Galerie \"bildet. Jeder\ndieser Dress-Circles fasst bequem achthundert Personen, die Gänge,\nSitze u. s. w. sind breit genug, um die jetzige Mode zu accomodi-\nren, und von allen Seiten ist die Bühne und das Publicum im Be-\nreiche des Zuschauers, so dass auch gar nichts in dieser Beziehung\nzu wünschen übrig bleibt. Das Parquet fasst vierhundert Personen\nund die zweite Galerie achthundert. Die Gänge und Vorhallen sind\nsehr breit und können, im Falle es nöthig wird, mindestens tausend\nPersonen bequem fassen, so dass also im Ganzen hinlänglich Platz\nfür ein drei Tausend Köpfe zählendes Auditorium vorhanden ist. Die\nBreite des Zuschauerraumes beträgt zweiundsieben, ig, die Höhe\nzweiundvierzig Fuss. Die Bühne ist fünfzig Fuss breit und fünfund-\nsiebenzig Fuss tief. Das Haus ist mit dreihundert fünfzig Gasflam-\nmen beleuchtet. Die Sitze sind mit rothem Damast gepolstert und\näusserst bequem. Die Verzierungen sind sehr geschmackvoll, Weiss\nund Gold sind die vorherrschenden Farben, die auf beiden Seiten\nnach und nach in andere Farben übergehen. Ein prachtvoller neuer\nZwischenact-Vorhang, von Alex. Buillet gemalt, ärntete allgemeine\nBewunderung. Er stellt eine italiänische Landschaft vor mit Figuren\nim Vordergrund. Bei der deutschen Bühne sind unter Anderen die\nDamen Börnstein und Lindemann und die Herren Pfeiffer, Fortner\nund Grossmann thätig. (Aus der Deutschen Musik-Zeitung\nfür die Vereinigten Staaten vom 1. October, deren vierter Jahrgang\nunter der Herausgabe und Redaction von Karl Winter stein in\nPhiladelphia erscheint. Früherer Herausgeber: Phil Rohr.)"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "361", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591112-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nA Schindlers Biographie von L. van Beethoven. 11. Oeffentlicher Concurs um die vacant gewordene Preisrichter-\nStelle zur Beurtheilung der Werke, welche den Nachweis zu liefern haben, dass die neuesten Fortschritte in der Harmonik auf die Natur\ngegründet sind. Zweites Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich zur Feier des Schiller-Festes. Tages- und Unterh al tun gs -\nblatt (Berlin Braunschweig Dresden Breslau Mainz Wiesbaden Frankfurt Prag Madrid New-York).\n\nA. Schindler’s Biographie von L. van Beethoven.\nII.\n(I. vgl. Nr. 43.)\nDen allgemeinen Charakter des Buches kann man als\n„urkundlich\" bezeichnen, sowohl in Beziehung auf die\nQuellen, die dem Verfasser zu Gebote standen, und auf\ndie vielfachen Belege, die wörtlich angeführt werden, als\nin Anerkennung des ehrlichsten Strebens nach Wahrheit,\ndas sich bei tiefster Verehrung für den Meister weder\ndurch Vorliebe für ihn wankend machen, noch durch sub-\njective Construction seiner Entwicklung nach einem vorge-\nfassten System, noch durch äussere Rücksichtnahmen vom\ngeraden Wege abbringen lässt. Dieser Eifer für die histo-\nrische,mau möchte sagen: actenmässig festzustellende Wahr-\nheit hat allerdings die Darstellung nicht immer zu ihrem\nVortheil beeinflusst und Form und Guss des Ganzen oft\nunterbrochen; allein er tritt dagegen so unabhängig, ja,\nrücksichtslos überall, wo er sich in seinem Beeilte weiss,\nhervor, dass er auch der Ausdrucksweise eine gewisse Kern-\nhaftigkeit verleiht, die gegen die zerfahrende Farblosigkeit,\ndie studirte Glätte und den witzelnden welche in\nden Blättern und Büchern, in die das moderne Kunstge-\nschwätz der Salons sich ablagert, zu finden sind, sehr er-\nfreulich absticht.\nDas Biographische und die künstlerische Entwicklung\nBeethoven's theilt der Verfasser auch in dieser neuen Auf-\nlage wie bisher in drei Perioden ein, jedoch mit dem\nUnterschiede, dass der Abschluss der zweiten bis Ende\n1814 verlängert wird, weil gerade in diesem Jahre der\nMeister den höchsten Gipfel seines Künstlerruhmes erreicht\nhat und die im Jahre 1815 eingetretenen Familien-Er-\neignisse und die daraus hervorgegangene Umgestaltung al-\nler Lebensverhältnisse eine auffallende Scheidewand bilden.\nDemnach umfasst die erste Periode die dreissig Le-\nbensjahre Beethoven's von seiner Geburt (den 17. Decem-\nber 1770) bis Ende 1800; die zweite reicht von 1801\nbis Ende 1814; die dritte schliesst sein Tod (den 20.\nMärz 1827) ab.\nBeethoven gehört bekanntlich nicht zu den frühreifen\nmusicalischen Genies; er war bereits fünfundzwanzig Jahre\nalt, als im Jahre 1795 sein erstes Werk, die drei Trio's\nin Es-dur, G-durund C-moll,zu Wien bei Artaria er-\nschien. Merkwürdig, dass das letzte (in welches\nlängst als das eigenthümlichste und reifste von den dreien\nanerkannt ist, der Zeit nach das zuerst geschriebene ist.\nUnd wie viele „Ausleger\" haben nicht schon in diesen drei\nersten Trio's in ihrer jetzigen Reihenfolge den vollstän-\ndigen Embryo der steigenden, dreiperiodischen Entwick-\nlung des Meisters sehen wollen!\nDie schaffende Thätigkeit Beethoven's tritt also in der\nersten Periode nur in den letzten fünf Jahren derselben\nauf und hat die Werke Op. 1 bis 15 (Concert für Pia-\nnoforte in C-dur)erzeugt. Ausserdem rühren aus densel-\nben Jahren her neun Nummern von Clavier-Variationen,\nferner die ersten drei Violin-Quartette (in F, G und\nD) des Op. 18; die Scene für Gesang (im\nJahre 1790 für die Gräfin Clari geschrieben, von ihm\nselbst auf einer Partitur im Besitz von AI. Fuchs als Op.\n46 (?) bezeichnet, im Stich bei Hofmeister als Op. 48, bei\nBreitkopf & Härtel gar als Op. 65!); die „Adelaide\",\ndie laut Beethoven's Brief an Matthisson vom 4. August\n1800 „bereits einige Jahre (seit 1797) im Stich heraus\nwar\" (Schindler, S. 59), so dass die Bezeichnung Op. 46\nebenfalls irrthümlich ist.\nVon dem Quintett für zwei Violinen u. s. w., Op.\n4in Es-dur,berichtet Schindler S. 55, dass es „aus dem\nersten Versuche Beethoven's, für Blas-Instrumente zu\nschreiben, aus dem Octett für 2 Oboen, 2 Clarinetten, 2\nHörner und 2 Fagotte (das unter der öpuszahl 103 cur-\nsirt), davon sich das Manuscript bei Artaria befindet, ent-\nstanden sei\" —nicht umgekehrt, wie z. B. der thematische"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "362", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591112-01.1.2", "texte": "Katalog der Beethoveu'schen Werke von Breitkopf & Här-\ntel angibt.\nUeber die katalogischen Verwirrungen bei Beethoven\nlässt sich der Verfasser folgender Maassen aus:\n„A. Die Werke Beethoven's theilen sich in zwei Kate-\ngorieen ab, deren eine mit Opuszahlen, die andere mit\nNummern versehen ist. Erstere rühren vom Componisten\nher, dürfen demnach bis zu einer gewissen Höhe, so lange\nnämlich derselbe die Gewohnheit festgehalten, selbe eigen-\nhändig auf jedem Manuscripte zu notiren, als ziemlich ver-\nlässlich angesehen werden. Diese Kategorie umfasst zu-\nmeist die grösseren und grossen Werke jeder Gattung.\nDie mit Nummern versehene aber wurde durch Ueber-\neinkunft der verschiedenen Verleger, anfänglich im Einver-\nständniss mit dem Componisten, aufgestellt und umfasst\nbloss kleine Werke, als: Variationen, Tänze, kleine Lieder,\nvon denen nicht wenige erst nach dem Ableben Beetho-\nven's veröffentlicht worden.\n„Diese Unterscheidung hat jedoch lediglich nur bei\nKatalogisirung der Werke aus den letzten fünf Jahren\ndieser ersten Periode eine chronologisch richtige Geltung.\nW eiterhin wird von einer katalogischen Unordnung zu be-\nrichten sein, wie sie wohl in so hohem Grade niemals bei\neinem Autor vorgekommen sein dürfte. Auf Beethoven sel-\nber fällt nur ein geringer Theil der Schuld, der grösste\naber auf die Verleger und ausser diesen noch auf die den\nTondichter lange Zeit hindurch bevormundenden Personen.\n„Die Verleger betreffend, so war es zumeist Mangel\nan Einverständniss, zuweilen in Folge von gegenseitiger\nEifersucht und Beneidung, durch welches die bedauerliche\nVerwirrung herbeigeführt worden. Ein anderer Grund\nfindet sich in der unberechtigten, zumeist willkürlichen Ein-\nschaltung so vieler arrangirten Werke unter die Opuszah-\nlen. Nur durch Beseitigung der Arrangements in eine ab-\ngesonderte Kategorie könnte eine bessere Ordnung bei den\nOriginalen erzweckt werden.\n„B. Sind d ie Werke unseres Meisters nicht immer in\nderselben Ordnung zur Veröffentlichung gelangt, als sie\nentstanden. Einzelne wurden theils wegen späterhin noch\nanzulegender Feile zurückgehalten, theils blieben sie aus\nVerlags- oder richtiger Speculationsgründen viele Jahre im\nPulte des Verlegers verborgen. Das der dritten Periode\nanhangende Verzeichniss wird derlei vom Verleger zurück-\ngehaltener Werke mehrere anführen. Hinsichtlich der chro-\nnologischen Beihenfolge findet sich schon bei Opus 1 eine\nUnrichtigkeit. Das Trio in C-moll, welches in der Samm-\nlung an dritter Stelle steht, war das zu allererst vollen-\ndete. Steigerung des Effectes von Nummer zu Nummer\nwar der Grund, dass es dem in JEs-dur und in G-dur\nnachgestellt worden. Oder der Componist sah sich bei dreien\nin ein Opus zusammengelegten Producten gleicher Gattung\nveranlasst, das schwächere in die Mitte zu stellen. So findet\nes sich bei den drei Sonaten, Op. 2, ferner noch bei den\ndrei Sonaten, Op. 10, dieser Periode angehörig. Weiter-\nhin erscheint ein solcher Grund nicht mehr vorwaltend.\n„Bei dem gegenwärtig blühenden Zustande der Con-\njectural-Kritik in Beethoven's Musik, vornehmlich in Kuss-\nland und Frankreich, ist mehrfach ausgesagt worden, dass\neinzelne von den Werken, die mit anderen zusammen un-\nter einer Opuszahl vorliegen und entweder im Stil oder\nim Gehalt von den mitgehenden sich unterscheiden, ihr\nEntstehen einer früheren Zeit verdanken. Dem muss ent-\nschieden widersprochen werden. Ein Jahr früher oder spä-\nter niedergeschrieben, ist von keiner Bedeutung, und meh-\nrere Jahre lagen niemals dazwischen. Als ganz zuverlässig\ngilt, dass keines der weiter unten verzeichneten Werke vor\n1794 verfasst worden. Einzelne dieser im Uebermaass\ngrübelnden und tiftelnden Conjectural-Kritiker, in der Ein-\nbildung, bei Beethoven ein stetes Fortschreiten ohne Rück-\nschritt auffinden zu wollen, haben dessen Opuscula, als die\nBagatellen und andere kleine Sachen für Pianoforte, viele\nLieder u. dgl. in des Meisters Jugendzeit zurückverwiesen.\nSie conjecturirten und philosophirten, dass nach „Fidelio\",\nder C-moll-und der Pastoral-Sinfonie der Autor solche\nKleinigkeiten nicht mehr schreiben gekonnt. Diese verbis-\nsenen Kunstschwätzer, die sich in fast bedauerlicherweise\nabmühen, das Aufsteigen des Beethoven'schen Genius tri-\ngonometrisch berechnen zu können, wie ihnen gerade\ndie Opuszahlen in den Kram taugen, mögen vernehmen,\ndass nicht wenige dieser Opuscula während des Zusam-\nmenlebens mit Beethoven vor meinen Augen entstanden,\nund von einigen noch Abschriften mit Correcturen des Com-\nponisten von mir aufbewahrt werden. Ist der Montblanc\nnicht von mehreren minder hohen Bergen, sogar von ganz\nniedrigen, umgeben?\n„Hörten wir gleichwohl einige Seitenzahlen zurück\nden eben dreissig Lebensjahre zählenden Beethoven aus-\nrufen: „ „Nichts von Ruhe!\"\" so darf doch versichert wer-\nden, dass er nach weiteren zwanzig Jahren nicht mehr so\ngedacht, vielmehr gefühlt habe, dass er zuweilen der Ruhe\nbedürfe, nämlich einer thätigen Ruhe oder ruhigen Thä-\ntigkeit. Aus solchen Momenten datiren verschiedene Klei-\nnigkeiten, deren einige aus Gefälligkeit für Gönner und\nFreunde geschrieben worden. Warum wollen die das In-\nnere des Erdballs durchwühlenden Kunstphilosophen nicht\nlieber aus solchem Verfahren denSchluss ziehen, dass Beet-\nhoven sich zuweilen in ein jugendliches Alter zurückver-\nsetzte, um dann wieder neugestärkt mit aller Willens- und\nGeisteskraft mehrere Schritte nach vorwärts thun zu kön-\nnen? Mit welchem Epitheton er selber solche Kleinig-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "363", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591112-01.1.3", "texte": "keiten charakterisirt, werden wir in der dritten Periode\nvernehmen.\n„C. Wird unter vorbemerkten Umständen nur um die\nZeit des Erschienenseins der verschiedenen Werke gefragt\nwerden dürfen. Allein selbst dabei können einzelne leise\nZweifel nicht mit Sicherheit gelös't werden. Indess sind\nDifferenzen um ein Jahr früher oder später von keiner Be-\ndeutung. Es konnte mit Gewissheit nicht ermittelt werden,\nob ein Werk zu Ausgang des einen oder bei Eingang des\nfolgenden Jahres der Oeffentlichkeit übergeben worden.\nHinsichtlich Feststellung einer chronologischen Ordnung,\nwenigstens bei den grösseren Werken, war der Verfasser\nnoch bei Lebzeiten des Meisters unter Mitwirkung der Ver-\nleger Artaria und Diabelli beflissen. Anlass hierzu hatte\neine Zuschrift mit vielen Fragezeichen von Ersterem an\nBeethoven im Jahre 1819 gegeben, welche als Beleg für\ndie katalogische Unordnung im Anhange zur zweiten Pe-\nriode mitgetheilt werden soll. Leider aber war kein Aus-\nweg aus diesem gräulichen Verhaue zu ermitteln. Das\nOriginal von Artaria's Zuschrift liegt vor.\n„D. Soll im Verzeichniss der Werke, wo nur thunlich,\nder erste Verleger genannt werden, und zwar auf Grund\nvon deren Correctheit, wenigstens im Allgemeinen. Es ist\nder Sache wegen wichtig, zu wissen, dass Beethoven seine\nwiener Ausgaben stets selber corrigirt hat. Von auswärts\ngedruckten Werken sind mir, als von ihm corrigirt, nur die\nletzten Sonaten, Op. 109, 110 und 111, im Schlesinger'-\nschen Verlage zu Paris bekannt. Dass sich indess alle die\nvon ihm selber corrigirten oder bloss revidirten Ausgaben\ndurch absolute Reinheit auszeichnen sollten, wird man\nwohl kaum erwarten. Es bleibt überall noch zu wünschen.\nUnter den älteren wiener Officinen gab es eine und andere,\ndie sich der Nachlässigkeit wie auch Unsauberkeit diesfalls\nnur gar zu oft schuldig gemacht hatte, dem Seitens des\nComponisten nicht zu steuern war. So hat man z. B. in der\nSonate pathetique den Abgang einer ansehnlichen Zahl von\nVortragszeichen im ersten und zweiten Satze, wichtig für\nrichtige Auffassung, nicht bloss für Färbung, zu beklagen.\nUnd diese Mängel laufen durch alle Nachdrucke. Was die\nvielerlei Nachdrucke in letzter Zeit hinsichtlich der Correct-\nheit noch überdies verschuldet, soll beigehend nur berührt,\naber offen gestanden werden, dass einzelne der Verlags-\nhandlungen starken Tadel verdienen.\n„Eine Verlagshandlung, die sich um Auffindung aller\nOriginal-Drucke von Ciaviermusik bemühen und danach\neinen mit allem Fleisse gesäuberten Nachdruck bewerk-\nstelligen wollte, würde sich um Beethoven's Literatur hoch\nverdient machen. In der Wohlfeilheit der Ausgaben darf\nman solches Verdienst allein nicht finden wollen, wie man\nin unseren Tagen thut, will man sich nicht auf gleiche\nStufe mit Baumwoll-Fabricanten stellen lassen. Sind gleich-'\nwohl die meisten der alten wiener Verlagshandlungen er-\nloschen und ihr Verlag auf Andere übergegangen, wie\nz. B. der reichhaltige des Kunst- und Industric-\nComptoirs sammt dem von Eder, Mollo & Comp, auf\nSteiner & Comp, (gegenwärtig Haslinger), ferner der\nVerlag von Cappi auf Witzendorf, so ist es nicht wohl\nglaublich, dass deren Original-Drucke sämmtlich verloren\nsein sollten.\"\nDer hier erwähnte Brief Artaria's ist vom *24. Juli\n1819. Er erwähnt (S. 203) als im Katalog der Beetho-\nven'schen Werke fehlende Nummern, die er nirgends habe\nfinden können: Op. 46, 48, 51, 65, 66, 71, 72, 87,\n88, 80, 103, und unter mehr als zwanzig (gedruckten)\nWerken, die keine Opuszahl haben, nennt er ausser meh-\nreren kleineren auch: Fidelio, Ouvertüre zu Leonore (nach\nSchindler Nr. 3, die 1810 veröffentlicht worden), sechs\nLieder von Geliert, Adelaide, Quintett für zwei Violinen\nu. s. w. in Es-dur,Quintett desgl. in\nSextett für Blas-Instrumente u. s. w.\nBeethoven, damals in Mödling mit seiner grossen\nin D beschäftigt, erwiederte alsbald (Schindler 1., S. 205):\nEr habe nun keine Zeit, sich mit dieser Verwirrung\nabzugeben, sei überhaupt ausser Stande, etwas in dieser\nSache zu thun; die Herren Verleger hätten diese Unord-\nnung herbeigeführt, sie sollen nun sehen, wie sie damit\nzurecht kommen. Schliesslich adressirte er Artaria an sei-\nnen Collegen Steiner u. Comp, behufs der* Mitwirkung zu\neiner allenfalls möglichen Entwirrung. „Diese Verlagshand-\nlung lehnte jedoch die Theilnahme ab, indem sie bereits\nmit Beethoven auf nicht besonders freundlichem Eusse\nstand. Kurz vorher hatte dieselbe ein absonderliches Mei-\nsterstück mit Einreihung zweier kleinen Lieder von Beet-\nhoven unter die Opuszahlen fertig gebracht, ohne den\nMeister früher befragt zu haben; es sind die Liedchen:\n„Der Mann von Wort\", mit Op. 99, dann: „Merkenstein\",\nmit Op. 100 bezeichnet, ein jedes bloss aus zwei Seiten\nbestehend. Beethoven's Protestation gegen solche Willkür\nwurde nicht beachtet. Wir ersehen daraus den Fortbe-\nstand der verlegerischen Rücksichtslosigkeit gegen Mah-\nnungen, wie auch gegen Interessen der Autoren, wie Ein-\ngangs der zweiten Periode schon gezeigt worden.\"\nBei so bewandten Umständen wird man es dem Ver-\nfasser nicht zum Vorwurf machen können, dass auch er\nkeine Ordnung in die Verwirrung des Katalogs der Beet-\nhoven'schen Werke gebracht habe. Er hat gesucht, die\ngrösseren Werke in die richtige Zeit ihres Entstehens ein-\nzureihen, und hat darin gethan, was er konnte. Ultra posse\nnemo obligatur.Das Uebel ist so tief eingewurzelt, dass es\nschwerlich jemals mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "364", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591112-01.1.4", "texte": "kann. An eine Aenderung der Opuszahlen, wäre sie auch\nnoch so urkundlich beglaubigt, ist schon desswegen, wie\nauch Schindler selbst sagt, nicht zu denken, „weil das Pu-\nblicum sich mit den bestehenden Opuszahlen längst ver-\ntraut gemacht hat.\" So spottet im Kleinen wie im Grossen\nein Irrthum, welcher der Menge bequem nnd lieb gewor-\nden, der Fackel der Wahrheit.\n\nOeffentlicher Concurs um die vacant gewordene Preis-\nrichter-Stelle zur Beurtheilung der Werke, welche den\nNachweis zu liefern haben, dass die neuesten Fort-\nschritte in der Harmonik auf die Natur\ngegründet sind.\n\nDa einer der Herren Preisrichter in obiger Angele-\ngenheit dem Vernehmen nach das ihm von Dr. Brendel\nin Leipzig übertragene Ehrenamt niedergelegt hat, und es\nausgemacht ist, dass es kaum einen angenehmeren und\ninteressanteren Auftrag geben könnte, als mit Herrn\nPreisrichter Fr. Liszt über die beste Erklärung der vom\nComponisten Fr. Liszt erfundenen harmonischen Neue-\nrungen Erörterungen anzuknüpfen und schliesslich mit dem\nErsteren über den Letzteren abzustimmen, so erlaubt\nsich der gehorsamst Unterzeichnete die Bitte, ihm dieses\nvacante Amt gütigst anvertrauen zu wollen. Wir sind\nnatürlich bereit, eine Probe unseres Talentes abzulegen,\nund da wir mit der Thür ins Haus zu fallen lieben, so wol-\nlen wir sogleich mit einer solchen Probe dienen.\nWir wählen als Object die für Männerstim-\nmen\" von Dr. Liszt und gehen dieselbe durch, das Wich-\ntigste heraushebend.\nIm Kyrie findet sich leider des Enharmonischen so\nwenig, dass wir fürchten müssen, dieses Stück werde bald\nzur Vergangenheits-Musik gerechnet werden. Die einzige\nStelle, die uns interessiren könnte, wären die Tacte 29\nbis 36, welche also lauten:\nDa jedoch eine solche Fortrückung von verminderten\nzu Dominant-Septimen-Accorden ganz und gar nichts\nNeues ist (siehe Mozart's Requiem) und auch gar nicht\nfrappant klingt, so wollen wir uns dabei nicht aufhalten,\nsondern zu einer ganz eminenten Stelle, dem Schlüsse des\nGbria, übergehen. Hier ist sie:\nDie hohe Originalität dieses Schlusses und besonders\nder letzten fünf Tacte leuchtet sofort ein, und da sie den\nPhilistern viel Aergerniss verursachen dürfte, so folge hier\neiligst ihre Erklärung und Rechtfertigung.\nDer Anfang der abgedruckten Stelle bis zu den letz-\nten fünf Tacten scheint aus B-dur zu gehen. Das wäre\naber die erste Täuschung, welche dem Hörer passiren\nkönnte, und welche ihm schon den Secund-Accord auf\nals etwas kühn erscheinen lassen würde. Man muss die\nStelle in Es-durmit vierter erhöhter Stufe [in\ndico) hören, dann begreift man leicht jenen Secund-Accord\nauf des.Der letzte darf aber nicht als Dominant-Accord\nvon gehört werden, sonst würde man eben er-\nwarten. Man muss vielmehr entweder sich beeilen, eine\nenharmonische Verwandlung im Gehör vorzunehmen und\nden ganzen i?s-Accord in einen Zfe-Accord umdenken,\nund zwar schnell, bevor der Tact zu Ende ist; dann aber\nbraucht man bloss einen bekannten Trugschluss zu erwar-\nten und wird das E-dur also in Ordnung finden;—oder\nman nimmt den E-dur-Accord als einen Fes-dur-Accord\nhin, wobei man sich den schwierigen Process des enhar-\nmonischen Umdenkens ersparen kann. Allein im letzten\nFalle was weiter? Nach Fes-dur kommt F-dur. Man\nmüsste also wieder entweder Fes-dur in E-dur umdenken,\noder F-dur als Doppel-(?£S-e?«r hören, auf welche Art man\ndenn am Ende des Stückes glücklich in Doppel-As-dur"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "365", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591112-01.1.5", "texte": "angelangt wäre. Wir rathen zu dem letzteren oder auch\nzu einem anderen Mittel, nämlich dazu, schon viel früher\nstatt Es-dur Dis-dur,und statt zu denken.\nEinem gebildeten Musiker kann Beides keine grosse Schwie-\nrigkeiten machen, und er wird für die kleine Mühe durch\ndie Freude entschädigt sein, diese Stelle, namentlich den\nIj-Accord von E-dur,rein zu gemessen, ohne Schrecken\nund Angst.\nWir gehen weiter und springen sogleich zu dem ande-\nren „Amen\"am Ende des Credo Welch tiefer Grund Liszt\nbewogen haben mag, hier nicht enharmoriisch-neudeutsch,\nsondern alt-italiänisch zu schreiben, möchten wir uns kaum\ngetrauen mit Sicherheit anzugeben, doch sei hier wenig-\nstens eine Vermuthung gestaltet.\nJedenfalls denkt Liszt bei dem des an\nGottes allumfassende Gnade und Liebe. Er kann sich\ndas Amen hier nicht anders denken, als mit einer Umar-\nmung oder Umspannung des ganzen Weltkreises, welche\nmusicalisch nicht anders auszudrücken ist, als durch eine\nrasche Modulation durch den Kreis der gesammten vier-\nund zwanzig Tonarten, natürlich mit Auslassung einiger,\nda sonst zu viel Aufenthalt entstehen müsste. Bei dem\nAmen des „Credo\"dagegen kann Liszt wohl nicht anders,\nals an die alten Glaubenslehren denken, welche musica-\nlisch nur mit Accord-Folgen der alten Italiäner wiederzu-\ngeben sind. Hier steht dieses\nDas Sanctus beginnt mit einer höchst interessanten\nTonfolge, welche sich leider schon im siebenten Tacte in\nbanales G-durauflös't, was diesem Satze in nicht ferner\nZukunft sehr zum Nachtheil angerechnet werden wird:\nBei diesem Anfange ist offenbar das Princip der\nSelbstständigkeit der Stimmen auf geistvolle Weise zur\nDurchfuhrung gebracht, und es wird ein höchst zeitge-\nmässes Veto eingelegt gegen die veraltete Regel, dass alle\nStimmen, welche zugleich ertönen, in dem tyrannischen\nZwinger einer Tonart zu verbleiben haben. Unser\nTenore solo hat hierbei den drei anderen Stimmen eeeen-\nüber eine schwierige Stellung; er'muss bei den Worten:\n„Heilig, heilig!\" der Erde so gänzlich entrückt sein, dass\ner nicht mehr vernimmt, was die unter ihm singen. Denn\nindem er von d durch dis nach e, und von e durch eis\nnach fisgeht, drückt er für sich allein die Modulation vom\nJ9-Accord nach E-moll oder O-dur, dann vom E-dur-Ac-\ncord nach D-duroder Fis-mollans. Die unteren Stimmen\naber bewahren mit seltener Consequenz unter einander\ndas Recht, einen Staat im Staate zu bilden und den Obe-\nren im Blauen singen zu lassen, was ihm seine „Entrückt-\nheit\" eingibt. Wenn dies jedoch gewöhnlichen Menschen-\nkindern frappant vorkommen sollte, so erlauben wir uns\nanzudeuten, dass die unteren Stimmen die gesammte\nMenschheit vorstellen, welche von der höchsten, obersten\n(Gottes-) Stimme sichtbar, man könnte sagen: an den Haa-\nren, hinaufgezogen wird. Die Hauptsache bleibt, wie ge-\nsagt, immer, dass die Selbstständigkeit der Stimmführung\ngewahrt wird, und da die Aussenstimmen immer bei der\nQuinte wieder zusammen kommen, so lässt sich dagegen\nwohl kaum etwas weiter einwenden, als höchstens die\n„Quinten\", die dabei herauskommen, welche zu classifi-\nciren und geschichtlich einzureihen wir dem geschätzten\nGelehrten im Fache des Quinten-Verbots, Herrn D. Am-\nbros in Prag, überlassen.\nWir gelangen nunmehr zu den aussergewöhnlichen\nAccord-Fortschreitungen im"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "366", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591112-01.1.6", "texte": "Abgesehen davon, dass diese Stelle sieh auf ähnliche\nArt erklaren lässt, wie die vorige, müssen wir hier den\nsublimen Einfall Liszt's bewundern, dass er die vier Stim-\nmen nicht eher laut Mosanna singen lässt, als bis sie „in\nder Höhe\" von Es-dur („in excelsis\") angekommen sind.\nAuch eignet sich die chromatische Fortschreitung ganz be-\nsonders für die gedrückte Stimmung, welche den Sünder\nerfüllen muss, wenn er Hosianna ruft und dabei seiner\nSchuld gedenkt, welche der Sohn Gottes durch seinen\nOpfertod hinwegnimmt.\nWir wären nun mit der beabsichtigten Probelegung\nfertig und hoffen durch dieselbe unsere Berechtigung zur\nBewerbung um das oben bezeichnete Richteramt nachge-\nwiesen zu haben, wollen aber noch die einmal genommene\nVeranlassung benutzen, um einige andere Dinge, die nicht\nzur Harmonik gehören, zu berühren und uns vollkommen\neinverstanden damit zu erklären, dass die Zukunfts-Partei\nan dem Satze festhält: „Quod\nWenn Schumann mitunter Fehler gegen die richtige De-\nclamation macht, so ist das ein Frevel ohne Gleichen; bei\nLiszt ist dergleichen natürlich eine Schönheit ohne\nGl eichen. Oder sind die folgenden nicht unstreitig höchst\ngeniale Züge?\n\nTerpander.\n\nZweites Gesellschafts-Concert in Köln\nim Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferd. Hiller.\nZur Feier des hundertjährigen Geburtstages Schiller’s.\nDonnerstag, 10. November 1859.\nProgramm. I. Theil. 1. Ouvertüre zur „Braut von Messina\"\nvon E. Schumann. 2. Prolog, gedichtet und gesprochen von\nWolfgang Müller von Königswinter.—3 „Des Mädchens Klage\"\nvon Schiller, componirt von F. Schubert, gesungen von Fräul.\nFrancisca Schreck. 4. „Die Erwartung\" von Schiller,\ncomponirt von F. Schubert (für Orchester instrumentirt von F.\nHill er), gesungen von Herrn Wolters. 5. Fest-Cantate:\n„An Schiller's Wiege\", nach Schiller'schen Worten verfasst von L.\nBischoff, componirt für Soli, Chor und Orchester von F. Hiller.\nSoli: Fräul. Vroonen aus Brüssel, Fräul. Schreck, die Herren\nWolters und Schiffer.\n11. Theil. Die neunte Sinfonie von L. van Beethoven.\nAn Schiller’s Wiege.\n(Instrumental-Einleitung.)\n<£itu Stimme (Sopran).\n* *\nWelch ein Wehen,\nWelch ein Klingen\nAus den Wolken,\nAus den Höhen!\nTragen mich des Geistes Schwingen,\nHebt mich Phantasie empor?\nliarmonieen hör' ich klingen,\nUnd es hallt ein Geisterchor.\nCtjor (Frauenstimmen).\nSenkt euch zur Erde\nMit sanftem Flügelschlag:\nEs ruf' ein mächtig Werde\nDen schlummernden Genius wach.\nErwach'! erhebe dich zu neuem Leben!\nJUlßcmeiner CEljor.\n„Auf! dringe durch das Morgenthor des Schönen'4\nIn der Begeist'rung hehres Zauberland!\nAn deiner Wiege stehen die Kamönen,\nUnd Lieb' und Freiheit fassen ihre Hand.\n„Und was im milden Saitenklang der Musen\nDein Herz mit süssem Leben bald durchdringt,\nErzieh' die hohe Kraft in deinem Busen,\nDie sich dereinst empor zum Weltgeist schwingt/'\n(Sine stimme (Bariton).\n„Es liebt die Welt, das Strahlende zu schwärzen,\nUnd das Erhab'ne in den Staub zu zieh'n:\nDoch fürchte nicht! Es gibt noch edle Herzen,\nDie für das Hohe, für das Schöne glüh'n.\"\nHHcr stimmen*\n„Wie mit dem Stab des Götterboten\"\nBeherrsche du das junge Herz;"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "367", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591112-01.1.7", "texte": "Ob sie auch Nacht und Tod bedrohten,\nDu führst die Liebe himmelwärts.\n„Die Sehnsucht blickt nach schönen Hügeln,\nDie ewig jung und ewig grün\":\nDie Phantasie auf gold'nen Flügeln,\nSie trägt dich zu den Hügeln hin.\n„O zarte Sehnsucht! süsses Hoffen,\nDer ersten Liebe gold'ne Zeit!\nDas Auge sieht den Himmel offen,\nEs schwelgt das Herz in Seligkeit.\"\nJUlgcnttincr Ctjor.\n„Doch, wenn auf einmal in die Kreise\nDer Freude mit Gigantenschritt\nVerheerend nach Tyrannenweise\nEin ungeheures Schicksal tritt\":\n„Dann flüchte du aus Kerkerschranken\nDich in die Freiheit der Gedanken.\"\nHat dich dein Geist emporgetragen\nZum göttlich hohen Ideal,\n~So musst du glauben, musst du wagen\",\nDich blende nicht der Sonne Strahl:\nErhebe hoch des Lichtes Fahne,\nDass sie den Weg zur Freiheit bahne!\n<£ine stimme (Sopran) unfc C()or.\nWas du gesungen, es wird leben!\nErhaben über Brauch und Zeit\nDir ewig grüne Kränze weben\nIm Glänze der Unsterblichkeit!\nUnd aus den Hütten, von den Thronen\nBringt dir das Vaterland die Kronen!\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nBerlin, 5. November. Der königliche Opernsänger Theodor\nForm es, welcher zu einer Cur verreis't war, ist völlig genesen\nliieher zurückgekehrt und wird in den nächsten Tagen wieder die\nBühne betreten.\nUnsere Concert-Saison hat nun auch ihren\nAnfang genommen. Die vier jüngeren Gebrüder Müller haben drei\nQuartett-Soireen veranstaltet und Werke von Haydn, Mozart, Beet-\nhoven und Volkmann ausgeführt. In Braunschweig, der \\ aterstadt\nder beiden Müller'schen Quartette, ist das Interesse für dieselben\nstets ein sehr lebhaftes; die allgemeine Stimme lässt den Nachfol-\ngern des ursprünglichen berühmten Quartetts volle Gerechtigkeit\nwiderfahren und würdigt das übereinstimmend Gute, wie auch das\ncharakteristisch Verschiedene derselben im Vergleich zu den unver-\ngesslichen älteren Brüdern.\nUrescieai, 1. November. Vieuxtemps, der in voriger Woche im\nleipziger Gewandhaus-Concerte spielte, wird hier ungefähr Mitte die-\nses Monats eoncertiren. Die Gebrüder Müller gaben hier drei\nQuartett-Akademieen.\nBreslau. Die Direction des Stadttheaters lässt vom 1. No-\nvember d. J. an täglich Nachmittags von 4 bis 5 Uhr unentgelt-\nlichen Unterricht in Musik und Gesang an befähigte Personen er-\ntheilen, welche das sechszehnte Jahr erreicht haben. Diejenigen,\nwelche den Vortheil dieses Unterrichts geniessen wollen, müssen die\nGenehmigung ihrer Eltern oder Vormünder beibringen und sich ver-\npflichten, auf eine bestimmte Zeit gegen entsprechende Entschädigung\nim Chor mitzuwirken. (Breslauer Zeitung.)\nMainz. Die Aufführung von Mendelssohn's ~Paulus\" am 31.\nOetob er muss zu den gelungensten Productionen unserer Liedertafel\nund des Damengesang-Vereins gerechnet werden. Das herrliche Werk\nwar mit ausserordentlicher Liebe einstudirt worden, und die Ausfüh-\nrung der Chöre liess fast nichts zu wünschen übrig. Licht und\nSchatten in dem Tongemälde Hessen die feinen Nuancen des Vor-\ntrags hervortreten, der Eindruck des Mühevollen und Aengstlichen\nverschwand, und der Zuhörer gewann das Gefühl der vollsten Be-\nherrschung der technischen Schwierigkeiten und konnte sich dess-\nhalb ungestört der grossen Schönheiten erfreuen, welche gerade die-\nses Oratorium in so reichem Maasse bietet. Der Soli, gesungen von\nFräul. Lehmann aus Wiesbaden, den Herren Hill und Schneider aus\nFrankfurt und Wiesbaden, müssen wir besonders rühmend gedenken.\nDie beiden geschätzten Gäste aus Wiesbaden sind als treffliche Ora-\ntoriensänger bekannt. Herr Schneider wird sogar vielfach für den\nbesten Oratorien-Tenor gehalten, und nach der ausgezeichneten Lei-\nstung an diesem Abende unterschreiben wir dieses Urtheil ohne Zö-\ngern. Herr C. Hill, welchem von Frankfurt ein sehr schmeichelhafter\nRuf vorausgegangen, rechtfertigte denselben trotz seiner kleinen In-\ndisposition vollkommen. (Südd. Musik-Ztg.)\nWiesbaden, 2. November. Vorige Woche fand in dem gros-\nsen Saale des Curhauses das erste der Abonnements-Concerte des\nCäcilien-Vereins in Verbindung mit dem Orchester unserer Hofbühne\nStatt. Dasselbe bot in der ersten Abtheilung die Sinfonie in G-moll\nvon Mozart, den Chor aus dem Weihnachts-Oratorium von S. Bach,\ndie Phantasie für Pianoforte, Orchester und Chor von Beethoven;\nin der zweiten Abtheilung die Ouvertüre zu „Coriolan\" von Beetho-\nven, ein Recitativ und Arie für Sopran und obligate Violine mit\nOrchesterbegleitung von Mozart (Fräul. Zirndorfer), ein Violin-Con-\ncert von de (Herr Kahl vom Theater-Orchester) und den 114.\nPsalm von Mendelssohn. In der Phantasie hatte Herr Capellmeister\nMarpurg aus Mainz den Ciavierpart übernommen.\nDer Cäcilien- und der Rühl'sche Gesang-Verein\nhaben ihre regelmässigen Proben begonnen und ihre Programme ver-\nöffentlicht. Hiernach gibt der zuerst genannte Verein vier Concerte;\nim ersten Requiem von Mozart und „Lobgesang\", Sinfonie-Cantate\nvon Mendelssohn; im zweiten Josua, Oratorium von Händel;\nim dritten ~Passion\" nach dem Evangelium Matthäi von J. S. Bach;\nim vierten „Iniproperia\" von Palästrina, Stabat maier von\n~Psalm\" von Marcello, Cantate „Gottes Zeit\" von J. S. Bach, „Ute\ndies\" von Cherubini, eine Motette von Haydn und „Hymne an die\nheilige Cäcilia\" von L. Spohr. Der RühFsche Verein kündigt drei\nConcerte an; im ersten sollen ~Psalm 30, Aus der Tiefe\" von J. S.\nBach und Missa in C von Beethoven, im zweiten „Comala\" von\nNiels W. Gade und „Die erste Walpurgisnacht\" von Mendelssohn,\nim dritten „Salomon\", Oratorium von Händel, zur Aufführung kom-\nmen, und zwar sämmtliche Tonwerke mit Orchesterbegleitung. Auch\nsechs Quartett-Soireen von den Herren L. Strauss, II Stein, E. Wei-\ncker und H. Brinkmann sind angekündigt, welche uns achtzehn der\nbesten Tonwerke dieser Gattung, worunter auch drei Streich-Trio's\nund zwei Quintette, von Haydn, Mozart, Beethoven, Cherubini,\nSchubert, Mendelssohn u. s w. vorführen werden.\n!®rag. Die seit Wochen erwartete Aufführung von Richard\nWagner's „Rienzi\" hat endlich Statt gefunden. Der Referent der\nBohemia\" berichtet, dass mehrere bedeutende Momente der volle\nVi '\nvier Stunden in Anspruch nehmenden Vorstellung von dem sehr\nvollen Hause äusserste Theilnahme fanden, und nach den einzelnen"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "368", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591112-01.1.8", "texte": "Acten, in deren Finales die grössten Effecte fallen, stürmische Her-\nvorrufe Statt fanden. Die drei Haupt-Partieen waren durch die Da-\nmen Prause, Mik und Herrn Bachmann besetzt; die meisten Deco-\nrationen neu.\nMafllfi'id, 12. October. Die italiänische Oper unter Mario1 s\nDirection (Unternehmung eines pariser Capitalisten) hat mit einem\nauffallenden Scandal begonnen. Man eröffnete mit Norma. Die Sän-\ngerin Calderon (Adalgisa), so wie Mario und Bouche wurden gut\naufgenommen, nicht so die Grisi. Dafür erlaubte sie sich einige\nstarke Ausdrücke, die, von den nächsten Zuschauern gehört, sehr\nbald im ganzen Hause bekannt wurden. Als sie wieder auftrat, er-\nschallte ein furchtbares Pfeifen. Am folgenden Tage erschienen ent-\nschuldigende Worte der Künstlerin in der Presse vergebens: sie\nwurde in der zweiten Vorstellung noch stärker ausgepfiffen. Darüber\nwurde Mario unwohl, bat um Nachsicht, die Oper konnte nicht aus-\ngespielt werden, und das Paar kann und wird nicht wieder auttreten\nUeber den Verkauf der Geige de s an Wieniawski\n(s. Nr. 42 d. Bl.) geht uns die Berichtigung zu, dass allerdings in\nEms die Bedingungen (20,000 Eres. Kaufpreis) festgestellt worden\nsind, Wieniawski aber den Verkäufer ersucht hat, seine entschei-\ndende Antwort erst in Petersburg, wo beide Künstler diesen Winter\nwieder zusammentreffen .werden, entgegen nehmen zu wollen. Bis\njetzt ist also der prachtvolle Magini noch im Besitze de Beriot's.\nHew-Yoi'k« Herr Karl Bergmann wird die Sonntags-Con-\ncerte der vorigen Jahre auch in diesem Winter fortsetzen. Der Pro-\nspectus ist bereits veröffentlicht. Von Sinfonieen sollen wir\nven's in A-dur und dessen Pastorale, Mozart's in D-dur, Haydn's\nin G-dur, Mendelssohn's in A-moll, Schuberts in C-dur, Schumann's\nin ß-dur und D-rnoll, Gade's in C-moll und von Liszt's symphoni-\nschen Dichtungen Tasso, Festklänge und die Präludien hören. Von\nOuvertüren stehen uns in Aussicht Beethoven's Leonore und Corio-\nlan, Mendelssohn's Meeresstille und die Hebriden, Schumann's Man-\nfred, Wagner's Faust, Rienzi und Tannhäuser, Berlioz' König Lear,\nDie Vehmrichter, Romeo und Julie (Fest bei Capulet), Fee Mab;\nvon Concerten für Pianoforte Beethoven's in Es und in G-dur, ferner\nsein Tripel-Concert für Piano, Violine und Cello, Schumann's in A-\nmoll, Chopin's in F-moll, Liszt's in Es-dur und andere mehr; und\nendlich an Chören die aus Schumann's Paradies und Peri und Der\nRose Pilgerfahrt; ferner aus Aleeste, Orpheus, Fidelio, Fliegende\nHolländer, Rienzi, Tannhäuser und Lohengrin. Kein Zweifel, dass\nein solches Programm und dessen getreue Ausführung nicht bloss\nauf eine erfreuliche musicalische Gegenwart deutet, sondern auch\nsehr schöne Hoffnungen für die Zukunft erweckt. Es wird wohl\nKeinem einfallen, in demselben ein Uebergewicht des Neuen über\ndas Alte zu erkennen. Ein solches Verfahren wäre nicht bloss auf-\nfällig, sondern auch einfältig. Aber auf der anderen Seite würde es\ndies ebenfalls sein, wenn man verkennen wollte, wie schön dabei\nder Pflicht genügt ist, dem Neuen Rechnung zu tragen. Lasset uns\nhören und immer wieder hören, was der schöpferische Genius der\nmusicalischen Gegenwart in Deutschland gebiert, das Uebrige findet\nsich von selbst.\nSt. IjöiaiSj 1. October. Vor Kurzem wurde das von dem Dr.\nBörnstein, dem bedeutenden deutsch-americanischen Theater-Un-\nternehmer, gebaute neue Opernhaus durch die freilich sehr mittel-\nmässige Truppe Parodi eröffnet. Es sollen darin italiänische Oper\nund deutsches Schauspiel abwechseln. Es ist entschieden eines\nder schönsten und bequemsten Theater in der Union. Der Zuschauer-\nraum ist sehr geräumig, so dass ein Ueberfüllen des Hauses kaum\nmöglich ist. Es sind zwei Dress-Circles, der eine ist etwas über das\nParquet erhaben, während der andere die erste Galerie \"bildet. Jeder\ndieser Dress-Circles fasst bequem achthundert Personen, die Gänge,\nSitze u. s. w. sind breit genug, um die jetzige Mode zu accomodi-\nren, und von allen Seiten ist die Bühne und das Publicum im Be-\nreiche des Zuschauers, so dass auch gar nichts in dieser Beziehung\nzu wünschen übrig bleibt. Das Parquet fasst vierhundert Personen\nund die zweite Galerie achthundert. Die Gänge und Vorhallen sind\nsehr breit und können, im Falle es nöthig wird, mindestens tausend\nPersonen bequem fassen, so dass also im Ganzen hinlänglich Platz\nfür ein drei Tausend Köpfe zählendes Auditorium vorhanden ist. Die\nBreite des Zuschauerraumes beträgt zweiundsieben, ig, die Höhe\nzweiundvierzig Fuss. Die Bühne ist fünfzig Fuss breit und fünfund-\nsiebenzig Fuss tief. Das Haus ist mit dreihundert fünfzig Gasflam-\nmen beleuchtet. Die Sitze sind mit rothem Damast gepolstert und\näusserst bequem. Die Verzierungen sind sehr geschmackvoll, Weiss\nund Gold sind die vorherrschenden Farben, die auf beiden Seiten\nnach und nach in andere Farben übergehen. Ein prachtvoller neuer\nZwischenact-Vorhang, von Alex. Buillet gemalt, ärntete allgemeine\nBewunderung. Er stellt eine italiänische Landschaft vor mit Figuren\nim Vordergrund. Bei der deutschen Bühne sind unter Anderen die\nDamen Börnstein und Lindemann und die Herren Pfeiffer, Fortner\nund Grossmann thätig. (Aus der Deutschen Musik-Zeitung\nfür die Vereinigten Staaten vom 1. October, deren vierter Jahrgang\nunter der Herausgabe und Redaction von Karl Winter stein in\nPhiladelphia erscheint. Früherer Herausgeber: Phil Rohr.)"}]}