{"numero_id": "bm-bmtnabi-1859-11-19-01", "volume": "bmtnabi_1859-11-19_01", "ocr_sha256": "e55dbc0e233c91b1c3fa50b3e175ed1de117cb23db803d78527faa7fa0f09de9", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1859/11/19_01/bmtnabi_1859-11-19_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591119-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1859-11-19-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-11-19_01#c001", "volume": "bmtnabi_1859-11-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "369", "page_fin": "369", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591119-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "369", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591119-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 463, "texte": "Inhalt.\nDie Sohiller-Feier in Paris. Von B P. Der Musik-Verlag von Kieter-Biedermann in Winterthur. Von N Aus\nHambui g (Die Hamburg-Altonaer Oper - Karl Formes). Schiller und Liszt. Von SCRIPaI. Zweites Gesellscliafts-Concert in Köln\nim Gürzenich zur Feier des Schiller-Festes. (Schluss.) Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Gedächtnissfeier für L. 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Wer indess die Sachen so sieht,\nwie sie sind, nicht wie sie scheinen, der weiss, dass von\nder ganzen Anzahl der Vertreter der französischen Zunge\nnur ein sehr kleiner Theil im Stande gewesen sein dürfte,\nseinen Enthusiasmus durch die Kenntniss der deutschen\nSprache, geschweige denn durch das Verständniss der deut-\nschen Poesie zu rechtfertigen. Wie dem aber auch sei, es\nwar immer erfreulich und ehrenvoll für uns, dass man sich\nzu dem Feste drängte und es in der Hauptstadt des Egois-\nmus für Mangel an gutem Tone galt, nicht dort gewesen\nzu sein, wo einem fremden, einem deutschen Genius ge-\nhuldigt wurde.\nSo konnte denn Ludwig Kaiisch im Angesichte der\nFeiernden mit einem gewissen Recht die Nicht-Deutschen\nalso anreden: „Aber auch Ihr, die Ihr nicht in unserer\nZunge redet, bekundet durch Eure Theilnahme, dass Ihr\nin unserem Sinne denkt, mit unserem Herzen fühlt. Ihr,\nSöhne des heiteren, gottgesegneten Frankreichs, Ihr, Söhne\ndes stolzen, meerumgürteten Britanniens! Russen, Polen,\nItaliäner! Söhne der alten, Söhne der neuen Welt! Eure\nAnwesenheit begrüssen wir mit freudiger Dankbarkeit.\nSie verherrlicht unser Fest, sie gibt ihm erst die wahre,\nechte Weihe; denn sie zeigt uns, dass unser Schiller auch\nder Eure. Was er uns sang, sang er auch Euch.\"\nUnd ein donnernder Applaus besiegelte den Ausspruch.\nWas will man mehr?\nEin Bisschen Eifersucht konnte jedoch nicht unterlas-\nsen, dem grossen Meyerbeer neben dem grossen Schil-\nler einen Theil der Anziehungskraft zu dem Feste zu vin-\ndiciren. Vielleicht mit Recht. Freilich musste man auch\ndiesem in Paris eingebürgerten Tondichter seinen deut-\nschen Geburtsschein lassen. So hiess es denn unter Ande-\nrem: „Es war ein überaus glückliches Zusammentreffen,\ndass an demselben Tage, wo man in Paris den deutschen\nGenius feierte, der das Scepter der Dichlkunst führt, ein\nanderer Genius aus demselben Lande, der das Scepter der\nTonkunst in Händen hat, ihn hier begrüsste. Die Muse der\nHugenotten, Struensee's und des Propheten, die mit ihren\nKlängen den Dichter der Jungfrau von Orleans, den Ge-\nschichtschreiber des dreissigjährigen Krieges verherrlicht,\nkann man sich etwas Bewundernswürdigeres, Erhabeneres\ndenken? War das nicht der Mühe werth, gehört, geschaut\nzu werden?\"\nMeyerbeer hatte zwei Compositionen zu der Feier ge-\nliefert, den Festmarsch, womit sie eröffnet wurde, und\ndie Musik zu dem Festliede von Ludwig Pfau. Der\nMarsch war eigentlich für einen Festzug bestimmt, wurde\naber, da dieser nicht Statt fand, als Ouvertüre benutzt.\nDas ziemlich einfache Motiv beginnt und schwillt\ndann nach und nach zu rauschender Instrumentalpracht\nan. Ich kann nicht sagen, dass dieser verbrauchte Effect\ndem Beginn eines Huldigungsfestes, das von vorn herein\neinen triumphalen Aufschwung verlangt, angemessen gewe-\nsen sei. Dass das Ganze und namentlich der Schluss eine\nimposante Wirkung machte, versteht sich bei Meyerbeer's\nentschiedenem Talent für dergleichen Elfectstücke von\nselbst. Der Marsch wurde da verlangt und bei der\nWiederholung besser ausgeführt, als das erste Mal. Ob\nsich diese dem Componisten dargebrachte Huldigung zu\nAnfang des Festes für den Dichter ziemte oder nicht,\nund ob dabei die gewöhnlichen Mittel aus dem Parterre-\nCentrum mit im Spiel gewesen, weiss ich nicht."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "370", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591119-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5086, "texte": "Nach dem Marsch sprach ein Fräulein Rrüning (die\nTochter der Frau Rrüning-Schuselka?) den Prolog von\nL. Pfau. Diese fünf Strophen sind ein schwaches Product;\ngleich die erste hat des Reimes wegen den Schluss:\n„Und andachtathmend lauscht sie (die Menge) still und stiller\nEin Name schallt und füllt den Erdkreis: Schiller!\"\nder zu dem Vorhergehenden: „Die Menge wogt\" „Die\nFreude rauscht\" „Von Stadt zu Städten wandert Jubel-\nklang\" —sich wunderlich genug ausnimmt. Noch weniger\nkann man Stellen billigen, wie: „Der Aar, der immer\nstieg und nimmer fiel\" „Gestalten, strebend nach er-\nhab'nem Ziel\",\n„Dein Held erkämpft die höchste Würde Allen\nDer Purpur fällt, nun muss der Herzog fallen!\" (?!)\nund vollends:\n„Der Teil ist sichern Schwungs ans Land gesprungen\nDich aber hat die Todesflut verschlungen \"\nDie letzte Strophe ist eine hübsche Paraphrase der zwei\nSchlussverse von Göthe's bekanntem Epilog zur Glocke.\nKaum mehr Schwung hat das „Festlied\" von demsel-\nben Dichter, welches den Text der von Meyerbeer com-\nponirten Cantate bildet*). Die Composition ist für vier\nSolostimmen, Chor und Orchester geschrieben. Sie ist uns\nals ein Gemisch von populären Melodieen und geschraub-\nten Effectstellen erschienen. Die Solo-Partieen sind keines-\nwegs leicht; sie wurden von den Damen Rochkoltz-\nFalconi und Maria Cruvelli, den Herren Morini und\nSchlosser gesungen. Chor und Orchester waren brav,\nim Ganzen wohl an fünfhundert Personen, unter der ge-\nschickten Leitung von Pasdeloup, dem Dirigenten der\nSociete des jeunes artistes du Der Schluss-\nchor machte den meisten Eindruck auf die Versammlung,\ndie sich sonst ziemlich kalt zeigte.\nNach der Festrede von L. Kaiisch spielte das Or-\nchester C. M. von Weber's Ouvertüre zu Oberon recht\nbrav. Wie kam aber „Oberon\" auf ein Schiller-Pro-\ngramm? Kannten die Ordner des musicalischen Theils der\nFeier keine Ouvertüren zu Schiller'schen Dramen?\nMendelssohn's Festgesang „An die Künstler\" schien\ndem Publicum, namentlich dem französischen, nicht recht\nzu behagen. Er wurde durch fünf Sänger-Vereine ausge-\nführt: Liederkranz (Dir. Emant), Liedertafel (Wiesen),\nGermania (Hervvart), Teutonia (J. Offenbach) und Har-\nmonia (schweizerischer Verein, Dir. Riedel).\nHiernach las Bogumil Dawison, der gerade hier\nanwesend war, den dritten Act des Don Carlos. Er hatte\nihn so eingerichtet, dass die Scene des Königs mit Alba\nund Domingo bedeutend verkürzt, der Auftritt mit Marquis\nPosa aber fast ganz wiedergegeben wurde. Dawison las\nan einem Tische sitzend, und obwohl er in dem grossen\nRäume unmöglich überall vollständig verstanden werden\nkonnte, so lauschte doch Alles mit gespanntester Aufmerk-\nsamkeit seinen Worten. Dass sein Vortrag einen ausser-\nordentlichen Eindruck machte, der sich auch in dem rau-\nschendsten Reifall äusserte, brauche ich den Lesern in\nDeutschland, die das Glück haben, diesen grossen Künst-\nler den Ihrigen zu nennen und auf der Ruhne bewundern\nzu können, nicht erst zu versichern.\nDen Reschluss der Feier machte das Finale der\nneunten Sinfonie von Reethoven. Zum ersten Male\nhörte man in Paris eine Aufführung dieses Werkes nach\nso grossem Maassstabe; denn bekanntlich sind die Vocal-\nund Instrumental-Massen, welche es erfordert, hier sehr\nschwer zu vereinigen. Die ganze Sinfonie zu machen, hatte\nman nicht gewagt, und so war natürlich die Einleitung\nzum Finale ganz unverständlich. Man hätte nun freilich\nglauben sollen, dass die Neuheit der Sache, die Menge der\nMitwirkenden und das Grossartige der Ausführung das\nPublicum fesseln würde; aber nein! Es beharrte bei der\nhier gewöhnlichen Unart, die letzte Nummer eines musi-\ncalischen Festes als ein Lärmstück zu betrachten, das die\nZuhörer, wie der Organist die Leute aus der Kirche, nur\nhinaus zu spielen und in hergebrachter Weise das Ge-\nräusch der Weggehenden zu vertuschen habe. Die Unruhe\nim Circus wuchs mit jedem Tempo um so mehr, je mehr\nder Inhalt „Caviar für's Volk\" war, wie Shakespeare sagt.\nNach dieser neuen Erfahrung ist nun die Rede davon, die\nAufführung mit denselben Kräften zu wiederholen, aber\nzu Anfang eines Concertes. Ob es dazu kommen wird,\nglaube ich kaum. So viel scheint mir aber gewiss, dass\nauch dann das französische, und ich setze hinzu: das pari-\nser deutsche, Publicum im Grossen niemals Empfännglich-\nkeit und Verständniss für diese kolossale Composition zei-\ngen wird.\nMehr Einfluss auf den Geschmack an deutscher Poesie,\nja, sogar auf die französische Sprache, dürfte die neue\nUebersetzung von Schiller's Werken durch Ad. Regnier\nhaben, wenn es ihr gelingt, in weitere Kreise zu dringen.\n\n*) Wenn aber eine Correspondenz aus München in der Kölni-\nschen Zeitung vom 14. d. Mts., die ich so eben erhalte, sagt:\n„Bodenstedts Prolog war vortrefflich, obgleich Ludwig Pfau's\nFesll ied wohl von keinem Zweiten erreicht werden\ndürfte\", so ist das doch ein gar zu arges Freundschafts-\nstück gegenüber von Reimereien wie:\n„Wohl bist du uns geboren,\nGestorben bist du nicht:\nDu lebst so unverloren,\nWo deutsche Zunge spricht.\nHell brennt in deutschen Busen\nDein heilig Feuer noch\nDie liebste deiner Musen,\nDas war die Freiheit doch.\" (!)"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "371", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591119-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1492, "texte": "Regnier hat zum ersten Male es gewagt, dem Princip einer\nwörtlichen Uebersetzung zu huldigen; er liefert eine ge-\ntreue Uebersetzung, eine Sache, für welche die franzö-\nsische Sprache bis jetzt kaum ein Wort, geschweige denn\neinen factischen Beweis der Möglichkeit hatte, da die Fran-\nzosen im Allgemeinen kein Talent zum Uebersetzen haben\nund im gelungensten Falle nur Paraphrasen und Nachbil-\ndungen liefern. Regnier musste, um seinem Grundsatze treu\nzu bleiben, die Neuerung durchsetzen, Versmaass und\nReim abzuwerfen und seinen Landsleuten einen Dichter\nin Prosa zu geben. Noch mehr, er wagt sogar Wörter,\nRedensarten und Wortfügungen, die noch vor Kurzem\nnicht bloss das Wörterbuch der Akademie, sondern ganz\nParis als Germanismen verpönt haben würde. Man ver-\ngleiche im dritten Acte des Don Carlos z. B.:\nOh! Pendant un seid baktement\nscience!— (Posa.) Je jouis\ndroit qu'a aussi le meurtrier.—-\npas, Sire, pour repandre ce\npez ä votre coin; je dois me re\nnaie. U. s. w.\nDer Anfang der Ode d la Joie lautet:\nJoie, divine etincelle,\nFille aimable de l'Eiysee,\nNous entrons, enivres de tes feux,\nCeleste genie, dans ton sanetuaire.\nTes charmes rdunissent\nCe qu'a le rigoureux usage;\nTous les hommes deviennent freres,\nLk ou s'arrete ton doux vol.\nUnd die Stelle: „Ihr stürzt nieder, Millionen\" u. s. w.:\nYous vous prosternez, millions d'^tres?\nMonde, pressens-tu le cr^ateur?\nCherche-le au dessus de la tente\nC'est par delk les 6toiles qu'il doit habiter.\nParis, 16. November 1859.\n\nB. 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Er hat seinen Verlag im Mai\n1856 eröffnet und festgestellt, dass in demselben nur Mu-\nsik von guter Geschmacksrichtung erscheinen solle.\nEr hat sich dem gemäss an die besten deutschen Com-\nponisten gewandt und zunächst von F. Hiller und Franz\nLachner schöne und dankbare Werke verlegt. Hier ist\nvorzüglich F. Hille r's Christ nacht, Cantate für Chor\nund Solostimmen mit Pianoforte-Begleitung, zu nennen,\nwelche wohl bald das Repertoire sämmtlicher Vereine für\nChorgesang in. Deutschland bereichern wird.\nAuch Heinrich Marse hner hat Herrn Rieter einige\nWerke für Singstimmen mit Clavier-Begleitung, Op. 188,\n189 und 190 überlassen. Dieselben werden bald erschei-\nnen und dem Verlage zu besonderer Zierde gereichen. Wir\nmachen schon jetzt alle Sänger und Sängerinnen darauf\naufmerksam; die letzteren werden namentlich durch Ter-\nzetten für Frauenstimmen erfreut werden.\nAus Robert Schumann's Nachlass sind einige be-\ndeutende Werke dort erschienen, so die Balladen vom\nPagen und der Königstochter und vom Glücke\nvon Edenhall, ferner die Jagdlieder für Männerchor\nmit Begleitung von vier Hörnern u. s. w.\nDass Herr Rieter auch einmal einen Fehlgriff that und\nBerlioz' Sommernächte verlegte, verzeihen wir ihm\nnach dem Gesagten gern; kann man ihm doch nicht nach-\nsagen, dass er Berlioz' Opus des grossen Gewinns wegen\nverlegt habe!\nBesonders reichhaltig ist der Verlag an vortrefflichen\ndidaktischen Werken, sowohl für Gesang als Ciavier. Das\nGesangs-ABC von Panofka und die darauf folgenden\n24 Vocalisen, Op. 85, desselben Lehrers sind nicht ge-\nnug zu rühmen. Die instruetiven Ciaviersachen von Köh-\nler, Krausse und Krause sind schon so verbreitet, dass\nsie keiner weiteren Empfehlung bedürfen.\nVerdiente der Musik-Verlag des Herrn Rieter-Bieder-\nmann schon wegen des Princips, das der Verleger aufrecht\nerhält, besondere Berücksichtigung und Empfehlung aller\nMusiker, so ist die jüngere Generation der Künstler ihm\nnoch specielleren Dank dafür schuldig, dass er sich ihrer\nfreundlich annimmt und eine Reihe von W erken streben-\nder Kräfte, als: Grädener, Grimm, Dietrich, Kirch-\nner, Heuchemer, Reinecke, Steuer und Wüllner\nverlegt hat.\nWünschen wir Herrn Rieter alles Glück zu seinem\nverdienstlichen Unternehmen und unterstützen wir dasselbe\nnach Kräften, damit es ihm gelinge, den Beweis zu füll-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "372", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591119-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 148, "texte": "Ren, den er führen wollte, dass das Solide in der Musik\nnoch Freunde genug habe, um sich vom Schlechten und\nGemeinen gänzlich scheiden zu können.\n\nN"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-11-19-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-11-19_01#c004", "volume": "bmtnabi_1859-11-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "372", "page_fin": "372", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591119-01.2.4", "titre_corps": "Aus Hamburg.", "titre_sommaire": "Aus Hamburg.", "signature_source": "s", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "372", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591119-01.1.4", "debut_caractere": 150, "fin_caractere_exclue": 4641, "texte": "Aus Hamburg.\ns\n[Die Hamburg-Altonaer Oper Karl Form es.]\nWenn ich in der Mitte des November meine Berichte\nüber die Hamburg-Altonaer Oper unter der Direction des\nDr. Wollheim da Fonseca mit dem bereits im October be-\nendigten Gastspiel des berühmten Bassisten Karl Formes\nbeginne, so darf Sie das nicht befremden. Das Gastspiel\ndes Herrn Formes im Jahre 1859 muss allerdings für\ndie Hamburg-Altonaer Oper als ein Ereigniss betrachtet\nwerden, indem es nicht nur geeignet war, die Vorzüge\nund Schwächen des Instituts in das hellste Licht zu setzen,\nso dass sich jeder Unbefangene selber ein richtiges Urtheil\nzu bilden vermag, sondern auch, weil Hamburg die erste\ngrosse Stadt war, in der Formes seit seiner Bückkehr\nnach Europa überhaupt als dramatischer Sänger wieder\nauftrat.\nWenn ich diese nicht endende Jeremiade aus Wien,\nI\nBerlin, München, Prag, Dresden u. s. w. über den grossen\nMangel an brauchbaren Sängern und Sängerinnen lese,\nwenn ich es lese, wie namentlich in Wien seit nun fast\neinem Jahre die Direction der k. k. Hofoper mit allen mög-\nlichen und unmöglichen Tenoristen verzweiflungsvoll expe-\nrimentirt, ohne bis dato unter Allen nur Einen gefunden\nzu haben, der den Ansprüchen, welche man an einen gu-\nten Primo-Tenor zu stellen das Becht hat, genügte,\nmuss ich mich wirklich verwundern, wie es Herrn Dr.\nWollheim möglich war, noch ein Opern-Ensemble, wie es\nHamburg-Altona zur Zeit „sein\" nennt, zusammen zu brin-\ngen, zumal es nicht in Abrede gestellt werden kann, dass\ndie Erkenntniss dessen, was seinem Institute und der Kunst\nfrommt, ihm oft gar sehr zu mangeln scheint, denn eine\nSängerin wie Frau Bonn-Bartels, einen Bariton wie Herrn\nLudwig, einen Bassisten wie Herrn Hermann U. gehen zu\nlassen, ohne für genügenden Ersatz gerade beim Beginn\nder Wintcr'Saison gesorgt zu haben,—das wird Manchem\nwirklich ein wenig unglaublich klingen, ist aber Thatsache.\nKarl Formes musste dies auf empfindliche Weise gelegent-\nlich seines letzten Gastspiels erfahren.\nFrau Jagels-Both, unsere jetzige Prima-Donna, ist\nallerdings eine ausgezeichnete Sängerin; ihre vortreffliche\nSchule, ihre kräftige und zugleich sympathische Stimme\nmachten sie in kurzer Zeit zu einem erklärten Liebling des\nPublicums. Allein die Künstlerin scheint sich nun einmal\nmit unserem stimmmörderischen Klima nicht befreunden\nzu können; sie erschien in letzter Zeit, so oft sie auftrat,\nbedeutend angegriffen, und noch öfter war es ihr geradezu\nunmöglich, aufzutreten, so dass dieserhalb die erste pro-\njectirte und angekündigte Vorstellung des Bobert mit Karl\nFormes als Gast ausfallen und das Haus den Abend ge-\nschlossen bleiben musste, wofür der arme Dr. Wollheim\nvon dem Hoch- und Wohl weisen hamburger Magistrat in\neine Brüche von 20 Thlrn. Preussisch Courant genommen\nwurde.\nSo ging es fort. So oft Karl Formes in Hamburg sin-\ngen wollte, wurde Frau Jagels-Both unpässlich, die Fräu-\nlein Steger und Weber, so wie die Frauen Simon-Bomani\nund Schröder mussten aushelfen, so gut es eben ging. Um\ndie Aufführung der Zauberüöte zu ermöglichen, musste\ndie Soubrette Frau Seiler-Blumenthal (allerdings eine in\nmusicalischer Hinsicht hochgebildete Dame) den Part der\nKönigin der Nacht übernehmen. Figaro's Hochzeit wurde\n(da Fräul. Elise Schmidt damals noch nicht angelangt war)\neine Unmöglichkeit. Was Formes trotzdem, von unserem\nwackeren Tenor Karl Wild als Bobert, Baoul, Eleazar\nund Ottavio, so wie den Herren Ilahnemann, Zottmeyer,\nFeuerstacke, Löwe, Kaps und Zellmann in ausgezeichneter\nWeise unterstützt, in Partieen wie Bertram, Sarastro, Le-\nporello, Cardinal, Fallstaff, Marcel leistete, darüber waren\ndie Stimmen aller Kunstverständigen in Hamburg einig.\nAltona musste darauf verzichten, für diesmal den gefeier-\nten Sänger als Gast zu begrüssen. Dagegen gastirte er\ndrei Mal in Kiel als Figaro, Leporello und Marcel unter\nungeheurem Beifall und bei überfüllten Häusern.\nDie Vorbereitungen zu Meyerbeer's „Dinorah\",\ndem „Sommernachtstraum\" von Thomas und, wie es\nheisst, auch der neuen Oper des Herzogs von Gotha\nmachten die Aufführungen anderer Neuigkeiten vorerst\nunmöglich. In der Favoritin und in Johann von Paris fei-\nerte Wild wieder den vollständigsten Triumph über eine\ngewisse Beferenten-Coterie, welche sich wider den Künst-\nler verschworen, weil er ihr feiles Lob nicht bezahlen will.\nHamburg weiss, was es von den Kritiken der Herren,\nwelche hier das grosse Wort führen, zu halten hat, und\nfreut sich, so oft es Gelegenheit findet, seinen Liebling\nWild durch Beifall auszuzeichnen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-11-19-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-11-19_01#c005", "volume": "bmtnabi_1859-11-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "372", "page_fin": "373", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591119-01.2.5", "titre_corps": "Schiller und Liszt.", "titre_sommaire": "Schiller und Liszt.", "signature_source": "SCRIPSI", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "372", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591119-01.1.4", "debut_caractere": 4643, "fin_caractere_exclue": 4929, "texte": "Schiller und Liszt.\n\nTerpander hat in Nr. 46 Ihres geschätzten Blattes so\ntiefe Blicke in die künstlerischen Intentionen des Mei-\nsters Liszt thun lassen, dass wir ihm nicht genugsam dan-\nken können. Auch die Proben von Declamation aus dem\nWerke des Componisten mit der „enormen Gestal-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "373", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591119-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2558, "texte": "fungskraft\" sind vortrefflich. Doch erreichen sie noch\nnicht die Kühnheit, mit welcher Liszt die deutsche Sprache\nin einem Festgesange zur Schiller-Feier in Weimar, ver-\nöffentlicht in dem Beiblatt zu Nr. 854 der Ulustrirten Zei-\ntung, bezwungen, ja, überwältigt hat. Wir führen in Be-\nzug hierauf nur den Anfang des Meisterwerkes an, welcher\nalso lautet:\nund versichern, dass die Fortsetzung dieses Anfangs durch-\naus würdig ist, ja, denselben sogar hier und da übertrifft.\nDas Festlied ist nach Herrn Liszt's Angabe im Volks-\ntone geschrieben; man betrachte die folgenden Stellen\naus demselben:\nErstens :\nund Zweitens:\nDas Drittens und Viertens erlässt uns der Leser gewiss gern.\nWir haben allerdings noch keine Gelegenheit gehabt,\nin Weimar Volksgesang zu hören. Sollte wirklich das Volk\ndort durch den Einfluss des Meisters und seiner Lehrlinge\nnach und nach so haben singen lernen, oder ist hier, wie\nso oft, unter dem Worte „Volk\" jenes ideale Volk, das\ngeschlossene Häuilein, zu verstehen, das auch auswärts,\nwenn Enthusiasmus des Publicums, Volksjubel repräsentirt\nwerden soll, ins Treffen geführt wird? Man denke an\nKarlsruhe, Leipzig, Berlin und andere Orte. Dass die\nBrendel'sche Zeitung im Angesichte eines Machwerkes wie\ndas oben angeführte es wagen kann, zu sagen, dass die\nAehnlichkeit zwischen Schiller und Liszt von\nTag zu Tag mehr hervortrete, ist eine wahre Schmach für\nden deutschen Dichter. Aehnlichkeit zwischen Schiller,\ndem Meister der Form, der bei höchster geistiger Frei-\nheit in der Kunst wie im Leben den heiligen Ernst, die\nReinheit, den keuschen Sinn der Sitte und Zucht reprä-\nsentirt, und Liszt, dem Geiste, der stets verneint, dem\nKämpen für die Zersprengung jeder Form, für die Fessel-\nlosigkeit und doch genug! Hörst du's, deutsches Volk?\nUnd die das schreiben, haben die Anmaassung, sich\nJünger einer neudeutschen Schule zu nennen, und ein\nHalb-Magyare und Halb-Franzmann ist ihr Meister. Diese\nJünger vermeinen, sie brauchen nur einen rechten Kory-\nbantenlärm zu verführen, um uns glauben zu machen, da-\nhinter stecke ein Gott! Das loben jener Schar, die eine\nwohlorganisirte Assecuranz-Gesellschaft zu gegenseitiger\nLobhudelei bildet, wird aber verhallen. Stehe jeder von\nuns Musikern nur fest zu seinem Heiligsten! Erhalten wir\nuns und den Unseren Geist und Sinne frisch an dem har-\nmonisch Schönen, an den vielen kostbaren Gaben, die\nuns unsere Hochmeister hinterlassen. Blicken wir dabei\nruhig und siegesgewiss in die Zukunft. Das deutsche Volk\nwird niemals im Volkstone Liszt's singen.\n*) Preciosa-Marsch!\n\nSCRIPSI."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-11-19-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-11-19_01#c009", "volume": "bmtnabi_1859-11-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "373", "page_fin": "374", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591119-01.2.6", "titre_corps": "Zweites Gesellschafts-Concert in Köln Im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferd. Hiller.", "titre_sommaire": "Zweites Gesellschafts-Concert in Köln Im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferd. 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Hill er hatte zwei Gesänge von F. Schubert für eine\nStimme mit Ciavierbegleitung für das Orchester in sehr ansprechen-\nder Weise instrumentirt: .,Des Mädchens Klage\" (für Alt) und „Die\nErwartung\" (für Tenor). Namentlich das letztere Lied dürfte in die-\nser Gestalt für Tenoristen ein willkommenes Concertstück sein. Fräul.\nFrancisca Schreck sang das erstere mit ausserordentlichem,\nwohlverdientem Beifall; ihr Vortrag hat an Ausdruck und Wärme"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "374", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591119-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3033, "texte": "in der letzten Zeit sehr gewonnen. Herr Wolters trug „Die Er-\nwartung'4 vor und ärntete ebenfalls Beifall.\nDie Fest-Cantate von F. Hill er (s. den Text in Nr. 4G) ist\nein Werk von sieben bis acht Nuramern, das sich, abgesehen von\nseiner ursprünglichen Bestimmung, sehr wohl für Concert-Aufführung\neignet, zumal da wir an Gesangstücken mit Orchester von kleinerem\nUmfange nicht eben reich sind Die Besetzung erfordert ein Solo-\nf\nQuartett, von welchem der Sopran am meisten beschäftigt, aber nicht\nschwierig auszuführen ist. Die Composition spricht im Allgemeinen\ndurch melodische Vorzüge an und enthält besonders in der ersten\nHälfte des Werkes und am Schlüsse schöne Sätze. Es war schade,\ndass das Solo-Quartett in der Mitte der Cantate durch die gar zu\ngrelle Verschiedenheit des Klanges der vier ausführenden Stimmen\nnicht zu voller Geltung kam; freilich ist der Schluss desselben nicht\nsehr ins Ohr fallend und desshalb schwierig auszuführen.\nDie Aufführung von Beethoven's neunter Sinfonie zeigte\neinmal wieder die musicalische Sicherheit, die Stimmenfrische und\ndie Gesangfreudigkeit des Chors der Concert-Gesellschaft in glän-\nzendem Lichte; Denn wahrlich, der gründlichen Einübung, wozu we-\nnig Zeit war, war die treffliche Ausführung der schwierigen Chöre\nnicht zu verdanken, sondern der musicalischen Bildung der Mitwir-\nkenden und dem geistigen Leben, das sie beseelt, so oft es gilt, die\ngrossen Werke unserer Hochmeister zur Geltung zu bringen. Zu\nbedauern war es, dass das Solo-Quartett, wie schon angedeutet, nicht\ngeeignet war, seine Aufgabe auch' nur einiger Maassen genügend zu\nlösen; man hörte fast nur den Alt und zuweilen den Bass in klang-\nvollen Tönen, der Sopran war zwar recht schön rein, aber viel zu\nschwach und nur in den höchsten Tönen klingend; der Tenor er-\nreichte durch zu grosse Anstrengung das Gegentheil von dem, was\ner beabsichtigte. Das Orchester war sehr brav; das Adagio wurde\nbesonders schön ausgeführt.\nZur Schiller-Feier am folgenden Tage (11. November) war\nebenfalls auf dem Gürzenich eine declamatorisch-musicalische Aka-\ndemie veranstaltet Nach einem trefflichen Prolog von Gustav\nPfarrius und der Bekränzung von Schiller's Büste ertönte*Men-\ndelssohn's „An die Künstler\", vorgetragen vom kölner Männerge-\nsang-Verein; Hill er begleitete die Declamation der „Bürgschaft\"\ndurch Wolfgang Müller mit vortrefflicher Improvisation auf dem\nFlügel; Herr A. Pütz trug „Die Sehnsucht\", Composition für Tenor\nund Orchester von A. Romberg, sehr schön vor, und die zweite\nAbtheilung füllte eine sehr beifällig aufgenommene Aufführung der\n„Glocke\", ebenfalls von A. Romberg, unter Leitung des k. Mu-\nsik-Directors Franz Weber. Die Soli wurden von Dilettanten\nrecht befriedigend gesungen.\nIm Theater erregte die (wiederholte) Aufführung eines von Dr.\nBernays in Bonn gedichteten Festspiels, das die Erscheinung\n„Des Mädchens aus der Fremde\" auf sehr sinnige Weise mit dem\nAuftreten der Hauptgestalten aus Schiller's Dramen vereinigt und\nsich durch Inhalt und Form sehr empfiehlt, grossen Enthusiasmus."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-11-19-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-11-19_01#c010", "volume": "bmtnabi_1859-11-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "374", "page_fin": "376", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591119-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "374", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591119-01.1.6", "debut_caractere": 3035, "fin_caractere_exclue": 7010, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMolsi. Zu L. Spohr's Andenken wurde am Samstag den 12.\nNovember in der musicalischen Gesellschaft seine Sinfonie\n„Die Weihe der Töne\" aufgeführt. Alsdann spielte Herr Otto\nvoll Königslöw ein Violin-Concert von Spohr mit bekannter Mei-\nsterschaft, und zum Schlüsse wurde die Ouvertüre zur Oper Jes-\nsonda gemacht.\nDinstag den 15. d. Mts. haben die Soireen für Kammer-\nmusik im Saale des Hotel Disch wieder begonnen Herr Capell-\nmeister F. Hiller, Herr F. Breunung und Herr Bargiel wer-\nden das Pianoforte vertreten, die Herren Concertmeister Gr un wald\nund von Königslöw, Derckum, B. Breuer das Geigen-Quar-\ntett bilden, im Quintett die Herren Peters (Bratsche) oder Hoecke\n(Violoncell) hinzutreten. Die erste Soiree brachte ein Geigen-\nQuartett in B-dnr (kurz und anmuthig) von J. Haydn, eine So-\nnate für Ciavier und Violine von J. S. Bach, Nr. 2, A-dur (Hiller\nund von Königslöw), das Geigen-Quintett in L-dur von Franz\nSchubert (mit zwei Violoncells Breuer und Hoecke) und die\nSerenade für Pianoforte, Violine und Violoncell von F. Hiller\n(Hiller, Königslöw, Breuer).\nDie Sonate von Bach, obwohl für den Musiker, wie Alles von\ndem alten Meister, sehr interessant, schien das Publicum eben nicht\nanzusprechen und aufrichtig gesagt: wir können es desshalb nicht\nder Gleichgültigkeit gegen die Tonkunst anklagen. Die Kunstfreunde,\ndie sich zu Soireen für Kammermusik abonniren, kennen den Reich-\nthum an neuerer, ihrer Gefühlsweise weit mehr entsprechender Musik\ndieser Gattung; sie wissen auch, dass in den Sonaten von\nMozart und vollends von Beethoven für Ciavier und Violine wahre\nSchätze liegen, und diese wünschen sie gern dann und wann von\ngrossen Künstlern gehoben zu sehen, um sie recht in ihrem Glänze\nzu schauen. Den gegenwärtigen Modeton, nur die älteste und dane-\nben die allerneueste (eine grauenhafte Zusammenstellung!) Musik\nvorzuführen und die ganze Periode von Haydn bis Mendelssohn ein-\nschliesslich, etwa mit Ausnahme einiger letzten Werke Beethoven's,\nzu überspringen und zu perhorresciren, wollen wir den Zukünftlern\nüberlassen.\nWie manche herrliche Compositionen jene classische Periode ent-\nhält, die noch so gut wie gar nicht gekannt sind, zeigte uns der\nVortrag des Quintetts in C-dur von F. Schubert. Jeder Satz\nwurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen, wozu die gute Ausfüh-\nrung allerdings ebenfalls beitrug, am meisten aber der Inhalt, der\nnamentlich im ersten Satze, im Adagio und in dem Trio des Scherzo\neine geniale Erfindung der Motive und melodischen Stellen zeigt und\nmit charakteristischer Eigentümlichkeit einen so farbigen Schmelz\ndes Ausdrucks verbindet, dass man gleich beim ersten Hören davon\neingenommen wird, zumal da der reine harmonische Fluss uns klar\nund ruhig ohne Gefahr für das Ohr und für die Nerven ans Ziel\nträgt.\nDie Trio-Serenade von F. Hill er schloss die Soiree. Wenn\ndie drei ersten Sätze: das Allegro alla Marcia, ein Scherzando und\nein Tempo di Menuelto, die in einander übergehen, durch ihre geist-\nreiche Behandlung interessiren, so fesselt das Andante in Form eines\nGhasels durch die kunstvollen und doch ganz einfach erscheinenden\nTongewinde des Pianoforte, die sich um die stets wiederkehrenden\nmelodischen Refrains der beiden Streich-Instrumente ranken, und das\nreizende Intermezzo führt uns zu dem üppig sprudelnden Quell der\nTarantella, der uns in schäumendem Wirbel mit sich fortreisst. Es\ngehört aber Hiller's gediegene Technik und sein wunderbar elasti-\nscher Anschlag dazu, um diesen Satz so meisterhaft vorzutragen,\nwie wir ihn hörten.\nDer Pianist Herr Louis Brassin, der sich im SpätsommeT bei\neinem Kunstfreunde auf dem Lande bei Köln eine Zeit lang aufge-\nhalten, hat diese Villeggiatur hauptsächlich zum Componiren benutzt.\nAusser einigen Salonstücken hat er eine Reihe von Etüden für\ndas Pianoforte geschrieben, welche wir unbedingt neben die\nWerke der ersten Meister in dieser Gattung stellen. Sie werden\nbinnen Kurzem bei Schott und Söhne in Mainz erscheinen. Herr"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "375", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591119-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7525, "texte": "Brassin ist von hier über Brüssel nach Paris gegangen, wo ihm seine\nausgezeichnete Virtuosität sehr bald einen Namen machen wird.\nIm Fest-Concert des , allgemeinen Musik-Vereins\"\nam 11. November wurden unter Leitung des Herrn Musik-Directors\nFiedler aufgeführt Beethoven's Sinfonia eroica, Ouvertüre zu Teil\nvon Eossini, „Der Gang nach dem Eisenhammer\" mit Musik von\nB. A. Weber ,>Die Macht des Gesanges\", Cantate von A. Homberg.\nAus Iserlohn. Unsere diesjährigen Winter-Concerte im Saale\nder Gesellschaft Harmonie versprechen nach dem am 23. October\nStatt gehabten ersten Concerte besonders erfreulich zu werden. Herr\nMusik-Director V. A. Loos, der seine Studien unter Reissiger ge-\nmacht hat, unternahm die bei den beschränkten Kräften einer klei-\nnen Stadt immerhin schwierige Aufgabe, die fünfte Sinfonie von Beet-\nhoven aufzuführen. Das Orchester war ein zusammen geblasenes aus\nverschiedenen Capellen; dennoch liess die Ausführung der freilich\nden Musikern bekannten Sinfonie wenig zu wünschen übrig, wenn\nman nicht gerade die höchsten Anforderungen stellte. Herr Loos\nspielte noch Beethoven's Sonate Op. 57 und gab uns eine freie Phan-\ntasie über ein beliebtes Thema. Zwei so ernste und gewaltige Werke\nvon Beethoven an Einem Abende aufzuführen, war sicher ein Wag-\nniss unserem noch weniger in solche Tiefen eingeweihten Publicum\ngegenüber, aber es freut uns, sagen zu können, dass das dem Audi-\ntorium gegebene Vertrauens-Votum begeistert und dankbar erwidert\nwurde. In der freien Phantasie entwickelte Herr Loos eine überra-\nschende Improvisationsgabe, die wir noch in höherem Maasse in sei-\nner Begleitung des Liedes von der Glocko bei Gelegenheit der\nSchiller-Feier wahrgenommen Viele der ergreifendsten Momente des\nGedichtes waren höchst charakteristisch behandelt. K.\nHerl Ml* Nachdem die Perseverantia, Alter-Versorgungs-\nAnstalt für deutsche Theater-Mitglieder, auf Grund des §. 59 ihres\nStatuts die Vermittlung von Engagements und Gastspielen, so wie\nden Debit von Bühnenstücken zu übernehmen sich entschlossen hat,\nist das Geschäfts-Bureau des deutschen Bühnen-Vereins nunmehr an\ndas Bureau der Perseverantia übergegangen, in Folge der früheren\nBeschlüsse, welche von den Mitgliedern des engeren Bühnen-Vereins,\nso wie von dem Verwaltungsrathe der Perseverantia gefasst worden.\nDer bisherige Vertrag der Perseverantia mit dem Theater-Agenten\nHerrn A. Heinrich ist aufgelöst, und da dieser aus Gesundheits-\nRücksichten von seinen Geschäften überhaupt zurücktritt, so ist\ngleichzeitig die fernere Herausgabe des „Deutschen Bühnen-Alma-\nnachs\" auf die Direction der Perseverantia übergegangen. Das seit\ndreiundzwanzig Jahren eingebürgerte Bühnen-Handbuch erscheint so-\nnach von Neujahr an zum Besten der Perseverantia und wird in\nseinem artistisch-literarischen Thcile von Herrn Louis Schneider re-\ndigirt. Das officielle Blatt des Bühnen-Vereins, das „Theater-Archiv\",\nbleibt unter der bisherigen Redaction von F. Adami und dient mit\nGenehmigung der Staatsbehörde zugleich als officieller Anzeiger der\nPerseverantia. Zur Leitung des Bureaux ist der Verwaltungs-Director\nder Perseverantia, Herr Wentzel, statutarisch verpflichtet, unter des-\nsen Controle der bisherige Vorstand des Geschäfts-Bureau's des Büh-\nnen-Vereins, Herr Lichterfeld, die speciellen Geschäfte führt. Nach\nden Mittheilungen des nunmehr an die Perseverantia übergegangenen\nBühnen-Vereins-Bureau's hat dasselbe seit seiner Eröffnung am 16,\nSeptember v. J. siebenzig Engagements abgeschlossen, die in runder\nZahl eine Gage von 20,000 Thlrn. repräsentiren, so dass den Thea-\nter-Agenten, welche fünf Procent nehmen, die Summe von 1000 Thlrn.\nzugeflossen sein würde. Die Geschäfte werden vom 1. October an\nnach Maassgabe des Perseverantia-Statuts betrieben, unter Ober-Auf-\nsicht des General-Directors der Anstalt und ihres Verwaltungsrathes.\nDie Mitglieder des engeren Bühnen-Vereins übernehmen erneut die\nVerpflichtung, sich zur Vermittlung von Engagements, Gastspielen\nu. s. w. ausschliesslich des Bureau's der Perseverantia und keiner\nPrivat-Agentur zu bedienen. Die Gebühren-Erträge kommen, nach\nAbzug der Verwaltungskosten, der Perseverantia zu Gut und werden,\nwie es in der Bekanntmachung heisst, hoffentlich mit der Zeit für\ndie dem gesammten Stande gewidmete Anstalt einen reichen Ertrag\ngewähren. — Bei der sich immer dringender herausstellenden Not-\nwendigkeit künstlerischer und wissenschaftlicher Vorbildung der\nSchauspieler ist auch die Gründung einer Akademie der Schau-\nspielkunst durch den Urheber der Perseverantia, L. Schneider,\nund den General-Director der Anstalt, General-Tntendanten v. Hülsen,\nfür die Folge in Aussicht genommen. Bei dem gedeihlichen Fort-\ngange, dessen sich die Perseverantia erfreut7 steht zu erwarten, dass\nauch dei 1 lan einei J heaterschule sich seiner Zeit fruchtbringend\nverwirklichen werde. (D. Theater-Archiv.)\nSc hiller-Feier in Wiesbaden, Am 9. November fand im\nTheater eine Vorfeier Statt, die folgendes Programm hatte: ]) Ouver-\ntüre zu „Titus\" von Mozart; 2) Wallenstein's Lager; *3) Der Gang\nnach dem Eisenhammer, vorgetragen von Herrn Regisseur Ulram\nmit melodramatischer Begleitung von B. Weber; 4) Sieben Tableaux\nnach Werken von Schiller, arrangirt von Herrn Prof. Jacobi; 5\nApotheose Schillert. Das Haus war festlich geschmückt, das Publi-\ncum in eben so festlicher Stimmung als Erscheinung. Dass der gan-\nzen Feier ein Prolog voranging, versteht sich von selbst. Derselbe\nwar von G. Freudenberg gedichtet und wurde mit Begeisterung von\nFiau !Raff-Genast gesprochen. Nach der Theater-Vorstellung beweg-\nten sich vom Theaterplatze gegen loOO Fackeln, von verschiedenen\nCorporationen und Bürgern getragen, nach dem Friedrichsplatze, wo\neine Schiller-Linde gepflanzt wurde. Kirche und Schloss wurden bei\nVorübergang des Festzuges erleuchtet. Die Schiller-Linde steht jetzt\nauf dem Schiller-Platze; so will es der Herzog. — Am 10. Novem-\nber war Morgens die Stadt beflaggt, viele Häuser waren geschmückt,\ndie Buchhandlungen hatten ihre Schaufenster zu Schiller-Altären um-\ngeschaffen, die Stadt und die Menschen darin hatten ein festtägliches\nAnsehen. In allen Schulen waren Festlichkeiten veranstaltet und\nNachmittags fand im grossen Saale des Curhauses ein Fest-Concert\nStatt unter Leitung des Herrn Capellmeisters Hagen und unter Mit-\nwirkung des Cäcilien- und- des Männer-Gesangvereins, so wie der\nDamen Fräul. L. Tipka und Frä.ul. A. Schönchen und der Pierren\nSchneider und Simon, Mitglieder der Bühne, so wie des Theater-\nOrchesters. Nach einer Fest-Ouverture von Beethoven sprach Herr\nProfessor Spiess eine Festrede, eine musterhafte Arbeit, nur ein wTe-\nnig lang. Dann folgte Mendelssohn's „Festgesang\" und die neunte\nSinfonie von Beethoven. Am Abende fand in denselben Käumen ein\nBanket Statt, bei welchem für darbende deutsche Brüder in Schles-\nwig-Holstein 218 Fl. gesammelt und übersandt worden sind. Am\n11, November hatten wir zum Besten der Schiller-Stiftung „Wallen-\nstein's Tod\". Das Haus war weniger gefüllt, als am Abende des 9.\nNovember. Herr Kathmann sprach einen von Herrn Chr. IIöppl ge-\ndichteten Epilog, der mit grossem Beifall aufgenommen wurde. Am\nSamstag den 12. November war im Curhause ein Ball, dessen Er-\ntrag ebenfalls für die Schiller-Stiftung bestimmt wurde. Sonntag den\n13. wurde die Vorstellung vom Abend des 9. November wiederholt\nund das Haus ganz ausverkauft. Am 17. wird diese Vorstellung\nnochmals wiederholt werden. W. W.\nHerr Capellmeister Julius Rietz ist bei Anlass\nder Schiller-Feier von der philosophischen Facultät zum Doctor\nernannt worden"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "376", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591119-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4694, "texte": "** Augsburg'« Unsere Oper hat diesen Winter durch das\nEngagement der jugendlichen Sängerin Fräul. Auguste Brenken\neinen erfreulichen Aufschwung bekommen. Ihre Leistungen als El-\nvira im Don Juan, Agathe im Freischütz, Gabriele im Nachtlager\nvon Granada, Irma im Maurer, Königin in den Hugenotten, Amine\nin der Nachtwandlerin haben ihr sehr bald die volle Gunst des Pu-\nblicums erworben. Die schöne Frische und Fülle ihrer umfangrei-\nchen Stimme, die treffliche Schule und die daraus hervorgegangene,\nbei einer so voluminösen Stimme seltene Coloraturfertigkeit sind\nglänzende Eigenschaften, die der jungen Künstlerin auch auf der\nBühne die Erfolge sichern* die sie im nördlichen Deutschland und\nam Rheine im Concertsaale schon so oft errungen hat.\nJÄew-lTorl*. Mr. Strakosch hat folgendes Contingent von\nEuropa zu uns herübergebracht: Stigelli (den Componisten des\nbekannten Liedes ~Die schönsten Augen\"). Signor Beaucarde und\nSignor Testa (Tenöre), Signor Ferri (Bariton), die Signora's Spe-\nranza und Crescimano (Soprane) und Signora Maria Cru-\nvelli (Alt). Wie sich die verschiedenen neuen Grössen zeigen wer-\nden, kann heute noch nicht gesagt werden; so v viel scheint uns\njedoch gewiss, dass wir nicht zu viel erwarten dürfen.\nMilwailkee, 10. October. Das neueste Werk Sobolewski's,\n~Mohega, die Blume des Waldes\", unter des Componisten eigener\nLeitung und von den besten Kräften des Musik-Vereins mit gröss-\ntem Fleisse einstudirt, soll am 11. d Mts. hier aufgeführt werden.\nDie einfache Handlung, eine Seene aus dem americanischen Befrei\nungskriege darstellend, besteht aus einer Reihe von spannenden Si-\ntuationen, welche, bühnengerecht ausgearbeitet, die effektvolle Musik\nwesentlich unterstützen. Ueber das Wirken des Musik-Vereins als\nsolchen kann ich Ihnen leider nichts Erfreuliches mittheilen Der\nhohe Schwung, den derselbe eine Zeit lang genortimen, ist erlahmt,\nund er schleppt sich jetzt nur noch mühsam an der Erde hin. Schon\nim verflossenen Jahre war in allen Productionen (die Schöpfung aus-\ngenommen) eine beklagenswerthe Schlaffheit ersichtlich, die theils\nden missiichen financiellen Verhältnissen,, anderenteils der Lauheit\nder ausübenden Mitglieder und endlich der Nachlässigkeit des bis\ndahin so eifrigen Directors zugeschrieben wurde. Da erschien als\nRetter in der Noth der rühmlichst bekannte Componist E. Sobo-\nmit seiner Tochter, einer gebildeten Sängerin, und flosste den\nVerzweifelnden neuen Muth ein; durch seine Anwesenheit konnte\nder schlummernde Kunstsinn neu angefacht werden und reges Leben\nan die Stelle der herrschenden Apathie treten. Sobolewski, der hie-\nher gekommen war, um in ländlicher Abgeschiedenheit seine ameri-\ncanische Oper auszuarbeiten, fühlte sich bei dem freundlichen Ent-\ngegenkommen der hiesigen Kunstfreunde bald heimisch und fasste\ndie Idee, mit den vorhandenen Kräften seine Oper hier aufzuführen.\nUeber die Composition spricht sich die Zeitschrift „Atlas\" unter\nAnderem aus, wie folgt: Die Oper enthält sehr schöne Motive und\nansprechende Melodieen und ist gut und solid gearbeitet; einzelne\nStellen, z. B. das Finale des ersten Actes, sind von mächtiger Wir-\nkung, und wenn auch einige Theile der leichteren Art angehören,\nso sind dieselben doch keineswegs trivial, wie Manches aus der\nneueren italiänisehen und französischen Opernmusik. Vielleicht ist\nes auch zur Einbürgerung der Oper recht gut, dass sie leichtere\nund schneller verständliche Stellen und einige bekannte National-\nMelodieen enthält, die übrigens sehr hübsch angewandt und verar-\nbeitet sind. Ausser dem erwähnten Finale des ersten Actes möchten\nwir noch den Anfang desselben Aufzuges, so wie ein Sopran-Duett\nim zweiten und ein Stück im dritten Acte in Bezug auf Erfindung,\nDurchführung und instrumentale Charakterisirung besonders hervor-\nheben. Im ganzen Werke aber tritt uns ein gewisses Leben, Kraft\nund Natürlichkeit erfrischend entgegen, was uns sofort erkennen\nlässt, dass der Componist ein Tondichter von Bedeutung und hoher\nBegabung ist. Was uns nicht minder anspricht, ist, dass die\nMusik dramatisch ist und auch in dieser Beziehung an die Wag-\nner'schen Arbeiten erinnert. Das Orchester, welches sich Herr So-\nbolewski zusammengestellt hat, zählt nur vierzehn oder fünf-\nzehn Mitglieder, aber dieselben leisten unter der sicheren Leitung\ndes Componisten Vortreffliches, was um so mehr anzuerkennen ist,\nals die Oper mehrere verhältnissmässig sehr schwierige Stellen ent-\nhält. Die Solo-Partieen sind in den Händen der Damen Mahler und\nSobolewski (Soprane) und der Herren Jacobs (Tenor), Geisberg und\nE. Neymann (Bässe). Heute über acht Tage wird die erste Auffüh-\nrung sein, und wir wünschen dieser ersten deutschen Oper in Ame-\nrica den besten Erfolg."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "369", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591119-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie Sohiller-Feier in Paris. Von B P. Der Musik-Verlag von Kieter-Biedermann in Winterthur. Von N Aus\nHambui g (Die Hamburg-Altonaer Oper - Karl Formes). Schiller und Liszt. Von SCRIPaI. Zweites Gesellscliafts-Concert in Köln\nim Gürzenich zur Feier des Schiller-Festes. (Schluss.) Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Gedächtnissfeier für L. Spohr,\nEiste Soiiee für Kammermusik, Louis Brassin Cleve - Iserlohn Berlin - Wiesbaden Leizig Augsburg New-York).\n\nDie Schiller-Feier in Paris.\n\nDürfte man nach der Zuhörermasse, welche den\nCirque de l'lmperatrice am 10. November füllte, und nach\ndem Zudrang der Hunderte, die vergeblich Einlass be-\ngehrten, aber keinen Platz mehr fanden, auf die Begeiste-\nrung der Franzosen für Schiller schliessen, so müsste man\nerstaunen ob des Umschwungs des Urtheils der französi-\nschen Nation über deutsche Poesie und Literatur; denn das\nherbeigeströmte Publicum zählte wenigstens eben so viel\nFranzosen als Deutsche. Wer indess die Sachen so sieht,\nwie sie sind, nicht wie sie scheinen, der weiss, dass von\nder ganzen Anzahl der Vertreter der französischen Zunge\nnur ein sehr kleiner Theil im Stande gewesen sein dürfte,\nseinen Enthusiasmus durch die Kenntniss der deutschen\nSprache, geschweige denn durch das Verständniss der deut-\nschen Poesie zu rechtfertigen. Wie dem aber auch sei, es\nwar immer erfreulich und ehrenvoll für uns, dass man sich\nzu dem Feste drängte und es in der Hauptstadt des Egois-\nmus für Mangel an gutem Tone galt, nicht dort gewesen\nzu sein, wo einem fremden, einem deutschen Genius ge-\nhuldigt wurde.\nSo konnte denn Ludwig Kaiisch im Angesichte der\nFeiernden mit einem gewissen Recht die Nicht-Deutschen\nalso anreden: „Aber auch Ihr, die Ihr nicht in unserer\nZunge redet, bekundet durch Eure Theilnahme, dass Ihr\nin unserem Sinne denkt, mit unserem Herzen fühlt. Ihr,\nSöhne des heiteren, gottgesegneten Frankreichs, Ihr, Söhne\ndes stolzen, meerumgürteten Britanniens! Russen, Polen,\nItaliäner! Söhne der alten, Söhne der neuen Welt! Eure\nAnwesenheit begrüssen wir mit freudiger Dankbarkeit.\nSie verherrlicht unser Fest, sie gibt ihm erst die wahre,\nechte Weihe; denn sie zeigt uns, dass unser Schiller auch\nder Eure. Was er uns sang, sang er auch Euch.\"\nUnd ein donnernder Applaus besiegelte den Ausspruch.\nWas will man mehr?\nEin Bisschen Eifersucht konnte jedoch nicht unterlas-\nsen, dem grossen Meyerbeer neben dem grossen Schil-\nler einen Theil der Anziehungskraft zu dem Feste zu vin-\ndiciren. Vielleicht mit Recht. Freilich musste man auch\ndiesem in Paris eingebürgerten Tondichter seinen deut-\nschen Geburtsschein lassen. So hiess es denn unter Ande-\nrem: „Es war ein überaus glückliches Zusammentreffen,\ndass an demselben Tage, wo man in Paris den deutschen\nGenius feierte, der das Scepter der Dichlkunst führt, ein\nanderer Genius aus demselben Lande, der das Scepter der\nTonkunst in Händen hat, ihn hier begrüsste. Die Muse der\nHugenotten, Struensee's und des Propheten, die mit ihren\nKlängen den Dichter der Jungfrau von Orleans, den Ge-\nschichtschreiber des dreissigjährigen Krieges verherrlicht,\nkann man sich etwas Bewundernswürdigeres, Erhabeneres\ndenken? War das nicht der Mühe werth, gehört, geschaut\nzu werden?\"\nMeyerbeer hatte zwei Compositionen zu der Feier ge-\nliefert, den Festmarsch, womit sie eröffnet wurde, und\ndie Musik zu dem Festliede von Ludwig Pfau. Der\nMarsch war eigentlich für einen Festzug bestimmt, wurde\naber, da dieser nicht Statt fand, als Ouvertüre benutzt.\nDas ziemlich einfache Motiv beginnt und schwillt\ndann nach und nach zu rauschender Instrumentalpracht\nan. Ich kann nicht sagen, dass dieser verbrauchte Effect\ndem Beginn eines Huldigungsfestes, das von vorn herein\neinen triumphalen Aufschwung verlangt, angemessen gewe-\nsen sei. Dass das Ganze und namentlich der Schluss eine\nimposante Wirkung machte, versteht sich bei Meyerbeer's\nentschiedenem Talent für dergleichen Elfectstücke von\nselbst. Der Marsch wurde da verlangt und bei der\nWiederholung besser ausgeführt, als das erste Mal. Ob\nsich diese dem Componisten dargebrachte Huldigung zu\nAnfang des Festes für den Dichter ziemte oder nicht,\nund ob dabei die gewöhnlichen Mittel aus dem Parterre-\nCentrum mit im Spiel gewesen, weiss ich nicht."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "370", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591119-01.1.2", "texte": "Nach dem Marsch sprach ein Fräulein Rrüning (die\nTochter der Frau Rrüning-Schuselka?) den Prolog von\nL. Pfau. Diese fünf Strophen sind ein schwaches Product;\ngleich die erste hat des Reimes wegen den Schluss:\n„Und andachtathmend lauscht sie (die Menge) still und stiller\nEin Name schallt und füllt den Erdkreis: Schiller!\"\nder zu dem Vorhergehenden: „Die Menge wogt\" „Die\nFreude rauscht\" „Von Stadt zu Städten wandert Jubel-\nklang\" —sich wunderlich genug ausnimmt. Noch weniger\nkann man Stellen billigen, wie: „Der Aar, der immer\nstieg und nimmer fiel\" „Gestalten, strebend nach er-\nhab'nem Ziel\",\n„Dein Held erkämpft die höchste Würde Allen\nDer Purpur fällt, nun muss der Herzog fallen!\" (?!)\nund vollends:\n„Der Teil ist sichern Schwungs ans Land gesprungen\nDich aber hat die Todesflut verschlungen \"\nDie letzte Strophe ist eine hübsche Paraphrase der zwei\nSchlussverse von Göthe's bekanntem Epilog zur Glocke.\nKaum mehr Schwung hat das „Festlied\" von demsel-\nben Dichter, welches den Text der von Meyerbeer com-\nponirten Cantate bildet*). Die Composition ist für vier\nSolostimmen, Chor und Orchester geschrieben. Sie ist uns\nals ein Gemisch von populären Melodieen und geschraub-\nten Effectstellen erschienen. Die Solo-Partieen sind keines-\nwegs leicht; sie wurden von den Damen Rochkoltz-\nFalconi und Maria Cruvelli, den Herren Morini und\nSchlosser gesungen. Chor und Orchester waren brav,\nim Ganzen wohl an fünfhundert Personen, unter der ge-\nschickten Leitung von Pasdeloup, dem Dirigenten der\nSociete des jeunes artistes du Der Schluss-\nchor machte den meisten Eindruck auf die Versammlung,\ndie sich sonst ziemlich kalt zeigte.\nNach der Festrede von L. Kaiisch spielte das Or-\nchester C. M. von Weber's Ouvertüre zu Oberon recht\nbrav. Wie kam aber „Oberon\" auf ein Schiller-Pro-\ngramm? Kannten die Ordner des musicalischen Theils der\nFeier keine Ouvertüren zu Schiller'schen Dramen?\nMendelssohn's Festgesang „An die Künstler\" schien\ndem Publicum, namentlich dem französischen, nicht recht\nzu behagen. Er wurde durch fünf Sänger-Vereine ausge-\nführt: Liederkranz (Dir. Emant), Liedertafel (Wiesen),\nGermania (Hervvart), Teutonia (J. Offenbach) und Har-\nmonia (schweizerischer Verein, Dir. Riedel).\nHiernach las Bogumil Dawison, der gerade hier\nanwesend war, den dritten Act des Don Carlos. Er hatte\nihn so eingerichtet, dass die Scene des Königs mit Alba\nund Domingo bedeutend verkürzt, der Auftritt mit Marquis\nPosa aber fast ganz wiedergegeben wurde. Dawison las\nan einem Tische sitzend, und obwohl er in dem grossen\nRäume unmöglich überall vollständig verstanden werden\nkonnte, so lauschte doch Alles mit gespanntester Aufmerk-\nsamkeit seinen Worten. Dass sein Vortrag einen ausser-\nordentlichen Eindruck machte, der sich auch in dem rau-\nschendsten Reifall äusserte, brauche ich den Lesern in\nDeutschland, die das Glück haben, diesen grossen Künst-\nler den Ihrigen zu nennen und auf der Ruhne bewundern\nzu können, nicht erst zu versichern.\nDen Reschluss der Feier machte das Finale der\nneunten Sinfonie von Reethoven. Zum ersten Male\nhörte man in Paris eine Aufführung dieses Werkes nach\nso grossem Maassstabe; denn bekanntlich sind die Vocal-\nund Instrumental-Massen, welche es erfordert, hier sehr\nschwer zu vereinigen. Die ganze Sinfonie zu machen, hatte\nman nicht gewagt, und so war natürlich die Einleitung\nzum Finale ganz unverständlich. Man hätte nun freilich\nglauben sollen, dass die Neuheit der Sache, die Menge der\nMitwirkenden und das Grossartige der Ausführung das\nPublicum fesseln würde; aber nein! Es beharrte bei der\nhier gewöhnlichen Unart, die letzte Nummer eines musi-\ncalischen Festes als ein Lärmstück zu betrachten, das die\nZuhörer, wie der Organist die Leute aus der Kirche, nur\nhinaus zu spielen und in hergebrachter Weise das Ge-\nräusch der Weggehenden zu vertuschen habe. Die Unruhe\nim Circus wuchs mit jedem Tempo um so mehr, je mehr\nder Inhalt „Caviar für's Volk\" war, wie Shakespeare sagt.\nNach dieser neuen Erfahrung ist nun die Rede davon, die\nAufführung mit denselben Kräften zu wiederholen, aber\nzu Anfang eines Concertes. Ob es dazu kommen wird,\nglaube ich kaum. So viel scheint mir aber gewiss, dass\nauch dann das französische, und ich setze hinzu: das pari-\nser deutsche, Publicum im Grossen niemals Empfännglich-\nkeit und Verständniss für diese kolossale Composition zei-\ngen wird.\nMehr Einfluss auf den Geschmack an deutscher Poesie,\nja, sogar auf die französische Sprache, dürfte die neue\nUebersetzung von Schiller's Werken durch Ad. Regnier\nhaben, wenn es ihr gelingt, in weitere Kreise zu dringen.\n\n*) Wenn aber eine Correspondenz aus München in der Kölni-\nschen Zeitung vom 14. d. Mts., die ich so eben erhalte, sagt:\n„Bodenstedts Prolog war vortrefflich, obgleich Ludwig Pfau's\nFesll ied wohl von keinem Zweiten erreicht werden\ndürfte\", so ist das doch ein gar zu arges Freundschafts-\nstück gegenüber von Reimereien wie:\n„Wohl bist du uns geboren,\nGestorben bist du nicht:\nDu lebst so unverloren,\nWo deutsche Zunge spricht.\nHell brennt in deutschen Busen\nDein heilig Feuer noch\nDie liebste deiner Musen,\nDas war die Freiheit doch.\" (!)"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "371", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591119-01.1.3", "texte": "Regnier hat zum ersten Male es gewagt, dem Princip einer\nwörtlichen Uebersetzung zu huldigen; er liefert eine ge-\ntreue Uebersetzung, eine Sache, für welche die franzö-\nsische Sprache bis jetzt kaum ein Wort, geschweige denn\neinen factischen Beweis der Möglichkeit hatte, da die Fran-\nzosen im Allgemeinen kein Talent zum Uebersetzen haben\nund im gelungensten Falle nur Paraphrasen und Nachbil-\ndungen liefern. Regnier musste, um seinem Grundsatze treu\nzu bleiben, die Neuerung durchsetzen, Versmaass und\nReim abzuwerfen und seinen Landsleuten einen Dichter\nin Prosa zu geben. Noch mehr, er wagt sogar Wörter,\nRedensarten und Wortfügungen, die noch vor Kurzem\nnicht bloss das Wörterbuch der Akademie, sondern ganz\nParis als Germanismen verpönt haben würde. Man ver-\ngleiche im dritten Acte des Don Carlos z. B.:\nOh! Pendant un seid baktement\nscience!— (Posa.) Je jouis\ndroit qu'a aussi le meurtrier.—-\npas, Sire, pour repandre ce\npez ä votre coin; je dois me re\nnaie. U. s. w.\nDer Anfang der Ode d la Joie lautet:\nJoie, divine etincelle,\nFille aimable de l'Eiysee,\nNous entrons, enivres de tes feux,\nCeleste genie, dans ton sanetuaire.\nTes charmes rdunissent\nCe qu'a le rigoureux usage;\nTous les hommes deviennent freres,\nLk ou s'arrete ton doux vol.\nUnd die Stelle: „Ihr stürzt nieder, Millionen\" u. s. w.:\nYous vous prosternez, millions d'^tres?\nMonde, pressens-tu le cr^ateur?\nCherche-le au dessus de la tente\nC'est par delk les 6toiles qu'il doit habiter.\nParis, 16. November 1859.\n\nB. P.\n\nDer Musik-Verlag von Rieter-Biedermann in\nWinterthur.\n\nWer kennt nicht die alten Klagen der Künstler, dass\ndie Musik-Verleger auf gewissenlose Weise durch Ueber-\nschwemmung des Marktes mit schlechten Compositionen\nden Geschmack des Publicums im Gebiete eben der Kunst,\nwelcher sie ihr Brod verdanken, zu Grunde richten hel-\nfen!?—Wie oft haben wir nicht andererseits die Vertei-\ndigung der Musikhändler hören müssen, dass sie fast gar\nkeine guten Werke verlegen könnten, wenn die schlech-\nten sie nicht durchschleppten!\nWohlan, es hat ein wackerer Mann, Herr Rieter-\nßjedermann in Winterthur, den Entschluss gefasst,\ndem Publicum und seinen Collegen, den Herren Verlegern,\nzu zeigen, dass ein Geschäft auch ohne Verbreitung schlech-\nter Musik bestehen könne. Er hat seinen Verlag im Mai\n1856 eröffnet und festgestellt, dass in demselben nur Mu-\nsik von guter Geschmacksrichtung erscheinen solle.\nEr hat sich dem gemäss an die besten deutschen Com-\nponisten gewandt und zunächst von F. Hiller und Franz\nLachner schöne und dankbare Werke verlegt. Hier ist\nvorzüglich F. Hille r's Christ nacht, Cantate für Chor\nund Solostimmen mit Pianoforte-Begleitung, zu nennen,\nwelche wohl bald das Repertoire sämmtlicher Vereine für\nChorgesang in. Deutschland bereichern wird.\nAuch Heinrich Marse hner hat Herrn Rieter einige\nWerke für Singstimmen mit Clavier-Begleitung, Op. 188,\n189 und 190 überlassen. Dieselben werden bald erschei-\nnen und dem Verlage zu besonderer Zierde gereichen. Wir\nmachen schon jetzt alle Sänger und Sängerinnen darauf\naufmerksam; die letzteren werden namentlich durch Ter-\nzetten für Frauenstimmen erfreut werden.\nAus Robert Schumann's Nachlass sind einige be-\ndeutende Werke dort erschienen, so die Balladen vom\nPagen und der Königstochter und vom Glücke\nvon Edenhall, ferner die Jagdlieder für Männerchor\nmit Begleitung von vier Hörnern u. s. w.\nDass Herr Rieter auch einmal einen Fehlgriff that und\nBerlioz' Sommernächte verlegte, verzeihen wir ihm\nnach dem Gesagten gern; kann man ihm doch nicht nach-\nsagen, dass er Berlioz' Opus des grossen Gewinns wegen\nverlegt habe!\nBesonders reichhaltig ist der Verlag an vortrefflichen\ndidaktischen Werken, sowohl für Gesang als Ciavier. Das\nGesangs-ABC von Panofka und die darauf folgenden\n24 Vocalisen, Op. 85, desselben Lehrers sind nicht ge-\nnug zu rühmen. Die instruetiven Ciaviersachen von Köh-\nler, Krausse und Krause sind schon so verbreitet, dass\nsie keiner weiteren Empfehlung bedürfen.\nVerdiente der Musik-Verlag des Herrn Rieter-Bieder-\nmann schon wegen des Princips, das der Verleger aufrecht\nerhält, besondere Berücksichtigung und Empfehlung aller\nMusiker, so ist die jüngere Generation der Künstler ihm\nnoch specielleren Dank dafür schuldig, dass er sich ihrer\nfreundlich annimmt und eine Reihe von W erken streben-\nder Kräfte, als: Grädener, Grimm, Dietrich, Kirch-\nner, Heuchemer, Reinecke, Steuer und Wüllner\nverlegt hat.\nWünschen wir Herrn Rieter alles Glück zu seinem\nverdienstlichen Unternehmen und unterstützen wir dasselbe\nnach Kräften, damit es ihm gelinge, den Beweis zu füll-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "372", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591119-01.1.4", "texte": "Ren, den er führen wollte, dass das Solide in der Musik\nnoch Freunde genug habe, um sich vom Schlechten und\nGemeinen gänzlich scheiden zu können.\n\nN\n\nAus Hamburg.\ns\n[Die Hamburg-Altonaer Oper Karl Form es.]\nWenn ich in der Mitte des November meine Berichte\nüber die Hamburg-Altonaer Oper unter der Direction des\nDr. Wollheim da Fonseca mit dem bereits im October be-\nendigten Gastspiel des berühmten Bassisten Karl Formes\nbeginne, so darf Sie das nicht befremden. Das Gastspiel\ndes Herrn Formes im Jahre 1859 muss allerdings für\ndie Hamburg-Altonaer Oper als ein Ereigniss betrachtet\nwerden, indem es nicht nur geeignet war, die Vorzüge\nund Schwächen des Instituts in das hellste Licht zu setzen,\nso dass sich jeder Unbefangene selber ein richtiges Urtheil\nzu bilden vermag, sondern auch, weil Hamburg die erste\ngrosse Stadt war, in der Formes seit seiner Bückkehr\nnach Europa überhaupt als dramatischer Sänger wieder\nauftrat.\nWenn ich diese nicht endende Jeremiade aus Wien,\nI\nBerlin, München, Prag, Dresden u. s. w. über den grossen\nMangel an brauchbaren Sängern und Sängerinnen lese,\nwenn ich es lese, wie namentlich in Wien seit nun fast\neinem Jahre die Direction der k. k. Hofoper mit allen mög-\nlichen und unmöglichen Tenoristen verzweiflungsvoll expe-\nrimentirt, ohne bis dato unter Allen nur Einen gefunden\nzu haben, der den Ansprüchen, welche man an einen gu-\nten Primo-Tenor zu stellen das Becht hat, genügte,\nmuss ich mich wirklich verwundern, wie es Herrn Dr.\nWollheim möglich war, noch ein Opern-Ensemble, wie es\nHamburg-Altona zur Zeit „sein\" nennt, zusammen zu brin-\ngen, zumal es nicht in Abrede gestellt werden kann, dass\ndie Erkenntniss dessen, was seinem Institute und der Kunst\nfrommt, ihm oft gar sehr zu mangeln scheint, denn eine\nSängerin wie Frau Bonn-Bartels, einen Bariton wie Herrn\nLudwig, einen Bassisten wie Herrn Hermann U. gehen zu\nlassen, ohne für genügenden Ersatz gerade beim Beginn\nder Wintcr'Saison gesorgt zu haben,—das wird Manchem\nwirklich ein wenig unglaublich klingen, ist aber Thatsache.\nKarl Formes musste dies auf empfindliche Weise gelegent-\nlich seines letzten Gastspiels erfahren.\nFrau Jagels-Both, unsere jetzige Prima-Donna, ist\nallerdings eine ausgezeichnete Sängerin; ihre vortreffliche\nSchule, ihre kräftige und zugleich sympathische Stimme\nmachten sie in kurzer Zeit zu einem erklärten Liebling des\nPublicums. Allein die Künstlerin scheint sich nun einmal\nmit unserem stimmmörderischen Klima nicht befreunden\nzu können; sie erschien in letzter Zeit, so oft sie auftrat,\nbedeutend angegriffen, und noch öfter war es ihr geradezu\nunmöglich, aufzutreten, so dass dieserhalb die erste pro-\njectirte und angekündigte Vorstellung des Bobert mit Karl\nFormes als Gast ausfallen und das Haus den Abend ge-\nschlossen bleiben musste, wofür der arme Dr. Wollheim\nvon dem Hoch- und Wohl weisen hamburger Magistrat in\neine Brüche von 20 Thlrn. Preussisch Courant genommen\nwurde.\nSo ging es fort. So oft Karl Formes in Hamburg sin-\ngen wollte, wurde Frau Jagels-Both unpässlich, die Fräu-\nlein Steger und Weber, so wie die Frauen Simon-Bomani\nund Schröder mussten aushelfen, so gut es eben ging. Um\ndie Aufführung der Zauberüöte zu ermöglichen, musste\ndie Soubrette Frau Seiler-Blumenthal (allerdings eine in\nmusicalischer Hinsicht hochgebildete Dame) den Part der\nKönigin der Nacht übernehmen. Figaro's Hochzeit wurde\n(da Fräul. Elise Schmidt damals noch nicht angelangt war)\neine Unmöglichkeit. Was Formes trotzdem, von unserem\nwackeren Tenor Karl Wild als Bobert, Baoul, Eleazar\nund Ottavio, so wie den Herren Ilahnemann, Zottmeyer,\nFeuerstacke, Löwe, Kaps und Zellmann in ausgezeichneter\nWeise unterstützt, in Partieen wie Bertram, Sarastro, Le-\nporello, Cardinal, Fallstaff, Marcel leistete, darüber waren\ndie Stimmen aller Kunstverständigen in Hamburg einig.\nAltona musste darauf verzichten, für diesmal den gefeier-\nten Sänger als Gast zu begrüssen. Dagegen gastirte er\ndrei Mal in Kiel als Figaro, Leporello und Marcel unter\nungeheurem Beifall und bei überfüllten Häusern.\nDie Vorbereitungen zu Meyerbeer's „Dinorah\",\ndem „Sommernachtstraum\" von Thomas und, wie es\nheisst, auch der neuen Oper des Herzogs von Gotha\nmachten die Aufführungen anderer Neuigkeiten vorerst\nunmöglich. In der Favoritin und in Johann von Paris fei-\nerte Wild wieder den vollständigsten Triumph über eine\ngewisse Beferenten-Coterie, welche sich wider den Künst-\nler verschworen, weil er ihr feiles Lob nicht bezahlen will.\nHamburg weiss, was es von den Kritiken der Herren,\nwelche hier das grosse Wort führen, zu halten hat, und\nfreut sich, so oft es Gelegenheit findet, seinen Liebling\nWild durch Beifall auszuzeichnen.\n\nSchiller und Liszt.\n\nTerpander hat in Nr. 46 Ihres geschätzten Blattes so\ntiefe Blicke in die künstlerischen Intentionen des Mei-\nsters Liszt thun lassen, dass wir ihm nicht genugsam dan-\nken können. Auch die Proben von Declamation aus dem\nWerke des Componisten mit der „enormen Gestal-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "373", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591119-01.1.5", "texte": "fungskraft\" sind vortrefflich. Doch erreichen sie noch\nnicht die Kühnheit, mit welcher Liszt die deutsche Sprache\nin einem Festgesange zur Schiller-Feier in Weimar, ver-\nöffentlicht in dem Beiblatt zu Nr. 854 der Ulustrirten Zei-\ntung, bezwungen, ja, überwältigt hat. Wir führen in Be-\nzug hierauf nur den Anfang des Meisterwerkes an, welcher\nalso lautet:\nund versichern, dass die Fortsetzung dieses Anfangs durch-\naus würdig ist, ja, denselben sogar hier und da übertrifft.\nDas Festlied ist nach Herrn Liszt's Angabe im Volks-\ntone geschrieben; man betrachte die folgenden Stellen\naus demselben:\nErstens :\nund Zweitens:\nDas Drittens und Viertens erlässt uns der Leser gewiss gern.\nWir haben allerdings noch keine Gelegenheit gehabt,\nin Weimar Volksgesang zu hören. Sollte wirklich das Volk\ndort durch den Einfluss des Meisters und seiner Lehrlinge\nnach und nach so haben singen lernen, oder ist hier, wie\nso oft, unter dem Worte „Volk\" jenes ideale Volk, das\ngeschlossene Häuilein, zu verstehen, das auch auswärts,\nwenn Enthusiasmus des Publicums, Volksjubel repräsentirt\nwerden soll, ins Treffen geführt wird? Man denke an\nKarlsruhe, Leipzig, Berlin und andere Orte. Dass die\nBrendel'sche Zeitung im Angesichte eines Machwerkes wie\ndas oben angeführte es wagen kann, zu sagen, dass die\nAehnlichkeit zwischen Schiller und Liszt von\nTag zu Tag mehr hervortrete, ist eine wahre Schmach für\nden deutschen Dichter. Aehnlichkeit zwischen Schiller,\ndem Meister der Form, der bei höchster geistiger Frei-\nheit in der Kunst wie im Leben den heiligen Ernst, die\nReinheit, den keuschen Sinn der Sitte und Zucht reprä-\nsentirt, und Liszt, dem Geiste, der stets verneint, dem\nKämpen für die Zersprengung jeder Form, für die Fessel-\nlosigkeit und doch genug! Hörst du's, deutsches Volk?\nUnd die das schreiben, haben die Anmaassung, sich\nJünger einer neudeutschen Schule zu nennen, und ein\nHalb-Magyare und Halb-Franzmann ist ihr Meister. Diese\nJünger vermeinen, sie brauchen nur einen rechten Kory-\nbantenlärm zu verführen, um uns glauben zu machen, da-\nhinter stecke ein Gott! Das loben jener Schar, die eine\nwohlorganisirte Assecuranz-Gesellschaft zu gegenseitiger\nLobhudelei bildet, wird aber verhallen. Stehe jeder von\nuns Musikern nur fest zu seinem Heiligsten! Erhalten wir\nuns und den Unseren Geist und Sinne frisch an dem har-\nmonisch Schönen, an den vielen kostbaren Gaben, die\nuns unsere Hochmeister hinterlassen. Blicken wir dabei\nruhig und siegesgewiss in die Zukunft. Das deutsche Volk\nwird niemals im Volkstone Liszt's singen.\n*) Preciosa-Marsch!\n\nSCRIPSI.\n\nZweites Gesellschafts-Concert in Köln\nIm Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferd. Hiller.\nDonnerstag, 10. November 1859.\n(Sehluss. S. Nr. 46 )\nWie das Programm in voriger Nummer zeigt, standen sämmtliche\nMusikstücke, die zur Aufführung kamen, in Verhältniss zu Sehil-\nler'schen Poesieen.\nRobert Schumann's Ouvertüre zur „Braut von Messina\",\neine Composition, die wir unbedingt zu den bedeutendsten Orchester-\nwerken der neueren Zeit rechnen, wurde vortrefflich ausgeführt. Sie\ndürfte wohl das erste We,rk von Schumann sein, das hier mit leb-\nhaftem Beifall aufgenommen worden ist.\nF. Hill er hatte zwei Gesänge von F. Schubert für eine\nStimme mit Ciavierbegleitung für das Orchester in sehr ansprechen-\nder Weise instrumentirt: .,Des Mädchens Klage\" (für Alt) und „Die\nErwartung\" (für Tenor). Namentlich das letztere Lied dürfte in die-\nser Gestalt für Tenoristen ein willkommenes Concertstück sein. Fräul.\nFrancisca Schreck sang das erstere mit ausserordentlichem,\nwohlverdientem Beifall; ihr Vortrag hat an Ausdruck und Wärme"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "374", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591119-01.1.6", "texte": "in der letzten Zeit sehr gewonnen. Herr Wolters trug „Die Er-\nwartung'4 vor und ärntete ebenfalls Beifall.\nDie Fest-Cantate von F. Hill er (s. den Text in Nr. 4G) ist\nein Werk von sieben bis acht Nuramern, das sich, abgesehen von\nseiner ursprünglichen Bestimmung, sehr wohl für Concert-Aufführung\neignet, zumal da wir an Gesangstücken mit Orchester von kleinerem\nUmfange nicht eben reich sind Die Besetzung erfordert ein Solo-\nf\nQuartett, von welchem der Sopran am meisten beschäftigt, aber nicht\nschwierig auszuführen ist. Die Composition spricht im Allgemeinen\ndurch melodische Vorzüge an und enthält besonders in der ersten\nHälfte des Werkes und am Schlüsse schöne Sätze. Es war schade,\ndass das Solo-Quartett in der Mitte der Cantate durch die gar zu\ngrelle Verschiedenheit des Klanges der vier ausführenden Stimmen\nnicht zu voller Geltung kam; freilich ist der Schluss desselben nicht\nsehr ins Ohr fallend und desshalb schwierig auszuführen.\nDie Aufführung von Beethoven's neunter Sinfonie zeigte\neinmal wieder die musicalische Sicherheit, die Stimmenfrische und\ndie Gesangfreudigkeit des Chors der Concert-Gesellschaft in glän-\nzendem Lichte; Denn wahrlich, der gründlichen Einübung, wozu we-\nnig Zeit war, war die treffliche Ausführung der schwierigen Chöre\nnicht zu verdanken, sondern der musicalischen Bildung der Mitwir-\nkenden und dem geistigen Leben, das sie beseelt, so oft es gilt, die\ngrossen Werke unserer Hochmeister zur Geltung zu bringen. Zu\nbedauern war es, dass das Solo-Quartett, wie schon angedeutet, nicht\ngeeignet war, seine Aufgabe auch' nur einiger Maassen genügend zu\nlösen; man hörte fast nur den Alt und zuweilen den Bass in klang-\nvollen Tönen, der Sopran war zwar recht schön rein, aber viel zu\nschwach und nur in den höchsten Tönen klingend; der Tenor er-\nreichte durch zu grosse Anstrengung das Gegentheil von dem, was\ner beabsichtigte. Das Orchester war sehr brav; das Adagio wurde\nbesonders schön ausgeführt.\nZur Schiller-Feier am folgenden Tage (11. November) war\nebenfalls auf dem Gürzenich eine declamatorisch-musicalische Aka-\ndemie veranstaltet Nach einem trefflichen Prolog von Gustav\nPfarrius und der Bekränzung von Schiller's Büste ertönte*Men-\ndelssohn's „An die Künstler\", vorgetragen vom kölner Männerge-\nsang-Verein; Hill er begleitete die Declamation der „Bürgschaft\"\ndurch Wolfgang Müller mit vortrefflicher Improvisation auf dem\nFlügel; Herr A. Pütz trug „Die Sehnsucht\", Composition für Tenor\nund Orchester von A. Romberg, sehr schön vor, und die zweite\nAbtheilung füllte eine sehr beifällig aufgenommene Aufführung der\n„Glocke\", ebenfalls von A. Romberg, unter Leitung des k. Mu-\nsik-Directors Franz Weber. Die Soli wurden von Dilettanten\nrecht befriedigend gesungen.\nIm Theater erregte die (wiederholte) Aufführung eines von Dr.\nBernays in Bonn gedichteten Festspiels, das die Erscheinung\n„Des Mädchens aus der Fremde\" auf sehr sinnige Weise mit dem\nAuftreten der Hauptgestalten aus Schiller's Dramen vereinigt und\nsich durch Inhalt und Form sehr empfiehlt, grossen Enthusiasmus.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMolsi. Zu L. Spohr's Andenken wurde am Samstag den 12.\nNovember in der musicalischen Gesellschaft seine Sinfonie\n„Die Weihe der Töne\" aufgeführt. Alsdann spielte Herr Otto\nvoll Königslöw ein Violin-Concert von Spohr mit bekannter Mei-\nsterschaft, und zum Schlüsse wurde die Ouvertüre zur Oper Jes-\nsonda gemacht.\nDinstag den 15. d. Mts. haben die Soireen für Kammer-\nmusik im Saale des Hotel Disch wieder begonnen Herr Capell-\nmeister F. Hiller, Herr F. Breunung und Herr Bargiel wer-\nden das Pianoforte vertreten, die Herren Concertmeister Gr un wald\nund von Königslöw, Derckum, B. Breuer das Geigen-Quar-\ntett bilden, im Quintett die Herren Peters (Bratsche) oder Hoecke\n(Violoncell) hinzutreten. Die erste Soiree brachte ein Geigen-\nQuartett in B-dnr (kurz und anmuthig) von J. Haydn, eine So-\nnate für Ciavier und Violine von J. S. Bach, Nr. 2, A-dur (Hiller\nund von Königslöw), das Geigen-Quintett in L-dur von Franz\nSchubert (mit zwei Violoncells Breuer und Hoecke) und die\nSerenade für Pianoforte, Violine und Violoncell von F. Hiller\n(Hiller, Königslöw, Breuer).\nDie Sonate von Bach, obwohl für den Musiker, wie Alles von\ndem alten Meister, sehr interessant, schien das Publicum eben nicht\nanzusprechen und aufrichtig gesagt: wir können es desshalb nicht\nder Gleichgültigkeit gegen die Tonkunst anklagen. Die Kunstfreunde,\ndie sich zu Soireen für Kammermusik abonniren, kennen den Reich-\nthum an neuerer, ihrer Gefühlsweise weit mehr entsprechender Musik\ndieser Gattung; sie wissen auch, dass in den Sonaten von\nMozart und vollends von Beethoven für Ciavier und Violine wahre\nSchätze liegen, und diese wünschen sie gern dann und wann von\ngrossen Künstlern gehoben zu sehen, um sie recht in ihrem Glänze\nzu schauen. Den gegenwärtigen Modeton, nur die älteste und dane-\nben die allerneueste (eine grauenhafte Zusammenstellung!) Musik\nvorzuführen und die ganze Periode von Haydn bis Mendelssohn ein-\nschliesslich, etwa mit Ausnahme einiger letzten Werke Beethoven's,\nzu überspringen und zu perhorresciren, wollen wir den Zukünftlern\nüberlassen.\nWie manche herrliche Compositionen jene classische Periode ent-\nhält, die noch so gut wie gar nicht gekannt sind, zeigte uns der\nVortrag des Quintetts in C-dur von F. Schubert. Jeder Satz\nwurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen, wozu die gute Ausfüh-\nrung allerdings ebenfalls beitrug, am meisten aber der Inhalt, der\nnamentlich im ersten Satze, im Adagio und in dem Trio des Scherzo\neine geniale Erfindung der Motive und melodischen Stellen zeigt und\nmit charakteristischer Eigentümlichkeit einen so farbigen Schmelz\ndes Ausdrucks verbindet, dass man gleich beim ersten Hören davon\neingenommen wird, zumal da der reine harmonische Fluss uns klar\nund ruhig ohne Gefahr für das Ohr und für die Nerven ans Ziel\nträgt.\nDie Trio-Serenade von F. Hill er schloss die Soiree. Wenn\ndie drei ersten Sätze: das Allegro alla Marcia, ein Scherzando und\nein Tempo di Menuelto, die in einander übergehen, durch ihre geist-\nreiche Behandlung interessiren, so fesselt das Andante in Form eines\nGhasels durch die kunstvollen und doch ganz einfach erscheinenden\nTongewinde des Pianoforte, die sich um die stets wiederkehrenden\nmelodischen Refrains der beiden Streich-Instrumente ranken, und das\nreizende Intermezzo führt uns zu dem üppig sprudelnden Quell der\nTarantella, der uns in schäumendem Wirbel mit sich fortreisst. Es\ngehört aber Hiller's gediegene Technik und sein wunderbar elasti-\nscher Anschlag dazu, um diesen Satz so meisterhaft vorzutragen,\nwie wir ihn hörten.\nDer Pianist Herr Louis Brassin, der sich im SpätsommeT bei\neinem Kunstfreunde auf dem Lande bei Köln eine Zeit lang aufge-\nhalten, hat diese Villeggiatur hauptsächlich zum Componiren benutzt.\nAusser einigen Salonstücken hat er eine Reihe von Etüden für\ndas Pianoforte geschrieben, welche wir unbedingt neben die\nWerke der ersten Meister in dieser Gattung stellen. Sie werden\nbinnen Kurzem bei Schott und Söhne in Mainz erscheinen. Herr"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "375", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591119-01.1.7", "texte": "Brassin ist von hier über Brüssel nach Paris gegangen, wo ihm seine\nausgezeichnete Virtuosität sehr bald einen Namen machen wird.\nIm Fest-Concert des , allgemeinen Musik-Vereins\"\nam 11. November wurden unter Leitung des Herrn Musik-Directors\nFiedler aufgeführt Beethoven's Sinfonia eroica, Ouvertüre zu Teil\nvon Eossini, „Der Gang nach dem Eisenhammer\" mit Musik von\nB. A. Weber ,>Die Macht des Gesanges\", Cantate von A. Homberg.\nAus Iserlohn. Unsere diesjährigen Winter-Concerte im Saale\nder Gesellschaft Harmonie versprechen nach dem am 23. October\nStatt gehabten ersten Concerte besonders erfreulich zu werden. Herr\nMusik-Director V. A. Loos, der seine Studien unter Reissiger ge-\nmacht hat, unternahm die bei den beschränkten Kräften einer klei-\nnen Stadt immerhin schwierige Aufgabe, die fünfte Sinfonie von Beet-\nhoven aufzuführen. Das Orchester war ein zusammen geblasenes aus\nverschiedenen Capellen; dennoch liess die Ausführung der freilich\nden Musikern bekannten Sinfonie wenig zu wünschen übrig, wenn\nman nicht gerade die höchsten Anforderungen stellte. Herr Loos\nspielte noch Beethoven's Sonate Op. 57 und gab uns eine freie Phan-\ntasie über ein beliebtes Thema. Zwei so ernste und gewaltige Werke\nvon Beethoven an Einem Abende aufzuführen, war sicher ein Wag-\nniss unserem noch weniger in solche Tiefen eingeweihten Publicum\ngegenüber, aber es freut uns, sagen zu können, dass das dem Audi-\ntorium gegebene Vertrauens-Votum begeistert und dankbar erwidert\nwurde. In der freien Phantasie entwickelte Herr Loos eine überra-\nschende Improvisationsgabe, die wir noch in höherem Maasse in sei-\nner Begleitung des Liedes von der Glocko bei Gelegenheit der\nSchiller-Feier wahrgenommen Viele der ergreifendsten Momente des\nGedichtes waren höchst charakteristisch behandelt. K.\nHerl Ml* Nachdem die Perseverantia, Alter-Versorgungs-\nAnstalt für deutsche Theater-Mitglieder, auf Grund des §. 59 ihres\nStatuts die Vermittlung von Engagements und Gastspielen, so wie\nden Debit von Bühnenstücken zu übernehmen sich entschlossen hat,\nist das Geschäfts-Bureau des deutschen Bühnen-Vereins nunmehr an\ndas Bureau der Perseverantia übergegangen, in Folge der früheren\nBeschlüsse, welche von den Mitgliedern des engeren Bühnen-Vereins,\nso wie von dem Verwaltungsrathe der Perseverantia gefasst worden.\nDer bisherige Vertrag der Perseverantia mit dem Theater-Agenten\nHerrn A. Heinrich ist aufgelöst, und da dieser aus Gesundheits-\nRücksichten von seinen Geschäften überhaupt zurücktritt, so ist\ngleichzeitig die fernere Herausgabe des „Deutschen Bühnen-Alma-\nnachs\" auf die Direction der Perseverantia übergegangen. Das seit\ndreiundzwanzig Jahren eingebürgerte Bühnen-Handbuch erscheint so-\nnach von Neujahr an zum Besten der Perseverantia und wird in\nseinem artistisch-literarischen Thcile von Herrn Louis Schneider re-\ndigirt. Das officielle Blatt des Bühnen-Vereins, das „Theater-Archiv\",\nbleibt unter der bisherigen Redaction von F. Adami und dient mit\nGenehmigung der Staatsbehörde zugleich als officieller Anzeiger der\nPerseverantia. Zur Leitung des Bureaux ist der Verwaltungs-Director\nder Perseverantia, Herr Wentzel, statutarisch verpflichtet, unter des-\nsen Controle der bisherige Vorstand des Geschäfts-Bureau's des Büh-\nnen-Vereins, Herr Lichterfeld, die speciellen Geschäfte führt. Nach\nden Mittheilungen des nunmehr an die Perseverantia übergegangenen\nBühnen-Vereins-Bureau's hat dasselbe seit seiner Eröffnung am 16,\nSeptember v. J. siebenzig Engagements abgeschlossen, die in runder\nZahl eine Gage von 20,000 Thlrn. repräsentiren, so dass den Thea-\nter-Agenten, welche fünf Procent nehmen, die Summe von 1000 Thlrn.\nzugeflossen sein würde. Die Geschäfte werden vom 1. October an\nnach Maassgabe des Perseverantia-Statuts betrieben, unter Ober-Auf-\nsicht des General-Directors der Anstalt und ihres Verwaltungsrathes.\nDie Mitglieder des engeren Bühnen-Vereins übernehmen erneut die\nVerpflichtung, sich zur Vermittlung von Engagements, Gastspielen\nu. s. w. ausschliesslich des Bureau's der Perseverantia und keiner\nPrivat-Agentur zu bedienen. Die Gebühren-Erträge kommen, nach\nAbzug der Verwaltungskosten, der Perseverantia zu Gut und werden,\nwie es in der Bekanntmachung heisst, hoffentlich mit der Zeit für\ndie dem gesammten Stande gewidmete Anstalt einen reichen Ertrag\ngewähren. — Bei der sich immer dringender herausstellenden Not-\nwendigkeit künstlerischer und wissenschaftlicher Vorbildung der\nSchauspieler ist auch die Gründung einer Akademie der Schau-\nspielkunst durch den Urheber der Perseverantia, L. Schneider,\nund den General-Director der Anstalt, General-Tntendanten v. Hülsen,\nfür die Folge in Aussicht genommen. Bei dem gedeihlichen Fort-\ngange, dessen sich die Perseverantia erfreut7 steht zu erwarten, dass\nauch dei 1 lan einei J heaterschule sich seiner Zeit fruchtbringend\nverwirklichen werde. (D. Theater-Archiv.)\nSc hiller-Feier in Wiesbaden, Am 9. November fand im\nTheater eine Vorfeier Statt, die folgendes Programm hatte: ]) Ouver-\ntüre zu „Titus\" von Mozart; 2) Wallenstein's Lager; *3) Der Gang\nnach dem Eisenhammer, vorgetragen von Herrn Regisseur Ulram\nmit melodramatischer Begleitung von B. Weber; 4) Sieben Tableaux\nnach Werken von Schiller, arrangirt von Herrn Prof. Jacobi; 5\nApotheose Schillert. Das Haus war festlich geschmückt, das Publi-\ncum in eben so festlicher Stimmung als Erscheinung. Dass der gan-\nzen Feier ein Prolog voranging, versteht sich von selbst. Derselbe\nwar von G. Freudenberg gedichtet und wurde mit Begeisterung von\nFiau !Raff-Genast gesprochen. Nach der Theater-Vorstellung beweg-\nten sich vom Theaterplatze gegen loOO Fackeln, von verschiedenen\nCorporationen und Bürgern getragen, nach dem Friedrichsplatze, wo\neine Schiller-Linde gepflanzt wurde. Kirche und Schloss wurden bei\nVorübergang des Festzuges erleuchtet. Die Schiller-Linde steht jetzt\nauf dem Schiller-Platze; so will es der Herzog. — Am 10. Novem-\nber war Morgens die Stadt beflaggt, viele Häuser waren geschmückt,\ndie Buchhandlungen hatten ihre Schaufenster zu Schiller-Altären um-\ngeschaffen, die Stadt und die Menschen darin hatten ein festtägliches\nAnsehen. In allen Schulen waren Festlichkeiten veranstaltet und\nNachmittags fand im grossen Saale des Curhauses ein Fest-Concert\nStatt unter Leitung des Herrn Capellmeisters Hagen und unter Mit-\nwirkung des Cäcilien- und- des Männer-Gesangvereins, so wie der\nDamen Fräul. L. Tipka und Frä.ul. A. Schönchen und der Pierren\nSchneider und Simon, Mitglieder der Bühne, so wie des Theater-\nOrchesters. Nach einer Fest-Ouverture von Beethoven sprach Herr\nProfessor Spiess eine Festrede, eine musterhafte Arbeit, nur ein wTe-\nnig lang. Dann folgte Mendelssohn's „Festgesang\" und die neunte\nSinfonie von Beethoven. Am Abende fand in denselben Käumen ein\nBanket Statt, bei welchem für darbende deutsche Brüder in Schles-\nwig-Holstein 218 Fl. gesammelt und übersandt worden sind. Am\n11, November hatten wir zum Besten der Schiller-Stiftung „Wallen-\nstein's Tod\". Das Haus war weniger gefüllt, als am Abende des 9.\nNovember. Herr Kathmann sprach einen von Herrn Chr. IIöppl ge-\ndichteten Epilog, der mit grossem Beifall aufgenommen wurde. Am\nSamstag den 12. November war im Curhause ein Ball, dessen Er-\ntrag ebenfalls für die Schiller-Stiftung bestimmt wurde. Sonntag den\n13. wurde die Vorstellung vom Abend des 9. November wiederholt\nund das Haus ganz ausverkauft. Am 17. wird diese Vorstellung\nnochmals wiederholt werden. W. W.\nHerr Capellmeister Julius Rietz ist bei Anlass\nder Schiller-Feier von der philosophischen Facultät zum Doctor\nernannt worden"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "376", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591119-01.1.8", "texte": "** Augsburg'« Unsere Oper hat diesen Winter durch das\nEngagement der jugendlichen Sängerin Fräul. Auguste Brenken\neinen erfreulichen Aufschwung bekommen. Ihre Leistungen als El-\nvira im Don Juan, Agathe im Freischütz, Gabriele im Nachtlager\nvon Granada, Irma im Maurer, Königin in den Hugenotten, Amine\nin der Nachtwandlerin haben ihr sehr bald die volle Gunst des Pu-\nblicums erworben. Die schöne Frische und Fülle ihrer umfangrei-\nchen Stimme, die treffliche Schule und die daraus hervorgegangene,\nbei einer so voluminösen Stimme seltene Coloraturfertigkeit sind\nglänzende Eigenschaften, die der jungen Künstlerin auch auf der\nBühne die Erfolge sichern* die sie im nördlichen Deutschland und\nam Rheine im Concertsaale schon so oft errungen hat.\nJÄew-lTorl*. Mr. Strakosch hat folgendes Contingent von\nEuropa zu uns herübergebracht: Stigelli (den Componisten des\nbekannten Liedes ~Die schönsten Augen\"). Signor Beaucarde und\nSignor Testa (Tenöre), Signor Ferri (Bariton), die Signora's Spe-\nranza und Crescimano (Soprane) und Signora Maria Cru-\nvelli (Alt). Wie sich die verschiedenen neuen Grössen zeigen wer-\nden, kann heute noch nicht gesagt werden; so v viel scheint uns\njedoch gewiss, dass wir nicht zu viel erwarten dürfen.\nMilwailkee, 10. October. Das neueste Werk Sobolewski's,\n~Mohega, die Blume des Waldes\", unter des Componisten eigener\nLeitung und von den besten Kräften des Musik-Vereins mit gröss-\ntem Fleisse einstudirt, soll am 11. d Mts. hier aufgeführt werden.\nDie einfache Handlung, eine Seene aus dem americanischen Befrei\nungskriege darstellend, besteht aus einer Reihe von spannenden Si-\ntuationen, welche, bühnengerecht ausgearbeitet, die effektvolle Musik\nwesentlich unterstützen. Ueber das Wirken des Musik-Vereins als\nsolchen kann ich Ihnen leider nichts Erfreuliches mittheilen Der\nhohe Schwung, den derselbe eine Zeit lang genortimen, ist erlahmt,\nund er schleppt sich jetzt nur noch mühsam an der Erde hin. Schon\nim verflossenen Jahre war in allen Productionen (die Schöpfung aus-\ngenommen) eine beklagenswerthe Schlaffheit ersichtlich, die theils\nden missiichen financiellen Verhältnissen,, anderenteils der Lauheit\nder ausübenden Mitglieder und endlich der Nachlässigkeit des bis\ndahin so eifrigen Directors zugeschrieben wurde. Da erschien als\nRetter in der Noth der rühmlichst bekannte Componist E. Sobo-\nmit seiner Tochter, einer gebildeten Sängerin, und flosste den\nVerzweifelnden neuen Muth ein; durch seine Anwesenheit konnte\nder schlummernde Kunstsinn neu angefacht werden und reges Leben\nan die Stelle der herrschenden Apathie treten. Sobolewski, der hie-\nher gekommen war, um in ländlicher Abgeschiedenheit seine ameri-\ncanische Oper auszuarbeiten, fühlte sich bei dem freundlichen Ent-\ngegenkommen der hiesigen Kunstfreunde bald heimisch und fasste\ndie Idee, mit den vorhandenen Kräften seine Oper hier aufzuführen.\nUeber die Composition spricht sich die Zeitschrift „Atlas\" unter\nAnderem aus, wie folgt: Die Oper enthält sehr schöne Motive und\nansprechende Melodieen und ist gut und solid gearbeitet; einzelne\nStellen, z. B. das Finale des ersten Actes, sind von mächtiger Wir-\nkung, und wenn auch einige Theile der leichteren Art angehören,\nso sind dieselben doch keineswegs trivial, wie Manches aus der\nneueren italiänisehen und französischen Opernmusik. Vielleicht ist\nes auch zur Einbürgerung der Oper recht gut, dass sie leichtere\nund schneller verständliche Stellen und einige bekannte National-\nMelodieen enthält, die übrigens sehr hübsch angewandt und verar-\nbeitet sind. Ausser dem erwähnten Finale des ersten Actes möchten\nwir noch den Anfang desselben Aufzuges, so wie ein Sopran-Duett\nim zweiten und ein Stück im dritten Acte in Bezug auf Erfindung,\nDurchführung und instrumentale Charakterisirung besonders hervor-\nheben. Im ganzen Werke aber tritt uns ein gewisses Leben, Kraft\nund Natürlichkeit erfrischend entgegen, was uns sofort erkennen\nlässt, dass der Componist ein Tondichter von Bedeutung und hoher\nBegabung ist. Was uns nicht minder anspricht, ist, dass die\nMusik dramatisch ist und auch in dieser Beziehung an die Wag-\nner'schen Arbeiten erinnert. Das Orchester, welches sich Herr So-\nbolewski zusammengestellt hat, zählt nur vierzehn oder fünf-\nzehn Mitglieder, aber dieselben leisten unter der sicheren Leitung\ndes Componisten Vortreffliches, was um so mehr anzuerkennen ist,\nals die Oper mehrere verhältnissmässig sehr schwierige Stellen ent-\nhält. Die Solo-Partieen sind in den Händen der Damen Mahler und\nSobolewski (Soprane) und der Herren Jacobs (Tenor), Geisberg und\nE. Neymann (Bässe). Heute über acht Tage wird die erste Auffüh-\nrung sein, und wir wünschen dieser ersten deutschen Oper in Ame-\nrica den besten Erfolg."}]}