{"numero_id": "bm-bmtnabi-1859-11-26-01", "volume": "bmtnabi_1859-11-26_01", "ocr_sha256": "718f2850d7ab0098fb88fbb2185e8c5d6df0e4dac29ab60ce9ceaf2778682403", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1859/11/26_01/bmtnabi_1859-11-26_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591126-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1859-11-26-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-11-26_01#c001", "volume": "bmtnabi_1859-11-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "377", "page_fin": "377", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591126-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "377", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591126-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 407, "texte": "Inhalt.\nA. Schindlers Biographie von L. van Beethoven. 111. Aus Frankfurt am Main. I. (Thenter.) Von A. S. Zur poeti-\nschen Schiller-Feier. Von W. H. Aus Mainz (Schiller-Feier). Von A. Drittes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages-\nund Unterhaltungsblatt (Köln, Musicalische Gesellschaft, Frau von Bärndorf Dresden, Karl Gottlieb Reissiger f Zehnter\nJahresbericht des schwäbischen Sängerbundes)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-11-26-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-11-26_01#c002", "volume": "bmtnabi_1859-11-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "377", "page_fin": "379", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591126-01.2.2", "titre_corps": "A. Schindler’s Biographie von L. van Beethoven.", "titre_sommaire": "A. Schindler’s Biographie von L. van Beethoven.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "377", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591126-01.1.1", "debut_caractere": 409, "fin_caractere_exclue": 4219, "texte": "A. Schindler’s Biographie von L. van Beethoven.\nIII.\n(I. s. Nr. 43. 11. Nr. 46.)\nEine interessante Zugabe zu dem Katalog der Werke\naus der ersten Periode ist der Abschnitt über die Auf-\nnahme dieser Werke von Seiten der musicalischen Kritik,\nderen hauptsächlichstes Organ damals die leipziger „All-\ngemeine Musik-Zeitung\" war. Trotz mancher unfreund-\nlichen, strengen, allerdings auch oft zu belächelnden Ur-\ntheile stellt es sich doch heraus, dass die „Gränzlinie des\nAchtungsvollen und Anständigen gegen Beethoven nie\nüberschritten worden, dass die Kritik niemals so gelau-\ntet, wie ein Beethoven-Enthusiast neuester Zeit auszusagen\nsich erlaubte, wenn er unter Anderem anführt: „ „Wun-\nderdinge lies't man von der Impertinenz des talentlosen\njungen Fanten, der sich in den tollsten Bizarrerieen wie\nzum Hohne der Kunst ergeht\"\" u. s. w. (S. 67.)\nEs ist nothwendig, dass durch wirkliche Einsicht in\ndie kritischen Archive der damaligen Zeit die Erfin-\ndungen der gegenwärtigen Lügen gestraft werden,\nda diese sich darin gefallen, dem deutschen Publicum von\ndamals eine völlige Urtheilslosigkeit Beethoven gegenüber\nanzudichten. Abgedroschene Redensarten, dass alle genia-\nlen Kunstschöpfungen Anfangs verkannt und schlecht auf-\ngenommen werden, „wie man das auch besonders an\nBeethoven sehe\", sind freilich den Gernegrossen unserer\nTage willkommen, um an einer solchen Parallel-Leiter\nempor zu klettern. Brechen dann auf einmal die Sprossen,\noder stösst die Kritik und die öffentliche Meinung die ganze\nLeiter um, so rufen sie im Sturze: „Seht, so ist es auch\ndem grossen Beethoven ergangen!\" —Dass Beethoven An-\nfangs und auch späterhin mit Beschränktheit und Pedan-\nterie der Kunstrichter zu kämpfen hatte und hat er es\ndenn nicht noch, im Jahre 1859?? —, ist ganz natürlich;\nallein wie kam es denn, dass seine Sachen Verleger und\neine Menge Nachdrucker fanden, dass ihm sehr bald Be-\nstellungen von den verschiedensten Seiten her zugingen,\ndass ihm, trotz der damaligen Verhältnisse des Musikhan-\ndels, bei denen das Verlags-Eigenthum gegen Freibeuterei\nkeinen Schutz halte, dennoch ganz gute Honorare gezahlt\nwurden, ja, dass er in seiner Blüthezeit „fordern konnte,\nwas er wollte\", und auch bekam? Woher käme dies, wenn\nseine Zeitgenossen ihn nicht anerkannt hätten und er\nseine Verleger auf die Zukunft hätte verweisen müssen?\n-—Dass aber auch die zunftmässige Kritik und zwar in\neiner Zeit, wo sie weder von Coterie, noch von Gunst,\nnoch von Schlimmerem beeinllusst war den genialen\nBeethoven nicht verkannte, beweis't unter Anderem die\nRecension der drei Sonaten Op. 10\naus dem zweiten Jahrgang (1799 —1800) der Allgemei-\nnen Musik-Zeitung, deren Anfang also lautet:\n„Es ist nicht zu läugnen, dass Herr van Beethoven\nein Mann von Genie ist, der Originalität hat und durchaus\nseinen eigenen Weg geht. Dazu sichert ihm seine nicht\ngewöhnliche Gründlichkeit in der höheren Schreibart und\nseine eigene ausserordentliche Gewalt auf dem Instrumente,\nfür das er schreibt, unstreitig den Bang unter den besten\nClavier-Componisten und Spielern unserer Zeit. Seine Fülle\nvon Ideen, vor denen ein aufstrebendes Genie gewöhnlich\nsich nicht zu lassen weiss, sobald es einen der Darstellung\nfähigen Gegenstand erfasst, veranlasst ihn aber noch zu\noft, Gedanken wild auf einander zu häufen und sie mit-\nunter vermittels einer etwas bizarren Manier dergestalt zu\ngruppiren, dass dadurch nicht selten eine dunkle Künst-\nlichkeit oder eine künstliche Dunkelheit hervorgebracht\nwird, die dem Effect des Ganzen eher Nachtheil als or-\ntheil bringt. Phantasie, wie sie Beethoven in nicht gemei-\nnem Grade hat, zumal von so guter Kenntniss unterstützt,\nist etwas sehr Schätzbares und eigentlich Unentbehrliches\nfür einen Componisten, der in sich die Weihe zu einem\ngrösseren Künstler fühlt, und der es verschmäht, llach und"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "378", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591126-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5364, "texte": "überpopulär zu schreiben, vielmehr etwas aufstellen will,\ndas inneres, kräftiges Leben habe und auch den Kenner\nzur öfteren Wiederholung seines Werkes einlade. Allein\nin allen Künsten gibt es ein Ueberladen, das von zu vielem\nund häufigem Wirkungsdrange und Gelehrtthun herrührt,\nwie es eine Klarheit und Anmuth gibt, die bei aller Gründ-\nlichkeit und Mannigfaltigkeit der Composition gar wohl\nbestehen kann.\" In Bezug auf Oekonomie wünscht der\nwohlwollende Rccensent, dass der Componist sich von ihr\nleiten lassen möge,und knüpft noch Nachstehendes daran:\n„Es sind wohl wenige Künstler, denen man zurufen muss:\nSpare deine Schätze und gehe haushälterisch damit um!\nDenn nicht viele sind überreich an Ideen und sehr gewandt\nin Combinationen derselben!\"\nFerner aus dem Februar 1800 über Opus 13: „Nicht\nmit Unrecht heisst diese wohlgeschriebene Sonate pathe-\ntisch, denn sie hat wirklich bestimmt leidenschaft-\nlichen Charakter. Edle Schwermut!) kündigt sich in dem\neffectvollen, wohl und fliessend inodulirten aus\nmoll an, das den feurigen Allegro-Satz, der viel starke Be-\nwegung des ernsten Gemüths ausdrückt, bisweilen unter-\nbricht. In dem Adagio aus As-dur, das aber nicht schlep-\npend genommen werden muss und sowohl schöne fliessende\nMelodie als Modulation und gute Bewegung hat, wiegt das\nGemüth sich ein in Ruhe und Trostgefühl, aus welchem\nes aber durch das Rondo in dem ersten Tone des Allegro,\nin beiderlei Sinne des Wortes, wieder geweckt wird, so\ndass also das der Sonate zum Grunde gelegte Hauptgefühl\ndurchgeführt wird, wodurch sie selbst Einheit und inneres\nLeben, also wirklich ästhetischen Werth erhält. So\netwas von einer Sonate sagen zu können, vorausgesetzt,\nwie hier der Fall ist, dass jedes übrige Erforderniss der\nmusicalischen Kunst nicht unerfüllt gelassen ist, beweiset\noffenbar für ihre Schönheit.\"\nHöre man aber vollends (aus dem Jahre 1802) die\nleipziger Musik-Zeitung über Op. 26 (As-dur) und Op. 27\n[Quasi Fantasia in Es-dur und in Cis-moll):\n„Das sind die drei Compositionen für das Pianoforte,\nwomit Herr van Beethoven vor Kurzem die auserlesenen\nSammlungen gebildeter Musiker und geübter Clavierspieler\nbereichert hat. Bereichert—denn sie sind wahre Bereiche-\nrung und gehören unter die wenigen Producte des jetzigen\nJahres, die schwerlich jemals veralten werden und von de-\nnen besonders Nr. 3 gewiss nie veralten kann. Nr. 1\nmöchte doch wohl stellenweise allzu künstlich gearbeitet\nsein. Das soll aber keineswegs von dem wahrhaft grossen,\ndüsteren und prachtvollen Harmonie-Stücke gesagt sein,\ndas der Verfasser, um den Spieler gleich auf den rechten\nStandpunkt zu heben, überschreibt: Marcia Funebre sulla\nmorfe d'un Eroe; denn hier gehört alles Schwierige und\nKunstreiche zum Ausdruck und folglich zur Hauptsache.\nWer sich hier, so wie in verschiedenen Stellen der Nr. 2\nund wie in 3 fast ganz, über Schwierigkeit der Ideen oder\nauch der Ausführung beklagt, der gleicht den Popular-\nPhilosophen, die jede tiefgreifende Abhandlung in der\nSpräche einer artigen Conversation beim Thee vorgetragen\nhaben wollen.\n„Die Phantasie in Cis-moll ist von Anfang bis zu Ende\nEin gediegenes Ganzes, mit Einem Male aus dem ganzen,\ntiefen und innig aufgeregten Gemüthe entsprungen und\nnun gleichsam aus Einem Marmorblock gehauen. Es ist\nwohl nicht möglich, dass irgend ein Mensch, dem die Natur\nnicht die innere Musik versagt hat, nicht sollte durch das\nerste Adagio ergriffen und allmählich immer höher gelei-\ntet und dann durch das Presto agitato so innig bewegt und\nso hoch gehoben werden, als er durch freie Ciaviermusik\nnur zu heben ist. Mit vollkommenem Grund sind diese bei-\nden Hauptsätze in dem schauerlichen geschrieben;\nüberall hat auch der Verfasser, so weit so etwas mit\nconventionellenZeichen ausgesagt werden kann,\nden Vortrag und auch die Handhabung des Eigenen und\nVorzüglichen des Pianoforte hinzugesetzt, welche letztere\nBeethoven nach den Bezeichnungen und noch sichtbarer\nnach der ganzen Anlage und Hinstellung seiner Ideen ver-\nsteht, wie kaum irgend ein anderer Componist für dieses\nInstrument, und wie Ph. Em. Bach das eigentliche Cia-\nvier zu handhaben verstand. Ein recht sehr gutes Instru-\nment muss man aber besitzen, wenn man sich selbst beim\nVortrage mancher seiner Sätze, z. B. des ganzen ersten\nSatzes von 3, einiger Maassen genügen will.\"\nIm Jahrgang 1805 heisst es schon: „Beethoven wird\nmit der Zeit eben die Revolution in der Musik bewirken,\nwie Mozart. Mit grossen Schritten eilt er zum Ziele.\"\nFerner wird das C-moll-Concert, das 1804 neben der\nzweiten Sinfonie (in D-dur) erschien, gleich nach dem\nersten Vortrage desselben durch Ferdinand Ries zu den\n„schönsten Compositionen\" gezählt, und die zweite Sinfo-\nnie „ein Werk voll neuer, origineller Ideen, von grosser\nKraft, seelenvoller Instrumentirung und gelehrter Ausfüh-\nrung\" genannt.\nDiese Anführungen beweisen zur Genüge, dass man\nviele, ja, die meisten Werke Beethoven's gleich bei ihrem\nErscheinen würdigte, wobei natürlich nicht bloss von Wien,\nsondern von ganz Deutschland die Rede ist. Erst die Ros-\nsini'sche Periode und die Virtuosenwirthschaft drängte viele\nWerke von ihm zurück, die wieder zu frischem Leben zu\nbringen den letzten Jahrzehenden aufbehalten war. Schrei-\nber dieses erinnert sich aus seinen Knaben- und Jünglings-\njahren (1808 —1818), die er in Dessau, wo eine vor-\ntreffliche Hofcapelle und mehrere Quartett-Cirkel waren,"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "379", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591126-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1217, "texte": "und in Berlin verlebte, wie sehr man in musicalischen\nKreisen für Beethoven's Kammermusik bis zu den Rasu-\nmowski-Quartetten und den Clavier-Trio's Op. 70 und\nOp. 97 (erschien 1816) hinauf schwärmte, wie sehr die\nClavier-Concerte in C-moll, in G-dur, in Es-dur gleich bei\nerstem Anhören entzückten, wie die zweite, fünfte, sechste\nund siebente Sinfonie (1816) auf der Stelle durchschlu-\ngen, wie in Berlin Fidelio (mit der Milder-llauptmann als\nLeonore, Blume als Pizarro, Eunicke als Florestan) be-\ngeisterte.\nDass besonders in den kritischen Blättern auch\nfehlgreifende und harte, schulmeisterliche und lächer-\nliche Urtheile vorkamen, wollen wir gar nicht läugnen;\naber sie konnten die Macht, die der Genius auf das Pu-\nblicum im Allgemeinen übte, nicht beschwören, und Beet-\nhoven hatte ganz Becht, als er an Hofmeister in Leipzig\nden 15. Januar 1801 schrieb: „Lasse man sie doch nur\nreden, sie werden gewiss Niemanden durch ihr Geschwätz\nunsterblich machen, so wie sie auch Niemandem die Un-\nsterblichkeit nehmen werden, dem sie vom Apoll bestimmt\nist.\" (Schindler 1., S. 68.)\nHört Ihr es, Ihr Vorsteher der ruhmmachenden Blät-\nter, Ihr Götzenbildner? „Euer Geschwätz wird ge-\nwiss Niemanden unsterblich machen!\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-11-26-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-11-26_01#c003", "volume": "bmtnabi_1859-11-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "379", "page_fin": "381", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591126-01.2.3", "titre_corps": "Aus Frankfurt am Main.", "titre_sommaire": "Aus Frankfurt am Main.", "signature_source": "A. S", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "379", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591126-01.1.3", "debut_caractere": 1219, "fin_caractere_exclue": 5099, "texte": "Aus Frankfurt am Main.\n\nI.\n[Theater.]\nAls Referent in Nr. 8 dieses Jahrgangs (19. Februar)\nvon dem zur Zeit eingetretenen Wechsel in der Verwal-\ntung an unserem Theater Kunde gegeben, fügte er bei,\ndass die bewährte Energie der neuerdings zur Leitung be-\nrufenen Herren Dr. von Guaita und Wilhelm Speyer\nhoffen lasse, dass in Jahresfrist Manches, vielleicht schon\nVieles, zum Besseren sich gewandt haben werde. Wenn-\ngleich dieser kurzgestellte Zeitraum noch nicht völlig ab-\ngelaufen ist, so darf denn doch schon mit Fug und Recht\ngesagt werden, dass Zustände und Verhältnisse eine von\nden früheren wesentlich verschiedene Umgestaltung erhal-\nten haben, wodurch das Institut unfehlbar einer erfreuli-\nchen Zukunft entgegengeführt werden kann, falls es nur\neiniger Maassen noch vom Glück begünstigt wird. Wenn\nSeitens der Direction beharrlicher Eifer und Festigkeit in\nHandhabung der aufgestellten Grundsätze hinsichtlich\npünktlicher Erfüllung der jedem der technischen Beamten\nzukommenden Pflichten gesehen wird, wie dies wirklich\ngeschieht, so liegt auch hierin eine Gewähr für das Ge-\ndeihen des Instituts, immer jedoch mit Einschluss der Be-\ndingung, dass Publicum wie Kritik hinsichtlich der Anfor-\nderungen auf ein Ensemble in Oper und Schauspiel billige\nRücksicht nehmen und dieses nicht mit dem Maassstabe\nder ersten Bühnen Deutschlands messen wollen.\nWas diese beiderseitigen Anforderungen betrifft, so\ngewahrt man deutlich, dass das Publicum die grossen\nSchwierigkeiten in Herstellung eines ganz tadellosen En-\nsemble's, namentlich in der Oper, recht wohl kennt; liegen\ndiese doch in den Zeitzuständen offen zu Tage, folglich\nmeist ausser Berechnung einer Theater-Verwaltung. Dieser\ndas Institut erhaltende Theil weiss sich demnach in Geduld\nzu fassen, zumal er mit dem Bewusstsein das Haus betritt,\nnicht Ursache zu haben, über schlechte Leistungen Klase\no o\nführen zu dürfen, weil das Gebotene in den meisten Vor-\nstellungen im Ganzen mit gut bezeichnet zu werden ver-\ndient. Anders sieht man es bei der Kritik, nämlich der in\nauswärtigen Blättern, jedoch nur in vereinzelten Stimmen;\nim Allgemeinen ist ihre Haltung auch dort eine abwar-\ntende.—In den letzten Tagen sind zwei gegnerische Stim-\nmen in den wiener „Recensionen\" laut geworden, die\nhauptsächlich aus dem Grunde Beachtung verdienen, weil\nsie dieses wohlaccreditirte Blatt zu ihrem Organe gewählt.\nEs sei verstattet, bei der in Nr. 43 ein kurzes Ständchen\nzu machen. Nachdem der Einsender gesagt, „dass die\njetzige Form der Verwaltung etwas gar zu sehr nach Di-\nlettantenwirthschaft schmeckt\", fährt er also fort:\n„So zeichnet sich denn das jetzige Regime durch ein\nplan- und haltloses Umherirren, Suchen und Tappen nach\ndem Rechten, durch eine Geschäftigkeit, die oft über ihre\neigenen Füsse stolpert, durch Missgriffe und Mängel aller\nArt aus, durch deren Vermeidung manches Störende im\nEinzelnen entfernt werden könnte, wenn auch die Phy-\nsiognomie des Ganzen, für die wir Herrn von Guaita nicht\nallein verantwortlich machen, keine wesentlich andere\nwürde. Ein Glück für diese Guaita'sche Direction ist nur,\ndass sie keine öffentliche Controle zu fürchten hat, . . . .\nund so thront denn Herr von Guaita als meist unumschränk-\nter Jupiter tonchns wn Theatcrhimmel. Im Publicum herrscht\njedoch grosse Missstimmung gegen ihn und seine Verwal-\ntung, und man würde seinen Rücktritt keineswegs be-\ndauern.\"\nDie Form der gegenwärtigen Verwaltung beschränkt\nsich bekanntlich auf drei durch ihre bürgerliche Stellung\nvollkommen unabhängige Männer, die in wünschenswer-\nthester Uebereinstimmung und Solidarität in den Beschlüs-\nsen den übernommenen Pflichten ihres Amtes obliegen,\nobwohl der eigentliche Wirkungskreis eines jeden ein\nanderer ist. Es ist fast natürlich (auch durch allenthalben\nübliche Praxis erfahrungsgemäss), wenn dem rechtskundi-\ngen Mitgliede eines Comite's der Vorsitz eingeräumt wird,\n\n[*J"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "380", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591126-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5628, "texte": "wodurch demselben jedoch keineswegs ein Uebergewicht\nüber die anderen zugestanden ist. Erwägt man die man-\nnigfaltigen, bei jeder Theaterführung sich ergebenden\nRechtsfälle, so wird die Herbeiziehung eines Consulenten\nfast tagtäglich eine unabweisliche Notwendigkeit. Dieser\nUmstand setzte den Advocaten Guaita auch in der gegen-\nwärtigen Verwaltung auf den Präsidentenstuhl, nachdem\ner denselben bereits unter der Intendanz des Herrn Bene-\ndix occupirt hatte. Reichen denn aber vielseitige Bildung\nund mehrjährige Uebung, überdies noch das Zurseitegehen\nmehrerer Fachmänner, immer noch nicht aus, um ein\nTheater solidarisch zu leiten? Darf man da noch von „Di-\nlettantenwirthschaft\" sprechen? Freilich hörten wir vor\nnicht lange von Berlin her über eine „Lieutenantswirth-\nschaft\", von München über eine „Literatenwirthschaff\nam Theater gleichfalls raisonniren, weil dort, wie auch in\nFrankfurt geschehen, strenge Vorschriften erlassen wur-\nden, kraft deren Gemütlichkeit und Schlendrian in der\nGeschäftsführung aller Zweige dem Princip des unbeding-\nten Gehorsams weichen mussten. Man weiss, wie derlei\nvon einzelnen Betroffenen aufgenommen wird; auch weiss\nman, in welchem Lichte der Reformator bei solchen Leu-\nten steht. Auf den Blocksberg mit ihm, sammt seinen\nGenossen!\nSoll von Vertheilung der Geschäfte in der Direction\nnoch eines Weiteren die Rede sein, so braucht man zu\nerfahren, dass Herr Speyer ausschliesslich die Oberleitung\nüber das Opernwesen führt, worin er von seinen Collegen\nnicht im Geringsten beeinflusst wird*); man braucht ferner\nnur noch zu vernehmen, dass Herr Reu hl der Finanz-\nMinister des kleinen Künstlerstaates ist. Ohne Zweifel\nS\nwussten die grossen Rechenmeister unter den Aclionären\nrecht wohl, dass sie Herrn F. Wecker (aus der früheren\nVerwaltung) keinen würdigeren Nachfolger auf diesem hä-\nkeligen Posten geben konnten, als den eben Genannten.\nDie artistische Leitung des Schauspiels liegt in den Händen\ndes Regisseurs Vollmer. Es wird dieser Künstler kaum\nsich zu beklagen haben, dass seine Vorschläge zu Besetzung\nder Rollen Seitens der Direction nicht beachtet würden,\nund wenn man nicht über ein Heer von Rollen-Aspiranten\nzu verfügen hat, so ist der relativ geeignete Repräsentant\nfür jede Rolle bald aufgefunden, daher Protection nicht\nanwendbar, die der Verwaltung auch noch vorgeworfen\nwird. Dass indess dem Institute ein mit dem Geiste der\ndramatischen Literatur tiefer vertrauter Mann, als dies in\nden Leistungen des Schauspiels öfter zu Tage tritt, wirk-\nlich mangelt, wird von kundigen Theaterfreunden unver-\nhohlen ausgesprochen. Vielleicht wird ein solcher die fühl-\nbare Lücke bald ausfüllen; denn bedenkt man, dass dem\nOberleiter des Opernwesens ein Regisseur (Herr Hiesel)\nund der Capellmeister zur Seite stehen, so wird man einen\nüber dem Regisseur des Schauspiels stehenden Wissen-\nschaftsmann keinesfalls für überflüssig halten können. Der\nSchauspieler ist in der Regel weder besonders geeignet,\nnoch hat er Zeit, Dramaturgie zu studiren, auch ist er zu\nviel von der Macht der Gewohnheit und des Herkömm-\nlichen beherrscht, um das Unrichtige, Verfehlte um sich\nherum immer mit sicherem Blicke erschauen zu können.\nNicht ohne Interesse werden ferner Opernfreunde ver-\nnehmen, denen die Unnatur und das meist auf Stelzen\ngehende Pathos in der modernen grossen Oper französi-\nscher und deutscher Componisten den Genuss verdorben,\ndass bei uns ein geglückter Griff in das Repertoire der\nersten Jahrzehende gemacht wurde. Bereits war Isouard's\nAschenbrödel in Scene, und sein Joconde wird bald nach-\nfolgen. Auch Mehul's beide Füchse und andere ein-und\nzweiactige Operetten aus der älteren Periode werden an\ndie Reihe kommen. Möge Herr Speyer bei diesem löbli-\nchen Unternehmen doch ja vom Capellmeister emsig unter-\nstützt werden, sonst bleibt jede Intention in Bezug auf Bes-\nserung des Geschmacks erfolglos. Der Capellmeister muss\nmit fester Ueberzeugung dabei ans Werk gehen, das beste\nFörderungsmittel zur Erreichung des wahrhaft Schönen\nund Guten unter den Händen zu haben. Es ist nicht die\nSchuld eines der jüngsten Künstler-Generation angehörigen\nMusik-Directors im Theater und Concertsaale, dass es ihm\nnicht vergönnt war, wenigstens noch die in\nder classischen Periode mit zu gemessen und seine ästhe-\ntischen Anschauungen von dorther überkommen zu haben.\nAber bestreben soll sich jeder junge Orchesterführer, das\nStudium der älteren Meisterwerke mit Ehrfurcht und regem\nEifer zu betreiben, um ihrem Geiste recht nahe zu kom-\nmen, damit er diesen allen Ausführenden fühlbar machen\nkönne. Mit festem Tactschlagen nach Art der alten Tele-\ngraphen, auch mit Beobachtung der vorgeschriebenen Vor-\ntragszeichen ist der dem Tonstücke innewohnende Cha-\nrakter noch lange nicht erfasst, wie auch der Würdigung\ndes leider sehr verwöhnten Publicums noch lange nicht\ngenügend entgegengebracht. Für das Gesang-Personal wer-.\n\n*) Beiläufig muss bemerkt werden, dass W. Speyer, einstiger\nSchüler von Baillot, die Tonkunst als Coraponist und Exe-\ncutant sein Leben lang so fleissig gepflegt hat, als sollte er\nsich damit den Unterhalt verdienen. Er steht auf derselben\nHöhe der Künstlerschaft, auf welcher z. B. Fürst Anton Radzi-\nwill und nicht wenig andere so genannte Dilettanten in der\nfrüheren Periode gestanden. Unsere Zeit hat dergleichen Män-\nner schon weniger aufzuweisen. Ein solcher Kunst-Dilettant\nführt seit Jahren die Oberleitung über das StädeFsche Institut\nzu Frankfurt am Main, in Wien sehen wir einen Fürsten an\nder Spitze eines der geachtetsten Kunst-Organe, „Recensionen\",\ner ist einer der thätigsten Arbeiter und Förderer der guten\nSache, u. s. w. u. s* w."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "381", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591126-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 405, "texte": "den jene eigentlichen Sing-Opern eine zweckmässige\nSchule abgeben, woraus auch das Darstellungs-Talent\nNutzen ziehen wird. Wird von allen Seiten dieses Unter-\nnehmen mit besten Kräften gefördert, so dürfte man aller-\nseits bald die Ueberzeugung gewonnen haben, dass aus\ndem älteren Opern-Repertoire ein heilsames Antidot ge-\ngen das moderne, tief eingefressene Gift gezogen werden\nkönne. Glück auf!\n\nA. S."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-11-26-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-11-26_01#c004", "volume": "bmtnabi_1859-11-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "381", "page_fin": "382", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591126-01.2.4", "titre_corps": "Zur poetischen Schiller-Feier.", "titre_sommaire": "Zur poetischen Schiller-Feier.", "signature_source": "W. H", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "381", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591126-01.1.5", "debut_caractere": 407, "fin_caractere_exclue": 5217, "texte": "Zur poetischen Schiller-Feier.\n\nDer Bericht dieses Blattes (in Nr. 47) über die Schil-\nler-Feier in Köln hat im Vorbeigehen des Festspiels von\nDr. Bernays erwähnt, welches zuerst in Bonn, dem\nWohnorte des Verfassers, sodann am 10. und 14. Novem-\nber im hiesigen Theater mit gleicher Warme und Begeiste-\nrung dargestellt, wie vom Publicum aufgenommen wurde.\nDieser sinnigen Arbeit nachträglich noch ein Wort ver-\ndienter Anerkennung zu widmen, erscheint wohl um so\nmehr gerechtfertigt, je rascher ohnehin mit dem Verfliegen\njener festlich erhöhten Stimmung, die so manchen Erzeug-\nnissen der Gelegenheits-Poesie einen Inhalt willig leiht,\nden sie ihr entgegenbringen sollten, auch die echten Ein-\ngebungen des Augenblicks der Vergessenheit anheim zu\nfallen pflegen.\nIm scenisch componirten Ausdruck gewinnt der Ge-\ndanke einer solchen Feier lebendiger wirkende Macht für\ndas theilnehmende Gemüth, als im einzeln gesprochenen\nProlog, der uns noch mehr in eine nur vorbereitende Be-\nwegung versetzen will. Dr. Bernays, der jüngere Bruder\ndes bekannten, durch Gelehrsamkeit und kritischen Scharf-\nsinn ausgezeichneten Philologen, ist so glücklich gewesen,\ndes Vortheils, den der bestimmte Abschluss der dramati-\nschen Form hier einem geschickten Talente darbot, sich\nin vollem Maasse zu bemächtigen, indem er sich von dem\nGenius selbst, den es zu verherrlichen galt, den Weg\nzeigen liess. Doppelt wirksam macht es die einfache Erfin-\ndung, welche dem kleinen einactigen Stücke zu Grunde\nliegt, dass er sie aus dem nächsten, aller Welt geläufigen\nKreise Schiller'scher Anschauungen entnommen hat. Das\neinem populären Erfolge an sich so sehr widerstrebende\nallegorische Wesen, dem die Gelegenheits-Festbühne doch\nimmer wieder sich öffnen muss, wird auf diese Weise\nschnell und erfreulich in allgemein empfundene poetische\nLebensbeziehungen hinübergeleitet, ja, als stärkster Hebel\nfür den gefühlvollen Aufschwung des concreten Verhält-\nnisses zwischen Volk und Dichter in ungesucht geistreiche\nAnwendung gebracht.\nIn der geheimnissvollen Gestalt des Mädchens aus der\nFremde hat die hehre Göttin Poesie unerkannt die Her-\nzen schlichter Landleute gewönnen, bei denen sie bisher\n„mit jedem jungen Jahr * als Gast erschien. Ferngehalten\nvon dem drohenden Ivriegs-Unwetter, ist sie diesmal aus-\ngeblieben. Vater und Mutler zweifeln bei nahender Win-\nterszeit an ihrer Wiederkehr; die Tochter rüstet, harrend\nin gläubiger Zuversicht, reichen Blumenschmuck für die\nHütte zu festlichem Empfange der Ersehnten. Und die\nfrohe Ahnung behält Recht. Das Mädchen aus der Fremde\nkehrt, treu dem gegebenen Worte, zurück und offenbart\nsich den Staunend-Verehrenden im Glänze der göttlichen\nSendung, die ihnen bisher verborgen blieb. Aus dem\nMunde der Poesie selbst ertönt nun zum ersten Male der\nName ihres grossen, vor hundert Jahren dem deutschen\nVolke erstandenen Jüngers, für dessen erhabene Phanta-\nsieen und herrliche Gesänge sie längst in den Herzen der\nandächtigen Freunde bewundernde Liebe zu entzünden\ngewusst. Ihr Geheiss versammelt auf den Brettern, welche\ndie Welt bedeuten, die Lebensgebilde des schöpferischen\nDichtergeistes und leiht ihnen Sprache, dass sie Zeugniss\nvon ihm ablegen. Dem enthüllten Abbild des Dichters, das\nsie mit dem eigenen Lorber krönt, bringt vor den Anderen\ndie beglückte Braut ihre demüthige Huldigung dar.\nIn den einfachen und doch von innerer Spannung be-\ngleiteten Gang dieser wenigen Auftritte hat der V erfasser\nalles Wesentliche, was bei der Feier zu Worte kommen\nmusste, mit klarer und beredter Empfindung niedergelegt,\ndas Allgemeine, welches darzustellen war, ausgedrückt,\nohne dass wir die Züge individueller Lebendigkeit vermis-\nsen, dem grossen Freiheits- und Einheits-Gedanken end-\nlich, zu dessen Wahlruf der Name Schiller's erhoben ist,\nsein Hecht nicht vorenthalten, ohne darin, wie es mancher\nOrten geschieht, die charakteristische Gesammt-Erschei-\nnung des Genius ganz untergehen zu lassen. Die nachfol-\ngende Probe der Rede des Mädchens aus der Fremde\nentnommen, worin sie das Wirken und Kämpfen der in\nihrem Dienste stehenden Jünger schildert ist vielleicht\nam besten geeignet, das Gesagte wenigstens nach dieser\nletzteren Seite hin zu bestätigen:\n—1 Doch herrlich über Alle\nRagt hoch ein edles Geistesheldenpaar.\nVereinigt nennt ihr \\olk sie, wie sie selbst\nIn Eintracht auf des Lebens Höhen standen\nZu grosser That verbunden; was ihm edel,\nWas hoch und rein und herrlich ihm erscheint,\nDaran gedenkt's bei dieser Namen Klange,\nDer weithin durch die Völker tönt. Der Eine\nAuch meine Lippe nennt ihn schüchtern nur,\nUnd unter meiner Jünger Schar erkenne ich\nNur wen'ge, die ihm gleichen —, ausgerüstet\nMit aller Gaben Fülle, und das Siegel\nDer Macht auf hoher Stirne tragend, schritt er,\nMit allen Mächten der Natur im Bunde,\nDurchs Leben hin, der Götter sel'ger Liebling."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "382", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591126-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1590, "texte": "Demüthig schmiegt sich ihm das Feindliche;\nIn seinen Zauberlauten offenbart sich\nDas Menschenherz mit seinen Wundern allen;\nWo du auch wandelst, auch aus dürrem Boden,\nLässt er den Quell der Dichtung fröhlich sprudeln,\nDen Glanz der Schönheit hat er ausgegossen\nVerklärend über alle Welt. Der Andre,\nDer in dem Herzen seines Volkes wohnet,\nDer, mit sich selbst und mit des Geistes Mächten\nGewaltig ringend» ewig aufwärts strebte\nAus dumpfem Reich des Irdischen empor\nZu heitern Höhen, wo die Freiheit weilet,\nWeit von sich bannt er alles Niedrige,\nErgreifen will er nur das Wahre, Gute.\nIn des Gedankens unermess'nem Reiche\nHat er den festen Thron sich auferbaut,\nUnd liebend schaut sein Volk ihm nach und ehrt\nIn ihm den hohen Lehrer, der der Freiheit\nBegeisternd Wort ihm zuruft. Alle Liebe,\nDie ihm im Herzen seines Volkes flammt,\nSie lodert heute mächtig auf, verbrüdert\nSind alle Menschen, die ihn freudig ehren.\nDem deutschen Dichter huldigt heut die Welt\nIhm schlägt das Herz entgegen, von den Lippen\nTönt Friedrich Schiller's hochgeweihter Name!\"\nDer jubelnde Beifall, mit dem das Publicum dieser\nschönen Verkündigung antwortete, und der, oft sich er-\nneuend, am Schlüsse in anhaltenden Ruf nach dem Ver-\nfasser überging, lässt, auch wenn wir allen Antheil, der\ndem Gegenstande der Feier daran zukommt, gewissenhaft\nabrechnen, immer noch genug zu wahren Gunsten des\nFestspiels selbst übrig, um die Voraussetzung zu begrün-\nden, dass dasselbe auch in der strengeren Probe des Druckes\nvor einem grösseren Kreise und schon abgekühlter Em-\npfänglichkeit mit Ehren bestehen würde.\n\nW. H."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-11-26-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-11-26_01#c005", "volume": "bmtnabi_1859-11-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "382", "page_fin": "383", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591126-01.2.5", "titre_corps": "Aus Mainz.", "titre_sommaire": "Aus Mainz.", "signature_source": "A", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "382", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591126-01.1.6", "debut_caractere": 1592, "fin_caractere_exclue": 5277, "texte": "Aus Mainz.\n\nDie schönen Tage des Schiller-Festes sind nun vor-\nüber; was sie uns in musicalischer Beziehung gebracht\nhaben, ist jedenfalls der Beachtung werth, denn selten\nkommt es hier in Mainz vor, dass sich sämmtliche Gesang-\nVereine zu einer gemeinsamen Aufführung vereinigen; ohne\näusseren Beweggrund geschieht dies nie, denn wir stehen\nhier noch nicht auf der Stufe musicalischer Bildung, dass\nwir uns aus blosser Liebe zur Kunst zusammenscharen,\num dieses oder jenes Tonwerk in würdiger Weise zur\nAufführung zu bringen. Gott bewahre! eine äussere Ver-\nanlassung muss vorhanden sein, und diese bildete jetzt das\nSchiller-Fest. So hatten wir also am 11. November im\nprachtvoll decorirten Theater den seltenen Genuss, sämmt-\nliche musicalische Kräfte von Mainz versammelt zu sehen,\num Mendelssohn's Festgesang an die Künstler und Beet-\nhoven's neunte Sinfonie zur Aufführung zu bringen. Erste-\nrer machte unter der schwungvollen Leitung des Herrn\nLux bei einem Chor von mehr als zweihundert Sängern\neinen gewaltigen Eindruck. Auch die Sinfonie unter Lei-\ntung des Herrn Mar pur g konnte diesmal, da das Or-\nchester mit Wiesbadener Kräften bedeutend verstärkt war,\nin ihrem instrumentalen Theile vollkommen befriedigen.\nWeniger war dies bei der Vocal-Partie des letzten Satzes\nder Fall, die bei ihrer übermenschlich hohen Lage überall\nReinheit in der Intonation vermissen liess. Mit welcher An-\ndacht hier übrigens das so genannte gebildete Publicum\neine Beethoven'sche Sinfonie anhört, möge ihnen aus Fol-\ngendem klar werden. In der zweiten Hälfte des ersten\nSatzes entstand auf einmal in der ersten Logenreihe eine\nBewegung, die sich wie ein Lauffeuer auf das ganze Audi-\ntorium fortpflanzte; die Lorgnetten richteten sich alle nach\ndem Mittelpunkte der Bühne; im Parterre erhob man sich\nvon den Bänken, unter zurückgehaltenem Lachen theilte\nEiner es dem Anderen mit, kurz: von der Sinlonie war\nvor lauter Geräusch nichts mehr zu verstehen. Da ich nicht\ngewohnt bin, Concerte mittels einer Lorgnette anzuhören,\nso war für mich die ganze Bewegung ein Räthsel. Ich\nfragte meinen Nachbar, und was glauben Sie, das die\nUrsache gewesen?—nun, weiter nichts als: die Halsbinde\ndes Herrn Marpurg hatte sich beim Dirigiren verschoben!!\nVon den übrigen Theilen des Concert-Programins ist\nnoch zu erwähnen, dass von Herrn die Gluck'sche\nOuvertüre zur Iphigenie mit dem Mozart'schen Schlüsse\nvorgeführt und von Fräul. Tipka aus Wiesbaden Schil-\nlert Sehnsucht von Romberg gesungen wurde. Zu be-\ndauern war, dass der Eindruck des ganzen Concertes aus-\nserdem noch geschwächt wurde durch einen höchst lang-\nweiligen Vortrag eines Mitgliedes des Kunst- und Literatur-\nVereins, in welchem uns nichts weniger zugemuthet wurde,\nals Schiller's vollständige Biographie anzuhören, die in\njedem Conversations-Lexikon zu finden ist. Als nachher\ndie Bekränzung der Schiller-Büste Statt finden sollte, war\nes unmöglich, ein schallendes Hoch herauszubringen, denn\n—-das Publicum war unterdessen eingeschlafen.\nVom vorhergehenden Abende ist noch zu erwähnen,\ndass im Theater Wallenstein's Lager gegeben wurde, wo-\nbei sechszig Mitglieder des mainzer Männergesang-Vereins\nmitwirkten. Herr Lux hat hierzu die Musik geschrieben,\nund verdient vor Allem die Ouvertüre als sehr charakteristisch\nbezeichnet zu werden, indem die Motive der drei Soldaten-\nchöre zuerst einzeln auftreten und dann bei der Durch-\nführung contrapunktisch mit einander verwebt sind. Zu\ndem letzten Chor: „Frisch auf, Cameraden!\" ist natürlich\ndie ursprüngliche Volks-Melodie, jedoch mit glänzender In-\nstrumentirung, benutzt worden.\nIhren Lesern dürfte es noch Interesse gewähren, zu\nerfahren, dass nach dem vom Comite aufgestellten Pro-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "383", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591126-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 655, "texte": "Gramm die Schiller-Feierlichkeiten durch Choräle vom\nThurme des Domes herab eröffnet werden sollten. Allein\nda Schiller kein Kirchen-Heiliger, sondern bloss ein Volks-\nHeiliger ist, so wurde dieses von den Herren Geistlichen\nnicht gestattet. Trotzdem erschallten am frühen Morgen\ndes 10.November die Choräle: „Eine feste Burg\" u. s. w.,\nwenn auch nicht vom Dome, so doch vom Dache eines\nneben dem Dome gelegenen Privathauses, und Abends bei\nder allgemeinen Illumination las man am Hause eines ehr-\nsamen Bäckermeisters zum Jubel der ganzen Bevölkerung\nfolgendes Transparent:\n„Wir feiern doch den grossen Poeten,\nAuch ohne vom Dome herab zu trompeten.\"\n\nA."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-11-26-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-11-26_01#c006", "volume": "bmtnabi_1859-11-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "383", "page_fin": "383", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591126-01.2.6", "titre_corps": "Drittes Gesellschasts-Concert in Köln Im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferd. Hiller.", "titre_sommaire": "Drittes Gesellschasts-Concert in Köln Im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferd. Hiller.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "383", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591126-01.1.7", "debut_caractere": 657, "fin_caractere_exclue": 3834, "texte": "Drittes Gesellschasts-Concert in Köln\nIm Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferd. Hiller.\nDinstag, 22. November 1859.\nProgramm. Erster Theil. 1. „Die Najaden\", Ouvertüre von\nW. Sterndale Bennett. — 2. Arie aus „Donna del Lago\" von\nRossini, vorgetragen von Frau de Luigi aus Paris. — 3. Sinfo-\nnie Nr. 3 von J. Rietz (zum ersten Male).\nZweiter Theil. 4. Concert für die Violine von Beethoven,\ngespielt von Herrn Concertmeister J. Grunwald, — 5. „Frühlings-\nbotschaft\", Concertstück für Chor und Orchester von W. Niels\nGade (zum ersten Male). — 6. Variationen aus Rossini's „Cene-\nrentola\" (Frau de Luigi). — 7. Ouvertüre zu Cortez von\nSpontini.\nDas Concert brachte uns zwei Neuigkeiten, welche das hiesige\nPublicum, bekanntlich auf Neues nicht eben sehr erpicht, beifällig\naufnahm, und zwar Gade's reizendes Idyll mit sichtbarem Wohlge-\nfallen und lebhaftem Applaus, die Sinfonie von Rietz mit achtungs-\nvoller Anerkennung des Ganzen und Auszeichnung des zweiten Satzes\n(Scherzo) durch Beifallsbezeigung, die auch dem Adagio zu Theil\nwurde. Das Werk hat alle Vorzüge einer interessanten und geschick-\nten Composition, wie das bei einem Meister wie Rietz nicht anders\nzu erwarten ist; allein wir finden mehr Geist als genialen Schwung\ndarin, so dass es wohl zu denen gehören dürfte, die erst durch ge-\nnauere Bekanntschaft anziehen.\nDie Krone des Abends trug Beethoven1 s Violin-Concert und\nder schöne Vortrag desselben durch Herrn Concertmeister Grun-\nwald davon. Herr Grunwald hat einen markigen Ton, welcher zu-\ngleich der feinaren Nuancen fähig ist, ohne weichlich zu werden,\nund diese Eigenschaft gehört nothwendig dazu, um im Vortrage\ndem edlen Stil des genannten Concertes gerecht zu werden. Richtige\nAuffassung, durchweg reines und gediegenes Spiel, schöner, empfin-\ndungsvoller Ausdruck, namentlich auch im Adagio, erwarben dem\nKünstler mit vollem Rechte rauschenden Beifall,\nDie Sängerin Madame de Luigi versetzte uns schon durch die\nWahl ihrei Gesangstücke in eine verjährte Ivunst-Periodo, aus deren\nbuntem Aufschuss wir allerdings einige herrliche und dauernde\nFrüchte noch immer bewundern; wir brauchen nur den Barbier von\nSevilla und ilhelm Pell zu nennen. Allein die beiden Stücke, die\nsie vortrug, gehören keineswegs zu den Anweisungen auf Unsterb-\nlichkeit, welche die Muse der Ponkunst ihrem Günstling Rossini\nausgestellt hat. Es ist möglich, dass Madame de Luigi in der Zeit\nder Blüthe jener Periode eine belobte Sängerin gewesen, in ihren\nhiesigen Leistungen waren jedoch nur Spuren vorhanden, die auf\ndie Richtigkeit dieser Annahme führen konnten. Leider ist eine\ndurch so allgemein fühlbares Ungenügen im Publicum erzeugte Miss-\nstinlmung manchmal selbst durch die besten Productionen anderer\nArt nicht ganz zu vertilgen, was freilich nicht sein sollte, aber, wie\ndie Menschennatur nun einmal beschaffen, nicht zu ändern ist.\nDer Chor war nur wenig beschäftigt, sang aber die „Frühlings-\nbotschaft\" von Geibel und Gade sehr schön; man hätte das Stück\ngern gleich noch einmal gehört. Das Orchester zeigte sich sehr brav\nin der Ausführung der beiden Ouvertüren und der Sinfonie, welche\nletztere besonders sorgfältig einstudirt war."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-11-26-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-11-26_01#c007", "volume": "bmtnabi_1859-11-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "383", "page_fin": "384", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591126-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "383", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591126-01.1.7", "debut_caractere": 3836, "fin_caractere_exclue": 5801, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nAm 19. November wurde in der musicalischen\nGesellschaft das Quintett in C-dur für Streich-Instrumente,\ndas in der ersten Soiree im Hotel Disch so sehr gefallen (S. Nr.\n47), unter dem lebhaftesten Applaus jedes Satzes wieder ausgeführt,\nindem die Herren Vortragenden so freundlich waren, dem allgemei-\nnen Wunsche nachzugeben.\nDie königliche Hofschauspielerin Frau von Bärndorf von\nHannover gibt gegenwärtig hier Gastrollen. Sie hat als Adrienne\nLecouvreur, Fräulein von Belle Isle und Donna Diana enthusiasti-\nsche Bewunderung erregt.\nlUreSdeil* Am 7. November ist Karl Gottlieb Reissiger\ngestorben. Zwei Tage vorher, am Samstag, hatte er noch die Vesper\nin der Hofkirche dirigirt, und den Montag gegen Mittag war er be-\nreits ruhig in seinem Lehnstuhl hinübergeschlummert. Er hat seit\n1826 die Stelle eines königlich sächsischen Hof-Capellmeisters be-\nkleidet und als Componist und Dirigent ein reiches Gebiet künst-\nlerischer Thätigkeit durchmessen. Er war den 31. Januar 1798 zu\nBeizig in der Nähe von Wittenberg geboren; auf der Thomasschule\nin Leipzig gebildet, begann er J 819 auf der dasigen Universität das\nStudium der Theologie. Seine musicalische Natur liess ihn aber die\nTonkunst zu seinem Berufe wählen, zu welchem er sich denn 1821\nin Wien und 1822 in München vollständig tüchtig machte, nachdem\ner schon in Leipzig durch Schicht Unterricht in der Composition\nerhalten hatte. Seine erste Oper ~Didou brachte C. M. von Weber\nin Dresden im Jahre 1824 zur Aufführung. Sein feierliches Be-\ngräbniss fand am Schiller-Tage den 10. November Statt.\nDer Ausschuss des schwäbischen Sängerbundes hat sei-\nnen zehnten Jahresbericht (November 1858 bis November 3 859) er-\nstattet. Es heisst darin unter Anderem: „Es sind jetzt zehn Jahre\nverflossen, seit am 25. November 1849 der schwäbische Sängerbund\nzu Göppingen gegründet worden ist. Der Bund darf mit Befriedigung\nauf diese Periode zurückblicken. Von kleinem Anfange (27 Lieder-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "384", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591126-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5517, "texte": "kränze) hat er sich zu weit ausgedehnter Wirksamkeit emporge-\nschwungen: 274 Vereine mit etwa 5480 Sängern bilden jetzt den\nschwäbischen Sängerbund, der sich über alle Theile unserer schwä-\nbischen Heimat erstreckt. Pflege des Volksgesanges, der Volks-\nbildung und eines deutschen Sinnes wurde in den Statuten als der\nZweck des Bundes bezeichnet; er hat für diese hohen Ziele ein red-\nliches Streben eingesetzt, uud manche schöne Erfolge sind erreicht\nworden. Es sind gute Lieder im Volke verbreitet worden, in der\nschönen Kunst des Gesanges sind manche Fortschritte zu Tage ge-\ntreten, und wo ein edler, dem Sängerwesen verwandter Zweig öffent-\nlicher humaner Wirksamkeit zu pflegen war, wurde er vom Sänger-\nbunde freudig erfasst. Insbesondere war sich der Sängerbund stets\ndes hohen Zieles bewusst, mitzuarbeiten in seinem bescheidenen\nTheile an der grossen nationalen Aufgabe deutscher Einigung durch\nPflege des deutschen Vaterlandsliedes und deutschen Wesens. Lieder-\nfeste waren neun allgemeine seit seiner Begründung; Ulm\nHeilbronn 1851, Reutlingen 1852, Hall 1853; Göppingen 1854, Ra-\nvensburg 1855, Ludwigsburg 1856, Tübingen 1857 und Mergent-\nheim 1858. Neben diesen ging eine ganze Reihe kleinerer Gaufeste\nher. Ausser den nächstliegenden Zwecken fanden öffentliche Bestre-\nbungen ihre Unterstützung durch den Bund und seine einzelnen\nMitglieder; wir erinnern an den ulmer Münsterbau, an die Pietät,\nmit welcher für die Erhaltung des Schillcrliauses in iMarbach überall\nvon den Liederkränzen gewirkt worden, an die werkthätige Unter-\nstützung der Schleswig-Holsteiner u. A. Unsere Feste wurden von\nunseren deutschen und schweizerischen Nachbarn besucht; unser\nBund, von den Nachbarn und Sangesgenossen eingeladen, war auf\nvielen auswärtigen Liederfesten durch Vereine oder Deputationen\nvertreten. Wenn man mit Recht klagt, dass in Deutschland die ein-\nzelnen Stämme und Gaue sich gegenseitig zu wenig kennen, dass\nhieraus ein gut Theil der Missverständnisse und Gereiztheiten ent-\nstehe, so war auch in diesem Theile der schwäbische Sängerbund\nbestrebt, zur gegenseitigen Bekanntschaft und Werthschätzung, was\ner konnte, beizutragen. Wir heben hervor, wie der Gesang besonders\ndie badischcn, baierischen und schweizerischen Sängerbrüder mit uns\nzusammenführte und die freundschaftlichsten Verhältnisse vermittelte»\nVon besonderem Werthe erwies sich unsere Liedersammlung;\nes ist durch sie allen Vereinen jetzt eine reiche Auswahl passender\nLieder geboten, und wo sich verschiedene Vereine treffen, haben sie\nfür die gemeinsame Wirksamkeit auch die gemeinsame Grundlage*\nDer erste Band derselben mit 137 Liedern ist jetzt abgeschlossen\nund bei dem für die Mitglieder so billigen Preise (1 Fl. pro Stimme,\n2 Fl. 42 Kr. die Partitur) in Aller Händen. Leider verbieten es, wie\nwir sonst im Interesse des Volksgesanges gern thun würden, Ver-\nträge mit den Verlegern, die Sammlung, wie häufig gewünscht wird,\nauch ausserhalb des Bundes abzugeben. Unsere Bibliothek hat be-\ndeutenden Zuwachs erhalten. Auf Pfingsten 1859 war das allgemeine\nschwäbische Liederfest bereits nach Biberach anberaumt; es stand\ndemselben ein zahlreicher Besuch von den Sängern des Bundes wie\nvon Sängergästen in Aussicht. Allein die Gestaltung der allgemeinen\npolitischen Lage nöthigte zu dem Beschlüsse, das Fest zu verschie-\nben. Eben so unterblieben das tyroler Sängerfest in Innsbruck, wel-\nches auf den 17. Mai ausgeschrieben, und das badische Gesangfest\nin Freiburg der politischen Verhältnisse halber. Eine rege Thätigkeit\nvieler Liederkränze trat indessen namentlich am Anfange des Jahres\nhervor: die in unserer letzten General-Versammlung lebhaft den Ver-\neinen ans Herz gelegte Unterstützung der Erhaltung des Schiller-\nHauses in Marbach. Ein Gegenstand der Berathung unserer bevor»\nstehenden General-Versammlung wird eine Statuten-Abänderung sein.\nStatt der alljährlichen Feier des allgemeinen Liederfestes dürfte eine\nFeier nur je alle zwei Jahre dem Feste selbst zum Vortheil gerei-\nchen. Die General-Versammlung in Ulm, den 14. November 1858,\nhat nun bereits das Princip der nur zweijährigen Feier genehmigt,\nden definitiven Beschluss aber der bevorstehenden General-Versamm-\nlung überlassen.\nUnser Cassenbericht pro 1858 —59 ist folgender:\nDie Einnahmen betragen 1474 Fl. 29 Kr.\nVorräthig bei letzter Abrechnung waren .... 12 „ 43 „\n1487 Fl. 12 Kr.\nDie Ausgaben sind :\nBandeslieder 319 Fl. 20 Kr., Druckpapier 260 Fl.\n15 Kr 579 Fl. 35 Kr.\nAssecuranzen 27 Fl. 44 Kr., Inserate 51 Fl. 52\nKr., Aussehuss-Sitzungen 27 Fl. 30 Kr., Mu-\nsicalien 57 Fl. f:3 Kr 165 ~25 „\nUnkosten aller Art 175 „44 „\nBaar in Cassa 566 „ 28 „\n1487 Fl. ]2 Kr.\nWas seit den Tagen, da der Stuttgarter Liederkranz auf A.\nSchott's Antrag das erste deutsche Schiller-Fest feierte (9. Mai\n1825), die Liederkränze für die Verehrung und das Gedächtniss des\ngrössten Sohnes Schwabens gethan haben, bedarf keiner Aufzählung\nan dieser Stelle. Wo in unserem engeren Vaterlande in diesen Tagen\nsein Andenken festlieh begangen worden, waren die Glieder des\nschwäbischen Sängerbundes mit in der ersten Reihe.\nAus Anlass des Jubelfestes haben wir den früher ernannten Ehren-\nMitgliedern Uhland, Silcher, HeidelofF, Leins vier würdige deutsche\nMänner beigesellt: Procurator Dr. Albert Schott in Stuttgart, Ernst\nMoriz Arndt in Bonn, Justinus Kerner in Weinsberg, den Sänger-\npfarrer Sprtingli in Thal weil am Zürichersee.\nEsslingen, Stuttgart und Heilbronn, im November 1859.\nConrector Dr. Karl Pfaff. Dr. Otto Elben. Professor Dr. J.\nFaisst. Kaur. G. A. Zumsteeg.\""}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "377", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591126-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nA. Schindlers Biographie von L. van Beethoven. 111. Aus Frankfurt am Main. I. (Thenter.) Von A. S. Zur poeti-\nschen Schiller-Feier. Von W. H. Aus Mainz (Schiller-Feier). Von A. Drittes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages-\nund Unterhaltungsblatt (Köln, Musicalische Gesellschaft, Frau von Bärndorf Dresden, Karl Gottlieb Reissiger f Zehnter\nJahresbericht des schwäbischen Sängerbundes).\n\nA. Schindler’s Biographie von L. van Beethoven.\nIII.\n(I. s. Nr. 43. 11. Nr. 46.)\nEine interessante Zugabe zu dem Katalog der Werke\naus der ersten Periode ist der Abschnitt über die Auf-\nnahme dieser Werke von Seiten der musicalischen Kritik,\nderen hauptsächlichstes Organ damals die leipziger „All-\ngemeine Musik-Zeitung\" war. Trotz mancher unfreund-\nlichen, strengen, allerdings auch oft zu belächelnden Ur-\ntheile stellt es sich doch heraus, dass die „Gränzlinie des\nAchtungsvollen und Anständigen gegen Beethoven nie\nüberschritten worden, dass die Kritik niemals so gelau-\ntet, wie ein Beethoven-Enthusiast neuester Zeit auszusagen\nsich erlaubte, wenn er unter Anderem anführt: „ „Wun-\nderdinge lies't man von der Impertinenz des talentlosen\njungen Fanten, der sich in den tollsten Bizarrerieen wie\nzum Hohne der Kunst ergeht\"\" u. s. w. (S. 67.)\nEs ist nothwendig, dass durch wirkliche Einsicht in\ndie kritischen Archive der damaligen Zeit die Erfin-\ndungen der gegenwärtigen Lügen gestraft werden,\nda diese sich darin gefallen, dem deutschen Publicum von\ndamals eine völlige Urtheilslosigkeit Beethoven gegenüber\nanzudichten. Abgedroschene Redensarten, dass alle genia-\nlen Kunstschöpfungen Anfangs verkannt und schlecht auf-\ngenommen werden, „wie man das auch besonders an\nBeethoven sehe\", sind freilich den Gernegrossen unserer\nTage willkommen, um an einer solchen Parallel-Leiter\nempor zu klettern. Brechen dann auf einmal die Sprossen,\noder stösst die Kritik und die öffentliche Meinung die ganze\nLeiter um, so rufen sie im Sturze: „Seht, so ist es auch\ndem grossen Beethoven ergangen!\" —Dass Beethoven An-\nfangs und auch späterhin mit Beschränktheit und Pedan-\nterie der Kunstrichter zu kämpfen hatte und hat er es\ndenn nicht noch, im Jahre 1859?? —, ist ganz natürlich;\nallein wie kam es denn, dass seine Sachen Verleger und\neine Menge Nachdrucker fanden, dass ihm sehr bald Be-\nstellungen von den verschiedensten Seiten her zugingen,\ndass ihm, trotz der damaligen Verhältnisse des Musikhan-\ndels, bei denen das Verlags-Eigenthum gegen Freibeuterei\nkeinen Schutz halte, dennoch ganz gute Honorare gezahlt\nwurden, ja, dass er in seiner Blüthezeit „fordern konnte,\nwas er wollte\", und auch bekam? Woher käme dies, wenn\nseine Zeitgenossen ihn nicht anerkannt hätten und er\nseine Verleger auf die Zukunft hätte verweisen müssen?\n-—Dass aber auch die zunftmässige Kritik und zwar in\neiner Zeit, wo sie weder von Coterie, noch von Gunst,\nnoch von Schlimmerem beeinllusst war den genialen\nBeethoven nicht verkannte, beweis't unter Anderem die\nRecension der drei Sonaten Op. 10\naus dem zweiten Jahrgang (1799 —1800) der Allgemei-\nnen Musik-Zeitung, deren Anfang also lautet:\n„Es ist nicht zu läugnen, dass Herr van Beethoven\nein Mann von Genie ist, der Originalität hat und durchaus\nseinen eigenen Weg geht. Dazu sichert ihm seine nicht\ngewöhnliche Gründlichkeit in der höheren Schreibart und\nseine eigene ausserordentliche Gewalt auf dem Instrumente,\nfür das er schreibt, unstreitig den Bang unter den besten\nClavier-Componisten und Spielern unserer Zeit. Seine Fülle\nvon Ideen, vor denen ein aufstrebendes Genie gewöhnlich\nsich nicht zu lassen weiss, sobald es einen der Darstellung\nfähigen Gegenstand erfasst, veranlasst ihn aber noch zu\noft, Gedanken wild auf einander zu häufen und sie mit-\nunter vermittels einer etwas bizarren Manier dergestalt zu\ngruppiren, dass dadurch nicht selten eine dunkle Künst-\nlichkeit oder eine künstliche Dunkelheit hervorgebracht\nwird, die dem Effect des Ganzen eher Nachtheil als or-\ntheil bringt. Phantasie, wie sie Beethoven in nicht gemei-\nnem Grade hat, zumal von so guter Kenntniss unterstützt,\nist etwas sehr Schätzbares und eigentlich Unentbehrliches\nfür einen Componisten, der in sich die Weihe zu einem\ngrösseren Künstler fühlt, und der es verschmäht, llach und"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "378", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591126-01.1.2", "texte": "überpopulär zu schreiben, vielmehr etwas aufstellen will,\ndas inneres, kräftiges Leben habe und auch den Kenner\nzur öfteren Wiederholung seines Werkes einlade. Allein\nin allen Künsten gibt es ein Ueberladen, das von zu vielem\nund häufigem Wirkungsdrange und Gelehrtthun herrührt,\nwie es eine Klarheit und Anmuth gibt, die bei aller Gründ-\nlichkeit und Mannigfaltigkeit der Composition gar wohl\nbestehen kann.\" In Bezug auf Oekonomie wünscht der\nwohlwollende Rccensent, dass der Componist sich von ihr\nleiten lassen möge,und knüpft noch Nachstehendes daran:\n„Es sind wohl wenige Künstler, denen man zurufen muss:\nSpare deine Schätze und gehe haushälterisch damit um!\nDenn nicht viele sind überreich an Ideen und sehr gewandt\nin Combinationen derselben!\"\nFerner aus dem Februar 1800 über Opus 13: „Nicht\nmit Unrecht heisst diese wohlgeschriebene Sonate pathe-\ntisch, denn sie hat wirklich bestimmt leidenschaft-\nlichen Charakter. Edle Schwermut!) kündigt sich in dem\neffectvollen, wohl und fliessend inodulirten aus\nmoll an, das den feurigen Allegro-Satz, der viel starke Be-\nwegung des ernsten Gemüths ausdrückt, bisweilen unter-\nbricht. In dem Adagio aus As-dur, das aber nicht schlep-\npend genommen werden muss und sowohl schöne fliessende\nMelodie als Modulation und gute Bewegung hat, wiegt das\nGemüth sich ein in Ruhe und Trostgefühl, aus welchem\nes aber durch das Rondo in dem ersten Tone des Allegro,\nin beiderlei Sinne des Wortes, wieder geweckt wird, so\ndass also das der Sonate zum Grunde gelegte Hauptgefühl\ndurchgeführt wird, wodurch sie selbst Einheit und inneres\nLeben, also wirklich ästhetischen Werth erhält. So\netwas von einer Sonate sagen zu können, vorausgesetzt,\nwie hier der Fall ist, dass jedes übrige Erforderniss der\nmusicalischen Kunst nicht unerfüllt gelassen ist, beweiset\noffenbar für ihre Schönheit.\"\nHöre man aber vollends (aus dem Jahre 1802) die\nleipziger Musik-Zeitung über Op. 26 (As-dur) und Op. 27\n[Quasi Fantasia in Es-dur und in Cis-moll):\n„Das sind die drei Compositionen für das Pianoforte,\nwomit Herr van Beethoven vor Kurzem die auserlesenen\nSammlungen gebildeter Musiker und geübter Clavierspieler\nbereichert hat. Bereichert—denn sie sind wahre Bereiche-\nrung und gehören unter die wenigen Producte des jetzigen\nJahres, die schwerlich jemals veralten werden und von de-\nnen besonders Nr. 3 gewiss nie veralten kann. Nr. 1\nmöchte doch wohl stellenweise allzu künstlich gearbeitet\nsein. Das soll aber keineswegs von dem wahrhaft grossen,\ndüsteren und prachtvollen Harmonie-Stücke gesagt sein,\ndas der Verfasser, um den Spieler gleich auf den rechten\nStandpunkt zu heben, überschreibt: Marcia Funebre sulla\nmorfe d'un Eroe; denn hier gehört alles Schwierige und\nKunstreiche zum Ausdruck und folglich zur Hauptsache.\nWer sich hier, so wie in verschiedenen Stellen der Nr. 2\nund wie in 3 fast ganz, über Schwierigkeit der Ideen oder\nauch der Ausführung beklagt, der gleicht den Popular-\nPhilosophen, die jede tiefgreifende Abhandlung in der\nSpräche einer artigen Conversation beim Thee vorgetragen\nhaben wollen.\n„Die Phantasie in Cis-moll ist von Anfang bis zu Ende\nEin gediegenes Ganzes, mit Einem Male aus dem ganzen,\ntiefen und innig aufgeregten Gemüthe entsprungen und\nnun gleichsam aus Einem Marmorblock gehauen. Es ist\nwohl nicht möglich, dass irgend ein Mensch, dem die Natur\nnicht die innere Musik versagt hat, nicht sollte durch das\nerste Adagio ergriffen und allmählich immer höher gelei-\ntet und dann durch das Presto agitato so innig bewegt und\nso hoch gehoben werden, als er durch freie Ciaviermusik\nnur zu heben ist. Mit vollkommenem Grund sind diese bei-\nden Hauptsätze in dem schauerlichen geschrieben;\nüberall hat auch der Verfasser, so weit so etwas mit\nconventionellenZeichen ausgesagt werden kann,\nden Vortrag und auch die Handhabung des Eigenen und\nVorzüglichen des Pianoforte hinzugesetzt, welche letztere\nBeethoven nach den Bezeichnungen und noch sichtbarer\nnach der ganzen Anlage und Hinstellung seiner Ideen ver-\nsteht, wie kaum irgend ein anderer Componist für dieses\nInstrument, und wie Ph. Em. Bach das eigentliche Cia-\nvier zu handhaben verstand. Ein recht sehr gutes Instru-\nment muss man aber besitzen, wenn man sich selbst beim\nVortrage mancher seiner Sätze, z. B. des ganzen ersten\nSatzes von 3, einiger Maassen genügen will.\"\nIm Jahrgang 1805 heisst es schon: „Beethoven wird\nmit der Zeit eben die Revolution in der Musik bewirken,\nwie Mozart. Mit grossen Schritten eilt er zum Ziele.\"\nFerner wird das C-moll-Concert, das 1804 neben der\nzweiten Sinfonie (in D-dur) erschien, gleich nach dem\nersten Vortrage desselben durch Ferdinand Ries zu den\n„schönsten Compositionen\" gezählt, und die zweite Sinfo-\nnie „ein Werk voll neuer, origineller Ideen, von grosser\nKraft, seelenvoller Instrumentirung und gelehrter Ausfüh-\nrung\" genannt.\nDiese Anführungen beweisen zur Genüge, dass man\nviele, ja, die meisten Werke Beethoven's gleich bei ihrem\nErscheinen würdigte, wobei natürlich nicht bloss von Wien,\nsondern von ganz Deutschland die Rede ist. Erst die Ros-\nsini'sche Periode und die Virtuosenwirthschaft drängte viele\nWerke von ihm zurück, die wieder zu frischem Leben zu\nbringen den letzten Jahrzehenden aufbehalten war. Schrei-\nber dieses erinnert sich aus seinen Knaben- und Jünglings-\njahren (1808 —1818), die er in Dessau, wo eine vor-\ntreffliche Hofcapelle und mehrere Quartett-Cirkel waren,"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "379", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591126-01.1.3", "texte": "und in Berlin verlebte, wie sehr man in musicalischen\nKreisen für Beethoven's Kammermusik bis zu den Rasu-\nmowski-Quartetten und den Clavier-Trio's Op. 70 und\nOp. 97 (erschien 1816) hinauf schwärmte, wie sehr die\nClavier-Concerte in C-moll, in G-dur, in Es-dur gleich bei\nerstem Anhören entzückten, wie die zweite, fünfte, sechste\nund siebente Sinfonie (1816) auf der Stelle durchschlu-\ngen, wie in Berlin Fidelio (mit der Milder-llauptmann als\nLeonore, Blume als Pizarro, Eunicke als Florestan) be-\ngeisterte.\nDass besonders in den kritischen Blättern auch\nfehlgreifende und harte, schulmeisterliche und lächer-\nliche Urtheile vorkamen, wollen wir gar nicht läugnen;\naber sie konnten die Macht, die der Genius auf das Pu-\nblicum im Allgemeinen übte, nicht beschwören, und Beet-\nhoven hatte ganz Becht, als er an Hofmeister in Leipzig\nden 15. Januar 1801 schrieb: „Lasse man sie doch nur\nreden, sie werden gewiss Niemanden durch ihr Geschwätz\nunsterblich machen, so wie sie auch Niemandem die Un-\nsterblichkeit nehmen werden, dem sie vom Apoll bestimmt\nist.\" (Schindler 1., S. 68.)\nHört Ihr es, Ihr Vorsteher der ruhmmachenden Blät-\nter, Ihr Götzenbildner? „Euer Geschwätz wird ge-\nwiss Niemanden unsterblich machen!\"\n\nAus Frankfurt am Main.\n\nI.\n[Theater.]\nAls Referent in Nr. 8 dieses Jahrgangs (19. Februar)\nvon dem zur Zeit eingetretenen Wechsel in der Verwal-\ntung an unserem Theater Kunde gegeben, fügte er bei,\ndass die bewährte Energie der neuerdings zur Leitung be-\nrufenen Herren Dr. von Guaita und Wilhelm Speyer\nhoffen lasse, dass in Jahresfrist Manches, vielleicht schon\nVieles, zum Besseren sich gewandt haben werde. Wenn-\ngleich dieser kurzgestellte Zeitraum noch nicht völlig ab-\ngelaufen ist, so darf denn doch schon mit Fug und Recht\ngesagt werden, dass Zustände und Verhältnisse eine von\nden früheren wesentlich verschiedene Umgestaltung erhal-\nten haben, wodurch das Institut unfehlbar einer erfreuli-\nchen Zukunft entgegengeführt werden kann, falls es nur\neiniger Maassen noch vom Glück begünstigt wird. Wenn\nSeitens der Direction beharrlicher Eifer und Festigkeit in\nHandhabung der aufgestellten Grundsätze hinsichtlich\npünktlicher Erfüllung der jedem der technischen Beamten\nzukommenden Pflichten gesehen wird, wie dies wirklich\ngeschieht, so liegt auch hierin eine Gewähr für das Ge-\ndeihen des Instituts, immer jedoch mit Einschluss der Be-\ndingung, dass Publicum wie Kritik hinsichtlich der Anfor-\nderungen auf ein Ensemble in Oper und Schauspiel billige\nRücksicht nehmen und dieses nicht mit dem Maassstabe\nder ersten Bühnen Deutschlands messen wollen.\nWas diese beiderseitigen Anforderungen betrifft, so\ngewahrt man deutlich, dass das Publicum die grossen\nSchwierigkeiten in Herstellung eines ganz tadellosen En-\nsemble's, namentlich in der Oper, recht wohl kennt; liegen\ndiese doch in den Zeitzuständen offen zu Tage, folglich\nmeist ausser Berechnung einer Theater-Verwaltung. Dieser\ndas Institut erhaltende Theil weiss sich demnach in Geduld\nzu fassen, zumal er mit dem Bewusstsein das Haus betritt,\nnicht Ursache zu haben, über schlechte Leistungen Klase\no o\nführen zu dürfen, weil das Gebotene in den meisten Vor-\nstellungen im Ganzen mit gut bezeichnet zu werden ver-\ndient. Anders sieht man es bei der Kritik, nämlich der in\nauswärtigen Blättern, jedoch nur in vereinzelten Stimmen;\nim Allgemeinen ist ihre Haltung auch dort eine abwar-\ntende.—In den letzten Tagen sind zwei gegnerische Stim-\nmen in den wiener „Recensionen\" laut geworden, die\nhauptsächlich aus dem Grunde Beachtung verdienen, weil\nsie dieses wohlaccreditirte Blatt zu ihrem Organe gewählt.\nEs sei verstattet, bei der in Nr. 43 ein kurzes Ständchen\nzu machen. Nachdem der Einsender gesagt, „dass die\njetzige Form der Verwaltung etwas gar zu sehr nach Di-\nlettantenwirthschaft schmeckt\", fährt er also fort:\n„So zeichnet sich denn das jetzige Regime durch ein\nplan- und haltloses Umherirren, Suchen und Tappen nach\ndem Rechten, durch eine Geschäftigkeit, die oft über ihre\neigenen Füsse stolpert, durch Missgriffe und Mängel aller\nArt aus, durch deren Vermeidung manches Störende im\nEinzelnen entfernt werden könnte, wenn auch die Phy-\nsiognomie des Ganzen, für die wir Herrn von Guaita nicht\nallein verantwortlich machen, keine wesentlich andere\nwürde. Ein Glück für diese Guaita'sche Direction ist nur,\ndass sie keine öffentliche Controle zu fürchten hat, . . . .\nund so thront denn Herr von Guaita als meist unumschränk-\nter Jupiter tonchns wn Theatcrhimmel. Im Publicum herrscht\njedoch grosse Missstimmung gegen ihn und seine Verwal-\ntung, und man würde seinen Rücktritt keineswegs be-\ndauern.\"\nDie Form der gegenwärtigen Verwaltung beschränkt\nsich bekanntlich auf drei durch ihre bürgerliche Stellung\nvollkommen unabhängige Männer, die in wünschenswer-\nthester Uebereinstimmung und Solidarität in den Beschlüs-\nsen den übernommenen Pflichten ihres Amtes obliegen,\nobwohl der eigentliche Wirkungskreis eines jeden ein\nanderer ist. Es ist fast natürlich (auch durch allenthalben\nübliche Praxis erfahrungsgemäss), wenn dem rechtskundi-\ngen Mitgliede eines Comite's der Vorsitz eingeräumt wird,\n\n[*J"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "380", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591126-01.1.4", "texte": "wodurch demselben jedoch keineswegs ein Uebergewicht\nüber die anderen zugestanden ist. Erwägt man die man-\nnigfaltigen, bei jeder Theaterführung sich ergebenden\nRechtsfälle, so wird die Herbeiziehung eines Consulenten\nfast tagtäglich eine unabweisliche Notwendigkeit. Dieser\nUmstand setzte den Advocaten Guaita auch in der gegen-\nwärtigen Verwaltung auf den Präsidentenstuhl, nachdem\ner denselben bereits unter der Intendanz des Herrn Bene-\ndix occupirt hatte. Reichen denn aber vielseitige Bildung\nund mehrjährige Uebung, überdies noch das Zurseitegehen\nmehrerer Fachmänner, immer noch nicht aus, um ein\nTheater solidarisch zu leiten? Darf man da noch von „Di-\nlettantenwirthschaft\" sprechen? Freilich hörten wir vor\nnicht lange von Berlin her über eine „Lieutenantswirth-\nschaft\", von München über eine „Literatenwirthschaff\nam Theater gleichfalls raisonniren, weil dort, wie auch in\nFrankfurt geschehen, strenge Vorschriften erlassen wur-\nden, kraft deren Gemütlichkeit und Schlendrian in der\nGeschäftsführung aller Zweige dem Princip des unbeding-\nten Gehorsams weichen mussten. Man weiss, wie derlei\nvon einzelnen Betroffenen aufgenommen wird; auch weiss\nman, in welchem Lichte der Reformator bei solchen Leu-\nten steht. Auf den Blocksberg mit ihm, sammt seinen\nGenossen!\nSoll von Vertheilung der Geschäfte in der Direction\nnoch eines Weiteren die Rede sein, so braucht man zu\nerfahren, dass Herr Speyer ausschliesslich die Oberleitung\nüber das Opernwesen führt, worin er von seinen Collegen\nnicht im Geringsten beeinflusst wird*); man braucht ferner\nnur noch zu vernehmen, dass Herr Reu hl der Finanz-\nMinister des kleinen Künstlerstaates ist. Ohne Zweifel\nS\nwussten die grossen Rechenmeister unter den Aclionären\nrecht wohl, dass sie Herrn F. Wecker (aus der früheren\nVerwaltung) keinen würdigeren Nachfolger auf diesem hä-\nkeligen Posten geben konnten, als den eben Genannten.\nDie artistische Leitung des Schauspiels liegt in den Händen\ndes Regisseurs Vollmer. Es wird dieser Künstler kaum\nsich zu beklagen haben, dass seine Vorschläge zu Besetzung\nder Rollen Seitens der Direction nicht beachtet würden,\nund wenn man nicht über ein Heer von Rollen-Aspiranten\nzu verfügen hat, so ist der relativ geeignete Repräsentant\nfür jede Rolle bald aufgefunden, daher Protection nicht\nanwendbar, die der Verwaltung auch noch vorgeworfen\nwird. Dass indess dem Institute ein mit dem Geiste der\ndramatischen Literatur tiefer vertrauter Mann, als dies in\nden Leistungen des Schauspiels öfter zu Tage tritt, wirk-\nlich mangelt, wird von kundigen Theaterfreunden unver-\nhohlen ausgesprochen. Vielleicht wird ein solcher die fühl-\nbare Lücke bald ausfüllen; denn bedenkt man, dass dem\nOberleiter des Opernwesens ein Regisseur (Herr Hiesel)\nund der Capellmeister zur Seite stehen, so wird man einen\nüber dem Regisseur des Schauspiels stehenden Wissen-\nschaftsmann keinesfalls für überflüssig halten können. Der\nSchauspieler ist in der Regel weder besonders geeignet,\nnoch hat er Zeit, Dramaturgie zu studiren, auch ist er zu\nviel von der Macht der Gewohnheit und des Herkömm-\nlichen beherrscht, um das Unrichtige, Verfehlte um sich\nherum immer mit sicherem Blicke erschauen zu können.\nNicht ohne Interesse werden ferner Opernfreunde ver-\nnehmen, denen die Unnatur und das meist auf Stelzen\ngehende Pathos in der modernen grossen Oper französi-\nscher und deutscher Componisten den Genuss verdorben,\ndass bei uns ein geglückter Griff in das Repertoire der\nersten Jahrzehende gemacht wurde. Bereits war Isouard's\nAschenbrödel in Scene, und sein Joconde wird bald nach-\nfolgen. Auch Mehul's beide Füchse und andere ein-und\nzweiactige Operetten aus der älteren Periode werden an\ndie Reihe kommen. Möge Herr Speyer bei diesem löbli-\nchen Unternehmen doch ja vom Capellmeister emsig unter-\nstützt werden, sonst bleibt jede Intention in Bezug auf Bes-\nserung des Geschmacks erfolglos. Der Capellmeister muss\nmit fester Ueberzeugung dabei ans Werk gehen, das beste\nFörderungsmittel zur Erreichung des wahrhaft Schönen\nund Guten unter den Händen zu haben. Es ist nicht die\nSchuld eines der jüngsten Künstler-Generation angehörigen\nMusik-Directors im Theater und Concertsaale, dass es ihm\nnicht vergönnt war, wenigstens noch die in\nder classischen Periode mit zu gemessen und seine ästhe-\ntischen Anschauungen von dorther überkommen zu haben.\nAber bestreben soll sich jeder junge Orchesterführer, das\nStudium der älteren Meisterwerke mit Ehrfurcht und regem\nEifer zu betreiben, um ihrem Geiste recht nahe zu kom-\nmen, damit er diesen allen Ausführenden fühlbar machen\nkönne. Mit festem Tactschlagen nach Art der alten Tele-\ngraphen, auch mit Beobachtung der vorgeschriebenen Vor-\ntragszeichen ist der dem Tonstücke innewohnende Cha-\nrakter noch lange nicht erfasst, wie auch der Würdigung\ndes leider sehr verwöhnten Publicums noch lange nicht\ngenügend entgegengebracht. Für das Gesang-Personal wer-.\n\n*) Beiläufig muss bemerkt werden, dass W. Speyer, einstiger\nSchüler von Baillot, die Tonkunst als Coraponist und Exe-\ncutant sein Leben lang so fleissig gepflegt hat, als sollte er\nsich damit den Unterhalt verdienen. Er steht auf derselben\nHöhe der Künstlerschaft, auf welcher z. B. Fürst Anton Radzi-\nwill und nicht wenig andere so genannte Dilettanten in der\nfrüheren Periode gestanden. Unsere Zeit hat dergleichen Män-\nner schon weniger aufzuweisen. Ein solcher Kunst-Dilettant\nführt seit Jahren die Oberleitung über das StädeFsche Institut\nzu Frankfurt am Main, in Wien sehen wir einen Fürsten an\nder Spitze eines der geachtetsten Kunst-Organe, „Recensionen\",\ner ist einer der thätigsten Arbeiter und Förderer der guten\nSache, u. s. w. u. s* w."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "381", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591126-01.1.5", "texte": "den jene eigentlichen Sing-Opern eine zweckmässige\nSchule abgeben, woraus auch das Darstellungs-Talent\nNutzen ziehen wird. Wird von allen Seiten dieses Unter-\nnehmen mit besten Kräften gefördert, so dürfte man aller-\nseits bald die Ueberzeugung gewonnen haben, dass aus\ndem älteren Opern-Repertoire ein heilsames Antidot ge-\ngen das moderne, tief eingefressene Gift gezogen werden\nkönne. Glück auf!\n\nA. S.\n\nZur poetischen Schiller-Feier.\n\nDer Bericht dieses Blattes (in Nr. 47) über die Schil-\nler-Feier in Köln hat im Vorbeigehen des Festspiels von\nDr. Bernays erwähnt, welches zuerst in Bonn, dem\nWohnorte des Verfassers, sodann am 10. und 14. Novem-\nber im hiesigen Theater mit gleicher Warme und Begeiste-\nrung dargestellt, wie vom Publicum aufgenommen wurde.\nDieser sinnigen Arbeit nachträglich noch ein Wort ver-\ndienter Anerkennung zu widmen, erscheint wohl um so\nmehr gerechtfertigt, je rascher ohnehin mit dem Verfliegen\njener festlich erhöhten Stimmung, die so manchen Erzeug-\nnissen der Gelegenheits-Poesie einen Inhalt willig leiht,\nden sie ihr entgegenbringen sollten, auch die echten Ein-\ngebungen des Augenblicks der Vergessenheit anheim zu\nfallen pflegen.\nIm scenisch componirten Ausdruck gewinnt der Ge-\ndanke einer solchen Feier lebendiger wirkende Macht für\ndas theilnehmende Gemüth, als im einzeln gesprochenen\nProlog, der uns noch mehr in eine nur vorbereitende Be-\nwegung versetzen will. Dr. Bernays, der jüngere Bruder\ndes bekannten, durch Gelehrsamkeit und kritischen Scharf-\nsinn ausgezeichneten Philologen, ist so glücklich gewesen,\ndes Vortheils, den der bestimmte Abschluss der dramati-\nschen Form hier einem geschickten Talente darbot, sich\nin vollem Maasse zu bemächtigen, indem er sich von dem\nGenius selbst, den es zu verherrlichen galt, den Weg\nzeigen liess. Doppelt wirksam macht es die einfache Erfin-\ndung, welche dem kleinen einactigen Stücke zu Grunde\nliegt, dass er sie aus dem nächsten, aller Welt geläufigen\nKreise Schiller'scher Anschauungen entnommen hat. Das\neinem populären Erfolge an sich so sehr widerstrebende\nallegorische Wesen, dem die Gelegenheits-Festbühne doch\nimmer wieder sich öffnen muss, wird auf diese Weise\nschnell und erfreulich in allgemein empfundene poetische\nLebensbeziehungen hinübergeleitet, ja, als stärkster Hebel\nfür den gefühlvollen Aufschwung des concreten Verhält-\nnisses zwischen Volk und Dichter in ungesucht geistreiche\nAnwendung gebracht.\nIn der geheimnissvollen Gestalt des Mädchens aus der\nFremde hat die hehre Göttin Poesie unerkannt die Her-\nzen schlichter Landleute gewönnen, bei denen sie bisher\n„mit jedem jungen Jahr * als Gast erschien. Ferngehalten\nvon dem drohenden Ivriegs-Unwetter, ist sie diesmal aus-\ngeblieben. Vater und Mutler zweifeln bei nahender Win-\nterszeit an ihrer Wiederkehr; die Tochter rüstet, harrend\nin gläubiger Zuversicht, reichen Blumenschmuck für die\nHütte zu festlichem Empfange der Ersehnten. Und die\nfrohe Ahnung behält Recht. Das Mädchen aus der Fremde\nkehrt, treu dem gegebenen Worte, zurück und offenbart\nsich den Staunend-Verehrenden im Glänze der göttlichen\nSendung, die ihnen bisher verborgen blieb. Aus dem\nMunde der Poesie selbst ertönt nun zum ersten Male der\nName ihres grossen, vor hundert Jahren dem deutschen\nVolke erstandenen Jüngers, für dessen erhabene Phanta-\nsieen und herrliche Gesänge sie längst in den Herzen der\nandächtigen Freunde bewundernde Liebe zu entzünden\ngewusst. Ihr Geheiss versammelt auf den Brettern, welche\ndie Welt bedeuten, die Lebensgebilde des schöpferischen\nDichtergeistes und leiht ihnen Sprache, dass sie Zeugniss\nvon ihm ablegen. Dem enthüllten Abbild des Dichters, das\nsie mit dem eigenen Lorber krönt, bringt vor den Anderen\ndie beglückte Braut ihre demüthige Huldigung dar.\nIn den einfachen und doch von innerer Spannung be-\ngleiteten Gang dieser wenigen Auftritte hat der V erfasser\nalles Wesentliche, was bei der Feier zu Worte kommen\nmusste, mit klarer und beredter Empfindung niedergelegt,\ndas Allgemeine, welches darzustellen war, ausgedrückt,\nohne dass wir die Züge individueller Lebendigkeit vermis-\nsen, dem grossen Freiheits- und Einheits-Gedanken end-\nlich, zu dessen Wahlruf der Name Schiller's erhoben ist,\nsein Hecht nicht vorenthalten, ohne darin, wie es mancher\nOrten geschieht, die charakteristische Gesammt-Erschei-\nnung des Genius ganz untergehen zu lassen. Die nachfol-\ngende Probe der Rede des Mädchens aus der Fremde\nentnommen, worin sie das Wirken und Kämpfen der in\nihrem Dienste stehenden Jünger schildert ist vielleicht\nam besten geeignet, das Gesagte wenigstens nach dieser\nletzteren Seite hin zu bestätigen:\n—1 Doch herrlich über Alle\nRagt hoch ein edles Geistesheldenpaar.\nVereinigt nennt ihr \\olk sie, wie sie selbst\nIn Eintracht auf des Lebens Höhen standen\nZu grosser That verbunden; was ihm edel,\nWas hoch und rein und herrlich ihm erscheint,\nDaran gedenkt's bei dieser Namen Klange,\nDer weithin durch die Völker tönt. Der Eine\nAuch meine Lippe nennt ihn schüchtern nur,\nUnd unter meiner Jünger Schar erkenne ich\nNur wen'ge, die ihm gleichen —, ausgerüstet\nMit aller Gaben Fülle, und das Siegel\nDer Macht auf hoher Stirne tragend, schritt er,\nMit allen Mächten der Natur im Bunde,\nDurchs Leben hin, der Götter sel'ger Liebling."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "382", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591126-01.1.6", "texte": "Demüthig schmiegt sich ihm das Feindliche;\nIn seinen Zauberlauten offenbart sich\nDas Menschenherz mit seinen Wundern allen;\nWo du auch wandelst, auch aus dürrem Boden,\nLässt er den Quell der Dichtung fröhlich sprudeln,\nDen Glanz der Schönheit hat er ausgegossen\nVerklärend über alle Welt. Der Andre,\nDer in dem Herzen seines Volkes wohnet,\nDer, mit sich selbst und mit des Geistes Mächten\nGewaltig ringend» ewig aufwärts strebte\nAus dumpfem Reich des Irdischen empor\nZu heitern Höhen, wo die Freiheit weilet,\nWeit von sich bannt er alles Niedrige,\nErgreifen will er nur das Wahre, Gute.\nIn des Gedankens unermess'nem Reiche\nHat er den festen Thron sich auferbaut,\nUnd liebend schaut sein Volk ihm nach und ehrt\nIn ihm den hohen Lehrer, der der Freiheit\nBegeisternd Wort ihm zuruft. Alle Liebe,\nDie ihm im Herzen seines Volkes flammt,\nSie lodert heute mächtig auf, verbrüdert\nSind alle Menschen, die ihn freudig ehren.\nDem deutschen Dichter huldigt heut die Welt\nIhm schlägt das Herz entgegen, von den Lippen\nTönt Friedrich Schiller's hochgeweihter Name!\"\nDer jubelnde Beifall, mit dem das Publicum dieser\nschönen Verkündigung antwortete, und der, oft sich er-\nneuend, am Schlüsse in anhaltenden Ruf nach dem Ver-\nfasser überging, lässt, auch wenn wir allen Antheil, der\ndem Gegenstande der Feier daran zukommt, gewissenhaft\nabrechnen, immer noch genug zu wahren Gunsten des\nFestspiels selbst übrig, um die Voraussetzung zu begrün-\nden, dass dasselbe auch in der strengeren Probe des Druckes\nvor einem grösseren Kreise und schon abgekühlter Em-\npfänglichkeit mit Ehren bestehen würde.\n\nW. H.\n\nAus Mainz.\n\nDie schönen Tage des Schiller-Festes sind nun vor-\nüber; was sie uns in musicalischer Beziehung gebracht\nhaben, ist jedenfalls der Beachtung werth, denn selten\nkommt es hier in Mainz vor, dass sich sämmtliche Gesang-\nVereine zu einer gemeinsamen Aufführung vereinigen; ohne\näusseren Beweggrund geschieht dies nie, denn wir stehen\nhier noch nicht auf der Stufe musicalischer Bildung, dass\nwir uns aus blosser Liebe zur Kunst zusammenscharen,\num dieses oder jenes Tonwerk in würdiger Weise zur\nAufführung zu bringen. Gott bewahre! eine äussere Ver-\nanlassung muss vorhanden sein, und diese bildete jetzt das\nSchiller-Fest. So hatten wir also am 11. November im\nprachtvoll decorirten Theater den seltenen Genuss, sämmt-\nliche musicalische Kräfte von Mainz versammelt zu sehen,\num Mendelssohn's Festgesang an die Künstler und Beet-\nhoven's neunte Sinfonie zur Aufführung zu bringen. Erste-\nrer machte unter der schwungvollen Leitung des Herrn\nLux bei einem Chor von mehr als zweihundert Sängern\neinen gewaltigen Eindruck. Auch die Sinfonie unter Lei-\ntung des Herrn Mar pur g konnte diesmal, da das Or-\nchester mit Wiesbadener Kräften bedeutend verstärkt war,\nin ihrem instrumentalen Theile vollkommen befriedigen.\nWeniger war dies bei der Vocal-Partie des letzten Satzes\nder Fall, die bei ihrer übermenschlich hohen Lage überall\nReinheit in der Intonation vermissen liess. Mit welcher An-\ndacht hier übrigens das so genannte gebildete Publicum\neine Beethoven'sche Sinfonie anhört, möge ihnen aus Fol-\ngendem klar werden. In der zweiten Hälfte des ersten\nSatzes entstand auf einmal in der ersten Logenreihe eine\nBewegung, die sich wie ein Lauffeuer auf das ganze Audi-\ntorium fortpflanzte; die Lorgnetten richteten sich alle nach\ndem Mittelpunkte der Bühne; im Parterre erhob man sich\nvon den Bänken, unter zurückgehaltenem Lachen theilte\nEiner es dem Anderen mit, kurz: von der Sinlonie war\nvor lauter Geräusch nichts mehr zu verstehen. Da ich nicht\ngewohnt bin, Concerte mittels einer Lorgnette anzuhören,\nso war für mich die ganze Bewegung ein Räthsel. Ich\nfragte meinen Nachbar, und was glauben Sie, das die\nUrsache gewesen?—nun, weiter nichts als: die Halsbinde\ndes Herrn Marpurg hatte sich beim Dirigiren verschoben!!\nVon den übrigen Theilen des Concert-Programins ist\nnoch zu erwähnen, dass von Herrn die Gluck'sche\nOuvertüre zur Iphigenie mit dem Mozart'schen Schlüsse\nvorgeführt und von Fräul. Tipka aus Wiesbaden Schil-\nlert Sehnsucht von Romberg gesungen wurde. Zu be-\ndauern war, dass der Eindruck des ganzen Concertes aus-\nserdem noch geschwächt wurde durch einen höchst lang-\nweiligen Vortrag eines Mitgliedes des Kunst- und Literatur-\nVereins, in welchem uns nichts weniger zugemuthet wurde,\nals Schiller's vollständige Biographie anzuhören, die in\njedem Conversations-Lexikon zu finden ist. Als nachher\ndie Bekränzung der Schiller-Büste Statt finden sollte, war\nes unmöglich, ein schallendes Hoch herauszubringen, denn\n—-das Publicum war unterdessen eingeschlafen.\nVom vorhergehenden Abende ist noch zu erwähnen,\ndass im Theater Wallenstein's Lager gegeben wurde, wo-\nbei sechszig Mitglieder des mainzer Männergesang-Vereins\nmitwirkten. Herr Lux hat hierzu die Musik geschrieben,\nund verdient vor Allem die Ouvertüre als sehr charakteristisch\nbezeichnet zu werden, indem die Motive der drei Soldaten-\nchöre zuerst einzeln auftreten und dann bei der Durch-\nführung contrapunktisch mit einander verwebt sind. Zu\ndem letzten Chor: „Frisch auf, Cameraden!\" ist natürlich\ndie ursprüngliche Volks-Melodie, jedoch mit glänzender In-\nstrumentirung, benutzt worden.\nIhren Lesern dürfte es noch Interesse gewähren, zu\nerfahren, dass nach dem vom Comite aufgestellten Pro-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "383", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591126-01.1.7", "texte": "Gramm die Schiller-Feierlichkeiten durch Choräle vom\nThurme des Domes herab eröffnet werden sollten. Allein\nda Schiller kein Kirchen-Heiliger, sondern bloss ein Volks-\nHeiliger ist, so wurde dieses von den Herren Geistlichen\nnicht gestattet. Trotzdem erschallten am frühen Morgen\ndes 10.November die Choräle: „Eine feste Burg\" u. s. w.,\nwenn auch nicht vom Dome, so doch vom Dache eines\nneben dem Dome gelegenen Privathauses, und Abends bei\nder allgemeinen Illumination las man am Hause eines ehr-\nsamen Bäckermeisters zum Jubel der ganzen Bevölkerung\nfolgendes Transparent:\n„Wir feiern doch den grossen Poeten,\nAuch ohne vom Dome herab zu trompeten.\"\n\nA.\n\nDrittes Gesellschasts-Concert in Köln\nIm Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferd. Hiller.\nDinstag, 22. November 1859.\nProgramm. Erster Theil. 1. „Die Najaden\", Ouvertüre von\nW. Sterndale Bennett. — 2. Arie aus „Donna del Lago\" von\nRossini, vorgetragen von Frau de Luigi aus Paris. — 3. Sinfo-\nnie Nr. 3 von J. Rietz (zum ersten Male).\nZweiter Theil. 4. Concert für die Violine von Beethoven,\ngespielt von Herrn Concertmeister J. Grunwald, — 5. „Frühlings-\nbotschaft\", Concertstück für Chor und Orchester von W. Niels\nGade (zum ersten Male). — 6. Variationen aus Rossini's „Cene-\nrentola\" (Frau de Luigi). — 7. Ouvertüre zu Cortez von\nSpontini.\nDas Concert brachte uns zwei Neuigkeiten, welche das hiesige\nPublicum, bekanntlich auf Neues nicht eben sehr erpicht, beifällig\naufnahm, und zwar Gade's reizendes Idyll mit sichtbarem Wohlge-\nfallen und lebhaftem Applaus, die Sinfonie von Rietz mit achtungs-\nvoller Anerkennung des Ganzen und Auszeichnung des zweiten Satzes\n(Scherzo) durch Beifallsbezeigung, die auch dem Adagio zu Theil\nwurde. Das Werk hat alle Vorzüge einer interessanten und geschick-\nten Composition, wie das bei einem Meister wie Rietz nicht anders\nzu erwarten ist; allein wir finden mehr Geist als genialen Schwung\ndarin, so dass es wohl zu denen gehören dürfte, die erst durch ge-\nnauere Bekanntschaft anziehen.\nDie Krone des Abends trug Beethoven1 s Violin-Concert und\nder schöne Vortrag desselben durch Herrn Concertmeister Grun-\nwald davon. Herr Grunwald hat einen markigen Ton, welcher zu-\ngleich der feinaren Nuancen fähig ist, ohne weichlich zu werden,\nund diese Eigenschaft gehört nothwendig dazu, um im Vortrage\ndem edlen Stil des genannten Concertes gerecht zu werden. Richtige\nAuffassung, durchweg reines und gediegenes Spiel, schöner, empfin-\ndungsvoller Ausdruck, namentlich auch im Adagio, erwarben dem\nKünstler mit vollem Rechte rauschenden Beifall,\nDie Sängerin Madame de Luigi versetzte uns schon durch die\nWahl ihrei Gesangstücke in eine verjährte Ivunst-Periodo, aus deren\nbuntem Aufschuss wir allerdings einige herrliche und dauernde\nFrüchte noch immer bewundern; wir brauchen nur den Barbier von\nSevilla und ilhelm Pell zu nennen. Allein die beiden Stücke, die\nsie vortrug, gehören keineswegs zu den Anweisungen auf Unsterb-\nlichkeit, welche die Muse der Ponkunst ihrem Günstling Rossini\nausgestellt hat. Es ist möglich, dass Madame de Luigi in der Zeit\nder Blüthe jener Periode eine belobte Sängerin gewesen, in ihren\nhiesigen Leistungen waren jedoch nur Spuren vorhanden, die auf\ndie Richtigkeit dieser Annahme führen konnten. Leider ist eine\ndurch so allgemein fühlbares Ungenügen im Publicum erzeugte Miss-\nstinlmung manchmal selbst durch die besten Productionen anderer\nArt nicht ganz zu vertilgen, was freilich nicht sein sollte, aber, wie\ndie Menschennatur nun einmal beschaffen, nicht zu ändern ist.\nDer Chor war nur wenig beschäftigt, sang aber die „Frühlings-\nbotschaft\" von Geibel und Gade sehr schön; man hätte das Stück\ngern gleich noch einmal gehört. Das Orchester zeigte sich sehr brav\nin der Ausführung der beiden Ouvertüren und der Sinfonie, welche\nletztere besonders sorgfältig einstudirt war.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nAm 19. November wurde in der musicalischen\nGesellschaft das Quintett in C-dur für Streich-Instrumente,\ndas in der ersten Soiree im Hotel Disch so sehr gefallen (S. Nr.\n47), unter dem lebhaftesten Applaus jedes Satzes wieder ausgeführt,\nindem die Herren Vortragenden so freundlich waren, dem allgemei-\nnen Wunsche nachzugeben.\nDie königliche Hofschauspielerin Frau von Bärndorf von\nHannover gibt gegenwärtig hier Gastrollen. Sie hat als Adrienne\nLecouvreur, Fräulein von Belle Isle und Donna Diana enthusiasti-\nsche Bewunderung erregt.\nlUreSdeil* Am 7. November ist Karl Gottlieb Reissiger\ngestorben. Zwei Tage vorher, am Samstag, hatte er noch die Vesper\nin der Hofkirche dirigirt, und den Montag gegen Mittag war er be-\nreits ruhig in seinem Lehnstuhl hinübergeschlummert. Er hat seit\n1826 die Stelle eines königlich sächsischen Hof-Capellmeisters be-\nkleidet und als Componist und Dirigent ein reiches Gebiet künst-\nlerischer Thätigkeit durchmessen. Er war den 31. Januar 1798 zu\nBeizig in der Nähe von Wittenberg geboren; auf der Thomasschule\nin Leipzig gebildet, begann er J 819 auf der dasigen Universität das\nStudium der Theologie. Seine musicalische Natur liess ihn aber die\nTonkunst zu seinem Berufe wählen, zu welchem er sich denn 1821\nin Wien und 1822 in München vollständig tüchtig machte, nachdem\ner schon in Leipzig durch Schicht Unterricht in der Composition\nerhalten hatte. Seine erste Oper ~Didou brachte C. M. von Weber\nin Dresden im Jahre 1824 zur Aufführung. Sein feierliches Be-\ngräbniss fand am Schiller-Tage den 10. November Statt.\nDer Ausschuss des schwäbischen Sängerbundes hat sei-\nnen zehnten Jahresbericht (November 1858 bis November 3 859) er-\nstattet. Es heisst darin unter Anderem: „Es sind jetzt zehn Jahre\nverflossen, seit am 25. November 1849 der schwäbische Sängerbund\nzu Göppingen gegründet worden ist. Der Bund darf mit Befriedigung\nauf diese Periode zurückblicken. Von kleinem Anfange (27 Lieder-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "384", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591126-01.1.8", "texte": "kränze) hat er sich zu weit ausgedehnter Wirksamkeit emporge-\nschwungen: 274 Vereine mit etwa 5480 Sängern bilden jetzt den\nschwäbischen Sängerbund, der sich über alle Theile unserer schwä-\nbischen Heimat erstreckt. Pflege des Volksgesanges, der Volks-\nbildung und eines deutschen Sinnes wurde in den Statuten als der\nZweck des Bundes bezeichnet; er hat für diese hohen Ziele ein red-\nliches Streben eingesetzt, uud manche schöne Erfolge sind erreicht\nworden. Es sind gute Lieder im Volke verbreitet worden, in der\nschönen Kunst des Gesanges sind manche Fortschritte zu Tage ge-\ntreten, und wo ein edler, dem Sängerwesen verwandter Zweig öffent-\nlicher humaner Wirksamkeit zu pflegen war, wurde er vom Sänger-\nbunde freudig erfasst. Insbesondere war sich der Sängerbund stets\ndes hohen Zieles bewusst, mitzuarbeiten in seinem bescheidenen\nTheile an der grossen nationalen Aufgabe deutscher Einigung durch\nPflege des deutschen Vaterlandsliedes und deutschen Wesens. Lieder-\nfeste waren neun allgemeine seit seiner Begründung; Ulm\nHeilbronn 1851, Reutlingen 1852, Hall 1853; Göppingen 1854, Ra-\nvensburg 1855, Ludwigsburg 1856, Tübingen 1857 und Mergent-\nheim 1858. Neben diesen ging eine ganze Reihe kleinerer Gaufeste\nher. Ausser den nächstliegenden Zwecken fanden öffentliche Bestre-\nbungen ihre Unterstützung durch den Bund und seine einzelnen\nMitglieder; wir erinnern an den ulmer Münsterbau, an die Pietät,\nmit welcher für die Erhaltung des Schillcrliauses in iMarbach überall\nvon den Liederkränzen gewirkt worden, an die werkthätige Unter-\nstützung der Schleswig-Holsteiner u. A. Unsere Feste wurden von\nunseren deutschen und schweizerischen Nachbarn besucht; unser\nBund, von den Nachbarn und Sangesgenossen eingeladen, war auf\nvielen auswärtigen Liederfesten durch Vereine oder Deputationen\nvertreten. Wenn man mit Recht klagt, dass in Deutschland die ein-\nzelnen Stämme und Gaue sich gegenseitig zu wenig kennen, dass\nhieraus ein gut Theil der Missverständnisse und Gereiztheiten ent-\nstehe, so war auch in diesem Theile der schwäbische Sängerbund\nbestrebt, zur gegenseitigen Bekanntschaft und Werthschätzung, was\ner konnte, beizutragen. Wir heben hervor, wie der Gesang besonders\ndie badischcn, baierischen und schweizerischen Sängerbrüder mit uns\nzusammenführte und die freundschaftlichsten Verhältnisse vermittelte»\nVon besonderem Werthe erwies sich unsere Liedersammlung;\nes ist durch sie allen Vereinen jetzt eine reiche Auswahl passender\nLieder geboten, und wo sich verschiedene Vereine treffen, haben sie\nfür die gemeinsame Wirksamkeit auch die gemeinsame Grundlage*\nDer erste Band derselben mit 137 Liedern ist jetzt abgeschlossen\nund bei dem für die Mitglieder so billigen Preise (1 Fl. pro Stimme,\n2 Fl. 42 Kr. die Partitur) in Aller Händen. Leider verbieten es, wie\nwir sonst im Interesse des Volksgesanges gern thun würden, Ver-\nträge mit den Verlegern, die Sammlung, wie häufig gewünscht wird,\nauch ausserhalb des Bundes abzugeben. Unsere Bibliothek hat be-\ndeutenden Zuwachs erhalten. Auf Pfingsten 1859 war das allgemeine\nschwäbische Liederfest bereits nach Biberach anberaumt; es stand\ndemselben ein zahlreicher Besuch von den Sängern des Bundes wie\nvon Sängergästen in Aussicht. Allein die Gestaltung der allgemeinen\npolitischen Lage nöthigte zu dem Beschlüsse, das Fest zu verschie-\nben. Eben so unterblieben das tyroler Sängerfest in Innsbruck, wel-\nches auf den 17. Mai ausgeschrieben, und das badische Gesangfest\nin Freiburg der politischen Verhältnisse halber. Eine rege Thätigkeit\nvieler Liederkränze trat indessen namentlich am Anfange des Jahres\nhervor: die in unserer letzten General-Versammlung lebhaft den Ver-\neinen ans Herz gelegte Unterstützung der Erhaltung des Schiller-\nHauses in Marbach. Ein Gegenstand der Berathung unserer bevor»\nstehenden General-Versammlung wird eine Statuten-Abänderung sein.\nStatt der alljährlichen Feier des allgemeinen Liederfestes dürfte eine\nFeier nur je alle zwei Jahre dem Feste selbst zum Vortheil gerei-\nchen. Die General-Versammlung in Ulm, den 14. November 1858,\nhat nun bereits das Princip der nur zweijährigen Feier genehmigt,\nden definitiven Beschluss aber der bevorstehenden General-Versamm-\nlung überlassen.\nUnser Cassenbericht pro 1858 —59 ist folgender:\nDie Einnahmen betragen 1474 Fl. 29 Kr.\nVorräthig bei letzter Abrechnung waren .... 12 „ 43 „\n1487 Fl. 12 Kr.\nDie Ausgaben sind :\nBandeslieder 319 Fl. 20 Kr., Druckpapier 260 Fl.\n15 Kr 579 Fl. 35 Kr.\nAssecuranzen 27 Fl. 44 Kr., Inserate 51 Fl. 52\nKr., Aussehuss-Sitzungen 27 Fl. 30 Kr., Mu-\nsicalien 57 Fl. f:3 Kr 165 ~25 „\nUnkosten aller Art 175 „44 „\nBaar in Cassa 566 „ 28 „\n1487 Fl. ]2 Kr.\nWas seit den Tagen, da der Stuttgarter Liederkranz auf A.\nSchott's Antrag das erste deutsche Schiller-Fest feierte (9. Mai\n1825), die Liederkränze für die Verehrung und das Gedächtniss des\ngrössten Sohnes Schwabens gethan haben, bedarf keiner Aufzählung\nan dieser Stelle. Wo in unserem engeren Vaterlande in diesen Tagen\nsein Andenken festlieh begangen worden, waren die Glieder des\nschwäbischen Sängerbundes mit in der ersten Reihe.\nAus Anlass des Jubelfestes haben wir den früher ernannten Ehren-\nMitgliedern Uhland, Silcher, HeidelofF, Leins vier würdige deutsche\nMänner beigesellt: Procurator Dr. Albert Schott in Stuttgart, Ernst\nMoriz Arndt in Bonn, Justinus Kerner in Weinsberg, den Sänger-\npfarrer Sprtingli in Thal weil am Zürichersee.\nEsslingen, Stuttgart und Heilbronn, im November 1859.\nConrector Dr. Karl Pfaff. Dr. Otto Elben. Professor Dr. J.\nFaisst. Kaur. G. A. Zumsteeg.\""}]}