{"numero_id": "bm-bmtnabi-1859-12-03-01", "volume": "bmtnabi_1859-12-03_01", "ocr_sha256": "bb1eb465ca474f1b57ecf7603abdab5f42df0fca35f0363950affff3a0e410ff", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1859/12/03_01/bmtnabi_1859-12-03_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591203-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1859-12-03-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-12-03_01#c001", "volume": "bmtnabi_1859-12-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "385", "page_fin": "385", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591203-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "385", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591203-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 452, "texte": "Inhalt.\nAus Frankfurt am Main. 11. (Quartett-Spiel.) \"Von A. Schindler. Die Mozart-Stiftung in Frankfurt am Main (Jah-\nres-Bericht). Ans Bremen (Wiedereröffnung der Privat-Concerte, Schiller-Feier). \"Von —ll. Die fünf letzten Violin-Quartette Beetho-\nven s. Tages- und Un t erh al tun gs blat t, (Köln, Zweite Soiree für Kammermusik Kassel, L. Spohr Leipzig, J. 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Schindler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "385", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591203-01.1.1", "debut_caractere": 454, "fin_caractere_exclue": 4049, "texte": "Aus Frankfurt am Main.\n\nII.\n[Quartett-Spiel.]\nDie Alten sollen die Jungen belehren,\nDie Jungen sich aber von den Alten belehren lassen.\nAm 18. März d. J. Liess sich der bereits vortheilhaft\nbekannte Violin-Virtuose Herr Ludwig St raus aus\nWien im Museum mit Beethoven's Concert hören. Man\nerkannte alsbald, dass man ein ausgezeichnetes, mit den\nHerren Joachim und Laub auf gleicher Stufe der Ausbil-\ndung stehendes Talent vor sich habe, dem sonach der ver-\ndiente Beifall im vollsten Maasse zu Theil wurde. Als aber\nwenige Wochen darauf Herr Straus in Verbindung mit\nden Herren Stein, Weicker (aus dem Theater-Orchester)\nund Herrn Brinkmann eine Quartett-Sitzung veranstaltet\nund darin gezeigt hatte, dass er diese den meisten Vir-\ntuosen stets fremd bleibende Gattung mit gleich grosser\nBegabung und Liebe behandelt, wie das Solospiel, wurde\ndie Aufmerksamkeit auf den jugendlichen Künstler Seitens\neiniger gediegenen Musikfreunde erst vollends rege, so\nzwar, dass gegenseitig der Wunsch ausgesprochen ward,\nSchritte zu thun, um denselben hier festzuhalten und ihm\neinen zum Vortheile des Ganzen gereichenden Wirkungs-\nkreis zu verschaffen. Herr Wilh. Speyer nahm die Sache\nin die Hand, und es gelang ihm, seine Collegen am Thea-\nter dahin zu vermögen, dem Künstler die Stelle eines Con-\ncertmeisters anzubieten. Gleichzeitig liess sich der Vorstand\nder Museums-Concerte gern bestimmen, Herrn Straus zu\nSolo-Vorträgen zu engagiren und ihm gleichfalls ein nam-\nhaftes Fixum auszuwerfen. So ist der junge Mann in eine\nehrenvolle Stellung versetzt worden, in welcher er Gele-\ngenheit erhält, sein schönes Talent zu eigenem, wie auch\nzum Vortheil der hiesigen Musik-Verhältnisse bestens ver-\nwerten zu können.\nSoll Verfasser einen Rückblick auf jene Quartett-\nSitzung (mit Cherubinischen und Mendelssohn'schen Wer-\nken) werfen, so muss er gestehen, dass sowohl in Auffas-\nsung,- Colorit, Stil und Tempo, wie nicht minder im Zu-\nsammenspiel und Wohlklang im Allgemeinen wahrhaft\nRühmenswerthes geleistet worden, wobei der feine Kenner\nnur ein Rundgeben höherer musicalischer Redekunst ver-\nmisst hat. Diese ist nun einmal der lebenden Generation\nabhanden gekommen, und zwar, seltsam genug, ungeachtet\nso vieler Musikschulen oder, wie man diese Anstalten lie-\nber nennt, Conservatorien. Dass nach solchen Beweisen\nvon Tüchtigkeit die Elite der frankfurter Musikfreunde die\nBildung eines Vereins für Quartett-Spiel das seit meh-\nreren Jahren brach gelegen—mit freudigen Erwartungen\ngewünscht, war die natürliche Wirkung des Gehörten.\nDiese Wünsche sind erfüllt. Der Verein besteht aus den\nvier oben genannten Künstlern.\nBei Herannahen der musicalischen Saison verkündeten\nöffentliche Anzeigen einen Cyklus von sechs Sitzungen, de-\nren erste bereits am 28. October, die zweite am 13. No-\nvember Statt gefunden hat. Zum Vortrage sind gekommen:\nMendelssohn in D-clur,Haydn in (mit „Gott er-\nhalte\") und Beethoven in Es-dur, Op. 74; dann Mozart\nin D-moll,Streich-Trio in G-dOp. 9, von Beethoven\nund Schubert in D-moli.Ein genugsam reiches Material\nzu Anknüpfung von Betrachtungen, ob der Geist jenes\nFrühlingsmorgens nun wieder über dem Verein geschwebt\noder vielleicht gar von einem anderen nicht classischen\n—verdränet worden. Gestehen wir es nur ohne Hehl, dass\nes im Ganzen ein nicht classischer gewesen, dalier den Er-\nwartungen der Kenner in wenig genügender Weise ent-\nsprochen wurde. Woher jedoch ein so auffallender Con-\ntrast bei denselben Individualitäten? Sollte derselbe nicht\netwa in etwas Aeusserlichem seine Ursache finden? Diese\nFragepunkte zeigen, dass es von Interesse ist, dieser seil-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "386", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591203-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4910, "texte": "r \\\nsamen Erscheinung auf den Grund zu kommen, weil wich-\ntig für den Vortrag aller Musik.\nDer grosse Yiolinkünstler Baillot äussert sich auf\nSeite 272 seiner Schule, wie folgt: „Die Art des Aus-\ndrucks, die Mittel, deren man sich bedient, der eigentüm-\nliche Vortrag, welchen man einem jeden Stücke beilegt,\nbezeichnen den Stil.... Jeder Componist drückt seinem\nWerke ein besonderes Siegel auf, worin die Art, es zu\nfühlen und sich auszudrücken, begründet ist. Hier scheitert\nmancher Spieler; mancher ist fähig, die Musik eines ein-\nzelnen Componisten vorzutragen, dagegen nicht jene eines\nanderen; Finger, Bogen und Spiel, Alles versagt ihm, weil\ner die gehörige Biegsamkeit nicht besitzt, sich in jede Gat-\ntung des Stils zu fügen, oder der Fähigkeit ermangelt, den\nZusammenhang der melodischen Abschnitte [Bhythmik]\naufzufassen und in diesem Sinne vorzutragen,—ein Uebel,\ngegen welches es kein Mittel gibt.\"\nIst auf letzteren Satz zunächst zu erwidern, dass ein\nguter Unterricht schon Kindern von zehn Jahren klare Be-\ngriffe von Bhythmik beibringen kann, weil dies für den\ngebildeten Lehrer ausserordentlich leicht ist, so zeigt doch\ndas ganze Citat, dass Baillot sich im Punkte „Stil\" ledig-\nlich an der Technik des Spiels hält. Er vergisst den in den\nverschiedenen Werken verschiedener Autoren verborgen\nliegenden Geist, den selbst ein gleichmässig geschicktes\nHandhaben aller Kunstmittel nicht ans Tageslicht zu för-\ndern vermag. Das braunschweiger Quartett der Brüder\nMüller, dem gewiss alle technischen Mittel zum Ausdruck\ngeläufig waren, vermochte dessen ungeachtet den Kenner\nnur in Mozart's Musik ganz zu befriedigen, in weit abste-\nhender Weise kam Haydn's Geist durch sie zu Tage, Beet-\nhoven aber war durchweg nur in den Noten da. Baillot\nwürde als Grund angegeben haben: weil die Spieler die\nStilweise dieser beiden Classiker nicht erfasst. Mag indess\ndie Ansicht des französischen Meisters in Ehren gehalten wer-\nden, sie wurde ja zu derZeit ausgesprochen, als die Kunst,\nVioline zu spielen, sich noch in gesetzmässigen Schranken\ngehalten und noch nicht in Seiltänzerei ausgeartet war,\ndie durch Annahme mannigfacher Manieren die Kluft zwi-\nschen damals und jetzt erzeugt hat. In diesen Manieren,\ndie sich im Hin- und Herrutschen auf den Saiten\n(also im Mangel an Positivität des Tones), in Verdün-\nnung des Colorits, in Anwendung von modernen,\nnur für Salon-Musik passenden Stricharten, in\nvernunftwidrigerUebertreibung derZeitmaasse\nund so weiter bemerkbar machen, in solchen Manieren\nhat man gegenwärtig die Haupthindernisse zu suchen, den\nStil-Eigenheiten der classischen Componisten gerecht wer-\nden zu können, weil jede Manier, in sich befangen, ver-\nschiedenartigen Ausdruck nicht zulässt, vielmehr ihrem\nWesen nach gebieterisch an der Gleichmässigkeit festhält.\nDaher kommt es, dass Haydn wie Mendelssohn, dieser\nwieder wie Beethoven, und dieser wie zu Ge-\nhör gebracht werden. In gleicher Weise geschieht dieses\nmit den Sinfonieen der Classiker, obgleich die Charakter-\nEigenheiten in dieser Gattungs-Musik weit weniger schwer\nzu sondern sind, als in der Quartett-Musik, darum diese\nimmerhin die allerschwierigste hinsichtlich der charakter-\neigenthümlichen Darstellung bleibt.\nWieder zu unserem Quartett-Verein zurück.\nKinder der Zeit tragen natürlicher Weise mehr oder\nweniger das Charakter-Gepräge ihrer Zeit an sich; wie\nsollte dieser junge Verein eine Ausnahme machen? Gott-\nlob jedoch, dass dieses Gepräge erst im Ansätze begriffen\nist, noch nicht mit den einzelnen Individualitäten verwach-\nsen, wie sich dies z. B. bei dem meininger Quartett der\njüngeren Müller in höchst bedauerlicher Weise kund\ngibt, daher Warnung und Belehrung bei ihnen zu spät\nkommt, weil vorbenannte Manieren sie bereits ganz be-\nherrschen. Sie gleichen Walzen, denen kaum eine Spur\nvon Geist und Gemüth innewohnt. Der Ton und seine\nPsyche ist ihnen nichts, das Notenzeichen Alles. Wehe der\nEpoche, in welcher viele dergleichen Maschinen die Lande\ndurchziehen und mustergültig einwirken! Dass unsere\nEpoche zu viele derselben besitzt, ist eine der betrübend-\nsten Wahrheiten.\nEs würde wahrscheinlich auch in unserem Falle das\nwohlgemeinte Wort des Verfassers in der Luft verhallen,\nwenn er es unterliesse, durch einige Stellen aus den jüngst\nhier vorgetragenen Werken vor Augen zu legen, wie selbe\nvom Componisten niedergeschrieben, von der ersten Vio-\nline aber verändert gespielt worden.\nHaydn schreibt im erstenSatze des Quartetts in\nu. s. w. fünf Tacte hindurch. Er verlangt sonach ein klei-\nnes Verweilen auf der ersten und der dritten Note jeder\nGruppe, wodurch der Gang ein festgeschlossenes und wohl\nauch ernstes Gepräge gewim.t. Diese Stelle ward jedoch\nso gespielt:\nu. s. f. Durch das spitze Hinausstossen der anzuhaltenden\nNote erhält die Stelle den Charakter des Coquetten, leicht-\nfertig Tändelnden. In derselben Weise wurden alle der-\ngleichen punklirten Stellen im ersten Satze gespielt."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "387", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591203-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4321, "texte": "Die Melodie des Volksliedes in diesem Quartett ist\nmit „Poco Adagio cantabile\"überschrieben; wir beka-\nmen sie aber im Tempo Andante zu hören, die\nerste Variation hingegen in der Bewegung zurückgehalten.\nSchuppanzigh und Genossen in Wien spielten dieses\nVolkslied sammt allen Variationen in gleichmässiger Be-\nwegung; bekanntlich hatte dieser Verein in seiner Jugend-\nzeit den grossen Haydn selber, meist aber seinen Stellver-\ntreter, den Grafen Rasumowsky, den ersten Bewahrer\nder Haydn'schen Traditionen, zu Führern. Obgleich in\ndiesem Satze die Vortragszeichen nur sehr spärlich beige-\nsetzt erscheinen, so nuancirte jenes kunstgeschichtlich hoch-\nberühmte Quartett dennoch die Melodie wie alle Varia-\ntionen in mannigfaltiger Weise, wodurch Monotonie ver-\nhindert ward. (Das braunschweiger Quartett spielte den\nganzen Satz piano pianissimoin übermässig süsslicher Ma-\nnier.) Ferner schreibt Haydn im ersten und zweiten Tacte\ndes zweiten Theils dieses Volksliedes die Vorhalte fis und\ndnach altem Herkommen mit kleinen Noten. Die zu ge-\nwissenhaften alten Componisten schrieben nämlich die auf\nschwere Tacttheile fallenden Vorhalte regelmässig mit klei-\nnen Nötchen (so gleichfalls im Recitativ),weil dieselben meist\neine Dissonanz zum Basse bilden. Dieser alte Brauch hatte\ndas Gute, dass Sänger wie Spieler auf die Betonung dieses\nVorhaltes aufmerksam gemacht wurden. Mozart hat diese\nSchreibart beseitigt. Verfasser hörte Beethoven mit Be-\ndauern äussern, dass diese Schreibart aus Bequemlichkeits-\ngründen beseitigt worden. Unsere erste Violine spielte\ndiese Vorhalte so:\nDie zweite Violine hingegen liess in der ersten Variation\nbeiden Vorhalten Recht widerfahren, die Stelle erklang\ndemnach wie im Gesänge. Man lege ihr nur die zukom-\nmenden Worte unter, der lange Accent wird sich von selbst\nergeben, und die harmonischen Noten und c wegen des\nlängeren Verweilens auf den Vorhalten werden um ein\nWeniges verkürzt zu hören sein. Und so wird das Verfah-\nren im richtigen Gebrauche aller Vorhalte sein müssen.\nEin Pianoforte- oder Violinspieler, dem der richtige Ge-\nbrauch der Vorhalte in den verschiedenen Zeitmaassen nicht\ngeläufig ist, entbehrt der Kenntniss eines der am häufig-\nsten vorkommenden Gesetze der höheren Redekunst. Heut-\nzutage ist das leider ein gar seltener Vogel, der merken\nlässt, dass er etwas davon weiss. Trockene Correctheit,\noft wohl auch Glätte und Eleganz sind die alleinigen Ziele\nunserer Virtuosen, Prägnanz im Ausdruck hingegen ist\nein fast ungekannter Begriff.\nDas Mozart'sche Quintett in D-moll anlangend, so\nentbehrte es im ersten Satze des der Tonart und dem\nInhalte entsprechenden Ernstes und der Würde; Weichheit\nliegt nicht im Grundwesen dieser Tonart, sie erfordert viel-\nmehr kräftiges Colorit, der fragliche Satz insbesondere noch\nbreiten Stil. Schon Plato hat die Psyche dieser Tonart\nerklärt. Im Andante wurden wir durch oftmaliges Nicht-\nbeachten der vielen vorkommenden Sechszehntel-Pausen\ngestört, wodurch die über dem Ganzen herrschende hei-\nlige Ruhe gelitten. Im Trio des Minuetto ist die Schreibart\nnachstehende:\nDie stricte Befolgung dieser Vorschrift erfordert eine sorg-\nfältig gewählte Bewegung des Allegretto ohne die gering-\nste Abweichung von dem vorausgehenden e. Wir\nbekamen jedoch dieses Trio im schnellen Tempo also\nzu hören:\nDass die Viola im zweiten Theile, mit fortgerissen, in glei-\ncher Weise secundirte, lässt sich erwarten. Das Trio er-\nhielt somit den Charakter eines gemeinen Walzers oder,\nbezeichnender, eines Gassenhauers.\nIn Beethoven's Streich-Trio, Op. 9, war die Ausfüh-\nrung des ersten Satzes in jeder Beziehung gelungen, dem\nzweiten Satze, Adagio, ma non tanio e cantabilc, fehlten\njedoch fast durchweg die schriftlich nicht angemerkten, im\nausdrucksvollen Gesänge aber sich von selbst verstehenden\nBetonungen, daher derselbe langweilig werden musste.\nDer dritte Satz, Scherzo Allegro, wurde in ein modernes\nPresto umgewandelt; der vierte Satz, Presto:\nim Tempo Prestississimo, mit am so genannten Frosch\nhüpfenden Bogen abgehetzt, so zwar, dass der Composition\nzu folgen schlechterdings unmöglich gewesen, denn der\nVirtuose fesselte mit dem schlecht angewandten\nallein die Aufmerksamkeit. Hat wohl diese jüngste Erfin-\ndung von Streicharten Berechtigung, auch in der Kammer-\nmusik der Classiker angewandt zu werden, in die unsere\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "388", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591203-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3687, "texte": "jungen Virtuosen sie so häufig hineintragen? In der Vio-\nlin-Schule von Rode, Kreutzer und Baillot (nicht zu ver-\nwechseln mit der von Baillot allein herausgegebenen) wird\nim Capitel „Vom Geiste des Vortrags\" das Quartett eine\n„Composition genannt, deren reizender Dialog eine Art\nvon Unterhaltung zwischen Freunden ist, die sich ihre Em-\npfindung und wechselseitige Zuneigung mittheilen.\" Diese\nErklärung wird auch auf das „gearbeitete\" Trio Anwen-\ndung finden. Man denke sich aber in diesem Freundes-\nkreise das Getänzel mit dem Bogen am Frosch als Aus-\ndruck der ästhetischen Empfindung im Wechsel der In-\nstrumente! Begreiflich wird die gediegenste Composition\ndadurch in die Classe ordinärer Salon-Musik herabgezogen.\nUeber die Ausführung des herrlichen Quartetts D-moll\nvon F. Schubert wollen wir nur offen gestehen, dass die-\nselbe kein Verständniss des Werkes bekundete und durch\nmaasslose Uebertreibung der Tempi im vornehm-\nlich im vierten Satze auf gleicher Stufe mit den Produc-\ntionen des meininger Müller-Quartetts gestanden. Ueber\nsolchen Wahnsinn kann der verständige Musikfreund nur\nwehklagen.\nNoch müssten verschiedene Abweichungen von der\nSchreibart der Componisten angezeigt werden, die störend\nauf genaue Uebereinstimmung gewirkt, hiesse dies nicht\ndiesen Aufsatz zu weit ausdehnen. Beispielsweise werde\nnur auf eine oft erscheinende Tonfigur hingewiesen. Die\nPartitur besäet:\ndie erste Violine verändert\ndiese Achtel in Sechszehntel und spielt\n, Viola\noder Violoncell bringt sie wieder so zu Gehör:\nund dergleichen mehr. Auch erlaubt sich Referent, zu fra-\ngen, ob ein Pianissimo wohl bis zu kaum hörbarem Ge-\nsäusel verdünnt werden darf.\nMöge unser Quartett-Verein im Vorstehenden die Auf-\nmerksamkeit erkennen, mit welcher der Unterzeichnete den\nProductionen bisher gefolgt, und dies zunächst im Interesse\nwachsenden Gedeihens des Vereins hiermit bekundet. Soll-\nten diese wohlgemeinten Anmerkungen eine gute Stätte\ngefunden haben, so soll es an deren Fortsetzung nicht feh-\nlen. Ein Verein, aus jugendlichen Kräften bestehend, mit\neiner meisterlich technisch ausgebildeten ersten Violine und\neinem Violoncell mit weichem, singendem Tone, gewand-\nter Bogenführung und tadelloser Reinheit in der Intonation\n(Herr Brinkmann), ein solcher Verein vermag das Höchste\nzu erreichen, Wenn er die vorzutragenden Werke der Prü-\nfung sachverständiger Männer unterwirft, bevor er damit\nvor das Publicum tritt. Der Beifall des vollen Saales ist\nzwar beachtenswert!), soll aber nicht anders denn als eine\naufmunternde Theilnahme angesehen werden. Das Quar-\ntett-Spiel zählt an wahrhaften Kennern überall die aller-\nwenigsten, weil es nebst viel Uebung im Hören tiefe Ein-\nsicht in die Partitur erfordert. Die meisten Zuhörer sind\nbefriedigt, wenn es nur recht frisch einherläuft und „zu-\nsammenklappt\". Das Zusammenklappen der aufgeführten\nMusikstücke scheint hierorts von nicht minderer Wichtig-\nkeit zu sein, wie das Zusammenklappen der Rechnungen.\nVielleicht anderwärts ebenfalls. Den jungen Künstlern wäre\ndaher zu rathen, zu ihren Studien gediegene Kenner von\nclassischer Quartett-Musik recht oft hinzu zu ziehen und\nsich ihren Urtheilen zu fügen. Sie finden solche in den\nHerren Wilhelm Speyer und Dr. Schlemmer (vielleicht auch\nin anderen mir weniger wohlbekannten Männern), die,\nwenngleich nur so genannte Dilettanten, dennoch durch\nihre ästhetische Bildung unzählige Fachmusiker über-\nschauen.\nEndlich soll noch gewarnt werden vor Diftelei und\nängstlichem Feilen an den Tonwerken, weil beide die un-\nbefangene, oftmals richtige Anschauung der Sache auf Irr-\nwege führen und dem Kunstwerke ein ganz anderes Ge-\npräge aufdringen, als ihm eigentümlich ist.\n\nA. Schindler."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-12-03-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-12-03_01#c012", "volume": "bmtnabi_1859-12-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "388", "page_fin": "389", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591203-01.2.3", "titre_corps": "Die Mozart-Stiftung in Frankfurt am Main", "titre_sommaire": "Die Mozart-Stiftung in Frankfurt am Main", "signature_source": "Dr. Ponfick ; Dr. A. Giar", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "388", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591203-01.1.4", "debut_caractere": 3689, "fin_caractere_exclue": 5012, "texte": "Die Mozart-Stiftung in Frankfurt am Main\n\nDer Bericht des Verwaltungs-Ausschusses der Mo-\nzart-Stiftung in Frankfurt am Main an den Lieder-\nkranz umfasst das mit dem 30. September 1859 abge-\nschlossene einundzwanzigste Geschäftsjahr und enthält un-\nter Anderem Folgendes:\n„Das Capital-Vermögen der Stiftung betrug am Schlüsse\ndes vorigen Jahres 35,433 Fl. 10 Kr.; dazu durch den\nLiederkranz der Ertrag des statutenmässig zu gebenden\nConcerles mit 71 Fl. 17 Kr.; ferner die Schenkung einer\nBanknote von lOOFrcs.; dann 25 Fl., 20 Fl. und andere\n/\nfreundliche Gaben. Durch diesen Zuwachs mit Zuziehung\nder Zinsen von Capital stellt sich am Schlüsse dieses Jah-\nres das Gesammt-Vermögen der Stiftung auf 36,625 Fl.\n11 Kr.\n„Bei Aufstellung der Bilanz ist zu bemerken, dass die\nGasse mit zwei Quartalen an den Stipendiaten Brambach\nfür das ihm bewilligte vierte Jahr des Stipendienbezuges\nim Rückstände ist, da Brambach, ähnlich wie früher Bruch,\ndas letzte Jahr seines Stipendiengenusses auswärts zubrin-\ngen wird und sich zu eigener Annehmlichkeit den gleich-\nzeitigen Bezug mehrerer Quartale ausgebeten hat.\n„Bei dem Danke an die werkthätigen Förderer unse-\nrer Stiftung und ihrer Zwecke müssen wir auch des Herrn\nCapellmeisters Hiller in Köln mit gebührender Auszeich-\nnung gedenken. In reiner Begeisterung für alles Gute und"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "389", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591203-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2887, "texte": "Schöne hat er unsere Stiftung und ihre Wirksamkeit von\nAnbeginn mit warmer Liebe umfasst und nach allen Rich-\ntungen ihre Interessen mit Rath und That in einer Weise\ngefördert, die ihn selbst manche mühevolle Thätigkeit und\nmanches Opfer nicht scheuen liess. Unsere beiden letzten\nStipendiaten waren vorzugsweise seiner Leitung und Be-\nlehrung übergeben. Alles zeugt sowohl für die Umsicht\nund das Yerständniss dieser Unterweisung, wie für das gei-\nstige Eindringen in die Sache. Die Liebe und Verehrung\nder Stipendiaten für ihren Lehrer und Meister gibt für das\nganze Verhältniss das ehrendste Zeugniss. Mag auch diese\numfassende und uneigennützige Thätigkeit Hiller's in den\nerzielten schönen Resultaten ihre würdigste Belohnung\nfinden, so können wir doch nicht umhin, unserer danken-\nden Anerkennung an dieser Stelle öffentlichen Ausdruck\nzu geben, mit der Bitte, dass Herr Gapellmeister Hiller\nunserer Stiftung diese Sympathie dauernd bewahren möge.\nUm nun auch von unseren Stipendiaten selber zu reden,\nso hat Bruch die letzte Zeit seines Stipendiengenusses zum\nTheil noch auswärts verbracht, zum Theil sich in voller\nEnergie mit grösseren Entwürfen und umfassenderen Ar-\nbeiten beschäftigt, die nach Hiller's Urtheil den Stempel\nder gereifteren Entwicklung unverkennbar an sich tragen.\nEr hat den vollen Turnus des Slipendienbezuges nun hin-\nter sich, und wir wünschen ihm für seine ferneren Bestre-\nbungen den Erfolg und die Anerkennung, zu der ihm die\ngewonnene Kunststufe alle Qualificationen der Berechti-\ngung zu sichern scheint.\n»Brambach ist nicht minder eifrig und strebsam, und\nsowohl seine Leistungen in ihrem grösser angelegten Plane,\nals die anerkennenden Zeugnisse Hiller's erfüllen uns auch\nbei diesem Stipendiaten mit den schönsten Hoffnungen. Er\nwird einen Theil des kommenden Winters in Leipzig ver-\nbringen. Auch er nähert sich allmählich dem Ziele seiner\nengeren Verbindung mit der Stiftung.\n«Wenngleich das abgelaufene Geschäftsjahr keine be-\nsonders hervorspringenden Momente bietet, so ist der ruhig\ngemessene Gang und die stille, sichere Entwicklung aller\nKräfte in stetem erfreulichem Fortschreiten und verheisst\nuns auch für die fernere Zeit die befriedigendsten Resul-\ntate. Vertrauensvoll appelliren wir hierbei an die nach-\ndrückliche und beharrliche Beihülfe des Liederkranzes, der\ndurch seine eifrigen Bemühungen die rasche Entwicklung\nso wesentlich gefördert, wie an die Mitwirkung anderer\nFreunde und Kunstgenossen, welche, durchdrungen von\nder segensreichen Wirksamkeit der Stiftung, ihre schönen\nZwecke zu fördern im Stande sind.\n„Ein bewegteres Leben wird das nächstfolgende Jahr\nin die Thätigkeit unserer Stiftung bringen, indem wir im\nLaufe desselben wahrscheinlich zur Erwählung eines neuen\nStipendiaten schreiten werden.\n„Der Verwaltungs-Ausschuss der Mozart-Stiftung,\nund in dessen Namen der Präsident:\n\n„Dr. Ponfick.\n„Dr. A. Giar, Secretär."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-12-03-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-12-03_01#c013", "volume": "bmtnabi_1859-12-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "389", "page_fin": "390", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591203-01.2.4", "titre_corps": "Aus Bremen.", "titre_sommaire": "Aus Bremen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "389", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591203-01.1.5", "debut_caractere": 2889, "fin_caractere_exclue": 5017, "texte": "Aus Bremen.\nDen 29. November 1859.\nDie am 8. November wieder begonnenen Privat-Con-\ncerte erfreuen sich trotz der Erhöbung des Abonnements\nder zahlreichsten Theilnahme, welche in den gesteigerten\nLeistungen des Orchesters sicher die vollste Befriedigung\nfinden wird, da dasselbe durch das Engagement einiger\ntüchtigen Geiger unter Anderen des Herrn Concertmei-\nsters Engel aus Petersburg —, so wie durch die Ermög-\nlichung von zwei Orchester-Proben für jedes Concert we-\nsentlich an Abrundung und Durchbildung unter der Lei-\ntung unseres vortrefflichen lleinthaler gewinnen muss.\nIn dem ersten Concerte wulde Beethoven s\nSinfonie, Cherubini's Ouvertüre zum Wasserträger und\nWeber's Jubel-Ouverture zur Ausführung gebracht.\nHerr Vieuxtemps spielte sein Z>-mo//-Concert. Er ist\nnoch immer der grosse Geiger mit vollendeter Technik,\nmächtiger Bogenführung, elegantestem und fein abgewo-\ngenem Ebenmaass des Vortrags. Woran lag es, dass er\nbei aller Anerkennung seines Werthes das grosse Publi-\ncum nicht so elektrisirte, wie es bei seinem Rufe zu er-\nwarten war? Seine Compositionen sind geistreich und fern\nvon aller Trivialität, aber es fehlt ihnen der wahrhaft ge-\nniale Schwung, die Kraft der Erfindung, die mit sich fort-\nreisst. Interessante Durchführung der Gedanken, unerwar-\ntete und oft frappante Wendungen der Modulation, Kennt-\nniss des Orchesters, das Machwerk im besten Sinne des\nWortes, ist vorhanden. Ausser spielte\nHerr Vieuxtemps noch einige brillante Salonstücke, eben-\nfalls eigener Composition: Oh Willie, und\nSt Patricks day. Frau Concertmeister Engel aus Pe-\ntersburg, welche die Iphigenien-Arie in die Cour-\nArie aus Fi garo's Hochzeit und Lieder von Schubert und\nMendelssohn vortrug, gehört zu den fein fühlenden, gra-\nziösen Sängerinnen. Für die Iphigenie mochten ihre Stim-\nmittel nicht ganz ausreichen, dem Tone fehlt es an mate-\nrieller Grösse, der Darstellung an jener plastischen Erha-\nbenheit; überall aber, wo innige oder graziöse Elemente\nzur Geltung kommen sollen, bietet sie höchst Anerken-\nnenswerthes. Ihre Figaro-Arie und ihre Liederspenden wur-\nden mit dem lebhaftesten Beifalle aufgenommen."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "390", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591203-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3741, "texte": "Die C-moll-Sinfonie von Spohr, Op. 78, die das\nzweite Privat-Concert eröffnete, galt dem Andenken des\ndahingeschiedenen Meisters. Sie wurde vortrefflich gege-\nben und namentlich das Andante und der letzte Satz mit\nlebhaftem Beifall aufgenommen. Von Ouvertüren hörten\nwir die zum Märchen von der schönen Melusine von Men-\ndelssohn und die Egmont-Ouverture von Beethoven.\nFrau Clara Schumann spielte (auf einem Flügel von\nKlems) das A-mott-Concert von R. Schumann. Die Vor-\nzüge dieser berühmten Künstlerin sind bekannt; über das,\nwas sich für und gegen ihre Wiedergabe classischer.Werke\nsagen lässt, hat die neueste Zeit manche Beiträge geliefert.\nWir waren sehr gespannt, müssen aber gestehen, dass sie\nSchumann's Werk mit einer Ruhe und Grösse des Stils,\nmit einem rhythmischen Ebenmaass vorgetragen hat, wel-\nches nichts zu wünschen \"übrig liess und die Leistung zu\neinem vollkommenen künstlerischen Genuss machte. Diese\nMeinung theilt .hier mit dem Publicum auch das Orchester,\ndessen Begleitung im letzten Satze ein Prüfstein für beide\nTheile ist. Von den kleinen Stücken:\nvon Chopin [Cis-moll),Schlummerlied von Schumann, Op.\n124, und Gavotte von Bach (D-moll) wurde die letztere\nenthusiastisch aufgenommen und gegeben.\nWir machten die Bekanntschaft einer neuen Sängerin\nAltstimme), Fräul. Wilhelmine v. Kettler aus Olden-\nburg, die ihre Studien in Mailand gemacht hat. Die Stimme\nist ein echter Contra-Alt von vorzüglicher Klangfarbe, die\ntechnische Bildung, abgesehen von dem für deutsche Mu-\nsik zu häufigen Tremuliren, höchst beachtenswert!].\nDie Wahl der ersten Arie: „0 du, die Wonne\"\nu. s. w., aus dem Messias war für ein erstes Debüt nicht\nglücklich; sie bietet zu wenig Umfang für das Organ. Um\nihrem poetischen Gehalte inmitten einer fremdartigen Um-\ngebung gerecht zu werden, erfordert sie eine Grösse des\nVortrages, für welche an jenem Abende wohl die Mittel\nvorhanden waren, nicht aber die Ruhe vollkommener Be-\nherrschung des Augenblicks.\nIn der Semiramis-Arie, E\nentfaltete sich die Schönheit des Organs und der Ge-\nschmack der Künstlerin für die Rossini'sche Phrase. Lieder\nvon Mendelssohn und Schumann und ein schottisches Volks-\nlied wurden warm und schön vorgetragen.\nDas Schiller-Fest, welches überall alle musicalischen\nKräfte und Talente in Bewegung setzte, hat auch hier An-\nlass zu einigen neuen Productionen gegeben. Ausser einer\n(auch in Druck erschienenen) Hymne: „Heut' über allem\ndeutschen Volke\", welche von einem Massen-Chor, aus\netwa 500 Sängern und stark besetztem Orchester beste-\nhend, am Festtage ausgeführt wurde, hat Herr Musik-\nDirector Reinthaier eine Cantate für Männerchor mit\nOrchester nach Worten von F. Ruperti componirt, welche\nsowohl in den Proben als bei der Ausführung am Tage\nder Vorfeier im Künstler-Verein mit solchem Enthusias-\nmus aufgenommen worden ist, dass dieselbe hoffentlich\ndem Schicksal des Ad-Acta-Legens, welches so vielen Ge-\nlegenheits-Compositionen zu Theil wird, entgehen wird.\nEiner Festgabe des Concertmeisters Schmidt: „Die\nWürde der Frauen\", für gemischten Chor mit Orchester,\nwurde bei ihrer Aufführung neben „der Glocke\" von einem\nzahlreichen Auditorium lebhafter Beifall zu Theil.\nDie Ueberfüllung der Privat-Concerte hat die Idee\neines neuen Concert-Cyklus von sechs Sinfonie-Concerten\nangeregt, welcher an dem heutigen Tage unter Reintha-\nler's Leitung mit dem Orchester der Privat-Concerte eröff-\nnet wird, so dass wir diesen Winter ausser den Oratorien\n7 \\\nsiebenzehn Sinfonie-Concerte haben sverden.\nNächsten Samstag kommt mit neuer Instrumentation\nvon Reinthaier Händel's „Josua\" zur Aufführung; Fräul.\nv. Kettler wird die Alt-Partie, Herr Schneider aus Wies-\nbaden die Tenor-Partie singen.\nIm nächsten Privat-Concerte wird David aus Leipzig\nspielen. —ll."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-12-03-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-12-03_01#c014", "volume": "bmtnabi_1859-12-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "390", "page_fin": "391", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591203-01.2.5", "titre_corps": "Die fünf letzten Violin-Quartette Beethoven’s.", "titre_sommaire": "Die fünf letzten Violin-Quartette Beethoven’s.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "390", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591203-01.1.6", "debut_caractere": 3743, "fin_caractere_exclue": 4992, "texte": "Die fünf letzten Violin-Quartette Beethoven’s.\nDer Vortrag des Quartetts in Cis-moll (mit Opus 131\nbezeichnet) in der Soiree für Kammermusik am letzten\nDinstag veranlasst uns, die authentischen historischen No-\ntizen über die Entstehung der fünf letzten Quartette von\nBeethoven nach der neuen Auflage der Biographie Beet-\nhoven's von A. Schindler mitzutheilen.\nEs ist bekannt, dass der Fürst Galitzin den Anstoss\nzur Composition derselben gegeben. Die Zeit, in welcher\nsie entstanden, beginnt mit dem Sommer 1824 und endet\nmit dem November 1826. Schon im December trat die\nKrankheit ein, der Beethoven den 26. März 1827 erlag.\nWährend dieser Zeit hat er sich mit keiner ande-\nren Composition beschäftigt. Die Ariette „Der Kuss\"\n(als Op. 128 herausgegeben) und das\nfür Pianoforte (als Op. 129) sind eingeschobene Kleinig-\nkeiten aus ganz früher Zeit.\nSämmtliche fünf Quartette sind schon bei Lebzeiten\nBeethoven's in den Händen der Verleger gewesen; der\nZusatz: „Aus dem Nachlasse\", auf dem Titel des A-nwll-\nund des .F-dfwr-Quartettes bei M. Schlesinger ist unrichtig.\nEs ist dies desshalb wichtig, weil aus dem wahren Verhalt\nder Sache hervorgeht, dass Beethoven die letzte Hand an\ndiese Stücke gelegt hat und nichts mehr daran zu ändern\nvor hatte."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "391", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591203-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1889, "texte": "Die Reihenfolge der Entstehung der Quartette ist\nfolgende:\n1. Quartett in Es-dur, Op. 127.\n2. „ „ A-moll,„ 130 (anstatt 132).\n3. , „ B-dur, „ 131 (anstatt 130).\n4. „ n Cis-moll, „ 132 (anstatt 131).\n5. „ „ F-dur,„ 133 (anstatt 135).\nDie Fuge in B-dur (als Op. 133 gedruckt im Jahre\n1830 bei Artaria in Wien) bildete ursprunglich das Fi-\nnale des grossen _/9-efer-Quartetts (1826 geschrieben, im\nMärz des Jahres zum ersten Male öffentlich gespielt). Der\nVerleger Matth. Artaria bewog Beethoven, statt der Fuge\neinen Schlusssatz im freien Stil zu schreiben, und erbot\nsich, die Fuge als selbstständiges Werk zu honoriren. So\nentstand das gegenwärtige Finale des _Z?-e?wr-Quartetts,\nÄllegro,2/i-Tact, ein Satz, der in Heiterkeit des Charak-\nters und Klarheit der Arbeit auf merkwürdige Weise ge-\ngen die übrigen Sätze absticht. Und dennoch war dieses\nFinale die letzte Composition Beethoven's (Novem-\nber 1826), und er hat es zu Gneixendorf im Hause sei-\nnes Bruders, unter den widerwärtigsten Familien-Verhält-\nnissen, unglaublichen Rücksichtslosigkeiten gegen ihn, bei\nregnerischem Welter, beschränkt auf die Wohnstube, ge-\nschrieben!\nDie Fuge in D-dur für zwei Violinen, zwei Violen\nund Violoncell, die als Opus 137 im Jahre 1827 bei\nHaslinger in Wien erschien, ist schon im Jahre 1816 ge-\nschrieben.\nIn Schindlers Buche möge man nachlesen, unter wel-\nchen äusseren Verhältnissen und Einwirkungen die fünf\nletzten Quartette von Beethoven geschrieben worden sind.\nDie Darstellung wirft ein zwar bedeutendes, aber betrü-\nbendes Licht auf die letzten Lebensjahre des grossen Mei-\nsters und erklärt wenigstens zum Theil die nicht zu läug-\nnende Erscheinung, dass während dieser Jahre in seinem\nmusicalischen Schaffen der Kampf des Genius mit der Re-\nflexion eintrat, und die Fackel des ersteren nicht immer\ndas Dunkel der Irrgänge durchleuchtete, in welche die\nletztere den Componisten führte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-12-03-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-12-03_01#c015", "volume": "bmtnabi_1859-12-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "391", "page_fin": "392", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591203-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "391", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591203-01.1.7", "debut_caractere": 1891, "fin_caractere_exclue": 5690, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMolsi. Am Dinstag fand die zweite Soiree für Kammer-\nmusik Statt. Die Herren Grunwald, Derckum, von Königslöw und\nB. Breuer eröffneten sie mit nichts Geringerem als dem Vortrag des\nQuartetts 0 p. 131 in Cis-moll von Beethoven, wobei das fleis-\nsigste Studium und eine sehr sorgfältige Ausführung volle Anerken-\nnung fanden. Wenn ein Referent in der ehemaligen Allgemeinen\nMusik-Zeitung vom Jahre 1826 über die erste Aufführung eines der\nfünf letzten Quartette Beethoven's sagt: „Wenn die Instrumente in\nden Regionen des Süd- und Nordpols mit ungeheuren Schwierigkei-\nten zu kämpfen haben, wenn jedes derselben anders figurirt und sie\nsich unter einer Anzahl von Dissonanzen durchkreuzen, wenn die\nSpieler gegen sich selbst misstrauisch, wohl auch nicht ganz rein\ngreifen, dann ist die babylonische Verwirrung fertig\" so müssen\nwir unseren Spielern vom Dinstag Abend vollkommene Reinheit der\nGriffe vindiciren; in dieser Hinsicht wären wir dann also nach drei-\nunddreissig Jahren weiter gekommen. Wenn der angezogene Referent\naber schliesst: ~Vielleicht kommt noch die Zeit, wro das, was uns\nbeim ersten Blicke trüb und verworren erscheint, klar und in\nwoh Ige fällig en Formen erkannt wird\" —so scheint es uns, als\nob auch die gegenwärtige Generation noch nicht so weit gekommen\nsei, den logischen Ideen-Zusammenhang in den meisten Sätzen des\nCta-wo/Z-Quartettes zu durchschauen und die Combinationen der\nStimmenführung und die daraus entstehenden Harmonieen für schön\nzu halten, d. h. als schön zu empfinden denn bekanntlich\nhalten diejenigen sie für schön, welche dem Grundsatze huldigen,\ndass die Musik erst mit diesen letzten Arbeiten Beethoven's be-\nginne. Die Zuhörer sind noch immer, wie damals, „ziemlich ver-\ndutzt\" und fragen sich, „was sie denn eigentlich gehört haben?\"\nDer damalige Referent sagt ganz offen: „er wolle sich selbst nicht\nausnehmen\"; wir wiederholen dasselbe Geständniss der Mehrzahl der\nSätze des Cis-moll-Quartetts gegenüber. Wenn F. Hiller im Feuil-\nleton der Kölnischen Zeitung (Nr. 329) eben so wahr al6 anziehend\nund geistvoll über „Kammermusik und das Publicum\" spricht und\nvon der Ausführung durch Dilettanten sagt, dass „es Liebhabern\nnicht zuzumuthen sei, Aufgaben zu lösen, an welchen die Mehrzahl\nder Musiker scheitere\", so möchten wir dieses Wort auch für die\nAnhörung geltend machen. Wir sind vollkommen damit einver-\nstanden, dass „die ernste und unbedingte Hingabe an das Kunst\nwerk\" die wahre Schule der Erkenntniss des Schönen ist. Allein\ndiese Schule erfordert wie alle Schulen einen stufenweisen Gang;\n~ein wenig Finsterniss zu Anfang wie Hiller sagt —, die aber\nbald dem wohlthuendsten Lichte weicht\"; gut: aber sehr viel Fin-\nsterniss, die nur selten dem wohlthuenden Lichte weicht, dürfte dio\nErkenntniss mehr hindern als fördern.\nDie zweite Nummer des Abends war ein Trio für Piano, Vio-\nline und Violoncell in F-dur von Bargiel, Op. 6, die Clavior-\nstimme von Herrn Bargiel selbst vorgetragen. Die Composition\nverräth Talent, dem Vernehmen nach ist sie schon vor vier bis fünf\nJahren entstanden. Wir kennen von den übrigen Sachen aus der\nFeder des Herrn Bargiel noch zu wenig, um zu wissen, ob er den\nWeg eingehalten hat, den er in diesem Trio eingeschlagen; wün-\nschen können wir es gerade nicht. Nur das Trio des Scherzo hat\nuns melodisch sehr angesprochen.\nDas Quintett von Mozart (Nr. 5 in Es-dur) wurde fein und\nhübsch vorgetragen und jeder Satz mit lebhaftem Beifall aufgenom-\nmen; man merkte deutlich, dass das Publicum beim „wohlthuenden\nLichte\" angelangt war und sich dessen freute.\nMassel« Es heisst, es habe sich unter Spohrs Nachlas»\nseine Selbst-Biographie vorgefunden.\nEjeijizigr* Herr Capellineister J. Rietz wirJ uns verlassen;\ner ist an Reissiger's Stelle nach Dresden berufen und hat an-\ngenommen."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "392", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591203-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4026, "texte": "Berlin« Die grosse Concert-Aufführung im Opernhause zur\nNachfeier des Schiller-Festes erhebt sich über eine kritische\nBetrachtung; wir haben den Blick nur auf eine historische Erschei-\nnung zu richten. Es galt, dem Dichter auch eine musicalische Hul-\ndigung darzubringen, zu welcher kein Werk geeigneter erchien, als\nBeethoven's neunte Sinfonie. Das Orchester behauptete seinen ge-\nwöhnlichen Platz, aber auf der Bühne erhob sich, dem stolzen An-\nblick des Zuschauerraumes gegenüber, in dem alles, was Glanz und\nReichthum in unserer Stadt nur vermögen, strahlte, eine noch schö-\nnere Terrasse, auf der gegen sechshundert Sängerinnen und Sänger\nsassen bis zu den letzten Höhen des hergestellten Baues hinauf. Von\neinem solchen Chor, den drei Gesang-Vereine Berlin's, die Sing-Aka-\ndemie, der Stern'sche Verein, der Jähns'sche Gesang-Verein, gebildet\nhatten, konnte nur das Trefflichste erwartet werden. Ausführer der\nSoli waren die Damen Köster und Jenny Meyer, die Herren\nWoworski und Krause. Die vollste, aus dem Innersten quellende\nZustimmung machte sich in dem tief bewegten Hörerkreise geltend.\nfl£egensblil*s, 11. Nov. Ich würde fürchten, meiner Pflicht\nnicht zu genügen, wollte ich es unterlassen, Ihnen über die hiesige\nSchiller-Feier zu berichten. Im Theater gab man am Vorabend\nein Festspiel mit lebenden Bildern und Wallenstein's Lager. Zwi-\nschen beiden wurden die Ouvertüre zum Sommernachtstraum von\nMendelssohn und die Jubel-Ouverture von C. M. von Weber ge-\nspielt. Am ](■. November selbst hielten der vereinigte Liederkranz\nund Musik-Verein ein Concert, in welchem unter der Leitung des\nTheater-Musikmeisters Koponassi zwei Ouvertüren von Ferd. Ries\n(Braut von Messina, Don Carlos), die Glocke von A. Homberg\nund der Gang nach dem Eisenhammer von Bernh. Weber aufge-\nführt wurden. Heute ist als Fest-Vorstellung Teil von Schiller an-\ngekündigt.\nlilnz »sä *ler Uoits&aa* Herr Alfred Jaell hat hier drei\nConcerte mit ausserordentlichem Erfolg gegeben. In seinem Ab-\nschieds-Concerte am 27. November spielte er Beethoven's Sonate\nOp. 81, Les Adieux etc., Schumann's Carnevalscenen, Chopin's\nPhantasie (Impromptu), Liszt's Canlique d'amour und Jaell's\nHome sweet home. In dem ersten Concerte hatte er unter Anderem\nBeethoven's Sonate Op. 22 und Präludium und Fuge in E-moll\nvon Mendelssohn nebst einigen Stücken von Chopin und von\neigener Composition vorgetragen.\n** MamllQirs* Herr Louis Brassin hat hier mit glänzen-\ndem Erfolge den ersten Satz des jEs-c/Mr-Concertes von Beethoven\nund die Phantasie von Liszt über Motive aus der Musik Mendels-\nsohn's zum Sommernachtstraum gespielt. Er hat sich von hier über\nHolland, wohin ihn noch einige Engagements riefen, nach Paris\nbegeben.\nDas Programm zu dem ersten Concerte des Cäcilien-\nVereins (20. Jahrgang), Sonntag den 20. November 1859, um 12\nUhr Mittags, im Saale der Sofien-Insel, brachte in der ersten Ab-\ntheilung: 1. Ouvertüre in D-dur (aus den Suiten Nr. 3 für Orche-\nster) von Johann Sebastian Bach (zum ersten Male); 2. Recitativ\nund Arie aus der Oper „Rinaldo\" von Georg Friedrich Händel (neu\ninstrumentirt von G. Meyerbeer. Zum ersten Male.) In der zwei-\nten Abtheilung: ~Manfred\", dramatisches Gedicht in drei Abthei-\nlungen von Lord Byron. Zur Concert-Aufführung eingerichtet von\nJos. Bayer. Mit Musik von Robert Schumann. Op 115. (Zum ersten\nMale ) Alis besonderer Gefälligkeit hatten die Frau Frey, Fräul.\nMick und Fräul. Schmidt, so wie die Herren Bergmann, Fischer,\nStrakaty nnd Walter ihre Mitwirkung freundlichst zugesagt.\nBrüssel* Zur Schiller-Feier hatte Herr Kufferath eine\nCantate componirt, die in dem declamatorischen Concerte am 10.\nNovember aufgeführt und mit ganz ausserordentlichem Beifall unter\nHervorruf des. Componisten beehrt wurde.\nPai'l§. Sivori und Theodor Ritter haben am 30. Novem-\nber einen Cyklus von Soireen für Kammermusik begonnen. Das\nStreich-Quartett besteht aus Sivori, Accursi, Cas. Ney und\nRignault (Violoncell).\nDie Cantate zum Schiller-Feste von Pfau, Musik von Meyer-\nbeer, erscheint im Druck bei Brandus & Dufour."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "385", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591203-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nAus Frankfurt am Main. 11. (Quartett-Spiel.) \"Von A. Schindler. Die Mozart-Stiftung in Frankfurt am Main (Jah-\nres-Bericht). Ans Bremen (Wiedereröffnung der Privat-Concerte, Schiller-Feier). \"Von —ll. Die fünf letzten Violin-Quartette Beetho-\nven s. Tages- und Un t erh al tun gs blat t, (Köln, Zweite Soiree für Kammermusik Kassel, L. Spohr Leipzig, J. Kietz\nBerlin, Zur Schiller-Feier Regensburg Linz an der Donau Hamburg Prag Brüssel Paris).\n\nAus Frankfurt am Main.\n\nII.\n[Quartett-Spiel.]\nDie Alten sollen die Jungen belehren,\nDie Jungen sich aber von den Alten belehren lassen.\nAm 18. März d. J. Liess sich der bereits vortheilhaft\nbekannte Violin-Virtuose Herr Ludwig St raus aus\nWien im Museum mit Beethoven's Concert hören. Man\nerkannte alsbald, dass man ein ausgezeichnetes, mit den\nHerren Joachim und Laub auf gleicher Stufe der Ausbil-\ndung stehendes Talent vor sich habe, dem sonach der ver-\ndiente Beifall im vollsten Maasse zu Theil wurde. Als aber\nwenige Wochen darauf Herr Straus in Verbindung mit\nden Herren Stein, Weicker (aus dem Theater-Orchester)\nund Herrn Brinkmann eine Quartett-Sitzung veranstaltet\nund darin gezeigt hatte, dass er diese den meisten Vir-\ntuosen stets fremd bleibende Gattung mit gleich grosser\nBegabung und Liebe behandelt, wie das Solospiel, wurde\ndie Aufmerksamkeit auf den jugendlichen Künstler Seitens\neiniger gediegenen Musikfreunde erst vollends rege, so\nzwar, dass gegenseitig der Wunsch ausgesprochen ward,\nSchritte zu thun, um denselben hier festzuhalten und ihm\neinen zum Vortheile des Ganzen gereichenden Wirkungs-\nkreis zu verschaffen. Herr Wilh. Speyer nahm die Sache\nin die Hand, und es gelang ihm, seine Collegen am Thea-\nter dahin zu vermögen, dem Künstler die Stelle eines Con-\ncertmeisters anzubieten. Gleichzeitig liess sich der Vorstand\nder Museums-Concerte gern bestimmen, Herrn Straus zu\nSolo-Vorträgen zu engagiren und ihm gleichfalls ein nam-\nhaftes Fixum auszuwerfen. So ist der junge Mann in eine\nehrenvolle Stellung versetzt worden, in welcher er Gele-\ngenheit erhält, sein schönes Talent zu eigenem, wie auch\nzum Vortheil der hiesigen Musik-Verhältnisse bestens ver-\nwerten zu können.\nSoll Verfasser einen Rückblick auf jene Quartett-\nSitzung (mit Cherubinischen und Mendelssohn'schen Wer-\nken) werfen, so muss er gestehen, dass sowohl in Auffas-\nsung,- Colorit, Stil und Tempo, wie nicht minder im Zu-\nsammenspiel und Wohlklang im Allgemeinen wahrhaft\nRühmenswerthes geleistet worden, wobei der feine Kenner\nnur ein Rundgeben höherer musicalischer Redekunst ver-\nmisst hat. Diese ist nun einmal der lebenden Generation\nabhanden gekommen, und zwar, seltsam genug, ungeachtet\nso vieler Musikschulen oder, wie man diese Anstalten lie-\nber nennt, Conservatorien. Dass nach solchen Beweisen\nvon Tüchtigkeit die Elite der frankfurter Musikfreunde die\nBildung eines Vereins für Quartett-Spiel das seit meh-\nreren Jahren brach gelegen—mit freudigen Erwartungen\ngewünscht, war die natürliche Wirkung des Gehörten.\nDiese Wünsche sind erfüllt. Der Verein besteht aus den\nvier oben genannten Künstlern.\nBei Herannahen der musicalischen Saison verkündeten\nöffentliche Anzeigen einen Cyklus von sechs Sitzungen, de-\nren erste bereits am 28. October, die zweite am 13. No-\nvember Statt gefunden hat. Zum Vortrage sind gekommen:\nMendelssohn in D-clur,Haydn in (mit „Gott er-\nhalte\") und Beethoven in Es-dur, Op. 74; dann Mozart\nin D-moll,Streich-Trio in G-dOp. 9, von Beethoven\nund Schubert in D-moli.Ein genugsam reiches Material\nzu Anknüpfung von Betrachtungen, ob der Geist jenes\nFrühlingsmorgens nun wieder über dem Verein geschwebt\noder vielleicht gar von einem anderen nicht classischen\n—verdränet worden. Gestehen wir es nur ohne Hehl, dass\nes im Ganzen ein nicht classischer gewesen, dalier den Er-\nwartungen der Kenner in wenig genügender Weise ent-\nsprochen wurde. Woher jedoch ein so auffallender Con-\ntrast bei denselben Individualitäten? Sollte derselbe nicht\netwa in etwas Aeusserlichem seine Ursache finden? Diese\nFragepunkte zeigen, dass es von Interesse ist, dieser seil-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "386", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591203-01.1.2", "texte": "r \\\nsamen Erscheinung auf den Grund zu kommen, weil wich-\ntig für den Vortrag aller Musik.\nDer grosse Yiolinkünstler Baillot äussert sich auf\nSeite 272 seiner Schule, wie folgt: „Die Art des Aus-\ndrucks, die Mittel, deren man sich bedient, der eigentüm-\nliche Vortrag, welchen man einem jeden Stücke beilegt,\nbezeichnen den Stil.... Jeder Componist drückt seinem\nWerke ein besonderes Siegel auf, worin die Art, es zu\nfühlen und sich auszudrücken, begründet ist. Hier scheitert\nmancher Spieler; mancher ist fähig, die Musik eines ein-\nzelnen Componisten vorzutragen, dagegen nicht jene eines\nanderen; Finger, Bogen und Spiel, Alles versagt ihm, weil\ner die gehörige Biegsamkeit nicht besitzt, sich in jede Gat-\ntung des Stils zu fügen, oder der Fähigkeit ermangelt, den\nZusammenhang der melodischen Abschnitte [Bhythmik]\naufzufassen und in diesem Sinne vorzutragen,—ein Uebel,\ngegen welches es kein Mittel gibt.\"\nIst auf letzteren Satz zunächst zu erwidern, dass ein\nguter Unterricht schon Kindern von zehn Jahren klare Be-\ngriffe von Bhythmik beibringen kann, weil dies für den\ngebildeten Lehrer ausserordentlich leicht ist, so zeigt doch\ndas ganze Citat, dass Baillot sich im Punkte „Stil\" ledig-\nlich an der Technik des Spiels hält. Er vergisst den in den\nverschiedenen Werken verschiedener Autoren verborgen\nliegenden Geist, den selbst ein gleichmässig geschicktes\nHandhaben aller Kunstmittel nicht ans Tageslicht zu för-\ndern vermag. Das braunschweiger Quartett der Brüder\nMüller, dem gewiss alle technischen Mittel zum Ausdruck\ngeläufig waren, vermochte dessen ungeachtet den Kenner\nnur in Mozart's Musik ganz zu befriedigen, in weit abste-\nhender Weise kam Haydn's Geist durch sie zu Tage, Beet-\nhoven aber war durchweg nur in den Noten da. Baillot\nwürde als Grund angegeben haben: weil die Spieler die\nStilweise dieser beiden Classiker nicht erfasst. Mag indess\ndie Ansicht des französischen Meisters in Ehren gehalten wer-\nden, sie wurde ja zu derZeit ausgesprochen, als die Kunst,\nVioline zu spielen, sich noch in gesetzmässigen Schranken\ngehalten und noch nicht in Seiltänzerei ausgeartet war,\ndie durch Annahme mannigfacher Manieren die Kluft zwi-\nschen damals und jetzt erzeugt hat. In diesen Manieren,\ndie sich im Hin- und Herrutschen auf den Saiten\n(also im Mangel an Positivität des Tones), in Verdün-\nnung des Colorits, in Anwendung von modernen,\nnur für Salon-Musik passenden Stricharten, in\nvernunftwidrigerUebertreibung derZeitmaasse\nund so weiter bemerkbar machen, in solchen Manieren\nhat man gegenwärtig die Haupthindernisse zu suchen, den\nStil-Eigenheiten der classischen Componisten gerecht wer-\nden zu können, weil jede Manier, in sich befangen, ver-\nschiedenartigen Ausdruck nicht zulässt, vielmehr ihrem\nWesen nach gebieterisch an der Gleichmässigkeit festhält.\nDaher kommt es, dass Haydn wie Mendelssohn, dieser\nwieder wie Beethoven, und dieser wie zu Ge-\nhör gebracht werden. In gleicher Weise geschieht dieses\nmit den Sinfonieen der Classiker, obgleich die Charakter-\nEigenheiten in dieser Gattungs-Musik weit weniger schwer\nzu sondern sind, als in der Quartett-Musik, darum diese\nimmerhin die allerschwierigste hinsichtlich der charakter-\neigenthümlichen Darstellung bleibt.\nWieder zu unserem Quartett-Verein zurück.\nKinder der Zeit tragen natürlicher Weise mehr oder\nweniger das Charakter-Gepräge ihrer Zeit an sich; wie\nsollte dieser junge Verein eine Ausnahme machen? Gott-\nlob jedoch, dass dieses Gepräge erst im Ansätze begriffen\nist, noch nicht mit den einzelnen Individualitäten verwach-\nsen, wie sich dies z. B. bei dem meininger Quartett der\njüngeren Müller in höchst bedauerlicher Weise kund\ngibt, daher Warnung und Belehrung bei ihnen zu spät\nkommt, weil vorbenannte Manieren sie bereits ganz be-\nherrschen. Sie gleichen Walzen, denen kaum eine Spur\nvon Geist und Gemüth innewohnt. Der Ton und seine\nPsyche ist ihnen nichts, das Notenzeichen Alles. Wehe der\nEpoche, in welcher viele dergleichen Maschinen die Lande\ndurchziehen und mustergültig einwirken! Dass unsere\nEpoche zu viele derselben besitzt, ist eine der betrübend-\nsten Wahrheiten.\nEs würde wahrscheinlich auch in unserem Falle das\nwohlgemeinte Wort des Verfassers in der Luft verhallen,\nwenn er es unterliesse, durch einige Stellen aus den jüngst\nhier vorgetragenen Werken vor Augen zu legen, wie selbe\nvom Componisten niedergeschrieben, von der ersten Vio-\nline aber verändert gespielt worden.\nHaydn schreibt im erstenSatze des Quartetts in\nu. s. w. fünf Tacte hindurch. Er verlangt sonach ein klei-\nnes Verweilen auf der ersten und der dritten Note jeder\nGruppe, wodurch der Gang ein festgeschlossenes und wohl\nauch ernstes Gepräge gewim.t. Diese Stelle ward jedoch\nso gespielt:\nu. s. f. Durch das spitze Hinausstossen der anzuhaltenden\nNote erhält die Stelle den Charakter des Coquetten, leicht-\nfertig Tändelnden. In derselben Weise wurden alle der-\ngleichen punklirten Stellen im ersten Satze gespielt."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "387", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591203-01.1.3", "texte": "Die Melodie des Volksliedes in diesem Quartett ist\nmit „Poco Adagio cantabile\"überschrieben; wir beka-\nmen sie aber im Tempo Andante zu hören, die\nerste Variation hingegen in der Bewegung zurückgehalten.\nSchuppanzigh und Genossen in Wien spielten dieses\nVolkslied sammt allen Variationen in gleichmässiger Be-\nwegung; bekanntlich hatte dieser Verein in seiner Jugend-\nzeit den grossen Haydn selber, meist aber seinen Stellver-\ntreter, den Grafen Rasumowsky, den ersten Bewahrer\nder Haydn'schen Traditionen, zu Führern. Obgleich in\ndiesem Satze die Vortragszeichen nur sehr spärlich beige-\nsetzt erscheinen, so nuancirte jenes kunstgeschichtlich hoch-\nberühmte Quartett dennoch die Melodie wie alle Varia-\ntionen in mannigfaltiger Weise, wodurch Monotonie ver-\nhindert ward. (Das braunschweiger Quartett spielte den\nganzen Satz piano pianissimoin übermässig süsslicher Ma-\nnier.) Ferner schreibt Haydn im ersten und zweiten Tacte\ndes zweiten Theils dieses Volksliedes die Vorhalte fis und\ndnach altem Herkommen mit kleinen Noten. Die zu ge-\nwissenhaften alten Componisten schrieben nämlich die auf\nschwere Tacttheile fallenden Vorhalte regelmässig mit klei-\nnen Nötchen (so gleichfalls im Recitativ),weil dieselben meist\neine Dissonanz zum Basse bilden. Dieser alte Brauch hatte\ndas Gute, dass Sänger wie Spieler auf die Betonung dieses\nVorhaltes aufmerksam gemacht wurden. Mozart hat diese\nSchreibart beseitigt. Verfasser hörte Beethoven mit Be-\ndauern äussern, dass diese Schreibart aus Bequemlichkeits-\ngründen beseitigt worden. Unsere erste Violine spielte\ndiese Vorhalte so:\nDie zweite Violine hingegen liess in der ersten Variation\nbeiden Vorhalten Recht widerfahren, die Stelle erklang\ndemnach wie im Gesänge. Man lege ihr nur die zukom-\nmenden Worte unter, der lange Accent wird sich von selbst\nergeben, und die harmonischen Noten und c wegen des\nlängeren Verweilens auf den Vorhalten werden um ein\nWeniges verkürzt zu hören sein. Und so wird das Verfah-\nren im richtigen Gebrauche aller Vorhalte sein müssen.\nEin Pianoforte- oder Violinspieler, dem der richtige Ge-\nbrauch der Vorhalte in den verschiedenen Zeitmaassen nicht\ngeläufig ist, entbehrt der Kenntniss eines der am häufig-\nsten vorkommenden Gesetze der höheren Redekunst. Heut-\nzutage ist das leider ein gar seltener Vogel, der merken\nlässt, dass er etwas davon weiss. Trockene Correctheit,\noft wohl auch Glätte und Eleganz sind die alleinigen Ziele\nunserer Virtuosen, Prägnanz im Ausdruck hingegen ist\nein fast ungekannter Begriff.\nDas Mozart'sche Quintett in D-moll anlangend, so\nentbehrte es im ersten Satze des der Tonart und dem\nInhalte entsprechenden Ernstes und der Würde; Weichheit\nliegt nicht im Grundwesen dieser Tonart, sie erfordert viel-\nmehr kräftiges Colorit, der fragliche Satz insbesondere noch\nbreiten Stil. Schon Plato hat die Psyche dieser Tonart\nerklärt. Im Andante wurden wir durch oftmaliges Nicht-\nbeachten der vielen vorkommenden Sechszehntel-Pausen\ngestört, wodurch die über dem Ganzen herrschende hei-\nlige Ruhe gelitten. Im Trio des Minuetto ist die Schreibart\nnachstehende:\nDie stricte Befolgung dieser Vorschrift erfordert eine sorg-\nfältig gewählte Bewegung des Allegretto ohne die gering-\nste Abweichung von dem vorausgehenden e. Wir\nbekamen jedoch dieses Trio im schnellen Tempo also\nzu hören:\nDass die Viola im zweiten Theile, mit fortgerissen, in glei-\ncher Weise secundirte, lässt sich erwarten. Das Trio er-\nhielt somit den Charakter eines gemeinen Walzers oder,\nbezeichnender, eines Gassenhauers.\nIn Beethoven's Streich-Trio, Op. 9, war die Ausfüh-\nrung des ersten Satzes in jeder Beziehung gelungen, dem\nzweiten Satze, Adagio, ma non tanio e cantabilc, fehlten\njedoch fast durchweg die schriftlich nicht angemerkten, im\nausdrucksvollen Gesänge aber sich von selbst verstehenden\nBetonungen, daher derselbe langweilig werden musste.\nDer dritte Satz, Scherzo Allegro, wurde in ein modernes\nPresto umgewandelt; der vierte Satz, Presto:\nim Tempo Prestississimo, mit am so genannten Frosch\nhüpfenden Bogen abgehetzt, so zwar, dass der Composition\nzu folgen schlechterdings unmöglich gewesen, denn der\nVirtuose fesselte mit dem schlecht angewandten\nallein die Aufmerksamkeit. Hat wohl diese jüngste Erfin-\ndung von Streicharten Berechtigung, auch in der Kammer-\nmusik der Classiker angewandt zu werden, in die unsere\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "388", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591203-01.1.4", "texte": "jungen Virtuosen sie so häufig hineintragen? In der Vio-\nlin-Schule von Rode, Kreutzer und Baillot (nicht zu ver-\nwechseln mit der von Baillot allein herausgegebenen) wird\nim Capitel „Vom Geiste des Vortrags\" das Quartett eine\n„Composition genannt, deren reizender Dialog eine Art\nvon Unterhaltung zwischen Freunden ist, die sich ihre Em-\npfindung und wechselseitige Zuneigung mittheilen.\" Diese\nErklärung wird auch auf das „gearbeitete\" Trio Anwen-\ndung finden. Man denke sich aber in diesem Freundes-\nkreise das Getänzel mit dem Bogen am Frosch als Aus-\ndruck der ästhetischen Empfindung im Wechsel der In-\nstrumente! Begreiflich wird die gediegenste Composition\ndadurch in die Classe ordinärer Salon-Musik herabgezogen.\nUeber die Ausführung des herrlichen Quartetts D-moll\nvon F. Schubert wollen wir nur offen gestehen, dass die-\nselbe kein Verständniss des Werkes bekundete und durch\nmaasslose Uebertreibung der Tempi im vornehm-\nlich im vierten Satze auf gleicher Stufe mit den Produc-\ntionen des meininger Müller-Quartetts gestanden. Ueber\nsolchen Wahnsinn kann der verständige Musikfreund nur\nwehklagen.\nNoch müssten verschiedene Abweichungen von der\nSchreibart der Componisten angezeigt werden, die störend\nauf genaue Uebereinstimmung gewirkt, hiesse dies nicht\ndiesen Aufsatz zu weit ausdehnen. Beispielsweise werde\nnur auf eine oft erscheinende Tonfigur hingewiesen. Die\nPartitur besäet:\ndie erste Violine verändert\ndiese Achtel in Sechszehntel und spielt\n, Viola\noder Violoncell bringt sie wieder so zu Gehör:\nund dergleichen mehr. Auch erlaubt sich Referent, zu fra-\ngen, ob ein Pianissimo wohl bis zu kaum hörbarem Ge-\nsäusel verdünnt werden darf.\nMöge unser Quartett-Verein im Vorstehenden die Auf-\nmerksamkeit erkennen, mit welcher der Unterzeichnete den\nProductionen bisher gefolgt, und dies zunächst im Interesse\nwachsenden Gedeihens des Vereins hiermit bekundet. Soll-\nten diese wohlgemeinten Anmerkungen eine gute Stätte\ngefunden haben, so soll es an deren Fortsetzung nicht feh-\nlen. Ein Verein, aus jugendlichen Kräften bestehend, mit\neiner meisterlich technisch ausgebildeten ersten Violine und\neinem Violoncell mit weichem, singendem Tone, gewand-\nter Bogenführung und tadelloser Reinheit in der Intonation\n(Herr Brinkmann), ein solcher Verein vermag das Höchste\nzu erreichen, Wenn er die vorzutragenden Werke der Prü-\nfung sachverständiger Männer unterwirft, bevor er damit\nvor das Publicum tritt. Der Beifall des vollen Saales ist\nzwar beachtenswert!), soll aber nicht anders denn als eine\naufmunternde Theilnahme angesehen werden. Das Quar-\ntett-Spiel zählt an wahrhaften Kennern überall die aller-\nwenigsten, weil es nebst viel Uebung im Hören tiefe Ein-\nsicht in die Partitur erfordert. Die meisten Zuhörer sind\nbefriedigt, wenn es nur recht frisch einherläuft und „zu-\nsammenklappt\". Das Zusammenklappen der aufgeführten\nMusikstücke scheint hierorts von nicht minderer Wichtig-\nkeit zu sein, wie das Zusammenklappen der Rechnungen.\nVielleicht anderwärts ebenfalls. Den jungen Künstlern wäre\ndaher zu rathen, zu ihren Studien gediegene Kenner von\nclassischer Quartett-Musik recht oft hinzu zu ziehen und\nsich ihren Urtheilen zu fügen. Sie finden solche in den\nHerren Wilhelm Speyer und Dr. Schlemmer (vielleicht auch\nin anderen mir weniger wohlbekannten Männern), die,\nwenngleich nur so genannte Dilettanten, dennoch durch\nihre ästhetische Bildung unzählige Fachmusiker über-\nschauen.\nEndlich soll noch gewarnt werden vor Diftelei und\nängstlichem Feilen an den Tonwerken, weil beide die un-\nbefangene, oftmals richtige Anschauung der Sache auf Irr-\nwege führen und dem Kunstwerke ein ganz anderes Ge-\npräge aufdringen, als ihm eigentümlich ist.\n\nA. Schindler.\n\nDie Mozart-Stiftung in Frankfurt am Main\n\nDer Bericht des Verwaltungs-Ausschusses der Mo-\nzart-Stiftung in Frankfurt am Main an den Lieder-\nkranz umfasst das mit dem 30. September 1859 abge-\nschlossene einundzwanzigste Geschäftsjahr und enthält un-\nter Anderem Folgendes:\n„Das Capital-Vermögen der Stiftung betrug am Schlüsse\ndes vorigen Jahres 35,433 Fl. 10 Kr.; dazu durch den\nLiederkranz der Ertrag des statutenmässig zu gebenden\nConcerles mit 71 Fl. 17 Kr.; ferner die Schenkung einer\nBanknote von lOOFrcs.; dann 25 Fl., 20 Fl. und andere\n/\nfreundliche Gaben. Durch diesen Zuwachs mit Zuziehung\nder Zinsen von Capital stellt sich am Schlüsse dieses Jah-\nres das Gesammt-Vermögen der Stiftung auf 36,625 Fl.\n11 Kr.\n„Bei Aufstellung der Bilanz ist zu bemerken, dass die\nGasse mit zwei Quartalen an den Stipendiaten Brambach\nfür das ihm bewilligte vierte Jahr des Stipendienbezuges\nim Rückstände ist, da Brambach, ähnlich wie früher Bruch,\ndas letzte Jahr seines Stipendiengenusses auswärts zubrin-\ngen wird und sich zu eigener Annehmlichkeit den gleich-\nzeitigen Bezug mehrerer Quartale ausgebeten hat.\n„Bei dem Danke an die werkthätigen Förderer unse-\nrer Stiftung und ihrer Zwecke müssen wir auch des Herrn\nCapellmeisters Hiller in Köln mit gebührender Auszeich-\nnung gedenken. In reiner Begeisterung für alles Gute und"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "389", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591203-01.1.5", "texte": "Schöne hat er unsere Stiftung und ihre Wirksamkeit von\nAnbeginn mit warmer Liebe umfasst und nach allen Rich-\ntungen ihre Interessen mit Rath und That in einer Weise\ngefördert, die ihn selbst manche mühevolle Thätigkeit und\nmanches Opfer nicht scheuen liess. Unsere beiden letzten\nStipendiaten waren vorzugsweise seiner Leitung und Be-\nlehrung übergeben. Alles zeugt sowohl für die Umsicht\nund das Yerständniss dieser Unterweisung, wie für das gei-\nstige Eindringen in die Sache. Die Liebe und Verehrung\nder Stipendiaten für ihren Lehrer und Meister gibt für das\nganze Verhältniss das ehrendste Zeugniss. Mag auch diese\numfassende und uneigennützige Thätigkeit Hiller's in den\nerzielten schönen Resultaten ihre würdigste Belohnung\nfinden, so können wir doch nicht umhin, unserer danken-\nden Anerkennung an dieser Stelle öffentlichen Ausdruck\nzu geben, mit der Bitte, dass Herr Gapellmeister Hiller\nunserer Stiftung diese Sympathie dauernd bewahren möge.\nUm nun auch von unseren Stipendiaten selber zu reden,\nso hat Bruch die letzte Zeit seines Stipendiengenusses zum\nTheil noch auswärts verbracht, zum Theil sich in voller\nEnergie mit grösseren Entwürfen und umfassenderen Ar-\nbeiten beschäftigt, die nach Hiller's Urtheil den Stempel\nder gereifteren Entwicklung unverkennbar an sich tragen.\nEr hat den vollen Turnus des Slipendienbezuges nun hin-\nter sich, und wir wünschen ihm für seine ferneren Bestre-\nbungen den Erfolg und die Anerkennung, zu der ihm die\ngewonnene Kunststufe alle Qualificationen der Berechti-\ngung zu sichern scheint.\n»Brambach ist nicht minder eifrig und strebsam, und\nsowohl seine Leistungen in ihrem grösser angelegten Plane,\nals die anerkennenden Zeugnisse Hiller's erfüllen uns auch\nbei diesem Stipendiaten mit den schönsten Hoffnungen. Er\nwird einen Theil des kommenden Winters in Leipzig ver-\nbringen. Auch er nähert sich allmählich dem Ziele seiner\nengeren Verbindung mit der Stiftung.\n«Wenngleich das abgelaufene Geschäftsjahr keine be-\nsonders hervorspringenden Momente bietet, so ist der ruhig\ngemessene Gang und die stille, sichere Entwicklung aller\nKräfte in stetem erfreulichem Fortschreiten und verheisst\nuns auch für die fernere Zeit die befriedigendsten Resul-\ntate. Vertrauensvoll appelliren wir hierbei an die nach-\ndrückliche und beharrliche Beihülfe des Liederkranzes, der\ndurch seine eifrigen Bemühungen die rasche Entwicklung\nso wesentlich gefördert, wie an die Mitwirkung anderer\nFreunde und Kunstgenossen, welche, durchdrungen von\nder segensreichen Wirksamkeit der Stiftung, ihre schönen\nZwecke zu fördern im Stande sind.\n„Ein bewegteres Leben wird das nächstfolgende Jahr\nin die Thätigkeit unserer Stiftung bringen, indem wir im\nLaufe desselben wahrscheinlich zur Erwählung eines neuen\nStipendiaten schreiten werden.\n„Der Verwaltungs-Ausschuss der Mozart-Stiftung,\nund in dessen Namen der Präsident:\n\n„Dr. Ponfick.\n„Dr. A. Giar, Secretär.\n\nAus Bremen.\nDen 29. November 1859.\nDie am 8. November wieder begonnenen Privat-Con-\ncerte erfreuen sich trotz der Erhöbung des Abonnements\nder zahlreichsten Theilnahme, welche in den gesteigerten\nLeistungen des Orchesters sicher die vollste Befriedigung\nfinden wird, da dasselbe durch das Engagement einiger\ntüchtigen Geiger unter Anderen des Herrn Concertmei-\nsters Engel aus Petersburg —, so wie durch die Ermög-\nlichung von zwei Orchester-Proben für jedes Concert we-\nsentlich an Abrundung und Durchbildung unter der Lei-\ntung unseres vortrefflichen lleinthaler gewinnen muss.\nIn dem ersten Concerte wulde Beethoven s\nSinfonie, Cherubini's Ouvertüre zum Wasserträger und\nWeber's Jubel-Ouverture zur Ausführung gebracht.\nHerr Vieuxtemps spielte sein Z>-mo//-Concert. Er ist\nnoch immer der grosse Geiger mit vollendeter Technik,\nmächtiger Bogenführung, elegantestem und fein abgewo-\ngenem Ebenmaass des Vortrags. Woran lag es, dass er\nbei aller Anerkennung seines Werthes das grosse Publi-\ncum nicht so elektrisirte, wie es bei seinem Rufe zu er-\nwarten war? Seine Compositionen sind geistreich und fern\nvon aller Trivialität, aber es fehlt ihnen der wahrhaft ge-\nniale Schwung, die Kraft der Erfindung, die mit sich fort-\nreisst. Interessante Durchführung der Gedanken, unerwar-\ntete und oft frappante Wendungen der Modulation, Kennt-\nniss des Orchesters, das Machwerk im besten Sinne des\nWortes, ist vorhanden. Ausser spielte\nHerr Vieuxtemps noch einige brillante Salonstücke, eben-\nfalls eigener Composition: Oh Willie, und\nSt Patricks day. Frau Concertmeister Engel aus Pe-\ntersburg, welche die Iphigenien-Arie in die Cour-\nArie aus Fi garo's Hochzeit und Lieder von Schubert und\nMendelssohn vortrug, gehört zu den fein fühlenden, gra-\nziösen Sängerinnen. Für die Iphigenie mochten ihre Stim-\nmittel nicht ganz ausreichen, dem Tone fehlt es an mate-\nrieller Grösse, der Darstellung an jener plastischen Erha-\nbenheit; überall aber, wo innige oder graziöse Elemente\nzur Geltung kommen sollen, bietet sie höchst Anerken-\nnenswerthes. Ihre Figaro-Arie und ihre Liederspenden wur-\nden mit dem lebhaftesten Beifalle aufgenommen."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "390", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591203-01.1.6", "texte": "Die C-moll-Sinfonie von Spohr, Op. 78, die das\nzweite Privat-Concert eröffnete, galt dem Andenken des\ndahingeschiedenen Meisters. Sie wurde vortrefflich gege-\nben und namentlich das Andante und der letzte Satz mit\nlebhaftem Beifall aufgenommen. Von Ouvertüren hörten\nwir die zum Märchen von der schönen Melusine von Men-\ndelssohn und die Egmont-Ouverture von Beethoven.\nFrau Clara Schumann spielte (auf einem Flügel von\nKlems) das A-mott-Concert von R. Schumann. Die Vor-\nzüge dieser berühmten Künstlerin sind bekannt; über das,\nwas sich für und gegen ihre Wiedergabe classischer.Werke\nsagen lässt, hat die neueste Zeit manche Beiträge geliefert.\nWir waren sehr gespannt, müssen aber gestehen, dass sie\nSchumann's Werk mit einer Ruhe und Grösse des Stils,\nmit einem rhythmischen Ebenmaass vorgetragen hat, wel-\nches nichts zu wünschen \"übrig liess und die Leistung zu\neinem vollkommenen künstlerischen Genuss machte. Diese\nMeinung theilt .hier mit dem Publicum auch das Orchester,\ndessen Begleitung im letzten Satze ein Prüfstein für beide\nTheile ist. Von den kleinen Stücken:\nvon Chopin [Cis-moll),Schlummerlied von Schumann, Op.\n124, und Gavotte von Bach (D-moll) wurde die letztere\nenthusiastisch aufgenommen und gegeben.\nWir machten die Bekanntschaft einer neuen Sängerin\nAltstimme), Fräul. Wilhelmine v. Kettler aus Olden-\nburg, die ihre Studien in Mailand gemacht hat. Die Stimme\nist ein echter Contra-Alt von vorzüglicher Klangfarbe, die\ntechnische Bildung, abgesehen von dem für deutsche Mu-\nsik zu häufigen Tremuliren, höchst beachtenswert!].\nDie Wahl der ersten Arie: „0 du, die Wonne\"\nu. s. w., aus dem Messias war für ein erstes Debüt nicht\nglücklich; sie bietet zu wenig Umfang für das Organ. Um\nihrem poetischen Gehalte inmitten einer fremdartigen Um-\ngebung gerecht zu werden, erfordert sie eine Grösse des\nVortrages, für welche an jenem Abende wohl die Mittel\nvorhanden waren, nicht aber die Ruhe vollkommener Be-\nherrschung des Augenblicks.\nIn der Semiramis-Arie, E\nentfaltete sich die Schönheit des Organs und der Ge-\nschmack der Künstlerin für die Rossini'sche Phrase. Lieder\nvon Mendelssohn und Schumann und ein schottisches Volks-\nlied wurden warm und schön vorgetragen.\nDas Schiller-Fest, welches überall alle musicalischen\nKräfte und Talente in Bewegung setzte, hat auch hier An-\nlass zu einigen neuen Productionen gegeben. Ausser einer\n(auch in Druck erschienenen) Hymne: „Heut' über allem\ndeutschen Volke\", welche von einem Massen-Chor, aus\netwa 500 Sängern und stark besetztem Orchester beste-\nhend, am Festtage ausgeführt wurde, hat Herr Musik-\nDirector Reinthaier eine Cantate für Männerchor mit\nOrchester nach Worten von F. Ruperti componirt, welche\nsowohl in den Proben als bei der Ausführung am Tage\nder Vorfeier im Künstler-Verein mit solchem Enthusias-\nmus aufgenommen worden ist, dass dieselbe hoffentlich\ndem Schicksal des Ad-Acta-Legens, welches so vielen Ge-\nlegenheits-Compositionen zu Theil wird, entgehen wird.\nEiner Festgabe des Concertmeisters Schmidt: „Die\nWürde der Frauen\", für gemischten Chor mit Orchester,\nwurde bei ihrer Aufführung neben „der Glocke\" von einem\nzahlreichen Auditorium lebhafter Beifall zu Theil.\nDie Ueberfüllung der Privat-Concerte hat die Idee\neines neuen Concert-Cyklus von sechs Sinfonie-Concerten\nangeregt, welcher an dem heutigen Tage unter Reintha-\nler's Leitung mit dem Orchester der Privat-Concerte eröff-\nnet wird, so dass wir diesen Winter ausser den Oratorien\n7 \\\nsiebenzehn Sinfonie-Concerte haben sverden.\nNächsten Samstag kommt mit neuer Instrumentation\nvon Reinthaier Händel's „Josua\" zur Aufführung; Fräul.\nv. Kettler wird die Alt-Partie, Herr Schneider aus Wies-\nbaden die Tenor-Partie singen.\nIm nächsten Privat-Concerte wird David aus Leipzig\nspielen. —ll.\n\nDie fünf letzten Violin-Quartette Beethoven’s.\nDer Vortrag des Quartetts in Cis-moll (mit Opus 131\nbezeichnet) in der Soiree für Kammermusik am letzten\nDinstag veranlasst uns, die authentischen historischen No-\ntizen über die Entstehung der fünf letzten Quartette von\nBeethoven nach der neuen Auflage der Biographie Beet-\nhoven's von A. Schindler mitzutheilen.\nEs ist bekannt, dass der Fürst Galitzin den Anstoss\nzur Composition derselben gegeben. Die Zeit, in welcher\nsie entstanden, beginnt mit dem Sommer 1824 und endet\nmit dem November 1826. Schon im December trat die\nKrankheit ein, der Beethoven den 26. März 1827 erlag.\nWährend dieser Zeit hat er sich mit keiner ande-\nren Composition beschäftigt. Die Ariette „Der Kuss\"\n(als Op. 128 herausgegeben) und das\nfür Pianoforte (als Op. 129) sind eingeschobene Kleinig-\nkeiten aus ganz früher Zeit.\nSämmtliche fünf Quartette sind schon bei Lebzeiten\nBeethoven's in den Händen der Verleger gewesen; der\nZusatz: „Aus dem Nachlasse\", auf dem Titel des A-nwll-\nund des .F-dfwr-Quartettes bei M. Schlesinger ist unrichtig.\nEs ist dies desshalb wichtig, weil aus dem wahren Verhalt\nder Sache hervorgeht, dass Beethoven die letzte Hand an\ndiese Stücke gelegt hat und nichts mehr daran zu ändern\nvor hatte."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "391", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591203-01.1.7", "texte": "Die Reihenfolge der Entstehung der Quartette ist\nfolgende:\n1. Quartett in Es-dur, Op. 127.\n2. „ „ A-moll,„ 130 (anstatt 132).\n3. , „ B-dur, „ 131 (anstatt 130).\n4. „ n Cis-moll, „ 132 (anstatt 131).\n5. „ „ F-dur,„ 133 (anstatt 135).\nDie Fuge in B-dur (als Op. 133 gedruckt im Jahre\n1830 bei Artaria in Wien) bildete ursprunglich das Fi-\nnale des grossen _/9-efer-Quartetts (1826 geschrieben, im\nMärz des Jahres zum ersten Male öffentlich gespielt). Der\nVerleger Matth. Artaria bewog Beethoven, statt der Fuge\neinen Schlusssatz im freien Stil zu schreiben, und erbot\nsich, die Fuge als selbstständiges Werk zu honoriren. So\nentstand das gegenwärtige Finale des _Z?-e?wr-Quartetts,\nÄllegro,2/i-Tact, ein Satz, der in Heiterkeit des Charak-\nters und Klarheit der Arbeit auf merkwürdige Weise ge-\ngen die übrigen Sätze absticht. Und dennoch war dieses\nFinale die letzte Composition Beethoven's (Novem-\nber 1826), und er hat es zu Gneixendorf im Hause sei-\nnes Bruders, unter den widerwärtigsten Familien-Verhält-\nnissen, unglaublichen Rücksichtslosigkeiten gegen ihn, bei\nregnerischem Welter, beschränkt auf die Wohnstube, ge-\nschrieben!\nDie Fuge in D-dur für zwei Violinen, zwei Violen\nund Violoncell, die als Opus 137 im Jahre 1827 bei\nHaslinger in Wien erschien, ist schon im Jahre 1816 ge-\nschrieben.\nIn Schindlers Buche möge man nachlesen, unter wel-\nchen äusseren Verhältnissen und Einwirkungen die fünf\nletzten Quartette von Beethoven geschrieben worden sind.\nDie Darstellung wirft ein zwar bedeutendes, aber betrü-\nbendes Licht auf die letzten Lebensjahre des grossen Mei-\nsters und erklärt wenigstens zum Theil die nicht zu läug-\nnende Erscheinung, dass während dieser Jahre in seinem\nmusicalischen Schaffen der Kampf des Genius mit der Re-\nflexion eintrat, und die Fackel des ersteren nicht immer\ndas Dunkel der Irrgänge durchleuchtete, in welche die\nletztere den Componisten führte.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMolsi. Am Dinstag fand die zweite Soiree für Kammer-\nmusik Statt. Die Herren Grunwald, Derckum, von Königslöw und\nB. Breuer eröffneten sie mit nichts Geringerem als dem Vortrag des\nQuartetts 0 p. 131 in Cis-moll von Beethoven, wobei das fleis-\nsigste Studium und eine sehr sorgfältige Ausführung volle Anerken-\nnung fanden. Wenn ein Referent in der ehemaligen Allgemeinen\nMusik-Zeitung vom Jahre 1826 über die erste Aufführung eines der\nfünf letzten Quartette Beethoven's sagt: „Wenn die Instrumente in\nden Regionen des Süd- und Nordpols mit ungeheuren Schwierigkei-\nten zu kämpfen haben, wenn jedes derselben anders figurirt und sie\nsich unter einer Anzahl von Dissonanzen durchkreuzen, wenn die\nSpieler gegen sich selbst misstrauisch, wohl auch nicht ganz rein\ngreifen, dann ist die babylonische Verwirrung fertig\" so müssen\nwir unseren Spielern vom Dinstag Abend vollkommene Reinheit der\nGriffe vindiciren; in dieser Hinsicht wären wir dann also nach drei-\nunddreissig Jahren weiter gekommen. Wenn der angezogene Referent\naber schliesst: ~Vielleicht kommt noch die Zeit, wro das, was uns\nbeim ersten Blicke trüb und verworren erscheint, klar und in\nwoh Ige fällig en Formen erkannt wird\" —so scheint es uns, als\nob auch die gegenwärtige Generation noch nicht so weit gekommen\nsei, den logischen Ideen-Zusammenhang in den meisten Sätzen des\nCta-wo/Z-Quartettes zu durchschauen und die Combinationen der\nStimmenführung und die daraus entstehenden Harmonieen für schön\nzu halten, d. h. als schön zu empfinden denn bekanntlich\nhalten diejenigen sie für schön, welche dem Grundsatze huldigen,\ndass die Musik erst mit diesen letzten Arbeiten Beethoven's be-\nginne. Die Zuhörer sind noch immer, wie damals, „ziemlich ver-\ndutzt\" und fragen sich, „was sie denn eigentlich gehört haben?\"\nDer damalige Referent sagt ganz offen: „er wolle sich selbst nicht\nausnehmen\"; wir wiederholen dasselbe Geständniss der Mehrzahl der\nSätze des Cis-moll-Quartetts gegenüber. Wenn F. Hiller im Feuil-\nleton der Kölnischen Zeitung (Nr. 329) eben so wahr al6 anziehend\nund geistvoll über „Kammermusik und das Publicum\" spricht und\nvon der Ausführung durch Dilettanten sagt, dass „es Liebhabern\nnicht zuzumuthen sei, Aufgaben zu lösen, an welchen die Mehrzahl\nder Musiker scheitere\", so möchten wir dieses Wort auch für die\nAnhörung geltend machen. Wir sind vollkommen damit einver-\nstanden, dass „die ernste und unbedingte Hingabe an das Kunst\nwerk\" die wahre Schule der Erkenntniss des Schönen ist. Allein\ndiese Schule erfordert wie alle Schulen einen stufenweisen Gang;\n~ein wenig Finsterniss zu Anfang wie Hiller sagt —, die aber\nbald dem wohlthuendsten Lichte weicht\"; gut: aber sehr viel Fin-\nsterniss, die nur selten dem wohlthuenden Lichte weicht, dürfte dio\nErkenntniss mehr hindern als fördern.\nDie zweite Nummer des Abends war ein Trio für Piano, Vio-\nline und Violoncell in F-dur von Bargiel, Op. 6, die Clavior-\nstimme von Herrn Bargiel selbst vorgetragen. Die Composition\nverräth Talent, dem Vernehmen nach ist sie schon vor vier bis fünf\nJahren entstanden. Wir kennen von den übrigen Sachen aus der\nFeder des Herrn Bargiel noch zu wenig, um zu wissen, ob er den\nWeg eingehalten hat, den er in diesem Trio eingeschlagen; wün-\nschen können wir es gerade nicht. Nur das Trio des Scherzo hat\nuns melodisch sehr angesprochen.\nDas Quintett von Mozart (Nr. 5 in Es-dur) wurde fein und\nhübsch vorgetragen und jeder Satz mit lebhaftem Beifall aufgenom-\nmen; man merkte deutlich, dass das Publicum beim „wohlthuenden\nLichte\" angelangt war und sich dessen freute.\nMassel« Es heisst, es habe sich unter Spohrs Nachlas»\nseine Selbst-Biographie vorgefunden.\nEjeijizigr* Herr Capellineister J. Rietz wirJ uns verlassen;\ner ist an Reissiger's Stelle nach Dresden berufen und hat an-\ngenommen."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "392", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591203-01.1.8", "texte": "Berlin« Die grosse Concert-Aufführung im Opernhause zur\nNachfeier des Schiller-Festes erhebt sich über eine kritische\nBetrachtung; wir haben den Blick nur auf eine historische Erschei-\nnung zu richten. Es galt, dem Dichter auch eine musicalische Hul-\ndigung darzubringen, zu welcher kein Werk geeigneter erchien, als\nBeethoven's neunte Sinfonie. Das Orchester behauptete seinen ge-\nwöhnlichen Platz, aber auf der Bühne erhob sich, dem stolzen An-\nblick des Zuschauerraumes gegenüber, in dem alles, was Glanz und\nReichthum in unserer Stadt nur vermögen, strahlte, eine noch schö-\nnere Terrasse, auf der gegen sechshundert Sängerinnen und Sänger\nsassen bis zu den letzten Höhen des hergestellten Baues hinauf. Von\neinem solchen Chor, den drei Gesang-Vereine Berlin's, die Sing-Aka-\ndemie, der Stern'sche Verein, der Jähns'sche Gesang-Verein, gebildet\nhatten, konnte nur das Trefflichste erwartet werden. Ausführer der\nSoli waren die Damen Köster und Jenny Meyer, die Herren\nWoworski und Krause. Die vollste, aus dem Innersten quellende\nZustimmung machte sich in dem tief bewegten Hörerkreise geltend.\nfl£egensblil*s, 11. Nov. Ich würde fürchten, meiner Pflicht\nnicht zu genügen, wollte ich es unterlassen, Ihnen über die hiesige\nSchiller-Feier zu berichten. Im Theater gab man am Vorabend\nein Festspiel mit lebenden Bildern und Wallenstein's Lager. Zwi-\nschen beiden wurden die Ouvertüre zum Sommernachtstraum von\nMendelssohn und die Jubel-Ouverture von C. M. von Weber ge-\nspielt. Am ](■. November selbst hielten der vereinigte Liederkranz\nund Musik-Verein ein Concert, in welchem unter der Leitung des\nTheater-Musikmeisters Koponassi zwei Ouvertüren von Ferd. Ries\n(Braut von Messina, Don Carlos), die Glocke von A. Homberg\nund der Gang nach dem Eisenhammer von Bernh. Weber aufge-\nführt wurden. Heute ist als Fest-Vorstellung Teil von Schiller an-\ngekündigt.\nlilnz »sä *ler Uoits&aa* Herr Alfred Jaell hat hier drei\nConcerte mit ausserordentlichem Erfolg gegeben. In seinem Ab-\nschieds-Concerte am 27. November spielte er Beethoven's Sonate\nOp. 81, Les Adieux etc., Schumann's Carnevalscenen, Chopin's\nPhantasie (Impromptu), Liszt's Canlique d'amour und Jaell's\nHome sweet home. In dem ersten Concerte hatte er unter Anderem\nBeethoven's Sonate Op. 22 und Präludium und Fuge in E-moll\nvon Mendelssohn nebst einigen Stücken von Chopin und von\neigener Composition vorgetragen.\n** MamllQirs* Herr Louis Brassin hat hier mit glänzen-\ndem Erfolge den ersten Satz des jEs-c/Mr-Concertes von Beethoven\nund die Phantasie von Liszt über Motive aus der Musik Mendels-\nsohn's zum Sommernachtstraum gespielt. Er hat sich von hier über\nHolland, wohin ihn noch einige Engagements riefen, nach Paris\nbegeben.\nDas Programm zu dem ersten Concerte des Cäcilien-\nVereins (20. Jahrgang), Sonntag den 20. November 1859, um 12\nUhr Mittags, im Saale der Sofien-Insel, brachte in der ersten Ab-\ntheilung: 1. Ouvertüre in D-dur (aus den Suiten Nr. 3 für Orche-\nster) von Johann Sebastian Bach (zum ersten Male); 2. Recitativ\nund Arie aus der Oper „Rinaldo\" von Georg Friedrich Händel (neu\ninstrumentirt von G. Meyerbeer. Zum ersten Male.) In der zwei-\nten Abtheilung: ~Manfred\", dramatisches Gedicht in drei Abthei-\nlungen von Lord Byron. Zur Concert-Aufführung eingerichtet von\nJos. Bayer. Mit Musik von Robert Schumann. Op 115. (Zum ersten\nMale ) Alis besonderer Gefälligkeit hatten die Frau Frey, Fräul.\nMick und Fräul. Schmidt, so wie die Herren Bergmann, Fischer,\nStrakaty nnd Walter ihre Mitwirkung freundlichst zugesagt.\nBrüssel* Zur Schiller-Feier hatte Herr Kufferath eine\nCantate componirt, die in dem declamatorischen Concerte am 10.\nNovember aufgeführt und mit ganz ausserordentlichem Beifall unter\nHervorruf des. Componisten beehrt wurde.\nPai'l§. Sivori und Theodor Ritter haben am 30. Novem-\nber einen Cyklus von Soireen für Kammermusik begonnen. Das\nStreich-Quartett besteht aus Sivori, Accursi, Cas. Ney und\nRignault (Violoncell).\nDie Cantate zum Schiller-Feste von Pfau, Musik von Meyer-\nbeer, erscheint im Druck bei Brandus & Dufour."}]}