{"numero_id": "bm-bmtnabi-1859-12-10-01", "volume": "bmtnabi_1859-12-10_01", "ocr_sha256": "ff3881659ea2da52665dc29df56fb9f7533d3c17c078428fbb03e0487efafbd7", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1859/12/10_01/bmtnabi_1859-12-10_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591210-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1859-12-10-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-12-10_01#c001", "volume": "bmtnabi_1859-12-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "393", "page_fin": "393", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591210-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "393", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591210-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 447, "texte": "Inhalt.\nHerakles von Händel. Ausgabe der deutschen Händel-Gesellschatt. 11. 1. Von G. S. Johann Ruppreclit\nDürrner (Nekrolog). Von —n. Clavier-Musik. Mozart's Sinfonieen für Ciavier von F. W. Markuli. Von DIXI. Louis Schindel-\nmeisser, Sonate Nr. 3. Von S. Aus Wiesbaden. Von W. W lii finghoff. Viertes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nTages- und Unterhaltungsblatt (Berlin, Neues Oratorium Wien, Philharmonische Concerte Paris, Roger)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-12-10-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-12-10_01#c002", "volume": "bmtnabi_1859-12-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "393", "page_fin": "396", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591210-01.2.2", "titre_corps": "Herakles von Händel.", "titre_sommaire": "Herakles von Händel.", "signature_source": "G. 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Aber der frohe Muth\nwar getrübt, die hingebende Aufmerksamkeit abgezogen,\ndie festlichen Klänge mussten verhallen, nur mit halbem\nOhr gehört. Denn noch haben wir jene Erbschaft nicht\nso uns zu eigen gemacht, dass wir verständen, in jeder\nLage des Lebens den vollen Ertrag ihr abzugewinnen, dass\nwir verständen, in Tagen der Ruhe den reinsten, edelsten\nGenuss, in Tagen peinlicher Ungewissheit männliche Kraft\nund Zuversicht für jegliche Wendung daraus zu ziehen.\nUnterdessen hat das Unternehmen rüstige Fortschritte\ngemacht, das die Herausgabe sämmtlicher Werke Händel's\nund damit ihre Einbürgerung in dem Herzen des Volkes\nsich vorgesetzt. Die in der letzten Zeit auf einander gefolg-\nten Lieferungen der Händel-Gesellschaft haben dargelegt,\ndass die Zukunft dieses würdigsten Denkmals gesichert ist.\nEine berufenere Feder hat bei Erscheinen des ersten Ban-\ndes, des Oratoriums „Susanna\", aufmerksam gemacht\nauf die Bedeutung des ganzen Unternehmens und Winke\ngegeben für die Aufnahme und Wiedergabe des genann-\nten, bis dahin uns fast ganz fremden Werkes. Seither sind\nfür den ersten Jahrgang erschienen: ein Band Clavier-\nwerke, die zu einem Theil schon in Deutschland durch\neine Ausgabe (Leipzig, bei Peters) und durch den öffent-\nlichen Vortrag gediegenerer Künstler bekannt waren; fer-\nner das Schäferspiel „Acis und Galatea\", auf das\nChrysander am Schlüsse des ersten Bandes seiner Händel-\nBiographie ausführlich eingeht*).\nEin drittes oratorisches Werk ist vor einigen Wochen\nals erste Lieferung des zweiten Jahrgangs versandt wor-\nden: „Herakles\". Wie kaum ein anderes ist dasselbe\ngeeignet, dem Händel'schen Genius neuen Boden zu er-\nobern. Denn sehen wir uns um in dem Kreise der mehr\noder weniger bekannten Schöpfungen Händel's, so finden\nwir schon dem Gegenstande nach keine, in deren unmit-\ntelbare Nähe dieser gewaltige Herakles zu stellen wäre.\nLiegt hierin ein Beweis für die Kühnheit des Meisters, so\nwird die Art, in welcher ein unserem Vorstellungskreise\nso entlegener Stoff durch ihn musicalisch belebt und ver-\ngegenwärtigt ist, nur um so mehr dazu dienen, Vorurtheile\nwie Unkenntniss zu zerstreuen und den universellen\nCharakter seiner Kunst zu erschliessen. Das Stück behan-\ndelt die Heimkehr des Herakles von Oechalia's Zerstörung,\nsein jammervolles Ende durch die Eifersucht Dejanirens\nund seine Erhebung in den seligen Kreis der Götter. Der\nVerfasser des Textes, nach den kurzen, der Partitur von\nChrysander beigegebenen Vorbemerkungen ein Geistlicher,\nNamens Thomas Broughton, halte zu seiner Arbeit,\ndie ihrer ganzen Beschaffenheit nach mit hingebender Liebe\ngefertigt sein muss, in den Trachinierinnen des Sophokles\nein classisches Vorbild; und offenbar hat der Mann in den\nantiken Gegenstand sich so eingelebt, dass unter seiner\nHand die Gestalten der Heroenwelt sich zu einem neuen\nGanzen geformt haben, das den inneren Anforderungen des\nStoffes überall gerecht wird und zugleich den Zwecken des\nTondichters in kaum zu übertreffender Weise entgegen-\nkommt. Wenn so auf der einen Seite das Verdienst des\nDichters vielleicht weniger gross erscheint, weil er an einer\nQuelle geschöpft, die mehr als den blossen Stoff ihm lie-\n\n*) Wir werden nächstens auch in diesen Blättern davon berichten.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "394", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591210-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5466, "texte": "forte, so inuss es sich doch wieder in unseren Augen ge-\nwallig heben, wenn wir uns der vielen Umdichtungen clas-\nsischer Vorbilder zu so genannten musicalischen Zwecken\nerinnern, mit denen wir beglückt sind. Für jedes Bedürf-\nniss freilich findet sich nalurgemäss Befriedigung, und eine\nmusicalische „Kunst\", der in ihrer Charakterlosigkeit die\nKunst musicalischer Charakteristik abhanden gekommen,\nwird sich nicht beklagen dürfen und sich freilich auch\nnie ernstlich beklagen über die dürre Unfruchtbarkeit\nder Schwester-Muse. Wie hier auf beiden Seiten frivoles\nTreiben und ekle Stagnation sich gegenseitig bedingen, so\nliisst dort schon die geschickte selbstständige und doch die-\nnende Arbeit des Textdichters bei dem Tonkünstler auf\nein entsprechendes Maass ästhetischen Anspruchs schliessen.\nDie Personen des Stückes sind im Ganzen dieselben\nwie in der griechischen Tragödie: Dejanira, Herakles -\nbeider Sohn Hyllos, lolc, die gefangene Fürstin Oecha-\nlia's der Herold Liehas, mit der hauptsächlichen Abwei-\nchung, dass lole, bei Sophokles nur stumme Person, hier\ntiefer in die Verschlingung des Stückes hineingezogen und\nso nicht nur eine Reihe der werthvollsten, dem Gebiete des\nMusikers ureigenen Vorgänge gewonnen, sondern auch\nzum symmetrischen und harmonischen Ausbau des Ganzen\nals musicalischen Drama's ein wesentliches Element er-\nzielt wird.\nAuf Dejanira wird unser Blick im Beginn gelenkt, die\nschwerbekümmerte Gattin des Alkiden, der seit vielen Mon-\nden fern und von dessen Loos keine Kunde heimgelangt\nist. W as für die Welt die leuchtende Sonne, das ist der\nHeld für das leidenschaftlich liehende Weib. Tag und\nNacht beklagt sie die Pein der Trennung, von schwerer\nAhnung gequält. Hyllos hat indess durch die Priester des\nZeus das Geschick lies Vaters erforscht:\n~Tch seil' den Helden todt dahingestreckt!\nEs steigt die Flamm' auf Oeta's Haupt empor !\"\nso lautet der verhängnissvolle Bescheid, der in Dejanira\nvollends jeden Keim der Hoffnung unterdrückt. Schon\nträumt sie sich vereint mit dem Ersehnten in die Gefilde\ndes Elysiums, wo für immer die Trennung aufhört. Anders\nHyllos, der würdige Sohn des grossen Vaters; ihn soll nicht\nder starre Frost des Nordens, nicht die sengende Gluth\nhb'scher Sonne abschrecken von der frommen Fahrt, wo\ner entweder den Vater wiederfinden oder selbst erliegen\nwill. Ein herrlicher Chor voll feierlichen Ernstes und from-\nmen Muthes ermuntert ihn in dem gefassten Entschlüsse.\nDa kommt die Kunde, dass Herakles heimkehre von\nOechalia, das er auf den Grund zerstört. Maasslos, wie zu-\nvor ihr Gram, ist nun Dejanirens Jubel, uud sie, deren\nAhnungen noch eben keinem Tröste weichen wollten,\nschlägt sich leichtsinnig die drohende Weissagung aus dem\nKopfe; ihr ist genug, dass er kommt, als Sieger kommt»\nund hastig will sie Alles mit sich fortreissen, ihn zu em-\npfangen. Würdiger sind in ihrer Freude der Herold und\nder Chor der Trachinier, und wenn für Liobas der Wecli-\ni\nsei von Leid und Lust erscheint wie Nacht und Tag, wie\nEbbe und Flut, von wem sollte da der Gedanke fern blei-\nben, dass es auch auf diese Flut ebben, dass auch auf diese\nLust Leid folgen möchte? Neues Bild: Die gefangene\nKönigstochter lole mit ihren Jungfrauen beklagt das bit-\ntere Loos, das ihr Freiheit und all die Beize und Freuden\ngeraubt, die sich um die holde Himmelstochter scharen.\nZu ihr tritt Herakles, von einem grossartigen Marsch ein-\ngeleitet; ihn erfüllt ganz die Freude des Sieges und das\nstolze Gefühl, nunmehr Here's Zorn versöhnt und sich am\nZiele seiner Thaten mit neuem Ruhm geschmückt zu wis-\nsen. Alles soll um ihn freudig sein, und lole's Thränen\nglaubt er durch die wiedergeschenkte Freiheit leicht zu\ntrocknen. Dem rauhen Krieger entgeht freilich der gewal-\ntige Vorgang, den seine Erscheinung in der Seele des un-\nglücklichen Kindes hervorruft; wie dort das Bild wieder\naufsteigt mit herzzerreissender Gewalt, das sie einst mit\nansehen musste, als Herakles vor den Mauern ihr den Va-\nter erschlug, und wie die Phantasie ihr zum zweiten Male\ndie ganze Pein dieser Folter auferlegt, bis endlich die Vi-\nsion einem gefassteren, wohlthuenden Schmerze Platz\nmacht. Wer sieht an allem dem nicht das Gepräge, wo-\ndurch es bezeichnet ist als des Musikers Eigen? Und wie\nhat Händel sich ausgewiesen als der berufene Herrscher,\nvon diesem Stoff Besitz zu nehmen und in ihm zu walten !\nWelch duftigen Zauber hat er über diese Erscheinung ge-\nbreitet, und wie hat er aus der unerschöpflichen Fülle sei-\nnes Gemüthes dieses Mädchens wunderbar herrliche Ge-\nsänge ausgestattet! Kommen wir zum Schluss des Actes,\ndem Chor: „Krönt den Tag mit Festesglanz!\" Er ist eines\nder Stücke, die freigebig ihren Goldgehalt in üppiger Fülle\nausströmen und schon mit den ersten Tönen bezaubern.\nSchölcher {Lifeof ll.,pag. 290) schliesst aus ihm und dem\noben erwähnten Marsch, den einzigen Bruchstücken aus\nHerakles, die er in England zu hören bekam, dass, wenn\nder Rest der Partitur ihnen an Schönheit gleichkomme, in\nihr dem Publicum ein Meisterwerk unbekannt geblieben\nsei. Schon recht, wenn vielleicht Jemand eben von diesen\nbeiden Nummern aus sich daran macht; er möge aber\ndarauf gefasst sein, dass er leichtiich ob der ungeahnten\nRäume die Seitenpforte vergessen kann, die ihm als Ein-\ngang gedient.\nDer zweite Act entwickelt noch deutlicher die reine\nSeelenschönheit lole's, an die nun Dejanira herantritt, die\nBrust voll gährender Leidenschaft. Ihrer hat sich der fin-\nstere Argwohn bemächtigt, nur um lole's Besitz habe ihr"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "395", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591210-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5522, "texte": "Gatte Oechalia zerstört, und beim Anblick des holden,\nvom Reize still erduldeten Kummers übergossenen Mäd-\nchens sammelt sie jeden Scheingrund für ihre Eifersucht\nund nährt so selbst mit emsiger Hand die Flamme, die\nzum Verderben ausschlagen soll. Vergeblich warnt der\nunschuldige Gegenstand ihrer Wuth das verblendete Weib\nvor den seibstgeschaffenen Qualen grundlosen Argwohns,\nvergeblich preis't Lichas die lautere Treue seines Herrn.\nDer Stachel sitzt zu tief, und die von ihm getroffen, will\nnicht geheilt sein. Eine ergreifend wahre Schilderung die-\nses selbstmörderischen Wahnes, der mit schnöder Lust im\neigenen Herzen sich Folterqualen erschafft aus eitlem Trug,\nist in dem nun folgenden Chor entworfen, der die Scene\nabschliesst. Doch weg für eine Weile mit den trüben\nGemälden, um ein Bild voll reinster Schönheit sich ent-\nrollen zu lassen. Wohl kannte Dejanira den Zauber, den\nduldende Schönheit auf das Herz des Mannes ausübt; der-\nselbe Zauber, von dem sie ohne Grund den eigenen Gat-\nten gefesselt glaubte, hat Hyllos ergriffen. In seinem\nHerzen haftet Eros' Pfeil, und das Leid der gefangenen\nSchönen, in das der mächtige Gott sein Geschoss getaucht,\nhat sein ganzes Wesen zu Mitleid und Liebe gestimmt. So\nnaht er sich ihr. Doch eine tiefe Kluft trennt die beiden,\ndie so ganz für einander geschaffen zu sein scheinen: „Wie\nsollte Liebe in der kranken Brust wohnen, die Sorge aus-\nfüllt; gar Liebe zum Sohn des harten Mannes, der den\nVater mir erschlug!\" So weis't lole seine Werbung ab,\nund nun beginnt jene köstliche Arie:\n~Banne Lieb' aus der Brust,\n's ist ein weibischer Gast\"\nin der sie den Jüngling mahnt, der Liebe zu entsagen und\nin Thaten, des Vaters werth, seines Stammes Kraft zu er-\nproben. Ihre warnenden und mahnenden Töne verhehlen\nschlecht, dass ihr Herz einen hoffnungslosen Kampf kämpft,\nsich den Fäden zu entziehen, die sie an Hyllos knüpfen\nwollen. Was Wunder, dass sie bei ihm nur Oel ins Feuer\ngiesst? Ihm scheint ihr Verlangen ein Frevel an dem Gott,\ndessen Macht selbst unsterbliche Bewohner des Himmels\nherabgetrieben, eine Weile auf Erden den süsseren Him-\nmel der Liebe zu kosten: ein Gedanke, dessen sich der\nChor nunmehr bemächtigt, um in schwellenden Tönen den\nPreis des all waltenden Götterknaben zu singen. Wieder\nerscheint Dejanira, diesmal mit dem Gatten; doch an sei-\nner ruhigen Grösse prallen die Nadelstiche ihres Spottes\nwirkungslos ab, ja, er gibt sich nicht einmal die Mühe,\ndem Anlass ihrer Eifersucht tiefer nachzugehen. In Kro-\nnion's Tempel will er ein Fest des Dankes für seinen Sieg\nfeiern; indess mag Dejanira ihren grundlosen Argwohn\nabwerfen. Sie bleibt allein zurück, um sich nur desto\ntiefer in ihren Wahn zu versenken; Zauberkraft, so be-\ndenkt sie sich plötzlich, soli ihr das abgewandte Herz des\nGemahls wiedergewinnen; ein reiches Kleid hat sie ja auf-\nbewahrt, getränkt mit dem Blute des von Herakles ge-\ntödteten Nessös, das nach dem Ralhe des sterbenden Ken-\ntauren erstorbene Liebe neu entzünden soll. l)ic Unselige\nsendet es hin. Sie ahnt nicht seine verderbliche Kraft und\ndass sie auf dem Wege ist, durch ihr eigenes Thun die\nUnglücks-Weissagung zu erfüllen. Scheinbar bereitet sieli\neine Versöhnung, die, für Lichas Stoff einer köstlichen\nkleinen Arie („StandhaftLieben\" u. s. w.), in einem Duell\nzwischen Dejanira und lole sich verkörpert und vom Chor\nzum Schluss des zweiten Actes aufgegriffen wird.\nIndess schiesst die Saat furchtbar auf, die Eifersucht\ngesäet. Eine Instrumental-Sinfonie leitet den dritten Act\nein, vorbereitend au( dessen wild tobenden Inhalt; und\nnachdem Lichas den Trachiniern die Schreckenskunde vom\nFall ihres Königs gebracht, die der Chor sogleich in ihrer\nganzen folgenschweren Bedeutung würdigt, zeigt sich dann\nplötzlich das Bild des Jammers selbst vor unserem Auge.\nEs ist schwer zu entscheiden, ob die Schilderung der gräss-\nliehen Qualen, mit denen das verzehrende Gift den Körper\nseines unglücklichen Opfers durchwühlt, den Preis ver-\ndiene, oder das erschütternde Seelengemälde, würdig der\naus dem hellenischen Alterthum uns überlieferten Vorbil-\nder, wie Dejanira, verfolgt von den Erinnyen, die sie selbst\nheraufbeschworen,umsonst Ruhe suchtim Schatten schwar-\nzer Nacht. An Wahrheit wird Keines dem Anderen nach-\nstehen, und höchstens das lässt sich vielleicht behaupten,\ndass, wie die Qualen der schuldbewussten Seele alle kör-\nperliche Pein hinter sich lassen, in demselben Maasse die-\nser ihrer Schilderung der Vorrang an künstlerischem Wer-\nthe zuzusprechen sei. Nur eine kleine, sehr charakteristi-\nsche Arie des Hyllos („Schweigt, o schweigt\") folgt dem\nersten Bilde, wie ein reizender Gesang des Mitleids aus\nIole's Munde dem zweiten. Sonst ist die Entwicklung durch\nnichts aufgehalten, namentlich durch keinen Chor, der viel-\nmehr bis zu Ende schweigend verharrt. Mit raschen Schrit-\nten naht sich nun der Schluss. Zeus1 Priester verkündet\ndie Erhebung des Helden aus den Flammen des Scheiter-\nhaufens zum seligen Aufenthalt der Götter, und nachdem\ndiese glückliche Lösung in einer Arie des Lichas („Er,\nder des Himmels Säule war\") beredte Würdigung gefun-\nden, vereint der Priester gemäss dem Willen Kronion's\nHvllos und lole, die ihr Glück in einem reizenden Duett\n*1 7\nkundgeben. Nun erst tritt der Chor wieder ein und feiert\nin einem einfach würdigen Preisgesange den Ruhm des\nFreiheitgründers, vor dessen Heldenarm Willkür und Ge-\nwaltthat von der Erde entschwunden.\nEs ist ersichtlich, dass nicht leicht eine Lnterlage ge-\nfunden werden kann, die nach Inhalt und Anordnung so\nr— *2. 1\n\n[•]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "396", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591210-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3610, "texte": "günstig für die ausbauende Hand des Musikers wäre. Zu\nden vier Personen, deren Schicksale den eigentlichen Kern\ndes Werkes bilden, tritt als Stülze und Träger des orato-\nrischen Charakters der Herold Lichas; er führt theils ein,\nvermittelt in verschiedener Weise die Uebergänge, theils\nund dies ist die Seite, in welcher sein musicalischer\nWerth vornehmlich liegt—spiegeln sich in ihm, dem nicht\nso unmittelbar und persönlich bei Weh und Freude Be-\ntheiligten, die gewalligen Vorgänge nach ihrer sittlichen\nBedeutung wieder. Seine Verwandtschaft mit dem Chor\nliegt so zu Tage.—Es mag bei Gelegenheit dieses Werkes\nvergönnt sein, über die Chöre in den Händel'schen Ora-\ntorien überhaupt einige Worte zu sagen. Dass die Direc-\ntoren musicalischer Vereine bei der Wahl eines aufzufüh-\nrenden Stückes meist zuvörderst nach der Anzahl und der\nmusicalischen Schönheit der Chöre fragen, ist eine fest-\nstehende Thatsache. In so fern beim Einstudiren gewöhn-\nlich ob mit Recht, ist eine andere Frage die Solo-\nPartieen und ihre Auffassung dem Privat-Studium ihrer\nTräger anheimgegeben sind, ist jene Thalsache auch nicht\nbloss erklärlich, sondern ein ehrenvolles Zeugniss für das\nBestreben, mit den vorhandenen Mitteln eine möglichst\numfassende Aufgabe zu lösen. Aber es lag und liegt darin\nein Hauptgrund, warum einer Reihe von Schöpfungen der\nherrlichsten Art das grosse Unrecht unverdienter Zurück-\nsetzung angethan wird, von den unwürdigen Verstümm-\nlungen anderer nicht zu reden, die nun erst allmählich in\nihrer ursprünglichen Gestalt sich Bahn brechen müssen.\nWenn im Belsazar die Wucht ganzer Völker gleichsam\nhandelnd in die Wagschale fällt; wenn im Israel das Volk\nGottes die Wunder singt der mächtigen Hand des Herrn,\nseines Gottes, in epischer Breite und einer Fülle, vor wel-\ncher die Stimme des Einzelnen verschwinden muss; wenn\nim Judas Maccabäus, im Josua dasselbe Volk, um seine von\nGott erwählten und beseelten Führer geschart, Leiden erdul-\ndet, Thaten vollbringt, sollte da der Gedanke so fern\nliegen, dass alle diese Stoße die Elemente ihrer künstleri-\nschen Gestaltung schon in sich selbst nothwendig getragen,\ndass es also von vorn herein verfehlt ist, bei ganz anderen\nElementen doch ähnliche Zusammensetzung, bei ganz an-\nderen Grundlagen doch ähnlichen Bau zu suchen? Sollte\nes der Mühe nicht verlohnen, demselben Meister ver-\ntrauensvoll auch dahin zu folgen, wo er die künstlerischen\nGebilde nicht so mit wenigen breiten Strichen anlegen\nwollte und durfte, sondern wo sein Genius durch zar-\ntere, zahlreichere, aber organisch wunderbar zusammen-\nhangende Züge arbeiten musste, um aus den individuell-\nsten Gestalten ein abgerundetes Ganzes voll Leben und\nWahrheit zu schaffen?— Von diesem Gesichtspunkte möch-\nten wir das vorliegende Werk und namentlich die Chöre\ndarin betrachtet wissen. Es würde zu weit führen, im\nEinzelnen die Mittel nachzuweisen, die der Hand des Künst-\nlers gedient, und der Art ihrer Verwendung auf den Grund\nzu gehen; ohnedies wären zahlreiche Noten-Beispiele nö-\nthig, und auch mit diesen möchte, was wir etwa geben\nkönnten, theils zu viel, theils zu wenig sein, viel zu viel\nfür den, der mit dem Werke vertraut ist, zu wenig für\ndie, denen es noch ganz neu. Es sollte nur den letzteren\nrecht nahe gelegt werden, wo sie die Schönheit und den\nGenuss zu suchen haben; sie mögen festhalten, dass kein\nTheil, böte er auch herausgerissen schon die lockendsten\nReize, seine volle Würdigung erhalten kann anders als im\nZusammenhang, an der Stelle, wohin er vom Meister ge-\nsetzt ist. Das Werk liegt ja nunmehr vor: man mache\ndie Probe!\nTübingen, 26. November 1859.\n\nG. S."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-12-10-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-12-10_01#c003", "volume": "bmtnabi_1859-12-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "396", "page_fin": "398", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591210-01.2.3", "titre_corps": "Johann Rupprecht Dürrner.", "titre_sommaire": "Johann Rupprecht Dürrner.", "signature_source": "n", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "396", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591210-01.1.4", "debut_caractere": 3612, "fin_caractere_exclue": 5241, "texte": "Johann Rupprecht Dürrner.\n(Nekrolog.)\n\nJ. R. Dürrner wurde am 15. Juli 1810 zu Ans-\nbach geboren. Sein Vater, ein geachteter Musiker, weckte\nund pflegte die musicalischen Anlagen, womit die Vorse-\nhung den Knaben unverkennbar begabt hatte, und unter\nder Leitung tüchtiger Meister brachte es der angehende\nJüngling im Ciavier- und Violinspiel und in Behandlung\neinzelner Blas-Instrumente zu grosser Fertigkeit, so wie er\nsich auch in verschiedenen Compositionen und im Bear-\nbeiten contrapunktischer Sätze mit Glück versuchte.\nUngeachtet dieser entschiedenen Anlagen für die Kunst\nsollte er derselben doch nicht ausschliessend gewidmet blei-\nben, sondern mehr nach dem Willen des Vaters als nach\neigener Wahl dem Lehrfache sich zuwenden, und so trat\ner im Herbste 1827 in das k. Schullehrer-Seminar zu Alt-\ndorf. Hier war es, wo seine musicalische Begabung immer\nklarer hervortrat und er durch ausgezeichneten Fleiss und\nstrengste Beharrlichkeit sich die wohlverdiente Anerken-\nnung gediegener Lehrer in solch hohem Grade erwarb,\ndass diese ihm die Direction der grösseren musicalischen\nAufführungen, wie sie damals im Seminar gebräuchlich\nwaren, übertrugen. Diese Concerte wurden nicht selten\nvon einzelnen Musikkennern des benachbarten Nürnberg\nbesucht, und diese fanden sich in richtiger Würdigung der\nTalente Dürrner's bald veranlasst, denselben jenem Berufe\nganz und gar zu geben, zu dem ihn die Natur bestimmt\nhatte. Sie trafen desshalb die nötbigen Einleitungen, um\nden jungen Mann einem grösseren Meister zur weiteren\nAusbildung zu übergeben, und so wanderte er nach dem\nAustritte aus dem Seminar im Herbste 1829 zu Fried-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "397", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591210-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5458, "texte": "rieh Schneider nach Dessau. liier empfing er die\nWeihe der Kunst.\nNachdem er dort zwei Jahre unter dieses grossen Man-\nnes trefflicher Leitung unablässig den musicalischen Stu-\ndien obgelegen und die vorzüglichsten Zeugnisse sich er-\nworben hatte, erhielt er von dazu berufenen Seiten die\nAufforderung, sich um die gerade damals erledigte Stadt-\nCantors-Stelle in Ansbach zu bewerben, die er denn auch\nim Jahre 1831 erhielt. Der einundzwanzigjährige junge\nMann wusste das Vertrauen, welches in ihn gesetzt wor-\nden war, vollkommen zu rechtfertigen. Sein gründliches\nWissen, seine kunstreiche Behandlung verschiedener In-\nstrumente, besonders der Violine, sein rastloses Streben,\nder Kunst zu dienen, und sein gewinnendes Wesen sicher-\nten ihm gar bald das vollste Vertrauen und die unbeding-\nteste Hochachtung aller derjenigen Personen, die ihm in\ndienstlicher und musicalischer Beziehung näher standen,\nso wie die allgemeine Liebe des Publicums. Er feuerte das\nOrchester zu neuer, erhöhter Thätigkeit an, belebte ein-\nzelne kleinere musicalische Vereine und pflegte mit beson-\nderer Aufmerksamkeit den Gesang im Liede. Wie ihm\ndies gelungen, davon geben alle noch das rühmendste\nZeugniss, die seiner Leitung folgten, und unter diesen sind\ndie Mitglieder des Liederkranzes, wie er bis zu Dürrner's\nAbgang von Ansbach bestand, gewiss nicht die Letzten, da sie\ndie genussreichsten Stunden in innigster Verbindung mit\nihm verlebten. Mit Begeisterung sprechen diese Männer\nheute noch von jenen schönen Tagen, von dem Erfolge\nihrer Productionen, den sie dem Fleisse und geläuterten\nGeschmack ihres Meisters zu danken hatten, von den all-\njährlichen Ausflügen, die ihnen Gelegenheit gaben, den\nSangesgenossen benachbarter Städte ihren Liederschatz zu\nöffnen.—Zu welchem Grade der Vollendung Dürrner die\nLeistungen des ansbacher Liederkranzes durch seine mei-\nsterhafte Leitung emporzuheben wusste, davon mag das\nUrtbeil, welches Schreiber dieser Zeilen aus dem Munde\neines geschätzten auswärtigen Musik-Directors noch wenige\nTage vor Dürrner's Tode vernahm, Zeugniss geben. „Wohl\nnie\", äusserte er, „habe ich so trefflichen Männergesang\ngehört, wie in einer Liederkranz-Production unter Dürr-\nner's Leitung, der ich im Orangeriesaale anwohnte. Ich\nkam damals von Leipzig und kann versichern, Gutes dort\ngehört zu haben; allein jene Vorträge des Liederkranzes\nstehen in meiner Erinnerung einzig da, und einzelne sind\nbis zur Stunde meine Muster gewesen, wenn ich die be-\ntreffenden Compositionen einzuüben hatte.\"\nIn jene Zeit fallen auch die Aufführungen vieler clas-\nsischen Göncerte, womit Dürrner nicht ohne bedeutende\nOpfer aus eigenen Mitteln uns erfreute, und im freund-\nlichsten Andenken stehen noch die vielen Opern, die unter\nseiner Direclion in Scene gesetzt wurden.\n1842 ging Dürrner auf geraume Zeit nach Leipzig, um\ndort unter Mendelssohn und Hauptmann seinem stets\nvorwärts strebenden Geiste neue Nahrung zuzuführen, und\nin diese Periode fallen jene Unterhandlungen, die den\nschätzbaren Mann uns ganz entreissen sollten, indem er\neinen ehrenden Ruf nicht ablehnen zu dürfen glaubte, der\nihm von Edinburgh zur Uebernahme einer Dirigentenstello\ndaselbst geworden war. —Dürrner schied von Ansbach im\nSeptember 1844, und die .Stadt fühlte es, dass sie durch\nseinen Abgang einen herben Verlust erlitten habe.\nIm neuen Wirkungskreise war Dürrner bald bekannt\nund hochgeschätzt. Sein Talent, sein Fleiss, seine Ausdauer\nund seine Liebenswürdigkeit hoben ihn in kürzester Zeit\nzum Range einer ersten musicalischen Notabilität in einem\nLande, dessen Sprache er sich erst zu eigen machen musste,\ndessen Bewohner so schwer dem Fremden zugänglich sind.\nFür seine Heimat bewahrte er übrigens eine rührende\nAnhänglichkeit, was er dadurch bekundete, das er in den\nZwischenräumen einzelner Jahre immer gern die Vaterstadt\nbesuchte. Die Tage seiner Ankunft in Ansbach konnte man\nals Freudentagc für seine Freunde bezeichnen, die sich in\ntreuer Ergebenheit um ihn scharten und in Erinnerung\ngenussreicher Stunden sich neu fürs Lied belebten. Bei\nseinem letzten Besuche im Jahre 1857 erregten kurzer\nAthem und Beklemmungen der Brust, über die er klagte,\nBesorgniss um sein Leben, und obschon in der letzteren\nZeit wiederholte Versicherungen über vollständiges Wohl-\nbefinden von seiner Seite in Ansbach eintrafen, so zeigte sich\ndoch in erschütternder Weise, wie gegründet jene Be-\nfürchtungen waren, als die Nachricht von seinem plötz-\nlichen, am 10. Juni dieses Jahres in Edinburgh erfolgten\nTode in Ansbach eintraf. Ein Herzschlag hat seinem Leben\nein Ende gemacht, das er nur auf die kurze Dauer von\n48 Jahren brachte.\nDie Hülle eines trefflichen Mannes liegt nun im Schoosse\nder Erde, und seine edle, freundliche Erscheinung ist auf\nimmer uns entflohen; aber er hat ein Vermächtniss hinter-\nlassen, durch das er dennoch unter uns lebendig bleiben\nwird, ein Vermächtniss, das seinen Namen in unvergäng-\nlichem Ruhme glänzen lässt, indem er uns die köstlichsten\nErzeugnisse seines schöpferischen Geistes schenkte, seine\nCompositionen, und unter diesen vorzüglich seine Lieder.\nEr hat deren eine reiche Zahl geschaffen, Duetten, Lieder\nfür eine Singstimme, für den gemischten Chor und für\nvier Männerstimmen, sämmtlich geistreich aufgefasst und\ndurchgeführt. Mehrere sind noch Manuscripte, die meisten\nerschienen in Leipzig, Edinburgh und London. Die mei-\nsterhafte Stimmführung in denselben, so wie die Beglei-\ntung der Sololieder und Duetten (gewöhnlich Ciavier und"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "398", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591210-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 777, "texte": "Cello) zeigen klar das melodische Element, von dem der\nCompositeur ganz und gar durchdrungen war, und wer\nseine Lieder je gehört, dem werden sie für immer ein theu-\nres Besitzthum sein. Wem sollte sein preisgekröntes „Lied\nan die Freude\" nicht im Herzen bleiben!\nDürrner's Talent war durchaus lyrischer Natur. Daher\nwandte er sich dem deutschen Liede zu und belebte es\ndurch den Zauber der Musik. Das herrlichste Verdienst\nseines Lebens ist es gewesen, dass er in Berufs-Gemein-\nschaft mit einem Mendelssohn, Schubert und Anderen das\nSchönste, was deutsche Poesie geschaffen, in das Reich der\nTöne emporhob und verklärte. Das deutsche Volk wird\nwie seine Dichter, so seine Tonsetzer in unvergänglicher\nErinnerung behalten, und öürrner wird unter diesen Aus-\nerwählten sein.\n\nn."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-12-10-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-12-10_01#c004", "volume": "bmtnabi_1859-12-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "398", "page_fin": "399", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591210-01.2.4", "titre_corps": "Clavier-Musik.", "titre_sommaire": "Clavier-Musik.", "signature_source": "S", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "398", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591210-01.1.6", "debut_caractere": 779, "fin_caractere_exclue": 5056, "texte": "Clavier-Musik.\n\nMozart's Sinfonieen für Ciavier von F. W.\nMarkuli.\nHolle's Verlag geht trotz mancher Ungunst von aussen\nher seinen steligen Gang unermüdet fort, wofür wir ihm\ndankbare Anerkennung zollen. Die letzte Veröffentlichung\nclassischer Werke geht Mozart und Beethoven an. Von\nBeethoven sind die Clavier-Duetts und Trio's nun bald\nvollständig vorhanden; von Mozart liegen diesmal vor: 15\nSinfonieen in doppelter Bearbeitung zu zwei und zu vier\nHänden. Der Bearbeiter, F. W. Markull, hat im Arrange-\nment Fortschritte gemacht, wie uns u. A. die Sinfonie I,\nOp. 87 in D, überzeugt; es ist mehr claviermässig und\nzugleich vollstimmiger als früher gearbeitet und, so viel\nwir bisher merken, die linkische Art vermieden, obere\nFlötentöne in die drei und viergestrichenc Octave zu\nlegen, welche im Orchester einen leisen Goldglanz darüber\nbreiten, im Ciavier kaum quiken und nichts sagen, falls sie\nnur orgelpunktisch in der Höhe verweilen und nicht etwa\ndie Melodie verdoppeln. So ist z. B. in Beethovens vierter\nSinfonie das höchste b der Flöten zu Anfang des Menuets\nnur ein goldgleissender Nimbus, den das Ciavier nicht nach-\nahmen kann, daher die alte Weise von Hummel, Mockwitz\nu. A. vorzuziehen, dass die Oberstimme laute:\nwährend jenes orgelpunktisch gehaltene b gleichwie man-\nches Aehnliche in der Eroica nur stört. Indem wir nun\njenen Fortschritt freudig anerkennen, sagen wir dem wacke-\nren Tonsetzer und dem Verleger Dank, und bitten, den\nalten Hummel ja nicht gering zu achten, bei dem ja so\nmanche clavierige Feinheit zu lernen ist.\nDie sechs ersten Sinfonieen von jenen fünfzehn sind ihrer\nSchönheit wegen längst berühmt, bekannt und beliebt; die\nübrigen neun, zum Theil unbekannt, zum Theil vergessen,\nsind von minderem Wcrthe, und es scheint, als habe Mo-\nzart selbst sie zurückgelegt, wo nicht gar ins Pult geschlos-\nsen, gleich jenen zwölf, die kürzlich Andre veröffentlicht\nhat. Sind auch, namentlich in den Andre'schen zwölf, edle\nZüge, glänzende Lichter, besonders in den Adagio'?, so ist\ndoch die grosse Rhythmik, die Schattirung der abwech-\nselnden Cantilenen, die Schlagkraft des Ganzen bei Wei-\ntem unter der sonst gerühmten plastischen~Schö11hoit Mo-\nzart's. Es ist wohl unzweifelhaft, dass Mozart selbst um\ndieser Mängel willen sie stiefväterlich behandelt hat, unbe-\nsorgt um gegenwärtige oder zukünftige oder\nGesammt-Ausgaben, dergleichen die Poeterlinge meist\neilend zurecht machen, ehe sie etwas „Gesammtes\" haben,\nja, dergleichen der allweise Riehl fordern möchte zum Be-\nsten aller Studiosen, Bücherschreiber und ßibliothecare,\nauf dass nichts umkomme. Neben dieser Erwägung hoch-\nherziger Demuth am Künstler unterlassen wir nicht, eine\nzweite ins Gedächtniss zu rufen für die ästhetischen Chro-\nnologen, deren Bekanntester, doch nicht Tiefsinnigster\nbei jedem Beethoven'schen Werke nach der Opuszahl\nfragt, weil ihm ohne sie der Standpunkt völlig verrückt ist\nund die rationale Berechnung, wie viel der Autor vermöge\ndes „nothwendigen Fortschrittes\" nun denn effectiv fort-\ngeschritten sei (gleich dem Primaner, der von Semester zu\nSemester eine höhere Nummer im Exercitium errungen-\nschaftet), leider, leider in die Brüche geht! Wir anderen\nBöotier, die wir die Grösse der Dichter nicht mit dem Zoll-\nstabe messen, kümmern uns weniger um früh und spät\nund erfreuen uns desto ungestörter selbst der schwächeren\nGaben eines Genius, welcher einer Gesammt-Ausgabe\nwerth ist, so hier unter den Mozart'schen Sinfonieen des\nersten Allegro's der siebenten, welche an Gluck's Iphigenie\nanklingt, der heiter lärmenden achten mit breiter, oft weit-\no 7\nspuriger Naivetät—aber wer mag die Goldkörner alle auf-\nzählen? Sucht sie selber, die ihr ihn liebt, und schreibt\nCommentare darüber zu Nutz und Frommen der Zukunft,\nnicht der Chronologie und der Repositorien!\nD1XL\nLouis Schindelmeisser, Sonate Nr. 3 in D-clur\nfür Piarioforte. Op. 40. Mainz, bei Schott Söhne.\nDie vorliegende, aus vier Sätzen bestehende Sonate\nreiht sich ihrer musicalischen Gestaltung nach den guten\nWerken dieser Gattung an und bewährt den gebildeten,\nsich seiner Aufgabe bewussten Componisten. Abgerundete\nForm, fasslich und consequent geführte Motive, klare Har-\nmonik und Rhythmik kennzeichnen das Werk. Die nicht\nschwere Ausführung lässt sich auch auf einem Instrumente\nO '"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "399", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591210-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1224, "texte": "von geringerer Dimension als unser heutiges Ciavier er-\nmöglichen, da die Gränzlinie im Diseant nicht über\nh und im Bass nicht unter\na hinausreicht.\nSollten wir die einzelnen Salze der Sonate näher cha-\nraklcrisiron, so dürfte der erste, AUegro, %-Tact,\nals der Mendelssohn'schen Schule sich anreihend zu be-\ntrachten sein, während der zweite, 2/4-Tact, B-\näur, und der dritte, Mcnucito, 74-Tact, G-ditr, eher eine\nW ahlverwandtschaft nach Beethoven'scher Seite hin be-\nkunden. Das Thema des letzteren, aus nur vier Tacten be-\nstellend, das bald in der Ober-, bald in der Unterstimme\nin verschiedenen Modulationen und Gegenbewegungen auf\nchromatischer Scala erscheint, ist gut verwandt und wird\nvon einem Trio gefolgt, dessen durchgehende Secunden-\nZusammenklänge nicht gewöhnlich sind. Das Finale, Alle-\ngretto grazioso, 2/.i-Tacl, B-dur, etwa dem Haydn-Mozart'-\nschen Stile sich nähernd, führt uns ein änmuthiees Motiv\nmit gelungener Durchführung vor, bringt alsdann einen\nbewegten melodiösen Miüelsatz, und nachdem der Verfas-\nser Beides im zweiten Iheiie nach den Regeln des Wie-\nDerschlags von Dominante in Tonica wiederholt, führt er\ndas Ganze durch einen verlängerten Schluss mit befriedi-\ngender Wirkung zu Ende.\n\nS."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-12-10-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-12-10_01#c008", "volume": "bmtnabi_1859-12-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "399", "page_fin": "399", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591210-01.2.5", "titre_corps": "Aus Wiesbaden.", "titre_sommaire": "Aus Wiesbaden.", "signature_source": "W. Wülfinghoff", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "399", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591210-01.1.7", "debut_caractere": 1226, "fin_caractere_exclue": 5052, "texte": "Aus Wiesbaden.\nW. Wülfinghoff.\nNachdem die Sommer-Saison uns viel Fremdes und Buntes ge-\nbiacht hat,- kehren wir mit Beginn der kälteren Jahreszeit zu den\nmeist gediegenen Leistungen der hier heimischen Kräfte zurück. Von\nConcerten haben bereits Statt gefunden: das erste Concert des Cä-\ncilien - Vereins. Mozart's G-moll- Sinfonie wurde fein nuancirt • ein\nChor aus dem Weibnachts-Oratorium von J. S, Bach gefiel sehr,\nBeethoven\\s Phantasie für Piano, Orchester und Chor nicht minder,\nin welcher Herr CapelJmeister Marpurg von Mainz die Clavier-Partie\nübernommen hatte. Herr Marpurg spielt sehr nett und sauber. Beet-\nhoven's Ouvertüre zu Coriolan ging schwungvoll, Dann hörten wir\nein Kecitativ und Arie für Sopran und obligate Violine mit Or-\nchester-Begleitung von Mozart, die Gesang-Partie von Fräul. Zirn-\ndorfer vorgetragen, die Violin-Partie von Herrn Concertmeister Bal-\nde neck er. Herr Kahle, Mitglied des hiesigen Theater-Orchesters, trug\nein Violin-Coneert von de B6riot sehr correet vor. Der 114. Psalm\nvon Mendelssohn beschloss in würdiger Weise das Concert.\nFräul. Zirndorfer's schöne Stimme ein tönendes Zeugniss für\nein vorhandenes grosses Seelenleben ist im vollsten Sinne des\nWortes sympathisch wirkend; es gebricht der vollen, egalen Stimme\nnur die \\ olubilität. Ihre sehr gelungenen Leistungen als Alice und\nals Anna in der Weissen Dame bestätigten diese Behauptung. Wir\nmöchten aber dennoch Iräul. Zirndorfer das Prognostikon und ausser\nrage stellen, dass sie als Concertsängerin grössere Erfolge erringen\nkönne, als auf der Bühne, wobei wir namentlich Oratorien- und\ngeistliche, wenigstens aber 3-rnsto Musik im Auge haben, in welcher\nMusikgattung ihr eigentlicher Wirkungskreis zu suchen sein dürfte.\nAn der Bühne steht Fräul. Typka neben ihr, eine routinirte Büh-\nnensängerin, deren meist gelungene Coloratur hier Triumphe feiert;\nihr Gesang wird durch ein bühnengerechtes, wirksames Spiel nicht\nunwesentlich unterstützt. Jedoch ist es mit dem Triller des Fräul\nTypka nicht ganz richtig und ihre Höhe eine geringe. Die forcirten\nhohen Töne aber werden den Ruin ihrer Stimme nach sieh ziehen\nIn einem Concerte für ein Denkmal Schiller's sang unser be-\nrühmter deutscher Barde, Herr Karl Form es, mit prachtvollem\nTone Pvecitativ und Arie aus der „Schöpfung\" und die bekannte\nArie des Sarastro ; beide Nummern mit Pietät, und Sängerwürde ge-\nsungen, mit Andacht und gleicher Pietät vom dankbaren Publicum\naufgenommen. Herr K. Formes h it als Mitglied des Schiller-Comite's\nVorschläge gethan, hierorts eine Schiller-Akademie zu gründen, in\nwelcher Künstler ihre Ausbildung anzustreben Gelegenheit finden\nsollen; das wäre wohl, mit Ed. Devrient gesprochen: eine Thea-\nters chule. Möchte das „tiefe'* Wort des weithcn Künstlers nicht\nnutzlos verhallen! Die Hälfte aller seiner auswärtigen (?) Einnah-\nmen will Herr Formes dieser Schiller-Akademie zufliessen lassen.\nHerr Nacciarone aus Neapel spielte das von Mendels-\nsohn überaus elegant und mit eben so corrcctem Ausdruck. Fräul.\nPellet sprach mit schönstem Ausdrucke, ja, mit wahrer Begeisterung\n~Die Kraniche des Ibykus\". Die Sinfonia Eroica machte den impo-\nsanten Schluss dieses Concertes.\nAm 21. November hatten wir auch die erste Quartett-Soiree\nder Herren Baldenecker, Scholle, Wagner und Grimm.\nEm Quartett von J. L. Ellerton (F-mollr), einem fleissig componiren-\nden Englandei, ein Mozart sches (.4—duv) und ein drittes von Beet-\nhoven (Op. 18, D-dur) kamen zur sehr würdigen Ausführung. Die\nzweite Soiree (am 5. December) brachte: Ilaydn (D-dur), Mozart\n(B-dur), Beethoven, Op. 18 (G-dur). Intention und Ensemble verdie-\nnen nnmer grösseres Lob. Die Soireen waren noch nie so zahlreich\nbesucht, sie erweisen sich somit als ein Unternehmen, das bereits\nkräftige Wurzeln gefasst hat in der Musikliebe hiesiger Kunstfreunde.\nDen 6. December 1859."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-12-10-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-12-10_01#c009", "volume": "bmtnabi_1859-12-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "399", "page_fin": "400", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591210-01.2.6", "titre_corps": "Viertes Gesellschafts-Concert in köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferd. Hiller.", "titre_sommaire": "Viertes Gesellschafts-Concert in köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferd. 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Si n f o n i e Nr. Y in C-moll von Beethoven.\nDie telegraphischen Anstalten machen es einem Sänger möglich,\nsich vierundzwanzig Stunden vor einem Concerte selbst von Berlin\nbis au den Rhein her krank zu melden. Das wurde diesmal die Con-\ncert-Direction gewahr, indem der für die Bariton-Partie in Ililler's\nVer scicrum engagirte Säuger sich wegen plötzlicher Heiserkeit des-\nengagirte. Indess ein Chor- und Orchester-Personal wie das hiesige\nführt seine Aufgabe, wenn es sein muss, auch ohne lange Vorberei-\ntung tüchtig durch, und so mussten wir freilich die Ausführung des\nVer sacrum für dieses Concert entbehren, erhielten aber dafür das\nzwar kurze, aber sehr schöne und weit verbreitete Gesangstück"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "400", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591210-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2652, "texte": "Hill er' s: ~0 weint um sie\", und die fünfte Sinfonie von\nBeethoven. Da nun auch die Solo-Vorträge sehr gut aufgenom-\nmen wurden, so gestaltete sich das Concert zu dem gelungensten\nund befriedigendsten der bis jetzt in der Saison gegebenen.\nDas konnte freilich nur der Fall sein bei einem Publicum, das\nsich durch Werke wie Beethoven's Coriolan-Ouverture und dessen\nSinfonie in C-moll glücklicher Weise noch immer begeistern und\nhinreissen lässt, das der trefflichen Ausführung, die ihnen zu Theil\nwurde, mit der gespanntesten Aufmerksamkeit folgt und durch auf\nAller Antlitz sichtbare Theilnahme in die angeregte und gehobene\nStimmung versetzt wird, welche solche Schöpfungen bei dem unver-\ndorbenen Gefühl für das wahrhaft Schöne und Erhabene in der Ton-\nkunst hervorrufen.\nFräulein Genast aus Weimar weiss ihre zwar nicht grossen,\naber doch ganz artigen Stimmmittel mit Geschicklichkeit und Kennt-\nniss der Gesangs-Technik zu benutzen, so dass ihre Vorträge in\ndem Genre, zu welchem die Rossini'sche Arie gehört, wie auch im\ndeutschen Liede, wovon wir in Privatkreisen sehr lobenswerthe Pro-\nben erhielten, eine gewisse Anmuth und edle Färbung in sich tragen,\ndie durch Anspruchslosigkeit und Natürlichkeit noch an Reiz ge-\nwinnt.\nHerrn Alfred Piatti haben wir auch ausser dem. Gesell-\nschafts-Concerte noch in mehreren Vorträgen in dem ersten Con-\ncerte des Männergesang-Vereins am 8. d. Mts. und ferner\nin Privat-Cirkeln gehört, wo er in Beethoven's yl-dwr-Sonate und in\neiner Sonate von Hiller (Op. 22) für Pianoforte und Violoncell, dann\nin Quartetten von Mozart und Beethoven spielte. Wenn seine ganz\neminente Virtuosität, Sicherheit in allen möglichen Lagen, herrliche\nReinheit u. s. w. ein lautes Echo des Beifalls der Menge und der\nKenner hervorruft, so stellen wir doch seinen Vortrag der Melodie,\nseinen wunderschönen Gesang auf den Saiten, der an die schönste\nPeriode der italienischen Sängerschulen erinnert und den sich heut-\nzutage jeder Sänger zum Muster nehmen sollte, womit dann auch\nsein ganz ausgezeichnetes Quartettspiel in Verbindung steht, noch\nweit höher als seine allerdings auch in hohem Grade bewunderungs-\nwürdige Technik. Im Quartettspiel ist seine Hingabe an das Ganze\neine echt künstlerische; niemals kehrt er in verwerflicher Weise den\nVirtuosen heraus, wohl aber zeigt er den Meister, der im Stande\nist, den Geist Mozart's und Beethoven's auf die edelste und reinste\nWeise im Tone zu verkörpern und in der schönsten Form zur An-\nschauung zu bringen. In der g 1 e ich e n Tüchtigkeit für das moderne\nVirtuosenthum und das classisehe Spiel dürfte er keinen Nebenbuh-\nler im ganzen Beieiche der Streich-Instrumente haben"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-12-10-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-12-10_01#c010", "volume": "bmtnabi_1859-12-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "400", "page_fin": "400", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591210-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "400", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591210-01.1.8", "debut_caractere": 2654, "fin_caractere_exclue": 4018, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nBerlin. Am 3. December fand iir der ersten Soiree der Frau\nJustizräthin Burchard die Aufführung eines noch ungekannten\nOratoriums von Musik-Director Löwe in Stettin Statt. Es heisst:\n„Das Hohe Lied Salomonis\" und ist als Oratorium von Tel-\nschow gedichtet nach der Uebersetzung des Gedichtes durch den\nProfessor Meyer in Tübingen. Der Componist sagt darüber : „Das\ngrosse Verdienst des Uebersetzers besteht in der Berichtigung des\nGrundgedankens des Liedes, der darin besteht, dass Salomo und der\nHirt verschiedene Personen sind. Nur auf diese Art konnte der kö-\nnigliche Dichter den Grundgedanken wahrhaft königlich darstellen.\"\nDas Orchester des Hof-Operntheaters beabsichtigt vier\nphilharmonische Concerte zu veranstalten, deren Leitung Herr Di-\nreetor Eckert übernommen. In den beiden ersten, noch im Laufe\ndieses Monats zu Stande kommenden Productionen werden die Herren\nDreyschock und Vieuxtemps mitwirken.\nPai'i§. Roger wird am 15. December in einer Vorstellung\nzu seinem Benefiz wieder auftreten. Gegeben werden der erste Act\nder Dame blanche, der letzte des Propheten, der vierte der Favoritin\nu. s. w. Ballet der 1 amen Livry, Ferraris u. s. w. und Pianoforte-\nVorträge von Ascher, Krüger, Goria und Lacombe stehen dabei\nebenfalls in Aussicht, so wie die Unterstützung der Sängerinnen\nAlboni, Miolon-Carvalho, Borghi-Mamo."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "393", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591210-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nHerakles von Händel. Ausgabe der deutschen Händel-Gesellschatt. 11. 1. Von G. S. Johann Ruppreclit\nDürrner (Nekrolog). Von —n. Clavier-Musik. Mozart's Sinfonieen für Ciavier von F. W. Markuli. Von DIXI. Louis Schindel-\nmeisser, Sonate Nr. 3. Von S. Aus Wiesbaden. Von W. W lii finghoff. Viertes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nTages- und Unterhaltungsblatt (Berlin, Neues Oratorium Wien, Philharmonische Concerte Paris, Roger).\n\nHerakles von Händel.\nAusgabe der deutschen Händel-Gesellschaft. II. 1.\n\nAls im vergangenen Frühling der Tag erschien, an\ndem vor hundert Jahren Georg Friedrich Händel verschie-\nden, hatte schwere Sorge um die im Schoosse der näch-\nsten Zukunft ruhenden Schicksale alle Schichten der Nation\ndurchdrungen. Nicht, als ob darum der Dankbarkeit gegen\nden grossen Meister vergessen—Zeuge dessen ist das Stand-\nbild, das nun in seiner Vaterstadt Halle errichtet steht\nund jener Tag ohne Feier verbracht worden wäre: nein,\naus unzähligen Kehlen ertönten die Klänge, die er als\nreiche Erbschaft auf uns übertragen. Aber der frohe Muth\nwar getrübt, die hingebende Aufmerksamkeit abgezogen,\ndie festlichen Klänge mussten verhallen, nur mit halbem\nOhr gehört. Denn noch haben wir jene Erbschaft nicht\nso uns zu eigen gemacht, dass wir verständen, in jeder\nLage des Lebens den vollen Ertrag ihr abzugewinnen, dass\nwir verständen, in Tagen der Ruhe den reinsten, edelsten\nGenuss, in Tagen peinlicher Ungewissheit männliche Kraft\nund Zuversicht für jegliche Wendung daraus zu ziehen.\nUnterdessen hat das Unternehmen rüstige Fortschritte\ngemacht, das die Herausgabe sämmtlicher Werke Händel's\nund damit ihre Einbürgerung in dem Herzen des Volkes\nsich vorgesetzt. Die in der letzten Zeit auf einander gefolg-\nten Lieferungen der Händel-Gesellschaft haben dargelegt,\ndass die Zukunft dieses würdigsten Denkmals gesichert ist.\nEine berufenere Feder hat bei Erscheinen des ersten Ban-\ndes, des Oratoriums „Susanna\", aufmerksam gemacht\nauf die Bedeutung des ganzen Unternehmens und Winke\ngegeben für die Aufnahme und Wiedergabe des genann-\nten, bis dahin uns fast ganz fremden Werkes. Seither sind\nfür den ersten Jahrgang erschienen: ein Band Clavier-\nwerke, die zu einem Theil schon in Deutschland durch\neine Ausgabe (Leipzig, bei Peters) und durch den öffent-\nlichen Vortrag gediegenerer Künstler bekannt waren; fer-\nner das Schäferspiel „Acis und Galatea\", auf das\nChrysander am Schlüsse des ersten Bandes seiner Händel-\nBiographie ausführlich eingeht*).\nEin drittes oratorisches Werk ist vor einigen Wochen\nals erste Lieferung des zweiten Jahrgangs versandt wor-\nden: „Herakles\". Wie kaum ein anderes ist dasselbe\ngeeignet, dem Händel'schen Genius neuen Boden zu er-\nobern. Denn sehen wir uns um in dem Kreise der mehr\noder weniger bekannten Schöpfungen Händel's, so finden\nwir schon dem Gegenstande nach keine, in deren unmit-\ntelbare Nähe dieser gewaltige Herakles zu stellen wäre.\nLiegt hierin ein Beweis für die Kühnheit des Meisters, so\nwird die Art, in welcher ein unserem Vorstellungskreise\nso entlegener Stoff durch ihn musicalisch belebt und ver-\ngegenwärtigt ist, nur um so mehr dazu dienen, Vorurtheile\nwie Unkenntniss zu zerstreuen und den universellen\nCharakter seiner Kunst zu erschliessen. Das Stück behan-\ndelt die Heimkehr des Herakles von Oechalia's Zerstörung,\nsein jammervolles Ende durch die Eifersucht Dejanirens\nund seine Erhebung in den seligen Kreis der Götter. Der\nVerfasser des Textes, nach den kurzen, der Partitur von\nChrysander beigegebenen Vorbemerkungen ein Geistlicher,\nNamens Thomas Broughton, halte zu seiner Arbeit,\ndie ihrer ganzen Beschaffenheit nach mit hingebender Liebe\ngefertigt sein muss, in den Trachinierinnen des Sophokles\nein classisches Vorbild; und offenbar hat der Mann in den\nantiken Gegenstand sich so eingelebt, dass unter seiner\nHand die Gestalten der Heroenwelt sich zu einem neuen\nGanzen geformt haben, das den inneren Anforderungen des\nStoffes überall gerecht wird und zugleich den Zwecken des\nTondichters in kaum zu übertreffender Weise entgegen-\nkommt. Wenn so auf der einen Seite das Verdienst des\nDichters vielleicht weniger gross erscheint, weil er an einer\nQuelle geschöpft, die mehr als den blossen Stoff ihm lie-\n\n*) Wir werden nächstens auch in diesen Blättern davon berichten.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "394", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591210-01.1.2", "texte": "forte, so inuss es sich doch wieder in unseren Augen ge-\nwallig heben, wenn wir uns der vielen Umdichtungen clas-\nsischer Vorbilder zu so genannten musicalischen Zwecken\nerinnern, mit denen wir beglückt sind. Für jedes Bedürf-\nniss freilich findet sich nalurgemäss Befriedigung, und eine\nmusicalische „Kunst\", der in ihrer Charakterlosigkeit die\nKunst musicalischer Charakteristik abhanden gekommen,\nwird sich nicht beklagen dürfen und sich freilich auch\nnie ernstlich beklagen über die dürre Unfruchtbarkeit\nder Schwester-Muse. Wie hier auf beiden Seiten frivoles\nTreiben und ekle Stagnation sich gegenseitig bedingen, so\nliisst dort schon die geschickte selbstständige und doch die-\nnende Arbeit des Textdichters bei dem Tonkünstler auf\nein entsprechendes Maass ästhetischen Anspruchs schliessen.\nDie Personen des Stückes sind im Ganzen dieselben\nwie in der griechischen Tragödie: Dejanira, Herakles -\nbeider Sohn Hyllos, lolc, die gefangene Fürstin Oecha-\nlia's der Herold Liehas, mit der hauptsächlichen Abwei-\nchung, dass lole, bei Sophokles nur stumme Person, hier\ntiefer in die Verschlingung des Stückes hineingezogen und\nso nicht nur eine Reihe der werthvollsten, dem Gebiete des\nMusikers ureigenen Vorgänge gewonnen, sondern auch\nzum symmetrischen und harmonischen Ausbau des Ganzen\nals musicalischen Drama's ein wesentliches Element er-\nzielt wird.\nAuf Dejanira wird unser Blick im Beginn gelenkt, die\nschwerbekümmerte Gattin des Alkiden, der seit vielen Mon-\nden fern und von dessen Loos keine Kunde heimgelangt\nist. W as für die Welt die leuchtende Sonne, das ist der\nHeld für das leidenschaftlich liehende Weib. Tag und\nNacht beklagt sie die Pein der Trennung, von schwerer\nAhnung gequält. Hyllos hat indess durch die Priester des\nZeus das Geschick lies Vaters erforscht:\n~Tch seil' den Helden todt dahingestreckt!\nEs steigt die Flamm' auf Oeta's Haupt empor !\"\nso lautet der verhängnissvolle Bescheid, der in Dejanira\nvollends jeden Keim der Hoffnung unterdrückt. Schon\nträumt sie sich vereint mit dem Ersehnten in die Gefilde\ndes Elysiums, wo für immer die Trennung aufhört. Anders\nHyllos, der würdige Sohn des grossen Vaters; ihn soll nicht\nder starre Frost des Nordens, nicht die sengende Gluth\nhb'scher Sonne abschrecken von der frommen Fahrt, wo\ner entweder den Vater wiederfinden oder selbst erliegen\nwill. Ein herrlicher Chor voll feierlichen Ernstes und from-\nmen Muthes ermuntert ihn in dem gefassten Entschlüsse.\nDa kommt die Kunde, dass Herakles heimkehre von\nOechalia, das er auf den Grund zerstört. Maasslos, wie zu-\nvor ihr Gram, ist nun Dejanirens Jubel, uud sie, deren\nAhnungen noch eben keinem Tröste weichen wollten,\nschlägt sich leichtsinnig die drohende Weissagung aus dem\nKopfe; ihr ist genug, dass er kommt, als Sieger kommt»\nund hastig will sie Alles mit sich fortreissen, ihn zu em-\npfangen. Würdiger sind in ihrer Freude der Herold und\nder Chor der Trachinier, und wenn für Liobas der Wecli-\ni\nsei von Leid und Lust erscheint wie Nacht und Tag, wie\nEbbe und Flut, von wem sollte da der Gedanke fern blei-\nben, dass es auch auf diese Flut ebben, dass auch auf diese\nLust Leid folgen möchte? Neues Bild: Die gefangene\nKönigstochter lole mit ihren Jungfrauen beklagt das bit-\ntere Loos, das ihr Freiheit und all die Beize und Freuden\ngeraubt, die sich um die holde Himmelstochter scharen.\nZu ihr tritt Herakles, von einem grossartigen Marsch ein-\ngeleitet; ihn erfüllt ganz die Freude des Sieges und das\nstolze Gefühl, nunmehr Here's Zorn versöhnt und sich am\nZiele seiner Thaten mit neuem Ruhm geschmückt zu wis-\nsen. Alles soll um ihn freudig sein, und lole's Thränen\nglaubt er durch die wiedergeschenkte Freiheit leicht zu\ntrocknen. Dem rauhen Krieger entgeht freilich der gewal-\ntige Vorgang, den seine Erscheinung in der Seele des un-\nglücklichen Kindes hervorruft; wie dort das Bild wieder\naufsteigt mit herzzerreissender Gewalt, das sie einst mit\nansehen musste, als Herakles vor den Mauern ihr den Va-\nter erschlug, und wie die Phantasie ihr zum zweiten Male\ndie ganze Pein dieser Folter auferlegt, bis endlich die Vi-\nsion einem gefassteren, wohlthuenden Schmerze Platz\nmacht. Wer sieht an allem dem nicht das Gepräge, wo-\ndurch es bezeichnet ist als des Musikers Eigen? Und wie\nhat Händel sich ausgewiesen als der berufene Herrscher,\nvon diesem Stoff Besitz zu nehmen und in ihm zu walten !\nWelch duftigen Zauber hat er über diese Erscheinung ge-\nbreitet, und wie hat er aus der unerschöpflichen Fülle sei-\nnes Gemüthes dieses Mädchens wunderbar herrliche Ge-\nsänge ausgestattet! Kommen wir zum Schluss des Actes,\ndem Chor: „Krönt den Tag mit Festesglanz!\" Er ist eines\nder Stücke, die freigebig ihren Goldgehalt in üppiger Fülle\nausströmen und schon mit den ersten Tönen bezaubern.\nSchölcher {Lifeof ll.,pag. 290) schliesst aus ihm und dem\noben erwähnten Marsch, den einzigen Bruchstücken aus\nHerakles, die er in England zu hören bekam, dass, wenn\nder Rest der Partitur ihnen an Schönheit gleichkomme, in\nihr dem Publicum ein Meisterwerk unbekannt geblieben\nsei. Schon recht, wenn vielleicht Jemand eben von diesen\nbeiden Nummern aus sich daran macht; er möge aber\ndarauf gefasst sein, dass er leichtiich ob der ungeahnten\nRäume die Seitenpforte vergessen kann, die ihm als Ein-\ngang gedient.\nDer zweite Act entwickelt noch deutlicher die reine\nSeelenschönheit lole's, an die nun Dejanira herantritt, die\nBrust voll gährender Leidenschaft. Ihrer hat sich der fin-\nstere Argwohn bemächtigt, nur um lole's Besitz habe ihr"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "395", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591210-01.1.3", "texte": "Gatte Oechalia zerstört, und beim Anblick des holden,\nvom Reize still erduldeten Kummers übergossenen Mäd-\nchens sammelt sie jeden Scheingrund für ihre Eifersucht\nund nährt so selbst mit emsiger Hand die Flamme, die\nzum Verderben ausschlagen soll. Vergeblich warnt der\nunschuldige Gegenstand ihrer Wuth das verblendete Weib\nvor den seibstgeschaffenen Qualen grundlosen Argwohns,\nvergeblich preis't Lichas die lautere Treue seines Herrn.\nDer Stachel sitzt zu tief, und die von ihm getroffen, will\nnicht geheilt sein. Eine ergreifend wahre Schilderung die-\nses selbstmörderischen Wahnes, der mit schnöder Lust im\neigenen Herzen sich Folterqualen erschafft aus eitlem Trug,\nist in dem nun folgenden Chor entworfen, der die Scene\nabschliesst. Doch weg für eine Weile mit den trüben\nGemälden, um ein Bild voll reinster Schönheit sich ent-\nrollen zu lassen. Wohl kannte Dejanira den Zauber, den\nduldende Schönheit auf das Herz des Mannes ausübt; der-\nselbe Zauber, von dem sie ohne Grund den eigenen Gat-\nten gefesselt glaubte, hat Hyllos ergriffen. In seinem\nHerzen haftet Eros' Pfeil, und das Leid der gefangenen\nSchönen, in das der mächtige Gott sein Geschoss getaucht,\nhat sein ganzes Wesen zu Mitleid und Liebe gestimmt. So\nnaht er sich ihr. Doch eine tiefe Kluft trennt die beiden,\ndie so ganz für einander geschaffen zu sein scheinen: „Wie\nsollte Liebe in der kranken Brust wohnen, die Sorge aus-\nfüllt; gar Liebe zum Sohn des harten Mannes, der den\nVater mir erschlug!\" So weis't lole seine Werbung ab,\nund nun beginnt jene köstliche Arie:\n~Banne Lieb' aus der Brust,\n's ist ein weibischer Gast\"\nin der sie den Jüngling mahnt, der Liebe zu entsagen und\nin Thaten, des Vaters werth, seines Stammes Kraft zu er-\nproben. Ihre warnenden und mahnenden Töne verhehlen\nschlecht, dass ihr Herz einen hoffnungslosen Kampf kämpft,\nsich den Fäden zu entziehen, die sie an Hyllos knüpfen\nwollen. Was Wunder, dass sie bei ihm nur Oel ins Feuer\ngiesst? Ihm scheint ihr Verlangen ein Frevel an dem Gott,\ndessen Macht selbst unsterbliche Bewohner des Himmels\nherabgetrieben, eine Weile auf Erden den süsseren Him-\nmel der Liebe zu kosten: ein Gedanke, dessen sich der\nChor nunmehr bemächtigt, um in schwellenden Tönen den\nPreis des all waltenden Götterknaben zu singen. Wieder\nerscheint Dejanira, diesmal mit dem Gatten; doch an sei-\nner ruhigen Grösse prallen die Nadelstiche ihres Spottes\nwirkungslos ab, ja, er gibt sich nicht einmal die Mühe,\ndem Anlass ihrer Eifersucht tiefer nachzugehen. In Kro-\nnion's Tempel will er ein Fest des Dankes für seinen Sieg\nfeiern; indess mag Dejanira ihren grundlosen Argwohn\nabwerfen. Sie bleibt allein zurück, um sich nur desto\ntiefer in ihren Wahn zu versenken; Zauberkraft, so be-\ndenkt sie sich plötzlich, soli ihr das abgewandte Herz des\nGemahls wiedergewinnen; ein reiches Kleid hat sie ja auf-\nbewahrt, getränkt mit dem Blute des von Herakles ge-\ntödteten Nessös, das nach dem Ralhe des sterbenden Ken-\ntauren erstorbene Liebe neu entzünden soll. l)ic Unselige\nsendet es hin. Sie ahnt nicht seine verderbliche Kraft und\ndass sie auf dem Wege ist, durch ihr eigenes Thun die\nUnglücks-Weissagung zu erfüllen. Scheinbar bereitet sieli\neine Versöhnung, die, für Lichas Stoff einer köstlichen\nkleinen Arie („StandhaftLieben\" u. s. w.), in einem Duell\nzwischen Dejanira und lole sich verkörpert und vom Chor\nzum Schluss des zweiten Actes aufgegriffen wird.\nIndess schiesst die Saat furchtbar auf, die Eifersucht\ngesäet. Eine Instrumental-Sinfonie leitet den dritten Act\nein, vorbereitend au( dessen wild tobenden Inhalt; und\nnachdem Lichas den Trachiniern die Schreckenskunde vom\nFall ihres Königs gebracht, die der Chor sogleich in ihrer\nganzen folgenschweren Bedeutung würdigt, zeigt sich dann\nplötzlich das Bild des Jammers selbst vor unserem Auge.\nEs ist schwer zu entscheiden, ob die Schilderung der gräss-\nliehen Qualen, mit denen das verzehrende Gift den Körper\nseines unglücklichen Opfers durchwühlt, den Preis ver-\ndiene, oder das erschütternde Seelengemälde, würdig der\naus dem hellenischen Alterthum uns überlieferten Vorbil-\nder, wie Dejanira, verfolgt von den Erinnyen, die sie selbst\nheraufbeschworen,umsonst Ruhe suchtim Schatten schwar-\nzer Nacht. An Wahrheit wird Keines dem Anderen nach-\nstehen, und höchstens das lässt sich vielleicht behaupten,\ndass, wie die Qualen der schuldbewussten Seele alle kör-\nperliche Pein hinter sich lassen, in demselben Maasse die-\nser ihrer Schilderung der Vorrang an künstlerischem Wer-\nthe zuzusprechen sei. Nur eine kleine, sehr charakteristi-\nsche Arie des Hyllos („Schweigt, o schweigt\") folgt dem\nersten Bilde, wie ein reizender Gesang des Mitleids aus\nIole's Munde dem zweiten. Sonst ist die Entwicklung durch\nnichts aufgehalten, namentlich durch keinen Chor, der viel-\nmehr bis zu Ende schweigend verharrt. Mit raschen Schrit-\nten naht sich nun der Schluss. Zeus1 Priester verkündet\ndie Erhebung des Helden aus den Flammen des Scheiter-\nhaufens zum seligen Aufenthalt der Götter, und nachdem\ndiese glückliche Lösung in einer Arie des Lichas („Er,\nder des Himmels Säule war\") beredte Würdigung gefun-\nden, vereint der Priester gemäss dem Willen Kronion's\nHvllos und lole, die ihr Glück in einem reizenden Duett\n*1 7\nkundgeben. Nun erst tritt der Chor wieder ein und feiert\nin einem einfach würdigen Preisgesange den Ruhm des\nFreiheitgründers, vor dessen Heldenarm Willkür und Ge-\nwaltthat von der Erde entschwunden.\nEs ist ersichtlich, dass nicht leicht eine Lnterlage ge-\nfunden werden kann, die nach Inhalt und Anordnung so\nr— *2. 1\n\n[•]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "396", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591210-01.1.4", "texte": "günstig für die ausbauende Hand des Musikers wäre. Zu\nden vier Personen, deren Schicksale den eigentlichen Kern\ndes Werkes bilden, tritt als Stülze und Träger des orato-\nrischen Charakters der Herold Lichas; er führt theils ein,\nvermittelt in verschiedener Weise die Uebergänge, theils\nund dies ist die Seite, in welcher sein musicalischer\nWerth vornehmlich liegt—spiegeln sich in ihm, dem nicht\nso unmittelbar und persönlich bei Weh und Freude Be-\ntheiligten, die gewalligen Vorgänge nach ihrer sittlichen\nBedeutung wieder. Seine Verwandtschaft mit dem Chor\nliegt so zu Tage.—Es mag bei Gelegenheit dieses Werkes\nvergönnt sein, über die Chöre in den Händel'schen Ora-\ntorien überhaupt einige Worte zu sagen. Dass die Direc-\ntoren musicalischer Vereine bei der Wahl eines aufzufüh-\nrenden Stückes meist zuvörderst nach der Anzahl und der\nmusicalischen Schönheit der Chöre fragen, ist eine fest-\nstehende Thatsache. In so fern beim Einstudiren gewöhn-\nlich ob mit Recht, ist eine andere Frage die Solo-\nPartieen und ihre Auffassung dem Privat-Studium ihrer\nTräger anheimgegeben sind, ist jene Thalsache auch nicht\nbloss erklärlich, sondern ein ehrenvolles Zeugniss für das\nBestreben, mit den vorhandenen Mitteln eine möglichst\numfassende Aufgabe zu lösen. Aber es lag und liegt darin\nein Hauptgrund, warum einer Reihe von Schöpfungen der\nherrlichsten Art das grosse Unrecht unverdienter Zurück-\nsetzung angethan wird, von den unwürdigen Verstümm-\nlungen anderer nicht zu reden, die nun erst allmählich in\nihrer ursprünglichen Gestalt sich Bahn brechen müssen.\nWenn im Belsazar die Wucht ganzer Völker gleichsam\nhandelnd in die Wagschale fällt; wenn im Israel das Volk\nGottes die Wunder singt der mächtigen Hand des Herrn,\nseines Gottes, in epischer Breite und einer Fülle, vor wel-\ncher die Stimme des Einzelnen verschwinden muss; wenn\nim Judas Maccabäus, im Josua dasselbe Volk, um seine von\nGott erwählten und beseelten Führer geschart, Leiden erdul-\ndet, Thaten vollbringt, sollte da der Gedanke so fern\nliegen, dass alle diese Stoße die Elemente ihrer künstleri-\nschen Gestaltung schon in sich selbst nothwendig getragen,\ndass es also von vorn herein verfehlt ist, bei ganz anderen\nElementen doch ähnliche Zusammensetzung, bei ganz an-\nderen Grundlagen doch ähnlichen Bau zu suchen? Sollte\nes der Mühe nicht verlohnen, demselben Meister ver-\ntrauensvoll auch dahin zu folgen, wo er die künstlerischen\nGebilde nicht so mit wenigen breiten Strichen anlegen\nwollte und durfte, sondern wo sein Genius durch zar-\ntere, zahlreichere, aber organisch wunderbar zusammen-\nhangende Züge arbeiten musste, um aus den individuell-\nsten Gestalten ein abgerundetes Ganzes voll Leben und\nWahrheit zu schaffen?— Von diesem Gesichtspunkte möch-\nten wir das vorliegende Werk und namentlich die Chöre\ndarin betrachtet wissen. Es würde zu weit führen, im\nEinzelnen die Mittel nachzuweisen, die der Hand des Künst-\nlers gedient, und der Art ihrer Verwendung auf den Grund\nzu gehen; ohnedies wären zahlreiche Noten-Beispiele nö-\nthig, und auch mit diesen möchte, was wir etwa geben\nkönnten, theils zu viel, theils zu wenig sein, viel zu viel\nfür den, der mit dem Werke vertraut ist, zu wenig für\ndie, denen es noch ganz neu. Es sollte nur den letzteren\nrecht nahe gelegt werden, wo sie die Schönheit und den\nGenuss zu suchen haben; sie mögen festhalten, dass kein\nTheil, böte er auch herausgerissen schon die lockendsten\nReize, seine volle Würdigung erhalten kann anders als im\nZusammenhang, an der Stelle, wohin er vom Meister ge-\nsetzt ist. Das Werk liegt ja nunmehr vor: man mache\ndie Probe!\nTübingen, 26. November 1859.\n\nG. S.\n\nJohann Rupprecht Dürrner.\n(Nekrolog.)\n\nJ. R. Dürrner wurde am 15. Juli 1810 zu Ans-\nbach geboren. Sein Vater, ein geachteter Musiker, weckte\nund pflegte die musicalischen Anlagen, womit die Vorse-\nhung den Knaben unverkennbar begabt hatte, und unter\nder Leitung tüchtiger Meister brachte es der angehende\nJüngling im Ciavier- und Violinspiel und in Behandlung\neinzelner Blas-Instrumente zu grosser Fertigkeit, so wie er\nsich auch in verschiedenen Compositionen und im Bear-\nbeiten contrapunktischer Sätze mit Glück versuchte.\nUngeachtet dieser entschiedenen Anlagen für die Kunst\nsollte er derselben doch nicht ausschliessend gewidmet blei-\nben, sondern mehr nach dem Willen des Vaters als nach\neigener Wahl dem Lehrfache sich zuwenden, und so trat\ner im Herbste 1827 in das k. Schullehrer-Seminar zu Alt-\ndorf. Hier war es, wo seine musicalische Begabung immer\nklarer hervortrat und er durch ausgezeichneten Fleiss und\nstrengste Beharrlichkeit sich die wohlverdiente Anerken-\nnung gediegener Lehrer in solch hohem Grade erwarb,\ndass diese ihm die Direction der grösseren musicalischen\nAufführungen, wie sie damals im Seminar gebräuchlich\nwaren, übertrugen. Diese Concerte wurden nicht selten\nvon einzelnen Musikkennern des benachbarten Nürnberg\nbesucht, und diese fanden sich in richtiger Würdigung der\nTalente Dürrner's bald veranlasst, denselben jenem Berufe\nganz und gar zu geben, zu dem ihn die Natur bestimmt\nhatte. Sie trafen desshalb die nötbigen Einleitungen, um\nden jungen Mann einem grösseren Meister zur weiteren\nAusbildung zu übergeben, und so wanderte er nach dem\nAustritte aus dem Seminar im Herbste 1829 zu Fried-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "397", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591210-01.1.5", "texte": "rieh Schneider nach Dessau. liier empfing er die\nWeihe der Kunst.\nNachdem er dort zwei Jahre unter dieses grossen Man-\nnes trefflicher Leitung unablässig den musicalischen Stu-\ndien obgelegen und die vorzüglichsten Zeugnisse sich er-\nworben hatte, erhielt er von dazu berufenen Seiten die\nAufforderung, sich um die gerade damals erledigte Stadt-\nCantors-Stelle in Ansbach zu bewerben, die er denn auch\nim Jahre 1831 erhielt. Der einundzwanzigjährige junge\nMann wusste das Vertrauen, welches in ihn gesetzt wor-\nden war, vollkommen zu rechtfertigen. Sein gründliches\nWissen, seine kunstreiche Behandlung verschiedener In-\nstrumente, besonders der Violine, sein rastloses Streben,\nder Kunst zu dienen, und sein gewinnendes Wesen sicher-\nten ihm gar bald das vollste Vertrauen und die unbeding-\nteste Hochachtung aller derjenigen Personen, die ihm in\ndienstlicher und musicalischer Beziehung näher standen,\nso wie die allgemeine Liebe des Publicums. Er feuerte das\nOrchester zu neuer, erhöhter Thätigkeit an, belebte ein-\nzelne kleinere musicalische Vereine und pflegte mit beson-\nderer Aufmerksamkeit den Gesang im Liede. Wie ihm\ndies gelungen, davon geben alle noch das rühmendste\nZeugniss, die seiner Leitung folgten, und unter diesen sind\ndie Mitglieder des Liederkranzes, wie er bis zu Dürrner's\nAbgang von Ansbach bestand, gewiss nicht die Letzten, da sie\ndie genussreichsten Stunden in innigster Verbindung mit\nihm verlebten. Mit Begeisterung sprechen diese Männer\nheute noch von jenen schönen Tagen, von dem Erfolge\nihrer Productionen, den sie dem Fleisse und geläuterten\nGeschmack ihres Meisters zu danken hatten, von den all-\njährlichen Ausflügen, die ihnen Gelegenheit gaben, den\nSangesgenossen benachbarter Städte ihren Liederschatz zu\nöffnen.—Zu welchem Grade der Vollendung Dürrner die\nLeistungen des ansbacher Liederkranzes durch seine mei-\nsterhafte Leitung emporzuheben wusste, davon mag das\nUrtbeil, welches Schreiber dieser Zeilen aus dem Munde\neines geschätzten auswärtigen Musik-Directors noch wenige\nTage vor Dürrner's Tode vernahm, Zeugniss geben. „Wohl\nnie\", äusserte er, „habe ich so trefflichen Männergesang\ngehört, wie in einer Liederkranz-Production unter Dürr-\nner's Leitung, der ich im Orangeriesaale anwohnte. Ich\nkam damals von Leipzig und kann versichern, Gutes dort\ngehört zu haben; allein jene Vorträge des Liederkranzes\nstehen in meiner Erinnerung einzig da, und einzelne sind\nbis zur Stunde meine Muster gewesen, wenn ich die be-\ntreffenden Compositionen einzuüben hatte.\"\nIn jene Zeit fallen auch die Aufführungen vieler clas-\nsischen Göncerte, womit Dürrner nicht ohne bedeutende\nOpfer aus eigenen Mitteln uns erfreute, und im freund-\nlichsten Andenken stehen noch die vielen Opern, die unter\nseiner Direclion in Scene gesetzt wurden.\n1842 ging Dürrner auf geraume Zeit nach Leipzig, um\ndort unter Mendelssohn und Hauptmann seinem stets\nvorwärts strebenden Geiste neue Nahrung zuzuführen, und\nin diese Periode fallen jene Unterhandlungen, die den\nschätzbaren Mann uns ganz entreissen sollten, indem er\neinen ehrenden Ruf nicht ablehnen zu dürfen glaubte, der\nihm von Edinburgh zur Uebernahme einer Dirigentenstello\ndaselbst geworden war. —Dürrner schied von Ansbach im\nSeptember 1844, und die .Stadt fühlte es, dass sie durch\nseinen Abgang einen herben Verlust erlitten habe.\nIm neuen Wirkungskreise war Dürrner bald bekannt\nund hochgeschätzt. Sein Talent, sein Fleiss, seine Ausdauer\nund seine Liebenswürdigkeit hoben ihn in kürzester Zeit\nzum Range einer ersten musicalischen Notabilität in einem\nLande, dessen Sprache er sich erst zu eigen machen musste,\ndessen Bewohner so schwer dem Fremden zugänglich sind.\nFür seine Heimat bewahrte er übrigens eine rührende\nAnhänglichkeit, was er dadurch bekundete, das er in den\nZwischenräumen einzelner Jahre immer gern die Vaterstadt\nbesuchte. Die Tage seiner Ankunft in Ansbach konnte man\nals Freudentagc für seine Freunde bezeichnen, die sich in\ntreuer Ergebenheit um ihn scharten und in Erinnerung\ngenussreicher Stunden sich neu fürs Lied belebten. Bei\nseinem letzten Besuche im Jahre 1857 erregten kurzer\nAthem und Beklemmungen der Brust, über die er klagte,\nBesorgniss um sein Leben, und obschon in der letzteren\nZeit wiederholte Versicherungen über vollständiges Wohl-\nbefinden von seiner Seite in Ansbach eintrafen, so zeigte sich\ndoch in erschütternder Weise, wie gegründet jene Be-\nfürchtungen waren, als die Nachricht von seinem plötz-\nlichen, am 10. Juni dieses Jahres in Edinburgh erfolgten\nTode in Ansbach eintraf. Ein Herzschlag hat seinem Leben\nein Ende gemacht, das er nur auf die kurze Dauer von\n48 Jahren brachte.\nDie Hülle eines trefflichen Mannes liegt nun im Schoosse\nder Erde, und seine edle, freundliche Erscheinung ist auf\nimmer uns entflohen; aber er hat ein Vermächtniss hinter-\nlassen, durch das er dennoch unter uns lebendig bleiben\nwird, ein Vermächtniss, das seinen Namen in unvergäng-\nlichem Ruhme glänzen lässt, indem er uns die köstlichsten\nErzeugnisse seines schöpferischen Geistes schenkte, seine\nCompositionen, und unter diesen vorzüglich seine Lieder.\nEr hat deren eine reiche Zahl geschaffen, Duetten, Lieder\nfür eine Singstimme, für den gemischten Chor und für\nvier Männerstimmen, sämmtlich geistreich aufgefasst und\ndurchgeführt. Mehrere sind noch Manuscripte, die meisten\nerschienen in Leipzig, Edinburgh und London. Die mei-\nsterhafte Stimmführung in denselben, so wie die Beglei-\ntung der Sololieder und Duetten (gewöhnlich Ciavier und"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "398", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591210-01.1.6", "texte": "Cello) zeigen klar das melodische Element, von dem der\nCompositeur ganz und gar durchdrungen war, und wer\nseine Lieder je gehört, dem werden sie für immer ein theu-\nres Besitzthum sein. Wem sollte sein preisgekröntes „Lied\nan die Freude\" nicht im Herzen bleiben!\nDürrner's Talent war durchaus lyrischer Natur. Daher\nwandte er sich dem deutschen Liede zu und belebte es\ndurch den Zauber der Musik. Das herrlichste Verdienst\nseines Lebens ist es gewesen, dass er in Berufs-Gemein-\nschaft mit einem Mendelssohn, Schubert und Anderen das\nSchönste, was deutsche Poesie geschaffen, in das Reich der\nTöne emporhob und verklärte. Das deutsche Volk wird\nwie seine Dichter, so seine Tonsetzer in unvergänglicher\nErinnerung behalten, und öürrner wird unter diesen Aus-\nerwählten sein.\n\nn.\n\nClavier-Musik.\n\nMozart's Sinfonieen für Ciavier von F. W.\nMarkuli.\nHolle's Verlag geht trotz mancher Ungunst von aussen\nher seinen steligen Gang unermüdet fort, wofür wir ihm\ndankbare Anerkennung zollen. Die letzte Veröffentlichung\nclassischer Werke geht Mozart und Beethoven an. Von\nBeethoven sind die Clavier-Duetts und Trio's nun bald\nvollständig vorhanden; von Mozart liegen diesmal vor: 15\nSinfonieen in doppelter Bearbeitung zu zwei und zu vier\nHänden. Der Bearbeiter, F. W. Markull, hat im Arrange-\nment Fortschritte gemacht, wie uns u. A. die Sinfonie I,\nOp. 87 in D, überzeugt; es ist mehr claviermässig und\nzugleich vollstimmiger als früher gearbeitet und, so viel\nwir bisher merken, die linkische Art vermieden, obere\nFlötentöne in die drei und viergestrichenc Octave zu\nlegen, welche im Orchester einen leisen Goldglanz darüber\nbreiten, im Ciavier kaum quiken und nichts sagen, falls sie\nnur orgelpunktisch in der Höhe verweilen und nicht etwa\ndie Melodie verdoppeln. So ist z. B. in Beethovens vierter\nSinfonie das höchste b der Flöten zu Anfang des Menuets\nnur ein goldgleissender Nimbus, den das Ciavier nicht nach-\nahmen kann, daher die alte Weise von Hummel, Mockwitz\nu. A. vorzuziehen, dass die Oberstimme laute:\nwährend jenes orgelpunktisch gehaltene b gleichwie man-\nches Aehnliche in der Eroica nur stört. Indem wir nun\njenen Fortschritt freudig anerkennen, sagen wir dem wacke-\nren Tonsetzer und dem Verleger Dank, und bitten, den\nalten Hummel ja nicht gering zu achten, bei dem ja so\nmanche clavierige Feinheit zu lernen ist.\nDie sechs ersten Sinfonieen von jenen fünfzehn sind ihrer\nSchönheit wegen längst berühmt, bekannt und beliebt; die\nübrigen neun, zum Theil unbekannt, zum Theil vergessen,\nsind von minderem Wcrthe, und es scheint, als habe Mo-\nzart selbst sie zurückgelegt, wo nicht gar ins Pult geschlos-\nsen, gleich jenen zwölf, die kürzlich Andre veröffentlicht\nhat. Sind auch, namentlich in den Andre'schen zwölf, edle\nZüge, glänzende Lichter, besonders in den Adagio'?, so ist\ndoch die grosse Rhythmik, die Schattirung der abwech-\nselnden Cantilenen, die Schlagkraft des Ganzen bei Wei-\ntem unter der sonst gerühmten plastischen~Schö11hoit Mo-\nzart's. Es ist wohl unzweifelhaft, dass Mozart selbst um\ndieser Mängel willen sie stiefväterlich behandelt hat, unbe-\nsorgt um gegenwärtige oder zukünftige oder\nGesammt-Ausgaben, dergleichen die Poeterlinge meist\neilend zurecht machen, ehe sie etwas „Gesammtes\" haben,\nja, dergleichen der allweise Riehl fordern möchte zum Be-\nsten aller Studiosen, Bücherschreiber und ßibliothecare,\nauf dass nichts umkomme. Neben dieser Erwägung hoch-\nherziger Demuth am Künstler unterlassen wir nicht, eine\nzweite ins Gedächtniss zu rufen für die ästhetischen Chro-\nnologen, deren Bekanntester, doch nicht Tiefsinnigster\nbei jedem Beethoven'schen Werke nach der Opuszahl\nfragt, weil ihm ohne sie der Standpunkt völlig verrückt ist\nund die rationale Berechnung, wie viel der Autor vermöge\ndes „nothwendigen Fortschrittes\" nun denn effectiv fort-\ngeschritten sei (gleich dem Primaner, der von Semester zu\nSemester eine höhere Nummer im Exercitium errungen-\nschaftet), leider, leider in die Brüche geht! Wir anderen\nBöotier, die wir die Grösse der Dichter nicht mit dem Zoll-\nstabe messen, kümmern uns weniger um früh und spät\nund erfreuen uns desto ungestörter selbst der schwächeren\nGaben eines Genius, welcher einer Gesammt-Ausgabe\nwerth ist, so hier unter den Mozart'schen Sinfonieen des\nersten Allegro's der siebenten, welche an Gluck's Iphigenie\nanklingt, der heiter lärmenden achten mit breiter, oft weit-\no 7\nspuriger Naivetät—aber wer mag die Goldkörner alle auf-\nzählen? Sucht sie selber, die ihr ihn liebt, und schreibt\nCommentare darüber zu Nutz und Frommen der Zukunft,\nnicht der Chronologie und der Repositorien!\nD1XL\nLouis Schindelmeisser, Sonate Nr. 3 in D-clur\nfür Piarioforte. Op. 40. Mainz, bei Schott Söhne.\nDie vorliegende, aus vier Sätzen bestehende Sonate\nreiht sich ihrer musicalischen Gestaltung nach den guten\nWerken dieser Gattung an und bewährt den gebildeten,\nsich seiner Aufgabe bewussten Componisten. Abgerundete\nForm, fasslich und consequent geführte Motive, klare Har-\nmonik und Rhythmik kennzeichnen das Werk. Die nicht\nschwere Ausführung lässt sich auch auf einem Instrumente\nO '"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "399", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591210-01.1.7", "texte": "von geringerer Dimension als unser heutiges Ciavier er-\nmöglichen, da die Gränzlinie im Diseant nicht über\nh und im Bass nicht unter\na hinausreicht.\nSollten wir die einzelnen Salze der Sonate näher cha-\nraklcrisiron, so dürfte der erste, AUegro, %-Tact,\nals der Mendelssohn'schen Schule sich anreihend zu be-\ntrachten sein, während der zweite, 2/4-Tact, B-\näur, und der dritte, Mcnucito, 74-Tact, G-ditr, eher eine\nW ahlverwandtschaft nach Beethoven'scher Seite hin be-\nkunden. Das Thema des letzteren, aus nur vier Tacten be-\nstellend, das bald in der Ober-, bald in der Unterstimme\nin verschiedenen Modulationen und Gegenbewegungen auf\nchromatischer Scala erscheint, ist gut verwandt und wird\nvon einem Trio gefolgt, dessen durchgehende Secunden-\nZusammenklänge nicht gewöhnlich sind. Das Finale, Alle-\ngretto grazioso, 2/.i-Tacl, B-dur, etwa dem Haydn-Mozart'-\nschen Stile sich nähernd, führt uns ein änmuthiees Motiv\nmit gelungener Durchführung vor, bringt alsdann einen\nbewegten melodiösen Miüelsatz, und nachdem der Verfas-\nser Beides im zweiten Iheiie nach den Regeln des Wie-\nDerschlags von Dominante in Tonica wiederholt, führt er\ndas Ganze durch einen verlängerten Schluss mit befriedi-\ngender Wirkung zu Ende.\n\nS.\n\nAus Wiesbaden.\nW. Wülfinghoff.\nNachdem die Sommer-Saison uns viel Fremdes und Buntes ge-\nbiacht hat,- kehren wir mit Beginn der kälteren Jahreszeit zu den\nmeist gediegenen Leistungen der hier heimischen Kräfte zurück. Von\nConcerten haben bereits Statt gefunden: das erste Concert des Cä-\ncilien - Vereins. Mozart's G-moll- Sinfonie wurde fein nuancirt • ein\nChor aus dem Weibnachts-Oratorium von J. S, Bach gefiel sehr,\nBeethoven\\s Phantasie für Piano, Orchester und Chor nicht minder,\nin welcher Herr CapelJmeister Marpurg von Mainz die Clavier-Partie\nübernommen hatte. Herr Marpurg spielt sehr nett und sauber. Beet-\nhoven's Ouvertüre zu Coriolan ging schwungvoll, Dann hörten wir\nein Kecitativ und Arie für Sopran und obligate Violine mit Or-\nchester-Begleitung von Mozart, die Gesang-Partie von Fräul. Zirn-\ndorfer vorgetragen, die Violin-Partie von Herrn Concertmeister Bal-\nde neck er. Herr Kahle, Mitglied des hiesigen Theater-Orchesters, trug\nein Violin-Coneert von de B6riot sehr correet vor. Der 114. Psalm\nvon Mendelssohn beschloss in würdiger Weise das Concert.\nFräul. Zirndorfer's schöne Stimme ein tönendes Zeugniss für\nein vorhandenes grosses Seelenleben ist im vollsten Sinne des\nWortes sympathisch wirkend; es gebricht der vollen, egalen Stimme\nnur die \\ olubilität. Ihre sehr gelungenen Leistungen als Alice und\nals Anna in der Weissen Dame bestätigten diese Behauptung. Wir\nmöchten aber dennoch Iräul. Zirndorfer das Prognostikon und ausser\nrage stellen, dass sie als Concertsängerin grössere Erfolge erringen\nkönne, als auf der Bühne, wobei wir namentlich Oratorien- und\ngeistliche, wenigstens aber 3-rnsto Musik im Auge haben, in welcher\nMusikgattung ihr eigentlicher Wirkungskreis zu suchen sein dürfte.\nAn der Bühne steht Fräul. Typka neben ihr, eine routinirte Büh-\nnensängerin, deren meist gelungene Coloratur hier Triumphe feiert;\nihr Gesang wird durch ein bühnengerechtes, wirksames Spiel nicht\nunwesentlich unterstützt. Jedoch ist es mit dem Triller des Fräul\nTypka nicht ganz richtig und ihre Höhe eine geringe. Die forcirten\nhohen Töne aber werden den Ruin ihrer Stimme nach sieh ziehen\nIn einem Concerte für ein Denkmal Schiller's sang unser be-\nrühmter deutscher Barde, Herr Karl Form es, mit prachtvollem\nTone Pvecitativ und Arie aus der „Schöpfung\" und die bekannte\nArie des Sarastro ; beide Nummern mit Pietät, und Sängerwürde ge-\nsungen, mit Andacht und gleicher Pietät vom dankbaren Publicum\naufgenommen. Herr K. Formes h it als Mitglied des Schiller-Comite's\nVorschläge gethan, hierorts eine Schiller-Akademie zu gründen, in\nwelcher Künstler ihre Ausbildung anzustreben Gelegenheit finden\nsollen; das wäre wohl, mit Ed. Devrient gesprochen: eine Thea-\nters chule. Möchte das „tiefe'* Wort des weithcn Künstlers nicht\nnutzlos verhallen! Die Hälfte aller seiner auswärtigen (?) Einnah-\nmen will Herr Formes dieser Schiller-Akademie zufliessen lassen.\nHerr Nacciarone aus Neapel spielte das von Mendels-\nsohn überaus elegant und mit eben so corrcctem Ausdruck. Fräul.\nPellet sprach mit schönstem Ausdrucke, ja, mit wahrer Begeisterung\n~Die Kraniche des Ibykus\". Die Sinfonia Eroica machte den impo-\nsanten Schluss dieses Concertes.\nAm 21. November hatten wir auch die erste Quartett-Soiree\nder Herren Baldenecker, Scholle, Wagner und Grimm.\nEm Quartett von J. L. Ellerton (F-mollr), einem fleissig componiren-\nden Englandei, ein Mozart sches (.4—duv) und ein drittes von Beet-\nhoven (Op. 18, D-dur) kamen zur sehr würdigen Ausführung. Die\nzweite Soiree (am 5. December) brachte: Ilaydn (D-dur), Mozart\n(B-dur), Beethoven, Op. 18 (G-dur). Intention und Ensemble verdie-\nnen nnmer grösseres Lob. Die Soireen waren noch nie so zahlreich\nbesucht, sie erweisen sich somit als ein Unternehmen, das bereits\nkräftige Wurzeln gefasst hat in der Musikliebe hiesiger Kunstfreunde.\nDen 6. December 1859.\n\nViertes Gesellschafts-Concert in köln\nim Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferd. Hiller.\nDinstag, 6. December 1859.\nProgramm. Erster Theil. 1. Ouvertüre zu Coriolan von\nBeethoven. 2. Arie der Klytämnestra aus Iphigenie in Aulis\nvon Gluck (Fräul. Emilie Genast). 3. Concert für das Vio-\nloncell von Molique (Andante und Finale), gespielt von Alfred\nPiatti. 4. „0 weint um sie\" von Byron, für Solo, Chor und\nOrchester componirt von F. Hill er. 5. Phantasie über ein Thema\naus der Sonnambula für Yioloncell (A Piatti). 6. Cavatine\n~Vna vuceu von Eossini (Fräul. E. Genast'.\n' %\nZweiter Theil. Si n f o n i e Nr. Y in C-moll von Beethoven.\nDie telegraphischen Anstalten machen es einem Sänger möglich,\nsich vierundzwanzig Stunden vor einem Concerte selbst von Berlin\nbis au den Rhein her krank zu melden. Das wurde diesmal die Con-\ncert-Direction gewahr, indem der für die Bariton-Partie in Ililler's\nVer scicrum engagirte Säuger sich wegen plötzlicher Heiserkeit des-\nengagirte. Indess ein Chor- und Orchester-Personal wie das hiesige\nführt seine Aufgabe, wenn es sein muss, auch ohne lange Vorberei-\ntung tüchtig durch, und so mussten wir freilich die Ausführung des\nVer sacrum für dieses Concert entbehren, erhielten aber dafür das\nzwar kurze, aber sehr schöne und weit verbreitete Gesangstück"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "400", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591210-01.1.8", "texte": "Hill er' s: ~0 weint um sie\", und die fünfte Sinfonie von\nBeethoven. Da nun auch die Solo-Vorträge sehr gut aufgenom-\nmen wurden, so gestaltete sich das Concert zu dem gelungensten\nund befriedigendsten der bis jetzt in der Saison gegebenen.\nDas konnte freilich nur der Fall sein bei einem Publicum, das\nsich durch Werke wie Beethoven's Coriolan-Ouverture und dessen\nSinfonie in C-moll glücklicher Weise noch immer begeistern und\nhinreissen lässt, das der trefflichen Ausführung, die ihnen zu Theil\nwurde, mit der gespanntesten Aufmerksamkeit folgt und durch auf\nAller Antlitz sichtbare Theilnahme in die angeregte und gehobene\nStimmung versetzt wird, welche solche Schöpfungen bei dem unver-\ndorbenen Gefühl für das wahrhaft Schöne und Erhabene in der Ton-\nkunst hervorrufen.\nFräulein Genast aus Weimar weiss ihre zwar nicht grossen,\naber doch ganz artigen Stimmmittel mit Geschicklichkeit und Kennt-\nniss der Gesangs-Technik zu benutzen, so dass ihre Vorträge in\ndem Genre, zu welchem die Rossini'sche Arie gehört, wie auch im\ndeutschen Liede, wovon wir in Privatkreisen sehr lobenswerthe Pro-\nben erhielten, eine gewisse Anmuth und edle Färbung in sich tragen,\ndie durch Anspruchslosigkeit und Natürlichkeit noch an Reiz ge-\nwinnt.\nHerrn Alfred Piatti haben wir auch ausser dem. Gesell-\nschafts-Concerte noch in mehreren Vorträgen in dem ersten Con-\ncerte des Männergesang-Vereins am 8. d. Mts. und ferner\nin Privat-Cirkeln gehört, wo er in Beethoven's yl-dwr-Sonate und in\neiner Sonate von Hiller (Op. 22) für Pianoforte und Violoncell, dann\nin Quartetten von Mozart und Beethoven spielte. Wenn seine ganz\neminente Virtuosität, Sicherheit in allen möglichen Lagen, herrliche\nReinheit u. s. w. ein lautes Echo des Beifalls der Menge und der\nKenner hervorruft, so stellen wir doch seinen Vortrag der Melodie,\nseinen wunderschönen Gesang auf den Saiten, der an die schönste\nPeriode der italienischen Sängerschulen erinnert und den sich heut-\nzutage jeder Sänger zum Muster nehmen sollte, womit dann auch\nsein ganz ausgezeichnetes Quartettspiel in Verbindung steht, noch\nweit höher als seine allerdings auch in hohem Grade bewunderungs-\nwürdige Technik. Im Quartettspiel ist seine Hingabe an das Ganze\neine echt künstlerische; niemals kehrt er in verwerflicher Weise den\nVirtuosen heraus, wohl aber zeigt er den Meister, der im Stande\nist, den Geist Mozart's und Beethoven's auf die edelste und reinste\nWeise im Tone zu verkörpern und in der schönsten Form zur An-\nschauung zu bringen. In der g 1 e ich e n Tüchtigkeit für das moderne\nVirtuosenthum und das classisehe Spiel dürfte er keinen Nebenbuh-\nler im ganzen Beieiche der Streich-Instrumente haben\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nBerlin. Am 3. December fand iir der ersten Soiree der Frau\nJustizräthin Burchard die Aufführung eines noch ungekannten\nOratoriums von Musik-Director Löwe in Stettin Statt. Es heisst:\n„Das Hohe Lied Salomonis\" und ist als Oratorium von Tel-\nschow gedichtet nach der Uebersetzung des Gedichtes durch den\nProfessor Meyer in Tübingen. Der Componist sagt darüber : „Das\ngrosse Verdienst des Uebersetzers besteht in der Berichtigung des\nGrundgedankens des Liedes, der darin besteht, dass Salomo und der\nHirt verschiedene Personen sind. Nur auf diese Art konnte der kö-\nnigliche Dichter den Grundgedanken wahrhaft königlich darstellen.\"\nDas Orchester des Hof-Operntheaters beabsichtigt vier\nphilharmonische Concerte zu veranstalten, deren Leitung Herr Di-\nreetor Eckert übernommen. In den beiden ersten, noch im Laufe\ndieses Monats zu Stande kommenden Productionen werden die Herren\nDreyschock und Vieuxtemps mitwirken.\nPai'i§. Roger wird am 15. December in einer Vorstellung\nzu seinem Benefiz wieder auftreten. Gegeben werden der erste Act\nder Dame blanche, der letzte des Propheten, der vierte der Favoritin\nu. s. w. Ballet der 1 amen Livry, Ferraris u. s. w. und Pianoforte-\nVorträge von Ascher, Krüger, Goria und Lacombe stehen dabei\nebenfalls in Aussicht, so wie die Unterstützung der Sängerinnen\nAlboni, Miolon-Carvalho, Borghi-Mamo."}]}