{"numero_id": "bm-bmtnabi-1859-12-17-01", "volume": "bmtnabi_1859-12-17_01", "ocr_sha256": "5a3d678aceba2653067112160529f4c3d04e5841cb7271ce3697801fbc670dd1", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1859/12/17_01/bmtnabi_1859-12-17_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591217-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1859-12-17-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-12-17_01#c001", "volume": "bmtnabi_1859-12-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "401", "page_fin": "401", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591217-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "401", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591217-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 447, "texte": "Inhalt.\nPariser Briefe (Opern-Musterung: Herculanum von F. David, Romeo und Julie von Bellini, L'Arne en peine von Flo-\ntow Opera comique:Gevaert, Grisar, Fauconnier, Limnander Thedtre Masse, Gounod u. s. w. Woldemar Bargiel\n(Lebensskizze). Von v. Br Aus Wien (Soireen von C. Debrois van Bruyek Italiänische Oper). Tages- und Unterhal-\ntungsblatt (Köln, Dritte Soiree für Kammermusik, Männergesang-Verein, Fest-Concert Berlin Wien Richard Wagner)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-12-17-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-12-17_01#c002", "volume": "bmtnabi_1859-12-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "401", "page_fin": "405", "image_debut": 1, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591217-01.2.2", "titre_corps": "Pariser Briefe.", "titre_sommaire": "Pariser Briefe.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "401", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591217-01.1.1", "debut_caractere": 449, "fin_caractere_exclue": 4171, "texte": "Pariser Briefe.\n[Op er n-Mus te r ung : Herculanum von Fei. David, Komeo\nund Julie von Bellini, UArne en peine von Flotow OpSra\ncomique: Gevaert, Grisar, Fauconnier, Limnander\nThedtre lyrique: Masse, Gounod, Mozart, Weber,\nDeffes, Gluck.]\nVor Jahresschluss wollen wir die Thätigkeit der fran-\nzösichen dramatischen Componisten noch mustern und die\nErzeugnisse derselben, welche im Jahre 1859 zur Auf-\nführung auf den fünf Opernbühnen von Paris gekommen\nsind, in das Archiv der Niederrheinischen Musik-Zeitung\neintragen.\nDie kaiserliche grosse Oper und die italiänische Oper\nerscheinen ziemlich dürftig; die kaiserliche komische Oper\nhat ausser Meverbeer's Pardon de Ploermel noch vier\nStücke gebracht. Reich erscheinen auch das\nund die Bouffes parisiens.\nAls wirkliche Neuigkeit hat die grosse Oper nur\n„Herculanum\" in vier Acten von Mery und Hadot, Mu-\nsik von Felicien David, gegeben. Seit der ersten Vor-\nstellung am 4. März d. J. hat sich diese Oper gehalten\nund macht auch jetzt noch volle Häuser, während ausser\nihr fast ausschliesslich Meyerbeer und etwa noch Rossini's\nTeil s'ch auf den Anschlagzetteln gerade so wiederholen,\nwie die täglichen Gerichte auf den Karten der ersten Re-\nstaurants. Das Zuströmen der Fremden nach Paris macht\nes allein möglich, dass eine solche Stagnation des Reper-\ntoires der ehemals wirklich grossen und ersten Kunst-\nanstalt Frankr« ichs noch Einnahmen erzielt.\n„Herculanum\" ist der Inbegriff alles dessen, was die\nheutige Spectakel-Oper charakterisirt: Gepränge, Massen\nvon Comparsen, Pracht, Orgien, Decorationen, elektrische\nLicht-Effecte, Feuer, Donner und Blitz, Vesuv, Lava und\n—Musik dazu. Die Composition wird nicht mehr ausge-\nstattet, sondern die Ausstattung wird componirt. Auch\nsagt kein Mensch mehr: „Geht hin und hört!\" sondern\nman ruft und schreibt: „Geht, schaut und bewundert!\"\nUm eine Vorstellung von dem Decorationen-Luxus zu\ngeben, beschreibe ich zunächst die Scene beim Aufrollen des\nVorhangs (das übrigens nicht lange auf sich warten lässt\neinige Tacte Introduction wozu eine Ouvertüre? die\nZuschauer würden dabei ungeduldig werden!). Da siehst\ndu rechts einen Palast mit einer Säulenhalle in etruski-\nschem Styl; purpurne Velaria sind hoch von dem Giebel\nund Fries bis zu den Spitzen der Schiffsmasten im Hafen\nausgespannt; links erkennt man an einer Reihe von Sphin-\nxen das ägyptische Viertel und den Hafen von Hercula-\nnum, und auf dem hinteren Prospect steigen Tempel, Vil-\nlen, Säulenhallen u. s. w. amphitheatralisch vom Mee-\nresstrande zu den Anhöhen empor. Dazu ein Farbenspiel\nund eine Beleuchtung, die einen täuschend wahren italiä-\nnischen Duft herzaubern. Das Ganze ist nach einer Zeich-\nnung in Piranesi's archäologischem Prachtwerke gemalt.\nFerner im ersten Acte Aufzug orientalischer Satrapen und\nFürsten mit allem Zubehör der Prophet Magnus, der\ndie Stelle aus der Offenbarung Johannis über die II—e\nvon Babel der Königin Olympia vorlies't, dabei Verdun-\nkelung des Himmels dann unterirdischer Donner roth-\nglühende Dämpfe steigen auf.\nIm zweiten Acte ein wild romantisches Thal, Säulen-\ntrümmer, zerspaltene Felsen, Grabstellcn der christlichen\nMärtyrer, ein Kreuz, das beim Gebete durch einen Licht-\nstrahl von oben plötzlich erleuchtet wird. „Dieses Gemälde\"\nsagt das Textbuch—„ist von Herrn Desplechin, einem\nunserer grossen Decorationsdichter\ncor).u Nun ja, die Decorateurs sind die Dichter, die Ma-\nschinenmeister die Componisten. Alsdann Donner und Erd-\nbeben, der Blitz erschlägt den Proconsul Nicanor, weil er\nden Gott der Christen läugnet, die Erde verschlingt ihn,\nund aus der Kluft steigt der Satan empor, wirft den römi-\nschen Purpur, den der Proconsul glücklicher Weise mit\nunter die Erde zu nehmen vergessen hat, um seine Schul»"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "402", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591217-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5233, "texte": "tern und erscheint fortan als Proconsul, aus keinem ande-\nren Grunde, als um in einer anständigen Maske unter\nLeuten aufzutreten und seinen Plan, die Menschen am\nFusse des Vesuvs zu verderben, auszuführen. Denn nach\nden Dichtern des Textes ist der Ausbruch des Vulcans\nein Werk des Teufels. Uebrigens bewährt er sich auch\nnoch zuvor als Zauberer, indem er den hinteren Prospect\naufziehen lässt und dem armen Christenkinde Lilia den\nprächtigen Palast der Olympia als Vision zeigt, wo ihr ge-\nliebter Helios der Königin zu Füssen liegt. Man merke,\ndass Helios in dieser Phantasmagorie eine Arie singt\nganz neu!\nWeiter. Im dritten Acte die Gärten der Königin. Im\nHintergrunde rechts ein Tempel des Hercules; links in\nnebeliger Ferne Neapel amphitheatralisch am Meerbusen\nvon Bajä; im Mittelgrund die Siegessäule des Titus.\nBallet, Bacchusdienst mit gelehrtem Putz: Io Bacchus!\nLyaeus, Nysaeus, Dionysos (Anmerk. „Oder Dionysius\"\n—auch nicht übel!).\nDer ganze vierte Act spielt unter immerwährendem\nErdbeben. Man sieht den auf Säulen (nach den Ruinen von\nPaestum gemalt) ruhenden Altan des Palastes der Königin,\nlinks eine Sphinx-Allee nach dem Tempel der Isis, im Hin-\ntergrunde eine Wasserleitung vom Fusse des Vesuvs nach\nHerculanum. Die Verheerung hat jenseit des Berges be-\ngonnen, alle Augenblicke hört man hinter der Scene das\nKrachen von Einstürzen; unter der Erde Donner, in den\nschwarzen Wolken zuckende Blitze. Satan empört die\nSclaven. Das Christenpaar Helios und Lelia versöhnt sich\nbeim Herannahen des jüngsten Gerichts der Prophet\nMagnus verkündet den Tag des Zorns Satan ruft:\n„Olympia!\" „Gott sei gelobt!\" schreit sie „mein\nBruder Proconsul.\" —„Fehlgeschossen!\" —ruft der Teufel\n„ich bin Satan!\" Der Vesuv öffnet sich, die Lava strömt\njetzt auch auf dieser Seite des Berges herab, und zwar wi-\nder ihre Gewohnheit sehr schnell, weil auf Befehl des Sa-\ntans; alle Gebäude stürzen ein, die Menschen werden ver-\nschlungen— der Vorhang fällt.\nDas ist der Inhalt des Drama's. „Wie? das sind ja\nnur die Decorationen?\" —Nun ja, die Decorationen sind\nder Inhalt; ein anderer ist nicht zu entdecken. Alles, was\nvon Handlung vorkommt, ist Vernunft- und geschmack-\nwidrig und bloss der Decorationen wegen vorhanden. Von\neinem poetischen Grundgedanken, von dem Gegensatz des\nchristlichen und heidnischen Elements oder ihrem Kampfe\ngegen einander ist gar nicht die Rede, man müsste denn\ndie Lästerung begehen, in der rohesten Darstellung der\nLüderlichkeit und in der Profanation des Heiligsten in dem\nMunde des Propheten etwas davon zu suchen.\nWas soll dabei die Musik? Selbst die beste würde nur\neine Bolle spielen wie etwa eine Beelhoven'sche Sinfonie\nbei einem Schmaus und Trinkgelage. Felicien David hat\nvor etwa fünfzehn Jahren mit seiner „Wüste\" Glück ge-\nmacht. Seine zweite Programm-Sinfonie: „Christoph Co-\nlumbus\", war ein sehr schwaches Product. Seine zwei\nopernartigen Oratorien, „Moses\" und „Eden\", waren für\ndie Franzosen zwar etwas Neues, das aber ihren Erwar-\ntungen nicht entsprach; es blieben Versuche, deren Kunst-\nwerth, gegen die Sinfonie-Ode gehalten, gering\nwar und einen offenbaren Rückschritt bekundete. Vor\neinigen Jahren brachte er eine Oper:\nauf die Scene des Theätre lyrique. Sie hatte Erfolg, und\nman kann sagen, es war hübsche Musik darin neben sehr\nweiten Concessionen an den modernen Coloratur-Ge-\nschmack. Sein „Herculanum\" —an diesem Titel mag er\nwohl selbst mit schuld sein, da er keine dramatische Hand-\nlung bezeichnet und in Ungewissheit lässt, ob wir nicht\nbloss eine Schilderungs-Musik, wie in der „Wüste\",zu er-\nwarten haben enthält freilich viele Nummern und viele\nTöne, aber im Grunde nur wenig Musik. Der erste Act\nist jedenfalls von dem Gegebenen noch das Beste; von den\nübrigen Nummern zeigt sich nur noch in dem letzten Mar-\ntyrer-Duett zwischen Helios und Lilia ein gewisser melo-\ndischer Schwung und gute dramatische Factur. David's\nRuhm wird* „Herculanum\" nicht vergrössern, aber seine\nCasse wohl. Wenn es aber so fort geht, wie jetzt, so wer-\nden sehr bald auch die Poetes Ansprüche auf\nEinnahme-Antheil machen, und mit vollem Recht!\nAls zweite Neuigkeit gab uns die grosse Oper im\nAnfange des September die alte Oper:\nMontecchi von Bellini mit französischem Text. Der An-\nschlag nannte sie Romeo et Juliettund erwähnte alsCom-\nponislen bloss Bellini, ohgleich man den vierten Act mit\nder Musik von Vaccai gab, der noch in Italien lebt und\nvor dreissig Jahren seine Oper Bomeo geschrieben hat.\nMan würde kaum begreifen, wie dieDireclion der grossen\nOper dazu gekommen, diese Oper, die nicht einmal mit\nden Puritanern, geschweige denn mit der Norma zu ver-\ngleichen ist, auf die erste französische Opernbühne zu ver-\npflanzen, wenn man nicht wüsste, dass es bloss der Sän-\ngerin Ve stv a 1 i wegen geschehen sei, die in ihrer Glanz-\nrolle, dem Romeo, zuerst dem Publicum vorgeführt werden\nsollte. Nun, sie ist allerdings „der Mann dazu\", wie man\nin Berlin auch von der Wagner sagte, mit der sie viel\nAehnliches hat. Sie ist wie diese eine männliche Schönheit\nund von imponirender Gestalt; man glaubt es ihr, wenn\nsie mit dem Schwerte droht und den Nebenbuhler in jeder\nHinsicht von oben herab behandelt. Die Stimme ist kolos-\nsal; aber leider ist die Künstlerin damit noch nicht zu-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "403", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591217-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5571, "texte": "frieden, sondern schmettert die Töne oft mit einer hercu-\nlischen Kraft aus der Kehle heraus, durch welche die\nschöne Klangfülle untergeht und der Ausdruck ein durch-\naus falsches, ja, widriges Pathos bekommt. Ueberall, wo\nsie innerhalb der Gränzen der Natürlichkeit bleibt, hat sie\nschöne Töne und zeigt dann auch eine gute Gesangbil-\ndung, da sie selbst einen chromatischen Gang untadelig\nausführte, was bei einem so schwerwiegenden Stimmma-\nterial keine Kleinigkeit ist. Mir ist, als hätte ich früher von\neinem Fräulein Westphal, einer Deutschen mit grosser Alt-\nstimme, reden hören; die hiesigen Zeitungen schreiben\naber, dass Frau Vcstvali eine Polin sei, die in Italien und\nEngland, zuletzt drei Jahre in America gewesen. Sie spielt\nvortrefflich und ist ganz auf den Brettern zu Hause, hat\naber trotz alledem die Oper nicht über acht bis zehn Vor-\nstellungen auf dem Repertoire halten können, während\nRobert der Teufel bereits über vierhundert zwanzig Vor-\nstellungen hinaus ist.\nDer vierte Act von Vaccai ist übrigens bedeutender,\nals der von Bellini. Vor Vaccai hatte Steibelt in Paris\nund noch früher Zingarelli in Italien denselben Stoff als\nOper bearbeitet. Steibelt's Composition war bald verges-\nsen, Zingarelli's Arbeit hielt sich länger, besonders auch\ndurch die Pasta, die den Romeo sang. Die berühmteste\nScene war die Schluss-Scene, das Recitativ\ncoremit der Arie Ombra adora —die vielleicht\neher für Concertleistungen wieder hervorgeholt zu werden\nverdiente, als manches Andere von älteren Italiänern, das\njetzt auf die Programme kommt, weil es einmal Mode ist,\ndem modernen Flitterstaat einen antiken Lappen aufzu-\nheften, als wenn das dem Programm einen classischen\nGeist einweben könnte! Auch der treffliche alte Bach muss\nzu dem Zwecke oft herhalten und wird dabei mitunter in\nGesellschaft von sehr zweideutigem Ruf gebracht.\nDie zweite alte Neuigkeit war eine Oper von Flo-\ntow, so viel ich weiss, die erste, die er geschrieben *):\n& Arne en peine („Die gequälte Seele\"), im Sommer 184Ö\nhier zum ersten Male aufgeführt, jetzt am 4. November\nd. J. wieder aufgenommen. Der Charakter der Musik ist\nein ganz anderer, als man ihn von dem Componisten der\nMartha erwartet; er ist düster wie der Text, und ausser\neinigen Lieder-Melodieen erhebt sich nichts über das Ge-\nwöhnliche und hübsch Gemachte. Die Handlung, gespen-\nsterhaft romantisch, beruht auf der Sage, dass eine Seele,\ndie keine Ruhe findet, nur demjenigen, der sie wahrhaft\ngeliebt hat, bei ihren Wandlungen auf Erden sichtbar\nwird. Die arme Seele, Paula genannt, stibitzt unsichtbar\ndem ungetreuen Grafen den Verlobungsring in dem Augen-\nblicke, wo er ihn seiner Braut an den Finger stecken will,\nzieht aber den aus Liebe zu ihr wahnsinnig gewordenen\nFranz, dem sie sichtbar erscheint, auf glänzender Wolke\nmit sich empor. Ist das nicht schauerlich?—Man begreift,\ndass diese „ruhelose Seele\" auf dem Repertoire sehr bald\nwieder die ewige Ruhe gefunden hat.\nVon den Italiänern kann ich nicht viel sagen; es\nerben sich „ihre Rechte wie eine ewige Krankheit fort\",\noder mit schmeichelhafteren Worten: Toujours perdrix.\nIhr Personal: Soprane: Mad. Penco und Bettini; Contra-\nAlt: Mad. Alboni und Acs;\nMad. Cambardi und Lustani; Tenöre: Gardoni, Tamber-\nlik, Lucchesi, Morini; Baritone: Badiali, Graziani, Merlv\n(neu, früher Zögling des hiesigen Conservatoriums—schöne\nStimme); Bässe: Angelini, Patriossi (?); Buffo:\nZucchini. Orchester-Dirigent Bonetti. Zum ersten Male\nkeine Grisi, keine Frezzolini, kein Mario. Indess die oben\nGenannten sind auch längst über die Jahre der Debüts\nhinweg. Von Donizetti sollen zwei weniger gekannte Opern:\nFurioso und La Regina di Goin Scene gehen, von\nMeyerbeer 11 Crociato,von Mozart\nund 11 flauto magico!—ausserdem Rossini, Flotow, Verdi.\nVon der Direction wurde im November auch eine neue\nOper von Rossini: Un curioso Accöffentlich an-\ngekündigt. Der alte Meister sah aber in dieser Ankündi-\ngung mehr als einen „curiosen Zufall\" und schrieb dem\nUnternehmer und Speculanten Calzado folgenden Brief:\n„Mein Herr! Man sagt mir, dass der Anschlagzettel\nIhres Theaters eine neue Oper von mir ankündigt unter\ndem Titel: Zln curioso Accidente.lch weiss nicht, ob ich\ndas Recht haben werde, die Vorstellung einer Zusammen-\nstellung (in zwei oder mehr oder weniger Acten von alten\nStücken von mir zu verhindern; ich habe mich nie um der-\nartige Fragen in Bezug auf meine Werke bekümmert;\nübrigens trägt keines von allen, um das im Vorbeigehen\nzu sagen, den Titel Un curioso Jedenfalls wider-\nsetze ich mich nicht der Aufführung dieses Aber\nich kann nicht zugeben, dass Sie das Publicum Ihres\n[*J\n\n*') Flotow hatte vorher in Paris schon mehrere französische Opern\ngeschrieben, von denen Le JS anfrage de la Meduse (1838) den\nmeisten Erfolg für den Augenblick hatte, allein dennoch wie-\nder vergessen wurde Auch die deutsche Oper „Stradella\" ist\nvor der Arne en peitie componirt. Einen Beweis von der\nNachlässigkeit und Unzuverlässigkeit, mit welcher diejenigen\nArtikel, für welche der Herausgeber keine Vorarbeiten benutzen\nkann, in dem Ulliversal - L e x i k o n der Tonkunst von\nEd. Bernsdorf aufs Papier geworfen sind, gibt der nur\ndreissig Zeilen lange über Friedrich von Flotow, in welchem\nunter Anderem zu lesen ist: „VArne en peine oder im Deut-\nschen: Martha, oder der Markt zu Richmondü\" Und\ndas ist alles, was Ed. Bernsdorf über die Martha zu sagen\nweiss, die doch, abgesehen von dem Werth oder Unwerth der\nComposition, schon desswegen eine bedeutende Stelle in der\nGeschichte der deutschen Oper einnimmt, weil sie den Lauf\num die Welt macht. Die Redaction."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "404", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591217-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5322, "texte": "Theaters und Ihre Abonnenten glauben machen, dies sei\neine neue Oper, erstens von mir, und zweitens, dass ich\nirgendwie Theil an der Zurechtmachung des Stückes habe.\nO\nIch muss Sie also bitten, das Wort neu auf Ihrem Zettel\nzu streichen und meinen Namen als Componisten wegzu-\nlassen, und Beides durch folgende Worte zu ersetzen:\n„ „Eine Oper, welche nach Rossini'schen Musikstücken von\nHerrn Berettoni zusammengestellt ist.\"\" lch lch verlange,\ndass der morgende Zettel diese Aenderung bringe; wo\nnicht, so sehe ich mich gezwungen, von den Gerichten zu\nfordern, was ich von Ihrer Loyalität fordere. Empfangen\nSie u. s. w.\" Unterzeichnet: „Gioachimo Rossini.\"\nDem gerechten Verlangen wurde natürlich sofort ent-\nsprochen, aber die Lüge hatte ihre Wirkung gethan, und\nder curioso Aeeidente füllte wenigstens Ein Mal (am 26.\nNovember) das Haus! Das erbärmliche Machwerk wurde\nübrigens trotz aller lleclamationen par\nstice aufgeführt; das Publicum aber „lynchte\" es, und mit\nder einmaligen Vorstellung war der Scandal aus.\nDie Opera comique macht mit Meyerbeer's Pardon\nde Ploermelfortwährend Geschäfte. Ausserdem hat sie ge-\nbracht: Le diable au moulin,Musik von Gevaert, ein\nAct; Voyage autour de ma chaMusik von Alb. Gri-\nsar, ein Act; La Pagode,zwei Acte, von St. Georges, Mu-\nsik von Eauconnier; zuletzt Yvonne, drame lyrique en\ntrois aetes de M. Scribe, Musik von Limnander.\nSonderbar! die komische Oper, der eigentliche Heerd\nder französischen Nationalmusik, angeschürt von einem\nDeutschen und vier Belgiern! Nehmen wir dazu noch\nbei den Boujfes parisien sderen Haupt-Componisten Ja-\nkob Offenbach aus Köln und Elotow aus Schwerin\nmit der Venve Grapin,so könnte man fast schliessen, dass\ndie komische Ader in der Musik keineswegs mehr aus-\nschliesslich bei den Franzosen sprudelte. Dagegen muss\nman ihnen lassen, dass sie die Gattung selbst und was\ndarin geleistet wird, besser zu würdigen wissen, als die\nDeutschen und die Belgier.\nGevaert' s Le diable au (den 13. Mai) ist eine\namüsante Posse, die ihren Stoff und ihre Wirkung, wie\nzehn bis zwölf andere Stücke bereits gethan, aus Shake-\nspeare's „bezähmter Widerspenstigen\" geschöpft hat\nnur ist es diesmal ein Er, der Müller Anton, der den Teu-\nfel im Leibe hat, und die schlaue Marthe zähmt ihn durch\nnoch tollere Teufeleien, wie er selbst macht. Auch mit\nder hübschen Oper von Masse: Les noees de Jeannette,\nist die Verwandtschaft da; doch sind Text und Musik weit\nhinter dem Reiz jener Kleinigkeit zurück geblieben. Die\nMusik hört sich gut an, aber von hervorstechenden Zügen\noder gar genialer Erfindung ist selten eine Spur zu finden.\nGespielt wird das Ding aber so allerliebst, mit so vollkom-\nmenem Ensemble und so schlagender Natürlichkeit, dass\nes in hohem Grade ergötzt.\nAuch Grisar erreicht nur in einer oder zwei Num-\nmern der Operette U n voyage die\nAninuth und melodische Feinheit, die seine Musik in frü-\nheren Arbeiten, namentlich in Bon soir Monsieur Panta-\nbn, auszeichnen. Das jetzige Stück ist übrigens kaum mehr\nals ein Vaudevilie.\nDer Componist der zweiactigen Oper La Pagode, die\nam 26. Sept. in Scene ging, Herr Eauconnier, ist auch\nein belgischer Musiker, der vor einigen Jahren mit de Be-\nriot ein Album für Pianoforte und Violine herausgegeben\nhat. Von da bis zur Composition einer Oper ist freilich ein\nstarker Schritt; jedoch zeigen die Ouvertüre und einige\nNummern des zweiten Actes der „Pagode\" kein gewöhn-\nliches Talent und gute Studien. Ein Duett für zwei Bässe\nwurde sogar da capogerufen. Ich glaube nicht, dass die\nOper mehr als zwei Vorstellungen erlebt hat.\nWeit bedeutender ist die neueste Neuigkeit der komi-\nschen Oper: Yvonne,in drei Acten, Text von Scribe,\nMusik von Limnander. Freilich darf man sich nicht an\ndas Prädicat „komisch\" halten, denn diese Oper ist ein\nvollständiges Drama mit sogar sehr erschütternden Scenen\nund mit einem sehr ernsten historischen Hintergrunde,\ndem Kampfe der Vendeer gegen die Bepublicaner oder\nder „Weissen\" gegen die „Blauen\". Auf diesen Hinter-\ngrund hat Scribe mit seiner bekannten Geschicklichkeit\nim Sceniren, Situiren und Contrastiren eine ziemlich ver-\nwickelte Handlung gezeichnet, in welcher die Heldin des\nStückes, Yvonne, eine Pächterin in der Vendee, sich durch\nden Conflict zwischen patriotischem Royalismus und Mut-\nterliebe, zwischen Heroismus und sanfteren Regungen des\nHerzens hindurch ringt. Den Maassstab der höheren Kritik\ndarf man natürlich nicht an das Buch legen, da das Stück\nmehr ein melodramatisches, als ein dramatisches Werk ist.\nDen Kern des Stoffes hat übrigens Scribe, wie er selbst\nsagt, aus einer Novelle von d'Herbouges genommen. Die\nZeit vergeht darin sehr schnell, denn wir machen an Einem\nAbende wenigstens ein ganzes Jahr des Vendeekrieges\ndurch. Die Hauptgruppen, welche sich um Yvonne, die\nihren Mann gegen die Blauen verloren hat, concentriren,\nsind ihre erwachsenen Kinder Jean und Loise und deren\nGeliebten. Jean hat seine Augen zu Blanche, der Tochter\ndes Gutsherrn, eines Hauptes der Royalisten, erhoben,\nLoise liebt aber Robert, einen Soldaten der Republik.\nJean verrichtet natürlich Wunder der Tapferkeit, wird\nOfficier und Ludwigs-Ritter und rückt so allmählich dem\nRange seiner Geliebten näher, bis er in einem hitzigen Ge-\nfechte von Robert, der ihn nicht erkennt, erstochen wird.\nDass er aber nicht von dem Bayonnetstich stirbt, ist wieder"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "405", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591217-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3083, "texte": "eben so natürlich. Er schleicht sich, als Blauer verkleidet,\nnach seinem heimatlichen Pachthofe, wo der arme Junge\nauch erschossen zu werden riskirt. Seine eigene Mutter lässt\nbereits auf ihn anlegen; nur sein Aufschrei: „Meine Mut-\nter!\" rettet ihn und bringt das Stück zu Ende.\nDie Musik zeigt sich als das Werk eines talentvollen\nund mit Ernst strebenden Künstlers. Limnander's Ruf\nhatten schon „Die Montenegriner\", seine erste ernste Oper,\nbegründet. Einige komische Opern, die ihr folgten, hatten\nwenigstens einen Succes d'estime, wenn auch keinen durch-\ngreifenden. Seine gegenwärtige Partitur enthält Stücke,\ndie im grossen Stil geschrieben sind und von bedeutender\nBegabung zeugen; auch ist der Erfolg der Yvonne seit der\nersten Aufführung (am 4. December) im Steigen.\nGleich die Ouvertüre ist nicht von gewöhnlichem\nSchlage. Zwei kleine Duette für Frauenstimmen, eine Ro-\nmanze Jean's (Tenor), ein Quartelt, in welchem Robert\nauftritt, sind recht hübsch; vortrefflich aber das Abschieds-\nDuett zwischen Mutter und Sohn (Yvonne und Jean), als\ndieser ins Feld zieht und sie ihn segnet. Das Finale des\nersten Actes ist ein ausgeführtes Stück voll dramatischen\nLebens, in welchem der Contrast fröhlicher, zur Hochzeit\ngeladener Dauern mit den Empfindungen der Haupt-Per-\nsonen Yvonne, Jean, Blanche und Loi'se musicalisch wirk-\nsam lind mit interessanter Rhythmik durchgeführt ist.\nDer zweite Act hat ein paar Arien der Yvonne, die\nganz gelungen sind; Anderes, z. B. der Schluss der Ro-\nmanze Robert's, das prickelnde Duett zwischen Loi'se und\nRobert, das wenig in die Situation passt und nicht frei von\nmusicalischen Spielereien ist, steht nicht auf derselben\nHöhe. Das Finale ist aber wieder ein grosses Effectstück;\nder Chant du departmischt seine Freiheits-Melodie mit\ndem Vive Henri I V.,dem royalistischen Nationalliede,\nund einem Gebete der bretonischen Frauen um Sieg für\ndie Waffen Charette's. Auch die Zwischenact-Musik com-\nbinirt das bourbonische Lied mit Mehul's republicanischer\nHymne auf geschickte und wirkungsvolle Weise.\nDer dritte Act beginnt mit einfacher ländlicher Musik,\nwelche eine Arie Loisens im leichten Stil abschliesst. Der\npathetische Charakter beginnt wieder mit der grossen Arie\nder Yvonne: .„Mon fite! jetai per du!\" Die Wirkung des\nUebrigen bis zum Schlüsse beruht mehr auf der dramati-\nschen Spannung als auf musicalischer Steigerung.\nEs ist indess keine Frage, dass die ganz vorzügliche\nAusführung der Hauptrolle in Gesang und Spiel durch\nFräul. Wertheimber dem Erfolg gar sehr zu Hülfe ge-\nkommen ist. Sie hatte sich nach ihren ersten Leistungen\n(als Fides und in der Nonne sanglcmte bei der grossen\nOper) zurückgezogen und über ein Jahr lang ernsten Stu-\ndien sich gewidmet. Schon damals bewunderte man ihre\nschöne Stimme; jetzt ist diese grosse Stimme auch eine\nausdrucksvolle, die Seele ergreifende, und die Sängerin\neine Künstlerin geworden, welche, wie auch Berlioz mit\nRecht sagt, „nichts von den abscheulichen Manieren des\ngewöhnlichen pariser Gesanges an sich hat\" und zugleich\neine vortreffliche Schauspielerin ist.\n(Schluss folgt.j"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-12-17-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-12-17_01#c003", "volume": "bmtnabi_1859-12-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "405", "page_fin": "406", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591217-01.2.3", "titre_corps": "Woldemar Bargiel", "titre_sommaire": "Woldemar Bargiel", "signature_source": "v. Br", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "405", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591217-01.1.5", "debut_caractere": 3085, "fin_caractere_exclue": 6023, "texte": "\")•\nWold emar Bargiel, geboren zu Berlin am 3. Üc-\ntober 18*28, ist der Sohn des verstorbenen Musik-Direc-\n\nWoldemar Bargiel\n\n*) Aus der Nr. 1 der neuen Deutschen M u sik - Z ei t u ng ,\nwelche unter der Redaction von Sei mar Bagge vom ]. Ja-\nnuar 'B6O an in Wien bei Wessely und Büsing (vormals H.\nF. Müller's Witwe) erscheinen wird. In dem Vorwort an die\nLeser heisst es: „Ueber den Zeitpunkt, in welchem diese Blät-\nter ins Leben treten, mögen mir einige Worte vergönnt sein.\nDerselbe ist für Wien ein wesentlich anderer, als der war, wo\ndie ~Monatschrift*' auftauchte. Damals (1855) herrschte noch\ndie vollständigste Stagnation im öffentlichen Musikleben Wiens.\nWeder hörte man altere Musik noch neuere in einem für eine\nGrossstadt entsprechenden Verhältnisse. Jetzt stehen die Dinge\nanders: das alte Eis ist gebrochen, und eine Ueberflutung mit\nMusik aller Art ist eingetreten. Gefiel in früheren Jahren das\nNeue meist nicht, weil es neu war, so gefällt jetzt oder\nfindet Anhänger fast alles Neue, weil es neu ist. Unter\nsolchen veränderten Umständen, bei solcher Ausbreitung des\nMusiktreibens und der Vielheit der Parteien, erscheint wohl\nauch die Gründung eines neuen Blattes gerechtfertigt, eines\nBlattes, welches sich zur Aufgabe stellt, gute ältere und neuere\nMeister zu vertreten und sie zu schützen einerseits gegen eng-\nherzige, einseitige Beschränkung, andererseits gegen das über-\nstürzende Verfahren derjenigen, welche heute über Bord wer-\nfen, was sie gestern gepriesen.u Ueber die Tendenz wird u. A-\ngesagt: „Der deutsche Geist ist der Träger höherer Natur-\nNothwendigkeit und einer gesunden Logik im ganzen geistigen\nLeben der Menschheit. Wenn es hiermit seine Richtigkeit hat,\nso wird der deutschen Nation auch in der Musik eine sehr\nbestimmte Mission zufallen. Kaum irgendwo hat sich\nGegenwart so sehr wie in der Musik in die Schlingen eines\nSystems verstricken lassen, welches von dem an sich in ge-\nwissem Maasse wahren, aber in seiner Anwendung an der un-\nrechten Stelle sehr gefährlichen Grundsatze ausgeht, es habe\nnur dasjenige eine Berechtigung und innere Wahrheit, was aus\ndem „ ~Zeitbewusstseinu\" geboren sei, und das, was in diesem\nthatsächlich gegeben sei, sei eben darum auch naturnothwen-\ndig und göttlich. So hat sich ein grosser Theil der Zeitgenos-\nsen, verleitet durch den Reiz des Neuen und verblendet von\n* der lockenden Verlieissung, man stehe in der Kunst jetzt\neigentlich erst nahe daran, den Stein der Weisen zu finden,\nauch in der Musik dem seltsamen Streben zugeneigt, den Fa-\nden des organischen Zusammenhangs mit der \\ ergangenheit\nabzureissen, das Gesetz der geschichtlichen Entwicklung für\nverlebte Ordnung einer überwundenen Periode geistiger Un-\nmündigkeit zu erklären und Heil und Leben ausschliesslich in\nder Begründung einer neuen Ordnung zu suchen, welche ihre\nGesetze lediglich in sich selber tragen soll. Das, was man\nvorzugsweise Zukunftsmusik nennt, hat eben hierin seine eigen-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "406", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591217-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4927, "texte": "Tors Bargiel, welcher die von Logier in Berlin errichtete\nMusikschule nach dessen Rückkehr nach England über-\nnommen hatte und in dieser nach der Methode ihres Grün-\nders Musik-Unterricht ertheilte.\nVon Jugend auf zur Musik angehalten, entwickelte sich\nin W. Bargiel bald Liebe und Talent für dieselbe, so dass\ner, als er in seinem zehnten Jahre den Vater verlor, sich\ndurch Selbststudium in der Theorie und im Ciavierspiel\nweiter bilden konnte. Seine schöne Altstimme kam ihm\nhierbei sehr zu Hülfe, da er wegen derselben als Solist\nin den königlichen Dom-Chor, welcher zu jener Zeit unter\nGrell's und Mendelssohn's Leitung stand, aufgenommen\nwurde. Alle Zeit, die ihm der Besuch der Schule und des\nGymnasiums übrig liess, widmete er der Musik, die er denn\nauch später zu seinem Berufe wählte. Bis 1846 blieb er\nin Berlin, nahm Violin-Unterricht, spielte Orgel und stu-\ndirte bei Professor Dehn Contrapunkt. Im Frühjahr 1846\nwurde er in das Conservatonum zu Leipzig aufgenommen,\nwo er durch ein von ihm componirtes Streich-Octett, wel-\nches bei einer Prüfung gespielt wurde, zuerst die beson-\ndere Aufmerksamkeit seiner Lehrer auf sich zog. Von die-\nsen zu weiteren Productionen angespornt, wandte er seine\nThätigkeit immer mehr der Composition zu, und noch wäh-\nrend seiner Studienzeit in Leipzig erschienen bei WhistSing\nund Senff seine Op. 1 und 2 (-3 Charakterstücke und 1\nNachtstück); 1849 ging er nach Berlin zurück, componirte\nund gab Unterricht, bis er vor einigen Monaten ein En-\ngagement als Lehrer am Conservatorium zu Köln annahm.\nn o\nZwischen jenen musicalischen Autoren, die ihr Heil\nvornehmlich in der Conservirung traditioneller Formen,\nund jenen, die es in vermeintlicher aussermusicalischer Be-\ndeutsamkeit des Inhalts suchen, gehen jene hindurch, wel-\nche Inhalt, d. h. musicalischen Inhalt, mit individuel aus-\ngeprägter Form zu verbinden bestrebt sind. Sie dürfen\nwohl die eigentlich Begabten zu nennen sein, und unter\nihnen gebührt Woldemar Bargiel nicht die geringste Stelle.\nWenn es jüngst in der Kritik einiger neueren Arbei-\nten Bargiel's, welche die leipziger Neue Zeitschrift für Mu-\nsik brachte, hiess, es sei erfreulich, wahrzunehmen, wie\ndieser Componist sich ohne jegliche Claque-Manöver all-\nmählich geltend machte, so stimmen wir mit dieser nur die\nvolle Wahrheit aussprechenden Ansicht durchaus überein,\nbewundern aber zugleich die künstliche Naivetät des Or-\ngans, welches sie ins Feld führt und sich dadurch die Miene\ngeben will, als ob der Ausdruck „Claquc\" nicht das Min-\ndeste enthielte, wodurch ihr Gewissen betroffen werden\nkönnte.\nBargiel gehört ganz und gar der Schumann'schen\nRichtung an, aber im reinsten Sinne; er folgt ihr aus in-\nnerer Notwendigkeit, weil ähnliche Elemente in ihm thä-\n> i\ntig sind, weil auch in ihm der allgemeine Pulsschlag der\nZeit lebhaft wogt. Ein düsteres Pathos ist der vorherr-\nschende Grundton, wie der Schumann'schen, so auch der\nBargiel'schen Muse. Man wird ihr hoffentlich daraus kein\nVerbrechen machen wollen. In der gesammten modernen\nKunst herrscht das Pathos vor, und muss es [?] vermöge\ndes causalen Zusammenhanges der Kunst mit dem Leben.\nNur sei es kein roh individuelles, nur fehle es nicht ganz\nam Gegensatz, der uns erkennen lässt, dass es kein aus-\nschliesslicher Mangel in der Natur des Künstlers ist, wenn\ndie Welt eben so auf ihn wirkt, wie sie aus seinem Bilde\nzu uns spricht. Nur endlich und vor Allem halte sieh die-\nses Pathos nicht berechtigt, die ewigen Kunstgesetze zu\nzertrümmern, sondern bleibe sich bewusst, nur die Abwei-\nchung vom Grundtone zu sein, in den es immer wieder\nzurückkehren muss, wenn nicht die Aufhebung aller\nWeltordnung proclamirt werden soll.\nWien.\n\nthümliche Bedeutung. Die Frage wird hier sein, ob diese neuen\nmusicalischen Strebungen aus neuem geistigem Leben oder aus\ngeistigem Bankerott und geistiger Zersetzung geboren sind ;\nob auf dem eingeschlagenen Wege eine neue grosse Kunst-\nEpoche heraufgeführt oder ein Triumph der Unnatur und Lüge\nüber die Wahrheit der Kunst vorbereitet werden wird. Diese\nFragen können der musicalischeu „„Mission\"\" des deutsehen\nVolkes nun nicht in dem Sinne zum Austrag zugewiesen wer-\nden, als ob dasselbe ~ „nach dem allgemeinen Stimmrecht\"\"\ndarüber zu entscheiden hätte Man kann es heutzutage nicht\ngenugsam einschärfen, dass in Dingen der höheren Wahrheit\ndie Stimmen nicht gezählt, sondern gewogen werden. Auf wel-\ncher Seite hier nun die Wahrheit zu finden, auch die\nDeutsche Musik-Zeitung wird nicht als ein Orakel auftreten,\num diese brennende Frage der musicalischen Gegenwart zur\nEntscheidung zu bringen Sie wird sich nicht als Organ der\nwechselnden, unzuverlässigen Volksmeinung, aber desto\nzuversichtlicher als eine Arbeitsstätte des ringenden Volks-\ngeistes geberden, indem sie ruhig und leidenschaftslos den\neigentümlichen Entwicklungsgang der modernen Musik darauf\nansieht, ob und in wie weit ihm eine künstlerische Berechti-\ngung zukommt\" u. s. w.\n\nv. Br."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-12-17-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-12-17_01#c004", "volume": "bmtnabi_1859-12-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "406", "page_fin": "407", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591217-01.2.4", "titre_corps": "Aus Wien.", "titre_sommaire": "Aus Wien.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "406", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591217-01.1.6", "debut_caractere": 4929, "fin_caractere_exclue": 5789, "texte": "Aus Wien.\nDie Soireen des Herrn C. Debrois van Bruyck, deren erste\nam 30. November im Saale der Sing-Akademie Statt fand, dürften\neine ganz eigenthümlich interessante Stelle unter den musicalischen\nGenüssen dieser Siiison einnehmen. Ein anerkannter musicalischer\nSchriftsteller, ein strebsamer, aus einem wirklich vorhandenen inne-\nren Fonds schöpfender Componist tritt in die Reihe der ausübenden,\nsich öffentlich producirenden Künstler auf dem Pianoforte. Will er\nmit den Virtuosen des Tages um den Preis ringen? Will er seine\nkritischen Abhandlungen über Ciavierspiel und Composition durch\neigene Vorträge illustriren? Die Absicht des Herrn Debrois ist, wenn\nwir ihn recht verstehen, eine andere, anspruchslosere. Es gilt ihm,\neine Reihe von dem persönlichen Ehrgeiz der modernen Künstler mit\nUnrecht in den Hintergrund gedrängter musicalischer Werke, deren"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "407", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591217-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4036, "texte": "Werth nicht nur in der technischen Schwierigkeit ihrer Ausführung\nliegt, würdig zu Gehör zu bringen und bei dieser Gelegenheit das\ngrössere Publicum auch mit einigen eigenen Compositionen bekannt\nzu machen. Was der erstere Zweck erheischt, kann Herr Debrois\nsich wohl rühmen, zu besitzen : ein sicheres, tadelloses Spiel, einen\nkräftigen, den Concertsaal ausfüllenden Ton und vor Allem eine ge-\ndiegene, durchaus selbstständige Auffassung, die sich dem empfäng-\nlichen Hörer in unmittelbarer Wirkung wohlthätig mittheilt. Im ge\nraden Gegensatze zu dem Virtuosenthum, dessen sichtlich um sich\ngreifender Verfall eines der wenigen erfreulichen Zeichen der Zeit\nist, gibt sich unser Künstler dem Geiste des Meisters, den er vor-\nzutragen hat, mit selbstverläugnender Treue hin; Geschmack und\nPietät bewahren ihn gleich sehr vor jeder subjectiven Beigabe, wel-\nche nur irgend den ursprünglichen Charakter des Werkes verfälschen\nkönnte. So spielte Herr Debrois in seiner ersten Soiree die (aller-\ndings sehr bekannte) Sonate von Beethoven in C (Op. 2, Nr. 3) sei-\nnem gewählten musicalischen Publicum recht willkommen, eine ganze\nSuite von Bach, Nr. 6 der französischen Suiten, und endlich unga-\nrische Rhapsodieen von Liszt. Die Wahl der letzteren freilich war\nunserer Meinung nach nicht im Geiste der diesen Soireen gestellten\nAufgabe; sie war vielleicht die einzige Concession, welche der Con-\ncertgeber dem Ehrgeize seiner Finger machen wollte. In der That\nspielte er die schwierigen Nationallieder (wir wissen nicht, ob sie\nden Magyaren oder den Zigeunern angehören) mit ausserordentlicher\nFertigkeit und Kraft, wenngleich nicht mit jener todesverachtenden\nWaghalsigkeit, wie wir sie bei den Virtuosen von Fach zu finden\ngewohnt sind. Drei von Herrn Debrois componirte, von Herrn Olsch-\nbauer angemessen vorgetragene Lieder sind von sehr verschiedenem\nWerthe; „Der junge Schiffer\" (Hebbel) ist schön erfunden und voll\nStimmung, in den „Nachtgedanken4' (Göthe) die tiefsinnige Reflexion\ndes Dichters glücklich dargestellt; dagegen leidet die Ballade „Der\nSt.-Georgs-Ritter\" (Uhland) an Längen, für welehe man durch Me-\nlodie nur wenig entschädigt wird. Der Erfolg des Concertes bei dem\nmeist aus Künstlern und Kunstverständigen gebildeten Publicum\nwar ein sehr ehrenvoller.\nDie italiänischen Opern-Aufführungen unter Leitung des Herrn\nMatteo Salvi werden im Laufe des Frühjahrs im Theater an der\nWien Statt finden. Es sollen ausser den gewöhnlichen Repertoire-\nOpern von Bellini, Donizetti, Rossini, Verdi noch einige theils für\nhier ganz neue, theils seit längerer Zeit nicht gehörte Opern aus\ndem nachstehenden Verzeichniss zur Aufführung gelangen. Donizetti:\nPolliuto, Fausta, Parisina, L'ajo nelV imbarazzo. Fioravanti: Le\ncantalrici villane. Mozart: Cosi fan tutle. Paccini: Safj'o,\nRicci: II birago di Preston, Crispin e la comare. Rossini: Semi-\nramide, L assedio di Curinla, II conte Ory, Ii turco in Jtaha. - Sal-\nvi : Calarina Hovard. Unter den engagirten Prima-Donnen befin-\nden sich die Damen Lafon, La Grua, Borghi-Mamo und Alboni,\nwelche sich im Laufe der Saison ablösen dürften. Dass sich unter\nden engagirten Tenoristen und Baritonisten kein in Wien bereits be-\nkannter Sänger befindet, darf jedenfalls als ein gutes Zeichen ange-\nsehen worden ; wenigstens ist uns die Hoffnung auf ein gutes En-\nsemble dadurch nicht benommen. Ungern vermissen wir jedoch\nEverardi, Zucchini und Angelini. Chor und Orchester werden na-\ntürlich vervollständigt; Salvi und Suppe fungiren als Capellmeister,\ndie sämmtliche Garderobe wird neu hergestellt. Das Abonnement\nwird auf mindestens 40 Vorstellungen eröffnet werden für den Zeit-\nraum von zehn Wochen, ungefähr vom 20. März bis 5. Juni (in welche\nZeit auch die Charwoche fällt], mit fünf \\orstellungen wöchentlich.\nDie Preise der Plätze sind noch nicht alle festgesetzt, jedoch dürfte\ndie Unternehmung von dem richtigen Princip ausgehen, die Preise\nder ersten Piätze sehr hoch zu stellen, um dem grösseren Publicum\nden Besuch der italiänischen Oper möglichst billig gewähren zu\nkönnen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-12-17-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-12-17_01#c005", "volume": "bmtnabi_1859-12-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "407", "page_fin": "408", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591217-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "407", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591217-01.1.7", "debut_caractere": 4038, "fin_caractere_exclue": 7163, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMofina. Dinstag den 13. December brachte die dritte Soiree\nfür Kammermusik im Hotel Disch das Violin-Quartett von Men-\ndelssohn, Op. 13 in A-moJl, die Sonate für Pianoforte und Vio-\nline in l)-moll9 Op. 121, VOn Robert Schumann und (ab!) das\nQuartett in G-dur von Beethoven. „Mein Gott! aus Op. 18 von\nBeethoven? das gehört ja in die Periode des Ueberwundenen! Also\nbedeutet das Ah! in Parenthese wohl einen ironischen Ausruf?\"\nIch glaube nicht; mir schien es, als wäre es das Echo des freudigen\nAufathmens der Zuhörerschaft gewesen. Dem sei nun, wie ihm wolle,\ndie Ausführung war überall gut; beim Vortrag der Sonate eminente\nBravour und Kraft auf dem Piano (Breunung) und der Violine\n(O. von Königslöw). Die Frage, für wen (nicht, vor wem)\nwerden im Hotel Disch Sachen wie Mendelssohns\nmit seinen sonderbaren, nichts weniger als schön klingenden Imita-\ntions-Studien, bei denen die Noten mit dem guten Geschmack fast\nunaufhörlich durchgehen, und Schumann's kolossale Sonate ge-\nspielt, dürfen wir nicht wieder aufwerfen, weil '— sie doch nicht\naufrichtig beantwortet wird. Aber die alte Hamlet-Frage: „Sein oder\nNichtsein?\" könnte am Ende bei fortgeführten Programmen fürs\nAusland (Leipzig, Weimar u. s. w.) hier wieder auftauchen.\nDer kölner Männergesang-Verein hat ein Abonnement\nauf drei Concerte im Casinosaale eröffnet, von denen das erste\nam 8. d. Mts. Statt fand und zahlreich besucht war. Es wurden fast\nlauter neue Gesänge vorgetragen, unter anderen drei von Niels W.\nGade („Thurm wächterlied\", „Die Rose\" und „Warnung vor dem\nRhein\" aus der Sammlung, die dem hiesigen Vereine vom Compo-\nnisten gewidmet ist), von Jul. Rietz das „Morgenlied\"; ausserdem\nvon Marschner, Mendelssohn und Reinecke („Scolie\").\nUeber die ausgezeichneten Violoncell-Vorträge des Herrn Piatti ha-\nben wir schon in voriger Nummer berichtet.\nBei dem EröfFnungsfeste der Rhein-Eisenbahn Köln- Mainz\nam 15. d. Mts. trug der kölner Männergesang-Verein in\nder Königshalle des neuen Centrai-Bahnhofes bei Ankunft Sr. Kö-\nniglichen Hoheit des Prinzen Friedrich Wilhelm mit dem Fest-\nig\nzuge von Mainz einen „Sängergruss\" vor, eine Zusammenstellung\nvon verschiedenen Lieder-Compositionen mit neu untergelegten, auf\ndie Festlichkeit bezogenen Textesworten.\nNach dem Festmahle im Gürzenich fand Abends 9'/2 Uhr ein\nConcert im schön geschmückten Casinosaale Statt. Das Programm\nbrachte Mendelssohn's Ouvertüre „Meeresstille und glückliche\nFahrt\", einen Fest-Chor von F. Hiller, Text von G. Pfar-\nrius, die Romanze aus ,Templer' von Marschner, zwei\nLieder („Ständchen\" von F. Schubert und „Frühlingslied\" von\nR. Schumann) und das Hallelujah von Händel. Die Sologesänge\nwurden von Herrn Nie mann aus Hannover mit der frischen und\nklangmächtigen Stimme, die niemals ihres Eindrucks verfehlt, vor-\ngetragen. Sehr zu bedauern war es, dass Ii au lemann-Sce-\nbach nach ihrer Ankunft hier von so bedeutendem Unwohlsein be-\nfallen wurde, dass es ihr unmöglich war, zu erscheinen. So musste\nder Prolog von W. Müller von Königswinter und die De-\nclamation mit freier Pianoforte-Begleitung durch Capellmeister F.\nHill er ausfallen."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "408", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591217-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3670, "texte": "Am 24. November beging in Berlin der königliche Sänger Herr\nZschiesche sein fünfzigjähriges Jubiläum. Derselbe wurde von\ndem General-Intendanten Kammerherrn v. Hülsen und den Mitglie-\ndern der k. Bühne beglückwünscht und ihm von einer Deputation\nderselben ein werthvoller silberner Pocal zum Geschenk überreicht.\nAuf dem Deckel desselben ist der Jubilar als Falstaff dargestellt,\nund an den Seiten zeigt er sich in ' den Rollen des Osmin, Rocco\nundSarastro; ausserdem zieren Ansichten von dem früheren Königs-\nstädtischen Theater und dem k Opernhause den Pocal.\nWien, Das auf dem Friedhofe zu St. Marx enthüllte Denk-\nmal, welches die Stadt Wien Mozart setzen liess, ist ein Kunst-\nwerk, durch das sich Han s G as s er7 s Meissel neuen Ruhm erworben.\nAuf umgitterten Sandsteinplatten erhebt sich der granitne Sockel,\nauf welchem in gebeugter Stellung die in Bronze ausgeführte Muse\nder Tonkunst ruht. Die Figur blickt gebeugten Hauptes zur Erde\nnieder, hält in der Rechten die offene Partitur des Requiem und\nstützt sich mit der Linken, die einen Lorberkranz hält, auf die auf-\ngeschichteten Werke des grossen Tondichters. Wir lesen als Auf-\nschrift der Foliobände: Figaro, Zauberflöte, Symphonieen u s. w.\nDie Ausführung des Postaments zeigt Schönheit und Reinheit. Pas-\nselbe ruht auf einem Piedestal, über dessen Ecken sich vier Cande-\nlaber erheben, deren Mündungen sich aber zu Schalen ausdehnen,\nin welchen am Enthüllungstage Flammen leuchteten. Die Feier\nwurde mit einem Mozart'schen Chor (~Abendlied\") vom Männerge-\nsang-Verein gesungen, eröffnet; hierauf hielt der Herr Bürgermeister\neine kurze Anrede, während die Statue enthüllt wurde. Den Schluss\nbildete ein Chor, dessen Wahl keine glückliche war und statt dessen\ndas Gebet ~0 Isis\" gewiss eine weit mächtigere Wirkung erzielt\nhätte. Es hatten sich zu dieser Feier, welche durch den herrlichsten\nSonnenschein begünstigt wurde, mehrere Tausend Menschen einge-\nfunden, darunter Vertreter aller hiesigen Vereine und viele Künstler.\nAuch den kunstliebenden Grafen Moriz Dietrichstein bemerkte man\nunter den Anwesenden; den würdigen Greis, einen der Wenigen, die\nMozart persönlich gekannt haben, hatten seine achtzig Jahre nicht\nabgehalten, an diesem Acte der Pietät und der Sühne, welchen die\nStadt Wien beging, Theil zu nehmen.\nRichard Wagner, der sich seit einiger Zeit in Paris aufhält\nund den ganzen Winter dort zuzubringen gedenkt, wurde von einem\nTheile der Presse (Revue des deux Mondes, Siecle und besonders Fi-\ngaro) so heftig und in so leichtfertiger Weise angegriffen, dass er\nsich genöthigt sah, in der Europe artisle, einem Blatte, das ihn. be-\nreits mehrmals in Schutz genommen, folgende Entgegnung zu vei-\nöffentlichen: „Seit eilf Jahren bin ich aus Sachsen verwiesen und\nfolglich aus ganz Deutsehland verbannt Ich habe seitdem in der\nFremde zwei Opern componirt, deren eine, Loliengrin, in Deutsch-\nland mit Eriolg aufgeführt wird, die ich aber wegen Mangels eines\nOrchesters nie gehört habe. Ich bin nach Frankreich gekommen, um\nwo möglich meine Musik wenigstens vor einigen Freunden aufführen\nzu lassen. Ich vermeide den Lärm und die iieciaine Ich bin fremd,\nverbannt und habe von Frankreich Gastfreundschaft und freundliche\nAufnahme erwartet. Man nennt mich den ,o,Marat der Musik\"\";\nmeine Compositionen haben keine solche Umsturz-Tendenz, wie man\nzu sagen beliebt; selbst der König, der mich verbannt hat, lässt in\nseiner Residenz meine Opern aufführen und schenkt ihnen Beifall.\nDie französische Presse möge noch etwas warten, vielleicht wird sie\nmieh dann anders beurtheilen, als bloss nach der Aussage einiger\ndeutschen Zeitungen; ich verlange dann nichts Anderes als Unpar-\nteilichkeit,\""}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "401", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591217-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nPariser Briefe (Opern-Musterung: Herculanum von F. David, Romeo und Julie von Bellini, L'Arne en peine von Flo-\ntow Opera comique:Gevaert, Grisar, Fauconnier, Limnander Thedtre Masse, Gounod u. s. w. Woldemar Bargiel\n(Lebensskizze). Von v. Br Aus Wien (Soireen von C. Debrois van Bruyek Italiänische Oper). Tages- und Unterhal-\ntungsblatt (Köln, Dritte Soiree für Kammermusik, Männergesang-Verein, Fest-Concert Berlin Wien Richard Wagner).\n\nPariser Briefe.\n[Op er n-Mus te r ung : Herculanum von Fei. David, Komeo\nund Julie von Bellini, UArne en peine von Flotow OpSra\ncomique: Gevaert, Grisar, Fauconnier, Limnander\nThedtre lyrique: Masse, Gounod, Mozart, Weber,\nDeffes, Gluck.]\nVor Jahresschluss wollen wir die Thätigkeit der fran-\nzösichen dramatischen Componisten noch mustern und die\nErzeugnisse derselben, welche im Jahre 1859 zur Auf-\nführung auf den fünf Opernbühnen von Paris gekommen\nsind, in das Archiv der Niederrheinischen Musik-Zeitung\neintragen.\nDie kaiserliche grosse Oper und die italiänische Oper\nerscheinen ziemlich dürftig; die kaiserliche komische Oper\nhat ausser Meverbeer's Pardon de Ploermel noch vier\nStücke gebracht. Reich erscheinen auch das\nund die Bouffes parisiens.\nAls wirkliche Neuigkeit hat die grosse Oper nur\n„Herculanum\" in vier Acten von Mery und Hadot, Mu-\nsik von Felicien David, gegeben. Seit der ersten Vor-\nstellung am 4. März d. J. hat sich diese Oper gehalten\nund macht auch jetzt noch volle Häuser, während ausser\nihr fast ausschliesslich Meyerbeer und etwa noch Rossini's\nTeil s'ch auf den Anschlagzetteln gerade so wiederholen,\nwie die täglichen Gerichte auf den Karten der ersten Re-\nstaurants. Das Zuströmen der Fremden nach Paris macht\nes allein möglich, dass eine solche Stagnation des Reper-\ntoires der ehemals wirklich grossen und ersten Kunst-\nanstalt Frankr« ichs noch Einnahmen erzielt.\n„Herculanum\" ist der Inbegriff alles dessen, was die\nheutige Spectakel-Oper charakterisirt: Gepränge, Massen\nvon Comparsen, Pracht, Orgien, Decorationen, elektrische\nLicht-Effecte, Feuer, Donner und Blitz, Vesuv, Lava und\n—Musik dazu. Die Composition wird nicht mehr ausge-\nstattet, sondern die Ausstattung wird componirt. Auch\nsagt kein Mensch mehr: „Geht hin und hört!\" sondern\nman ruft und schreibt: „Geht, schaut und bewundert!\"\nUm eine Vorstellung von dem Decorationen-Luxus zu\ngeben, beschreibe ich zunächst die Scene beim Aufrollen des\nVorhangs (das übrigens nicht lange auf sich warten lässt\neinige Tacte Introduction wozu eine Ouvertüre? die\nZuschauer würden dabei ungeduldig werden!). Da siehst\ndu rechts einen Palast mit einer Säulenhalle in etruski-\nschem Styl; purpurne Velaria sind hoch von dem Giebel\nund Fries bis zu den Spitzen der Schiffsmasten im Hafen\nausgespannt; links erkennt man an einer Reihe von Sphin-\nxen das ägyptische Viertel und den Hafen von Hercula-\nnum, und auf dem hinteren Prospect steigen Tempel, Vil-\nlen, Säulenhallen u. s. w. amphitheatralisch vom Mee-\nresstrande zu den Anhöhen empor. Dazu ein Farbenspiel\nund eine Beleuchtung, die einen täuschend wahren italiä-\nnischen Duft herzaubern. Das Ganze ist nach einer Zeich-\nnung in Piranesi's archäologischem Prachtwerke gemalt.\nFerner im ersten Acte Aufzug orientalischer Satrapen und\nFürsten mit allem Zubehör der Prophet Magnus, der\ndie Stelle aus der Offenbarung Johannis über die II—e\nvon Babel der Königin Olympia vorlies't, dabei Verdun-\nkelung des Himmels dann unterirdischer Donner roth-\nglühende Dämpfe steigen auf.\nIm zweiten Acte ein wild romantisches Thal, Säulen-\ntrümmer, zerspaltene Felsen, Grabstellcn der christlichen\nMärtyrer, ein Kreuz, das beim Gebete durch einen Licht-\nstrahl von oben plötzlich erleuchtet wird. „Dieses Gemälde\"\nsagt das Textbuch—„ist von Herrn Desplechin, einem\nunserer grossen Decorationsdichter\ncor).u Nun ja, die Decorateurs sind die Dichter, die Ma-\nschinenmeister die Componisten. Alsdann Donner und Erd-\nbeben, der Blitz erschlägt den Proconsul Nicanor, weil er\nden Gott der Christen läugnet, die Erde verschlingt ihn,\nund aus der Kluft steigt der Satan empor, wirft den römi-\nschen Purpur, den der Proconsul glücklicher Weise mit\nunter die Erde zu nehmen vergessen hat, um seine Schul»"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "402", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591217-01.1.2", "texte": "tern und erscheint fortan als Proconsul, aus keinem ande-\nren Grunde, als um in einer anständigen Maske unter\nLeuten aufzutreten und seinen Plan, die Menschen am\nFusse des Vesuvs zu verderben, auszuführen. Denn nach\nden Dichtern des Textes ist der Ausbruch des Vulcans\nein Werk des Teufels. Uebrigens bewährt er sich auch\nnoch zuvor als Zauberer, indem er den hinteren Prospect\naufziehen lässt und dem armen Christenkinde Lilia den\nprächtigen Palast der Olympia als Vision zeigt, wo ihr ge-\nliebter Helios der Königin zu Füssen liegt. Man merke,\ndass Helios in dieser Phantasmagorie eine Arie singt\nganz neu!\nWeiter. Im dritten Acte die Gärten der Königin. Im\nHintergrunde rechts ein Tempel des Hercules; links in\nnebeliger Ferne Neapel amphitheatralisch am Meerbusen\nvon Bajä; im Mittelgrund die Siegessäule des Titus.\nBallet, Bacchusdienst mit gelehrtem Putz: Io Bacchus!\nLyaeus, Nysaeus, Dionysos (Anmerk. „Oder Dionysius\"\n—auch nicht übel!).\nDer ganze vierte Act spielt unter immerwährendem\nErdbeben. Man sieht den auf Säulen (nach den Ruinen von\nPaestum gemalt) ruhenden Altan des Palastes der Königin,\nlinks eine Sphinx-Allee nach dem Tempel der Isis, im Hin-\ntergrunde eine Wasserleitung vom Fusse des Vesuvs nach\nHerculanum. Die Verheerung hat jenseit des Berges be-\ngonnen, alle Augenblicke hört man hinter der Scene das\nKrachen von Einstürzen; unter der Erde Donner, in den\nschwarzen Wolken zuckende Blitze. Satan empört die\nSclaven. Das Christenpaar Helios und Lelia versöhnt sich\nbeim Herannahen des jüngsten Gerichts der Prophet\nMagnus verkündet den Tag des Zorns Satan ruft:\n„Olympia!\" „Gott sei gelobt!\" schreit sie „mein\nBruder Proconsul.\" —„Fehlgeschossen!\" —ruft der Teufel\n„ich bin Satan!\" Der Vesuv öffnet sich, die Lava strömt\njetzt auch auf dieser Seite des Berges herab, und zwar wi-\nder ihre Gewohnheit sehr schnell, weil auf Befehl des Sa-\ntans; alle Gebäude stürzen ein, die Menschen werden ver-\nschlungen— der Vorhang fällt.\nDas ist der Inhalt des Drama's. „Wie? das sind ja\nnur die Decorationen?\" —Nun ja, die Decorationen sind\nder Inhalt; ein anderer ist nicht zu entdecken. Alles, was\nvon Handlung vorkommt, ist Vernunft- und geschmack-\nwidrig und bloss der Decorationen wegen vorhanden. Von\neinem poetischen Grundgedanken, von dem Gegensatz des\nchristlichen und heidnischen Elements oder ihrem Kampfe\ngegen einander ist gar nicht die Rede, man müsste denn\ndie Lästerung begehen, in der rohesten Darstellung der\nLüderlichkeit und in der Profanation des Heiligsten in dem\nMunde des Propheten etwas davon zu suchen.\nWas soll dabei die Musik? Selbst die beste würde nur\neine Bolle spielen wie etwa eine Beelhoven'sche Sinfonie\nbei einem Schmaus und Trinkgelage. Felicien David hat\nvor etwa fünfzehn Jahren mit seiner „Wüste\" Glück ge-\nmacht. Seine zweite Programm-Sinfonie: „Christoph Co-\nlumbus\", war ein sehr schwaches Product. Seine zwei\nopernartigen Oratorien, „Moses\" und „Eden\", waren für\ndie Franzosen zwar etwas Neues, das aber ihren Erwar-\ntungen nicht entsprach; es blieben Versuche, deren Kunst-\nwerth, gegen die Sinfonie-Ode gehalten, gering\nwar und einen offenbaren Rückschritt bekundete. Vor\neinigen Jahren brachte er eine Oper:\nauf die Scene des Theätre lyrique. Sie hatte Erfolg, und\nman kann sagen, es war hübsche Musik darin neben sehr\nweiten Concessionen an den modernen Coloratur-Ge-\nschmack. Sein „Herculanum\" —an diesem Titel mag er\nwohl selbst mit schuld sein, da er keine dramatische Hand-\nlung bezeichnet und in Ungewissheit lässt, ob wir nicht\nbloss eine Schilderungs-Musik, wie in der „Wüste\",zu er-\nwarten haben enthält freilich viele Nummern und viele\nTöne, aber im Grunde nur wenig Musik. Der erste Act\nist jedenfalls von dem Gegebenen noch das Beste; von den\nübrigen Nummern zeigt sich nur noch in dem letzten Mar-\ntyrer-Duett zwischen Helios und Lilia ein gewisser melo-\ndischer Schwung und gute dramatische Factur. David's\nRuhm wird* „Herculanum\" nicht vergrössern, aber seine\nCasse wohl. Wenn es aber so fort geht, wie jetzt, so wer-\nden sehr bald auch die Poetes Ansprüche auf\nEinnahme-Antheil machen, und mit vollem Recht!\nAls zweite Neuigkeit gab uns die grosse Oper im\nAnfange des September die alte Oper:\nMontecchi von Bellini mit französischem Text. Der An-\nschlag nannte sie Romeo et Juliettund erwähnte alsCom-\nponislen bloss Bellini, ohgleich man den vierten Act mit\nder Musik von Vaccai gab, der noch in Italien lebt und\nvor dreissig Jahren seine Oper Bomeo geschrieben hat.\nMan würde kaum begreifen, wie dieDireclion der grossen\nOper dazu gekommen, diese Oper, die nicht einmal mit\nden Puritanern, geschweige denn mit der Norma zu ver-\ngleichen ist, auf die erste französische Opernbühne zu ver-\npflanzen, wenn man nicht wüsste, dass es bloss der Sän-\ngerin Ve stv a 1 i wegen geschehen sei, die in ihrer Glanz-\nrolle, dem Romeo, zuerst dem Publicum vorgeführt werden\nsollte. Nun, sie ist allerdings „der Mann dazu\", wie man\nin Berlin auch von der Wagner sagte, mit der sie viel\nAehnliches hat. Sie ist wie diese eine männliche Schönheit\nund von imponirender Gestalt; man glaubt es ihr, wenn\nsie mit dem Schwerte droht und den Nebenbuhler in jeder\nHinsicht von oben herab behandelt. Die Stimme ist kolos-\nsal; aber leider ist die Künstlerin damit noch nicht zu-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "403", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591217-01.1.3", "texte": "frieden, sondern schmettert die Töne oft mit einer hercu-\nlischen Kraft aus der Kehle heraus, durch welche die\nschöne Klangfülle untergeht und der Ausdruck ein durch-\naus falsches, ja, widriges Pathos bekommt. Ueberall, wo\nsie innerhalb der Gränzen der Natürlichkeit bleibt, hat sie\nschöne Töne und zeigt dann auch eine gute Gesangbil-\ndung, da sie selbst einen chromatischen Gang untadelig\nausführte, was bei einem so schwerwiegenden Stimmma-\nterial keine Kleinigkeit ist. Mir ist, als hätte ich früher von\neinem Fräulein Westphal, einer Deutschen mit grosser Alt-\nstimme, reden hören; die hiesigen Zeitungen schreiben\naber, dass Frau Vcstvali eine Polin sei, die in Italien und\nEngland, zuletzt drei Jahre in America gewesen. Sie spielt\nvortrefflich und ist ganz auf den Brettern zu Hause, hat\naber trotz alledem die Oper nicht über acht bis zehn Vor-\nstellungen auf dem Repertoire halten können, während\nRobert der Teufel bereits über vierhundert zwanzig Vor-\nstellungen hinaus ist.\nDer vierte Act von Vaccai ist übrigens bedeutender,\nals der von Bellini. Vor Vaccai hatte Steibelt in Paris\nund noch früher Zingarelli in Italien denselben Stoff als\nOper bearbeitet. Steibelt's Composition war bald verges-\nsen, Zingarelli's Arbeit hielt sich länger, besonders auch\ndurch die Pasta, die den Romeo sang. Die berühmteste\nScene war die Schluss-Scene, das Recitativ\ncoremit der Arie Ombra adora —die vielleicht\neher für Concertleistungen wieder hervorgeholt zu werden\nverdiente, als manches Andere von älteren Italiänern, das\njetzt auf die Programme kommt, weil es einmal Mode ist,\ndem modernen Flitterstaat einen antiken Lappen aufzu-\nheften, als wenn das dem Programm einen classischen\nGeist einweben könnte! Auch der treffliche alte Bach muss\nzu dem Zwecke oft herhalten und wird dabei mitunter in\nGesellschaft von sehr zweideutigem Ruf gebracht.\nDie zweite alte Neuigkeit war eine Oper von Flo-\ntow, so viel ich weiss, die erste, die er geschrieben *):\n& Arne en peine („Die gequälte Seele\"), im Sommer 184Ö\nhier zum ersten Male aufgeführt, jetzt am 4. November\nd. J. wieder aufgenommen. Der Charakter der Musik ist\nein ganz anderer, als man ihn von dem Componisten der\nMartha erwartet; er ist düster wie der Text, und ausser\neinigen Lieder-Melodieen erhebt sich nichts über das Ge-\nwöhnliche und hübsch Gemachte. Die Handlung, gespen-\nsterhaft romantisch, beruht auf der Sage, dass eine Seele,\ndie keine Ruhe findet, nur demjenigen, der sie wahrhaft\ngeliebt hat, bei ihren Wandlungen auf Erden sichtbar\nwird. Die arme Seele, Paula genannt, stibitzt unsichtbar\ndem ungetreuen Grafen den Verlobungsring in dem Augen-\nblicke, wo er ihn seiner Braut an den Finger stecken will,\nzieht aber den aus Liebe zu ihr wahnsinnig gewordenen\nFranz, dem sie sichtbar erscheint, auf glänzender Wolke\nmit sich empor. Ist das nicht schauerlich?—Man begreift,\ndass diese „ruhelose Seele\" auf dem Repertoire sehr bald\nwieder die ewige Ruhe gefunden hat.\nVon den Italiänern kann ich nicht viel sagen; es\nerben sich „ihre Rechte wie eine ewige Krankheit fort\",\noder mit schmeichelhafteren Worten: Toujours perdrix.\nIhr Personal: Soprane: Mad. Penco und Bettini; Contra-\nAlt: Mad. Alboni und Acs;\nMad. Cambardi und Lustani; Tenöre: Gardoni, Tamber-\nlik, Lucchesi, Morini; Baritone: Badiali, Graziani, Merlv\n(neu, früher Zögling des hiesigen Conservatoriums—schöne\nStimme); Bässe: Angelini, Patriossi (?); Buffo:\nZucchini. Orchester-Dirigent Bonetti. Zum ersten Male\nkeine Grisi, keine Frezzolini, kein Mario. Indess die oben\nGenannten sind auch längst über die Jahre der Debüts\nhinweg. Von Donizetti sollen zwei weniger gekannte Opern:\nFurioso und La Regina di Goin Scene gehen, von\nMeyerbeer 11 Crociato,von Mozart\nund 11 flauto magico!—ausserdem Rossini, Flotow, Verdi.\nVon der Direction wurde im November auch eine neue\nOper von Rossini: Un curioso Accöffentlich an-\ngekündigt. Der alte Meister sah aber in dieser Ankündi-\ngung mehr als einen „curiosen Zufall\" und schrieb dem\nUnternehmer und Speculanten Calzado folgenden Brief:\n„Mein Herr! Man sagt mir, dass der Anschlagzettel\nIhres Theaters eine neue Oper von mir ankündigt unter\ndem Titel: Zln curioso Accidente.lch weiss nicht, ob ich\ndas Recht haben werde, die Vorstellung einer Zusammen-\nstellung (in zwei oder mehr oder weniger Acten von alten\nStücken von mir zu verhindern; ich habe mich nie um der-\nartige Fragen in Bezug auf meine Werke bekümmert;\nübrigens trägt keines von allen, um das im Vorbeigehen\nzu sagen, den Titel Un curioso Jedenfalls wider-\nsetze ich mich nicht der Aufführung dieses Aber\nich kann nicht zugeben, dass Sie das Publicum Ihres\n[*J\n\n*') Flotow hatte vorher in Paris schon mehrere französische Opern\ngeschrieben, von denen Le JS anfrage de la Meduse (1838) den\nmeisten Erfolg für den Augenblick hatte, allein dennoch wie-\nder vergessen wurde Auch die deutsche Oper „Stradella\" ist\nvor der Arne en peitie componirt. Einen Beweis von der\nNachlässigkeit und Unzuverlässigkeit, mit welcher diejenigen\nArtikel, für welche der Herausgeber keine Vorarbeiten benutzen\nkann, in dem Ulliversal - L e x i k o n der Tonkunst von\nEd. Bernsdorf aufs Papier geworfen sind, gibt der nur\ndreissig Zeilen lange über Friedrich von Flotow, in welchem\nunter Anderem zu lesen ist: „VArne en peine oder im Deut-\nschen: Martha, oder der Markt zu Richmondü\" Und\ndas ist alles, was Ed. Bernsdorf über die Martha zu sagen\nweiss, die doch, abgesehen von dem Werth oder Unwerth der\nComposition, schon desswegen eine bedeutende Stelle in der\nGeschichte der deutschen Oper einnimmt, weil sie den Lauf\num die Welt macht. Die Redaction."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "404", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591217-01.1.4", "texte": "Theaters und Ihre Abonnenten glauben machen, dies sei\neine neue Oper, erstens von mir, und zweitens, dass ich\nirgendwie Theil an der Zurechtmachung des Stückes habe.\nO\nIch muss Sie also bitten, das Wort neu auf Ihrem Zettel\nzu streichen und meinen Namen als Componisten wegzu-\nlassen, und Beides durch folgende Worte zu ersetzen:\n„ „Eine Oper, welche nach Rossini'schen Musikstücken von\nHerrn Berettoni zusammengestellt ist.\"\" lch lch verlange,\ndass der morgende Zettel diese Aenderung bringe; wo\nnicht, so sehe ich mich gezwungen, von den Gerichten zu\nfordern, was ich von Ihrer Loyalität fordere. Empfangen\nSie u. s. w.\" Unterzeichnet: „Gioachimo Rossini.\"\nDem gerechten Verlangen wurde natürlich sofort ent-\nsprochen, aber die Lüge hatte ihre Wirkung gethan, und\nder curioso Aeeidente füllte wenigstens Ein Mal (am 26.\nNovember) das Haus! Das erbärmliche Machwerk wurde\nübrigens trotz aller lleclamationen par\nstice aufgeführt; das Publicum aber „lynchte\" es, und mit\nder einmaligen Vorstellung war der Scandal aus.\nDie Opera comique macht mit Meyerbeer's Pardon\nde Ploermelfortwährend Geschäfte. Ausserdem hat sie ge-\nbracht: Le diable au moulin,Musik von Gevaert, ein\nAct; Voyage autour de ma chaMusik von Alb. Gri-\nsar, ein Act; La Pagode,zwei Acte, von St. Georges, Mu-\nsik von Eauconnier; zuletzt Yvonne, drame lyrique en\ntrois aetes de M. Scribe, Musik von Limnander.\nSonderbar! die komische Oper, der eigentliche Heerd\nder französischen Nationalmusik, angeschürt von einem\nDeutschen und vier Belgiern! Nehmen wir dazu noch\nbei den Boujfes parisien sderen Haupt-Componisten Ja-\nkob Offenbach aus Köln und Elotow aus Schwerin\nmit der Venve Grapin,so könnte man fast schliessen, dass\ndie komische Ader in der Musik keineswegs mehr aus-\nschliesslich bei den Franzosen sprudelte. Dagegen muss\nman ihnen lassen, dass sie die Gattung selbst und was\ndarin geleistet wird, besser zu würdigen wissen, als die\nDeutschen und die Belgier.\nGevaert' s Le diable au (den 13. Mai) ist eine\namüsante Posse, die ihren Stoff und ihre Wirkung, wie\nzehn bis zwölf andere Stücke bereits gethan, aus Shake-\nspeare's „bezähmter Widerspenstigen\" geschöpft hat\nnur ist es diesmal ein Er, der Müller Anton, der den Teu-\nfel im Leibe hat, und die schlaue Marthe zähmt ihn durch\nnoch tollere Teufeleien, wie er selbst macht. Auch mit\nder hübschen Oper von Masse: Les noees de Jeannette,\nist die Verwandtschaft da; doch sind Text und Musik weit\nhinter dem Reiz jener Kleinigkeit zurück geblieben. Die\nMusik hört sich gut an, aber von hervorstechenden Zügen\noder gar genialer Erfindung ist selten eine Spur zu finden.\nGespielt wird das Ding aber so allerliebst, mit so vollkom-\nmenem Ensemble und so schlagender Natürlichkeit, dass\nes in hohem Grade ergötzt.\nAuch Grisar erreicht nur in einer oder zwei Num-\nmern der Operette U n voyage die\nAninuth und melodische Feinheit, die seine Musik in frü-\nheren Arbeiten, namentlich in Bon soir Monsieur Panta-\nbn, auszeichnen. Das jetzige Stück ist übrigens kaum mehr\nals ein Vaudevilie.\nDer Componist der zweiactigen Oper La Pagode, die\nam 26. Sept. in Scene ging, Herr Eauconnier, ist auch\nein belgischer Musiker, der vor einigen Jahren mit de Be-\nriot ein Album für Pianoforte und Violine herausgegeben\nhat. Von da bis zur Composition einer Oper ist freilich ein\nstarker Schritt; jedoch zeigen die Ouvertüre und einige\nNummern des zweiten Actes der „Pagode\" kein gewöhn-\nliches Talent und gute Studien. Ein Duett für zwei Bässe\nwurde sogar da capogerufen. Ich glaube nicht, dass die\nOper mehr als zwei Vorstellungen erlebt hat.\nWeit bedeutender ist die neueste Neuigkeit der komi-\nschen Oper: Yvonne,in drei Acten, Text von Scribe,\nMusik von Limnander. Freilich darf man sich nicht an\ndas Prädicat „komisch\" halten, denn diese Oper ist ein\nvollständiges Drama mit sogar sehr erschütternden Scenen\nund mit einem sehr ernsten historischen Hintergrunde,\ndem Kampfe der Vendeer gegen die Bepublicaner oder\nder „Weissen\" gegen die „Blauen\". Auf diesen Hinter-\ngrund hat Scribe mit seiner bekannten Geschicklichkeit\nim Sceniren, Situiren und Contrastiren eine ziemlich ver-\nwickelte Handlung gezeichnet, in welcher die Heldin des\nStückes, Yvonne, eine Pächterin in der Vendee, sich durch\nden Conflict zwischen patriotischem Royalismus und Mut-\nterliebe, zwischen Heroismus und sanfteren Regungen des\nHerzens hindurch ringt. Den Maassstab der höheren Kritik\ndarf man natürlich nicht an das Buch legen, da das Stück\nmehr ein melodramatisches, als ein dramatisches Werk ist.\nDen Kern des Stoffes hat übrigens Scribe, wie er selbst\nsagt, aus einer Novelle von d'Herbouges genommen. Die\nZeit vergeht darin sehr schnell, denn wir machen an Einem\nAbende wenigstens ein ganzes Jahr des Vendeekrieges\ndurch. Die Hauptgruppen, welche sich um Yvonne, die\nihren Mann gegen die Blauen verloren hat, concentriren,\nsind ihre erwachsenen Kinder Jean und Loise und deren\nGeliebten. Jean hat seine Augen zu Blanche, der Tochter\ndes Gutsherrn, eines Hauptes der Royalisten, erhoben,\nLoise liebt aber Robert, einen Soldaten der Republik.\nJean verrichtet natürlich Wunder der Tapferkeit, wird\nOfficier und Ludwigs-Ritter und rückt so allmählich dem\nRange seiner Geliebten näher, bis er in einem hitzigen Ge-\nfechte von Robert, der ihn nicht erkennt, erstochen wird.\nDass er aber nicht von dem Bayonnetstich stirbt, ist wieder"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "405", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591217-01.1.5", "texte": "eben so natürlich. Er schleicht sich, als Blauer verkleidet,\nnach seinem heimatlichen Pachthofe, wo der arme Junge\nauch erschossen zu werden riskirt. Seine eigene Mutter lässt\nbereits auf ihn anlegen; nur sein Aufschrei: „Meine Mut-\nter!\" rettet ihn und bringt das Stück zu Ende.\nDie Musik zeigt sich als das Werk eines talentvollen\nund mit Ernst strebenden Künstlers. Limnander's Ruf\nhatten schon „Die Montenegriner\", seine erste ernste Oper,\nbegründet. Einige komische Opern, die ihr folgten, hatten\nwenigstens einen Succes d'estime, wenn auch keinen durch-\ngreifenden. Seine gegenwärtige Partitur enthält Stücke,\ndie im grossen Stil geschrieben sind und von bedeutender\nBegabung zeugen; auch ist der Erfolg der Yvonne seit der\nersten Aufführung (am 4. December) im Steigen.\nGleich die Ouvertüre ist nicht von gewöhnlichem\nSchlage. Zwei kleine Duette für Frauenstimmen, eine Ro-\nmanze Jean's (Tenor), ein Quartelt, in welchem Robert\nauftritt, sind recht hübsch; vortrefflich aber das Abschieds-\nDuett zwischen Mutter und Sohn (Yvonne und Jean), als\ndieser ins Feld zieht und sie ihn segnet. Das Finale des\nersten Actes ist ein ausgeführtes Stück voll dramatischen\nLebens, in welchem der Contrast fröhlicher, zur Hochzeit\ngeladener Dauern mit den Empfindungen der Haupt-Per-\nsonen Yvonne, Jean, Blanche und Loi'se musicalisch wirk-\nsam lind mit interessanter Rhythmik durchgeführt ist.\nDer zweite Act hat ein paar Arien der Yvonne, die\nganz gelungen sind; Anderes, z. B. der Schluss der Ro-\nmanze Robert's, das prickelnde Duett zwischen Loi'se und\nRobert, das wenig in die Situation passt und nicht frei von\nmusicalischen Spielereien ist, steht nicht auf derselben\nHöhe. Das Finale ist aber wieder ein grosses Effectstück;\nder Chant du departmischt seine Freiheits-Melodie mit\ndem Vive Henri I V.,dem royalistischen Nationalliede,\nund einem Gebete der bretonischen Frauen um Sieg für\ndie Waffen Charette's. Auch die Zwischenact-Musik com-\nbinirt das bourbonische Lied mit Mehul's republicanischer\nHymne auf geschickte und wirkungsvolle Weise.\nDer dritte Act beginnt mit einfacher ländlicher Musik,\nwelche eine Arie Loisens im leichten Stil abschliesst. Der\npathetische Charakter beginnt wieder mit der grossen Arie\nder Yvonne: .„Mon fite! jetai per du!\" Die Wirkung des\nUebrigen bis zum Schlüsse beruht mehr auf der dramati-\nschen Spannung als auf musicalischer Steigerung.\nEs ist indess keine Frage, dass die ganz vorzügliche\nAusführung der Hauptrolle in Gesang und Spiel durch\nFräul. Wertheimber dem Erfolg gar sehr zu Hülfe ge-\nkommen ist. Sie hatte sich nach ihren ersten Leistungen\n(als Fides und in der Nonne sanglcmte bei der grossen\nOper) zurückgezogen und über ein Jahr lang ernsten Stu-\ndien sich gewidmet. Schon damals bewunderte man ihre\nschöne Stimme; jetzt ist diese grosse Stimme auch eine\nausdrucksvolle, die Seele ergreifende, und die Sängerin\neine Künstlerin geworden, welche, wie auch Berlioz mit\nRecht sagt, „nichts von den abscheulichen Manieren des\ngewöhnlichen pariser Gesanges an sich hat\" und zugleich\neine vortreffliche Schauspielerin ist.\n(Schluss folgt.j\n\n\")•\nWold emar Bargiel, geboren zu Berlin am 3. Üc-\ntober 18*28, ist der Sohn des verstorbenen Musik-Direc-\n\nWoldemar Bargiel\n\n*) Aus der Nr. 1 der neuen Deutschen M u sik - Z ei t u ng ,\nwelche unter der Redaction von Sei mar Bagge vom ]. Ja-\nnuar 'B6O an in Wien bei Wessely und Büsing (vormals H.\nF. Müller's Witwe) erscheinen wird. In dem Vorwort an die\nLeser heisst es: „Ueber den Zeitpunkt, in welchem diese Blät-\nter ins Leben treten, mögen mir einige Worte vergönnt sein.\nDerselbe ist für Wien ein wesentlich anderer, als der war, wo\ndie ~Monatschrift*' auftauchte. Damals (1855) herrschte noch\ndie vollständigste Stagnation im öffentlichen Musikleben Wiens.\nWeder hörte man altere Musik noch neuere in einem für eine\nGrossstadt entsprechenden Verhältnisse. Jetzt stehen die Dinge\nanders: das alte Eis ist gebrochen, und eine Ueberflutung mit\nMusik aller Art ist eingetreten. Gefiel in früheren Jahren das\nNeue meist nicht, weil es neu war, so gefällt jetzt oder\nfindet Anhänger fast alles Neue, weil es neu ist. Unter\nsolchen veränderten Umständen, bei solcher Ausbreitung des\nMusiktreibens und der Vielheit der Parteien, erscheint wohl\nauch die Gründung eines neuen Blattes gerechtfertigt, eines\nBlattes, welches sich zur Aufgabe stellt, gute ältere und neuere\nMeister zu vertreten und sie zu schützen einerseits gegen eng-\nherzige, einseitige Beschränkung, andererseits gegen das über-\nstürzende Verfahren derjenigen, welche heute über Bord wer-\nfen, was sie gestern gepriesen.u Ueber die Tendenz wird u. A-\ngesagt: „Der deutsche Geist ist der Träger höherer Natur-\nNothwendigkeit und einer gesunden Logik im ganzen geistigen\nLeben der Menschheit. Wenn es hiermit seine Richtigkeit hat,\nso wird der deutschen Nation auch in der Musik eine sehr\nbestimmte Mission zufallen. Kaum irgendwo hat sich\nGegenwart so sehr wie in der Musik in die Schlingen eines\nSystems verstricken lassen, welches von dem an sich in ge-\nwissem Maasse wahren, aber in seiner Anwendung an der un-\nrechten Stelle sehr gefährlichen Grundsatze ausgeht, es habe\nnur dasjenige eine Berechtigung und innere Wahrheit, was aus\ndem „ ~Zeitbewusstseinu\" geboren sei, und das, was in diesem\nthatsächlich gegeben sei, sei eben darum auch naturnothwen-\ndig und göttlich. So hat sich ein grosser Theil der Zeitgenos-\nsen, verleitet durch den Reiz des Neuen und verblendet von\n* der lockenden Verlieissung, man stehe in der Kunst jetzt\neigentlich erst nahe daran, den Stein der Weisen zu finden,\nauch in der Musik dem seltsamen Streben zugeneigt, den Fa-\nden des organischen Zusammenhangs mit der \\ ergangenheit\nabzureissen, das Gesetz der geschichtlichen Entwicklung für\nverlebte Ordnung einer überwundenen Periode geistiger Un-\nmündigkeit zu erklären und Heil und Leben ausschliesslich in\nder Begründung einer neuen Ordnung zu suchen, welche ihre\nGesetze lediglich in sich selber tragen soll. Das, was man\nvorzugsweise Zukunftsmusik nennt, hat eben hierin seine eigen-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "406", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591217-01.1.6", "texte": "Tors Bargiel, welcher die von Logier in Berlin errichtete\nMusikschule nach dessen Rückkehr nach England über-\nnommen hatte und in dieser nach der Methode ihres Grün-\nders Musik-Unterricht ertheilte.\nVon Jugend auf zur Musik angehalten, entwickelte sich\nin W. Bargiel bald Liebe und Talent für dieselbe, so dass\ner, als er in seinem zehnten Jahre den Vater verlor, sich\ndurch Selbststudium in der Theorie und im Ciavierspiel\nweiter bilden konnte. Seine schöne Altstimme kam ihm\nhierbei sehr zu Hülfe, da er wegen derselben als Solist\nin den königlichen Dom-Chor, welcher zu jener Zeit unter\nGrell's und Mendelssohn's Leitung stand, aufgenommen\nwurde. Alle Zeit, die ihm der Besuch der Schule und des\nGymnasiums übrig liess, widmete er der Musik, die er denn\nauch später zu seinem Berufe wählte. Bis 1846 blieb er\nin Berlin, nahm Violin-Unterricht, spielte Orgel und stu-\ndirte bei Professor Dehn Contrapunkt. Im Frühjahr 1846\nwurde er in das Conservatonum zu Leipzig aufgenommen,\nwo er durch ein von ihm componirtes Streich-Octett, wel-\nches bei einer Prüfung gespielt wurde, zuerst die beson-\ndere Aufmerksamkeit seiner Lehrer auf sich zog. Von die-\nsen zu weiteren Productionen angespornt, wandte er seine\nThätigkeit immer mehr der Composition zu, und noch wäh-\nrend seiner Studienzeit in Leipzig erschienen bei WhistSing\nund Senff seine Op. 1 und 2 (-3 Charakterstücke und 1\nNachtstück); 1849 ging er nach Berlin zurück, componirte\nund gab Unterricht, bis er vor einigen Monaten ein En-\ngagement als Lehrer am Conservatorium zu Köln annahm.\nn o\nZwischen jenen musicalischen Autoren, die ihr Heil\nvornehmlich in der Conservirung traditioneller Formen,\nund jenen, die es in vermeintlicher aussermusicalischer Be-\ndeutsamkeit des Inhalts suchen, gehen jene hindurch, wel-\nche Inhalt, d. h. musicalischen Inhalt, mit individuel aus-\ngeprägter Form zu verbinden bestrebt sind. Sie dürfen\nwohl die eigentlich Begabten zu nennen sein, und unter\nihnen gebührt Woldemar Bargiel nicht die geringste Stelle.\nWenn es jüngst in der Kritik einiger neueren Arbei-\nten Bargiel's, welche die leipziger Neue Zeitschrift für Mu-\nsik brachte, hiess, es sei erfreulich, wahrzunehmen, wie\ndieser Componist sich ohne jegliche Claque-Manöver all-\nmählich geltend machte, so stimmen wir mit dieser nur die\nvolle Wahrheit aussprechenden Ansicht durchaus überein,\nbewundern aber zugleich die künstliche Naivetät des Or-\ngans, welches sie ins Feld führt und sich dadurch die Miene\ngeben will, als ob der Ausdruck „Claquc\" nicht das Min-\ndeste enthielte, wodurch ihr Gewissen betroffen werden\nkönnte.\nBargiel gehört ganz und gar der Schumann'schen\nRichtung an, aber im reinsten Sinne; er folgt ihr aus in-\nnerer Notwendigkeit, weil ähnliche Elemente in ihm thä-\n> i\ntig sind, weil auch in ihm der allgemeine Pulsschlag der\nZeit lebhaft wogt. Ein düsteres Pathos ist der vorherr-\nschende Grundton, wie der Schumann'schen, so auch der\nBargiel'schen Muse. Man wird ihr hoffentlich daraus kein\nVerbrechen machen wollen. In der gesammten modernen\nKunst herrscht das Pathos vor, und muss es [?] vermöge\ndes causalen Zusammenhanges der Kunst mit dem Leben.\nNur sei es kein roh individuelles, nur fehle es nicht ganz\nam Gegensatz, der uns erkennen lässt, dass es kein aus-\nschliesslicher Mangel in der Natur des Künstlers ist, wenn\ndie Welt eben so auf ihn wirkt, wie sie aus seinem Bilde\nzu uns spricht. Nur endlich und vor Allem halte sieh die-\nses Pathos nicht berechtigt, die ewigen Kunstgesetze zu\nzertrümmern, sondern bleibe sich bewusst, nur die Abwei-\nchung vom Grundtone zu sein, in den es immer wieder\nzurückkehren muss, wenn nicht die Aufhebung aller\nWeltordnung proclamirt werden soll.\nWien.\n\nthümliche Bedeutung. Die Frage wird hier sein, ob diese neuen\nmusicalischen Strebungen aus neuem geistigem Leben oder aus\ngeistigem Bankerott und geistiger Zersetzung geboren sind ;\nob auf dem eingeschlagenen Wege eine neue grosse Kunst-\nEpoche heraufgeführt oder ein Triumph der Unnatur und Lüge\nüber die Wahrheit der Kunst vorbereitet werden wird. Diese\nFragen können der musicalischeu „„Mission\"\" des deutsehen\nVolkes nun nicht in dem Sinne zum Austrag zugewiesen wer-\nden, als ob dasselbe ~ „nach dem allgemeinen Stimmrecht\"\"\ndarüber zu entscheiden hätte Man kann es heutzutage nicht\ngenugsam einschärfen, dass in Dingen der höheren Wahrheit\ndie Stimmen nicht gezählt, sondern gewogen werden. Auf wel-\ncher Seite hier nun die Wahrheit zu finden, auch die\nDeutsche Musik-Zeitung wird nicht als ein Orakel auftreten,\num diese brennende Frage der musicalischen Gegenwart zur\nEntscheidung zu bringen Sie wird sich nicht als Organ der\nwechselnden, unzuverlässigen Volksmeinung, aber desto\nzuversichtlicher als eine Arbeitsstätte des ringenden Volks-\ngeistes geberden, indem sie ruhig und leidenschaftslos den\neigentümlichen Entwicklungsgang der modernen Musik darauf\nansieht, ob und in wie weit ihm eine künstlerische Berechti-\ngung zukommt\" u. s. w.\n\nv. Br.\n\nAus Wien.\nDie Soireen des Herrn C. Debrois van Bruyck, deren erste\nam 30. November im Saale der Sing-Akademie Statt fand, dürften\neine ganz eigenthümlich interessante Stelle unter den musicalischen\nGenüssen dieser Siiison einnehmen. Ein anerkannter musicalischer\nSchriftsteller, ein strebsamer, aus einem wirklich vorhandenen inne-\nren Fonds schöpfender Componist tritt in die Reihe der ausübenden,\nsich öffentlich producirenden Künstler auf dem Pianoforte. Will er\nmit den Virtuosen des Tages um den Preis ringen? Will er seine\nkritischen Abhandlungen über Ciavierspiel und Composition durch\neigene Vorträge illustriren? Die Absicht des Herrn Debrois ist, wenn\nwir ihn recht verstehen, eine andere, anspruchslosere. Es gilt ihm,\neine Reihe von dem persönlichen Ehrgeiz der modernen Künstler mit\nUnrecht in den Hintergrund gedrängter musicalischer Werke, deren"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "407", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591217-01.1.7", "texte": "Werth nicht nur in der technischen Schwierigkeit ihrer Ausführung\nliegt, würdig zu Gehör zu bringen und bei dieser Gelegenheit das\ngrössere Publicum auch mit einigen eigenen Compositionen bekannt\nzu machen. Was der erstere Zweck erheischt, kann Herr Debrois\nsich wohl rühmen, zu besitzen : ein sicheres, tadelloses Spiel, einen\nkräftigen, den Concertsaal ausfüllenden Ton und vor Allem eine ge-\ndiegene, durchaus selbstständige Auffassung, die sich dem empfäng-\nlichen Hörer in unmittelbarer Wirkung wohlthätig mittheilt. Im ge\nraden Gegensatze zu dem Virtuosenthum, dessen sichtlich um sich\ngreifender Verfall eines der wenigen erfreulichen Zeichen der Zeit\nist, gibt sich unser Künstler dem Geiste des Meisters, den er vor-\nzutragen hat, mit selbstverläugnender Treue hin; Geschmack und\nPietät bewahren ihn gleich sehr vor jeder subjectiven Beigabe, wel-\nche nur irgend den ursprünglichen Charakter des Werkes verfälschen\nkönnte. So spielte Herr Debrois in seiner ersten Soiree die (aller-\ndings sehr bekannte) Sonate von Beethoven in C (Op. 2, Nr. 3) sei-\nnem gewählten musicalischen Publicum recht willkommen, eine ganze\nSuite von Bach, Nr. 6 der französischen Suiten, und endlich unga-\nrische Rhapsodieen von Liszt. Die Wahl der letzteren freilich war\nunserer Meinung nach nicht im Geiste der diesen Soireen gestellten\nAufgabe; sie war vielleicht die einzige Concession, welche der Con-\ncertgeber dem Ehrgeize seiner Finger machen wollte. In der That\nspielte er die schwierigen Nationallieder (wir wissen nicht, ob sie\nden Magyaren oder den Zigeunern angehören) mit ausserordentlicher\nFertigkeit und Kraft, wenngleich nicht mit jener todesverachtenden\nWaghalsigkeit, wie wir sie bei den Virtuosen von Fach zu finden\ngewohnt sind. Drei von Herrn Debrois componirte, von Herrn Olsch-\nbauer angemessen vorgetragene Lieder sind von sehr verschiedenem\nWerthe; „Der junge Schiffer\" (Hebbel) ist schön erfunden und voll\nStimmung, in den „Nachtgedanken4' (Göthe) die tiefsinnige Reflexion\ndes Dichters glücklich dargestellt; dagegen leidet die Ballade „Der\nSt.-Georgs-Ritter\" (Uhland) an Längen, für welehe man durch Me-\nlodie nur wenig entschädigt wird. Der Erfolg des Concertes bei dem\nmeist aus Künstlern und Kunstverständigen gebildeten Publicum\nwar ein sehr ehrenvoller.\nDie italiänischen Opern-Aufführungen unter Leitung des Herrn\nMatteo Salvi werden im Laufe des Frühjahrs im Theater an der\nWien Statt finden. Es sollen ausser den gewöhnlichen Repertoire-\nOpern von Bellini, Donizetti, Rossini, Verdi noch einige theils für\nhier ganz neue, theils seit längerer Zeit nicht gehörte Opern aus\ndem nachstehenden Verzeichniss zur Aufführung gelangen. Donizetti:\nPolliuto, Fausta, Parisina, L'ajo nelV imbarazzo. Fioravanti: Le\ncantalrici villane. Mozart: Cosi fan tutle. Paccini: Safj'o,\nRicci: II birago di Preston, Crispin e la comare. Rossini: Semi-\nramide, L assedio di Curinla, II conte Ory, Ii turco in Jtaha. - Sal-\nvi : Calarina Hovard. Unter den engagirten Prima-Donnen befin-\nden sich die Damen Lafon, La Grua, Borghi-Mamo und Alboni,\nwelche sich im Laufe der Saison ablösen dürften. Dass sich unter\nden engagirten Tenoristen und Baritonisten kein in Wien bereits be-\nkannter Sänger befindet, darf jedenfalls als ein gutes Zeichen ange-\nsehen worden ; wenigstens ist uns die Hoffnung auf ein gutes En-\nsemble dadurch nicht benommen. Ungern vermissen wir jedoch\nEverardi, Zucchini und Angelini. Chor und Orchester werden na-\ntürlich vervollständigt; Salvi und Suppe fungiren als Capellmeister,\ndie sämmtliche Garderobe wird neu hergestellt. Das Abonnement\nwird auf mindestens 40 Vorstellungen eröffnet werden für den Zeit-\nraum von zehn Wochen, ungefähr vom 20. März bis 5. Juni (in welche\nZeit auch die Charwoche fällt], mit fünf \\orstellungen wöchentlich.\nDie Preise der Plätze sind noch nicht alle festgesetzt, jedoch dürfte\ndie Unternehmung von dem richtigen Princip ausgehen, die Preise\nder ersten Piätze sehr hoch zu stellen, um dem grösseren Publicum\nden Besuch der italiänischen Oper möglichst billig gewähren zu\nkönnen.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMofina. Dinstag den 13. December brachte die dritte Soiree\nfür Kammermusik im Hotel Disch das Violin-Quartett von Men-\ndelssohn, Op. 13 in A-moJl, die Sonate für Pianoforte und Vio-\nline in l)-moll9 Op. 121, VOn Robert Schumann und (ab!) das\nQuartett in G-dur von Beethoven. „Mein Gott! aus Op. 18 von\nBeethoven? das gehört ja in die Periode des Ueberwundenen! Also\nbedeutet das Ah! in Parenthese wohl einen ironischen Ausruf?\"\nIch glaube nicht; mir schien es, als wäre es das Echo des freudigen\nAufathmens der Zuhörerschaft gewesen. Dem sei nun, wie ihm wolle,\ndie Ausführung war überall gut; beim Vortrag der Sonate eminente\nBravour und Kraft auf dem Piano (Breunung) und der Violine\n(O. von Königslöw). Die Frage, für wen (nicht, vor wem)\nwerden im Hotel Disch Sachen wie Mendelssohns\nmit seinen sonderbaren, nichts weniger als schön klingenden Imita-\ntions-Studien, bei denen die Noten mit dem guten Geschmack fast\nunaufhörlich durchgehen, und Schumann's kolossale Sonate ge-\nspielt, dürfen wir nicht wieder aufwerfen, weil '— sie doch nicht\naufrichtig beantwortet wird. Aber die alte Hamlet-Frage: „Sein oder\nNichtsein?\" könnte am Ende bei fortgeführten Programmen fürs\nAusland (Leipzig, Weimar u. s. w.) hier wieder auftauchen.\nDer kölner Männergesang-Verein hat ein Abonnement\nauf drei Concerte im Casinosaale eröffnet, von denen das erste\nam 8. d. Mts. Statt fand und zahlreich besucht war. Es wurden fast\nlauter neue Gesänge vorgetragen, unter anderen drei von Niels W.\nGade („Thurm wächterlied\", „Die Rose\" und „Warnung vor dem\nRhein\" aus der Sammlung, die dem hiesigen Vereine vom Compo-\nnisten gewidmet ist), von Jul. Rietz das „Morgenlied\"; ausserdem\nvon Marschner, Mendelssohn und Reinecke („Scolie\").\nUeber die ausgezeichneten Violoncell-Vorträge des Herrn Piatti ha-\nben wir schon in voriger Nummer berichtet.\nBei dem EröfFnungsfeste der Rhein-Eisenbahn Köln- Mainz\nam 15. d. Mts. trug der kölner Männergesang-Verein in\nder Königshalle des neuen Centrai-Bahnhofes bei Ankunft Sr. Kö-\nniglichen Hoheit des Prinzen Friedrich Wilhelm mit dem Fest-\nig\nzuge von Mainz einen „Sängergruss\" vor, eine Zusammenstellung\nvon verschiedenen Lieder-Compositionen mit neu untergelegten, auf\ndie Festlichkeit bezogenen Textesworten.\nNach dem Festmahle im Gürzenich fand Abends 9'/2 Uhr ein\nConcert im schön geschmückten Casinosaale Statt. Das Programm\nbrachte Mendelssohn's Ouvertüre „Meeresstille und glückliche\nFahrt\", einen Fest-Chor von F. Hiller, Text von G. Pfar-\nrius, die Romanze aus ,Templer' von Marschner, zwei\nLieder („Ständchen\" von F. Schubert und „Frühlingslied\" von\nR. Schumann) und das Hallelujah von Händel. Die Sologesänge\nwurden von Herrn Nie mann aus Hannover mit der frischen und\nklangmächtigen Stimme, die niemals ihres Eindrucks verfehlt, vor-\ngetragen. Sehr zu bedauern war es, dass Ii au lemann-Sce-\nbach nach ihrer Ankunft hier von so bedeutendem Unwohlsein be-\nfallen wurde, dass es ihr unmöglich war, zu erscheinen. So musste\nder Prolog von W. Müller von Königswinter und die De-\nclamation mit freier Pianoforte-Begleitung durch Capellmeister F.\nHill er ausfallen."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "408", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591217-01.1.8", "texte": "Am 24. November beging in Berlin der königliche Sänger Herr\nZschiesche sein fünfzigjähriges Jubiläum. Derselbe wurde von\ndem General-Intendanten Kammerherrn v. Hülsen und den Mitglie-\ndern der k. Bühne beglückwünscht und ihm von einer Deputation\nderselben ein werthvoller silberner Pocal zum Geschenk überreicht.\nAuf dem Deckel desselben ist der Jubilar als Falstaff dargestellt,\nund an den Seiten zeigt er sich in ' den Rollen des Osmin, Rocco\nundSarastro; ausserdem zieren Ansichten von dem früheren Königs-\nstädtischen Theater und dem k Opernhause den Pocal.\nWien, Das auf dem Friedhofe zu St. Marx enthüllte Denk-\nmal, welches die Stadt Wien Mozart setzen liess, ist ein Kunst-\nwerk, durch das sich Han s G as s er7 s Meissel neuen Ruhm erworben.\nAuf umgitterten Sandsteinplatten erhebt sich der granitne Sockel,\nauf welchem in gebeugter Stellung die in Bronze ausgeführte Muse\nder Tonkunst ruht. Die Figur blickt gebeugten Hauptes zur Erde\nnieder, hält in der Rechten die offene Partitur des Requiem und\nstützt sich mit der Linken, die einen Lorberkranz hält, auf die auf-\ngeschichteten Werke des grossen Tondichters. Wir lesen als Auf-\nschrift der Foliobände: Figaro, Zauberflöte, Symphonieen u s. w.\nDie Ausführung des Postaments zeigt Schönheit und Reinheit. Pas-\nselbe ruht auf einem Piedestal, über dessen Ecken sich vier Cande-\nlaber erheben, deren Mündungen sich aber zu Schalen ausdehnen,\nin welchen am Enthüllungstage Flammen leuchteten. Die Feier\nwurde mit einem Mozart'schen Chor (~Abendlied\") vom Männerge-\nsang-Verein gesungen, eröffnet; hierauf hielt der Herr Bürgermeister\neine kurze Anrede, während die Statue enthüllt wurde. Den Schluss\nbildete ein Chor, dessen Wahl keine glückliche war und statt dessen\ndas Gebet ~0 Isis\" gewiss eine weit mächtigere Wirkung erzielt\nhätte. Es hatten sich zu dieser Feier, welche durch den herrlichsten\nSonnenschein begünstigt wurde, mehrere Tausend Menschen einge-\nfunden, darunter Vertreter aller hiesigen Vereine und viele Künstler.\nAuch den kunstliebenden Grafen Moriz Dietrichstein bemerkte man\nunter den Anwesenden; den würdigen Greis, einen der Wenigen, die\nMozart persönlich gekannt haben, hatten seine achtzig Jahre nicht\nabgehalten, an diesem Acte der Pietät und der Sühne, welchen die\nStadt Wien beging, Theil zu nehmen.\nRichard Wagner, der sich seit einiger Zeit in Paris aufhält\nund den ganzen Winter dort zuzubringen gedenkt, wurde von einem\nTheile der Presse (Revue des deux Mondes, Siecle und besonders Fi-\ngaro) so heftig und in so leichtfertiger Weise angegriffen, dass er\nsich genöthigt sah, in der Europe artisle, einem Blatte, das ihn. be-\nreits mehrmals in Schutz genommen, folgende Entgegnung zu vei-\nöffentlichen: „Seit eilf Jahren bin ich aus Sachsen verwiesen und\nfolglich aus ganz Deutsehland verbannt Ich habe seitdem in der\nFremde zwei Opern componirt, deren eine, Loliengrin, in Deutsch-\nland mit Eriolg aufgeführt wird, die ich aber wegen Mangels eines\nOrchesters nie gehört habe. Ich bin nach Frankreich gekommen, um\nwo möglich meine Musik wenigstens vor einigen Freunden aufführen\nzu lassen. Ich vermeide den Lärm und die iieciaine Ich bin fremd,\nverbannt und habe von Frankreich Gastfreundschaft und freundliche\nAufnahme erwartet. Man nennt mich den ,o,Marat der Musik\"\";\nmeine Compositionen haben keine solche Umsturz-Tendenz, wie man\nzu sagen beliebt; selbst der König, der mich verbannt hat, lässt in\nseiner Residenz meine Opern aufführen und schenkt ihnen Beifall.\nDie französische Presse möge noch etwas warten, vielleicht wird sie\nmieh dann anders beurtheilen, als bloss nach der Aussage einiger\ndeutschen Zeitungen; ich verlange dann nichts Anderes als Unpar-\nteilichkeit,\""}]}