{"numero_id": "bm-bmtnabi-1859-12-24-01", "volume": "bmtnabi_1859-12-24_01", "ocr_sha256": "8daaca58e577426c66edb469ccae356a0e80c14f66025c06ba49ded36690402a", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1859/12/24_01/bmtnabi_1859-12-24_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591224-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1859-12-24-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-12-24_01#c001", "volume": "bmtnabi_1859-12-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "409", "page_fin": "409", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591224-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "409", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591224-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 458, "texte": "Inhalt.\nPariser Briefe (Thidlre lyrique: Gounod, Mozart, Weber, Deffes, Gluck). Schluss. Von B. P. Aus Frank-\nFurt am Main (Das erste Abonnements-Concert des Cäcilien-Vereins). Von nn Aus Bonn (Zweites Abonnements-Concert).— Aus\nAachen (Aufführung des Paulus Spohr-Feier Soireen für Kammermusik Von N. Fünftes Gesellschafts-Concert in Köln im Gür-\nzenich. Tages- und Unterhaltungsblatt (Mainz, Spohr-Feier Coburg, Aufführung von Die Wallfahrt nach Ploermel)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-12-24-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-12-24_01#c002", "volume": "bmtnabi_1859-12-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "409", "page_fin": "413", "image_debut": 1, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591224-01.2.2", "titre_corps": "Pariser Briefe.", "titre_sommaire": "Pariser Briefe.", "signature_source": "B. 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Die Ausfüh-\nrung hat sich nicht bloss für die Förderung der Kunst und\ndes Geschmackes des Publicums, sondern auch für die\nCasse der Unternehmung bewährt.\nZu den Opern Figaro's Hochzeit, Freischütz, Preciosa\nund Oberon, welche Herr Carvalho, freilich mitunter etwas\nwunderlich zurecht gemacht, aber doch mit der Original-\nMusik derselben schon früher auf seine Bühne gebracht\nhat, sind in diesem Jahre Mozart's „Entführung aus\ndem Serail\" und C. M. v. Weber's „AbuHassan\" iuv\nMai) hinzugekommen.\nMozart's „Entführung\" war hier so gut wie ganz neu,\ndenn von der einmaligen Aufführung durch eine deutsche\nOper im Jahre 1829 wussten nur die Theater-Chronisten\nnoch etwas, sonst Niemand. Der Beifall war gleich bei der\nersten Vorstellung ganz ausserordentlich. Die Oper ist in\nzwei Acte zusammengezogen, der Pascha Selim glänzt bloss\ndurch Abwesenheit; Pedriilo, dem Osmin vor dem Ge-\nspiesstwerden bewilligt, den Pascha noch einmal zu spre-\nchen, bringt die schriftliche Begnadigung. Die Romanze\nBelmonte's, dessen Duett mit Osmin, das Trink-Duett das\nda capogerufen wurde), Osmin's Triumph-Arie über das\nKehlzuschnüren der Erwischten:\nLeur compte est faeile ä regier,\nLe pacha les fera\nmachten am meisten Wirkung. Sie würde weit schlagen-\nder gewesen sein, wenn die Ausführenden dem Vortrage\nder Mozart'schen Musik gewachsen gewesen wären. Ausser\nden beiden Tenören (Herr Michot, der vortrefflich ist,\nund Herr Fromant) konnten weder Constanze, noch\nBlondchen, noch Osmin genügen. Bataille (Osmin), gewiss\nein braver Sänger, hat überhaupt keine klangvolle lieie."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "410", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591224-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5221, "texte": "geschweige denn das Zeug, welches „ce terrible role d'Os-\nminuverlangt. Madame Meillet (Constanze) und Madame\nUgalde (Blondchen—Bkniine) hüten sich wohl, ihre Par-\nlieen zu singen, wie Mozart sie geschrieben hat, besonders\ndie erstere, die noch dazu ihre sonst hübsche und volle\nStimme zum Schreien missbraucht, das besonders in dem\nDuett mit Belmonte unausstehlich ist. Durch den Wegfall\no\nder grossen Arie: „Martern aller Arten\", wurde uns eine\nArt von allen Martern erspart.\nWeber's Erstlings-Operette „Abu Hassan\" zog durch\nden Namen des Componisten an. Mit einigen Einlagen aus-\ngespickt, gefiel sie, hat jedoch keinen bedeutenden Ein-\ndruck gemacht.\nEine französische Original-Oper war „La Fee Cava-\nbosse\" mit Musik von Victor Masse, dem Componisten\nder artigen Noees de Jeannette und der Reine Topaze.\nDiese Zauber-Oper enthält allen Unsinn der früheren\nStücke dieser Gattung, ohne den kindlichen Reiz eines\nMärchens. Die Leute werden darin plötzlich steinalt und\nhässlich und eben so plötzlich jung und schön; dann\nbuckelig und wieder gerade, und umgekehrt. Dazu eine\ndicke Partitur —drei Acte und ein Prolog!—voll Lärmens\nund doch leer, aus welcher nur einige wenige Nummern\nmit jenen leichten und anmuthigen Melodieen auftauchen,\ndie dem Talente Masses früher verdienten Ruf verschafft\nhaben.\nGleichfalls schon im Frühjahre, wie diese buckelige\nFee, stieg die Oper Faust, deren Buch die Herren Carre\nund Barbier nach Göthe's unsterblicher Dichtung vergäng-\nlich zurecht gemacht hatten, mit Musik von Gounod auf\ndie Scene des lyrischen Theaters, in fünf Acten von\nI*austs Lebens-Ueberdruss bis zu Gretchen's Apotheose\naus dem Kerker in den Himmel, einem optisch-decoralivcn\nGemälde, wodurch die „Stimme von oben\" des deutschen\nDichters: „Sie ist gerettet!\" den französischen Zuschauern\ndeutlich gemacht wird. Der Referent eines hiesigen ange-\nO O\nsehenen Blattes, übrigens ein sehr unterrichteter und auch\nmit der deutschen Literatur nicht ganz unbekannter Mu-\nsiker, sagt sehr naiv: „Ausser einigen unbedeutenden\nAenderungen sind die Herren Carre und Barbier Göthe'n\nSchritt für Schritt gefolgt und haben sich damit begnügt,\ndie philosophischen Tiraden zu beseitigen\"!!\nNun, eine dieser „unbedeutenden\" Aenderungen ist z. B.\ndie, dass V aust mit der verhängnissvollen Schale in der\nHand durch ein fröhliches Hoboestückchen zum Leben zu-\nrückgeführt wird, anstatt durch den Chor am Ostermor-\ngen: „Christ ist erstanden!\" Ferner ist Gretchen am\nSpinnrad als Vision, die Mephisto dem Faust zeigt, in den\nersten Act versetzt; sie singt sogar ein deutlich vernehm-\nbares Lied in dieser Erscheinung (gerade wie <ler Tenor\nHelios in Herculanum), zu dessen Melodie die Violinen das\nRad drehen, Harle und Hörner eine mystische Färbung\ngeben, und mir so etwas wie Franz Schubert dabei in\nden Sinn kam.\nAuerbachs Keller ist in einen freien Platz, einen Lust-\nort, verwandelt, wie denn überhaupt die Scene der Spa-\nzirgänger vor den Thoren mit der Scene in dem leipziger\nKeller zusammengeworfen wird. Soldaten spielen die Haupt-\nrolle dabei; als der Wein Feuer sprüht, ziehen sie den\nDegen, dringen auf Mephisto ein. Der schützt sich durch\nBlendwerk. Da merken die tapferen Krieger, mit wem sie\nes zu thun haben, kehren ihre Schwerter um und halten\nihm die Griffe in Kreuzesform entgegen; zugleich singen\nsie ihn mit einem Choral an! Das halte der Teufel aus!\nMephisto erbebt und steht da wie ein begossener Pudel.\nDa er so lange bleiben muss, bis die Kerle den Choral\nausgesungen haben, so begreift man nicht, warum diese\nnicht ihren Sieg benutzen, ihn packen und unter sicheren\nVerschluss nehmen. Sobald sie fertig sind, läuft er davon.\nDas Volk singt und tanzt, ein deutscher Walzer darf nicht\nfehlen.\nDer dritte Act hält sich genauer an Göthe. Gretchen's\nZimmer, das Schmuckkästchen, der Spazirgang im Garten,\ndas Wechselgespräch der Liebe, das ist alles da. Aber\nganz ohne Lächerlichkeit darf es nicht abgehen; desswegen\nhatten die Librettisten den Einfall, einen ganz jungen Men-\nschen, den eine Sängerin darstellt, einzuführen, der für\nGretchen schwärmt! Und wie haben sie ihn genannt? Sie-\nbe!! sage: Siebel\nwill von keinem Grusse wissen,\nAls ihr die Fenster ein^eschmissen!\"\nIm vierten Act wieder ein Soldatenchor, Valentin wird\nerstochen und kanzelt nachher seine Schwester in sehr\nlangweiliger Melodie ab, die Kirche im Hintergründe öff-\nnet sich von selbst durch ein Kunststück des Maschinisten,\nGretchen betet, der böse Geist, hier Mephisto in eigener\nPerson, brüllt ihr seine Vorwürfe mit furchtbaren Gesti-\nculationen vor. Dabei Choral und das und\ndennoch keine Wirkung-—nicht einmal für die Pariser!\nZuletzt, im fünften Acte, Hexensabbat auf dem Blocks-\nberg. Faust singt ein Trinklied. Zum Schluss Scene im\nKerker, wie oben schon erwähnt. Das ist Faust in Paris.\nGounod ist, wie wir schon oft berichtet haben, ein\nComponist, der im Grunde genommen eine ernste Rich-\ntung verfolgt, wenigstens für einen französischen Opern-\nschreiber der Gegenwart. Er hat auch Talent, besonders\nfür Instrumentalsachen; das Orchester ist auch im Faust\ndurchweg gut behandelt, manchmal überraschend schön,\nobschon an anderen Steilen freilich wieder nichts als Lärm\nzu hören ist. Alles das aber schützt ihn nicht vor dem hau-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "411", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591224-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5339, "texte": "figen Verfallen in das schlimmste Genre, ins genre en-\nnuyenx. Schon die Einleitung zu Faust's Auftreten, das,\neben so wie bei Göthe, die erste Scene bildet, liefert trotz\nguter Instrumentirung einen Beweis davon; am Ende der-\nselben sagt man sich, wie Faust:\n~Da steh1 ich nun, ich armer Thor,\nUnd bin so klug, als wie zuvor!\"\nDas Duett zwischen Faust und Mephisto am Schlüsse des\nersten Actes ist ohne melodischen Schwung, welchen der\nLärm des Orchesters und die brüllenden Stimmen nicht\nersetzen können. In der Volksscene sind ein paar hübsche\nChöre, auch der Choral der Soldaten ist kräftig, wenn nur\ndie Situation nicht gar zu lächerlich wäre! Der Walzer,\nprächtig instrumentirt und zugleich auf der Scene gesun-\ngen, macht Furore.\nMusicalisch am gehaltvollsten ist der dritte Act. Nach\nSiebel's sehnsüchtiger Romanze (!) ist die Arie von Faust\nmit obligater Violine ein schönes Stück. Dass Gretchen\nihre Freude über den Schmuck in sprudelnden Coloratu-\nren ausdrückt, ist conditio sin non für die Sängerin\n(Miolan-Carvalho) und für das Volk. Das Quartett im Gar-\nten bei der Promenade ist hübsch, die zwei Duette zwi-\nschen Gretchen und Faust sind schön, weil edel und ge-\nfühlvoll gehalten. - Da ist Empfindung und wirklicher\nGesang.\nLeider hält sich der Componist in den beiden letzten\nActen keineswegs auf dieser Höhe. Wiederum ein Solda-\ntenchor, der zwar recht gut beginnt, sich aber in gehalt-\nlosen Lärm verliert. Die Musik zu der Scene vor Gret-\nchen's Hause, das Zitherlied Mephisto's, ein Terzett u. s. w.,\nerhebt sich nicht über das ganz Gewöhnliche. Die Scene\nin der Kirche macht trotz aller aufgebotenen Mittel nichts,\nMephisto's Gesang darin ist geschraubte und widerliche\nRhetorik. Die Musik zur Walpurgisnacht auf dem Brocken\nträgt die Farbe der Wahrheit so enorm dick auf, dass\nallerdings Alles toll durch einander geht. So etwas ist keine\nMusik mehr, sondern Geheul und Gekrächze von Stimmen\nund Instrumenten. Das Finale, ein grosses Terzett zwischen\nGretchen, Faust und Mephisto, hat einige Licht-Momente\nund enthält vielleicht mehr Schönes, als ich gehört habe;\ndenn der Teufel mag nach fünfactigem Spectakel noch iin\nStande sein, aufmerksam zu bleiben, wenn er nicht muss!\nBei der Wiedereröffnung des lyrischen Theaters nach\nden Ferien (am 1. September) füllten Mozart's „Entfüh-\nrung\" mit Weber's „Abu Hassan\" hinterher wiederum\nmehrere Male das Haus. Auch Gounod's „Faust\" ist wie-\nder in Scene gegangen. Eine Goldgrube für diese Bühne\nbleibt immer noch Mozart's „Figaro\". Diesen Winter\nist darin eine Demoiselle Marie Sax als Gräfin (die frü-\nhere Rolle der Caroline Duprez) aufgetreten; sie berech-\ntigt durch schöne, volle und umfangreiche Stimme, in wel-\ncher besonders das Brust- und Mittelregister klangvoll, die\nflöhe noch etwas scharf ist, und durch sorgfältige Schule\nzu sehr guten Hoffnungen. Mit der Saxhorn-Famiiie ist sie\nnicht verwandt; wie ich höre, ist es eine Deutsche, deren\nTheatername nicht ihr Familienname ist. Schade, dass Ma-\ndame Ugalde die Susanne wie eine Soubrette in einer\nSchenke singt, und—was unverzeihlich ist dass das Or-\nchester die Oper hölzern und matt spielt. Ueberhaupt er-\ninnert das Orchester dieser Buhne häufig daran, dass sie\ndritten Banges ist, woran man sonst bei ihren Leistungen\nnicht denkt.\nEine Neuigkeit vom 30. September: Les Viobns du\nRoi, Musik von Deffes, komische Oper in drei Acten,\nwill ich der Vollständigkeit der Annalen wegen erwähnen;\nübrigens kann man von ihr nur sagen: Transeat cum cae-\nteris! Lully als Küchenjunge von Florenz, Bewahrer des\nGeheimnisses eines Sorbet au melon und eines Souffle au\nParmesan> dabei enragirter Violinspieler, der die 30-—40\nKüchenjungen seines Principals zu lauter Violinisten macht,\nspielt dabei die Hauptrolle. Ludwig XIV., auch erst etwa\nsechszehn Jahre alt, speist in der Restauration, lässt sich\nMusik machen u. s. w. u. s. w.; diese ist aber mit Aus-\nnahme sehr weniger Nummern etwas, das man, wenn es\nsich um Latein handelte, Küchen-Latein nennen könnte.\nAls Curiosum ist zu notiren: die Ouvertüre fängt mit God\nsave the King an! Wie, was? Ja wohl; denn nach der\nfranzösischen Tradition hat Lully diesen Gesang für die\nAnhänger Karl's des Zweiten componirt, und in der Oper\nen question wird er von den musicalischen Küchenjungen\ndem Könige Louis XIV. vorgegeigt!!\nDoch kommen wir endlich zu dem Ereigniss, durch\nwelches alles Vorhergegangene und von uns bis jetzt Be-\nsprochene in Schatten gestellt worden, zur Wiederauffüh-\nrung des Orpheus von Gluck. Die kaiserliche Oper hat\nes sich nehmen lassen, die Werke des Heros wieder zu\nbeleben, der einst ihre Bühne auf die höchste Stufe der\nKunst brachte! Sie hat zu viel mit Malerei und Maschi-\nnerie zu thun, um sich um classische Musik bekümmern\nzu können! Zu einiger Entschuldigung dient ihr höchstens,\ndass die Napoleoniden wie ihr Stammherr eben nicht sehr\nmusicalisch sind und auch die Kaiserin keine Marie An-\ntoinette. So konnte ihr denn das kleinere und noch ganz\njunge Theater den Rang ablaufen. Mit welchem Erfolg,\ndavon zeugt, spricht und schwatzt ganz Paris, dass es zum\nErschrecken ist! Hector Berlioz hat sich um die Auffüh-\nrung grosses Verdienst erworben; mit ihm ist die ganze\nSache berathen worden, unter seiner Leitung sind die\nChöre und das Orchester, ich möchte sagen: wieder ange-\nlernt worden, Gluck'sche Musik vorzutragen. Trotzuem\n[*J"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "412", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591224-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5608, "texte": "hat er doch der Stimmung, die ich eben durch „Er-\nschrecken\" über den Erfolg des Orpheus bezeichnete, einen\nlauten und ironisch scharfen Ausdruck gegeben, der die\nSache vollkommen so schildert, wie sie wirklich ist.\n„Der Orpheus\", sagt er, „beginnt eine Popularität\nzu erhallen, die einem bange machen kann. Lassen wir\njedoch die Hoffnung nicht sinken, dass Gluck nicht Mode\nwerden wird. Dass das Haus jedesmal voll ist, gut; dass\nHerr Carvalho viel Geld dabei verdient, auch gut; dass\nsich die musicalischen Sitten der Pariser reinigen, ihre\nkleinlichen Anschauungen erweitern, vortrefflich; dass die\nKunstfreunde im Publicum sich einer ausnahmsweise ge-\nbotenen Gelegenheit, schöne Musik zu hören, mit Freuden\nbemächtigen, noch besser! Aber dass die Poloniusse (Po-\nlonius ist der neue Name für die dilettantischen Klug\nSprecher) es für ihre Pflicht halten, in dem Orpheus nicht\nzu schlafen, dass sie sich nur heimlich in die Possen-Thea-\nter schleichen, um sich zu amusiren, dass sie Gluck's Mu-\nsik „ „reizend\"\" zu finden vorgeben, das ist schlimm, sehr\nschlimm! Warum sträuben sich diese Leute gegen ihre\nNatur, die ja doch bald genug wieder hervorbrechen wird?\nWarum bekennen sie nicht mit so vielen Anderen!\naufrichtig: „„Ach, das ist schauderhaft langweilig! das\nmacht einen todt!\"\" —Warum wagen sie Reden wie fol-\ngende nur leise zu flüstern: „„Verzeihen Sie es mir, Ma-\ndame, dass ich Sie veranlasst habe, bei einem so zusam-\nmengestoppelten Machwerke auszuhalten, einem so lang-\nweiligen Leichenzuge beizuwohnen. Morgen wollen wir\nuns in den Champs Ehjsees entschädigen. Heute hat man\nuns unser Geld aus der Tasche gestohlen; die Journalisten,\ndie Dummköpfe, haben uns in diese abscheuliche Falle ge-\nlockt!\"\" Oder bei einer anderen Gruppe: „„Das ist\nsehr gelehrte, tief gelehrte Musik! Wenn man aber erst\nden Kontrapunkt studiren muss, um sie schön zu finden,\nso werden Sie gestehen, meine Theuerste, dass das nichts\nfür uns ist.\"\" Von einer anderen Seite her höre ich:\n„„In dem ganzen Ding sind nicht zwei Tacte Melodie!\nWenn wir jungen Gomponisten solche Musik schrieben,\nwürfe man uns mit Kartoffeln!\"\" —Dagegen erheben sich\nwieder Andere zu dem Gestä' Iniss: „ „Das ist schön, aber\nschrecklich lang!\"\" öder: „,Das ist sehr lang, aber\neben nicht schön!\"9\n„Warum das alles nur leise, nur heimlich? Es ist\nschlimm, wenn diese neue Art von Heuchelei überhand\nnimmt, wenn die musicalschen Tartuffes aufkommen. Man\nwird am Ende irre. Bisher freute man sich, Sachen, die\nman liebt und bewundert, von anders organisirten Leuten\nverhöhnt zu sehen; jetzt aber,bei der Bewunderung, wel-\nche auch diese Leute zur Schau tragen, kommt man auf\ndie Frage jenes Redners im Alterthume zurück und denkt:\n„ „DieMenge ist entzückt; mein Gott, sollten wir vielleicht\netwas Dummes bewundern?\"\"\nBerlioz hat Recht; nur ist es schade, dass er den Pa-\nrisern nicht schon längst, ehe an den Orpheus gedacht\nwurde, ihre Heuchelei und Coquetterie mit der „retro-\nspectiven\" Musik angemerkt und ihnen die Wahrheit dar-\nüber gesagt hat. Der „erschreckliche\" Erfolg des Orpheus\noffenbart sich auch durch eine Menge von Verlags-Specu-\nlationen; Gluck prangt hinter allen Schaufenstern und in\nallen möglichen Costumen. An Zurechtmachern fehlt es\nnicht; selbst Krüger hat die Scene des Elysiums übercla-\nviert, Prudent den Auftritt im Tartarus (!), Theodor Ritter\neinen ganz neuen Clavier-Auszug gemacht, Benfield die\nC-dur-\\r\\Qdes Orpheus: „J'ai per du\nfarö senza Euridice)\"im Salon auf der Harfe geklimpert,\nArban den Auftrag von der Direction der Concerte in der\nEue Cadeterhalten, eine Polka über Themen aus\ndem Orpheus zu schreiben!!\nDie Oper wird in den Hauptsachen nach der Bearbei-\ntung gegeben, welche Gluck selbst für die Aufführung in\nder grossen Oper im Jahre 1774 gemacht hat, jedoch-mit\ndem wesentlichen Unterschiede, dass der Orpheus, den er\ndamals für den Tenoristen Legros umschrieb, weil man\nkeinen Altisten hatte, jetzt nach der ursprünglichen italiä-\nnischen Partitur als Alt-Partie wieder hergestellt ist und\nvon Frau Viardot-Garcia gesungen wird. Nur hat diese\nSängerin eine grosse Bravour-Arie am Ende des ersten\nActes eingelegt, die mir nicht von Gluck herzurühren\nscheint, was aber nicht hindert, dass sie rasend applaudirt\nwird; und wenn wir nicht zu denTartuffes gehören wol-\nlen, so müssen wir gestehen, dass dieses Bravourstück\nwahrlich nicht wenig zum Erfolg der Sängerin und des\nganzen Orpheus beigetragen hat! Gluck's Stil ist jedenfalls\nnicht in dieser Arie, die sich neben der übrigen Musik wie\nein ausgeputzter Weihnachtsbaum auf einer grünen Wiese\nausnimmt*).\n\n\\) Die Arie rührt trotzdem doch wirklich von Gluck her, stand\naber nicht in der italienischen Original-Partitur (1762), wie\ndie Gazelte et Revue musicale in ihrer Nr. 47 fälschlich be-\nhauptet, sondern wurde erst zwölf Jahre später in Paris Be-\nhufs der Aufführung am 2. August 17/4 für den oben erwähn-\nten Tenoristen Legros von Glück componirt. Sie reiht sich\nan das Recitativ des Orpbetis: „Che disse? ch'ciscoltai ?u nach\nAmor's Verheissung, als ein Aliegro maestoso in B-dur, %-Tact\nan, vom Streich-Quartett und den Hoboen begleitet: der Text\nmit dem Anfange: L'vspoir renati dans mon ame passt in\ndie Situation; keineswegs aber thun dies die Coloraturen und\nder ganze Stil der Musik. Es ist dies das einzige Beispiel, das»\nGluck, der selbst bei seinen früheren Opern den Forderungen\nder italienischen Sänger nicht nachgab und einen pariser Tanp-\nmeister, der sich nur geäussert hatte, zu seiner Balletmusik\nkönne man nicht tanzen, mit seinen starken Armen vom Boden\naufhob und ihn oine lange Zeit schüttelte und ab und zu auf"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "413", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591224-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1311, "texte": "Ueberhaupt aber feiert Mad. Viardot in dieser Rolle\neinen Triumph in Paris, den sie kaum noch erwarten konnte.\nlis ist wahr, dass ihre Bruststimme noch immer klangvoll\nist, und wo die Partie des Orpheus, wie zumeist, in diese\nStimm-llcgion fällt, da macht ihr Vortrag in Verbindung\nmit der trefflichen lonhildung, der wunderbar schönen\nAussprache und Declamation, bei der die Hasslichkeit der\nfranzösischen Vocale schön wird, und mit dem edeln, pla-\nstischen Spiel einen grossen und wahrhaft erhebenden Ein-\ndruck. Darüber hinaus kann man denn schon die Schärfe\nund den Mangel an Frische in der Höhe mit in den Kauf\nnehmen. Es dürfte wenig Künstlerinnen geben, die am\nEnde ihrer Laufbahn nach der Bewunderung in zwei Welt-\ntheilen noch eine solche Fülle von Beifall, Blumen, Krän-\nzen und werthvollsten Geschenken ärnten. Dennoch glaube\nich, dass ein so fabelhafter Erfolg nur in Paris möglich ist;\nin Deutschland dürfte Mad. Viardot als Orpheus schwer-\nlich Aehnliches erleben. Es hat übrigens der jetzige En-\nthusiasmus der Franzosen auch seine ehrenwerthe Seite,\nin so fern er zum grossen Theile auf Erinnerung an frü-\nhere Kunstgrösse und auf dankbarer Anerkennung des\nseltenen Genies beruht und zur Apotheose der Kunst des\ndramatischen Gesanges im Gegensatze der Anbetung der\nrohen Naturkräfte wird.\n\nB. P."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-12-24-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-12-24_01#c003", "volume": "bmtnabi_1859-12-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "413", "page_fin": "414", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591224-01.2.3", "titre_corps": "Aus Frankfurt am Main.", "titre_sommaire": "Aus Frankfurt am Main.", "signature_source": "nn", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "413", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591224-01.1.5", "debut_caractere": 1313, "fin_caractere_exclue": 5324, "texte": "Aus Frankfurt am Main.\n\n[Das erste Abonnements-Concert des Cäcilien-Vereins ]\nDen 18. December 1859.\nSeit dem in Nr. 19 vom 30. April enthaltenen Be-\nrichte über Hände Ts Israel in Aegypten, den der Cä-\neilien-Verein zur Säcularfeier von Händel's Todestage in\nder Paulskirche aufführte, hat der das Frühjahr und den\nSommer erfüllende Kriegsiärm mich von einer weiteren\nBerichterstattung abgehalten. Ich erwähne daher jetzt nur\nV\nergänzend, dass in der Cliarwoche, wie gewöhnlich, die\nMatthäus-Passion Bach's gesungen wurde, und zwar\ndiesmal nicht als grosses Concert, sondern im Vereins-Lo-\ncale ohne Orchester und ohne vorherige Proben. Bei\neinem Vereine, wie der Cncilien-Verein ist, der nun bc~\nreits neunzehn Mal dieses Werk gebracht hat, der in Bach\nund Händel aufgewachsen ist, durfte man dies schon wa-\ngen, und die Auilührung hat es auf das erfreulichste be-\nwiesen, dass die Passion des Vereins vollkommenes\nthum geworden ist. Es wurde mit Weihe und Begeisterung\ngesungen und ganz in der Anordnung, wie nach dem Be-\nrichte in Ni. lb vom 23. April in Köln, welche Anord-\nnung unser Stifter Schelble getroffen hat im Einvernehmen\nmit Mendelssohn, dem eigentlichen Wiedererwecker des\nherrlichen Werkes. Als viertes Abonnements-Concert\nbrachte der Verein am 19. Mai zum zweiten Male die ge-\nwaltige D-mcll-Messevon Cherubini, leider nicht,\nwie er beabsichtigte, mit Orchester, da die financiellen\nVei hältnisse es nicht gestatteten, jedoch in gediegenster\nVocal-Ausführung. Es ist traurig, dass unsere grossen Ge-\nsang-Vereine, die vornehmsten Pfleger der höheren Musik,\nimmer noch, wenigstens hier, in ihren Bestrebungen, das\nBeste in würdigster Weise zu geben, durch die äusseren\nMittel gehemmt werden. Freilich liegt dies zum Theil in\nden beschränkten Bäumlichkeiten, und der neue Saalbau\nwird die Abhiilfe bringen; aber ganz frei von Schuld kön-\nnen wir doch auch nicht die höheren Kreise der Gesell-\nschaft sprechen, die sich namentlich zu ihrer Schande so\nschwach bei der Händel-Feier betheiligt haben. Den Schluss\ndes Vereinsjahres machte eine improvisirte Aufführung am\n25. Mai, in welcher die fünf ersten Nummern der\nMesse von Bach, das Ave ver von Mozart, die Cäci-\nlien-Cantate von Hauptmann und der 42. Psalm von\nMendelssohn gesungen wurden.\nDie Wiedereröffnung der Vereins-Abende verzögerte\nsich bei der anhaltenden gänzlichen Stimmlosigkeit des Di-\nrectors F. Messer diesmal bis Ende September. Wir dür-\nfen hoffen, dass das Leiden desselben bei seinem ausserdem\nvollkommen kräftigen Wohlsein ihn nicht verhindern wird,\nsein eminentes Lehr- und Directions-Talent, seinen reinen\nGeschmack und sein reiches Wissen und Können ganz in\ndem Grade, wie es seine hohe Begeisterung wünscht, dem\nVereine zu widmen, den er auf eine früher nicht erreichte\nStufe erhoben hat. Halten Sie dieses nicht für einen freund-\nschaftlichen Panegyrikus; hätten Sie bei dem ersten Abon-\nnements-Concerte, von dem ich jetzt sprechen will, zuge-\ngen sein können, Sie würden sicher dasselbe sagen, wie\nes hier jeder weiss, der nicht aus Scheelsucht sich verbohrt\nhat. Das zeigt denn auch äusserlich die überraschende Zu-\nnahme des Vereins an Mitgliedern; er zählt jetzt über 250\n\nden Boden stiess, während er dabei eine seiner Ballet-Melo-\ndieen brummte, dass dieser energische Tonmeister sagen\nwir sich zu einer so auffallenden Nachgiebigkeit gegen\neinen Sänger herabliess. Die Arie steht in der pariser Partitur\nvom Jahre Ü 774, die, der Königin gewidmet, bei Pacini er-\nschienen ist, mit französischem Texte von Mol ine Auch im\nClavier-Auszug: Paris, cliez Mme. Vve. Lanner, kl. 4to, aus\nderselben Zeit, Vergl. Gluck's Leben, Von Anton\nS cli mi d.\nUebrigens hat unser Correspondent auch in Bezug auf die\nAutorschaft der Arie zum Theil Recht; denn Madame Viar-\ndot, nicht zufrieden mit der Legros'schen Bravour-Arie, hat\naus eigenem Antriebe nach Berlioz (in den Ddbats) noch „une\nfameuse cadence\" hinzugefügt, „qui fait delirer, bondir et hur-\nIwr d'aiso les contiaisseurs (?) cotntne le gros public!\"\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "414", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591224-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5057, "texte": "Sänger und Sängerinnen, und was sich mit einem solchen\nChor, bei dein selbst der Tenor, die schwächste Seite aller\ndeutschen Vereine, aus vierzig geübten Sängern, die an-\nderen Stimmen aber fast aus der doppelten Zahl bestehen,\nunter einer kräftigen Leitung ausrichten lässt, das können\nSie selbst am besten ermessen. So gab denn auch das erste\nConcert am 25. November, dem hiesigen Buss- und Bet-\ntage, dem Vereine ein glänzendes Zengniss, und Künstler\nund Laien nannten einstimmig die Leistung eine vollendete.\nDas, was Mosewius in der von Ihnen (Nr. 12) angeführ-\nten Abhandlung begeisterten Vortrag nennt, das war es,\nwas hier so mächtig auf Sänger und Hörer wirkte. Sie\nerlauben mir, einige Stellen aus Ihrem Aufsatze: Ueber\nden Vortrag der Kirchenmusik älterer Meister (Nr. 12),\nhier anzuführen, weil sie mir dienen können, jene Angriffe\ndes Recensenten im Volksfreunde, die Sie vor Augen hat-\nten, zurückzuweisen.\nSie sagen: „Zwischen süsslicher Sentimentalität und\ndem Ausdruck der Wahrheit des Gefühls durch\nden Vortrag liegt eine ungeheure Kluft; diese aber, die\nWahrheit des Gefühls, die Sprache der Seele mögen\nwir um keinen Preis aus der Musik verbannen\" u. s. w.\n„Die grösste Wirkung Bach'scher Vocal-Musik (sagt Marx)\nwird dann Statt finden, wenn der Chor der Stimmen sich\nwirklich beseelt, wenn jede Stimme im eigenen freien\nDasein als eine Person für sich uns nahe tritt, um sich\nmit allen anderen gleichberechtigten, gleichfreien zu Einem\nGanzen, zu Einem Zwecke zu vereinen.\" „Erst dann wird\nnicht bloss der Musiker, sondern jeder Kunstfreund, ja,\nselbst ein grosser Theil des gewöhnlichen Kunst-PuhJicums,\nfühlen, d ass hier nicht bloss eine Probe contrapunktischer\nWeisheit vorgeführt wird, sondern ein geistiges Leben in\nlönen, welches aus einer Menschenbrust quillt, die Alles\nhat, Glauben und Wissen, Gefühl und Verstand, Poesie\nund Technik, und welches desshalb so wie wenig Anderes,\nvom Menschen Geschaffenes, im Stande ist, die Seele zu\nergreifen, zu stärken, zu erheben.\"\nJener Vorwurf der Sentimentalität, der damals bei der\nKritik über die Aufführung des Weihnachts-Oratoriums,\nwie vorher schon oft, namentlich bei der Passion, dem\nVereine immer wieder gemacht wurde, trifft hauptsächlich\nden Vortrag der Choräle. Nun ist es aber doch wohl je-\ndem echt fühlenden Menschen klar, dass die Tonstärke sich\nnach dem Sinne des Textes richten muss, dass man also\ndenselben Choral und seine einzelnen Phrasen nicht in glei-\ncher Weise vortragen darf, ob man singe: „Wie soii ich\nDich empfangen\", oder: „0 Haupt voll Blut und Wun-\nden\", oder: „Wenn ich einmal soll scheiden\". Gerade\ndiese letzte Strophe in der Matthäus-Passion, vorgetragen,\nwie in Köln, von einem Solo-Chor im Pianissimo, die so\nwunderbarergreifend wirkt nach dem schmerzvollen Schrei:\n„Und Er verschied!\" hat hauptsächlich den Tadel erfahren,\nwährend unparteiische Musiker gerade den Vortrag dieses\nChorals ohne Begleitung im Pianissimo mit einzelnen An-\nschwellungen neben dem prachtvollen Eingangschor für\ndie Krone in der Aufführung erklärt haben. Uebrigens\nwird auch unser F. Hiller, der den Verein so genau kennt,\nbezeugen, dass ihm und seinem Director nichts ferner liegt,\nals süssliche Sentimentalität oder gar Affectation, dass er\nvielmehr danach ringt, aus dem richtigen Absingen zum\nfreien Seelen-Ausdruck zu gelangen. Und dass er dies ge-\nrade durch Messer erreicht hat, bewies das erste Concert,\nwelches Mendelssohn's Sinfonie-Cantäte, zum er-\nsten Male wieder seit 1842, und Mozart's Requiem\nbrachte. Hier zeigte sich wirklich überall vollkommenstes\nVerständniss und freiester, sicherster Vortrag und eine Ton-\nVollendung, Ton-Schönheit und Leichtigkeit in den schwie-\nrigsten Formen, wie sie nur aus dem gründlichsten Stu-\ndium einer 11-moll-Messegewonnen werden konnte. Ueber\ndie Werke selbst etwas zu sagen, würde sich für einen\nNicht-Musiker in Ihrem Blatte kaum ziemen. Das Mendels-\nsohn'sche Werk, in seinem Instrumentale, neben etwas er-\nmüdender Länge des ersten Satzes, ausser dem grossen\nHauptgedanken mehr graziös gehalten, erhebt sich im Loh-\ngesange zum Erhabenen in der Stelle: „Die Nacht ist ver-\ngangen\", und dem darauf folgenden Choral: „Nun danket\nalle Gott!\" Der erste Vers desselben, ohne Begleitung ge-\nsungen, liess den gewaltigen Chor von 250 Stimmen seine\nganze Kraft entfalten, und dass die Stimmung auch nicht\num die Schwebe sank, trotz der ausserordentlichen Hitze,\nbewies die Geübtheit und Sicherheit der Singenden. Das\nOrchester spielte vortrefflich, und auch die Solisten: Fräul.\nVeith, Fräul. Martin, Herr Baumann und Herr Hill,\nleisteten Vorzügliches. Bewundernswürdig rein und gross\ntrug Fräul. Veith die Stelle vor: „Die Nacht ist vergan-\ngen\", und Herr Baumann zeigte im Vortrag des vorher-\ngehenden leidenschaftlichen Recitativs sein tiefes Gefühl\nund sein feines Studium. Dies irae und Lacrymosa im Re-\nquiem wirkten erschütternd. Musiker und Musikfreunde,\ndie sehr zahlreich gekommen waren, fühlten sich erhoben\nund begeistert von der Herrlichkeit der Musik. Zum\nzweiten Concerte wird Hände Ts Josua einstudirt.\n\nnn."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-12-24-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-12-24_01#c004", "volume": "bmtnabi_1859-12-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "414", "page_fin": "415", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591224-01.2.4", "titre_corps": "Aus Bonn.", "titre_sommaire": "Aus Bonn.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "414", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591224-01.1.6", "debut_caractere": 5059, "fin_caractere_exclue": 5448, "texte": "Aus Bonn.\nDas zweite Abonnements-Conccrt unter Leitung des städtischen\nMusik-Directors Herrn Alb. Dietrich brachte uns am 14. De-\ncember nur zwei Compositionen, aber von so gediegenem Werthe,\ndass sie hundert andere aufwiegen. Sie werden einstimmen, wenn\nich Ihnen sage, dass es Beethoyen's C-wio/Z-Sinfonie war und\ndie zwei ersten Theile des Weih nach ts-Ora tori ums von Joh.\nS eb. Bach."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "415", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591224-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1282, "texte": "Für eine vollkommene Ausführung der fünften Sinfonie reichen\nfreilich unsere Orchesterkräfte nicht aus; doch konnte die diesma-\nlige verhältnissmässig recht wohl befriedigen, da Alles deutlich und\nkräftig herauskam und der Herr Dirigent die Tempi mit Kecht lang-\nsamer nahm, als es jetzt an so vielen Orten gebräuchlich oder viel-\nmehr missbräuchHeh ist.\nDie hauptsächlichste Theilnahme wandte sieh jedoch dem Ora-\ntorium zu, das zum ersten Male hier aufgeführt wurde. Wir möch-\nten fast behaupten, dass diese zwei ersten Theile des Weihnachts-\nOratoriums von allem, was Bach geschrieben, dem grösseren Publi-\ncum am unmittelbarsten zugänglich und eindringlich sind. Die\nbeiden Alt-Arien, vortrefflich von Fräul. Schreck gesungen, s j\nwie die anmuthige, aber schwierige Tenor-Arie, von Herrn K. mit\ngrösster Sicherheit ausgeführt, wurden eine Seltenheit! sogar\nlebhaft applaudirt. Eben so machte die reizende Pastoral-Einleitung\n*um zweiten Theile entschiedenen Eindruck.\nMit Vergnügen bemerkten wir, dass sich der Chor durch Klang\nund Frische dieses Mal auszeichnete, ein sehr erfreuliches Zeichen\neiner regeren Theilnahme am Gesangvereine, der wir als der Haupt-\ngrundlage für grössere musicalische Aufführungen in unserer Stadt\nvon Herzen Ausdauer und steigende Mehrung wünschen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-12-24-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-12-24_01#c005", "volume": "bmtnabi_1859-12-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "415", "page_fin": "415", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591224-01.2.5", "titre_corps": "Aus Aachen.", "titre_sommaire": "Aus Aachen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "415", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591224-01.1.7", "debut_caractere": 1284, "fin_caractere_exclue": 3736, "texte": "Aus Aachen.\nDie Ausführung des Paulus von F. Mendelssohn in dem\n«weiten Abonnements-Concerte unter Herrn Wüllner's trefflicher\nLeitung war vorzüglich und machte dem Chor und dem Orchester\nEhre. Die Soli waren bei Frau H., Frau Henriette Wickop,\nHerrn A und Herrn Gö bbei s in guten Händen. Der Männergesang-\nVercin Concordia feierte unter der Direction des Herrn A. sein\nStiftungsfest. Der Vortrag der Gesänge hat uns gezeigt, dass der\nVerein keineswegs auf seinen Lorbern schläft. Die Sitzung wurde\ndurch ein schönes Streichquintett von G. Onslow (Es-dur) eröff-\nnet, welches uns bewies, dass die Werke dieses gediegenen Compo-\nnisten mit Unrecht vernachlässigt werden. Unser zweiter Concert-\nmeister, Herr Wipplinger, hat die glänzende Partie der ersten\nVioline meisterhaft ausgeführt und wurde vortrefflich von seinen\nMitspielern unterstützt. Sollten wir Eins rügen, so wäre es, dass die\nContraste zwischen piano und forte etwas zu grell neben einander\ngestellt wurden: es gibt auch ein Medium, ein mezzo piano und\nforte. Ausserdem ärntete Herr Wipplinger noch verdienten Beifall\ndurch den Vortrag einer Phantasie von David, eben so Herr Fritsclie\ndurch ein Concertino für die Flöte. Der Name des Componisten des\nletzteren ist mir entfallen, was wenig zur Sache thut, da dergleichen\nStücke alle über Einen Leisten geschlagen sind.\nUnser Instrumental-Verein widmete seine Versammlung\nvom 29. November dem Andenken Spohr's. Die Bestandteile des\nProgramms waren: Ouvertüre zur Oper Faust, ein Duett aus der-\nselben Oper (gesungen von Fräulein B. und Herrn A \\ ein sehr in-\nteressantes Notturno für Blas.nstrumente, die Sinfonie „Weihe der\nTöneu, und das zwölfte Violin-Concert des Meisters, von dessen dank-\nbarem und würdigem Schüler Fritz Wen ig mann, unserem ersten\nConcertmeistcr, vortrefflich gespielt. Sowohl die Wahl der Stücke,\nais ihre Ausführung erregten die vollste Befriedigung.\nAm 1. December haben die Herren Müller, Gebrüder Wenig-\nmann und Wipplinger die Soireen für Kammermusik begonnen.\nDaa Programm brachte ein Trio in E-moll von Haydn, ein Quar-\ntett (Es-dur) von Cherubini und das B-dur-Trio von Beetho-\nven, Herr Wüllner bewährte sich als gediegener Clavierspieler, die\nübrigen Partner als tüchtige Künstler für diese edle Musikgattung.\nWir dürfen nicht verschweigen, im Gcgentheil, wir erwähnen gern»\ndass der Violoncellist Herr Johann Wenigmann sich durch sein aus-\ndrucksvolles Spiel ganz besondere Anerkennung erworben hat,\nN."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-12-24-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-12-24_01#c006", "volume": "bmtnabi_1859-12-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "415", "page_fin": "416", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591224-01.2.6", "titre_corps": "Fünftes Gesellschafts-Concert in Köln in Gürzenich,", "titre_sommaire": "Fünftes Gesellschafts-Concert in Köln in Gürzenich,", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "415", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591224-01.1.7", "debut_caractere": 3738, "fin_caractere_exclue": 7065, "texte": "Fünftes Gesellschafts-Concert in Köln in Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen* Capellmeisters Herrn Ferd Hiilcr,\nD ins tag, December 1859.\nProgramm: Esther, Oratorium von G. F. Händel.\nWir haben bereits in Nr. 43 bei Anzeige der Herausgabe des\nClavier-Auszugs durch J. J. Maier die Entstehung und den Inhalt\ndis Oiatoiiums Esther nach Maier's \\ orrede und Clirysander's Le-\nben Ilcindel s besprochen Die Aufführung am Dinstag, die erste mit\nvollständiger Orchester-Begleitung und wohl überhaupt in Deutsch-\nland, hat uns die Ueberzeugung gegeben, dass dieses Oratorium, wenn\nes auch die V ollkommenheit der oratorischen Form und die vollen-\ndete Durchbildung der schaffenden Kraft, die uns in den späteren\nWerken des Meisters überwältigend entgegentritt, noch nicht erreicht,\ndoch so viel Gehalt hat und so unverkennbaren Schwung des Genius\nolfenbart, dass seine Verbreitung in Deutschland nicht unterlassen\nwerden darf und viel dazu beitragen wird, der deutschen llän-\ndel-Ges el lselia f t erneute Theilnahme zu gewinnen, weil es einen\nrecht sichtbaren Beweis gibt, wie viele und herrliche Schätze noch\nin Händers Partituren vergraben liegen und der Hebung warten. Die\nAufnahme des Werkes beim hiesigen Publicum denjenigen Theil\nder Zuhörer abgerechnet, die überhaupt Oratorien-Musik langweilig\nfinden, und wo hätte „Polonius\" nicht weitläufige und nahe Anver-\nwandte? (Siehe Berlioz im pariser Briefe dieser Nummer) war\neine warme und beifällige, die sich auch durch Beifalls-Aeusserungen\nbei einzelnen Arien und Chören und am Schlüsse offenbarte.\nDie Verkürzungen in der Einrichtung des Ganzen durch Hiller\nwaren folgende: Es blieben weg die Sopran-Arie Nr 8 in C-dur mit\nBegleitung einer Solo-Harfe: „Praise the Lord\"; ferner die Arie\ndes Mardochai Nr. 17 in Es-dur: „Dread not the danger\"; den In-\nhalt ersetzte ein kurzes Kecitativ. Darauf war das liebliche Duett\nNr. 17b (aus dem Anhang) für Sopran und Alt in Ü-moll: ~Bless-\nsings dcscendeingeschaltet. Dann fiel noch aus in der zweiten\nAbtheilung Nr. 25, die Arie des Ahasverus in A-dur: „I/ow can l\nstay wken love invilesu —; den Zusammenhang der Handlung ver-\nmittelte ein Kecitativ. In der dritten Abtheilung blieben weg Nr. 31,\nArie der Esther in B-dur\\ „Flallring tonguc\", in welcher sie des ver-\nurteilten Haman's Bitte gar unzart zurückweist, und Nr. 33, Arie\ndes Haman in E-moll: „IIOID art lliou fall'u\", eine Selbstanklage\nund Verdammung des Ehrgeizes ~post festem\" oder ,}trop tard\"!\nStatt dieser Stücke ist die Bravoar-Arie mit ihrem Kecitativ aus dem\nAnhang, Nr. 33a und Nr. 33b in B-dur: ~IIalleluja!\" eingeschaltet.\nWenn wir nicht irren, so ist Mardochai's Kecitativ aus dem Anhang,\nNr. 33c, vor dem Schlusschor eingefügt.\nDiese wenigen Auslassungen sind uns ganz zweckmässig erschie-\nnen. Sehr anerkennungswerth ist die bescheidene und maassvolle,\nvon feinem Gefühl geleitete Ergänzung der Instrumentirung durch\nHiller, welche namentlich in einigen Arien eine wirkliche Verschö-\nnerung ist.\nDie Ausführung gelang recht gut, zum Theil vortrefflich. Die\nSoli wurden gesungen von den Damen Frau Francisca Kübsa-\nmen, geb. Veith, gegenwärtig beim Theater in Frankfurt a. M.,\nund Fräul. Francisca Schreck aus Bonn; den Herren Karl\nSchneider vom Hoftheater zu Wiesbaden und Herrn Hill aua\nFrankfurt a< M. Letzterer (Haman) war nur wenig beschäftigt; di*"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "416", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591224-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 579, "texte": "zweite kleine Arie (Nr. DO in D-molT) sang er mit mehr Tonfülle\nund Ausdruck, als die erste. Herr Schneider schien in dei Höhe\ndiesmal nicht ganz so gut bei Stimme zu sein, wie sonst, während\nder Vortrag wie immer den classischen Sänger bewährte. Die beiden\nDamen erwarben den Vorrang über die Herren, da auch die Com-\npositionen, die sie vorzutragen hatten, sie begünstigten. Frau Rüb-\nsamen erregte durch die Halleluja-Arie wiederholten lebhaften Bei-\nfall, und Fräul. Schreck ergriff die Gemüther durch den einfach\nschönen, tief empfundenen Vortrag ihrer Arien und Recitative."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1859-12-24-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1859-12-24_01#c007", "volume": "bmtnabi_1859-12-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "416", "page_fin": "416", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591224-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "416", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591224-01.1.8", "debut_caractere": 581, "fin_caractere_exclue": 3636, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMainz. Montag den 19. December war das Vereins -Con-\ncert der Liedertafel und des Damen-Gesangvereins dem\nAndenken des dahingeschiedenen Meisters L. Spohr gewidmet.\nDas Programm war sehr gut gewählt und die Ausführung unter\nLeitung des Herrn Musik-Directors Friedr. Marpurg und der\nMitwirkung des Fräul. Helene Pfeiff aus Frankfurt a. M. und\ndes königlichen Kammer-Virtuosen Herrn August Kumpel aus\nHannover, wohl des grössten der jetzigen Violinspieler aus Spohr's\nSchule, eine recht erhebende. Das Concert begann mit der Ouver-\ntüre und Introduction für den Chor der Bajaderen und Braminen aus\nSpohr's Oper „Jessonda\", Hierauf folgte der Vortrag der ~Ges-\nangscene'', jenes herrlichen, den Melodieenduft des Südens ath-\nmenden Concertes, durch Herrn Kömpel. Man muss diesen ausge-\nzeichneten Künstler gehört haben, um zu begreifen, wie er, seinem\ngrossen Meister folgend, die Violine zu einer Sängerin macht, deren\nseelenvoller Vortrag Alles hinreisst. Wie in Spohr s Compositionen\nAlles edel ist, so ist auch KömpePs Ton und Strich und Ausdruck\nam meisten geeignet, den Adel wiederzugeben, den jene in ihiem\nVortrage verlangen. Hierauf folgten die reizenden Cavatinen aus den\nOpern Faust und aus Azor und Zemire, von Fräul. Pfeiff mit\ngrossem Beifall gesungen. Den Scbluss der ersten Abtheilung machte\neine Phantasie von Spohr über Mozart'sehe Themen, wann wir\nnicht irren, ursprünglich ein Duo für Violine und Pianoforte voll\nmelodischen Reizes und trefflicher Verflechtung der beiden Themen\nzu einem Ganzen. Herr Kömpel hat auch an anderen Oiten duich\nden vortrefflichen Vortrag dieser brillanten und doch gediegenen und\nhöchst anmuthigen Composition Furore gemacht. Die zweite Abthei-\nlung füllte eine würdige Aufführung vonMozart's liequiem aus.\nIn dem ersten Concert der Liedertafel und des Damengesang-\nVereins wurde Mendelssohn's Paulus sehr gelungen aufge-\nführt. Die Chöre wurden mit grosser Präcision und guter Schatti-\nrung ausgeführt, und es gebührt Herrn F. Marpurg die unbeding-\nteste Anerkennung seines Verdienstes um die künstlerische Vollendung\nin den Leistungen der unter seiner Leitung stehenden Vereine. Die\nSoli sangen Fräulein Lehmann und Herr Schneider von Wies-\nbaden und Herr Hill von Frankfurt.\nAm G. December wurde als Fest-Oper zum Geburts-\nfest der regierenden Herzogin, und zwar zum ersten Male in\nDeutschland, „Dinorah oder die Wallfahrt nach Ploermel'4 von\nMeyerbeer auf dem hiesigen Hoftheater aufgeführt Die Palme des\nAbends gebührt Fräul. Natalie Frassini, welche die Dinorah mit\nküns lerischem Verständniss und wahrer Virtuosität sang und dar-\nstellte. Sie wurde nach dem „Schattenwalzer14 bei offener Scene und\nnach jedem Actschluss stürmisch von dem zahlreich versammelten\nPublicum hervorgerufen. Ausserdem wurden sämmtliche Musik-Num-\nmern vom Beginn bis zum Ende der Oper mit rauschendem Beifall\nbegrüsst. Herr Mülildorfer aus Mannheim hatte die Decorationen und\nMaschinen ganz getreu nach der Aufführung in Paris gemalt und\nleitete dieselben während der Aufführung mit Präcision."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "409", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591224-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nPariser Briefe (Thidlre lyrique: Gounod, Mozart, Weber, Deffes, Gluck). Schluss. Von B. P. Aus Frank-\nFurt am Main (Das erste Abonnements-Concert des Cäcilien-Vereins). Von nn Aus Bonn (Zweites Abonnements-Concert).— Aus\nAachen (Aufführung des Paulus Spohr-Feier Soireen für Kammermusik Von N. Fünftes Gesellschafts-Concert in Köln im Gür-\nzenich. Tages- und Unterhaltungsblatt (Mainz, Spohr-Feier Coburg, Aufführung von Die Wallfahrt nach Ploermel).\n\nPariser Briefe.\n\n[Thedtre lyrique: Masse, Gounod, Mozart, Weber,\nDeffes, Gluck.]\n(Schluss. S. Nr. 51.)\nIch komme Jetzt zum Thedtre lyrique. Der Direction\ngebührt das Lob, dass sie ihre Aufgabe mit Einsicht und\nThätigkeit lös't. Es war ein guter Gedanke, mit der Be-\ngünstigung der Arbeiten lebender Componisten die Wie-\nderbelebung der Schöpfungen älterer Meister des In- und\nAuslandes, die man grösstentheils noch gar nicht in Paris\nkannte oder vergessen hatte, zu verbinden. Die Ausfüh-\nrung hat sich nicht bloss für die Förderung der Kunst und\ndes Geschmackes des Publicums, sondern auch für die\nCasse der Unternehmung bewährt.\nZu den Opern Figaro's Hochzeit, Freischütz, Preciosa\nund Oberon, welche Herr Carvalho, freilich mitunter etwas\nwunderlich zurecht gemacht, aber doch mit der Original-\nMusik derselben schon früher auf seine Bühne gebracht\nhat, sind in diesem Jahre Mozart's „Entführung aus\ndem Serail\" und C. M. v. Weber's „AbuHassan\" iuv\nMai) hinzugekommen.\nMozart's „Entführung\" war hier so gut wie ganz neu,\ndenn von der einmaligen Aufführung durch eine deutsche\nOper im Jahre 1829 wussten nur die Theater-Chronisten\nnoch etwas, sonst Niemand. Der Beifall war gleich bei der\nersten Vorstellung ganz ausserordentlich. Die Oper ist in\nzwei Acte zusammengezogen, der Pascha Selim glänzt bloss\ndurch Abwesenheit; Pedriilo, dem Osmin vor dem Ge-\nspiesstwerden bewilligt, den Pascha noch einmal zu spre-\nchen, bringt die schriftliche Begnadigung. Die Romanze\nBelmonte's, dessen Duett mit Osmin, das Trink-Duett das\nda capogerufen wurde), Osmin's Triumph-Arie über das\nKehlzuschnüren der Erwischten:\nLeur compte est faeile ä regier,\nLe pacha les fera\nmachten am meisten Wirkung. Sie würde weit schlagen-\nder gewesen sein, wenn die Ausführenden dem Vortrage\nder Mozart'schen Musik gewachsen gewesen wären. Ausser\nden beiden Tenören (Herr Michot, der vortrefflich ist,\nund Herr Fromant) konnten weder Constanze, noch\nBlondchen, noch Osmin genügen. Bataille (Osmin), gewiss\nein braver Sänger, hat überhaupt keine klangvolle lieie."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "410", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591224-01.1.2", "texte": "geschweige denn das Zeug, welches „ce terrible role d'Os-\nminuverlangt. Madame Meillet (Constanze) und Madame\nUgalde (Blondchen—Bkniine) hüten sich wohl, ihre Par-\nlieen zu singen, wie Mozart sie geschrieben hat, besonders\ndie erstere, die noch dazu ihre sonst hübsche und volle\nStimme zum Schreien missbraucht, das besonders in dem\nDuett mit Belmonte unausstehlich ist. Durch den Wegfall\no\nder grossen Arie: „Martern aller Arten\", wurde uns eine\nArt von allen Martern erspart.\nWeber's Erstlings-Operette „Abu Hassan\" zog durch\nden Namen des Componisten an. Mit einigen Einlagen aus-\ngespickt, gefiel sie, hat jedoch keinen bedeutenden Ein-\ndruck gemacht.\nEine französische Original-Oper war „La Fee Cava-\nbosse\" mit Musik von Victor Masse, dem Componisten\nder artigen Noees de Jeannette und der Reine Topaze.\nDiese Zauber-Oper enthält allen Unsinn der früheren\nStücke dieser Gattung, ohne den kindlichen Reiz eines\nMärchens. Die Leute werden darin plötzlich steinalt und\nhässlich und eben so plötzlich jung und schön; dann\nbuckelig und wieder gerade, und umgekehrt. Dazu eine\ndicke Partitur —drei Acte und ein Prolog!—voll Lärmens\nund doch leer, aus welcher nur einige wenige Nummern\nmit jenen leichten und anmuthigen Melodieen auftauchen,\ndie dem Talente Masses früher verdienten Ruf verschafft\nhaben.\nGleichfalls schon im Frühjahre, wie diese buckelige\nFee, stieg die Oper Faust, deren Buch die Herren Carre\nund Barbier nach Göthe's unsterblicher Dichtung vergäng-\nlich zurecht gemacht hatten, mit Musik von Gounod auf\ndie Scene des lyrischen Theaters, in fünf Acten von\nI*austs Lebens-Ueberdruss bis zu Gretchen's Apotheose\naus dem Kerker in den Himmel, einem optisch-decoralivcn\nGemälde, wodurch die „Stimme von oben\" des deutschen\nDichters: „Sie ist gerettet!\" den französischen Zuschauern\ndeutlich gemacht wird. Der Referent eines hiesigen ange-\nO O\nsehenen Blattes, übrigens ein sehr unterrichteter und auch\nmit der deutschen Literatur nicht ganz unbekannter Mu-\nsiker, sagt sehr naiv: „Ausser einigen unbedeutenden\nAenderungen sind die Herren Carre und Barbier Göthe'n\nSchritt für Schritt gefolgt und haben sich damit begnügt,\ndie philosophischen Tiraden zu beseitigen\"!!\nNun, eine dieser „unbedeutenden\" Aenderungen ist z. B.\ndie, dass V aust mit der verhängnissvollen Schale in der\nHand durch ein fröhliches Hoboestückchen zum Leben zu-\nrückgeführt wird, anstatt durch den Chor am Ostermor-\ngen: „Christ ist erstanden!\" Ferner ist Gretchen am\nSpinnrad als Vision, die Mephisto dem Faust zeigt, in den\nersten Act versetzt; sie singt sogar ein deutlich vernehm-\nbares Lied in dieser Erscheinung (gerade wie <ler Tenor\nHelios in Herculanum), zu dessen Melodie die Violinen das\nRad drehen, Harle und Hörner eine mystische Färbung\ngeben, und mir so etwas wie Franz Schubert dabei in\nden Sinn kam.\nAuerbachs Keller ist in einen freien Platz, einen Lust-\nort, verwandelt, wie denn überhaupt die Scene der Spa-\nzirgänger vor den Thoren mit der Scene in dem leipziger\nKeller zusammengeworfen wird. Soldaten spielen die Haupt-\nrolle dabei; als der Wein Feuer sprüht, ziehen sie den\nDegen, dringen auf Mephisto ein. Der schützt sich durch\nBlendwerk. Da merken die tapferen Krieger, mit wem sie\nes zu thun haben, kehren ihre Schwerter um und halten\nihm die Griffe in Kreuzesform entgegen; zugleich singen\nsie ihn mit einem Choral an! Das halte der Teufel aus!\nMephisto erbebt und steht da wie ein begossener Pudel.\nDa er so lange bleiben muss, bis die Kerle den Choral\nausgesungen haben, so begreift man nicht, warum diese\nnicht ihren Sieg benutzen, ihn packen und unter sicheren\nVerschluss nehmen. Sobald sie fertig sind, läuft er davon.\nDas Volk singt und tanzt, ein deutscher Walzer darf nicht\nfehlen.\nDer dritte Act hält sich genauer an Göthe. Gretchen's\nZimmer, das Schmuckkästchen, der Spazirgang im Garten,\ndas Wechselgespräch der Liebe, das ist alles da. Aber\nganz ohne Lächerlichkeit darf es nicht abgehen; desswegen\nhatten die Librettisten den Einfall, einen ganz jungen Men-\nschen, den eine Sängerin darstellt, einzuführen, der für\nGretchen schwärmt! Und wie haben sie ihn genannt? Sie-\nbe!! sage: Siebel\nwill von keinem Grusse wissen,\nAls ihr die Fenster ein^eschmissen!\"\nIm vierten Act wieder ein Soldatenchor, Valentin wird\nerstochen und kanzelt nachher seine Schwester in sehr\nlangweiliger Melodie ab, die Kirche im Hintergründe öff-\nnet sich von selbst durch ein Kunststück des Maschinisten,\nGretchen betet, der böse Geist, hier Mephisto in eigener\nPerson, brüllt ihr seine Vorwürfe mit furchtbaren Gesti-\nculationen vor. Dabei Choral und das und\ndennoch keine Wirkung-—nicht einmal für die Pariser!\nZuletzt, im fünften Acte, Hexensabbat auf dem Blocks-\nberg. Faust singt ein Trinklied. Zum Schluss Scene im\nKerker, wie oben schon erwähnt. Das ist Faust in Paris.\nGounod ist, wie wir schon oft berichtet haben, ein\nComponist, der im Grunde genommen eine ernste Rich-\ntung verfolgt, wenigstens für einen französischen Opern-\nschreiber der Gegenwart. Er hat auch Talent, besonders\nfür Instrumentalsachen; das Orchester ist auch im Faust\ndurchweg gut behandelt, manchmal überraschend schön,\nobschon an anderen Steilen freilich wieder nichts als Lärm\nzu hören ist. Alles das aber schützt ihn nicht vor dem hau-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "411", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591224-01.1.3", "texte": "figen Verfallen in das schlimmste Genre, ins genre en-\nnuyenx. Schon die Einleitung zu Faust's Auftreten, das,\neben so wie bei Göthe, die erste Scene bildet, liefert trotz\nguter Instrumentirung einen Beweis davon; am Ende der-\nselben sagt man sich, wie Faust:\n~Da steh1 ich nun, ich armer Thor,\nUnd bin so klug, als wie zuvor!\"\nDas Duett zwischen Faust und Mephisto am Schlüsse des\nersten Actes ist ohne melodischen Schwung, welchen der\nLärm des Orchesters und die brüllenden Stimmen nicht\nersetzen können. In der Volksscene sind ein paar hübsche\nChöre, auch der Choral der Soldaten ist kräftig, wenn nur\ndie Situation nicht gar zu lächerlich wäre! Der Walzer,\nprächtig instrumentirt und zugleich auf der Scene gesun-\ngen, macht Furore.\nMusicalisch am gehaltvollsten ist der dritte Act. Nach\nSiebel's sehnsüchtiger Romanze (!) ist die Arie von Faust\nmit obligater Violine ein schönes Stück. Dass Gretchen\nihre Freude über den Schmuck in sprudelnden Coloratu-\nren ausdrückt, ist conditio sin non für die Sängerin\n(Miolan-Carvalho) und für das Volk. Das Quartett im Gar-\nten bei der Promenade ist hübsch, die zwei Duette zwi-\nschen Gretchen und Faust sind schön, weil edel und ge-\nfühlvoll gehalten. - Da ist Empfindung und wirklicher\nGesang.\nLeider hält sich der Componist in den beiden letzten\nActen keineswegs auf dieser Höhe. Wiederum ein Solda-\ntenchor, der zwar recht gut beginnt, sich aber in gehalt-\nlosen Lärm verliert. Die Musik zu der Scene vor Gret-\nchen's Hause, das Zitherlied Mephisto's, ein Terzett u. s. w.,\nerhebt sich nicht über das ganz Gewöhnliche. Die Scene\nin der Kirche macht trotz aller aufgebotenen Mittel nichts,\nMephisto's Gesang darin ist geschraubte und widerliche\nRhetorik. Die Musik zur Walpurgisnacht auf dem Brocken\nträgt die Farbe der Wahrheit so enorm dick auf, dass\nallerdings Alles toll durch einander geht. So etwas ist keine\nMusik mehr, sondern Geheul und Gekrächze von Stimmen\nund Instrumenten. Das Finale, ein grosses Terzett zwischen\nGretchen, Faust und Mephisto, hat einige Licht-Momente\nund enthält vielleicht mehr Schönes, als ich gehört habe;\ndenn der Teufel mag nach fünfactigem Spectakel noch iin\nStande sein, aufmerksam zu bleiben, wenn er nicht muss!\nBei der Wiedereröffnung des lyrischen Theaters nach\nden Ferien (am 1. September) füllten Mozart's „Entfüh-\nrung\" mit Weber's „Abu Hassan\" hinterher wiederum\nmehrere Male das Haus. Auch Gounod's „Faust\" ist wie-\nder in Scene gegangen. Eine Goldgrube für diese Bühne\nbleibt immer noch Mozart's „Figaro\". Diesen Winter\nist darin eine Demoiselle Marie Sax als Gräfin (die frü-\nhere Rolle der Caroline Duprez) aufgetreten; sie berech-\ntigt durch schöne, volle und umfangreiche Stimme, in wel-\ncher besonders das Brust- und Mittelregister klangvoll, die\nflöhe noch etwas scharf ist, und durch sorgfältige Schule\nzu sehr guten Hoffnungen. Mit der Saxhorn-Famiiie ist sie\nnicht verwandt; wie ich höre, ist es eine Deutsche, deren\nTheatername nicht ihr Familienname ist. Schade, dass Ma-\ndame Ugalde die Susanne wie eine Soubrette in einer\nSchenke singt, und—was unverzeihlich ist dass das Or-\nchester die Oper hölzern und matt spielt. Ueberhaupt er-\ninnert das Orchester dieser Buhne häufig daran, dass sie\ndritten Banges ist, woran man sonst bei ihren Leistungen\nnicht denkt.\nEine Neuigkeit vom 30. September: Les Viobns du\nRoi, Musik von Deffes, komische Oper in drei Acten,\nwill ich der Vollständigkeit der Annalen wegen erwähnen;\nübrigens kann man von ihr nur sagen: Transeat cum cae-\nteris! Lully als Küchenjunge von Florenz, Bewahrer des\nGeheimnisses eines Sorbet au melon und eines Souffle au\nParmesan> dabei enragirter Violinspieler, der die 30-—40\nKüchenjungen seines Principals zu lauter Violinisten macht,\nspielt dabei die Hauptrolle. Ludwig XIV., auch erst etwa\nsechszehn Jahre alt, speist in der Restauration, lässt sich\nMusik machen u. s. w. u. s. w.; diese ist aber mit Aus-\nnahme sehr weniger Nummern etwas, das man, wenn es\nsich um Latein handelte, Küchen-Latein nennen könnte.\nAls Curiosum ist zu notiren: die Ouvertüre fängt mit God\nsave the King an! Wie, was? Ja wohl; denn nach der\nfranzösischen Tradition hat Lully diesen Gesang für die\nAnhänger Karl's des Zweiten componirt, und in der Oper\nen question wird er von den musicalischen Küchenjungen\ndem Könige Louis XIV. vorgegeigt!!\nDoch kommen wir endlich zu dem Ereigniss, durch\nwelches alles Vorhergegangene und von uns bis jetzt Be-\nsprochene in Schatten gestellt worden, zur Wiederauffüh-\nrung des Orpheus von Gluck. Die kaiserliche Oper hat\nes sich nehmen lassen, die Werke des Heros wieder zu\nbeleben, der einst ihre Bühne auf die höchste Stufe der\nKunst brachte! Sie hat zu viel mit Malerei und Maschi-\nnerie zu thun, um sich um classische Musik bekümmern\nzu können! Zu einiger Entschuldigung dient ihr höchstens,\ndass die Napoleoniden wie ihr Stammherr eben nicht sehr\nmusicalisch sind und auch die Kaiserin keine Marie An-\ntoinette. So konnte ihr denn das kleinere und noch ganz\njunge Theater den Rang ablaufen. Mit welchem Erfolg,\ndavon zeugt, spricht und schwatzt ganz Paris, dass es zum\nErschrecken ist! Hector Berlioz hat sich um die Auffüh-\nrung grosses Verdienst erworben; mit ihm ist die ganze\nSache berathen worden, unter seiner Leitung sind die\nChöre und das Orchester, ich möchte sagen: wieder ange-\nlernt worden, Gluck'sche Musik vorzutragen. Trotzuem\n[*J"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "412", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591224-01.1.4", "texte": "hat er doch der Stimmung, die ich eben durch „Er-\nschrecken\" über den Erfolg des Orpheus bezeichnete, einen\nlauten und ironisch scharfen Ausdruck gegeben, der die\nSache vollkommen so schildert, wie sie wirklich ist.\n„Der Orpheus\", sagt er, „beginnt eine Popularität\nzu erhallen, die einem bange machen kann. Lassen wir\njedoch die Hoffnung nicht sinken, dass Gluck nicht Mode\nwerden wird. Dass das Haus jedesmal voll ist, gut; dass\nHerr Carvalho viel Geld dabei verdient, auch gut; dass\nsich die musicalischen Sitten der Pariser reinigen, ihre\nkleinlichen Anschauungen erweitern, vortrefflich; dass die\nKunstfreunde im Publicum sich einer ausnahmsweise ge-\nbotenen Gelegenheit, schöne Musik zu hören, mit Freuden\nbemächtigen, noch besser! Aber dass die Poloniusse (Po-\nlonius ist der neue Name für die dilettantischen Klug\nSprecher) es für ihre Pflicht halten, in dem Orpheus nicht\nzu schlafen, dass sie sich nur heimlich in die Possen-Thea-\nter schleichen, um sich zu amusiren, dass sie Gluck's Mu-\nsik „ „reizend\"\" zu finden vorgeben, das ist schlimm, sehr\nschlimm! Warum sträuben sich diese Leute gegen ihre\nNatur, die ja doch bald genug wieder hervorbrechen wird?\nWarum bekennen sie nicht mit so vielen Anderen!\naufrichtig: „„Ach, das ist schauderhaft langweilig! das\nmacht einen todt!\"\" —Warum wagen sie Reden wie fol-\ngende nur leise zu flüstern: „„Verzeihen Sie es mir, Ma-\ndame, dass ich Sie veranlasst habe, bei einem so zusam-\nmengestoppelten Machwerke auszuhalten, einem so lang-\nweiligen Leichenzuge beizuwohnen. Morgen wollen wir\nuns in den Champs Ehjsees entschädigen. Heute hat man\nuns unser Geld aus der Tasche gestohlen; die Journalisten,\ndie Dummköpfe, haben uns in diese abscheuliche Falle ge-\nlockt!\"\" Oder bei einer anderen Gruppe: „„Das ist\nsehr gelehrte, tief gelehrte Musik! Wenn man aber erst\nden Kontrapunkt studiren muss, um sie schön zu finden,\nso werden Sie gestehen, meine Theuerste, dass das nichts\nfür uns ist.\"\" Von einer anderen Seite her höre ich:\n„„In dem ganzen Ding sind nicht zwei Tacte Melodie!\nWenn wir jungen Gomponisten solche Musik schrieben,\nwürfe man uns mit Kartoffeln!\"\" —Dagegen erheben sich\nwieder Andere zu dem Gestä' Iniss: „ „Das ist schön, aber\nschrecklich lang!\"\" öder: „,Das ist sehr lang, aber\neben nicht schön!\"9\n„Warum das alles nur leise, nur heimlich? Es ist\nschlimm, wenn diese neue Art von Heuchelei überhand\nnimmt, wenn die musicalschen Tartuffes aufkommen. Man\nwird am Ende irre. Bisher freute man sich, Sachen, die\nman liebt und bewundert, von anders organisirten Leuten\nverhöhnt zu sehen; jetzt aber,bei der Bewunderung, wel-\nche auch diese Leute zur Schau tragen, kommt man auf\ndie Frage jenes Redners im Alterthume zurück und denkt:\n„ „DieMenge ist entzückt; mein Gott, sollten wir vielleicht\netwas Dummes bewundern?\"\"\nBerlioz hat Recht; nur ist es schade, dass er den Pa-\nrisern nicht schon längst, ehe an den Orpheus gedacht\nwurde, ihre Heuchelei und Coquetterie mit der „retro-\nspectiven\" Musik angemerkt und ihnen die Wahrheit dar-\nüber gesagt hat. Der „erschreckliche\" Erfolg des Orpheus\noffenbart sich auch durch eine Menge von Verlags-Specu-\nlationen; Gluck prangt hinter allen Schaufenstern und in\nallen möglichen Costumen. An Zurechtmachern fehlt es\nnicht; selbst Krüger hat die Scene des Elysiums übercla-\nviert, Prudent den Auftritt im Tartarus (!), Theodor Ritter\neinen ganz neuen Clavier-Auszug gemacht, Benfield die\nC-dur-\\r\\Qdes Orpheus: „J'ai per du\nfarö senza Euridice)\"im Salon auf der Harfe geklimpert,\nArban den Auftrag von der Direction der Concerte in der\nEue Cadeterhalten, eine Polka über Themen aus\ndem Orpheus zu schreiben!!\nDie Oper wird in den Hauptsachen nach der Bearbei-\ntung gegeben, welche Gluck selbst für die Aufführung in\nder grossen Oper im Jahre 1774 gemacht hat, jedoch-mit\ndem wesentlichen Unterschiede, dass der Orpheus, den er\ndamals für den Tenoristen Legros umschrieb, weil man\nkeinen Altisten hatte, jetzt nach der ursprünglichen italiä-\nnischen Partitur als Alt-Partie wieder hergestellt ist und\nvon Frau Viardot-Garcia gesungen wird. Nur hat diese\nSängerin eine grosse Bravour-Arie am Ende des ersten\nActes eingelegt, die mir nicht von Gluck herzurühren\nscheint, was aber nicht hindert, dass sie rasend applaudirt\nwird; und wenn wir nicht zu denTartuffes gehören wol-\nlen, so müssen wir gestehen, dass dieses Bravourstück\nwahrlich nicht wenig zum Erfolg der Sängerin und des\nganzen Orpheus beigetragen hat! Gluck's Stil ist jedenfalls\nnicht in dieser Arie, die sich neben der übrigen Musik wie\nein ausgeputzter Weihnachtsbaum auf einer grünen Wiese\nausnimmt*).\n\n\\) Die Arie rührt trotzdem doch wirklich von Gluck her, stand\naber nicht in der italienischen Original-Partitur (1762), wie\ndie Gazelte et Revue musicale in ihrer Nr. 47 fälschlich be-\nhauptet, sondern wurde erst zwölf Jahre später in Paris Be-\nhufs der Aufführung am 2. August 17/4 für den oben erwähn-\nten Tenoristen Legros von Glück componirt. Sie reiht sich\nan das Recitativ des Orpbetis: „Che disse? ch'ciscoltai ?u nach\nAmor's Verheissung, als ein Aliegro maestoso in B-dur, %-Tact\nan, vom Streich-Quartett und den Hoboen begleitet: der Text\nmit dem Anfange: L'vspoir renati dans mon ame passt in\ndie Situation; keineswegs aber thun dies die Coloraturen und\nder ganze Stil der Musik. Es ist dies das einzige Beispiel, das»\nGluck, der selbst bei seinen früheren Opern den Forderungen\nder italienischen Sänger nicht nachgab und einen pariser Tanp-\nmeister, der sich nur geäussert hatte, zu seiner Balletmusik\nkönne man nicht tanzen, mit seinen starken Armen vom Boden\naufhob und ihn oine lange Zeit schüttelte und ab und zu auf"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "413", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591224-01.1.5", "texte": "Ueberhaupt aber feiert Mad. Viardot in dieser Rolle\neinen Triumph in Paris, den sie kaum noch erwarten konnte.\nlis ist wahr, dass ihre Bruststimme noch immer klangvoll\nist, und wo die Partie des Orpheus, wie zumeist, in diese\nStimm-llcgion fällt, da macht ihr Vortrag in Verbindung\nmit der trefflichen lonhildung, der wunderbar schönen\nAussprache und Declamation, bei der die Hasslichkeit der\nfranzösischen Vocale schön wird, und mit dem edeln, pla-\nstischen Spiel einen grossen und wahrhaft erhebenden Ein-\ndruck. Darüber hinaus kann man denn schon die Schärfe\nund den Mangel an Frische in der Höhe mit in den Kauf\nnehmen. Es dürfte wenig Künstlerinnen geben, die am\nEnde ihrer Laufbahn nach der Bewunderung in zwei Welt-\ntheilen noch eine solche Fülle von Beifall, Blumen, Krän-\nzen und werthvollsten Geschenken ärnten. Dennoch glaube\nich, dass ein so fabelhafter Erfolg nur in Paris möglich ist;\nin Deutschland dürfte Mad. Viardot als Orpheus schwer-\nlich Aehnliches erleben. Es hat übrigens der jetzige En-\nthusiasmus der Franzosen auch seine ehrenwerthe Seite,\nin so fern er zum grossen Theile auf Erinnerung an frü-\nhere Kunstgrösse und auf dankbarer Anerkennung des\nseltenen Genies beruht und zur Apotheose der Kunst des\ndramatischen Gesanges im Gegensatze der Anbetung der\nrohen Naturkräfte wird.\n\nB. P.\n\nAus Frankfurt am Main.\n\n[Das erste Abonnements-Concert des Cäcilien-Vereins ]\nDen 18. December 1859.\nSeit dem in Nr. 19 vom 30. April enthaltenen Be-\nrichte über Hände Ts Israel in Aegypten, den der Cä-\neilien-Verein zur Säcularfeier von Händel's Todestage in\nder Paulskirche aufführte, hat der das Frühjahr und den\nSommer erfüllende Kriegsiärm mich von einer weiteren\nBerichterstattung abgehalten. Ich erwähne daher jetzt nur\nV\nergänzend, dass in der Cliarwoche, wie gewöhnlich, die\nMatthäus-Passion Bach's gesungen wurde, und zwar\ndiesmal nicht als grosses Concert, sondern im Vereins-Lo-\ncale ohne Orchester und ohne vorherige Proben. Bei\neinem Vereine, wie der Cncilien-Verein ist, der nun bc~\nreits neunzehn Mal dieses Werk gebracht hat, der in Bach\nund Händel aufgewachsen ist, durfte man dies schon wa-\ngen, und die Auilührung hat es auf das erfreulichste be-\nwiesen, dass die Passion des Vereins vollkommenes\nthum geworden ist. Es wurde mit Weihe und Begeisterung\ngesungen und ganz in der Anordnung, wie nach dem Be-\nrichte in Ni. lb vom 23. April in Köln, welche Anord-\nnung unser Stifter Schelble getroffen hat im Einvernehmen\nmit Mendelssohn, dem eigentlichen Wiedererwecker des\nherrlichen Werkes. Als viertes Abonnements-Concert\nbrachte der Verein am 19. Mai zum zweiten Male die ge-\nwaltige D-mcll-Messevon Cherubini, leider nicht,\nwie er beabsichtigte, mit Orchester, da die financiellen\nVei hältnisse es nicht gestatteten, jedoch in gediegenster\nVocal-Ausführung. Es ist traurig, dass unsere grossen Ge-\nsang-Vereine, die vornehmsten Pfleger der höheren Musik,\nimmer noch, wenigstens hier, in ihren Bestrebungen, das\nBeste in würdigster Weise zu geben, durch die äusseren\nMittel gehemmt werden. Freilich liegt dies zum Theil in\nden beschränkten Bäumlichkeiten, und der neue Saalbau\nwird die Abhiilfe bringen; aber ganz frei von Schuld kön-\nnen wir doch auch nicht die höheren Kreise der Gesell-\nschaft sprechen, die sich namentlich zu ihrer Schande so\nschwach bei der Händel-Feier betheiligt haben. Den Schluss\ndes Vereinsjahres machte eine improvisirte Aufführung am\n25. Mai, in welcher die fünf ersten Nummern der\nMesse von Bach, das Ave ver von Mozart, die Cäci-\nlien-Cantate von Hauptmann und der 42. Psalm von\nMendelssohn gesungen wurden.\nDie Wiedereröffnung der Vereins-Abende verzögerte\nsich bei der anhaltenden gänzlichen Stimmlosigkeit des Di-\nrectors F. Messer diesmal bis Ende September. Wir dür-\nfen hoffen, dass das Leiden desselben bei seinem ausserdem\nvollkommen kräftigen Wohlsein ihn nicht verhindern wird,\nsein eminentes Lehr- und Directions-Talent, seinen reinen\nGeschmack und sein reiches Wissen und Können ganz in\ndem Grade, wie es seine hohe Begeisterung wünscht, dem\nVereine zu widmen, den er auf eine früher nicht erreichte\nStufe erhoben hat. Halten Sie dieses nicht für einen freund-\nschaftlichen Panegyrikus; hätten Sie bei dem ersten Abon-\nnements-Concerte, von dem ich jetzt sprechen will, zuge-\ngen sein können, Sie würden sicher dasselbe sagen, wie\nes hier jeder weiss, der nicht aus Scheelsucht sich verbohrt\nhat. Das zeigt denn auch äusserlich die überraschende Zu-\nnahme des Vereins an Mitgliedern; er zählt jetzt über 250\n\nden Boden stiess, während er dabei eine seiner Ballet-Melo-\ndieen brummte, dass dieser energische Tonmeister sagen\nwir sich zu einer so auffallenden Nachgiebigkeit gegen\neinen Sänger herabliess. Die Arie steht in der pariser Partitur\nvom Jahre Ü 774, die, der Königin gewidmet, bei Pacini er-\nschienen ist, mit französischem Texte von Mol ine Auch im\nClavier-Auszug: Paris, cliez Mme. Vve. Lanner, kl. 4to, aus\nderselben Zeit, Vergl. Gluck's Leben, Von Anton\nS cli mi d.\nUebrigens hat unser Correspondent auch in Bezug auf die\nAutorschaft der Arie zum Theil Recht; denn Madame Viar-\ndot, nicht zufrieden mit der Legros'schen Bravour-Arie, hat\naus eigenem Antriebe nach Berlioz (in den Ddbats) noch „une\nfameuse cadence\" hinzugefügt, „qui fait delirer, bondir et hur-\nIwr d'aiso les contiaisseurs (?) cotntne le gros public!\"\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "414", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591224-01.1.6", "texte": "Sänger und Sängerinnen, und was sich mit einem solchen\nChor, bei dein selbst der Tenor, die schwächste Seite aller\ndeutschen Vereine, aus vierzig geübten Sängern, die an-\nderen Stimmen aber fast aus der doppelten Zahl bestehen,\nunter einer kräftigen Leitung ausrichten lässt, das können\nSie selbst am besten ermessen. So gab denn auch das erste\nConcert am 25. November, dem hiesigen Buss- und Bet-\ntage, dem Vereine ein glänzendes Zengniss, und Künstler\nund Laien nannten einstimmig die Leistung eine vollendete.\nDas, was Mosewius in der von Ihnen (Nr. 12) angeführ-\nten Abhandlung begeisterten Vortrag nennt, das war es,\nwas hier so mächtig auf Sänger und Hörer wirkte. Sie\nerlauben mir, einige Stellen aus Ihrem Aufsatze: Ueber\nden Vortrag der Kirchenmusik älterer Meister (Nr. 12),\nhier anzuführen, weil sie mir dienen können, jene Angriffe\ndes Recensenten im Volksfreunde, die Sie vor Augen hat-\nten, zurückzuweisen.\nSie sagen: „Zwischen süsslicher Sentimentalität und\ndem Ausdruck der Wahrheit des Gefühls durch\nden Vortrag liegt eine ungeheure Kluft; diese aber, die\nWahrheit des Gefühls, die Sprache der Seele mögen\nwir um keinen Preis aus der Musik verbannen\" u. s. w.\n„Die grösste Wirkung Bach'scher Vocal-Musik (sagt Marx)\nwird dann Statt finden, wenn der Chor der Stimmen sich\nwirklich beseelt, wenn jede Stimme im eigenen freien\nDasein als eine Person für sich uns nahe tritt, um sich\nmit allen anderen gleichberechtigten, gleichfreien zu Einem\nGanzen, zu Einem Zwecke zu vereinen.\" „Erst dann wird\nnicht bloss der Musiker, sondern jeder Kunstfreund, ja,\nselbst ein grosser Theil des gewöhnlichen Kunst-PuhJicums,\nfühlen, d ass hier nicht bloss eine Probe contrapunktischer\nWeisheit vorgeführt wird, sondern ein geistiges Leben in\nlönen, welches aus einer Menschenbrust quillt, die Alles\nhat, Glauben und Wissen, Gefühl und Verstand, Poesie\nund Technik, und welches desshalb so wie wenig Anderes,\nvom Menschen Geschaffenes, im Stande ist, die Seele zu\nergreifen, zu stärken, zu erheben.\"\nJener Vorwurf der Sentimentalität, der damals bei der\nKritik über die Aufführung des Weihnachts-Oratoriums,\nwie vorher schon oft, namentlich bei der Passion, dem\nVereine immer wieder gemacht wurde, trifft hauptsächlich\nden Vortrag der Choräle. Nun ist es aber doch wohl je-\ndem echt fühlenden Menschen klar, dass die Tonstärke sich\nnach dem Sinne des Textes richten muss, dass man also\ndenselben Choral und seine einzelnen Phrasen nicht in glei-\ncher Weise vortragen darf, ob man singe: „Wie soii ich\nDich empfangen\", oder: „0 Haupt voll Blut und Wun-\nden\", oder: „Wenn ich einmal soll scheiden\". Gerade\ndiese letzte Strophe in der Matthäus-Passion, vorgetragen,\nwie in Köln, von einem Solo-Chor im Pianissimo, die so\nwunderbarergreifend wirkt nach dem schmerzvollen Schrei:\n„Und Er verschied!\" hat hauptsächlich den Tadel erfahren,\nwährend unparteiische Musiker gerade den Vortrag dieses\nChorals ohne Begleitung im Pianissimo mit einzelnen An-\nschwellungen neben dem prachtvollen Eingangschor für\ndie Krone in der Aufführung erklärt haben. Uebrigens\nwird auch unser F. Hiller, der den Verein so genau kennt,\nbezeugen, dass ihm und seinem Director nichts ferner liegt,\nals süssliche Sentimentalität oder gar Affectation, dass er\nvielmehr danach ringt, aus dem richtigen Absingen zum\nfreien Seelen-Ausdruck zu gelangen. Und dass er dies ge-\nrade durch Messer erreicht hat, bewies das erste Concert,\nwelches Mendelssohn's Sinfonie-Cantäte, zum er-\nsten Male wieder seit 1842, und Mozart's Requiem\nbrachte. Hier zeigte sich wirklich überall vollkommenstes\nVerständniss und freiester, sicherster Vortrag und eine Ton-\nVollendung, Ton-Schönheit und Leichtigkeit in den schwie-\nrigsten Formen, wie sie nur aus dem gründlichsten Stu-\ndium einer 11-moll-Messegewonnen werden konnte. Ueber\ndie Werke selbst etwas zu sagen, würde sich für einen\nNicht-Musiker in Ihrem Blatte kaum ziemen. Das Mendels-\nsohn'sche Werk, in seinem Instrumentale, neben etwas er-\nmüdender Länge des ersten Satzes, ausser dem grossen\nHauptgedanken mehr graziös gehalten, erhebt sich im Loh-\ngesange zum Erhabenen in der Stelle: „Die Nacht ist ver-\ngangen\", und dem darauf folgenden Choral: „Nun danket\nalle Gott!\" Der erste Vers desselben, ohne Begleitung ge-\nsungen, liess den gewaltigen Chor von 250 Stimmen seine\nganze Kraft entfalten, und dass die Stimmung auch nicht\num die Schwebe sank, trotz der ausserordentlichen Hitze,\nbewies die Geübtheit und Sicherheit der Singenden. Das\nOrchester spielte vortrefflich, und auch die Solisten: Fräul.\nVeith, Fräul. Martin, Herr Baumann und Herr Hill,\nleisteten Vorzügliches. Bewundernswürdig rein und gross\ntrug Fräul. Veith die Stelle vor: „Die Nacht ist vergan-\ngen\", und Herr Baumann zeigte im Vortrag des vorher-\ngehenden leidenschaftlichen Recitativs sein tiefes Gefühl\nund sein feines Studium. Dies irae und Lacrymosa im Re-\nquiem wirkten erschütternd. Musiker und Musikfreunde,\ndie sehr zahlreich gekommen waren, fühlten sich erhoben\nund begeistert von der Herrlichkeit der Musik. Zum\nzweiten Concerte wird Hände Ts Josua einstudirt.\n\nnn.\n\nAus Bonn.\nDas zweite Abonnements-Conccrt unter Leitung des städtischen\nMusik-Directors Herrn Alb. Dietrich brachte uns am 14. De-\ncember nur zwei Compositionen, aber von so gediegenem Werthe,\ndass sie hundert andere aufwiegen. Sie werden einstimmen, wenn\nich Ihnen sage, dass es Beethoyen's C-wio/Z-Sinfonie war und\ndie zwei ersten Theile des Weih nach ts-Ora tori ums von Joh.\nS eb. Bach."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "415", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591224-01.1.7", "texte": "Für eine vollkommene Ausführung der fünften Sinfonie reichen\nfreilich unsere Orchesterkräfte nicht aus; doch konnte die diesma-\nlige verhältnissmässig recht wohl befriedigen, da Alles deutlich und\nkräftig herauskam und der Herr Dirigent die Tempi mit Kecht lang-\nsamer nahm, als es jetzt an so vielen Orten gebräuchlich oder viel-\nmehr missbräuchHeh ist.\nDie hauptsächlichste Theilnahme wandte sieh jedoch dem Ora-\ntorium zu, das zum ersten Male hier aufgeführt wurde. Wir möch-\nten fast behaupten, dass diese zwei ersten Theile des Weihnachts-\nOratoriums von allem, was Bach geschrieben, dem grösseren Publi-\ncum am unmittelbarsten zugänglich und eindringlich sind. Die\nbeiden Alt-Arien, vortrefflich von Fräul. Schreck gesungen, s j\nwie die anmuthige, aber schwierige Tenor-Arie, von Herrn K. mit\ngrösster Sicherheit ausgeführt, wurden eine Seltenheit! sogar\nlebhaft applaudirt. Eben so machte die reizende Pastoral-Einleitung\n*um zweiten Theile entschiedenen Eindruck.\nMit Vergnügen bemerkten wir, dass sich der Chor durch Klang\nund Frische dieses Mal auszeichnete, ein sehr erfreuliches Zeichen\neiner regeren Theilnahme am Gesangvereine, der wir als der Haupt-\ngrundlage für grössere musicalische Aufführungen in unserer Stadt\nvon Herzen Ausdauer und steigende Mehrung wünschen.\n\nAus Aachen.\nDie Ausführung des Paulus von F. Mendelssohn in dem\n«weiten Abonnements-Concerte unter Herrn Wüllner's trefflicher\nLeitung war vorzüglich und machte dem Chor und dem Orchester\nEhre. Die Soli waren bei Frau H., Frau Henriette Wickop,\nHerrn A und Herrn Gö bbei s in guten Händen. Der Männergesang-\nVercin Concordia feierte unter der Direction des Herrn A. sein\nStiftungsfest. Der Vortrag der Gesänge hat uns gezeigt, dass der\nVerein keineswegs auf seinen Lorbern schläft. Die Sitzung wurde\ndurch ein schönes Streichquintett von G. Onslow (Es-dur) eröff-\nnet, welches uns bewies, dass die Werke dieses gediegenen Compo-\nnisten mit Unrecht vernachlässigt werden. Unser zweiter Concert-\nmeister, Herr Wipplinger, hat die glänzende Partie der ersten\nVioline meisterhaft ausgeführt und wurde vortrefflich von seinen\nMitspielern unterstützt. Sollten wir Eins rügen, so wäre es, dass die\nContraste zwischen piano und forte etwas zu grell neben einander\ngestellt wurden: es gibt auch ein Medium, ein mezzo piano und\nforte. Ausserdem ärntete Herr Wipplinger noch verdienten Beifall\ndurch den Vortrag einer Phantasie von David, eben so Herr Fritsclie\ndurch ein Concertino für die Flöte. Der Name des Componisten des\nletzteren ist mir entfallen, was wenig zur Sache thut, da dergleichen\nStücke alle über Einen Leisten geschlagen sind.\nUnser Instrumental-Verein widmete seine Versammlung\nvom 29. November dem Andenken Spohr's. Die Bestandteile des\nProgramms waren: Ouvertüre zur Oper Faust, ein Duett aus der-\nselben Oper (gesungen von Fräulein B. und Herrn A \\ ein sehr in-\nteressantes Notturno für Blas.nstrumente, die Sinfonie „Weihe der\nTöneu, und das zwölfte Violin-Concert des Meisters, von dessen dank-\nbarem und würdigem Schüler Fritz Wen ig mann, unserem ersten\nConcertmeistcr, vortrefflich gespielt. Sowohl die Wahl der Stücke,\nais ihre Ausführung erregten die vollste Befriedigung.\nAm 1. December haben die Herren Müller, Gebrüder Wenig-\nmann und Wipplinger die Soireen für Kammermusik begonnen.\nDaa Programm brachte ein Trio in E-moll von Haydn, ein Quar-\ntett (Es-dur) von Cherubini und das B-dur-Trio von Beetho-\nven, Herr Wüllner bewährte sich als gediegener Clavierspieler, die\nübrigen Partner als tüchtige Künstler für diese edle Musikgattung.\nWir dürfen nicht verschweigen, im Gcgentheil, wir erwähnen gern»\ndass der Violoncellist Herr Johann Wenigmann sich durch sein aus-\ndrucksvolles Spiel ganz besondere Anerkennung erworben hat,\nN.\n\nFünftes Gesellschafts-Concert in Köln in Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen* Capellmeisters Herrn Ferd Hiilcr,\nD ins tag, December 1859.\nProgramm: Esther, Oratorium von G. F. Händel.\nWir haben bereits in Nr. 43 bei Anzeige der Herausgabe des\nClavier-Auszugs durch J. J. Maier die Entstehung und den Inhalt\ndis Oiatoiiums Esther nach Maier's \\ orrede und Clirysander's Le-\nben Ilcindel s besprochen Die Aufführung am Dinstag, die erste mit\nvollständiger Orchester-Begleitung und wohl überhaupt in Deutsch-\nland, hat uns die Ueberzeugung gegeben, dass dieses Oratorium, wenn\nes auch die V ollkommenheit der oratorischen Form und die vollen-\ndete Durchbildung der schaffenden Kraft, die uns in den späteren\nWerken des Meisters überwältigend entgegentritt, noch nicht erreicht,\ndoch so viel Gehalt hat und so unverkennbaren Schwung des Genius\nolfenbart, dass seine Verbreitung in Deutschland nicht unterlassen\nwerden darf und viel dazu beitragen wird, der deutschen llän-\ndel-Ges el lselia f t erneute Theilnahme zu gewinnen, weil es einen\nrecht sichtbaren Beweis gibt, wie viele und herrliche Schätze noch\nin Händers Partituren vergraben liegen und der Hebung warten. Die\nAufnahme des Werkes beim hiesigen Publicum denjenigen Theil\nder Zuhörer abgerechnet, die überhaupt Oratorien-Musik langweilig\nfinden, und wo hätte „Polonius\" nicht weitläufige und nahe Anver-\nwandte? (Siehe Berlioz im pariser Briefe dieser Nummer) war\neine warme und beifällige, die sich auch durch Beifalls-Aeusserungen\nbei einzelnen Arien und Chören und am Schlüsse offenbarte.\nDie Verkürzungen in der Einrichtung des Ganzen durch Hiller\nwaren folgende: Es blieben weg die Sopran-Arie Nr 8 in C-dur mit\nBegleitung einer Solo-Harfe: „Praise the Lord\"; ferner die Arie\ndes Mardochai Nr. 17 in Es-dur: „Dread not the danger\"; den In-\nhalt ersetzte ein kurzes Kecitativ. Darauf war das liebliche Duett\nNr. 17b (aus dem Anhang) für Sopran und Alt in Ü-moll: ~Bless-\nsings dcscendeingeschaltet. Dann fiel noch aus in der zweiten\nAbtheilung Nr. 25, die Arie des Ahasverus in A-dur: „I/ow can l\nstay wken love invilesu —; den Zusammenhang der Handlung ver-\nmittelte ein Kecitativ. In der dritten Abtheilung blieben weg Nr. 31,\nArie der Esther in B-dur\\ „Flallring tonguc\", in welcher sie des ver-\nurteilten Haman's Bitte gar unzart zurückweist, und Nr. 33, Arie\ndes Haman in E-moll: „IIOID art lliou fall'u\", eine Selbstanklage\nund Verdammung des Ehrgeizes ~post festem\" oder ,}trop tard\"!\nStatt dieser Stücke ist die Bravoar-Arie mit ihrem Kecitativ aus dem\nAnhang, Nr. 33a und Nr. 33b in B-dur: ~IIalleluja!\" eingeschaltet.\nWenn wir nicht irren, so ist Mardochai's Kecitativ aus dem Anhang,\nNr. 33c, vor dem Schlusschor eingefügt.\nDiese wenigen Auslassungen sind uns ganz zweckmässig erschie-\nnen. Sehr anerkennungswerth ist die bescheidene und maassvolle,\nvon feinem Gefühl geleitete Ergänzung der Instrumentirung durch\nHiller, welche namentlich in einigen Arien eine wirkliche Verschö-\nnerung ist.\nDie Ausführung gelang recht gut, zum Theil vortrefflich. Die\nSoli wurden gesungen von den Damen Frau Francisca Kübsa-\nmen, geb. Veith, gegenwärtig beim Theater in Frankfurt a. M.,\nund Fräul. Francisca Schreck aus Bonn; den Herren Karl\nSchneider vom Hoftheater zu Wiesbaden und Herrn Hill aua\nFrankfurt a< M. Letzterer (Haman) war nur wenig beschäftigt; di*"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "416", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18591224-01.1.8", "texte": "zweite kleine Arie (Nr. DO in D-molT) sang er mit mehr Tonfülle\nund Ausdruck, als die erste. Herr Schneider schien in dei Höhe\ndiesmal nicht ganz so gut bei Stimme zu sein, wie sonst, während\nder Vortrag wie immer den classischen Sänger bewährte. Die beiden\nDamen erwarben den Vorrang über die Herren, da auch die Com-\npositionen, die sie vorzutragen hatten, sie begünstigten. Frau Rüb-\nsamen erregte durch die Halleluja-Arie wiederholten lebhaften Bei-\nfall, und Fräul. Schreck ergriff die Gemüther durch den einfach\nschönen, tief empfundenen Vortrag ihrer Arien und Recitative.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMainz. Montag den 19. December war das Vereins -Con-\ncert der Liedertafel und des Damen-Gesangvereins dem\nAndenken des dahingeschiedenen Meisters L. Spohr gewidmet.\nDas Programm war sehr gut gewählt und die Ausführung unter\nLeitung des Herrn Musik-Directors Friedr. Marpurg und der\nMitwirkung des Fräul. Helene Pfeiff aus Frankfurt a. M. und\ndes königlichen Kammer-Virtuosen Herrn August Kumpel aus\nHannover, wohl des grössten der jetzigen Violinspieler aus Spohr's\nSchule, eine recht erhebende. Das Concert begann mit der Ouver-\ntüre und Introduction für den Chor der Bajaderen und Braminen aus\nSpohr's Oper „Jessonda\", Hierauf folgte der Vortrag der ~Ges-\nangscene'', jenes herrlichen, den Melodieenduft des Südens ath-\nmenden Concertes, durch Herrn Kömpel. Man muss diesen ausge-\nzeichneten Künstler gehört haben, um zu begreifen, wie er, seinem\ngrossen Meister folgend, die Violine zu einer Sängerin macht, deren\nseelenvoller Vortrag Alles hinreisst. Wie in Spohr s Compositionen\nAlles edel ist, so ist auch KömpePs Ton und Strich und Ausdruck\nam meisten geeignet, den Adel wiederzugeben, den jene in ihiem\nVortrage verlangen. Hierauf folgten die reizenden Cavatinen aus den\nOpern Faust und aus Azor und Zemire, von Fräul. Pfeiff mit\ngrossem Beifall gesungen. Den Scbluss der ersten Abtheilung machte\neine Phantasie von Spohr über Mozart'sehe Themen, wann wir\nnicht irren, ursprünglich ein Duo für Violine und Pianoforte voll\nmelodischen Reizes und trefflicher Verflechtung der beiden Themen\nzu einem Ganzen. Herr Kömpel hat auch an anderen Oiten duich\nden vortrefflichen Vortrag dieser brillanten und doch gediegenen und\nhöchst anmuthigen Composition Furore gemacht. Die zweite Abthei-\nlung füllte eine würdige Aufführung vonMozart's liequiem aus.\nIn dem ersten Concert der Liedertafel und des Damengesang-\nVereins wurde Mendelssohn's Paulus sehr gelungen aufge-\nführt. Die Chöre wurden mit grosser Präcision und guter Schatti-\nrung ausgeführt, und es gebührt Herrn F. Marpurg die unbeding-\nteste Anerkennung seines Verdienstes um die künstlerische Vollendung\nin den Leistungen der unter seiner Leitung stehenden Vereine. Die\nSoli sangen Fräulein Lehmann und Herr Schneider von Wies-\nbaden und Herr Hill von Frankfurt.\nAm G. December wurde als Fest-Oper zum Geburts-\nfest der regierenden Herzogin, und zwar zum ersten Male in\nDeutschland, „Dinorah oder die Wallfahrt nach Ploermel'4 von\nMeyerbeer auf dem hiesigen Hoftheater aufgeführt Die Palme des\nAbends gebührt Fräul. Natalie Frassini, welche die Dinorah mit\nküns lerischem Verständniss und wahrer Virtuosität sang und dar-\nstellte. Sie wurde nach dem „Schattenwalzer14 bei offener Scene und\nnach jedem Actschluss stürmisch von dem zahlreich versammelten\nPublicum hervorgerufen. Ausserdem wurden sämmtliche Musik-Num-\nmern vom Beginn bis zum Ende der Oper mit rauschendem Beifall\nbegrüsst. Herr Mülildorfer aus Mannheim hatte die Decorationen und\nMaschinen ganz getreu nach der Aufführung in Paris gemalt und\nleitete dieselben während der Aufführung mit Präcision."}]}