{"numero_id": "bm-bmtnabi-1860-01-21-01", "volume": "bmtnabi_1860-01-21_01", "ocr_sha256": "718ab47775d3876dfb162a495b7214faebe167310a38db1acbfbdf030a8fe42c", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1860/01/21_01/bmtnabi_1860-01-21_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600121-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1860-01-21-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-01-21_01#c001", "volume": "bmtnabi_1860-01-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "25", "page_fin": "25", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600121-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600121-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 375, "texte": "Inhalt.\nW. A. Mozart. Von Otto Jahn. Vierter Theil. 111. Die musicalische Thätigkeit Münchens in den Monaten Novem-\nber und December 1859. Von —ll—. Franz Wild -j- Tages- und Un te rh al tun gs bl at t (Köln, Coneert zum Besten des\nOrchesters, Max Bruch Barmen, Musik-Aufführungen Osnabrück Lüttich Mainz Darmstadt Leipzig Stuttgart\nWien Stettin Roger Paris, Richard Wagner)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-01-21-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-01-21_01#c002", "volume": "bmtnabi_1860-01-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "25", "page_fin": "29", "image_debut": 1, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600121-01.2.2", "titre_corps": "W. A. Mozart.", "titre_sommaire": "W. A. 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Nr 3.)\nNach einer kurzen Einleitung über den Zustand der\ndeutschen Oper in Wien zu Mozart's Zeiten, auf welche\ndie Besprechung der kleineren, zum l heii nur in Bruch-\nstücken vorhandenen Opern—„Der Schauspiel-Director\",\n, L'oca del Cairo\" und „Lo sposo delusou —folgt, sind die\nAbschnitte 15 bis 18 den beiden Meisterwerken der dra-\nmatischen Musik: Le nozz'e di Figaro und Don Giovanni,\ngewidmet.\nAuch hier ist, wie früher in Bezug auf die Instrumen-\ntal-Musik, ausser den interessanten historischen Nachrich-\nten und urkundlichen Berichtigungen*) die musicalische\nAnalyse sehr beachtenswerth, namentlich was die Erläu-\nterung der musicalisch-dramatischen Charakteristik be-\ntrifft. Dass übrigens Ulibischeff neben manchem Verfehlten\nin dieser Beziehung bereits viele richtige und feine Bemer-\nkungen gemacht hat, wird immer anerkannt werden\nmüssen.\nWir können unmöglich ins Einzelne der Analysen\nJahn's gehen, wollen uns aber erlauben, in Bezug auf des-\nsen Erläuterungen zum Don Giovanni einige Anmerkungen\nzu machen.\nWenn Jahn die Phantasieen oder Phantastereien E. T.\nA. Hoffmann's über Don Juan und Donna Anna als un-\nrichtig bezeichnet (S. 326), so stimmen wir damit vollkom-\nmen überein. Wir haben schon vor langer Zeit, nicht viele\nJahre nach der Erscheinung von Hoffmann's Phantasie-\nstücken, uns gegen den „Frevel\" ausgesprochen, den er\nan der Donna Anna begangen, und noch dazu in einem\nBlatte, das in Berlin gedruckt wurde, wo damals mit Hoff-\nmann eine wahre Abgötterei getrieben wurde und jeder\nDilettant auf die verlorene Unschuld der Donna Anna\nschwur. Dasselbe Verdammungs-Urtheil haben wir in der\nNiederrheinischen Musik-Zeitung, 1858, Nr. 45, kurz in\ndie Worte zusammengefasst: „Man trage nicht Dinge\nhinein (in die Oper), die nicht darin liegen, wie z. B. die\npsychologischen Phantasieen, welche die Donna Anna zu\neiner gefallenen oder gar den Verführer liebenden Jung-\nfrau, den Don Juan zu einem Ideal der Berechtigung des\nSinnlichen im Menschen machen, und was sonst noch mit\nund ohne Geist Aehnliches hineingedichtet wird*).\"\n\n*) So wird z. B. S. 403 gezeigt, dass die Notiz von Rochlitz (in\nder Allg. M.-Z. I. S 116): Mozart hatte sogar die Grille,\neine Arie in seinem Don Giovanni in Händel's Manier zu\nsetzen und seiner Partitur dies offenherzig beizuschreiben\" —\neine reine Erfindung ist, wie sich deren mehrere b i Rochlitz\nin Bezug auf Mozart und andere Künstler finden. Seyfried er-\nzählte dieser Notiz nach, Mozart habe über die Arie (Elvira:\n„Ah! fugfji il tradilor\" in D-dur) gesetzt: Nello stilo di Hcten-\ndcl. In der Original-Partitur findet sich davon keine Spur, wie\nschon G. Weber in der Cacilia (XVIII. S. 114) berichtigt und\nJahn jetzt ebenfalls bestätigt. — Letzterer vergleicht den al-\nlerdings von der Haltung der übrigen Oper abweichenden Stil\nden Formen älterer Meister der Kirchenmusik. Dass aber Mo-\nzart nach Ambros (Gränzen der Musik und Poesie, S. 61) die\n,,offenbare\" Absicht gehabt habe, „durch die strenge Form den\nEindruck einer Moralpredigt\" zu machen, und dass, wie Jahn\nhinzufügt, ,,es ist, als ob Elvira, auf die eigene Rede verzich-\ni tend, der bethörten Zerlina einen heiligen Spruch in seiner alt-\nhergebrachten Form entgegenriefe44 — diese Ansicht dürfte\nauch in das Gebiet der geistreichen, aber nicht Stich haltenden\nExegese gehören, zumal, da Elvira's Warnung durchaus nicht\nallgemein, sondern im Gegentheil ganz persönlich gehalten ist:\n„Von meinen Qualen lerne dem, was mein Herz spricht, ver-\ntrauen\" u. s. w.\n*) Die Stelle ist au 3 einem Aufsatze: „Neue Texte zu alten\nOpern\", der namentlich den Don Juan bei Gelegenheit der\nneuen Text-Bearbeitung von Dr. Vi o 1 bespricht. Herr Prof.\nJahn scheint sowohl von diesem Aufsatze (Nr. 44 und 45) als\nvon den „Proben einer neuen UeberSetzung des\nDon Juan\" (Nr. 50) keine Kenntniss genommen zu haben,\nobwohl sie im November und December 18 58 bereits gedruckt\nwaren. Wenn er mit Recht sagt (S. 302): „In allen gangba»"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600121-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5227, "texte": "lieber den Schluss der Oper (S. 360 und S. 447)\nwird man hoffentlich allgemein dem beipflichten, was für\ndas Ende derselben mit dem Untergange Don Giovanni'«\ngesagt ist, und was völlig mit unserer in Nr. 45 d. 81.\n(1858), S. 358 dargelegten Ansiebt übereinstimmt, wo\nes heisst: „Die vollständige Katastrophe der Handlung,\nder vollständige musicalische Scbluss, endlich der morali-\nsche Eindruck fordern gebieterisch hier das Ende des\nDrama's: Aber freilich, die Regie muss dafür sorgen, dass\ndie erschütternde Wirkung nicht vernichtet werde. Die\nDämonen, der Coro di Spettri, bleiben hinter der Scene\nu. s. w. Erst bei den zwei letzten Tacten des Chors treten\nsie in gemessenem Schritt, aber so gruppirt hervor, dass\nDon Juan vor ihrem Anblick nach dem Hintergründe lliebt,\nwo in demselben Augenblicke - aber ja nicht früher!\nsich der Höllenschlund öffnet.\" (Vgl. Jahn, S. 447: „Die\nGeister selbst häit Mozart weislich im Hintergrund'' u.s.w.)\nDass in dem 12. und 13. Tacte des Allegro's der\nOuvertüre das bvor Ii nur in dem 12. und nicht auch\nim 13. Tacte in der Original-Partitur steht (S. 366), ist\ndoch wohl ohne Zweifel nur einer Nachlässigkeit Mozart's\nzuzuschreiben. Ein Aceord e g statt e auf\ndürfte bei Mozart doch wohl ein Ungeheuer sein! Hätte er\nwirklich diesen Schrei, auf dem ein starker Accent liegt,\nhaben wollen, so würde er bei dem Auffallenden desselben\nwahrscheinlich ein \\als Handweiser vor das h der ersten\nVioline gesetzt haben, um das hier eben so wie im vor-\nhergehenden Tacte ganz natürliche wieder wegzuschaf-\nfen. Die von Jahn als möglich gedachte Absicht Mozart's,\n„die Haupt-Melodie ungetrübt zu lassen\", scheint uns nicht\nannehmbar. Mozart gibt aus seinem melodischen Reich-\nthum, wie er es so oft auf wunderschöne Weise thut, der\nHaupt-Melodie eine zweite als Regleiterin von gleichem\nRang und Stand; hier also:\nwelcher sich dann die erste, weil sie sie nicht von sich ab-\nstossen will, harmonisch anschmiegt.\nWenn in dem Duett in zwischen Don Juan\nund Leporello vor der Rildsäule „nach Leporelio's ängst-\nlichem Berichte in der Original-Partitur beigeschrieben\nsteht: La statua china qui la vc -\ndendo il chino\",und Jahn dem gemäss verlangt, dass\nDon Juan das Kopfnicken gewahre, so liesse sich wohl,\nwie Jahn es erklärt (S. 357 und 375), damit eine Steige-\nrung der Unerschrockenheit bis zur Aufforderung an den\nGeist, „zu sprechen, wenn er könne\", vereinigen; aber die\nReden Don Juan's passen nicht zu dieser Annahme, und\ndie ganze Situation verbietet sie. Jahn citirt nach der ge-\nstochenen Partitur von Breitkopf & Härtel, S. 239, Tact\n8 die uns nicht zur Hand ist*) —und setzt hinzu:\n„Nach dem ängstlichen Bericht des Leporello.\" Das\nkönnte nur nach den Worten:\n(Tact 49 51) sein. Aber es ist klar, dass die Statue sich\nnach der ersten Einladung Leporelio's, sieben Tacte frü-\nher, bei dem Eintritt des G-dur:„Ah-che\nverneigen muss. An ein mehrmaliges Kopfnicken, wozu\nausserdem gar keine Veranlassung durch irgend eine erneute\nFrage oder dergleichen ist, darf man nicht denken; das\nwürde die ehrwürdige Statue zu einer Pagode machen.\nWie kann nun Don Juan, wenn er die Kopfneigung eben-\nfalls gesehen, den furchtsamen Diener einen Narren f-\nfone) nennen, und ihm auf dessen wiederholte Bitte, doch\nselbst einmal hinzusehen, antworten:\ndar?8 Auf diese Frage erwidert Leporello noch einmal:\n„Cotta marmorea testa ei fä cosi, cosi/\" was ihm Don\nJuan nachspottet, und dann, um der Sache ein Ende\nzu machen, das Comthurbild zu reden auffordert. Es bleibt\nalso nur übrig, an eine Nachlässigkeit oder ein Versehen\nMozart's zu denken, da er die von Jahn angeführten Worte\nan eine falsche Stelle gesetzt, vielleicht auch das vor\nvedendozufällig ausgelassen hat.\nEin unbedingtes Zurückgehen von den später geschrie-\nbenen und gedruckten Partituren, beziehungsweise Ciavier-\nAuszügen (d. h. den gewissenhaft gemachten) auf die Ori-\nginal-Partitur dürfte schwerlich anzurathen sein. Wie in\ndiesen Blättern schon früher einmal bemerkt worden (1858,\nNr. 48: „Letztes Wort in Sachen eines Clavier-Auszugs\ndes Don Juan\"), ist dabei in Anschlag zu bringen, dass\ndie Oper nicht erst lange Jahre nach dem Tode des Com-\np'onisten zur Aufführung gekommen, sondern bei seinen\nLebzeiten und unter seiner eigenen Leitung häufig aufge-\nführt worden ist; nach diesen Aufführungen hat sich eine\nTradition gebildet, die jedenfalls Beachtung neben der Ori-\n\nRen Bearbeitungen des Textes ist nicht nur der Charakter\nder italienischen Verse verfehlt, der volle und reiche Klang\nder Worte verkümmert, sondern selbst der Sinn entstellt und\nder Situation wie der Musik Widersprechendes den Sängern in\nden Mund gelegt\" —, so durfte bei der Erwähnung von Roch-\nlitz, Kugler und Yiol wohl erwartet werden, dass auch auf\nden neuesten Versuch einer sprachlich wie musicalisch mög-\nlichst treuen und dabei metrisch abgerundeten U&bersetzang\nwie sie die gedachte Nr 50 von 1858 d, 81. von der Arie\nFin cti hau dal vino, dem letzten Satze des ersten Finale's und\ndem Ständchen Deh vieni alla fmcstra gibt, Rücksicht genom-\nmen werden würde.\n*) Die Gitationen nach der Seitenzahl gewisser Ausgaben sind bei\nPartituren, von denen mehr als Eine Ausgabe existirt, immer\nmisslich. Warum nicht nach der Tactzahl und den Textes-\nworten ?"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600121-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4822, "texte": "ginal-Partitur verdient. Wer möchte z. B. die vier Tacte\nim Andante des letzten Finale's (D. Giov.:\ntate tacciato maisarö!\") nach der Aufforderung des Gei-\nstes missen wollen? Und doch sind sie in der Original-Par-\ntitur herausgestrichen (Jahn, S. 379).—Noch ein Beispiel.\nIn dem Duett La ci darem la memo hat der Schluss, der\n%-Tact, im Original-Manuscript keine neue Tempo-Be-\nzeichnung; Jahn sagt desshalb geradezu: „Allegro ist eine\nwillkürliche Zuthat, Mozart hat nur durch den Tactwech-\nsel, nicht durch beschleunigtes Tempo eine Steigerung her-\nvorbringen wollen.\" (S. 395.) Wer könnte aber hier das\nTempo Andante des ersten Satzes ertragen, wogegen Alles\nText, Melodie und Rhythmus spricht? Mozart hat\neben die Bezeichnung Allegro vergessen, die freilich bei\ndem so ausgeprägten Charakter des Schlusssatzes kaum\nnöthig war.\nUeber ein ähnliches Vergessen der Tempo-Aenderung\nim Recitativ von Nr. 2 (Duett in D-moll zwischen Anna\nund Ottavio) ist schon früher Streit erhoben worden, so\nviel wir uns erinnern, am heftigsten nach Spontini's Diri-\ngiren des Don Juan in Berlin. Die Sache betrifft in den\nfünf letzten Tacten des Recitativs die Zwischenspiele. Mo-\nzart bezeichnet das Recitativ Anfangs dann\nMaestoso und kurz darauf Andawelches letztere dem-\nnach für die sämmtlichen noch übrigen vierzehn Tacte\nmaassgebend wäre. Allein der Charakter der Ritornells\nder letzten fünf Tacte zwischen Ottavio's Worten: Anima\nmia, consolati, fa cuore!beginnend mit:\nmacht es kaum wahrscheinlich, dass Mozart sie in demsel-\nben langsamen Tempo, das für die einzelnen Achtel der\nBlas-lnstrumcnte in Tact 4—7 des Andante passt, gespielt\nhaben wollte. Wir finden darüber nichts bei Jahn. Auch\nüber die Authenticität der sieben Tacte des Andre'schen\nClavier-Auszugs im Recitativ der grossen Arie der Elvira,\nMi tradi, die sich sonst nirgends finden (vgl. Niederrhei-\nnische Musik-Zeitung, 1858, Nr. 19 und Nr. 48), haben\nwir vergebens Auskunft gesucht.\nDass Jahn aus dem Finale des ersten Actes den\nChor ganz beseitigen will, weil seine Theilnahme in der\nPartitur nicht ausdrücklich vorgeschrieben ist, möchte auch\nnicht zu billigen sein. Die inneren Gründe, die er für seine\nMeinung geltend macht, dürften kaum haltbar sein. Zu-\nnächst scheint er den Gegensatz zwischen guter und\nschlechter Gesellschaft in Don Juan's Ballsaale viel zu stark\nzu betonen, und wenn er gar verlangt, dass die\ngente, die Pächter und Bauern „sich wohl hüten, an dem\nStreit der Herren sich zu betheiligen\", und sogar, „so wie\ndie Sache ernsthaft wird., sich mit den Musicanten eiligst\ndavon machen sollen\" —so ist diese Aenderung, die sicher\nschon aus scenischen Gründen keine einzige Regie anneh-\nmen wird, weder in der Situation, noch im Text, noch in\nder Musik, noch in der Sitte der Zeit und dem Verhält-\nniss der Landleute zu den „Herren\", noch in dem Cha-\nrakter der Handelnden begründet. Gerade die Landleute\nmit Masetto an der Spitze bilden den notwendigen Hin-\ntergrund des dramatischen Gemäldes, und ihre Entrüstung\nob des offenbaren, fast sichtbaren Verbrechens gegen ein\nMädchen aus ihrem Stande und deren Bräutigam ist\nwahrlich psychologisch begründeter, als ihr Davonlaufen.\nUnd in dieser Lage soll der verzweifelnde Masetto, der\nendlich seine Braut dem Frevler entreisst, „durch die Ge-\ngenwart der Vornehmen, welche seine Sache führen, zu-\ni ' \" ' • ( \"\nrückgehalten werden\" (S. 427), und alle seine Camera-\nden, noch dazu von Wein und Tanz erhitzt, sollen ihn im\nStiche lassen! Sieht doch Leporello, ehe er noch eine\nAhnung von den wahren Personen hinter den Masken hat,\nden Sturm der Landleute voraus und flüchtet sich mit\nden Worten: „Qiä nasce und rulna\"•*), ins Nebenzimmer.\nUnd nun sollen diese „guten Leute\" bei Zerlinens und\nMasetto's Hülferuf sich aus dem Staube machen? Im Ge-\ngenlheil; hat die schwache Zerline doch selbst den Muth,\nzuerst von Allen dem Frevler mit den Worten: „\ntutto giä si sä!\"entgegen zu treten; nach ihr Masetto und\ndann erst die drei Vornehmen.\nEiner Rauferei wird natürlich dadurch nicht das Wort\ngeredet ; allein der ganze Auftritt und dessen Scenirung\nmuss den Worten: „Trema, scellerato/\" und der Angst\nGiovanni's: „E confusa la mia\npesta minacciando, o Dio, entsprechen, und\ndas ist nicht möglich, wenn die drei Frauen nebst Ottavio\nund Masetto allein ohne den Hintergrund der Bauern den\n„furchtbaren Sturm\" versinnlichen sollen. Und vollends\nam Schluss! Man denke sich die Bühne leer von allen\nChoristen und Statisten und von allen drohenden Gruppen\nderselben, und stelle dann den Aufwand von Heroismus\n\n*) Freilich von Rochlitz unverantwortlich durch: „Kindchen, das\nwird sich geben!\" übersetzt, während der Sinn der ganz plumpe\ndes berlinischen „Hier gibt's Keile!\" ist.\n**) ~Wie mit Sturmes Ungewittern\nBricht es drohend auf mich ein.\"\nVgl. die Uebersetzung des Finalsatzes in 1858, Nr. 50.\nrj"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600121-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5390, "texte": "im Text und in der Musik für Don Giovanni, der sich\nplötzlich ermannt, dagegen ! Verlohnte es sich, gegen drei\nWeiher und zwei Männer, die bis jetzt sich nicht im Ge-\nringsten furchtbar gemacht haben, einen Don Giovanni den\nkühnsten Aufschwung in Worten und Tönen nehmen:\nMa non manca in\nNon mi perdo, o\nja, ihn sogar den „Einsturz der Welt\" verachten zu las-\nsen, um seinen Muth zu betheuern:\nSe cadesse ancora il mondo,\nNulla mal temer mi fä!\nMan denke sich die Unerschrockenheit unter den Trüm-\nmern der Welt im Vergleich zu der Gefahr, die von fünf\nPersonen droht, wovon drei zarte Frauen sind! Der Ein-\ndruck dürfte stark ans Komische streifen.\nDass diese kleinen Meinungs-Verschiedenheiten uns\nnicht hindern, das Vortreffliche mit Freuden anzuerken-\nnen, welches auch die Zergliederung des Don Juan bei\nJahn in Fülle darbietet, brauchen wir wohl nicht zu ver-\nsichern; sie mögen dem Herrn Verfasser im Gegentheil be-\nweisen, wie gern und eingehend wir uns mit seinem Buche\nbeschäftigt haben.—Aus dem Epilog zu dem ganzen Ab-\nschnitte heben wir noch Folgendes hervor:\n„Schon die Betrachtung des Finale's zeigt, was die\nganze Oper bestätigt, dass, wenn Don Giovanni rücksicht-\nlich der kunstreich geführten, zu immer neuer Spannung\nverschlungenen Handlung dem Figaro nachsteht, er dage-\ngen vor demselben dadurch einen unvergleichlichen Vor-\nC o\nzug voraus hat, dass alle Situationen und Stimmungen ih-\nrem Wesen nach echt musicalisch sind. Zeigt sich dort\nMozart's Genie darin besonders bewundernswert!), dass er\nfür die Handlung das musicalische Gebiet selbst zu schaf-\nfen vermochte, indem er die Träger derselben musicalisch\nbeseelte, so bringt Don Giovanni der musicalischen Auf-\nfassung alle wesentlichen Elemente entgegen, und zwar in\neiner Fülle und einer Abwechslung, welche einen neuen\nVorzug vor dem Figaro begründet. Zwar die Kraft der\nCharakteristik, welche jede handelnde Person zu einer be-\nstimmten Individualität ausprägt, ist unerschöpflich, und in\ndieser Beziehung ist Figaro so reich, wie Don Giovanni.\nAllein dort erstaunt man, wie es möglich ist, in einem eng\nbeschriebenen Kreise nahe liegender Empfindungen, die\nselten bis zum Leidenschaftlichen gesteigert werden und\nnie sich zu hohem Pathos erheben, ein lebendiges, durch\nGeist und Anmuth fesselndes Spiel unausgesetzt auf glei-\ncher Höhe fortzuführen, und muss sich überzeugen, dass\nes die Idealität der vollendeten künstlerischen Darstellung\nist, auf welcher die Wirkung der Oper beruht. Dagegen\ngibt es kaum eine Seite menschlicher Empfindung, welche\nim Don Giovanni nicht zum Ausdruck gelangte; Liebe und\nEifersucht, Hass und Zorn, Trauer und Trost, Furcht und\nEntsetzen werden in den mannigfachsten Nuancen männ-\nlicher und weiblicher Natur, verschiedener Individualitäten\nund Situationen, oft in den schneidendsten Contrasten ne-\nben einander zur Geltung gebracht, durch einen bunten\nWechsel von Scenen des täglichen Lebens werden wir an\ndie Pforten des Geisterreiches geführt, und durch das\nGanze geht ein Zug des Komischen und Humoristischen,\nder auf alle Gegenstände ein eigenthümliches Licht fallen\nlässt. Einem Künstler von wahrhaft dramatischer Begabung\nbot sich hier eine solche Fülle von Motiven dar, um die\nin ihrem Kern aus tiefer psychologischer Erkenntniss her-\nvorgegangenen Gebilde in der glänzendsten Detail-Ausfüh-\nrung zu beleben, dass die Schwierigkeit im Maasshalten\nlag. Wir haben gesehen, mit welchem Behagen und mit\nwelcher Laune Mozart sich dem Realismus solcher Dar-\nstellungsweise hingibt, und eben so wie da Ponte seinen\nDon Giovanni mitten in die Gegenwart hineingestellt hat,\nauch für die musicalische Charakteristik, wo es nur thun-\nlich ist, Detailzüge und Färbung unmittelbar aus der Wirk-\nlichkeit schöpft. Durch diese Frische und Fülle der realisti-\nschen Ausführung unterscheidet sich Don Giovanni be-\nstimmt von Figaro, ohne ihm rücksichtlich der Idealität\nnachzustehen. Denn jedes einzelne Motiv, das, dem wirkli-\nchen Leben abgewonnen, uns dasselbe täuschend wieder-\ngibt, ist der künstlerischen Idee des Ganzen dienstbar ge-\nmacht und allein dadurch für solche Wirkung befähigt.\ner die Statuen des Parthenon oder die Gestalten Ra-\nfael's mit Hingebung betrachtet und sie mit der lebenden\nP o\nNatur vergleicht, der wird mehr und mehr inne werden,\nwie die grossen Meister der bildenden Kunst in Allem und\nJedem der Natur folgen, wie sie einfach und wahr immer\ndas Motiv zu entdecken wissen, welches das nächste und\ndarum das beste ist, weil es gleichsam die unwillkürliche\nAeusserung der inneren Bewegung ist, welche im Kunst-\nwerke ihren Ausdruck findet, wie sie aber den Schatz,\nwelchen sie mit dem Blicke des Genius aus den Tiefen der\nNatur gehoben haben, in die Tiefe der menschlichen Brust\nbergen, um aus sich heraus in freier Selbsttätigkeit das\nKunstwerk zu schaffen, welches als ein Ganzes nur aus\ndem menschlichen Geiste wiedergeboren und vom mensch-\nlichen Geiste verstanden werden kann* Auf dieser Kraft,\nalles, was die Natur bietet, durch die menschliche Seele\nhindurch zu führen, ohne der Gewalt des Natürlichen zu\nunterliegen, ohne das ohnmächtige Gelüste, sie bezwingen\nzu wollen, beruht die Grösse des schaffenden Künstlers;\nsie ruft jene wahre Idealität hervor, welche mit dem We-\nsen des Künstlerischen identisch ist. Nicht anders ist es mit\ndem Meister, der in Tönen schafft. Was ihn auch anregen\nmag, das Wort des Dichters, die Erfahrung des Lebens"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "29", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600121-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1418, "texte": "der sinnliche Eindruck durch Form, Farbe oder Töne,\ndass es in ihm wiederklingt und ihn zu künstlerischer Ge-\nstaltung treibt, die Idee des Ganzen, in welchem dann Al-\nles erst zum Leben gelangt, Gestalt und Bedeutung ge-\nwinnt, geht aus dem Innersten seines Geistes hervor, sie\nist die schöpferische Kraft, die, unablässig fortzeugend,\nthätig ist, bis das Kunstwerk vollendet dasteht. Die Idea-\nlität des Kunstwerkes, welches der menschliche Geist im\nEinklänge mit der Natur, so weit er sie zu durchdringen\nvermag, und desshalb frei schafft, ist der Ausdruck der\nNotwendigkeit, welche für den Menschen allein im Kunst-\nwerke und zwar nur desshalb, weil es als ein Ganzes\naus dem menschlichen Geiste hervorgegangen ist fassbar\nund anschaulich wird; in ihr hebt sich, was sich sonst als\nGegensatz der Form und des Inhalts, der Schönheit und\ndes Ausdrucks darstellt, zur höchsten Einheit auf. Wo sie\nerreicht ist, tritt die volle Befriedigung ein, welche dem\nSterblichen nur im Genüsse der Kunst beschieden ist; aber\nunsere Freude und Bewunderung steigert sich, wenn diese\nHarmonie aus einer reichen, vielgestaltigen Composition,\ndie eine Fülle von Motiven, welche uns in den verschie-\ndensten Richtungen beschäftigen und uns tief im Innersten\nergreifen, vor uns ausbreitet, hell und rein emporblühet\nunmittelbarer und voller berührt uns dann das Wehen\ndes Geistes, dem das Weltall ist, was dem Menschen sein\nKunstwerk.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-01-21-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-01-21_01#c005", "volume": "bmtnabi_1860-01-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "29", "page_fin": "29", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600121-01.2.3", "titre_corps": "Die musicalische Thätigkeit Munchens in den Monaten November und December 1859.", "titre_sommaire": "Die musicalische Thätigkeit Munchens in den Monaten November und December 1859.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "29", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600121-01.1.5", "debut_caractere": 1420, "fin_caractere_exclue": 5068, "texte": "Die musicalische Thätigkeit Munchens in den Monaten\nNovember und December 1859.\nDie musicalische Akademie unter Leitung Franz\nLachner's brachte in l'ünl Concerten zur erstmaligen\nAufführung, und zwar mit entschiedenem Beifall, nur die\nDithyrambe für Männerchor und Orchester von J. Rietz,\ndas siebente und das neunte Violin-Concert von Spohr,\ngleich meisterhaft von Lauterbach und Walter vorgetra-\ngen, und ein Adagio funehre für Orchester, von Mozart\nim Juli 1786 componirt; ausserdem die Ouvertüre zu\n„Manfred\" von R. Schumann, die Fest-Ouverture in\nvon Hugo Ulrich und die Festklänge, symphonische Dich-\ntung von Franz Liszt. War der geringe Erfolg der Fest-\nklänge in jeder Beziehung gerechtfertigt, so muss man hin-\ngegen die kühle Aufnahme der Ouvertüren Schumann's\nund Ulrich's ausschliesslich einem langjährigen Missstande\nzuschreiben, indem die Concert-Direction consequent die\nOuvertüren am Ende der Concerte bringt und dieselben\ndadurch bei der unabstellbaren Unruhe des Concert-Pu-\nblicums Dank den unverbesserlichen Garderobe-Zustän-\nden im königlichen Odeon als fünftes Bad am Wagen\nzum Opfer fallen lässl. Es wäre höchste Zeit, schon aus\nbilliger Rücksicht für Novitäten, sich entweder zu einer\nanderen Concert-Programmstellung zu entschliessen, oder\ndenselben lieber durch Nicht-Aufführung den unvermeid-\nlichen, so oft unverdienten Durchfall zu ersparen.\nZur Aufführung gelangten ferner Beethoven's fünfte\nund neunte Sinfonie und dessen Fest-Ouverture Op. 124,\neine Sinfonie in D-durvon J. Haydn, die JL-moÄ-Sinfonie\nvon Mendelssohn und zu Spohr's Gedächtnissfeier „Die\nWeihe der Töne\", die Ouvertüre und eine Sopran-Arie\naus Faust, ein Terzett aus „Zemire und Azor\" und die\nGesangscene für die Violine. Ausserdem sang Herr Grill\neine Arie aus der Iphigenie in Tauris und mit Vocal-Quar-\ntett-Begleitung die „Nachthelle\" von Franz Schubert, Frau\nDiez dessen „Mädchens Klage\" und „Thekla, eine Gei-\nsterstimme\", der Theaterchor schliesslich dessen „Gesang\nder Geister über den Wassern\".\nDer Oratorien-Verein unter Leitung des Herrn von\nPerfall gab seinen ausserordentlichen Mitgliedern zwei\nConcerte. Hierin zum ersten Male vorgeführt, und zwar\nmit dem allseitig günstigsten Erfolge, wurde die Cantate\n„Du Hirte Israel\" von Seb. Bach, die grosse Scene der\nFurie des Hasses und ihres Gefolges mit Armide aus dem\ndritten Acte der Oper Armide von Gluck, der 42. Psalm und\nzwei Sprüche für achtstimmigen Chor (am Neujahrstage\nund am Himmelfahrtstage) von Mendelssohn, die „Lorelei\"\nfür Soli, Chor und Orchester von Ferdinand Hiller, zwei\nRomanzen für Frauenstimmen („Klosterfräulein\" und der\n„Wassermann\") von Robert Schumann, Lieder im Volks-\ntone von Heuchemer und ein Gebet und Aerntelied von\nFranz Lachner.\nZur Wiederholung gelangten zwei Choräle von Bach\n(„Wenn ich einmal soll scheiden\" aus der Matthäus-Pas-\nsion und „Lob und Preis\" aus der Cantate „Meine Seel'\nerhebt den Herrn\"), ein Madrigal von John Bennet aus\ndem 16. Jahrhundert: „Maria wallt zum Heiligthum\",\naus den Festgesängen von Eccard, und das doppelchörige\nMisericorclias von Durante.\nUeber die Streichquartett-Soireen ist leider auch für\ndiesmal nichts zu berichten, indem deren Wiedererstehen\nnoch immer nicht zur Wahrheit geworden und ein zahl-\nreiches Auditorium unter gewissen geringfügigen Eifer-\nsüchteleien gleichmässig fort zu leiden und zu entbehren\nhat. Statt dessen gab Herr Peter Moralt, dirigirendes\nMitglied der Hofcapelle, zwei Soireen, deren Pele-mele-\nRepertoire freilich in keiner Weise Ersatz für jenen em-\npfindlichen Verlust bot, und Fräulein Mösner entzückte\nin einem selbst veranstalteten Concerte wie immer den\nzahlreichen Zuhörerkreis. —ll"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-01-21-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-01-21_01#c006", "volume": "bmtnabi_1860-01-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "30", "page_fin": "30", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600121-01.2.4", "titre_corps": "Franz Wild †.", "titre_sommaire": "Franz Wild †.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600121-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1899, "texte": "Franz Wild †.\nFranz Wild ist zu Wien am Neujahrstage in seinem sieben-\nzigsten Lebensjahre gestorben. Im November 1857 hatte Wild sein\nfünfzigjähriges Jubiläum gefeiert. Am 20. November 1859 sang er\nnoch (Schuberts „Ständchen\" und Schümanns „Ich grolle nicht\")\nim Concerte des Herrn Karl Mayer. Auf der Bühne war seine letzte\nneue Rolle der Abayaldos in Dom Sebastian, den er mit hinreissen-\ndem Feuer sang und den keiner seiner Nachfolger so wie er zur\nGeltung brachte.\nAm 4. Januar, Nachmittags 3 Uhr, fand das feierliche Leichen-\nbegängniss des Dahingegangenen Statt. Fast alle Kunst-Notabilitäten\nder Residenz wohnten demselben bei. Suppe's Chor: „Wiedersehen\",\nwurde von sämmtlichen Solosängern des Hof-Operntheaters in er-\ngreifender gesungen.\nSeine Selbstbiographie hat Wild wenige Wochen vor seinem\nTode einem Freunde übergeben, der sie der Redaction der „Recen-\nsionen\" zur Veröffentlichung mitgetheilt hat. Die Nr. 2 (11. Jan.)\ndieser Zeitschrift enthält bereits das erste Capitcl.\nFranz Wild wurde den 31. Decernber 1792 zu Nieder-Hollabrunn\nin Unterösterreich geboren. Sein Vater war Gastwirth und Unterthan\ndes Stiftes Kloster-Neuburg, in welches Franz schon in seinem sie-\nbenten Jahre als Chorknabe aulgenommen wurde Im Jahre 1804\nwurde er nach bestandener Probe vor Salieri und Eibler in das kaiserl.\nConvict zu Wien aufgenommen, sang 18'>5 zu Schönbrunn vor Napo-\nleon, verliess, weil er seinen Zopf abgeschnitten und desshalb wie-\nderholt gezüchtigt worden, das Convict (1807), wurde bei verschie-\ndenen wiener Theatern Chorist und durch Hummel im Jahre 1809\nSolosänger in der Capelle des Fürsten Esterhazy in Eisenstadt. Dort\nhörte ihn 1810 Graf PalfFy, damals Besitzer des Theaters an der\nWien; auf dessen Einladung trat Wild am 9. Juli 1811 als Ramiro\nin Isouard's ~Aschenbrödel\" in Wien mit grossem Erfolg auf und\nbegann damit seine eigentliche Künstler-Laufbahn auf der Bühne."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-01-21-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-01-21_01#c007", "volume": "bmtnabi_1860-01-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "30", "page_fin": "32", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600121-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600121-01.1.6", "debut_caractere": 1901, "fin_caractere_exclue": 7337, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMolsi. A in Dinstag den 17. d Mts. fand im Gürzenich ein\nConcert unter F. Hiller's Leitung mit aufgehobenem Abonnement\nzum Besten des kölner Orchesters Statt. Das Programm brachte :\nI. 1. Sechste Sinfonie (G-moll) von Niels W. Ga de. 2. Violin-Con-\ncert von F. Mendelssohn, gespielt von J. Joachim. 3. Der 98.\nPsalm für zwei Chöre u. s. w. von F. Mendelssohn. ll. 4.\nTartini's Teufels-Sonate für die Violine (Joachim). 5. Drei Cla-\nvierstücke, componirt und vorgetragen von F. Hill er (eingeschoben\nan die Stelle von Gesang-Vorträgen des Herrn Niemann, der we-\ngen Aufführung der Oper Rienzi in Hannover keinen Urlaub erhal-\nten konnte). 6. Capriccio von F. Hill er, Bourr<?e und Double in\nH-moll von J. S. Bach für die Violine (Joachim). 7. Ouvertüre Nr.\nI zu Leonore von Beethoven. Wir kommen darauf zurück.\nAus Düsseldorf wird berichtet, dass in der zweiten Soiree\nvon Herrn Langhans, Frau Langhans und Herrn Forberg das Trio\nvon Max Bruch für Ciavier, Violine und Violoncell mit lebhaftem\nBeifall aufgeführt und als eines der bedeutendsten neueren Werke\ndieser Gattung bezeichnet worden ist. (Leipz. Signale) Das Vio-\nlin-Quartett, Op. 9, von demselben Componisten (ebenfalls Leip-\nzig, bei Breitkopf & Härtel erschienen) ist bereits in mehreren Städ-\nten mit grosser Anerkennung in Quartett-Soireen aufgeführt worden\n(Warum nicht auch hier in Köln?) —, z. B in Pesth\nin dem Cyklus für Kammermusik von Volkmann, in Königsberg\nin Pr. in einer der Soireen von Japha und Genossen, worüber ein\nBericht in der N. Zeitschrift f. Musik u. A. lautet: „Das Quartett\nvon Max Bruch ist ungewöhnlich und edler Art, dürfte jedoch mehr\nfür Künstler interessant, als für Laien bersonders genussreich sein.\"\n(Mit der letzten Ansicht können wir nicht übereinstimmen, da so-\nwohl die Motive als der Guss und Fluss in der Verarbeitung der-\nselben auch den blossen Kunstfreund ansprechen.)\n/\nIS&ft'fit&eil, 6. Jan. Nach langer, fast gänzlicher Meeresstille in\nunseren musicalischen Zuständen nehmen wir diesmal Act von so\nmancherlei Schönem und Trefflichem, das die Abend-Unterhaltung\nder Herren Gebrüder Seiss am 28. December v. J„ die Kammer-\nmusik-Soiree am Neujahrstage und das zwei Tage darauf Statt ge-\nhabte erste grössere diesjährige Abonnements-Concert, unter Leitung\nunseres neuen Directors, Herrn Krause, uns gebracht haben. Na-\nmentlich ist die Meinung über die Clavier-Vorträge des Herrn Isi-\ndor Seiss von Leipzig an den beiden ersten Abenden eine unge-\nteilte. Sein „Erlkönig\", die Berger'sche Gigue und Chopin's Polo-\nnaise waren ausgezeichnete Leistungen, hinter denen die Vorträge\ndes Beethoven'sehen Es-dur-Trio's und seiner Salieri'schen Sonate in\nD mit Violine nicht zurückstehen, wenngleich wir letzterer noch\netwas mehr Ruhe an einzelnen Stellen gewünscht hätten. Das\nerste Abonnements- oncert brachte zuvörderst die Zauberflöten-Ouver-\nture gut, aber etwas zu sehr en bloc in den Lichtern vorgetragen. Die\nKüpper'sche Capelle scheint mit ihren jährlich mehr gesohrobenen\nund wirklich hohen peeuniären Ansprüchen auch in ihren Leistun-\ngen Schritt zu halten, nicht eben für nöthig zu erachten In den\nProben soll man statt der gewöhnlichen, an einander gewohnten Mit-\nglieder mehrere vöLig unzulängliche Surrogate und gerade da ein-\ngeschoben haben, wo man sich so leicht aus dem bedeutenderen\nTheile der Musiker unseres Thaies remplaciren konnte -in den\nGeigen nämlich —; mnd es war eine grosse Gefälligkeit von Herrn\nPosse, die Führung und Leitung der zweiten Geige so bereitwillig\nnoch am Concert-Abende zu übernehmen. Der Ouvertüre folgte\nBach's schöne Ostcr-Cantate. Mit Vergnügen geben wir Herrn Krause\ndas Zeugniss, an reinerer Intonation des Chors schon tüchtig gear-\nbeitet zu haben. Herr Krause selbst producirte sich darauf dem\ngrösseren Publicum mit dem Mozart'schen D-mo/Z-Concert, und zwar\nin seiner ruhigen, besonnenen und doch so ansprechenden Weise.\nSeine Cadenz zeugt von Geist und wahrem Geschmack. Leider fiel\nvor Schluss seines ersten Solo's im ersten Allegro die Holzbläser-\nSchar der Capelle auf eigene Faust und trotz der speciellen Leitung\nihres gewohnten Dirigenten Herrn Langenbach der grösseres Miss-\ngeschick aber mit bekannter Umsicht bald zu vereiteln wusste\num zwei Tacte zu früh mit dem Tutti ein. Zwei neue Kirchenstücke\nfür Chor und Orchester von Moriz Hauptmann schlössen den\nersten Theil. Vortrefflich ausgearbeitet und wie aus Einem Gusse\ndahinströmend, werden sie überall ergreifen. Im zweiten Theile be-\ngrüssten wir nach längerer Zeit in Barmen wieder einmal Beetho-\nven's £-c/wr-Sinfonie, deren Aufnahme von Seiten des Publicums\nwohl endlich die unsinnige Behauptung gründlich widerlegt haben\nwird, dass diese vierte und die achte Sinfonie eigentlich „nicht fürs\nPublicum seien\". Die Ausführung war feurig und brav. Herr Director\nKrause wurde mit Auszeichnung vom Publicum empfangen und\nentlassen.\nUnsere Mus ik-Ve reins -C onc erte finden\nviel Anklang. Im vierten Concert den 14. d. Mts. hörten wir Mo -\nzart's C-dur-Sinfonie (mit der Schlussfuge), die Concert-Ouverture\nvon Niels W. Gade in C-dur, Op. 14, einen Chor aus Mendels-\nso hn's Paulus, das „Zigeunerleben\" von Kob. Schumann, in-\nstrumentirt von C. G. P. Grädener, Recitativ und Arie des Jeremias\naus Hiller's „Zerstörung von Jerusalem\" und Variationen für\nTrompete von Ferling.\nliiitficla. Die Witwe Dubois-Desoer hat ihr Eigenthum,\ndas Haus; in welchem Gretry am 11. Februar 1741 geboren wurde"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600121-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7583, "texte": "(wie eine Inschrift über der Thür besagt), der Stadt geschenkt mit\nder Bedingung, das Haus und die Inschrift mit Sorgfalt zu erhalten\nund den liest des Ertrages desselben zur Unterstützung musicali-\nscher Studien zu verwenden. Die Schenkung ist angenommen und\ndurch königlichen Erlass bestätigt -worden. Ausserdem hat Lüt-\ntich seinen grossen Landsmann schon früher durch eine Gretry-\nStrasse und einen Grdtry-Platz und durch eine eherne Bildsäule des\nMeisters geehrt. ln Paris bereitet man jetzt vor, dessen ~Azor\nund Zemire\" wieder in Scene zu setzen.\n11 Januar. Heute wurde zum Besten unseres braven\nBaritonisten Herrn Karl Meyer , Andreas Hofer oder der Freiheits-\nkampf der Tyroler\", historische Volksoper in drei Acten von W.\nHeld, Musik von W. Kirchhof!\", bei uns zum ersten Male aufgeführt«\nDas Libretto bietet in Hinsicht auf Inhalt, Haltung und Sprache\nGelegenheit zu vielfachem und gerechtem Tadel. Die Musik, in mo-\ndernem Genre mehr effecthaschend als effectreich, hält sieh bei man-\nchen Reminiscenzen fern von Trivialität, und scheint ungeachtet einer\nArmuth von Melodieen doch von Begabung und Fleiss des Compo-\nnisten zu zeugen. Einige Chöre und die von Herrn Meyer sehr\nbcliön vorgetragenen Lieder Hofer's wurden mit grossem Beifalle,\ndas Ganze aber mit Kälte aufgenommen, wozu gewiss auch die\nmangelhafte Einstudirung, insbesondere die Haltung des Orchesters\nredlich beitrug.\nKurz vorher gab der in allen Blättern schon oft rühmlichst er-\nwähnte Violinist Komp el ein Concert. Wir hatten darin neue Ge-\nlegenheit, den herrlichen, zum Herzen gehenden Ton, die gediegene\nVortragsweise und meisterhafte Technik des jungen Künstlers wür-\ndigen zu können. Wir sind überzeugt, dass diese Kunstreise den\nRuf desselben für immer begründen wird. (Südd. M -Z.)\nlüswsäa Stielt. Im zweiten Concert der grossherzoglichen Hof-\ncapelle wurde eine Sinfonie (in A-dur) des Stuttgarter Hofmusikers\nJ. J. Abert mit grossem Erfolge aufgeführt. Herr Abert, ein noch\njunger Mann, Componist der Oper ~Anna von Landskron'4, ist ein\ngeborener Böhme und hat seine musicalische Bildung im Conserva-\ntorium zu Prag empfangen. Gegenwärtig trägt er sich mit der Com-\nposition einer grossen Oper, deren Stoff der Hohenstaufen-Geschichte\nentlehnt ist.\n10. Januar. So eben wird in unserer Stadt bekannt,\ndass die durch den Tod Karl Gottlieb Reissiger's erledigte Stelle\neines ersten königlichen Hof-Capelln)eisters in Dresden unserem aus-\ngezeichneten Capellmeister Dr. Julius Rietz, dem langjährigen\nverdienstvollen Leiter der Gewandhaus-Concerte, übertragen worden\nist, dass dieser 'dem am Neujahrstage an ihn ergangenen Rufe Folge\nleisten, d. h mit nächstem Vierteljahre (nach Schluss der Gewand-\nhaus-Saison) auf seinen neuen Posten abgehen wird.\nDas Programm des achten Gewandhaus-Coneertes lautet: Ouver-\ntüre zu Oberon, Ouvertüre zu Maria Stuart von Vierling (neu), Sin-\nfonie (C-dur) von Mozart, Ciavier Concert von Beethoven (G-dur),\nFuge von J. S. Bach, Romanze von Clara Schumann, Scherzo von\nMendelssohn, gespielt von Herrn Mortier de Fontaine. Das vierte\nEuterpe-Coneert brachte eine Sinfonie von Rietz, Ouvertüre zu Eg-\nmont und zu Genovefa von Schumann, Chöre von Rietz, Schumann\nund Schubert, Frühlingsbotschaft (für Chor und Orchester) von Gade,\nGigue von liäsler (178 v) und Variation übe; „God save the King\"\nvon Beethoven, gespielt von Herrn Julius von Bernuth.\nEine Correspondenz aus Stuttgart in den wiener Recensioneri\nüber Meyerbeer's „Wallfahrt, nach Ploermel\" sagt u. A. aus: „Am\n21. December v. J. ist endlich die neue Meyerbeer'sche Oper zur\nAufführung gekommen. Wenn die erste Darstellung eines berühmten\nWerkes für das betreffende Theater immer ein Ereigniss bildet, so\nwar das bei dieser Oper in ganz besonderem Grade der Fall. Vor\nAllem wusste man, dass Meyerbeer selbst während der letzten drei\nWochen hier verweilte, um den Hauptproben persönlich beizuwoh-\nnen; die Kritik aus den Orten, wo sie bis jetzt aufgeführt\nnamentlich aus Paris und London, hatte sich sehr günstig ausge-\nsprochen; über die Decorationen verlautete, dass sie das nicht Da-\ngewesene böten, und dazu kam endlich, dass im Publicum sich das\nGerücht verbreitet hatte, der berühmte Componist werde selbst diri-\ngiren, wie vor vier Jahren bei der ersten Darstellung des „Nord-\nstern\" Sie werden zugeben, dass es nach einmaligem Anhören nicht\nmöglich ist, eine erschöpfende Beurtheilung des Ganzen zu geben;\neine solche würde mehrmalige Aufführungen voraussetzen, vielleicht\nzahlreichere, als wir in der nächsten Zeit erleben werden; aber eine\nSchilderung des Gesammt-Eindrucks ist schon jetzt möglich, und\ndieser war, um es gleich herauszusagen, ein ziemlich ungünstiger.\nZwar fehlte es nicht an Beifallsspenden. Meyerbeer, der ohne zu di-\nrigiren der Vorstellung beiwohnte, wurde nach dem ersten und dem\ndritten Acte stürmisch gerufen; allein dies war mehr ein Act der\nHöflichkeit dem berühmten Gaste gegenüber, und dieselbe Ehre wurde\nden Herren Mühldorfer (\\aterund Sohn) aus Mannheim, welche die\nDecorationen ausgeführt hatten, nach dem zweiten Acte zu Theii.\nAuch die einzelnen Nummern erhielten Applaus ; doch war derselbe\nnur einige Mal ein wahrhaft begeisterter; die meisten Seenen erwar-\nben mehr einen Succes d'estime.\" Die Hauptschuld der lauen Auf-\nnahme misst der Correspondent dem Textbuche bei.\nW ieift« Das Abschieds-Concert des Herrn Vieuxtemps zeich-\nnete sich vor den früheren durch die Vorträge mit Orchester-Beglei-\ntung aus, welche in dem ersten Satze des Beethoven'schen Violin-\nConcertes und in einer Phantasie eigener Composition bestanden.\nDie vierte Quartett-Production des Herrn H ellm e sberger (26.\nDecember) war wieder durch eines der letzten Quartette Beethoven's\n(.A-molly Op. 132) ausgezeichnet, dessen Scherzo wiederholt werden\nmusste. Nebstdem kamen ein Streich-Quartett von Mendelssohn [F-\nmoll) und ein Trio für Pianoforte, Violine und Cello von Schumann\n(.F-dur), die wenig ansprachen, zum Vortrage. Die Pianoforte-Stimme\ndes Trio wurde von Herrn Debrois van Bruyk gespielt.\nDie vierte und letzte der von Herrn Debrois van Bruyk veran-\nstalteten Kammermusik-Soireen hatte ein ziemlich zahlreiches, sehr\ngewähltes Publicum versammelt, welches sämmtllchen Vorträgen mit\nbesonderer Theilnahme zuhorchte. Eine von Herrn van Bruyk für\ndas Pianoforte arrangirte Violin Sonate von J. S. Bach und die C-\nmo//-Sonate von Beethoven nebst kleineren Tonstücken vorr Schu-\nmann bildeten das interessante Instrumental-Programm, dem vier\nLieder, von Herrn van Bruyk componirt, von Fr. Dustmann gesun-\ngen, angereiht waren, von welchen zwei wiederholt werden mussten.\nAlle Vorträge erfreuten sich des lebhaftesten Beifalls\nDas Interesse des ersten Singvereins-Concertes concentrirte sich\nin der erstmaligen vollständigen Aufführung von Schumann's „Man-\nfred\", welche ein sehr zahlreiches und jedem Tone mit höchster\nSpannung lauschendes Publicum angelockt hatte. Wir müssen uns\nhier versagen, auf das einen tiefen Eindruck im Publicum zurück-\nlassende Werk näher einzugehen, und können nur so viel ausspre-\nchen, dass die Musik Schumann's zu dem Schönsten gehört, was er\nüberhaupt geschaffen; nur scheint uns dieselbe zu dem Byron'schen\nGedichte in einem umgekehrten Verhältnisse zu stellen*) Der Man-\nfred Byron's - zwingt uns Bewunderung ab, aber nicht Sympathie.\nDer Manfred Schumann's dagegen, wie er besonders aus der Ouver-\ntüre zu uns spricht, erweckt wolil viel Sympathie, nicht aber Be-\nwunderung im Sinne dämonischer Kraft und Grösse. Schumann\nkonnte, seiner lyrischen Natur zufolge, nür den unglücklichen, schuld-\n\n*) Vgl, den Bericht aus Berlin in Nr. 2, S. 10."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600121-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2803, "texte": "beladenen, nicht aber den trotzigen, Himmel und Hölle sich wider-\nsetzenden Manfred musicalisch zur Erscheinung bringen. Den wirk-\nlichen Byron'schen Manfred in Musik zu übersetzen und zugleich\nein den ästhetischen Forderungen entsprechendes Werk zu schaffen,\nwäre wohl nur dem Verfasser einer „Coriolan-Ouvertüre\" möglich\ngewesen. Dass aber trotzdem fechumann s Musik an sich einen tie-\nfen Eindruck gemacht hat, beweist der vielseitige Ruf nach baldiger\nWiederholung dieser Aufführung, dem wir uns ohne Weiteres an-\nschliessen. (Deutsche Musik-Zeitung v. S. Bagge.)\nDagegen berichtet die Neue Wiener Musik-Zeitung von Glöggl vom\n5. d. Mts : „Die Direction der Gesellschaft der Musikfreunde ist zu\nihrem Bedauern nicht in der Lage, Schümanns Musik zu Manfred\nin einem besonderen Concerte wiederholt zur Aufführung zu brin-\ngen, da das Ergebniss der hiefür eingeleiteten Subscription nicht so\ngross gewesen, um die bedeutenden Kosten eines solchen Concertes\nzu decken.\"\nStettill. In den drei bis jetzt gegebenen Concerten des Herrn\nCapellmeisters C. Kossmaly, welche mit Reeht hier sehr geschätzt wer-\nden, kamen zur Aufführung: Haydn's Mozart's C-\nflur mit der Fuge (Jupiter), Beethoven's Eroica, das G-dur-Con-\ncert Nr. 4 für Pianoforte und die Coriolan-Ouverture; Spohr's D-\nmoll-Sinfonie, Mendelssohn's Ouvertüre „Meeresstille\", Schumann's\nOuvertüre zu Byron's Manfred und Gade's schottische Ouvertüre\n(im Hochland) Es werden noch drei Concerte folgen\nIn den Quartett-Soireen der Herren Concertmeister Laub, Musik-\nDirector Radecke, Wuerst und Dr. Bruns, am 26. und 28. Nov.\n1859, hörten wir: Haydn, Nr 2, D-tnoll und in #-dur, Mozart, Es-\ndur, Beethoven, Op 74, Es-dur, und Op. 59, C-dury Schubert, Op\n41, A-moll, und Bach's C haconne für Violine, Solo von Herrn\nConcertmeister Laub in meisterhafter Ausführung\nVon C. Löwe wird die Aufführung seines neuen Oratoriums:\n„Polus von Atellau, erwartet. Text von Professor L. Giesebrecht. Der\nComponist theilte dem Referenten mit, wie ihm von Sr. Majestät,\nFriedrich Wilhelm IV. unserem Könige, der Vorwurf des Oratoriums\nerzählt worden sei. G. F.\nRoger hat in Ha vre den Edgar in der Lucia und den George\nBrown in der Weissen Dame gesungen. Am Abende des 9. Januar\nhaben ihm die Mitglieder des Theaters einen Kranz von Eichenlaub\nmit goldenen Aehren überreicht. Nach seiner Rückkehr bat er in\nParis einen Contract mit der italiänischen Oper abgeschlos-\nsen; am 2. Februar wird er daselbst in der Lucia auftreten. Der\nMechanismus seines künstlichen Armes lässt nichts zu wünschen\nübrig; in der letzten Scene im Propheten .hob er damit den Becher\nauf die natürlichste Weise in die Höhe.\nParis. Richard Wagner wird den 25. Januar im italiäni-\nschen Opernhause ein grosses Concert geben und darin einzelne\nTheile des Tannhäuser und Lohengrin aufführen.\nJV *"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600121-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nW. A. Mozart. Von Otto Jahn. Vierter Theil. 111. Die musicalische Thätigkeit Münchens in den Monaten Novem-\nber und December 1859. Von —ll—. Franz Wild -j- Tages- und Un te rh al tun gs bl at t (Köln, Coneert zum Besten des\nOrchesters, Max Bruch Barmen, Musik-Aufführungen Osnabrück Lüttich Mainz Darmstadt Leipzig Stuttgart\nWien Stettin Roger Paris, Richard Wagner).\n\nW. A. Mozart.\nVon Otto Jahn.\nVierter Theil.\nIII.\n(I s. Nr. 1. II. Nr 3.)\nNach einer kurzen Einleitung über den Zustand der\ndeutschen Oper in Wien zu Mozart's Zeiten, auf welche\ndie Besprechung der kleineren, zum l heii nur in Bruch-\nstücken vorhandenen Opern—„Der Schauspiel-Director\",\n, L'oca del Cairo\" und „Lo sposo delusou —folgt, sind die\nAbschnitte 15 bis 18 den beiden Meisterwerken der dra-\nmatischen Musik: Le nozz'e di Figaro und Don Giovanni,\ngewidmet.\nAuch hier ist, wie früher in Bezug auf die Instrumen-\ntal-Musik, ausser den interessanten historischen Nachrich-\nten und urkundlichen Berichtigungen*) die musicalische\nAnalyse sehr beachtenswerth, namentlich was die Erläu-\nterung der musicalisch-dramatischen Charakteristik be-\ntrifft. Dass übrigens Ulibischeff neben manchem Verfehlten\nin dieser Beziehung bereits viele richtige und feine Bemer-\nkungen gemacht hat, wird immer anerkannt werden\nmüssen.\nWir können unmöglich ins Einzelne der Analysen\nJahn's gehen, wollen uns aber erlauben, in Bezug auf des-\nsen Erläuterungen zum Don Giovanni einige Anmerkungen\nzu machen.\nWenn Jahn die Phantasieen oder Phantastereien E. T.\nA. Hoffmann's über Don Juan und Donna Anna als un-\nrichtig bezeichnet (S. 326), so stimmen wir damit vollkom-\nmen überein. Wir haben schon vor langer Zeit, nicht viele\nJahre nach der Erscheinung von Hoffmann's Phantasie-\nstücken, uns gegen den „Frevel\" ausgesprochen, den er\nan der Donna Anna begangen, und noch dazu in einem\nBlatte, das in Berlin gedruckt wurde, wo damals mit Hoff-\nmann eine wahre Abgötterei getrieben wurde und jeder\nDilettant auf die verlorene Unschuld der Donna Anna\nschwur. Dasselbe Verdammungs-Urtheil haben wir in der\nNiederrheinischen Musik-Zeitung, 1858, Nr. 45, kurz in\ndie Worte zusammengefasst: „Man trage nicht Dinge\nhinein (in die Oper), die nicht darin liegen, wie z. B. die\npsychologischen Phantasieen, welche die Donna Anna zu\neiner gefallenen oder gar den Verführer liebenden Jung-\nfrau, den Don Juan zu einem Ideal der Berechtigung des\nSinnlichen im Menschen machen, und was sonst noch mit\nund ohne Geist Aehnliches hineingedichtet wird*).\"\n\n*) So wird z. B. S. 403 gezeigt, dass die Notiz von Rochlitz (in\nder Allg. M.-Z. I. S 116): Mozart hatte sogar die Grille,\neine Arie in seinem Don Giovanni in Händel's Manier zu\nsetzen und seiner Partitur dies offenherzig beizuschreiben\" —\neine reine Erfindung ist, wie sich deren mehrere b i Rochlitz\nin Bezug auf Mozart und andere Künstler finden. Seyfried er-\nzählte dieser Notiz nach, Mozart habe über die Arie (Elvira:\n„Ah! fugfji il tradilor\" in D-dur) gesetzt: Nello stilo di Hcten-\ndcl. In der Original-Partitur findet sich davon keine Spur, wie\nschon G. Weber in der Cacilia (XVIII. S. 114) berichtigt und\nJahn jetzt ebenfalls bestätigt. — Letzterer vergleicht den al-\nlerdings von der Haltung der übrigen Oper abweichenden Stil\nden Formen älterer Meister der Kirchenmusik. Dass aber Mo-\nzart nach Ambros (Gränzen der Musik und Poesie, S. 61) die\n,,offenbare\" Absicht gehabt habe, „durch die strenge Form den\nEindruck einer Moralpredigt\" zu machen, und dass, wie Jahn\nhinzufügt, ,,es ist, als ob Elvira, auf die eigene Rede verzich-\ni tend, der bethörten Zerlina einen heiligen Spruch in seiner alt-\nhergebrachten Form entgegenriefe44 — diese Ansicht dürfte\nauch in das Gebiet der geistreichen, aber nicht Stich haltenden\nExegese gehören, zumal, da Elvira's Warnung durchaus nicht\nallgemein, sondern im Gegentheil ganz persönlich gehalten ist:\n„Von meinen Qualen lerne dem, was mein Herz spricht, ver-\ntrauen\" u. s. w.\n*) Die Stelle ist au 3 einem Aufsatze: „Neue Texte zu alten\nOpern\", der namentlich den Don Juan bei Gelegenheit der\nneuen Text-Bearbeitung von Dr. Vi o 1 bespricht. Herr Prof.\nJahn scheint sowohl von diesem Aufsatze (Nr. 44 und 45) als\nvon den „Proben einer neuen UeberSetzung des\nDon Juan\" (Nr. 50) keine Kenntniss genommen zu haben,\nobwohl sie im November und December 18 58 bereits gedruckt\nwaren. Wenn er mit Recht sagt (S. 302): „In allen gangba»"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600121-01.1.2", "texte": "lieber den Schluss der Oper (S. 360 und S. 447)\nwird man hoffentlich allgemein dem beipflichten, was für\ndas Ende derselben mit dem Untergange Don Giovanni'«\ngesagt ist, und was völlig mit unserer in Nr. 45 d. 81.\n(1858), S. 358 dargelegten Ansiebt übereinstimmt, wo\nes heisst: „Die vollständige Katastrophe der Handlung,\nder vollständige musicalische Scbluss, endlich der morali-\nsche Eindruck fordern gebieterisch hier das Ende des\nDrama's: Aber freilich, die Regie muss dafür sorgen, dass\ndie erschütternde Wirkung nicht vernichtet werde. Die\nDämonen, der Coro di Spettri, bleiben hinter der Scene\nu. s. w. Erst bei den zwei letzten Tacten des Chors treten\nsie in gemessenem Schritt, aber so gruppirt hervor, dass\nDon Juan vor ihrem Anblick nach dem Hintergründe lliebt,\nwo in demselben Augenblicke - aber ja nicht früher!\nsich der Höllenschlund öffnet.\" (Vgl. Jahn, S. 447: „Die\nGeister selbst häit Mozart weislich im Hintergrund'' u.s.w.)\nDass in dem 12. und 13. Tacte des Allegro's der\nOuvertüre das bvor Ii nur in dem 12. und nicht auch\nim 13. Tacte in der Original-Partitur steht (S. 366), ist\ndoch wohl ohne Zweifel nur einer Nachlässigkeit Mozart's\nzuzuschreiben. Ein Aceord e g statt e auf\ndürfte bei Mozart doch wohl ein Ungeheuer sein! Hätte er\nwirklich diesen Schrei, auf dem ein starker Accent liegt,\nhaben wollen, so würde er bei dem Auffallenden desselben\nwahrscheinlich ein \\als Handweiser vor das h der ersten\nVioline gesetzt haben, um das hier eben so wie im vor-\nhergehenden Tacte ganz natürliche wieder wegzuschaf-\nfen. Die von Jahn als möglich gedachte Absicht Mozart's,\n„die Haupt-Melodie ungetrübt zu lassen\", scheint uns nicht\nannehmbar. Mozart gibt aus seinem melodischen Reich-\nthum, wie er es so oft auf wunderschöne Weise thut, der\nHaupt-Melodie eine zweite als Regleiterin von gleichem\nRang und Stand; hier also:\nwelcher sich dann die erste, weil sie sie nicht von sich ab-\nstossen will, harmonisch anschmiegt.\nWenn in dem Duett in zwischen Don Juan\nund Leporello vor der Rildsäule „nach Leporelio's ängst-\nlichem Berichte in der Original-Partitur beigeschrieben\nsteht: La statua china qui la vc -\ndendo il chino\",und Jahn dem gemäss verlangt, dass\nDon Juan das Kopfnicken gewahre, so liesse sich wohl,\nwie Jahn es erklärt (S. 357 und 375), damit eine Steige-\nrung der Unerschrockenheit bis zur Aufforderung an den\nGeist, „zu sprechen, wenn er könne\", vereinigen; aber die\nReden Don Juan's passen nicht zu dieser Annahme, und\ndie ganze Situation verbietet sie. Jahn citirt nach der ge-\nstochenen Partitur von Breitkopf & Härtel, S. 239, Tact\n8 die uns nicht zur Hand ist*) —und setzt hinzu:\n„Nach dem ängstlichen Bericht des Leporello.\" Das\nkönnte nur nach den Worten:\n(Tact 49 51) sein. Aber es ist klar, dass die Statue sich\nnach der ersten Einladung Leporelio's, sieben Tacte frü-\nher, bei dem Eintritt des G-dur:„Ah-che\nverneigen muss. An ein mehrmaliges Kopfnicken, wozu\nausserdem gar keine Veranlassung durch irgend eine erneute\nFrage oder dergleichen ist, darf man nicht denken; das\nwürde die ehrwürdige Statue zu einer Pagode machen.\nWie kann nun Don Juan, wenn er die Kopfneigung eben-\nfalls gesehen, den furchtsamen Diener einen Narren f-\nfone) nennen, und ihm auf dessen wiederholte Bitte, doch\nselbst einmal hinzusehen, antworten:\ndar?8 Auf diese Frage erwidert Leporello noch einmal:\n„Cotta marmorea testa ei fä cosi, cosi/\" was ihm Don\nJuan nachspottet, und dann, um der Sache ein Ende\nzu machen, das Comthurbild zu reden auffordert. Es bleibt\nalso nur übrig, an eine Nachlässigkeit oder ein Versehen\nMozart's zu denken, da er die von Jahn angeführten Worte\nan eine falsche Stelle gesetzt, vielleicht auch das vor\nvedendozufällig ausgelassen hat.\nEin unbedingtes Zurückgehen von den später geschrie-\nbenen und gedruckten Partituren, beziehungsweise Ciavier-\nAuszügen (d. h. den gewissenhaft gemachten) auf die Ori-\nginal-Partitur dürfte schwerlich anzurathen sein. Wie in\ndiesen Blättern schon früher einmal bemerkt worden (1858,\nNr. 48: „Letztes Wort in Sachen eines Clavier-Auszugs\ndes Don Juan\"), ist dabei in Anschlag zu bringen, dass\ndie Oper nicht erst lange Jahre nach dem Tode des Com-\np'onisten zur Aufführung gekommen, sondern bei seinen\nLebzeiten und unter seiner eigenen Leitung häufig aufge-\nführt worden ist; nach diesen Aufführungen hat sich eine\nTradition gebildet, die jedenfalls Beachtung neben der Ori-\n\nRen Bearbeitungen des Textes ist nicht nur der Charakter\nder italienischen Verse verfehlt, der volle und reiche Klang\nder Worte verkümmert, sondern selbst der Sinn entstellt und\nder Situation wie der Musik Widersprechendes den Sängern in\nden Mund gelegt\" —, so durfte bei der Erwähnung von Roch-\nlitz, Kugler und Yiol wohl erwartet werden, dass auch auf\nden neuesten Versuch einer sprachlich wie musicalisch mög-\nlichst treuen und dabei metrisch abgerundeten U&bersetzang\nwie sie die gedachte Nr 50 von 1858 d, 81. von der Arie\nFin cti hau dal vino, dem letzten Satze des ersten Finale's und\ndem Ständchen Deh vieni alla fmcstra gibt, Rücksicht genom-\nmen werden würde.\n*) Die Gitationen nach der Seitenzahl gewisser Ausgaben sind bei\nPartituren, von denen mehr als Eine Ausgabe existirt, immer\nmisslich. Warum nicht nach der Tactzahl und den Textes-\nworten ?"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600121-01.1.3", "texte": "ginal-Partitur verdient. Wer möchte z. B. die vier Tacte\nim Andante des letzten Finale's (D. Giov.:\ntate tacciato maisarö!\") nach der Aufforderung des Gei-\nstes missen wollen? Und doch sind sie in der Original-Par-\ntitur herausgestrichen (Jahn, S. 379).—Noch ein Beispiel.\nIn dem Duett La ci darem la memo hat der Schluss, der\n%-Tact, im Original-Manuscript keine neue Tempo-Be-\nzeichnung; Jahn sagt desshalb geradezu: „Allegro ist eine\nwillkürliche Zuthat, Mozart hat nur durch den Tactwech-\nsel, nicht durch beschleunigtes Tempo eine Steigerung her-\nvorbringen wollen.\" (S. 395.) Wer könnte aber hier das\nTempo Andante des ersten Satzes ertragen, wogegen Alles\nText, Melodie und Rhythmus spricht? Mozart hat\neben die Bezeichnung Allegro vergessen, die freilich bei\ndem so ausgeprägten Charakter des Schlusssatzes kaum\nnöthig war.\nUeber ein ähnliches Vergessen der Tempo-Aenderung\nim Recitativ von Nr. 2 (Duett in D-moll zwischen Anna\nund Ottavio) ist schon früher Streit erhoben worden, so\nviel wir uns erinnern, am heftigsten nach Spontini's Diri-\ngiren des Don Juan in Berlin. Die Sache betrifft in den\nfünf letzten Tacten des Recitativs die Zwischenspiele. Mo-\nzart bezeichnet das Recitativ Anfangs dann\nMaestoso und kurz darauf Andawelches letztere dem-\nnach für die sämmtlichen noch übrigen vierzehn Tacte\nmaassgebend wäre. Allein der Charakter der Ritornells\nder letzten fünf Tacte zwischen Ottavio's Worten: Anima\nmia, consolati, fa cuore!beginnend mit:\nmacht es kaum wahrscheinlich, dass Mozart sie in demsel-\nben langsamen Tempo, das für die einzelnen Achtel der\nBlas-lnstrumcnte in Tact 4—7 des Andante passt, gespielt\nhaben wollte. Wir finden darüber nichts bei Jahn. Auch\nüber die Authenticität der sieben Tacte des Andre'schen\nClavier-Auszugs im Recitativ der grossen Arie der Elvira,\nMi tradi, die sich sonst nirgends finden (vgl. Niederrhei-\nnische Musik-Zeitung, 1858, Nr. 19 und Nr. 48), haben\nwir vergebens Auskunft gesucht.\nDass Jahn aus dem Finale des ersten Actes den\nChor ganz beseitigen will, weil seine Theilnahme in der\nPartitur nicht ausdrücklich vorgeschrieben ist, möchte auch\nnicht zu billigen sein. Die inneren Gründe, die er für seine\nMeinung geltend macht, dürften kaum haltbar sein. Zu-\nnächst scheint er den Gegensatz zwischen guter und\nschlechter Gesellschaft in Don Juan's Ballsaale viel zu stark\nzu betonen, und wenn er gar verlangt, dass die\ngente, die Pächter und Bauern „sich wohl hüten, an dem\nStreit der Herren sich zu betheiligen\", und sogar, „so wie\ndie Sache ernsthaft wird., sich mit den Musicanten eiligst\ndavon machen sollen\" —so ist diese Aenderung, die sicher\nschon aus scenischen Gründen keine einzige Regie anneh-\nmen wird, weder in der Situation, noch im Text, noch in\nder Musik, noch in der Sitte der Zeit und dem Verhält-\nniss der Landleute zu den „Herren\", noch in dem Cha-\nrakter der Handelnden begründet. Gerade die Landleute\nmit Masetto an der Spitze bilden den notwendigen Hin-\ntergrund des dramatischen Gemäldes, und ihre Entrüstung\nob des offenbaren, fast sichtbaren Verbrechens gegen ein\nMädchen aus ihrem Stande und deren Bräutigam ist\nwahrlich psychologisch begründeter, als ihr Davonlaufen.\nUnd in dieser Lage soll der verzweifelnde Masetto, der\nendlich seine Braut dem Frevler entreisst, „durch die Ge-\ngenwart der Vornehmen, welche seine Sache führen, zu-\ni ' \" ' • ( \"\nrückgehalten werden\" (S. 427), und alle seine Camera-\nden, noch dazu von Wein und Tanz erhitzt, sollen ihn im\nStiche lassen! Sieht doch Leporello, ehe er noch eine\nAhnung von den wahren Personen hinter den Masken hat,\nden Sturm der Landleute voraus und flüchtet sich mit\nden Worten: „Qiä nasce und rulna\"•*), ins Nebenzimmer.\nUnd nun sollen diese „guten Leute\" bei Zerlinens und\nMasetto's Hülferuf sich aus dem Staube machen? Im Ge-\ngenlheil; hat die schwache Zerline doch selbst den Muth,\nzuerst von Allen dem Frevler mit den Worten: „\ntutto giä si sä!\"entgegen zu treten; nach ihr Masetto und\ndann erst die drei Vornehmen.\nEiner Rauferei wird natürlich dadurch nicht das Wort\ngeredet ; allein der ganze Auftritt und dessen Scenirung\nmuss den Worten: „Trema, scellerato/\" und der Angst\nGiovanni's: „E confusa la mia\npesta minacciando, o Dio, entsprechen, und\ndas ist nicht möglich, wenn die drei Frauen nebst Ottavio\nund Masetto allein ohne den Hintergrund der Bauern den\n„furchtbaren Sturm\" versinnlichen sollen. Und vollends\nam Schluss! Man denke sich die Bühne leer von allen\nChoristen und Statisten und von allen drohenden Gruppen\nderselben, und stelle dann den Aufwand von Heroismus\n\n*) Freilich von Rochlitz unverantwortlich durch: „Kindchen, das\nwird sich geben!\" übersetzt, während der Sinn der ganz plumpe\ndes berlinischen „Hier gibt's Keile!\" ist.\n**) ~Wie mit Sturmes Ungewittern\nBricht es drohend auf mich ein.\"\nVgl. die Uebersetzung des Finalsatzes in 1858, Nr. 50.\nrj"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600121-01.1.4", "texte": "im Text und in der Musik für Don Giovanni, der sich\nplötzlich ermannt, dagegen ! Verlohnte es sich, gegen drei\nWeiher und zwei Männer, die bis jetzt sich nicht im Ge-\nringsten furchtbar gemacht haben, einen Don Giovanni den\nkühnsten Aufschwung in Worten und Tönen nehmen:\nMa non manca in\nNon mi perdo, o\nja, ihn sogar den „Einsturz der Welt\" verachten zu las-\nsen, um seinen Muth zu betheuern:\nSe cadesse ancora il mondo,\nNulla mal temer mi fä!\nMan denke sich die Unerschrockenheit unter den Trüm-\nmern der Welt im Vergleich zu der Gefahr, die von fünf\nPersonen droht, wovon drei zarte Frauen sind! Der Ein-\ndruck dürfte stark ans Komische streifen.\nDass diese kleinen Meinungs-Verschiedenheiten uns\nnicht hindern, das Vortreffliche mit Freuden anzuerken-\nnen, welches auch die Zergliederung des Don Juan bei\nJahn in Fülle darbietet, brauchen wir wohl nicht zu ver-\nsichern; sie mögen dem Herrn Verfasser im Gegentheil be-\nweisen, wie gern und eingehend wir uns mit seinem Buche\nbeschäftigt haben.—Aus dem Epilog zu dem ganzen Ab-\nschnitte heben wir noch Folgendes hervor:\n„Schon die Betrachtung des Finale's zeigt, was die\nganze Oper bestätigt, dass, wenn Don Giovanni rücksicht-\nlich der kunstreich geführten, zu immer neuer Spannung\nverschlungenen Handlung dem Figaro nachsteht, er dage-\ngen vor demselben dadurch einen unvergleichlichen Vor-\nC o\nzug voraus hat, dass alle Situationen und Stimmungen ih-\nrem Wesen nach echt musicalisch sind. Zeigt sich dort\nMozart's Genie darin besonders bewundernswert!), dass er\nfür die Handlung das musicalische Gebiet selbst zu schaf-\nfen vermochte, indem er die Träger derselben musicalisch\nbeseelte, so bringt Don Giovanni der musicalischen Auf-\nfassung alle wesentlichen Elemente entgegen, und zwar in\neiner Fülle und einer Abwechslung, welche einen neuen\nVorzug vor dem Figaro begründet. Zwar die Kraft der\nCharakteristik, welche jede handelnde Person zu einer be-\nstimmten Individualität ausprägt, ist unerschöpflich, und in\ndieser Beziehung ist Figaro so reich, wie Don Giovanni.\nAllein dort erstaunt man, wie es möglich ist, in einem eng\nbeschriebenen Kreise nahe liegender Empfindungen, die\nselten bis zum Leidenschaftlichen gesteigert werden und\nnie sich zu hohem Pathos erheben, ein lebendiges, durch\nGeist und Anmuth fesselndes Spiel unausgesetzt auf glei-\ncher Höhe fortzuführen, und muss sich überzeugen, dass\nes die Idealität der vollendeten künstlerischen Darstellung\nist, auf welcher die Wirkung der Oper beruht. Dagegen\ngibt es kaum eine Seite menschlicher Empfindung, welche\nim Don Giovanni nicht zum Ausdruck gelangte; Liebe und\nEifersucht, Hass und Zorn, Trauer und Trost, Furcht und\nEntsetzen werden in den mannigfachsten Nuancen männ-\nlicher und weiblicher Natur, verschiedener Individualitäten\nund Situationen, oft in den schneidendsten Contrasten ne-\nben einander zur Geltung gebracht, durch einen bunten\nWechsel von Scenen des täglichen Lebens werden wir an\ndie Pforten des Geisterreiches geführt, und durch das\nGanze geht ein Zug des Komischen und Humoristischen,\nder auf alle Gegenstände ein eigenthümliches Licht fallen\nlässt. Einem Künstler von wahrhaft dramatischer Begabung\nbot sich hier eine solche Fülle von Motiven dar, um die\nin ihrem Kern aus tiefer psychologischer Erkenntniss her-\nvorgegangenen Gebilde in der glänzendsten Detail-Ausfüh-\nrung zu beleben, dass die Schwierigkeit im Maasshalten\nlag. Wir haben gesehen, mit welchem Behagen und mit\nwelcher Laune Mozart sich dem Realismus solcher Dar-\nstellungsweise hingibt, und eben so wie da Ponte seinen\nDon Giovanni mitten in die Gegenwart hineingestellt hat,\nauch für die musicalische Charakteristik, wo es nur thun-\nlich ist, Detailzüge und Färbung unmittelbar aus der Wirk-\nlichkeit schöpft. Durch diese Frische und Fülle der realisti-\nschen Ausführung unterscheidet sich Don Giovanni be-\nstimmt von Figaro, ohne ihm rücksichtlich der Idealität\nnachzustehen. Denn jedes einzelne Motiv, das, dem wirkli-\nchen Leben abgewonnen, uns dasselbe täuschend wieder-\ngibt, ist der künstlerischen Idee des Ganzen dienstbar ge-\nmacht und allein dadurch für solche Wirkung befähigt.\ner die Statuen des Parthenon oder die Gestalten Ra-\nfael's mit Hingebung betrachtet und sie mit der lebenden\nP o\nNatur vergleicht, der wird mehr und mehr inne werden,\nwie die grossen Meister der bildenden Kunst in Allem und\nJedem der Natur folgen, wie sie einfach und wahr immer\ndas Motiv zu entdecken wissen, welches das nächste und\ndarum das beste ist, weil es gleichsam die unwillkürliche\nAeusserung der inneren Bewegung ist, welche im Kunst-\nwerke ihren Ausdruck findet, wie sie aber den Schatz,\nwelchen sie mit dem Blicke des Genius aus den Tiefen der\nNatur gehoben haben, in die Tiefe der menschlichen Brust\nbergen, um aus sich heraus in freier Selbsttätigkeit das\nKunstwerk zu schaffen, welches als ein Ganzes nur aus\ndem menschlichen Geiste wiedergeboren und vom mensch-\nlichen Geiste verstanden werden kann* Auf dieser Kraft,\nalles, was die Natur bietet, durch die menschliche Seele\nhindurch zu führen, ohne der Gewalt des Natürlichen zu\nunterliegen, ohne das ohnmächtige Gelüste, sie bezwingen\nzu wollen, beruht die Grösse des schaffenden Künstlers;\nsie ruft jene wahre Idealität hervor, welche mit dem We-\nsen des Künstlerischen identisch ist. Nicht anders ist es mit\ndem Meister, der in Tönen schafft. Was ihn auch anregen\nmag, das Wort des Dichters, die Erfahrung des Lebens"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "29", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600121-01.1.5", "texte": "der sinnliche Eindruck durch Form, Farbe oder Töne,\ndass es in ihm wiederklingt und ihn zu künstlerischer Ge-\nstaltung treibt, die Idee des Ganzen, in welchem dann Al-\nles erst zum Leben gelangt, Gestalt und Bedeutung ge-\nwinnt, geht aus dem Innersten seines Geistes hervor, sie\nist die schöpferische Kraft, die, unablässig fortzeugend,\nthätig ist, bis das Kunstwerk vollendet dasteht. Die Idea-\nlität des Kunstwerkes, welches der menschliche Geist im\nEinklänge mit der Natur, so weit er sie zu durchdringen\nvermag, und desshalb frei schafft, ist der Ausdruck der\nNotwendigkeit, welche für den Menschen allein im Kunst-\nwerke und zwar nur desshalb, weil es als ein Ganzes\naus dem menschlichen Geiste hervorgegangen ist fassbar\nund anschaulich wird; in ihr hebt sich, was sich sonst als\nGegensatz der Form und des Inhalts, der Schönheit und\ndes Ausdrucks darstellt, zur höchsten Einheit auf. Wo sie\nerreicht ist, tritt die volle Befriedigung ein, welche dem\nSterblichen nur im Genüsse der Kunst beschieden ist; aber\nunsere Freude und Bewunderung steigert sich, wenn diese\nHarmonie aus einer reichen, vielgestaltigen Composition,\ndie eine Fülle von Motiven, welche uns in den verschie-\ndensten Richtungen beschäftigen und uns tief im Innersten\nergreifen, vor uns ausbreitet, hell und rein emporblühet\nunmittelbarer und voller berührt uns dann das Wehen\ndes Geistes, dem das Weltall ist, was dem Menschen sein\nKunstwerk.\"\n\nDie musicalische Thätigkeit Munchens in den Monaten\nNovember und December 1859.\nDie musicalische Akademie unter Leitung Franz\nLachner's brachte in l'ünl Concerten zur erstmaligen\nAufführung, und zwar mit entschiedenem Beifall, nur die\nDithyrambe für Männerchor und Orchester von J. Rietz,\ndas siebente und das neunte Violin-Concert von Spohr,\ngleich meisterhaft von Lauterbach und Walter vorgetra-\ngen, und ein Adagio funehre für Orchester, von Mozart\nim Juli 1786 componirt; ausserdem die Ouvertüre zu\n„Manfred\" von R. Schumann, die Fest-Ouverture in\nvon Hugo Ulrich und die Festklänge, symphonische Dich-\ntung von Franz Liszt. War der geringe Erfolg der Fest-\nklänge in jeder Beziehung gerechtfertigt, so muss man hin-\ngegen die kühle Aufnahme der Ouvertüren Schumann's\nund Ulrich's ausschliesslich einem langjährigen Missstande\nzuschreiben, indem die Concert-Direction consequent die\nOuvertüren am Ende der Concerte bringt und dieselben\ndadurch bei der unabstellbaren Unruhe des Concert-Pu-\nblicums Dank den unverbesserlichen Garderobe-Zustän-\nden im königlichen Odeon als fünftes Bad am Wagen\nzum Opfer fallen lässl. Es wäre höchste Zeit, schon aus\nbilliger Rücksicht für Novitäten, sich entweder zu einer\nanderen Concert-Programmstellung zu entschliessen, oder\ndenselben lieber durch Nicht-Aufführung den unvermeid-\nlichen, so oft unverdienten Durchfall zu ersparen.\nZur Aufführung gelangten ferner Beethoven's fünfte\nund neunte Sinfonie und dessen Fest-Ouverture Op. 124,\neine Sinfonie in D-durvon J. Haydn, die JL-moÄ-Sinfonie\nvon Mendelssohn und zu Spohr's Gedächtnissfeier „Die\nWeihe der Töne\", die Ouvertüre und eine Sopran-Arie\naus Faust, ein Terzett aus „Zemire und Azor\" und die\nGesangscene für die Violine. Ausserdem sang Herr Grill\neine Arie aus der Iphigenie in Tauris und mit Vocal-Quar-\ntett-Begleitung die „Nachthelle\" von Franz Schubert, Frau\nDiez dessen „Mädchens Klage\" und „Thekla, eine Gei-\nsterstimme\", der Theaterchor schliesslich dessen „Gesang\nder Geister über den Wassern\".\nDer Oratorien-Verein unter Leitung des Herrn von\nPerfall gab seinen ausserordentlichen Mitgliedern zwei\nConcerte. Hierin zum ersten Male vorgeführt, und zwar\nmit dem allseitig günstigsten Erfolge, wurde die Cantate\n„Du Hirte Israel\" von Seb. Bach, die grosse Scene der\nFurie des Hasses und ihres Gefolges mit Armide aus dem\ndritten Acte der Oper Armide von Gluck, der 42. Psalm und\nzwei Sprüche für achtstimmigen Chor (am Neujahrstage\nund am Himmelfahrtstage) von Mendelssohn, die „Lorelei\"\nfür Soli, Chor und Orchester von Ferdinand Hiller, zwei\nRomanzen für Frauenstimmen („Klosterfräulein\" und der\n„Wassermann\") von Robert Schumann, Lieder im Volks-\ntone von Heuchemer und ein Gebet und Aerntelied von\nFranz Lachner.\nZur Wiederholung gelangten zwei Choräle von Bach\n(„Wenn ich einmal soll scheiden\" aus der Matthäus-Pas-\nsion und „Lob und Preis\" aus der Cantate „Meine Seel'\nerhebt den Herrn\"), ein Madrigal von John Bennet aus\ndem 16. Jahrhundert: „Maria wallt zum Heiligthum\",\naus den Festgesängen von Eccard, und das doppelchörige\nMisericorclias von Durante.\nUeber die Streichquartett-Soireen ist leider auch für\ndiesmal nichts zu berichten, indem deren Wiedererstehen\nnoch immer nicht zur Wahrheit geworden und ein zahl-\nreiches Auditorium unter gewissen geringfügigen Eifer-\nsüchteleien gleichmässig fort zu leiden und zu entbehren\nhat. Statt dessen gab Herr Peter Moralt, dirigirendes\nMitglied der Hofcapelle, zwei Soireen, deren Pele-mele-\nRepertoire freilich in keiner Weise Ersatz für jenen em-\npfindlichen Verlust bot, und Fräulein Mösner entzückte\nin einem selbst veranstalteten Concerte wie immer den\nzahlreichen Zuhörerkreis. —ll"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600121-01.1.6", "texte": "Franz Wild †.\nFranz Wild ist zu Wien am Neujahrstage in seinem sieben-\nzigsten Lebensjahre gestorben. Im November 1857 hatte Wild sein\nfünfzigjähriges Jubiläum gefeiert. Am 20. November 1859 sang er\nnoch (Schuberts „Ständchen\" und Schümanns „Ich grolle nicht\")\nim Concerte des Herrn Karl Mayer. Auf der Bühne war seine letzte\nneue Rolle der Abayaldos in Dom Sebastian, den er mit hinreissen-\ndem Feuer sang und den keiner seiner Nachfolger so wie er zur\nGeltung brachte.\nAm 4. Januar, Nachmittags 3 Uhr, fand das feierliche Leichen-\nbegängniss des Dahingegangenen Statt. Fast alle Kunst-Notabilitäten\nder Residenz wohnten demselben bei. Suppe's Chor: „Wiedersehen\",\nwurde von sämmtlichen Solosängern des Hof-Operntheaters in er-\ngreifender gesungen.\nSeine Selbstbiographie hat Wild wenige Wochen vor seinem\nTode einem Freunde übergeben, der sie der Redaction der „Recen-\nsionen\" zur Veröffentlichung mitgetheilt hat. Die Nr. 2 (11. Jan.)\ndieser Zeitschrift enthält bereits das erste Capitcl.\nFranz Wild wurde den 31. Decernber 1792 zu Nieder-Hollabrunn\nin Unterösterreich geboren. Sein Vater war Gastwirth und Unterthan\ndes Stiftes Kloster-Neuburg, in welches Franz schon in seinem sie-\nbenten Jahre als Chorknabe aulgenommen wurde Im Jahre 1804\nwurde er nach bestandener Probe vor Salieri und Eibler in das kaiserl.\nConvict zu Wien aufgenommen, sang 18'>5 zu Schönbrunn vor Napo-\nleon, verliess, weil er seinen Zopf abgeschnitten und desshalb wie-\nderholt gezüchtigt worden, das Convict (1807), wurde bei verschie-\ndenen wiener Theatern Chorist und durch Hummel im Jahre 1809\nSolosänger in der Capelle des Fürsten Esterhazy in Eisenstadt. Dort\nhörte ihn 1810 Graf PalfFy, damals Besitzer des Theaters an der\nWien; auf dessen Einladung trat Wild am 9. Juli 1811 als Ramiro\nin Isouard's ~Aschenbrödel\" in Wien mit grossem Erfolg auf und\nbegann damit seine eigentliche Künstler-Laufbahn auf der Bühne.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMolsi. A in Dinstag den 17. d Mts. fand im Gürzenich ein\nConcert unter F. Hiller's Leitung mit aufgehobenem Abonnement\nzum Besten des kölner Orchesters Statt. Das Programm brachte :\nI. 1. Sechste Sinfonie (G-moll) von Niels W. Ga de. 2. Violin-Con-\ncert von F. Mendelssohn, gespielt von J. Joachim. 3. Der 98.\nPsalm für zwei Chöre u. s. w. von F. Mendelssohn. ll. 4.\nTartini's Teufels-Sonate für die Violine (Joachim). 5. Drei Cla-\nvierstücke, componirt und vorgetragen von F. Hill er (eingeschoben\nan die Stelle von Gesang-Vorträgen des Herrn Niemann, der we-\ngen Aufführung der Oper Rienzi in Hannover keinen Urlaub erhal-\nten konnte). 6. Capriccio von F. Hill er, Bourr<?e und Double in\nH-moll von J. S. Bach für die Violine (Joachim). 7. Ouvertüre Nr.\nI zu Leonore von Beethoven. Wir kommen darauf zurück.\nAus Düsseldorf wird berichtet, dass in der zweiten Soiree\nvon Herrn Langhans, Frau Langhans und Herrn Forberg das Trio\nvon Max Bruch für Ciavier, Violine und Violoncell mit lebhaftem\nBeifall aufgeführt und als eines der bedeutendsten neueren Werke\ndieser Gattung bezeichnet worden ist. (Leipz. Signale) Das Vio-\nlin-Quartett, Op. 9, von demselben Componisten (ebenfalls Leip-\nzig, bei Breitkopf & Härtel erschienen) ist bereits in mehreren Städ-\nten mit grosser Anerkennung in Quartett-Soireen aufgeführt worden\n(Warum nicht auch hier in Köln?) —, z. B in Pesth\nin dem Cyklus für Kammermusik von Volkmann, in Königsberg\nin Pr. in einer der Soireen von Japha und Genossen, worüber ein\nBericht in der N. Zeitschrift f. Musik u. A. lautet: „Das Quartett\nvon Max Bruch ist ungewöhnlich und edler Art, dürfte jedoch mehr\nfür Künstler interessant, als für Laien bersonders genussreich sein.\"\n(Mit der letzten Ansicht können wir nicht übereinstimmen, da so-\nwohl die Motive als der Guss und Fluss in der Verarbeitung der-\nselben auch den blossen Kunstfreund ansprechen.)\n/\nIS&ft'fit&eil, 6. Jan. Nach langer, fast gänzlicher Meeresstille in\nunseren musicalischen Zuständen nehmen wir diesmal Act von so\nmancherlei Schönem und Trefflichem, das die Abend-Unterhaltung\nder Herren Gebrüder Seiss am 28. December v. J„ die Kammer-\nmusik-Soiree am Neujahrstage und das zwei Tage darauf Statt ge-\nhabte erste grössere diesjährige Abonnements-Concert, unter Leitung\nunseres neuen Directors, Herrn Krause, uns gebracht haben. Na-\nmentlich ist die Meinung über die Clavier-Vorträge des Herrn Isi-\ndor Seiss von Leipzig an den beiden ersten Abenden eine unge-\nteilte. Sein „Erlkönig\", die Berger'sche Gigue und Chopin's Polo-\nnaise waren ausgezeichnete Leistungen, hinter denen die Vorträge\ndes Beethoven'sehen Es-dur-Trio's und seiner Salieri'schen Sonate in\nD mit Violine nicht zurückstehen, wenngleich wir letzterer noch\netwas mehr Ruhe an einzelnen Stellen gewünscht hätten. Das\nerste Abonnements- oncert brachte zuvörderst die Zauberflöten-Ouver-\nture gut, aber etwas zu sehr en bloc in den Lichtern vorgetragen. Die\nKüpper'sche Capelle scheint mit ihren jährlich mehr gesohrobenen\nund wirklich hohen peeuniären Ansprüchen auch in ihren Leistun-\ngen Schritt zu halten, nicht eben für nöthig zu erachten In den\nProben soll man statt der gewöhnlichen, an einander gewohnten Mit-\nglieder mehrere vöLig unzulängliche Surrogate und gerade da ein-\ngeschoben haben, wo man sich so leicht aus dem bedeutenderen\nTheile der Musiker unseres Thaies remplaciren konnte -in den\nGeigen nämlich —; mnd es war eine grosse Gefälligkeit von Herrn\nPosse, die Führung und Leitung der zweiten Geige so bereitwillig\nnoch am Concert-Abende zu übernehmen. Der Ouvertüre folgte\nBach's schöne Ostcr-Cantate. Mit Vergnügen geben wir Herrn Krause\ndas Zeugniss, an reinerer Intonation des Chors schon tüchtig gear-\nbeitet zu haben. Herr Krause selbst producirte sich darauf dem\ngrösseren Publicum mit dem Mozart'schen D-mo/Z-Concert, und zwar\nin seiner ruhigen, besonnenen und doch so ansprechenden Weise.\nSeine Cadenz zeugt von Geist und wahrem Geschmack. Leider fiel\nvor Schluss seines ersten Solo's im ersten Allegro die Holzbläser-\nSchar der Capelle auf eigene Faust und trotz der speciellen Leitung\nihres gewohnten Dirigenten Herrn Langenbach der grösseres Miss-\ngeschick aber mit bekannter Umsicht bald zu vereiteln wusste\num zwei Tacte zu früh mit dem Tutti ein. Zwei neue Kirchenstücke\nfür Chor und Orchester von Moriz Hauptmann schlössen den\nersten Theil. Vortrefflich ausgearbeitet und wie aus Einem Gusse\ndahinströmend, werden sie überall ergreifen. Im zweiten Theile be-\ngrüssten wir nach längerer Zeit in Barmen wieder einmal Beetho-\nven's £-c/wr-Sinfonie, deren Aufnahme von Seiten des Publicums\nwohl endlich die unsinnige Behauptung gründlich widerlegt haben\nwird, dass diese vierte und die achte Sinfonie eigentlich „nicht fürs\nPublicum seien\". Die Ausführung war feurig und brav. Herr Director\nKrause wurde mit Auszeichnung vom Publicum empfangen und\nentlassen.\nUnsere Mus ik-Ve reins -C onc erte finden\nviel Anklang. Im vierten Concert den 14. d. Mts. hörten wir Mo -\nzart's C-dur-Sinfonie (mit der Schlussfuge), die Concert-Ouverture\nvon Niels W. Gade in C-dur, Op. 14, einen Chor aus Mendels-\nso hn's Paulus, das „Zigeunerleben\" von Kob. Schumann, in-\nstrumentirt von C. G. P. Grädener, Recitativ und Arie des Jeremias\naus Hiller's „Zerstörung von Jerusalem\" und Variationen für\nTrompete von Ferling.\nliiitficla. Die Witwe Dubois-Desoer hat ihr Eigenthum,\ndas Haus; in welchem Gretry am 11. Februar 1741 geboren wurde"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600121-01.1.7", "texte": "(wie eine Inschrift über der Thür besagt), der Stadt geschenkt mit\nder Bedingung, das Haus und die Inschrift mit Sorgfalt zu erhalten\nund den liest des Ertrages desselben zur Unterstützung musicali-\nscher Studien zu verwenden. Die Schenkung ist angenommen und\ndurch königlichen Erlass bestätigt -worden. Ausserdem hat Lüt-\ntich seinen grossen Landsmann schon früher durch eine Gretry-\nStrasse und einen Grdtry-Platz und durch eine eherne Bildsäule des\nMeisters geehrt. ln Paris bereitet man jetzt vor, dessen ~Azor\nund Zemire\" wieder in Scene zu setzen.\n11 Januar. Heute wurde zum Besten unseres braven\nBaritonisten Herrn Karl Meyer , Andreas Hofer oder der Freiheits-\nkampf der Tyroler\", historische Volksoper in drei Acten von W.\nHeld, Musik von W. Kirchhof!\", bei uns zum ersten Male aufgeführt«\nDas Libretto bietet in Hinsicht auf Inhalt, Haltung und Sprache\nGelegenheit zu vielfachem und gerechtem Tadel. Die Musik, in mo-\ndernem Genre mehr effecthaschend als effectreich, hält sieh bei man-\nchen Reminiscenzen fern von Trivialität, und scheint ungeachtet einer\nArmuth von Melodieen doch von Begabung und Fleiss des Compo-\nnisten zu zeugen. Einige Chöre und die von Herrn Meyer sehr\nbcliön vorgetragenen Lieder Hofer's wurden mit grossem Beifalle,\ndas Ganze aber mit Kälte aufgenommen, wozu gewiss auch die\nmangelhafte Einstudirung, insbesondere die Haltung des Orchesters\nredlich beitrug.\nKurz vorher gab der in allen Blättern schon oft rühmlichst er-\nwähnte Violinist Komp el ein Concert. Wir hatten darin neue Ge-\nlegenheit, den herrlichen, zum Herzen gehenden Ton, die gediegene\nVortragsweise und meisterhafte Technik des jungen Künstlers wür-\ndigen zu können. Wir sind überzeugt, dass diese Kunstreise den\nRuf desselben für immer begründen wird. (Südd. M -Z.)\nlüswsäa Stielt. Im zweiten Concert der grossherzoglichen Hof-\ncapelle wurde eine Sinfonie (in A-dur) des Stuttgarter Hofmusikers\nJ. J. Abert mit grossem Erfolge aufgeführt. Herr Abert, ein noch\njunger Mann, Componist der Oper ~Anna von Landskron'4, ist ein\ngeborener Böhme und hat seine musicalische Bildung im Conserva-\ntorium zu Prag empfangen. Gegenwärtig trägt er sich mit der Com-\nposition einer grossen Oper, deren Stoff der Hohenstaufen-Geschichte\nentlehnt ist.\n10. Januar. So eben wird in unserer Stadt bekannt,\ndass die durch den Tod Karl Gottlieb Reissiger's erledigte Stelle\neines ersten königlichen Hof-Capelln)eisters in Dresden unserem aus-\ngezeichneten Capellmeister Dr. Julius Rietz, dem langjährigen\nverdienstvollen Leiter der Gewandhaus-Concerte, übertragen worden\nist, dass dieser 'dem am Neujahrstage an ihn ergangenen Rufe Folge\nleisten, d. h mit nächstem Vierteljahre (nach Schluss der Gewand-\nhaus-Saison) auf seinen neuen Posten abgehen wird.\nDas Programm des achten Gewandhaus-Coneertes lautet: Ouver-\ntüre zu Oberon, Ouvertüre zu Maria Stuart von Vierling (neu), Sin-\nfonie (C-dur) von Mozart, Ciavier Concert von Beethoven (G-dur),\nFuge von J. S. Bach, Romanze von Clara Schumann, Scherzo von\nMendelssohn, gespielt von Herrn Mortier de Fontaine. Das vierte\nEuterpe-Coneert brachte eine Sinfonie von Rietz, Ouvertüre zu Eg-\nmont und zu Genovefa von Schumann, Chöre von Rietz, Schumann\nund Schubert, Frühlingsbotschaft (für Chor und Orchester) von Gade,\nGigue von liäsler (178 v) und Variation übe; „God save the King\"\nvon Beethoven, gespielt von Herrn Julius von Bernuth.\nEine Correspondenz aus Stuttgart in den wiener Recensioneri\nüber Meyerbeer's „Wallfahrt, nach Ploermel\" sagt u. A. aus: „Am\n21. December v. J. ist endlich die neue Meyerbeer'sche Oper zur\nAufführung gekommen. Wenn die erste Darstellung eines berühmten\nWerkes für das betreffende Theater immer ein Ereigniss bildet, so\nwar das bei dieser Oper in ganz besonderem Grade der Fall. Vor\nAllem wusste man, dass Meyerbeer selbst während der letzten drei\nWochen hier verweilte, um den Hauptproben persönlich beizuwoh-\nnen; die Kritik aus den Orten, wo sie bis jetzt aufgeführt\nnamentlich aus Paris und London, hatte sich sehr günstig ausge-\nsprochen; über die Decorationen verlautete, dass sie das nicht Da-\ngewesene böten, und dazu kam endlich, dass im Publicum sich das\nGerücht verbreitet hatte, der berühmte Componist werde selbst diri-\ngiren, wie vor vier Jahren bei der ersten Darstellung des „Nord-\nstern\" Sie werden zugeben, dass es nach einmaligem Anhören nicht\nmöglich ist, eine erschöpfende Beurtheilung des Ganzen zu geben;\neine solche würde mehrmalige Aufführungen voraussetzen, vielleicht\nzahlreichere, als wir in der nächsten Zeit erleben werden; aber eine\nSchilderung des Gesammt-Eindrucks ist schon jetzt möglich, und\ndieser war, um es gleich herauszusagen, ein ziemlich ungünstiger.\nZwar fehlte es nicht an Beifallsspenden. Meyerbeer, der ohne zu di-\nrigiren der Vorstellung beiwohnte, wurde nach dem ersten und dem\ndritten Acte stürmisch gerufen; allein dies war mehr ein Act der\nHöflichkeit dem berühmten Gaste gegenüber, und dieselbe Ehre wurde\nden Herren Mühldorfer (\\aterund Sohn) aus Mannheim, welche die\nDecorationen ausgeführt hatten, nach dem zweiten Acte zu Theii.\nAuch die einzelnen Nummern erhielten Applaus ; doch war derselbe\nnur einige Mal ein wahrhaft begeisterter; die meisten Seenen erwar-\nben mehr einen Succes d'estime.\" Die Hauptschuld der lauen Auf-\nnahme misst der Correspondent dem Textbuche bei.\nW ieift« Das Abschieds-Concert des Herrn Vieuxtemps zeich-\nnete sich vor den früheren durch die Vorträge mit Orchester-Beglei-\ntung aus, welche in dem ersten Satze des Beethoven'schen Violin-\nConcertes und in einer Phantasie eigener Composition bestanden.\nDie vierte Quartett-Production des Herrn H ellm e sberger (26.\nDecember) war wieder durch eines der letzten Quartette Beethoven's\n(.A-molly Op. 132) ausgezeichnet, dessen Scherzo wiederholt werden\nmusste. Nebstdem kamen ein Streich-Quartett von Mendelssohn [F-\nmoll) und ein Trio für Pianoforte, Violine und Cello von Schumann\n(.F-dur), die wenig ansprachen, zum Vortrage. Die Pianoforte-Stimme\ndes Trio wurde von Herrn Debrois van Bruyk gespielt.\nDie vierte und letzte der von Herrn Debrois van Bruyk veran-\nstalteten Kammermusik-Soireen hatte ein ziemlich zahlreiches, sehr\ngewähltes Publicum versammelt, welches sämmtllchen Vorträgen mit\nbesonderer Theilnahme zuhorchte. Eine von Herrn van Bruyk für\ndas Pianoforte arrangirte Violin Sonate von J. S. Bach und die C-\nmo//-Sonate von Beethoven nebst kleineren Tonstücken vorr Schu-\nmann bildeten das interessante Instrumental-Programm, dem vier\nLieder, von Herrn van Bruyk componirt, von Fr. Dustmann gesun-\ngen, angereiht waren, von welchen zwei wiederholt werden mussten.\nAlle Vorträge erfreuten sich des lebhaftesten Beifalls\nDas Interesse des ersten Singvereins-Concertes concentrirte sich\nin der erstmaligen vollständigen Aufführung von Schumann's „Man-\nfred\", welche ein sehr zahlreiches und jedem Tone mit höchster\nSpannung lauschendes Publicum angelockt hatte. Wir müssen uns\nhier versagen, auf das einen tiefen Eindruck im Publicum zurück-\nlassende Werk näher einzugehen, und können nur so viel ausspre-\nchen, dass die Musik Schumann's zu dem Schönsten gehört, was er\nüberhaupt geschaffen; nur scheint uns dieselbe zu dem Byron'schen\nGedichte in einem umgekehrten Verhältnisse zu stellen*) Der Man-\nfred Byron's - zwingt uns Bewunderung ab, aber nicht Sympathie.\nDer Manfred Schumann's dagegen, wie er besonders aus der Ouver-\ntüre zu uns spricht, erweckt wolil viel Sympathie, nicht aber Be-\nwunderung im Sinne dämonischer Kraft und Grösse. Schumann\nkonnte, seiner lyrischen Natur zufolge, nür den unglücklichen, schuld-\n\n*) Vgl, den Bericht aus Berlin in Nr. 2, S. 10."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600121-01.1.8", "texte": "beladenen, nicht aber den trotzigen, Himmel und Hölle sich wider-\nsetzenden Manfred musicalisch zur Erscheinung bringen. Den wirk-\nlichen Byron'schen Manfred in Musik zu übersetzen und zugleich\nein den ästhetischen Forderungen entsprechendes Werk zu schaffen,\nwäre wohl nur dem Verfasser einer „Coriolan-Ouvertüre\" möglich\ngewesen. Dass aber trotzdem fechumann s Musik an sich einen tie-\nfen Eindruck gemacht hat, beweist der vielseitige Ruf nach baldiger\nWiederholung dieser Aufführung, dem wir uns ohne Weiteres an-\nschliessen. (Deutsche Musik-Zeitung v. S. Bagge.)\nDagegen berichtet die Neue Wiener Musik-Zeitung von Glöggl vom\n5. d. Mts : „Die Direction der Gesellschaft der Musikfreunde ist zu\nihrem Bedauern nicht in der Lage, Schümanns Musik zu Manfred\nin einem besonderen Concerte wiederholt zur Aufführung zu brin-\ngen, da das Ergebniss der hiefür eingeleiteten Subscription nicht so\ngross gewesen, um die bedeutenden Kosten eines solchen Concertes\nzu decken.\"\nStettill. In den drei bis jetzt gegebenen Concerten des Herrn\nCapellmeisters C. Kossmaly, welche mit Reeht hier sehr geschätzt wer-\nden, kamen zur Aufführung: Haydn's Mozart's C-\nflur mit der Fuge (Jupiter), Beethoven's Eroica, das G-dur-Con-\ncert Nr. 4 für Pianoforte und die Coriolan-Ouverture; Spohr's D-\nmoll-Sinfonie, Mendelssohn's Ouvertüre „Meeresstille\", Schumann's\nOuvertüre zu Byron's Manfred und Gade's schottische Ouvertüre\n(im Hochland) Es werden noch drei Concerte folgen\nIn den Quartett-Soireen der Herren Concertmeister Laub, Musik-\nDirector Radecke, Wuerst und Dr. Bruns, am 26. und 28. Nov.\n1859, hörten wir: Haydn, Nr 2, D-tnoll und in #-dur, Mozart, Es-\ndur, Beethoven, Op 74, Es-dur, und Op. 59, C-dury Schubert, Op\n41, A-moll, und Bach's C haconne für Violine, Solo von Herrn\nConcertmeister Laub in meisterhafter Ausführung\nVon C. Löwe wird die Aufführung seines neuen Oratoriums:\n„Polus von Atellau, erwartet. Text von Professor L. Giesebrecht. Der\nComponist theilte dem Referenten mit, wie ihm von Sr. Majestät,\nFriedrich Wilhelm IV. unserem Könige, der Vorwurf des Oratoriums\nerzählt worden sei. G. F.\nRoger hat in Ha vre den Edgar in der Lucia und den George\nBrown in der Weissen Dame gesungen. Am Abende des 9. Januar\nhaben ihm die Mitglieder des Theaters einen Kranz von Eichenlaub\nmit goldenen Aehren überreicht. Nach seiner Rückkehr bat er in\nParis einen Contract mit der italiänischen Oper abgeschlos-\nsen; am 2. Februar wird er daselbst in der Lucia auftreten. Der\nMechanismus seines künstlichen Armes lässt nichts zu wünschen\nübrig; in der letzten Scene im Propheten .hob er damit den Becher\nauf die natürlichste Weise in die Höhe.\nParis. Richard Wagner wird den 25. Januar im italiäni-\nschen Opernhause ein grosses Concert geben und darin einzelne\nTheile des Tannhäuser und Lohengrin aufführen.\nJV *"}]}