{"numero_id": "bm-bmtnabi-1860-03-10-01", "volume": "bmtnabi_1860-03-10_01", "ocr_sha256": "ea3ca011bf2143da26a809b0b53c2af5446e39af83af6c566eecb3ec15cf7dad", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1860/03/10_01/bmtnabi_1860-03-10_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600310-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1860-03-10-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-03-10_01#c001", "volume": "bmtnabi_1860-03-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "81", "page_fin": "81", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600310-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "81", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600310-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 462, "texte": "Inhalt.\nLiszt's Musik zu Herder's „entfesseltem Prometheus\" aufgeführt in Wien. Zur Musiklehre. Uebungen zum Stu-\ndium der Harmonie und des Contrapunktes. Von Ferdinand Hiller Ehrenbezeigung für Musik-Director Franz Commer in Berlin.\nNeuntes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Fünfte Soiree für Kammermusik\nDüsseldorf, 6. Abonnements-Concert Bonn, 3. 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Das verbindende Gedicht hält\nsich auf der durch den Stoff gegebenen Höhe; nicht eben\nso das, was der Componist gewählt hat, um die Stimmun-\ngen und Gefühle zu schildern, welche der liefe Ernst des\nPrometheus-Mythus anregt; noch weniger erreicht die\nMusik diese Höhe.\nDie „Recensionen\" bemerken in ihrer Nr. 9 über die\neinzelnen Chöre unter Anderem Folgendes: „Nr. 3 hat\neinige menschlich musicalische Anläufe, ist theilweise effect-\nvoll gehalten, wird aber in seiner immerhin nur äusser-\niichen Wirkung dadurch geschwächt, dass der Componist\nnicht enden kann.-—Nr. 4, Chor der Dryaden, gleich Nr.\n\"2 mehr jammernd als drohend, ist ebenfalls unbedeutend,\ndas Solo unsangbar, der Eintritt des Chors bei den Wor-\nten: „„Weissagende Träume\"\", macht einen guten Ein-\ndruck, der sich aber bald verliert. Nr. 5, Chor der\nSchnitter und Schnitterinnen, erinnert sehr an Meyerbeer's\nTanzchöre, nur dass Meyerbeer selbst in seinen schwäche-\nren Sachen mannigfaltiger wirkt, während Liszl nicht über\neinen guten Anlauf hinwegkommt. Dieser Schnitlerchor ist\nentsprechend rhythmirt, allein das breite Ausspinnen des-\nselben, die ermüdende Wiederholung der bei ihrem ersten\nErscheinen anmuthig wirkenden zwei Tacte Melodie schwä-\nchen auch diese Nummer wesentlich ab. Von hier an fällt\ndie Composition immer mehr ab. Die paar Tacte Melodie\nim Winzerchor (Nr. 6) verlieren sich bald ins Bizarre, ja,\nins Hässliche; Nr. 7, Chor der Unterirdischen, ist theils\nunbedeutend, theils unnatürlich; Nr. 8, Chor der Unsicht-\nbaren, macht durch seine Breite Anspruch auf Bedeutung,\nohne auch nur einen Tact von hervorragendem Werthe\naufzuweisen, und Nr. 9, Chor der Musen, nimmt jene zwei\nrettenden Tacte wieder auf, denen wir in d«r chaotischen\nOuvertüre begegnet waren, und beschliesst somit das\nWerk ungefähr, wie es begonnen.\n„Der Gesammt-Eindruck, den eine solche Composition\nauf unbefangene Zuhörer hervorbringen musste, konnte\nvoraussichtlich nur ein entschieden ungünstiger sein. Liszt's\nPrometheus hat denn auch in Wien entschieden\nmissfallen. Der schüchterne Applaus einer kleinen, mu-\nthigen Coterie wurde nach der Ouvertüre durch energi-\nsches Zischen zurückgewiesen. Nr. 2, 4 und 7 gingen spur-\nlos vorüber. Nach dem Tritonen- und nach dem Schnitter-\nchor versuchte die kleine, mit wahrer Todesverachtung\n„ „arbeitende\"\" Schar ihrem subjectiven Enthusiasmus\nLuft zu machen, ein hartnäckiges Klatschen erscholl aus\nfernen Winkeln des Saales, wurde aber jedesmal durch\neine überwiegende Mehrheit von Zischern zur Ruhe ver-\nwiesen. Auch am Schlüsse erneuerte sich dieser ungleiche\nKampf. Als aber nach der üblichen Pause die ersten\nTacte der von Mozart erklangen, da war\nes, wie wenn die lange vermisste Sonne den dichten\nNebel zerstreut; jede Brust fühlte sich wie vom musicali-\nschen Alpdrücken befreit und eine fast einhellige, anhal-\ntende Beifallssalve donnerte dem Liebling der Götter und\nder Menschen entgegen. Es war ein Triumph der ciassi-\nschen Vergangenheit, ein Glaubensbekenntniss der Gegen-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "82", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600310-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5392, "texte": "wart, eine Abwehr gegen die Zukunft, die man uns auf-\ndringen will.\"\nAber vielleicht hat der Componist die eigentliche Be-\ndeutung des Mythus, den tiefen Schmerz, die Aufopferung\nfür die Menschheit, das trotzige Leiden und Ausharren und\ndpn endlichen Sieg, womit freilich ein Chor der Schnitter\n• ' J • 1 po\nund ein Chor der Winzer u. s. w. gar nichts zu schauen\nhaben, in der Ouvertüre schildern wollen? Schildern\nwollen, allerdings. Denn das sagen seine eigenen Worte\nin der Vorrede zu der Partitur, die als fünfte symphoni-\nsche Dichtung gedruckt ist. Sie lauten:\n„Es genügte, in der Musik die Stimmungen\naufgehen zu lassen, welche unter den verschiedenen\nwechselnden Formen des Mythus seine Wesenheit, gleich-\nsam seine Seele, bilden: Kühnheit, Leiden, Ausharren, Er-\nlösung. Ein tiefer Schmerz, der durch Trotz bietendes\nAusharren trjumphirt, bildet den musicalischen Cha-\nrakter dieser Vorlage.\"\nEs ist leicht gesagt, verschiedene Stimmungen, über-\nhaupt Stimmungen in der Musik aufgehen zu las-\nsen; aber es wirklich zu vollbringen, dazu gehört mehr\nals der blosse Ausspruch, mehr als der blosse Wille. „In\nmagnis voluisse sat est\", ist schon bei Thaten nicht im-\nmer wahr und bleibt höchstens ein moralischer Trost für\nden Mangel an Kraft, keineswegs aber ein Ersatz dieser;\nin der Kunst aber wird vollends der Wille, der einen\nolympischen Jupiter bilden möchte und einen unförmlichen\nKoloss zusammenknetet, bedauernswerth und lächerlich.\nAllein das wollen die Adepten der Neuschule nicht gelten\nlassen, und haben es durch „Trotz bietendes Ausharren\"\nund ewiges Vorkauen d-er harten, unverdaulichen Speise\nan eine Welt, die keine Selbst-Anstrengung, auch nicht\neinmal beim Genüsse, mehr will, bereits so weit gebracht,\ndass selbst die Franzosen, trotz ihrer angeborenen Logik,\nbei Richard Wagner die volonte bewundern und\nsich theilweise von dem, was Wagner gewollt, über das,\nwas er nicht gekonnt, verblenden lassen. Liszt hat jetzt,\nwie Beethoven neun Sinfonieen, so neun „symphonische\nDichtungen\" geschrieben. Bei Gelegenheit des „Prome-\ntheus\" äussert sich der musicalische Referent der „Oester-\nreichischen Zeitung\" (Nr. 49), Herr v. Br., folgender\nMaassen darüber:\n„Wenn Beethoven's neun symphonische Dichtungen\nsich unter Anderem auch dadurch charakterisiren, dass\njede eine ganz verschiedene Physiognomie zeigt, so findet\nbei jenen Liszt's das Gegentheil Statt; unter verschiedenen\nNamen erscheint immer dasselbe, und Prometheus wie\nDante und Tasso sind nur die Masken, hinter welchen sich\nLiszt's dissolute Individualität austobt. Als Kunstwerke\nkönnen alle diese wilden Eruptionen gar nicht in Betracht\n. ' r \"'4 l'i 4 \";*i I '[■ ' ■.. **' &■■\nkommen, da ihnen jede Eigenschaft eines solchen fehlt;\nder einzige Standpunkt, von welchem aus man ein gewis-\nses Interesse an ihnen nehmen kann, ist der pathologische;\nvon jedem anderen betrachtet, wirken sie nur einerseits\nempörend, andererseits komisch. Pathologisch können sie\nuns interessiren, indem sie uns unzweifelhaft ein tragisches\nLebensschicksal enthüllen; objectiv gefasst, können wir sie\nnur als die directeste und bewussteste Verneinung aller\nKunst mit Unwillen von uns weisen, wofern man der Sache\nnicht lieber die komische Seite abgewinnen will; denn der\nletzte Eindruck bleibt immer, dass man ein Riesen-Instru-\nment von Kinderhänden in Bewegung gesetzt sieht, die,\nohne alle Macht, uns seine Harmonie vernehmen zu lassen,\nihm nur einzelne schrille Laute zu entlocken vermögen.\nAuf Harmonie beruht aber jedes Kunstwerk, das tragische\nzumeist, und eine Kunst, in welcher die Disharmonie zum\nGesetze erhoben scheint, richtet sich selbst.\n„Liszt, der im Allgemeinen mit so reichen Geistes-\nkräften und einem so merkwürdigen Reproductions-Ver-\nmögen ausgestattete Künstler, ist zugleich eine völlig un-\nproduetive die nur durch den Dämon der inneren\nUnbefriedigtheit und des ruhelosen Ehrgeizes zur Produc-\ntion aufgestachelt wird.\n„Die Compositionsweise Liszt's ist, in so weit sie nicht\nin seiner eigensten Individualität wurzelt, in der That auf\ndas Vorbild Wagner's zurückzuführen, so wie dieser so\nmanche Keime Berlioz's in sich zeitigte, und auf der höch-\nsten Stufe dieses Klimax hat der neueste musicalische Fort-\nschritt bereits eine Höhe erreicht, vor der sich die einzel-\nnen Glieder unter einander selbst entsetzen Liszt allein\nausgenommen, der Berlioz gegen Wagner, wie diesen ge-\ngen jenen vertheidigt, und der in gewissem Sinne dem\ngrossen Publicum gleicht, von dem einmal Jemand meinte,\n„ „dass ihm in seiner Unschuld eigentlich Alles recht sei\"\",\nder heute für Schubert und morgen für Rossini schwärmt\nund nach den Mühen der Dante- und Faust-Symphonieen\nsich in Maestro Verdi's Gärten lustwandelnd ergeht, um\neinige bouquets ad usum Delphinzu pflücken.\n„Liszt hat von Wagner die Phrase gelernt—„„denn\nGedanken stehen zu fern\"\" —, deren phosphoroscirender\nSchimmer in dem tief nächtlichen Dunkel grell genug\nwirkt; ferner die wunderbare Kunst, in wenigen Tacten\nden Cirkel der 24 Tonarten zu durchjagen, und zwar in\nje tollerer Folge, desto besser; F-dur, Fis-dur, Gis-moll,\nA-dur,das ras't an uns vorbei, wie Lützow's wilde verwe-\ngene Jagd, und haut uns über die Ohren. Bei dem Effect\neines unvermittelten Uebergangs von nach scheint\nsich Liszt's Seele in schmelzendem Entzücken aufzulösen.\nVon den Geigen in den höchsten Lagen tremolando aus-\ngeführt, bildet er den höchsten Gipfel des Entzückens."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "83", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600310-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5526, "texte": "„Unnatur, barbarische Rohheit, ans Kindische strei-\nfende Abgeschmacktheit, bare Trivialität reichen sich in\ndiesem, wie in jedem Liszt'schen Werke, wenn man das\nGanze ansieht, wo also einzelne „ „geistreiche\"\" und „ „dä-\nmonische\" \" Züge nichts entscheiden, die Hände, um einen\nTotal-Eindruck zu hinterlassen, der nur zwischen ödem\nEntsetzen und belustigender Heiterkeit wechselt, welche\nbei dem Chor der Schnitter und Schnitterinnen, der in einem\nallerliebsten „ „Ländler\" \"-Stil componirt ist, eine allge-\nmeine wurde. Es bedarf nicht erst der specifisch-musicaii-\nschen Gründe, um die Nichtigkeit solcher Musik zu erwei-\nsen, da sie schon aus allgemein ästhetischen hervorgeht.\nSollte sie wirklich die Fähigkeit in sich tragen, die Gemü-\nllicr künftiger Generationen zu beherrschen, dann würde\ndies nur beweisen, dass, wie uns auch sehr wahrscheinlich\ndünkt, das eiserne Zeitalter bereits hereingebrochen ist. Die\ngegenwärtige Generation ist in ihrem Urtheil über sie vor-\nläufig noch ziemlich einstimmig, und in Berlin, wie in Mün-\nchen und Wien, wurde sie mit Eclat aus dem Felde ge-\nschlagen. Wir sind zwar weit davon entfernt, temporären\nErfolgen oder Misserfolgen eine inappellabel entscheidende\nBeweiskraft beizumessen, aber da die Verfechter der „ „neu-\ndeutschen Schule\"\" so laut auf die Erfolge Wagner's po-\nchen, so müssten sie consequenter Weise auch das Factum\ndes Gegenlheils als ein entscheidendes Argument gelten\nlassen, wenn es nicht Menschenart wäre, die Karten zu mi-\nschen, wie man sie eben zum Spiele braucht. Hat man uns\ndoch kürzlich versichert, jetzt sei es gerade die hohe\nBildung, welche die Entwicklung der Kunst\nIi em m e, und gelegentlich einen so hohen Werth darauf ge-\nlegt, dass sich die Bewohner des Biesengebirges\nlur Liszt und Wagner enthusiasmirten, eine Kundgebung,\nwelche schwerer ins Gewicht falle_, als jene in grossen\nStädten, da die Bewohner des Riesengebirges noch nicht\nso verbildet wären, wie die der letzteren.\n„Wir wollen der Opposition, welche die Aufführung\ndes Liszt'schen Werkes ununterbrochen begleitete, kein\nGewicht beilegen, denn sie war nur die nothgedrungene\nErwiderung auf die Beifallszeichen, welche hier und da\nlaut wurden und sich mit grosser Hartnäckigkeit zu be-\nhaupten suchten. Aber ein interessantes und allerdings\nhöchst überzeugungskräftiges Phänomen rief Mozart's\nmo//-Sinfonie hervor, welche die zweite Hälfte des Pro-\ngramms bildete. Sie war kaum intonirt, als das „ „entfes-\nselte\" \" Publicum in einen lange anhaltenden, donnernden\nJubelruf ausbrach.\n„Die Prometheus-Musik fand, wie man gesehen hat,\neine noch misslichere Aufnahme, als die vor zwei Jahren\naufgeführten „ „PrtMudes\"\". Die Direktion der Gesellschaft\nder Musikfreunde hat nun in ausreichendem Maasse ihre\nSchuldigkeit erfüllt, und fernere Experimente in dieser\nRichtung müssten sie nur in den Verdacht bringen, dem\nPublicum gewaltsam aufdringen zu wollen, was es in so\neclatanter Weise zunickgewiesen hat\" u. s. w.\nGegen die Demonstration beim Beginne der G-inoll-\nSinfonie tritt nun Herr L. A. Zöllner in seinen „Blättern\nfür Musik\" u. s. w. (Nr. 17) auf, „bestürzt durch die\nWahrnehmung der nahezu fanatisch zu nennenden Animo-\nsität der Mehrzahl der Zuhörerschaft\". Er kann sich die\n„aprioristische Beifallsspende nicht erklären\", findet es nicht\nnur „unschicklich\", sondern „ungerecht\"; denn man habe\nder Liszt'schen Composition „das Becht des Gehörtwerdens\nzwar nicht im physischen, wohl aber im moralischen Sinne\nverweigert\" wieder ein Pröbchen der Logik der Zu-\nkünftler! Es soll dadurch der Verdacht einer vorher be-\nschlossenen Verdammniss erregt werden, woran aber gar\nnichts Wahres ist, da die Ouvertüre und der erste Chor\nschweigend angehört wurden, und die scharfen Zeichen\ndes Missfallens erst losbrachen, als beim dritten Chor ein\nkleines Häuflein das Publicum gewisser Maassen zum Ap-\nplaus zwingen wollte. Uebrigens wird selbst von Herrn\nZöllner eingeräumt, dass das Werk „minder bedeutend\"\nsei, dass ihm der „Mangel an musicalisch-concreter Gestal-\ntung am meisten zum Nachtheil zu gereichen scheine\".\nGleich darauf heisst es aber (Hört! hört!):\n„Vom rein harmonischen (soll heissen unrein harmo-\nnischen) Gesichtspunkte betrachtet, erscheint die Prome-\ntheus-Musik als eine wahrhaft u nersch öpfliche Fund-\ngrube neuer Gestaltungen. Der grosseNonen-Accord\nmit durchaus gleichen Intervallen und der verminderte\nSext-Accord spielen eine hervorragende Bolle. (Wirklich?)\nDie Fülle der Combinationen und Lösungen (??), die Liszt\ndiesen Accorden abzugewinnen weiss, ist wahrhaft bewun-\nderungswürdig, und schon um dieses Umstandes willen\nallein, dessen Würdigung der grossen Menge heute al-\nlerdings noch nicht zugemuthet werden kann*),\ndarf die Composition auf die eingehende Beachtung Kunst-\nverständiger Anspruch machen.\" Unglaublich, aber\nwörtlich copirt! Man vergleiche als Probe auf dieses kri-\ntische Exempel nur die acht ersten Tacte der Prometheus-\nOuverture. Uebrigens droht Herr Zöllner mit einer aus-\n\n*) Da haben wir ja wieder die Berufung auf die Zukunft\nipsissimis verbis und von einem Vorfechter der Schule! Und\ndoch soll ich, ich ganz allein, wie Wagner in seinem Briefe\nan Berlioz im Journal des D6bats behauptet, an allem Zu--\nkunfts-Unheil und Zukunfts-Appell schuld sein, nicht die Herren\nZukünftler selbst. ~Apprenez, donc\" - sagt er feierlich\nmon eher (?) Berlioz, que Vinvenleur de la musique de Vavt-\nni r, ce n'est pas moi, mciis bien Mr. Bisch off, professeur ä\nCologne— O, o! „Welche Grossmuth!\" Yergl. Meyerbeer's\nRobert der Teufel. (L. B.)\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "84", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600310-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3081, "texte": "Führlicheren Betrachtung des Werkes von diesem seinem\n„rein\" harmonischen Gesichtspunkte aus.\nAnders spricht sich freilich die „Deutsche Musik-Zei-\ntung\" (redigirt von S. Bagge) aus. Man hoffte, schreibt\nsie, in Wien durch das dritte Gesellschafts Concert Bresche\nzu schiessen zum Eindringen des „Zigeunerthums in lHorm\nvon Zukunftsmusik\"\n„Aber am 26. Februar des Jahres 1860 geschah es,\ndass das alte Wien, eingedenk seines früheren Buhmes\nund der Tonmeister, die auf seinen Friedhöfen schlum-\nmern, sich männiglich erhob und laut und kräftig prote-\nstirtc gegen die Meinung, aus seinen musicalischen Bewoh-\nnern sei alles zu machen, was man wolle, und als wäre\ndie Zeit gekommen, die alten Götzen zu verbrennen und\nden neuen Göttern Altäre zu bauen.\"\nDen „anhaltenden hellen Jubel beim Beginne der\nwo/Z-Sinfonic und das brausende Händeklatschen, an dem\nsich alle betheiligten, die sich vorher passiv verhalten hat-\nten\", erklärt die Deutsche Musik-Zeitung sehr derb als\n„ein Hoch auf Mozart und herunter mit den eiteln Prahl-\nhänsen, die von Fortschritt reden und nicht werth sind,\ndem grossen Alten die Schuhriemen zu lösen\" u. s. w.*).\no '\nIch halte mein eigenes Urtheil über die ganze Pro-\nmetheus-Tragikomödie absichtlich zurück, damit die Co-\nlerie ihr Schlagwort einseitiger persönlicher Ansichten\nund Motive nicht anbringen könne, glaube aber, Ihnen\ndie Haupt-Data, um Sich in dem gegenwärtigen musica-\nlischen Wien richtig orientiren zu können, mitgetheilt\nzu haben. Der 26. Februar war eine durch nichts\nwegzuläugnende Niederlage der Zukunftsmusik, mit der\neine kleine, aber von gewisser Seite, von wo aus man\nes am wenigsten hätte erwarten sollen, begünstigte\nPartei (Graner Messe und alles, was daran und darum\nherum hängt) auch hier versucht hat, Abgötterei zu trei-\nben. Das neue Leben, das sich aber im musicalischen Wien\nendlich wieder regt und bereits sehr erfreuliche Besultate\nliefert, wird eine Musik, die mit den Meisterwerken und\nder gesarnmten Entwicklung der Tonkunst nicht nur nicht\nim Zusammenhange, sondern in directem Widerspruche\nsteht, hier nicht aufkommen lassen. Dem artistischen Di-\nrector der Gesellschafts-Concerte, Herrn Herbeck, gegen-\nüber betrachtet man das Ereigniss vom 26. Februar als\neine verdiente derbe Lection, die ihn hoffentlich auf seiner\npropagandistischen Bahn aufhalten und zum Nachdenken\nbringen wird.\nWien, 4. März 1860.\n\n*) Auch in Paris verliert man die Geduld; selbst der Papa\nFiorentino, der doch sonst Alles mit Baumwolle anfasst,\nwird wild wie ein angeschossener Eber und schleudert den\nZukiinftlern folgende Schmeicheleien an den Hals : „Charlatans\nvon Kunstlehre und barocken Theorieen, eitle und vernebelte\nDeclamatoren, aufgeblasene, ruhmredige, unverschämte, lächer-\nliche Gecken, eingebildete Pathosmacher, Verkäufer von unver-\nstandenen und unverständlichen Noten, Wolken- Und Dunst-\nsammler, langweilig wie Nebel und Regenwetter, hohle Träu-\nmer, ästhetische Dummmacher, impotente Utopisten, excentri-\nsche Ungeheuer, Lästerer, Ohrenschinder 1!u u. s. w. D. Red.\n(Constiliitionnel vom 27. Februar 18^0.)\n\nJustus."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-03-10-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-03-10_01#c003", "volume": "bmtnabi_1860-03-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "84", "page_fin": "85", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600310-01.2.3", "titre_corps": "Zur Musiklehre.", "titre_sommaire": "Zur Musiklehre.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "84", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600310-01.1.4", "debut_caractere": 3083, "fin_caractere_exclue": 5204, "texte": "Zur Musiklehre.\nWenn wir neulich bei der Anzeige von Dehn's Lehre\nvom Contrapunkt, herausgegeben von B. Scholz (s. Nr. 6),\nbemerkten: „Um zu freier Bewegung in der Anwendung\nder Gesetze der polyphonen Schreibart zu gelangen, muss\nman erst in den strengen Formen zu Hause werden\"\nu. s. w., so liegt uns jetzt ein höchst praktisches Büchlein\nals Hülfsmittel zur Verwirklichung dieser Forderung an\njeden Kunstjünger vor. Es sind dieses:\nUebungen zum Studium der Harmonie und\ndes Contrapunktes. Von Ferdinand Hiller.\nKöln, 1860. Verlag der M. DuMorit-Schauberg'-\nschen Buchhandlung. 145 S. 8.\nDas Buch ist aus der Erfahrung hervorgegangen, die\nHiller in seiner Stellung als Director des kölnischen Con-\nservatoriums über den Mangel, nicht an Beispielen, son-\ndern an Uebungs-Aufgaben für das Studium der Compo-\nsition gemacht hat, während für die musicalische Technik\ndes Gesanges und der beliebtesten Instrumente der Vor-\nrath „ins Ungeheuerliche\" anwächst. Nichts kann richtiger\nund zweck- und zeitgemässer gesagt werden, als das, was\ner in dem Vorworte in folgenden Worten behauptet:\n„Ist es Pflicht des gewissenhaften Lehrers, jeden Schü-\nler nach seinen Anlagen und nach dem zufälligen Stande\nseiner Vorkenntnisse anders zu leiten, so wird bei Allen\ndoch der eine Grundsatz beibehalten werden müssen, ihnen\neine möglichst grosse Fertigkeit in der Technik der Ton-\nselzkunst beizubringen. Nur derjenige, dem das Boich der\nTöne ein Element geworden ist, in welchem er sich frei\nwie der Fisch im Wasser bewegt, wird es zu naturwüch-\nsigen Schöpfungen bringen, während auch der Begabteste\ndie Spuren einer unvollkommenen Technik nimmer in sei-\nnen Werken wird verwischen können.\" Hieran knüplt\ner die Bemerkung, dass man eine möglichst grosse Anzahl\nder in dem Buche enthaltenen Aufgaben bearbeiten lassen\nmöge, um über die Correctheit hinaus es ;ur Leichtigkeit\nin der Behandlung derselben zu bringen.\nZu diesem Zwecke enthält nun das Buch zunächst\nBeihen von Uebungen oder Aufgaben (S. 3—-37) in theils\nbezifferten, meist jedoch unbezifferten Bässen; jeder Beihe\nsteht ein kurzes, in Noten ausgeschriebenes Beispiel voran."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600310-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2776, "texte": "Sie behandeln: I. Dreiklangs-Verbindungen in allen Lagen, j\nin Dur und Moll(S. 3 10). 11. D en Dominant-Septimen- j\nAccord und dessen Umkehrungen (S. 11 —l3). 111. Die |\nNeben-Septimen-Accorde und alterirten Accorde (S. 14\n18). IV. Aullösungen des Septimen-Accords (S. 18—22). j\nV. Den Nonen-Accord (S. 22). VI. Den übermässigen Drei-\nklang und Dominant-Septimen-Aecord (S. 23 24). VII.\nHebung zur Recapitulirung aller Accorde. VIII. und IX.\nVorhalte und Cadenzen (S. 25 —26). X. XI. XII. Bei-\nspiele im Moduliren von jeder Tonart nach jeder anderen\nund Bässe als Aufgaben dazu (S. 27—37).\nDann folgen als zweiter Haupttheil von S. 38 7B\nmelodische Sätze in der Oberstimme Behufs Uebungen in\nder Harmonisirung, XIII. und XIV., letztere besonders in\nHinblick auf Uebung im einfachen Contrapunkt; dann\nVoikslieder-Melodicen (XV. deutsche, russische, böhmi-\nsche, italiänische, schwedische, altfranzösische), ferner 24\nChoral-Melodieen (XVI.), ausgeführte melodische Sätze\n(XVII.), Gesänge aus der französischen Schule (XVIII. a.)\nund zwei Oberstimmen zu polyphonenSätzen aus der fran-\nzösischen Schule (XVIII. b.).\nDen dritten Theil des Buches bilden Bässe zu länge-\nren Stücken, und zwar 30 Nummern von Fenaroli\n(XIX.), 23 von Mattei (XX.) und 25 aus der französi-\nschen Schule (XXI.).\nDiese reiche und mannigfach anregende Sammlung\nfüllt beinahe die Hälfte des Büchleins (S. 79 —145). Die\nletzten 25 Nummern gehören dem pariser Conservatorium\nan, sind grossentheils von Cherubini und bisher ungedruckt;\nHiller verdankt sie dem rühmlichst bekannten Componisten\nReber, Professor am Conservatorium. In der Vorbemerkung\nräth Hiller die Anwendung dieser Bässe besonders zu\nUebungen in der rein melodischen Führung der einzel-\nnen Stimmen im mehrstimmigen Satze. Er hält die Bässe\nder Italiäner für vorzüglich geeignet zu reicher melodischer\nBearbeitung (z. B. Soli für Gesang oder ein einzelnes In-\nstrument, zwei- und mehrstimmige melodische Sätze, cha-\nrakteristisch verschiedene Stimmen neben einander u. s. w.\ndarauf zu erfinden), während die französischen mehr festen\ncontrapunktischen Sätzen zur Unterlage dienen können.\nDie mannigfache Brauchbarkeit und der grosse Nutzen\ndieser Sammlung springt schon bei der flüchtigsten An-\nsicht derselben in die Augen und muss, wie das ganze\nBuch, allen Lehrern und Musikschulen höchst willkommen\nsein. Sicher wird namentlich die eifrige Benutzung dieses\ndritten Haupttheils, der die altbewährten melodischen\nUebungen wieder aufnimmt, neben der Fertigkeit in der\nmehrstimmigen Schreibart auch die Erfindungskraft be-\ndeutend anregen und stärken, und eher Melodie erzeugen,\nafs alle die neueren theoretischen Vorschriften über das\nMachen der Melodie oder gar ihr Herausholen aus dem\nWorte und dessen declamatorisch-rhetorischer Betonung."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-03-10-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-03-10_01#c004", "volume": "bmtnabi_1860-03-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "85", "page_fin": "86", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600310-01.2.4", "titre_corps": "Ehrenbezeigung.", "titre_sommaire": "Ehrenbezeigung.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600310-01.1.5", "debut_caractere": 2778, "fin_caractere_exclue": 4702, "texte": "Ehrenbezeigung.\nHerr Musik-Director Franz Commer in Berlin (ge-\nbürtig aus Köln) ist von Sr. Majestät dem Könige Wil-\nhelm 11. von Holland zum Ritter des Löwen-Ordens\nernannt worden und hat zugleich von der Gesellschaft\nzur Beförderung der Tonkunst in den Niederlanden\nfolgende, auf verziertem Pergament in Lapidarschrift aus-\ngeführte Gedenktafel erhalten:\nQ. B. F. F. Q. 8.\nViro celeberrimo\nFrancisco Comme\nQui ingenium acutissimum auriu vete-\nrum musicos percipiendos tritis\ntatis prorsus singularem indefesso labore contutit ad prope\nintermortuam artis nobilissimae memoriam ex situ et pul-\nvere suscitandam qui Nederlandorum in itta arte gloriam\nstrenue viudicavit otium et operam suam collocans in pa-\nranda Collectione Operum Mus\nXVI qui societatem Batavam musicae promovendae cuius\nconsilio et sumptibus illa opera edita sunt in fonUbus re-\ncludendis in materie coltigenda in editione curanda egregie\nadiuvit quem societate illa rogan\ntium amantissimus virtutis ergo\ncreavit\nviro optime de se merito\ncuius n\ncum Historia artis musicae perpetuo\niunctum manebit revereniiae gratique animi Testimonium\nhanc decrevit tabulam societas\ndae Die XI m. Octobris MDCCCLIX\nAmstebdami eongregata\n(Folgen die Unterschriften.)\n(Dem hochberühmten Manne Franz Commer in Ber-\nlin, welcher den grösslen Scharfsinn und das geübteste\nOhr, um die Musik der älteren Meister zu entziffern und\nzu vernehmen, und eine ganz besondere Alterthumskunde\nmit unermüdlicher Arbeit darauf verwandt hat, die fast\nerstorbene Erinnerung an die edelste Kunst aus Verkomm-\nniss und Staub wieder aufzuwecken; welcher den Ruhm\nder Niederländer in dieser Kunst kräftig gewahrt, indem\ner Zeit und Mühe auf die Herstellung der „Sammlung der\nWerke der niederländischen Tonsetzer des XVI. Jahrhun-\nderts\" verwandt hat; welcher die niederländische Gesell-\nschaft zur Beförderung der Tonkunst, nach deren Plan\nund auf deren Kosten jene Werke herausgegeben sind,\nV"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600310-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 914, "texte": "durch Auffinden und Erschliesscn der Quellen, Sammlung\ndes Stoffes und Besorgung der Ausgabe vortrefflich unter-\nstützt hat; welchen auf das Gesuch dieser Gesellschaft der\nkunstliebende König Wilhelm 11. seiner Verdienste wegen\nzum Ritter des niederländischen Löwen ernannt hat;\ndem um sie höchst verdienten Manne, dessen Name mit\nder Geschichte der Tonkunst bei den Niederländern ewig\nverbunden bleiben wird, widmete diese Gedenktafel als\nZeichen der Verehrung und Dankbarkeit die Gesellschaft\nzur Beförderung der Tonkunst in den Niederlanden in ih-\nrer Versammlung zu Amsterdam den 11. Oclober 1859.\n—Folgen die Unterschriften des Vorstandes.)\nAuf die inhaltreiche Collectio\nein Werk, das nur ein erstaunlicher Fleiss und eine ganz\nexceptionelle Musikgelehrsamkeit zu Stande bringen konn-\nten und das mit dem gegenwärtig erschienenen zwölften\nBande für jetzt abgeschlossen ist, kommen wir ausführ-\nlicher zurück."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-03-10-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-03-10_01#c005", "volume": "bmtnabi_1860-03-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "86", "page_fin": "86", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600310-01.2.5", "titre_corps": "Neuntes Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferd. 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Ouvertüre zum Freischütz von C. M. von Weber. 6. ct.\n„Die junge Nonne\" von Franz Schubert (instrumentirt von F#\nHiiler); b. „Das Ständchen\" von Uhland, für eine Singstimme und\nOrchester componirt von F. Hill er. Gesungen von Fraul. E. Ge-\nnast, 7. Phantasie für Pianoforte, Soli, Chor und Orchester, Op. 80,\nvon B e e t h o v e n (Pianoforte : Herr Wüllner).\nDas Concert war im Ganzen recht hübsch, es ging auch Alles\nganz gut in der Ausführung, jedoch wurde die Stimmung der Zuhö-\nrerschaft durch nichts über das Niveau des gewöhnlichen Beifalls\ngehoben, den man guten Compositionen und deren correcter Ausfüh-\nrung nicht versagt. Schumann's D-moll-Sinfonie wurde recht gut ge-\nspielt, auch mit Schwung, indessen sprachen doch nur die beiden\nMittelsätze sichtbar an, wiewohl es auch den beiden anderen nicht\nan grossartigen Effecten und ergreifenden Gedanken fehlt, die nur\nnicht recht in Fluss kommen, weil sie theils nur durch eine stets\nwiederkehrende Figur, der man die Absicht gar zu sehr anmerkt,\nVerbindung finden, theils neben manchen Motiven und Episoden ste-\nhen, die uns kalt lassen, weil von den drei Eigenschaften guter\nMusik: Melodie, Harmonie und Rhythmus, nur die letztere in ihnen\nzur Geltung kommt.\nDem Fräulein Genast fehltG es auch dieses Mal nicht an lebhaf-\nteren Gunstbezeigungen, so dass sie Schuberts „junge Nonne\" wie-\nderholte (wie es Manchem schien, allzu willfährig). Sie hat übrigens\ndiesen Gesang und auch das „Ständchen\" (Sterbeklänge) von Hiller,\neine anspruchslose, aber innig empfundene Composition, recht aus-\ndrucksvoll vorgetragen, wiewohl sie nicht so gut bei Stimme war,\nals im letzten Concerte. In der Arie der Susanna hatten wir mehr\nInnigkeit und Schmelz des Gesanges erwartet.\nHerr Musik-Director Wüllner bewährte im Vortrage des Con-\ncertes und der Phantasie von Beethoven seine classisch-musicalische\nBildung und sichere Technik, die auch in den schwierigen Stellen\nbefriedigte, wenngleich wir nicht in Abrede stellen wollen, dass Man-\nches in dem Es-dur-Concerte etwas mehr Schwrung und geistiges\nLeben verlangt, um auf der gewaltigen Höhe der Composition zu\nbleiben. Der wohlverdiente Beifall des Publicums wurde dem wacke-\nren Künstler wiederholt zu Theil."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-03-10-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-03-10_01#c006", "volume": "bmtnabi_1860-03-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "86", "page_fin": "88", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600310-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600310-01.1.6", "debut_caractere": 3619, "fin_caractere_exclue": 6558, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKSlsi. Am G. d Mts fand die fünfte Soiree für Kammer-\nmusik Statt. Wir hörten zuerst das Quartett Nr« 10 in D-dur von\nMozart, eines von den drei für den König Friedrich Wilhelm 11.\nvon Preussen, der selbst ganz gut Yioloncell spielte, geschriebenen.\nEs wurde recht hübsch gespielt, der Inhalt steht aber nicht auf der\nHöhe der ersten sechs, dem alten Haydn gewidmeten Quartette, Herr\nBargiel spielte das D-dur-Trio, Op. 70 Nr. 1, von Beethoven,\nund den Bescbluss machte das grosse Octett für 4 Violinen, 2 Vio-\nlen und 2 Violoncells von Mendelssohn, dessen Ausführung be-\nsonders in den zarteren Stellen, z. B. dem trippelnden, etwas affec-\ntirten Scherzo, vorzüglich war, während wir in dem kräftigen und\naufregenden ersten Satze etwas mehr Gesammtschwung gewünscht\nhätten.\nIn dem bevorstehenden zweiten Concerte für das Orche-\nster im Gürzenich, D ins tag den 13. d. Mts., wird Herr Capell-\nmeister Hill er ein Concert von Mozart spielen und Herr Kammer-\nsänger Julius Stockhausen verschiedene Arien und Lieder vor-\ntragen. Man kann also einem zahlreichen Besuche von nahe und\nfern entgegen sehen.\nDüsseldorf, 4. M lirz. Das 6. Abonnements-Concert brachte\ndie „Schöpfung\" von Haydn und war eines der gelungensten der\nSaison. Die Solo-Partieen waren folgender Maassen besetzt: Gabriel\nFräul. Ida üamcke, Eva Fräul. Pauline Wisemann\n(welche auch die Arie aus F-dur übernommen hatte), beide aus\nKöln; Tenor Herr Göbbels aus Aachen, Bass Herr Rem-\nmertz von hier. Sämmtliche Solisten verdienten gerechtes Lob. Die\nbeiden Damen, welche ihre künstlerische Ausbildung unter Leitung\nder Professoren BisehofF und Böhme in Köln noch fortsetzen, sangen\nmit einem Erfolge, welcher Rücksicht nehmende Erwartungen bedeu-\ntend übertraf und den lebhaften Beifall unseres sonst nicht leicht\nerregbaren Publicums hervorrief. Wenige nicht ganz gelungene Stel-\nlen sind nicht erwähnenswerth und vermögen die verdiente Aner-\nkennung nicht zu schmälern Auch Herr Göbbels bewahrte sich\ndie bereits früher bei uns erworbene Gunst. Herr Remmertz hat bei\nseinem vortrefflichen Organ unverkennbare grosse Fortschritte ge-\nmacht; er trug, seine Partie nicht nur musicalisch richtig, sondern\nauch mit warmem und edelm Ausdruck vor. Die Chöre wurden mit\nFestigkeit und Feuer gesungen. ln der letzten Versammlung des\nIn st r u m e n t a'l - Ver e in s verdankten wir Herrn Schau seil nach\nlast dreissigjähriger Vergessenheit die erneute Vorführung des schö-\nnen, ernst gehaltenen Clavier-Concertes von dem in der Blüthe der\nJugend gestorbenen Norbert Burgmüll'er,\nISOBBfift« Am 3. März im dritten Abonnements-Concerte\nMendelssohn's „Elias\" aufgeführt. Das treffliche Werk und der\nberühmte Interpret der Haupt-Partie, Herr Julius Stockhausen,\nhatten eine derartige Anziehungskraft bewährt, dass sämmtliche Räume\nim „Goldenen Stern\", in denen man noch Tone aus dem Concert-\nsaale vernehmen konnte, mit Zuhörern angefüllt waren. Auch viele"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600310-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7663, "texte": "Auswärtige, namentlich von Köln, waren anwesend. Die Aufführung\nwar im Ganzen unter der tüchtigen Leitung des städtischen Musik-\nDirectors Herrn A. Dietrich eine recht gelungene, was Ernst und\nFleiss des Studiums, Auffassung der Tempi und Präcision der Aus-\nführung betrifft, und auch der Verein von Chor- und Orchesterkräf-\nten reichte aus, die Aufführung zu einer würdigen zu machen, wenn\nauch nicht zu einer grossen und imposanten. Mit Vergnügen bemerk-\nten wir bei den Chören eine gegen früher vermehrte Sicherheit und,\nbesonders im zweiten Theile, eine sichtbare Lust und Freude am\nGesänge. Stock hausen war von der Reise von Hannover her\nstark erkältet und brachte eigentlich der guten Sache ein Opfer,\nwas sehr anerkennenswerth, aber für den Künstler selbst immer ge-\nfährlich bleibt. Die Leistungen im ersten Theile, welche noch dazu\nam meisten die volle Kraft der Stimme verlangen, konnten desshalb\nden gehofften Erwartungen nicht ganz entsprechen; nach und nach\nbrach aber das Organ sicli Bahn durch den Schleier, den die neidi-\nsche Wittel ung darüber gezogen hatte, und im zweiten Theile glänzto\nwieder der grosse Sänger, der Meister im Vortrage und in der Be-\nhandlung der Stimme. Die Arie: „Es ist genug!\" bildete den Gipfel-\npunkt der Leistung und rief stürmischen Applaus hervor. Die übri-\ngen Soli wurden von Fräul. Elise Saart aus Köln, Fräul. Fran-\ncisco Schreck aus Bonn und Herrn Andr. Pütz aus Köln ge-\nsungen ; alle drei erhielten wiederholten und verdienten Beifall. Fräul.\nSaart, die wir zum ersten Male in einer Partie von so grossem Um-\nfange und so erhabenem Charakter hörten, befriedigte, abgesehen\nvon dem Beifalle des Publicums, auch strengere Forderungen in Be-\nzug auf Reinheit der Intonation, worauf sie freilich besonders zu\nsehen hat, und auf Ausdruck; über den Vortrag der grossen Arie:\n„Höre, Israel!\" sprechen wir mit Vergnügen unsere Anerkennung\naus. - - L. B.\nGeneral-Musik-Director Meyerbeer hat in bestimmtester Weise\nerklärt, dass die königliche Oper in Berlin gegenwärtig in keiner\nWeise in der Lage sei, seine neue Oper, »Die Wallfahrt nach Ploer-\nmel\", in angemessener Weise zu geben, und dass er dieses Werk\nauch definitiv derselben nicht zur Aufführung anvertrauen werde.\nDagegen ist der Componist mit dem Impresario der italiänischen\nOper, Signor Lorini, dahin übereingekommen, dass »Die Wallfahrt\nnach Ploermel\" in der nächsten Saison von der italiänischen Gesell-\nschaft im Victoria-Theater zur Aufführung gebracht werde.\nEine grosse deutsche Künstlerin, Frau S chr Ö der- D e vri en t-\nBock, ist in Coburg am 26. Januar nach schweren Leiden im\nnoch nicht vollendeten 55. Lebensjahre gestorben. Die Verewigte,\nam 6* December 1805 geboren und vom zartesten Jugendalter an\nfür die Kunst gebildet, erregte schon im 15. Jahre durch grosses\nTalent und beachtenswerthe Leistungen nicht geringes Aufsehen, und\nerwarb schnell auf Kunstreisen, wie in festen Engagements in Berlin\n(wo sie sich mit Karl Devrient zu einer freilich nicht glücklichen\nEhe verband) und Dresden einen bedeutenden Ruf. Im Jahre 1830\nging sie zum ersten Male nach Paris, wo sie hoch gefeiert wurde,\nim folgeuden Jahre wieder dahin, später wiederholt nach London,\nund ausserdem hielt sie 1835 einen fast ununterbrochenen Triumph-\nzug durch Russland, Oesterreich und Deutschland. Seit 1846 zog\nsie sich von der Bühne zurück und vermählte sich 1850 in Gotha\nmit dem livländischen Gutsbesitzer v. Bock, dem sie auch in die\nHeimat folgte. Seit längerer Zeit an einer schmerzvollen Krankheit\nleidend, wählte sie sich im vergangenen Jahre Coburg zu ihrem\nWohnsitze; ihr Gemahl war auf der Reise dahin begriffen, der Tod\nder gefeierten Künstlerin trat aber zu plötzlich ein, als dass er die-\nselbe noch am Leben hätte treffen können.\nMenningen* Das letzte Concert der Mitglieder der herzog-\nlichen Ilofcapelle gab wieder Gelegenheit, die hiesigen musicalischen\nKräfte im glänzendsten Lichte zu zeigen. Die siebente Sinfonie (/i-\nDur) von Beethoven und Meyerbeer's Struensee-Ouverture gingen unter\nHof-Capellmeister Bott's meisterhafter Leitung ausgezeichnet. Die\nSinfonie haben wir in einer solchen Vollendung noch nicht gehört,\nHerr Bott, den bekanntlich der verewigte Meister Spohr seinen be-\nsten Schüler nannte, erfreute uns auch mit dem Vortrage eines vor-\ntrefflich componirten Concertes eigener Composition und erregte wie\ngewöhnlich grossen Enthusiasmus. Die Ouvertüre zu „Coriolan* von\nBeethoven, Quintett aus vCosi fetn lulle* von Mozart, Sopran-Arie\naus „Oberon*4 von Frau Viala sehr gut gesungen und noch\neine Bariton-Arie, so wie eine Phantasie für Cello vervollständigten\ndas Concert in mehr oder minder erhebender Weise. Herr Bott\nhat für die Dedication seines neuesten Violin-Concertes von unserem\nHerzoge einen kostbaren Brillantring erhalten.\nDer berühmte Bassist Herr Karl Form es gastirte im Februar\nin Magdeburg, Meiningen u. s. w, mit dem glänzendsten Erfolge.\nNamentlich machte er als Osmin in Mozart's »Constanze und Bei'\nmonte'\"4 Furore.\nMaiiilOTer» Julius Stockhausen ist von Sr. Majestät\ndem Könige von Hannover zum Kammersänger ernannt worden und\nhat auch die grosse goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft\nerhalten. —• Zwischen unserem berühmten Tenoristen Niemann\nund der königlichen Theater-Intendanz sollen bedeutende Differenzen\nentstanden sein.\nIm königlichen Hofconcerte sang Fräulein Emilie Genast\naus Weimar die grosse Arie aus Rossini's Barbier und Lieder von\nMendelssohn, Liszt und Schubert; C. M. v. Weber's Oberon-Ouver-\nture und Schumann's B-dur-Sinfonie wurden ausserdem aufgeführt.\nIdaniiSf fielt« Anfang Januars ist Richard Wagners Oper\n»Rienziu zum ersten Male gegeben und seitdem zwei Mal wiederholt\nworden. Man muss beim Anhören dieses Tongebildes das Talent\neines Mannes bewundern, der schon im 24. Jahre seines Lebens ein\nso kolossales Werk schuf und damit den Weg zu seinem allerdings\ngediegeneren »Tannhäuser* und »Löhengrin* bahnte. Der Total-\nEindruck des »Rienzi\" ist ein überwältigender. Die Chöre sind von\nausserordentlicher Wirkung, und die Schlacht-Hymne des 3. Actes\ngehört sicher zu dem Effect- und Schwungvollsten, was noch über\ndie Bühne gegangen, wie denn überhaupt die musicalische Bewegung\nder Massen in dieser Oper erstaunlich ist, der es übrigens auch an\nanderen ergreifenden Stellen nicht fehlt, wie z. B. die Arie des\nAdriano im dritten Acte, in welcher Fräul. Emilie Schmidt gros-\nsen Beifall ärntete. Rienzi wurde durch Herrn Künzel dargestellt,\ndessen Fleiss und Ausdauer Anerkennung verdient, wenn er auch\nals dramatischer Sänger nicht bedeutend genug ist, um diese Rolle\nzur vollen Geltung bringen zu können. Die äussere Ausstattung,\nbesonders in den Festzügen, den Waffentänzen, dem Gladiatorenrin-\ngen, so wie einem grossen Ballet im zweiten Aete, überbot alles,\nwas in dieser Art bis jetzt hier vorgekommen ist. Der Andrang des\nPublicums von hier und aus den Nachbarstädten war bei den ersten\nVorstellungen ein ausserordentlicher, bei der dritten schon schwä-\ncher, und wir glauben, wenn erst die Schaubegierde der Menge be-\nfriedigt ist, dass das hiesige Publicum, dessen Geschmack sich durch\ndas häufige Vorführen seichter, moderner Opern sehr verflacht hat,\ndem ernsten Werke Wagner's kein fortdauerndes, lebhaftes Interesse\nbewahren wird. (Neueren Nachrichten zufolge soll Rienzi fortwäh-\nrend Anziehungskraft bewähren, und daneben Meyerbeer's\n»Nord s te rnft!)\nDas dritte philharmonische Concert dieses Win-\nters begann mit Gluck's Ouvertüre zur »Iphigenie auf Tauris\".\nConcert-Director Joachim aus Hannover spielte das D-clür-C'oncert\nvon Beethoven und eine Sonate von Tartini mit bekannter Meister-\nschaft, die von dem Auditorium mit rauschendem Beifalle und metu-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "88", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600310-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4370, "texte": "maligem Hervorruf belohnt wurde. Sodann kam die zweite Serenade\nvon Johannes Brahms für Bratschen, Celli, Bässe und Blas-In-\nstrumente, ein Werk von höchster Bedeutung, unter des Componisten\neigener Leitung zur Aufführung. Bestehend aus fünf kürzeren Sätzen\n(Allegro, Scherzo, Adagio, Quasi-Menuetto und Rondo), lehnt sich\ndie Compositum in der Form an die Mozart'schen Serenaden und\nhatte sich einer sehr günstigen Aufnahme sowohl bei den Künstlern\nals auch im Publicum zu erfreuen. Im Vortrage des Schumann'-\nschen j4-?no//-Concertes zeigte sich Brahms nicht minder bedeutend\nals Pianist uud brachte durch sein edles, schwungvolles Spiel alle\nSchönheiten dieser wunderbaren Cornposition, die wir diesen Winter\nschon zum zweiten Male hörten, zur Geltung. Den Abend beschloss\nBeethoven's Leonoren-Ouverture.\nDie hiesige Bach-Gesellschaft beschäftigt sich schon seit gerau-\nmer Zeit mit dem Einüben der H-moll-Messe und gedenkt dieselbe\nnächsten Monat zur Aufführung zu bringen. (Deutsche M.-Z.)\n*** 29. Februar. Sie haben den Lesern Ihres geschätz-\nten Blattes die Unterdrückung der Nr. 7 der „Recensionen\" als einen\nunerhörten Fall angezeigt. Leider ist dieser Vorfall aber kein „un-\nerhörter Fall% denn seit dem Beginn des Unternehmens ist kaum\nein Monat vergangen, wo der Redaction nicht Seitens der Pressbe-\nhörde Dieses oder Jenes gestrichen wurde. Ein Mal schon (im April\n1857) liess sie es auf eine Confiscation ankommen. Wegen eines Auf-\nsatzes über das Opern-Theater wurde das April-Heft der „Monat-\nschrift\" confiscirt. Die Redaction ergriff den Recurs und führte diese\nAngelegenheit bis vor den damaligen Policei-Minister, General Kem-\npen. Sie wurde überall abgewiesen, und erst nach drei Monaten,\nwie Sie Sich vielleicht erinnern werden, erschien das April-Heft, je-\ndoch ohne den verpönten Aufsatz. Diese Thatsachen, die wir Ihnen\nverbürgen, werden Ihnen und Ihren Lesern über den Zustand der\nPresse in Oesterreich, selbst in Bezug auf Fachblätter, ein Licht\ngeben.\n!P«a#is. Die Revue et Gazeiie musicale sagt in ihrer Nr. 10 über\nHerrn Aug Kömpel von Hannover: „Herr Kömpel, Kammer-Vir-\ntuose des Königs von Hannover, spielte in dem letzten Concerte der\nJames ArlUtes du Conservaloire ein Violin-Toncert von Spohr, sei-\nnem Lehrer und Meister, und bewies uns, dass er gleichfalls ein\nMeister geworden ist. Unter den Fingern und dem Bogen Kömpel's\nwird die Königin der Instrumente dieses Namens wahrhaft würdig.\nDieser eminente Künstler besitzt alle Eigenschaften, welehe den Vir-\ntuosen ersten Ranges bilden, der in der reinsten und schönsten Schule\ngebildet ist. Er bringt uns jene Breite des Stils, jene untrügliche\nReinheit der Intonation, jene zarte Feinheit der Nuancirung zurück,\nwelche man nicht stets mehr bei den neueren Violinisten findet, die\nsich durch Paganini's Beispiel auf eine gefährliche Bahn haben ver-\nführen lassen. Bei Kömpel verläugnet die Violine niemals ihre Natur\nund herrscht eben desshalb mit um so mehr Macht und Majestät.\nDer Erfolg war so gross, wie er nicht anders sein konnte lebhaf-\ntester Applaus und zweimaliger Hervorruf\" Die Presse thidlrale\net musicale schreibt: „Ohne Herrn Kömpel gehört zu haben, kann\nman sich keine Vorstellung von der Fülle des Tones, dem Reiz des\nAusdrucks, der untadeligen Reinheit auch in den schwierigsten Dop-\npelgriffen machen\" u. s. w. So bestätigt denn die pariser Kritik\ndas Urtheil, das wir bereits vor drei Jahren über diesen hervorra-\ngenden Künstler in diesen Blättern (1857, Nr. 7) und in der Kölni-\nschen Zeitung (18~)7, Nr. 45) ausgesprochen haben. Für den 8. März\nhatte Herr Kömpel eine Soiree im Sa*l Beethoven angekündigt.—\nLouis B ras sin für den 12. d. Mts ebendaselbst\nIn Manchester ist vor einigen Wochen Gluck's „Iphigenia auf\nTauris\" mit englischem Texte im Concerte von Herrn Halle mit\ndem grossartigsten Erfolge zur Aufführung gebracht worden. Es war\nkeine leichte Aufgabe, ohne die Beihülfe aller Bühnen-Effecte ein\nConcert-Publicum zu befriedigen; aber die Solosänger, die Chors\nund das Orchester vor einer Versammlung von 3000 Zuhörern wa-\nren so vortrefflich, dass Herr Halle das Concert am 8. Februar\n\"wiederholen musste.\nWeber's „Freischütz\" wurde von der italieni-\nschen Opern-Gesellschaft, neu in Scene gesetzt, mit neuen Costumea\nund Decorationen zum Vortheile Mongini's gegeben. Das Haus war\nvoll, und Madame Lagrua errang als Agathe den glänzendsten Erfolg."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "81", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600310-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nLiszt's Musik zu Herder's „entfesseltem Prometheus\" aufgeführt in Wien. Zur Musiklehre. Uebungen zum Stu-\ndium der Harmonie und des Contrapunktes. Von Ferdinand Hiller Ehrenbezeigung für Musik-Director Franz Commer in Berlin.\nNeuntes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Fünfte Soiree für Kammermusik\nDüsseldorf, 6. Abonnements-Concert Bonn, 3. Abonnements*Concert Frau Schröder-Deviient f Hannover Darmstadt).\n\nLiszt’s Musik zu Herder’s „entfesseltem Prometheus“\naufgeführt in Wien.\n\nDie Musik Liszt's zu Herder's Prometheus besteht aus\neiner Ouvertüre und mehreren Chören, welche durch\nein Gedicht von Richard Pohl, das Herr Lewinsky bei der\nAufführung im dritten Gesellschafls-Concerte zu Wien\n(unter der Direction des Herrn Herbeck) mit vielem Bei-\nfalle sprach, verbunden waren.\nDie Chöre sind folgende: Chor der Danaiden (Nr. 2)\nder Tritonen und Oceaniden (Nr. 3) der Dryaden\n(Nr. 4)—der Schnitter und Schnitterinnen (Nr. 5) der\nWinzer (Nr. 6) der Unterirdischen (Nr. 7) der Un-\nsichtbaren (Nr. 8) der Musen (Nr. 9).\nDas Werk, halb Cantate, halb dramatisch, ist in sei-\nner Anlage schon verfehlt, da es den erhabenen Stoff in\nniedere Kreise herabzieht. Das verbindende Gedicht hält\nsich auf der durch den Stoff gegebenen Höhe; nicht eben\nso das, was der Componist gewählt hat, um die Stimmun-\ngen und Gefühle zu schildern, welche der liefe Ernst des\nPrometheus-Mythus anregt; noch weniger erreicht die\nMusik diese Höhe.\nDie „Recensionen\" bemerken in ihrer Nr. 9 über die\neinzelnen Chöre unter Anderem Folgendes: „Nr. 3 hat\neinige menschlich musicalische Anläufe, ist theilweise effect-\nvoll gehalten, wird aber in seiner immerhin nur äusser-\niichen Wirkung dadurch geschwächt, dass der Componist\nnicht enden kann.-—Nr. 4, Chor der Dryaden, gleich Nr.\n\"2 mehr jammernd als drohend, ist ebenfalls unbedeutend,\ndas Solo unsangbar, der Eintritt des Chors bei den Wor-\nten: „„Weissagende Träume\"\", macht einen guten Ein-\ndruck, der sich aber bald verliert. Nr. 5, Chor der\nSchnitter und Schnitterinnen, erinnert sehr an Meyerbeer's\nTanzchöre, nur dass Meyerbeer selbst in seinen schwäche-\nren Sachen mannigfaltiger wirkt, während Liszl nicht über\neinen guten Anlauf hinwegkommt. Dieser Schnitlerchor ist\nentsprechend rhythmirt, allein das breite Ausspinnen des-\nselben, die ermüdende Wiederholung der bei ihrem ersten\nErscheinen anmuthig wirkenden zwei Tacte Melodie schwä-\nchen auch diese Nummer wesentlich ab. Von hier an fällt\ndie Composition immer mehr ab. Die paar Tacte Melodie\nim Winzerchor (Nr. 6) verlieren sich bald ins Bizarre, ja,\nins Hässliche; Nr. 7, Chor der Unterirdischen, ist theils\nunbedeutend, theils unnatürlich; Nr. 8, Chor der Unsicht-\nbaren, macht durch seine Breite Anspruch auf Bedeutung,\nohne auch nur einen Tact von hervorragendem Werthe\naufzuweisen, und Nr. 9, Chor der Musen, nimmt jene zwei\nrettenden Tacte wieder auf, denen wir in d«r chaotischen\nOuvertüre begegnet waren, und beschliesst somit das\nWerk ungefähr, wie es begonnen.\n„Der Gesammt-Eindruck, den eine solche Composition\nauf unbefangene Zuhörer hervorbringen musste, konnte\nvoraussichtlich nur ein entschieden ungünstiger sein. Liszt's\nPrometheus hat denn auch in Wien entschieden\nmissfallen. Der schüchterne Applaus einer kleinen, mu-\nthigen Coterie wurde nach der Ouvertüre durch energi-\nsches Zischen zurückgewiesen. Nr. 2, 4 und 7 gingen spur-\nlos vorüber. Nach dem Tritonen- und nach dem Schnitter-\nchor versuchte die kleine, mit wahrer Todesverachtung\n„ „arbeitende\"\" Schar ihrem subjectiven Enthusiasmus\nLuft zu machen, ein hartnäckiges Klatschen erscholl aus\nfernen Winkeln des Saales, wurde aber jedesmal durch\neine überwiegende Mehrheit von Zischern zur Ruhe ver-\nwiesen. Auch am Schlüsse erneuerte sich dieser ungleiche\nKampf. Als aber nach der üblichen Pause die ersten\nTacte der von Mozart erklangen, da war\nes, wie wenn die lange vermisste Sonne den dichten\nNebel zerstreut; jede Brust fühlte sich wie vom musicali-\nschen Alpdrücken befreit und eine fast einhellige, anhal-\ntende Beifallssalve donnerte dem Liebling der Götter und\nder Menschen entgegen. Es war ein Triumph der ciassi-\nschen Vergangenheit, ein Glaubensbekenntniss der Gegen-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "82", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600310-01.1.2", "texte": "wart, eine Abwehr gegen die Zukunft, die man uns auf-\ndringen will.\"\nAber vielleicht hat der Componist die eigentliche Be-\ndeutung des Mythus, den tiefen Schmerz, die Aufopferung\nfür die Menschheit, das trotzige Leiden und Ausharren und\ndpn endlichen Sieg, womit freilich ein Chor der Schnitter\n• ' J • 1 po\nund ein Chor der Winzer u. s. w. gar nichts zu schauen\nhaben, in der Ouvertüre schildern wollen? Schildern\nwollen, allerdings. Denn das sagen seine eigenen Worte\nin der Vorrede zu der Partitur, die als fünfte symphoni-\nsche Dichtung gedruckt ist. Sie lauten:\n„Es genügte, in der Musik die Stimmungen\naufgehen zu lassen, welche unter den verschiedenen\nwechselnden Formen des Mythus seine Wesenheit, gleich-\nsam seine Seele, bilden: Kühnheit, Leiden, Ausharren, Er-\nlösung. Ein tiefer Schmerz, der durch Trotz bietendes\nAusharren trjumphirt, bildet den musicalischen Cha-\nrakter dieser Vorlage.\"\nEs ist leicht gesagt, verschiedene Stimmungen, über-\nhaupt Stimmungen in der Musik aufgehen zu las-\nsen; aber es wirklich zu vollbringen, dazu gehört mehr\nals der blosse Ausspruch, mehr als der blosse Wille. „In\nmagnis voluisse sat est\", ist schon bei Thaten nicht im-\nmer wahr und bleibt höchstens ein moralischer Trost für\nden Mangel an Kraft, keineswegs aber ein Ersatz dieser;\nin der Kunst aber wird vollends der Wille, der einen\nolympischen Jupiter bilden möchte und einen unförmlichen\nKoloss zusammenknetet, bedauernswerth und lächerlich.\nAllein das wollen die Adepten der Neuschule nicht gelten\nlassen, und haben es durch „Trotz bietendes Ausharren\"\nund ewiges Vorkauen d-er harten, unverdaulichen Speise\nan eine Welt, die keine Selbst-Anstrengung, auch nicht\neinmal beim Genüsse, mehr will, bereits so weit gebracht,\ndass selbst die Franzosen, trotz ihrer angeborenen Logik,\nbei Richard Wagner die volonte bewundern und\nsich theilweise von dem, was Wagner gewollt, über das,\nwas er nicht gekonnt, verblenden lassen. Liszt hat jetzt,\nwie Beethoven neun Sinfonieen, so neun „symphonische\nDichtungen\" geschrieben. Bei Gelegenheit des „Prome-\ntheus\" äussert sich der musicalische Referent der „Oester-\nreichischen Zeitung\" (Nr. 49), Herr v. Br., folgender\nMaassen darüber:\n„Wenn Beethoven's neun symphonische Dichtungen\nsich unter Anderem auch dadurch charakterisiren, dass\njede eine ganz verschiedene Physiognomie zeigt, so findet\nbei jenen Liszt's das Gegentheil Statt; unter verschiedenen\nNamen erscheint immer dasselbe, und Prometheus wie\nDante und Tasso sind nur die Masken, hinter welchen sich\nLiszt's dissolute Individualität austobt. Als Kunstwerke\nkönnen alle diese wilden Eruptionen gar nicht in Betracht\n. ' r \"'4 l'i 4 \";*i I '[■ ' ■.. **' &■■\nkommen, da ihnen jede Eigenschaft eines solchen fehlt;\nder einzige Standpunkt, von welchem aus man ein gewis-\nses Interesse an ihnen nehmen kann, ist der pathologische;\nvon jedem anderen betrachtet, wirken sie nur einerseits\nempörend, andererseits komisch. Pathologisch können sie\nuns interessiren, indem sie uns unzweifelhaft ein tragisches\nLebensschicksal enthüllen; objectiv gefasst, können wir sie\nnur als die directeste und bewussteste Verneinung aller\nKunst mit Unwillen von uns weisen, wofern man der Sache\nnicht lieber die komische Seite abgewinnen will; denn der\nletzte Eindruck bleibt immer, dass man ein Riesen-Instru-\nment von Kinderhänden in Bewegung gesetzt sieht, die,\nohne alle Macht, uns seine Harmonie vernehmen zu lassen,\nihm nur einzelne schrille Laute zu entlocken vermögen.\nAuf Harmonie beruht aber jedes Kunstwerk, das tragische\nzumeist, und eine Kunst, in welcher die Disharmonie zum\nGesetze erhoben scheint, richtet sich selbst.\n„Liszt, der im Allgemeinen mit so reichen Geistes-\nkräften und einem so merkwürdigen Reproductions-Ver-\nmögen ausgestattete Künstler, ist zugleich eine völlig un-\nproduetive die nur durch den Dämon der inneren\nUnbefriedigtheit und des ruhelosen Ehrgeizes zur Produc-\ntion aufgestachelt wird.\n„Die Compositionsweise Liszt's ist, in so weit sie nicht\nin seiner eigensten Individualität wurzelt, in der That auf\ndas Vorbild Wagner's zurückzuführen, so wie dieser so\nmanche Keime Berlioz's in sich zeitigte, und auf der höch-\nsten Stufe dieses Klimax hat der neueste musicalische Fort-\nschritt bereits eine Höhe erreicht, vor der sich die einzel-\nnen Glieder unter einander selbst entsetzen Liszt allein\nausgenommen, der Berlioz gegen Wagner, wie diesen ge-\ngen jenen vertheidigt, und der in gewissem Sinne dem\ngrossen Publicum gleicht, von dem einmal Jemand meinte,\n„ „dass ihm in seiner Unschuld eigentlich Alles recht sei\"\",\nder heute für Schubert und morgen für Rossini schwärmt\nund nach den Mühen der Dante- und Faust-Symphonieen\nsich in Maestro Verdi's Gärten lustwandelnd ergeht, um\neinige bouquets ad usum Delphinzu pflücken.\n„Liszt hat von Wagner die Phrase gelernt—„„denn\nGedanken stehen zu fern\"\" —, deren phosphoroscirender\nSchimmer in dem tief nächtlichen Dunkel grell genug\nwirkt; ferner die wunderbare Kunst, in wenigen Tacten\nden Cirkel der 24 Tonarten zu durchjagen, und zwar in\nje tollerer Folge, desto besser; F-dur, Fis-dur, Gis-moll,\nA-dur,das ras't an uns vorbei, wie Lützow's wilde verwe-\ngene Jagd, und haut uns über die Ohren. Bei dem Effect\neines unvermittelten Uebergangs von nach scheint\nsich Liszt's Seele in schmelzendem Entzücken aufzulösen.\nVon den Geigen in den höchsten Lagen tremolando aus-\ngeführt, bildet er den höchsten Gipfel des Entzückens."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "83", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600310-01.1.3", "texte": "„Unnatur, barbarische Rohheit, ans Kindische strei-\nfende Abgeschmacktheit, bare Trivialität reichen sich in\ndiesem, wie in jedem Liszt'schen Werke, wenn man das\nGanze ansieht, wo also einzelne „ „geistreiche\"\" und „ „dä-\nmonische\" \" Züge nichts entscheiden, die Hände, um einen\nTotal-Eindruck zu hinterlassen, der nur zwischen ödem\nEntsetzen und belustigender Heiterkeit wechselt, welche\nbei dem Chor der Schnitter und Schnitterinnen, der in einem\nallerliebsten „ „Ländler\" \"-Stil componirt ist, eine allge-\nmeine wurde. Es bedarf nicht erst der specifisch-musicaii-\nschen Gründe, um die Nichtigkeit solcher Musik zu erwei-\nsen, da sie schon aus allgemein ästhetischen hervorgeht.\nSollte sie wirklich die Fähigkeit in sich tragen, die Gemü-\nllicr künftiger Generationen zu beherrschen, dann würde\ndies nur beweisen, dass, wie uns auch sehr wahrscheinlich\ndünkt, das eiserne Zeitalter bereits hereingebrochen ist. Die\ngegenwärtige Generation ist in ihrem Urtheil über sie vor-\nläufig noch ziemlich einstimmig, und in Berlin, wie in Mün-\nchen und Wien, wurde sie mit Eclat aus dem Felde ge-\nschlagen. Wir sind zwar weit davon entfernt, temporären\nErfolgen oder Misserfolgen eine inappellabel entscheidende\nBeweiskraft beizumessen, aber da die Verfechter der „ „neu-\ndeutschen Schule\"\" so laut auf die Erfolge Wagner's po-\nchen, so müssten sie consequenter Weise auch das Factum\ndes Gegenlheils als ein entscheidendes Argument gelten\nlassen, wenn es nicht Menschenart wäre, die Karten zu mi-\nschen, wie man sie eben zum Spiele braucht. Hat man uns\ndoch kürzlich versichert, jetzt sei es gerade die hohe\nBildung, welche die Entwicklung der Kunst\nIi em m e, und gelegentlich einen so hohen Werth darauf ge-\nlegt, dass sich die Bewohner des Biesengebirges\nlur Liszt und Wagner enthusiasmirten, eine Kundgebung,\nwelche schwerer ins Gewicht falle_, als jene in grossen\nStädten, da die Bewohner des Riesengebirges noch nicht\nso verbildet wären, wie die der letzteren.\n„Wir wollen der Opposition, welche die Aufführung\ndes Liszt'schen Werkes ununterbrochen begleitete, kein\nGewicht beilegen, denn sie war nur die nothgedrungene\nErwiderung auf die Beifallszeichen, welche hier und da\nlaut wurden und sich mit grosser Hartnäckigkeit zu be-\nhaupten suchten. Aber ein interessantes und allerdings\nhöchst überzeugungskräftiges Phänomen rief Mozart's\nmo//-Sinfonie hervor, welche die zweite Hälfte des Pro-\ngramms bildete. Sie war kaum intonirt, als das „ „entfes-\nselte\" \" Publicum in einen lange anhaltenden, donnernden\nJubelruf ausbrach.\n„Die Prometheus-Musik fand, wie man gesehen hat,\neine noch misslichere Aufnahme, als die vor zwei Jahren\naufgeführten „ „PrtMudes\"\". Die Direktion der Gesellschaft\nder Musikfreunde hat nun in ausreichendem Maasse ihre\nSchuldigkeit erfüllt, und fernere Experimente in dieser\nRichtung müssten sie nur in den Verdacht bringen, dem\nPublicum gewaltsam aufdringen zu wollen, was es in so\neclatanter Weise zunickgewiesen hat\" u. s. w.\nGegen die Demonstration beim Beginne der G-inoll-\nSinfonie tritt nun Herr L. A. Zöllner in seinen „Blättern\nfür Musik\" u. s. w. (Nr. 17) auf, „bestürzt durch die\nWahrnehmung der nahezu fanatisch zu nennenden Animo-\nsität der Mehrzahl der Zuhörerschaft\". Er kann sich die\n„aprioristische Beifallsspende nicht erklären\", findet es nicht\nnur „unschicklich\", sondern „ungerecht\"; denn man habe\nder Liszt'schen Composition „das Becht des Gehörtwerdens\nzwar nicht im physischen, wohl aber im moralischen Sinne\nverweigert\" wieder ein Pröbchen der Logik der Zu-\nkünftler! Es soll dadurch der Verdacht einer vorher be-\nschlossenen Verdammniss erregt werden, woran aber gar\nnichts Wahres ist, da die Ouvertüre und der erste Chor\nschweigend angehört wurden, und die scharfen Zeichen\ndes Missfallens erst losbrachen, als beim dritten Chor ein\nkleines Häuflein das Publicum gewisser Maassen zum Ap-\nplaus zwingen wollte. Uebrigens wird selbst von Herrn\nZöllner eingeräumt, dass das Werk „minder bedeutend\"\nsei, dass ihm der „Mangel an musicalisch-concreter Gestal-\ntung am meisten zum Nachtheil zu gereichen scheine\".\nGleich darauf heisst es aber (Hört! hört!):\n„Vom rein harmonischen (soll heissen unrein harmo-\nnischen) Gesichtspunkte betrachtet, erscheint die Prome-\ntheus-Musik als eine wahrhaft u nersch öpfliche Fund-\ngrube neuer Gestaltungen. Der grosseNonen-Accord\nmit durchaus gleichen Intervallen und der verminderte\nSext-Accord spielen eine hervorragende Bolle. (Wirklich?)\nDie Fülle der Combinationen und Lösungen (??), die Liszt\ndiesen Accorden abzugewinnen weiss, ist wahrhaft bewun-\nderungswürdig, und schon um dieses Umstandes willen\nallein, dessen Würdigung der grossen Menge heute al-\nlerdings noch nicht zugemuthet werden kann*),\ndarf die Composition auf die eingehende Beachtung Kunst-\nverständiger Anspruch machen.\" Unglaublich, aber\nwörtlich copirt! Man vergleiche als Probe auf dieses kri-\ntische Exempel nur die acht ersten Tacte der Prometheus-\nOuverture. Uebrigens droht Herr Zöllner mit einer aus-\n\n*) Da haben wir ja wieder die Berufung auf die Zukunft\nipsissimis verbis und von einem Vorfechter der Schule! Und\ndoch soll ich, ich ganz allein, wie Wagner in seinem Briefe\nan Berlioz im Journal des D6bats behauptet, an allem Zu--\nkunfts-Unheil und Zukunfts-Appell schuld sein, nicht die Herren\nZukünftler selbst. ~Apprenez, donc\" - sagt er feierlich\nmon eher (?) Berlioz, que Vinvenleur de la musique de Vavt-\nni r, ce n'est pas moi, mciis bien Mr. Bisch off, professeur ä\nCologne— O, o! „Welche Grossmuth!\" Yergl. Meyerbeer's\nRobert der Teufel. (L. B.)\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "84", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600310-01.1.4", "texte": "Führlicheren Betrachtung des Werkes von diesem seinem\n„rein\" harmonischen Gesichtspunkte aus.\nAnders spricht sich freilich die „Deutsche Musik-Zei-\ntung\" (redigirt von S. Bagge) aus. Man hoffte, schreibt\nsie, in Wien durch das dritte Gesellschafts Concert Bresche\nzu schiessen zum Eindringen des „Zigeunerthums in lHorm\nvon Zukunftsmusik\"\n„Aber am 26. Februar des Jahres 1860 geschah es,\ndass das alte Wien, eingedenk seines früheren Buhmes\nund der Tonmeister, die auf seinen Friedhöfen schlum-\nmern, sich männiglich erhob und laut und kräftig prote-\nstirtc gegen die Meinung, aus seinen musicalischen Bewoh-\nnern sei alles zu machen, was man wolle, und als wäre\ndie Zeit gekommen, die alten Götzen zu verbrennen und\nden neuen Göttern Altäre zu bauen.\"\nDen „anhaltenden hellen Jubel beim Beginne der\nwo/Z-Sinfonic und das brausende Händeklatschen, an dem\nsich alle betheiligten, die sich vorher passiv verhalten hat-\nten\", erklärt die Deutsche Musik-Zeitung sehr derb als\n„ein Hoch auf Mozart und herunter mit den eiteln Prahl-\nhänsen, die von Fortschritt reden und nicht werth sind,\ndem grossen Alten die Schuhriemen zu lösen\" u. s. w.*).\no '\nIch halte mein eigenes Urtheil über die ganze Pro-\nmetheus-Tragikomödie absichtlich zurück, damit die Co-\nlerie ihr Schlagwort einseitiger persönlicher Ansichten\nund Motive nicht anbringen könne, glaube aber, Ihnen\ndie Haupt-Data, um Sich in dem gegenwärtigen musica-\nlischen Wien richtig orientiren zu können, mitgetheilt\nzu haben. Der 26. Februar war eine durch nichts\nwegzuläugnende Niederlage der Zukunftsmusik, mit der\neine kleine, aber von gewisser Seite, von wo aus man\nes am wenigsten hätte erwarten sollen, begünstigte\nPartei (Graner Messe und alles, was daran und darum\nherum hängt) auch hier versucht hat, Abgötterei zu trei-\nben. Das neue Leben, das sich aber im musicalischen Wien\nendlich wieder regt und bereits sehr erfreuliche Besultate\nliefert, wird eine Musik, die mit den Meisterwerken und\nder gesarnmten Entwicklung der Tonkunst nicht nur nicht\nim Zusammenhange, sondern in directem Widerspruche\nsteht, hier nicht aufkommen lassen. Dem artistischen Di-\nrector der Gesellschafts-Concerte, Herrn Herbeck, gegen-\nüber betrachtet man das Ereigniss vom 26. Februar als\neine verdiente derbe Lection, die ihn hoffentlich auf seiner\npropagandistischen Bahn aufhalten und zum Nachdenken\nbringen wird.\nWien, 4. März 1860.\n\n*) Auch in Paris verliert man die Geduld; selbst der Papa\nFiorentino, der doch sonst Alles mit Baumwolle anfasst,\nwird wild wie ein angeschossener Eber und schleudert den\nZukiinftlern folgende Schmeicheleien an den Hals : „Charlatans\nvon Kunstlehre und barocken Theorieen, eitle und vernebelte\nDeclamatoren, aufgeblasene, ruhmredige, unverschämte, lächer-\nliche Gecken, eingebildete Pathosmacher, Verkäufer von unver-\nstandenen und unverständlichen Noten, Wolken- Und Dunst-\nsammler, langweilig wie Nebel und Regenwetter, hohle Träu-\nmer, ästhetische Dummmacher, impotente Utopisten, excentri-\nsche Ungeheuer, Lästerer, Ohrenschinder 1!u u. s. w. D. Red.\n(Constiliitionnel vom 27. Februar 18^0.)\n\nJustus.\n\nZur Musiklehre.\nWenn wir neulich bei der Anzeige von Dehn's Lehre\nvom Contrapunkt, herausgegeben von B. Scholz (s. Nr. 6),\nbemerkten: „Um zu freier Bewegung in der Anwendung\nder Gesetze der polyphonen Schreibart zu gelangen, muss\nman erst in den strengen Formen zu Hause werden\"\nu. s. w., so liegt uns jetzt ein höchst praktisches Büchlein\nals Hülfsmittel zur Verwirklichung dieser Forderung an\njeden Kunstjünger vor. Es sind dieses:\nUebungen zum Studium der Harmonie und\ndes Contrapunktes. Von Ferdinand Hiller.\nKöln, 1860. Verlag der M. DuMorit-Schauberg'-\nschen Buchhandlung. 145 S. 8.\nDas Buch ist aus der Erfahrung hervorgegangen, die\nHiller in seiner Stellung als Director des kölnischen Con-\nservatoriums über den Mangel, nicht an Beispielen, son-\ndern an Uebungs-Aufgaben für das Studium der Compo-\nsition gemacht hat, während für die musicalische Technik\ndes Gesanges und der beliebtesten Instrumente der Vor-\nrath „ins Ungeheuerliche\" anwächst. Nichts kann richtiger\nund zweck- und zeitgemässer gesagt werden, als das, was\ner in dem Vorworte in folgenden Worten behauptet:\n„Ist es Pflicht des gewissenhaften Lehrers, jeden Schü-\nler nach seinen Anlagen und nach dem zufälligen Stande\nseiner Vorkenntnisse anders zu leiten, so wird bei Allen\ndoch der eine Grundsatz beibehalten werden müssen, ihnen\neine möglichst grosse Fertigkeit in der Technik der Ton-\nselzkunst beizubringen. Nur derjenige, dem das Boich der\nTöne ein Element geworden ist, in welchem er sich frei\nwie der Fisch im Wasser bewegt, wird es zu naturwüch-\nsigen Schöpfungen bringen, während auch der Begabteste\ndie Spuren einer unvollkommenen Technik nimmer in sei-\nnen Werken wird verwischen können.\" Hieran knüplt\ner die Bemerkung, dass man eine möglichst grosse Anzahl\nder in dem Buche enthaltenen Aufgaben bearbeiten lassen\nmöge, um über die Correctheit hinaus es ;ur Leichtigkeit\nin der Behandlung derselben zu bringen.\nZu diesem Zwecke enthält nun das Buch zunächst\nBeihen von Uebungen oder Aufgaben (S. 3—-37) in theils\nbezifferten, meist jedoch unbezifferten Bässen; jeder Beihe\nsteht ein kurzes, in Noten ausgeschriebenes Beispiel voran."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600310-01.1.5", "texte": "Sie behandeln: I. Dreiklangs-Verbindungen in allen Lagen, j\nin Dur und Moll(S. 3 10). 11. D en Dominant-Septimen- j\nAccord und dessen Umkehrungen (S. 11 —l3). 111. Die |\nNeben-Septimen-Accorde und alterirten Accorde (S. 14\n18). IV. Aullösungen des Septimen-Accords (S. 18—22). j\nV. Den Nonen-Accord (S. 22). VI. Den übermässigen Drei-\nklang und Dominant-Septimen-Aecord (S. 23 24). VII.\nHebung zur Recapitulirung aller Accorde. VIII. und IX.\nVorhalte und Cadenzen (S. 25 —26). X. XI. XII. Bei-\nspiele im Moduliren von jeder Tonart nach jeder anderen\nund Bässe als Aufgaben dazu (S. 27—37).\nDann folgen als zweiter Haupttheil von S. 38 7B\nmelodische Sätze in der Oberstimme Behufs Uebungen in\nder Harmonisirung, XIII. und XIV., letztere besonders in\nHinblick auf Uebung im einfachen Contrapunkt; dann\nVoikslieder-Melodicen (XV. deutsche, russische, böhmi-\nsche, italiänische, schwedische, altfranzösische), ferner 24\nChoral-Melodieen (XVI.), ausgeführte melodische Sätze\n(XVII.), Gesänge aus der französischen Schule (XVIII. a.)\nund zwei Oberstimmen zu polyphonenSätzen aus der fran-\nzösischen Schule (XVIII. b.).\nDen dritten Theil des Buches bilden Bässe zu länge-\nren Stücken, und zwar 30 Nummern von Fenaroli\n(XIX.), 23 von Mattei (XX.) und 25 aus der französi-\nschen Schule (XXI.).\nDiese reiche und mannigfach anregende Sammlung\nfüllt beinahe die Hälfte des Büchleins (S. 79 —145). Die\nletzten 25 Nummern gehören dem pariser Conservatorium\nan, sind grossentheils von Cherubini und bisher ungedruckt;\nHiller verdankt sie dem rühmlichst bekannten Componisten\nReber, Professor am Conservatorium. In der Vorbemerkung\nräth Hiller die Anwendung dieser Bässe besonders zu\nUebungen in der rein melodischen Führung der einzel-\nnen Stimmen im mehrstimmigen Satze. Er hält die Bässe\nder Italiäner für vorzüglich geeignet zu reicher melodischer\nBearbeitung (z. B. Soli für Gesang oder ein einzelnes In-\nstrument, zwei- und mehrstimmige melodische Sätze, cha-\nrakteristisch verschiedene Stimmen neben einander u. s. w.\ndarauf zu erfinden), während die französischen mehr festen\ncontrapunktischen Sätzen zur Unterlage dienen können.\nDie mannigfache Brauchbarkeit und der grosse Nutzen\ndieser Sammlung springt schon bei der flüchtigsten An-\nsicht derselben in die Augen und muss, wie das ganze\nBuch, allen Lehrern und Musikschulen höchst willkommen\nsein. Sicher wird namentlich die eifrige Benutzung dieses\ndritten Haupttheils, der die altbewährten melodischen\nUebungen wieder aufnimmt, neben der Fertigkeit in der\nmehrstimmigen Schreibart auch die Erfindungskraft be-\ndeutend anregen und stärken, und eher Melodie erzeugen,\nafs alle die neueren theoretischen Vorschriften über das\nMachen der Melodie oder gar ihr Herausholen aus dem\nWorte und dessen declamatorisch-rhetorischer Betonung.\n\nEhrenbezeigung.\nHerr Musik-Director Franz Commer in Berlin (ge-\nbürtig aus Köln) ist von Sr. Majestät dem Könige Wil-\nhelm 11. von Holland zum Ritter des Löwen-Ordens\nernannt worden und hat zugleich von der Gesellschaft\nzur Beförderung der Tonkunst in den Niederlanden\nfolgende, auf verziertem Pergament in Lapidarschrift aus-\ngeführte Gedenktafel erhalten:\nQ. B. F. F. Q. 8.\nViro celeberrimo\nFrancisco Comme\nQui ingenium acutissimum auriu vete-\nrum musicos percipiendos tritis\ntatis prorsus singularem indefesso labore contutit ad prope\nintermortuam artis nobilissimae memoriam ex situ et pul-\nvere suscitandam qui Nederlandorum in itta arte gloriam\nstrenue viudicavit otium et operam suam collocans in pa-\nranda Collectione Operum Mus\nXVI qui societatem Batavam musicae promovendae cuius\nconsilio et sumptibus illa opera edita sunt in fonUbus re-\ncludendis in materie coltigenda in editione curanda egregie\nadiuvit quem societate illa rogan\ntium amantissimus virtutis ergo\ncreavit\nviro optime de se merito\ncuius n\ncum Historia artis musicae perpetuo\niunctum manebit revereniiae gratique animi Testimonium\nhanc decrevit tabulam societas\ndae Die XI m. Octobris MDCCCLIX\nAmstebdami eongregata\n(Folgen die Unterschriften.)\n(Dem hochberühmten Manne Franz Commer in Ber-\nlin, welcher den grösslen Scharfsinn und das geübteste\nOhr, um die Musik der älteren Meister zu entziffern und\nzu vernehmen, und eine ganz besondere Alterthumskunde\nmit unermüdlicher Arbeit darauf verwandt hat, die fast\nerstorbene Erinnerung an die edelste Kunst aus Verkomm-\nniss und Staub wieder aufzuwecken; welcher den Ruhm\nder Niederländer in dieser Kunst kräftig gewahrt, indem\ner Zeit und Mühe auf die Herstellung der „Sammlung der\nWerke der niederländischen Tonsetzer des XVI. Jahrhun-\nderts\" verwandt hat; welcher die niederländische Gesell-\nschaft zur Beförderung der Tonkunst, nach deren Plan\nund auf deren Kosten jene Werke herausgegeben sind,\nV"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600310-01.1.6", "texte": "durch Auffinden und Erschliesscn der Quellen, Sammlung\ndes Stoffes und Besorgung der Ausgabe vortrefflich unter-\nstützt hat; welchen auf das Gesuch dieser Gesellschaft der\nkunstliebende König Wilhelm 11. seiner Verdienste wegen\nzum Ritter des niederländischen Löwen ernannt hat;\ndem um sie höchst verdienten Manne, dessen Name mit\nder Geschichte der Tonkunst bei den Niederländern ewig\nverbunden bleiben wird, widmete diese Gedenktafel als\nZeichen der Verehrung und Dankbarkeit die Gesellschaft\nzur Beförderung der Tonkunst in den Niederlanden in ih-\nrer Versammlung zu Amsterdam den 11. Oclober 1859.\n—Folgen die Unterschriften des Vorstandes.)\nAuf die inhaltreiche Collectio\nein Werk, das nur ein erstaunlicher Fleiss und eine ganz\nexceptionelle Musikgelehrsamkeit zu Stande bringen konn-\nten und das mit dem gegenwärtig erschienenen zwölften\nBande für jetzt abgeschlossen ist, kommen wir ausführ-\nlicher zurück.\n\nNeuntes Gesellschasts-Concert in Köln\nim Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters Herrn Ferd. Hiller.\nDonnerstag, 1. März 1860.\nProgramm: I, 1. Sinfonie in JJ-moll von Robert Schu-\nmann. 2. Arie: „0, säume länger nicht*, aus Figaro's Hochzeit von\nMozart, gesungen von FräuL Emilie Genast, 3. Concert für\nPianoforte u s. w. in Es-chir von Beethoven, vorgetragen von\nHerrn Musik-Director Wüllner aus Aachen. 4. Laudate Dominum\nfür Sopran Solo, Chor und Orchester von Mozart.\n11. 5. Ouvertüre zum Freischütz von C. M. von Weber. 6. ct.\n„Die junge Nonne\" von Franz Schubert (instrumentirt von F#\nHiiler); b. „Das Ständchen\" von Uhland, für eine Singstimme und\nOrchester componirt von F. Hill er. Gesungen von Fraul. E. Ge-\nnast, 7. Phantasie für Pianoforte, Soli, Chor und Orchester, Op. 80,\nvon B e e t h o v e n (Pianoforte : Herr Wüllner).\nDas Concert war im Ganzen recht hübsch, es ging auch Alles\nganz gut in der Ausführung, jedoch wurde die Stimmung der Zuhö-\nrerschaft durch nichts über das Niveau des gewöhnlichen Beifalls\ngehoben, den man guten Compositionen und deren correcter Ausfüh-\nrung nicht versagt. Schumann's D-moll-Sinfonie wurde recht gut ge-\nspielt, auch mit Schwung, indessen sprachen doch nur die beiden\nMittelsätze sichtbar an, wiewohl es auch den beiden anderen nicht\nan grossartigen Effecten und ergreifenden Gedanken fehlt, die nur\nnicht recht in Fluss kommen, weil sie theils nur durch eine stets\nwiederkehrende Figur, der man die Absicht gar zu sehr anmerkt,\nVerbindung finden, theils neben manchen Motiven und Episoden ste-\nhen, die uns kalt lassen, weil von den drei Eigenschaften guter\nMusik: Melodie, Harmonie und Rhythmus, nur die letztere in ihnen\nzur Geltung kommt.\nDem Fräulein Genast fehltG es auch dieses Mal nicht an lebhaf-\nteren Gunstbezeigungen, so dass sie Schuberts „junge Nonne\" wie-\nderholte (wie es Manchem schien, allzu willfährig). Sie hat übrigens\ndiesen Gesang und auch das „Ständchen\" (Sterbeklänge) von Hiller,\neine anspruchslose, aber innig empfundene Composition, recht aus-\ndrucksvoll vorgetragen, wiewohl sie nicht so gut bei Stimme war,\nals im letzten Concerte. In der Arie der Susanna hatten wir mehr\nInnigkeit und Schmelz des Gesanges erwartet.\nHerr Musik-Director Wüllner bewährte im Vortrage des Con-\ncertes und der Phantasie von Beethoven seine classisch-musicalische\nBildung und sichere Technik, die auch in den schwierigen Stellen\nbefriedigte, wenngleich wir nicht in Abrede stellen wollen, dass Man-\nches in dem Es-dur-Concerte etwas mehr Schwrung und geistiges\nLeben verlangt, um auf der gewaltigen Höhe der Composition zu\nbleiben. Der wohlverdiente Beifall des Publicums wurde dem wacke-\nren Künstler wiederholt zu Theil.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKSlsi. Am G. d Mts fand die fünfte Soiree für Kammer-\nmusik Statt. Wir hörten zuerst das Quartett Nr« 10 in D-dur von\nMozart, eines von den drei für den König Friedrich Wilhelm 11.\nvon Preussen, der selbst ganz gut Yioloncell spielte, geschriebenen.\nEs wurde recht hübsch gespielt, der Inhalt steht aber nicht auf der\nHöhe der ersten sechs, dem alten Haydn gewidmeten Quartette, Herr\nBargiel spielte das D-dur-Trio, Op. 70 Nr. 1, von Beethoven,\nund den Bescbluss machte das grosse Octett für 4 Violinen, 2 Vio-\nlen und 2 Violoncells von Mendelssohn, dessen Ausführung be-\nsonders in den zarteren Stellen, z. B. dem trippelnden, etwas affec-\ntirten Scherzo, vorzüglich war, während wir in dem kräftigen und\naufregenden ersten Satze etwas mehr Gesammtschwung gewünscht\nhätten.\nIn dem bevorstehenden zweiten Concerte für das Orche-\nster im Gürzenich, D ins tag den 13. d. Mts., wird Herr Capell-\nmeister Hill er ein Concert von Mozart spielen und Herr Kammer-\nsänger Julius Stockhausen verschiedene Arien und Lieder vor-\ntragen. Man kann also einem zahlreichen Besuche von nahe und\nfern entgegen sehen.\nDüsseldorf, 4. M lirz. Das 6. Abonnements-Concert brachte\ndie „Schöpfung\" von Haydn und war eines der gelungensten der\nSaison. Die Solo-Partieen waren folgender Maassen besetzt: Gabriel\nFräul. Ida üamcke, Eva Fräul. Pauline Wisemann\n(welche auch die Arie aus F-dur übernommen hatte), beide aus\nKöln; Tenor Herr Göbbels aus Aachen, Bass Herr Rem-\nmertz von hier. Sämmtliche Solisten verdienten gerechtes Lob. Die\nbeiden Damen, welche ihre künstlerische Ausbildung unter Leitung\nder Professoren BisehofF und Böhme in Köln noch fortsetzen, sangen\nmit einem Erfolge, welcher Rücksicht nehmende Erwartungen bedeu-\ntend übertraf und den lebhaften Beifall unseres sonst nicht leicht\nerregbaren Publicums hervorrief. Wenige nicht ganz gelungene Stel-\nlen sind nicht erwähnenswerth und vermögen die verdiente Aner-\nkennung nicht zu schmälern Auch Herr Göbbels bewahrte sich\ndie bereits früher bei uns erworbene Gunst. Herr Remmertz hat bei\nseinem vortrefflichen Organ unverkennbare grosse Fortschritte ge-\nmacht; er trug, seine Partie nicht nur musicalisch richtig, sondern\nauch mit warmem und edelm Ausdruck vor. Die Chöre wurden mit\nFestigkeit und Feuer gesungen. ln der letzten Versammlung des\nIn st r u m e n t a'l - Ver e in s verdankten wir Herrn Schau seil nach\nlast dreissigjähriger Vergessenheit die erneute Vorführung des schö-\nnen, ernst gehaltenen Clavier-Concertes von dem in der Blüthe der\nJugend gestorbenen Norbert Burgmüll'er,\nISOBBfift« Am 3. März im dritten Abonnements-Concerte\nMendelssohn's „Elias\" aufgeführt. Das treffliche Werk und der\nberühmte Interpret der Haupt-Partie, Herr Julius Stockhausen,\nhatten eine derartige Anziehungskraft bewährt, dass sämmtliche Räume\nim „Goldenen Stern\", in denen man noch Tone aus dem Concert-\nsaale vernehmen konnte, mit Zuhörern angefüllt waren. Auch viele"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600310-01.1.7", "texte": "Auswärtige, namentlich von Köln, waren anwesend. Die Aufführung\nwar im Ganzen unter der tüchtigen Leitung des städtischen Musik-\nDirectors Herrn A. Dietrich eine recht gelungene, was Ernst und\nFleiss des Studiums, Auffassung der Tempi und Präcision der Aus-\nführung betrifft, und auch der Verein von Chor- und Orchesterkräf-\nten reichte aus, die Aufführung zu einer würdigen zu machen, wenn\nauch nicht zu einer grossen und imposanten. Mit Vergnügen bemerk-\nten wir bei den Chören eine gegen früher vermehrte Sicherheit und,\nbesonders im zweiten Theile, eine sichtbare Lust und Freude am\nGesänge. Stock hausen war von der Reise von Hannover her\nstark erkältet und brachte eigentlich der guten Sache ein Opfer,\nwas sehr anerkennenswerth, aber für den Künstler selbst immer ge-\nfährlich bleibt. Die Leistungen im ersten Theile, welche noch dazu\nam meisten die volle Kraft der Stimme verlangen, konnten desshalb\nden gehofften Erwartungen nicht ganz entsprechen; nach und nach\nbrach aber das Organ sicli Bahn durch den Schleier, den die neidi-\nsche Wittel ung darüber gezogen hatte, und im zweiten Theile glänzto\nwieder der grosse Sänger, der Meister im Vortrage und in der Be-\nhandlung der Stimme. Die Arie: „Es ist genug!\" bildete den Gipfel-\npunkt der Leistung und rief stürmischen Applaus hervor. Die übri-\ngen Soli wurden von Fräul. Elise Saart aus Köln, Fräul. Fran-\ncisco Schreck aus Bonn und Herrn Andr. Pütz aus Köln ge-\nsungen ; alle drei erhielten wiederholten und verdienten Beifall. Fräul.\nSaart, die wir zum ersten Male in einer Partie von so grossem Um-\nfange und so erhabenem Charakter hörten, befriedigte, abgesehen\nvon dem Beifalle des Publicums, auch strengere Forderungen in Be-\nzug auf Reinheit der Intonation, worauf sie freilich besonders zu\nsehen hat, und auf Ausdruck; über den Vortrag der grossen Arie:\n„Höre, Israel!\" sprechen wir mit Vergnügen unsere Anerkennung\naus. - - L. B.\nGeneral-Musik-Director Meyerbeer hat in bestimmtester Weise\nerklärt, dass die königliche Oper in Berlin gegenwärtig in keiner\nWeise in der Lage sei, seine neue Oper, »Die Wallfahrt nach Ploer-\nmel\", in angemessener Weise zu geben, und dass er dieses Werk\nauch definitiv derselben nicht zur Aufführung anvertrauen werde.\nDagegen ist der Componist mit dem Impresario der italiänischen\nOper, Signor Lorini, dahin übereingekommen, dass »Die Wallfahrt\nnach Ploermel\" in der nächsten Saison von der italiänischen Gesell-\nschaft im Victoria-Theater zur Aufführung gebracht werde.\nEine grosse deutsche Künstlerin, Frau S chr Ö der- D e vri en t-\nBock, ist in Coburg am 26. Januar nach schweren Leiden im\nnoch nicht vollendeten 55. Lebensjahre gestorben. Die Verewigte,\nam 6* December 1805 geboren und vom zartesten Jugendalter an\nfür die Kunst gebildet, erregte schon im 15. Jahre durch grosses\nTalent und beachtenswerthe Leistungen nicht geringes Aufsehen, und\nerwarb schnell auf Kunstreisen, wie in festen Engagements in Berlin\n(wo sie sich mit Karl Devrient zu einer freilich nicht glücklichen\nEhe verband) und Dresden einen bedeutenden Ruf. Im Jahre 1830\nging sie zum ersten Male nach Paris, wo sie hoch gefeiert wurde,\nim folgeuden Jahre wieder dahin, später wiederholt nach London,\nund ausserdem hielt sie 1835 einen fast ununterbrochenen Triumph-\nzug durch Russland, Oesterreich und Deutschland. Seit 1846 zog\nsie sich von der Bühne zurück und vermählte sich 1850 in Gotha\nmit dem livländischen Gutsbesitzer v. Bock, dem sie auch in die\nHeimat folgte. Seit längerer Zeit an einer schmerzvollen Krankheit\nleidend, wählte sie sich im vergangenen Jahre Coburg zu ihrem\nWohnsitze; ihr Gemahl war auf der Reise dahin begriffen, der Tod\nder gefeierten Künstlerin trat aber zu plötzlich ein, als dass er die-\nselbe noch am Leben hätte treffen können.\nMenningen* Das letzte Concert der Mitglieder der herzog-\nlichen Ilofcapelle gab wieder Gelegenheit, die hiesigen musicalischen\nKräfte im glänzendsten Lichte zu zeigen. Die siebente Sinfonie (/i-\nDur) von Beethoven und Meyerbeer's Struensee-Ouverture gingen unter\nHof-Capellmeister Bott's meisterhafter Leitung ausgezeichnet. Die\nSinfonie haben wir in einer solchen Vollendung noch nicht gehört,\nHerr Bott, den bekanntlich der verewigte Meister Spohr seinen be-\nsten Schüler nannte, erfreute uns auch mit dem Vortrage eines vor-\ntrefflich componirten Concertes eigener Composition und erregte wie\ngewöhnlich grossen Enthusiasmus. Die Ouvertüre zu „Coriolan* von\nBeethoven, Quintett aus vCosi fetn lulle* von Mozart, Sopran-Arie\naus „Oberon*4 von Frau Viala sehr gut gesungen und noch\neine Bariton-Arie, so wie eine Phantasie für Cello vervollständigten\ndas Concert in mehr oder minder erhebender Weise. Herr Bott\nhat für die Dedication seines neuesten Violin-Concertes von unserem\nHerzoge einen kostbaren Brillantring erhalten.\nDer berühmte Bassist Herr Karl Form es gastirte im Februar\nin Magdeburg, Meiningen u. s. w, mit dem glänzendsten Erfolge.\nNamentlich machte er als Osmin in Mozart's »Constanze und Bei'\nmonte'\"4 Furore.\nMaiiilOTer» Julius Stockhausen ist von Sr. Majestät\ndem Könige von Hannover zum Kammersänger ernannt worden und\nhat auch die grosse goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft\nerhalten. —• Zwischen unserem berühmten Tenoristen Niemann\nund der königlichen Theater-Intendanz sollen bedeutende Differenzen\nentstanden sein.\nIm königlichen Hofconcerte sang Fräulein Emilie Genast\naus Weimar die grosse Arie aus Rossini's Barbier und Lieder von\nMendelssohn, Liszt und Schubert; C. M. v. Weber's Oberon-Ouver-\nture und Schumann's B-dur-Sinfonie wurden ausserdem aufgeführt.\nIdaniiSf fielt« Anfang Januars ist Richard Wagners Oper\n»Rienziu zum ersten Male gegeben und seitdem zwei Mal wiederholt\nworden. Man muss beim Anhören dieses Tongebildes das Talent\neines Mannes bewundern, der schon im 24. Jahre seines Lebens ein\nso kolossales Werk schuf und damit den Weg zu seinem allerdings\ngediegeneren »Tannhäuser* und »Löhengrin* bahnte. Der Total-\nEindruck des »Rienzi\" ist ein überwältigender. Die Chöre sind von\nausserordentlicher Wirkung, und die Schlacht-Hymne des 3. Actes\ngehört sicher zu dem Effect- und Schwungvollsten, was noch über\ndie Bühne gegangen, wie denn überhaupt die musicalische Bewegung\nder Massen in dieser Oper erstaunlich ist, der es übrigens auch an\nanderen ergreifenden Stellen nicht fehlt, wie z. B. die Arie des\nAdriano im dritten Acte, in welcher Fräul. Emilie Schmidt gros-\nsen Beifall ärntete. Rienzi wurde durch Herrn Künzel dargestellt,\ndessen Fleiss und Ausdauer Anerkennung verdient, wenn er auch\nals dramatischer Sänger nicht bedeutend genug ist, um diese Rolle\nzur vollen Geltung bringen zu können. Die äussere Ausstattung,\nbesonders in den Festzügen, den Waffentänzen, dem Gladiatorenrin-\ngen, so wie einem grossen Ballet im zweiten Aete, überbot alles,\nwas in dieser Art bis jetzt hier vorgekommen ist. Der Andrang des\nPublicums von hier und aus den Nachbarstädten war bei den ersten\nVorstellungen ein ausserordentlicher, bei der dritten schon schwä-\ncher, und wir glauben, wenn erst die Schaubegierde der Menge be-\nfriedigt ist, dass das hiesige Publicum, dessen Geschmack sich durch\ndas häufige Vorführen seichter, moderner Opern sehr verflacht hat,\ndem ernsten Werke Wagner's kein fortdauerndes, lebhaftes Interesse\nbewahren wird. (Neueren Nachrichten zufolge soll Rienzi fortwäh-\nrend Anziehungskraft bewähren, und daneben Meyerbeer's\n»Nord s te rnft!)\nDas dritte philharmonische Concert dieses Win-\nters begann mit Gluck's Ouvertüre zur »Iphigenie auf Tauris\".\nConcert-Director Joachim aus Hannover spielte das D-clür-C'oncert\nvon Beethoven und eine Sonate von Tartini mit bekannter Meister-\nschaft, die von dem Auditorium mit rauschendem Beifalle und metu-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "88", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600310-01.1.8", "texte": "maligem Hervorruf belohnt wurde. Sodann kam die zweite Serenade\nvon Johannes Brahms für Bratschen, Celli, Bässe und Blas-In-\nstrumente, ein Werk von höchster Bedeutung, unter des Componisten\neigener Leitung zur Aufführung. Bestehend aus fünf kürzeren Sätzen\n(Allegro, Scherzo, Adagio, Quasi-Menuetto und Rondo), lehnt sich\ndie Compositum in der Form an die Mozart'schen Serenaden und\nhatte sich einer sehr günstigen Aufnahme sowohl bei den Künstlern\nals auch im Publicum zu erfreuen. Im Vortrage des Schumann'-\nschen j4-?no//-Concertes zeigte sich Brahms nicht minder bedeutend\nals Pianist uud brachte durch sein edles, schwungvolles Spiel alle\nSchönheiten dieser wunderbaren Cornposition, die wir diesen Winter\nschon zum zweiten Male hörten, zur Geltung. Den Abend beschloss\nBeethoven's Leonoren-Ouverture.\nDie hiesige Bach-Gesellschaft beschäftigt sich schon seit gerau-\nmer Zeit mit dem Einüben der H-moll-Messe und gedenkt dieselbe\nnächsten Monat zur Aufführung zu bringen. (Deutsche M.-Z.)\n*** 29. Februar. Sie haben den Lesern Ihres geschätz-\nten Blattes die Unterdrückung der Nr. 7 der „Recensionen\" als einen\nunerhörten Fall angezeigt. Leider ist dieser Vorfall aber kein „un-\nerhörter Fall% denn seit dem Beginn des Unternehmens ist kaum\nein Monat vergangen, wo der Redaction nicht Seitens der Pressbe-\nhörde Dieses oder Jenes gestrichen wurde. Ein Mal schon (im April\n1857) liess sie es auf eine Confiscation ankommen. Wegen eines Auf-\nsatzes über das Opern-Theater wurde das April-Heft der „Monat-\nschrift\" confiscirt. Die Redaction ergriff den Recurs und führte diese\nAngelegenheit bis vor den damaligen Policei-Minister, General Kem-\npen. Sie wurde überall abgewiesen, und erst nach drei Monaten,\nwie Sie Sich vielleicht erinnern werden, erschien das April-Heft, je-\ndoch ohne den verpönten Aufsatz. Diese Thatsachen, die wir Ihnen\nverbürgen, werden Ihnen und Ihren Lesern über den Zustand der\nPresse in Oesterreich, selbst in Bezug auf Fachblätter, ein Licht\ngeben.\n!P«a#is. Die Revue et Gazeiie musicale sagt in ihrer Nr. 10 über\nHerrn Aug Kömpel von Hannover: „Herr Kömpel, Kammer-Vir-\ntuose des Königs von Hannover, spielte in dem letzten Concerte der\nJames ArlUtes du Conservaloire ein Violin-Toncert von Spohr, sei-\nnem Lehrer und Meister, und bewies uns, dass er gleichfalls ein\nMeister geworden ist. Unter den Fingern und dem Bogen Kömpel's\nwird die Königin der Instrumente dieses Namens wahrhaft würdig.\nDieser eminente Künstler besitzt alle Eigenschaften, welehe den Vir-\ntuosen ersten Ranges bilden, der in der reinsten und schönsten Schule\ngebildet ist. Er bringt uns jene Breite des Stils, jene untrügliche\nReinheit der Intonation, jene zarte Feinheit der Nuancirung zurück,\nwelche man nicht stets mehr bei den neueren Violinisten findet, die\nsich durch Paganini's Beispiel auf eine gefährliche Bahn haben ver-\nführen lassen. Bei Kömpel verläugnet die Violine niemals ihre Natur\nund herrscht eben desshalb mit um so mehr Macht und Majestät.\nDer Erfolg war so gross, wie er nicht anders sein konnte lebhaf-\ntester Applaus und zweimaliger Hervorruf\" Die Presse thidlrale\net musicale schreibt: „Ohne Herrn Kömpel gehört zu haben, kann\nman sich keine Vorstellung von der Fülle des Tones, dem Reiz des\nAusdrucks, der untadeligen Reinheit auch in den schwierigsten Dop-\npelgriffen machen\" u. s. w. So bestätigt denn die pariser Kritik\ndas Urtheil, das wir bereits vor drei Jahren über diesen hervorra-\ngenden Künstler in diesen Blättern (1857, Nr. 7) und in der Kölni-\nschen Zeitung (18~)7, Nr. 45) ausgesprochen haben. Für den 8. März\nhatte Herr Kömpel eine Soiree im Sa*l Beethoven angekündigt.—\nLouis B ras sin für den 12. d. Mts ebendaselbst\nIn Manchester ist vor einigen Wochen Gluck's „Iphigenia auf\nTauris\" mit englischem Texte im Concerte von Herrn Halle mit\ndem grossartigsten Erfolge zur Aufführung gebracht worden. Es war\nkeine leichte Aufgabe, ohne die Beihülfe aller Bühnen-Effecte ein\nConcert-Publicum zu befriedigen; aber die Solosänger, die Chors\nund das Orchester vor einer Versammlung von 3000 Zuhörern wa-\nren so vortrefflich, dass Herr Halle das Concert am 8. Februar\n\"wiederholen musste.\nWeber's „Freischütz\" wurde von der italieni-\nschen Opern-Gesellschaft, neu in Scene gesetzt, mit neuen Costumea\nund Decorationen zum Vortheile Mongini's gegeben. Das Haus war\nvoll, und Madame Lagrua errang als Agathe den glänzendsten Erfolg."}]}