{"numero_id": "bm-bmtnabi-1860-03-17-01", "volume": "bmtnabi_1860-03-17_01", "ocr_sha256": "9dc821d80db391500ac5744118a97242906fc15b73b137847e16afc14140fd3d", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1860/03/17_01/bmtnabi_1860-03-17_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600317-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1860-03-17-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-03-17_01#c001", "volume": "bmtnabi_1860-03-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "89", "page_fin": "89", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600317-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "89", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600317-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 405, "texte": "Inhalt.\nP. Scudo über R. Wagner. Musik in Stettin (Polus von Atella, Oratorium von Karl Lowe). Von —8 . Briefe von\nL. Spohr. 111. Aus Frankfurt am Main. Von S. Aus Aachen (Letztes Abonnements-Concert Liedertafel M Wolf) Von N\nTages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Matinee bei F. Hiller - Berlin, Herr Dumon, Meyerbeer - Schwerin, Ernennungen -\nGotha, Herr Bott Leipzig Bremen Wien Paris Frau de la Grange)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-03-17-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-03-17_01#c002", "volume": "bmtnabi_1860-03-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "89", "page_fin": "91", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600317-01.2.2", "titre_corps": "P. Scudo uber R. Wagner.", "titre_sommaire": "P. 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Februar im italiänischen Theater Statt\ngefunden. Das Programm ist an allen drei Abenden fast\nganz dasselbe geblieben.\nNach ner kurzen Schilderung von Wagner's Le-\nbens-Umstäi en und richtigen Charakteristik dessen, was\ner will, fährt Scudo folgender Maassen fort:\n„Was Theorie und Grundsätze des schöpferischen\nKünstlers betrifft, so sind wir darin sehr nachgiebig und\nräumen ihm die volle Freiheit, danach zu verfahren, ein.\nWir sind mit Wagner derselben Meinung, dass die Kritik\nnicht das Recht hat, dem Genie ihr willkürliches und ab-\nsolutes Gesetz aufzudringen, wenn jenes sein inneres Leben\noffenbaren will; sie kann ihre engen Begriffe der unbe-\ngränzten Freiheit der persönlichen Eingebung nicht entge-\ngenstellen. Der Künstler bewege sich in seiner Kraft und\nUnabhängigkeit; er singe, er schildere die Natur, wie er\nsie anschaut, er rufe nach seiner Ansicht das Ideal ins\nLeben, welches seine Seele ahnt oder welches seiner Phan-\ntasie zusagt; wir wollen ihn vollkommen frei, sich so zu\nzeigen, wie er sich fühlt, Erde und Himmel sollen ihm\noffen stehen.\n„Allein es gibt denn doch eine Gränze für diese un-\nendliche Freiheit des Genies, einen Punkt, über den hinaus\ndie Kritik der persönlichen Eingebung des Künstlers, wie\nGott in der Bibel dem Meere, zurufen kann: „ „Bis hicher\nund nicht weiter!\"\" Diese verhängnissvolle Gränze, welche\nder Künstler nicht überschreiten kann, ohne wie Ikarus in\nden leeren Raum hinabzufallen, bilden die Gesetze des\nmenschlichen Geistes selbst; diese Gränze ist die Form, in\nder sich das Genie nothwendig verkörpert. Ich gebe Jedem\ndie Freiheit, zu sagen, was er wolle, die ungeheuersten\nDichtungen zu schreiben, zu componiren, zu malen; aber\ner muss eine Sprache gebrauchen, die mir zugänglich ist,\nund sich einer Form bedienen, die seinen Gedanken klar\nund deutlich wiedergibt. Wenn ein überirdisches Wesen\nmit den Sterblichen verkehren wollte, so müsste es sich in\ndie Schranken unserer Intelligenz fügen; denn Gott selbst\nist uns nur durch die Welt bekannt, die er geschaffen hat\nund welche uns seine Allmacht offenbart.\"\nWeiterhin wird gezeigt, dass in allen Künsten das\nMannigfaltige des Genies sich mit dem Bleibenden eines\ngemeinsamen Ideenfonds vermählt, und dass die Freiheit\nder persönlichen Eingebung sich in eine nothwendige Ord-\nnung fügt, ohne welche die Kunst nicht vorhanden sein\nwürde. „Der Zweck der Kunst ist (sagt Cousin in seinem\nBuche vom Wahren, Schönen und Guten) der Ausdruck\ndes sittlich Schönen durch das sinnlich Schöne.\" Und\nMozart: „Die Musik soll auch in der schaudervollsten Lage\nMusik bleiben*).\" —Hierauf wird das Verhältniss der Me-\n\n*) Wir setzen die ganze Stelle aus O. Jahn's Mozart, 111., S. 114,\nhieher, weil sie in einfachen Worten, wie Jahn sehr richtig\nsagt, ausspricht, worin der eigentliche Zauber von Mozart's\nund von aller Kunst liegt. Sie ist aus einem Briefe Mozart's\nan seinen Vater (vom 26. September 1781) und betrifft die\nerste Arie Osmin's in der Entführung: „Das Drum beim\nBarte des Propheten ist zwar im nämlichen Tempo, aber\nmit geschwinden Noten, und da sein Zorn immer wächst, so\nmuss, da man glaubt, die Arie sei schon zu Ende, das\nassai ganz in einem anderen Zeitmaasse und anderen Tone\neben den besten Effect machen. Denn ein Mensch, der sich in\neinem so heftigen Zorne bcfindet; überschreitet ja alle Ordnung,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "90", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600317-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5295, "texte": "lodie zur Harmonie aus einander gesetzt. „Die Harmo-\nnie ist nur das Colorit der Idee, die Idee selbst ist und\nkann nichts Anderes sein, als die Melodie. Das Geschwätz\nder Rhetoren und Sophisten wird die Natur der Dinge\nnicht vernichten. Macht, was Ihr wollt, schöpft aus der\ntiefsten Tiefe des Genies oder der Reflexion, zu meiner\nSeele könnt Ihr nur durch die Sinne dringen, durch diese\nhindurch allein sie erregen, sie mit dem Hauche Eurer\nInspiration durchdringen.\"\nHiernach geht der Verfasser zur Kritik der einzelnen\nMusikstücke, die Wagner vorgeführt hat, über. „Die Ouver-\ntüre zum GespcnsterschiiF ist eine Anhäufung von Tönen,\ndissonirenden Accorden und seltsamen Klangwirkungen,\nin welchen sich das Ohr unmöglich zurecht zu finden, einen\nPlan, einen Faden zu erkennen vermag, der zum Verständ-\nnisse der Idee des Componisten führe. Es wird, buchstäb-\nlich zu nehmen, das Chaos durch das Chaos geschildert,\naus dem nur einige Accordstösse der Trompeten auftau-\nchen, die Wagner in allen seinen Compositionen übermäs-\nsig gebraucht. Dahin führen in der Musik die Symbolisi-\nrung und die Anmaassungen einer falschen Tiefe des In-\nhalts, die den Sinnen den nothwendigen Antheil an den\nErscheinungen der Kunst absprechen. Die Ouvertüre, noch\ndazu von unendlicher Länge, ist vom wahren Publicum\nnach Verdienst gewürdigt worden.\"\nUeber den Marsch mit Chor aus dem Tannhäuser\nspricht sich auch Scudo wie alle Welt lobend aus; auch\nihm entgeht jedoch das Motiv aus Weber's Freischütz\nnicht. ;\nDie Introduction zum dritten Acte des Tannhäuser und\nder Pilgerchor finden weniger Gnade vor seinem Richter-\nstuhle. „Nach dem rohen Gegensatze von Saiten-Instru-\nmenten, besonders Violinen, und Blas-Instrumenten, der\nbei Wagner sehr gewöhnlich ist, einem hohlen Contraste,\nder von der Erfindung eines Gedankens befreit, hört man\nnur ein Gewirr von seltsamen Klängen, mühsam gesuchten\nAccorden, gewahrt nur eine Verschleuderung von Far-\nben ohne Zeichnung, die als ihre Grundlage das umher-\nirrende Ohr leite, man sieht eine ungeheure Willens-An-\nstrengung ohne alle Anmuth, die sich in das Nichts ver-\nläuft\" u. s. w. Die Tannhäuser-Ouvertüre stellt Scudo\nals „eine ungeheure symbolische und mahlende Musik-\nMaschine dar, die schlecht gebaut ist. Nur der Anfang\nund das Ende sind zu ertragen; das letztere macht einen\num so mächtigeren Effect, je länger die Confusion und die\nOhnmacht des Componisten gedauert hat. Das Lied\nvom „Abendstern\", welches man im zweiten Concerte hin-\nzugefügt hat, hält den Vergleich mit der einfachsten fran-\nzösischen Romanze nicht aus. Die monotone und barocke\nMelodie hat ein kindisches Vor- und Nachspiel, bei dem\nes auf mystische Tiefe abgesehen ist, das aber der Phan-\ntasie des Componisten keine Ehre macht.\"\n„In der Introduction zur neuesten Oper: Tristan\nund Isolde\" —fährt der Kritiker fort—, „hat der Compo-\nnist sich in aller nur denkbaren Verwirrung, Unordnung\nund Ohnmacht überboten. Man sollte glauben, es gelte\neine Wette gegen den gesunden Sinn und die einfachsten\nForderungen des Ohrs. Hätte ich diese monströse Anhäu-\nfung von Misstönen nicht drei Mal gehört, so würde ich\nsie nicht für möglich halten.\"\nDie Einleitung zum Lohengrin wird ebenfalls scharf\ngetadelt— „das ist ein akustisches Experiment, aber keine\nMusik.\" Dagegen wird die ganze Scene aus dem dritten\nActe sehr gelobt und für eine meisterhafte Composition\nerklärt.\nAls Resultat aus den verschiedenen Eindrücken der\nMusik und aus den Schriften Wagner's theilt der Aufsatz\ndann Folgendes mit:\n„Wagner ist kein gewöhnlicher Künstler. Wie fast\nalle merkwürdigen Männer unserer Zeit besitzt er aber\nmehr Ehrgeiz als Schaffungs-Vermögen, mehr Willen als\nBegeisterung, und hat per fas et nefas berühmt werden\nwollen. Da er nicht einfach und natürlich wie alle wahren\nDichter und vom Himmel zu Genie's bestimmten Menschen\ndabei verfahren konnte, die da singen, wie der Vogel zwit-\nschert, die Blume duftet, der Bach rieselt und seine Ufer\nbefruchtet, so hat er sich seiner eigenen Sache wegen zum\nReformator aufgeworfen, um mit dem Aufsehen, das ein\nSystem macht, die Schwäche seiner Natur zu bedecken.\nEs ist unnöthig, seine seltsamen Aeusserungen über\ndie Unmöglichkeit des absoluten Kunstwerkes ernsthaft zu\nwiderlegen; nach ihm sind wir im neunzehnten Jahrhun-\ndert nicht mehr im Stande, die Marmorbilder am Parthe-\nnon, die Tragödien des Sophokles, die Madonnen Raphael'?,\ndie Musik von Palestrina, Gluck und die gewaltigsten mu-\nsicalischen Schöpfungen J. S. Bach's zu bewundern. Es ist\nihm allerdings durch allerlei äusserliche Dinge und auch\ndurch die wirklichen Vorzüge seines Talentes und das wirk-\nsame Colorit seiner Instrumentation gelungen, einen Theil\nseinerLandsleule für sich einzunehmen; allein eine eigent-\nliche Popularität haben seine Werke auch in Deutschland\n\nMaass und Ziel; er kennt sieb nicht und so muss sich auch\ndie Musik nicht mehr kennen. Weil aber die Leidenschaften,\nheftig oder nicht, niemals bis zum Ekel ausgedrückt\nsein müssen, und die Musik, auch in der schaudervoll-\nsten Lage, das Ohr niemals beleidigen, sondern doch\ndabei vergnügen, folglich allezeit Musik bleiben\nmuss, so habe ich keinen fremden Ton zum F (dem Tone\nder Arie), sondern einen befreundeten, aber nicht den nächsten\nD minore, sondern den weiteren A minore dazu gewählt.®\n(Die Redaction.)"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "91", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600317-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4486, "texte": "nicht erlangt. Er stellt sich gleichgültig dagegen, wünscht\naber im Grunde nichts heisser, als die öffentliche Gunst.\n... *\nAls Componist hat ihm die Natur phantasiereiche Er-\nfindung und Gefühl versagt. Er fasst nur die Prunk- und\nSpectakel-Scenen, welche glänzende und dick aufgetragene\nFarben verlangen, gut auf; von der Tonkunst steht ihm\nnur die Rhythmik und die Harmonie zu Gebote. Seine In-\nstrumentirung ist zwar grossartig und- kräftig, ermangelt\naber der Mannigfaltigkeit und Geschmeidigkeit. Obwohl\ner ein geschickter Harmoniker ist, so glänzt er doch nicht\ndurch überraschende und neue Modulationen. Sein Stil ist\nmonoton, trotz eines kräftigen Willens und der Hülfsquel-\nlen eines unbestreitbaren Talentes. Er geht mit Geschick\nauf Farbe, Relief, Seltsamkeit aus, die er für Tiefe hält,\nallein man gewahrt bald, dass seine Effecte mehr Resultate\ngesuchter Neuheit für das Ohr, als Ausdruck der Gefühle\nder Seele sind. Wie alle materialistischen Dichter unserer\nZeit, hält sich Wagner an den äusseren, rein sinnlichen\nEindruck und nicht an die innere Erregung des Gemüthes;\ner sucht und combinirt seine Effecte mit kalter Reflexion,\nohne selbst das Gefühl empfunden zu haben, das er dar-\nstellen will; aber das menschliche Herz lässt sich nicht\ntäuschen, es will wissen, warum es sich aufregt.\n„Das Publicum in den drei Concerten Wagner's zu\nbeobachten und zu hören, war sehr interessant. Es war\nmit grossem Eifer und geschickt zusammengebracht; etwa\nzwei Drittel Deutsche aus allen Classen der Gesellschaft,\ndie sich schon im Voraus für die Bewunderung entschie-\nden hatten, ein Drittel Franzosen, die sich an der Partei-\nfrage gar nicht betheiligten und nur gekommen waren, die\nEindrücke der Musik in sich aufzunehmen. Die Seinigen\nhatten alle wichtigen Plätze besetzt und warfen den Indiffe-\nrenten herausfordernde Blicke zu. Was die friedliche Mi-\nnorität betrifft, die nur anwesend war, um ganz unbefan-\ngen und ehrlich einen Componisten zu würdigen, der mehr\nLärm als gute Sachen macht, so blieb sie nicht lange\nschwankend; sie begriff sehr bald, dass sie einen Mann von\nTalent, aber auch einen Sophisten vor sich hatte, der mehr\nEhrgeiz als Ideen besitzt, und der sich pomphaft als Pro-\nphet der Zukunft aufwirft, weil er nichts Vernünftiges zu\nschaffen vermag, das die Zeitgenossen befriedigt. Dieses\nist hier das Urtheil der gebildeten Welt und der Gesammt-\nzahl—mit wenigen Ausnahmen—der Künstler und Schrift-\nsteller. Ich glaube also versichern zu können, dass Wag-\nner in Paris sehr richtig gewürdigt worden ist, und dass\ner eine grosse Unvorsichtigkeit begangen hat, das Urtheil\neines Landes zu befragen, das wenig an Wunder glaubt\nund nicht leicht geschickte Schauspieler für grosse Männer\nhält. Auch die verschiedenen Manöver und die ganze\nrenommistische Inscenesetzung der Concerte sogar das\nPortrait Wagner's, als Melodramenheld drapirt, war zur\nHand hat Keinen getäuscht.\"\nAus dem Epilog heben wir noch Folgendes hervor:\n„Ich behaupte, sagt Horace Walpole, dass der schlechte\nGeschmack, der dem guten vorausgeht, dem schlechten\nvorzuziehen ist, der auf den guten folgt. Es ist ein un-\nzerstörbares Zeichen des Verfalls einer Kunst, wenn man\netwas von ihr verlangt, was gegen ihre Natur ist, und wenn\nman die Schranken, welche die verschiedenen Künste schei-\nden, unter dem Vorwande, sie zu erweitern, ganz und gar\neinreisst. Im Grunde gehören Berlioz und Wag-\nner zu einer und derselben Familie; es sind zwei feindliche\nBrüder, zwei Enfans terriblesdes alternden Beethoven,\nder sich gewaltig wundern würde, wenn er diese beiden\nseltenen Vögel aus seiner letzten Brut sehen könnte! Ber-\nlioz hat etwas mehr Phantasie und auch durch seine fran-\nzösische Natur etwas mehr Klarheit; aber Wagner, der\nvon Berlioz viele einzelne Instrumentirungs-Effecte ange-\nnommen hat, ist ein ganz anderer Musiker, als der Com-\nponist der Symphonie fantästique und der Enfance du\nChrist. „ „Eigentlich\"\", sagte Jemand neben mir, „ „müsste\nman die Werke dieser Beiden, die um die Wette Insub-\nordinations-Verbrechen gegen die Schönheit begehen, in\neinen Sack nähen und ins Meer werfen, um den Zorn der\nGötter zu sühnen!\"\"\n„Wir können uns übrigens Glück wünschen, dass\nWagner's Experiment in Paris nicht wirklich geglückt ist.\nSchon stand Liszt an der Thür und horchte und war im\nBegriff, mit seinen „ „Idealen\"\" und anderen mystischen\nSvmphonieen, die er für die Zukunft aufhebt, herbei zu\neilen, und Paris wäre von einer Schar von Bilderstürmern\nüberschwemmt worden. Miserere"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-03-17-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-03-17_01#c003", "volume": "bmtnabi_1860-03-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "91", "page_fin": "93", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600317-01.2.3", "titre_corps": "Musik in Stettin.", "titre_sommaire": "Musik in Stettin.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "91", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600317-01.1.3", "debut_caractere": 4488, "fin_caractere_exclue": 5301, "texte": "Musik in Stettin.\nAm 14. Februar führte Herr Musik-Director Sari\nLöwe sein neuestes Werk: Polus von Atella, Orato-\nrium in drei Abtheilungen, gedichtet von Ludwig Gie-\nse brecht, in der Aula des Gymnasiums auf.\nDie Dichtung ist ein Curiosum, das ich Ihnen im Text-\nbuche zu eigenem Erbauen vollständig mittheile.\n\n*) Ein Postscriptum lautet: sDans tme lettre a Mr. Berlioz dans\nle Journal des Ddbats, qui ri est pas plus clairement ecrite qae\nses livres allemands, Mr. Wagner se defend d'avoir employe le\nmot de musique de V avenir, qu'il attrihue ä un critique\nintelligent, Mr. Bischoff ä Cologne. SiMr. Wagner n'a pds cree le\nmot dont il se plaint, il a exprime l'idee dans plusieurs passages\nde ses Berits, et le titre de mnsicien de V avenir lui reste\nacquis comme tme qualification ind4!6bile. P. Scudo.®\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600317-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4528, "texte": "(In der That ein merkwürdiger Text; schroffere Con-\ntraste sind wohl noch nirgends in einem Oratorium dem\nComponisten dargeboten worden. Die alten biblischen Ge-\ngensätze zwischen Jehova und Baal, Israeliten und Heiden\nsind nichts gegen die Chöre der römischen Senatoren, des\nrömischen Volkes, der Christen in Born und—der Schau-\nspieler, deren Haupt Polus sich am Ende taufen lässt.\nOrt des Vorgangs: Bom, auf dem palatinischen Hügel und\neinem daranstossenden Thale des Tiber*). Die Zeit: nicht\nlange nach Paulus' Tode, etwa im Anfange des zweiten\nJahrhunderts. Eben so etwaig sind die Personen: der\nKaiser, der Bischof von Bom, Polus sammt Mutter und\nSchwester.\nUnten am Hügel lagern die Christen mit dem Bischöfe,\npreisen im Chor Jerusalem und wollen aus Bom auswandern:\n„ Gerne\nFerne\nDrängt von hinnen\nUnser Sinnen,\nBabels Gassen,\nBabels Thore zu verlassen.®\nLeber ihnen oben vor dem Palatium stehen der Kaiser\nund die Senatoren. Diese machen ihn auf die Fortziehen-\nden aufmerksam. Der Kaiser „weiss es wohl, dass Babel\nRom bedeutet\" (!), er hat längst bemerkt, „dass die Rö-\nmertugend wankt, dass düstre Schwermuth auf der Stadt\nliegt\".\nDa ziehen Schauspieler auf der Höhe vorüber:\n»Esel, fort! Auf deinem Rücken\nSollst du leicht mich vorwärts tragen,\nSollst für mich die Erde drücken (!),\nWo die dunkeln Menschen klagen.®\nDas römische Volk jauchzt: „Seht, auf Eseln, die auf Kar-\nren das ist Polus von Atella! Seine Leute! Ins Thea-\nter! Ins Theater!\"\nDer Kaiser hat „die Gaukler herbeigerufen, den Trüb-\nsinn, der durch die Christen gesäet ist, zu zerstreuen die\nMenge läuft ihnen nach, es geht nach Wunsch.\" In einer\nArie spricht er seine Hoffnung aus, durch „frische Lebens-\ntöne den Römern ihre Bahn zu zeigen\", ruft dann dem\nerscheinenden Polus zu: „Beginne dein Werk! giesse\nschallendes Gelächter aus auf diese feige, welke Todeslust,\nauf diese Todestaufe!\" und geht ab mit den Senatoren.\nDer Komiker bleibt allein und reflectirt über den Schmerz\nin seinem Innern; er hat so eine Anwandlung von dem\nGedanken, dass ein Schauspieler ein Satanskind sei. Er\nhört die Stimmen der Mutter und der Schwester, welche\nbereits Christen geworden: „Führe ihn, o Jesu, zu Deiner\nheil'gen Stadt:\nWeise\nLeise\nUnserm Sehnen\nUnsern Thränen: (?)\nUngealtet\nDer Prophet von Naim waltet.®\nAllein Polus eilt hinweg: „Der Gaukler ist zum Lachen\nda\". Damit schliesst der erste Theil.\nZweiter Theil. Das Theater ist aus, das Volk im Chor\nlacht der Christen und ruft: „Ich bin geheilt!\"— Der Bi-\nschof fleht in einer Arie den Herrn an gegen den Bösen\nund gegen die Wirkung der Schauspielkunst; Flavia (Po-\nlus'Mutter): „Kyrie eleison\" und als Arie: „Weise leise\"\nwie oben. Polus kommt allein und tiefsinnig es ist\ndunkel er trifft mit dem Bischöfe zusammen, der ihm\ndie Geschichte von der Bekehrung des Saulus zum Paulus\nerzählt. Die Christen sammeln sich um Beide und singen\nKyrie dazwischen. Polus ruft: „0, taufe mich! auch ich\nwill sterben, sterben!\" —Das Volk auf der Höhe: „Polus,\nPolus, du herrlicher Meister!\" u. s. w. Polus: „Taufe\nmich zum Leben wie zum Tode.\"—Bischof: „Jetzt nicht,\nmein Sohn!\" (! Es fehlt nur noch, dass er sagt: Das darf\nerst im dritten Theile vorkommen.) „Sei still in Gott und\nbete.\" —Chor: „Kyrie eleison!\" Ende des zweiten Theiles.\nIm dritten Theile erwartet der Kaiser (in einer Arie)\nvon dem durch das Theater erheiterten Volke nichts Ge-\nringeres, als:\n»Wenn die Menge lachet,\nIhr Trompeten, fallet ein !\nDann der Römermuth erwachet\nUnsre Adler an den Rhein!!\"\nIndess schreitet Polus zum Ufer „des Tiber\". Das Volk\nfreut sich über „den Spass der Spässe\", wie „der Schalk\nPolus den Alten (den Bischof) anführen wird\".—Es folgt\ndie Taufe in aller Form, und Polus wird Paulus. Der\nKaiser nimmt die Sache aber nicht als Spass, und da Pau-\nlus ihm weissagt, „Christi Stunde werde auch ihn fassen\",\nso lässt er ihn zum Feuertode führen. Der Bischof, Mutter\nund Schwester segnen ihn:\nSterben,\nErben,\nGeh'n mitsammen* u. s. w.,\nund der Chor der Christen schliesst das Oratorium:\n»Rühret,\nSchüret\nGluth und Kohlen,\nHeim zu holen\nAlle Heiden.* (??)\nEs scheint, als habe sich der Verfasser vorgenommen,\ndie alten Kloster-Komödien und theatralischen Mysterien,\nvon denen in Spanien und im südlichen Frankreich in Jahr-\n\n*) O über die Gelehrten! Das deutsche Volk sagt: die Tiber,\ndie Rhone u s. w., weil es ihm so mundrecht ist, wie dem\nFranzosen le Weser, le Danube u. s* w., und kehrt sich nicht\nan die Pedanten, die folgerecht auch den Dom nicht anerken-\nnen dürften, sondern die Dom (domus med) schreiben müssten!"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600317-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2979, "texte": "Markts-Buden noch Spuren vorkommen, in einem neuen\nAbklatsch wieder vorzuführen. War das seine Absicht, so\nist sie ihm vollkommen gelungen; schade nur, dass er da-\nmit im Jahre 1860 etwas zu spät kommt! Was man doch\nheutzutage an Grundlagen zu musicalischen Kunstwerken\nWunderliches erlebt! Der heilige Gral, der grünende Bi-\nschofsstab, die verzauberten Tristan und Isolde und ein\ngetaufter Schauspieler!)\n\\\\ er Löwe s Balladen kennt und diesen Text betrach-\ntet, der wird sich schon eine Vorstellung von dem neuen\nOratorium machen können. Man denke sich eine Reihe\nLöwe'scher Balladen natürlich aber nicht der vorzügli-\nchen aus seiner besten Zeit —, mit Löwe'scher Instrumen-\ntation, die bekanntlich nie seine starke Seite war, an ein-\nander gefügt, ein schwaches, in jedem Sinne sparsames\nOrchester, lanz-Rhythmen neben Kyrie eleison und dem\nTauf-Acte, Reminiscenzen die Hülle und die Fülle aus eige-\nnen Werken (den Balladen und der Hochzeit der Thetis)\nund aus fremden, glücklicher Weise Mozart'schen, und man\nhat eine Composition, deren Inhalt nichts weniger als schwer\nwiegt. Es ist ein Zwittergeschöpf, das in der oratorischen\nGattung ungefähr das ist, was eine Tragikomödie in der\ndramatischen.\nDer Saal war gefüllt, die Ausführung Hess viel zu\nwünschen übrig, besonders im Orchester. Der Chor war\nzahlreich genug, allein von ungleicher Tüchtigkeit. Die\nSolo-Partieen wurden von zwei Sängern vom hiesigen\nTheater und Dilettanten und Dilettantinnen im Ganzen gut\ngesungen. Dass die Mehrzahl im Publicum von derartiger\nMusik befriedigt wird, zeigt, dass der musicalische Ge-\nschmack hierselbst noch gar sehr der Bildung bedarf. Löwe\nführt freilich nur Sachen von seiner Composition auf und\nträgt somit einen Theil der Verantwortlichkeit dafür.\nIn den drei letzten Orchester-Concerten des Herrn\nCapellmeisters C. Kossmaly, am 12., 31. Januar und\n28. Februar, kamen folgende Werke zur Aufführung:\nSinfonieen: Beethoven, A-dur; N. W. Gade, Op. 5\nin C;Mozart, Nr. sin D.Ouvertüren: Gluck, Iphigenie\nin Aulis mit dem dazu componirten Schlüsse von R. Wag-\nner; Cherubini, Faniska; Mozart, Zauberflöte; Mendels-\nsohn, Ruy Blas; Spontini, Fernand Cortez. Ausserdem\nvon Franz Schubert: Octett für zwei Violinen, Viola, Vio-\nloncello, Clarinette, Horn, Fagott und Contrabass; Gluck:\nFurientanz aus Orpheus; Haydn: Largo in Fis (aus dem\nfür Orchester, pietätsvoll und wirksam\nübertragen von C. Kossmaly; Beethoven: Clavier-Concert\nin Es (Op. 73), vorgetragen von dem königlichen Musik-\nDirector Herrn G. Flügel.\nGesangstücke: Händel, Recitativ und Arie aus der\nOper Rinaldo; Rossini, Recitativ und Cavatine aus Tan-\ncred, vorgetragen von der Altistin Fräul. Bussler aus\nBerlin.—Herr Capellmeister Kossmaly hat sich durch Ver-\nanstaltung dieser seit einer Reihe von Jahren forlgesetzten\nAbonneinents-Concerte um die musicalischen Zustände Stet-\ntins ein wirkliches Verdienst erworben, da es hier die ein-\nzigen sind, wo man sorgfältig einstudirte Orchestersachen\nzu hören bekommt. —Q"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-03-17-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-03-17_01#c004", "volume": "bmtnabi_1860-03-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "93", "page_fin": "94", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600317-01.2.4", "titre_corps": "Briefe von L. Spohr.", "titre_sommaire": "Briefe von L. 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(Hier folgen einige ökono-\nmische Angelegenheiten.)\n-Sie sehen also, dass wir mit dem Ertrage unseres Auf-\nenthaltes sehr zufrieden sein können, indem wir mehr ge-\nwonnen haben, als irgend ein fremder Künstler seit Haydn.\nMehr als dieses noch hat mich der Beifall gefreut, den alle\nunsere öffentlichen und Privat-Productionen erhielten, und\nder besonders bei unserem eigenen Concerte so stürmisch\nwar, wie man ihn in London von einem englischen Publi-\ncum noch gar nicht will gesehen haben. Ich hatte aber\nauch keine Kosten gespart, um dieses Concert vor anderen\nauszuzeichnen; denn während bei anderen Benefiz-Concer-\nten gewöhnlich nur ein kleines, zusammengesuchtes Orche-\nster ist, das ohne Probe schon in hundert anderen Con-\ncerten abgelagerte Sachen auf gutes Glück herunterspielt,\nhatte ich ein aus den besten Künstlern Londons zusam-\nmengesetztes Orchester von 20 Geigen, 6 Violoncellen, 3\nContrabässen u. s. w. Was dieses gekostet, werden Sie\nungefähr berechnen können, wenn ich Ihnen sage, dass ich\nsie mit Ausnahme von wenigen alle bezahlt habe, und dass\ndie besseren sich für Probe und Vorstellung 4 5 Guineen\nbezahlen lassen. So habe ich auch einer der Sängerinnen\nfür eine einzige Arie 15 Guineen bezahlen müssen. Von\neigenen Compositionen gab ich in diesem Concerte: 1) die\nneue Sinfonie; 2) die Sonate für Harfe und Violine, die\nwir in Frankfurt gespielt haben (der zweite Satz abgekürzt\nund abgeändert); 3) neue Violin-Variationen über irländi-\nsche National-Melodieen; 4) mein Nonetto; 5) das Rondo\nvom siebenten Concerte und 6) die Ouvertüre aus Alruna."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "94", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600317-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1710, "texte": "Ausserdem wurde vier Mal gesungen, und Ries spielte ein\nSextett von seiner Composition (sehr vorzüglich). Den lau-\ntesten Beifall erhielten die Sonate und die neuen Variatio-\nnen. Morgen werde ich das letzte der philharmonischen\nConcerte dirigiren. Man hat mich gebeten, das Nonett zu\nwiederholen; ausserdem wird meine gestochene Sinfonie\nGemacht werden. Seit ich Ihnen schrieb, haben wir man-\no\nches Interessante in und um London gesehen, in musicali-\nscher Hinsicht aber wenig gehört. Es ist hier in allen Con-\ncerten eine ungeheure Monotonie, immer dieselben Sinfo-\nnieen, dieselben faden oder veralteten Arien, dasselbe lang-\nweilige Clavier-Getrommel; am Ende der Saison ist man\nso abgespannt, dass man gern Geld zugäbe, um nur kein\nConcert besuchen zu müssen. Dasselbe fürchterliche Einer-\nlei herrscht auch in der Lebensweise der Engländer; in je-\ndem Hause dieselben Möbel, bei jedem Mittagessen diesel-\nben Schüsseln; in jeder Gesellschaft dieselben langweiligen,\nnichtssagenden Gesichter, die man schon hundert Mal ge-\nsehen zu haben glaubt, wenn man ihnen auch zum ersten\nMale begegnet. Die vornehmen Engländer sind wie die\nChinesen Maschinen, die nur durch die Etiquette in Be-\nwegung gesetzt werden. Ich kann mir jetzt recht gut die\nEntstehung des Spleens erklären, daran sind weder die Ne-\nbel noch das schwere Bier schuld: die Langeweile ist's,\nwelche die Menschen zum Selbstmorde bringt.\nNächsten Donnerstag reisen wir ab. Wir gehen über\nBrüssel, Aachen, Köln und Paderborn nach Gandersheim.\nFinden wir's in Aachen brillant, so geben wir im Fluge\ndort noch ein Concert. In Gandersheim hoffe ich bei unse-\nrer Ankunft einen Brief von Ihnen vorzufinden.\nMit ganzer Seele der Ihrige,\n\nLouis Spohr."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-03-17-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-03-17_01#c005", "volume": "bmtnabi_1860-03-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "94", "page_fin": "95", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600317-01.2.5", "titre_corps": "Aus Frankfurt am Main.", "titre_sommaire": "Aus Frankfurt am Main.", "signature_source": "S", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "94", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600317-01.1.6", "debut_caractere": 1712, "fin_caractere_exclue": 5165, "texte": "Aus Frankfurt am Main.\n\nNoch hat uns der exemplarische Leichtsinn in den\nOhren geklungen, den Herr Alexander Malibran fast\nauf jeder Seite seiner biographischen Schrift über Spohr\naufzutischen beliebt, als uns derselbe Mann schon Gelegen-\nheit gab, seine anderweitigen Kunst-Talente kennen zu ler-\nnen. Am 8. d. Mts. hat Herr A. Malibran im Saale der Loge\nSokrates ein „grosses Vocal- und Instrumental-Concerf\nveranstaltet und sich mit der Gesangscene von Spohr als\nViolinspieler, mit einer Messe aber von seiner Composition\n(sit venia verbo)als Componist producirt. Fern sei es von\nuns, eine Kritik über das Gehörte hier auszusprechen, denn\ndas hiesse diese Blätter verunehren; wir wollen uns nur\nmit einer kurzen Andeutung begnügen und sagen: Ist ein\netwa 15 bis 16 Lebensjahre zählender Schüler einer Mu-\nsikschule in seinen Fortschritten nicht weiter, als jener\nMann von ungefähr 36 bis 37 Jahren sich in dem Spohr'-\nschen Werke erwiesen, so wird er zu einer öffentlichen\nPrüfung nicht zugelassen. Die eigene Composition des sonst\nsehr rigorosen französischen Kritikers anlangend, so könnte\neinem ehrlichen deutschen Musiker der Verstand ausgehen,\nO 7\nsollte er es versuchen wollen, selbe vom kritischen Stand-\npunkte zu beurtheilen. Herr Malibran betitelt sein Opus:\n„Messe militaire de la Legion d'honneur*. Warum? wess-\nhalb? Das ist nirgends angegeben. Vielleicht steckt die Be-\ngründung dieses die einfältigen Leser des Programms stutzig\nmachenden Titels lediglich in der Begleitung von sämmt-\nlichen Blas-Instrumenten der Militärmusik, wobei auch der\nTamtam nicht vergessen ist. Von dieser compositorischen\nNiaiserie lässt sich wieder nur dann ein Begriff geben,\nwenn man sie unter die zu liefernden Pensa eines 15- bis 16-\njährigen Lehrlings reiht, der nur Accorde neben einander\nstellt und vom kunstmässigen Gebrauche eines Instrumentes\nkeine Idee hat. Alltäglich oder allwöchentlich ein Pensum,\n—so kommen nachgerade ein Introitus, ein Kyrie eleison,\nW KJ\nein Gloria in excelsis(scandirt: excelsis), ein San-\nw\nctus (scandirt: Sanctus), ein 0 saluiaris (mit obligater\nw\nliiappen-Trompete) und ein Agnus Dei (scandirt: Agnus\nV_V KJ\nDei)aufs Papier. Und dieses elende Schülermachwerk\nwagt der Franzose einem deutschen Publicum vorzufüh-\nren! Er hat die Dreistigkeit, einen deutschen Gesang-\nVerein zur Ausführung desselben einzuladen!! Dennoch\nwird Beides noch von der Verwegenheit überboten, diese\nDemarchen unter der Aegide Spohr's unternommen sehen\nzu müssen; denn auf dem Programm führt sich Herr Ma-\nlibran als „Schüler von Spohr\" auf.\nWie verhält es sich wohl mit dieser gerühmten Schü-\nlerschaft? Es ist wahrlich an der Zeit, dass irgend ein Kun-\ndiger in Kassel darüber genaue Auskunft ertheilt, bevor\nHerr Malibran andere deutsche Städte beglückt und seine\nMystificationen fortsetzt. Denn es droht in diesem Manne\nein zweiter „Flöten-Ritter\" aufzuerstehen, der bekanntlich\nüber vierzig Jahre hindurch mit einem Zeugnisse seiner\nFähigkeit von Spohr in der Hand ganz Europa in die Kreuz\nund Quer durchzogen und dem berühmten Namen des Aus-\nstellers nirgends Ehre gemacht hat. War Herr Malibran\nwirklich von 1845 bis in das Jahr 1848 bei Spohr in\nKassel, und stand er wirklich mit dem grossen Meister in\nder Intimität, von der er in seiner Broschüre wiederholt\nspricht, dann erscheint nicht Weniges darin räthselhaft,\nam meisten aber der Standpunkt der Künstlerschaft des\nHerrn Malibran, wie er uns seit dem 8. d. Mts. bekannt\ngeworden."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600317-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 541, "texte": "Soll schliesslich noch gesagt werden, wie sich das zahl-\nreich versammelte Publicum bei solcher Mystifikation ver-\nhalten? Es verliess stillschweigend denSaal, und Jeder\nmochte sich gedacht haben: „Mich kriegst du nicht wie-\nder!44 Wie werden sich aber nun die Redactionen verhal-\nten, die in ihrer beklagenswerfhen Unwissenheit in musi-\ncalischen Dingen Herrn Malibran zur Erreichung seines\nZweckes so förderlich gewesen? Es ist keine Schande, sich\ngetäuscht sehen zu müssen, Schande wäre es jedoch in\neinem solchen Falle, zu schweigen.\n\nS."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-03-17-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-03-17_01#c006", "volume": "bmtnabi_1860-03-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "95", "page_fin": "95", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600317-01.2.6", "titre_corps": "Aus Aachen.", "titre_sommaire": "Aus Aachen.", "signature_source": "N", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600317-01.1.7", "debut_caractere": 543, "fin_caractere_exclue": 3826, "texte": "Aus Aachen.\nN.\nDie Reihe unserer Abonnements-Concerte hat ein Abend beschlos-\nsen, der durch sein Programm und durch die Ausführung desselben\nzu den genussreichsten gehörte, deren wir uns erinnern können. Aus-\nser einer sehr interessanten Concert-Ouverture in D-rnoil von F.\nHiller,-der hinreissenden Euryanthe-Oüvertiire von Weber , der\nKrone der Sinfonieen: Beethoven1 s Nr. V. in C-molf, Lessen uns\ndie Herren Wü 11 ne r, Fritz und Johann Wenigmann das\nTrio-Concert für Pianoforte, Violine und Violoncell von Beethoven\nhören, ein wahres Meisterstück von Feinheit und Anmuth, worin\njedes der drei Solo-Instrumente den anderen den Vorrang einräumt\nund doch keines davon einen entschiedenen Gebrauch macht. Den\ntrefflichen Ausführungen der Instrumentalsachen schloss sich der\nVortrag einer Scene aus Händel's Saul an, welche Mad. Wul****\nmit classischer Ruhe und vollkommen richtiger Auffassung sang.\nAm 2. März hatte unsere Liedertafel die.zahlreichen Mitglie-\nder ihres Vereins nach dem Saale des Curhauses zu-einer von jenen\nAbend-Gesellschaften eingeladen, in denen immer, verschönert durch\nden bunten, blühenden Kreis der Damen, die Freude an der Kunst\nund an der heiteren Geselligkeit herrscht. Was soll ich Ihnen von\nder neuen Eroberung sagen, die wir auf Kosten Kölns gemacht ha-\nben, von der Blüthe der Sängerinnen, die an diesem Abende einen\nwirklichen Triumph gefeiert hat? Das Publicum konnte sich nicht\nsatt hören an den schönen Tönen der Frau Catharine N., gebor-\nnen Deutz, welche den enthusiastischen Huldigungen unseres sonst\ndamit so kargen Publicums mit so liebenswürdiger Freundlichkeit\nnachgab, dass sie uns nach und nach durch den seelenvollen Vor-\ntrag von drei Liedern entzückte, die, obwohl von ganz verschiedenem\nCharakter (von Mendelssohn, Kirchner und Eckert), die gleiche Be-\ngeisterung hervorriefen. Wenn Sie mehrere solche Schülerinnen ha-\nben, so halten Sie das doch ja geheim; der Geschmack an dem\nSchönen macht hier bei uns so grosse Fortschritte, dass ich Ihnen\nkeine Bürgschaft gegen einen neuen Kunstraub geben kann.\nAn demselben Abende liess sich ein recht talentvoller Violinist,\nHerr Maximilian Wolf, hören mit zwei Phantasieen von Leo-\nnard, Bach's Chaconne und— dem Carneval von Venedig! Einige\nTage später hörten wir ihn im Instrumental -Verein das Con-\ncert von Mendelssohn und den ersten Satz des Militär-Concertes\nvon Lipinski spielen. Was an dem jungen Künstler vorzüglich zu\nloben ist, das ist der gesunde, reine und volle Ton, den er dem In-\nstrumente entlockt, und in Verbindung damit der breite, schöne und\nausdrucksvolle Vortrag der Cantilene, zu welchem ihm leider in den\ngenannten Musikstücken nur das Andante des Mendelssohn'schen\nConcertes Gelegenheit gab. Wir möchten ihm rathen, auf diese\nEigenschaften seine Erfolge hauptsächlich zu basiren, sie würden\ndann noch bedeutender sein. Damit wollen wir keineswegs sagen,\ndass es Herrn Wolf an technischer Fertigkeit fehlt; aber wenn die\nBravour angenehm und anregend auf das Publicum wirken soll so\nM }\nmüssen auch die grössten Schwierigkelten mit derjenigen Leichtig-\nkeit und Sicherheit überwunden werden, die Herr Wolf gewiss durch\ndie eifrigen Studien gewinnen wird, denen er sich widmet, wovon\nauch sein Auswendigspielen sämmtlicher Stücke ein glänzendes Zeug-\nniss ablegte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-03-17-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-03-17_01#c007", "volume": "bmtnabi_1860-03-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "95", "page_fin": "96", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600317-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600317-01.1.7", "debut_caractere": 3828, "fin_caractere_exclue": 6981, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nJHLSIaa. In der letzten* Matinee bei Herrn Capellmeister Hil-\nler hörten wir eine junge Pianistin, Fräul. Emma Suppus aas\nFrankfurt a. M., welche in dem Vortrage einer Phantasie von Men-\ndelssohn und (leider sehr trivialer) Variationen auf ein böhmi-\nsches Lied von Schulhof sieh als recht talentvoll und technisch\nbereits vorzüglich ausgebildet bewährte. Julius Stock hausen\nentzückte die Gesellschaft durch den seelenvollen Vortrag einiger\nitaliänischen Gesänge und den unnachahmlich schönen Ausdruck\nund die geschmackvollen, technisch im höchsten Grade vollendeten\nVerzierungen, womit er eine reizende Arie Boieldieu's aus dem Cha-\nperun rouge sang*\nBerlin« Unser mit Recht beliebt gewordener Gast, der Flöten-\nVirtuose Herr Durnon aus Brüssel, gab in der Sing-Akademie eine\ninteressante Sonntags-Matinee, in der er sich von Neuem als eine\nausgezeichnete Kunstgrösse bewährte. Seine Technik in Passagen,\ndie geschickte Handhabung der Schleifklappe zu Decimen- u s. w!\nSprüngen, seine Kunst der Abstufungsfähigkeit der Stärkegrade grän-\nzen nahezu an das Unglaubliche. Die Kroll'sche Capelle, geführt\nvon ihrem vortrefflichen Dirigenten, Herrn Musik-Director Engel,\nunterstützte den Concertgeber accompagnirend nicht bloss auf das\nvorzüglichste, sondern auch mit uneigennützigster Gefälligkeit.\nBei dem vom General-Musik-Direetor Meyer beer beim Prinz-\nRegenten \\ti anfetaltcten Ilofconcerte ist dem berühmten Gomponisten\neine besondeie Auszeichnung zu Theil geworden. Auf seinem Pulte\nlag ein kostbar durch Gold und Edelsteine verzierter Taetirstock\nund neben demselben ein reizendes Blumenboucjuet, von einem Papier\numgeben, auf dem die eigenhändige Widmung der. Prinzessin von\nPreussen zu lesen war. Der Maestro war aufs äusserste überrascht\nund geschmeichelt durch die ihm öffentlich dargebrachte Ehrenbe-\nzeigung* Kaum aboi dass die Blumen an seinem Rocke festgenestelt\nwaren, trat der Prinz-Regent mit seiner erhabenen Gemahlin am Arm\nauf Herrn Meyerbeer zu und bewillkommte ihn in den schmeichel-\nhaftesten Ausdiücken. Es ist der 09. Taetirstock, den Meyerbeer\nzum Geschenk erhalten.\n9 Februar. In Anerkennung ihrer ausgezeichneten\nLeistungen sind von Sr. Königlichen Hoheit dem Grossherzoge der\nConcertmeister Herr Zahn zum HofConcertmeister und der erste\nVioloncellist Herr Suhr zum Kammermusicus ernannt worden.\n4. März, Herr Hof-Capellmeister Bott aus Meiningen\nhat vor einigen Tagen in unserem Hoftheater das Publicum wahr-\nhaft entzückt und zu allgemeiner Bewunderung hingerissen. Se.\nHoheit der Herzog von Coburg-Gotha hat diese ausgezeichnete Lei-\nstung mit einem sehr schmeichelhaften Cabinetsschreiben und mit\neinem Ringe beehrt, der den Namen und die Krone des fürstlichen\nGebers in Brillanten trägt. Das Spiel dieses merkwürdigen und be-\ndeutungsvollen jungen Künstlers zeichnet sich eben so durch Kraft.\nEntschlossenheit und Energie, als durch Zartheit, Innigkeit und\nGrazie aus, und wenn auch da und dort die immense Virtuosität\nderen Schoosskind ein gewisses Tremuliren ist mit der reinen,\nkeuschen Kunst sich noch streiten mag, so trägt bei ihm die letztere\ndoch allemal den \"edelsten Sieg davon."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600317-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3657, "texte": "Eine neue Oper, „Der Graf von Gleichen\", Text von Knau er,\nMusik von Dörstling aus Gotha, ist mit Beifall gegeben worden.\nNach dem zweiten und dritten Acte wurden der Componist und die\nDarsteller (Fräul. Frassini, Frau Kreyssel-Berndt, die Herren\nReer und Killmer) gerufen.\nlieipzig. In der musicalischen Abend-Unterhaltung des Con-\nservatoriums wurde das erste Violin-Quartett vom Grafen Louis\nStainlein, Op. 10 in G-moll, mit grossem Beifalle gespielt\nDer Violinspieler Jean Becker, der im Gewandhause Beifall\nfand, reis'te von hier nach Kassel, wo er am 19. Februar auftrat;\nvon da geht er nach London und nochmals nach Paris.\nHenry Litolff hat sein Musicalien-Verlagsgeschäft in Braun-\nschweig mit Beginn d. J. an seinen Adoptivsohn Theodor Li-\ntolff käuflich abgetreten, der dasselbe unter der alten Firma un-\nverändert fortführen wird.\nErinnerungen der Schröder-Devrient. In KeiFs „Gar-\ntenlaube\" wird in einigen Wochen der Abdruck der „Erinnerungen\naus dem Leben der Schröder-Devrient\" beginnen, deren Erscheinen\ndie Künstlerin vor ungefähr einem Jahre mit dem Herausgeber des\ngenannten Blattes verabredet hat.\nIm letzten (achten) Privat-Concerte in Bremen wirkten der Cla-\nvierspieler Nacciarone aus Neapel und J. Stockhausen mit.\nErsterer spielte Mendelssohn's D-moll-Concert und eine Phantasie\nüber neapolitanische Volksmelodieen mit einer Tarentelle. Stockhau-\nsen sang eine Arie aus Händel's „Eziou, die Cavatine aus Boieldieu's\nvFete du villageu und Lieder von Schubert und Schumann, von de-\nnen er des Letzteren „Frühlingsnacht*i wiederholen musste. Unter\nden Orchesterstüeken war auch Vierling's Ouvertüre zur „Maria\nStuart\" als Novität.\nWiei§. Am 26. Februar starb die Witwe des k. k. Hof-Capell-\nmeisters J. Weigl, Frau Elisabeth Weigl, im 85. Lebensjahre.\nAm 1. März fand im Musikvereins-Saale um halb 8 Uhr Abends\ndas erste Abonnements-Concert der Frau Clara Schumann Statt.\nDer Bau des neuen Hof Opernhauses wird nun nicht lange mehr\nauf sich warten lassen, da, wie uns aus verlässlicher Quelle mitge-\ntheilt wird, derselbe nach kürzlich erfolgter Allerhöchster EntSchlies-\nsung mit aller Beschleunigung in Angriff genommen werden soll. Die\ndiesfälligen Verhandlungen zwischen den Hofämtern, den Ministerien\ndes Innern und der Finanzen und dem Stadt-Bauamte haben bereits\nbegonnen. Hiedurch, so wie durch die dieser Tage Statt gefundenen\nAbschlüsse mehrjähriger Contracte mit ersten Mitgliedern dürfte die\nseinerzeit vielfach ventilirte Verpachtungs-Frage im Sinne eines „Ad\nActa\" ihre Erledigung finden.\nSivori ist von seiner Kunstreise durch England,\nwo er im Verein mit Bottesini, Tagliafico, Pteichardt u. s. w. acht-\nundfünfzig Concerte binnen 47 Tagen gegeben hat, auf kurze\nZeit nach laiis zurückgekehrt, wo er am 2. März in dem Concerte\nvon Alfred Ja eil im Saale Herz mitgewirkt. Nachdem Jaell im\nersten Theile das Trio in B-dur von F. Schubert, Op. 99, die köst-\nlichen Variationen von Händel und den Walzer von Chopin gespielt\nhatte, wurde im zweiten Theile die Zukunftsmusik vertreten durch\nLes Preludes, poeme sympkonique d apres Lamartine für zwei Piano-\nforte von Liszt, gespielt von Jaell und H. von Bülow, und\ndurch Jaell's Transscriptionen aus dem Tannhäuser von w'agner.\nDer Saal war überfüllt, der Beifall, namentlich für Jaell und Sivori\n(Tarentelle), ausserordentlich.\nH. von Biilow's viertes und letztes Concert fand im Saale\nPleyel den P.März Statt.\nFrau de la Orange wäre in Brasilien beinahe ertrunken. Das\nBoot, auf dem sie sich mit ihrer Familie zum Dampfboote begeben\nwollte, schlug, von einem Windstosse erfasst, um, und nur einem\nglücklichen Zufalle verdankten die in den Wellen Untergehenden\nihre Rettung."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "89", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600317-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nP. Scudo über R. Wagner. Musik in Stettin (Polus von Atella, Oratorium von Karl Lowe). Von —8 . Briefe von\nL. Spohr. 111. Aus Frankfurt am Main. Von S. Aus Aachen (Letztes Abonnements-Concert Liedertafel M Wolf) Von N\nTages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Matinee bei F. Hiller - Berlin, Herr Dumon, Meyerbeer - Schwerin, Ernennungen -\nGotha, Herr Bott Leipzig Bremen Wien Paris Frau de la Grange).\n\nP. Scudo uber R. Wagner.\nDie Revue des deux Mo enthält in ihrem 26.\nTheile, 1. Liefern ng (vom 1. März) einen Aufsatz von\nPierre Scudo,dem langjährigen musicalischen Referen-\nten derselben, über die Schriften und die Musik Wagner's,\nder so ziemlich als das Resume der Urthcile der französi-\nschen Kritik über Wagner's Auftreten in Paris angesehen\nwerden kann, zumal da Scudo einer der gediegensten Kri-\ntiker und jedenfalls unabhängig von allen fremden Ein-\nflüssen und bindenden Verhältnissen ist, was in Paris viel\nsagen will.\nDie drei Concerte Wagner's haben den 25. Januar,\nden 1. und den 8. Februar im italiänischen Theater Statt\ngefunden. Das Programm ist an allen drei Abenden fast\nganz dasselbe geblieben.\nNach ner kurzen Schilderung von Wagner's Le-\nbens-Umstäi en und richtigen Charakteristik dessen, was\ner will, fährt Scudo folgender Maassen fort:\n„Was Theorie und Grundsätze des schöpferischen\nKünstlers betrifft, so sind wir darin sehr nachgiebig und\nräumen ihm die volle Freiheit, danach zu verfahren, ein.\nWir sind mit Wagner derselben Meinung, dass die Kritik\nnicht das Recht hat, dem Genie ihr willkürliches und ab-\nsolutes Gesetz aufzudringen, wenn jenes sein inneres Leben\noffenbaren will; sie kann ihre engen Begriffe der unbe-\ngränzten Freiheit der persönlichen Eingebung nicht entge-\ngenstellen. Der Künstler bewege sich in seiner Kraft und\nUnabhängigkeit; er singe, er schildere die Natur, wie er\nsie anschaut, er rufe nach seiner Ansicht das Ideal ins\nLeben, welches seine Seele ahnt oder welches seiner Phan-\ntasie zusagt; wir wollen ihn vollkommen frei, sich so zu\nzeigen, wie er sich fühlt, Erde und Himmel sollen ihm\noffen stehen.\n„Allein es gibt denn doch eine Gränze für diese un-\nendliche Freiheit des Genies, einen Punkt, über den hinaus\ndie Kritik der persönlichen Eingebung des Künstlers, wie\nGott in der Bibel dem Meere, zurufen kann: „ „Bis hicher\nund nicht weiter!\"\" Diese verhängnissvolle Gränze, welche\nder Künstler nicht überschreiten kann, ohne wie Ikarus in\nden leeren Raum hinabzufallen, bilden die Gesetze des\nmenschlichen Geistes selbst; diese Gränze ist die Form, in\nder sich das Genie nothwendig verkörpert. Ich gebe Jedem\ndie Freiheit, zu sagen, was er wolle, die ungeheuersten\nDichtungen zu schreiben, zu componiren, zu malen; aber\ner muss eine Sprache gebrauchen, die mir zugänglich ist,\nund sich einer Form bedienen, die seinen Gedanken klar\nund deutlich wiedergibt. Wenn ein überirdisches Wesen\nmit den Sterblichen verkehren wollte, so müsste es sich in\ndie Schranken unserer Intelligenz fügen; denn Gott selbst\nist uns nur durch die Welt bekannt, die er geschaffen hat\nund welche uns seine Allmacht offenbart.\"\nWeiterhin wird gezeigt, dass in allen Künsten das\nMannigfaltige des Genies sich mit dem Bleibenden eines\ngemeinsamen Ideenfonds vermählt, und dass die Freiheit\nder persönlichen Eingebung sich in eine nothwendige Ord-\nnung fügt, ohne welche die Kunst nicht vorhanden sein\nwürde. „Der Zweck der Kunst ist (sagt Cousin in seinem\nBuche vom Wahren, Schönen und Guten) der Ausdruck\ndes sittlich Schönen durch das sinnlich Schöne.\" Und\nMozart: „Die Musik soll auch in der schaudervollsten Lage\nMusik bleiben*).\" —Hierauf wird das Verhältniss der Me-\n\n*) Wir setzen die ganze Stelle aus O. Jahn's Mozart, 111., S. 114,\nhieher, weil sie in einfachen Worten, wie Jahn sehr richtig\nsagt, ausspricht, worin der eigentliche Zauber von Mozart's\nund von aller Kunst liegt. Sie ist aus einem Briefe Mozart's\nan seinen Vater (vom 26. September 1781) und betrifft die\nerste Arie Osmin's in der Entführung: „Das Drum beim\nBarte des Propheten ist zwar im nämlichen Tempo, aber\nmit geschwinden Noten, und da sein Zorn immer wächst, so\nmuss, da man glaubt, die Arie sei schon zu Ende, das\nassai ganz in einem anderen Zeitmaasse und anderen Tone\neben den besten Effect machen. Denn ein Mensch, der sich in\neinem so heftigen Zorne bcfindet; überschreitet ja alle Ordnung,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "90", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600317-01.1.2", "texte": "lodie zur Harmonie aus einander gesetzt. „Die Harmo-\nnie ist nur das Colorit der Idee, die Idee selbst ist und\nkann nichts Anderes sein, als die Melodie. Das Geschwätz\nder Rhetoren und Sophisten wird die Natur der Dinge\nnicht vernichten. Macht, was Ihr wollt, schöpft aus der\ntiefsten Tiefe des Genies oder der Reflexion, zu meiner\nSeele könnt Ihr nur durch die Sinne dringen, durch diese\nhindurch allein sie erregen, sie mit dem Hauche Eurer\nInspiration durchdringen.\"\nHiernach geht der Verfasser zur Kritik der einzelnen\nMusikstücke, die Wagner vorgeführt hat, über. „Die Ouver-\ntüre zum GespcnsterschiiF ist eine Anhäufung von Tönen,\ndissonirenden Accorden und seltsamen Klangwirkungen,\nin welchen sich das Ohr unmöglich zurecht zu finden, einen\nPlan, einen Faden zu erkennen vermag, der zum Verständ-\nnisse der Idee des Componisten führe. Es wird, buchstäb-\nlich zu nehmen, das Chaos durch das Chaos geschildert,\naus dem nur einige Accordstösse der Trompeten auftau-\nchen, die Wagner in allen seinen Compositionen übermäs-\nsig gebraucht. Dahin führen in der Musik die Symbolisi-\nrung und die Anmaassungen einer falschen Tiefe des In-\nhalts, die den Sinnen den nothwendigen Antheil an den\nErscheinungen der Kunst absprechen. Die Ouvertüre, noch\ndazu von unendlicher Länge, ist vom wahren Publicum\nnach Verdienst gewürdigt worden.\"\nUeber den Marsch mit Chor aus dem Tannhäuser\nspricht sich auch Scudo wie alle Welt lobend aus; auch\nihm entgeht jedoch das Motiv aus Weber's Freischütz\nnicht. ;\nDie Introduction zum dritten Acte des Tannhäuser und\nder Pilgerchor finden weniger Gnade vor seinem Richter-\nstuhle. „Nach dem rohen Gegensatze von Saiten-Instru-\nmenten, besonders Violinen, und Blas-Instrumenten, der\nbei Wagner sehr gewöhnlich ist, einem hohlen Contraste,\nder von der Erfindung eines Gedankens befreit, hört man\nnur ein Gewirr von seltsamen Klängen, mühsam gesuchten\nAccorden, gewahrt nur eine Verschleuderung von Far-\nben ohne Zeichnung, die als ihre Grundlage das umher-\nirrende Ohr leite, man sieht eine ungeheure Willens-An-\nstrengung ohne alle Anmuth, die sich in das Nichts ver-\nläuft\" u. s. w. Die Tannhäuser-Ouvertüre stellt Scudo\nals „eine ungeheure symbolische und mahlende Musik-\nMaschine dar, die schlecht gebaut ist. Nur der Anfang\nund das Ende sind zu ertragen; das letztere macht einen\num so mächtigeren Effect, je länger die Confusion und die\nOhnmacht des Componisten gedauert hat. Das Lied\nvom „Abendstern\", welches man im zweiten Concerte hin-\nzugefügt hat, hält den Vergleich mit der einfachsten fran-\nzösischen Romanze nicht aus. Die monotone und barocke\nMelodie hat ein kindisches Vor- und Nachspiel, bei dem\nes auf mystische Tiefe abgesehen ist, das aber der Phan-\ntasie des Componisten keine Ehre macht.\"\n„In der Introduction zur neuesten Oper: Tristan\nund Isolde\" —fährt der Kritiker fort—, „hat der Compo-\nnist sich in aller nur denkbaren Verwirrung, Unordnung\nund Ohnmacht überboten. Man sollte glauben, es gelte\neine Wette gegen den gesunden Sinn und die einfachsten\nForderungen des Ohrs. Hätte ich diese monströse Anhäu-\nfung von Misstönen nicht drei Mal gehört, so würde ich\nsie nicht für möglich halten.\"\nDie Einleitung zum Lohengrin wird ebenfalls scharf\ngetadelt— „das ist ein akustisches Experiment, aber keine\nMusik.\" Dagegen wird die ganze Scene aus dem dritten\nActe sehr gelobt und für eine meisterhafte Composition\nerklärt.\nAls Resultat aus den verschiedenen Eindrücken der\nMusik und aus den Schriften Wagner's theilt der Aufsatz\ndann Folgendes mit:\n„Wagner ist kein gewöhnlicher Künstler. Wie fast\nalle merkwürdigen Männer unserer Zeit besitzt er aber\nmehr Ehrgeiz als Schaffungs-Vermögen, mehr Willen als\nBegeisterung, und hat per fas et nefas berühmt werden\nwollen. Da er nicht einfach und natürlich wie alle wahren\nDichter und vom Himmel zu Genie's bestimmten Menschen\ndabei verfahren konnte, die da singen, wie der Vogel zwit-\nschert, die Blume duftet, der Bach rieselt und seine Ufer\nbefruchtet, so hat er sich seiner eigenen Sache wegen zum\nReformator aufgeworfen, um mit dem Aufsehen, das ein\nSystem macht, die Schwäche seiner Natur zu bedecken.\nEs ist unnöthig, seine seltsamen Aeusserungen über\ndie Unmöglichkeit des absoluten Kunstwerkes ernsthaft zu\nwiderlegen; nach ihm sind wir im neunzehnten Jahrhun-\ndert nicht mehr im Stande, die Marmorbilder am Parthe-\nnon, die Tragödien des Sophokles, die Madonnen Raphael'?,\ndie Musik von Palestrina, Gluck und die gewaltigsten mu-\nsicalischen Schöpfungen J. S. Bach's zu bewundern. Es ist\nihm allerdings durch allerlei äusserliche Dinge und auch\ndurch die wirklichen Vorzüge seines Talentes und das wirk-\nsame Colorit seiner Instrumentation gelungen, einen Theil\nseinerLandsleule für sich einzunehmen; allein eine eigent-\nliche Popularität haben seine Werke auch in Deutschland\n\nMaass und Ziel; er kennt sieb nicht und so muss sich auch\ndie Musik nicht mehr kennen. Weil aber die Leidenschaften,\nheftig oder nicht, niemals bis zum Ekel ausgedrückt\nsein müssen, und die Musik, auch in der schaudervoll-\nsten Lage, das Ohr niemals beleidigen, sondern doch\ndabei vergnügen, folglich allezeit Musik bleiben\nmuss, so habe ich keinen fremden Ton zum F (dem Tone\nder Arie), sondern einen befreundeten, aber nicht den nächsten\nD minore, sondern den weiteren A minore dazu gewählt.®\n(Die Redaction.)"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "91", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600317-01.1.3", "texte": "nicht erlangt. Er stellt sich gleichgültig dagegen, wünscht\naber im Grunde nichts heisser, als die öffentliche Gunst.\n... *\nAls Componist hat ihm die Natur phantasiereiche Er-\nfindung und Gefühl versagt. Er fasst nur die Prunk- und\nSpectakel-Scenen, welche glänzende und dick aufgetragene\nFarben verlangen, gut auf; von der Tonkunst steht ihm\nnur die Rhythmik und die Harmonie zu Gebote. Seine In-\nstrumentirung ist zwar grossartig und- kräftig, ermangelt\naber der Mannigfaltigkeit und Geschmeidigkeit. Obwohl\ner ein geschickter Harmoniker ist, so glänzt er doch nicht\ndurch überraschende und neue Modulationen. Sein Stil ist\nmonoton, trotz eines kräftigen Willens und der Hülfsquel-\nlen eines unbestreitbaren Talentes. Er geht mit Geschick\nauf Farbe, Relief, Seltsamkeit aus, die er für Tiefe hält,\nallein man gewahrt bald, dass seine Effecte mehr Resultate\ngesuchter Neuheit für das Ohr, als Ausdruck der Gefühle\nder Seele sind. Wie alle materialistischen Dichter unserer\nZeit, hält sich Wagner an den äusseren, rein sinnlichen\nEindruck und nicht an die innere Erregung des Gemüthes;\ner sucht und combinirt seine Effecte mit kalter Reflexion,\nohne selbst das Gefühl empfunden zu haben, das er dar-\nstellen will; aber das menschliche Herz lässt sich nicht\ntäuschen, es will wissen, warum es sich aufregt.\n„Das Publicum in den drei Concerten Wagner's zu\nbeobachten und zu hören, war sehr interessant. Es war\nmit grossem Eifer und geschickt zusammengebracht; etwa\nzwei Drittel Deutsche aus allen Classen der Gesellschaft,\ndie sich schon im Voraus für die Bewunderung entschie-\nden hatten, ein Drittel Franzosen, die sich an der Partei-\nfrage gar nicht betheiligten und nur gekommen waren, die\nEindrücke der Musik in sich aufzunehmen. Die Seinigen\nhatten alle wichtigen Plätze besetzt und warfen den Indiffe-\nrenten herausfordernde Blicke zu. Was die friedliche Mi-\nnorität betrifft, die nur anwesend war, um ganz unbefan-\ngen und ehrlich einen Componisten zu würdigen, der mehr\nLärm als gute Sachen macht, so blieb sie nicht lange\nschwankend; sie begriff sehr bald, dass sie einen Mann von\nTalent, aber auch einen Sophisten vor sich hatte, der mehr\nEhrgeiz als Ideen besitzt, und der sich pomphaft als Pro-\nphet der Zukunft aufwirft, weil er nichts Vernünftiges zu\nschaffen vermag, das die Zeitgenossen befriedigt. Dieses\nist hier das Urtheil der gebildeten Welt und der Gesammt-\nzahl—mit wenigen Ausnahmen—der Künstler und Schrift-\nsteller. Ich glaube also versichern zu können, dass Wag-\nner in Paris sehr richtig gewürdigt worden ist, und dass\ner eine grosse Unvorsichtigkeit begangen hat, das Urtheil\neines Landes zu befragen, das wenig an Wunder glaubt\nund nicht leicht geschickte Schauspieler für grosse Männer\nhält. Auch die verschiedenen Manöver und die ganze\nrenommistische Inscenesetzung der Concerte sogar das\nPortrait Wagner's, als Melodramenheld drapirt, war zur\nHand hat Keinen getäuscht.\"\nAus dem Epilog heben wir noch Folgendes hervor:\n„Ich behaupte, sagt Horace Walpole, dass der schlechte\nGeschmack, der dem guten vorausgeht, dem schlechten\nvorzuziehen ist, der auf den guten folgt. Es ist ein un-\nzerstörbares Zeichen des Verfalls einer Kunst, wenn man\netwas von ihr verlangt, was gegen ihre Natur ist, und wenn\nman die Schranken, welche die verschiedenen Künste schei-\nden, unter dem Vorwande, sie zu erweitern, ganz und gar\neinreisst. Im Grunde gehören Berlioz und Wag-\nner zu einer und derselben Familie; es sind zwei feindliche\nBrüder, zwei Enfans terriblesdes alternden Beethoven,\nder sich gewaltig wundern würde, wenn er diese beiden\nseltenen Vögel aus seiner letzten Brut sehen könnte! Ber-\nlioz hat etwas mehr Phantasie und auch durch seine fran-\nzösische Natur etwas mehr Klarheit; aber Wagner, der\nvon Berlioz viele einzelne Instrumentirungs-Effecte ange-\nnommen hat, ist ein ganz anderer Musiker, als der Com-\nponist der Symphonie fantästique und der Enfance du\nChrist. „ „Eigentlich\"\", sagte Jemand neben mir, „ „müsste\nman die Werke dieser Beiden, die um die Wette Insub-\nordinations-Verbrechen gegen die Schönheit begehen, in\neinen Sack nähen und ins Meer werfen, um den Zorn der\nGötter zu sühnen!\"\"\n„Wir können uns übrigens Glück wünschen, dass\nWagner's Experiment in Paris nicht wirklich geglückt ist.\nSchon stand Liszt an der Thür und horchte und war im\nBegriff, mit seinen „ „Idealen\"\" und anderen mystischen\nSvmphonieen, die er für die Zukunft aufhebt, herbei zu\neilen, und Paris wäre von einer Schar von Bilderstürmern\nüberschwemmt worden. Miserere\n\nMusik in Stettin.\nAm 14. Februar führte Herr Musik-Director Sari\nLöwe sein neuestes Werk: Polus von Atella, Orato-\nrium in drei Abtheilungen, gedichtet von Ludwig Gie-\nse brecht, in der Aula des Gymnasiums auf.\nDie Dichtung ist ein Curiosum, das ich Ihnen im Text-\nbuche zu eigenem Erbauen vollständig mittheile.\n\n*) Ein Postscriptum lautet: sDans tme lettre a Mr. Berlioz dans\nle Journal des Ddbats, qui ri est pas plus clairement ecrite qae\nses livres allemands, Mr. Wagner se defend d'avoir employe le\nmot de musique de V avenir, qu'il attrihue ä un critique\nintelligent, Mr. Bischoff ä Cologne. SiMr. Wagner n'a pds cree le\nmot dont il se plaint, il a exprime l'idee dans plusieurs passages\nde ses Berits, et le titre de mnsicien de V avenir lui reste\nacquis comme tme qualification ind4!6bile. P. Scudo.®\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600317-01.1.4", "texte": "(In der That ein merkwürdiger Text; schroffere Con-\ntraste sind wohl noch nirgends in einem Oratorium dem\nComponisten dargeboten worden. Die alten biblischen Ge-\ngensätze zwischen Jehova und Baal, Israeliten und Heiden\nsind nichts gegen die Chöre der römischen Senatoren, des\nrömischen Volkes, der Christen in Born und—der Schau-\nspieler, deren Haupt Polus sich am Ende taufen lässt.\nOrt des Vorgangs: Bom, auf dem palatinischen Hügel und\neinem daranstossenden Thale des Tiber*). Die Zeit: nicht\nlange nach Paulus' Tode, etwa im Anfange des zweiten\nJahrhunderts. Eben so etwaig sind die Personen: der\nKaiser, der Bischof von Bom, Polus sammt Mutter und\nSchwester.\nUnten am Hügel lagern die Christen mit dem Bischöfe,\npreisen im Chor Jerusalem und wollen aus Bom auswandern:\n„ Gerne\nFerne\nDrängt von hinnen\nUnser Sinnen,\nBabels Gassen,\nBabels Thore zu verlassen.®\nLeber ihnen oben vor dem Palatium stehen der Kaiser\nund die Senatoren. Diese machen ihn auf die Fortziehen-\nden aufmerksam. Der Kaiser „weiss es wohl, dass Babel\nRom bedeutet\" (!), er hat längst bemerkt, „dass die Rö-\nmertugend wankt, dass düstre Schwermuth auf der Stadt\nliegt\".\nDa ziehen Schauspieler auf der Höhe vorüber:\n»Esel, fort! Auf deinem Rücken\nSollst du leicht mich vorwärts tragen,\nSollst für mich die Erde drücken (!),\nWo die dunkeln Menschen klagen.®\nDas römische Volk jauchzt: „Seht, auf Eseln, die auf Kar-\nren das ist Polus von Atella! Seine Leute! Ins Thea-\nter! Ins Theater!\"\nDer Kaiser hat „die Gaukler herbeigerufen, den Trüb-\nsinn, der durch die Christen gesäet ist, zu zerstreuen die\nMenge läuft ihnen nach, es geht nach Wunsch.\" In einer\nArie spricht er seine Hoffnung aus, durch „frische Lebens-\ntöne den Römern ihre Bahn zu zeigen\", ruft dann dem\nerscheinenden Polus zu: „Beginne dein Werk! giesse\nschallendes Gelächter aus auf diese feige, welke Todeslust,\nauf diese Todestaufe!\" und geht ab mit den Senatoren.\nDer Komiker bleibt allein und reflectirt über den Schmerz\nin seinem Innern; er hat so eine Anwandlung von dem\nGedanken, dass ein Schauspieler ein Satanskind sei. Er\nhört die Stimmen der Mutter und der Schwester, welche\nbereits Christen geworden: „Führe ihn, o Jesu, zu Deiner\nheil'gen Stadt:\nWeise\nLeise\nUnserm Sehnen\nUnsern Thränen: (?)\nUngealtet\nDer Prophet von Naim waltet.®\nAllein Polus eilt hinweg: „Der Gaukler ist zum Lachen\nda\". Damit schliesst der erste Theil.\nZweiter Theil. Das Theater ist aus, das Volk im Chor\nlacht der Christen und ruft: „Ich bin geheilt!\"— Der Bi-\nschof fleht in einer Arie den Herrn an gegen den Bösen\nund gegen die Wirkung der Schauspielkunst; Flavia (Po-\nlus'Mutter): „Kyrie eleison\" und als Arie: „Weise leise\"\nwie oben. Polus kommt allein und tiefsinnig es ist\ndunkel er trifft mit dem Bischöfe zusammen, der ihm\ndie Geschichte von der Bekehrung des Saulus zum Paulus\nerzählt. Die Christen sammeln sich um Beide und singen\nKyrie dazwischen. Polus ruft: „0, taufe mich! auch ich\nwill sterben, sterben!\" —Das Volk auf der Höhe: „Polus,\nPolus, du herrlicher Meister!\" u. s. w. Polus: „Taufe\nmich zum Leben wie zum Tode.\"—Bischof: „Jetzt nicht,\nmein Sohn!\" (! Es fehlt nur noch, dass er sagt: Das darf\nerst im dritten Theile vorkommen.) „Sei still in Gott und\nbete.\" —Chor: „Kyrie eleison!\" Ende des zweiten Theiles.\nIm dritten Theile erwartet der Kaiser (in einer Arie)\nvon dem durch das Theater erheiterten Volke nichts Ge-\nringeres, als:\n»Wenn die Menge lachet,\nIhr Trompeten, fallet ein !\nDann der Römermuth erwachet\nUnsre Adler an den Rhein!!\"\nIndess schreitet Polus zum Ufer „des Tiber\". Das Volk\nfreut sich über „den Spass der Spässe\", wie „der Schalk\nPolus den Alten (den Bischof) anführen wird\".—Es folgt\ndie Taufe in aller Form, und Polus wird Paulus. Der\nKaiser nimmt die Sache aber nicht als Spass, und da Pau-\nlus ihm weissagt, „Christi Stunde werde auch ihn fassen\",\nso lässt er ihn zum Feuertode führen. Der Bischof, Mutter\nund Schwester segnen ihn:\nSterben,\nErben,\nGeh'n mitsammen* u. s. w.,\nund der Chor der Christen schliesst das Oratorium:\n»Rühret,\nSchüret\nGluth und Kohlen,\nHeim zu holen\nAlle Heiden.* (??)\nEs scheint, als habe sich der Verfasser vorgenommen,\ndie alten Kloster-Komödien und theatralischen Mysterien,\nvon denen in Spanien und im südlichen Frankreich in Jahr-\n\n*) O über die Gelehrten! Das deutsche Volk sagt: die Tiber,\ndie Rhone u s. w., weil es ihm so mundrecht ist, wie dem\nFranzosen le Weser, le Danube u. s* w., und kehrt sich nicht\nan die Pedanten, die folgerecht auch den Dom nicht anerken-\nnen dürften, sondern die Dom (domus med) schreiben müssten!"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600317-01.1.5", "texte": "Markts-Buden noch Spuren vorkommen, in einem neuen\nAbklatsch wieder vorzuführen. War das seine Absicht, so\nist sie ihm vollkommen gelungen; schade nur, dass er da-\nmit im Jahre 1860 etwas zu spät kommt! Was man doch\nheutzutage an Grundlagen zu musicalischen Kunstwerken\nWunderliches erlebt! Der heilige Gral, der grünende Bi-\nschofsstab, die verzauberten Tristan und Isolde und ein\ngetaufter Schauspieler!)\n\\\\ er Löwe s Balladen kennt und diesen Text betrach-\ntet, der wird sich schon eine Vorstellung von dem neuen\nOratorium machen können. Man denke sich eine Reihe\nLöwe'scher Balladen natürlich aber nicht der vorzügli-\nchen aus seiner besten Zeit —, mit Löwe'scher Instrumen-\ntation, die bekanntlich nie seine starke Seite war, an ein-\nander gefügt, ein schwaches, in jedem Sinne sparsames\nOrchester, lanz-Rhythmen neben Kyrie eleison und dem\nTauf-Acte, Reminiscenzen die Hülle und die Fülle aus eige-\nnen Werken (den Balladen und der Hochzeit der Thetis)\nund aus fremden, glücklicher Weise Mozart'schen, und man\nhat eine Composition, deren Inhalt nichts weniger als schwer\nwiegt. Es ist ein Zwittergeschöpf, das in der oratorischen\nGattung ungefähr das ist, was eine Tragikomödie in der\ndramatischen.\nDer Saal war gefüllt, die Ausführung Hess viel zu\nwünschen übrig, besonders im Orchester. Der Chor war\nzahlreich genug, allein von ungleicher Tüchtigkeit. Die\nSolo-Partieen wurden von zwei Sängern vom hiesigen\nTheater und Dilettanten und Dilettantinnen im Ganzen gut\ngesungen. Dass die Mehrzahl im Publicum von derartiger\nMusik befriedigt wird, zeigt, dass der musicalische Ge-\nschmack hierselbst noch gar sehr der Bildung bedarf. Löwe\nführt freilich nur Sachen von seiner Composition auf und\nträgt somit einen Theil der Verantwortlichkeit dafür.\nIn den drei letzten Orchester-Concerten des Herrn\nCapellmeisters C. Kossmaly, am 12., 31. Januar und\n28. Februar, kamen folgende Werke zur Aufführung:\nSinfonieen: Beethoven, A-dur; N. W. Gade, Op. 5\nin C;Mozart, Nr. sin D.Ouvertüren: Gluck, Iphigenie\nin Aulis mit dem dazu componirten Schlüsse von R. Wag-\nner; Cherubini, Faniska; Mozart, Zauberflöte; Mendels-\nsohn, Ruy Blas; Spontini, Fernand Cortez. Ausserdem\nvon Franz Schubert: Octett für zwei Violinen, Viola, Vio-\nloncello, Clarinette, Horn, Fagott und Contrabass; Gluck:\nFurientanz aus Orpheus; Haydn: Largo in Fis (aus dem\nfür Orchester, pietätsvoll und wirksam\nübertragen von C. Kossmaly; Beethoven: Clavier-Concert\nin Es (Op. 73), vorgetragen von dem königlichen Musik-\nDirector Herrn G. Flügel.\nGesangstücke: Händel, Recitativ und Arie aus der\nOper Rinaldo; Rossini, Recitativ und Cavatine aus Tan-\ncred, vorgetragen von der Altistin Fräul. Bussler aus\nBerlin.—Herr Capellmeister Kossmaly hat sich durch Ver-\nanstaltung dieser seit einer Reihe von Jahren forlgesetzten\nAbonneinents-Concerte um die musicalischen Zustände Stet-\ntins ein wirkliches Verdienst erworben, da es hier die ein-\nzigen sind, wo man sorgfältig einstudirte Orchestersachen\nzu hören bekommt. —Q\n\nBriefe von L. Spohr.\n\nIII.\n(Vergl. Nr. 10.)\nLondon, den 18. Juni 1820.\nIhren letzten Brief habe ich heute vor acht Tagen\nrichtig erhalten; ich danke Ihnen herzlich für alle darin\nenthaltenen interessanten Nachrichten. Die Erzählung von\nSand'sTode hat mich sehr gerührt. Ich hoffte immer noch,\ndie heidelberger Studenten würden Mittel finden, ihn zu\nbefreien, und seine Flucht nach einem anderen Welttheile\nbegünstigen.-—Ohne die That zu billigen, muss man doch\nseinen Heroismus bewundern. (Hier folgen einige ökono-\nmische Angelegenheiten.)\n-Sie sehen also, dass wir mit dem Ertrage unseres Auf-\nenthaltes sehr zufrieden sein können, indem wir mehr ge-\nwonnen haben, als irgend ein fremder Künstler seit Haydn.\nMehr als dieses noch hat mich der Beifall gefreut, den alle\nunsere öffentlichen und Privat-Productionen erhielten, und\nder besonders bei unserem eigenen Concerte so stürmisch\nwar, wie man ihn in London von einem englischen Publi-\ncum noch gar nicht will gesehen haben. Ich hatte aber\nauch keine Kosten gespart, um dieses Concert vor anderen\nauszuzeichnen; denn während bei anderen Benefiz-Concer-\nten gewöhnlich nur ein kleines, zusammengesuchtes Orche-\nster ist, das ohne Probe schon in hundert anderen Con-\ncerten abgelagerte Sachen auf gutes Glück herunterspielt,\nhatte ich ein aus den besten Künstlern Londons zusam-\nmengesetztes Orchester von 20 Geigen, 6 Violoncellen, 3\nContrabässen u. s. w. Was dieses gekostet, werden Sie\nungefähr berechnen können, wenn ich Ihnen sage, dass ich\nsie mit Ausnahme von wenigen alle bezahlt habe, und dass\ndie besseren sich für Probe und Vorstellung 4 5 Guineen\nbezahlen lassen. So habe ich auch einer der Sängerinnen\nfür eine einzige Arie 15 Guineen bezahlen müssen. Von\neigenen Compositionen gab ich in diesem Concerte: 1) die\nneue Sinfonie; 2) die Sonate für Harfe und Violine, die\nwir in Frankfurt gespielt haben (der zweite Satz abgekürzt\nund abgeändert); 3) neue Violin-Variationen über irländi-\nsche National-Melodieen; 4) mein Nonetto; 5) das Rondo\nvom siebenten Concerte und 6) die Ouvertüre aus Alruna."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "94", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600317-01.1.6", "texte": "Ausserdem wurde vier Mal gesungen, und Ries spielte ein\nSextett von seiner Composition (sehr vorzüglich). Den lau-\ntesten Beifall erhielten die Sonate und die neuen Variatio-\nnen. Morgen werde ich das letzte der philharmonischen\nConcerte dirigiren. Man hat mich gebeten, das Nonett zu\nwiederholen; ausserdem wird meine gestochene Sinfonie\nGemacht werden. Seit ich Ihnen schrieb, haben wir man-\no\nches Interessante in und um London gesehen, in musicali-\nscher Hinsicht aber wenig gehört. Es ist hier in allen Con-\ncerten eine ungeheure Monotonie, immer dieselben Sinfo-\nnieen, dieselben faden oder veralteten Arien, dasselbe lang-\nweilige Clavier-Getrommel; am Ende der Saison ist man\nso abgespannt, dass man gern Geld zugäbe, um nur kein\nConcert besuchen zu müssen. Dasselbe fürchterliche Einer-\nlei herrscht auch in der Lebensweise der Engländer; in je-\ndem Hause dieselben Möbel, bei jedem Mittagessen diesel-\nben Schüsseln; in jeder Gesellschaft dieselben langweiligen,\nnichtssagenden Gesichter, die man schon hundert Mal ge-\nsehen zu haben glaubt, wenn man ihnen auch zum ersten\nMale begegnet. Die vornehmen Engländer sind wie die\nChinesen Maschinen, die nur durch die Etiquette in Be-\nwegung gesetzt werden. Ich kann mir jetzt recht gut die\nEntstehung des Spleens erklären, daran sind weder die Ne-\nbel noch das schwere Bier schuld: die Langeweile ist's,\nwelche die Menschen zum Selbstmorde bringt.\nNächsten Donnerstag reisen wir ab. Wir gehen über\nBrüssel, Aachen, Köln und Paderborn nach Gandersheim.\nFinden wir's in Aachen brillant, so geben wir im Fluge\ndort noch ein Concert. In Gandersheim hoffe ich bei unse-\nrer Ankunft einen Brief von Ihnen vorzufinden.\nMit ganzer Seele der Ihrige,\n\nLouis Spohr.\n\nAus Frankfurt am Main.\n\nNoch hat uns der exemplarische Leichtsinn in den\nOhren geklungen, den Herr Alexander Malibran fast\nauf jeder Seite seiner biographischen Schrift über Spohr\naufzutischen beliebt, als uns derselbe Mann schon Gelegen-\nheit gab, seine anderweitigen Kunst-Talente kennen zu ler-\nnen. Am 8. d. Mts. hat Herr A. Malibran im Saale der Loge\nSokrates ein „grosses Vocal- und Instrumental-Concerf\nveranstaltet und sich mit der Gesangscene von Spohr als\nViolinspieler, mit einer Messe aber von seiner Composition\n(sit venia verbo)als Componist producirt. Fern sei es von\nuns, eine Kritik über das Gehörte hier auszusprechen, denn\ndas hiesse diese Blätter verunehren; wir wollen uns nur\nmit einer kurzen Andeutung begnügen und sagen: Ist ein\netwa 15 bis 16 Lebensjahre zählender Schüler einer Mu-\nsikschule in seinen Fortschritten nicht weiter, als jener\nMann von ungefähr 36 bis 37 Jahren sich in dem Spohr'-\nschen Werke erwiesen, so wird er zu einer öffentlichen\nPrüfung nicht zugelassen. Die eigene Composition des sonst\nsehr rigorosen französischen Kritikers anlangend, so könnte\neinem ehrlichen deutschen Musiker der Verstand ausgehen,\nO 7\nsollte er es versuchen wollen, selbe vom kritischen Stand-\npunkte zu beurtheilen. Herr Malibran betitelt sein Opus:\n„Messe militaire de la Legion d'honneur*. Warum? wess-\nhalb? Das ist nirgends angegeben. Vielleicht steckt die Be-\ngründung dieses die einfältigen Leser des Programms stutzig\nmachenden Titels lediglich in der Begleitung von sämmt-\nlichen Blas-Instrumenten der Militärmusik, wobei auch der\nTamtam nicht vergessen ist. Von dieser compositorischen\nNiaiserie lässt sich wieder nur dann ein Begriff geben,\nwenn man sie unter die zu liefernden Pensa eines 15- bis 16-\njährigen Lehrlings reiht, der nur Accorde neben einander\nstellt und vom kunstmässigen Gebrauche eines Instrumentes\nkeine Idee hat. Alltäglich oder allwöchentlich ein Pensum,\n—so kommen nachgerade ein Introitus, ein Kyrie eleison,\nW KJ\nein Gloria in excelsis(scandirt: excelsis), ein San-\nw\nctus (scandirt: Sanctus), ein 0 saluiaris (mit obligater\nw\nliiappen-Trompete) und ein Agnus Dei (scandirt: Agnus\nV_V KJ\nDei)aufs Papier. Und dieses elende Schülermachwerk\nwagt der Franzose einem deutschen Publicum vorzufüh-\nren! Er hat die Dreistigkeit, einen deutschen Gesang-\nVerein zur Ausführung desselben einzuladen!! Dennoch\nwird Beides noch von der Verwegenheit überboten, diese\nDemarchen unter der Aegide Spohr's unternommen sehen\nzu müssen; denn auf dem Programm führt sich Herr Ma-\nlibran als „Schüler von Spohr\" auf.\nWie verhält es sich wohl mit dieser gerühmten Schü-\nlerschaft? Es ist wahrlich an der Zeit, dass irgend ein Kun-\ndiger in Kassel darüber genaue Auskunft ertheilt, bevor\nHerr Malibran andere deutsche Städte beglückt und seine\nMystificationen fortsetzt. Denn es droht in diesem Manne\nein zweiter „Flöten-Ritter\" aufzuerstehen, der bekanntlich\nüber vierzig Jahre hindurch mit einem Zeugnisse seiner\nFähigkeit von Spohr in der Hand ganz Europa in die Kreuz\nund Quer durchzogen und dem berühmten Namen des Aus-\nstellers nirgends Ehre gemacht hat. War Herr Malibran\nwirklich von 1845 bis in das Jahr 1848 bei Spohr in\nKassel, und stand er wirklich mit dem grossen Meister in\nder Intimität, von der er in seiner Broschüre wiederholt\nspricht, dann erscheint nicht Weniges darin räthselhaft,\nam meisten aber der Standpunkt der Künstlerschaft des\nHerrn Malibran, wie er uns seit dem 8. d. Mts. bekannt\ngeworden."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600317-01.1.7", "texte": "Soll schliesslich noch gesagt werden, wie sich das zahl-\nreich versammelte Publicum bei solcher Mystifikation ver-\nhalten? Es verliess stillschweigend denSaal, und Jeder\nmochte sich gedacht haben: „Mich kriegst du nicht wie-\nder!44 Wie werden sich aber nun die Redactionen verhal-\nten, die in ihrer beklagenswerfhen Unwissenheit in musi-\ncalischen Dingen Herrn Malibran zur Erreichung seines\nZweckes so förderlich gewesen? Es ist keine Schande, sich\ngetäuscht sehen zu müssen, Schande wäre es jedoch in\neinem solchen Falle, zu schweigen.\n\nS.\n\nAus Aachen.\nN.\nDie Reihe unserer Abonnements-Concerte hat ein Abend beschlos-\nsen, der durch sein Programm und durch die Ausführung desselben\nzu den genussreichsten gehörte, deren wir uns erinnern können. Aus-\nser einer sehr interessanten Concert-Ouverture in D-rnoil von F.\nHiller,-der hinreissenden Euryanthe-Oüvertiire von Weber , der\nKrone der Sinfonieen: Beethoven1 s Nr. V. in C-molf, Lessen uns\ndie Herren Wü 11 ne r, Fritz und Johann Wenigmann das\nTrio-Concert für Pianoforte, Violine und Violoncell von Beethoven\nhören, ein wahres Meisterstück von Feinheit und Anmuth, worin\njedes der drei Solo-Instrumente den anderen den Vorrang einräumt\nund doch keines davon einen entschiedenen Gebrauch macht. Den\ntrefflichen Ausführungen der Instrumentalsachen schloss sich der\nVortrag einer Scene aus Händel's Saul an, welche Mad. Wul****\nmit classischer Ruhe und vollkommen richtiger Auffassung sang.\nAm 2. März hatte unsere Liedertafel die.zahlreichen Mitglie-\nder ihres Vereins nach dem Saale des Curhauses zu-einer von jenen\nAbend-Gesellschaften eingeladen, in denen immer, verschönert durch\nden bunten, blühenden Kreis der Damen, die Freude an der Kunst\nund an der heiteren Geselligkeit herrscht. Was soll ich Ihnen von\nder neuen Eroberung sagen, die wir auf Kosten Kölns gemacht ha-\nben, von der Blüthe der Sängerinnen, die an diesem Abende einen\nwirklichen Triumph gefeiert hat? Das Publicum konnte sich nicht\nsatt hören an den schönen Tönen der Frau Catharine N., gebor-\nnen Deutz, welche den enthusiastischen Huldigungen unseres sonst\ndamit so kargen Publicums mit so liebenswürdiger Freundlichkeit\nnachgab, dass sie uns nach und nach durch den seelenvollen Vor-\ntrag von drei Liedern entzückte, die, obwohl von ganz verschiedenem\nCharakter (von Mendelssohn, Kirchner und Eckert), die gleiche Be-\ngeisterung hervorriefen. Wenn Sie mehrere solche Schülerinnen ha-\nben, so halten Sie das doch ja geheim; der Geschmack an dem\nSchönen macht hier bei uns so grosse Fortschritte, dass ich Ihnen\nkeine Bürgschaft gegen einen neuen Kunstraub geben kann.\nAn demselben Abende liess sich ein recht talentvoller Violinist,\nHerr Maximilian Wolf, hören mit zwei Phantasieen von Leo-\nnard, Bach's Chaconne und— dem Carneval von Venedig! Einige\nTage später hörten wir ihn im Instrumental -Verein das Con-\ncert von Mendelssohn und den ersten Satz des Militär-Concertes\nvon Lipinski spielen. Was an dem jungen Künstler vorzüglich zu\nloben ist, das ist der gesunde, reine und volle Ton, den er dem In-\nstrumente entlockt, und in Verbindung damit der breite, schöne und\nausdrucksvolle Vortrag der Cantilene, zu welchem ihm leider in den\ngenannten Musikstücken nur das Andante des Mendelssohn'schen\nConcertes Gelegenheit gab. Wir möchten ihm rathen, auf diese\nEigenschaften seine Erfolge hauptsächlich zu basiren, sie würden\ndann noch bedeutender sein. Damit wollen wir keineswegs sagen,\ndass es Herrn Wolf an technischer Fertigkeit fehlt; aber wenn die\nBravour angenehm und anregend auf das Publicum wirken soll so\nM }\nmüssen auch die grössten Schwierigkelten mit derjenigen Leichtig-\nkeit und Sicherheit überwunden werden, die Herr Wolf gewiss durch\ndie eifrigen Studien gewinnen wird, denen er sich widmet, wovon\nauch sein Auswendigspielen sämmtlicher Stücke ein glänzendes Zeug-\nniss ablegte.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nJHLSIaa. In der letzten* Matinee bei Herrn Capellmeister Hil-\nler hörten wir eine junge Pianistin, Fräul. Emma Suppus aas\nFrankfurt a. M., welche in dem Vortrage einer Phantasie von Men-\ndelssohn und (leider sehr trivialer) Variationen auf ein böhmi-\nsches Lied von Schulhof sieh als recht talentvoll und technisch\nbereits vorzüglich ausgebildet bewährte. Julius Stock hausen\nentzückte die Gesellschaft durch den seelenvollen Vortrag einiger\nitaliänischen Gesänge und den unnachahmlich schönen Ausdruck\nund die geschmackvollen, technisch im höchsten Grade vollendeten\nVerzierungen, womit er eine reizende Arie Boieldieu's aus dem Cha-\nperun rouge sang*\nBerlin« Unser mit Recht beliebt gewordener Gast, der Flöten-\nVirtuose Herr Durnon aus Brüssel, gab in der Sing-Akademie eine\ninteressante Sonntags-Matinee, in der er sich von Neuem als eine\nausgezeichnete Kunstgrösse bewährte. Seine Technik in Passagen,\ndie geschickte Handhabung der Schleifklappe zu Decimen- u s. w!\nSprüngen, seine Kunst der Abstufungsfähigkeit der Stärkegrade grän-\nzen nahezu an das Unglaubliche. Die Kroll'sche Capelle, geführt\nvon ihrem vortrefflichen Dirigenten, Herrn Musik-Director Engel,\nunterstützte den Concertgeber accompagnirend nicht bloss auf das\nvorzüglichste, sondern auch mit uneigennützigster Gefälligkeit.\nBei dem vom General-Musik-Direetor Meyer beer beim Prinz-\nRegenten \\ti anfetaltcten Ilofconcerte ist dem berühmten Gomponisten\neine besondeie Auszeichnung zu Theil geworden. Auf seinem Pulte\nlag ein kostbar durch Gold und Edelsteine verzierter Taetirstock\nund neben demselben ein reizendes Blumenboucjuet, von einem Papier\numgeben, auf dem die eigenhändige Widmung der. Prinzessin von\nPreussen zu lesen war. Der Maestro war aufs äusserste überrascht\nund geschmeichelt durch die ihm öffentlich dargebrachte Ehrenbe-\nzeigung* Kaum aboi dass die Blumen an seinem Rocke festgenestelt\nwaren, trat der Prinz-Regent mit seiner erhabenen Gemahlin am Arm\nauf Herrn Meyerbeer zu und bewillkommte ihn in den schmeichel-\nhaftesten Ausdiücken. Es ist der 09. Taetirstock, den Meyerbeer\nzum Geschenk erhalten.\n9 Februar. In Anerkennung ihrer ausgezeichneten\nLeistungen sind von Sr. Königlichen Hoheit dem Grossherzoge der\nConcertmeister Herr Zahn zum HofConcertmeister und der erste\nVioloncellist Herr Suhr zum Kammermusicus ernannt worden.\n4. März, Herr Hof-Capellmeister Bott aus Meiningen\nhat vor einigen Tagen in unserem Hoftheater das Publicum wahr-\nhaft entzückt und zu allgemeiner Bewunderung hingerissen. Se.\nHoheit der Herzog von Coburg-Gotha hat diese ausgezeichnete Lei-\nstung mit einem sehr schmeichelhaften Cabinetsschreiben und mit\neinem Ringe beehrt, der den Namen und die Krone des fürstlichen\nGebers in Brillanten trägt. Das Spiel dieses merkwürdigen und be-\ndeutungsvollen jungen Künstlers zeichnet sich eben so durch Kraft.\nEntschlossenheit und Energie, als durch Zartheit, Innigkeit und\nGrazie aus, und wenn auch da und dort die immense Virtuosität\nderen Schoosskind ein gewisses Tremuliren ist mit der reinen,\nkeuschen Kunst sich noch streiten mag, so trägt bei ihm die letztere\ndoch allemal den \"edelsten Sieg davon."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600317-01.1.8", "texte": "Eine neue Oper, „Der Graf von Gleichen\", Text von Knau er,\nMusik von Dörstling aus Gotha, ist mit Beifall gegeben worden.\nNach dem zweiten und dritten Acte wurden der Componist und die\nDarsteller (Fräul. Frassini, Frau Kreyssel-Berndt, die Herren\nReer und Killmer) gerufen.\nlieipzig. In der musicalischen Abend-Unterhaltung des Con-\nservatoriums wurde das erste Violin-Quartett vom Grafen Louis\nStainlein, Op. 10 in G-moll, mit grossem Beifalle gespielt\nDer Violinspieler Jean Becker, der im Gewandhause Beifall\nfand, reis'te von hier nach Kassel, wo er am 19. Februar auftrat;\nvon da geht er nach London und nochmals nach Paris.\nHenry Litolff hat sein Musicalien-Verlagsgeschäft in Braun-\nschweig mit Beginn d. J. an seinen Adoptivsohn Theodor Li-\ntolff käuflich abgetreten, der dasselbe unter der alten Firma un-\nverändert fortführen wird.\nErinnerungen der Schröder-Devrient. In KeiFs „Gar-\ntenlaube\" wird in einigen Wochen der Abdruck der „Erinnerungen\naus dem Leben der Schröder-Devrient\" beginnen, deren Erscheinen\ndie Künstlerin vor ungefähr einem Jahre mit dem Herausgeber des\ngenannten Blattes verabredet hat.\nIm letzten (achten) Privat-Concerte in Bremen wirkten der Cla-\nvierspieler Nacciarone aus Neapel und J. Stockhausen mit.\nErsterer spielte Mendelssohn's D-moll-Concert und eine Phantasie\nüber neapolitanische Volksmelodieen mit einer Tarentelle. Stockhau-\nsen sang eine Arie aus Händel's „Eziou, die Cavatine aus Boieldieu's\nvFete du villageu und Lieder von Schubert und Schumann, von de-\nnen er des Letzteren „Frühlingsnacht*i wiederholen musste. Unter\nden Orchesterstüeken war auch Vierling's Ouvertüre zur „Maria\nStuart\" als Novität.\nWiei§. Am 26. Februar starb die Witwe des k. k. Hof-Capell-\nmeisters J. Weigl, Frau Elisabeth Weigl, im 85. Lebensjahre.\nAm 1. März fand im Musikvereins-Saale um halb 8 Uhr Abends\ndas erste Abonnements-Concert der Frau Clara Schumann Statt.\nDer Bau des neuen Hof Opernhauses wird nun nicht lange mehr\nauf sich warten lassen, da, wie uns aus verlässlicher Quelle mitge-\ntheilt wird, derselbe nach kürzlich erfolgter Allerhöchster EntSchlies-\nsung mit aller Beschleunigung in Angriff genommen werden soll. Die\ndiesfälligen Verhandlungen zwischen den Hofämtern, den Ministerien\ndes Innern und der Finanzen und dem Stadt-Bauamte haben bereits\nbegonnen. Hiedurch, so wie durch die dieser Tage Statt gefundenen\nAbschlüsse mehrjähriger Contracte mit ersten Mitgliedern dürfte die\nseinerzeit vielfach ventilirte Verpachtungs-Frage im Sinne eines „Ad\nActa\" ihre Erledigung finden.\nSivori ist von seiner Kunstreise durch England,\nwo er im Verein mit Bottesini, Tagliafico, Pteichardt u. s. w. acht-\nundfünfzig Concerte binnen 47 Tagen gegeben hat, auf kurze\nZeit nach laiis zurückgekehrt, wo er am 2. März in dem Concerte\nvon Alfred Ja eil im Saale Herz mitgewirkt. Nachdem Jaell im\nersten Theile das Trio in B-dur von F. Schubert, Op. 99, die köst-\nlichen Variationen von Händel und den Walzer von Chopin gespielt\nhatte, wurde im zweiten Theile die Zukunftsmusik vertreten durch\nLes Preludes, poeme sympkonique d apres Lamartine für zwei Piano-\nforte von Liszt, gespielt von Jaell und H. von Bülow, und\ndurch Jaell's Transscriptionen aus dem Tannhäuser von w'agner.\nDer Saal war überfüllt, der Beifall, namentlich für Jaell und Sivori\n(Tarentelle), ausserordentlich.\nH. von Biilow's viertes und letztes Concert fand im Saale\nPleyel den P.März Statt.\nFrau de la Orange wäre in Brasilien beinahe ertrunken. Das\nBoot, auf dem sie sich mit ihrer Familie zum Dampfboote begeben\nwollte, schlug, von einem Windstosse erfasst, um, und nur einem\nglücklichen Zufalle verdankten die in den Wellen Untergehenden\nihre Rettung."}]}