{"numero_id": "bm-bmtnabi-1860-03-31-01", "volume": "bmtnabi_1860-03-31_01", "ocr_sha256": "218164afaac44350b1fe4b19fea9f3ba895b08a41b3afa5bd028c7d04bd0c590", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1860/03/31_01/bmtnabi_1860-03-31_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600331-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1860-03-31-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-03-31_01#c001", "volume": "bmtnabi_1860-03-31_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "105", "page_fin": "105", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600331-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "105", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600331-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 443, "texte": "Inhalt.\nBerliner Briefe (Die königliche Oper Christine, Oper vom Grafen von Redern Concerte des Dom-Chors Neue\nCompositionen Virtuosen-Concerte Gedächtnissfeier für Frau Schröder-Devrient), Yon G. E. Die Zukunftsmusik (Schluss), Spohr\nund Händel*— Die Concerte zur Einweihung des neuen Concertsaales im Casino zu Elberfeld, Tages- und Un t erh altun gs blatt\n(Iserlohn, Sinfonie-Concert Prag, Meyerbeer's Dinorah Wien, Frau Schumann Warschau)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-03-31-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-03-31_01#c002", "volume": "bmtnabi_1860-03-31_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "105", "page_fin": "108", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600331-01.2.2", "titre_corps": "Berliner Briefe.", "titre_sommaire": "Berliner Briefe.", "signature_source": "G. 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März 1860.\nDie königliche Oper hat unter den glänzenden Erfol-\ngen der Italiäner sehr gelitten. Wenn auch einzelne der\njüngeren Kräfte, so namentlich Fräul. de Ah na, eine Schü-\nlerin unseres Mantius, die in den letzten Monaten vielfach\nin dem Rollenfache der Jachmann-Wagner beschäftigt\nwurde, recht Erfreuliches leisten, so fehlt es ihnen doch\nan innerer Begabung und technischem Geschick, um uns\nganz zu befriedigen; und von einer Concurrenz mit den\nItaliänern würde gar nicht die Rede sein können, wenn\nwir—da Frau Jachmann beurlaubt ist—nicht die Köster,\nFormes und Krause hätten. Frau Köster besitzt indess eine\nMeisterschaft in der Verwendung ihrer Mittel, von der auch\ndie Artot noch viel lernen kann; Formes, obschon oft hei-\nser, erfreut doch jedesmal, wenn er sich so disponirt fühlt,\num aufzutreten, durch die Frische seiner Stimme und die\nvom Standpunkte des dramatischen Gesanges aus oft recht\ngeschickte Behandlung derselben; und Krause gehört zu\nden wenigen Sängern, die noch die Tradition des edlen\nStils haben. Neu war an der Oper nur die Christine\nvom Grafen von Redern ein Werk, das mehr von\neinem guten Streben, als von produetivem musicalischem\nTalente Zeugniss ablegt. Die Tüchtigkeit des Strebens ver-\nräth sich namentlich in dem Vermeiden jeglichen grellen\nEffectes, und schon darum verdiente die Oper nicht die\nscharfen Angriffe, die sie theilweise erfahren hat; anderer-\nseits aber hat der Componist doch die maasshaltende Vor-\nsicht zu weit getrieben, und der Musik fehlt daher die\neigentlich anregende Kraft. Wir haben indess noch jüngst\nWerke von Musikern gehört, die in Bezug auf melodische\nErfindung und musicalische Gestaltungskraft noch lange\nnicht mit der Oper des Grafen von Redern zu vergleichen\nsind; auch unter den Musikern gibt es heute nicht viele,\ndie im Gebiete der Gesangmusik etwas Hervortretendes\nleisten. Den Höhepunkt der Oper bildet eine Arie Chri-\nstinens, der ein gefühlvolles und eigenthümliches schwedi-\nsches Volkslied zu Grunde liegt. In den Ensembles verräth\nsich ein gewisses musicalisches Geschick, doch sind sie\nmeist nicht breit genug ausgeführt, um recht wirkungs-\nvoll zu sein. Melodischer Sinn ist dem Componisten durch-\naus nicht abzusprechen, nur fehlt seinen Melodieen die\nrechte Steigerung und der Reiz einer eigenthümlichen Har-\nmonie; er hat mehr nach Klarheit und Einfachheit, als\nnach Fülle und energischem Ausdruck gestrebt. In Kir-\nchen-Compositionen hat sich der Graf von Redern bereits\nfrüher eine gewisse Sicherheit in der musicalischen Technik\nangeeignet, hin und wieder, z. B. in einem\nauch höhere Wirkungen erreicht; ob er in der weltlichen\nMusik mit derZeit von den Einflüssen einer strengen Schule\nfreier werden wird, wird die Zukunft lehren,\nDie Concerte der königlichen Capelle und des\nDom-Chors sind für diesen Winter beendigt. In den\nersteren gelangte diesmal kein neueres Werk zur Auffüh-\nrung, während die Direction der letzteren unablässig be-\nmüht ist, aus dem reichen Schatze alter Kirchenmusik Un-\nbekanntes zu Tage zu fördern. Manches Werk gelangt\ndabei freilich zur Aufführung, das die Mühe nicht belohnt;\nim Ganzen aber kommt doch Jahr für Jahr etwas Werth-\nvolles hinzu. Die Concerte des Dom-Chors wurden in die-\nsem Winter von Musik-Director v. Herzberg geleitet, da\nder Musik-DirectorNeithardt an einer lebensgefährlichen,\njetzt glücklich überwundenen Krankheit darniederlag. Zur"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600331-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5474, "texte": "Aufführung kamen in den drei letzten Concerten, über die\nich noch nicht berichtet habe, von Palestrina das Tu es\nPetrus,ein Theil der Lamentationen\ndissipare murum),ein Gloria und ein von Fe-\niice Anerio ein Christus factus von Caldara das sechs-\nzehnstimmige Crueifixus (in der achtstimmigen Teschner'-\n\"schen Bearbeitung) und ein von Jomelli ein\nRequiem, von Seb. Bach drei Motetten: „Jauchzet dem\nHerrn\", „Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf\" und\n„Lob, Ehre, Weisheit und Dank\", von Eccard die Cho-\nräle: „Aus tiefer Noth schrei' ich zu Dir\" und „Ich lag\nin tiefer Todesnoth\", von Melchior Franck die Lamenta-\ntionen und der Choral „Wenn ich in Todesnöthen bin\",\nvon Schicht eine Motette: „Die in Thränen säen\", von Mo-\nzart das Ave verum, von Hammerschmidt eine Motette:\n„Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz\"., von Schütz eine\nMotette: „Ehre sei Dir, Christe\", ein Händel'sches Lied:\n„Wenn Christus, der Herr, zum Menschen sich neigt\", und\nMendelssohn's „Es ist bestimmt\". lch knüpfe an diese\nStücke einige Bemerkungen. Ob der Theil der Palestrina'-\nschen Lamentationen „Cogitavit Dom durchweg echt\nist, kann bezweifelt werden, da harmonische Wendungen\ndarin vorkommen, die Palestrina sonst streng vermeidet;\nes ist aber, abgesehen davon, dieses Musikstück durch den\ntiefen und dabei stets würdigen und weihevollen Ausdruck\ndes Schmerzes von höchstem Werthe. Während die Rhyth-\nmen in erhabener Buhe dahinfliessen, verkünden uns die\noft herben Harmonieen, die melodischen Betonungen das\ntiefste Seelenleiden; man hat einen ähnlichen Eindruck,\nwie von Menschen, die ihren Schmerz nur durch den Aus-\ndruck des Gesichtes, vielleicht durch die Bewegungen der\nHände und Arme, verrathen, aber in ungebeugter, ruhiger\nHaltung des Körpers dastehen. Die spätere Zeit hat den\nAusdruck der Leidenschaften viel mehr entfesselt; aber\nauch diese Schöpfungen einer Uebergangs-Periode von dem\nrein object;ven Kirchenstil zu dem subjectiven, charakte-\nristischen haben einen eigentümlichen Beiz. Das sechs-\nzehnstimmige Crueifixus von Caldara ist in seiner ur-\nsprünglichen Gestalt noch nie durch den Dom-Chor zur\nAufführung gebracht worden; aber auch in der sehr ge-\nschickten achtstimmigen Bearbeitung von Teschner (die in\nBezug auf den sinnlichen Wohlklang dem Original vorzu-\nziehen ist) bleibt es eines der werthvollsten Stücke in dem\nRepertoire des Dom-Chors. Desto unbedeutender war da-\ngegen das Agnus Dei von Caldara, namentlich der Fugen-\nsatz desselben, der aller Wärme des Ausdrucks entbehrt\nund nur eine trockene Schulstudie ist. Auch das Requiem\nvon Jomelli (mit der Fuge über die absteigende Tonleiter)\nist von derselben Art, doch ersetzt es wenigstens den Man-\ngel der tieferen Empfindung durch höchsten Wohlklang.\nDas Christus factus est von Anerio ist ein der besten Pe-\nriode der italienischen Kirchenmusik angehöriges, eben so\nausdrucksvolles als den Charakter der Erhabenheit an sich\ntragendes Stück. Von Seb. Bach hätten wir statt der bei-\nden Motetten „Jauchzet dem Herrn\" und „Lob, Ehre,\nWeisheit und Dank\" andere Werke gewünscht, die nicht,\nwie diese, theils durch die Trockenheit, theils durch die\noberflächliche Klarheit des Inhalts Zweifel an ihrer Echt-\nheit erregten; doch ist die erstere von ihnen eine anspre-\nchende und von gesunder Empfindung zeugende Compo-\nsition, die wohl verdient, einmal gehört zu werden. Die\nandere hat einen gelehrteren Anstrich, aber viel weniger\nInnigkeit, und ist vielleicht eine misslungene Nachahmung\nBach's. Die Motette „Der Geist hilft unsrer Schwachheit\nauf\" zeigt dagegen die ganze Kühnheit und Gewalt des\ngrossen protestantischen Meisters, der die Kirchenmusik\nzwar am weitesten ab von der einfachen Ruhe Palestrina's\nfühlte, aber eben darum als der eigentliche höchste Gipfel\nin der ganzen Entwicklung der kirchlichen Tonkunst zu\nbetrachten ist. Zu den schönsten (und zugleich für das Pu-\nblicum vorzugsweise verständlichen) Stücken in den Con-\ncerten des Dom-Chors gehören die Choral-Bearbeitungen\nälterer deutscher Meister: wir hörten diesmal mehrere von\nEccard und Melchior Franck, die eben so durch die Schön-\nheit der Melodie, als durch die kunstvolle und doch nie\nschwülstige Polyphonie und die kühne und ausdrucksvolle\nHarmonisirung den tiefsten Eindruck machten. Als eines\nder interessantesten Werke älterer deutscher Kirchenmusik\nkönnen wir ferner die Lamentationen von Melchior Franck\n(für Männerstimmen) bezeichnen. Man staunt über die In-\ndividualität des Ausdrucks bei einem Meister, der dem sie-\nbenzehnten Jahrhundert angehörte. Alle Nuancen in der\nFarbenscala des Schmerzes, vom leidenschaftlichsten Auf-\nschrei bis zum dumpfesten Seufzer und fast verstummen-\nden Erbeben werden hier angeschlagen, und trotz der\ngrossen Mannigfaltigkeit im Einzelnen herrscht die vollkom-\nmenste Harmonie des Ganzen. In diesem Stücke ist echter\ndeutscher Geist, der feste, entschiedene Realismus des Nor-\ndens und doch ohne eigentlich verletzende Härten. Bedeu-\ntender als die Hammerschmidt'sche Motette: „Schaffe in\nmir, o Gott, ein reines Herz\", ist die von Schütz: „Ehre\nsei Dir, Christe\" , eine sehr klare und doch nirgends tri-\nviale Composition. Das so genannte Iländel'sche Lied rührt,\nwenn überhaupt, so doch höchstens in der Melodie von\nHändel her; die äusserst wässerige Harmonisirung ist ganz\nmodern.\nDie Sing-Akademie brachte ein neues Oratorium:\nAbraham, von ihrem zweiten Dirigenten Martin Blum-\nner zur Aufführung. Durchaus rühmenswerth sind die\nChöre, die, wenn auch in den Gedanken und der Art der"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600331-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5520, "texte": "Durchführung theils an Händel, theils an Mendelssohn er-\ninnernd, doch von einem sehr sicheren Gefühle für das\nChormässige Zeugniss ablegen und eben darum einen er-\nfrischenden Eindruck machen. An einzelnen Stellen, z. B.\nin dem die Zerstörung Sodom's schildernden Chor, ist es\ndem Componisten gelungen, sich der strengen Formen (hier\nder Form der Doppelfuge) so zu bedienen, dass die Stim-\nmung und die Situation in ihnen einen energischen Aus-\ndruck findet; nur warnen wir ihn vor einer allzu häufigen\nAnwendung der Fugenform und vor allzu grosser Breite\nder Entwicklung. Weniger günstig können wir über die\nSolo-Nummern berichten, denen es meist an wahrer Ge-\nsangs-Melodie fehlt. Das Ganze konnte demgemäss nicht\nbefriedigen; doch zeigt sich ein grosser Fortschritt gegen\nein früheres Oratorium desselben Componisten, den Co-\nlumbus. Andere neue Compositionen hörten wir von\nWohlers, die sich durch eine geschickte Instrumentation,\ntheilweise auch durch natürliche thematische Entwicklung\nempfehlen; von Kiel eine geistvolle, hin und wieder etwas\nzu grübelnd gehaltene Sonate für Ciavier und Violine; von\nSiering (in Dresden) ein Irio für Ciavier, Violine und\nCello und eine Serenade, welche beide Stücke von dem\nlalente, leicht und fliessend zu schreiben, Zeugniss gaben,\naber des tieleren Inhaltes entbehrten; von Taubert ein\ngeschmackvolles Trio für Ciavier, Violine und Cello; von\neinem jungen Componisten Mohr eine Cantate: Loreley,\ndie in vielen Beziehungen sehr deutliche Spuren der An-\nfängerschaft an sich trug. Ein anderer junger Componist,\nHerr Isaac, veranstaltete eine Aufführung eigener Com-\npositionen, der wir beizuwohnen verhindert waren. Das\nmusicalische lalent des jungen Mannes wird uns gerühmt.\nUm so mehr ist zu bedauern, dass er sich in der Wahl des\nGedichtes so vergriffen hat. Es ist eine Cantate: „Spring'\nauf\", die ihrem Dichter (Herrn Golcher), so wie dem\nMusiker, der naiv genug war, sie zu componiren, gewisser\nMaassen ein Anrecht auf die Unsterblichkeit gibt. Die er-\nsten Chöre und Soli feiern den erwachenden Frühling.\nAuch das Blümchen „Spring' auf\" entspringt dem Erden-\nschoosse: „Spring' auf, heiss' ich, Herzen weiss ich zu er-\nschliessen, dass der Uiebe Frühlingstriebe munter darin\nspriessen.\" Nun wird beschrieben, wie Blumen und Vöglein\nsich begatten, wie auch in den Herzen der Menschen die\nUiebe sich regt: „Und dort in der Uaube beschirmendem\nGrün, sie sitzet vertraulich auf seinen Knie'n, sie hatte den\nBusen verschlossen bewahrt, heut' reicht er ihr Spring' auf\nzum Strausse gepaart und schaut sie herzinnig und fragend\nan; da springt ihr das Herz in unsäglicher Uust, sie sinkt\nüberwunden an seine Brust; der Spring' auf hat es ihr an-\ngethan !\" Endlich kommt der Spring' auf auch zu den Wol-\nken. „Sie sausen, sie brausen in Uiebesweh'n. Hei, wie sie\nda rasen in toller Jagd, bei jedem Umarmen es blitzet und\nkracht! Sie wettern, sie schmettern unbändig sich an.\" Und\ndiese Poesie muthete man einer Anzahl junger Mädchen\nzu, zu singen!\nDie Zahl der Virtuosen, die, seitdem ich Ihnen nicht\ngeschrieben, liier aufgetreten sind, ist sehr gross. Zuerst\nnenne ich Vieuxtemps, den wir ganz als den Alten wie-\nderfanden: bewundernswürdig in Ton und Technik, von\nhohem Ade! in der Auffassung, aber etwas zu kalt und\nvornehm. Auch Clara Schumann gab ein Concert, in\ndem sie, fast zu bescheiden, nur kleinere Stücke spielte,\ndurch den Vortrag derselben uns aber einen grossen Ge-\nnuas gewährte. Einen ausserordentlichen Erfolg hatte\nAlexander Drey schock. Ueber seine Fingerkraft und\nFertigkeit, kurz, über seine Technik waren alle Parteien\neinig, dass sie ganz eminent und gegenwärtig wohl uner-\nreicht sei. Ueber seinen Vortrag machten sich indess ver-\nschiedene Ansichten geltend ; und während die Einen den-\nselben im Vergleich mit den Spielern der Uiszt'schen Schule\nunbedeutend und oberflächlich fanden, fühlten sich die An-\nderen durch die maass- und geschmackvolle Art der Nu-\nancirung, durch das stete Vermeiden alles Gewaltsamen\nund Unschönen wohlthuend berührt. Ich gestehe, dass ich\nmich mehr den Uetzteren anschliesse. Denn wenn auch in\nmanchen Stücken, z. B. in dem letzten Satze der\nSonate, Dreyschock's Auffassung ungenügend war, so\nwürde man doch sehr ungerecht sein, wollte man ihn in\ndie Kategorie der blossen Salonspieler stellen. Dass er zu\nihnen nicht gehört, hat er durch den Vortrag des Beetho-\nven'schen Es-dur-und C-mo?/-Concertes, des rio's\nund des Mendelssohn'schen G-moll-Concerles hinreichend\nbewiesen. Er erreicht nicht immer die äussersten Gipfel,\naber ersetzt das, was hier und dort fehlt, dadurch, dass\ner immer schön bleibt und dass nichts unvermittelt auftritt.\nSein Crescendo und Decrescendo ist wahrhaft bewunderirs-\nwerth ; sein Forte,obschon gewaltiger, als wir es je gehört,\nhat nie etwas Verletzendes; sein ist von bezaubern-\ndem Wohllaut. Er gehört zu den jetzt recht selten wer-\ndenden Musikern, die sich den natürlichen Musiksinn\nnoch nicht durch alle möglichen transcendenten Ideen ver-\ndorben haben. Er will, dass die Musik Musik sei und nicht\nPhilosophie. Ein neapolitanischer Pianist, Giuglielmo\nNacciarone, erfreute in dem Vortrage mehrerer Com-\npositionen von Mendelssohn, Händel, Chopin durch grossen\nWohllaut im Tone, präciseste Ausführung der Passagen\nund einen geschmackvollen, runden Vortrag. Für Beetho-\nven's reichte indess sein Auffassungs-Ver-\nmögen nicht aus. Ein anderer Pianist, Herr Hasert (aus\nHannover), bewies in mehreren Concerten, dass er emi-\nnente Kraft und Fertigkeit besitzt; seine Auffassung clas-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600331-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2734, "texte": "sischer Werke befriedigte nur theilweise; als Componist\nwir hörten eine Sonate von ihm, in der er sich ver-\nwandte Werke Liszt's zum Muster genommen zu haben\nschien—machte er kein Glück. Der Violinist Rappoldi\naus Wien fand der Solidität seines Spiels wegen gerechte\nAnerkennung; doch hat er weder in Bezug aufEigenthüm-\nlichkeit der Auffassung, noch in der eigentlichen Feinheit\nder Technik eine Stufe ersten Ranges bis jetzt erreicht.\nUngeteilten Beifall wegen der Schönheit seines Tones und\nder vortrefflichen Technik erwarb sich der Violoncellist\nDavidoff aus Moskau. Unsere Virtuosen-Schau ist damit\nnoch nicht aus; auch die weniger dankbaren Instrumente,\nFlöte, Harfe und selbst Guitarre, waren in dieser Saison\nvertreten. Die Flöte durch Herrn Dümon aus Brüssel,\nder in Bezug auf Ton, Reinheit der Intonation, Athemkraft\nund geschmackvollen Vortrag einer der ersten Künstler auf\nseinem Instrumente ist; die Harfe durch Fräul. Mösner,\nder man nicht nur eine fast alles bis jetzt Gehörte über-\nsteigende Kraft und Fertigkeit, sondern fast eine Art Ge-\nnialität zugestehen kann, indem sie der Harfe (in einer\nDon-Juan-Phantasie z. B.) Wirkungen abgewinnt, die wir\nbis jetzt kaum für möglich gehalten hätten; die Guitarre\ndurch den Spanier Ciebra, der durch die Redlichkeit,\nmit der er sich bemüht hat, auf dem ungünstigsten Instru-\nmente ein grosser Virtuose zu werden, fast einen rühren-\nden Eindruck macht. Endlich nenne ich noch die Sängerin\nFrau Sämann di Pany, die viel Fertigkeit und einen\ngewissen italiänischen Schwung des Vortrags, aber eine\netwas forcirte, harte, in der Intonation nicht ganz sichere\nStimme und wenig Innigkeit des Gefühls besitzt.\nVon grösseren Aufführungen sind noch die Wieder-\nholung der Schumann'schen Musik zum zweiten Theile\ndes Faust durch Herrn Radecke, die sehr gelungen aus-\nfiel und dem Werke neue Freunde verschaffte, eine von\nDilettanten veranstaltete, höchst mangelhafte Ausführung\ndes Spohr'sehen Faust und die Gedächtnissfeier für Wil-\nhelmine Schröder-Devrient, deren Haupt-Bestand-\ntheil Mozart's Requiem bildete, zu erwähnen. Die Soli wa-\nren durch die Damen Wippern, de Alma und Jenny\nMeyer und durch die Herren Mantius, Formes, Wo-\nworsky, Zschiesche, Krause und Fricke besetzt.\nDie Stimmen der jüngeren Sänger und Sängerinnen klan-\ngen fast durchweg vorzüglich; nur wurde mitunter die\ntechnische Sicherheit und die Poesie der Auffassung ver-\nmisst. Ein von Hans Köster gedichteter Prolog, in dem die\nBedeutung der Feier in sinniger Weise ausgesprochen war,\nwurde durch Frau Hoppe vorgetragen. Möge die grosse\nKünstlerin, die in einer selten erreichten Weise den edeln\nmit dem dramatischen Stil zu verbinden wusste, allen ihren\nKunstgenossen ein leuchtendes Vorbild bleiben!\n\nG. E."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-03-31-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-03-31_01#c003", "volume": "bmtnabi_1860-03-31_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "108", "page_fin": "110", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600331-01.2.3", "titre_corps": "Die Zukunftsmusik.", "titre_sommaire": "Die Zukunftsmusik.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600331-01.1.4", "debut_caractere": 2736, "fin_caractere_exclue": 5273, "texte": "Die Zukunftsmusik.\n(Schluss. S. Nr. 13.)\nNach dieser Einleitung enthält der Aufsatz in der Zeit-\nschrift „Unsere Tage\" eingehende Betrachtungen über\ni\nRichard Wagner, Hector Berlioz und Franz Liszt. Die\nausführlichste ist R. Wagner, als „der bedeutendsten Er-\nscheinung auf dem Gebiete der in Rede stehenden Kunst-\nrichtung\", gewidmet. Sie gibt die Hauptpunkte aus seinem\näusseren Leben nach seiner eigener Angabe im Vorworte\nzu den drei Operndichlungen an und verschafft denjenigen\nLesern, die mit Wagner's Ideen über das Kunstwerk der\nZukunft u. s. w. noch nicht bekannt sind, in einer gedräng-\nten, aber klaren Darstellung eine hinreichende Einsicht in\ndas so genannte System desselben. Die eingestreuten Be-\nmerkungen gegen dessen Haltbarkeit und Ausführung sind\nzwar nicht neu, aber populär und einleuchtend vorgetra-\ngen. „Auch ganz abgesehen\" heisst es unter Anderem\n„von der Möglichkeit der Ausführung, bleibt der Idee\nnichts wie der schöne Schein.\nkunft finden wir nur eine halbwahre Erscheinung der\nKunst, wir sehen so zu sagen nur ihre Larve und Vorder-\nseite, und der eigentliche Kern ist hohl.—In ihrer höchsten\nErfüllung schliessen sich die Künste sogar aus, dulden kein\nNebeneinander von gleicher Vollkommenheit\" u. s. w.\nAuch die einzelnen Werke Wagner's, namentlich Lo-\nhengrin und die Dichtungen von den Nibelungen und Tri-\nstan und Isolde, werden von unparteiischem Standpunkte\naus gewürdigt. Das Resultat wird in folgende Worte zu-\nsammengefasst:\n„Wagner's rein musicalische Begabung ist ohne Zwei-\nfel bedeutend; im Fliegenden Holländer und im Tannhäu-\nser sind Stücke enthalten, die den schlagendsten Beweis\ndafür geben. Aber bei der zweifelhaften Stellung, welche\ner, wie jeder Einzelkunst, so auch der Musik anweis't,\nkonnte es kaum ausbleiben, dass seine eigene Musik rein\nals Kunst keine besonders hohe Stellung erreichen konnte.\nBesonders enge ist seine Beziehung zur Romantik, wie in\nder Dichtung, so auch in der Musik. Weber, Spohr,\nMarschner, dessgleichen auch Meyerbeer, sind hier seine,\nwenn auch nicht mit Absicht gewählten, so doch unwill-\nkürlich angeeigneten Vorbilder. Als ihm selbst eigenthüm-\nlich, kommt eine ungemeine Gluth sinnlicher Leidenschaft\nhinzu, die oft bis zu materieller Unschönheit sich steigert.\nSeine Instrumentation stimmt damit überein; glänzend,\nprächtig und oft sehr charaktervoll und reich an schönen\nZügen, ist sie keineswegs frei von Ueberladung und un-\nedel n Tonbildern.\n„Versuchen wir, Wagner's Eigenschaften und Bestre-\nbungen zusammen zu fassen, so kommen wir zu der An-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600331-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5521, "texte": "sieht, dass Wagner vor allen Dingen derselbe Mangel\ndrückt, wie die ganze heutige Tonkunst; ihm, wie unserer\nganzen Kunst fehlt es an dem nur aus einer festen Rich-\ntung des ganzen Zeitgeistes auf höhere geistige Interessen\nsich herausbildenden Ideale. Sein Mythen-Drama mit Mu-\nsik oder gar sein ganzes Kunstwerk der Zukunft ist nichts\nweniger wie eine Forderung der Zeit, sondern dem Stoffe\nund Inhalte nach vollkommene Abstraction einer im einzel-\nnen Künstler entsprungenen Kunst-Theorie. Unser Volk\nbegreift die Sage nicht, findet höchstens Wohlgefallen an\nder Neuheit der Sache und am Aeusseren, was Wagner,\ndem es mehr als jedem anderen Künstler heutiger Zeit\num die Vertiefung und Bedeutsamkeit der Kunst zu thun\nist, doch nicht will. Vom strengeren Kunst-Standpunkte aus\nhält dieses Zusammenwerfen der Künste erst recht nicht\nStich, denn es führt zum Dilettantismus in jeder einzelnen,\nund desshalb kann auch aus der Gesammtheit nichts wer-\nden. Ausserdem erfüllt Wagner's Kunst nicht, was seine\nTheorie verspricht; hier verlangt er ganz und mit vollem\nRechte Leben und nur wahres und warmes Lebe«, und in\nseinen Sagengestalten gibt er nur Erscheinungen, in die er\nselbst .und die ihn vertretende Literatur das Lebenf das\nihnen in Wahrheit abgeht, hinein zu dichten versucht.\nWagner verwirft die „ „absolute Musik\"\" eben so wie jede\nandere absolute Kunst, es soll keine reine Instrumental-\nMusik, überhaupt keine Musik mehr geben dürfen, die\nnicht mit Wort und Handlung unmittelbar zusammenhängt,\nund, durch diese bedingt, doch wiederum auch bedingend\nauf sie zurückwirkt. Dadurch wird natürlich jede selbst-\nständige musicalische Form, die Symphonie, die Sonate und\ndergleichen aufgehoben, und eben so die Kunst selbst in\nihrer selbstständigen Geltung.\" v\nHiernach kommt der Verfasser auf die Programm-\nMusik und deren Repräsentanten Berlioz und Liszt. Gegen\ndas Princip jener Musik führt er dieselben Gründe an,\nwelche in diesen Blättern schon häufig geltend gemacht\nworden sind. Wagner's eigenes hartes, aber zutreffendes\nUrtheil über Berlioz (Oper und Drama. Th. I. S. 121) ist\nhier wieder abgedruckt, und werden daran weitere Bemer-\nkungen über die Musik des Letzteren geknüpft, von der\nman wohl sagen könne, dass „der ganze Inhalt derselben\nhauptsächlich in der Darstellung und in der Verwendung\neiner bis dahin unerhörten Orchester-Technik liege—dass\nder ideale Gehalt hinter dem künstlichen Mechanismus der\nOrchestration völlig zurücktrete dass es aber niemals zu\nirgend einem Ganzen komme, und das einzige Gefühl, wel-\nches durch seine Werke erweckt werde, Unbehaglichkeit\nund Unruhe sei\" u. s. w.\nAusführliche Betrachtung widerfährt den „symphoni-\nschen Dichtungen\" von Franz Liszt, den der Verfasser\nin der Composition nur als den Nachfolger von Wagner\nund Berlioz ansehen kann, keineswegs aber als einen Re-\nformator der Kunst, als welchen seine Anhänger ihn uns\naufdrängen wollen. „Den Ideen-Inhalt der Kunst und ihre\nFormen hat er nicht im Geringsten erweitert. Die Form\nseiner „ „symphonischen Dichtungen\"\" ist nichts Neues,\nüberdies auch nicht selbstständig musicalisch (wie Beetho-\nven's Sinfonieen), sondern vom Programm abhängig; also\ngerade wie bei Berlioz, nur dass Liszt nicht so in den Buch-\nstaben hineingeht, dafür aber auch nicht die Plastik der\nBildlichkeit, wie wir sie bei Berlioz finden, erreicht. Die\nZusammenziehung der ganzen Sinfonie in einen Satz ist\ndurchaus kein Fortschritt; ein grosser Gedanke entwickelt\nsich zu voller Breite nicht in diesem einen Satze, sondern\nbedarf grösserer Gruppen und Theilungen, um seine man-\nnigfachen Phasen zur klaren Gefühls-Anschauung zu brin-\ngen. Diese einsätzige Form wird erst recht eigentlicher\nZwang, den die Zukunftsmusiker doch von der Kunst zu\nheben glauben, indem sie die Form verneinen, und führt\nzu den oft schmerzhaft unvermittelt neben einander liegen-\nden Gegensätzen der ungemässigtsten Leidenschaft und einer\neben so sinnlichen Sentimentalität. Andererseits reicht auch\nmitunter der Gedanken-Inhalt nicht hin, um einen Satz, der\ndoch auch seiner Breite nach für etwas gelten soll, auszu-\nfüllen. (So die heroique funebre)Die Sinfonie mag mit\nBeethoven abgeschlossen sein, was ich gern zugeben will,\naber die „ „symphonische Dichtung\"\", weit davon entfernt,\nihr ebenbürtig oder gar ihre höhere Potenz zu sein, ist\nkaum ein Surrogat dafür.\"\nDen Schluss des Artikels bildet eine Schilderung der\nPartei-Literatur, die wir ganz hersetzen, weil sie die\nWahrheit sagt und zeigt, dass wir mit unserer Ansicht über\nden Werth und das Treiben derselben nicht allein stehen.\n„Eine ähnliche literarische Thätigkeit, wie die Zukunfts-\nPartei seit jetzt einer Reihe von Jahren vor unseren Augen\nausbreitet, um uns von der Unfehlbarkeit ihrer Medicamente\nzur Heilung der hinsiechenden Kunst zu überzeugen, ist in\nder Kunstgeschichte noch nicht da gewesen. Wie weit eine\nderartige Anpreisung der eigenen Producte künstlerisch\noder geschäftsmässig zu nennen sei, wollen wir dem eige-\nnen Urtheil eines Jeden überlassen; aber man muss ge-\nstehen, dass man die ganze Sache mit weniger Misstrauen\nbetrachten würde, wenn sie nicht von einer derartigen,\nganz ungeheuerlichen Reclame begleitet würde. Wir wer-\nden mit einer Consequenz, die wahrhaftig eines Besseren\nwerth wäre, veranlasst, in den Werken Liszt's ein neues\nMorgenroth der Kunst nicht nur anbrachen, sondern schon\nin vollem Lichte strahlen zu sehen; sämmtliche bedeutende\nKunst-Genien früherer Zeiten sind nur die Vorläufer und\nPropheten dieses Messias gewesen. Eine offenbar unsinnige"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600331-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3892, "texte": "Anmaassung fordert aber doch den Widerspruch heraus;\ndenn das Höchste, was wir Liszt'schen' Werken beilegen\nkönnen, ist subjectives Interesse als Versuche einer in-\nteressanten, genialen Individualität möchte ihnen gern alle\nGeltung zugeschrieben werden. Wenn wir aber durch die\nunerhörtesten Anpreisungen und durch die offenbar unkun-\ndige Verneinung alles bisher Erreichten in der Kunst ver-\nanlasst werden sollen, das Heil der Kunst in Erzeugnissen\nzu erblicken, denen wir höchstens die Bedeutung von Ver-\nsuchen der augenblicklich eines höheren Ideals ermangeln-\nden Zeit zuschreiben können, so scheint uns die Gränze\nder Mässigung doch unverantwortlich überschritten. Die\nNeue Zeitschrift für Musik überströmt seit Jahren vom\nüberschwänglichsten Lobe alles dessen, was im Umkreise\nder Partei geschieht, und ein jeder, der etwas Derartiges\nzu sagen hat, findet.willige Aufnahme. Dass unter solchen\nUmständen eine Literatur hauptsächlich von der Phrase\nlebt, kann nicht ausbleiben, und diese finden wir denn auch\nin der That glanzvoll in jener Zeitschrift, so wie in der\nganzen Zukunfts-Literatur vertreten. Einer solchen Litera-\ntur kann eine Bewegung, bei deren Erzeugung sie speciel\nselbst die Hand mit im Spiele hat, nur ein höchst willkom-\nmenes Existenzmittel sein; es muss ihr Alies darauf an-\nkommen, diese Bewegung selbst und auch ihre augenblick-\nlichsten Resultate so hoch, wie irgend möglich, anzuschla-\ngen, um sich dadurch selbst höher zu stellen. Sie setzt im\nReiche der Kunst neue Herrscher ein, um wenigstens als\nihre Trabanten einher stolziren zu können. In ähnlich zu-\ndringlicher Weise verfährt die Partei auch gegen das Pu-\nblicum bei öffentlichen Aufführungen von Werken ihrer\nKoryphäen; sie verlangt aus das entschiedenste, dass man\nihren Anführern den blindesten Autoritäts-Glauben entge-\ngenbringen soll, während sie selbst auch dem anerkannt\nWahren kaum die natürliche Achtung schuldig zu sein\nglaubt. Den Grund dieser autokratischen Forderungen, die\nzu den ewigen Phrasen von Freiheit, Fortschritt, Refor-\nmation, Entfesselung von der Form, Rückkehr zur Natur-\nnotwendigkeit u.s. w. freilich im geradesten Widerspruche\nstehen, kann man nur in einem übertriebenen Egoismus\nfinden. Erscheint ein neues Werk von Wagner oder Liszt,\nso tritt die ganze Gameradschaft dafür in die Schranken\nund versucht das Publicum zu gängeln und durch jedes\nMittel von der Unfehlbarkeit ihrer Schöpfungen zu über-\nzeugen. Eine solche Cameradschaftlichkeit ist in der Kunst\nallerdings eine neue, aber eine widerwärtige Erscheinung.\nIst an den Erzeugnissen dieser Richtung wirklich etwas\nWahres, so wird es zur Geltung gelangen, unbeirrt durch\njedes Für oder Wider. Desshalb erwarten wir eine Zeit\nder Abklärung der in unserer Gegenwart streitenden Ideen,\nund der eigentliche Werth aller unserer heutigen musica-\nlischen Bestrebungen wird sich dann von selbst heraus-\nstellen. Auch die Zukunftsmusik hat ihr unbestreitbares\nInteresse und ohne Zweifel ihre guten Folgen, wenn auch\nvielleicht in anderer Bedeutung, als die Partei sich selbst\nbeilegt. Sie hält das für schon errungene höhere Freiheit,\nwas sich uns bis jetzt nur als Willkür darstellt, und will\nuns zu dem Glauben zwingen, sie hätte bereits da neu\naufgebaut, wo sie bis jetzt nur zerstörend zu Werke ge-\ngangen ist. Die Möglichkeit aber, dass diese Zerstörung\nund Anarchie, wenn auch in ihren augenblicklichen Er-\nscheinungen höchst widerlich, doch dem Fortschritte die-\nnen kann, in so fern sie alte Vorürtheile beseitigen hilft,\nkann wenigstens nicht geradezu verneint werden. Wir\nglauben keineswegs, dass das Einzigwahre in der Kunst\nschon vollkommen erreicht ist, so weit es überhaupt er-\nreicht werden kann, hoffen aber, uns diesem Ziele immer\nmehr zu nähern. Wie viel oder wie wenig jene Kunstrich-\ntung zur dereinsligen so weit möglichen Verwirklichung des\nhöchsten Ideals beitragen wird, kann nur die Zeit lehren.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-03-31-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-03-31_01#c004", "volume": "bmtnabi_1860-03-31_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "110", "page_fin": "111", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600331-01.2.4", "titre_corps": "Spohr und Händel.", "titre_sommaire": "Spohr und Händel.", "signature_source": "Einige Mitglieder des Kasseler Cäcilien-Vereins", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600331-01.1.6", "debut_caractere": 3894, "fin_caractere_exclue": 5372, "texte": "Spohr und Händel.\n\nIn unvergessücher Erinnerung an den Ausdruck freu-\ndigen Entzückens, der das Antlitz unseres verewigten Mei-\nsters Spohr verklärte, so oft wir unter seiner Leitung die\nherrlichen Chöre der Händel'schcn und Bach'schen Ora-\ntorien einübten, hätte nichts uns befremdender scheinen\nkönnen als die zuerst durch die „Signale\" verbreitete, dann\nin andere Blätter übergegangene Anekdote., Spohr habe\ndem Comite der Händel-Gesellschaft auf dessen Aufforde-\nrung zur Betheiligung geantwortet, „es sei ihm Händel\nnoch unausstehlicher, als Bach\" u. s. w. Wir hiel-\nten es für unmöglich, dass Spohr eine Aeusserung wie diese\ngethan haben sollte, während er doch in dem von ihm ge-\nstifteten Gesang-Vereine eine lange Reihe von Jahren hin-\ndurch fast sämmtliche Händel'sche Oratorien: Saul, Sam-\nson, Josua, Jephta, Judas Maccabäus, Messias, Israel in\nAegypten, Joseph, die beiden u. s. w. nicht nur\nvorzugsweise immer von Neuem zu den Vorträgen wählte,\nsondern auch immer von Neuem mit Wärme über deren\nTrefflichkeit sich aussprach.\nDie in Wien erscheinende „Deutsche Musik-Zeitung\"\nbringt nun in neuer Beregung des Gegenstandes den Wort-\nlaut jener Antwort auf die an Spohr ergangene Einladung\nder Händel-Gesellschaft, dem Unternehmen beizutreten.\nDiese Antwort ist aber keineswegs an das Directorium, son-\ndern an den mit der Anfrage privatim beauftragten Freund\ngerichtet, den Spohr ersucht, die Ablehnung beim Direc-\ntorium zu übernehmen. Wenn er dabei, wie die Musik-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600331-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1878, "texte": "Zeitung berichtet, die Worte gebraucht hat, „er nähme\nan Händel, mit Ausschluss der ihm bekannten Oratorien,\nnoch weniger Interesse, als an Bach\", so würde, wenn auch\nvon Unausstehlichkeit hier nicht die Rede ist, doch eine be-\nsondere Zuneigung für beide Meister daraus noch nicht her-\nvorgehen. Dieser Aeusserung nun können wir eben die\nThatsache entgegen setzen, dass Spohr die Werke Händel's\nund Bach s aus eigener Wahl durch viele Jahre zu den\nVorträgen seines Vereins vorzugsweise bestimmte, dass sie\ndas stehende Repertoire der Uebungen bildeten, und dass\ner selbst stets eben so erfreut davon war, wie die Ausüben-\nden, und wie es bei öffentlichen Aufführungen die Zuhörer\nwaren. Spohr's musicalischer Sinn war offen und empfäng-\nlich für alles Grosse und Schöne, auch wo es einer von der\nseinigen ganz verschiedenen Kunstweise angehörte; wie\nsollte er sich vor Händel und Bach haben verschliessen\nkönnen, wie sollten die Werke dieser beiden grossen Mei-\nstGl ihn nicht ergriffen haben!—Als jene von ihm gesche-\nhene Ablehnung unberufener und in so veränderter\nGestalt in die Oeffentlichkeit gezogen worden und bei ihm\nSeitens mehrerer Freunde schriftlich angefragt wurde, ob\ner diese falsche Angabe nicht ebenfalls öffentlich wider-\nlegen wolle, oder ob „jene Ente ins Meer der Vergessen-\nheit schwimmen solle\", da erwiderte er, eine Widerlegung\nsei wohl überflüssig, da jeder, der ihn und seine Kunst-\nAnschauung kenne, von dem Ungrunde jener Erzählung\nvon selbst überzeugt sein müsse. Seiner wörtlichen, bei der\nAblehnung gethanen Aeusserung erinnerte er sich gewiss\nnicht mehr, und wir haben wohl auch Grund genug, kein\nGewicht darauf zu legen, und mögen mit Jesus Sirach sa-\ngen: „Es entfährt oft einem ein Wort und meinet's doch\nnicht also; und wer ist, dem nicht zuweilen ein Wort\nentführe!\"\nKassel, im März 1860.\n\nEinige Mitglieder\ndes Kasseler Cäcilien-Vereins."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-03-31-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-03-31_01#c005", "volume": "bmtnabi_1860-03-31_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "111", "page_fin": "111", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600331-01.2.5", "titre_corps": "Die Concerte zur Einweihung des neuen Concertsaales im Casino zu Elberfeld.", "titre_sommaire": "Die Concerte zur Einweihung des neuen Concertsaales im Casino zu Elberfeld.", "signature_source": "L. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600331-01.1.7", "debut_caractere": 1880, "fin_caractere_exclue": 6039, "texte": "Die Concerte zur Einweihung des neuen Concertsaales\nim Casino zu Elberfeld.\nDen 17. und 18. März 1860.\nL. B.\nEine Feuersbrunst hatte am 1. Januar des Jahres 1858 das Ca-\nsino in Elberfeld und den schönen Concertsaal in demselben zerstört.\nDas Gebäude ist seitdem noch geräumiger und schöner wieder auf-\ngeführt, und der prächtige Concertsaal, der um ein Drittheil grösser\nist, als der frühere, wurde am 17, und 18. d. Mts. durch zwei Con-\ncerte eingeweiht, die den Bau desselben auch als akustisch höchst\nbefriedigend offenbarten.\nDie musicalischen Kräfte der Schwesterstädte Elberfeld und\nBarmen hatten sich dazu vereinigt, die Anordnung des Ganzen\nleitete der Vorstand des Gesang-Vereins von Elberfeld, ein Sänger-\nchor von mehr als 200 und ein Orchester von etwa 50 Personen\nwai versammelt, so dass die Feier den Charakter eines Musikfestes\ntrug und auch viele Fremde angezogen hatte.\nDie Haupt-Aufführung fand am 17. Statt, und es war dazu sehr\nsinnig das Oratorium Paulus von F. Mendelssohn gewählt, ein\nWerk, das wir in unserem Rheinlande haben entstehen sehen und\nmit dessen erster Aufführung zu Düsseldorf im Jahre 1836 eine\nneue Aera für Mendelssohn'« Ruhm und für unsere Musikfeste be-\ngann. Die Chöre waren sehr gut eingeübt, und die frischen und\nwohlklingenden Stimmen bewährten den Ruf der rheinischen Gesang-\nVereine. Herr Musik-Director Hermann Schornstein leitete das\nGanze mit Präeision und VersLändniss. Das Orchester liess in Bezug\nauf die Nuancirung des Ausdrucks besonders bei den Blasinstru-\nmenten, unter denen indess einzelne vorzüglich gut besetzt waren,\nManches zu wünschen übrig. Die Soli wurden von den Herren\nEduard Sabbath aus Berlin (Paulus), Gobbels aus Aachen\n(Tenor), Fräul. Elise Saart aus Köln (Sopran) und einer Dilet-\ntantin aus Elberfeld (Alt) recht-gut, zum Theil sehr schön vorge-\ntragen, so dass das Ganze einen nicht bloss befriedigenden, sondern\nerhebenden Genuss gewährte.\nDer zweite Festtag brachte zunächst Gluck's Ouvertüre zu\nIphigenie in Aulis mit dem Mozart'schen Schlüsse. Sämmtliche Auf-\nführungen an diesem Tage dirigirte Herr Anton Krause, Musik-\nDirector in Barmen; er leitete die Ausführung sowohl der genann-\nten Ouveituie als der Sinfonie Nr. 8 von Beethoven im zwei-\nten Theile des Concertes mit Sicherheit und durchaus richtiger Auf-\nfassuDg der Tempi. Line feine und überall ausdrucksvolle Ausführung\nwar freilich mit einer Probe nicht zu erreichen; auch gaben viele\nStellen bei den Bläsern der Yermuthung Raum, dass ein Theil der-\nselben nicht an \\vreichheit des Tones und an Piano gewohnt sei.\nIm Uebrigen war das zweite Concert besonders auch zu Solo-Vor-\nträgen bestimmt. Herr Sabbath sang die D-dur-Arie aus der\n„Schöpfung\" vortrefflich; seine volle, schöne Stimme kam dabei\nrecht zur Geltung. Der Vortrag zweier Lieder war dieser Leistung\nnicht ganz ebenbürtig; jedenfalls war die Wahl von Schubert1 s Erl-\nT)\nkönig« für die Individualität des Sängers keine geeignete. Fräul.\nPhilipp ine Papie aus Köln trug eine Arie von Händel, ein Lied\nvon Schubert und eines von Hiller mit einer kräftigen, vollen Alt-\nstimme vor, die zwar noch der Ausbildung bedarf, aber zu guten\nHoffnungen berechtigt. Herr Concertmeister Maximilian Wolf\naus Fiankfurt am Main zeigte sich durch den Vortrag des Concertes\nvon Mendelssohn und der Chacoune von Bach als sehr talent-\nvollen Violinspieler, der bei seiner Jagend bereits einen hohen Grad\nder Künstlerschaft erreicht hat, so dass sein Spiel, das hauptsächlich\nnur noch cicr grösseren Ruhe und des Aplomb bedarf, ihm eine be-\ndeutende Zukunft verspricht. Das brüderliche Sänger Quartett der\nHeuen Steinhaus zeichnet sich immer noch durch präcise und\nausdrucksvolle Einheit des Vortrags aus; ihre Gesänge riefen stür-\nmischen Beifall und Dacapo-Ruf bei dem Publicum, das sich sonst\nnicht eben leicht zu enthusiasmiren zeigte, hervor.\nDas Fest gereichte dem Wupperthaie in jeder Hinsicht zur Ehre\nsowohl durch die Talente und die Fertigkeit der Mitwirkenden, als\ndurch die Kunstliebe der Bevölkerung, ohne welche solche Neu-\nbauten von Concertsälen wie in Elberfeld und jetzt auch in Barmen\nund so rege Theilnahme an musicalischen Instituten nicht möglich\nwäre."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-03-31-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-03-31_01#c006", "volume": "bmtnabi_1860-03-31_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "112", "page_fin": "112", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600331-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600331-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3993, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nIserlohn, 21. März. Am Sonntag den 18. d* Mts. gab Herr\nN. A. Loos unter Mitwirkung des hiesigen Gesang-Vereins im Saale\nder Gesellschaft „Harmonie\" das letzte Sinfonie-Coucert der Saison.\nDie Hauptwerke waren: Beethoven's Ouvertüre (Namensfeier) Op.\n115, seine siebente Sinfonie, Mendelssohn's G-moll-Concert für Piano-\nforte mit Orchester und Gade's Frühlingsbotschaft für Chor und Or-\nchester. Sämmtliche Werke fanden den lebhaftesten Beifall. Die Aus-\nführung zeugte aber auch von sorgfältiger Vorbereitung; das aus\netwa 30 Mitgliedern bestehende Orchester spielte unter der Leitung\ndes Herrn Loos mit sichtlicher Begeisterung und lös'te seine keines-\nwegs leichte Aufgabe mit Kühnheit. Durch die Ouvertüre wurden\nwir mit einem an vielen Orten noch unbekannten und seltenen Werke\nüberrascht; sie ist eine der schönsten, grossartigsten Coneert-Ouver-\nturen und von reizendster Anmuth durchwebt. Das Clavier-Concert\nvon Mendelssohn wurde von Herrn Loos glänzend vorgetragen, und\nder Chor verkündete uns in der Frühlingsbotschaft eine mit Sehn-\nsucht erwartete Zeit. Möge man hier in den leitenden Kreisen fort-\nfahren, die bessere Musik zu cultiviren, denn nur sie vermag auch\nauf das allgemeine Publicum ein dauerndes Interesse auszuüben, f\nAus einem leipziger Briefe. Wie gefällt Ihnen die Ge-\nschichte mit der Preis-Aufgabe in der BrendeFschen Zeitschrift?\nWas mag Weitzmann für „neue Offenbarungen\" ausgeheckt haben?\nWenn sich gewisse Theoretiker durch ein hartnäckiges Festhalten\ndes Quintenverbots lächerlich gemacht haben, so haben sie sich doch\nkaum so lächerlich gemacht, als die modernen Don Quixote's durch\nihre Feldzüge gegen das Quintenverbot. Einem unbefangenen Be-\nobachter inuss es wirklich vorkommen, als wenn sich um diesen\nPunkt die ganze Zukünftelei drehte! Wer weiss, vielleicht ist es\nauch so; denn wenn man einmal anfängt, ihrer Natur nach unver-\nbundene Accorde in übermässig grosser Anzahl an einander zu reihen,\nd, h. in Einem fort Quinten zu machen, so hat man das ganze Ge-\nheimniss der Zukunft, was die Mechanik anbetrifft, und es bleibt\nfreilich nun nur noch dahingestellt, wer von den auf solche Weise\nverfahrenden Componisten der geistreichste ist. Uebrigens wüsste ich\nauch nicht, dass die Brendelianer etwas Anderes jemals gegen die\nalte Theorie vorzubringen gewusst hätten, als die Geschichte vom\nQuintenverbot. Die alte Form wird als überwundener Standpunkt so\nnebenbei, halb verstohlen, heruntergemacht, weil sie sie nicht\nverstehen und nichts Eingehendes darüber zu sagen wissen. Todter\nFormalismus auf der einen und vernünftige, aus der Natur der Sache\nnach und nach herausgebildete und in jeder Kunst feststehende\nFormen auf der anderen Seite sind eben verschiedene Dinge; aber\ndas begreifen die Herren nicht, obschon sie an Schumann das glän-\nzendste Beispiel haben von einem Manne, der in Kritik und Com-\nposition Beides streng von einander schied. x.\nMeyerbeer's Dinorah ist bei brechend vollem Hause\ngegeben worden. Das Ueberktinstelte der Musik und der Blödsinn\nder Handlung Hessen schon im ersten Acte Symptome der Verstim-\nmung im Publicum aufkommen. Die Oper liess im Ganzen entschie-\nden kalt man rangirt sie im günstigsten Falle neben, vielfach\nunter den Nordstern. Am 3. März hat das Conservatorium\nein Concert zum Andenken Spohr's veranstaltet.\nWien* Im Concertsaale eröffnete das erste der drei Abonne-\nments-Concerte der Frau Clara Schumann in würdiger Weise\ndie Fasten-Saison. Die treffliche Künstlerin machte ihre wohlbekannte\nKunst in einem Trio für Pianoforte, Violine und Cello von R. Schu-\nmann (im Vereine mit den Herren Hellmesberger und Rover), dann\nin zwei Stücken von Chopin: a. Notturno, b. Impromptu (Cis-moll)}\nin der Beethoven'schen Sonate Op 53 und in dem „Carneval4 von\nlv. Schumann für Pianoforte allein geltend.\nWarschau. Von dem talentvollen Verfasser der Oper „Halkau,\nHerrn Moniusko, ist ein neues Werk, die Oper »Die Gräfin\", am\n8. Februar mit allgemeinem Beifall aufgeführt worden."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "105", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600331-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nBerliner Briefe (Die königliche Oper Christine, Oper vom Grafen von Redern Concerte des Dom-Chors Neue\nCompositionen Virtuosen-Concerte Gedächtnissfeier für Frau Schröder-Devrient), Yon G. E. Die Zukunftsmusik (Schluss), Spohr\nund Händel*— Die Concerte zur Einweihung des neuen Concertsaales im Casino zu Elberfeld, Tages- und Un t erh altun gs blatt\n(Iserlohn, Sinfonie-Concert Prag, Meyerbeer's Dinorah Wien, Frau Schumann Warschau).\n\nBerliner Briefe.\n\n[Die königliche Oper Christine, Oper vom Grafen von Re-\ndern Concerte des Dom-Chors: geistliche Musik älterer ita-\nlienischer und deutscher Meister. Neue Compositionen von Blum-\nner (Oratorium „Abraham\"), Wohlers, Kiel, Siering, Tau-\nbert, Mohr (Cantate „Loreley\"), Isaac (Cantate „Spring' aufP).\nYirtuosen-Concerte: Vieuxtemps, Frau Schumann, Alex,\nDreyschock, Nacciarone, Hasert, Rappoldi, Davidoff,\nDümon, Fräul. Mösner, Ciebra, Frau Sämann. Schu-\nmann's Musik zum zweiten Theile des Faust —• Gedächtnissfeier\nfür Frau Schröder-Devrient.]\nDen 22. März 1860.\nDie königliche Oper hat unter den glänzenden Erfol-\ngen der Italiäner sehr gelitten. Wenn auch einzelne der\njüngeren Kräfte, so namentlich Fräul. de Ah na, eine Schü-\nlerin unseres Mantius, die in den letzten Monaten vielfach\nin dem Rollenfache der Jachmann-Wagner beschäftigt\nwurde, recht Erfreuliches leisten, so fehlt es ihnen doch\nan innerer Begabung und technischem Geschick, um uns\nganz zu befriedigen; und von einer Concurrenz mit den\nItaliänern würde gar nicht die Rede sein können, wenn\nwir—da Frau Jachmann beurlaubt ist—nicht die Köster,\nFormes und Krause hätten. Frau Köster besitzt indess eine\nMeisterschaft in der Verwendung ihrer Mittel, von der auch\ndie Artot noch viel lernen kann; Formes, obschon oft hei-\nser, erfreut doch jedesmal, wenn er sich so disponirt fühlt,\num aufzutreten, durch die Frische seiner Stimme und die\nvom Standpunkte des dramatischen Gesanges aus oft recht\ngeschickte Behandlung derselben; und Krause gehört zu\nden wenigen Sängern, die noch die Tradition des edlen\nStils haben. Neu war an der Oper nur die Christine\nvom Grafen von Redern ein Werk, das mehr von\neinem guten Streben, als von produetivem musicalischem\nTalente Zeugniss ablegt. Die Tüchtigkeit des Strebens ver-\nräth sich namentlich in dem Vermeiden jeglichen grellen\nEffectes, und schon darum verdiente die Oper nicht die\nscharfen Angriffe, die sie theilweise erfahren hat; anderer-\nseits aber hat der Componist doch die maasshaltende Vor-\nsicht zu weit getrieben, und der Musik fehlt daher die\neigentlich anregende Kraft. Wir haben indess noch jüngst\nWerke von Musikern gehört, die in Bezug auf melodische\nErfindung und musicalische Gestaltungskraft noch lange\nnicht mit der Oper des Grafen von Redern zu vergleichen\nsind; auch unter den Musikern gibt es heute nicht viele,\ndie im Gebiete der Gesangmusik etwas Hervortretendes\nleisten. Den Höhepunkt der Oper bildet eine Arie Chri-\nstinens, der ein gefühlvolles und eigenthümliches schwedi-\nsches Volkslied zu Grunde liegt. In den Ensembles verräth\nsich ein gewisses musicalisches Geschick, doch sind sie\nmeist nicht breit genug ausgeführt, um recht wirkungs-\nvoll zu sein. Melodischer Sinn ist dem Componisten durch-\naus nicht abzusprechen, nur fehlt seinen Melodieen die\nrechte Steigerung und der Reiz einer eigenthümlichen Har-\nmonie; er hat mehr nach Klarheit und Einfachheit, als\nnach Fülle und energischem Ausdruck gestrebt. In Kir-\nchen-Compositionen hat sich der Graf von Redern bereits\nfrüher eine gewisse Sicherheit in der musicalischen Technik\nangeeignet, hin und wieder, z. B. in einem\nauch höhere Wirkungen erreicht; ob er in der weltlichen\nMusik mit derZeit von den Einflüssen einer strengen Schule\nfreier werden wird, wird die Zukunft lehren,\nDie Concerte der königlichen Capelle und des\nDom-Chors sind für diesen Winter beendigt. In den\nersteren gelangte diesmal kein neueres Werk zur Auffüh-\nrung, während die Direction der letzteren unablässig be-\nmüht ist, aus dem reichen Schatze alter Kirchenmusik Un-\nbekanntes zu Tage zu fördern. Manches Werk gelangt\ndabei freilich zur Aufführung, das die Mühe nicht belohnt;\nim Ganzen aber kommt doch Jahr für Jahr etwas Werth-\nvolles hinzu. Die Concerte des Dom-Chors wurden in die-\nsem Winter von Musik-Director v. Herzberg geleitet, da\nder Musik-DirectorNeithardt an einer lebensgefährlichen,\njetzt glücklich überwundenen Krankheit darniederlag. Zur"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600331-01.1.2", "texte": "Aufführung kamen in den drei letzten Concerten, über die\nich noch nicht berichtet habe, von Palestrina das Tu es\nPetrus,ein Theil der Lamentationen\ndissipare murum),ein Gloria und ein von Fe-\niice Anerio ein Christus factus von Caldara das sechs-\nzehnstimmige Crueifixus (in der achtstimmigen Teschner'-\n\"schen Bearbeitung) und ein von Jomelli ein\nRequiem, von Seb. Bach drei Motetten: „Jauchzet dem\nHerrn\", „Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf\" und\n„Lob, Ehre, Weisheit und Dank\", von Eccard die Cho-\nräle: „Aus tiefer Noth schrei' ich zu Dir\" und „Ich lag\nin tiefer Todesnoth\", von Melchior Franck die Lamenta-\ntionen und der Choral „Wenn ich in Todesnöthen bin\",\nvon Schicht eine Motette: „Die in Thränen säen\", von Mo-\nzart das Ave verum, von Hammerschmidt eine Motette:\n„Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz\"., von Schütz eine\nMotette: „Ehre sei Dir, Christe\", ein Händel'sches Lied:\n„Wenn Christus, der Herr, zum Menschen sich neigt\", und\nMendelssohn's „Es ist bestimmt\". lch knüpfe an diese\nStücke einige Bemerkungen. Ob der Theil der Palestrina'-\nschen Lamentationen „Cogitavit Dom durchweg echt\nist, kann bezweifelt werden, da harmonische Wendungen\ndarin vorkommen, die Palestrina sonst streng vermeidet;\nes ist aber, abgesehen davon, dieses Musikstück durch den\ntiefen und dabei stets würdigen und weihevollen Ausdruck\ndes Schmerzes von höchstem Werthe. Während die Rhyth-\nmen in erhabener Buhe dahinfliessen, verkünden uns die\noft herben Harmonieen, die melodischen Betonungen das\ntiefste Seelenleiden; man hat einen ähnlichen Eindruck,\nwie von Menschen, die ihren Schmerz nur durch den Aus-\ndruck des Gesichtes, vielleicht durch die Bewegungen der\nHände und Arme, verrathen, aber in ungebeugter, ruhiger\nHaltung des Körpers dastehen. Die spätere Zeit hat den\nAusdruck der Leidenschaften viel mehr entfesselt; aber\nauch diese Schöpfungen einer Uebergangs-Periode von dem\nrein object;ven Kirchenstil zu dem subjectiven, charakte-\nristischen haben einen eigentümlichen Beiz. Das sechs-\nzehnstimmige Crueifixus von Caldara ist in seiner ur-\nsprünglichen Gestalt noch nie durch den Dom-Chor zur\nAufführung gebracht worden; aber auch in der sehr ge-\nschickten achtstimmigen Bearbeitung von Teschner (die in\nBezug auf den sinnlichen Wohlklang dem Original vorzu-\nziehen ist) bleibt es eines der werthvollsten Stücke in dem\nRepertoire des Dom-Chors. Desto unbedeutender war da-\ngegen das Agnus Dei von Caldara, namentlich der Fugen-\nsatz desselben, der aller Wärme des Ausdrucks entbehrt\nund nur eine trockene Schulstudie ist. Auch das Requiem\nvon Jomelli (mit der Fuge über die absteigende Tonleiter)\nist von derselben Art, doch ersetzt es wenigstens den Man-\ngel der tieferen Empfindung durch höchsten Wohlklang.\nDas Christus factus est von Anerio ist ein der besten Pe-\nriode der italienischen Kirchenmusik angehöriges, eben so\nausdrucksvolles als den Charakter der Erhabenheit an sich\ntragendes Stück. Von Seb. Bach hätten wir statt der bei-\nden Motetten „Jauchzet dem Herrn\" und „Lob, Ehre,\nWeisheit und Dank\" andere Werke gewünscht, die nicht,\nwie diese, theils durch die Trockenheit, theils durch die\noberflächliche Klarheit des Inhalts Zweifel an ihrer Echt-\nheit erregten; doch ist die erstere von ihnen eine anspre-\nchende und von gesunder Empfindung zeugende Compo-\nsition, die wohl verdient, einmal gehört zu werden. Die\nandere hat einen gelehrteren Anstrich, aber viel weniger\nInnigkeit, und ist vielleicht eine misslungene Nachahmung\nBach's. Die Motette „Der Geist hilft unsrer Schwachheit\nauf\" zeigt dagegen die ganze Kühnheit und Gewalt des\ngrossen protestantischen Meisters, der die Kirchenmusik\nzwar am weitesten ab von der einfachen Ruhe Palestrina's\nfühlte, aber eben darum als der eigentliche höchste Gipfel\nin der ganzen Entwicklung der kirchlichen Tonkunst zu\nbetrachten ist. Zu den schönsten (und zugleich für das Pu-\nblicum vorzugsweise verständlichen) Stücken in den Con-\ncerten des Dom-Chors gehören die Choral-Bearbeitungen\nälterer deutscher Meister: wir hörten diesmal mehrere von\nEccard und Melchior Franck, die eben so durch die Schön-\nheit der Melodie, als durch die kunstvolle und doch nie\nschwülstige Polyphonie und die kühne und ausdrucksvolle\nHarmonisirung den tiefsten Eindruck machten. Als eines\nder interessantesten Werke älterer deutscher Kirchenmusik\nkönnen wir ferner die Lamentationen von Melchior Franck\n(für Männerstimmen) bezeichnen. Man staunt über die In-\ndividualität des Ausdrucks bei einem Meister, der dem sie-\nbenzehnten Jahrhundert angehörte. Alle Nuancen in der\nFarbenscala des Schmerzes, vom leidenschaftlichsten Auf-\nschrei bis zum dumpfesten Seufzer und fast verstummen-\nden Erbeben werden hier angeschlagen, und trotz der\ngrossen Mannigfaltigkeit im Einzelnen herrscht die vollkom-\nmenste Harmonie des Ganzen. In diesem Stücke ist echter\ndeutscher Geist, der feste, entschiedene Realismus des Nor-\ndens und doch ohne eigentlich verletzende Härten. Bedeu-\ntender als die Hammerschmidt'sche Motette: „Schaffe in\nmir, o Gott, ein reines Herz\", ist die von Schütz: „Ehre\nsei Dir, Christe\" , eine sehr klare und doch nirgends tri-\nviale Composition. Das so genannte Iländel'sche Lied rührt,\nwenn überhaupt, so doch höchstens in der Melodie von\nHändel her; die äusserst wässerige Harmonisirung ist ganz\nmodern.\nDie Sing-Akademie brachte ein neues Oratorium:\nAbraham, von ihrem zweiten Dirigenten Martin Blum-\nner zur Aufführung. Durchaus rühmenswerth sind die\nChöre, die, wenn auch in den Gedanken und der Art der"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600331-01.1.3", "texte": "Durchführung theils an Händel, theils an Mendelssohn er-\ninnernd, doch von einem sehr sicheren Gefühle für das\nChormässige Zeugniss ablegen und eben darum einen er-\nfrischenden Eindruck machen. An einzelnen Stellen, z. B.\nin dem die Zerstörung Sodom's schildernden Chor, ist es\ndem Componisten gelungen, sich der strengen Formen (hier\nder Form der Doppelfuge) so zu bedienen, dass die Stim-\nmung und die Situation in ihnen einen energischen Aus-\ndruck findet; nur warnen wir ihn vor einer allzu häufigen\nAnwendung der Fugenform und vor allzu grosser Breite\nder Entwicklung. Weniger günstig können wir über die\nSolo-Nummern berichten, denen es meist an wahrer Ge-\nsangs-Melodie fehlt. Das Ganze konnte demgemäss nicht\nbefriedigen; doch zeigt sich ein grosser Fortschritt gegen\nein früheres Oratorium desselben Componisten, den Co-\nlumbus. Andere neue Compositionen hörten wir von\nWohlers, die sich durch eine geschickte Instrumentation,\ntheilweise auch durch natürliche thematische Entwicklung\nempfehlen; von Kiel eine geistvolle, hin und wieder etwas\nzu grübelnd gehaltene Sonate für Ciavier und Violine; von\nSiering (in Dresden) ein Irio für Ciavier, Violine und\nCello und eine Serenade, welche beide Stücke von dem\nlalente, leicht und fliessend zu schreiben, Zeugniss gaben,\naber des tieleren Inhaltes entbehrten; von Taubert ein\ngeschmackvolles Trio für Ciavier, Violine und Cello; von\neinem jungen Componisten Mohr eine Cantate: Loreley,\ndie in vielen Beziehungen sehr deutliche Spuren der An-\nfängerschaft an sich trug. Ein anderer junger Componist,\nHerr Isaac, veranstaltete eine Aufführung eigener Com-\npositionen, der wir beizuwohnen verhindert waren. Das\nmusicalische lalent des jungen Mannes wird uns gerühmt.\nUm so mehr ist zu bedauern, dass er sich in der Wahl des\nGedichtes so vergriffen hat. Es ist eine Cantate: „Spring'\nauf\", die ihrem Dichter (Herrn Golcher), so wie dem\nMusiker, der naiv genug war, sie zu componiren, gewisser\nMaassen ein Anrecht auf die Unsterblichkeit gibt. Die er-\nsten Chöre und Soli feiern den erwachenden Frühling.\nAuch das Blümchen „Spring' auf\" entspringt dem Erden-\nschoosse: „Spring' auf, heiss' ich, Herzen weiss ich zu er-\nschliessen, dass der Uiebe Frühlingstriebe munter darin\nspriessen.\" Nun wird beschrieben, wie Blumen und Vöglein\nsich begatten, wie auch in den Herzen der Menschen die\nUiebe sich regt: „Und dort in der Uaube beschirmendem\nGrün, sie sitzet vertraulich auf seinen Knie'n, sie hatte den\nBusen verschlossen bewahrt, heut' reicht er ihr Spring' auf\nzum Strausse gepaart und schaut sie herzinnig und fragend\nan; da springt ihr das Herz in unsäglicher Uust, sie sinkt\nüberwunden an seine Brust; der Spring' auf hat es ihr an-\ngethan !\" Endlich kommt der Spring' auf auch zu den Wol-\nken. „Sie sausen, sie brausen in Uiebesweh'n. Hei, wie sie\nda rasen in toller Jagd, bei jedem Umarmen es blitzet und\nkracht! Sie wettern, sie schmettern unbändig sich an.\" Und\ndiese Poesie muthete man einer Anzahl junger Mädchen\nzu, zu singen!\nDie Zahl der Virtuosen, die, seitdem ich Ihnen nicht\ngeschrieben, liier aufgetreten sind, ist sehr gross. Zuerst\nnenne ich Vieuxtemps, den wir ganz als den Alten wie-\nderfanden: bewundernswürdig in Ton und Technik, von\nhohem Ade! in der Auffassung, aber etwas zu kalt und\nvornehm. Auch Clara Schumann gab ein Concert, in\ndem sie, fast zu bescheiden, nur kleinere Stücke spielte,\ndurch den Vortrag derselben uns aber einen grossen Ge-\nnuas gewährte. Einen ausserordentlichen Erfolg hatte\nAlexander Drey schock. Ueber seine Fingerkraft und\nFertigkeit, kurz, über seine Technik waren alle Parteien\neinig, dass sie ganz eminent und gegenwärtig wohl uner-\nreicht sei. Ueber seinen Vortrag machten sich indess ver-\nschiedene Ansichten geltend ; und während die Einen den-\nselben im Vergleich mit den Spielern der Uiszt'schen Schule\nunbedeutend und oberflächlich fanden, fühlten sich die An-\nderen durch die maass- und geschmackvolle Art der Nu-\nancirung, durch das stete Vermeiden alles Gewaltsamen\nund Unschönen wohlthuend berührt. Ich gestehe, dass ich\nmich mehr den Uetzteren anschliesse. Denn wenn auch in\nmanchen Stücken, z. B. in dem letzten Satze der\nSonate, Dreyschock's Auffassung ungenügend war, so\nwürde man doch sehr ungerecht sein, wollte man ihn in\ndie Kategorie der blossen Salonspieler stellen. Dass er zu\nihnen nicht gehört, hat er durch den Vortrag des Beetho-\nven'schen Es-dur-und C-mo?/-Concertes, des rio's\nund des Mendelssohn'schen G-moll-Concerles hinreichend\nbewiesen. Er erreicht nicht immer die äussersten Gipfel,\naber ersetzt das, was hier und dort fehlt, dadurch, dass\ner immer schön bleibt und dass nichts unvermittelt auftritt.\nSein Crescendo und Decrescendo ist wahrhaft bewunderirs-\nwerth ; sein Forte,obschon gewaltiger, als wir es je gehört,\nhat nie etwas Verletzendes; sein ist von bezaubern-\ndem Wohllaut. Er gehört zu den jetzt recht selten wer-\ndenden Musikern, die sich den natürlichen Musiksinn\nnoch nicht durch alle möglichen transcendenten Ideen ver-\ndorben haben. Er will, dass die Musik Musik sei und nicht\nPhilosophie. Ein neapolitanischer Pianist, Giuglielmo\nNacciarone, erfreute in dem Vortrage mehrerer Com-\npositionen von Mendelssohn, Händel, Chopin durch grossen\nWohllaut im Tone, präciseste Ausführung der Passagen\nund einen geschmackvollen, runden Vortrag. Für Beetho-\nven's reichte indess sein Auffassungs-Ver-\nmögen nicht aus. Ein anderer Pianist, Herr Hasert (aus\nHannover), bewies in mehreren Concerten, dass er emi-\nnente Kraft und Fertigkeit besitzt; seine Auffassung clas-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600331-01.1.4", "texte": "sischer Werke befriedigte nur theilweise; als Componist\nwir hörten eine Sonate von ihm, in der er sich ver-\nwandte Werke Liszt's zum Muster genommen zu haben\nschien—machte er kein Glück. Der Violinist Rappoldi\naus Wien fand der Solidität seines Spiels wegen gerechte\nAnerkennung; doch hat er weder in Bezug aufEigenthüm-\nlichkeit der Auffassung, noch in der eigentlichen Feinheit\nder Technik eine Stufe ersten Ranges bis jetzt erreicht.\nUngeteilten Beifall wegen der Schönheit seines Tones und\nder vortrefflichen Technik erwarb sich der Violoncellist\nDavidoff aus Moskau. Unsere Virtuosen-Schau ist damit\nnoch nicht aus; auch die weniger dankbaren Instrumente,\nFlöte, Harfe und selbst Guitarre, waren in dieser Saison\nvertreten. Die Flöte durch Herrn Dümon aus Brüssel,\nder in Bezug auf Ton, Reinheit der Intonation, Athemkraft\nund geschmackvollen Vortrag einer der ersten Künstler auf\nseinem Instrumente ist; die Harfe durch Fräul. Mösner,\nder man nicht nur eine fast alles bis jetzt Gehörte über-\nsteigende Kraft und Fertigkeit, sondern fast eine Art Ge-\nnialität zugestehen kann, indem sie der Harfe (in einer\nDon-Juan-Phantasie z. B.) Wirkungen abgewinnt, die wir\nbis jetzt kaum für möglich gehalten hätten; die Guitarre\ndurch den Spanier Ciebra, der durch die Redlichkeit,\nmit der er sich bemüht hat, auf dem ungünstigsten Instru-\nmente ein grosser Virtuose zu werden, fast einen rühren-\nden Eindruck macht. Endlich nenne ich noch die Sängerin\nFrau Sämann di Pany, die viel Fertigkeit und einen\ngewissen italiänischen Schwung des Vortrags, aber eine\netwas forcirte, harte, in der Intonation nicht ganz sichere\nStimme und wenig Innigkeit des Gefühls besitzt.\nVon grösseren Aufführungen sind noch die Wieder-\nholung der Schumann'schen Musik zum zweiten Theile\ndes Faust durch Herrn Radecke, die sehr gelungen aus-\nfiel und dem Werke neue Freunde verschaffte, eine von\nDilettanten veranstaltete, höchst mangelhafte Ausführung\ndes Spohr'sehen Faust und die Gedächtnissfeier für Wil-\nhelmine Schröder-Devrient, deren Haupt-Bestand-\ntheil Mozart's Requiem bildete, zu erwähnen. Die Soli wa-\nren durch die Damen Wippern, de Alma und Jenny\nMeyer und durch die Herren Mantius, Formes, Wo-\nworsky, Zschiesche, Krause und Fricke besetzt.\nDie Stimmen der jüngeren Sänger und Sängerinnen klan-\ngen fast durchweg vorzüglich; nur wurde mitunter die\ntechnische Sicherheit und die Poesie der Auffassung ver-\nmisst. Ein von Hans Köster gedichteter Prolog, in dem die\nBedeutung der Feier in sinniger Weise ausgesprochen war,\nwurde durch Frau Hoppe vorgetragen. Möge die grosse\nKünstlerin, die in einer selten erreichten Weise den edeln\nmit dem dramatischen Stil zu verbinden wusste, allen ihren\nKunstgenossen ein leuchtendes Vorbild bleiben!\n\nG. E.\n\nDie Zukunftsmusik.\n(Schluss. S. Nr. 13.)\nNach dieser Einleitung enthält der Aufsatz in der Zeit-\nschrift „Unsere Tage\" eingehende Betrachtungen über\ni\nRichard Wagner, Hector Berlioz und Franz Liszt. Die\nausführlichste ist R. Wagner, als „der bedeutendsten Er-\nscheinung auf dem Gebiete der in Rede stehenden Kunst-\nrichtung\", gewidmet. Sie gibt die Hauptpunkte aus seinem\näusseren Leben nach seiner eigener Angabe im Vorworte\nzu den drei Operndichlungen an und verschafft denjenigen\nLesern, die mit Wagner's Ideen über das Kunstwerk der\nZukunft u. s. w. noch nicht bekannt sind, in einer gedräng-\nten, aber klaren Darstellung eine hinreichende Einsicht in\ndas so genannte System desselben. Die eingestreuten Be-\nmerkungen gegen dessen Haltbarkeit und Ausführung sind\nzwar nicht neu, aber populär und einleuchtend vorgetra-\ngen. „Auch ganz abgesehen\" heisst es unter Anderem\n„von der Möglichkeit der Ausführung, bleibt der Idee\nnichts wie der schöne Schein.\nkunft finden wir nur eine halbwahre Erscheinung der\nKunst, wir sehen so zu sagen nur ihre Larve und Vorder-\nseite, und der eigentliche Kern ist hohl.—In ihrer höchsten\nErfüllung schliessen sich die Künste sogar aus, dulden kein\nNebeneinander von gleicher Vollkommenheit\" u. s. w.\nAuch die einzelnen Werke Wagner's, namentlich Lo-\nhengrin und die Dichtungen von den Nibelungen und Tri-\nstan und Isolde, werden von unparteiischem Standpunkte\naus gewürdigt. Das Resultat wird in folgende Worte zu-\nsammengefasst:\n„Wagner's rein musicalische Begabung ist ohne Zwei-\nfel bedeutend; im Fliegenden Holländer und im Tannhäu-\nser sind Stücke enthalten, die den schlagendsten Beweis\ndafür geben. Aber bei der zweifelhaften Stellung, welche\ner, wie jeder Einzelkunst, so auch der Musik anweis't,\nkonnte es kaum ausbleiben, dass seine eigene Musik rein\nals Kunst keine besonders hohe Stellung erreichen konnte.\nBesonders enge ist seine Beziehung zur Romantik, wie in\nder Dichtung, so auch in der Musik. Weber, Spohr,\nMarschner, dessgleichen auch Meyerbeer, sind hier seine,\nwenn auch nicht mit Absicht gewählten, so doch unwill-\nkürlich angeeigneten Vorbilder. Als ihm selbst eigenthüm-\nlich, kommt eine ungemeine Gluth sinnlicher Leidenschaft\nhinzu, die oft bis zu materieller Unschönheit sich steigert.\nSeine Instrumentation stimmt damit überein; glänzend,\nprächtig und oft sehr charaktervoll und reich an schönen\nZügen, ist sie keineswegs frei von Ueberladung und un-\nedel n Tonbildern.\n„Versuchen wir, Wagner's Eigenschaften und Bestre-\nbungen zusammen zu fassen, so kommen wir zu der An-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600331-01.1.5", "texte": "sieht, dass Wagner vor allen Dingen derselbe Mangel\ndrückt, wie die ganze heutige Tonkunst; ihm, wie unserer\nganzen Kunst fehlt es an dem nur aus einer festen Rich-\ntung des ganzen Zeitgeistes auf höhere geistige Interessen\nsich herausbildenden Ideale. Sein Mythen-Drama mit Mu-\nsik oder gar sein ganzes Kunstwerk der Zukunft ist nichts\nweniger wie eine Forderung der Zeit, sondern dem Stoffe\nund Inhalte nach vollkommene Abstraction einer im einzel-\nnen Künstler entsprungenen Kunst-Theorie. Unser Volk\nbegreift die Sage nicht, findet höchstens Wohlgefallen an\nder Neuheit der Sache und am Aeusseren, was Wagner,\ndem es mehr als jedem anderen Künstler heutiger Zeit\num die Vertiefung und Bedeutsamkeit der Kunst zu thun\nist, doch nicht will. Vom strengeren Kunst-Standpunkte aus\nhält dieses Zusammenwerfen der Künste erst recht nicht\nStich, denn es führt zum Dilettantismus in jeder einzelnen,\nund desshalb kann auch aus der Gesammtheit nichts wer-\nden. Ausserdem erfüllt Wagner's Kunst nicht, was seine\nTheorie verspricht; hier verlangt er ganz und mit vollem\nRechte Leben und nur wahres und warmes Lebe«, und in\nseinen Sagengestalten gibt er nur Erscheinungen, in die er\nselbst .und die ihn vertretende Literatur das Lebenf das\nihnen in Wahrheit abgeht, hinein zu dichten versucht.\nWagner verwirft die „ „absolute Musik\"\" eben so wie jede\nandere absolute Kunst, es soll keine reine Instrumental-\nMusik, überhaupt keine Musik mehr geben dürfen, die\nnicht mit Wort und Handlung unmittelbar zusammenhängt,\nund, durch diese bedingt, doch wiederum auch bedingend\nauf sie zurückwirkt. Dadurch wird natürlich jede selbst-\nständige musicalische Form, die Symphonie, die Sonate und\ndergleichen aufgehoben, und eben so die Kunst selbst in\nihrer selbstständigen Geltung.\" v\nHiernach kommt der Verfasser auf die Programm-\nMusik und deren Repräsentanten Berlioz und Liszt. Gegen\ndas Princip jener Musik führt er dieselben Gründe an,\nwelche in diesen Blättern schon häufig geltend gemacht\nworden sind. Wagner's eigenes hartes, aber zutreffendes\nUrtheil über Berlioz (Oper und Drama. Th. I. S. 121) ist\nhier wieder abgedruckt, und werden daran weitere Bemer-\nkungen über die Musik des Letzteren geknüpft, von der\nman wohl sagen könne, dass „der ganze Inhalt derselben\nhauptsächlich in der Darstellung und in der Verwendung\neiner bis dahin unerhörten Orchester-Technik liege—dass\nder ideale Gehalt hinter dem künstlichen Mechanismus der\nOrchestration völlig zurücktrete dass es aber niemals zu\nirgend einem Ganzen komme, und das einzige Gefühl, wel-\nches durch seine Werke erweckt werde, Unbehaglichkeit\nund Unruhe sei\" u. s. w.\nAusführliche Betrachtung widerfährt den „symphoni-\nschen Dichtungen\" von Franz Liszt, den der Verfasser\nin der Composition nur als den Nachfolger von Wagner\nund Berlioz ansehen kann, keineswegs aber als einen Re-\nformator der Kunst, als welchen seine Anhänger ihn uns\naufdrängen wollen. „Den Ideen-Inhalt der Kunst und ihre\nFormen hat er nicht im Geringsten erweitert. Die Form\nseiner „ „symphonischen Dichtungen\"\" ist nichts Neues,\nüberdies auch nicht selbstständig musicalisch (wie Beetho-\nven's Sinfonieen), sondern vom Programm abhängig; also\ngerade wie bei Berlioz, nur dass Liszt nicht so in den Buch-\nstaben hineingeht, dafür aber auch nicht die Plastik der\nBildlichkeit, wie wir sie bei Berlioz finden, erreicht. Die\nZusammenziehung der ganzen Sinfonie in einen Satz ist\ndurchaus kein Fortschritt; ein grosser Gedanke entwickelt\nsich zu voller Breite nicht in diesem einen Satze, sondern\nbedarf grösserer Gruppen und Theilungen, um seine man-\nnigfachen Phasen zur klaren Gefühls-Anschauung zu brin-\ngen. Diese einsätzige Form wird erst recht eigentlicher\nZwang, den die Zukunftsmusiker doch von der Kunst zu\nheben glauben, indem sie die Form verneinen, und führt\nzu den oft schmerzhaft unvermittelt neben einander liegen-\nden Gegensätzen der ungemässigtsten Leidenschaft und einer\neben so sinnlichen Sentimentalität. Andererseits reicht auch\nmitunter der Gedanken-Inhalt nicht hin, um einen Satz, der\ndoch auch seiner Breite nach für etwas gelten soll, auszu-\nfüllen. (So die heroique funebre)Die Sinfonie mag mit\nBeethoven abgeschlossen sein, was ich gern zugeben will,\naber die „ „symphonische Dichtung\"\", weit davon entfernt,\nihr ebenbürtig oder gar ihre höhere Potenz zu sein, ist\nkaum ein Surrogat dafür.\"\nDen Schluss des Artikels bildet eine Schilderung der\nPartei-Literatur, die wir ganz hersetzen, weil sie die\nWahrheit sagt und zeigt, dass wir mit unserer Ansicht über\nden Werth und das Treiben derselben nicht allein stehen.\n„Eine ähnliche literarische Thätigkeit, wie die Zukunfts-\nPartei seit jetzt einer Reihe von Jahren vor unseren Augen\nausbreitet, um uns von der Unfehlbarkeit ihrer Medicamente\nzur Heilung der hinsiechenden Kunst zu überzeugen, ist in\nder Kunstgeschichte noch nicht da gewesen. Wie weit eine\nderartige Anpreisung der eigenen Producte künstlerisch\noder geschäftsmässig zu nennen sei, wollen wir dem eige-\nnen Urtheil eines Jeden überlassen; aber man muss ge-\nstehen, dass man die ganze Sache mit weniger Misstrauen\nbetrachten würde, wenn sie nicht von einer derartigen,\nganz ungeheuerlichen Reclame begleitet würde. Wir wer-\nden mit einer Consequenz, die wahrhaftig eines Besseren\nwerth wäre, veranlasst, in den Werken Liszt's ein neues\nMorgenroth der Kunst nicht nur anbrachen, sondern schon\nin vollem Lichte strahlen zu sehen; sämmtliche bedeutende\nKunst-Genien früherer Zeiten sind nur die Vorläufer und\nPropheten dieses Messias gewesen. Eine offenbar unsinnige"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600331-01.1.6", "texte": "Anmaassung fordert aber doch den Widerspruch heraus;\ndenn das Höchste, was wir Liszt'schen' Werken beilegen\nkönnen, ist subjectives Interesse als Versuche einer in-\nteressanten, genialen Individualität möchte ihnen gern alle\nGeltung zugeschrieben werden. Wenn wir aber durch die\nunerhörtesten Anpreisungen und durch die offenbar unkun-\ndige Verneinung alles bisher Erreichten in der Kunst ver-\nanlasst werden sollen, das Heil der Kunst in Erzeugnissen\nzu erblicken, denen wir höchstens die Bedeutung von Ver-\nsuchen der augenblicklich eines höheren Ideals ermangeln-\nden Zeit zuschreiben können, so scheint uns die Gränze\nder Mässigung doch unverantwortlich überschritten. Die\nNeue Zeitschrift für Musik überströmt seit Jahren vom\nüberschwänglichsten Lobe alles dessen, was im Umkreise\nder Partei geschieht, und ein jeder, der etwas Derartiges\nzu sagen hat, findet.willige Aufnahme. Dass unter solchen\nUmständen eine Literatur hauptsächlich von der Phrase\nlebt, kann nicht ausbleiben, und diese finden wir denn auch\nin der That glanzvoll in jener Zeitschrift, so wie in der\nganzen Zukunfts-Literatur vertreten. Einer solchen Litera-\ntur kann eine Bewegung, bei deren Erzeugung sie speciel\nselbst die Hand mit im Spiele hat, nur ein höchst willkom-\nmenes Existenzmittel sein; es muss ihr Alies darauf an-\nkommen, diese Bewegung selbst und auch ihre augenblick-\nlichsten Resultate so hoch, wie irgend möglich, anzuschla-\ngen, um sich dadurch selbst höher zu stellen. Sie setzt im\nReiche der Kunst neue Herrscher ein, um wenigstens als\nihre Trabanten einher stolziren zu können. In ähnlich zu-\ndringlicher Weise verfährt die Partei auch gegen das Pu-\nblicum bei öffentlichen Aufführungen von Werken ihrer\nKoryphäen; sie verlangt aus das entschiedenste, dass man\nihren Anführern den blindesten Autoritäts-Glauben entge-\ngenbringen soll, während sie selbst auch dem anerkannt\nWahren kaum die natürliche Achtung schuldig zu sein\nglaubt. Den Grund dieser autokratischen Forderungen, die\nzu den ewigen Phrasen von Freiheit, Fortschritt, Refor-\nmation, Entfesselung von der Form, Rückkehr zur Natur-\nnotwendigkeit u.s. w. freilich im geradesten Widerspruche\nstehen, kann man nur in einem übertriebenen Egoismus\nfinden. Erscheint ein neues Werk von Wagner oder Liszt,\nso tritt die ganze Gameradschaft dafür in die Schranken\nund versucht das Publicum zu gängeln und durch jedes\nMittel von der Unfehlbarkeit ihrer Schöpfungen zu über-\nzeugen. Eine solche Cameradschaftlichkeit ist in der Kunst\nallerdings eine neue, aber eine widerwärtige Erscheinung.\nIst an den Erzeugnissen dieser Richtung wirklich etwas\nWahres, so wird es zur Geltung gelangen, unbeirrt durch\njedes Für oder Wider. Desshalb erwarten wir eine Zeit\nder Abklärung der in unserer Gegenwart streitenden Ideen,\nund der eigentliche Werth aller unserer heutigen musica-\nlischen Bestrebungen wird sich dann von selbst heraus-\nstellen. Auch die Zukunftsmusik hat ihr unbestreitbares\nInteresse und ohne Zweifel ihre guten Folgen, wenn auch\nvielleicht in anderer Bedeutung, als die Partei sich selbst\nbeilegt. Sie hält das für schon errungene höhere Freiheit,\nwas sich uns bis jetzt nur als Willkür darstellt, und will\nuns zu dem Glauben zwingen, sie hätte bereits da neu\naufgebaut, wo sie bis jetzt nur zerstörend zu Werke ge-\ngangen ist. Die Möglichkeit aber, dass diese Zerstörung\nund Anarchie, wenn auch in ihren augenblicklichen Er-\nscheinungen höchst widerlich, doch dem Fortschritte die-\nnen kann, in so fern sie alte Vorürtheile beseitigen hilft,\nkann wenigstens nicht geradezu verneint werden. Wir\nglauben keineswegs, dass das Einzigwahre in der Kunst\nschon vollkommen erreicht ist, so weit es überhaupt er-\nreicht werden kann, hoffen aber, uns diesem Ziele immer\nmehr zu nähern. Wie viel oder wie wenig jene Kunstrich-\ntung zur dereinsligen so weit möglichen Verwirklichung des\nhöchsten Ideals beitragen wird, kann nur die Zeit lehren.\"\n\nSpohr und Händel.\n\nIn unvergessücher Erinnerung an den Ausdruck freu-\ndigen Entzückens, der das Antlitz unseres verewigten Mei-\nsters Spohr verklärte, so oft wir unter seiner Leitung die\nherrlichen Chöre der Händel'schcn und Bach'schen Ora-\ntorien einübten, hätte nichts uns befremdender scheinen\nkönnen als die zuerst durch die „Signale\" verbreitete, dann\nin andere Blätter übergegangene Anekdote., Spohr habe\ndem Comite der Händel-Gesellschaft auf dessen Aufforde-\nrung zur Betheiligung geantwortet, „es sei ihm Händel\nnoch unausstehlicher, als Bach\" u. s. w. Wir hiel-\nten es für unmöglich, dass Spohr eine Aeusserung wie diese\ngethan haben sollte, während er doch in dem von ihm ge-\nstifteten Gesang-Vereine eine lange Reihe von Jahren hin-\ndurch fast sämmtliche Händel'sche Oratorien: Saul, Sam-\nson, Josua, Jephta, Judas Maccabäus, Messias, Israel in\nAegypten, Joseph, die beiden u. s. w. nicht nur\nvorzugsweise immer von Neuem zu den Vorträgen wählte,\nsondern auch immer von Neuem mit Wärme über deren\nTrefflichkeit sich aussprach.\nDie in Wien erscheinende „Deutsche Musik-Zeitung\"\nbringt nun in neuer Beregung des Gegenstandes den Wort-\nlaut jener Antwort auf die an Spohr ergangene Einladung\nder Händel-Gesellschaft, dem Unternehmen beizutreten.\nDiese Antwort ist aber keineswegs an das Directorium, son-\ndern an den mit der Anfrage privatim beauftragten Freund\ngerichtet, den Spohr ersucht, die Ablehnung beim Direc-\ntorium zu übernehmen. Wenn er dabei, wie die Musik-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600331-01.1.7", "texte": "Zeitung berichtet, die Worte gebraucht hat, „er nähme\nan Händel, mit Ausschluss der ihm bekannten Oratorien,\nnoch weniger Interesse, als an Bach\", so würde, wenn auch\nvon Unausstehlichkeit hier nicht die Rede ist, doch eine be-\nsondere Zuneigung für beide Meister daraus noch nicht her-\nvorgehen. Dieser Aeusserung nun können wir eben die\nThatsache entgegen setzen, dass Spohr die Werke Händel's\nund Bach s aus eigener Wahl durch viele Jahre zu den\nVorträgen seines Vereins vorzugsweise bestimmte, dass sie\ndas stehende Repertoire der Uebungen bildeten, und dass\ner selbst stets eben so erfreut davon war, wie die Ausüben-\nden, und wie es bei öffentlichen Aufführungen die Zuhörer\nwaren. Spohr's musicalischer Sinn war offen und empfäng-\nlich für alles Grosse und Schöne, auch wo es einer von der\nseinigen ganz verschiedenen Kunstweise angehörte; wie\nsollte er sich vor Händel und Bach haben verschliessen\nkönnen, wie sollten die Werke dieser beiden grossen Mei-\nstGl ihn nicht ergriffen haben!—Als jene von ihm gesche-\nhene Ablehnung unberufener und in so veränderter\nGestalt in die Oeffentlichkeit gezogen worden und bei ihm\nSeitens mehrerer Freunde schriftlich angefragt wurde, ob\ner diese falsche Angabe nicht ebenfalls öffentlich wider-\nlegen wolle, oder ob „jene Ente ins Meer der Vergessen-\nheit schwimmen solle\", da erwiderte er, eine Widerlegung\nsei wohl überflüssig, da jeder, der ihn und seine Kunst-\nAnschauung kenne, von dem Ungrunde jener Erzählung\nvon selbst überzeugt sein müsse. Seiner wörtlichen, bei der\nAblehnung gethanen Aeusserung erinnerte er sich gewiss\nnicht mehr, und wir haben wohl auch Grund genug, kein\nGewicht darauf zu legen, und mögen mit Jesus Sirach sa-\ngen: „Es entfährt oft einem ein Wort und meinet's doch\nnicht also; und wer ist, dem nicht zuweilen ein Wort\nentführe!\"\nKassel, im März 1860.\n\nEinige Mitglieder\ndes Kasseler Cäcilien-Vereins.\n\nDie Concerte zur Einweihung des neuen Concertsaales\nim Casino zu Elberfeld.\nDen 17. und 18. März 1860.\nL. B.\nEine Feuersbrunst hatte am 1. Januar des Jahres 1858 das Ca-\nsino in Elberfeld und den schönen Concertsaal in demselben zerstört.\nDas Gebäude ist seitdem noch geräumiger und schöner wieder auf-\ngeführt, und der prächtige Concertsaal, der um ein Drittheil grösser\nist, als der frühere, wurde am 17, und 18. d. Mts. durch zwei Con-\ncerte eingeweiht, die den Bau desselben auch als akustisch höchst\nbefriedigend offenbarten.\nDie musicalischen Kräfte der Schwesterstädte Elberfeld und\nBarmen hatten sich dazu vereinigt, die Anordnung des Ganzen\nleitete der Vorstand des Gesang-Vereins von Elberfeld, ein Sänger-\nchor von mehr als 200 und ein Orchester von etwa 50 Personen\nwai versammelt, so dass die Feier den Charakter eines Musikfestes\ntrug und auch viele Fremde angezogen hatte.\nDie Haupt-Aufführung fand am 17. Statt, und es war dazu sehr\nsinnig das Oratorium Paulus von F. Mendelssohn gewählt, ein\nWerk, das wir in unserem Rheinlande haben entstehen sehen und\nmit dessen erster Aufführung zu Düsseldorf im Jahre 1836 eine\nneue Aera für Mendelssohn'« Ruhm und für unsere Musikfeste be-\ngann. Die Chöre waren sehr gut eingeübt, und die frischen und\nwohlklingenden Stimmen bewährten den Ruf der rheinischen Gesang-\nVereine. Herr Musik-Director Hermann Schornstein leitete das\nGanze mit Präeision und VersLändniss. Das Orchester liess in Bezug\nauf die Nuancirung des Ausdrucks besonders bei den Blasinstru-\nmenten, unter denen indess einzelne vorzüglich gut besetzt waren,\nManches zu wünschen übrig. Die Soli wurden von den Herren\nEduard Sabbath aus Berlin (Paulus), Gobbels aus Aachen\n(Tenor), Fräul. Elise Saart aus Köln (Sopran) und einer Dilet-\ntantin aus Elberfeld (Alt) recht-gut, zum Theil sehr schön vorge-\ntragen, so dass das Ganze einen nicht bloss befriedigenden, sondern\nerhebenden Genuss gewährte.\nDer zweite Festtag brachte zunächst Gluck's Ouvertüre zu\nIphigenie in Aulis mit dem Mozart'schen Schlüsse. Sämmtliche Auf-\nführungen an diesem Tage dirigirte Herr Anton Krause, Musik-\nDirector in Barmen; er leitete die Ausführung sowohl der genann-\nten Ouveituie als der Sinfonie Nr. 8 von Beethoven im zwei-\nten Theile des Concertes mit Sicherheit und durchaus richtiger Auf-\nfassuDg der Tempi. Line feine und überall ausdrucksvolle Ausführung\nwar freilich mit einer Probe nicht zu erreichen; auch gaben viele\nStellen bei den Bläsern der Yermuthung Raum, dass ein Theil der-\nselben nicht an \\vreichheit des Tones und an Piano gewohnt sei.\nIm Uebrigen war das zweite Concert besonders auch zu Solo-Vor-\nträgen bestimmt. Herr Sabbath sang die D-dur-Arie aus der\n„Schöpfung\" vortrefflich; seine volle, schöne Stimme kam dabei\nrecht zur Geltung. Der Vortrag zweier Lieder war dieser Leistung\nnicht ganz ebenbürtig; jedenfalls war die Wahl von Schubert1 s Erl-\nT)\nkönig« für die Individualität des Sängers keine geeignete. Fräul.\nPhilipp ine Papie aus Köln trug eine Arie von Händel, ein Lied\nvon Schubert und eines von Hiller mit einer kräftigen, vollen Alt-\nstimme vor, die zwar noch der Ausbildung bedarf, aber zu guten\nHoffnungen berechtigt. Herr Concertmeister Maximilian Wolf\naus Fiankfurt am Main zeigte sich durch den Vortrag des Concertes\nvon Mendelssohn und der Chacoune von Bach als sehr talent-\nvollen Violinspieler, der bei seiner Jagend bereits einen hohen Grad\nder Künstlerschaft erreicht hat, so dass sein Spiel, das hauptsächlich\nnur noch cicr grösseren Ruhe und des Aplomb bedarf, ihm eine be-\ndeutende Zukunft verspricht. Das brüderliche Sänger Quartett der\nHeuen Steinhaus zeichnet sich immer noch durch präcise und\nausdrucksvolle Einheit des Vortrags aus; ihre Gesänge riefen stür-\nmischen Beifall und Dacapo-Ruf bei dem Publicum, das sich sonst\nnicht eben leicht zu enthusiasmiren zeigte, hervor.\nDas Fest gereichte dem Wupperthaie in jeder Hinsicht zur Ehre\nsowohl durch die Talente und die Fertigkeit der Mitwirkenden, als\ndurch die Kunstliebe der Bevölkerung, ohne welche solche Neu-\nbauten von Concertsälen wie in Elberfeld und jetzt auch in Barmen\nund so rege Theilnahme an musicalischen Instituten nicht möglich\nwäre."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600331-01.1.8", "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nIserlohn, 21. März. Am Sonntag den 18. d* Mts. gab Herr\nN. A. Loos unter Mitwirkung des hiesigen Gesang-Vereins im Saale\nder Gesellschaft „Harmonie\" das letzte Sinfonie-Coucert der Saison.\nDie Hauptwerke waren: Beethoven's Ouvertüre (Namensfeier) Op.\n115, seine siebente Sinfonie, Mendelssohn's G-moll-Concert für Piano-\nforte mit Orchester und Gade's Frühlingsbotschaft für Chor und Or-\nchester. Sämmtliche Werke fanden den lebhaftesten Beifall. Die Aus-\nführung zeugte aber auch von sorgfältiger Vorbereitung; das aus\netwa 30 Mitgliedern bestehende Orchester spielte unter der Leitung\ndes Herrn Loos mit sichtlicher Begeisterung und lös'te seine keines-\nwegs leichte Aufgabe mit Kühnheit. Durch die Ouvertüre wurden\nwir mit einem an vielen Orten noch unbekannten und seltenen Werke\nüberrascht; sie ist eine der schönsten, grossartigsten Coneert-Ouver-\nturen und von reizendster Anmuth durchwebt. Das Clavier-Concert\nvon Mendelssohn wurde von Herrn Loos glänzend vorgetragen, und\nder Chor verkündete uns in der Frühlingsbotschaft eine mit Sehn-\nsucht erwartete Zeit. Möge man hier in den leitenden Kreisen fort-\nfahren, die bessere Musik zu cultiviren, denn nur sie vermag auch\nauf das allgemeine Publicum ein dauerndes Interesse auszuüben, f\nAus einem leipziger Briefe. Wie gefällt Ihnen die Ge-\nschichte mit der Preis-Aufgabe in der BrendeFschen Zeitschrift?\nWas mag Weitzmann für „neue Offenbarungen\" ausgeheckt haben?\nWenn sich gewisse Theoretiker durch ein hartnäckiges Festhalten\ndes Quintenverbots lächerlich gemacht haben, so haben sie sich doch\nkaum so lächerlich gemacht, als die modernen Don Quixote's durch\nihre Feldzüge gegen das Quintenverbot. Einem unbefangenen Be-\nobachter inuss es wirklich vorkommen, als wenn sich um diesen\nPunkt die ganze Zukünftelei drehte! Wer weiss, vielleicht ist es\nauch so; denn wenn man einmal anfängt, ihrer Natur nach unver-\nbundene Accorde in übermässig grosser Anzahl an einander zu reihen,\nd, h. in Einem fort Quinten zu machen, so hat man das ganze Ge-\nheimniss der Zukunft, was die Mechanik anbetrifft, und es bleibt\nfreilich nun nur noch dahingestellt, wer von den auf solche Weise\nverfahrenden Componisten der geistreichste ist. Uebrigens wüsste ich\nauch nicht, dass die Brendelianer etwas Anderes jemals gegen die\nalte Theorie vorzubringen gewusst hätten, als die Geschichte vom\nQuintenverbot. Die alte Form wird als überwundener Standpunkt so\nnebenbei, halb verstohlen, heruntergemacht, weil sie sie nicht\nverstehen und nichts Eingehendes darüber zu sagen wissen. Todter\nFormalismus auf der einen und vernünftige, aus der Natur der Sache\nnach und nach herausgebildete und in jeder Kunst feststehende\nFormen auf der anderen Seite sind eben verschiedene Dinge; aber\ndas begreifen die Herren nicht, obschon sie an Schumann das glän-\nzendste Beispiel haben von einem Manne, der in Kritik und Com-\nposition Beides streng von einander schied. x.\nMeyerbeer's Dinorah ist bei brechend vollem Hause\ngegeben worden. Das Ueberktinstelte der Musik und der Blödsinn\nder Handlung Hessen schon im ersten Acte Symptome der Verstim-\nmung im Publicum aufkommen. Die Oper liess im Ganzen entschie-\nden kalt man rangirt sie im günstigsten Falle neben, vielfach\nunter den Nordstern. Am 3. März hat das Conservatorium\nein Concert zum Andenken Spohr's veranstaltet.\nWien* Im Concertsaale eröffnete das erste der drei Abonne-\nments-Concerte der Frau Clara Schumann in würdiger Weise\ndie Fasten-Saison. Die treffliche Künstlerin machte ihre wohlbekannte\nKunst in einem Trio für Pianoforte, Violine und Cello von R. Schu-\nmann (im Vereine mit den Herren Hellmesberger und Rover), dann\nin zwei Stücken von Chopin: a. Notturno, b. Impromptu (Cis-moll)}\nin der Beethoven'schen Sonate Op 53 und in dem „Carneval4 von\nlv. Schumann für Pianoforte allein geltend.\nWarschau. Von dem talentvollen Verfasser der Oper „Halkau,\nHerrn Moniusko, ist ein neues Werk, die Oper »Die Gräfin\", am\n8. Februar mit allgemeinem Beifall aufgeführt worden."}]}