{"numero_id": "bm-bmtnabi-1860-04-14-01", "volume": "bmtnabi_1860-04-14_01", "ocr_sha256": "df90e5db86b96b64e5a08ebb6f861229fc55e818765f981bc812acbf6557275c", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1860/04/14_01/bmtnabi_1860-04-14_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600414-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1860-04-14-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-04-14_01#c001", "volume": "bmtnabi_1860-04-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "121", "page_fin": "121", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600414-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600414-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 457, "texte": "Inhalt.\nAus Wiesbaden (Meyerbeer's Dinorah). Von W. W. Aus Frankfurt am Main (Cäcilien-Verein). Von nn. Aus\nBrüssel (Richard Wagner's Concerte). Aus Bonn (Die zwei letzten Abonnements-Concerte Clavier-Concert von N. Burgmüller Li-\ntanei von W. A. Mozart Fräul. Pauline Wiesemann).— Aus Aachen (Matthäus-Passion). Von N. Aus Crefeld (Letztes Abonnements-\nConcert). Von L. B. Tages- und Unter halt ungsblatt (Meiningen Gotha Leipzig Paris London F. 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Wenn aber wir Menschen alle dem\nEinen da oben für alles Gute, das wir gemessen, Dank\nschulden, so ist auch Meyerbeer einem Einzigen in der\nHöhe verpflichtet für den Erfolg, den ihm dieser Eine mit\nempfänglichem Gemüthe und zwei harten Händen hier\nerringen half.\nDinorah wurde in Einer Woche drei Mal gegeben,\nund ich genoss sie auch zu dreien Malen. Ein Theil der\nZuschauer, ein sehr jugendlicher, war auch durch das viele\nNaturgeschichtliche, was zu beobachten sein werde, ange-\nzogen worden. Denn glauben Sie es mir nur, wir halten\nüberall die Wirklichkeit vor uns: eine wirkende, wirk-\nliche, lebende Ziege und auch wirkliches Wasser. Fräul.\n„Bella\", das fest engagirte neue Mitglied der buffu,\ngeniesst bereits die vollste Gunst des Publicums, besonders\ndes jüngeren TheiIes; und für das wirkliche Wasser\nschwärmt vollends Alles. Welch ein plötzlicher Umschwung\nzu Gunsten der Hydriatik! Die zujauchzenden Hallohs bei\ndem Erscheinen von Miss Bella, die selbst im Finale des\nzweiten Actes nicht zurückgehalten werden, sind ein Be-\nweis, welcher Gunst sich bereits das neue Mitglied erfreut\nund dass das wirklich Gute sich unaufhaltsam Bahn\nbricht. Jedoch alle diese Hallohs mussten erbleichen und\nverstummen gegen die Ah's und Oh's, die den in der That\nvollendeten Decorationen galten, von den bekannten Herren\nMühldorfer aus Mannheim angefertigt und geleitet.\nUm auf das Haus, d. i. dessen Besetzung, zu kommen,\nso muss ich Ihnen sagen, dass im Ganzen eine peinliche\nLeere herrschte; in den höheren Regionen war eine nicht\nzu läugnende Fülle, dagegen waren die niederen von den\nHöheren verlassen. In den Niederungen, wo ich ganze\nReihen Stühle leer sah, waren aber auch erhöhte Preise.\nTrotz einer freilich nur unbedeutenden Preis-Ermässigung\nbei der zweiten und dritten Vorstellung wollte sich das\nHaus nicht füllen. Sonntag den 18. März war die erste,\nMittwoch die zweite und Sonntag den 25. März die dritte\nAufführung der Oper. Die Besetzung war folgende: Di-\nnorah (Fräul. Typka), Hoel (Herr Simon), Corentin (Herr\nSchneider), ein Jäger (Herr Abiger), ein Mäher (Herr Stritt),\nerster und zweiter Hirtenknabe: Fräul. Barth und Fräul.\nSchönchen. Bei der dritten Aufführung wurde die Partie\ndes Mähers von Herrn Peretti, den Unwohlsein bei den\nersten Vorstellungen verhindert hatte, gesungen.\nVorab möchte ich betonen, dass die Oper auf dem\nZettel „Romantisch-komische Oper\" genannt wird; sie hat\naber lyrische, tragische, ja, schauderhafte Momente, und\nnur die mehr alberne als komische Figur Corentin's scheint\ndazu ersehen zu sein, den Eindruck jener abzuschwächen.\nDie Ouvertüre, ein effectvolles Musikstück, hat hier\njedes Ma! sehr gefallen, wodurch indess noch immer der\nmusicalische Werth derselhen in Frage gestellt bleibt. Das-\nselbe Publicum Hess weit bessere, gehaltvollere Ouvertü-\nren—zwar nicht mit einer Interpretation versehen—völlig\ntheilnahmlos an sich vorübergehen. Ich erlaube mir, die\ngeehrten Leser Ihres Blattes auf Nr. 19, 20 und 21 des\nvorigen Jahrgangs dieser Zeitung aufmerksam zu machen,\nwelche einen umfassenden Bericht aus Paris über die Auf-\nführung der Dinorah enthalten, der auch einen vortreff-\nlichen Leitfaden für den Berichterstatter einer hier erschei-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600414-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5314, "texte": "nenden Zeitung abgegeben zu haben scheint. Ich füge\ndesshalb nur einige, die hiesige Aufführung betreffende\nBemerkungen hinzu.\nDie Arie des Hoel: „Mächtige Kunst der Magie\", ist\n{liessend und für den gewandten Sänger dankbar geschrie-\nben, erinnert an Lortzing's Stil. Herr Simon ist ganz der\nSänger, sich hier den ersten Beifall am Abende zu erobern.\nDie in der Oper zu Oefterem vorkommenden langen Dia-\nloge könnten von Fräul. Typka und Herrn Simon drama-\ntisch lebendiger behandelt werden. Herr Schneider behan-\ndelt auch hierin seinen ihm zugewiesenen Theil bedeutend\nwirksamer.\nOriginel ist die Composition des „Auf, entweicht, ihr\nGeister\", die so genannte Beschwörungsformel, deren Re-\nprise eigentümlich ist durch die nachschlagenden Achtel\ndes Corentin. Dann entspinnen sich bald wieder die nir-\ngend zu verläugnenden Tanz-Rhythmen, besonders bei\n„Ja, ein Schatz\".\nDas nachfolgende Terzett zwischen Dinorah, Hoel und\nCorentin ist gut; zurückhalten aber kann ich nicht damit,\ndass es gleich sehr an die Zauberflöte und an die Schö-\npfung erinnert. Das zu tief stimmende Glöckchen war sehr\nstörend. Alle drei singen: „Ach holdes Glöckchen, töne\nfort!\" in welchen Wunsch ich nicht einstimmte. Solche\nnicht zur Musik gehörende Nebensachen —z. B. eben so\nein permanentes Glockengeläute sind nur störend und\nziehen das Ohr des grössten Theiles des Publicums seitab.\nDer zweite Act, dem eine lustige Introduction im 3/b-\nTacte vorangeht (Walzer), zeigt uns eine prachtvolle Mond-\nnacht der Herren Mühldorfer, ein wahres Meisterwerk die-\nser Herren der Schöpfung. Der Chor „0 wie gut, o wie\nrein ist Vater Ivon's Wein\" ist gut wie der Wein, dessen\nseltene Eigenschaften er besingt, ohne gerade originel zu\nsein. Der Dialog der zwei Nachzügler zwei komische\nPersonen der komischen Oper, die aber keinen Ton zu\nsingen, dagegen desto mehr von dem abenteuerlichen Le-\nben Dinorah's zu erzählen haben wäre wohl etwas zu\nkürzen, wiewohl er eine Würze für die Höhen ist. Nach\nder schönen Romanze Dinorah's kommt das vielbesprochene\nSchatten-Duett, eine Walzer-Melodie, in welcher Meyerbeer\nallerdings Lanner, Labitzky, Strauss u. s. w. übertroffen\nhat. Etwas Einschmeichelndes und Anmuthiges ist ihr nicht\nabzustreiten, den Unsinn des Kunstgriffes der Situation\nwird Niemand vertheidigen wollen. Fräul. Typka ärntete\nnach dieser Scene Beifall und Hervorruf. In gesanglicher\nHinsicht ist Fräul. Typka durchaus befriedigend.\nNach der Verwandlung sehen wir eine prachtvolle\nLandschaft mit See, Mond und der entsetzlichen Brücke.\nOriginel sind die Couplets Corentin's: „Montag fängt die\nWoche an\", von Herrn Schneider trefflich gesungen und\ndurch seine hohe Begabung für komisches Spiel aufs wirk-\nsamste unterstützt. Ueber Dinorah's mysteriöse Legende,\nüber deren eigentlichstes Heimatland die pariser Kritiker\nsich so vergebens den Kopf zerbrechen, scheint Corentin\nbesser unterrichtet zu sein, denn er sagt nach den ersten\nTönen: „Der Gesang ist mir nicht unbekannt!\" Erkennt\nwahrscheinlich Verdi's Trovatore.\nNach der Rückkehr Hoel's von der Brücke bahnt sich\nder famose Schluss des zweiten Actes an; zunächst ein\nDuett zwischen Hoel und Corentin, welches Fluss und Cha-\nrakter hat; aber man begegnet einer stets und stets wie-\nderkehrenden ordinären Orchester-Figur einer Phrase\nvon vielleicht vier Tacten, die unangenehm berührt.\nTrotzdem, dass der weitere Verlauf des oben genann-\nten Duettes eines der besten Musikstücke ist, benahm sich\ndas Publicum dennoch kalt; jedenfalls war es immer zu\nsehr gespannt auf den Einsturz der Brücke, der auch wirk-\nlich derartig menschenquälend täuschend ist, dass alle\nTheilnahme an der Musik aufhören muss. Vorher gestaltet\nes sich noch zu- einem Terzett, in welchem manches Gute\nist, wenn nur nicht auch hier Tanz-Rhythmen und chro-\nmatische Modulationen vorherrschten.\n„Donner rollen, Stürme toben\", singt Corentin.\n„Welche Lust, die Stürme toben\", singt Dinorah.\n„Ha, was seh'ich? die Ziege! Ja, sie ist da!\" singt Hoel.\n„Bella! ach, bist du da? Du bist treu geblieben. Komm\nzu mir! Meine Hochzeit ist hier!\" singt Dinorah.\nDer Himmel zürnt, das Orchester ras't, die Ziege\nschlendert über die Brücke, das Publicum hält den Athem\nan, Dinorah fliegt auf die Brücke, der Bella nach, und:\nKrach! Krach! „als wären alle Himmel geborsten, stürzt\nsie\"—Dinorah nämlich hinunter in die gähnende Tiefe\nmitsammt der morschen Brücke, und „von des Giessbachs\nreissenden Fluten geschwellt\", stürzen aus einem Reser-\nvoire mächtig und breit hervor 3—4 Ohm bereit gehal-\ntenes Wasser, dessen Entfesselung auf die Note trifft, und\nin welches man Dinorah niedersinken sieht. Das Publicum\nerbleicht vor Schrecken beim Anblicke der tobenden\nElemente und der erschütternden Katastrophe ein ge-\ntreues Bild der haarsträubendsten Wirklichkeit —, bis es\nvon Mund zu Mund geht, dass nicht Fräul. Typka in den\nGiessbach gestürzt sei, sondern statt ihrer eine—Riesen-\npuppe. Nachdem der Vorhang gefallen, ras't jetzt auch\ndas Publicum; man klatscht, man ruft Mühldorfer heraus,\nein „Alle!\" dazwischen, und die Sängerin noch lebend mit\nhervorzerrend, erscheinen endlich die Herren Mühldorfer\nsen. und jun.; noch sieht und hört man, während sie dan-\nken, die Wasser rauschen und sich verlaufen.\nDer dritte Act beginnt mit einer Intrade, die gar nicht\nzur Handlung gehört. Ein Jäger (Herr Abiger) singt das"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "123", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600414-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2314, "texte": "schon oft besprochene Jagdlied, das einen recht munteren\nRhythmus hat. Ein Mäher (Herr Peretti) kommt dann zu-\nfällig daher und singt das Sensen-Solo, während dessen er\nab und zu die Sense wetzt. Endlich kommen in gleichem\nSchritt nnd Tritt und in guter soldatischer Haltung, hart\nneben einander gehend, zwei weibliche Hirten auch zufäl-\nlig daher, singen einige nicht leichte Solfeggien und be-\ndanken sich für den Beifall, den sie damit ärnten. Da sie\nnun zu Vier sind, singen sie ein Quartettchen. Das dem\nOstertischgebet in der „Jüdin\" nicht unähnliche Respon-\nsorium gefällt übrigens. In der Hörnerbegleitung aber\nsteckt irgendwo eine durchgehende Note, die ich an allen\ndrei Abenden als entsetzlich hart wahrgenommen habe.\nDie Romanze Hoel's: „Dich rächet meine Reue\", ist im\nStile Kücken's, von Abt's „Schwalben\", Hölzl's „Thräne\"\nu. s. w. geschrieben, allein sie wird gefallen, wenn sie auch\ngewöhnlicher Natur ist. Diese Natur verläugnet sich auch\nim Folgenden nicht. Dinorah's „Dies ist die Stelle, du\nstandest da\" u. s. w. klingt gemein, sie überbietet sich\ndann mit Hoel ä la Verdi in maasslosem Schreien, und sie\närnten—einen rasenden Beifallssturm. Der Chor „0 hei-\nlige Junglrau\" ist monoton. Die Rouladen Dinorah's auf\n„Heil ge Jungfrau, sei gesegnet\" (!!) bringen ihr wieder\nstarken Beifall; nicht minder jene auf „0 Madonna, Quell\nder Gnaden\". Chor und Orchester sagen noch einmal uni-\nsono: „Ei, du hast geträumt!\" —dann Procession zur Kirche,\nFahnen mit dem Bilde der Himmelskönigin, im Hinter-\ngrunde der Bühne angelangt, lebendes Bild, Front gegen\ndas Publicum, die Capelle von Ploermel auf dem Berge\nsichtbar — mitten drein Corentin's Frage an Hoel: „Und\nder Schatz?\" und dazwischen und daneben: „0 heilige\nJungfrau\" 20 — 30 Mal — da haben Sie das Finale der\nganzen Oper.\nNach dem Schlüsse der Oper (bei der dritten Auffüh-\nrung) ging um 11 Uhr Nachts ein Extrazug nach Mainz\n—dennoch war das Haus im Ganzen leer geblieben.\nGestern, Samstag den 31. März, ist das Theater mit\nLucia geschlossen worden, und heute, Sonntag den 1. Aprff\nhaben sich die Hallen (Höllen?) des Cursaales zu neun-\nmonatlicher Wirksamkeit geöffnet, um menschenfreundlich\nmit der Heilkraft der Quellen zu wetteifern zur Ausrot-\ntung aller Hypochondrie und zur Ausgleichung der beweg-\nliehen Güter der Menschheit.\n\nW. W."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-04-14-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-04-14_01#c003", "volume": "bmtnabi_1860-04-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "123", "page_fin": "124", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600414-01.2.3", "titre_corps": "Aus Frankfurt am Main.", "titre_sommaire": "Aus Frankfurt am Main.", "signature_source": "nn", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "123", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600414-01.1.3", "debut_caractere": 2316, "fin_caractere_exclue": 5302, "texte": "Aus Frankfurt am Main.\n\nDen 7. April 1860.\nWenn ich Ihnen heute über das Wirken des Cäci-\niien-Vereins berichte, kann ich es nicht ohne tiefe Er-\nschütterung. Das Halsübel des Directors des Vereins,\nFranz Messer, hat in den ersten Wochen dieses Jahres\neine so unheilvolle Wendung genommen, dass er in diesem\nAugenblicke in Agonie liegt und jeder Hoffnungsschimmer\nerblasst ist. Der ausgezeichnete Organist zu St. Paul, Herr\nFriederich, welcher zu den tüchtigsten Clavierlehrern\nunserer Stadt genört, und seit Jahren innig befreundet mit\nMesser, sich ihn mit Erfolg zum Vorbilde genommen hat,\nist* von Messer selbst empfohlen, von dem Vorstande zum\nprovisorischen Leiter des Vereins ausersehen worden. Er\nhat bereits das zweite Abonnements-Concert, wel-\nches Händel's Josua brachte, am Flügel dirigirt und\nzum Theil auch noch die Proben geleitet, die Messer noch\nmit gewohntem Feuereifer begonnen hatte. Der plötzliche\nWechsel in der Direction und zum Theil auch der trost-\nlose Zustand, in dem sich die Orchesterstimmen befanden,\nmachte es bei der Kürze der Zeit unmöglich, das Werk,\nwie versprochen war, mit Orchester-Begleitung hinzustellen.\nUm so prächtiger konnte sich die Gewalt der Chöre in die-\nsem herrlichen Werke entfalten. Die Begleitung am Flügel\nwar im Geiste Messer's und befriedigte auch die strengste\nKritik. Wer es begreift, was es heissen will, einen Chor\nvon 200 Stimmen zum ersten Male in einem kolossalen\nWerke zugleich begleitend zu dirigiren, wird die hohe Be-\nfähigung des provisorischen Directors nicht verkennen kön-\nnen. Zum dritten Concerte war für dieses Jahr, wie\n1858, die Matthäus-Passion Bach's mit Orchester\nausersehen und die deutsch-reformirte Kirche zum Orte\nder Ausführung bestimmt. Die Aufgabe wurde für den\nneuen Dirigenten allerdings einerseits dadurch bedeutend\nerleichtert, dass dieses Werk, das hier zu seiner zwanzig-\nsten Aufführung gelangte, bei den älteren Mitgliedern des\nVereins in der That in Fleisch und Blut übergegangen\nwar; konnte es doch im Jahre vorher ohne vorhergehende\nProbe in ausgezeichneterWeise dargestellt werden. Jedoch\nwar gerade in diesem Winter eine grosse Zahl neuer Mit-\nglieder eingetreten, und es bedurfte daher sorgfältiger\nProben, namentlich für den kolossalen Eingangs- und\nSchlusschor, so wie für die zwar kleinen, aber äusserst\nschwierigen und durch die schnellen Tempi leicht verwirrt\nklingenden Doppelchöre des Volkes und der Jünger. Trotz\nder Schwüle, die das Hinsiechen des geliebten Meisters in\nden Gemüthern verbreitete, unterzog man sich doch mit\ngrosser Liebe der Aufgabe, und selbst in der bangen Ah-\nnung, dass sein Scheiden mit der Aufführung zusammen-\ntreffen könne, entschloss man sich doch, die Sache durch-\nzuführen, als ein Opfer der Liebe für den, der auf sei-\nnem Schmerzenslager unausgesetzt des Vereins gedachte\nund in freien Augenblicken noch an den herrlichen Offen-\nbarungen seines Meisters sich tröstend erquickte. So wurde\ndie MatthäusrPassion gestern Abends in der Kirche recht\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "124", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600414-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1570, "texte": "eigentlich dem sterbenden Meister gesungen, mit Ernst und\nWeihe, und wenn auch nicht ganz mit der Vollendung,\nwie er sie selbst zwei Jahre vorher gebracht hatte, so doch\nbesonders in den Chören mit grosser Gediegenheit und in\nglücklicher Verschmelzung der Stimmen, wie man sie nur\nin einem so durchgebildeten Vereine finden kann. Die Soli,\nzum grösseren Theile in neuer Besetzung, waren im Gan-\nzen befriedigend. Die Damen Fräul. Barth von Wiesbaden\n(Sopran) und Fräul. Joh. Martin von hier (Alt) hatten ihre\nschwierigen Partieen mit Eifer studirt, und namentlich die\nerstere sang Recitativ und Arie recht schön; im Duett\nfühlte man, dass die beiden Stimmen nicht mit einander\nvertraut waren. Die Partie des Christus sang Herr Hill\n(Bass) mit seiner wundervollen Stimme zum ersten Male\nund sehr befriedigend, zum grösseren Theile ergreifend\nschön. Er wird bei Wiederholung gewiss ganz in den\nschlicht-grossen, alle modernen Effecte abweisenden Geist\nBach's eindringen. Herrn Baumann's Evangelisten-Partie\nsammt den Tenor-Arien war auch diesmal, wie früher,\naus Einem Gusse, ein freies Schaffen, wie es nur dem ganz\nin den Geist des Werkes eingedrungenen Sänger möglich\nist. Der Eingangschor, jener grösste aller Chöre, machte,\ngetragen von dem aus 100 Kinderkehlen schallenden\ntus firmus:„O Lamm Gottes\", in seinem wunderbaren\nAufbau einen überwältigenden Eindruck. Der Schlusschor\nmit seinen ergreifenden Worten: „Und rufen dir im Grabe\nzu: Ruhe, sanfte, sanfte Ruh'\", war wie ein Abschied des\nVereins, dem lieben Meister auf sein Sterbelager hinüber\ngerufen.\n\n---- nn."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-04-14-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-04-14_01#c004", "volume": "bmtnabi_1860-04-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "124", "page_fin": "125", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600414-01.2.4", "titre_corps": "Aus Brüssel.", "titre_sommaire": "Aus Brüssel.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "124", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600414-01.1.4", "debut_caractere": 1572, "fin_caractere_exclue": 5128, "texte": "Aus Brüssel.\n[Richard Wagner's Concerte.]\nDen 6. April 1860.\nGeehrter Herr! Der musicalische Referent der „Inde-\npendance\" vom 5. April widmet der Erscheinung Richard\nWagner's hierselbst eine ausführliche Besprechung. Die\nAnsichten desselben über die Beweggründe des Reforma-\ntors zu seinem Auftreten überhaupt, über sein Streben,\nAufsehen zu machen, und dessen positive Förderung durch\nLiszt, negative durch Sie, will ich, obschon sie viel Wah-\nres enthalten, übergehen, weil ich weiss, dass Ihnen mehr\ndarum zu thun ist, das Urtheil unabhängiger Kritiker im\nAuslande über Wagner's Musik kennen zu lernen, als ihre\nMeinungen über seine Persönlichkeit. Eben so wenig kön-\nnen die an sich sehr richtigen Aeusserungen über das Ver-\nhältniss des wahren Künstler-Genie's und des Schaffens\neiner echt künstlerischen Natur zu der Production nach\neinem a priori aufgestellten System u. s. w. Ihre Leser\nbesonders intercssiren, da dieses alles in Deutschland und\nnamentlich in Ihrer Zeitschrift schon oft und eindringlich\ngesagt worden ist. Bemerkenswerther ist nach einer war-\nmen Anerkennung von Wagner's ausgezeichneten Eigen-\nschaften in jeder anderen Hinsicht die Conclusion: „Allein\ndass er ein grosser Musiker sei, das können wir unmöglich\neinräumen ; denn dieses Prädicat kommt nur dem begeistert\nschaffenden Künstler zu, und die Begeisterung ist unver-\nträglich mit dem Produciren nach systematischen Formeln.\"\n—lm Verlauf des Artikels heisst es dann weiter:\nDie Bruchstücke, die Wagner in dem Concerte auf-\nführte, konnten durchaus keine vollständige Vorstellung von\nseinem System für Opernmusik geben, da dieses sich haupt-\nsächlich durch die Verbannung der bisherigen Formen der\nGesangstücke und Ersatz derselben durch declamatorische\nRecitative und Arioso's kennzeichnet. Es kann uns daher\nnicht wundern, dass das Publicum, welches etwas ganz Ab-\n*\nsonderliches erwartete, gewisser Maassen erstaunte,\" dass\nWagner's Musik überhaupt Musik glich.\nDas Concert begann mit der Ouvertüre zum „Gespen-\nsterschiff\" , einem Stücke ohne bestimmten Charakter und\nohne die mysteriöse Farbe, die der Gegenstand verlangt.\nJe mehr man strebte, das Programm dazu in Einklang mit\nder Musik zu bringen, desto weniger war man im Stande,\neinen Plan in dem Ganzen zu entwirren. Diese Ouvertüre\niiess das Publicum sehr kalt.\nDagegen wurde der Einzug der zum Wartburgfeste\nGeladenen rauschend applaudirt. Diese Scene ist kräftig\ncolorirt, energisch und mit einer rhythmischen Freiheit be-\nhandelt, die man bei Wagner sonst eben nicht oft antrifft.\nDer mächtige Klang-Effect der Trompeten verfehlt seinen\nEindruck nicht.\nDie Pilgerfahrt Tannhäuser's nach Rom ist ein vages\nund confuses Musikstück, voll dick aufgetragener Farben-\nEffecte und schroff abgebrochener Harmonieen; vergebens\nsucht der Zuhörer nach dem Leitfaden irgend einer vor-\nherrschenden musicalischen Idee.\nDie Ouvertüre zum Tannhäuser hat mehr Colorit, als\ndie zum Gespensterschiff; es finden sich sehr pittoreske in-\nstrumentale Gruppirungen darin. Das wohl vorbereitete\nCrescendo am Schlüsse hat grossen Eindruck gemacht.\nFragmente aus Lohengrin füllten den zweiten Theil\ndes Concertes. In der Scene: „Der heilige Gral\", sucht man\nwieder vergebens einen natürlichen und entwickelten Ge-\ndanken. Das Ohr erschlafft beim Anhören der geschraub-\nten Harmonieen, deren Monotonie nur hier und da lär-\nmende Klänge unterbrechen. Mehr Gutes kann man von\ndem „Erwachen am Morgen\" und dem darauf folgenden\nChor sagen, welcher eines der besten Musikstücke ist, die\nWagner uns hat hören lassen; es ist melodischer und"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "125", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600414-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3509, "texte": "besser rhythmisirt, als die früheren. Am Schlüsse wieder\nein wirksames Crescendo.\nEs ist bemerkenswerth, dass die drei grössten Ein-\ndrücke von Wagner's Musik an dem Concert-Abende alle\ndrei durch dasselbe Mittel, d. h. durch ein Crescendo, her-\nvorgerufen worden sind. Dieses Verfahren ist bekanntlich\nkeineswegs neu. Rossini,, der es übrigens auch nicht er-\nfunden hat, bedient sich desselben reichlich. Dem Eindruck\nder allmählichen Steigerung bis zur endlichen Explosion\nwird die Menge nie widerstehen. Der Ausbruch des Bei-\nlalls ist die Folge einer Nervenerschütterung,, die in einer\ngrossen Versammlung von Menschen ansteckend wird und\nselbst den Zuhörer, der dagegen auf seiner Hut ist, mit\nlortreisst. Das Crescendo ist eine Schnur mit einem Angel-\nhaken, durch den sich das Publicum immer fangen lässt.\nWagner versteht die Kunst der Instrumentation und\nder Factur vortrefflich. Dieses Verdienst hat aber gar viel\nvon seinem Glänze verloren, da es nicht mehr das so sel-\ntene Eigenthum einzelner Künstler ist, dass man ihnen\ndesshalb ausnahmsweise die Armuth an Erfindung verzeiht.\nDas Ansehen der Geschicklichkeit im Machen und in der\nBenutzung der instrumentalen Hülfsmittel ist gesunken,\nwährend die Achtung vor dem Talente der Erfindung ge-\nstiegen ist.\nDer Zweck der Musik ist, das Gemüth anzuregen, Ein-\ndruck auf das Gefühl zu machen; das Herz ist weit mehr\nihr Ziel, als der Verstand; sie geräth auf Irrwege, wenn\nsie den Kreis der Empfindungen verlässt und sich in Ver-\nstandes-Combinationen einlässt. So scheint uns denn Wag-\nner's grösstes Unrecht darin zu liegen, dass er die Melodie\nauf ein so geringes Maass ihres Werth es beschränkt, dass\nder Verstand allein sich für ihr Anpassen an den Text und\nan das Programm interessirt, während die Saiten der Seele\ndadurch nicht in Schwingung kommen. Dieses System,\nmag es noch so viele Anhänger zählen, beruht nichts desto\nweniger auf einem falschen Grundsatze.\nIndem er die Melodie, d. h. den musicalischen Gedan-\nken und dessen natürliche Entwicklung, unterdrückt, öff-\nnet Wagner den Componisten ohne Erfindungs-Talent\nThür und Thor. Ein Jeder kann am Ende mit einiger An-\nlage und dauerndem Fleisse sich das nöthige Wissen an-\neignen, wiewohl wir damit keineswegs sagen wollen, dass\nein Jeder es Wagner'n gleich thun könne, da wir in ihm\neinen sehr intelligenten Musiker anerkennen; allein ohne\nEigentümlichkeit und Frische der Erfindung werden die\nCompositionen nach seinem Systeme eine sehr monotone\nFamilien-Aehnlichkeit haben.\nWagner gefällt auch bei uns Manchem, bloss weil er\nihm die Musik unter einer neuen Gestalt vorführt. Allein\ndie Frage muss nicht sein, ob etwas neu sei, sondern ob\nes schön sei. Ist es schön, so wird ihm die Neuheit noch\neinen besonderen Reiz verleihen, aber an und für sich\nkann doch die Neuheit allein kein Verdienst sein. Man\nkann freilich in den alten Formen bleiben, den bewährten\nTraditionen folgen und doch schlechte Musik schreiben;\naber man kann auch sehr schlechte aufs Tapet bringen,\nwenn man sich über jene ganz und gar hinwegsetzte; das\nwird doch Niemand läugnen wollen.\nUebrigens kann sich Wagner über das brüsseler Pu-\nblicum nicht beklagen. Die Zuhörerschaft war zahlreich,\naufmerksam und bereit, bei jeder Veranlassung eine\nfreundliche Aufnahme fremder Kunstleistung zu bekunden.\nAuch das Orchester spielte mit Interesse und Eifer. Die\nChöre wurden besser gesungen, als wir sie hier in der Oper\nje gehört, und der ComponistdesLohengrin bewährte sich\nals einen ganz ausgezeichneten Dirigenten."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-04-14-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-04-14_01#c005", "volume": "bmtnabi_1860-04-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "125", "page_fin": "126", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600414-01.2.5", "titre_corps": "Aus Bonn.", "titre_sommaire": "Aus Bonn.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "125", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600414-01.1.5", "debut_caractere": 3511, "fin_caractere_exclue": 5164, "texte": "Aus Bonn.\n[Die zwei letzten Abonnements-C oncerte Clavier-\nConcert von Norbert Burgmüller, gespielt von Herrn\nSchau seil. Litanei in D yon W. A. Mozart (ungedruckt).\nFräul. Pauline Wiesemann.]\nIn dem vorletzten Abonnements-Concerte am 14. März\nwar es besonders das Clavier-Concert aus Fis-moll des lei-\nder der Tonkunst zu früh entrissenen Norbert Burg-\nmüller, welches die Aufmerksamkeit und Theilnahme der\nMusikfreunde in hohem Grade fesselte. Der wackere Pianist\nHerr Schauseil aus Düsseldorf verdient reichliche Aner-\nkennung, dass er diese leider ungedruckte Composition\nBurgmüller's zum Vortrage wählte*). Das Concert zeichnet\nsich durch Originalität der Erfindung im ersten und im\nletzten Satze aus. Die poetisch empfundenen, seelenvollen\nMotive sind gut und schwungvoll bearbeitet, nur zuweilen\netwas zu stark mit Hummel'schem Passagenwerk versetzt.\nDas Andante ist die schwächste Partie des Concertes, lehnt\nsich an Schubert'sche Andante's an und wird stellenweise\ndie Clavier-Partie völlig von der nicht immer glücklich ge-\nwählten Instrumentation erdrückt. Im Ganzen macht uns\ndas Concert den Eindruck einer reichen, üppig wuchern-\nden Erfindungskraft, die aber noch nicht zu völliger Be-\nherrschung der eigenen Ideen, nicht zur Fähigkeit formel-\nler Abrundung gereift ist, und vielleicht auch, da dieses\nConcert eine der letzten Compositionen Burgmüller's, nie-\nmal zur eigentlichen Beherrschung der Form gereift sein\nwürde.\nAusserdem hörten wir an jenem Concert-Abende die\nfrische und liebliche Composition von RobertSchumann:\n\n*) Auch Mendelssohn-B artholdy schätzte dieses Concert\nund hat es in Düsseldorf öffentlich vorgetragen. Die Red."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600414-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3784, "texte": "„Zigeunerleben\", die uns aber durch die Instrumentation\nan Schwung und Wirkung zu verlieren scheint; die grosse\nScene aus Gluck's Orpheus für Alt und Chor, die Ouver-\ntüre zur Euryanthe und die siebente Sinfonie von Beet-\nhoven. Die Sinfonie ging so gut, wie wir von unseren\nmassigen Orchesterkräften erwarten können; in der Scene\naus Orpheus hätten wir das Tempo etwas langsamer ge-\nnommen gewünscht, und reichen auch wohl die Stimm-\nmittel der sonst sehr von uns verehrten Sängerin Fräul.\nSchreck in den höheren Tönen nicht völlig zu dieser\nPartie aus.\nDas letzte Abonnements-Concert, den 29. März, war\nbesonders interessant durch die (so viel wir wissen) erste\nAufführung einer ungedruckten Composition von Mozart,\nder zweiten Lauretanischen Litanei in aus\ndem Jahre 1774. Professor O. Jahn gibt im ersten Theilc\nseines „W. A.Mozart\" eine Analyse derselben (S. 500 ff.).\nWenn wir mit dem Schlussworte, dass diese Litanei „den\nunverkennbaren Stempel Mozart s trägt\" , vollkommen über-\neinstimmen, so müssen wir doch nach Anhörung derselben\noffen gestehen, dass wir die begeisterte Würdigung dieses\nJugendwerkes Mozart's durch seinen berühmten Biogra-\nphen nicht theilen können, sondern hauptsächlich nur in\nder ganz natürlichen Freude über das Auffinden eines für\ndie künstlerische Entwicklung Mozart's allerdings bedeu-\ntenden, bisher unbekannten Musikstückes begründet finden.\nDemungeachtet muss man der Direction Dank sagen, dass\nsie Gelegenheit gegeben hat, ein unbekanntes Werk Mo-\nzart's kennen zu lernen, dessen historisches Interesse unbe-\nstreitbar ist und dessen Inhalt, wenn man sich auf den\nStandpunkt des Geschmacks in der Zeit seiner Entstehung\nstellt, immerhin die ähnlichen Arbeiten der Epoche hoch\nüberragt. Aber gerade dieses Erforderniss für den Genuss\nan solcher Musik, nämlich sich zurück zu versetzen in eine\nZeit, die nicht den geringsten Anstoss nahm an der aus-\ngeschmücktesten opernmässigen Behandlung der Kirchen-\nmusik, namentlich der Sologesänge in ihr, die ein Mise-\nrere nohs mit Coloraturen verbrämte und eine einfache\nAnrufung der Maria der Veränderung wegen zur Bravour-\nArie machte diesen Standpunkt heutzutage wieder ein-\nzunehmen, ist doch bei dem besten Willen und der gröss-\nten Hochachtung lür Mozart nicht mehr möglich, und man\nkann sich beim Hören nicht verhehlen, dass der grosse\nMeister in seinen Jugendarbeiten dieser Gattung, als Kind\nseinerzeit, unendlich weit hinter Bach und Händel zurück-\nsteht.—Die Haupt-Solopartie in dieser Litanei hat der So-\npran. Sie wurde von Fräul. Pauline Wiese mann von\ndem Conservatonum in Köln, Schülerin des Herrn Prof.\nBöhme daselbst, vorgetragen, welche vorher auch die Arie\nHannchen's aus Haydn's „Jahreszeiten\" sang. Letztere\ndürfte keine ganz zweckmässige, jedenfalls keine dankbare\nWahl für das Concert sein. Die jugendliche Sängerin be-\nsitzt bei einer höchst einnehmenden persönlichen Erschei-\nnung eine volle, angenehme und wohltönende, wenn auch\nnicht grosse und voluminöse Stimme, bei welcher Egalität\nund reine Intonation vorzüglich sind, und deren Kraft sich\nauch bedeutend steigert, sobald sie nicht durch Befangen-\nheit beeinträchtigt wird. Diese bei solcher Jagend und\nUngewohntheit des öffentlichen Auftretens sehr natürliche\nBefangenheit hindert dann auch die junge Dame zuweilen\nan Sicherheit und an freier Hingebung an das Gefühl und\nden dadurch bedingten Ausdruck, den sie durch ihre gute\nTonbildung und die bereits erlangte Feinheit auch des ver-\nzierten Vortrages, wie wir uns bei anderen Gelegenheiten\nüberzeugt haben, schon ganz hübsch in der Gewalt hat.\nVon Orchestersachen wurde Beethoven's Ouvertüre\nzu Egmont, deren Tempo wir indess etwas lebhafter ge-\nwünscht hätten, und Schubert1 s grosse 6\"-üfer-Sinfonie\npräcis und den vorhandenen Mitteln gemäss ganz gut aus-\ngeführt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-04-14-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-04-14_01#c006", "volume": "bmtnabi_1860-04-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "126", "page_fin": "127", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600414-01.2.6", "titre_corps": "Aus Aachen.", "titre_sommaire": "Aus Aachen.", "signature_source": "N", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600414-01.1.6", "debut_caractere": 3786, "fin_caractere_exclue": 5501, "texte": "Aus Aachen.\n\nDie erste Aufführung der grossen Matthäus-Passion von J. S,\nBach (am 3. April) war für unsere Stadt eines von den Ereignissen,\ndie man so bald nicht vergisst, und mit einem gewissen Stolze tra-\ngen wir sie als eine der gelungensten in unsere musicalischen Jahr-\nbücher ein. Die Ausführung des Meisterwerkes hat uns einen neuen\nBeweis von dem Reichthume der musicalischen, namentlich der Ge-\nsang eskiäfte, Aachens gegeben, und von dem Eifer und der Hinge*\nbung an die Ivunst, wenn es darauf ankommt5 den Ruhm eines der\nherrlichen Meister, die Deutschland erzeugt hat, von Neuem zu ver-\nklären. Der grosse Saal im Curhause bot einen imposanten Anblick\ndar sowohl durch die Menge der Mitwirkenden, die alle von dem\neifrigen Bestreben erfüllt waren, den berühmten Patriarchen der\nTonkunst für das ungerechte Vergessen zu entschädigen, als durch\ndie anhaltende Aufmerksamkeit und andachtsvolle Stille, mit welcher\ndie zahlreiche Zuhörerschaft dem gewaltigen Fluge des Riesengeistes\nzu folgen suchte. .\nOhne Widerspruch zu fürchten, kann ich sagen, dass\nführung in Beziehung auf das Ineinandergreifen des Ganzen und auf\ndie Wahrheit des Ausdrucks im Einzelnen so gut war, dass nur\nwenige unserer Fest-Concerte einen ähnlichen Erfolg aufzuweisen\nhaben; und da ich auch bei der Aufführung in Köln anwesend war,\nso habe ich jetzt- bei mir selbst gedacht: „Was könnte auf der Welt\neiner Allianz von Köln und Aachen widerstehen!\" Der glänzende\nErfolg krönte die unverdrossenen Bemühungen unseres trefflichen Mu-\nsik-Directors Herrn Wüllner um die ausdauernde Einübung und\ngediegene Leitung des kolossalen Werkes. Auch das Orchester hat\nseine Aufgabe gut gelös't, namentlich waren die Blas-Instrumente\nvorzüglich."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600414-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1037, "texte": "Unter den Solisten ergriff der Vortrag der Alt-Partie durch un-\nsere ausgezeichnete Dilettantin Frau P. D. alle Herzen, namentlich\nin der Arie: „Erbarme Dich®, sehr schön secundirt durch die Vio-\nline des Herrn F. Wenigmann, und in dem Arioso: „Ach Golgatha\"\nwas unseren Stern au auf der Stelle zu einigen tiefgefühlten\nStrophen begeisterte, in denen er der Bewunderung und Dankbarkeit\ndes Publicums Ausdruck lieh. Fräul. Saart, deren sympathische\nStimme und geschmackvoller Vortrag ebenfalls grosse Wirkung that,\nHerr Schneider, der seinen Ruf vollkommen bewährte, Herr Sab-\nbatli, den leider eine Erkältung hinderte, seine schönen Mittel\nganz zu entfalten, und Herr Ackens von hier trugen zu dem Er-\nfolg des Ganzen bei.\nSchliesslich kann ich nur kurz erwähnen, dass F. Laub am 24.\nMärz in seinem Concerte im Cursaale einen ungeheuren Enthusias-\nmus bei dem sehr zahlreich versammelten Publicum erregt hat. Er\nwurde vortrefflich unterstützt durch die Gesang-Vorträge der Damen\nP. D. und N. D. und des Herrn Musik-Directors Wüllner.\n\nN."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-04-14-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-04-14_01#c007", "volume": "bmtnabi_1860-04-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "127", "page_fin": "127", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600414-01.2.7", "titre_corps": "Aus Crefeld.", "titre_sommaire": "Aus Crefeld.", "signature_source": "L. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600414-01.1.7", "debut_caractere": 1039, "fin_caractere_exclue": 4397, "texte": "Aus Crefeld.\nL. B.\nDas letzte Abonnements-Concert in Crefeld fand Mitt-\nwoch den 11, April Statt und hatte eine zahlreiche Zuhörerschaft\nherbeigezogen, da Herr Capellmeister Ferd. Hiller auf Einladung\ndes Concert- und Gesangvereins-Vorstandes die Direction seines „Fer\nsacrumu übernommen und ausserdem einen Vortrag auf dem Piano-\nforte mit gewohnter Freundlichkeit zugesagt hatte. Eine recht prä-\ncise Ausführung von Cherubini's Ouvertüre zu den Abenceragen\nunter Leitung des Herrn Musik-Directors Wolf eröffnete das Con-\ncert. Nach derselben trug Herr Simons Vom Stadttheater zu Mag-\ndeburg ein Lied von Schubert und eines von Schumann vor, worauf\nF. Hill er das herrliehe Concert in D-moll von Mozart spielte,\nmit jener Meisterschaft, die aus der edelsten künstlerischen Auffas-\nsung in Verbindung mit vollendeter Technik entspringt. Auszeichnen\nmüssen wir hesonders auch die Cadenzen, die sich ohne Prunk in\nden classischen Stil der Composition vortrefflich einfügten und nicht,\nwie man das bei Virtuosen sonst öfter hört, ihre eigentliche Bedeu-\ntung verkennend, sich zu lang ausdehnten. Das Orchester begleitete\ndas Concert gut und zeigte, dass es bei gehöriger Aufmerksamkeit\nauch das Piano in der Gewalt hat, was bei den übrigen Musik-\nstücken vermisst wurde.\nDie Ausführung des „ Ver sacrum* war im Ganzen eine recht\nglänzende; das treffliche Werk wurde mit Liebe und Schwung ge-\nsungen und gespielt und mit enthusiastischem Beifall aufgenommen.\nWiederholter Ausbruch des lebhaftesten Applauses, Fanfaren von\nTrompeten und Pauken und Hochs auf den Componisten erschallten\nin dem überfüllten Saale, Kern und Haupt-Ursache der gelungenen\nAufführung war der Chor des Gesang-Vereins, an 13J frische, voll-\ntönende Stimmen in ebenmässigem Verhältnisse, trefflich eingeübt\nvon dessen Dirigenten Herrn Wolf; präciser und energischer Ein-\nsatz und Sicherheit zeichneten ihn aus. Möchte doch dieser schätz-\nbare Verein zum bevorstehenden Musikfeste an den Pfingst-\ntagen nach der Nachbarstadt Düsseldorf wandern, um dort seine\n.\nschöne Kraft mit dem grossen Ganzen zu vereinigen! Die Soli wur-\nden von Fräul. Saart (Sopran), Herrn Simons (Bariton), der zweite\nSopran im Quartett von einer Dilettantin mit recht hübscher Stimme,\n♦ . •. «\nder Tenor von einem Dilettanten, Herrn S,, gesungen. Letzterer hat\nseine Partie durch Stimme, Auffassung und declamatorischen Vor-\ntrag in Verbindung mit vorzüglicher Aussprache zu voller Geltung\ngebracht. Herr Simons, den wir durch seinen früheren Aufenthalt\nin Köln kennen, besitzt eine nicht grosse, aber sehr wohllautende\nund. einnehmende Stimme und hat im Vortrage bedeutende Fort-\nschritte gemacht. Das Schubert'sche Lied und die weicheren Stellen\nim Ver sacrum gelangen ihm recht gut; für die heroischen Stellen\nder Partie des Priesters genügt freilich das Volumen der Stimme\nnicht. Fräul. Saart sang die Priesterin der Vesta und im zweiten\nTheile die Camilla mit reiner Intonation und mit Ausdruck.\nIm Ganzen machte das Concert einen sehr befriedigenden Ein-\ndruck und gab wieder einen recht erfreulichen Beleg zu der neulich\nbei Gelegenheit der Aufführungen in Elberfeld von uns hervorgeho-\nbenen Thatsache, dass die Industrie in den rheinischen Städten kei-\nneswegs die Kunst erdrückt, sondern für die edleren Genüsse, welche\ndiese bietet, grossen Raum im Leben und rege Theilnahme in den\nGemüthern übrig lässt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-04-14-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-04-14_01#c008", "volume": "bmtnabi_1860-04-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "127", "page_fin": "128", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600414-01.2.8", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600414-01.1.7", "debut_caractere": 4399, "fin_caractere_exclue": 6659, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMeiningsen, 28. März. Am vorigen Sonntage hörten wir die\nzweite Aufführung von unseres Landsmannes Reif Oper Abu\nSaid. Das Publicum hat mit Recht der Oper ein lebhaftes Interesse\ngeschenkt, denn es ist eine Freude, aus unserer Mitte einen Künst-\nler hervortreten zu sehen, dem wir die glückliche Fortentwicklung\nvon Herzen wünschen dürfen, da er in einem Erstlingswerke so un-\nverkennbare Beweise eines hervorragenden Talentes gegeben hat.\nDer Abu Said zeigt eine Leichtigkeit der musicaliscken Production,\nein Geschick in der Verwendung der Mittel, der Stimmen sowohl\nwie namentlich auch des Orchesters, die eine Anerkennung um so\nmehr fordern, wenn wir bedenken, welchen musicalischen Bildungs-\ngang der Künstler bis hieher durchgemacht hat. Besonders glücklich\nzeigt sein Talent sich in Darstellung der weicheren Gemlithsstim-\nmungen, wie im Morgengebet, dem sehr schönen Duett: „Ich will\ndas Schwerste tragen\", dem zwei Mal wiederholten: „Vertrau' dem\nsüssen Glücke\" u. s. w. und müssen wir ganz besonders die feine\nund anmuthige Verschlingung der verbundenen Stimmen rühmen.\nHierin, wie in manchen anderen Stücken, zeigt der Componist ein\nin einer ersten Schöpfung höchst überraschendes Talent. In anderen\nDingen wie wäre es aber auch anders möglich! zeigt sich\nfreilich, daneben auch das Erstlings wem als solches in einer unver-\nkennbaren Unselbstständigkeit der Erfindung, die sich den von allen\nSeiten andrängenden Erinnerungen noch nicht mit Energie zu ent-\nreissen vermag; eben so in dem Mangel eines testen einheitlichen\nStils, der erkennen lässt, dass der Künstler sein Kunstziel und seine\nMeister weder fest gewählt noch scharf ins Auge gefasst hat In\ndiesen Dingen wird strenge Selbstkritik und ernster Fleiss helfen.\nMöge die Aufnahme, die er unter uns als der Ikisrige gefunden hat,\nihn auf dem Wege der Arbeit ermuthigen, die seinem schönen Ta-\nlente gewiss auch die Anerkennung in weiteren Kreisen sichern wird.\nGelegentlich müssen wir noch unsere Freude an dem neulich ge-\nhörten Geigenspiel des Herrn Gottschalk Schülers Bott s\naussprechen, in dessen sauberem, feinem Tone wir mit Vergnügen\ndie edleii Züge seines Meisters wiedererkannten. Herr Gottschalk ist\nein Schüler, der seinem Lehrer alle Ehre macht."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600414-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4853, "texte": "Ciotlia-, 29» März. Der Intendant des coburg-gothaischen Hof-\nibeaters, Haus-Obermarschall v. Wangenheim, hat auf wiederholtes\nNachsuchen um Enthebung von dieser Stelle vor wenigen Tagen die\nerbetene Entlassung erhalten.\nIn der vergangenen Nacht starb hier im 74. Lebensjahre ein vor\nJahrzehenden als Componist und Virtuose hochgefeierter Künstler,\nLudwig Böhner, der aber seit fast vierzig Jahren in (vielleicht\nnicht ganz unverschuldeter) Armuth und Verborgenheit von dem ge-\nringen Ertrage seiner Compositionen, die er selbst weit und breit in\nThüringen colportirte, ein rühm- und freudenloses Dasein fristete.\n(Eine ausführliche, sehr warm gehaltene Charakteristik Böhner's von\nL. Storch haben die beiden ersten Hefte des laufenden Jahrgangs\nder „Gartenlaube\" gebracht.)\nDonnerstag den 29. März fand das letzte Abonnements-Concert\nim leipziger Gevvandhause Statt. Die Saison und Capellmeister Dr.\nJulius Rietz nahmen damit Abschied von dort. In dem Programme\nsind alle die Heroen vereinigt, welche bei uns die Tonkunst der mo-\ndernen Zeit gross gemacht haben: Johann Sebastian Bach voran\n(Suite für Orchester), Händel (Arie aus dem Messias), Gluck (Ou-\nvertüre zu Iphigenie in Aulis), Haydn (Motette: Des Staubes eitle\nSorgen), Mozart (Trio für Pianoforte, Violine und Cello) und Beet-\nhoven (C-7tto//-Sinfonie).\nParis. In diesen Tagen erscheint hier im Verlag von Castel\n[Passage de VOpera) eine Histoire de la Sociale des Concerts du Con-\nservatoire von A. El wart, Professor am Conservatorium. Die 32\nJahre der Existenz der Concert-Gesellschaft vom 9. März 1828\nunter Karl X. bis Ende 1839 unter Napoleon 111. haben 308\nConcerte geliefert, deren sämmtliche Programme in dem Buche ver-\nzeichnet, commentirt u. s. w. werden sollen. (Da aber bekanntlich\ndiese Programme so häufig ein und dasselbe bringen, so dürfte der\nvollständige Abdruck eines jeden eine Menge raumverschwendende\nWiederholungen bringen.) Ausserdem wird das Buch Einleitungen\nüber die Geschichte der Musik im Allgemeinen, der Sinfonie, der\nfrüheren Concerts spiriluels u. s w., statistische Nachrichten und die\nBiographieen von Habe neck und Beethoven enthalten. Preis\n3 Fr. 50 Cent.\nDie Direction des Thidtre lyrique geht von Herrn Carvalho\nauf den bisherigen Generalsecretär der Administration, Herrn Char-\nles Rety, über. Madame Carvalho-Miolan zieht sich ebenfalls\nvon dieser Bühne zurück, was freilich ein grosser Verlust für die-\nselbe ist. Nach Beetlio ven's n-Fidelio\" wird eine grosse Spectakel-\nOper von Gounod: La Reine Balhir, in Scene gehen. Mad. Car-\nvalho ist nach London gereis't, wo sie in Coventgarden singen wird.\nEine neue Oper von Felicien David, genannt La Captive, in\nzwei Acten wird in der grossen Oper einstudirt.\nDie junge Sängerin Marie Battii hat hohe Gunst bei den Be-\nsuchern der italiänischen Oper gefunden. Ihre Leistungen als Amina,\nLucia und Gilda (in Rigoletto) haben einen ausserordentlichen Er-\nfolg gehabt.\nHerr Aug. Kömpcl hat die seltene Ehre gehabt, zu einem\nSolospiel in dem Conservatoire-Concerte eingeladen zu werden. Er\nhat das achte Violin-Concert von L. Spohr mit ausgezeichnetem\nBeifalle gespielt; es ist nur Eine Stimme in Paris über das herr-\nliche. Spiel und die merkwürdige Tonfülle dieses deutschen Künstlers.\nSivori ist gegenwärtig in Mail an d.\nAm 12. April gibt Louis Brassin im Salon Erard sein drit-\ntes Concert. Am 26. April tritt Joseph Wieniawski, der Pia-\nnist, mit einem neuen Clavier-Concerte und einer Ouvertüre für\ngrosses -\"Orchester von seiner Compositum auf.\nJLOSMIOSI. Am 10. April fand die Eröffnung der Oper im Co-\nTentgarden-Theater Statt. Herr Gye hat für diese Saison en-\ngagirt für Sopran und Alt: die Damen Grisi, Giti-\nditta Sylvia, Tagliafico, Miolan-Carvalho, Leva, Penco, Rapparrini,\nRosa Czillag (von Wien); für Tenor, Bariton und Bass die Herren\nMario, Patriossi, Luchesi, Polonini, Neri, Baraldi, Cairo, Gardoni,\nRossi, Tamberlik, Zeiger, Ronconi, Graziani, Tagliafico, Faure (von\nder komischen Oper in Paris). Dirigent: Costa. Erste Vorstellung\nMeyerbeer's Dinorah mit Miolan, Gardoni und Faure. Den 17.\nApril Fidelio mit Rosa Czillag. Mad. Czillag steht auch mit der\ngrossen Oper zu Paris in Unterhandlungen.\nMolsi* So eben erhalten wir durch den Vorstand des Cä-\ncilien-Vereins in Frankfurt am Main die traurige Nachricht\nvon dem Hinscheiden des hochgeschätzten Directors desselben, Herrn\nFranz Messer. Er starb nach langen, schweren Leiden am 9. April,\nMittags 12 Uhr.\n„Die höchst ehrenvolle, in alle Verhältnisse des musicalischen\nLebens unserer Stadt eingreifende Thatigkeit des Heimgegangenen\"\nso schliesst die Anzeige des Vereins-Vorstandes „wird durch\ndie allgemeine Anerkennung und durch den tiefen Schmerz gewür-\ndigt, der sich in allen Kreisen kund gibt.\"\nF. Messer war den 21. Juni 1811 zu Hofheim im Nas-\nsauischen, an welchem Orte jetzt die Taunus-Eisenbahn vorbei-\nführt, geboren."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600414-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nAus Wiesbaden (Meyerbeer's Dinorah). Von W. W. Aus Frankfurt am Main (Cäcilien-Verein). Von nn. Aus\nBrüssel (Richard Wagner's Concerte). Aus Bonn (Die zwei letzten Abonnements-Concerte Clavier-Concert von N. Burgmüller Li-\ntanei von W. A. Mozart Fräul. Pauline Wiesemann).— Aus Aachen (Matthäus-Passion). Von N. Aus Crefeld (Letztes Abonnements-\nConcert). Von L. B. Tages- und Unter halt ungsblatt (Meiningen Gotha Leipzig Paris London F. Messer f).\n\nAus Wiesbaden.\n\n[Meyerbeer's Dinorah.]\nWir haben's, wir haben's!—zwar nicht den Stein der\nWeisen, aber das Zugmittel für die kommende Saison:\n„Dinorah\" oder die Wallfahrt nach vollem Hause von\nGiacomo Meyerbeer. Ja, es ist da, das von unseren leicht-\nsinnigen Nachbarn vergötterte und siehe,\nich glaube nicht zu viel zu sagen: wir sind enttäuscht.\nAuch hier zwar gibt es, wie aller Orten, unzurechnungs-\nlähige Enthusiasten, die Alles, besonders aber das Frap-\npirende, beklatschen, in eine Art Raserei gerathen und\ndurch ihr Beispiel eine grosse Menge auch zum Drein-\nschlagen animiren. Wenn aber wir Menschen alle dem\nEinen da oben für alles Gute, das wir gemessen, Dank\nschulden, so ist auch Meyerbeer einem Einzigen in der\nHöhe verpflichtet für den Erfolg, den ihm dieser Eine mit\nempfänglichem Gemüthe und zwei harten Händen hier\nerringen half.\nDinorah wurde in Einer Woche drei Mal gegeben,\nund ich genoss sie auch zu dreien Malen. Ein Theil der\nZuschauer, ein sehr jugendlicher, war auch durch das viele\nNaturgeschichtliche, was zu beobachten sein werde, ange-\nzogen worden. Denn glauben Sie es mir nur, wir halten\nüberall die Wirklichkeit vor uns: eine wirkende, wirk-\nliche, lebende Ziege und auch wirkliches Wasser. Fräul.\n„Bella\", das fest engagirte neue Mitglied der buffu,\ngeniesst bereits die vollste Gunst des Publicums, besonders\ndes jüngeren TheiIes; und für das wirkliche Wasser\nschwärmt vollends Alles. Welch ein plötzlicher Umschwung\nzu Gunsten der Hydriatik! Die zujauchzenden Hallohs bei\ndem Erscheinen von Miss Bella, die selbst im Finale des\nzweiten Actes nicht zurückgehalten werden, sind ein Be-\nweis, welcher Gunst sich bereits das neue Mitglied erfreut\nund dass das wirklich Gute sich unaufhaltsam Bahn\nbricht. Jedoch alle diese Hallohs mussten erbleichen und\nverstummen gegen die Ah's und Oh's, die den in der That\nvollendeten Decorationen galten, von den bekannten Herren\nMühldorfer aus Mannheim angefertigt und geleitet.\nUm auf das Haus, d. i. dessen Besetzung, zu kommen,\nso muss ich Ihnen sagen, dass im Ganzen eine peinliche\nLeere herrschte; in den höheren Regionen war eine nicht\nzu läugnende Fülle, dagegen waren die niederen von den\nHöheren verlassen. In den Niederungen, wo ich ganze\nReihen Stühle leer sah, waren aber auch erhöhte Preise.\nTrotz einer freilich nur unbedeutenden Preis-Ermässigung\nbei der zweiten und dritten Vorstellung wollte sich das\nHaus nicht füllen. Sonntag den 18. März war die erste,\nMittwoch die zweite und Sonntag den 25. März die dritte\nAufführung der Oper. Die Besetzung war folgende: Di-\nnorah (Fräul. Typka), Hoel (Herr Simon), Corentin (Herr\nSchneider), ein Jäger (Herr Abiger), ein Mäher (Herr Stritt),\nerster und zweiter Hirtenknabe: Fräul. Barth und Fräul.\nSchönchen. Bei der dritten Aufführung wurde die Partie\ndes Mähers von Herrn Peretti, den Unwohlsein bei den\nersten Vorstellungen verhindert hatte, gesungen.\nVorab möchte ich betonen, dass die Oper auf dem\nZettel „Romantisch-komische Oper\" genannt wird; sie hat\naber lyrische, tragische, ja, schauderhafte Momente, und\nnur die mehr alberne als komische Figur Corentin's scheint\ndazu ersehen zu sein, den Eindruck jener abzuschwächen.\nDie Ouvertüre, ein effectvolles Musikstück, hat hier\njedes Ma! sehr gefallen, wodurch indess noch immer der\nmusicalische Werth derselhen in Frage gestellt bleibt. Das-\nselbe Publicum Hess weit bessere, gehaltvollere Ouvertü-\nren—zwar nicht mit einer Interpretation versehen—völlig\ntheilnahmlos an sich vorübergehen. Ich erlaube mir, die\ngeehrten Leser Ihres Blattes auf Nr. 19, 20 und 21 des\nvorigen Jahrgangs dieser Zeitung aufmerksam zu machen,\nwelche einen umfassenden Bericht aus Paris über die Auf-\nführung der Dinorah enthalten, der auch einen vortreff-\nlichen Leitfaden für den Berichterstatter einer hier erschei-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600414-01.1.2", "texte": "nenden Zeitung abgegeben zu haben scheint. Ich füge\ndesshalb nur einige, die hiesige Aufführung betreffende\nBemerkungen hinzu.\nDie Arie des Hoel: „Mächtige Kunst der Magie\", ist\n{liessend und für den gewandten Sänger dankbar geschrie-\nben, erinnert an Lortzing's Stil. Herr Simon ist ganz der\nSänger, sich hier den ersten Beifall am Abende zu erobern.\nDie in der Oper zu Oefterem vorkommenden langen Dia-\nloge könnten von Fräul. Typka und Herrn Simon drama-\ntisch lebendiger behandelt werden. Herr Schneider behan-\ndelt auch hierin seinen ihm zugewiesenen Theil bedeutend\nwirksamer.\nOriginel ist die Composition des „Auf, entweicht, ihr\nGeister\", die so genannte Beschwörungsformel, deren Re-\nprise eigentümlich ist durch die nachschlagenden Achtel\ndes Corentin. Dann entspinnen sich bald wieder die nir-\ngend zu verläugnenden Tanz-Rhythmen, besonders bei\n„Ja, ein Schatz\".\nDas nachfolgende Terzett zwischen Dinorah, Hoel und\nCorentin ist gut; zurückhalten aber kann ich nicht damit,\ndass es gleich sehr an die Zauberflöte und an die Schö-\npfung erinnert. Das zu tief stimmende Glöckchen war sehr\nstörend. Alle drei singen: „Ach holdes Glöckchen, töne\nfort!\" in welchen Wunsch ich nicht einstimmte. Solche\nnicht zur Musik gehörende Nebensachen —z. B. eben so\nein permanentes Glockengeläute sind nur störend und\nziehen das Ohr des grössten Theiles des Publicums seitab.\nDer zweite Act, dem eine lustige Introduction im 3/b-\nTacte vorangeht (Walzer), zeigt uns eine prachtvolle Mond-\nnacht der Herren Mühldorfer, ein wahres Meisterwerk die-\nser Herren der Schöpfung. Der Chor „0 wie gut, o wie\nrein ist Vater Ivon's Wein\" ist gut wie der Wein, dessen\nseltene Eigenschaften er besingt, ohne gerade originel zu\nsein. Der Dialog der zwei Nachzügler zwei komische\nPersonen der komischen Oper, die aber keinen Ton zu\nsingen, dagegen desto mehr von dem abenteuerlichen Le-\nben Dinorah's zu erzählen haben wäre wohl etwas zu\nkürzen, wiewohl er eine Würze für die Höhen ist. Nach\nder schönen Romanze Dinorah's kommt das vielbesprochene\nSchatten-Duett, eine Walzer-Melodie, in welcher Meyerbeer\nallerdings Lanner, Labitzky, Strauss u. s. w. übertroffen\nhat. Etwas Einschmeichelndes und Anmuthiges ist ihr nicht\nabzustreiten, den Unsinn des Kunstgriffes der Situation\nwird Niemand vertheidigen wollen. Fräul. Typka ärntete\nnach dieser Scene Beifall und Hervorruf. In gesanglicher\nHinsicht ist Fräul. Typka durchaus befriedigend.\nNach der Verwandlung sehen wir eine prachtvolle\nLandschaft mit See, Mond und der entsetzlichen Brücke.\nOriginel sind die Couplets Corentin's: „Montag fängt die\nWoche an\", von Herrn Schneider trefflich gesungen und\ndurch seine hohe Begabung für komisches Spiel aufs wirk-\nsamste unterstützt. Ueber Dinorah's mysteriöse Legende,\nüber deren eigentlichstes Heimatland die pariser Kritiker\nsich so vergebens den Kopf zerbrechen, scheint Corentin\nbesser unterrichtet zu sein, denn er sagt nach den ersten\nTönen: „Der Gesang ist mir nicht unbekannt!\" Erkennt\nwahrscheinlich Verdi's Trovatore.\nNach der Rückkehr Hoel's von der Brücke bahnt sich\nder famose Schluss des zweiten Actes an; zunächst ein\nDuett zwischen Hoel und Corentin, welches Fluss und Cha-\nrakter hat; aber man begegnet einer stets und stets wie-\nderkehrenden ordinären Orchester-Figur einer Phrase\nvon vielleicht vier Tacten, die unangenehm berührt.\nTrotzdem, dass der weitere Verlauf des oben genann-\nten Duettes eines der besten Musikstücke ist, benahm sich\ndas Publicum dennoch kalt; jedenfalls war es immer zu\nsehr gespannt auf den Einsturz der Brücke, der auch wirk-\nlich derartig menschenquälend täuschend ist, dass alle\nTheilnahme an der Musik aufhören muss. Vorher gestaltet\nes sich noch zu- einem Terzett, in welchem manches Gute\nist, wenn nur nicht auch hier Tanz-Rhythmen und chro-\nmatische Modulationen vorherrschten.\n„Donner rollen, Stürme toben\", singt Corentin.\n„Welche Lust, die Stürme toben\", singt Dinorah.\n„Ha, was seh'ich? die Ziege! Ja, sie ist da!\" singt Hoel.\n„Bella! ach, bist du da? Du bist treu geblieben. Komm\nzu mir! Meine Hochzeit ist hier!\" singt Dinorah.\nDer Himmel zürnt, das Orchester ras't, die Ziege\nschlendert über die Brücke, das Publicum hält den Athem\nan, Dinorah fliegt auf die Brücke, der Bella nach, und:\nKrach! Krach! „als wären alle Himmel geborsten, stürzt\nsie\"—Dinorah nämlich hinunter in die gähnende Tiefe\nmitsammt der morschen Brücke, und „von des Giessbachs\nreissenden Fluten geschwellt\", stürzen aus einem Reser-\nvoire mächtig und breit hervor 3—4 Ohm bereit gehal-\ntenes Wasser, dessen Entfesselung auf die Note trifft, und\nin welches man Dinorah niedersinken sieht. Das Publicum\nerbleicht vor Schrecken beim Anblicke der tobenden\nElemente und der erschütternden Katastrophe ein ge-\ntreues Bild der haarsträubendsten Wirklichkeit —, bis es\nvon Mund zu Mund geht, dass nicht Fräul. Typka in den\nGiessbach gestürzt sei, sondern statt ihrer eine—Riesen-\npuppe. Nachdem der Vorhang gefallen, ras't jetzt auch\ndas Publicum; man klatscht, man ruft Mühldorfer heraus,\nein „Alle!\" dazwischen, und die Sängerin noch lebend mit\nhervorzerrend, erscheinen endlich die Herren Mühldorfer\nsen. und jun.; noch sieht und hört man, während sie dan-\nken, die Wasser rauschen und sich verlaufen.\nDer dritte Act beginnt mit einer Intrade, die gar nicht\nzur Handlung gehört. Ein Jäger (Herr Abiger) singt das"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "123", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600414-01.1.3", "texte": "schon oft besprochene Jagdlied, das einen recht munteren\nRhythmus hat. Ein Mäher (Herr Peretti) kommt dann zu-\nfällig daher und singt das Sensen-Solo, während dessen er\nab und zu die Sense wetzt. Endlich kommen in gleichem\nSchritt nnd Tritt und in guter soldatischer Haltung, hart\nneben einander gehend, zwei weibliche Hirten auch zufäl-\nlig daher, singen einige nicht leichte Solfeggien und be-\ndanken sich für den Beifall, den sie damit ärnten. Da sie\nnun zu Vier sind, singen sie ein Quartettchen. Das dem\nOstertischgebet in der „Jüdin\" nicht unähnliche Respon-\nsorium gefällt übrigens. In der Hörnerbegleitung aber\nsteckt irgendwo eine durchgehende Note, die ich an allen\ndrei Abenden als entsetzlich hart wahrgenommen habe.\nDie Romanze Hoel's: „Dich rächet meine Reue\", ist im\nStile Kücken's, von Abt's „Schwalben\", Hölzl's „Thräne\"\nu. s. w. geschrieben, allein sie wird gefallen, wenn sie auch\ngewöhnlicher Natur ist. Diese Natur verläugnet sich auch\nim Folgenden nicht. Dinorah's „Dies ist die Stelle, du\nstandest da\" u. s. w. klingt gemein, sie überbietet sich\ndann mit Hoel ä la Verdi in maasslosem Schreien, und sie\närnten—einen rasenden Beifallssturm. Der Chor „0 hei-\nlige Junglrau\" ist monoton. Die Rouladen Dinorah's auf\n„Heil ge Jungfrau, sei gesegnet\" (!!) bringen ihr wieder\nstarken Beifall; nicht minder jene auf „0 Madonna, Quell\nder Gnaden\". Chor und Orchester sagen noch einmal uni-\nsono: „Ei, du hast geträumt!\" —dann Procession zur Kirche,\nFahnen mit dem Bilde der Himmelskönigin, im Hinter-\ngrunde der Bühne angelangt, lebendes Bild, Front gegen\ndas Publicum, die Capelle von Ploermel auf dem Berge\nsichtbar — mitten drein Corentin's Frage an Hoel: „Und\nder Schatz?\" und dazwischen und daneben: „0 heilige\nJungfrau\" 20 — 30 Mal — da haben Sie das Finale der\nganzen Oper.\nNach dem Schlüsse der Oper (bei der dritten Auffüh-\nrung) ging um 11 Uhr Nachts ein Extrazug nach Mainz\n—dennoch war das Haus im Ganzen leer geblieben.\nGestern, Samstag den 31. März, ist das Theater mit\nLucia geschlossen worden, und heute, Sonntag den 1. Aprff\nhaben sich die Hallen (Höllen?) des Cursaales zu neun-\nmonatlicher Wirksamkeit geöffnet, um menschenfreundlich\nmit der Heilkraft der Quellen zu wetteifern zur Ausrot-\ntung aller Hypochondrie und zur Ausgleichung der beweg-\nliehen Güter der Menschheit.\n\nW. W.\n\nAus Frankfurt am Main.\n\nDen 7. April 1860.\nWenn ich Ihnen heute über das Wirken des Cäci-\niien-Vereins berichte, kann ich es nicht ohne tiefe Er-\nschütterung. Das Halsübel des Directors des Vereins,\nFranz Messer, hat in den ersten Wochen dieses Jahres\neine so unheilvolle Wendung genommen, dass er in diesem\nAugenblicke in Agonie liegt und jeder Hoffnungsschimmer\nerblasst ist. Der ausgezeichnete Organist zu St. Paul, Herr\nFriederich, welcher zu den tüchtigsten Clavierlehrern\nunserer Stadt genört, und seit Jahren innig befreundet mit\nMesser, sich ihn mit Erfolg zum Vorbilde genommen hat,\nist* von Messer selbst empfohlen, von dem Vorstande zum\nprovisorischen Leiter des Vereins ausersehen worden. Er\nhat bereits das zweite Abonnements-Concert, wel-\nches Händel's Josua brachte, am Flügel dirigirt und\nzum Theil auch noch die Proben geleitet, die Messer noch\nmit gewohntem Feuereifer begonnen hatte. Der plötzliche\nWechsel in der Direction und zum Theil auch der trost-\nlose Zustand, in dem sich die Orchesterstimmen befanden,\nmachte es bei der Kürze der Zeit unmöglich, das Werk,\nwie versprochen war, mit Orchester-Begleitung hinzustellen.\nUm so prächtiger konnte sich die Gewalt der Chöre in die-\nsem herrlichen Werke entfalten. Die Begleitung am Flügel\nwar im Geiste Messer's und befriedigte auch die strengste\nKritik. Wer es begreift, was es heissen will, einen Chor\nvon 200 Stimmen zum ersten Male in einem kolossalen\nWerke zugleich begleitend zu dirigiren, wird die hohe Be-\nfähigung des provisorischen Directors nicht verkennen kön-\nnen. Zum dritten Concerte war für dieses Jahr, wie\n1858, die Matthäus-Passion Bach's mit Orchester\nausersehen und die deutsch-reformirte Kirche zum Orte\nder Ausführung bestimmt. Die Aufgabe wurde für den\nneuen Dirigenten allerdings einerseits dadurch bedeutend\nerleichtert, dass dieses Werk, das hier zu seiner zwanzig-\nsten Aufführung gelangte, bei den älteren Mitgliedern des\nVereins in der That in Fleisch und Blut übergegangen\nwar; konnte es doch im Jahre vorher ohne vorhergehende\nProbe in ausgezeichneterWeise dargestellt werden. Jedoch\nwar gerade in diesem Winter eine grosse Zahl neuer Mit-\nglieder eingetreten, und es bedurfte daher sorgfältiger\nProben, namentlich für den kolossalen Eingangs- und\nSchlusschor, so wie für die zwar kleinen, aber äusserst\nschwierigen und durch die schnellen Tempi leicht verwirrt\nklingenden Doppelchöre des Volkes und der Jünger. Trotz\nder Schwüle, die das Hinsiechen des geliebten Meisters in\nden Gemüthern verbreitete, unterzog man sich doch mit\ngrosser Liebe der Aufgabe, und selbst in der bangen Ah-\nnung, dass sein Scheiden mit der Aufführung zusammen-\ntreffen könne, entschloss man sich doch, die Sache durch-\nzuführen, als ein Opfer der Liebe für den, der auf sei-\nnem Schmerzenslager unausgesetzt des Vereins gedachte\nund in freien Augenblicken noch an den herrlichen Offen-\nbarungen seines Meisters sich tröstend erquickte. So wurde\ndie MatthäusrPassion gestern Abends in der Kirche recht\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "124", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600414-01.1.4", "texte": "eigentlich dem sterbenden Meister gesungen, mit Ernst und\nWeihe, und wenn auch nicht ganz mit der Vollendung,\nwie er sie selbst zwei Jahre vorher gebracht hatte, so doch\nbesonders in den Chören mit grosser Gediegenheit und in\nglücklicher Verschmelzung der Stimmen, wie man sie nur\nin einem so durchgebildeten Vereine finden kann. Die Soli,\nzum grösseren Theile in neuer Besetzung, waren im Gan-\nzen befriedigend. Die Damen Fräul. Barth von Wiesbaden\n(Sopran) und Fräul. Joh. Martin von hier (Alt) hatten ihre\nschwierigen Partieen mit Eifer studirt, und namentlich die\nerstere sang Recitativ und Arie recht schön; im Duett\nfühlte man, dass die beiden Stimmen nicht mit einander\nvertraut waren. Die Partie des Christus sang Herr Hill\n(Bass) mit seiner wundervollen Stimme zum ersten Male\nund sehr befriedigend, zum grösseren Theile ergreifend\nschön. Er wird bei Wiederholung gewiss ganz in den\nschlicht-grossen, alle modernen Effecte abweisenden Geist\nBach's eindringen. Herrn Baumann's Evangelisten-Partie\nsammt den Tenor-Arien war auch diesmal, wie früher,\naus Einem Gusse, ein freies Schaffen, wie es nur dem ganz\nin den Geist des Werkes eingedrungenen Sänger möglich\nist. Der Eingangschor, jener grösste aller Chöre, machte,\ngetragen von dem aus 100 Kinderkehlen schallenden\ntus firmus:„O Lamm Gottes\", in seinem wunderbaren\nAufbau einen überwältigenden Eindruck. Der Schlusschor\nmit seinen ergreifenden Worten: „Und rufen dir im Grabe\nzu: Ruhe, sanfte, sanfte Ruh'\", war wie ein Abschied des\nVereins, dem lieben Meister auf sein Sterbelager hinüber\ngerufen.\n\n---- nn.\n\nAus Brüssel.\n[Richard Wagner's Concerte.]\nDen 6. April 1860.\nGeehrter Herr! Der musicalische Referent der „Inde-\npendance\" vom 5. April widmet der Erscheinung Richard\nWagner's hierselbst eine ausführliche Besprechung. Die\nAnsichten desselben über die Beweggründe des Reforma-\ntors zu seinem Auftreten überhaupt, über sein Streben,\nAufsehen zu machen, und dessen positive Förderung durch\nLiszt, negative durch Sie, will ich, obschon sie viel Wah-\nres enthalten, übergehen, weil ich weiss, dass Ihnen mehr\ndarum zu thun ist, das Urtheil unabhängiger Kritiker im\nAuslande über Wagner's Musik kennen zu lernen, als ihre\nMeinungen über seine Persönlichkeit. Eben so wenig kön-\nnen die an sich sehr richtigen Aeusserungen über das Ver-\nhältniss des wahren Künstler-Genie's und des Schaffens\neiner echt künstlerischen Natur zu der Production nach\neinem a priori aufgestellten System u. s. w. Ihre Leser\nbesonders intercssiren, da dieses alles in Deutschland und\nnamentlich in Ihrer Zeitschrift schon oft und eindringlich\ngesagt worden ist. Bemerkenswerther ist nach einer war-\nmen Anerkennung von Wagner's ausgezeichneten Eigen-\nschaften in jeder anderen Hinsicht die Conclusion: „Allein\ndass er ein grosser Musiker sei, das können wir unmöglich\neinräumen ; denn dieses Prädicat kommt nur dem begeistert\nschaffenden Künstler zu, und die Begeisterung ist unver-\nträglich mit dem Produciren nach systematischen Formeln.\"\n—lm Verlauf des Artikels heisst es dann weiter:\nDie Bruchstücke, die Wagner in dem Concerte auf-\nführte, konnten durchaus keine vollständige Vorstellung von\nseinem System für Opernmusik geben, da dieses sich haupt-\nsächlich durch die Verbannung der bisherigen Formen der\nGesangstücke und Ersatz derselben durch declamatorische\nRecitative und Arioso's kennzeichnet. Es kann uns daher\nnicht wundern, dass das Publicum, welches etwas ganz Ab-\n*\nsonderliches erwartete, gewisser Maassen erstaunte,\" dass\nWagner's Musik überhaupt Musik glich.\nDas Concert begann mit der Ouvertüre zum „Gespen-\nsterschiff\" , einem Stücke ohne bestimmten Charakter und\nohne die mysteriöse Farbe, die der Gegenstand verlangt.\nJe mehr man strebte, das Programm dazu in Einklang mit\nder Musik zu bringen, desto weniger war man im Stande,\neinen Plan in dem Ganzen zu entwirren. Diese Ouvertüre\niiess das Publicum sehr kalt.\nDagegen wurde der Einzug der zum Wartburgfeste\nGeladenen rauschend applaudirt. Diese Scene ist kräftig\ncolorirt, energisch und mit einer rhythmischen Freiheit be-\nhandelt, die man bei Wagner sonst eben nicht oft antrifft.\nDer mächtige Klang-Effect der Trompeten verfehlt seinen\nEindruck nicht.\nDie Pilgerfahrt Tannhäuser's nach Rom ist ein vages\nund confuses Musikstück, voll dick aufgetragener Farben-\nEffecte und schroff abgebrochener Harmonieen; vergebens\nsucht der Zuhörer nach dem Leitfaden irgend einer vor-\nherrschenden musicalischen Idee.\nDie Ouvertüre zum Tannhäuser hat mehr Colorit, als\ndie zum Gespensterschiff; es finden sich sehr pittoreske in-\nstrumentale Gruppirungen darin. Das wohl vorbereitete\nCrescendo am Schlüsse hat grossen Eindruck gemacht.\nFragmente aus Lohengrin füllten den zweiten Theil\ndes Concertes. In der Scene: „Der heilige Gral\", sucht man\nwieder vergebens einen natürlichen und entwickelten Ge-\ndanken. Das Ohr erschlafft beim Anhören der geschraub-\nten Harmonieen, deren Monotonie nur hier und da lär-\nmende Klänge unterbrechen. Mehr Gutes kann man von\ndem „Erwachen am Morgen\" und dem darauf folgenden\nChor sagen, welcher eines der besten Musikstücke ist, die\nWagner uns hat hören lassen; es ist melodischer und"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "125", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600414-01.1.5", "texte": "besser rhythmisirt, als die früheren. Am Schlüsse wieder\nein wirksames Crescendo.\nEs ist bemerkenswerth, dass die drei grössten Ein-\ndrücke von Wagner's Musik an dem Concert-Abende alle\ndrei durch dasselbe Mittel, d. h. durch ein Crescendo, her-\nvorgerufen worden sind. Dieses Verfahren ist bekanntlich\nkeineswegs neu. Rossini,, der es übrigens auch nicht er-\nfunden hat, bedient sich desselben reichlich. Dem Eindruck\nder allmählichen Steigerung bis zur endlichen Explosion\nwird die Menge nie widerstehen. Der Ausbruch des Bei-\nlalls ist die Folge einer Nervenerschütterung,, die in einer\ngrossen Versammlung von Menschen ansteckend wird und\nselbst den Zuhörer, der dagegen auf seiner Hut ist, mit\nlortreisst. Das Crescendo ist eine Schnur mit einem Angel-\nhaken, durch den sich das Publicum immer fangen lässt.\nWagner versteht die Kunst der Instrumentation und\nder Factur vortrefflich. Dieses Verdienst hat aber gar viel\nvon seinem Glänze verloren, da es nicht mehr das so sel-\ntene Eigenthum einzelner Künstler ist, dass man ihnen\ndesshalb ausnahmsweise die Armuth an Erfindung verzeiht.\nDas Ansehen der Geschicklichkeit im Machen und in der\nBenutzung der instrumentalen Hülfsmittel ist gesunken,\nwährend die Achtung vor dem Talente der Erfindung ge-\nstiegen ist.\nDer Zweck der Musik ist, das Gemüth anzuregen, Ein-\ndruck auf das Gefühl zu machen; das Herz ist weit mehr\nihr Ziel, als der Verstand; sie geräth auf Irrwege, wenn\nsie den Kreis der Empfindungen verlässt und sich in Ver-\nstandes-Combinationen einlässt. So scheint uns denn Wag-\nner's grösstes Unrecht darin zu liegen, dass er die Melodie\nauf ein so geringes Maass ihres Werth es beschränkt, dass\nder Verstand allein sich für ihr Anpassen an den Text und\nan das Programm interessirt, während die Saiten der Seele\ndadurch nicht in Schwingung kommen. Dieses System,\nmag es noch so viele Anhänger zählen, beruht nichts desto\nweniger auf einem falschen Grundsatze.\nIndem er die Melodie, d. h. den musicalischen Gedan-\nken und dessen natürliche Entwicklung, unterdrückt, öff-\nnet Wagner den Componisten ohne Erfindungs-Talent\nThür und Thor. Ein Jeder kann am Ende mit einiger An-\nlage und dauerndem Fleisse sich das nöthige Wissen an-\neignen, wiewohl wir damit keineswegs sagen wollen, dass\nein Jeder es Wagner'n gleich thun könne, da wir in ihm\neinen sehr intelligenten Musiker anerkennen; allein ohne\nEigentümlichkeit und Frische der Erfindung werden die\nCompositionen nach seinem Systeme eine sehr monotone\nFamilien-Aehnlichkeit haben.\nWagner gefällt auch bei uns Manchem, bloss weil er\nihm die Musik unter einer neuen Gestalt vorführt. Allein\ndie Frage muss nicht sein, ob etwas neu sei, sondern ob\nes schön sei. Ist es schön, so wird ihm die Neuheit noch\neinen besonderen Reiz verleihen, aber an und für sich\nkann doch die Neuheit allein kein Verdienst sein. Man\nkann freilich in den alten Formen bleiben, den bewährten\nTraditionen folgen und doch schlechte Musik schreiben;\naber man kann auch sehr schlechte aufs Tapet bringen,\nwenn man sich über jene ganz und gar hinwegsetzte; das\nwird doch Niemand läugnen wollen.\nUebrigens kann sich Wagner über das brüsseler Pu-\nblicum nicht beklagen. Die Zuhörerschaft war zahlreich,\naufmerksam und bereit, bei jeder Veranlassung eine\nfreundliche Aufnahme fremder Kunstleistung zu bekunden.\nAuch das Orchester spielte mit Interesse und Eifer. Die\nChöre wurden besser gesungen, als wir sie hier in der Oper\nje gehört, und der ComponistdesLohengrin bewährte sich\nals einen ganz ausgezeichneten Dirigenten.\n\nAus Bonn.\n[Die zwei letzten Abonnements-C oncerte Clavier-\nConcert von Norbert Burgmüller, gespielt von Herrn\nSchau seil. Litanei in D yon W. A. Mozart (ungedruckt).\nFräul. Pauline Wiesemann.]\nIn dem vorletzten Abonnements-Concerte am 14. März\nwar es besonders das Clavier-Concert aus Fis-moll des lei-\nder der Tonkunst zu früh entrissenen Norbert Burg-\nmüller, welches die Aufmerksamkeit und Theilnahme der\nMusikfreunde in hohem Grade fesselte. Der wackere Pianist\nHerr Schauseil aus Düsseldorf verdient reichliche Aner-\nkennung, dass er diese leider ungedruckte Composition\nBurgmüller's zum Vortrage wählte*). Das Concert zeichnet\nsich durch Originalität der Erfindung im ersten und im\nletzten Satze aus. Die poetisch empfundenen, seelenvollen\nMotive sind gut und schwungvoll bearbeitet, nur zuweilen\netwas zu stark mit Hummel'schem Passagenwerk versetzt.\nDas Andante ist die schwächste Partie des Concertes, lehnt\nsich an Schubert'sche Andante's an und wird stellenweise\ndie Clavier-Partie völlig von der nicht immer glücklich ge-\nwählten Instrumentation erdrückt. Im Ganzen macht uns\ndas Concert den Eindruck einer reichen, üppig wuchern-\nden Erfindungskraft, die aber noch nicht zu völliger Be-\nherrschung der eigenen Ideen, nicht zur Fähigkeit formel-\nler Abrundung gereift ist, und vielleicht auch, da dieses\nConcert eine der letzten Compositionen Burgmüller's, nie-\nmal zur eigentlichen Beherrschung der Form gereift sein\nwürde.\nAusserdem hörten wir an jenem Concert-Abende die\nfrische und liebliche Composition von RobertSchumann:\n\n*) Auch Mendelssohn-B artholdy schätzte dieses Concert\nund hat es in Düsseldorf öffentlich vorgetragen. Die Red."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600414-01.1.6", "texte": "„Zigeunerleben\", die uns aber durch die Instrumentation\nan Schwung und Wirkung zu verlieren scheint; die grosse\nScene aus Gluck's Orpheus für Alt und Chor, die Ouver-\ntüre zur Euryanthe und die siebente Sinfonie von Beet-\nhoven. Die Sinfonie ging so gut, wie wir von unseren\nmassigen Orchesterkräften erwarten können; in der Scene\naus Orpheus hätten wir das Tempo etwas langsamer ge-\nnommen gewünscht, und reichen auch wohl die Stimm-\nmittel der sonst sehr von uns verehrten Sängerin Fräul.\nSchreck in den höheren Tönen nicht völlig zu dieser\nPartie aus.\nDas letzte Abonnements-Concert, den 29. März, war\nbesonders interessant durch die (so viel wir wissen) erste\nAufführung einer ungedruckten Composition von Mozart,\nder zweiten Lauretanischen Litanei in aus\ndem Jahre 1774. Professor O. Jahn gibt im ersten Theilc\nseines „W. A.Mozart\" eine Analyse derselben (S. 500 ff.).\nWenn wir mit dem Schlussworte, dass diese Litanei „den\nunverkennbaren Stempel Mozart s trägt\" , vollkommen über-\neinstimmen, so müssen wir doch nach Anhörung derselben\noffen gestehen, dass wir die begeisterte Würdigung dieses\nJugendwerkes Mozart's durch seinen berühmten Biogra-\nphen nicht theilen können, sondern hauptsächlich nur in\nder ganz natürlichen Freude über das Auffinden eines für\ndie künstlerische Entwicklung Mozart's allerdings bedeu-\ntenden, bisher unbekannten Musikstückes begründet finden.\nDemungeachtet muss man der Direction Dank sagen, dass\nsie Gelegenheit gegeben hat, ein unbekanntes Werk Mo-\nzart's kennen zu lernen, dessen historisches Interesse unbe-\nstreitbar ist und dessen Inhalt, wenn man sich auf den\nStandpunkt des Geschmacks in der Zeit seiner Entstehung\nstellt, immerhin die ähnlichen Arbeiten der Epoche hoch\nüberragt. Aber gerade dieses Erforderniss für den Genuss\nan solcher Musik, nämlich sich zurück zu versetzen in eine\nZeit, die nicht den geringsten Anstoss nahm an der aus-\ngeschmücktesten opernmässigen Behandlung der Kirchen-\nmusik, namentlich der Sologesänge in ihr, die ein Mise-\nrere nohs mit Coloraturen verbrämte und eine einfache\nAnrufung der Maria der Veränderung wegen zur Bravour-\nArie machte diesen Standpunkt heutzutage wieder ein-\nzunehmen, ist doch bei dem besten Willen und der gröss-\nten Hochachtung lür Mozart nicht mehr möglich, und man\nkann sich beim Hören nicht verhehlen, dass der grosse\nMeister in seinen Jugendarbeiten dieser Gattung, als Kind\nseinerzeit, unendlich weit hinter Bach und Händel zurück-\nsteht.—Die Haupt-Solopartie in dieser Litanei hat der So-\npran. Sie wurde von Fräul. Pauline Wiese mann von\ndem Conservatonum in Köln, Schülerin des Herrn Prof.\nBöhme daselbst, vorgetragen, welche vorher auch die Arie\nHannchen's aus Haydn's „Jahreszeiten\" sang. Letztere\ndürfte keine ganz zweckmässige, jedenfalls keine dankbare\nWahl für das Concert sein. Die jugendliche Sängerin be-\nsitzt bei einer höchst einnehmenden persönlichen Erschei-\nnung eine volle, angenehme und wohltönende, wenn auch\nnicht grosse und voluminöse Stimme, bei welcher Egalität\nund reine Intonation vorzüglich sind, und deren Kraft sich\nauch bedeutend steigert, sobald sie nicht durch Befangen-\nheit beeinträchtigt wird. Diese bei solcher Jagend und\nUngewohntheit des öffentlichen Auftretens sehr natürliche\nBefangenheit hindert dann auch die junge Dame zuweilen\nan Sicherheit und an freier Hingebung an das Gefühl und\nden dadurch bedingten Ausdruck, den sie durch ihre gute\nTonbildung und die bereits erlangte Feinheit auch des ver-\nzierten Vortrages, wie wir uns bei anderen Gelegenheiten\nüberzeugt haben, schon ganz hübsch in der Gewalt hat.\nVon Orchestersachen wurde Beethoven's Ouvertüre\nzu Egmont, deren Tempo wir indess etwas lebhafter ge-\nwünscht hätten, und Schubert1 s grosse 6\"-üfer-Sinfonie\npräcis und den vorhandenen Mitteln gemäss ganz gut aus-\ngeführt.\n\nAus Aachen.\n\nDie erste Aufführung der grossen Matthäus-Passion von J. S,\nBach (am 3. April) war für unsere Stadt eines von den Ereignissen,\ndie man so bald nicht vergisst, und mit einem gewissen Stolze tra-\ngen wir sie als eine der gelungensten in unsere musicalischen Jahr-\nbücher ein. Die Ausführung des Meisterwerkes hat uns einen neuen\nBeweis von dem Reichthume der musicalischen, namentlich der Ge-\nsang eskiäfte, Aachens gegeben, und von dem Eifer und der Hinge*\nbung an die Ivunst, wenn es darauf ankommt5 den Ruhm eines der\nherrlichen Meister, die Deutschland erzeugt hat, von Neuem zu ver-\nklären. Der grosse Saal im Curhause bot einen imposanten Anblick\ndar sowohl durch die Menge der Mitwirkenden, die alle von dem\neifrigen Bestreben erfüllt waren, den berühmten Patriarchen der\nTonkunst für das ungerechte Vergessen zu entschädigen, als durch\ndie anhaltende Aufmerksamkeit und andachtsvolle Stille, mit welcher\ndie zahlreiche Zuhörerschaft dem gewaltigen Fluge des Riesengeistes\nzu folgen suchte. .\nOhne Widerspruch zu fürchten, kann ich sagen, dass\nführung in Beziehung auf das Ineinandergreifen des Ganzen und auf\ndie Wahrheit des Ausdrucks im Einzelnen so gut war, dass nur\nwenige unserer Fest-Concerte einen ähnlichen Erfolg aufzuweisen\nhaben; und da ich auch bei der Aufführung in Köln anwesend war,\nso habe ich jetzt- bei mir selbst gedacht: „Was könnte auf der Welt\neiner Allianz von Köln und Aachen widerstehen!\" Der glänzende\nErfolg krönte die unverdrossenen Bemühungen unseres trefflichen Mu-\nsik-Directors Herrn Wüllner um die ausdauernde Einübung und\ngediegene Leitung des kolossalen Werkes. Auch das Orchester hat\nseine Aufgabe gut gelös't, namentlich waren die Blas-Instrumente\nvorzüglich."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600414-01.1.7", "texte": "Unter den Solisten ergriff der Vortrag der Alt-Partie durch un-\nsere ausgezeichnete Dilettantin Frau P. D. alle Herzen, namentlich\nin der Arie: „Erbarme Dich®, sehr schön secundirt durch die Vio-\nline des Herrn F. Wenigmann, und in dem Arioso: „Ach Golgatha\"\nwas unseren Stern au auf der Stelle zu einigen tiefgefühlten\nStrophen begeisterte, in denen er der Bewunderung und Dankbarkeit\ndes Publicums Ausdruck lieh. Fräul. Saart, deren sympathische\nStimme und geschmackvoller Vortrag ebenfalls grosse Wirkung that,\nHerr Schneider, der seinen Ruf vollkommen bewährte, Herr Sab-\nbatli, den leider eine Erkältung hinderte, seine schönen Mittel\nganz zu entfalten, und Herr Ackens von hier trugen zu dem Er-\nfolg des Ganzen bei.\nSchliesslich kann ich nur kurz erwähnen, dass F. Laub am 24.\nMärz in seinem Concerte im Cursaale einen ungeheuren Enthusias-\nmus bei dem sehr zahlreich versammelten Publicum erregt hat. Er\nwurde vortrefflich unterstützt durch die Gesang-Vorträge der Damen\nP. D. und N. D. und des Herrn Musik-Directors Wüllner.\n\nN.\n\nAus Crefeld.\nL. B.\nDas letzte Abonnements-Concert in Crefeld fand Mitt-\nwoch den 11, April Statt und hatte eine zahlreiche Zuhörerschaft\nherbeigezogen, da Herr Capellmeister Ferd. Hiller auf Einladung\ndes Concert- und Gesangvereins-Vorstandes die Direction seines „Fer\nsacrumu übernommen und ausserdem einen Vortrag auf dem Piano-\nforte mit gewohnter Freundlichkeit zugesagt hatte. Eine recht prä-\ncise Ausführung von Cherubini's Ouvertüre zu den Abenceragen\nunter Leitung des Herrn Musik-Directors Wolf eröffnete das Con-\ncert. Nach derselben trug Herr Simons Vom Stadttheater zu Mag-\ndeburg ein Lied von Schubert und eines von Schumann vor, worauf\nF. Hill er das herrliehe Concert in D-moll von Mozart spielte,\nmit jener Meisterschaft, die aus der edelsten künstlerischen Auffas-\nsung in Verbindung mit vollendeter Technik entspringt. Auszeichnen\nmüssen wir hesonders auch die Cadenzen, die sich ohne Prunk in\nden classischen Stil der Composition vortrefflich einfügten und nicht,\nwie man das bei Virtuosen sonst öfter hört, ihre eigentliche Bedeu-\ntung verkennend, sich zu lang ausdehnten. Das Orchester begleitete\ndas Concert gut und zeigte, dass es bei gehöriger Aufmerksamkeit\nauch das Piano in der Gewalt hat, was bei den übrigen Musik-\nstücken vermisst wurde.\nDie Ausführung des „ Ver sacrum* war im Ganzen eine recht\nglänzende; das treffliche Werk wurde mit Liebe und Schwung ge-\nsungen und gespielt und mit enthusiastischem Beifall aufgenommen.\nWiederholter Ausbruch des lebhaftesten Applauses, Fanfaren von\nTrompeten und Pauken und Hochs auf den Componisten erschallten\nin dem überfüllten Saale, Kern und Haupt-Ursache der gelungenen\nAufführung war der Chor des Gesang-Vereins, an 13J frische, voll-\ntönende Stimmen in ebenmässigem Verhältnisse, trefflich eingeübt\nvon dessen Dirigenten Herrn Wolf; präciser und energischer Ein-\nsatz und Sicherheit zeichneten ihn aus. Möchte doch dieser schätz-\nbare Verein zum bevorstehenden Musikfeste an den Pfingst-\ntagen nach der Nachbarstadt Düsseldorf wandern, um dort seine\n.\nschöne Kraft mit dem grossen Ganzen zu vereinigen! Die Soli wur-\nden von Fräul. Saart (Sopran), Herrn Simons (Bariton), der zweite\nSopran im Quartett von einer Dilettantin mit recht hübscher Stimme,\n♦ . •. «\nder Tenor von einem Dilettanten, Herrn S,, gesungen. Letzterer hat\nseine Partie durch Stimme, Auffassung und declamatorischen Vor-\ntrag in Verbindung mit vorzüglicher Aussprache zu voller Geltung\ngebracht. Herr Simons, den wir durch seinen früheren Aufenthalt\nin Köln kennen, besitzt eine nicht grosse, aber sehr wohllautende\nund. einnehmende Stimme und hat im Vortrage bedeutende Fort-\nschritte gemacht. Das Schubert'sche Lied und die weicheren Stellen\nim Ver sacrum gelangen ihm recht gut; für die heroischen Stellen\nder Partie des Priesters genügt freilich das Volumen der Stimme\nnicht. Fräul. Saart sang die Priesterin der Vesta und im zweiten\nTheile die Camilla mit reiner Intonation und mit Ausdruck.\nIm Ganzen machte das Concert einen sehr befriedigenden Ein-\ndruck und gab wieder einen recht erfreulichen Beleg zu der neulich\nbei Gelegenheit der Aufführungen in Elberfeld von uns hervorgeho-\nbenen Thatsache, dass die Industrie in den rheinischen Städten kei-\nneswegs die Kunst erdrückt, sondern für die edleren Genüsse, welche\ndiese bietet, grossen Raum im Leben und rege Theilnahme in den\nGemüthern übrig lässt.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMeiningsen, 28. März. Am vorigen Sonntage hörten wir die\nzweite Aufführung von unseres Landsmannes Reif Oper Abu\nSaid. Das Publicum hat mit Recht der Oper ein lebhaftes Interesse\ngeschenkt, denn es ist eine Freude, aus unserer Mitte einen Künst-\nler hervortreten zu sehen, dem wir die glückliche Fortentwicklung\nvon Herzen wünschen dürfen, da er in einem Erstlingswerke so un-\nverkennbare Beweise eines hervorragenden Talentes gegeben hat.\nDer Abu Said zeigt eine Leichtigkeit der musicaliscken Production,\nein Geschick in der Verwendung der Mittel, der Stimmen sowohl\nwie namentlich auch des Orchesters, die eine Anerkennung um so\nmehr fordern, wenn wir bedenken, welchen musicalischen Bildungs-\ngang der Künstler bis hieher durchgemacht hat. Besonders glücklich\nzeigt sein Talent sich in Darstellung der weicheren Gemlithsstim-\nmungen, wie im Morgengebet, dem sehr schönen Duett: „Ich will\ndas Schwerste tragen\", dem zwei Mal wiederholten: „Vertrau' dem\nsüssen Glücke\" u. s. w. und müssen wir ganz besonders die feine\nund anmuthige Verschlingung der verbundenen Stimmen rühmen.\nHierin, wie in manchen anderen Stücken, zeigt der Componist ein\nin einer ersten Schöpfung höchst überraschendes Talent. In anderen\nDingen wie wäre es aber auch anders möglich! zeigt sich\nfreilich, daneben auch das Erstlings wem als solches in einer unver-\nkennbaren Unselbstständigkeit der Erfindung, die sich den von allen\nSeiten andrängenden Erinnerungen noch nicht mit Energie zu ent-\nreissen vermag; eben so in dem Mangel eines testen einheitlichen\nStils, der erkennen lässt, dass der Künstler sein Kunstziel und seine\nMeister weder fest gewählt noch scharf ins Auge gefasst hat In\ndiesen Dingen wird strenge Selbstkritik und ernster Fleiss helfen.\nMöge die Aufnahme, die er unter uns als der Ikisrige gefunden hat,\nihn auf dem Wege der Arbeit ermuthigen, die seinem schönen Ta-\nlente gewiss auch die Anerkennung in weiteren Kreisen sichern wird.\nGelegentlich müssen wir noch unsere Freude an dem neulich ge-\nhörten Geigenspiel des Herrn Gottschalk Schülers Bott s\naussprechen, in dessen sauberem, feinem Tone wir mit Vergnügen\ndie edleii Züge seines Meisters wiedererkannten. Herr Gottschalk ist\nein Schüler, der seinem Lehrer alle Ehre macht."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600414-01.1.8", "texte": "Ciotlia-, 29» März. Der Intendant des coburg-gothaischen Hof-\nibeaters, Haus-Obermarschall v. Wangenheim, hat auf wiederholtes\nNachsuchen um Enthebung von dieser Stelle vor wenigen Tagen die\nerbetene Entlassung erhalten.\nIn der vergangenen Nacht starb hier im 74. Lebensjahre ein vor\nJahrzehenden als Componist und Virtuose hochgefeierter Künstler,\nLudwig Böhner, der aber seit fast vierzig Jahren in (vielleicht\nnicht ganz unverschuldeter) Armuth und Verborgenheit von dem ge-\nringen Ertrage seiner Compositionen, die er selbst weit und breit in\nThüringen colportirte, ein rühm- und freudenloses Dasein fristete.\n(Eine ausführliche, sehr warm gehaltene Charakteristik Böhner's von\nL. Storch haben die beiden ersten Hefte des laufenden Jahrgangs\nder „Gartenlaube\" gebracht.)\nDonnerstag den 29. März fand das letzte Abonnements-Concert\nim leipziger Gevvandhause Statt. Die Saison und Capellmeister Dr.\nJulius Rietz nahmen damit Abschied von dort. In dem Programme\nsind alle die Heroen vereinigt, welche bei uns die Tonkunst der mo-\ndernen Zeit gross gemacht haben: Johann Sebastian Bach voran\n(Suite für Orchester), Händel (Arie aus dem Messias), Gluck (Ou-\nvertüre zu Iphigenie in Aulis), Haydn (Motette: Des Staubes eitle\nSorgen), Mozart (Trio für Pianoforte, Violine und Cello) und Beet-\nhoven (C-7tto//-Sinfonie).\nParis. In diesen Tagen erscheint hier im Verlag von Castel\n[Passage de VOpera) eine Histoire de la Sociale des Concerts du Con-\nservatoire von A. El wart, Professor am Conservatorium. Die 32\nJahre der Existenz der Concert-Gesellschaft vom 9. März 1828\nunter Karl X. bis Ende 1839 unter Napoleon 111. haben 308\nConcerte geliefert, deren sämmtliche Programme in dem Buche ver-\nzeichnet, commentirt u. s. w. werden sollen. (Da aber bekanntlich\ndiese Programme so häufig ein und dasselbe bringen, so dürfte der\nvollständige Abdruck eines jeden eine Menge raumverschwendende\nWiederholungen bringen.) Ausserdem wird das Buch Einleitungen\nüber die Geschichte der Musik im Allgemeinen, der Sinfonie, der\nfrüheren Concerts spiriluels u. s w., statistische Nachrichten und die\nBiographieen von Habe neck und Beethoven enthalten. Preis\n3 Fr. 50 Cent.\nDie Direction des Thidtre lyrique geht von Herrn Carvalho\nauf den bisherigen Generalsecretär der Administration, Herrn Char-\nles Rety, über. Madame Carvalho-Miolan zieht sich ebenfalls\nvon dieser Bühne zurück, was freilich ein grosser Verlust für die-\nselbe ist. Nach Beetlio ven's n-Fidelio\" wird eine grosse Spectakel-\nOper von Gounod: La Reine Balhir, in Scene gehen. Mad. Car-\nvalho ist nach London gereis't, wo sie in Coventgarden singen wird.\nEine neue Oper von Felicien David, genannt La Captive, in\nzwei Acten wird in der grossen Oper einstudirt.\nDie junge Sängerin Marie Battii hat hohe Gunst bei den Be-\nsuchern der italiänischen Oper gefunden. Ihre Leistungen als Amina,\nLucia und Gilda (in Rigoletto) haben einen ausserordentlichen Er-\nfolg gehabt.\nHerr Aug. Kömpcl hat die seltene Ehre gehabt, zu einem\nSolospiel in dem Conservatoire-Concerte eingeladen zu werden. Er\nhat das achte Violin-Concert von L. Spohr mit ausgezeichnetem\nBeifalle gespielt; es ist nur Eine Stimme in Paris über das herr-\nliche. Spiel und die merkwürdige Tonfülle dieses deutschen Künstlers.\nSivori ist gegenwärtig in Mail an d.\nAm 12. April gibt Louis Brassin im Salon Erard sein drit-\ntes Concert. Am 26. April tritt Joseph Wieniawski, der Pia-\nnist, mit einem neuen Clavier-Concerte und einer Ouvertüre für\ngrosses -\"Orchester von seiner Compositum auf.\nJLOSMIOSI. Am 10. April fand die Eröffnung der Oper im Co-\nTentgarden-Theater Statt. Herr Gye hat für diese Saison en-\ngagirt für Sopran und Alt: die Damen Grisi, Giti-\nditta Sylvia, Tagliafico, Miolan-Carvalho, Leva, Penco, Rapparrini,\nRosa Czillag (von Wien); für Tenor, Bariton und Bass die Herren\nMario, Patriossi, Luchesi, Polonini, Neri, Baraldi, Cairo, Gardoni,\nRossi, Tamberlik, Zeiger, Ronconi, Graziani, Tagliafico, Faure (von\nder komischen Oper in Paris). Dirigent: Costa. Erste Vorstellung\nMeyerbeer's Dinorah mit Miolan, Gardoni und Faure. Den 17.\nApril Fidelio mit Rosa Czillag. Mad. Czillag steht auch mit der\ngrossen Oper zu Paris in Unterhandlungen.\nMolsi* So eben erhalten wir durch den Vorstand des Cä-\ncilien-Vereins in Frankfurt am Main die traurige Nachricht\nvon dem Hinscheiden des hochgeschätzten Directors desselben, Herrn\nFranz Messer. Er starb nach langen, schweren Leiden am 9. April,\nMittags 12 Uhr.\n„Die höchst ehrenvolle, in alle Verhältnisse des musicalischen\nLebens unserer Stadt eingreifende Thatigkeit des Heimgegangenen\"\nso schliesst die Anzeige des Vereins-Vorstandes „wird durch\ndie allgemeine Anerkennung und durch den tiefen Schmerz gewür-\ndigt, der sich in allen Kreisen kund gibt.\"\nF. Messer war den 21. Juni 1811 zu Hofheim im Nas-\nsauischen, an welchem Orte jetzt die Taunus-Eisenbahn vorbei-\nführt, geboren."}]}