{"numero_id": "bm-bmtnabi-1860-04-21-01", "volume": "bmtnabi_1860-04-21_01", "ocr_sha256": "aceb9625cadac2cc909ee229c8e1f286204332938cde629cbe941e632e523b33", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1860/04/21_01/bmtnabi_1860-04-21_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600421-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1860-04-21-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-04-21_01#c001", "volume": "bmtnabi_1860-04-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "129", "page_fin": "129", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600421-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "129", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600421-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 443, "texte": "Inhalt.\nMusicalische Charakterköpfe. Von W. H. Riehl. Für mehrstimmigen Gesang. Acht geistliche Gesänge von H. Sattler\nSechs Lieder von J. Heuchemer Sechs Lieder von J. 0. Grim Fünf Gesänge von R. Schumann Requiem von C. Greith Drei\nGesänge von H. Marschner Drei Cantatcn von G. Flügel. Ein kleiner Anhang zu A. Malibran's „Louis Spohr\"4. Achter Bericht\nüber die Deutsche Tonhalle. Tages- und Unterhaltungsblatt (Leipzig Breslau Hamburg Wien)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-04-21-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-04-21_01#c002", "volume": "bmtnabi_1860-04-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "129", "page_fin": "132", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600421-01.2.2", "titre_corps": "Musicalische Charakterköpfe.", "titre_sommaire": "Musicalische Charakterköpfe.", "signature_source": "W. H. Riehl", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "129", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600421-01.1.1", "debut_caractere": 445, "fin_caractere_exclue": 4063, "texte": "Musicalische Charakterköpfe.\nVon W. H. Riehl.\nDas Buch kündigt sich als „zweite Folge\" der\n„Charakterköpfe\" des Verfassers und als „ein kunstge-\nschichtliches Skizzenbuch\" an (Stuttgart und Augs-\nburg, Cotta'scher Verlag. 1860. 8.). Trotz dieser letzteren\nBezeichnung sagt derselbe im Vorworte, dass es sich von\ndem ersten Werke „durch eine weit weniger skizzenhafte\nAnlage unterscheide\". Wir meinen, dass der Titel mehr\nBecht hat, als das Vorwort; Skizzen bleiben es doch immer\nnur, was hier gegeben wird; denn auf eine tiefere, künst-\nwissenschaftlich und kritisch begründete Charakteristik der\nbesprochenen Meister und Schulen hat es der Verfasser\nwohl selbst nicht abgesehen. Die gegebenen Skizzen sind\naber auf eingehende Studien sowohl der Musikwerke als\nauch der gesellschaftlichen Zustände und Verhältnisse, unter\nwelchen diese entstanden sind, begründet und empfehlen\nsich durch flicssende und lebendige Darstellung. Das Stre-\nben, „nicht bloss neuen musicalischen Stoff zu Tage zu\nfördern, sondern denselben auch im Zusammenhange mit\nunserem übrigen Culturleben zu erkennen\" —ist dem Ver-\nfasser sehr gut gelungen, und gerade dadurch hat er es\nerreicht, auch das Bekanntere theils unter neuen Gesichts-\npunkten, jedenlalls aber anziehend, fasslich und eben so\nfern von pedantischer Schulsprache als von dem leichtfer-\ntigen Plauderstil der Tagesblätter darzustellen.\nDas Ganze zerfällt in zwei Bücher. Das erste enthält:\n„Zwanzig Jahre aus der Geschichte der roman-\ntischen Oper\" (S. 3 226); das zweite: „Vier Mei-\nster des Ciaviersatzes\" (S. 229 376).\nDas so eben als besonders verdienstlich bezeichnete\nVerschmelzen des Kunstgeschichtlichen mit dem Cultur-\nhistorischen findet hauptsächlich auf das erste Buch An-\nwendung, während die vier Abschnitte des zweiten: „I.\nMuzio Clementi; 11. C. M. von Weber als Clavier-Compo-\nnist; 111. Haydn's Sonaten; IV. Sebastian Bach's Ciavier-\nwerke in der Gegenwart\" —mehr oder weniger vereinzelte\nSkizzen bilden.\nDie Darstellung der „zwanzig Jahre aus der Geschichte\nder Oper\" führt uns in dem ersten Abschnitte die Italiäner\nBossini, Bellini, Donizetti vor; im zweiten die Fran-\nzosen Boieldieu und Auber mit ihren Genossen; im\ndritten die Deutschen Spohr, Weber, Meyerbeer und\nihre Zeitgenossen. Die neuesten Erscheinungen auf dem\nGebiete der dramatischen Musik, also in Italien Verdi, in\nDeutschland Wagner, bleiben unberücksichtigt. Selbst die\nCharakteristik Meyerbeer's wird nur auf seine italiänischen\nund die bekannten drei grossen französischen Opern be-\ngründet; seine letzten, obwohl für sein ganzes Kunstschaf-\nfen sehr bezeichnenden Compositionen für die komische\noder romantisch-komische Oper kommen nicht mit in\nBetracht.\nWir theilen die Hauptstellen über ihn auszugsweise\nals zweite Probe (vgl. Nr. 15: „Spohr\") aus dem empfeh-\nlenswerthen Buche mit.\n„Die Breite der musicalischen und allgemeinen Bildung\nerschien uns oben als ein besonderes Merkmal des deut-\nschen Op ern-Componisten, und daraus quellend das Stre-\nben, alle Elemente der Oper gleichberechtigt durchzubil-\nden und, unabhängig von dem blossen augenblicklichen\nBedarf der Bühnen-Directoren oder nationalem Herkom-\nmen, die höchsten, absoluten Ideale der Dramatik selbst-\nständig zu erfassen. Wir sahen, wie sich dabei allerdings\ndie Kräfte in zahllosen Versuchen zersplitterten, die nur\nselten von innerem, noch seltener von äusserem Erfolge be-\ngleitet waren. Allein wenn wir auch wenig Sieg und viel\nNiederlage ärnteten, die Ehre und Würde deutscher Kunst\nward dennoch glänzend behauptet.\nPrägen wir uns diese Sätze fest in den Sinn und blicken\nwir, derselben eingedenk, auf Meyerbeer."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "130", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600421-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5493, "texte": "Er war reicher und gebildeter Leute Kind, der Sohn\neines jüdischen berliner Banquiers, der Bruder eines ge-\nlehrten Astronomen und eines verheissungsvollen, früh ver-\nstorbenen Dichters. Die Musik-Geschichte des achtzehnten\nJahrhunderts kennt keinen berühmten Musiker jüdischen\nStammes, während im neunzehnten eine sehr starke Gruppe\nplötzlich auftritt; ich brauche neben Meyerbeer nur Men-\ndelssohn, Moscheies, H. Herz, Halevy, Ferdinand Hiller,\nJ. Rosenhain zu nennen. Die Stammesherkunft, welche\ndiesen Künstlern vor hundert Jahren ein Fluch gewesen\nwäre, ward ihnen jetzt eher ein Vortheil. Sie fanden unter\nsich und unter noch weit mehr ausübenden jüdischen Mu-\nsikern schon Stütze genug, und die liberalen Tendenzen\nder zwanziger und dreissiger Jahre förderten die neue\ngrosse Rolle, welche mit Einem Male so viele Juden in der\nLiteratur und Musik spielten, als einen Sieg frei mensch-\nlicher Gesittung. Dabei wussten sich die meisten dieser\nMänner vortrefflich selber zu helfen und künstlerisch und\nliterarisch eben so gut zu berechnen als materiel zu rech-\nnen. Kein neuerer und gewiss auch kein älterer grosser\nComponist erfreute sich nach aussen einer so unabhängigen,\ngeförderten Laufbahn, wie Meyerbeer und Mendelssohn.\nWas in der Kunst irgend erlernbar ist, das wurde dem\njungen Meyerbeer von den besten Meistern gelehrt. An\nBreite der musicalischen Bildungs-Grundlage fehlte es dem\nkünftigen Opern-Componisten wahrlich nicht. Er ging auch\nzunächst gute Wege und recht als ein vorsichtiger Mann.\nRossini gestand von seiner eigenen „Zelmira\", er habe sie\n„übers Knie gebrochen\"; Meyerbeer brach nie eine Note\nübers Knie, geschweige eine ganze Oper. Er klügelte und\nfeilte stets bis zum letzten Augenblicke, und seine späte-\nren grossen Opern, lange vorherverkündet, wie grosse\nHerren, liessen immer lange auf sich warten, wie grosse\nHerren, bis sie endlich wirklich erschienen. Als er den\nAblieferungs-Termin seiner Hugenotten versäumte, zahlte\ner willig 30,000 Francs Busse an die Theater-Direction;\nes ging ihm leichter, 30,000 Francs übers Knie zu bre-\nchen, als ein Stückchen Hugenotten-Partitur. Sein Herz\ndürstete von Anbeginn nach Erfolgen, aber er konnte\ndurch Jahrzehende warten; er wusstc, dass der vorsichtige\nMann auf ein langes Leben zählen darf.\nGenug, wir sehen in dem jungen Meyerbeer schon\nden gut und breit geschulten und zugleich den bedächti-\ngen, sicher berechnenden Künstler.\nSein Streben ging von vorn herein auf wuchtige Dinge;\ner sammelte seine Kraft, während Weber sich leider so\nlange zersplittert hatte. Meyerbeer's erstes Werk waren\nacht geistliche Oden von Klopstock für vier Stimmen, sein\nzweites ein dramatisch-pathetisches Oratorium: „Gott und\ndie Natur\". Declamatorisches religiöses Pathos war und\nblieb eine Neigung fürs ganze Leben. Auch in seinen Lie-\ndern herrscht dieser Zug, Lieder, in denen der Text durch\nden Schwerschritt der harmonisch übersättigten Melodie\ngleichsam in den Boden hinein getreten wird. Ich erinnere\nan den „Mönch\" und ähnliche Sologesänge, an die Com-\nposition von Knapp's „Himmelsluft vom Morgenlande\", die\nwie Wüsten-Samum aus den schwülen Modulationen „zu\nuns herüberweht\". Meyerbeer'sche Musik erdrückt jedes\nLied, sie passt nur in einen grossen Kähmen. Sein erstes\nBühnenwerk, „Jephta's Tochter\", war ein halbes Orato-\nrium und verschwand sofort wieder vorn Theater, weil der\nComponist darin noch gar zu deutlich machte, wie viel er\ngelernt habe. Allein trotz aller Wandlungen des Stils hielt\ner von nun an fest an dem Effectstücke, die Kirche ins\nTheater zu tragen. „Robert\", die „Hugenotten\" und der\n„Prophet\" zeugen dafür. Ob er in seinem\nund „Miserere*andererseits das Theater in die Kirche\ngebracht, kann ich nicht behaupten, doch ist es wahrschein-\nlich; denn er trug das Theater wenigstens in die Synagoge.\nDie grosse und merkwürdige Sammlung der pariser israe-\nlitischen Cultgesänge enthält neben uralten, fast an unse-\nren Palestrina-Satz gemahnenden und doch eigentümlich\njüdischen Weisen auch etliche Nummern von Meyerbeer\nund Halevy, in denen die Accorde der „Hugenotten\" und\nder „Jüdin\" voll und offen zur Synagoge hereintönen.\nEin nationaler Zug zu declamatorisch hochklingendem\nPsalmgesang findet sich übrigens auch bei anderen jüdi-\nschen Tondichtern unserer Zeit; die Harfen, welche ihre\nAhnen weiland an Babels Weiden aufgehangen, stellen\nsie jetzt ins Theater-Orchester.\nUms Jahr 1818 kam er nach Italien; Rossini's Stern\nstand im strahlenden Aufgange. Meyerheer hatte bis dahin\ndie neu-italiänische Oper fast gering geachtet und seine\nbeiden ersten Bühnenwerke so deutsch gesetzt, dass sie in\nDeutschland durchgefallen waren. Er merkte bald, dass\nman in Italien doch wenigstens nicht darum durchfällt,\nweil man zu itaiiänisch schreibt. Rossini's „Tancred\", des-\nsen unwiderstehlichen Erfolg Meyerbeer in Venedig ge-\nschaut, bekehrte den jungen Künstler dergestalt, dass er\nnach kurzem Besinnen, trotz Zelter, \\\\ eher und Vogler,\nselber im Rossini'schen Stile zu componiren anfing. Jetzt\ngewann er in der Fremde binnen wenigen Jahren, wonach\ner zu Hause so lange vergebens gestrebt: Theater-Erfolg.—\nMeverbeer's Freunde suchten seinen italiänischen Stil\nJ\nmit dem Hinweis auf Händel, Hasse, Gluck und Mozart zu\nentschuldigen, die ja auch über Italien den Weg zur deut-\nschen Oper gefunden. Allein gerade weil diese ihn bereits\ngefunden, brauchte ihn Meyerbeer nicht mehr zu suchen.\nEr lebte auch nicht gleich jenen im weltbürgerlichen acht-\nzehnten Jahrhundert, sondern im nationalen neunzehnten,"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "131", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600421-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5495, "texte": "ja, er verwälschle seine Kunst in einem Jahrzehend, wo\nder heftigste Kampf zwischen deutscher und wälscher Art\nentbrannt war und die deutsche Oper gerade um ihrer\nedelsten Züge willen nicht aufkommen konnte gegen die\nitaliänische. In solcher Zeit fordert das Vaterland seine\nSöhne, auch in der Kunst, und man soll doch gerade dann\nam allerwenigsten „Studien-Opern\", wie man Meyerbeer's\nitaliänische entschuldigend genannt hat, wider den eigen-\nsten Kunstgeist der Heimat schreiben. Die „Studien\" wa-\nren auch sicherlich nicht mehr der letzte Zweck eines\nnahezu dreissigjahrigen Mannes, sondern der persönliche\nErfolg.\nAls die italiänische Oper endlich lahm und missachtet\nzu werden begann, hörte darum Meyerbeer mit seinen\nitaliänischen Studien auf und ging nach Paris. Hier stand\njetzt der europäische Herrscherthron der Oper. Ich habe\noben den Umschwung geschildert, der durch Auber's\n„Stumme von Portici\" und Rossini's „Teil\" in der gros-\nsen romantischen Oper hervorgebracht wurde. Meverbeer\ntrat als Dritter in den Bund mit seinem „Robert\" (1830).\nEr besass weniger Fülle und Frische des Genius als Ros-\nsini und weniger geistreiche Leichtigkeit des Talentes als\nAuber, allein er überragte Beide in deutscher Breite der\nmusicalischen Bildung und im klugen, vorsichtigen, durch-\ntriebenen Berechnen. Darum fand er auch so spät erst sich\nselber und drang so langsam zu seinen eigensten Erfolgen\nvor. Wenn gründliche und allgemeinere Bildung, verbun-\nden mit dem Streben, die Elemente der Oper harmonisch\nund allseitig zu entwickeln und nicht bloss der Liebhaberei\ndes Zeitgeschmackes, sondern den höchsten Zielen der Dra-\nmatik nachzuringen, die guten deutschen Opernmeister\nehrend auszeichnet, so finden wir dieses alles bei Meyer-\nbeer wieder, nur verkehrt in die wunderlichste\nParodie. Seine reichen musicalischen Kenntnisse benutzt\ner zu einem Raffinement des Satzes, welches die Kenner\nblenden, die Laien hinreissen soll; er entwickelt alle Ele-\nmente der Oper neben einander zu einem bunten Pot-\npourri, davon sich Jeder sein Stück herauslesen kann; er\nbuhlt mit den höchsten Aufgaben der Dramatik, weil dem\nsinnlichsten Gelüsten der Menge um so dauernder schmei-\ncheln kann, wer das Scheinbild der heiligsten Ideale dane-\nben stellt. Meyerbeer besitzt alle Kunst, alles Talent zur\ngrossen Oper; es fehlt ihm nur eine Kleinigkeit: ein wa-\nches und reines künstlerisches Gewissen; Er\nkann nicht arbeiten um Gottes willen, wie alle wahrhaft\ngrossen Künstler gethan.\nDass er, der Alles zur Spitze trieb, auch am fettesten\nund vollsten instrumentirte, versteht sich von selber. Ros-\nsini hatte zu den Posaunen Gluck's und Mozart's noch die\ngrosse Trommel und Becken, die Janitscharenmusik ge-\nfügt; nun blieb für Meverbeer nichts Neues übrig. Aber\ndie Janitscharenmusik selber war doch wieder steigerungs-\nfähig, und so brachte er den Bombardon und die Ophi-\nkleide, jene Biesen-Instrumente mit dem dicken, runden\nYolltone und dennoch geläufiger chromatischer Scala. In\nüberraschenden Instrumental-Verbindungen neuesten und\nbestrickenden Klanges ist er in der That ein bewunderns-\nwert hes Talent, liier hat das Berechnen, Aussinnen, Er-\nproben und Feilen sein Recht, hier konnte er seine Klug-\n» o\nheit, seine Schule und Erfahrung walten lassen. Oft ge-\nlingt ihm eine sehr charaktervolle Tonmalerei des Orche-\nsters, mitunter wird sie freilich, zumal in den neuesten\nOpern, verzwickt und spielend; aber anziehend für den\nMusiker bleibt die Orchester-Partitur immer und lehrreich\nim Guten und Bösen. Der kluge Mann zeigt sich dabei\nwiederum in der Sparsamkeit. Meyerbeer tödtet nicht, gleich\nSpohr und den Nachfolgern Weber's, einen Instrumental-\nEffect durch den anderen, er donnert und schmettert nicht\nin Einem Stücke durch fünf Acte, er ist vielmehr bald gei-\nzig, bald verschwenderisch mit der Instrumentalkraft und\nprahlt mit Beidem. Eine Arie, von der be-\ngleitet, eine Scene bloss mit Fagott, lange, dünne Flöten-\nSoli - das ist Schlichtheit, die Jedem imponirt, die Jeder\nin ihrer Absicht erkennt, die nicht als Armuth angesehen\nwerden kann, Schlichtheit, mit der man prahlt, im Con-\ntrast höchst wirksame Schlichtheit. In „Robert der Teufel\"\nwird das Testament der Mutter Robert's abgelesen. Wie\nsoll man das Verlesen eines Testamentes begleiten? Meyer-\nbeer nimmt eine chromatische Trompete; aber eine Solo-\nTrompete im Orchester ist schon da gewesen, auch eine\nTrompete hinter der Coulisse; auch würden beide zum\nAblesen eines Testamentes etwas grell klingen. Bei der er-\nsten Vorstellung in Berlin setzte daher Meyerbeer jene\nTrompete in den Souffleurkasten, den Schalltrichter gegen\ndie Bühne gewandt, und nun war wirklich der unerhörte,\ngeisterhafte Ton gefunden, wie er sich für das Ablesen\neines mütterlichen Testamentes schickt. Wäre es das Te-\nstament des Vaters gewesen, so hätte man die Trompete\nvielleicht vom Schnürboden herunter blasen lassen.\"\nAuch das Capitel über Rossini, mit welchem das\nBuch beginnt, ist recht anziehend geschrieben. Der Ver-\nfasser erkennt sein Genie, aber auch seine Lebensklugheit\nan und würdigt die Zeit vortrefflich, die ihm Sieg über die\nbisherigen Opernschreiber in Italien und Verbreitung über\nganz Europa verschaffte. Merkwürdiger Weise schien den\nItaliänern Anfangs, was wir heute kaum begreifen, Rossi-\nni's Musik zu dramatisch, und sie nannten ihn im Gegen-\nsatze zu dem sanft dahingleitenden Tonflusse von Zinga-\nrelli, Parsiello, Pavesi, Puccita u. s. w. schon früh einen\nRomantiker. Das Romantische fand man damals aber be-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "132", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600421-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3671, "texte": "sonders in den neuen kecken Modulationen, die auch heule\nnoch das oberllächliche Ohr bestechen. „Dieses übermü-\nthig kecke Moduliren, durch welches Rossini so oft eine\nabgegriffene Melodie neu und frisch zu machen wusste,\ndurch welches auch Weber manchmal mehr berauscht\nals erbaut, durch welches Meyerbeer und Wagner den\nMangel melodischer Erfindung so geschickt zu verhüllen\nwissen, ward vordem von dem alten Salieri mit der Laune\neines Mannes verglichen, der zum Fenster hinausspringt,\nwenn zwei Schritte nebenan die Thür offen steht.\" (S. 18.)\nIm zweiten Buche: „Vier Meister des Ciaviersatzes\",\nwollen wir die etwas gesuchte und pointirte Schilderung\nClementi's, zu dessen Charakter als Künstler und als\nMensch Riehl den Schlüssel nur in der Sonate und in\nder Meisterschaft Clementi's in ihr findet, dem vielfach be-\nliebten Streben neuerer Kunsthistoriker, die Eigentüm-\nlichkeit und die ganze Entwicklung eines Künstlers aus\nEinem Punkte zu deduciren, zu Gut halten, zumal da bei\nClementi allerdings etwas Wahres daran ist in Bezug auf\nseine Leistungen als Componist. In Spielerei aber, die sehr\nmit Unrecht für geistreich gilt, artet es aus, wenn es z. B.\nhier (S. 234) von Clementi's Portrait heisst: „Man sieht,\ndieser Mann hat ein ruhiges, befriedetes Leben geführt,\nso klar und harmonisch dahinfliessend, wie seine Sonaten\",\nund vollends (S. 235): „Das äussere Leben unseres Mei-\nsters, dem die Sonate schon aus dem Gesichte\nsieht, ist merkwürdig durch seine Gleichförmigkeit!\"\nUebrigens hat es mit dem gleichförmigen Sonaten-Leben\nClementi's nicht einmal seine Richtigkeit, wie wir denn\nselbst über des Meisters äussere Lebensgeschichte nur sehr\nungenügend unterrichtet sind, geschweige denn über sei-\nnen Charakter. Bei einem Manne, über dessen zwei- oder\nnach Anderen gar dreimalige Verheirathung ein gewisses\nDunkel schwebt, der in Italien geboren, aber in England\ngelebt hat und gestorben ist, der Frankreich, Deutschland,\nRussland, die Schweiz und Italien zu wiederholten Malen\ndurchreis't hat und einmal ganze acht Jahre (1802 —1810)\nlang seine neue Heimat, England, nicht wieder sah: bei\ndem kann weit eher von einem bewegten, als von einem\nruhigen, gleichförmigen Leben die Rede sein. Aber frei-\nlich, sein wirkliches Leben liess sich nicht aus der Sonate\nerklären! Man kann sich eher über die Gleichförmigkeit der\nClementi'schen Compositionsweise im Gegensatz zu seinem\nLeben wundern. Wie der Verfasser dazu kommt, aus der\nPortrait-Aehnlichkeit Clementi's und Cherubini's zu folgern :\n„Und die künstlerische Verwandtschaft beider Meister ist in\nder That nicht minder deutlich, als die physiognomische\"\n(S. 235), begreifen wir nicht. Cherubini mit der Tiefe seiner\nIntentionen, seinen kühnen Harmonieen, dem Reichthume\nseiner Instrumentirung, der Genialität seiner Ideen, dem\nSchwung und der Leidenschaft seiner dramatischen Musik\nkünstlerisch verwandt mit Clementi? Eine Lodoiska, Me-\ndea, Wasserträger, Faniska, die grossen Messen, das Re-\nquiem—und Clementi's Sonaten geistesverwandt??\nMit dem, was der Verfasser über Weber's Ciavier-\nmusik und über Haydn's Sonaten sagt, stimmen wir voll-\nständig überein und zählen die Abschnitte, die darüber\nhandeln, mit zu den gelungensten des Buches.\nDen Epilog des Artikels über J. S. Bach unterschrei-\nben wir gern, wenngleich wir als nüchterne Rechner von\nder gegenwärtigen Begeisterung des grossen Publicums\nfür ihn dreissig Procent zu Gunsten der Neugier und des\nguten Tones abziehen. „Geistig besitzt ihn die Nation jetzt\nmehr als bei seinen Lebzeiten, und wir mögen uns dessen\nals eines Zeichens der Erstarkung in einer Epoche voll\npolitischer, sittlicher und künstlerischer Erbärmlichkeit\ngetrösten.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-04-21-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-04-21_01#c003", "volume": "bmtnabi_1860-04-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "132", "page_fin": "134", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600421-01.2.3", "titre_corps": "Für mehrstimmigen Gesang.", "titre_sommaire": "Für mehrstimmigen Gesang.", "signature_source": "L", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "132", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600421-01.1.4", "debut_caractere": 3673, "fin_caractere_exclue": 5224, "texte": "Für mehrstimmigen Gesang.\n\n(Verlag von Rieter-Biedermann in Winterthur.)\nAcht geistliche Gesänge von H.Sattler. Op. 23.\nDie Gesänge sind für gemischte Stimmen und\nnach dem Texte von Oser componirt. Es weht in ihnen\nein frommer Geist, der durch keine Note entweiht wird.\nDie Stimmführung ist durchaus ungezwungen, die Erfin-\ndung zwar nicht sehr reich, aber originel; lür häusliche\nKreise und sonstige passende Gelegenheiten sind sie sicher\neine höchst willkommene Gabe.\nEtwas hart klingt in Nr. 1 im neunten Tacte des Alt\ndas eund des;es ist schwer rein zu singen. Die Repetition\ndes ersten Gliedes in Nr. 1 gleich im 3. —4. Tacte ist\narm. In Nr. 4 hätte durch eine bewegtere Bassführung,\nnamentlich Gegenbewegung, die Einförmigkeit vermieden\nwerden können. In Nr. 8 wäre der Melodie mehr Leben\nund der um eine Stufe gesteigerten Wiederholung- dessel-\nben Gliedes mehr Conformität geworden, wenn der Bass\netwa also stände:/« c c b a Diese wenigen Ausstel-\nlungen mögen den Verfasser überzeugen, wie grosses In-\nteresse mir seine schönen Compositionen einllössten.\nSechs Lieder für gemischten Chor (Heine, Fal-\nlersleben u. s. w.) von Joh. Heuchemer. Op. 8.\nDiese Gesänge sind um ein Bedeutendes besser, als die\nvorigen. Die Erfindung ist durchaus sehr reich, die Stimm-\nführung aber wahrhaft ausgezeichnet; nur müssen die Ge-\nsänge, sollen die vielen durchgehenden Noten nicht unschön\nklingen, (liessend und glatthin, ja nicht stossend oder gar\nschleppend, und vor Allem rein gesungen werden. Am be-\nsten gefielen mir das Abendlied und das Wiegenlied;"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "133", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600421-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5266, "texte": "man kann nichts Innigeres und Zarteres denken. Das\nSch walbenlied scheint etwas zu figurirt. Volkslieder zu\nharmonisiren, ist immer eine bedenkliche Sache, besonders\noft wegen der Tonart, die sich häufig ganz den alten an-\nschliesst; für diese aber passt eine moderne Harmonisirung\nnie gut. Wo diese Lieder bekannt werden, da werden sie\nschnell zu Lieblingen sich erschwingen.\nSechs Lieder für gemischten Chor von J. 0.\nGrim. Op. 8. (Kerner, Uhland, Pohl u. s. w.)\nDer Compositeur neigt der neudeutschen Schule zu.\nSeine Declamation ist vorzüglich, eben so die Verwendung\ndes Textes nach seinem Inhalte und seinen einzelnen Stim-\nmen. Anerkennenswerth ist jedoch dabei das Festhalten\nund Durchführen des Thema's; aber zugleich liebt er zu\nstark frappante Wendungen durch Anbringung einzelner,\noft zu subjectiver Färbungen. Den Dissonanzen räumt er\nzu viel ein; er hat eine unverkennbare Vorliebe für die\nschärfsten dieser Accorde, dies lässt Manches hart klingen\nund ungewöhnlich und beeinträchtigt zugleich die leichte\nund allgemeine Sangbarkeit der sonst so schönen Gesänge.\nTüchtige Sänger sind jedenfalls erforderlich, sollen sie die\nrechte Wirkung machen. Ueberaus gut hat mich nament-\nlich angesprochen das Morgenlied; es wird sich bald all-\ngemein einbürgern. Das Frühlingslied ist kunstreicher,\naber weniger einfach und herzlich. Aus dem Herbstliede\nweht so recht die melancholische Stimmung, die diese Jah-\nreszeit kennzeichnet. Der unisone Anfang der Terzen in\nden vier Stimmen macht sich unvergleichlich.\nFünf Gesänge aus Laube's Jagdbrevier für\nvierstimmigen Männerchor (mit Begleitung von vier\nHörnern ad UV.)von B. Schumann. Op. 137.\nNr. 2 der nachgelassenen Werke. Partitur und\nSingstimmen 2 Thlr. 5 Ngr. Singstimmen 7 i/t Ngr.\nIch vermesse mich nicht, an die Composition dieses\ngrossen Meisters, der in vielfacher Beziehung der Tonkunst\nneue Bahnen gebrochen hat, den Maassstab der Kritik an-\nzulegen; diese hat vielleicht zu viel schon an ihm gemäkelt.\nDoch seine Zeit wird für li. Schumann nicht ausbleiben.\nBereits dämmert der Morgen, der seine Schöpfungen in\ndas hellste Licht des Tages bringen wird. Ich fixire nur\nden Eindruck, den diese Gesänge auf mich gemacht. 1.\n„Zur hohen Jagd\". Das Lied versetzt lebendig in den\nWald; es verliert daher nothwendig, wenn dieses nicht\nfestgehalten wird. Alle Vorkommnisse vor der Jagd, die\nSpannung des Herzens, die stille Erwartung des Gemüthes,\ndas Heraufsteigen des Tages, das Aufsuchen des Wildes in\nseinen Schlupfwinkeln u. s. w. sind meisterhaft da. Becht vor-\ngetragen, wird das Lied gewaltig wirken; dabei ist es leicht\nzu singen. 2. Habe Acht. Das kurze Lied durchweht\nbängliche Sorge vor Ungemach; selbst in der rhythmischen\nAnlage, die das erste Viertel des Tactes pausiren lässl, ist\ndas erkennbar; es ist, als ob das Wort vor Angst in der\nKehle ersticken wollte. 3. Jagdmorgen ist eine süssklin-\ngende Erinnerung an die Lieben zu Hause; für solche Her-\nzensstimmung fand Niemand besseren Ausdruck als Schu-\nmann, das ist bekannt. 4. Frühe. Das musicalisch künst-\nlichste, aber eben desshalb vielleicht auch am wenigsten\ndurchgreifende Stück. 5. Bei der Flasche. Ein echt\ndeutsches Lied voll Kraft und Muth, es muss überall zün-\nden. Die Bemerkung, die Hörner seien ad libitum, möchte\nich corrigiren; ohne sie werden die Gesänge ihren gröss-\nten Heiz verlieren.\nRequiem für vierstimmigen Chor und Solo-\nstimmen mit obligater Orgelbegleitung von C.\nGreith. Partitur und Stimmen 2 Thlr. 5 Ngr.\nDie Anlage verräth (leissiges Studium, erinnert etwas\nan die grosse Messe von Türk; die Stimmen gehen theils\nunisono, theils einzeln, theils a due, theils im Chor, nichts\nstört die edle, ernste, durchaus kirchliche Haltung; man\nbegegnet nicht arienmässigen, liederhaften Sätzen. Die Or-\ngelbegleitung ist gebunden, mitunter meisterlich geführt,\naber etwas schwer; ein tüchtiger Organist wird durch gut-\ngewählte Register und ausgedachte Verwendung des Pe-\ndals herrliche Wirkungen erzielen können. Hätte es dem\nComponisten gefallen, hier und da den unvergleichlichen\nCantus Gregorianusfür einzelne Text-Partieen als\nfirmus zu verwenden, so würde das Werk nur gewonnen\nhaben. Katholischen Kirchenchören sei das Requiem warm\nempfohlen. Der Componist aber nutze sein Talent, das ge-\nrade für die Kirche unverkennbar ist. M.\nHeinrich Marschner, Drei Gesänge für vier\nMännerstimmen, dem Männergesang-Vereine\nin Wien gewidmet. Op. 183. Leipzig, bei Bar-\ntholfSenfF. Partitur und Stimmen 1 Thlr. 15 Ngr.\nStimmen 1 Thlr., jede einzelne 7% Ngr.\nDiese drei Gesänge athmen ganz und gar den frischen\nGeist, der den unerschöpflichen melodischen Reichthum\nMarschner's auch jetzt noch durchweht, wo bereits viele\nHunderte von seinen Liedern wie die Singvögel in jedem\nFrühling ausgeflogen sind und in so Vieler Herzen eine\nHeimat gefunden haben, dass der Meister selbst nicht mehr\nweiss, wann und wo er sie ausgesandt hat, und oft ganz\nmerkwürdig überrascht wird, wenn er plötzlich Weisen\nhört, die ihm vor langen Jahren aus der Brust gequollen\nund seitdem von unzähligen anderen verdrängt worden\nsind. Und welch eine klare Harmonie, welche Sangbarkeit\nin jeder Stimme herrscht wieder in diesem neuesten Hefte,\ndessen zwei erste Nummern wir zu dem Besten zählen,\nwas Marschner für vierstimmigen Männergesang geschrie-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "134", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600421-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2829, "texte": "ben hat! Es sind Wolfgang Müller's „Lenz und Liebe\"\n(AUegretto, Es-dur, %-Tact) und Karl Siebel's „Lustige\nLeute\" (Mit Laune und Lebhaftigkeit, 2/4-Tact).\nIm ersten spricht der sanfte, ruhige Fluss der Empfindung\nan, die besonders bei der Stelle in durch die wie-\ngenden Figuren der beiden Mittelstimmen einen schönen\nAusdruck findet, während das zweite durch seinen flotten\nHumor überall willkommen sein wird. Das dritte: „Mädel,\nmein Mädel!\" auch von Siebe], ist ebenfalls als Gesang-\nstück sehr hübsch componirt, scheint uns aber für den\nText etwas zu sentimental aufgefasst.\nGustav Flügel, Drei Cantaten für geistlichen\nMünnerchor. Dem kölnischen Männergesang-\nVereine zugeeignet. Op. 58.\nWir gestehen, dass wir im Allgemeinen die Instru-\nmentaJ-Compositionen, namentlich die grossen Sonaten für\nPianoforle und die kleineren Ciavierstücke dieses lleissigen\nComponisten, den wir auch als ausübenden Künstler auf\nOrgel und Ciavier, als Lehrer und als Dirigenten während\nseines Aufenthaltes am Rheine sehr hoch zu schätzen ge-\nlernt haben, seinen Gesangwerken vorziehen. In beiden ist\nallerdings die ernste, edle, echt künstlerische Richtung\nherrschend, welche Flügel nie verlassen wird und seinem\nganzen Wesen nach nicht verlassen kann; allein in den\nCiaviersachen waltet ein freieres Schaffen, eine eigenthüm-\nlichere Erfindung, ein energischerer Schwung; sie lassen\nden Gedanken an das „Machenwollen\" nicht aufkommen,\nsie entspringen dem wirklichen Quell des inneren Dran ges\nund verdienen von Clavierspielern und Clavierlehrern weit\nmehr cultivirt zu werden, als es der Fall zu sein scheint.\nDie mehrstimmigen Gesang-Compositionen hingegen zeich-\nnen sich meistens mehr durch gute Arbeit als durch ori-\nginelle Erfindung aus; das eontrapunktischc Element macht\nsich darin zuweilen auf Kosten des melodischen geltend.\nDies scheint uns auch namentlich in der zweiten Num-\nmer des vorliegenden Werkes: „Pfingst-Cantate\", der\nFall zu sein. Allerdings beherrscht Flügel die strengen ca-\nnonischen Formen mit Sicherheit und grosser Gewandt-\nheit, allein es wird doch stets wahr bleiben, dass der ge-\nringe Umfang der Männerstimmen und hauptsächlich auch\nder Gleichklang, die gleiche Tonfarbe derselben, es fast\nunmöglich machen, klar und zugleich wirksam für sie zu\nfugiren. Der erste Gesang, die „Oster-Cantate\", be-\nwegt sich mehr in getragenen Accorden und harmoni-\nschem Fluss und hält eine schöne, kirchlich-freudige Stim-\nmung von Anfang bis Ende fest. Sie dürfte die wirksamste\nunter den dreien sein. Die meiste Tiefe und Eindringlich-\nkeit finden wir aber in der dritten: „Zum Gedächtniss\nder Verstorbenen\" auf die Worte: „Mitten wir im\nLeben sind mit dem Tod umfangen\" in D-mött, 4A-Tact,\nstellenweise fi'infstimmig. — Wir empfehlen das Werk\nden Freunden des ernsten Gesanges und den Kirchenchö-\nren angelegentlichst.\n\nL."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-04-21-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-04-21_01#c004", "volume": "bmtnabi_1860-04-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "134", "page_fin": "135", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600421-01.2.4", "titre_corps": "Ein kleiner Anhang zu A. Malibran’s „Louis Spohr“.", "titre_sommaire": "Ein kleiner Anhang zu A. Malibran’s „Louis Spohr“.", "signature_source": "C. G", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "134", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600421-01.1.6", "debut_caractere": 2831, "fin_caractere_exclue": 6438, "texte": "Ein kleiner Anhang zu A. Malibran’s „Louis Spohr“.\n\nDieses Bach enthalt unter Anderem auch einen Passus, den Ein-\ntritt Gollmick1« in das frankfurter Orchester betreifend. Da nun der\nVerfasser dieses Artikels mit Gollmick in sehr naher Berührung\nsteht, denn er ist es selbst, so erlaubt sich derselbe einige Berich-\ntigungen, nicht als ob er irgend ein Interesse für seine Person damit\nhervorrufen wollte, sondern weil diese Berichtigungen einige Facta\nberühren, welche zur Ergänzung von Spohr's Aufenthalt in Frank-\nfurt am Main noch Manches nachholen dürften.\nDass mein hochverehrter Freund, Herr Xaver Schnyder von War-\ntensee, vor 43 Jahren mich Spohr für sein Orchester empfohlen, hat\nseine Richtigkeit, und ich bin ihm für seinen guten Willen auch\nsehr verbunden, obgleich ich wünsche, seine Wahl wäre auf einen\nAnderen gefallen, denn das Glück (wie auch Herr Malibran ein\nsolches mit meinem Engagement in Verbindung zu bringen sucht),\ndas Glück, ein gutes Menschenalter lang „des harten Dienstes kar-\nges Brod zu essen\", wenn man kein 3 Erbschaft macht oder sonst in\nFörtuna's Loostopf keinen guten Griff thut, hat noch kein Orche-\nster-Mitglied mit zeitlichen Gütern gesegnet Der Verfasser jenes\nBuches sagt ferner (Pag. 46): „Ich wüsste nicht, dass Gollmick je\ndieser Sache uncingedenk gewesen wäre.® Gewiss nicht! ist dessen\nAntwort; denn noch leidet er, obgleich pensionirt, an den Nachwehen\neiner nie zu ersetzenden verlorenen Zeit, Den Leiden des Orchester-\ndienstes werde ich zu seiner Zeit einen eigenen Artikel widmen.\nJedenfalls hat Herr Hackländer noch in keinem Orchester gesessen,\nsonst würde er in seinem „Europäischen Sclavenleben\" dessen gewiss\nErwähnung gethan haben. Das rLebensglück\", von welchem Herr\nMalibran in Verbindung mit einer Orchester-Stelle spricht, muss ich\nalso hiermit auf das entschiedenste ablehnen.\nDer Nachsatz jener Stelle in dem bezeichneten Buche ist mir\nunklar, aber seine etwas mysteriöse Fassung dürfte manchen Leser\nglauben machen, als datire sich von meiner Anstellung alles Uebel\nher, welches den grossen Mann aus Frankfurt trieb, wie denn die\nfolgenden Seiten dieses Buches bis Pag. 59 das frankfurter Orche-\nster zu einem wahren Heerde von Conspiration und Intrigue machen\nmöchten, auf welchem die Mitglieder desselben gleich Macbeths\nHexen den Trank brauten, in welchem Spohr den Tod seines Ruh-\nmes trinken sollte. Herr Malibran hat hier offenbar durch ein Ver-\ngrösserungsglas gesehen oder hat sich übel berichten lassen; denn\nvon einer solchen Catilinarischen Verschwörung, von geheimen Co-\nmite's, Complotten u. s. w. (siehe Pag. 54) ist mir durchaus nichts\nbekannt geworden, und was die „Nadelstiche kleiner Feinde\" betrifft,\nso können diese unmöglich im Stande sein, einen willenskräftigen,\nenergischen, das Gute und Nützliche anstrebenden Dirigenten aus\nseiner festen Stellung zu reissen. Es werden sich gegen eine solche\neine ganze Corporation compromittirende Anschuldigung zur rechten\nZeit schon die geeigneten Stimmen erheben; ich meines Theils ver-\nwahre mich vorläufig gegen eine Anklage, sei sie auch noch so\nmaskirt gegeben, als hätte ich jemals in einer zweideutigen Stellung\nzu einem Manne gestanden, den ich stets verehrt habe, ohne dess-\nhalb ein unbedingter Spohrianer zu sein. Und Folgendes möge dieses\nbestätigen; denn von alledem abgesehen, so war ich Herrn Spohr\nschon bekannt, ehe ich ihm durch Herrn Schnyder empfohlen wurde.\nIch hatte schon als Studiosus im Jahre 1816 in Strassburg die\nEhre, unserem Altmeister, der damals noch ein junger Meister gewe-\nsen ist, bei seinen Concerten Dienste zu leisten. Mein kleines Schick-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "135", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600421-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4389, "texte": "sal führte mich ein Jahr früher nach Frankfurt, als Herrn Spon-\nsern grosses, und hier erwies er mir die Ehre, mich wieder aufzu-\nsuchen und sein erstes Quaitett, das er in diesen Mauern spielte,\nin meinem Zimmerchen im damaligen Institute des Dr. Kemmeter in\nder Schlesingerstrasse mit drei Mitgliedern des Orchesters zu probi-\nren, die alle jetzt nicht mehr leben. Es bedurfte allerdings der\nUeberredung, in dem frankfurter Orchester den Dienst eines Tym-\npanisten zu übernehmen; als aber Herr Schnyder mir Aufsehluss\ngab über die Poesie der Paukenschlägel, und Spohr mir versicherte,\n»der Pauker sei der zweite Director\", da erwachte mein Ehrgeiz,\nund später fand ich, dass sich in der That auch poetische Elemente\naus diesen Eselsfellen heraufwirbeln liessen und man selbst mit Hu-\nmor pauken könne. Aber nicht minder wie Herr Schnyder von War-\ntensee waren mir der Mechaniker Herr Einbiegler (welcher dann\nseine einschraubigen Pauken mit so bedeutenden Erfolgen ins Leben\ntreten Hess) und weit später Herr Wingheimer einer unserer\nersten musicalischen Dilettanten treue Kathgeber in den Myste-\nrien dieses dem Donnergotte geweihten Instrumentes. So war ich\nnach vier Pagen Vorstudien und nachdem ich in der Oper Sargines\nmein Examen glorreich bestanden hatte, als Paukist in unserem\nOrchester installirt, und was gleichsam gezwungen nur kurze Zeit\ndauern sollte, währte vier volle Decennien lang.\nAls ein Curiosum eigener Art sei hier erwähnt, dass dicht hinter\nmeinem Sitze Ludwig Börne seinen Stehplatz hatte und auf einem\nan das Lampenblech des Prosceniums angehefteten Papierstreifen\nseine kritischen Notizen zur Panik aller Mitspielenden für seine\nWaage aufzeichnete. Was ich nun während meines damaligen Or-\nchesterdienstes für ein wirkliches Glück erachtete, erwähnt Herr\nMalibran nicht, nämlich meinen näheren Umgang mit Spohr als Leh-\nrer seiner beiden Töchter. Zwei meiner ersten Werkchen für Piano\nbei Andre in Ottenbach waren diesen Kindern gewidmet, und die\nEltern legten einen besonderen Werth hinein, dass sich Beide unter\nmeiner Leitung in dem damals in voller Blüthe stehenden Düring'-\nschen Gesang-Vereine zum ersten Male als Pianistinnen öffentlich\nproducirten. Spohr wohnte damals in dem in Malibran's Buche rich-\ntig bezeichneten Hause, und schwerlich hätte ein Fremder in dieser\nbescheidenen Wohnung den Componisten des Faust und der Zemire\ngesucht* Der Brunnen neben diesem Häuschen, wie oft mag sein\nQuell dem mässigen Spohr zur Hypokrene geworden sein ! In dieser\nWohnung gründete auch Spohr die classisehen Quartett-Soireen, wel-\nche er allsonntäglich im rothen Hause (jetzt die Post) gegeben hat.\nZu den Zierden der damaligen Oper gehörten die Sängerinnen Cam-\npagnoli und Friedel, der Tenor Sehelble, die Bassisten Siebert, Krön-\nner und Andere. Spohr begann sein Directorium mit Don Juan am\n28. December 1817 und endete dasselbe mit derselben Oper am 26.\nAugust 1819. Am 30. Verliess er Frankfurt unter einem fürchter-\nlichen Gewitter, dessen Wolken bekanntlich später noch manehmal\nam Firmamente unserer Oper hinzogen Ein Interims-Directorium\nverwaltete der Concertmeister Hoffmann, unter welchem Nikolaus\nBaldenecker Chor-Director wurde. Man kann sagen, dass Baldenecker\nden Chor geschaffen hat, und noch sehr wohl erinnere ich mich\nder Würdigung der damaligen Iris, welche diesen Chor als einen\nbisher noch nie geahnten Körper im Gebiete der Oper pries. Aber\nHoffmann passte nicht für die Ansprüche des hiesigen Publicums.\nund Guhr mochte allerdings mehr wie Spohr geeignet sein, das Va-\nriatio de'eclat im Auge zu halten und dem Geschmacke des grossen\nPublicums grössere Concessionen zu machen, als sich mit einer clas-\nsisehen Bildung desselben, wonach Spohr einzig und allein strebte,\nvertrug. In diesem Missverhältnisse ist auch der Hauptgrund von\nSpohr's Aufkündigung, die er in einer Vorstandssitzung selbst eigen-\nhändig einreichte, zu suchen.\nGuhr nahm also im Frühjahre 1821, in seinem 36. Lebensjahre,\ndie Zügel der hiesigen Oper in die Hand. Als er den Kurfürsten\nvon Kassel um seinen Abschied bat, äusserte dieser, dass er nicht\nbegreifen könne, wie man lieber Musik-Director in einer Handels-\nstadt, als Gapellmeister in einer Kesidenz sein möge. Spohr aber,\nder ihn empfohlen, meinte dagegen, „dass gerade Guhr der rechte\nMann für Frankfurt sein würde* und die Prophezeiung ist rich-\ntig eingetroffen.\nFrankfurt, den 7. April 1860.\n\nC. G."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-04-21-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-04-21_01#c005", "volume": "bmtnabi_1860-04-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "135", "page_fin": "136", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600421-01.2.5", "titre_corps": "Achter Bericht über die Deutsche Tonhalle.", "titre_sommaire": "Achter Bericht über die Deutsche Tonhalle.", "signature_source": "Die Redaction", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "135", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600421-01.1.7", "debut_caractere": 4391, "fin_caractere_exclue": 7359, "texte": "Achter Bericht über die Deutsche Tonhalle.\n\nDie Anzahl der kunstsinnigen Theilnehmer des Vereins hat sich\nin dem verflossenen Jahre, in welchem wir leider auch manchen\nSterbfall zu beklagen hatten, in erfreulicher Weise vergrössert (592\nMitglieder), und die Beiträge und manche Geschenke an die Vereins-\ncasse haben die Einnahme derselben verhältnissmässig gegen sonst\nerhöht. Um so mehr dürfen wir uns der frohen Hoffnung hingeben,\ndass das Streben des Vereins noch immer mehr Eingang finden und\nimmer reichere Theilnahme erzielen werde, da die damit verbunde-\nnen Opfer sehr klein sind*) und hier, wie in so vielen Erscheinun-\ngen unseres Zeitalters, sich bewährt, was das Zusammenwirken Vie-\nler, was Gemeinsinn und gesellschaftliche Verbindung zu Einem\nZwecke vermögen.\nAusser den in der vorigen Vereins-Uebersicht (für 1858) als neu\nausgesetzt bemerkten zwei Preisen: a) für die Composition des rLie-\nbesring\" (Operette), b) für ein Streich-Quartett, wozu noch c) aus\ndem früheren Jahre die damals noch unerledigte Bewerbung mit\neinem Nonett kam, wurden in 1859 durch das XVIII. Preisausschrei-\nben der Tonhalle der Preis von 9 Dacaten auf eine Sonate für Cia-\nvier und Violoncell gesetzt, und durch das jetzt erlassene XIX. der\nvon 100 Gulden auf ein Trio für Ciavier, Violine und Cello.\nErledigt wurden von den eben zuerst genannten drei Preis-Ange-\nlegenheiten die das Nonett und das Streich-Quartett betreffenden; zu\ndiesem waren 38, zu jenem 14 Bewerbungen eingekommen.\nVon den Nonetten erhielt das des Herrn E. Silas in London\neine Stimme für den Preis, und durch eine andere wurde ihm be-\nsondere Belobung zuerkannt**). Solche Belobungen erhielten auch, je\ndurch eine Preisrichter-Stimme, die Werke der Herren V. E. Becker\nin Würzburg, J. Hager in Wien, H. Neumann in Heiligenstadt\n(Eichsfeld) und T . Täglich s b e c k in ***).\nDas Preisrichter-Amt hatten dabei, auf ErwUhlung hin, gefälligst\nübernommen die Herren L. Hetsch, V. Lachner hier und J.\nMo Scheies in Leipzig\nDie Ergebnisse der oben genannten Preis-Ausschreiben: Compo-\nsition des „LiebesringV Streich-Quartett und Sonate für Cello und\nCiavier, sodann der jüngsten Preis-Aussetzung für gedachtes Trio,\nwerden wir in unserem nächsten Berichte vorlegen können.\nStand der Tonhalle-Casse 1559.\nEinna h m e.\n1. Aus voriger Rechnung (1858) ....... 700 Gld. 59 Kr.\n2. An Eintrittsgeldern 30 „ 55 „\n3. An Jahresbeiträgen. ........... 284 „ 30 „\n4. Mehrleistungen und besondere Geschenke f) . 131 „ 16 „\n5. Verschiedenes (Zinsen u. s. w.) 19 » 24 „\n1161 Gld. 4 Kr.\n\n*) Der Eintritt ist nur mit Thlr. und der je im Christmonate\nfällige (immer wieder kündbare) Jahresbeitrag auf gleichen ge-\nringen Betrag (jeder höhere natürlich freigestellt) bestimmt.\n**) Der Preis selbst (180 Gulden) wurde also nicht ertheilt.\n***) Das Werk desselben, das wir, nach Angabe im Begleitbriefe,\nnach Dresden gesandt hatten, kam als unbestellbar von da\nzurück.\nf) Hierunter waren die 130 Gulden begriffen, welche Herr Be-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600421-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2598, "texte": "Ausgabe.\n1. Schreib- und Packbedarf Gld. Kr.\n2. Druck- und Schreibkosten 29 „ 56 „\n3. Post- und Sendgebühren 37 » 53 „\n4. Für Preise verwandt n »\n5. Bedienung und Verschiedenes 192 „ 15 „\nVorrath für 1860*) 907 „ »\n1167 Gld.\" 4 Kr.\nMannheim, im Februar 1860.\nDer Vorstand.\nProf. O. Deimling, Vorsitzender.\nA. Schüssler, Schriftführer.\nNachschrift. Ausserdem veröffentlicht der Bericht noch ein\nVerzeichniss der seit 1852 ausgeschriebenen Preis-Aufgaben,\nder eingegangenen Bewerbungen und der zuerkannten Preise, das in\nmancher Hinsicht interessant ist. Für vier Aufgaben konnten keine\nPreise zuerkannt werden, wiewohl eingesandt waren für 2 Lieder\nmit Ciavier 39, für einen Männerchor: „Gott, Liebe, Vaterland\",\n40, für eine Ciavier-Sonate 50 (!), für ein Nonett für Streich-\nund Blas-lnstrumente 14 Bewerbungen!\nDen grössten Preis, 250 Gulden, für Musik zur r Jungfrau von\nOrleans\" erhielt unter 22 Bewerbern L. Hetsch in Mannheim; 200\nGld H. Neumann in Heiligenstadt unter 39 Bewerbern für eine\nSinfonie (die einzige, die ausgeschrieben worden); 200 Gld. Dr.\nH, T. Schmid in München für den Text der einactigen Operette:\n„Der Liebesringu, ebenfalls unter 39 Bewerbern (Dichtern?). Dem-\nnächst 110 Gld. Gustav Merkel in Dresden für eine vierhändige\nOrgel-Sonate unter 13 Bewerbern; 100 Gld. V E. Becker in\nWürzburg für einen Schiller-Festgesang unter 7 Bewerbern (diese\ngeringe Anzahl nimmt Wunder).\nAusserdem sind noch als grössere Werke, die der Tonhalle ihr\nEntstehen verdanken, zu erwähnen: eine Fest-Ouverture von V.\nLachner in Mannheim, ein Violin-Trio und ein Quintettsatz für\nBlas-lnstrumente, beide von K. J. Bischoff in Frankfurt am Main,\neine Hymne für Soli, Chor und Orchester von W. Scheffer in\nEisenach u. s. w.\nWir erfahren aber nicht, ob und wo diese gekrönten Musikstücke\nin Druck erschienen sind. Es scheint uns aber für die Wirk-\nsamkeit des Instituts sehr wichtig, zu wissen, welchen Einfluss die\nPreis-Zuerkennungen auf die Herren Musik-Verleger bis jetzt gehabt\nhaben. Daran würde sich die Frage knüpfen, ob es nicht gerathen\nsei, darauf zu denken, der „Deutschen Tonhalle\" die Mittel zu ver-\nschaffen, die gekrönten Werke auch veröffentlichen zu können.\nAls unerledigte Aufgaben bestehen noch: Preis von 200 Gld.\nfür die Composition des „Liebesrings44, wozu -24; 84 Gld. für ein\nViolin-Quartett, wozu 38; 50 Gld für eine Sonate für Ciavier und\nVioloncell, wozu 17 Bewerbungen eingegangen; und 100 Gld. für\nein Clavier-Trio (vgl. unsere Nr. 10 vom 3. März) mit Violine\nund Violoncell, für dessen Einsendung der letzte Juli d. J. als\nletzte Frist bestimmt ist.\n\nDie Redaction."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-04-21-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-04-21_01#c006", "volume": "bmtnabi_1860-04-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "136", "page_fin": "136", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600421-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600421-01.1.8", "debut_caractere": 2600, "fin_caractere_exclue": 5334, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nIjeijBSsäg* Am Charfreitag kam in der Thomaskirche wieder\n-vvie alljährlich die grosse Passionsmusik yon Bach zur Aufführung.\nDer Riedel'sche Gesang-Verein führte am Palmsonntag die Missa\nsolemnis von Beethoven auf.\nISreslsivi« Die Sing-Akademie brachte unter der Leitung Rei-\nnecke's Mendelssohn's „Paulus\".\nHamburg. Meyerbeer's Dinorah ist in diesen Tagen hier zum\nfünfundzwanzigsten Male gegeben worden; ich schreibe die unange-\nnehme Zahl mit Buchstaben, damit Sie Sich nicht vielleicht mit der\nVermuthung eines Schreibfehlers trösten. Es scheint dieses ein be-\ndauerliches Zeugniss des Geschmackes unserer Stadt; aber nichts\ndesto weniger würdigte hier doch alles, was nur einiger Maassen\nmusicalisches Urtheil hat, die Meyerbeer'sche Oper kaum einer Kri-\ntik, und der starke Besuch derselben ist theils aus der Grösse unse-\nrer Stadt zu erklären, die neben einer beträchtlichen Anzahl guter\nConcerte immerhin auch 25 Vorstellungen der Dinorah füllen kann,\ntheils dadurch, dass sehr Viele sich die Oper nur als ein Curiosum\nansehen. Dazu kommt noch, dass die Rolle der Dinorah durch Fräul.\nGeorgine Schubert sehr vortheilhaft besetzt ist. (D. M.-Z.)\nWieil. Ein „Mozart-Abend\\ veranstaltet (am März) von\nden Mitgliedern der Gesellschaft der Musikfreunde, die sich als Or-\nchester-Verein constituirt haben, erfreute sich, obwohl nicht zu den\nförmlich öffentlichen Productionen zählend, einer regen Theilnahme\nund eines zu weiteren Unternehmungen aufmunteinden Erfolges. Auf-\ngeführt wurden: Ouvertüre zu „Titus\", Sopran-Arie „Misera, dove\nson\" (1782), gesungen von Fräul. Ottilie Hauser, Trauermusik (com-\nponirt 1785 beim Todesfalle zweier Freimaurer), Sonate für zwei Cla-\nviere, gespielt von den Fräul v. Asten und Geissler, „Abend-Em-\npfindung\" und »An Chloe\", gesungen von Herrn Olschbauer, und\nSinfonie in A-dur, Nr. 23 (1774).\nSeit dem 1. April sind die Eintrittspreise in den beiden Hof-\ntheatern regulirt worden und zwar mit geringen Ausnahmen ganz\nso, wie es in der Nummer 7 der „Recensionen\" vorgeschlagen\nwar, welche eben desshalb von der Behörde mit Beschlag belegt\nwurde.\nDie italienische Opern-Gesellschaft des Herrn Salvi hat am 12.\nApril ihre Vorstellungen mit Rossini's Barbiere eröffnet.\nDie Orchester-Mitglieder des Hof-Operntheaters haben ihrem Di-\nrector C. Eckert für die uneigennützige Leitung der mit bestem\nErfolg begleiteten Philharmonischen Concerte eine in sehr warmen\nWorten gehaltene Dank-Adresse überreicht.\nneke in London dem Vereine zu einem Nonettpreise zuge-\nschickt hatte, welcher Preis aber nicht zuerkannt und dess-\nhalb, abzüglich der Kosten, mit 150 Gulden wieder rückerstat-\ntet wurde.\n*) Worauf vier ausgesetzte Preise mit zusammen 400 500 Gul-\nden haften."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "129", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600421-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nMusicalische Charakterköpfe. Von W. H. Riehl. Für mehrstimmigen Gesang. Acht geistliche Gesänge von H. Sattler\nSechs Lieder von J. Heuchemer Sechs Lieder von J. 0. Grim Fünf Gesänge von R. Schumann Requiem von C. Greith Drei\nGesänge von H. Marschner Drei Cantatcn von G. Flügel. Ein kleiner Anhang zu A. Malibran's „Louis Spohr\"4. Achter Bericht\nüber die Deutsche Tonhalle. Tages- und Unterhaltungsblatt (Leipzig Breslau Hamburg Wien).\n\nMusicalische Charakterköpfe.\nVon W. H. Riehl.\nDas Buch kündigt sich als „zweite Folge\" der\n„Charakterköpfe\" des Verfassers und als „ein kunstge-\nschichtliches Skizzenbuch\" an (Stuttgart und Augs-\nburg, Cotta'scher Verlag. 1860. 8.). Trotz dieser letzteren\nBezeichnung sagt derselbe im Vorworte, dass es sich von\ndem ersten Werke „durch eine weit weniger skizzenhafte\nAnlage unterscheide\". Wir meinen, dass der Titel mehr\nBecht hat, als das Vorwort; Skizzen bleiben es doch immer\nnur, was hier gegeben wird; denn auf eine tiefere, künst-\nwissenschaftlich und kritisch begründete Charakteristik der\nbesprochenen Meister und Schulen hat es der Verfasser\nwohl selbst nicht abgesehen. Die gegebenen Skizzen sind\naber auf eingehende Studien sowohl der Musikwerke als\nauch der gesellschaftlichen Zustände und Verhältnisse, unter\nwelchen diese entstanden sind, begründet und empfehlen\nsich durch flicssende und lebendige Darstellung. Das Stre-\nben, „nicht bloss neuen musicalischen Stoff zu Tage zu\nfördern, sondern denselben auch im Zusammenhange mit\nunserem übrigen Culturleben zu erkennen\" —ist dem Ver-\nfasser sehr gut gelungen, und gerade dadurch hat er es\nerreicht, auch das Bekanntere theils unter neuen Gesichts-\npunkten, jedenlalls aber anziehend, fasslich und eben so\nfern von pedantischer Schulsprache als von dem leichtfer-\ntigen Plauderstil der Tagesblätter darzustellen.\nDas Ganze zerfällt in zwei Bücher. Das erste enthält:\n„Zwanzig Jahre aus der Geschichte der roman-\ntischen Oper\" (S. 3 226); das zweite: „Vier Mei-\nster des Ciaviersatzes\" (S. 229 376).\nDas so eben als besonders verdienstlich bezeichnete\nVerschmelzen des Kunstgeschichtlichen mit dem Cultur-\nhistorischen findet hauptsächlich auf das erste Buch An-\nwendung, während die vier Abschnitte des zweiten: „I.\nMuzio Clementi; 11. C. M. von Weber als Clavier-Compo-\nnist; 111. Haydn's Sonaten; IV. Sebastian Bach's Ciavier-\nwerke in der Gegenwart\" —mehr oder weniger vereinzelte\nSkizzen bilden.\nDie Darstellung der „zwanzig Jahre aus der Geschichte\nder Oper\" führt uns in dem ersten Abschnitte die Italiäner\nBossini, Bellini, Donizetti vor; im zweiten die Fran-\nzosen Boieldieu und Auber mit ihren Genossen; im\ndritten die Deutschen Spohr, Weber, Meyerbeer und\nihre Zeitgenossen. Die neuesten Erscheinungen auf dem\nGebiete der dramatischen Musik, also in Italien Verdi, in\nDeutschland Wagner, bleiben unberücksichtigt. Selbst die\nCharakteristik Meyerbeer's wird nur auf seine italiänischen\nund die bekannten drei grossen französischen Opern be-\ngründet; seine letzten, obwohl für sein ganzes Kunstschaf-\nfen sehr bezeichnenden Compositionen für die komische\noder romantisch-komische Oper kommen nicht mit in\nBetracht.\nWir theilen die Hauptstellen über ihn auszugsweise\nals zweite Probe (vgl. Nr. 15: „Spohr\") aus dem empfeh-\nlenswerthen Buche mit.\n„Die Breite der musicalischen und allgemeinen Bildung\nerschien uns oben als ein besonderes Merkmal des deut-\nschen Op ern-Componisten, und daraus quellend das Stre-\nben, alle Elemente der Oper gleichberechtigt durchzubil-\nden und, unabhängig von dem blossen augenblicklichen\nBedarf der Bühnen-Directoren oder nationalem Herkom-\nmen, die höchsten, absoluten Ideale der Dramatik selbst-\nständig zu erfassen. Wir sahen, wie sich dabei allerdings\ndie Kräfte in zahllosen Versuchen zersplitterten, die nur\nselten von innerem, noch seltener von äusserem Erfolge be-\ngleitet waren. Allein wenn wir auch wenig Sieg und viel\nNiederlage ärnteten, die Ehre und Würde deutscher Kunst\nward dennoch glänzend behauptet.\nPrägen wir uns diese Sätze fest in den Sinn und blicken\nwir, derselben eingedenk, auf Meyerbeer."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "130", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600421-01.1.2", "texte": "Er war reicher und gebildeter Leute Kind, der Sohn\neines jüdischen berliner Banquiers, der Bruder eines ge-\nlehrten Astronomen und eines verheissungsvollen, früh ver-\nstorbenen Dichters. Die Musik-Geschichte des achtzehnten\nJahrhunderts kennt keinen berühmten Musiker jüdischen\nStammes, während im neunzehnten eine sehr starke Gruppe\nplötzlich auftritt; ich brauche neben Meyerbeer nur Men-\ndelssohn, Moscheies, H. Herz, Halevy, Ferdinand Hiller,\nJ. Rosenhain zu nennen. Die Stammesherkunft, welche\ndiesen Künstlern vor hundert Jahren ein Fluch gewesen\nwäre, ward ihnen jetzt eher ein Vortheil. Sie fanden unter\nsich und unter noch weit mehr ausübenden jüdischen Mu-\nsikern schon Stütze genug, und die liberalen Tendenzen\nder zwanziger und dreissiger Jahre förderten die neue\ngrosse Rolle, welche mit Einem Male so viele Juden in der\nLiteratur und Musik spielten, als einen Sieg frei mensch-\nlicher Gesittung. Dabei wussten sich die meisten dieser\nMänner vortrefflich selber zu helfen und künstlerisch und\nliterarisch eben so gut zu berechnen als materiel zu rech-\nnen. Kein neuerer und gewiss auch kein älterer grosser\nComponist erfreute sich nach aussen einer so unabhängigen,\ngeförderten Laufbahn, wie Meyerbeer und Mendelssohn.\nWas in der Kunst irgend erlernbar ist, das wurde dem\njungen Meyerbeer von den besten Meistern gelehrt. An\nBreite der musicalischen Bildungs-Grundlage fehlte es dem\nkünftigen Opern-Componisten wahrlich nicht. Er ging auch\nzunächst gute Wege und recht als ein vorsichtiger Mann.\nRossini gestand von seiner eigenen „Zelmira\", er habe sie\n„übers Knie gebrochen\"; Meyerbeer brach nie eine Note\nübers Knie, geschweige eine ganze Oper. Er klügelte und\nfeilte stets bis zum letzten Augenblicke, und seine späte-\nren grossen Opern, lange vorherverkündet, wie grosse\nHerren, liessen immer lange auf sich warten, wie grosse\nHerren, bis sie endlich wirklich erschienen. Als er den\nAblieferungs-Termin seiner Hugenotten versäumte, zahlte\ner willig 30,000 Francs Busse an die Theater-Direction;\nes ging ihm leichter, 30,000 Francs übers Knie zu bre-\nchen, als ein Stückchen Hugenotten-Partitur. Sein Herz\ndürstete von Anbeginn nach Erfolgen, aber er konnte\ndurch Jahrzehende warten; er wusstc, dass der vorsichtige\nMann auf ein langes Leben zählen darf.\nGenug, wir sehen in dem jungen Meyerbeer schon\nden gut und breit geschulten und zugleich den bedächti-\ngen, sicher berechnenden Künstler.\nSein Streben ging von vorn herein auf wuchtige Dinge;\ner sammelte seine Kraft, während Weber sich leider so\nlange zersplittert hatte. Meyerbeer's erstes Werk waren\nacht geistliche Oden von Klopstock für vier Stimmen, sein\nzweites ein dramatisch-pathetisches Oratorium: „Gott und\ndie Natur\". Declamatorisches religiöses Pathos war und\nblieb eine Neigung fürs ganze Leben. Auch in seinen Lie-\ndern herrscht dieser Zug, Lieder, in denen der Text durch\nden Schwerschritt der harmonisch übersättigten Melodie\ngleichsam in den Boden hinein getreten wird. Ich erinnere\nan den „Mönch\" und ähnliche Sologesänge, an die Com-\nposition von Knapp's „Himmelsluft vom Morgenlande\", die\nwie Wüsten-Samum aus den schwülen Modulationen „zu\nuns herüberweht\". Meyerbeer'sche Musik erdrückt jedes\nLied, sie passt nur in einen grossen Kähmen. Sein erstes\nBühnenwerk, „Jephta's Tochter\", war ein halbes Orato-\nrium und verschwand sofort wieder vorn Theater, weil der\nComponist darin noch gar zu deutlich machte, wie viel er\ngelernt habe. Allein trotz aller Wandlungen des Stils hielt\ner von nun an fest an dem Effectstücke, die Kirche ins\nTheater zu tragen. „Robert\", die „Hugenotten\" und der\n„Prophet\" zeugen dafür. Ob er in seinem\nund „Miserere*andererseits das Theater in die Kirche\ngebracht, kann ich nicht behaupten, doch ist es wahrschein-\nlich; denn er trug das Theater wenigstens in die Synagoge.\nDie grosse und merkwürdige Sammlung der pariser israe-\nlitischen Cultgesänge enthält neben uralten, fast an unse-\nren Palestrina-Satz gemahnenden und doch eigentümlich\njüdischen Weisen auch etliche Nummern von Meyerbeer\nund Halevy, in denen die Accorde der „Hugenotten\" und\nder „Jüdin\" voll und offen zur Synagoge hereintönen.\nEin nationaler Zug zu declamatorisch hochklingendem\nPsalmgesang findet sich übrigens auch bei anderen jüdi-\nschen Tondichtern unserer Zeit; die Harfen, welche ihre\nAhnen weiland an Babels Weiden aufgehangen, stellen\nsie jetzt ins Theater-Orchester.\nUms Jahr 1818 kam er nach Italien; Rossini's Stern\nstand im strahlenden Aufgange. Meyerheer hatte bis dahin\ndie neu-italiänische Oper fast gering geachtet und seine\nbeiden ersten Bühnenwerke so deutsch gesetzt, dass sie in\nDeutschland durchgefallen waren. Er merkte bald, dass\nman in Italien doch wenigstens nicht darum durchfällt,\nweil man zu itaiiänisch schreibt. Rossini's „Tancred\", des-\nsen unwiderstehlichen Erfolg Meyerbeer in Venedig ge-\nschaut, bekehrte den jungen Künstler dergestalt, dass er\nnach kurzem Besinnen, trotz Zelter, \\\\ eher und Vogler,\nselber im Rossini'schen Stile zu componiren anfing. Jetzt\ngewann er in der Fremde binnen wenigen Jahren, wonach\ner zu Hause so lange vergebens gestrebt: Theater-Erfolg.—\nMeverbeer's Freunde suchten seinen italiänischen Stil\nJ\nmit dem Hinweis auf Händel, Hasse, Gluck und Mozart zu\nentschuldigen, die ja auch über Italien den Weg zur deut-\nschen Oper gefunden. Allein gerade weil diese ihn bereits\ngefunden, brauchte ihn Meyerbeer nicht mehr zu suchen.\nEr lebte auch nicht gleich jenen im weltbürgerlichen acht-\nzehnten Jahrhundert, sondern im nationalen neunzehnten,"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "131", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600421-01.1.3", "texte": "ja, er verwälschle seine Kunst in einem Jahrzehend, wo\nder heftigste Kampf zwischen deutscher und wälscher Art\nentbrannt war und die deutsche Oper gerade um ihrer\nedelsten Züge willen nicht aufkommen konnte gegen die\nitaliänische. In solcher Zeit fordert das Vaterland seine\nSöhne, auch in der Kunst, und man soll doch gerade dann\nam allerwenigsten „Studien-Opern\", wie man Meyerbeer's\nitaliänische entschuldigend genannt hat, wider den eigen-\nsten Kunstgeist der Heimat schreiben. Die „Studien\" wa-\nren auch sicherlich nicht mehr der letzte Zweck eines\nnahezu dreissigjahrigen Mannes, sondern der persönliche\nErfolg.\nAls die italiänische Oper endlich lahm und missachtet\nzu werden begann, hörte darum Meyerbeer mit seinen\nitaliänischen Studien auf und ging nach Paris. Hier stand\njetzt der europäische Herrscherthron der Oper. Ich habe\noben den Umschwung geschildert, der durch Auber's\n„Stumme von Portici\" und Rossini's „Teil\" in der gros-\nsen romantischen Oper hervorgebracht wurde. Meverbeer\ntrat als Dritter in den Bund mit seinem „Robert\" (1830).\nEr besass weniger Fülle und Frische des Genius als Ros-\nsini und weniger geistreiche Leichtigkeit des Talentes als\nAuber, allein er überragte Beide in deutscher Breite der\nmusicalischen Bildung und im klugen, vorsichtigen, durch-\ntriebenen Berechnen. Darum fand er auch so spät erst sich\nselber und drang so langsam zu seinen eigensten Erfolgen\nvor. Wenn gründliche und allgemeinere Bildung, verbun-\nden mit dem Streben, die Elemente der Oper harmonisch\nund allseitig zu entwickeln und nicht bloss der Liebhaberei\ndes Zeitgeschmackes, sondern den höchsten Zielen der Dra-\nmatik nachzuringen, die guten deutschen Opernmeister\nehrend auszeichnet, so finden wir dieses alles bei Meyer-\nbeer wieder, nur verkehrt in die wunderlichste\nParodie. Seine reichen musicalischen Kenntnisse benutzt\ner zu einem Raffinement des Satzes, welches die Kenner\nblenden, die Laien hinreissen soll; er entwickelt alle Ele-\nmente der Oper neben einander zu einem bunten Pot-\npourri, davon sich Jeder sein Stück herauslesen kann; er\nbuhlt mit den höchsten Aufgaben der Dramatik, weil dem\nsinnlichsten Gelüsten der Menge um so dauernder schmei-\ncheln kann, wer das Scheinbild der heiligsten Ideale dane-\nben stellt. Meyerbeer besitzt alle Kunst, alles Talent zur\ngrossen Oper; es fehlt ihm nur eine Kleinigkeit: ein wa-\nches und reines künstlerisches Gewissen; Er\nkann nicht arbeiten um Gottes willen, wie alle wahrhaft\ngrossen Künstler gethan.\nDass er, der Alles zur Spitze trieb, auch am fettesten\nund vollsten instrumentirte, versteht sich von selber. Ros-\nsini hatte zu den Posaunen Gluck's und Mozart's noch die\ngrosse Trommel und Becken, die Janitscharenmusik ge-\nfügt; nun blieb für Meverbeer nichts Neues übrig. Aber\ndie Janitscharenmusik selber war doch wieder steigerungs-\nfähig, und so brachte er den Bombardon und die Ophi-\nkleide, jene Biesen-Instrumente mit dem dicken, runden\nYolltone und dennoch geläufiger chromatischer Scala. In\nüberraschenden Instrumental-Verbindungen neuesten und\nbestrickenden Klanges ist er in der That ein bewunderns-\nwert hes Talent, liier hat das Berechnen, Aussinnen, Er-\nproben und Feilen sein Recht, hier konnte er seine Klug-\n» o\nheit, seine Schule und Erfahrung walten lassen. Oft ge-\nlingt ihm eine sehr charaktervolle Tonmalerei des Orche-\nsters, mitunter wird sie freilich, zumal in den neuesten\nOpern, verzwickt und spielend; aber anziehend für den\nMusiker bleibt die Orchester-Partitur immer und lehrreich\nim Guten und Bösen. Der kluge Mann zeigt sich dabei\nwiederum in der Sparsamkeit. Meyerbeer tödtet nicht, gleich\nSpohr und den Nachfolgern Weber's, einen Instrumental-\nEffect durch den anderen, er donnert und schmettert nicht\nin Einem Stücke durch fünf Acte, er ist vielmehr bald gei-\nzig, bald verschwenderisch mit der Instrumentalkraft und\nprahlt mit Beidem. Eine Arie, von der be-\ngleitet, eine Scene bloss mit Fagott, lange, dünne Flöten-\nSoli - das ist Schlichtheit, die Jedem imponirt, die Jeder\nin ihrer Absicht erkennt, die nicht als Armuth angesehen\nwerden kann, Schlichtheit, mit der man prahlt, im Con-\ntrast höchst wirksame Schlichtheit. In „Robert der Teufel\"\nwird das Testament der Mutter Robert's abgelesen. Wie\nsoll man das Verlesen eines Testamentes begleiten? Meyer-\nbeer nimmt eine chromatische Trompete; aber eine Solo-\nTrompete im Orchester ist schon da gewesen, auch eine\nTrompete hinter der Coulisse; auch würden beide zum\nAblesen eines Testamentes etwas grell klingen. Bei der er-\nsten Vorstellung in Berlin setzte daher Meyerbeer jene\nTrompete in den Souffleurkasten, den Schalltrichter gegen\ndie Bühne gewandt, und nun war wirklich der unerhörte,\ngeisterhafte Ton gefunden, wie er sich für das Ablesen\neines mütterlichen Testamentes schickt. Wäre es das Te-\nstament des Vaters gewesen, so hätte man die Trompete\nvielleicht vom Schnürboden herunter blasen lassen.\"\nAuch das Capitel über Rossini, mit welchem das\nBuch beginnt, ist recht anziehend geschrieben. Der Ver-\nfasser erkennt sein Genie, aber auch seine Lebensklugheit\nan und würdigt die Zeit vortrefflich, die ihm Sieg über die\nbisherigen Opernschreiber in Italien und Verbreitung über\nganz Europa verschaffte. Merkwürdiger Weise schien den\nItaliänern Anfangs, was wir heute kaum begreifen, Rossi-\nni's Musik zu dramatisch, und sie nannten ihn im Gegen-\nsatze zu dem sanft dahingleitenden Tonflusse von Zinga-\nrelli, Parsiello, Pavesi, Puccita u. s. w. schon früh einen\nRomantiker. Das Romantische fand man damals aber be-\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "132", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600421-01.1.4", "texte": "sonders in den neuen kecken Modulationen, die auch heule\nnoch das oberllächliche Ohr bestechen. „Dieses übermü-\nthig kecke Moduliren, durch welches Rossini so oft eine\nabgegriffene Melodie neu und frisch zu machen wusste,\ndurch welches auch Weber manchmal mehr berauscht\nals erbaut, durch welches Meyerbeer und Wagner den\nMangel melodischer Erfindung so geschickt zu verhüllen\nwissen, ward vordem von dem alten Salieri mit der Laune\neines Mannes verglichen, der zum Fenster hinausspringt,\nwenn zwei Schritte nebenan die Thür offen steht.\" (S. 18.)\nIm zweiten Buche: „Vier Meister des Ciaviersatzes\",\nwollen wir die etwas gesuchte und pointirte Schilderung\nClementi's, zu dessen Charakter als Künstler und als\nMensch Riehl den Schlüssel nur in der Sonate und in\nder Meisterschaft Clementi's in ihr findet, dem vielfach be-\nliebten Streben neuerer Kunsthistoriker, die Eigentüm-\nlichkeit und die ganze Entwicklung eines Künstlers aus\nEinem Punkte zu deduciren, zu Gut halten, zumal da bei\nClementi allerdings etwas Wahres daran ist in Bezug auf\nseine Leistungen als Componist. In Spielerei aber, die sehr\nmit Unrecht für geistreich gilt, artet es aus, wenn es z. B.\nhier (S. 234) von Clementi's Portrait heisst: „Man sieht,\ndieser Mann hat ein ruhiges, befriedetes Leben geführt,\nso klar und harmonisch dahinfliessend, wie seine Sonaten\",\nund vollends (S. 235): „Das äussere Leben unseres Mei-\nsters, dem die Sonate schon aus dem Gesichte\nsieht, ist merkwürdig durch seine Gleichförmigkeit!\"\nUebrigens hat es mit dem gleichförmigen Sonaten-Leben\nClementi's nicht einmal seine Richtigkeit, wie wir denn\nselbst über des Meisters äussere Lebensgeschichte nur sehr\nungenügend unterrichtet sind, geschweige denn über sei-\nnen Charakter. Bei einem Manne, über dessen zwei- oder\nnach Anderen gar dreimalige Verheirathung ein gewisses\nDunkel schwebt, der in Italien geboren, aber in England\ngelebt hat und gestorben ist, der Frankreich, Deutschland,\nRussland, die Schweiz und Italien zu wiederholten Malen\ndurchreis't hat und einmal ganze acht Jahre (1802 —1810)\nlang seine neue Heimat, England, nicht wieder sah: bei\ndem kann weit eher von einem bewegten, als von einem\nruhigen, gleichförmigen Leben die Rede sein. Aber frei-\nlich, sein wirkliches Leben liess sich nicht aus der Sonate\nerklären! Man kann sich eher über die Gleichförmigkeit der\nClementi'schen Compositionsweise im Gegensatz zu seinem\nLeben wundern. Wie der Verfasser dazu kommt, aus der\nPortrait-Aehnlichkeit Clementi's und Cherubini's zu folgern :\n„Und die künstlerische Verwandtschaft beider Meister ist in\nder That nicht minder deutlich, als die physiognomische\"\n(S. 235), begreifen wir nicht. Cherubini mit der Tiefe seiner\nIntentionen, seinen kühnen Harmonieen, dem Reichthume\nseiner Instrumentirung, der Genialität seiner Ideen, dem\nSchwung und der Leidenschaft seiner dramatischen Musik\nkünstlerisch verwandt mit Clementi? Eine Lodoiska, Me-\ndea, Wasserträger, Faniska, die grossen Messen, das Re-\nquiem—und Clementi's Sonaten geistesverwandt??\nMit dem, was der Verfasser über Weber's Ciavier-\nmusik und über Haydn's Sonaten sagt, stimmen wir voll-\nständig überein und zählen die Abschnitte, die darüber\nhandeln, mit zu den gelungensten des Buches.\nDen Epilog des Artikels über J. S. Bach unterschrei-\nben wir gern, wenngleich wir als nüchterne Rechner von\nder gegenwärtigen Begeisterung des grossen Publicums\nfür ihn dreissig Procent zu Gunsten der Neugier und des\nguten Tones abziehen. „Geistig besitzt ihn die Nation jetzt\nmehr als bei seinen Lebzeiten, und wir mögen uns dessen\nals eines Zeichens der Erstarkung in einer Epoche voll\npolitischer, sittlicher und künstlerischer Erbärmlichkeit\ngetrösten.\"\n\nFür mehrstimmigen Gesang.\n\n(Verlag von Rieter-Biedermann in Winterthur.)\nAcht geistliche Gesänge von H.Sattler. Op. 23.\nDie Gesänge sind für gemischte Stimmen und\nnach dem Texte von Oser componirt. Es weht in ihnen\nein frommer Geist, der durch keine Note entweiht wird.\nDie Stimmführung ist durchaus ungezwungen, die Erfin-\ndung zwar nicht sehr reich, aber originel; lür häusliche\nKreise und sonstige passende Gelegenheiten sind sie sicher\neine höchst willkommene Gabe.\nEtwas hart klingt in Nr. 1 im neunten Tacte des Alt\ndas eund des;es ist schwer rein zu singen. Die Repetition\ndes ersten Gliedes in Nr. 1 gleich im 3. —4. Tacte ist\narm. In Nr. 4 hätte durch eine bewegtere Bassführung,\nnamentlich Gegenbewegung, die Einförmigkeit vermieden\nwerden können. In Nr. 8 wäre der Melodie mehr Leben\nund der um eine Stufe gesteigerten Wiederholung- dessel-\nben Gliedes mehr Conformität geworden, wenn der Bass\netwa also stände:/« c c b a Diese wenigen Ausstel-\nlungen mögen den Verfasser überzeugen, wie grosses In-\nteresse mir seine schönen Compositionen einllössten.\nSechs Lieder für gemischten Chor (Heine, Fal-\nlersleben u. s. w.) von Joh. Heuchemer. Op. 8.\nDiese Gesänge sind um ein Bedeutendes besser, als die\nvorigen. Die Erfindung ist durchaus sehr reich, die Stimm-\nführung aber wahrhaft ausgezeichnet; nur müssen die Ge-\nsänge, sollen die vielen durchgehenden Noten nicht unschön\nklingen, (liessend und glatthin, ja nicht stossend oder gar\nschleppend, und vor Allem rein gesungen werden. Am be-\nsten gefielen mir das Abendlied und das Wiegenlied;"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "133", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600421-01.1.5", "texte": "man kann nichts Innigeres und Zarteres denken. Das\nSch walbenlied scheint etwas zu figurirt. Volkslieder zu\nharmonisiren, ist immer eine bedenkliche Sache, besonders\noft wegen der Tonart, die sich häufig ganz den alten an-\nschliesst; für diese aber passt eine moderne Harmonisirung\nnie gut. Wo diese Lieder bekannt werden, da werden sie\nschnell zu Lieblingen sich erschwingen.\nSechs Lieder für gemischten Chor von J. 0.\nGrim. Op. 8. (Kerner, Uhland, Pohl u. s. w.)\nDer Compositeur neigt der neudeutschen Schule zu.\nSeine Declamation ist vorzüglich, eben so die Verwendung\ndes Textes nach seinem Inhalte und seinen einzelnen Stim-\nmen. Anerkennenswerth ist jedoch dabei das Festhalten\nund Durchführen des Thema's; aber zugleich liebt er zu\nstark frappante Wendungen durch Anbringung einzelner,\noft zu subjectiver Färbungen. Den Dissonanzen räumt er\nzu viel ein; er hat eine unverkennbare Vorliebe für die\nschärfsten dieser Accorde, dies lässt Manches hart klingen\nund ungewöhnlich und beeinträchtigt zugleich die leichte\nund allgemeine Sangbarkeit der sonst so schönen Gesänge.\nTüchtige Sänger sind jedenfalls erforderlich, sollen sie die\nrechte Wirkung machen. Ueberaus gut hat mich nament-\nlich angesprochen das Morgenlied; es wird sich bald all-\ngemein einbürgern. Das Frühlingslied ist kunstreicher,\naber weniger einfach und herzlich. Aus dem Herbstliede\nweht so recht die melancholische Stimmung, die diese Jah-\nreszeit kennzeichnet. Der unisone Anfang der Terzen in\nden vier Stimmen macht sich unvergleichlich.\nFünf Gesänge aus Laube's Jagdbrevier für\nvierstimmigen Männerchor (mit Begleitung von vier\nHörnern ad UV.)von B. Schumann. Op. 137.\nNr. 2 der nachgelassenen Werke. Partitur und\nSingstimmen 2 Thlr. 5 Ngr. Singstimmen 7 i/t Ngr.\nIch vermesse mich nicht, an die Composition dieses\ngrossen Meisters, der in vielfacher Beziehung der Tonkunst\nneue Bahnen gebrochen hat, den Maassstab der Kritik an-\nzulegen; diese hat vielleicht zu viel schon an ihm gemäkelt.\nDoch seine Zeit wird für li. Schumann nicht ausbleiben.\nBereits dämmert der Morgen, der seine Schöpfungen in\ndas hellste Licht des Tages bringen wird. Ich fixire nur\nden Eindruck, den diese Gesänge auf mich gemacht. 1.\n„Zur hohen Jagd\". Das Lied versetzt lebendig in den\nWald; es verliert daher nothwendig, wenn dieses nicht\nfestgehalten wird. Alle Vorkommnisse vor der Jagd, die\nSpannung des Herzens, die stille Erwartung des Gemüthes,\ndas Heraufsteigen des Tages, das Aufsuchen des Wildes in\nseinen Schlupfwinkeln u. s. w. sind meisterhaft da. Becht vor-\ngetragen, wird das Lied gewaltig wirken; dabei ist es leicht\nzu singen. 2. Habe Acht. Das kurze Lied durchweht\nbängliche Sorge vor Ungemach; selbst in der rhythmischen\nAnlage, die das erste Viertel des Tactes pausiren lässl, ist\ndas erkennbar; es ist, als ob das Wort vor Angst in der\nKehle ersticken wollte. 3. Jagdmorgen ist eine süssklin-\ngende Erinnerung an die Lieben zu Hause; für solche Her-\nzensstimmung fand Niemand besseren Ausdruck als Schu-\nmann, das ist bekannt. 4. Frühe. Das musicalisch künst-\nlichste, aber eben desshalb vielleicht auch am wenigsten\ndurchgreifende Stück. 5. Bei der Flasche. Ein echt\ndeutsches Lied voll Kraft und Muth, es muss überall zün-\nden. Die Bemerkung, die Hörner seien ad libitum, möchte\nich corrigiren; ohne sie werden die Gesänge ihren gröss-\nten Heiz verlieren.\nRequiem für vierstimmigen Chor und Solo-\nstimmen mit obligater Orgelbegleitung von C.\nGreith. Partitur und Stimmen 2 Thlr. 5 Ngr.\nDie Anlage verräth (leissiges Studium, erinnert etwas\nan die grosse Messe von Türk; die Stimmen gehen theils\nunisono, theils einzeln, theils a due, theils im Chor, nichts\nstört die edle, ernste, durchaus kirchliche Haltung; man\nbegegnet nicht arienmässigen, liederhaften Sätzen. Die Or-\ngelbegleitung ist gebunden, mitunter meisterlich geführt,\naber etwas schwer; ein tüchtiger Organist wird durch gut-\ngewählte Register und ausgedachte Verwendung des Pe-\ndals herrliche Wirkungen erzielen können. Hätte es dem\nComponisten gefallen, hier und da den unvergleichlichen\nCantus Gregorianusfür einzelne Text-Partieen als\nfirmus zu verwenden, so würde das Werk nur gewonnen\nhaben. Katholischen Kirchenchören sei das Requiem warm\nempfohlen. Der Componist aber nutze sein Talent, das ge-\nrade für die Kirche unverkennbar ist. M.\nHeinrich Marschner, Drei Gesänge für vier\nMännerstimmen, dem Männergesang-Vereine\nin Wien gewidmet. Op. 183. Leipzig, bei Bar-\ntholfSenfF. Partitur und Stimmen 1 Thlr. 15 Ngr.\nStimmen 1 Thlr., jede einzelne 7% Ngr.\nDiese drei Gesänge athmen ganz und gar den frischen\nGeist, der den unerschöpflichen melodischen Reichthum\nMarschner's auch jetzt noch durchweht, wo bereits viele\nHunderte von seinen Liedern wie die Singvögel in jedem\nFrühling ausgeflogen sind und in so Vieler Herzen eine\nHeimat gefunden haben, dass der Meister selbst nicht mehr\nweiss, wann und wo er sie ausgesandt hat, und oft ganz\nmerkwürdig überrascht wird, wenn er plötzlich Weisen\nhört, die ihm vor langen Jahren aus der Brust gequollen\nund seitdem von unzähligen anderen verdrängt worden\nsind. Und welch eine klare Harmonie, welche Sangbarkeit\nin jeder Stimme herrscht wieder in diesem neuesten Hefte,\ndessen zwei erste Nummern wir zu dem Besten zählen,\nwas Marschner für vierstimmigen Männergesang geschrie-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "134", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600421-01.1.6", "texte": "ben hat! Es sind Wolfgang Müller's „Lenz und Liebe\"\n(AUegretto, Es-dur, %-Tact) und Karl Siebel's „Lustige\nLeute\" (Mit Laune und Lebhaftigkeit, 2/4-Tact).\nIm ersten spricht der sanfte, ruhige Fluss der Empfindung\nan, die besonders bei der Stelle in durch die wie-\ngenden Figuren der beiden Mittelstimmen einen schönen\nAusdruck findet, während das zweite durch seinen flotten\nHumor überall willkommen sein wird. Das dritte: „Mädel,\nmein Mädel!\" auch von Siebe], ist ebenfalls als Gesang-\nstück sehr hübsch componirt, scheint uns aber für den\nText etwas zu sentimental aufgefasst.\nGustav Flügel, Drei Cantaten für geistlichen\nMünnerchor. Dem kölnischen Männergesang-\nVereine zugeeignet. Op. 58.\nWir gestehen, dass wir im Allgemeinen die Instru-\nmentaJ-Compositionen, namentlich die grossen Sonaten für\nPianoforle und die kleineren Ciavierstücke dieses lleissigen\nComponisten, den wir auch als ausübenden Künstler auf\nOrgel und Ciavier, als Lehrer und als Dirigenten während\nseines Aufenthaltes am Rheine sehr hoch zu schätzen ge-\nlernt haben, seinen Gesangwerken vorziehen. In beiden ist\nallerdings die ernste, edle, echt künstlerische Richtung\nherrschend, welche Flügel nie verlassen wird und seinem\nganzen Wesen nach nicht verlassen kann; allein in den\nCiaviersachen waltet ein freieres Schaffen, eine eigenthüm-\nlichere Erfindung, ein energischerer Schwung; sie lassen\nden Gedanken an das „Machenwollen\" nicht aufkommen,\nsie entspringen dem wirklichen Quell des inneren Dran ges\nund verdienen von Clavierspielern und Clavierlehrern weit\nmehr cultivirt zu werden, als es der Fall zu sein scheint.\nDie mehrstimmigen Gesang-Compositionen hingegen zeich-\nnen sich meistens mehr durch gute Arbeit als durch ori-\nginelle Erfindung aus; das eontrapunktischc Element macht\nsich darin zuweilen auf Kosten des melodischen geltend.\nDies scheint uns auch namentlich in der zweiten Num-\nmer des vorliegenden Werkes: „Pfingst-Cantate\", der\nFall zu sein. Allerdings beherrscht Flügel die strengen ca-\nnonischen Formen mit Sicherheit und grosser Gewandt-\nheit, allein es wird doch stets wahr bleiben, dass der ge-\nringe Umfang der Männerstimmen und hauptsächlich auch\nder Gleichklang, die gleiche Tonfarbe derselben, es fast\nunmöglich machen, klar und zugleich wirksam für sie zu\nfugiren. Der erste Gesang, die „Oster-Cantate\", be-\nwegt sich mehr in getragenen Accorden und harmoni-\nschem Fluss und hält eine schöne, kirchlich-freudige Stim-\nmung von Anfang bis Ende fest. Sie dürfte die wirksamste\nunter den dreien sein. Die meiste Tiefe und Eindringlich-\nkeit finden wir aber in der dritten: „Zum Gedächtniss\nder Verstorbenen\" auf die Worte: „Mitten wir im\nLeben sind mit dem Tod umfangen\" in D-mött, 4A-Tact,\nstellenweise fi'infstimmig. — Wir empfehlen das Werk\nden Freunden des ernsten Gesanges und den Kirchenchö-\nren angelegentlichst.\n\nL.\n\nEin kleiner Anhang zu A. Malibran’s „Louis Spohr“.\n\nDieses Bach enthalt unter Anderem auch einen Passus, den Ein-\ntritt Gollmick1« in das frankfurter Orchester betreifend. Da nun der\nVerfasser dieses Artikels mit Gollmick in sehr naher Berührung\nsteht, denn er ist es selbst, so erlaubt sich derselbe einige Berich-\ntigungen, nicht als ob er irgend ein Interesse für seine Person damit\nhervorrufen wollte, sondern weil diese Berichtigungen einige Facta\nberühren, welche zur Ergänzung von Spohr's Aufenthalt in Frank-\nfurt am Main noch Manches nachholen dürften.\nDass mein hochverehrter Freund, Herr Xaver Schnyder von War-\ntensee, vor 43 Jahren mich Spohr für sein Orchester empfohlen, hat\nseine Richtigkeit, und ich bin ihm für seinen guten Willen auch\nsehr verbunden, obgleich ich wünsche, seine Wahl wäre auf einen\nAnderen gefallen, denn das Glück (wie auch Herr Malibran ein\nsolches mit meinem Engagement in Verbindung zu bringen sucht),\ndas Glück, ein gutes Menschenalter lang „des harten Dienstes kar-\nges Brod zu essen\", wenn man kein 3 Erbschaft macht oder sonst in\nFörtuna's Loostopf keinen guten Griff thut, hat noch kein Orche-\nster-Mitglied mit zeitlichen Gütern gesegnet Der Verfasser jenes\nBuches sagt ferner (Pag. 46): „Ich wüsste nicht, dass Gollmick je\ndieser Sache uncingedenk gewesen wäre.® Gewiss nicht! ist dessen\nAntwort; denn noch leidet er, obgleich pensionirt, an den Nachwehen\neiner nie zu ersetzenden verlorenen Zeit, Den Leiden des Orchester-\ndienstes werde ich zu seiner Zeit einen eigenen Artikel widmen.\nJedenfalls hat Herr Hackländer noch in keinem Orchester gesessen,\nsonst würde er in seinem „Europäischen Sclavenleben\" dessen gewiss\nErwähnung gethan haben. Das rLebensglück\", von welchem Herr\nMalibran in Verbindung mit einer Orchester-Stelle spricht, muss ich\nalso hiermit auf das entschiedenste ablehnen.\nDer Nachsatz jener Stelle in dem bezeichneten Buche ist mir\nunklar, aber seine etwas mysteriöse Fassung dürfte manchen Leser\nglauben machen, als datire sich von meiner Anstellung alles Uebel\nher, welches den grossen Mann aus Frankfurt trieb, wie denn die\nfolgenden Seiten dieses Buches bis Pag. 59 das frankfurter Orche-\nster zu einem wahren Heerde von Conspiration und Intrigue machen\nmöchten, auf welchem die Mitglieder desselben gleich Macbeths\nHexen den Trank brauten, in welchem Spohr den Tod seines Ruh-\nmes trinken sollte. Herr Malibran hat hier offenbar durch ein Ver-\ngrösserungsglas gesehen oder hat sich übel berichten lassen; denn\nvon einer solchen Catilinarischen Verschwörung, von geheimen Co-\nmite's, Complotten u. s. w. (siehe Pag. 54) ist mir durchaus nichts\nbekannt geworden, und was die „Nadelstiche kleiner Feinde\" betrifft,\nso können diese unmöglich im Stande sein, einen willenskräftigen,\nenergischen, das Gute und Nützliche anstrebenden Dirigenten aus\nseiner festen Stellung zu reissen. Es werden sich gegen eine solche\neine ganze Corporation compromittirende Anschuldigung zur rechten\nZeit schon die geeigneten Stimmen erheben; ich meines Theils ver-\nwahre mich vorläufig gegen eine Anklage, sei sie auch noch so\nmaskirt gegeben, als hätte ich jemals in einer zweideutigen Stellung\nzu einem Manne gestanden, den ich stets verehrt habe, ohne dess-\nhalb ein unbedingter Spohrianer zu sein. Und Folgendes möge dieses\nbestätigen; denn von alledem abgesehen, so war ich Herrn Spohr\nschon bekannt, ehe ich ihm durch Herrn Schnyder empfohlen wurde.\nIch hatte schon als Studiosus im Jahre 1816 in Strassburg die\nEhre, unserem Altmeister, der damals noch ein junger Meister gewe-\nsen ist, bei seinen Concerten Dienste zu leisten. Mein kleines Schick-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "135", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600421-01.1.7", "texte": "sal führte mich ein Jahr früher nach Frankfurt, als Herrn Spon-\nsern grosses, und hier erwies er mir die Ehre, mich wieder aufzu-\nsuchen und sein erstes Quaitett, das er in diesen Mauern spielte,\nin meinem Zimmerchen im damaligen Institute des Dr. Kemmeter in\nder Schlesingerstrasse mit drei Mitgliedern des Orchesters zu probi-\nren, die alle jetzt nicht mehr leben. Es bedurfte allerdings der\nUeberredung, in dem frankfurter Orchester den Dienst eines Tym-\npanisten zu übernehmen; als aber Herr Schnyder mir Aufsehluss\ngab über die Poesie der Paukenschlägel, und Spohr mir versicherte,\n»der Pauker sei der zweite Director\", da erwachte mein Ehrgeiz,\nund später fand ich, dass sich in der That auch poetische Elemente\naus diesen Eselsfellen heraufwirbeln liessen und man selbst mit Hu-\nmor pauken könne. Aber nicht minder wie Herr Schnyder von War-\ntensee waren mir der Mechaniker Herr Einbiegler (welcher dann\nseine einschraubigen Pauken mit so bedeutenden Erfolgen ins Leben\ntreten Hess) und weit später Herr Wingheimer einer unserer\nersten musicalischen Dilettanten treue Kathgeber in den Myste-\nrien dieses dem Donnergotte geweihten Instrumentes. So war ich\nnach vier Pagen Vorstudien und nachdem ich in der Oper Sargines\nmein Examen glorreich bestanden hatte, als Paukist in unserem\nOrchester installirt, und was gleichsam gezwungen nur kurze Zeit\ndauern sollte, währte vier volle Decennien lang.\nAls ein Curiosum eigener Art sei hier erwähnt, dass dicht hinter\nmeinem Sitze Ludwig Börne seinen Stehplatz hatte und auf einem\nan das Lampenblech des Prosceniums angehefteten Papierstreifen\nseine kritischen Notizen zur Panik aller Mitspielenden für seine\nWaage aufzeichnete. Was ich nun während meines damaligen Or-\nchesterdienstes für ein wirkliches Glück erachtete, erwähnt Herr\nMalibran nicht, nämlich meinen näheren Umgang mit Spohr als Leh-\nrer seiner beiden Töchter. Zwei meiner ersten Werkchen für Piano\nbei Andre in Ottenbach waren diesen Kindern gewidmet, und die\nEltern legten einen besonderen Werth hinein, dass sich Beide unter\nmeiner Leitung in dem damals in voller Blüthe stehenden Düring'-\nschen Gesang-Vereine zum ersten Male als Pianistinnen öffentlich\nproducirten. Spohr wohnte damals in dem in Malibran's Buche rich-\ntig bezeichneten Hause, und schwerlich hätte ein Fremder in dieser\nbescheidenen Wohnung den Componisten des Faust und der Zemire\ngesucht* Der Brunnen neben diesem Häuschen, wie oft mag sein\nQuell dem mässigen Spohr zur Hypokrene geworden sein ! In dieser\nWohnung gründete auch Spohr die classisehen Quartett-Soireen, wel-\nche er allsonntäglich im rothen Hause (jetzt die Post) gegeben hat.\nZu den Zierden der damaligen Oper gehörten die Sängerinnen Cam-\npagnoli und Friedel, der Tenor Sehelble, die Bassisten Siebert, Krön-\nner und Andere. Spohr begann sein Directorium mit Don Juan am\n28. December 1817 und endete dasselbe mit derselben Oper am 26.\nAugust 1819. Am 30. Verliess er Frankfurt unter einem fürchter-\nlichen Gewitter, dessen Wolken bekanntlich später noch manehmal\nam Firmamente unserer Oper hinzogen Ein Interims-Directorium\nverwaltete der Concertmeister Hoffmann, unter welchem Nikolaus\nBaldenecker Chor-Director wurde. Man kann sagen, dass Baldenecker\nden Chor geschaffen hat, und noch sehr wohl erinnere ich mich\nder Würdigung der damaligen Iris, welche diesen Chor als einen\nbisher noch nie geahnten Körper im Gebiete der Oper pries. Aber\nHoffmann passte nicht für die Ansprüche des hiesigen Publicums.\nund Guhr mochte allerdings mehr wie Spohr geeignet sein, das Va-\nriatio de'eclat im Auge zu halten und dem Geschmacke des grossen\nPublicums grössere Concessionen zu machen, als sich mit einer clas-\nsisehen Bildung desselben, wonach Spohr einzig und allein strebte,\nvertrug. In diesem Missverhältnisse ist auch der Hauptgrund von\nSpohr's Aufkündigung, die er in einer Vorstandssitzung selbst eigen-\nhändig einreichte, zu suchen.\nGuhr nahm also im Frühjahre 1821, in seinem 36. Lebensjahre,\ndie Zügel der hiesigen Oper in die Hand. Als er den Kurfürsten\nvon Kassel um seinen Abschied bat, äusserte dieser, dass er nicht\nbegreifen könne, wie man lieber Musik-Director in einer Handels-\nstadt, als Gapellmeister in einer Kesidenz sein möge. Spohr aber,\nder ihn empfohlen, meinte dagegen, „dass gerade Guhr der rechte\nMann für Frankfurt sein würde* und die Prophezeiung ist rich-\ntig eingetroffen.\nFrankfurt, den 7. April 1860.\n\nC. G.\n\nAchter Bericht über die Deutsche Tonhalle.\n\nDie Anzahl der kunstsinnigen Theilnehmer des Vereins hat sich\nin dem verflossenen Jahre, in welchem wir leider auch manchen\nSterbfall zu beklagen hatten, in erfreulicher Weise vergrössert (592\nMitglieder), und die Beiträge und manche Geschenke an die Vereins-\ncasse haben die Einnahme derselben verhältnissmässig gegen sonst\nerhöht. Um so mehr dürfen wir uns der frohen Hoffnung hingeben,\ndass das Streben des Vereins noch immer mehr Eingang finden und\nimmer reichere Theilnahme erzielen werde, da die damit verbunde-\nnen Opfer sehr klein sind*) und hier, wie in so vielen Erscheinun-\ngen unseres Zeitalters, sich bewährt, was das Zusammenwirken Vie-\nler, was Gemeinsinn und gesellschaftliche Verbindung zu Einem\nZwecke vermögen.\nAusser den in der vorigen Vereins-Uebersicht (für 1858) als neu\nausgesetzt bemerkten zwei Preisen: a) für die Composition des rLie-\nbesring\" (Operette), b) für ein Streich-Quartett, wozu noch c) aus\ndem früheren Jahre die damals noch unerledigte Bewerbung mit\neinem Nonett kam, wurden in 1859 durch das XVIII. Preisausschrei-\nben der Tonhalle der Preis von 9 Dacaten auf eine Sonate für Cia-\nvier und Violoncell gesetzt, und durch das jetzt erlassene XIX. der\nvon 100 Gulden auf ein Trio für Ciavier, Violine und Cello.\nErledigt wurden von den eben zuerst genannten drei Preis-Ange-\nlegenheiten die das Nonett und das Streich-Quartett betreffenden; zu\ndiesem waren 38, zu jenem 14 Bewerbungen eingekommen.\nVon den Nonetten erhielt das des Herrn E. Silas in London\neine Stimme für den Preis, und durch eine andere wurde ihm be-\nsondere Belobung zuerkannt**). Solche Belobungen erhielten auch, je\ndurch eine Preisrichter-Stimme, die Werke der Herren V. E. Becker\nin Würzburg, J. Hager in Wien, H. Neumann in Heiligenstadt\n(Eichsfeld) und T . Täglich s b e c k in ***).\nDas Preisrichter-Amt hatten dabei, auf ErwUhlung hin, gefälligst\nübernommen die Herren L. Hetsch, V. Lachner hier und J.\nMo Scheies in Leipzig\nDie Ergebnisse der oben genannten Preis-Ausschreiben: Compo-\nsition des „LiebesringV Streich-Quartett und Sonate für Cello und\nCiavier, sodann der jüngsten Preis-Aussetzung für gedachtes Trio,\nwerden wir in unserem nächsten Berichte vorlegen können.\nStand der Tonhalle-Casse 1559.\nEinna h m e.\n1. Aus voriger Rechnung (1858) ....... 700 Gld. 59 Kr.\n2. An Eintrittsgeldern 30 „ 55 „\n3. An Jahresbeiträgen. ........... 284 „ 30 „\n4. Mehrleistungen und besondere Geschenke f) . 131 „ 16 „\n5. Verschiedenes (Zinsen u. s. w.) 19 » 24 „\n1161 Gld. 4 Kr.\n\n*) Der Eintritt ist nur mit Thlr. und der je im Christmonate\nfällige (immer wieder kündbare) Jahresbeitrag auf gleichen ge-\nringen Betrag (jeder höhere natürlich freigestellt) bestimmt.\n**) Der Preis selbst (180 Gulden) wurde also nicht ertheilt.\n***) Das Werk desselben, das wir, nach Angabe im Begleitbriefe,\nnach Dresden gesandt hatten, kam als unbestellbar von da\nzurück.\nf) Hierunter waren die 130 Gulden begriffen, welche Herr Be-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600421-01.1.8", "texte": "Ausgabe.\n1. Schreib- und Packbedarf Gld. Kr.\n2. Druck- und Schreibkosten 29 „ 56 „\n3. Post- und Sendgebühren 37 » 53 „\n4. Für Preise verwandt n »\n5. Bedienung und Verschiedenes 192 „ 15 „\nVorrath für 1860*) 907 „ »\n1167 Gld.\" 4 Kr.\nMannheim, im Februar 1860.\nDer Vorstand.\nProf. O. Deimling, Vorsitzender.\nA. Schüssler, Schriftführer.\nNachschrift. Ausserdem veröffentlicht der Bericht noch ein\nVerzeichniss der seit 1852 ausgeschriebenen Preis-Aufgaben,\nder eingegangenen Bewerbungen und der zuerkannten Preise, das in\nmancher Hinsicht interessant ist. Für vier Aufgaben konnten keine\nPreise zuerkannt werden, wiewohl eingesandt waren für 2 Lieder\nmit Ciavier 39, für einen Männerchor: „Gott, Liebe, Vaterland\",\n40, für eine Ciavier-Sonate 50 (!), für ein Nonett für Streich-\nund Blas-lnstrumente 14 Bewerbungen!\nDen grössten Preis, 250 Gulden, für Musik zur r Jungfrau von\nOrleans\" erhielt unter 22 Bewerbern L. Hetsch in Mannheim; 200\nGld H. Neumann in Heiligenstadt unter 39 Bewerbern für eine\nSinfonie (die einzige, die ausgeschrieben worden); 200 Gld. Dr.\nH, T. Schmid in München für den Text der einactigen Operette:\n„Der Liebesringu, ebenfalls unter 39 Bewerbern (Dichtern?). Dem-\nnächst 110 Gld. Gustav Merkel in Dresden für eine vierhändige\nOrgel-Sonate unter 13 Bewerbern; 100 Gld. V E. Becker in\nWürzburg für einen Schiller-Festgesang unter 7 Bewerbern (diese\ngeringe Anzahl nimmt Wunder).\nAusserdem sind noch als grössere Werke, die der Tonhalle ihr\nEntstehen verdanken, zu erwähnen: eine Fest-Ouverture von V.\nLachner in Mannheim, ein Violin-Trio und ein Quintettsatz für\nBlas-lnstrumente, beide von K. J. Bischoff in Frankfurt am Main,\neine Hymne für Soli, Chor und Orchester von W. Scheffer in\nEisenach u. s. w.\nWir erfahren aber nicht, ob und wo diese gekrönten Musikstücke\nin Druck erschienen sind. Es scheint uns aber für die Wirk-\nsamkeit des Instituts sehr wichtig, zu wissen, welchen Einfluss die\nPreis-Zuerkennungen auf die Herren Musik-Verleger bis jetzt gehabt\nhaben. Daran würde sich die Frage knüpfen, ob es nicht gerathen\nsei, darauf zu denken, der „Deutschen Tonhalle\" die Mittel zu ver-\nschaffen, die gekrönten Werke auch veröffentlichen zu können.\nAls unerledigte Aufgaben bestehen noch: Preis von 200 Gld.\nfür die Composition des „Liebesrings44, wozu -24; 84 Gld. für ein\nViolin-Quartett, wozu 38; 50 Gld für eine Sonate für Ciavier und\nVioloncell, wozu 17 Bewerbungen eingegangen; und 100 Gld. für\nein Clavier-Trio (vgl. unsere Nr. 10 vom 3. März) mit Violine\nund Violoncell, für dessen Einsendung der letzte Juli d. J. als\nletzte Frist bestimmt ist.\n\nDie Redaction.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nIjeijBSsäg* Am Charfreitag kam in der Thomaskirche wieder\n-vvie alljährlich die grosse Passionsmusik yon Bach zur Aufführung.\nDer Riedel'sche Gesang-Verein führte am Palmsonntag die Missa\nsolemnis von Beethoven auf.\nISreslsivi« Die Sing-Akademie brachte unter der Leitung Rei-\nnecke's Mendelssohn's „Paulus\".\nHamburg. Meyerbeer's Dinorah ist in diesen Tagen hier zum\nfünfundzwanzigsten Male gegeben worden; ich schreibe die unange-\nnehme Zahl mit Buchstaben, damit Sie Sich nicht vielleicht mit der\nVermuthung eines Schreibfehlers trösten. Es scheint dieses ein be-\ndauerliches Zeugniss des Geschmackes unserer Stadt; aber nichts\ndesto weniger würdigte hier doch alles, was nur einiger Maassen\nmusicalisches Urtheil hat, die Meyerbeer'sche Oper kaum einer Kri-\ntik, und der starke Besuch derselben ist theils aus der Grösse unse-\nrer Stadt zu erklären, die neben einer beträchtlichen Anzahl guter\nConcerte immerhin auch 25 Vorstellungen der Dinorah füllen kann,\ntheils dadurch, dass sehr Viele sich die Oper nur als ein Curiosum\nansehen. Dazu kommt noch, dass die Rolle der Dinorah durch Fräul.\nGeorgine Schubert sehr vortheilhaft besetzt ist. (D. M.-Z.)\nWieil. Ein „Mozart-Abend\\ veranstaltet (am März) von\nden Mitgliedern der Gesellschaft der Musikfreunde, die sich als Or-\nchester-Verein constituirt haben, erfreute sich, obwohl nicht zu den\nförmlich öffentlichen Productionen zählend, einer regen Theilnahme\nund eines zu weiteren Unternehmungen aufmunteinden Erfolges. Auf-\ngeführt wurden: Ouvertüre zu „Titus\", Sopran-Arie „Misera, dove\nson\" (1782), gesungen von Fräul. Ottilie Hauser, Trauermusik (com-\nponirt 1785 beim Todesfalle zweier Freimaurer), Sonate für zwei Cla-\nviere, gespielt von den Fräul v. Asten und Geissler, „Abend-Em-\npfindung\" und »An Chloe\", gesungen von Herrn Olschbauer, und\nSinfonie in A-dur, Nr. 23 (1774).\nSeit dem 1. April sind die Eintrittspreise in den beiden Hof-\ntheatern regulirt worden und zwar mit geringen Ausnahmen ganz\nso, wie es in der Nummer 7 der „Recensionen\" vorgeschlagen\nwar, welche eben desshalb von der Behörde mit Beschlag belegt\nwurde.\nDie italienische Opern-Gesellschaft des Herrn Salvi hat am 12.\nApril ihre Vorstellungen mit Rossini's Barbiere eröffnet.\nDie Orchester-Mitglieder des Hof-Operntheaters haben ihrem Di-\nrector C. Eckert für die uneigennützige Leitung der mit bestem\nErfolg begleiteten Philharmonischen Concerte eine in sehr warmen\nWorten gehaltene Dank-Adresse überreicht.\nneke in London dem Vereine zu einem Nonettpreise zuge-\nschickt hatte, welcher Preis aber nicht zuerkannt und dess-\nhalb, abzüglich der Kosten, mit 150 Gulden wieder rückerstat-\ntet wurde.\n*) Worauf vier ausgesetzte Preise mit zusammen 400 500 Gul-\nden haften."}]}