{"numero_id": "bm-bmtnabi-1860-05-05-01", "volume": "bmtnabi_1860-05-05_01", "ocr_sha256": "439fd22bcec21d9a609f1b4ec8268d69e08117cf86a3d5bc1c324e69ada6cb7b", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1860/05/05_01/bmtnabi_1860-05-05_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600505-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1860-05-05-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-05-05_01#c001", "volume": "bmtnabi_1860-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "145", "page_fin": "145", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600505-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "145", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600505-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 456, "texte": "Inhalt.\nFranz Commer 11. (Musica sacra und neue Folge derselben Canlica sacra Collectio operum Musicor. Ba-\ntavor. T. XII. Compositionen Missa IV vocum, Op. 53 Zwölf Lieder, Op. 52). Von L. B. Alfred Jaell (Kunstreisen in\nder letzten Saison). Aus Paris (Louis Brassin). Beurth eilung (Praktische Schule für das einfache und chromatische Horn von K.\nKlotz. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Musicalische Soiree im Conservatoriuin Dresden, Sing-Akademie)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-05-05-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-05-05_01#c002", "volume": "bmtnabi_1860-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "145", "page_fin": "149", "image_debut": 1, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600505-01.2.2", "titre_corps": "Franz Commer.", "titre_sommaire": "Franz Commer.", "signature_source": "L. 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Der erste enthält Or-\ngelwerke, der zweite Gesänge für 2, 3 und 4 Män-\nnerstimmen, der dritte vier- bis achtstimmige Chorgesänge,\nder vierte Gesänge für eine Altstimme mit Begleitung des\nPianoforte.\nIn Tomus I.finden wir Präludien, Fugen, Phanta-\nsieen, Toccaten, Trios u. s. w. für die Orgel von J. S.\nBach (4 Nummern), Nie. Bruhn (2), Buxtehude (1), Do-\nbenecker (2), J. E. Eberlin (1716 —1776, 21 Toccaten\nund Fugen), Frescobaldi (13), J. Froberger (1), Claud.\nMerulo (Claudio di Correggio, 1532 —1608), Muffat (1),\nJoh. Pachelbel (96), J. G. Walter (7 Trios), F. W. Za-\nchau (1) und ein Choral-Trio von unbekanntem Meister.\nDas Vorwort gibt kurze biographische Notizen.\nTomus IL Mus. sacra XVII. ent-\nhält einen Schatz von Kirchengesängen für Männerstim-\nmen, in welchem denjenigen Gesang-Vereinen, die noch\nSinn für ernste Musik haben, eine unerschöpfliche Fund-\ngrube zu Gebote steht. Sie finden darin eine Messe für 2\nTenöre und Bass von Carnazzi; von Cordans 2 zwei-\nstimmige (T. u. B.) und 1 dreistimmige Messe; ferner 5\ndreistimmige Gesänge {Jesu Salvator, Domine Jesu, Alme\nDeus, Parce Domine, Adoramus te); von Durante ein\n/Salve Regina für 2 Bässe und eine dreistimmige Messe;\nFabio, dreistimmiges Miserere; Gallo, dreistimmiges\nDomine; Giacomelli, dito; Gumpeltzhaimer, vier-\nstimmiges „Jesu, Dir sei ewig\"; Casp. Kerl, Dominus\nregnavit für 4 Bässe; Legre nzi, dreistimmiges\nminus; Lotti, Messe für Tenor und Bass, Vere langwr.,\ndreistimmig, Laudate pueri für Tenor und Bass; Ma-\nstioetti, Terribilis est locus, dreistimmig; Menegali,\ndreistimmiges Ave Regina; Palestrina, vierstimmiges\nQuocumque pergis; L. Vittoria, vierstimmiges Popule\nmeus. Das Vorwort enthält biographische Notizen und\nBemerkungen über die Notation in den älteren Gesang-\nwerken.\nTomus 111 Hier finden wir eine Sammlung von\nMeisterwerken des XVI. und XVII. Jahrhunderts für vier-\nbis achtstimmigen Chor.— Vierstimmig. Joach.\na Burgkh, „Was kränkst du dich\"; Caldara, Regina\ncoeli; Palestrina, Nos autem gloriari; M. Prätorius,\n„Mein' Eltern mich verlassen hau\"; H.Schütz, „Wer will\nuns scheiden\"; J. Walter, „Allein auf Gottes Wort\".\nB.Fünfstimmig. And. Hammerschmidt,\nmine Jesu;Giov. Legrenzi, und\nRegina; Palestrina, 0 crux ave, spes unica.\nC.Sechsstimmig. Hammerschmidt, „Schaff' in mir,\nGott\"; Schütz, „Die Himmel erzählen\" und „Das ist ge-\nwisslich wahr\".\nD. Siebenstimmig. J. Ga brie I i, Benedixisii Domine.\nE. Achtstimmig. Leon. Leo, Psalm 50: Miserere\nmei; J. Pachelbel, „Tröste uns Gott\" und „Singet dem\nHerrn ein neues Lied\"; AI. Scarlatti, Tu\nTrefflicher Stoff für Gesang-Vereine und Aufführung\nkleinerer classischer Chorgesänge in Concerten.\nDer Tomus IV. enthält 25 Arien für eine Altstimme,\ndarunter seltnere von Hasse, Jomelli, Lotti, Pergolese,\nRolle, Telemann u. s. w.\nWir bemerken hier ein für alle Mal, dass alle von\nF. Commer herausgegebenen Werke der alten Meister nach"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "146", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600505-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5030, "texte": "den Original-Handschriften und den Original-Drucken be-\narbeitet sind. In späteren Sammlungen, die theils ohne,\ntheils mit Namen der Herausgeber erschienen sind, haben\nwir mehrmals Nummern gefunden, die ohne Angabe der\nQuelle aus den Commer'schen Ausgaben genommen waren.\nGegenwärtig setzt nun Commer diese\nmit unermüdetem Fleisse fort. Es werden fernere vier\nBände als neue Folge im Verlage der Trautwein'schen\nMusikhandlung in Berlin erscheinen, wovon der erste in\ndiesen Tagen ausgegeben werden wird. Sie werden lauter\nmehrstimmige Gesänge für vollen Chor enthalten, und es\nwerden nur solche Stücke aufgenommen, welche bis\njetzt noch nicht im Druck herausgekommen\nsind; alle sind von Commer nach den Originalstimmen,\ndie beinahe sämmtlich in seinem Besitze sind, in Partitur\ngesetzt. Mit grossem Vergnügen erfahren wir so eben durch\nzuverlässige Privat-Mittheilung, dass der Cultus-Minister\nHerr von B etil mann-H 01l weg fünfzig Exemplare\nnimmt, eine wahrhaft grossartige Unterstützung des Un-\nternehmens.\nDieser erste Band enthält sechs grosse Messen\nvon Orlandus Lassus, zwei acht-und vier sechsstim-\nmige.— Der zweite Band wird bringen: eine lateinische\nPassion von Lassus, eine deutsche: „Das Leiden un-\nseres Herrn Jesu Christi\" nach dem Evangelium Johannis\nvon Barthol. Gese (um 1600), Te Deum von Lassus,\n„Herr Gott, Dich loben wir\" von Vulpius, Miserere von\nLotti, sechs deutsche figurirteChoräle von Lassus, Mo-\ntetten von Palestrina.—Der dritte und vierte Band wer-\nden Vigilien von Lassus, Motetten von Schütz, Vulpius,\nPrätorius, Lamentationen von Palestrina, Allegri u. s. w.,\nlauter Werke der besten Meister aus der deutschen und\nitaliänischen Schule enthalten.\nEin zweites Werk sind die Samm-\nlung geistlicher Arien aus dem XVI.—XVIII. Jahr-\nhundert. Nach den Original-Partituren und mit Begleitung\ndes Pianoforte eingerichtet. Zwei Bände in Folio. Berlin,\nTrautwein'sche Verlagshandlung. Der erste Theil ent-\nhält 25 Arien für eine Sopranstimme, eine sehr gute\nAuswahl, die fast lauter wenig bekannte Stücke berühmter\nMeister darbietet. Auszeichnende Empfehlung verdienen:\nAstorga, „iSancta mater\"; J. S. Bach, „Qui tollis peccaia\"\nin H-moll; Händel, „Er ist der Herr, der schaltet im Meer\"\naus Psalm 27 in C-moll(prächtig), und „Erhebet hoch\nden Herrn\" aus Psalm 95; Jomelli, „Deo patri glo-\nriau; Hasse, „Judex crederisesse\",und drei ganz vorzüg-\nliche und durch den Stil, der den Uebergang zu Haydn\nund Mozart bildet, merkwürdige Becitative und Arien aus\nC. Phil. Em. Bach's Oratorium „Die Israeliten in der\nWüste\". Bei gutem Vortrage wird jede Sängerin in heu-\ntigen Concerten damit Wirkung machen und zugleich\netwas Neues bringen!\nDer zweite Theil enthält 25 geistliche Arien für eine\nBassstimme. Auch hier ist die Auswahl gut. Sie gibt\nmehrere Arien aus Oratorien von Händel, die freilich auch\nsonst leichter zugänglich sind, was jedoch bei dem herr-\nlichen Largo aus Belsazer in „0 heiliger Wahr-\nheit Wort\", weniger der Fall ist. Ein schönes\nDeusin Fis-mollvon J. S. Bach und dessen pastorales „Du\nglückliche Herde\" in D-dur(Cantate: „Du Hirte Israel\"]\nfindet man hier. Sehr merkwürdig sind aber die zwei Arien\naus Bolle's Oratorium „Lazarus\" (Nr. 10 und Nr. 12),\nvon denen besonders die erste in die wir heutzu-\ntage eine Scene nennen würden, höchst charakteristisch\nund effectvoll isl. Dasselbe ist von den zwei Arien für einen\ntiefen Bass aus Bosen m ü ller's in\nzu rühmen (Nr. 18 und 20); die erste: „Domine, ne in\nfurore tuo arguas meu, ist erschütternde Wahrheit einer\nzerknirschten Sünderstimmung. Und welche Wirkung\nkönnte ein klangvoller Bass mit diesen Sachen erzielen!\nAber die Herren haben ja Meyerbeer's „Mönch\" und\nHölzl's „Thränen\"!\nDas grösste Sammelwerk ist drittens die Collectio\nOperum Musicorum Batavorum SaeculiXVl. Edid.\nFr. Commer. Sumptibus societatis Batavae ad Musicam\npromovendam. Tom. I.—IV Berlin, bei Trautwein. Tom.\nV.— VIII. bei Schott in Mainz. Tom. IX.—XII. bei\nTrautwein in Berlin. AmsterdÄn, bei Eck und Lefebvre\n(Boothaan).\nDieses Werk ist mit unendlichem Fleisse und ge-\nnauester Sorgfalt bearbeitet; die Quellen desselben 35\nältere seltene Sammlungen sind im Vorworte zu Tom.\nXII. angegeben, die Ansichten und Grundsätze, welche\nden Herausgeber geleitet haben, theilt die Vorrede zum\nVIII. Bande mit.\nDie Collectio enthält nur mehrstimmige Gesänge ohne\nBegleitung, von 32 niederländischen Componisten, zusam-\nmen 170 Musikstücke, die dreistimmigen Souter liede-\nhens, welche den ganzen XI. Band füllen, nicht inbegrif-\nfen. (Vergl. Niederrh. Musik-Zeitung, VII. Jahrg., Nr. 8.\n19. Februar 1859.)\nAm reichsten vertreten sind: Jac. Clemens non Papa\nmit 42 geistlichen Gesängen mit lateinischem Texte und\nden beinahe 200 auf die Psalmen angewandten Souter\nLiedekens(weltlichen Liedern) mit niederländischem Texte.\nChristian Holländer mit 25 Gesängen, darunter\nein merkwürdiger achtstimmiger Hymnus,\ntes\", u.s. w. auf Oesterreich (Hollander war Capellmeister\nbei Kaiser Ferdinand 1., 1556 —ls64).—Josquin des\nPres mit 11 geistlichen und 3 weltlichen (fünf- und sechs-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "147", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600505-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4443, "texte": "stimmigen) Gesängen, letztere mit französischem Texte.—\nOrlandus de Lassus mit 17 geistlichen und 2 weltli-\nchen Stücken, letztere auf französische und italiänische\nWorte. D om.Phinot mit 4 achtstimmigen Kirchenge-\nsängen.—Jac. Vact mit 22 Kirchenstücken, darunter ein\nachtstimmiges Te Deum [Tom. und ein prachtvolles,\nebenfalls achtstimmiges Salve\nAdrian Willaert mit 4 geistlichen Gesängen, wovon\ndrei achtstirnmig, u. s. w.\nWenn man den reichen Inhalt dieser zwölf Folianten\nbetrachtet und dann im Vorworte zum letzten Theile lies't,\ndass die niederländische Gesellschaft (die sich durch die\nHerausgabe der Collectio ein höchst ehrenvolles patrioti-\nsches Denkmal gesetzt hat), von Franz Commer noch das\nManuscript zur Fortsetzung der Sammlung bis\nzum 20. Bande besitzt und dass in seinem eigenen Be-\nsitze das Material bis zum 30. Bande ebenfalls zum\nDrucke geordnet ist, so wird man erstaunen und sich\nüberzeugen, dass der Ausdruck der hohen Achtung und\nwarmen Anerkennung Commer's, den wir in voriger Num-\nmer niedergelegt haben, noch lange nicht seinem Ver-\ndienste entspricht.\nUnd wie schreibt das neueste „Universal-Lexikon der\nTonkunst\" von Ed. Bernsdorf Geschichte der Musik und\nBiographie der Künstler?—Man höre: „Commer, Franz,\ngeb. 1813 in Köln, Musik-Director in Berlin, hat sich\nnamentlich durch die Herausgabe von Musikwerken aus\nder niederländischen Schule bekannt gemacht.\" Das ist\nAlles!\nWir ergreifen die Gelegenheit, den XII. Band der\nCollectio, den wir noch nicht angezeigt haben, beson-\nders zu besprechen.\nIn ihm haben wir einen unschätzbaren Beitrag zur\nGeschichte der ausserkirchlichen Gesangmusik des\nsechszehnten Jahrhunderts. Er enthält 32 mehrstimmige\n(3-, meist 4-, 5- und östimmige) weltliche Gesänge\nmit den französischen Original-Texten, lyrische Ergüsse\nder Liebe und Sehnsucht, der Schäkerei und Galanteric,\ndes Humors und der geselligen Heiterkeit. Wir sehen hier\ndie trefflichen alten Meister, die wir uns gewöhnlich nur\nim Talar oder in der Stola vorstellen, im Barett mit schwan-\nker Feder und dem fliegenden Mantel vor Liebchens Fen-\nster, oder in der freien Natur, oder in lustiger Kumpanei.\nNur ein Lied mit lateinischem Texte hat sich unter die\nmunteren belgischen gewagt (Nr. 30 von Cyprian de\nRore) und tritt sogar recht gravitätisch mit vier Bässen\nauf. Was ist's? Des alten Catullus Klagelied an die Muse\nüber die grausame Lesbia!\nEs finden sich achtzehn Meister vertreten, unter ihnen\nJosquin des Pres, Clemens Jannequin, Jac. Clemens\nPapa, Arcadelt, Orl. Lassus u. s. w.—Unter den empfin-\ndungsvollen Liedern der Liebe sind gar manche von inni-\ngem einfachem Ausdruck; mit richtigem ästhetischem Tact\nsind sie meistens homophon, während in den naiven, ga-\nlanten, heiteren und humoristischen Gesängen die mannig-\nfachste und oft echt komische Polyphonie ihr Wesen treibt.\nJosquin des Pres z.B. gibt ein sechsstimmiges Lied auf:\nPetite camusette,\nA la mort m'avez mis.\nRobin et Marion\nS'en vout au bois joly;\nIis s'en vont bras ä bras,\nIis se sont endormis.\nDann ein allerliebstes, ebenfalls sechsstimmiges mit komi-\nschen canonischen Imitationen:\nBasiez (baisez) moy\nMa douce araye\nPar amour je vous em prie!\n— „Et non feray.\" — Et pourquoy? —\n„Si je faisoie la folie,\nMa mere en serait marrie,\n\\ ' , 4\nVelä de quoy!\"1 *\nVon Jac. Clemens finden wir eine vierstimmige War-\nnung an die jungen Mädchen von fünfzehn Jahren, nicht\nmehr an den Brunnen zu kommen, weil sie zu reizend wä-\nren (Entre vous, jeunes fittes\nla fontaine u. s. w.); ferner ein komisches Trinklied:\nLa, la, maistre Pierre,\nLa, la, buvons donc*\nEn revenant de Nanterre\nJe m'assis sur une pierre,\nAupres' de moi un flacon.\nA ce flacon fis la guerre\nEn mangeant d'un gras jambon,\nLa, la, buvons donc!\nBeide haben dem Orl. Lassus so gut gefallen, dass er zwei\nMessen darauf componirt hat! (Orl. Lassi Liber missar.\nNorimbergae, 1580.) Singt er doch selber (Nr. 31, vier-\nstimmig) :\nSi je suis brun et ma couleur trop noire,\nCe n'est pas merveille, s'on nie veut croire:\nCar comme Phebus me hale par dekors,\nAinsi me brule Cupido dans le Corps.\nSehr hübsch und komisch ist von Joan. le Cocq der in\nvielen Sprachen verbreitete Volksschwank von dem Vicar\nund der jungen Bäuerin vierstimmig componirt (Nr. 10). Er\nsingt ein Agnus, und Annette weint, davon ergriffen. Warum\nweinst du, mein Kind?\nAh, Messire Jan, si dit-elle,\nJe plore un asne (ane) qui m'est mort\nQui avait la voix toute belle\nQue vous quant vous criez si fort.\n\n[*J"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "148", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600505-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4684, "texte": "Am interessantesten auch in der Beziehung auf das\nSprüchwort: „Nichts Neues unter der Sonne!\" —dürften\nvier grössere humoristische Compositionen sein:\ncle Paris, vierstimmig von Clem. Jannequin (Nr. 1., 11\nSeiten)— le chant des Oiseaux,dreistimmig (Sopran, Alt,\nBass) von Nicol. Gombert (Nr. XXVII., 7 S.)—\niaille, fünfstimmig von Clem. Jannequin (Nr. XXVIII.,\n19 S,) und La Chasse de vierstimmig von dem-\nselben (Nr. XXIXV 15 S.).\nIn Nr. I. rufen die Stimmen der Strassenverkäufer von\nParis auf eine harmonisch complicirte, keineswegs leicht\nzu singende Weise durch „einander:\nVin blane, vin cleret, tartelettes,\nlait, nie de la harpe, mes h\nalumettes, prumeaux de St. u. s. w. Der Tact\nwechselt häufig zwischen % und %•\nIn dem dreistimmigen Nr. 17 lassen sich eine Menge\nVogelstimmen hören: farely,\nchou chou, thouy thouy, tar tar, tu tu, turry, lara u. s.w.,\nund das Ende macht der co\ntraitre u. s. w. cum gratia in\nDas tollste Gewühl komischer Polyphonie wird in der\nBataille (Nr. 28) von Clem. Jannequin laut, ausgeführt\nvon Discant, Alt, zwei Tcnören und Bass. Im Anfang geht\nes noch ziemlich vernünftig her:\nEcoutez tous gentils Galloys\nLa victoire du noble roy Franqois!\nWenn aber zum Angriff gepfiffen, geblasen und getrom-\nmelt wird, so vergehen einem Hören und Sehen, und von\neinem zahlreichen Chor gesungen, würde dieses Stück die\närgsten Realisten und pittoresken Tonselzer unserer Zeit\nzwar entzücken, aber auch übertreffen. Die Trommeln:\nhald in einer, bald in beiden Oberstimmen, dann wieder\nin den drei Unterstimmen; die Trompeten bald:\ndas avant! Avant! das grobe Geschütz mit von von und\npon pon in ganzen und halben Noten, dazwischen das Pe-\nlotonfeuer mit patipaloe patipain schnellen Vierteln,\ndas Avanciren in aulsteigenden Tonleitern mit trarirarira-\nrira und farirari la la la la pon, pon, endlich das Ge-\nmetzel mit cldppe choppe tricque trac choc ä mort pati-\npaioc und endlich der Ruf\ncis—das alles durch einander mit oft wechselndem Rhyth-\nmus macht einen Heidenlärm und bloss durch Menschen-\nstimmen ohne Ratschen und Böller.\nEin Gegenstück dazu ist die „Hasenjagd\" oder viel-\nmehr Hasenhetze, da die Hunde eine grosse Rolle darin\nspielen (Nr. 29, vierstimmig, ebenfalls von Cl. Jannequin).\nEs ist nicht so künstlich gemacht und mithin auch nicht\nso schwierig, als die „Schlacht\", und obwohl die Hunde\nabwechselnd mit her, her! theue gnouf,\nplif, cha cha! u. s. w. angerufen werden, so geht es doch\nnicht allzu wild her. Der Aufruf an die Jäger, das Durch-\ngehen des schlauen Hasen, der Schluss mit dem Trunk\nauf das edle Waidwerk bilden ein recht heileres und mu-\nsicalisch hübsch wiedergegebenes Gemälde.\nEs erinnern diese grösseren und mehrere von den klei-\nneren Stücken in diesem Bande an die Jagdstücke und\nGenrebilder der niederländischen Maler aus derselben Zeit,\neines Snyders, Teniers, Adrian von Ostade u. s. w. Es\nherrscht da in der weltlichen Gesangmusik wie in der Ma-\nlerei ein gesunder Naturalismus vor.\nWerfen wir nun noch einen Blick auf Franz Commer\nals Componisteu, so finden wir bei ihm, übereinstimmend\nmit seinen literarisch-musicalischen Beschäftigungen, die\nRichtung und Anwendung seines Talentes auf Vocalrnusik\nvorherrschend. Da er sich ganz in die Kirchenmusik der\nfrüheren Jahrhunderte hineinlebte und seine innerste Ge-\nsinnung und Neigung ihn ebenfalls dahin trieben, so er-\nzeugte sich fast naturgemäss eine gewisse Verwandtschaft\nseines Strebens im Schaffen mit den Leistungen derjenigen\nGeister, mit denen er tagtäglich verkehrte und deren in-\nnerstes Wesen er in sich aufgenommen hatte. Diese Ver-\nwandtschaft, die etwas ganz Anderes als Nachahmung ist,\nführte ihn dann hauptsächlich zur Composition von Gesän-\ngen für die Kirche und zeigt sich überall in Inhalt und\nForm derselben.\nEr hat auf diesem Felde ein fruchtbares Talent offen-\nbart und eine ausserordentliche Thätigkeit entwickelt. Die\nKirche verdankt ihm eine grosse Reihe von Werken so-\nwohl für Männerstimmen als für vollen Chor, die alle ohne\nAusnahme die ernste, strenge Richtung und Stimmung\nbewahren und zum Ausdruck bringen, welche der Text\nund der kirchliche Geist verlangen. Wir verweisen beson-\nders auf die Hefte (10 —l2, jedes von mehreren Num-\nmern) geistlicher Gesänge und Motetten für Männerstim-\nmen, Salve Regina und Ave Op. 45,\nter und Ave Maria, Op. 50. Ihnen reihen sich neuerdings\nan die Missa quatuor vocu\nrola Haugh dedicata. Op, 53. Berolini, ap. T. Trautivein\n(M. Bahn)—und die Litaniae,Op. 54, Nr. 111. Diese\nletzte Messe für Soli und Chor ist ein ganz vorzügliches\nWerk, das sich durch die Innigkeit der melodischen Erfin-\ndung und durch die vortreffliche Führung der Stimmen\nauszeichnet. Selten wird man in der engen Lage der Har-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "149", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600505-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1639, "texte": "monie, die selbst bei kundiger Behandlung oft sich selbst\nerdrückt oder nur für das Auge vorhanden ist, eine solche\nKlarheit finden, wie sie hier von Meisterhand erzeugt ist.\nUnter den kirchlichen Gesängen für vollen Chor er-\nwähnen wir unter anderen Psalm 50 für Discant, Alt\nund Bass, Op. 31, Missatrium Op. 47, die Mo-\ntetten u. s. w., Op. 85, 44, 46, 48, 49, Psalm 129,\nOp. 51.\nAber auch der weltlichen Lieder und Gesänge, ein-\nstimmiger und mehrstimmiger (sowohl für vollen Chor als\nfür Männerstimmen) hat Commer eine Menge geschrieben.\nDie neuesten sind: Zwölf Lieder für Sopran, Alt,\nTenor und Bass, Op. 52, Berlin, bei Trautwein (M.\nBahn), wovon das erste Heft (Partitur Sgr., Stimmen\n5 Sgr.) uns vorliegt. Es enthält drei kleine Lieder: „Die\nschöne Maria\" und „Die schönsten Schäfchen\" von Hoff-\nmann von Fallersleben und ein „Weihnachtslied\", die\ndurch ihre Einfachheit und Sangbarkeit sehr ansprechen.\nVon nicht gedruckten, meist für bestimmte Zwecke\noder auf besondere Veranlassungen geschriebenen Wer-\nken führen wir ausser den schon erwähnten Compositionen\nzu Aristophanes' „Fröschen\" und Sophokles' „Elektra\"\nnoch an zwei grosse Can taten für Männerstimmen und\nOrchester: „Der Zauberring\" und „Der Kiffhäuser\"; an\nzwanzig Messen; mehrere Motetten; eine Passions-Can-\nlate für Männerchor; ein Te zum Geburtstage des\nKönigs Friedrich Wilhelm IV. 1848; eine Hymne: „Gott\nist mein Hort\", für die akademische Feier im Jahre 1855.\nVon Instrumentalsachen für Orchester hat Commer, so\nviel wir wissen, nur die Ouvertüre, Entreacte, Chöre und\nBalletmusik zu dem Drama „Clotilde von Monlalvi\" —in\nBerlin aufgeführt—geschrieben.\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-05-05-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-05-05_01#c005", "volume": "bmtnabi_1860-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "149", "page_fin": "150", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600505-01.2.3", "titre_corps": "Alfred Jaell.", "titre_sommaire": "Alfred Jaell.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "149", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600505-01.1.5", "debut_caractere": 1641, "fin_caractere_exclue": 5204, "texte": "Alfred Jaell.\nDie Monate März und April der diesjährigen Concert-\nzeit haben dem berühmten Pianisten eine Reihe von Er-\nfolgen in Paris, den Niederlanden und Norddeutschland\ngebracht, welche an die glänzendsten Zeiten Liszt's erin-\nnern. In Paris hat sein Spiel trotz der Ueberfülle an tüch-\ntigen, zum Theil ausgezeichneten Ciavierspielern entschie-\ndenes Aufsehen gemacht, und die Kritik aller Blätter\nstimmt im Lobpreisen überein. „Seit Rubinstein\" —heisst\nes unter Anderem in der Gas. musicale (vom 11. März)\n„hat kein fremder Künstler hier eine so lebhafte Sensation\nerregt, als A. Jaell. Gewiss haben wir sehr vorzügliche\nPianisten gehört, einige haben auch in diesem Winter\nnoch gediegene und schöne Vorzüge offenbart, allein Kei-\nner hat sich zu derselben Höhe erhoben, Alle liessen etwas\n\\ ollständigeres, Vollendeteres zu wünschen übrig, wo nicht\nin der Technik, doch im Ausdruck, im Reiz und im Stil.\n„Wir wollen nicht erst noch sagen, dass A. Jaell ein\ngewaltiger Spieler ist, dass er Octaven, Triller, Schwierig-\nkeiten der linken Hand mit bewundernswerther Ueberle-\ngenheit ausführt. Wozu das? Er theilt diesen Vorzug mit\nvielen Anderen, die trotzdem weit von dem höchsten Kunst-\nziele entfernt sind, von jener Vollkommenheit, die er, glück-\nlicher oder begabter als sie, endlich erreicht hat. Allein\nw;as wir sagen wollen, das ist, dass er die Taste auf eine\nganz besondere Weise anschlägt, dass er einen ihm allein\neigenen Ton hat, einen mächtigen, weichen, schmeicheln-\nden Ton, einen energischen, ohne spitz und trocken zu\nwerden, einen sanften Ton ohne Verzärtelung. Dieser\nschöne Ton, nach dessen Aneignung die Ciavierspieler im\nAllgemeinen zu wenig streben, gibt ja doch allein dem\nPianoforte Farbe und Leben.\n„Weil er die plumpe und trockene Paukerei und das\nlärmende Durcheinander der Töne vermeidet, sich nicht\ndurch die glänzenden Schwierigkeiten und die koquetten\nLockungen befriedigt fühlt, weil er vor Allem gesucht und\ngearbeitet hat, um allen Tönen Leben einzuhauchen, dess-\nhalb ist Jaell eine Erscheinung für sich und einer der\ngrössten Virtuosen, die wir je gehört haben. Die Jugend-\nlichkeit, die Kraft und das Feuer seines Spiels, durch tiefe\nKunst gemässigt, welche Verirrungen und Uebermaass hin-\ndert und zügelt und dem Vortrage dennoch seine natür-\nliche Leidenschaftlichkeit lässt, das ist es, was man gern\nbewundert und woraus eine grosse Originalität entspringt.\nIn allen Stücken, die er spielt, ist er bald ernst, träume-\nrisch, bald zart und hinreissend, pathetisch, phantastisch,\naber stets rein und Alles dem poetischen und wahren Aus-\ndrucke ohne Effectbascherei opfernd. Gleich sein erstes\nConcert offenbarte sein herrliches Talent in allen seinen\nPhasen. Auch die verbissensten Feinde des Pianoforte\nmussten sich ergeben und gestehen, dass das Instrument\nunter seinen Händen ein ganz anderes sei. Seine Behand-\nlung der hohen Töne verdient auch eine besondere Be-\nwunderung, da er sie ganz ausserordentlich schön zu nu-\nanciren weiss, ohne in affectirte Contraste zu fallen.\"\nIn Holland spielte A. Jaell drei Mal in Amster-\ndam, zwei Mal im Haag, zwei Mal in Kotterdam, fer-\nner in Utrecht, Leyden u. s. w. Es ist das sechste Mal,\ndass Jaell Holland bereis't; seine gegenwärtigen Erfolge\nübertrafen aber alle früheren durch die ausgesuchtesten\nKundgebungen der Sympathie und des Enthusiasmus von\nSeiten der Orchester und des Publicums. Jaell spielte die\nConcerte in Es-dur und C-moll von Beethoven, die so ge-\nnannte Kreutzer-Sonate, Op. 47, in Amsterdam mit F.\nCoenen, in Rotterdam mit Laub aus Berlin, Stücke von"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600505-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2081, "texte": "Bach und Händel (Variationen), von den Neueren Chopin,\nSchumann, Liszt und einige Bravourstücke von seiner Com-\nposition. Die Berichte in den öffentlichen Blättern, na-\nmentlich in der „Allgemeinen Musik-Zeitung Cacilia\",\nstimmen darin überein, dass Jaell wie es z. B. in Nr. 8\nvom 15. April heisst— „seit seiner letzten Anwesenheit in\nHolland als Piano-Virtuose einen höheren Standpunkt er-\nreicht, noch Biesenschritte in seinem Spiel gemacht und\nvor Allem eine höhere künstlerische Weihe im Vortrage\nerlangt hat, was sich namentlich in Beethoven's\nConcert auf eine glänzende Weise offenbarte. Der grosse\nEindruck seines Spiels rief rauschende Kundgebungen der\nBewunderung, Fanfaren u. s. w. hervor.\" —Ferner: „In\nso weit es möglich ist, schien uns das Spiel Jaell's einen\nnoch höheren Grad von Vollkommenheit erreicht zu ha-\nben\";—aus Botterdam, wo „als der Glanzpunkt des zwei-\nten Concertes\" der Vortrag der Sonate Op. 47 mit Laub\neinen gränzenlosen Enthusiasmus hervorrief.\nVon Holland ist Jaell nach Hannover zurückgekehrt\n—bekanntlich hat ihn der König von Hannover zum Hof-\nPianisten ernannt—und hat in Braunschweig am 10.\nund 26. April Concerte gegeben, in welchen der Saal\nüberfüllt war, ja, im zweiten war der Zudrang so gross,\ndass Vielen der Eintritt verweigert werden musste. Im\nersten spielte er mit Unterstützung der Hofcapelle Beetho-\nven's C-wo//-Concert; sein Pult wurde mit Lorbern be-\nkränzt und vom Publicum aus warf man ihm Kränze und\nBlumen zu. Im zweiten Concerte brachte das Programm\nfast nur classische Sachen: Fr. Schubert's Trio in\ndur, Op. 99, Gavotte vonJ.S.Bach, Präludium und Fuge\nvon-~Mendelssohn, Sonate Les Aclieux, Op. 81, von\nBeethoven, Berceuse von Chopin. Die Aufregung des\nPublicums zu begeistertem Beifall war wiederum ausser-\nordentlich. Wir freuen uns, dass unsere aLe Mahnung an\ndie Virtuosen: „Gebt nur der Menge das Gute gut, sie\nwird es euch lohnen!\" —sich durch solche Thatsachen be-\nwährt.'— Für das letzte Sinfonie-Concert der Hofcapelle\nam 1. Mai erfahren wir, dass Schumann's\ncert, von Jaell vorzutragen, auf dem Programm stand."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-05-05-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-05-05_01#c006", "volume": "bmtnabi_1860-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "150", "page_fin": "150", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600505-01.2.4", "titre_corps": "Aus Paris.", "titre_sommaire": "Aus Paris.", "signature_source": "B. Damcke", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600505-01.1.6", "debut_caractere": 2083, "fin_caractere_exclue": 4643, "texte": "Aus Paris.\nB. Damcke.\nDen 20. April 1860.\nDas dritte und letzte Concert, welches Herr Louis\nBrassin vorgestern im Salon Erard gab, hat diesem her-\nvorragenden deutschen Pianisten aufs Neue einen eben so\nglänzenden als wohlverdienten Erfolg eingetragen. Es ge-\nhört ein wahrhaft bedeutendes Talent dazu, verbunden mit\neiner eisernen Beharrlichkeit des Willens, um nicht unbe-\nmerkt zu verschwinden in der unglaublichen Menge der\nhiesigen und auswärtigen Pianisten, welche während der\nganzen Dauer der Concert-Saison auf alle Weise um die\nGunst des Puhlicums buhlen. Brassin hat das Glück ge-\nhabt, schon bei seinem ersten Auftreten entschieden durch-\nzudringen. Der Umstand, dass dieses Auftreten in einem\nder Concerte der jeunes Artistes du Conservatoire Statt\nfand, in denen nur wahrhaft bedeutende Künstler zuge-\nlassen werden, wandte ihm von vorn herein die Aufmerk-\nsamkeit des kunstverständigen Publicums zu. Er spielte das\nConcert in G-moll von Mendelssohn in einer Vollendung\ndes Stils und mit einem poetisch feurigen Schwünge, wie\nman es hier vielleicht noch nie gehört halte, und wurde\nvon einem in der Regel mit Beifallsbezeigungen äusserst\nkargen Publicum mit lautem und einstimmigem Enthusias-\nmus anerkannt. Nun folgten seine eigenen Concerte, in\ndenen er als im höchsten Grade brillanter, geist- und\nschwungvoller Virtuose, als glücklich begabter Componist\nund als durchaus solider und der edelsten Richtung fol-\ngender Künstler die glänzendste und allgemeinste Aner-\nkennung fand. Die letztgenannte Eigenschaft Brassin's hat\nganz besonders zu seinem ungewöhnlichen Erfolge beige-\ntragen. Denn auch in Paris tritt ein Umschwung in der\nGeschmacksrichtung des Publicums immer deutlicher her-\nvor ; fast könnte man sagen, dass die gute Musik anfängt,\nMode zu werden. Selbst ganz gewöhnliche Virtuosen hal-\nten es für nothwendig, eine Sonate oder ein Trio von Mo-\nzart, Beethoven oder Mendebsohn in ihr Programm auf-\nzunehmen. Gewinnen auch die Werke der Meister nicht\nimmer dadurch, so ist doch die Sache bedeutungsvoll und\nwichtig. Brassin, ein Zögling des würdigen Meisters Mo-\nscheies, ist vorzugsweise berufen, Propaganda für die gute\nMusik zu machen, und hat diesem ehrenvollen Berufe hier\nauf das schönste genügt. Er wird nächsten Winter wie-\nderkehren, um, einer vielfach an ihn ergangenen Aufforde-\nrung genügend, hier einen Cyklus von Kammermusik-\nSeancen zu veranstalten.\nVon L. ßrassin erscheinen hier bei G. 13randus &\nD u fo u r: Barcarolle, Serenade, Galop fantastique, Bluette,\nLe Ruisseau, Au bord de la mer, dorne Etudes de\nConcert."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-05-05-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-05-05_01#c007", "volume": "bmtnabi_1860-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "150", "page_fin": "151", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600505-01.2.5", "titre_corps": "Beurtheilung.", "titre_sommaire": "Beurtheilung.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600505-01.1.6", "debut_caractere": 4645, "fin_caractere_exclue": 5025, "texte": "Beurtheilung.\nPraktische Schule für das einfache und chromati-\nsche Horn von Karl Klotz. Mit deutschem, englischem\nund französischem Texte. Op. 11. Verlag von Joh. Andrd\nin Offenbach a. M.\nDer Verfasser, gegenwärtig Hofmusiker Sr. Hoheit des Fürsten\nFriedrich Wilhelm Konstantin von Hohenzollern-Hechingen, welchem\nerlauchten Beschützer und Kenner der Musik auch vorliegendes Werk"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600505-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6907, "texte": "ckdicirt ist, hat als Virtuose einen in Deutschland und darüber hin-\naus rühmliehst bewährten Namen. Schon 1853 sprach Reilstab in\nder Yossischen Zeitung seinen vollen Beifall aus über den schönen,\nbiegsamen Ton, den seelenvollen Ausdruck und die sichere Beherr-\nschung seines schwierigen Instrumentes. In lebhafter Erinnerung\nstehen wohl noch die höchst günstigen Beurtheilungen, die während\nder in den letzten zwei Jahren Statt gefundenen Kunstreisen des\nVerfassers in Süddeutschland die Kritik mit einer seltenen Einmü-\nthigkeit seinen Leistungen zu Theil werden liess.\nDennoch haben wir nicht ohne einige Befürchtungen vorliegendes\nWerk zur Hand genommen. Denn die Erfahrung hat genugsam be-\nwiesen, dass selbst die ausgezeichnetsten Meister eines Instrumentes\nvollständig an der Aufgabe scheiterten, einen wirklich praktischen\nund zweckentsprechenden Lehrgang für die Behandlung ihres Instru-\nmentes zu entwerfen. Unsere vorgefassten Bedenken jedoch haben\nwir zu unserer Freude nicht gefunden.\nHier ist nichts von jenem Breittreten der Theorie, von jenem\nKunstphilosophiren (rectius Kaisonniren), von dem haarspaltenden\nDistinguiren, kurzum, von jenem Subtilitäten-Cultus, der solche Lehr-\ngänge bei verhältnissmässig wenig Noten zu dickleibigen Folianten\nanschwellen lässt, in denen selbst die prononcirteste Kunstliebe und\nKunstbegabung eines Jüngers ermattet und selbst der redlichste\nWille missmuthig die Hoffnung aufgibt, durch das Labyrinth hin-\ndurchzudringen, weil man in des Sprüchwortes eigenster Bedeutung\nden Wald vor lauter Bäumen nicht sieht.\nHier sind klar und bestimmt ausgesprochene Zwecke, auf die\nohne allen überflüssigen rhetorischen Aufwand schnurstracks losge-\nschritten wird und die mit dem genügend vorhandenen praktischen\nStoffe auch bald erreicht werden können.\nDer Verfasser hat es für nothwendig gehalten, in einem Vorworte\ndie Herausgabe seiner Hornschule zu rechtfertigen, und er wird die\nallgemeinste Zustimmung finden, wenn er die vorhandenen Lehrgänge\nvon Duvernoy, Dauprat, Fröhlich u. s. w , ohne ihre früheren Ver-\ndienste um die Bildung von Hornisten schmälern zu wollen, doch in\nRücksicht auf die seitdem unendlich höher entwickelte Technik und\ndie um desswillen gesteigerten Anforderungen an dieses Instrument\nfür unzureichend erklärt. Dabei geht aber seine Schule von dem\nganz richtigan Grundsätze aus, dass das chromatische Horn nur aus\ndem Bedürfnisse hervorgegangen ist, Töne, die auf dem einfachen\nHorn nur durch Stopfen zu ermöglichen sind, auch ohne das störende\nDua, Dua hören zu wollen. Darum wird im vorliegenden Lehrgange\nnirgends der organische Zusammenhang des chromatischen Hornes\nmit dem einfachen geläugnet, im Gcgentlieil dringt der Verfasser mit\naller Entschiedenheit darauf, dass der Schüler mit dem einfachen\nHorn beginne und dieses Instrument erst vollständig zu beherrschen\nwisse, ehe er zur Erweiterung seiner Fertigkeit das Ventilhorn zur\nHand nehme.\nWas nun die Methodik des Lehrganges und die Vertheilung des\nUnterrichtsstoffes anlangt, so iässt sich nur Rühmliches davon sagen.\nBei der schon oben anerkannten Einfachheit des theoretischen rl hei-\nles und dem prägnanten und concisen Ttxte schreiten die Anforde-\nrungen an den Schüler so logisch und weislich abgemessen vor, er-\nfolgt das Einführen .in die dem Hornkünstler nothwendigen Erforder-\nnisse so stufenweise und organisch gegliedert, dass man zuversicht-\nlich behaupten darf, es werde ein Schüler, der nach vorliegendem\nWerke seine Ausbildung beginnt, auch keinen Augenblick die nöthige\nLust und Energie verlieren. Auf jeder Stufe übersieht er klar die\ngewonnenen Resultate und findet praktischen Stoff genug, um einer-\nseits sie zur Anwendung zu bringen, andererseits sich an ihnen zu\nerfreuen, ein Erforderniss, auf das viele andere Schulen, z. B. die\nsonst verdienstliche Fröhlich'sche, viel zu wenig Rücksicht genom-\nmen haben.\nDie ersten Uebungen bis S. 17 erzielen vornehmlich einen festen\nAnsatz, Ausdauer der Lippen, sichere Intonation, später den geläu-\nfigen Zungenstoss und den Wechsel der Höhe und Tiefe ohne Ver-\nrückung des Mundstückes, wobei nach und nach der Umfang der\nUebungen bis auf drei Octaven erweitert wird. Hierauf wird nach\nEinführung der gestopften Töne durch instruetive Uebungen auf die\nso nöthige Biegsamkeit des Tones, auf ein ebenes, glattes Verbinden\nder Töne hingearbeitet, dem zum Schlüsse die Trillerbildung folgt.\nNach allem diesem erst darf der Schüler zum chromatischen Horn\ngreifen, auf dem er jetzt nur noch neben der Handhabung der Ven-\ntile die ebenmässige Tonbindung zu cultiviren hat, die freilich durch\ndie Ventile mit ihrem theilweisen Abschneiden des Luftstromes we-\nsentlich erschwert wird. Durch die vorangegangenen Uebungen je-\ndoeh ist der Schüler schon befähigt worden, leicht und schnell um\ndiese Klippe zu schiffen, und die nachfolgenden Scalen und Uebungs-\nsätze vollenden den Ausbau der nothwendigen Fertigkeit. Wie es\nsich bei einem so trefflichen, durchdachten Werke wohl von selbst\nversteht, geht allen Stufen die erforderliche Anleitung und Uebung\nin Dynamik und feiner Nuancirung nebenher. Den Beschluss des\nGanzen machen sechs grössere Etüden, zum täglichen Studium be-\nstimmt, von denen wir als besonderen Vorzug erwähnen müssen, dass\nnicht jede einzelne auch nur eine einzelne Seite der Virtuosenbildung\nin Anspruch nimmt, sondern möglichst alle Resultate der durchge-\narbeiteten Hornschule umfasst und dieselben erhält und befestigt.\nSomit gebührt diesem trefflichen Werke, das eben sowohl die Frucht\nreiflichen Durchdenkens und reicher Erfahrung, wie auch einer siche-\nren und glänzenden Technik ist, die Bezeichnung „praktische Schule\"\nmit vollem Rechte, und ist dasselbe nicht bloss jedem Hornschüler,\nsondern namentlich auch Conservatorien und anderen Musik-Institu-\nten dringend zu empfehlen. Dem verehrten Verfasser sagen wir aber\nausserdem noch unseren Dank dafür, dass er durch dasselbe offen-\nbar zur Ehrenrettung des noch sehr verkannten chromatischen Horns\nwesentlich beigetragen hat; denn wir werden nunmehr mit Hülfe\nseiner Schule gediegene Hornisten erzielen, die nicht, wie man jetzt\nund leider oft mit Recht sagen hört, „nur hinter die Trommel ge-\nhören.45\nMöge der Verfasser, der seine Befähigung glänzend nachgewiesen\nhat, die im Ganzen noch arme Horn-Literatur durch Herausgabe\nneuer, für den öffentlichen Vortrag berechneter Sachen fernerhin\nauch bereichern l\nWir kennen in dieser Beziehung seine im vorigen Jahre edirte\nRomanze für Horn mit Clavier-Begleitung: „Das Wiedersehen®, Op.\n2, und machen auf diese sehr gefällige und höchst brillante Salon-\nPiece hiermit aufmerksam.\nDie Verlagshandlung Andre in Offenbach hat in der ihrem alten,\nbewährten Rufe entsprechenden Weise für eine würdige äussere\nAusstattung Sorge getragen.\nWir brauchen zum Schlüsse dem Werke nicht, wie sonst üblich,\nFreunde zu wünschen, da wir uns überzeugt haben, dass es solche\nsich selbst zu machen im Stande ist."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-05-05-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-05-05_01#c008", "volume": "bmtnabi_1860-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "151", "page_fin": "152", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600505-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600505-01.1.7", "debut_caractere": 6909, "fin_caractere_exclue": 7632, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nAm Montag den 30. April fand eine „Musi calisc h e\nSoiree des kölner Conservatoriums* im neuen Locaie des-\nselben Statt. Warum der frühere, weit richtiger bezeichnende Name\ndessen, was man zu erwarten hat, nämlich „Prüfungs-Concert®,\nnicht beibehalten worden, wissen wir nicht. Da das Conservatorium\nnicht bloss Schüler, sondern auch Lehrer hat, so gibt der jetzt ge-\nwählte Titel zu Missverständnissen Anlass. Also als „Prüfung* ge-\nnommen, gab dieselbe recht erfreuliche Resultate. Ein Sinfoniesatz\nvon Hay.dn zeigte ein recht präcises Zusammenspiel und ganz tüch-\ntige Geiger, von denen sich auch Max Molberg mit etwas zu\nschwierigen, aber fleissig studirten Variationen von David, und G."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600505-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3126, "texte": "Krill mit dem rechtbefriedigenden Vortrage von Ernst's Othello-\nPhantasie als Solisten producirten. Zwei Sätze (Adagio und Fi-\nnale) aus einem Clavier-Trio von Aug. Grüters, von ihm selbst\nvorgetragen, bekundeten von Neuem das Talent des jungen Mannes.\nWir halten jedoch, wenn Bruchstücke einer neuen Composition zu\nGehör gebracht werden, den Hauptsatz eines Trios für die Beurthei-\nlung wesentlicher, als die zwei letzten. Miss Green zeigte sich\nim Vortrage von Mendelssohn's Capriccio als eine gewissenhafte Cla-\nvierspielerin; W. Lak spielte das Andante und Finale aus Mendels-\nsohn's D-mo 7-Concert recht brav; eben so E. Kays er den ersten\nSatz des G-dur-Yxios (Op. 1) von Beethoven.\nFür Gesang hat das Conservatorium jetzt zufällig nur Schülerin-\nnen, keine Schüler. Prof. Böhme war also in der Wahl von En-\nsemblestücken beschränkt, führte indess zwei Soli mit Chor von\nweiblichen Stimmen auf, die beide sehr ansprachen und recht hübsch\nausgeführt wurden, eine Scene aus Joh. Amad. Naumann's (1741—\n1801) Oratorium „Davide in Terebintou und Fr. Schuberts reizendes\nStändchen für Sopran-Solo und weiblichen Chor. Die Solosängerin-\nnen, Fräul. J. Niethen— David (Alt) und Fräul. P. Wiese-\nmann, bekundeten beide eine treffliche Schule und gingen auch mit\nder Stimme kräftiger heraus, als früher. Fräul« Elise Saart sang\ndie schöne Arie der Michal aus Hiller's Saul mit recht ausdrucks-\nvollem Vortrage.\nDresden» Am 21. April wurde hierselbst von der Dreissig'-\nschen Sing-Akademie unter Leitung des Musik-Directors Herrn A.\nReichel Haydn's aufgeführt. Dieses so allbekannte,\noft gehörte Werk, ein schöner Lobgesang der Kunst an die Natur,\nist selbst eine Schöpfung voll Frühlingskraft und Lebenslust, eine\nTongestalt von normaler Gesundheit. Wiederum drang die Frische\nder Musik belebend in jedes Hörers Brust und befreiend in die\nKunst-Atmosphäre, welche durch so manche nebelhaft schwankende\nund zukünftelnd krankende Gebilde der Neuzeit bedrückt wird. Die\nSoli hatten aus Gefälligkeit übernommen Frau Sophie Förster,\nHerr Hof-Opernsänger Schloss und Herr Gregor. Erstgenannte\nSängerin, rühmlichst bekannt und im Besitz einer wahrhaft gediege-\nnen Stimmenbildung, führte beide Sopran-Partieen (Gabriel, Eva)\nvorzüglich gelungen und ohne die geringste Erschöpfung durch. Ihr\nVortrag, jederzeit und auch heute von poetischer Auffassung beseelt,\ngereichte der ganzen Aufführung zu besonderem Schmuck und Glanz.\nDie Künstlerin vereinigt getragene Töne so wie flüssige Coloratur\nin correcter Technik und vermag hiermit um so freier und begei-\nsternder ihre durchdachte Betonung darzustellen. Anmuth und Reiz,\nInnigkeit und Schwung charakterisirten sämmtliche Gesänge von Frau\nFörster, und ausserdem kam die wohlthuende Deutlichkeit der Aus-\nsprache bei ihr zur vollsten Geltung. Die Partie des Uriel schien\nHerrn Schloss besonders zuzusagen und wurde auch mit vieler Em-\npfindung repräsentirt Herr Gregor, welcher den Raphael sang, verbin-\ndet mit einer von Natur klangvollen, umfangreichen und bildsamen\nBassstimme Sicherheit und Sorgfalt, welche Eigenschaften sein Wei-\nterstreben aufs beste fördern werden. L. N., geb. K."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "145", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600505-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nFranz Commer 11. (Musica sacra und neue Folge derselben Canlica sacra Collectio operum Musicor. Ba-\ntavor. T. XII. Compositionen Missa IV vocum, Op. 53 Zwölf Lieder, Op. 52). Von L. B. Alfred Jaell (Kunstreisen in\nder letzten Saison). Aus Paris (Louis Brassin). Beurth eilung (Praktische Schule für das einfache und chromatische Horn von K.\nKlotz. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Musicalische Soiree im Conservatoriuin Dresden, Sing-Akademie).\n\nFranz Commer.\n\nII.\n(Vgl. Nr. 18.)\nDen Anfang zur Herausgabe von Kirchenmusik\nälterer Meister machte F. Commer mit der et\nvoci (2 Ten. e B.) di Giamb. Martini (Berlin, bei\nCrantz gegenwärtig in den Verlag von Wihstling in\nLeipzig übergegangen), dem berühmten „Pater\" in Bo-\nlogna (1706 1784).\nHierauf folgte die Musica Sacra, eine ins Grosse an-\ngelegte Sammlung, von welcher vier Folio-Bände bei Bote\nund Bock in Berlin erschienen sind. Der erste enthält Or-\ngelwerke, der zweite Gesänge für 2, 3 und 4 Män-\nnerstimmen, der dritte vier- bis achtstimmige Chorgesänge,\nder vierte Gesänge für eine Altstimme mit Begleitung des\nPianoforte.\nIn Tomus I.finden wir Präludien, Fugen, Phanta-\nsieen, Toccaten, Trios u. s. w. für die Orgel von J. S.\nBach (4 Nummern), Nie. Bruhn (2), Buxtehude (1), Do-\nbenecker (2), J. E. Eberlin (1716 —1776, 21 Toccaten\nund Fugen), Frescobaldi (13), J. Froberger (1), Claud.\nMerulo (Claudio di Correggio, 1532 —1608), Muffat (1),\nJoh. Pachelbel (96), J. G. Walter (7 Trios), F. W. Za-\nchau (1) und ein Choral-Trio von unbekanntem Meister.\nDas Vorwort gibt kurze biographische Notizen.\nTomus IL Mus. sacra XVII. ent-\nhält einen Schatz von Kirchengesängen für Männerstim-\nmen, in welchem denjenigen Gesang-Vereinen, die noch\nSinn für ernste Musik haben, eine unerschöpfliche Fund-\ngrube zu Gebote steht. Sie finden darin eine Messe für 2\nTenöre und Bass von Carnazzi; von Cordans 2 zwei-\nstimmige (T. u. B.) und 1 dreistimmige Messe; ferner 5\ndreistimmige Gesänge {Jesu Salvator, Domine Jesu, Alme\nDeus, Parce Domine, Adoramus te); von Durante ein\n/Salve Regina für 2 Bässe und eine dreistimmige Messe;\nFabio, dreistimmiges Miserere; Gallo, dreistimmiges\nDomine; Giacomelli, dito; Gumpeltzhaimer, vier-\nstimmiges „Jesu, Dir sei ewig\"; Casp. Kerl, Dominus\nregnavit für 4 Bässe; Legre nzi, dreistimmiges\nminus; Lotti, Messe für Tenor und Bass, Vere langwr.,\ndreistimmig, Laudate pueri für Tenor und Bass; Ma-\nstioetti, Terribilis est locus, dreistimmig; Menegali,\ndreistimmiges Ave Regina; Palestrina, vierstimmiges\nQuocumque pergis; L. Vittoria, vierstimmiges Popule\nmeus. Das Vorwort enthält biographische Notizen und\nBemerkungen über die Notation in den älteren Gesang-\nwerken.\nTomus 111 Hier finden wir eine Sammlung von\nMeisterwerken des XVI. und XVII. Jahrhunderts für vier-\nbis achtstimmigen Chor.— Vierstimmig. Joach.\na Burgkh, „Was kränkst du dich\"; Caldara, Regina\ncoeli; Palestrina, Nos autem gloriari; M. Prätorius,\n„Mein' Eltern mich verlassen hau\"; H.Schütz, „Wer will\nuns scheiden\"; J. Walter, „Allein auf Gottes Wort\".\nB.Fünfstimmig. And. Hammerschmidt,\nmine Jesu;Giov. Legrenzi, und\nRegina; Palestrina, 0 crux ave, spes unica.\nC.Sechsstimmig. Hammerschmidt, „Schaff' in mir,\nGott\"; Schütz, „Die Himmel erzählen\" und „Das ist ge-\nwisslich wahr\".\nD. Siebenstimmig. J. Ga brie I i, Benedixisii Domine.\nE. Achtstimmig. Leon. Leo, Psalm 50: Miserere\nmei; J. Pachelbel, „Tröste uns Gott\" und „Singet dem\nHerrn ein neues Lied\"; AI. Scarlatti, Tu\nTrefflicher Stoff für Gesang-Vereine und Aufführung\nkleinerer classischer Chorgesänge in Concerten.\nDer Tomus IV. enthält 25 Arien für eine Altstimme,\ndarunter seltnere von Hasse, Jomelli, Lotti, Pergolese,\nRolle, Telemann u. s. w.\nWir bemerken hier ein für alle Mal, dass alle von\nF. Commer herausgegebenen Werke der alten Meister nach"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "146", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600505-01.1.2", "texte": "den Original-Handschriften und den Original-Drucken be-\narbeitet sind. In späteren Sammlungen, die theils ohne,\ntheils mit Namen der Herausgeber erschienen sind, haben\nwir mehrmals Nummern gefunden, die ohne Angabe der\nQuelle aus den Commer'schen Ausgaben genommen waren.\nGegenwärtig setzt nun Commer diese\nmit unermüdetem Fleisse fort. Es werden fernere vier\nBände als neue Folge im Verlage der Trautwein'schen\nMusikhandlung in Berlin erscheinen, wovon der erste in\ndiesen Tagen ausgegeben werden wird. Sie werden lauter\nmehrstimmige Gesänge für vollen Chor enthalten, und es\nwerden nur solche Stücke aufgenommen, welche bis\njetzt noch nicht im Druck herausgekommen\nsind; alle sind von Commer nach den Originalstimmen,\ndie beinahe sämmtlich in seinem Besitze sind, in Partitur\ngesetzt. Mit grossem Vergnügen erfahren wir so eben durch\nzuverlässige Privat-Mittheilung, dass der Cultus-Minister\nHerr von B etil mann-H 01l weg fünfzig Exemplare\nnimmt, eine wahrhaft grossartige Unterstützung des Un-\nternehmens.\nDieser erste Band enthält sechs grosse Messen\nvon Orlandus Lassus, zwei acht-und vier sechsstim-\nmige.— Der zweite Band wird bringen: eine lateinische\nPassion von Lassus, eine deutsche: „Das Leiden un-\nseres Herrn Jesu Christi\" nach dem Evangelium Johannis\nvon Barthol. Gese (um 1600), Te Deum von Lassus,\n„Herr Gott, Dich loben wir\" von Vulpius, Miserere von\nLotti, sechs deutsche figurirteChoräle von Lassus, Mo-\ntetten von Palestrina.—Der dritte und vierte Band wer-\nden Vigilien von Lassus, Motetten von Schütz, Vulpius,\nPrätorius, Lamentationen von Palestrina, Allegri u. s. w.,\nlauter Werke der besten Meister aus der deutschen und\nitaliänischen Schule enthalten.\nEin zweites Werk sind die Samm-\nlung geistlicher Arien aus dem XVI.—XVIII. Jahr-\nhundert. Nach den Original-Partituren und mit Begleitung\ndes Pianoforte eingerichtet. Zwei Bände in Folio. Berlin,\nTrautwein'sche Verlagshandlung. Der erste Theil ent-\nhält 25 Arien für eine Sopranstimme, eine sehr gute\nAuswahl, die fast lauter wenig bekannte Stücke berühmter\nMeister darbietet. Auszeichnende Empfehlung verdienen:\nAstorga, „iSancta mater\"; J. S. Bach, „Qui tollis peccaia\"\nin H-moll; Händel, „Er ist der Herr, der schaltet im Meer\"\naus Psalm 27 in C-moll(prächtig), und „Erhebet hoch\nden Herrn\" aus Psalm 95; Jomelli, „Deo patri glo-\nriau; Hasse, „Judex crederisesse\",und drei ganz vorzüg-\nliche und durch den Stil, der den Uebergang zu Haydn\nund Mozart bildet, merkwürdige Becitative und Arien aus\nC. Phil. Em. Bach's Oratorium „Die Israeliten in der\nWüste\". Bei gutem Vortrage wird jede Sängerin in heu-\ntigen Concerten damit Wirkung machen und zugleich\netwas Neues bringen!\nDer zweite Theil enthält 25 geistliche Arien für eine\nBassstimme. Auch hier ist die Auswahl gut. Sie gibt\nmehrere Arien aus Oratorien von Händel, die freilich auch\nsonst leichter zugänglich sind, was jedoch bei dem herr-\nlichen Largo aus Belsazer in „0 heiliger Wahr-\nheit Wort\", weniger der Fall ist. Ein schönes\nDeusin Fis-mollvon J. S. Bach und dessen pastorales „Du\nglückliche Herde\" in D-dur(Cantate: „Du Hirte Israel\"]\nfindet man hier. Sehr merkwürdig sind aber die zwei Arien\naus Bolle's Oratorium „Lazarus\" (Nr. 10 und Nr. 12),\nvon denen besonders die erste in die wir heutzu-\ntage eine Scene nennen würden, höchst charakteristisch\nund effectvoll isl. Dasselbe ist von den zwei Arien für einen\ntiefen Bass aus Bosen m ü ller's in\nzu rühmen (Nr. 18 und 20); die erste: „Domine, ne in\nfurore tuo arguas meu, ist erschütternde Wahrheit einer\nzerknirschten Sünderstimmung. Und welche Wirkung\nkönnte ein klangvoller Bass mit diesen Sachen erzielen!\nAber die Herren haben ja Meyerbeer's „Mönch\" und\nHölzl's „Thränen\"!\nDas grösste Sammelwerk ist drittens die Collectio\nOperum Musicorum Batavorum SaeculiXVl. Edid.\nFr. Commer. Sumptibus societatis Batavae ad Musicam\npromovendam. Tom. I.—IV Berlin, bei Trautwein. Tom.\nV.— VIII. bei Schott in Mainz. Tom. IX.—XII. bei\nTrautwein in Berlin. AmsterdÄn, bei Eck und Lefebvre\n(Boothaan).\nDieses Werk ist mit unendlichem Fleisse und ge-\nnauester Sorgfalt bearbeitet; die Quellen desselben 35\nältere seltene Sammlungen sind im Vorworte zu Tom.\nXII. angegeben, die Ansichten und Grundsätze, welche\nden Herausgeber geleitet haben, theilt die Vorrede zum\nVIII. Bande mit.\nDie Collectio enthält nur mehrstimmige Gesänge ohne\nBegleitung, von 32 niederländischen Componisten, zusam-\nmen 170 Musikstücke, die dreistimmigen Souter liede-\nhens, welche den ganzen XI. Band füllen, nicht inbegrif-\nfen. (Vergl. Niederrh. Musik-Zeitung, VII. Jahrg., Nr. 8.\n19. Februar 1859.)\nAm reichsten vertreten sind: Jac. Clemens non Papa\nmit 42 geistlichen Gesängen mit lateinischem Texte und\nden beinahe 200 auf die Psalmen angewandten Souter\nLiedekens(weltlichen Liedern) mit niederländischem Texte.\nChristian Holländer mit 25 Gesängen, darunter\nein merkwürdiger achtstimmiger Hymnus,\ntes\", u.s. w. auf Oesterreich (Hollander war Capellmeister\nbei Kaiser Ferdinand 1., 1556 —ls64).—Josquin des\nPres mit 11 geistlichen und 3 weltlichen (fünf- und sechs-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "147", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600505-01.1.3", "texte": "stimmigen) Gesängen, letztere mit französischem Texte.—\nOrlandus de Lassus mit 17 geistlichen und 2 weltli-\nchen Stücken, letztere auf französische und italiänische\nWorte. D om.Phinot mit 4 achtstimmigen Kirchenge-\nsängen.—Jac. Vact mit 22 Kirchenstücken, darunter ein\nachtstimmiges Te Deum [Tom. und ein prachtvolles,\nebenfalls achtstimmiges Salve\nAdrian Willaert mit 4 geistlichen Gesängen, wovon\ndrei achtstirnmig, u. s. w.\nWenn man den reichen Inhalt dieser zwölf Folianten\nbetrachtet und dann im Vorworte zum letzten Theile lies't,\ndass die niederländische Gesellschaft (die sich durch die\nHerausgabe der Collectio ein höchst ehrenvolles patrioti-\nsches Denkmal gesetzt hat), von Franz Commer noch das\nManuscript zur Fortsetzung der Sammlung bis\nzum 20. Bande besitzt und dass in seinem eigenen Be-\nsitze das Material bis zum 30. Bande ebenfalls zum\nDrucke geordnet ist, so wird man erstaunen und sich\nüberzeugen, dass der Ausdruck der hohen Achtung und\nwarmen Anerkennung Commer's, den wir in voriger Num-\nmer niedergelegt haben, noch lange nicht seinem Ver-\ndienste entspricht.\nUnd wie schreibt das neueste „Universal-Lexikon der\nTonkunst\" von Ed. Bernsdorf Geschichte der Musik und\nBiographie der Künstler?—Man höre: „Commer, Franz,\ngeb. 1813 in Köln, Musik-Director in Berlin, hat sich\nnamentlich durch die Herausgabe von Musikwerken aus\nder niederländischen Schule bekannt gemacht.\" Das ist\nAlles!\nWir ergreifen die Gelegenheit, den XII. Band der\nCollectio, den wir noch nicht angezeigt haben, beson-\nders zu besprechen.\nIn ihm haben wir einen unschätzbaren Beitrag zur\nGeschichte der ausserkirchlichen Gesangmusik des\nsechszehnten Jahrhunderts. Er enthält 32 mehrstimmige\n(3-, meist 4-, 5- und östimmige) weltliche Gesänge\nmit den französischen Original-Texten, lyrische Ergüsse\nder Liebe und Sehnsucht, der Schäkerei und Galanteric,\ndes Humors und der geselligen Heiterkeit. Wir sehen hier\ndie trefflichen alten Meister, die wir uns gewöhnlich nur\nim Talar oder in der Stola vorstellen, im Barett mit schwan-\nker Feder und dem fliegenden Mantel vor Liebchens Fen-\nster, oder in der freien Natur, oder in lustiger Kumpanei.\nNur ein Lied mit lateinischem Texte hat sich unter die\nmunteren belgischen gewagt (Nr. 30 von Cyprian de\nRore) und tritt sogar recht gravitätisch mit vier Bässen\nauf. Was ist's? Des alten Catullus Klagelied an die Muse\nüber die grausame Lesbia!\nEs finden sich achtzehn Meister vertreten, unter ihnen\nJosquin des Pres, Clemens Jannequin, Jac. Clemens\nPapa, Arcadelt, Orl. Lassus u. s. w.—Unter den empfin-\ndungsvollen Liedern der Liebe sind gar manche von inni-\ngem einfachem Ausdruck; mit richtigem ästhetischem Tact\nsind sie meistens homophon, während in den naiven, ga-\nlanten, heiteren und humoristischen Gesängen die mannig-\nfachste und oft echt komische Polyphonie ihr Wesen treibt.\nJosquin des Pres z.B. gibt ein sechsstimmiges Lied auf:\nPetite camusette,\nA la mort m'avez mis.\nRobin et Marion\nS'en vout au bois joly;\nIis s'en vont bras ä bras,\nIis se sont endormis.\nDann ein allerliebstes, ebenfalls sechsstimmiges mit komi-\nschen canonischen Imitationen:\nBasiez (baisez) moy\nMa douce araye\nPar amour je vous em prie!\n— „Et non feray.\" — Et pourquoy? —\n„Si je faisoie la folie,\nMa mere en serait marrie,\n\\ ' , 4\nVelä de quoy!\"1 *\nVon Jac. Clemens finden wir eine vierstimmige War-\nnung an die jungen Mädchen von fünfzehn Jahren, nicht\nmehr an den Brunnen zu kommen, weil sie zu reizend wä-\nren (Entre vous, jeunes fittes\nla fontaine u. s. w.); ferner ein komisches Trinklied:\nLa, la, maistre Pierre,\nLa, la, buvons donc*\nEn revenant de Nanterre\nJe m'assis sur une pierre,\nAupres' de moi un flacon.\nA ce flacon fis la guerre\nEn mangeant d'un gras jambon,\nLa, la, buvons donc!\nBeide haben dem Orl. Lassus so gut gefallen, dass er zwei\nMessen darauf componirt hat! (Orl. Lassi Liber missar.\nNorimbergae, 1580.) Singt er doch selber (Nr. 31, vier-\nstimmig) :\nSi je suis brun et ma couleur trop noire,\nCe n'est pas merveille, s'on nie veut croire:\nCar comme Phebus me hale par dekors,\nAinsi me brule Cupido dans le Corps.\nSehr hübsch und komisch ist von Joan. le Cocq der in\nvielen Sprachen verbreitete Volksschwank von dem Vicar\nund der jungen Bäuerin vierstimmig componirt (Nr. 10). Er\nsingt ein Agnus, und Annette weint, davon ergriffen. Warum\nweinst du, mein Kind?\nAh, Messire Jan, si dit-elle,\nJe plore un asne (ane) qui m'est mort\nQui avait la voix toute belle\nQue vous quant vous criez si fort.\n\n[*J"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "148", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600505-01.1.4", "texte": "Am interessantesten auch in der Beziehung auf das\nSprüchwort: „Nichts Neues unter der Sonne!\" —dürften\nvier grössere humoristische Compositionen sein:\ncle Paris, vierstimmig von Clem. Jannequin (Nr. 1., 11\nSeiten)— le chant des Oiseaux,dreistimmig (Sopran, Alt,\nBass) von Nicol. Gombert (Nr. XXVII., 7 S.)—\niaille, fünfstimmig von Clem. Jannequin (Nr. XXVIII.,\n19 S,) und La Chasse de vierstimmig von dem-\nselben (Nr. XXIXV 15 S.).\nIn Nr. I. rufen die Stimmen der Strassenverkäufer von\nParis auf eine harmonisch complicirte, keineswegs leicht\nzu singende Weise durch „einander:\nVin blane, vin cleret, tartelettes,\nlait, nie de la harpe, mes h\nalumettes, prumeaux de St. u. s. w. Der Tact\nwechselt häufig zwischen % und %•\nIn dem dreistimmigen Nr. 17 lassen sich eine Menge\nVogelstimmen hören: farely,\nchou chou, thouy thouy, tar tar, tu tu, turry, lara u. s.w.,\nund das Ende macht der co\ntraitre u. s. w. cum gratia in\nDas tollste Gewühl komischer Polyphonie wird in der\nBataille (Nr. 28) von Clem. Jannequin laut, ausgeführt\nvon Discant, Alt, zwei Tcnören und Bass. Im Anfang geht\nes noch ziemlich vernünftig her:\nEcoutez tous gentils Galloys\nLa victoire du noble roy Franqois!\nWenn aber zum Angriff gepfiffen, geblasen und getrom-\nmelt wird, so vergehen einem Hören und Sehen, und von\neinem zahlreichen Chor gesungen, würde dieses Stück die\närgsten Realisten und pittoresken Tonselzer unserer Zeit\nzwar entzücken, aber auch übertreffen. Die Trommeln:\nhald in einer, bald in beiden Oberstimmen, dann wieder\nin den drei Unterstimmen; die Trompeten bald:\ndas avant! Avant! das grobe Geschütz mit von von und\npon pon in ganzen und halben Noten, dazwischen das Pe-\nlotonfeuer mit patipaloe patipain schnellen Vierteln,\ndas Avanciren in aulsteigenden Tonleitern mit trarirarira-\nrira und farirari la la la la pon, pon, endlich das Ge-\nmetzel mit cldppe choppe tricque trac choc ä mort pati-\npaioc und endlich der Ruf\ncis—das alles durch einander mit oft wechselndem Rhyth-\nmus macht einen Heidenlärm und bloss durch Menschen-\nstimmen ohne Ratschen und Böller.\nEin Gegenstück dazu ist die „Hasenjagd\" oder viel-\nmehr Hasenhetze, da die Hunde eine grosse Rolle darin\nspielen (Nr. 29, vierstimmig, ebenfalls von Cl. Jannequin).\nEs ist nicht so künstlich gemacht und mithin auch nicht\nso schwierig, als die „Schlacht\", und obwohl die Hunde\nabwechselnd mit her, her! theue gnouf,\nplif, cha cha! u. s. w. angerufen werden, so geht es doch\nnicht allzu wild her. Der Aufruf an die Jäger, das Durch-\ngehen des schlauen Hasen, der Schluss mit dem Trunk\nauf das edle Waidwerk bilden ein recht heileres und mu-\nsicalisch hübsch wiedergegebenes Gemälde.\nEs erinnern diese grösseren und mehrere von den klei-\nneren Stücken in diesem Bande an die Jagdstücke und\nGenrebilder der niederländischen Maler aus derselben Zeit,\neines Snyders, Teniers, Adrian von Ostade u. s. w. Es\nherrscht da in der weltlichen Gesangmusik wie in der Ma-\nlerei ein gesunder Naturalismus vor.\nWerfen wir nun noch einen Blick auf Franz Commer\nals Componisteu, so finden wir bei ihm, übereinstimmend\nmit seinen literarisch-musicalischen Beschäftigungen, die\nRichtung und Anwendung seines Talentes auf Vocalrnusik\nvorherrschend. Da er sich ganz in die Kirchenmusik der\nfrüheren Jahrhunderte hineinlebte und seine innerste Ge-\nsinnung und Neigung ihn ebenfalls dahin trieben, so er-\nzeugte sich fast naturgemäss eine gewisse Verwandtschaft\nseines Strebens im Schaffen mit den Leistungen derjenigen\nGeister, mit denen er tagtäglich verkehrte und deren in-\nnerstes Wesen er in sich aufgenommen hatte. Diese Ver-\nwandtschaft, die etwas ganz Anderes als Nachahmung ist,\nführte ihn dann hauptsächlich zur Composition von Gesän-\ngen für die Kirche und zeigt sich überall in Inhalt und\nForm derselben.\nEr hat auf diesem Felde ein fruchtbares Talent offen-\nbart und eine ausserordentliche Thätigkeit entwickelt. Die\nKirche verdankt ihm eine grosse Reihe von Werken so-\nwohl für Männerstimmen als für vollen Chor, die alle ohne\nAusnahme die ernste, strenge Richtung und Stimmung\nbewahren und zum Ausdruck bringen, welche der Text\nund der kirchliche Geist verlangen. Wir verweisen beson-\nders auf die Hefte (10 —l2, jedes von mehreren Num-\nmern) geistlicher Gesänge und Motetten für Männerstim-\nmen, Salve Regina und Ave Op. 45,\nter und Ave Maria, Op. 50. Ihnen reihen sich neuerdings\nan die Missa quatuor vocu\nrola Haugh dedicata. Op, 53. Berolini, ap. T. Trautivein\n(M. Bahn)—und die Litaniae,Op. 54, Nr. 111. Diese\nletzte Messe für Soli und Chor ist ein ganz vorzügliches\nWerk, das sich durch die Innigkeit der melodischen Erfin-\ndung und durch die vortreffliche Führung der Stimmen\nauszeichnet. Selten wird man in der engen Lage der Har-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "149", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600505-01.1.5", "texte": "monie, die selbst bei kundiger Behandlung oft sich selbst\nerdrückt oder nur für das Auge vorhanden ist, eine solche\nKlarheit finden, wie sie hier von Meisterhand erzeugt ist.\nUnter den kirchlichen Gesängen für vollen Chor er-\nwähnen wir unter anderen Psalm 50 für Discant, Alt\nund Bass, Op. 31, Missatrium Op. 47, die Mo-\ntetten u. s. w., Op. 85, 44, 46, 48, 49, Psalm 129,\nOp. 51.\nAber auch der weltlichen Lieder und Gesänge, ein-\nstimmiger und mehrstimmiger (sowohl für vollen Chor als\nfür Männerstimmen) hat Commer eine Menge geschrieben.\nDie neuesten sind: Zwölf Lieder für Sopran, Alt,\nTenor und Bass, Op. 52, Berlin, bei Trautwein (M.\nBahn), wovon das erste Heft (Partitur Sgr., Stimmen\n5 Sgr.) uns vorliegt. Es enthält drei kleine Lieder: „Die\nschöne Maria\" und „Die schönsten Schäfchen\" von Hoff-\nmann von Fallersleben und ein „Weihnachtslied\", die\ndurch ihre Einfachheit und Sangbarkeit sehr ansprechen.\nVon nicht gedruckten, meist für bestimmte Zwecke\noder auf besondere Veranlassungen geschriebenen Wer-\nken führen wir ausser den schon erwähnten Compositionen\nzu Aristophanes' „Fröschen\" und Sophokles' „Elektra\"\nnoch an zwei grosse Can taten für Männerstimmen und\nOrchester: „Der Zauberring\" und „Der Kiffhäuser\"; an\nzwanzig Messen; mehrere Motetten; eine Passions-Can-\nlate für Männerchor; ein Te zum Geburtstage des\nKönigs Friedrich Wilhelm IV. 1848; eine Hymne: „Gott\nist mein Hort\", für die akademische Feier im Jahre 1855.\nVon Instrumentalsachen für Orchester hat Commer, so\nviel wir wissen, nur die Ouvertüre, Entreacte, Chöre und\nBalletmusik zu dem Drama „Clotilde von Monlalvi\" —in\nBerlin aufgeführt—geschrieben.\n\nL. B.\n\nAlfred Jaell.\nDie Monate März und April der diesjährigen Concert-\nzeit haben dem berühmten Pianisten eine Reihe von Er-\nfolgen in Paris, den Niederlanden und Norddeutschland\ngebracht, welche an die glänzendsten Zeiten Liszt's erin-\nnern. In Paris hat sein Spiel trotz der Ueberfülle an tüch-\ntigen, zum Theil ausgezeichneten Ciavierspielern entschie-\ndenes Aufsehen gemacht, und die Kritik aller Blätter\nstimmt im Lobpreisen überein. „Seit Rubinstein\" —heisst\nes unter Anderem in der Gas. musicale (vom 11. März)\n„hat kein fremder Künstler hier eine so lebhafte Sensation\nerregt, als A. Jaell. Gewiss haben wir sehr vorzügliche\nPianisten gehört, einige haben auch in diesem Winter\nnoch gediegene und schöne Vorzüge offenbart, allein Kei-\nner hat sich zu derselben Höhe erhoben, Alle liessen etwas\n\\ ollständigeres, Vollendeteres zu wünschen übrig, wo nicht\nin der Technik, doch im Ausdruck, im Reiz und im Stil.\n„Wir wollen nicht erst noch sagen, dass A. Jaell ein\ngewaltiger Spieler ist, dass er Octaven, Triller, Schwierig-\nkeiten der linken Hand mit bewundernswerther Ueberle-\ngenheit ausführt. Wozu das? Er theilt diesen Vorzug mit\nvielen Anderen, die trotzdem weit von dem höchsten Kunst-\nziele entfernt sind, von jener Vollkommenheit, die er, glück-\nlicher oder begabter als sie, endlich erreicht hat. Allein\nw;as wir sagen wollen, das ist, dass er die Taste auf eine\nganz besondere Weise anschlägt, dass er einen ihm allein\neigenen Ton hat, einen mächtigen, weichen, schmeicheln-\nden Ton, einen energischen, ohne spitz und trocken zu\nwerden, einen sanften Ton ohne Verzärtelung. Dieser\nschöne Ton, nach dessen Aneignung die Ciavierspieler im\nAllgemeinen zu wenig streben, gibt ja doch allein dem\nPianoforte Farbe und Leben.\n„Weil er die plumpe und trockene Paukerei und das\nlärmende Durcheinander der Töne vermeidet, sich nicht\ndurch die glänzenden Schwierigkeiten und die koquetten\nLockungen befriedigt fühlt, weil er vor Allem gesucht und\ngearbeitet hat, um allen Tönen Leben einzuhauchen, dess-\nhalb ist Jaell eine Erscheinung für sich und einer der\ngrössten Virtuosen, die wir je gehört haben. Die Jugend-\nlichkeit, die Kraft und das Feuer seines Spiels, durch tiefe\nKunst gemässigt, welche Verirrungen und Uebermaass hin-\ndert und zügelt und dem Vortrage dennoch seine natür-\nliche Leidenschaftlichkeit lässt, das ist es, was man gern\nbewundert und woraus eine grosse Originalität entspringt.\nIn allen Stücken, die er spielt, ist er bald ernst, träume-\nrisch, bald zart und hinreissend, pathetisch, phantastisch,\naber stets rein und Alles dem poetischen und wahren Aus-\ndrucke ohne Effectbascherei opfernd. Gleich sein erstes\nConcert offenbarte sein herrliches Talent in allen seinen\nPhasen. Auch die verbissensten Feinde des Pianoforte\nmussten sich ergeben und gestehen, dass das Instrument\nunter seinen Händen ein ganz anderes sei. Seine Behand-\nlung der hohen Töne verdient auch eine besondere Be-\nwunderung, da er sie ganz ausserordentlich schön zu nu-\nanciren weiss, ohne in affectirte Contraste zu fallen.\"\nIn Holland spielte A. Jaell drei Mal in Amster-\ndam, zwei Mal im Haag, zwei Mal in Kotterdam, fer-\nner in Utrecht, Leyden u. s. w. Es ist das sechste Mal,\ndass Jaell Holland bereis't; seine gegenwärtigen Erfolge\nübertrafen aber alle früheren durch die ausgesuchtesten\nKundgebungen der Sympathie und des Enthusiasmus von\nSeiten der Orchester und des Publicums. Jaell spielte die\nConcerte in Es-dur und C-moll von Beethoven, die so ge-\nnannte Kreutzer-Sonate, Op. 47, in Amsterdam mit F.\nCoenen, in Rotterdam mit Laub aus Berlin, Stücke von"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600505-01.1.6", "texte": "Bach und Händel (Variationen), von den Neueren Chopin,\nSchumann, Liszt und einige Bravourstücke von seiner Com-\nposition. Die Berichte in den öffentlichen Blättern, na-\nmentlich in der „Allgemeinen Musik-Zeitung Cacilia\",\nstimmen darin überein, dass Jaell wie es z. B. in Nr. 8\nvom 15. April heisst— „seit seiner letzten Anwesenheit in\nHolland als Piano-Virtuose einen höheren Standpunkt er-\nreicht, noch Biesenschritte in seinem Spiel gemacht und\nvor Allem eine höhere künstlerische Weihe im Vortrage\nerlangt hat, was sich namentlich in Beethoven's\nConcert auf eine glänzende Weise offenbarte. Der grosse\nEindruck seines Spiels rief rauschende Kundgebungen der\nBewunderung, Fanfaren u. s. w. hervor.\" —Ferner: „In\nso weit es möglich ist, schien uns das Spiel Jaell's einen\nnoch höheren Grad von Vollkommenheit erreicht zu ha-\nben\";—aus Botterdam, wo „als der Glanzpunkt des zwei-\nten Concertes\" der Vortrag der Sonate Op. 47 mit Laub\neinen gränzenlosen Enthusiasmus hervorrief.\nVon Holland ist Jaell nach Hannover zurückgekehrt\n—bekanntlich hat ihn der König von Hannover zum Hof-\nPianisten ernannt—und hat in Braunschweig am 10.\nund 26. April Concerte gegeben, in welchen der Saal\nüberfüllt war, ja, im zweiten war der Zudrang so gross,\ndass Vielen der Eintritt verweigert werden musste. Im\nersten spielte er mit Unterstützung der Hofcapelle Beetho-\nven's C-wo//-Concert; sein Pult wurde mit Lorbern be-\nkränzt und vom Publicum aus warf man ihm Kränze und\nBlumen zu. Im zweiten Concerte brachte das Programm\nfast nur classische Sachen: Fr. Schubert's Trio in\ndur, Op. 99, Gavotte vonJ.S.Bach, Präludium und Fuge\nvon-~Mendelssohn, Sonate Les Aclieux, Op. 81, von\nBeethoven, Berceuse von Chopin. Die Aufregung des\nPublicums zu begeistertem Beifall war wiederum ausser-\nordentlich. Wir freuen uns, dass unsere aLe Mahnung an\ndie Virtuosen: „Gebt nur der Menge das Gute gut, sie\nwird es euch lohnen!\" —sich durch solche Thatsachen be-\nwährt.'— Für das letzte Sinfonie-Concert der Hofcapelle\nam 1. Mai erfahren wir, dass Schumann's\ncert, von Jaell vorzutragen, auf dem Programm stand.\n\nAus Paris.\nB. Damcke.\nDen 20. April 1860.\nDas dritte und letzte Concert, welches Herr Louis\nBrassin vorgestern im Salon Erard gab, hat diesem her-\nvorragenden deutschen Pianisten aufs Neue einen eben so\nglänzenden als wohlverdienten Erfolg eingetragen. Es ge-\nhört ein wahrhaft bedeutendes Talent dazu, verbunden mit\neiner eisernen Beharrlichkeit des Willens, um nicht unbe-\nmerkt zu verschwinden in der unglaublichen Menge der\nhiesigen und auswärtigen Pianisten, welche während der\nganzen Dauer der Concert-Saison auf alle Weise um die\nGunst des Puhlicums buhlen. Brassin hat das Glück ge-\nhabt, schon bei seinem ersten Auftreten entschieden durch-\nzudringen. Der Umstand, dass dieses Auftreten in einem\nder Concerte der jeunes Artistes du Conservatoire Statt\nfand, in denen nur wahrhaft bedeutende Künstler zuge-\nlassen werden, wandte ihm von vorn herein die Aufmerk-\nsamkeit des kunstverständigen Publicums zu. Er spielte das\nConcert in G-moll von Mendelssohn in einer Vollendung\ndes Stils und mit einem poetisch feurigen Schwünge, wie\nman es hier vielleicht noch nie gehört halte, und wurde\nvon einem in der Regel mit Beifallsbezeigungen äusserst\nkargen Publicum mit lautem und einstimmigem Enthusias-\nmus anerkannt. Nun folgten seine eigenen Concerte, in\ndenen er als im höchsten Grade brillanter, geist- und\nschwungvoller Virtuose, als glücklich begabter Componist\nund als durchaus solider und der edelsten Richtung fol-\ngender Künstler die glänzendste und allgemeinste Aner-\nkennung fand. Die letztgenannte Eigenschaft Brassin's hat\nganz besonders zu seinem ungewöhnlichen Erfolge beige-\ntragen. Denn auch in Paris tritt ein Umschwung in der\nGeschmacksrichtung des Publicums immer deutlicher her-\nvor ; fast könnte man sagen, dass die gute Musik anfängt,\nMode zu werden. Selbst ganz gewöhnliche Virtuosen hal-\nten es für nothwendig, eine Sonate oder ein Trio von Mo-\nzart, Beethoven oder Mendebsohn in ihr Programm auf-\nzunehmen. Gewinnen auch die Werke der Meister nicht\nimmer dadurch, so ist doch die Sache bedeutungsvoll und\nwichtig. Brassin, ein Zögling des würdigen Meisters Mo-\nscheies, ist vorzugsweise berufen, Propaganda für die gute\nMusik zu machen, und hat diesem ehrenvollen Berufe hier\nauf das schönste genügt. Er wird nächsten Winter wie-\nderkehren, um, einer vielfach an ihn ergangenen Aufforde-\nrung genügend, hier einen Cyklus von Kammermusik-\nSeancen zu veranstalten.\nVon L. ßrassin erscheinen hier bei G. 13randus &\nD u fo u r: Barcarolle, Serenade, Galop fantastique, Bluette,\nLe Ruisseau, Au bord de la mer, dorne Etudes de\nConcert.\n\nBeurtheilung.\nPraktische Schule für das einfache und chromati-\nsche Horn von Karl Klotz. Mit deutschem, englischem\nund französischem Texte. Op. 11. Verlag von Joh. Andrd\nin Offenbach a. M.\nDer Verfasser, gegenwärtig Hofmusiker Sr. Hoheit des Fürsten\nFriedrich Wilhelm Konstantin von Hohenzollern-Hechingen, welchem\nerlauchten Beschützer und Kenner der Musik auch vorliegendes Werk"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600505-01.1.7", "texte": "ckdicirt ist, hat als Virtuose einen in Deutschland und darüber hin-\naus rühmliehst bewährten Namen. Schon 1853 sprach Reilstab in\nder Yossischen Zeitung seinen vollen Beifall aus über den schönen,\nbiegsamen Ton, den seelenvollen Ausdruck und die sichere Beherr-\nschung seines schwierigen Instrumentes. In lebhafter Erinnerung\nstehen wohl noch die höchst günstigen Beurtheilungen, die während\nder in den letzten zwei Jahren Statt gefundenen Kunstreisen des\nVerfassers in Süddeutschland die Kritik mit einer seltenen Einmü-\nthigkeit seinen Leistungen zu Theil werden liess.\nDennoch haben wir nicht ohne einige Befürchtungen vorliegendes\nWerk zur Hand genommen. Denn die Erfahrung hat genugsam be-\nwiesen, dass selbst die ausgezeichnetsten Meister eines Instrumentes\nvollständig an der Aufgabe scheiterten, einen wirklich praktischen\nund zweckentsprechenden Lehrgang für die Behandlung ihres Instru-\nmentes zu entwerfen. Unsere vorgefassten Bedenken jedoch haben\nwir zu unserer Freude nicht gefunden.\nHier ist nichts von jenem Breittreten der Theorie, von jenem\nKunstphilosophiren (rectius Kaisonniren), von dem haarspaltenden\nDistinguiren, kurzum, von jenem Subtilitäten-Cultus, der solche Lehr-\ngänge bei verhältnissmässig wenig Noten zu dickleibigen Folianten\nanschwellen lässt, in denen selbst die prononcirteste Kunstliebe und\nKunstbegabung eines Jüngers ermattet und selbst der redlichste\nWille missmuthig die Hoffnung aufgibt, durch das Labyrinth hin-\ndurchzudringen, weil man in des Sprüchwortes eigenster Bedeutung\nden Wald vor lauter Bäumen nicht sieht.\nHier sind klar und bestimmt ausgesprochene Zwecke, auf die\nohne allen überflüssigen rhetorischen Aufwand schnurstracks losge-\nschritten wird und die mit dem genügend vorhandenen praktischen\nStoffe auch bald erreicht werden können.\nDer Verfasser hat es für nothwendig gehalten, in einem Vorworte\ndie Herausgabe seiner Hornschule zu rechtfertigen, und er wird die\nallgemeinste Zustimmung finden, wenn er die vorhandenen Lehrgänge\nvon Duvernoy, Dauprat, Fröhlich u. s. w , ohne ihre früheren Ver-\ndienste um die Bildung von Hornisten schmälern zu wollen, doch in\nRücksicht auf die seitdem unendlich höher entwickelte Technik und\ndie um desswillen gesteigerten Anforderungen an dieses Instrument\nfür unzureichend erklärt. Dabei geht aber seine Schule von dem\nganz richtigan Grundsätze aus, dass das chromatische Horn nur aus\ndem Bedürfnisse hervorgegangen ist, Töne, die auf dem einfachen\nHorn nur durch Stopfen zu ermöglichen sind, auch ohne das störende\nDua, Dua hören zu wollen. Darum wird im vorliegenden Lehrgange\nnirgends der organische Zusammenhang des chromatischen Hornes\nmit dem einfachen geläugnet, im Gcgentlieil dringt der Verfasser mit\naller Entschiedenheit darauf, dass der Schüler mit dem einfachen\nHorn beginne und dieses Instrument erst vollständig zu beherrschen\nwisse, ehe er zur Erweiterung seiner Fertigkeit das Ventilhorn zur\nHand nehme.\nWas nun die Methodik des Lehrganges und die Vertheilung des\nUnterrichtsstoffes anlangt, so iässt sich nur Rühmliches davon sagen.\nBei der schon oben anerkannten Einfachheit des theoretischen rl hei-\nles und dem prägnanten und concisen Ttxte schreiten die Anforde-\nrungen an den Schüler so logisch und weislich abgemessen vor, er-\nfolgt das Einführen .in die dem Hornkünstler nothwendigen Erforder-\nnisse so stufenweise und organisch gegliedert, dass man zuversicht-\nlich behaupten darf, es werde ein Schüler, der nach vorliegendem\nWerke seine Ausbildung beginnt, auch keinen Augenblick die nöthige\nLust und Energie verlieren. Auf jeder Stufe übersieht er klar die\ngewonnenen Resultate und findet praktischen Stoff genug, um einer-\nseits sie zur Anwendung zu bringen, andererseits sich an ihnen zu\nerfreuen, ein Erforderniss, auf das viele andere Schulen, z. B. die\nsonst verdienstliche Fröhlich'sche, viel zu wenig Rücksicht genom-\nmen haben.\nDie ersten Uebungen bis S. 17 erzielen vornehmlich einen festen\nAnsatz, Ausdauer der Lippen, sichere Intonation, später den geläu-\nfigen Zungenstoss und den Wechsel der Höhe und Tiefe ohne Ver-\nrückung des Mundstückes, wobei nach und nach der Umfang der\nUebungen bis auf drei Octaven erweitert wird. Hierauf wird nach\nEinführung der gestopften Töne durch instruetive Uebungen auf die\nso nöthige Biegsamkeit des Tones, auf ein ebenes, glattes Verbinden\nder Töne hingearbeitet, dem zum Schlüsse die Trillerbildung folgt.\nNach allem diesem erst darf der Schüler zum chromatischen Horn\ngreifen, auf dem er jetzt nur noch neben der Handhabung der Ven-\ntile die ebenmässige Tonbindung zu cultiviren hat, die freilich durch\ndie Ventile mit ihrem theilweisen Abschneiden des Luftstromes we-\nsentlich erschwert wird. Durch die vorangegangenen Uebungen je-\ndoeh ist der Schüler schon befähigt worden, leicht und schnell um\ndiese Klippe zu schiffen, und die nachfolgenden Scalen und Uebungs-\nsätze vollenden den Ausbau der nothwendigen Fertigkeit. Wie es\nsich bei einem so trefflichen, durchdachten Werke wohl von selbst\nversteht, geht allen Stufen die erforderliche Anleitung und Uebung\nin Dynamik und feiner Nuancirung nebenher. Den Beschluss des\nGanzen machen sechs grössere Etüden, zum täglichen Studium be-\nstimmt, von denen wir als besonderen Vorzug erwähnen müssen, dass\nnicht jede einzelne auch nur eine einzelne Seite der Virtuosenbildung\nin Anspruch nimmt, sondern möglichst alle Resultate der durchge-\narbeiteten Hornschule umfasst und dieselben erhält und befestigt.\nSomit gebührt diesem trefflichen Werke, das eben sowohl die Frucht\nreiflichen Durchdenkens und reicher Erfahrung, wie auch einer siche-\nren und glänzenden Technik ist, die Bezeichnung „praktische Schule\"\nmit vollem Rechte, und ist dasselbe nicht bloss jedem Hornschüler,\nsondern namentlich auch Conservatorien und anderen Musik-Institu-\nten dringend zu empfehlen. Dem verehrten Verfasser sagen wir aber\nausserdem noch unseren Dank dafür, dass er durch dasselbe offen-\nbar zur Ehrenrettung des noch sehr verkannten chromatischen Horns\nwesentlich beigetragen hat; denn wir werden nunmehr mit Hülfe\nseiner Schule gediegene Hornisten erzielen, die nicht, wie man jetzt\nund leider oft mit Recht sagen hört, „nur hinter die Trommel ge-\nhören.45\nMöge der Verfasser, der seine Befähigung glänzend nachgewiesen\nhat, die im Ganzen noch arme Horn-Literatur durch Herausgabe\nneuer, für den öffentlichen Vortrag berechneter Sachen fernerhin\nauch bereichern l\nWir kennen in dieser Beziehung seine im vorigen Jahre edirte\nRomanze für Horn mit Clavier-Begleitung: „Das Wiedersehen®, Op.\n2, und machen auf diese sehr gefällige und höchst brillante Salon-\nPiece hiermit aufmerksam.\nDie Verlagshandlung Andre in Offenbach hat in der ihrem alten,\nbewährten Rufe entsprechenden Weise für eine würdige äussere\nAusstattung Sorge getragen.\nWir brauchen zum Schlüsse dem Werke nicht, wie sonst üblich,\nFreunde zu wünschen, da wir uns überzeugt haben, dass es solche\nsich selbst zu machen im Stande ist.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nAm Montag den 30. April fand eine „Musi calisc h e\nSoiree des kölner Conservatoriums* im neuen Locaie des-\nselben Statt. Warum der frühere, weit richtiger bezeichnende Name\ndessen, was man zu erwarten hat, nämlich „Prüfungs-Concert®,\nnicht beibehalten worden, wissen wir nicht. Da das Conservatorium\nnicht bloss Schüler, sondern auch Lehrer hat, so gibt der jetzt ge-\nwählte Titel zu Missverständnissen Anlass. Also als „Prüfung* ge-\nnommen, gab dieselbe recht erfreuliche Resultate. Ein Sinfoniesatz\nvon Hay.dn zeigte ein recht präcises Zusammenspiel und ganz tüch-\ntige Geiger, von denen sich auch Max Molberg mit etwas zu\nschwierigen, aber fleissig studirten Variationen von David, und G."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600505-01.1.8", "texte": "Krill mit dem rechtbefriedigenden Vortrage von Ernst's Othello-\nPhantasie als Solisten producirten. Zwei Sätze (Adagio und Fi-\nnale) aus einem Clavier-Trio von Aug. Grüters, von ihm selbst\nvorgetragen, bekundeten von Neuem das Talent des jungen Mannes.\nWir halten jedoch, wenn Bruchstücke einer neuen Composition zu\nGehör gebracht werden, den Hauptsatz eines Trios für die Beurthei-\nlung wesentlicher, als die zwei letzten. Miss Green zeigte sich\nim Vortrage von Mendelssohn's Capriccio als eine gewissenhafte Cla-\nvierspielerin; W. Lak spielte das Andante und Finale aus Mendels-\nsohn's D-mo 7-Concert recht brav; eben so E. Kays er den ersten\nSatz des G-dur-Yxios (Op. 1) von Beethoven.\nFür Gesang hat das Conservatorium jetzt zufällig nur Schülerin-\nnen, keine Schüler. Prof. Böhme war also in der Wahl von En-\nsemblestücken beschränkt, führte indess zwei Soli mit Chor von\nweiblichen Stimmen auf, die beide sehr ansprachen und recht hübsch\nausgeführt wurden, eine Scene aus Joh. Amad. Naumann's (1741—\n1801) Oratorium „Davide in Terebintou und Fr. Schuberts reizendes\nStändchen für Sopran-Solo und weiblichen Chor. Die Solosängerin-\nnen, Fräul. J. Niethen— David (Alt) und Fräul. P. Wiese-\nmann, bekundeten beide eine treffliche Schule und gingen auch mit\nder Stimme kräftiger heraus, als früher. Fräul« Elise Saart sang\ndie schöne Arie der Michal aus Hiller's Saul mit recht ausdrucks-\nvollem Vortrage.\nDresden» Am 21. April wurde hierselbst von der Dreissig'-\nschen Sing-Akademie unter Leitung des Musik-Directors Herrn A.\nReichel Haydn's aufgeführt. Dieses so allbekannte,\noft gehörte Werk, ein schöner Lobgesang der Kunst an die Natur,\nist selbst eine Schöpfung voll Frühlingskraft und Lebenslust, eine\nTongestalt von normaler Gesundheit. Wiederum drang die Frische\nder Musik belebend in jedes Hörers Brust und befreiend in die\nKunst-Atmosphäre, welche durch so manche nebelhaft schwankende\nund zukünftelnd krankende Gebilde der Neuzeit bedrückt wird. Die\nSoli hatten aus Gefälligkeit übernommen Frau Sophie Förster,\nHerr Hof-Opernsänger Schloss und Herr Gregor. Erstgenannte\nSängerin, rühmlichst bekannt und im Besitz einer wahrhaft gediege-\nnen Stimmenbildung, führte beide Sopran-Partieen (Gabriel, Eva)\nvorzüglich gelungen und ohne die geringste Erschöpfung durch. Ihr\nVortrag, jederzeit und auch heute von poetischer Auffassung beseelt,\ngereichte der ganzen Aufführung zu besonderem Schmuck und Glanz.\nDie Künstlerin vereinigt getragene Töne so wie flüssige Coloratur\nin correcter Technik und vermag hiermit um so freier und begei-\nsternder ihre durchdachte Betonung darzustellen. Anmuth und Reiz,\nInnigkeit und Schwung charakterisirten sämmtliche Gesänge von Frau\nFörster, und ausserdem kam die wohlthuende Deutlichkeit der Aus-\nsprache bei ihr zur vollsten Geltung. Die Partie des Uriel schien\nHerrn Schloss besonders zuzusagen und wurde auch mit vieler Em-\npfindung repräsentirt Herr Gregor, welcher den Raphael sang, verbin-\ndet mit einer von Natur klangvollen, umfangreichen und bildsamen\nBassstimme Sicherheit und Sorgfalt, welche Eigenschaften sein Wei-\nterstreben aufs beste fördern werden. L. N., geb. K."}]}