{"numero_id": "bm-bmtnabi-1860-05-12-01", "volume": "bmtnabi_1860-05-12_01", "ocr_sha256": "1440e595295000cebd53bf3e6819826a73dea9b9289d70cddc4741be38f8b8b3", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1860/05/12_01/bmtnabi_1860-05-12_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600512-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1860-05-12-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-05-12_01#c001", "volume": "bmtnabi_1860-05-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "153", "page_fin": "153", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600512-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "153", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600512-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 426, "texte": "Inhalt.\nZur Geschichte der Concert-Gesellschaft des Conservatoriums in Paris. 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Frankfurt am Main, Musikschule Zwickau, Schumann-Feier Meiningen, HändeFs „Messias* Wien, Fräulein\nFrassini, Frau Csillag Paris, Neue musicalische Gesellschaft). -"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-05-12-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-05-12_01#c002", "volume": "bmtnabi_1860-05-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "153", "page_fin": "157", "image_debut": 1, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600512-01.2.2", "titre_corps": "Zur Geschichte der Concert-Gesellschaft des Conservatoriums in Paris", "titre_sommaire": "Zur Geschichte der Concert-Gesellschaft des Conservatoriums in Paris", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "153", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600512-01.1.1", "debut_caractere": 428, "fin_caractere_exclue": 4125, "texte": "Zur Geschichte der Concert-Gesellschaft des Conser-\nvatoriums in Paris\n*).\nAm Tage der heiligen Cacilia im Jahre 1826 lud ein\nMusiker, der eine bedeutende Stellung in Paris einnahm,\neinige und dreissig von seinen Kunstgenossen, meist Mit-\nglieder des Orchesters der grossen Oper, zu sich zum Früh-\nstück ein, mit der Bitte, ihre Instrumente mitzubringen.\nSie kamen mit Vergnügen in dem Glauben, es handle sich\num eine Morgenmusik zur Ueberraschung der liebenswür-\ndigen Gattin ihres Directors.\nEs wurde nichts Geringeres aufgelegt als Beethoven's\nheroische Sinfonie. Niemand kannte sie. Man begann die\nProbe; allgemeines Staunen, bald die regste Theilnahme,\nWiederholung jedes Satzes, dann des Ganzen, Begeiste-\nrung, Bewunderung. Das Frühstück war vergessen, es war\nbereits vier Uhr geworden; da öffneten sich die Thüren\ndes Speisesaales, und die Frau vom Hause lud im Namen\ndes dankbaren Beethoven zum Mittagessen ein. Es war\nhohe Zeit, denn die Lippen der Bläser waren vertrocknet\nund die Arme der Geiger erschlafft.\nDer Festgeber und Director war Habeneck. Die\nVersammlungen und Proben wurden im lolgenden Jahre\n(1827) wiederholt, immer noch als Privatsache und aus\nreiner Neigung zur Kunst und zu Beethoven. Director der\nköniglichen Musikschule, die unter der Restauration an\ndie Stelle des kaiserlichen Conservatoriums getreten, war\nCherubini. Auch er hatte die Uebungen der Zöglinge im\nZusammenspiel, die seit 1815 aufgehoben waren, schmerz-\nlich vermisst, ging gern und bereitwillig auf Habeneck's\nPlan ein und bestrebte sich, den Minister des königlichen\nHauses dafür zu gewinnen. Habeneck's Kunstgenossen\nwaren darüber einig, eine Gesellschaft zu bilden, und hat-\nten so viel Vertrauen auf das Durchschlagen der Musik\nBeethoven's, auf welche es hauptsächlich abgesehen war,\nund auf die Meisterschaft ihres Chefs, dass sie sich erbo-\nten, die Erleuchtung und Heizung des grossen Saales im\nConservatorium und alle äusseren Kosten der Concerte aus\neigenen Mitteln zu bestreiten, dafern ihnen nur die Be-\nnutzung des Saales gestattet würde.\nHerr von Larochefoucault, Minister des königlichen\nHauses unter Karl X., schätzte Habeneck's Talente sehr\nhoch, ging auf Cherubini's Vorschlag ein und erliess das\nDecret vom 15. Februar 1828, wodurch die Ausführung\nvon sechs öffentlichen Concerten durch die Profes-\nsoren, die ehemaligen Zöglinge des Conservatoriums und\ndiejenigen Schüler, welche vom Director dazu bestimmt\nwerden, im grossen Saale der Anstalt begründet und der\nConcert-Gesellschaft 2000 Francs jährlicher Zuschuss für\nErleuchtung u. s. w. aus der Casse des Haus-Ministeriums\nbewilligt wurden.\nDie Concert-Gesellschaft constituirte sich hierauf durch\nUnterzeichnung eines ausführlichen Statuts ain 24. März\n1828. Präsident des Vorstandes wurde Cherubini, Vice-\nPräsident und Director des Orchesters Habeneck, Guillou\nSecretär, Kuhn Chor-Director; ausserdem zählte der Vor-\nstand noch acht Mitglieder.\nDas erste Concert hatte bereits am 9. März 1828,\nSonntags um 2 Uhr, Statt gefunden. Es begann mit der\nSinfonia eroicavon Beethoven, und sie schlug so durch,\ndass sie im zweiten Concerte am 23. März wiederholt wer-\nden musste.\nWer war der Mann, woher stammte er, der aus Ver-\nehrung und Begeisterung für Beethoven's Musik in Frank-\nreich, wo man diesen Heros noch kaum dem Namen nach\nkannte, die Concert-Anstalt begründete, die unter seiner\nLeitung den unbestrittenen Preis der vortrefflichsten Aus-\nführung von Sinfonieen in Europa erlangt hat?\n\n*) Die Hauptquelle dieses Aufsatzes ist die so eben erschienene\nHistoire de la Societe des Concerts du Conservatoire\nimperial de musique par A. Elwarl, professeur d Harmonie au\nconservatoire elc, Paris? S. Castel. 1860, (396 Seiten 8«)"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "154", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600512-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5361, "texte": "Ein deutscher Musiker aus Mannheim oder dessen\nnächster Umgebung, Adam Habeneck, ging als junger\nMann nach Frankreich, um Dienste in einem Musikcorps\neines Regimentes zu nehmen. Obwohl er sich unter Stamitz\nund Franzi zu einem tüchtigen Violinisten ausgebildet hatte,\nso blieb er doch seinem Vorsatze treu und trat als Fa-\ngottist bei einem Regimente ein, das damals in Meziferes\nstand. Hier verheirathete er sich, und am 23. Januar\n1781*) gebar ihm seine Frau einen Sohn, den er Franz\nAnton nannte. Dieser, der älteste von drei Brüdern, ist\nunser pariser Habeneck.\nDer Knabe entwickelte eine bedeutende musicalische\nAnlage so schnell, dass er schon in seinem zehnten Jahre\nöffentlich in Concerten mit Erfolg auftrat. Mit seinen El-\ntern kam er später nach Brest, wo er bis in sein zwanzig-\nstes Jahr bleiben musste. Ohne andere Anleitung zu fer-\nneren Studien, als die seines Vaters, und ohne höhere Vor-\nbilder, arbeitete er ohne Rast an sich selbst, spielte in\nBrest und anderen Städten der Provinz öfter öffentlich,\ncomponirte sich Solostücke für die Violine und sogar drei\nkleinere Opern. Endlich ging sein heissester Wunsch in\nErfüllung, sein Vater schickte ihn nach Paris.\nIm Jahre 1801 betrat er zum ersten Male den Boden,\nauf welchem sein Ruhm durch einen ungeahnten Wir-\nkungskreis erblühen sollte. Er wurde in das Conservato-\nrium, dessen Director damals Sarrette, sein Stifter, war,\naufgenommen und kam in Baillot's Violinclasse. Im Jahre\n1804 erhielt er den ersten Preis im Violinspiel und wurde\nbald darauf zum Repetenten der Classe seines Lehrers er-\nnannt. Die Kaiserin Josephine hörte ihn in einem Concerte\nspielen und wies ihm ein Jahrgehalt von 1200 Francs an,\n„um ihm die Mittel zu geben, in Ruhe die glänzende Stel-\nlung abzuwarten, zu der ihn sein glückliches Talent früh\noder spät berufen werde.\"\nNach einer kurzen Mitwirkung im Orchester der ko-\nmischen Oper trat Habeneck nach einem schwierigen Wett-\nkampfe mit sehr tüchtigen Bewerbern in das Orchester der\ngrossen Oper ein und wurde Rudolf Kreutzer als Vorgei-\nger und erster Solospieler adjungirt.\nEs war damals im Conservatorium Gebrauch (und\nzwar ein sehr löblicher), die Orchester-Uebungen der Zög-\nlinge von demjenigen dirigiren zu lassen, der im vorigen\nJahre den ersten Preis im Violinspiel erhalten hatte. Als\nHabeneck an die Reihe kam, entwickelte er ein so ausge-\nzeichnetes Directions-Talent, dass der Director Sarrette\nauf den Bericht der Inspectoren Cherubini, Gossec und\nMehul die Verfügung traf, dass Habeneck fortwährend das\nConservatoriums-Orchester dirigiren solle. Dieses ehren-\nvolle Amt bekleidete er von 1806 bis 1815, wo das kai-\nserliche Conservatorium geschlossen wurde. In der kö-\nniglichen Ecole de Musique wurden die Orchester-\nUebungen, wie oben schon bemerkt worden, unterdrückt;\naus Befürchtung, dass sie den Associationsgeist beför-\nderten?? Aus Sparsamkeit unmöglich, denn sie kosteten\nnichts. In jenen Orchester-Uebungen liess Habeneck zum\nersten Male in Paris eine Sinfonie von Beethoven, die erste\nin C-dur, aufführen. -\nDie Verwaltung der grossen Oper\nde musique) fasste den Entschluss, in den Fasten einige\nConcerts spirUuels zu geben. Die Concerts spirituels waren\nim Jahre 1725 unter der Regentschaft aufgekommen und\ndauerten bis 1791. Sie sind jedenfalls als die eigentlichen\nVorläufer der Conservatoriums-Concerte zu betrachten.\nJ. Haydn schrieb für sie sechs Sinfonieen, und Mozart's\nin drei Sätzen wurde im Jahre 1778\ndarin zum ersten Male aufgeführt*). Dass sie unter dem\nancien regime exislirt hatten, war der Hauptgrund ihrer\nRestauration. Wir wissen nicht und erfahren auch aus El-\nwart's Buche nicht, in welchem Jahre sie zuerst wieder\nStatt fanden (wahrscheinlich 1818—20) und ob sie sich\nwiederholt haben. Habeneck, dem die Leitung übergeben\nwurde, brachte, treu seinem Beethoven-Cultus, die zweite\nSinfonie in D-dur darin zur Aufführung. Aber, o Himmel!\ndas Orchester erhob eine furchtbare Opposition gegen das\nLarghetto —ja, ja! gegen das wunderschöne, die se-\nligste Ruhe und süsseste Befriedigung athmende Larghetto\nin A-dur! Habeneck, um die übrigen Sätze zu retten, schob\nstatt dessen das Andante aus der Nr. VII.\nein, und dieses machte bei der Aufführung einen solchen\nEindruck, dass es auf anhaltenden Zuruf wiederholt wer-\nden musste. Dies war allerdings, zumal gegen die Abwei-\nsung des Larghetto der Nr. 11. durch das Orchester ge-\nhalten, eine merkwürdige und für Habeneck sehr ermu-\nthigende Erscheinung; dennoch übereilte er sich nicht, be-\nhielt aber sein Ziel-fest im Auge und erreichte es erst\nnach zehn Jahren.\nIm Jahre 1821 wurde er zum Director der grossen\nOper ernannt und weihte das neue Haus in der Strasse\nLepelletier ein, das jetzt wieder durch ein anderes ersetzt\nwerden soll. Zu der Eröffnungs-Oper lampe\nleuse von Nicolo, die nach dessen Tode Benincori fast voll-\nendet hatte, aber auch darüber gestorben war, schrieb\n\n*) So gibt El wart das Geburtsjahr an (S. 324}; deutsche Lexika\nnennen den 1. Juni 1781.\n*) Partitur Nr. 9 in der Sammlung bei Breitkopf & Härtel. Vgl.\n0. Jahn, Mozart, II., S. 283 u. ff., und die Briefe Mozart's\naus Paris an seinen Vater a. a. 0. Das Orchester hatte in der\nProbe „die Sinfonie zwei Mal so herunter gehudelt und ge-\nkratzt, dass ich mein Leben lang nichts Schlechteres gehört\nhabe* — schreibt er; die Aufführung ging besser, und die\nComposition gefiel ausserordentlich."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "155", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600512-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5100, "texte": "Habeneck noch einige Nummern. Im Jahre 1822 wurde\ner zum Ritter der Ehrenlegion ernannt.\nIm Jahre 1824 trat Habeneck von der Direction der\ngrossen Oper zurück. Der Minister Lauriston gründete für\nihn eine besondere Violinclasse auf der königlichen Musik-\nschule, deren Leitung ihm übergeben wurde, setzte Kreutzer\nin den Ruhestand und Habeneck an die Spitze des Orche-\nsters der grossen Oper. In dieser Stellung leitete er die\nersten Aufführungen der Meisterwerke von Auber, Rossini\nund Meyerbeer. Ausserdem wurde er auch zum General-\nInspeclor der Musikschule ernannt,—ein Amt, das er nur\nals titular betrachtete und aus Hochachtung vor Cherubini\nniemals geltend machte.\nWir haben schon erzählt, wie er um diese Zeit die\nentscheidenden Schritte zur Begründung der Concert-Ge-\nsellschaft that, die dann im Jahre 1828 ihre erste Reihe\nvon Concerten gab. Wir bemerken hier nur noch, mit wie\nrichtigem Tacte Ilabeneck dabei verfuhr, indem er erst die\nAusführenden, die Künstler, für die Sache gewann, mit-\nhin das wahre Fundament zu dem neuen Baue legte, ehe\ner die Mitwirkung von oben herab beanspruchte.\nAus seiner Violinclasse ging eine Reihe vorzüglicher\nViolin-Virtuosen hervor, die 1826 mit Cuvillon begann.\nMasset, Gauthier, Clapisson, Alard u. s. w. gehören dazu.\nDie Kunst überdauert alle politischen Revolutionen,\nwenngleich die Künstler zuweilen darunter leiden. Habe-\nneck, der unter Ludwig XVIII. und Karl X. auch Mitglied\nund Solospieler der königlichen Capelle war, sah mit\nSchmerz die Auflösung dieses Virtuosen-Orchesters durch\ndie Revolution von 1830; allein sehr bald erhielt er den\nAuftrag, die Capelle Louis Philippe's unter dem früheren\nGeneral-Director Paer (-j- 1839) wieder zu organisiren.\nSeit 1828 war die Direction der Conservatoire-Con-\ncerte zwanzig Jahre lang seine Lieblings-Beschäftigung.\nAm 31. October 1846 trat er von der Direction des Or-\nchesters der grossen Oper und von der Professur am Con-\nservatorium zurück. Er erlebte auch die Februar-Revolu-\ntion noch und dirigirte zum letzten Male das Concert am\n16. April 1848. Den 8. Februar 1849 starb er in Paris,\nachtundsechszig Jahre alt. Sein Nachfolger an der grossen\nOper, dem Conservatoire und in der Direction der Gesell-\nschafts- Concerte wurde Narcisse Girard (geb. den 27. Ja-\nnuar 1797), der nun auch schon gestorben ist (den 15.\nJanuar 1860*]).\nHabeneck war seit 1818 verheirathet mit der Tochter\neines der bedeutendsten Musik-Verleger, Namens Sieber,\nder zuerst in Frankreich die symphonischen Werke der\nclassischen deutschen Meister herausgab. So geht durch\nHabeneck's ganzes äusseres und inneres Leben eine starke\nAder deutscher Natur, deren warmer Pulsschlag ihn denn\nauch zu der Liebe und Verehrung Haydn's, Mozart's und\nnamentlich Beethoven's begeisterte. Er pflanzte in den\nfremden, von üppigem Pflanzenwuchs überwucherten Bo-\nden einen deutschen Stamm, der, in der Stille von ihm ge-\npflegt und gezogen, auf einmal seine Krone entfaltete, die\nman zuerst mit Staunen betrachtete, aber von Jahr zu Jahr\nsich mehr zu ihr hingezogen fühlte, um in ihrem Schatten\nzu ruhen und ihren reichen Blüthenduft einzuathmen.\nKehren wir nun zu Elwart's Buche zurück.\nEs ist ein gutes Zeichen für die Zweckmässigkeit und\nden praktischen Werth des ursprünglichen Statuts der Ge-\nsellschaft, dass im Laufe der Jahre nur wenig daran ge-\nändert worden ist. Es enthält 52 Paragraphen in fünf Ab-\nschnitten. Die Verwaltung führt ein Ausschuss von sieben\nMitgliedern, der gewählt wird. Vorsitzender ist der Musik-\nDirector. Ferner bilden ihn ein Secretär, ein Commissar\nfür das Personal, einer für das Material, ein Rechnungs-\nführer, ein Archivar und Cassirer und ein Professor der\nChorgesang-Classen des Conservatoires. Ein Adjunct des\nAusschusses fungirt nur als Stellvertreter. Der Dirigent\nund der Cassirer sind stets wieder wählbar, die übrigen\nMitglieder nur nach Ablauf eines Jahres von ihrem Aus-\ntritte ab.\nIm Jahre 1841 wurde die Gesellschaft durch nota-\nriellen Act gesetzlich begründet. Unter den damals be-\nschlossenen Ergänzungen des Statuts sind zu erwähnen die\nErrichtung einer Hülfscasse {Caisse de prevoyance) für\neventuelle Unterstützung, hauptsächlich aber für Versiche-\nrung eines Capitals beim Ausscheiden eines Mitgliedes, je-\ndoch erst nach zehn Jahren der Mitgliedschaft und voll-\nständiger Pflichterfüllung; und zweitens die Einsetzung\neiner Jury über Zulassung neuer Werke zur Aufführung,\nbestehend aus dem Ausschusse und zwölf durch das Loos\ngewählten Gesellschafts-Mitgliedern. Sie entscheidet nach\neiner oder auch zwei Proben des Werkes. Seit 1848\nwird ein erster und ein zweiter Dirigent gewählt; der letz-\ntere ist zugleich Vorgeiger. Beider Wahl erfordert zwei\nDrittel der Stimmen.\nIm ersten Statut wurde die Zahl der Gesellschafts-\nMitglieder auf 100 festgesetzt, später auf 112, gegenwär-\ntig auf 120, und zwar: N\nOrchester 64\nChorgesang 36\nAdjungirte Mitglieder 8\nSolisten, Herren und Damen . 12\n120\n\n*] Vgl Niederrh. Musik-Zeitung Nr. 5 v. 28. Jan. 1860.\nGirard's Geburtsort ist aber nicht Nantes, wie dort irrthüm-\nlicb angegeben ist, sondern Mantes im Departement Seine\net Oise.\n[*J"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "156", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600512-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5337, "texte": "Im ersten Jahre (1828) bestand der Chor aus 17\nSopran-, 19 Alt-, 22 Tenor- und 21 Bass-Stimmen. Die\nbedeutendsten Künstler wirkten darin mit, z. B. die Cinti-\nDamoreau, Morie-Gosselin (Alt), Adolf Nourrit, Ponchard,\nMassol, Aug. Panseron, Levasseur u. s. w. Das Orchester\nzählte 15 erste Violinen (Tilmant, Urban, Cuvillon, Girard,\nSeghers, Tolbecque, Clement u. s. w.), 16 zweite (Clavel,\nArtot, Manera, Masset u. s. w.), 8 Bratschen, 12 Violon-\ncelle (Huber, Franchomme, Dejazet, Chevillard u. s. w.),\n8 Contrabässe; 4 Flöten (Tulou), 3 Oboen (Vogt), 4 Cla-\nrinetten, 2 Trompeten, 4 Horner, 4 Fagotte, 4 Posaunen\nund Ophicleide, Pauken (Schneitzhöffer), Harfe (Lariviere).\nIm Jahre 1859. Chor (seit 1858 auf 36 wirkliche\nMitglieder festgesetzt): 16 Soprane (4 adjungirte Mitglie-\nder und 12 Aspirantinnen), 16 Alte (3 adjungirte Mit-\nglieder und 13 Aspirantinnen), 20 Tenöre (16 Mitglieder,\n3 Aspiranten und 1 Externer, d. h. der nicht aus dem\nConservatorium hervorgegangen ist und besonders honorirt\nwird), 20 Bässe (18 Mitglieder, 2 Aspiranten).—Orche-\nster: 15 erste Violinen (Tilmant—jetztDirigent—, Battu,\nCuvillon, Sausay, beide Dancia, Maurin, Gauthier u. s. w.),\n14 zweite (Alard, Guerin, Vital u. s. w.), 10 Bratschen,\n12 Violoncelle (Franchomme, Chevillard, Desmarest, Dancia,\nLebouc u. s. w.), 9 Contrabässe (Gouffe, Labro, Renard\nu. s. w.); 4 Flöten (Dorus), 2 Oboen (Gras und Triebert),\n2 Clarinetten (Gras und Rose), 2 Trompeten, Cornet ä\nPiston (Forestier, Externer), 4 Horner (Mohr), 4 Fagotte\n(Cokken, Verroust), 3 Posaunen (Dieppo und 2 Externe),\nOphicleide (Lahou), Pauken (Esmery), Harfe (Lambert,\nExterner). Zusammen 72 im Chor, 84 im Orchester\n156.\nDas Eintrittsgeld war im Gründungs-Decret des\nMinisters im Jahre 1828 für vier verschiedene Plätze auf\n5, 4, 3 und 2 Francs festgesetzt. Späterhin wurde es für\nzwölf verschiedene Plätze auf 9 (Balcon und I. Ranglogen),\n6, 3 Fr. 50 C., 3 und 2 Francs erhöht. Seit 1858 be-\nträgt es 12 Fr. (Balcon und I. Rang), 9 (Sperrsitz, Par-\nterre-Logen, 11. Rang), 6 (Stehplätze in den Couloirs), 5\n(111. Rang und Sperrsitz auf der Galerie), 4 (Parterre und\nGalerie), 2 Fr. (Theater-Logen). Die mittlere Ehren-Loge\nist für den Hof, der dafür 2000 Francs jährlich zahlt.\nZwei Logen des It. Ranges (Nr. 31 und 34) sind für die\nJournalisten bestimmt.\nDie Gesammtsurnme der Einnahme während der 32\nJahre des Bestehens der Gesellschaft beträgt 1,590,029\nFrancs. Davon haben die Mitglieder, Aspiranten und Ex-\nternen 1,168,000 Fr. erhalten (ungefähr 50 Fr. für je\n3 Proben und 1 Concert für jedes Mitglied); die Hülfs-\ncasse hat daraus 106,720 Fr. bezogen, die Armen-Abga-\nben (!) betrugen 60,000 Fr. und die Rosten 255,309 Fr.\nAnfangs fanden jährlich nur sechs Concerte Statt, spä-\nterhin zehn, wie noch jetzt. Die ersten sechs (1828) erga-\nben einen Brutto-Ertrag von 18,466 Fr.; die letzten zehn\n(1859) nach Elwart's Abschätzung (denn der Ausschuss\nhat die Einsicht der Rechnung von 1859 nicht gestat- v\ntet!), jedes Concert zu 5800 Fr. angenommen, eine To-\ntalsumme von 58—60,000 Fr., mithin ein Mehr von\n40,316 Fr. gegen das Jahr 1828.\nInteressant dürfte für unsere Leser die Aufstellung\ndes Orchesters sein, wie sie von Habeneck geordnet ist\nund noch jetzt besteht. Elwart gibt einen lithographirten\nGrundriss derselben, nach welchem wir sie zu beschreiben\nversuchen. Das Concert-Local ist bekanntlich kein eigent-\nlicher Saal, sondern ein Theater.\nA. Auf dem Podium desselben befinden sich zur Seite\ndes Dirigenten links (vom Zuschauer aus genommen): die\nSoprane und Alte des Chors, hinter ihnen die ersten Vio-\nlinen (seitwärts gestellt, d. h. mit der rechten Schulter ge-\ngen das Publicum) rechts die ersten und zweiten Te-\nnöre, hinter ihnen die zweiten Violinen (die linke Schulter\ngegen das Publicum). Zwischen den beiden Reihen der\nViolinen hinter dem Dirigenten die Chorbässe, vor ihnen\nder Flügel. Den Schluss machen die Bratschen in Einer\nLinie hinter den Chorbässen; vor jenen die Harfe.\nB.Vom Podium aus erheben sich hinter den Brat-\nschen vier Stufen. Auf der ersten stehen (von links nach\nrechts gezählt) 2 Clarinetten, 2 Oboen, 2 Flöten und kleine\nFlöte, Violoncell und Bass, Violoncell und Bass und 2 Vio-\nloncelle.—Auf der zweiten: 4 Hörner, 4 Fagotte, 4 Vio-\nloncelle.—Auf der dritten: 2 Trompeten, 3 Contrabässe,\n4 Violoncelle, 2 Contrabässe.—Auf der vierten: 3 Posau-\nnen und dahinter 1 Ophicleid, die Pauken (in der Mitte),\nrechts 2 Contrabässe und dahinter grosse Trommel und\nZubehör.\nDie Solisten haben ihre Plätze vor dem Dirigenten-\npult, zwischen den Sopranen und Tenören.\nDie Akustik ist bekanntlich vortrefflich. Der Zuschauer-\nraum dieses Concert-Theaters fasst nur 956 Zuhörer. Un-\nendlich oft ist der Wunsch laut geworden, dass die Con-\ncert-Gesellschaft einen grösseren Saal baue; allein sie kann\nsich nach den gemachten Erfahrungen nicht entschliessen,\nein Local zu verlassen, das gewisser Maassen ein Stradi-\nvarius unter den Concertsälen ist und gerade die rechte\nGrösse hat, um die feinste Ausführung der Instrumental-\nMusikwerke nicht verloren gehen zu lassen.\nDas ist aber auch die einzige, freilich notwendigste\ngute Eigenschaft des Locals. Alles Uebrige ist grässlich:\nErleuchtung mit Oel, um die anstossende Bibliothek vor\nGas-Explosion zu bewahren, enge und schmale Sitze über-\nall, nirgends eine Spur von Bequemlichkeit oder Comfort,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "157", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600512-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 641, "texte": "auf den Stehplätzen in den Gängen hat man ein Vorge-\nfühl vom Fegfeuer, auf dem Amphitheater sitzt man zwar,\naber ein russisches Schwitzbad ist eine willkommene Ab-\nkühlung gegen die Hitze von 45 Grad, die man da aus-\nstehen muss. Alle Plätze sind abonnirt, auf ewige Zeiten\nvergeben! Fünfundzwanzig Jahre lang hat man auf Num-\nmer so und so einen und denselben Musikfreund sitzen,\nsein Haar allmählich ergrauen sehen: man hofft auf seinen\nPlatz auf einmal sitzt ein junger Mensch mit dunklem\nLockenkopf da! Es ist sein Erbe denn man vermacht\nhier einen Sitz, eine ganze Loge wie ein Gemälde, ein In-\nstrument, ein Landhaus!\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-05-12-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-05-12_01#c003", "volume": "bmtnabi_1860-05-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "157", "page_fin": "159", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600512-01.2.3", "titre_corps": "Musicalische Rundschau über die letzten drei Jahrhunderte.", "titre_sommaire": "Musicalische Rundschau über die letzten drei Jahrhunderte.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "157", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600512-01.1.5", "debut_caractere": 643, "fin_caractere_exclue": 4943, "texte": "Musicalische Rundschau über die letzten drei\nJahrhunderte.\nDieses ist der Titel einer Gelegenheitsschrift, welche\nProfessor J. M. Fischer in Zweibrücken zur dritten Säcu-\nlarfeier der königlich baierischen Studien-Anstalt daselbst\ngeschrieben hat (Leipzig, Verlag von Veit & Comp. 1859.\nVIII und 192 S. 8.).\nDie wirkliche Rundschau beginnt der geist- und kennt-\nnissvolle Verfasser, der schon vor fünfundzwanzig Jahren\nals musicalischer Schriftsteller („Grundbegriffe der Ton-\nkunst* und Skizze der „Geschichte der Musik\") aufge-\ntreten, erst auf S. 61. Bis dahin enthält die Schrift kurze\nErläuterungen über das „Wesen der Tonkunst\" und die\n„Mittel zur schriftlichen Darstellung der Erzeugnisse der\nTonkunst\".\nDem Verfasser bilden Sinnen-, Seelen- und Gei-\nstes-Leben (Seelenleben Gefühl, Tonsprache; Geistes-\nleben— Gedanke, Wortsprache) „den Drei klang, in wel-\nchem das Gesammtieben der Menschheit erklingt. Gesun-\ndes, rein gestimmtes Sinnenleben ist der nachhaltige\nGrundton im Accorde menschlichen Daseins; das Leben\nder Seele ertönt als weibliche Terz in diesem Accord,\nstärker in Dur,weicher in Mwie in der Terz die\nTonart, offenbart sich im Seelenleben die Gemüths- und\nMenschenart, die Humanität im engeren Sinne; die helle,\ndurchgreifende Dominante sinnbildet die Oberherrschaft\ngeistigen Lebens. Dieser Dreiklang, durch die Kraft des\nWillens in den mannigfachen Verhältnissen des äusseren\nLebens angeschlagen, offenbart den sittlichen Charakter\ndes Menschen.\"\nAus dem Seelenleben entwickeln sich die vier Elemente\ndes tonischen, chronischen, dynamischen und rhythmischen\nLebens, aus denen die Tonkunst ihre Schöpfungen bildet.\nJedem Tonwerke liegt eine bestimmte Regung und\nStimmung des Seelenlebens zu Grunde, welche das Motiv\noder Thema des Stückes wird. — Verstand und Phantasie\nwerden dann aus dem Geistesleben herbeigezogen, um ein\nKunstwerk daraus zu machen.—\nDer zweite Abschnitt, „über die Mittel zur Darstellung\nder Musik in Schrift\", bespricht die Tonleiter, die Ton-\narten, die Schlüssel u. s. w.—gibt mithin die Ele-\nmente der allgemeinen Musiklehre. Wir gestehen, dass wir\nnicht recht einsehen, was das hier soll, obschon es in der\nKürze klar und fasslich aus einander gesetzt ist. Es liess\nsich aber doch wohl voraussetzen, dass, wer überhaupt\nzu der Schrift des Verfassers greift, über diese Elemente\nhinweg ist.\nDie geschichtliche Rundschau (S. 61 — 192) gibt eine\ngedrängte, aber keineswegs compendienmässig und schul-\nmeisterlich steife, sondern anziehend geschriebene, ange-\nnehm zu lesende Uebersicht, die wir besonders den Dilet-\ntanten, Behufs allgemeiner Orientirung auf dem histori-\nschen Gebiete der Tonkunst, empfehlen können. Aus der\nSeitenzahl der Abschnitte: 1) Von 300 — 1500,S. 61 —63,\n2) Von 1550 —1650, S. 63—78, 3) Von 1650 —1750,\nS. 79 — 84, 4) Von 1750 — 1850, S. 85 — 192, geht\nder Umfang der Besprechung der verschiedenen Perioden\nhervor; man sieht, dass die drei ersten Abschnitte nur zur\nEinleitung in den dritten, bei Weitem ausführlicher be-\nhandelten, dienen.\nEinige Proben mögen den Standpunkt des Verfassers,\nden wir im Ganzen vollkommen theilen, und seine Schreib-\nart kennzeichnen.\n„Das Ciavier insbesondere ward Instrument der In-\nstrumente; in keinem Hause, in keiner Familie, worin man\nnoch auf Bildung Anspruch macht, darf dieses „ „Hausge-\nräth\"\" fehlen, denn dazu hat es die Mode gemacht; herrscht\nvollends „„musicalische\"\" Bildung, dann spricht sich\ndiese schon in einem Salon durch zwei derartige Möbel\naus. Glücklich der Insasse, wenn eine Mehrheit dieser In-\nstrumente in Haus und Nachbarschalt die bescheidene Stel-\nlung eines Ziergeräthes nicht überschreitet, und bürgerlich\nruhig unter der Decke nicht gespielt, auch nicht geschla-\ngen oder, mit Lenz zu sprechen, vollends „ „geritten\"\"\nwird, und nicht Tag und Nacht den geheiligten Haus- und\nLandfrieden für immer stört. Mit dem Möbelbedarf stieg\ndie Clavier-Fabrication in London, Paris, in fast allen nam-\nhaften Städten von Deutschland. (S. 141.)\n„Wer vor einem Menschenalter dem geniale.n Jüng-\nling Liszt in das geistreiche Auge sah und dann hinwieder\nauf die für seine Kunst naturgeschaffene Hand, dem leuch-\ntete schon damals ein Hoffnungsschimmer neuer Zukunfts-\nmusik; und wer den gelungenen Versuchen mit Spannung\nzuhörte, mit welchen der nachmalige Ritter schon als"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600512-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5381, "texte": "Knappe ein gegebenes Thema aus dem Stegreif behandelte,\nder mochte wohl im Stillen fragen: Was wird dereinst aus\nihm noch werden?\n„Auf diese Frage hat die Zeit geantwortet, die da\nunausgesetzt kreiset, wie im Leben, so in der Wissenschaft\nund Kunst. Nicht jedem Menschenalter ist selbstschöpferi-\nsche Kraft in gleichem Grade verliehen; und wie die Dicht-\nkunst jüngster Vergangenheit in grossartigen Erzeugnissen,\nso hat die Tonkunst in den Schöpfungen eines Haydn,\nMozart und Beethoven auf einige Zeit wenigstens sich er-\nschöpft—ein Glück, dass, was die Vergangenheit geschaf-\nfen, für lange Zeit genügt.\n„Liszt, der Träger modernster Tonkunst, hat seine\nSendung begriffen und erfüllt; allseitig gebildet, wie we-\nnige seiner Kunstgenossen, schwärmt er romantisch in dem\nreichen Liederhain, welcher auf Grund und Boden jüngster\nZeit entsprosste, verwandelt durch kunstvollen Faltenwurf\nder Harmonie in reicher Transcription des originellen\nSchubert Lieder mit Worten in Lieder ohne Worte, die\ndoch sprechen und dramatisch wirken, mit so wunderba-\nrer Bravour in der Ausführung, dass das Ohr mit Stau-\nnen lauscht, wie so mächtiger Strom von Harmonieen aus\neinem Instrumente wie aus einem Orchester erbraus't, wel-\nches Hector Berlioz instrumentirt, der musicalische Milch-\nbruder von Franz Liszt und Verfasser des denkwürdigen\nWerkes: Kunst der Instrumentation.\n„Echter Sohn der Romantik, überall zu Hause, in Eng-\nland wie in Frankreich, in Deutschland wie in Ungarn,\nam Rheine und in der Schweiz, pflückt er Alpenrosen auf\ndem Rigi, koset mit der Lorelei, stürmt durch die heimat-\nlichen Pussten, singt mit dem heiligen Franciscus Bussge-\nsang, läutet mit Paganini, seinem Muster-Ideale, das Glöck-\nlein, das zur Andacht ruft.—\n„Sein Spiel selbst ist urfrische Composition, Inspira-\ntion des Augenblicks, in Tönen verkörperte Stimmung sei-\nnes Gemüthes, geweckt durch den Geist des Stückes, das\ner spielt. Darum bleibt Liszt geliebt und beliebt sein Le-\nben lang und fühlt sich glücklich in Liebe, wie sehr der\nKobold neidischer Eifersucht ihm auch schmollt und grollt.\nEhrenglied des seraphischen Ordens seines Namens-Patrons,\ndes heiligen Franciscus, zwölf Ordens-Decorationen wie\nAmulete auf der Brust, den Ungar-Ehrensäbel um die Len-\nden, mit zwei so mächtigen Virtuosenhänden, ist er gefeit\nnach allen Seiten, ihm kann der Böse selbst kein Leid be-\nreiten. So romantisch gewappnet, hat Liszt auch ein zahl-\nreiches Gefolge von allezeit schlagfertigen Knappen und\nRittern seines Zeichens, welche ein gegebenes Thema in\nseiner Manier durchführen und im Glänze seiner Rüstung\nblenden, so weit ihr Ruf und ihre Fahrt sie trägt von\nLand zu Land, selbst über den Ocean.\n„Vielleicht wirkte aber das Uebermaass frühester Be-\nwunderung des stets weiter und weiter fahrenden Virtuo-\nsenthums störend auf die bei Liszt ursprüngliche, selbst-\neigene musicalische Zeugungskraft. Als Virtuose im vol-\nlen Sinne des Wortes hat er'seine Aufgabe vollkommen\nbegriffen und mit Glück gelös't; an den Wundern, die er\nals solcher allenthalben und so vielfach gewirkt, mag es\nihm genügen. (S. 143 —145.)\n„Die Zeit des Virtuosenthums selbst trägt den Cha-\nrakter des rein Persönlichen; der Ritter dieser Zeit\nträgt die Farbe seiner Dame nur im Interesse seiner\nPerson. Stimmt Geschmack, Urtheil und guter Wille\nsubjectiver Persönlichkeit, wie es auch oft vorkommt,\nnicht zu dem, was obj ectiv wahr, gut und schön ist, so\nentsteht Disharmonie zwischen persönlicher Anschauungs-,\nGefühls- und Handlungsweise und zwischen dem Objecti-\nven, Unpersönlichen, darum Unwandelbaren; das Idol tritt\ngegenüber dem Ideal und das Ordenscapitel aller Facul-\ntäten zählt auch solche Ritter, welche im Kampfe dieses\nDualismus durch Felonie an der guten Sache die Ehre\nihrer Person zu retten suchen. (S. 146.)\n„Erregte das überschwängliche Virtuosenthum auf al-\nlen Instrumenten, insbesondere auf dem Ciavier, nicht ohne\nGrund bange Besorgnisse vor dem Untergange und Ver-\nfalle cl assisch er Tonkunst, so stiessen andererseits die\nPropheten der Zukunftsmusik contrapunktisch in die\nLärm-Posaune des letzten Gerichts über die Sünden und\nSünder moderner Tonkunst. Doch die im Genüsse der\nGegenwart befangenen Ungläubigen blieben taub gegen\ndie Predigt zukünftiger Verheissung; nur wenige Auser-\nwählte verlangten zu hören, was noch kein Ohr der Sterb-\nlichen bisher vernommen. Verführerische Hoffnung auf die\nZukunft, wie verblendest du die Feuergeister, welche für\ndich glühen, bis sie in sich selbst verbrennen! wie versenkst\ndu in tiefe Armuth den Unglücklichen, der vom grossen\nLoose der Zukunft träumt, das letzte Scherflein auf Rech-\nnung seines Traumbuches setzt und darüber die Gegenwart\nverliert! Glücklich der Sterbliche, der seine schönsten Hoff-\nnungen noch nicht als selige Erinnerungen beigesetzt hat\nauf dem Friedhofe der Vergangenheit; sein Auge blickt\nnoch vertrauensvoll zu den Sternen der Zukunft.\n„Inzwischen rüstet sich die einmal bestehende Unzu-\nfriedenheit mit der Gegenwart zu allopathischem Rück-\nschlag, aus Uebersättigung an üppig berauschender Instru-\nmentalmusik voll Verlangen nach dem natürlichen Manna\neinfachen Gesanges, wie es vom Himmel thaute, als die\nTonkunst noch durch die Wüste zog. Allenthalben regen\nsich die geschäftigen Versuche der Gegenwart zur Wieder-\nerweckung längst geschiedener Todten, ein obgleich nicht\nallgemein empfehlenswerthes und förderliches, doch mit-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600512-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4684, "texte": "unter auch in der Tonkunst heilsames Verfahren, wenn es\nnicht in Ueberschwängiichkeit ausartet zur fanatischen Er-\ntödtung auch des Guten, das noch frischen Lebens sich er-\nlreut. Eine krankhafte Zeit verfällt von einem Paroxysmus\nin den anderen; statt heilkünstlerisch den Krankheitsstoff\naus dem Körper zu schaffen, wird sie im Fieberwahn zur\nSelbstmörderin.\n„Solches Verfahren übt nicht besonnene Humanität\n—sie erkennt Jeglichem die gebührende Stellung und Be-\nrechtigung zu, also auch dem noch möglichen Fortschritt\nfür die Z ukunft wie der Virtuosität der Gegenwart,\nwenn diese in Schranken bleibt, die Kunst weder in Künste-\nlei entstellt, noch auf die Uranfänge roher Natur zurück-\ndrängt, die Form nicht über den Inhalt, den Leib nicht\nüber Seele und Geist erhebt. Wenn die Humanität das\nAngedenken an verflossene Jahrhunderte mit dankerfülltem\nGemüthe feiert für das, was sie diesen als bleibendes Erbe\nzu verdanken hat, so ehrt sie dadurch die Vergangen-\nheit in der Gegenwart und errichtet sich hiedurch selbst\nein Ehren-Denkmal für die Zukunft; darum immerhin\nEhre der Tonkunst und ihren würdigen, charakteristi-\nschen Werken aller Art, wie sie seit drei Jahrhunder-\nten sich erhalten haben! (S. 177 und 178.)\n„Der deutsche Virtuose steht dem wahren Künstler\nimmerhin näher, als irgend ein anderer; doch Kunstfertig-\nkeit des Virtuosenthums ist als Technik der Industrie\nverwandt, darum in Ländern der Industrie vorzugsweise\nzu Hause, gepflegt und anerkannt.\n„Der Industrie entstammt aber auch die Sucht, nicht\nbloss zu componiren das mag Jeder für sich nach Her-\nzenslust—, sondern auch zu produciren, auf den Markt\nund an den Mann zu bringen unter mancherlei verlocken-\nden Titeln durch liebfreundliche Empfehlung von Leibes-\nund Geistes-Verwandten. Diese Sucht ist leider auch in\nDeutschland zu Hause; nicht bloss die Bücher-, auch die\nMusicalien-Messe liefert massenhafte Kataloge als statisti-\nsche Belege überreicher Productivität. Der reiche Schatz\nclassischer Tonwerke älterer und neuerer Zeit, wie\nWenigen ist er nur zum Theil, auch nur dem Namen\nnach bekannt! wie noch ungleich Wenigere kennen die\nHauptwerke durch wirkliche Aufführung! Wie sind\nweitaus nur die Allerwenigsten mit den sang- und gang-\nbarsten Werken dieser Art so vertraut, haben an diesen\nzu solcher Reife sich herangebildet, dass ihnen das rechte\nVerständniss davon klar geworden ist: und doch urtheilen\nAlle!\n„Mag immerhin noch ein Fortschritt in formeller\nEntwicklung und technischer Behandlung der Tonkunst\nfür die Zukunft vorbehalten sein, nach Wesen und In-\nhalt ist er kaum denkbar. In allen Beziehungen hat die\ndeutsche Nation das Meiste nicht bloss, sie hat auch\ndas Höchste geleistet, was die Gegenwart von Meister-\nwerken der Tonkunst besitzt. Deutscher Gemüths-Innigkeit\nward in der Tonkunst der Ehrenpreis des Sieges zu Theil\nüber die übrigen Nationalitäten, welche darin um die Palme\nmit ihr rangen, wie namentlich und vor den übrigen die\nitaliänische und französische. Der mechanisch-prak-\ntische Engländer wirft sich national-eigenthümlich, wie sein\nStammgenosse in America, auf Gegenstände materieller\nund rentabler Natur; er bildet in der Tonkunst den er-\ngiebigen Grund ton im Lebens-Accorde, welchen Körper,\nSeele und Geist gemeinsam anschlagen; er gibt den Me-\ntallklang der nachhaltigen Tonica für den ausübenden\nKünstler wie für den Tonsetzer; hat er selbst in beiden\nBeziehungen auch keine besonderen Grössen aufzuweisen,\nso bleibt ihm das Verdienst, durch edle Liberalität die\ndeutsche Tonkunst unterstützt und gefördert zu haben;\nund das musterhafte Vorbild englischer Aristokratie\nblieb nicht ohne anregende Wirkung auf deutsche Geld-\nund Gross macht zur Förderung und Unterstützung der\nKünstler wie der Kunst.\n„Soll der Stillstand im Fortschritt und selbst auch in\nErzeugung origineller Werke auf dem bereits errunge-\nnen Standpunkte seinen Grund haben in Erschöpfung und\nVersiegung des Urquells deutscher Gemüths-Innig-\nkeit, indess der allgemeine Durchbruch materiellen\nStrebens alle Welt überflutet?—Das ideale Seelenleben\ntritt allerdings in den Hintergrund vor dem Vordrängen\nrealen Sinnenlebens mit allen seinen Forderungen und\nBedürfnissen, vor welchen beseligende Zufriedenheit nicht\nmehr zu bestehen vermag, daher auch im Gebiete der\nTonkunst so wenig befriedigende Leistung und selbst mit\nder höchsten Leistung so wenig Zufriedenheit. Welcher\nSeherblick vermöchte in dieser Welt allwaltenden Wan-\ndels zu erspähen, welche Nation für die Zukunft im Rathe\newiger Vorsehung zur Trägerin des Idealen auserwählt,\nalso auch zur Weiterförderung der Tonkunst berufen sein\ndürfte, wenn der Stern an dem romanisch-germani-\nschen Gesichtskreise zum Untergange neigt?\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-05-12-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-05-12_01#c004", "volume": "bmtnabi_1860-05-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "159", "page_fin": "160", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600512-01.2.4", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600512-01.1.7", "debut_caractere": 4686, "fin_caractere_exclue": 5291, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nDas siebenunddreissigste nieder rheinische Musik-\nfest wird am 27., 28. und 29. Mai in Düsseldorf gefeiert wer-\nden. Am ersten Tage kommt Rob. Schumann's Sinfonie in\nB-clur und Händel's Samson zur Aufführung. Dieses Oratorium,\nwelches bekanntlich bisher nur nach der Mosel'schen Ausgabe in\nDeutschland aufgeführt worden ist, wird dieses Mal nach einer aus\nder Original-Partitur vervollständigten Bearbeitung, die Ferdinand\nHiller übernommen, gegeben werden.\nDer zweite Tag bringt Cherubiui's Ouvertüre zum Wasser-\nträger, das Gesangstück Ver sacrum oder »Die Gründung Roms*"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "160", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600512-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6581, "texte": "von Ferd. Hiller, Scenen aus Gluck's Iphigenie auf Tauris\nund die siebente Sinfonie (A-dur) von Beethoven.\nDas Concert am dritten Tage wird wie gewöhnlich den Einzel-\nleistungen ausgezeichneter Künstler gewidmet sein. Mit Gesang wer-\nden darin auftreten Frau Jenny Bürde-Ney aus Dresden, Fräul.\nFrancisca Schreck aus Bonn, Herr Schnorr von Carols-\nfeld (Tenor) aus Dresden, Herr Julius Stoekhausen aus Paris.\nHerr J. Joachim aus Hannover wird ein Violin-Concert eigener\nComposition, Herr Jul. Tausch aus Düsseldorf, der die Vorstudien\nder düsseldorfer Vereine zu den Fest-Aufführungen leitet, ein Con-\ncert für Pianoforte vortragen.\nFest-Dirigent ist Ferdinand Hill er.\n** Münster« Herr Concertmeister Max Wolff aus Frankfurt\nam Main, der seit einiger Zeit in verschiedenen Städten Rheinlands\nund Westfalens Concerte gegeben und dessen Violinspiel vielfach in\nMusik-Zeitungen und sonstigen öffentlichen Blättern gerühmt wor-\nden, bewährte auch hier diesen Ruf durch sein vortreffliches Spiel.\nIn dem Concerte des hiesigen Musik-Vereins am 28. April trug er\ndas Violin-Concert von Mendelssohn, eine Phantasie von Leonard\nund den Carneval von Venedig vor. Am 3. Mai hörten wir in einem\nvon ihm besonders veranstalteten Concerte die Kreutzer-Sonate von\nBeethoven, die Gesangscene von Spohr, die Ciaconna von Bach, eine\nRomanze von Max Wolff und den Hexentanz von Paganini. Sein\nTon ist schön, voll und kräftig, sein Spiel sehr rein und seine Tech-\nnik virtuos. Wenn die letztere hauptsächlich in der Ciaconna und\nden beiden Paganini'sehen Compositionen sich zu bewähren Gelegen-\nheit fand, so war die classische musicalisehe Durchbildung überall\nin der Auffassung und dem Vortrage des Andante des Mendelssohn'-\nschen Concertes, der Sonate von Beethoven und der Gesangscene zu\nerkennen. Für den Ernst, mit welchem der junge Künstler sich seine\nAusbildung hat angelegen sein lassen, zeugt nach der einen Seite\nseine Vorliebe für die classische Richtung, nach der anderen sein\nAuswendigspielen sämmtlicher Solo-Vorträge. Sein Talent in Verbin-\ndung mit diesem Ernste lassen von seiner weiteren Entwicklung\nAusserordentliches erwarten. Nicht ohne Interesse war die von ihm\nselbst componirte, als Op. 2 in Druck erschienene Romanze. Die\nansprechende Cantilene des Einganges kehrt am Schlüsse mit einer\nbegleitenden Figur wieder, welche in canonartiger Weise das als\nerste Stimme mit erklingende Thema imitirt. Beim Vortrage dieser\nschwierigen Stelle trat insbesondere der prächtige Ton und die mei-\nsterhafte Technik des Künstlers hervor. Die Ciavier-Partie der\nBeethoven-Sonate spielte Herr Theodor Krausse von hier recht\nbrav. Das hiesige musicalische Publicum, durch unseren vortreff-\nlichen Musik-Director C. Müller nur an classische Musik und aus-\ngezeichnete Ausführung gewöhnt und durch gewöhnliche Leistungen\nnicht zu elektrisiren, bestätigte das in Vorstehendem über Herrn\nConcertmeister M. Wolff ausgesprochene Urtheil durch zahlreichen Be-\nsuch des Concertes und durch aussergewöhnliche Beifallsbezeigungen.\nFranßfiari a. M. Die hiesigen Musiklehrer Hau f, Henkel,\nHilger und Oppel haben vom hohen Senate die nachgesuchte Er-\nlaubniss zur Errichtung einer Musikschule erhalten. Dem Ver-\nnehmen nach wird diese Kunstanstalt erst im kommenden Herbste\neröffnet werden. Das Corps der Musiker soll das Unternehmen eben\nnicht mit freundlichen Blicken begrüssen. Das dürfte sich jedoch\nbald ändern, da hoffentlich alle Stunden gebenden Herren und Da-\nmen in dieser Musikschule Beschäftigung finden, sonach in ihren\nEinkünften keine Schmälerung erleiden werden.\n7. Mai. Am künftigen 8. Juni gedenkt die Vater-\nstadt Robert Schumann's den fünfzigsten Jahrestag sei-\nner Geburt durch Aufführung mehrerer grösserer Werke desselben\nund durch Stiftung eines bleibenden Erinnerungszeichens an seinem\nGeburtshause zu feiern. Von dem Wunsche geleitet, diesen Gedächt-\nnisstag für die, welche dem verewigten Meister im Leben nahe ge-\nstanden oder ihn in seinen Werken lieben gelernt haben, zu einer\nwürdevollen Erinnerungsfeier zu gestalten, hat der Vorstand des hie-\nsigen Musik.Vereins, der die Leitung des Festes übernommen, die\nEinladungen zur Theilnahme ergehen lassen.\nDie Grundzüge des Fest-Programms sind folgender Maassen ent-\nworfen: Donnerstag, 7. Juni, am Vorabende des Festes: Grosses\nConcert Freitag, 8. Juni, früh: Einfache Enthüllungsfeier. Musicali-\nsche Matinee. Nachmittags Festessen. Die Anmeldungen sind späte-\nstens bis zum 27. Mai unter der Adresse des Herrn Regierungsrathes\nvon Schönberg, d. Z. Vorsteher des Musik-Vereins, hieher zu\nrichten. Eine namhafte Anzahl unserer Mitbürger hat sich erboten,\nauswärtige Theilnehmer, welche im Hotel kein Unterkommen finden\noder wünschen, bei sich als Gäste aufzunehmen, worüber man bittet,\ndie betreffenden Wünsche Behufs der Quartier-Bestellung dem Vor-\nstande mitzutheilen.\nUffeiHingen. Am 14. April fand hier in der Schlosskirche\neine schöne Aufführung des Messias von Händel durch den Chor\ndes Gesangvereins und des Sängerkranzes und die Hofcapelle unter\nLeitung des Hof-Capellmeisters Bott Statt.\nAm wiener Hof-Operntheater ist die Sängerin Frassini, die\nhoffentlich ihren deutschen Namen Eschborn wieder annehmen wird,\nmit 10,0( 0 FL für die nächste Saison engagirt, um mit ihr Meyer-\nbeer's Dinorah zu geben.\nAls Beispiel der Virtuosenherrschaft und des dadurch nothwendig\nerscheinenden Verfalls der Bühnen sei erwähnt, dass Frau Csillag\nam Hof-Operntheater in Wien — eine tüchtige Sängerin, aber kei-\nneswegs ersten Ranges — eine Jahresgage von 25,000 Fl. und einen\nzehnjährigen Contract gefordert hat Man soll ihr ohne Erfolg 18,< 00\nFl. und sechsjährigen Contract bewilligt haben. Frau Csillag singt\nin nächster Zeit in London auf dem Theater der Königin. Nach\npariser Journalen wird dieselbe im Herbste auf Wagner's Wunsch\nin der grossen pariser Oper die Rolle der Elisabeth bei der Auffüh-\nrung des Tannhäuser übernehmen [nachdem Frau Biirde-Ney defi-\nnitiv abgelehnt hat].\nIn Paris hat sich eine neue musicalische Gesellschaft unter\ndem Namen Cercle de VUnion arlistique begründet, deren Hauptzweck\nist, vorzügliche noch ungedruckte musicalische Werke zur Auffüh-\nrung zu bringen. Zum Vereins-Locale ist das frühere Seidenwaaren-\nMagazin Delisle in der Iiue de Clioiseul gewählt. Die Gesellschaft\nzählt bereits über 2ü0 Mitglieder. Im Verwaltungsrathe finden wir\ndie Namen: Fürst Poniatowski, Präsident; Ch. Gounod, Fürst\nAlphons von Polignac, Graf Melchior von Vice-Präsidenteu ;\nFürst von Alsace-Henin, E. Augier, M. Cottier, General Mellinet,\nFürst Metternich, Fürst Reuss, Fürst von der Moscowa, Osborne\nu. s. w."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "153", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600512-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nZur Geschichte der Concert-Gesellschaft des Conservatoriums in Paris. Musicalische Rundschau über die letzten drei\nJahrhunderte. Tages- und Unte r h al tun gsbl a 11 (Das 37. niederrheinische Musikfest Münster, Concertmeister M. WolfF aus\nFrankfurt a. M. Frankfurt am Main, Musikschule Zwickau, Schumann-Feier Meiningen, HändeFs „Messias* Wien, Fräulein\nFrassini, Frau Csillag Paris, Neue musicalische Gesellschaft). -\n\nZur Geschichte der Concert-Gesellschaft des Conser-\nvatoriums in Paris\n*).\nAm Tage der heiligen Cacilia im Jahre 1826 lud ein\nMusiker, der eine bedeutende Stellung in Paris einnahm,\neinige und dreissig von seinen Kunstgenossen, meist Mit-\nglieder des Orchesters der grossen Oper, zu sich zum Früh-\nstück ein, mit der Bitte, ihre Instrumente mitzubringen.\nSie kamen mit Vergnügen in dem Glauben, es handle sich\num eine Morgenmusik zur Ueberraschung der liebenswür-\ndigen Gattin ihres Directors.\nEs wurde nichts Geringeres aufgelegt als Beethoven's\nheroische Sinfonie. Niemand kannte sie. Man begann die\nProbe; allgemeines Staunen, bald die regste Theilnahme,\nWiederholung jedes Satzes, dann des Ganzen, Begeiste-\nrung, Bewunderung. Das Frühstück war vergessen, es war\nbereits vier Uhr geworden; da öffneten sich die Thüren\ndes Speisesaales, und die Frau vom Hause lud im Namen\ndes dankbaren Beethoven zum Mittagessen ein. Es war\nhohe Zeit, denn die Lippen der Bläser waren vertrocknet\nund die Arme der Geiger erschlafft.\nDer Festgeber und Director war Habeneck. Die\nVersammlungen und Proben wurden im lolgenden Jahre\n(1827) wiederholt, immer noch als Privatsache und aus\nreiner Neigung zur Kunst und zu Beethoven. Director der\nköniglichen Musikschule, die unter der Restauration an\ndie Stelle des kaiserlichen Conservatoriums getreten, war\nCherubini. Auch er hatte die Uebungen der Zöglinge im\nZusammenspiel, die seit 1815 aufgehoben waren, schmerz-\nlich vermisst, ging gern und bereitwillig auf Habeneck's\nPlan ein und bestrebte sich, den Minister des königlichen\nHauses dafür zu gewinnen. Habeneck's Kunstgenossen\nwaren darüber einig, eine Gesellschaft zu bilden, und hat-\nten so viel Vertrauen auf das Durchschlagen der Musik\nBeethoven's, auf welche es hauptsächlich abgesehen war,\nund auf die Meisterschaft ihres Chefs, dass sie sich erbo-\nten, die Erleuchtung und Heizung des grossen Saales im\nConservatorium und alle äusseren Kosten der Concerte aus\neigenen Mitteln zu bestreiten, dafern ihnen nur die Be-\nnutzung des Saales gestattet würde.\nHerr von Larochefoucault, Minister des königlichen\nHauses unter Karl X., schätzte Habeneck's Talente sehr\nhoch, ging auf Cherubini's Vorschlag ein und erliess das\nDecret vom 15. Februar 1828, wodurch die Ausführung\nvon sechs öffentlichen Concerten durch die Profes-\nsoren, die ehemaligen Zöglinge des Conservatoriums und\ndiejenigen Schüler, welche vom Director dazu bestimmt\nwerden, im grossen Saale der Anstalt begründet und der\nConcert-Gesellschaft 2000 Francs jährlicher Zuschuss für\nErleuchtung u. s. w. aus der Casse des Haus-Ministeriums\nbewilligt wurden.\nDie Concert-Gesellschaft constituirte sich hierauf durch\nUnterzeichnung eines ausführlichen Statuts ain 24. März\n1828. Präsident des Vorstandes wurde Cherubini, Vice-\nPräsident und Director des Orchesters Habeneck, Guillou\nSecretär, Kuhn Chor-Director; ausserdem zählte der Vor-\nstand noch acht Mitglieder.\nDas erste Concert hatte bereits am 9. März 1828,\nSonntags um 2 Uhr, Statt gefunden. Es begann mit der\nSinfonia eroicavon Beethoven, und sie schlug so durch,\ndass sie im zweiten Concerte am 23. März wiederholt wer-\nden musste.\nWer war der Mann, woher stammte er, der aus Ver-\nehrung und Begeisterung für Beethoven's Musik in Frank-\nreich, wo man diesen Heros noch kaum dem Namen nach\nkannte, die Concert-Anstalt begründete, die unter seiner\nLeitung den unbestrittenen Preis der vortrefflichsten Aus-\nführung von Sinfonieen in Europa erlangt hat?\n\n*) Die Hauptquelle dieses Aufsatzes ist die so eben erschienene\nHistoire de la Societe des Concerts du Conservatoire\nimperial de musique par A. Elwarl, professeur d Harmonie au\nconservatoire elc, Paris? S. Castel. 1860, (396 Seiten 8«)"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "154", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600512-01.1.2", "texte": "Ein deutscher Musiker aus Mannheim oder dessen\nnächster Umgebung, Adam Habeneck, ging als junger\nMann nach Frankreich, um Dienste in einem Musikcorps\neines Regimentes zu nehmen. Obwohl er sich unter Stamitz\nund Franzi zu einem tüchtigen Violinisten ausgebildet hatte,\nso blieb er doch seinem Vorsatze treu und trat als Fa-\ngottist bei einem Regimente ein, das damals in Meziferes\nstand. Hier verheirathete er sich, und am 23. Januar\n1781*) gebar ihm seine Frau einen Sohn, den er Franz\nAnton nannte. Dieser, der älteste von drei Brüdern, ist\nunser pariser Habeneck.\nDer Knabe entwickelte eine bedeutende musicalische\nAnlage so schnell, dass er schon in seinem zehnten Jahre\nöffentlich in Concerten mit Erfolg auftrat. Mit seinen El-\ntern kam er später nach Brest, wo er bis in sein zwanzig-\nstes Jahr bleiben musste. Ohne andere Anleitung zu fer-\nneren Studien, als die seines Vaters, und ohne höhere Vor-\nbilder, arbeitete er ohne Rast an sich selbst, spielte in\nBrest und anderen Städten der Provinz öfter öffentlich,\ncomponirte sich Solostücke für die Violine und sogar drei\nkleinere Opern. Endlich ging sein heissester Wunsch in\nErfüllung, sein Vater schickte ihn nach Paris.\nIm Jahre 1801 betrat er zum ersten Male den Boden,\nauf welchem sein Ruhm durch einen ungeahnten Wir-\nkungskreis erblühen sollte. Er wurde in das Conservato-\nrium, dessen Director damals Sarrette, sein Stifter, war,\naufgenommen und kam in Baillot's Violinclasse. Im Jahre\n1804 erhielt er den ersten Preis im Violinspiel und wurde\nbald darauf zum Repetenten der Classe seines Lehrers er-\nnannt. Die Kaiserin Josephine hörte ihn in einem Concerte\nspielen und wies ihm ein Jahrgehalt von 1200 Francs an,\n„um ihm die Mittel zu geben, in Ruhe die glänzende Stel-\nlung abzuwarten, zu der ihn sein glückliches Talent früh\noder spät berufen werde.\"\nNach einer kurzen Mitwirkung im Orchester der ko-\nmischen Oper trat Habeneck nach einem schwierigen Wett-\nkampfe mit sehr tüchtigen Bewerbern in das Orchester der\ngrossen Oper ein und wurde Rudolf Kreutzer als Vorgei-\nger und erster Solospieler adjungirt.\nEs war damals im Conservatorium Gebrauch (und\nzwar ein sehr löblicher), die Orchester-Uebungen der Zög-\nlinge von demjenigen dirigiren zu lassen, der im vorigen\nJahre den ersten Preis im Violinspiel erhalten hatte. Als\nHabeneck an die Reihe kam, entwickelte er ein so ausge-\nzeichnetes Directions-Talent, dass der Director Sarrette\nauf den Bericht der Inspectoren Cherubini, Gossec und\nMehul die Verfügung traf, dass Habeneck fortwährend das\nConservatoriums-Orchester dirigiren solle. Dieses ehren-\nvolle Amt bekleidete er von 1806 bis 1815, wo das kai-\nserliche Conservatorium geschlossen wurde. In der kö-\nniglichen Ecole de Musique wurden die Orchester-\nUebungen, wie oben schon bemerkt worden, unterdrückt;\naus Befürchtung, dass sie den Associationsgeist beför-\nderten?? Aus Sparsamkeit unmöglich, denn sie kosteten\nnichts. In jenen Orchester-Uebungen liess Habeneck zum\nersten Male in Paris eine Sinfonie von Beethoven, die erste\nin C-dur, aufführen. -\nDie Verwaltung der grossen Oper\nde musique) fasste den Entschluss, in den Fasten einige\nConcerts spirUuels zu geben. Die Concerts spirituels waren\nim Jahre 1725 unter der Regentschaft aufgekommen und\ndauerten bis 1791. Sie sind jedenfalls als die eigentlichen\nVorläufer der Conservatoriums-Concerte zu betrachten.\nJ. Haydn schrieb für sie sechs Sinfonieen, und Mozart's\nin drei Sätzen wurde im Jahre 1778\ndarin zum ersten Male aufgeführt*). Dass sie unter dem\nancien regime exislirt hatten, war der Hauptgrund ihrer\nRestauration. Wir wissen nicht und erfahren auch aus El-\nwart's Buche nicht, in welchem Jahre sie zuerst wieder\nStatt fanden (wahrscheinlich 1818—20) und ob sie sich\nwiederholt haben. Habeneck, dem die Leitung übergeben\nwurde, brachte, treu seinem Beethoven-Cultus, die zweite\nSinfonie in D-dur darin zur Aufführung. Aber, o Himmel!\ndas Orchester erhob eine furchtbare Opposition gegen das\nLarghetto —ja, ja! gegen das wunderschöne, die se-\nligste Ruhe und süsseste Befriedigung athmende Larghetto\nin A-dur! Habeneck, um die übrigen Sätze zu retten, schob\nstatt dessen das Andante aus der Nr. VII.\nein, und dieses machte bei der Aufführung einen solchen\nEindruck, dass es auf anhaltenden Zuruf wiederholt wer-\nden musste. Dies war allerdings, zumal gegen die Abwei-\nsung des Larghetto der Nr. 11. durch das Orchester ge-\nhalten, eine merkwürdige und für Habeneck sehr ermu-\nthigende Erscheinung; dennoch übereilte er sich nicht, be-\nhielt aber sein Ziel-fest im Auge und erreichte es erst\nnach zehn Jahren.\nIm Jahre 1821 wurde er zum Director der grossen\nOper ernannt und weihte das neue Haus in der Strasse\nLepelletier ein, das jetzt wieder durch ein anderes ersetzt\nwerden soll. Zu der Eröffnungs-Oper lampe\nleuse von Nicolo, die nach dessen Tode Benincori fast voll-\nendet hatte, aber auch darüber gestorben war, schrieb\n\n*) So gibt El wart das Geburtsjahr an (S. 324}; deutsche Lexika\nnennen den 1. Juni 1781.\n*) Partitur Nr. 9 in der Sammlung bei Breitkopf & Härtel. Vgl.\n0. Jahn, Mozart, II., S. 283 u. ff., und die Briefe Mozart's\naus Paris an seinen Vater a. a. 0. Das Orchester hatte in der\nProbe „die Sinfonie zwei Mal so herunter gehudelt und ge-\nkratzt, dass ich mein Leben lang nichts Schlechteres gehört\nhabe* — schreibt er; die Aufführung ging besser, und die\nComposition gefiel ausserordentlich."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "155", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600512-01.1.3", "texte": "Habeneck noch einige Nummern. Im Jahre 1822 wurde\ner zum Ritter der Ehrenlegion ernannt.\nIm Jahre 1824 trat Habeneck von der Direction der\ngrossen Oper zurück. Der Minister Lauriston gründete für\nihn eine besondere Violinclasse auf der königlichen Musik-\nschule, deren Leitung ihm übergeben wurde, setzte Kreutzer\nin den Ruhestand und Habeneck an die Spitze des Orche-\nsters der grossen Oper. In dieser Stellung leitete er die\nersten Aufführungen der Meisterwerke von Auber, Rossini\nund Meyerbeer. Ausserdem wurde er auch zum General-\nInspeclor der Musikschule ernannt,—ein Amt, das er nur\nals titular betrachtete und aus Hochachtung vor Cherubini\nniemals geltend machte.\nWir haben schon erzählt, wie er um diese Zeit die\nentscheidenden Schritte zur Begründung der Concert-Ge-\nsellschaft that, die dann im Jahre 1828 ihre erste Reihe\nvon Concerten gab. Wir bemerken hier nur noch, mit wie\nrichtigem Tacte Ilabeneck dabei verfuhr, indem er erst die\nAusführenden, die Künstler, für die Sache gewann, mit-\nhin das wahre Fundament zu dem neuen Baue legte, ehe\ner die Mitwirkung von oben herab beanspruchte.\nAus seiner Violinclasse ging eine Reihe vorzüglicher\nViolin-Virtuosen hervor, die 1826 mit Cuvillon begann.\nMasset, Gauthier, Clapisson, Alard u. s. w. gehören dazu.\nDie Kunst überdauert alle politischen Revolutionen,\nwenngleich die Künstler zuweilen darunter leiden. Habe-\nneck, der unter Ludwig XVIII. und Karl X. auch Mitglied\nund Solospieler der königlichen Capelle war, sah mit\nSchmerz die Auflösung dieses Virtuosen-Orchesters durch\ndie Revolution von 1830; allein sehr bald erhielt er den\nAuftrag, die Capelle Louis Philippe's unter dem früheren\nGeneral-Director Paer (-j- 1839) wieder zu organisiren.\nSeit 1828 war die Direction der Conservatoire-Con-\ncerte zwanzig Jahre lang seine Lieblings-Beschäftigung.\nAm 31. October 1846 trat er von der Direction des Or-\nchesters der grossen Oper und von der Professur am Con-\nservatorium zurück. Er erlebte auch die Februar-Revolu-\ntion noch und dirigirte zum letzten Male das Concert am\n16. April 1848. Den 8. Februar 1849 starb er in Paris,\nachtundsechszig Jahre alt. Sein Nachfolger an der grossen\nOper, dem Conservatoire und in der Direction der Gesell-\nschafts- Concerte wurde Narcisse Girard (geb. den 27. Ja-\nnuar 1797), der nun auch schon gestorben ist (den 15.\nJanuar 1860*]).\nHabeneck war seit 1818 verheirathet mit der Tochter\neines der bedeutendsten Musik-Verleger, Namens Sieber,\nder zuerst in Frankreich die symphonischen Werke der\nclassischen deutschen Meister herausgab. So geht durch\nHabeneck's ganzes äusseres und inneres Leben eine starke\nAder deutscher Natur, deren warmer Pulsschlag ihn denn\nauch zu der Liebe und Verehrung Haydn's, Mozart's und\nnamentlich Beethoven's begeisterte. Er pflanzte in den\nfremden, von üppigem Pflanzenwuchs überwucherten Bo-\nden einen deutschen Stamm, der, in der Stille von ihm ge-\npflegt und gezogen, auf einmal seine Krone entfaltete, die\nman zuerst mit Staunen betrachtete, aber von Jahr zu Jahr\nsich mehr zu ihr hingezogen fühlte, um in ihrem Schatten\nzu ruhen und ihren reichen Blüthenduft einzuathmen.\nKehren wir nun zu Elwart's Buche zurück.\nEs ist ein gutes Zeichen für die Zweckmässigkeit und\nden praktischen Werth des ursprünglichen Statuts der Ge-\nsellschaft, dass im Laufe der Jahre nur wenig daran ge-\nändert worden ist. Es enthält 52 Paragraphen in fünf Ab-\nschnitten. Die Verwaltung führt ein Ausschuss von sieben\nMitgliedern, der gewählt wird. Vorsitzender ist der Musik-\nDirector. Ferner bilden ihn ein Secretär, ein Commissar\nfür das Personal, einer für das Material, ein Rechnungs-\nführer, ein Archivar und Cassirer und ein Professor der\nChorgesang-Classen des Conservatoires. Ein Adjunct des\nAusschusses fungirt nur als Stellvertreter. Der Dirigent\nund der Cassirer sind stets wieder wählbar, die übrigen\nMitglieder nur nach Ablauf eines Jahres von ihrem Aus-\ntritte ab.\nIm Jahre 1841 wurde die Gesellschaft durch nota-\nriellen Act gesetzlich begründet. Unter den damals be-\nschlossenen Ergänzungen des Statuts sind zu erwähnen die\nErrichtung einer Hülfscasse {Caisse de prevoyance) für\neventuelle Unterstützung, hauptsächlich aber für Versiche-\nrung eines Capitals beim Ausscheiden eines Mitgliedes, je-\ndoch erst nach zehn Jahren der Mitgliedschaft und voll-\nständiger Pflichterfüllung; und zweitens die Einsetzung\neiner Jury über Zulassung neuer Werke zur Aufführung,\nbestehend aus dem Ausschusse und zwölf durch das Loos\ngewählten Gesellschafts-Mitgliedern. Sie entscheidet nach\neiner oder auch zwei Proben des Werkes. Seit 1848\nwird ein erster und ein zweiter Dirigent gewählt; der letz-\ntere ist zugleich Vorgeiger. Beider Wahl erfordert zwei\nDrittel der Stimmen.\nIm ersten Statut wurde die Zahl der Gesellschafts-\nMitglieder auf 100 festgesetzt, später auf 112, gegenwär-\ntig auf 120, und zwar: N\nOrchester 64\nChorgesang 36\nAdjungirte Mitglieder 8\nSolisten, Herren und Damen . 12\n120\n\n*] Vgl Niederrh. Musik-Zeitung Nr. 5 v. 28. Jan. 1860.\nGirard's Geburtsort ist aber nicht Nantes, wie dort irrthüm-\nlicb angegeben ist, sondern Mantes im Departement Seine\net Oise.\n[*J"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "156", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600512-01.1.4", "texte": "Im ersten Jahre (1828) bestand der Chor aus 17\nSopran-, 19 Alt-, 22 Tenor- und 21 Bass-Stimmen. Die\nbedeutendsten Künstler wirkten darin mit, z. B. die Cinti-\nDamoreau, Morie-Gosselin (Alt), Adolf Nourrit, Ponchard,\nMassol, Aug. Panseron, Levasseur u. s. w. Das Orchester\nzählte 15 erste Violinen (Tilmant, Urban, Cuvillon, Girard,\nSeghers, Tolbecque, Clement u. s. w.), 16 zweite (Clavel,\nArtot, Manera, Masset u. s. w.), 8 Bratschen, 12 Violon-\ncelle (Huber, Franchomme, Dejazet, Chevillard u. s. w.),\n8 Contrabässe; 4 Flöten (Tulou), 3 Oboen (Vogt), 4 Cla-\nrinetten, 2 Trompeten, 4 Horner, 4 Fagotte, 4 Posaunen\nund Ophicleide, Pauken (Schneitzhöffer), Harfe (Lariviere).\nIm Jahre 1859. Chor (seit 1858 auf 36 wirkliche\nMitglieder festgesetzt): 16 Soprane (4 adjungirte Mitglie-\nder und 12 Aspirantinnen), 16 Alte (3 adjungirte Mit-\nglieder und 13 Aspirantinnen), 20 Tenöre (16 Mitglieder,\n3 Aspiranten und 1 Externer, d. h. der nicht aus dem\nConservatorium hervorgegangen ist und besonders honorirt\nwird), 20 Bässe (18 Mitglieder, 2 Aspiranten).—Orche-\nster: 15 erste Violinen (Tilmant—jetztDirigent—, Battu,\nCuvillon, Sausay, beide Dancia, Maurin, Gauthier u. s. w.),\n14 zweite (Alard, Guerin, Vital u. s. w.), 10 Bratschen,\n12 Violoncelle (Franchomme, Chevillard, Desmarest, Dancia,\nLebouc u. s. w.), 9 Contrabässe (Gouffe, Labro, Renard\nu. s. w.); 4 Flöten (Dorus), 2 Oboen (Gras und Triebert),\n2 Clarinetten (Gras und Rose), 2 Trompeten, Cornet ä\nPiston (Forestier, Externer), 4 Horner (Mohr), 4 Fagotte\n(Cokken, Verroust), 3 Posaunen (Dieppo und 2 Externe),\nOphicleide (Lahou), Pauken (Esmery), Harfe (Lambert,\nExterner). Zusammen 72 im Chor, 84 im Orchester\n156.\nDas Eintrittsgeld war im Gründungs-Decret des\nMinisters im Jahre 1828 für vier verschiedene Plätze auf\n5, 4, 3 und 2 Francs festgesetzt. Späterhin wurde es für\nzwölf verschiedene Plätze auf 9 (Balcon und I. Ranglogen),\n6, 3 Fr. 50 C., 3 und 2 Francs erhöht. Seit 1858 be-\nträgt es 12 Fr. (Balcon und I. Rang), 9 (Sperrsitz, Par-\nterre-Logen, 11. Rang), 6 (Stehplätze in den Couloirs), 5\n(111. Rang und Sperrsitz auf der Galerie), 4 (Parterre und\nGalerie), 2 Fr. (Theater-Logen). Die mittlere Ehren-Loge\nist für den Hof, der dafür 2000 Francs jährlich zahlt.\nZwei Logen des It. Ranges (Nr. 31 und 34) sind für die\nJournalisten bestimmt.\nDie Gesammtsurnme der Einnahme während der 32\nJahre des Bestehens der Gesellschaft beträgt 1,590,029\nFrancs. Davon haben die Mitglieder, Aspiranten und Ex-\nternen 1,168,000 Fr. erhalten (ungefähr 50 Fr. für je\n3 Proben und 1 Concert für jedes Mitglied); die Hülfs-\ncasse hat daraus 106,720 Fr. bezogen, die Armen-Abga-\nben (!) betrugen 60,000 Fr. und die Rosten 255,309 Fr.\nAnfangs fanden jährlich nur sechs Concerte Statt, spä-\nterhin zehn, wie noch jetzt. Die ersten sechs (1828) erga-\nben einen Brutto-Ertrag von 18,466 Fr.; die letzten zehn\n(1859) nach Elwart's Abschätzung (denn der Ausschuss\nhat die Einsicht der Rechnung von 1859 nicht gestat- v\ntet!), jedes Concert zu 5800 Fr. angenommen, eine To-\ntalsumme von 58—60,000 Fr., mithin ein Mehr von\n40,316 Fr. gegen das Jahr 1828.\nInteressant dürfte für unsere Leser die Aufstellung\ndes Orchesters sein, wie sie von Habeneck geordnet ist\nund noch jetzt besteht. Elwart gibt einen lithographirten\nGrundriss derselben, nach welchem wir sie zu beschreiben\nversuchen. Das Concert-Local ist bekanntlich kein eigent-\nlicher Saal, sondern ein Theater.\nA. Auf dem Podium desselben befinden sich zur Seite\ndes Dirigenten links (vom Zuschauer aus genommen): die\nSoprane und Alte des Chors, hinter ihnen die ersten Vio-\nlinen (seitwärts gestellt, d. h. mit der rechten Schulter ge-\ngen das Publicum) rechts die ersten und zweiten Te-\nnöre, hinter ihnen die zweiten Violinen (die linke Schulter\ngegen das Publicum). Zwischen den beiden Reihen der\nViolinen hinter dem Dirigenten die Chorbässe, vor ihnen\nder Flügel. Den Schluss machen die Bratschen in Einer\nLinie hinter den Chorbässen; vor jenen die Harfe.\nB.Vom Podium aus erheben sich hinter den Brat-\nschen vier Stufen. Auf der ersten stehen (von links nach\nrechts gezählt) 2 Clarinetten, 2 Oboen, 2 Flöten und kleine\nFlöte, Violoncell und Bass, Violoncell und Bass und 2 Vio-\nloncelle.—Auf der zweiten: 4 Hörner, 4 Fagotte, 4 Vio-\nloncelle.—Auf der dritten: 2 Trompeten, 3 Contrabässe,\n4 Violoncelle, 2 Contrabässe.—Auf der vierten: 3 Posau-\nnen und dahinter 1 Ophicleid, die Pauken (in der Mitte),\nrechts 2 Contrabässe und dahinter grosse Trommel und\nZubehör.\nDie Solisten haben ihre Plätze vor dem Dirigenten-\npult, zwischen den Sopranen und Tenören.\nDie Akustik ist bekanntlich vortrefflich. Der Zuschauer-\nraum dieses Concert-Theaters fasst nur 956 Zuhörer. Un-\nendlich oft ist der Wunsch laut geworden, dass die Con-\ncert-Gesellschaft einen grösseren Saal baue; allein sie kann\nsich nach den gemachten Erfahrungen nicht entschliessen,\nein Local zu verlassen, das gewisser Maassen ein Stradi-\nvarius unter den Concertsälen ist und gerade die rechte\nGrösse hat, um die feinste Ausführung der Instrumental-\nMusikwerke nicht verloren gehen zu lassen.\nDas ist aber auch die einzige, freilich notwendigste\ngute Eigenschaft des Locals. Alles Uebrige ist grässlich:\nErleuchtung mit Oel, um die anstossende Bibliothek vor\nGas-Explosion zu bewahren, enge und schmale Sitze über-\nall, nirgends eine Spur von Bequemlichkeit oder Comfort,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "157", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600512-01.1.5", "texte": "auf den Stehplätzen in den Gängen hat man ein Vorge-\nfühl vom Fegfeuer, auf dem Amphitheater sitzt man zwar,\naber ein russisches Schwitzbad ist eine willkommene Ab-\nkühlung gegen die Hitze von 45 Grad, die man da aus-\nstehen muss. Alle Plätze sind abonnirt, auf ewige Zeiten\nvergeben! Fünfundzwanzig Jahre lang hat man auf Num-\nmer so und so einen und denselben Musikfreund sitzen,\nsein Haar allmählich ergrauen sehen: man hofft auf seinen\nPlatz auf einmal sitzt ein junger Mensch mit dunklem\nLockenkopf da! Es ist sein Erbe denn man vermacht\nhier einen Sitz, eine ganze Loge wie ein Gemälde, ein In-\nstrument, ein Landhaus!\n(Schluss folgt.)\n\nMusicalische Rundschau über die letzten drei\nJahrhunderte.\nDieses ist der Titel einer Gelegenheitsschrift, welche\nProfessor J. M. Fischer in Zweibrücken zur dritten Säcu-\nlarfeier der königlich baierischen Studien-Anstalt daselbst\ngeschrieben hat (Leipzig, Verlag von Veit & Comp. 1859.\nVIII und 192 S. 8.).\nDie wirkliche Rundschau beginnt der geist- und kennt-\nnissvolle Verfasser, der schon vor fünfundzwanzig Jahren\nals musicalischer Schriftsteller („Grundbegriffe der Ton-\nkunst* und Skizze der „Geschichte der Musik\") aufge-\ntreten, erst auf S. 61. Bis dahin enthält die Schrift kurze\nErläuterungen über das „Wesen der Tonkunst\" und die\n„Mittel zur schriftlichen Darstellung der Erzeugnisse der\nTonkunst\".\nDem Verfasser bilden Sinnen-, Seelen- und Gei-\nstes-Leben (Seelenleben Gefühl, Tonsprache; Geistes-\nleben— Gedanke, Wortsprache) „den Drei klang, in wel-\nchem das Gesammtieben der Menschheit erklingt. Gesun-\ndes, rein gestimmtes Sinnenleben ist der nachhaltige\nGrundton im Accorde menschlichen Daseins; das Leben\nder Seele ertönt als weibliche Terz in diesem Accord,\nstärker in Dur,weicher in Mwie in der Terz die\nTonart, offenbart sich im Seelenleben die Gemüths- und\nMenschenart, die Humanität im engeren Sinne; die helle,\ndurchgreifende Dominante sinnbildet die Oberherrschaft\ngeistigen Lebens. Dieser Dreiklang, durch die Kraft des\nWillens in den mannigfachen Verhältnissen des äusseren\nLebens angeschlagen, offenbart den sittlichen Charakter\ndes Menschen.\"\nAus dem Seelenleben entwickeln sich die vier Elemente\ndes tonischen, chronischen, dynamischen und rhythmischen\nLebens, aus denen die Tonkunst ihre Schöpfungen bildet.\nJedem Tonwerke liegt eine bestimmte Regung und\nStimmung des Seelenlebens zu Grunde, welche das Motiv\noder Thema des Stückes wird. — Verstand und Phantasie\nwerden dann aus dem Geistesleben herbeigezogen, um ein\nKunstwerk daraus zu machen.—\nDer zweite Abschnitt, „über die Mittel zur Darstellung\nder Musik in Schrift\", bespricht die Tonleiter, die Ton-\narten, die Schlüssel u. s. w.—gibt mithin die Ele-\nmente der allgemeinen Musiklehre. Wir gestehen, dass wir\nnicht recht einsehen, was das hier soll, obschon es in der\nKürze klar und fasslich aus einander gesetzt ist. Es liess\nsich aber doch wohl voraussetzen, dass, wer überhaupt\nzu der Schrift des Verfassers greift, über diese Elemente\nhinweg ist.\nDie geschichtliche Rundschau (S. 61 — 192) gibt eine\ngedrängte, aber keineswegs compendienmässig und schul-\nmeisterlich steife, sondern anziehend geschriebene, ange-\nnehm zu lesende Uebersicht, die wir besonders den Dilet-\ntanten, Behufs allgemeiner Orientirung auf dem histori-\nschen Gebiete der Tonkunst, empfehlen können. Aus der\nSeitenzahl der Abschnitte: 1) Von 300 — 1500,S. 61 —63,\n2) Von 1550 —1650, S. 63—78, 3) Von 1650 —1750,\nS. 79 — 84, 4) Von 1750 — 1850, S. 85 — 192, geht\nder Umfang der Besprechung der verschiedenen Perioden\nhervor; man sieht, dass die drei ersten Abschnitte nur zur\nEinleitung in den dritten, bei Weitem ausführlicher be-\nhandelten, dienen.\nEinige Proben mögen den Standpunkt des Verfassers,\nden wir im Ganzen vollkommen theilen, und seine Schreib-\nart kennzeichnen.\n„Das Ciavier insbesondere ward Instrument der In-\nstrumente; in keinem Hause, in keiner Familie, worin man\nnoch auf Bildung Anspruch macht, darf dieses „ „Hausge-\nräth\"\" fehlen, denn dazu hat es die Mode gemacht; herrscht\nvollends „„musicalische\"\" Bildung, dann spricht sich\ndiese schon in einem Salon durch zwei derartige Möbel\naus. Glücklich der Insasse, wenn eine Mehrheit dieser In-\nstrumente in Haus und Nachbarschalt die bescheidene Stel-\nlung eines Ziergeräthes nicht überschreitet, und bürgerlich\nruhig unter der Decke nicht gespielt, auch nicht geschla-\ngen oder, mit Lenz zu sprechen, vollends „ „geritten\"\"\nwird, und nicht Tag und Nacht den geheiligten Haus- und\nLandfrieden für immer stört. Mit dem Möbelbedarf stieg\ndie Clavier-Fabrication in London, Paris, in fast allen nam-\nhaften Städten von Deutschland. (S. 141.)\n„Wer vor einem Menschenalter dem geniale.n Jüng-\nling Liszt in das geistreiche Auge sah und dann hinwieder\nauf die für seine Kunst naturgeschaffene Hand, dem leuch-\ntete schon damals ein Hoffnungsschimmer neuer Zukunfts-\nmusik; und wer den gelungenen Versuchen mit Spannung\nzuhörte, mit welchen der nachmalige Ritter schon als"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600512-01.1.6", "texte": "Knappe ein gegebenes Thema aus dem Stegreif behandelte,\nder mochte wohl im Stillen fragen: Was wird dereinst aus\nihm noch werden?\n„Auf diese Frage hat die Zeit geantwortet, die da\nunausgesetzt kreiset, wie im Leben, so in der Wissenschaft\nund Kunst. Nicht jedem Menschenalter ist selbstschöpferi-\nsche Kraft in gleichem Grade verliehen; und wie die Dicht-\nkunst jüngster Vergangenheit in grossartigen Erzeugnissen,\nso hat die Tonkunst in den Schöpfungen eines Haydn,\nMozart und Beethoven auf einige Zeit wenigstens sich er-\nschöpft—ein Glück, dass, was die Vergangenheit geschaf-\nfen, für lange Zeit genügt.\n„Liszt, der Träger modernster Tonkunst, hat seine\nSendung begriffen und erfüllt; allseitig gebildet, wie we-\nnige seiner Kunstgenossen, schwärmt er romantisch in dem\nreichen Liederhain, welcher auf Grund und Boden jüngster\nZeit entsprosste, verwandelt durch kunstvollen Faltenwurf\nder Harmonie in reicher Transcription des originellen\nSchubert Lieder mit Worten in Lieder ohne Worte, die\ndoch sprechen und dramatisch wirken, mit so wunderba-\nrer Bravour in der Ausführung, dass das Ohr mit Stau-\nnen lauscht, wie so mächtiger Strom von Harmonieen aus\neinem Instrumente wie aus einem Orchester erbraus't, wel-\nches Hector Berlioz instrumentirt, der musicalische Milch-\nbruder von Franz Liszt und Verfasser des denkwürdigen\nWerkes: Kunst der Instrumentation.\n„Echter Sohn der Romantik, überall zu Hause, in Eng-\nland wie in Frankreich, in Deutschland wie in Ungarn,\nam Rheine und in der Schweiz, pflückt er Alpenrosen auf\ndem Rigi, koset mit der Lorelei, stürmt durch die heimat-\nlichen Pussten, singt mit dem heiligen Franciscus Bussge-\nsang, läutet mit Paganini, seinem Muster-Ideale, das Glöck-\nlein, das zur Andacht ruft.—\n„Sein Spiel selbst ist urfrische Composition, Inspira-\ntion des Augenblicks, in Tönen verkörperte Stimmung sei-\nnes Gemüthes, geweckt durch den Geist des Stückes, das\ner spielt. Darum bleibt Liszt geliebt und beliebt sein Le-\nben lang und fühlt sich glücklich in Liebe, wie sehr der\nKobold neidischer Eifersucht ihm auch schmollt und grollt.\nEhrenglied des seraphischen Ordens seines Namens-Patrons,\ndes heiligen Franciscus, zwölf Ordens-Decorationen wie\nAmulete auf der Brust, den Ungar-Ehrensäbel um die Len-\nden, mit zwei so mächtigen Virtuosenhänden, ist er gefeit\nnach allen Seiten, ihm kann der Böse selbst kein Leid be-\nreiten. So romantisch gewappnet, hat Liszt auch ein zahl-\nreiches Gefolge von allezeit schlagfertigen Knappen und\nRittern seines Zeichens, welche ein gegebenes Thema in\nseiner Manier durchführen und im Glänze seiner Rüstung\nblenden, so weit ihr Ruf und ihre Fahrt sie trägt von\nLand zu Land, selbst über den Ocean.\n„Vielleicht wirkte aber das Uebermaass frühester Be-\nwunderung des stets weiter und weiter fahrenden Virtuo-\nsenthums störend auf die bei Liszt ursprüngliche, selbst-\neigene musicalische Zeugungskraft. Als Virtuose im vol-\nlen Sinne des Wortes hat er'seine Aufgabe vollkommen\nbegriffen und mit Glück gelös't; an den Wundern, die er\nals solcher allenthalben und so vielfach gewirkt, mag es\nihm genügen. (S. 143 —145.)\n„Die Zeit des Virtuosenthums selbst trägt den Cha-\nrakter des rein Persönlichen; der Ritter dieser Zeit\nträgt die Farbe seiner Dame nur im Interesse seiner\nPerson. Stimmt Geschmack, Urtheil und guter Wille\nsubjectiver Persönlichkeit, wie es auch oft vorkommt,\nnicht zu dem, was obj ectiv wahr, gut und schön ist, so\nentsteht Disharmonie zwischen persönlicher Anschauungs-,\nGefühls- und Handlungsweise und zwischen dem Objecti-\nven, Unpersönlichen, darum Unwandelbaren; das Idol tritt\ngegenüber dem Ideal und das Ordenscapitel aller Facul-\ntäten zählt auch solche Ritter, welche im Kampfe dieses\nDualismus durch Felonie an der guten Sache die Ehre\nihrer Person zu retten suchen. (S. 146.)\n„Erregte das überschwängliche Virtuosenthum auf al-\nlen Instrumenten, insbesondere auf dem Ciavier, nicht ohne\nGrund bange Besorgnisse vor dem Untergange und Ver-\nfalle cl assisch er Tonkunst, so stiessen andererseits die\nPropheten der Zukunftsmusik contrapunktisch in die\nLärm-Posaune des letzten Gerichts über die Sünden und\nSünder moderner Tonkunst. Doch die im Genüsse der\nGegenwart befangenen Ungläubigen blieben taub gegen\ndie Predigt zukünftiger Verheissung; nur wenige Auser-\nwählte verlangten zu hören, was noch kein Ohr der Sterb-\nlichen bisher vernommen. Verführerische Hoffnung auf die\nZukunft, wie verblendest du die Feuergeister, welche für\ndich glühen, bis sie in sich selbst verbrennen! wie versenkst\ndu in tiefe Armuth den Unglücklichen, der vom grossen\nLoose der Zukunft träumt, das letzte Scherflein auf Rech-\nnung seines Traumbuches setzt und darüber die Gegenwart\nverliert! Glücklich der Sterbliche, der seine schönsten Hoff-\nnungen noch nicht als selige Erinnerungen beigesetzt hat\nauf dem Friedhofe der Vergangenheit; sein Auge blickt\nnoch vertrauensvoll zu den Sternen der Zukunft.\n„Inzwischen rüstet sich die einmal bestehende Unzu-\nfriedenheit mit der Gegenwart zu allopathischem Rück-\nschlag, aus Uebersättigung an üppig berauschender Instru-\nmentalmusik voll Verlangen nach dem natürlichen Manna\neinfachen Gesanges, wie es vom Himmel thaute, als die\nTonkunst noch durch die Wüste zog. Allenthalben regen\nsich die geschäftigen Versuche der Gegenwart zur Wieder-\nerweckung längst geschiedener Todten, ein obgleich nicht\nallgemein empfehlenswerthes und förderliches, doch mit-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600512-01.1.7", "texte": "unter auch in der Tonkunst heilsames Verfahren, wenn es\nnicht in Ueberschwängiichkeit ausartet zur fanatischen Er-\ntödtung auch des Guten, das noch frischen Lebens sich er-\nlreut. Eine krankhafte Zeit verfällt von einem Paroxysmus\nin den anderen; statt heilkünstlerisch den Krankheitsstoff\naus dem Körper zu schaffen, wird sie im Fieberwahn zur\nSelbstmörderin.\n„Solches Verfahren übt nicht besonnene Humanität\n—sie erkennt Jeglichem die gebührende Stellung und Be-\nrechtigung zu, also auch dem noch möglichen Fortschritt\nfür die Z ukunft wie der Virtuosität der Gegenwart,\nwenn diese in Schranken bleibt, die Kunst weder in Künste-\nlei entstellt, noch auf die Uranfänge roher Natur zurück-\ndrängt, die Form nicht über den Inhalt, den Leib nicht\nüber Seele und Geist erhebt. Wenn die Humanität das\nAngedenken an verflossene Jahrhunderte mit dankerfülltem\nGemüthe feiert für das, was sie diesen als bleibendes Erbe\nzu verdanken hat, so ehrt sie dadurch die Vergangen-\nheit in der Gegenwart und errichtet sich hiedurch selbst\nein Ehren-Denkmal für die Zukunft; darum immerhin\nEhre der Tonkunst und ihren würdigen, charakteristi-\nschen Werken aller Art, wie sie seit drei Jahrhunder-\nten sich erhalten haben! (S. 177 und 178.)\n„Der deutsche Virtuose steht dem wahren Künstler\nimmerhin näher, als irgend ein anderer; doch Kunstfertig-\nkeit des Virtuosenthums ist als Technik der Industrie\nverwandt, darum in Ländern der Industrie vorzugsweise\nzu Hause, gepflegt und anerkannt.\n„Der Industrie entstammt aber auch die Sucht, nicht\nbloss zu componiren das mag Jeder für sich nach Her-\nzenslust—, sondern auch zu produciren, auf den Markt\nund an den Mann zu bringen unter mancherlei verlocken-\nden Titeln durch liebfreundliche Empfehlung von Leibes-\nund Geistes-Verwandten. Diese Sucht ist leider auch in\nDeutschland zu Hause; nicht bloss die Bücher-, auch die\nMusicalien-Messe liefert massenhafte Kataloge als statisti-\nsche Belege überreicher Productivität. Der reiche Schatz\nclassischer Tonwerke älterer und neuerer Zeit, wie\nWenigen ist er nur zum Theil, auch nur dem Namen\nnach bekannt! wie noch ungleich Wenigere kennen die\nHauptwerke durch wirkliche Aufführung! Wie sind\nweitaus nur die Allerwenigsten mit den sang- und gang-\nbarsten Werken dieser Art so vertraut, haben an diesen\nzu solcher Reife sich herangebildet, dass ihnen das rechte\nVerständniss davon klar geworden ist: und doch urtheilen\nAlle!\n„Mag immerhin noch ein Fortschritt in formeller\nEntwicklung und technischer Behandlung der Tonkunst\nfür die Zukunft vorbehalten sein, nach Wesen und In-\nhalt ist er kaum denkbar. In allen Beziehungen hat die\ndeutsche Nation das Meiste nicht bloss, sie hat auch\ndas Höchste geleistet, was die Gegenwart von Meister-\nwerken der Tonkunst besitzt. Deutscher Gemüths-Innigkeit\nward in der Tonkunst der Ehrenpreis des Sieges zu Theil\nüber die übrigen Nationalitäten, welche darin um die Palme\nmit ihr rangen, wie namentlich und vor den übrigen die\nitaliänische und französische. Der mechanisch-prak-\ntische Engländer wirft sich national-eigenthümlich, wie sein\nStammgenosse in America, auf Gegenstände materieller\nund rentabler Natur; er bildet in der Tonkunst den er-\ngiebigen Grund ton im Lebens-Accorde, welchen Körper,\nSeele und Geist gemeinsam anschlagen; er gibt den Me-\ntallklang der nachhaltigen Tonica für den ausübenden\nKünstler wie für den Tonsetzer; hat er selbst in beiden\nBeziehungen auch keine besonderen Grössen aufzuweisen,\nso bleibt ihm das Verdienst, durch edle Liberalität die\ndeutsche Tonkunst unterstützt und gefördert zu haben;\nund das musterhafte Vorbild englischer Aristokratie\nblieb nicht ohne anregende Wirkung auf deutsche Geld-\nund Gross macht zur Förderung und Unterstützung der\nKünstler wie der Kunst.\n„Soll der Stillstand im Fortschritt und selbst auch in\nErzeugung origineller Werke auf dem bereits errunge-\nnen Standpunkte seinen Grund haben in Erschöpfung und\nVersiegung des Urquells deutscher Gemüths-Innig-\nkeit, indess der allgemeine Durchbruch materiellen\nStrebens alle Welt überflutet?—Das ideale Seelenleben\ntritt allerdings in den Hintergrund vor dem Vordrängen\nrealen Sinnenlebens mit allen seinen Forderungen und\nBedürfnissen, vor welchen beseligende Zufriedenheit nicht\nmehr zu bestehen vermag, daher auch im Gebiete der\nTonkunst so wenig befriedigende Leistung und selbst mit\nder höchsten Leistung so wenig Zufriedenheit. Welcher\nSeherblick vermöchte in dieser Welt allwaltenden Wan-\ndels zu erspähen, welche Nation für die Zukunft im Rathe\newiger Vorsehung zur Trägerin des Idealen auserwählt,\nalso auch zur Weiterförderung der Tonkunst berufen sein\ndürfte, wenn der Stern an dem romanisch-germani-\nschen Gesichtskreise zum Untergange neigt?\"\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nDas siebenunddreissigste nieder rheinische Musik-\nfest wird am 27., 28. und 29. Mai in Düsseldorf gefeiert wer-\nden. Am ersten Tage kommt Rob. Schumann's Sinfonie in\nB-clur und Händel's Samson zur Aufführung. Dieses Oratorium,\nwelches bekanntlich bisher nur nach der Mosel'schen Ausgabe in\nDeutschland aufgeführt worden ist, wird dieses Mal nach einer aus\nder Original-Partitur vervollständigten Bearbeitung, die Ferdinand\nHiller übernommen, gegeben werden.\nDer zweite Tag bringt Cherubiui's Ouvertüre zum Wasser-\nträger, das Gesangstück Ver sacrum oder »Die Gründung Roms*"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "160", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600512-01.1.8", "texte": "von Ferd. Hiller, Scenen aus Gluck's Iphigenie auf Tauris\nund die siebente Sinfonie (A-dur) von Beethoven.\nDas Concert am dritten Tage wird wie gewöhnlich den Einzel-\nleistungen ausgezeichneter Künstler gewidmet sein. Mit Gesang wer-\nden darin auftreten Frau Jenny Bürde-Ney aus Dresden, Fräul.\nFrancisca Schreck aus Bonn, Herr Schnorr von Carols-\nfeld (Tenor) aus Dresden, Herr Julius Stoekhausen aus Paris.\nHerr J. Joachim aus Hannover wird ein Violin-Concert eigener\nComposition, Herr Jul. Tausch aus Düsseldorf, der die Vorstudien\nder düsseldorfer Vereine zu den Fest-Aufführungen leitet, ein Con-\ncert für Pianoforte vortragen.\nFest-Dirigent ist Ferdinand Hill er.\n** Münster« Herr Concertmeister Max Wolff aus Frankfurt\nam Main, der seit einiger Zeit in verschiedenen Städten Rheinlands\nund Westfalens Concerte gegeben und dessen Violinspiel vielfach in\nMusik-Zeitungen und sonstigen öffentlichen Blättern gerühmt wor-\nden, bewährte auch hier diesen Ruf durch sein vortreffliches Spiel.\nIn dem Concerte des hiesigen Musik-Vereins am 28. April trug er\ndas Violin-Concert von Mendelssohn, eine Phantasie von Leonard\nund den Carneval von Venedig vor. Am 3. Mai hörten wir in einem\nvon ihm besonders veranstalteten Concerte die Kreutzer-Sonate von\nBeethoven, die Gesangscene von Spohr, die Ciaconna von Bach, eine\nRomanze von Max Wolff und den Hexentanz von Paganini. Sein\nTon ist schön, voll und kräftig, sein Spiel sehr rein und seine Tech-\nnik virtuos. Wenn die letztere hauptsächlich in der Ciaconna und\nden beiden Paganini'sehen Compositionen sich zu bewähren Gelegen-\nheit fand, so war die classische musicalisehe Durchbildung überall\nin der Auffassung und dem Vortrage des Andante des Mendelssohn'-\nschen Concertes, der Sonate von Beethoven und der Gesangscene zu\nerkennen. Für den Ernst, mit welchem der junge Künstler sich seine\nAusbildung hat angelegen sein lassen, zeugt nach der einen Seite\nseine Vorliebe für die classische Richtung, nach der anderen sein\nAuswendigspielen sämmtlicher Solo-Vorträge. Sein Talent in Verbin-\ndung mit diesem Ernste lassen von seiner weiteren Entwicklung\nAusserordentliches erwarten. Nicht ohne Interesse war die von ihm\nselbst componirte, als Op. 2 in Druck erschienene Romanze. Die\nansprechende Cantilene des Einganges kehrt am Schlüsse mit einer\nbegleitenden Figur wieder, welche in canonartiger Weise das als\nerste Stimme mit erklingende Thema imitirt. Beim Vortrage dieser\nschwierigen Stelle trat insbesondere der prächtige Ton und die mei-\nsterhafte Technik des Künstlers hervor. Die Ciavier-Partie der\nBeethoven-Sonate spielte Herr Theodor Krausse von hier recht\nbrav. Das hiesige musicalische Publicum, durch unseren vortreff-\nlichen Musik-Director C. Müller nur an classische Musik und aus-\ngezeichnete Ausführung gewöhnt und durch gewöhnliche Leistungen\nnicht zu elektrisiren, bestätigte das in Vorstehendem über Herrn\nConcertmeister M. Wolff ausgesprochene Urtheil durch zahlreichen Be-\nsuch des Concertes und durch aussergewöhnliche Beifallsbezeigungen.\nFranßfiari a. M. Die hiesigen Musiklehrer Hau f, Henkel,\nHilger und Oppel haben vom hohen Senate die nachgesuchte Er-\nlaubniss zur Errichtung einer Musikschule erhalten. Dem Ver-\nnehmen nach wird diese Kunstanstalt erst im kommenden Herbste\neröffnet werden. Das Corps der Musiker soll das Unternehmen eben\nnicht mit freundlichen Blicken begrüssen. Das dürfte sich jedoch\nbald ändern, da hoffentlich alle Stunden gebenden Herren und Da-\nmen in dieser Musikschule Beschäftigung finden, sonach in ihren\nEinkünften keine Schmälerung erleiden werden.\n7. Mai. Am künftigen 8. Juni gedenkt die Vater-\nstadt Robert Schumann's den fünfzigsten Jahrestag sei-\nner Geburt durch Aufführung mehrerer grösserer Werke desselben\nund durch Stiftung eines bleibenden Erinnerungszeichens an seinem\nGeburtshause zu feiern. Von dem Wunsche geleitet, diesen Gedächt-\nnisstag für die, welche dem verewigten Meister im Leben nahe ge-\nstanden oder ihn in seinen Werken lieben gelernt haben, zu einer\nwürdevollen Erinnerungsfeier zu gestalten, hat der Vorstand des hie-\nsigen Musik.Vereins, der die Leitung des Festes übernommen, die\nEinladungen zur Theilnahme ergehen lassen.\nDie Grundzüge des Fest-Programms sind folgender Maassen ent-\nworfen: Donnerstag, 7. Juni, am Vorabende des Festes: Grosses\nConcert Freitag, 8. Juni, früh: Einfache Enthüllungsfeier. Musicali-\nsche Matinee. Nachmittags Festessen. Die Anmeldungen sind späte-\nstens bis zum 27. Mai unter der Adresse des Herrn Regierungsrathes\nvon Schönberg, d. Z. Vorsteher des Musik-Vereins, hieher zu\nrichten. Eine namhafte Anzahl unserer Mitbürger hat sich erboten,\nauswärtige Theilnehmer, welche im Hotel kein Unterkommen finden\noder wünschen, bei sich als Gäste aufzunehmen, worüber man bittet,\ndie betreffenden Wünsche Behufs der Quartier-Bestellung dem Vor-\nstande mitzutheilen.\nUffeiHingen. Am 14. April fand hier in der Schlosskirche\neine schöne Aufführung des Messias von Händel durch den Chor\ndes Gesangvereins und des Sängerkranzes und die Hofcapelle unter\nLeitung des Hof-Capellmeisters Bott Statt.\nAm wiener Hof-Operntheater ist die Sängerin Frassini, die\nhoffentlich ihren deutschen Namen Eschborn wieder annehmen wird,\nmit 10,0( 0 FL für die nächste Saison engagirt, um mit ihr Meyer-\nbeer's Dinorah zu geben.\nAls Beispiel der Virtuosenherrschaft und des dadurch nothwendig\nerscheinenden Verfalls der Bühnen sei erwähnt, dass Frau Csillag\nam Hof-Operntheater in Wien — eine tüchtige Sängerin, aber kei-\nneswegs ersten Ranges — eine Jahresgage von 25,000 Fl. und einen\nzehnjährigen Contract gefordert hat Man soll ihr ohne Erfolg 18,< 00\nFl. und sechsjährigen Contract bewilligt haben. Frau Csillag singt\nin nächster Zeit in London auf dem Theater der Königin. Nach\npariser Journalen wird dieselbe im Herbste auf Wagner's Wunsch\nin der grossen pariser Oper die Rolle der Elisabeth bei der Auffüh-\nrung des Tannhäuser übernehmen [nachdem Frau Biirde-Ney defi-\nnitiv abgelehnt hat].\nIn Paris hat sich eine neue musicalische Gesellschaft unter\ndem Namen Cercle de VUnion arlistique begründet, deren Hauptzweck\nist, vorzügliche noch ungedruckte musicalische Werke zur Auffüh-\nrung zu bringen. Zum Vereins-Locale ist das frühere Seidenwaaren-\nMagazin Delisle in der Iiue de Clioiseul gewählt. Die Gesellschaft\nzählt bereits über 2ü0 Mitglieder. Im Verwaltungsrathe finden wir\ndie Namen: Fürst Poniatowski, Präsident; Ch. Gounod, Fürst\nAlphons von Polignac, Graf Melchior von Vice-Präsidenteu ;\nFürst von Alsace-Henin, E. Augier, M. Cottier, General Mellinet,\nFürst Metternich, Fürst Reuss, Fürst von der Moscowa, Osborne\nu. s. w."}]}