{"numero_id": "bm-bmtnabi-1860-05-19-01", "volume": "bmtnabi_1860-05-19_01", "ocr_sha256": "b701a86acdb30709109bae4c4dbc5922416f049a7b27411ee4730c34e7ea96d8", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1860/05/19_01/bmtnabi_1860-05-19_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600519-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1860-05-19-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-05-19_01#c001", "volume": "bmtnabi_1860-05-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "161", "page_fin": "161", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600519-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "161", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600519-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 425, "texte": "Inhalt.\nZur Geschichte der Concert-Gesellscbaft des Conservatoriums in Paris. Schluss. Von L. B. Aus Prag (Musicalischc\nZustände Das Conservatorium Concerte). Tages- und Un ter h al tun gsbl a 11 (Köln, die italiänische Opern-Gesellschaft des\nHerrn Merelli Crefeld, Liedertafel-Concert Gent, Chorgesang-Wettstreit Herr Sivori Marie Piccolomini Neapel,\nTheater-Zustände Paris, Sängerfahrt nach London, Neubau des Opernhauses)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-05-19-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-05-19_01#c002", "volume": "bmtnabi_1860-05-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "161", "page_fin": "164", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600519-01.2.2", "titre_corps": "Zur Geschichte der Concert-Gesellschaft des Conservatoriums in Paris.", "titre_sommaire": "Zur Geschichte der Concert-Gesellschaft des Conservatoriums in Paris.", "signature_source": "L. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "161", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600519-01.1.1", "debut_caractere": 427, "fin_caractere_exclue": 4102, "texte": "Zur Geschichte der Concert-Gesellschaft des Conser-\nvatoriums in Paris.\n\n(Schluss. S. Nr. 20.)\n(ach dem über das stehende Abonnement Gesagten\nseht :it es, als könnten Nicht-Abonnenten und Fremde gar\nnicht zum Besuche eines Conservatoire-Concertes gelangen.\nDem ist jedoch nicht also.\nGegenwärtig ist die Zahl der ordentlichen Concerte\nauf sieben festgesetzt, welche alle vierzehn Tage Sonntags\num 2 Uhr, vom ersten Sonntag im Januar ab, Statt finden.\nAusserdem werden noch drei ausserordentliche Concerte,\nwelche Abends 8 Uhr beginnen, gegeben. Auf diese letz-\nteren verzichten viele Abonnenten. Ferner schicken dieje-\nnigen, welche das bevorstehende Concert nicht besuchen\nkönnen oder wollen, ihr Rillet für diesen Tag an den Cas-\nsirer zurück. Dieser verzeichnet jeden Freitag nach dem\nConcerte diejenigen Fremden der Reihe nach, die sich zu\neinem Eintritts-Rillet melden und den Preis gegen Quittung\ndeponiren. Am Samstag vor dem nächsten Concerte erhält\nman dann auf Vorzeigung der Quittung sein Billet, so weit\nder Vorralh reicht. Geht man leer aus, so bekommt man\nsein Geld zurück, wenn man nicht vorzieht, von der Ver-\ngünstigung, für das nächste Concert schon sogleich einge-\nschrieben zu werden, Gebrauch zu machen. Der Preis die-\nser Extra-Billets ist ohne alle Erhöhung derselbe, wie im\nAbonnement, Diese Einrichtung hat etwas sehr Empfeh-\nlenswerthes.\nWerfen wir nun einen Rückblick auf die Concerte von\n1828 bis 1859 und ihre Programme.\nEs haben in diesem Zeiträume überhaupt 306 Con-\ncerte Statt gefunden, von denen Ilabeneck 184, Tilmant\nder Aeltere 11, Girard 111 dirigirt hat.\nDie Programme berücksichtigen bei der Zusammen-\nstellung der aufzuführenden Stücke nur sehr selten eine\ngewisse Einheit oder Charakter-Verwandtschaft, geben\nvielmehr oft ganz auffallende Beweise vom Gegentheil.\nZ. B.: Beethoven's C moll-Sinfonie, Chor aus der Oper\nPharamund von Boieldieu, Elegie für Violoncell von Rom-\nberg, Duett aus „Der Schnee\" von Auber, Benedictus aus\nHaydn's B-dur-Messe,Ouvertüre von Schmitzhöffer, Arie\naus „Das Concert am Hofe\" von Auber, Violin-Concert\nvon Mayseder, Gloria aus der D-ditr-Messe von Beethoven.\nEin anderes: Sinfonia eroSopran-Arie aus dem\nFreischütz, Einige Sätze aus Beethoven's Septett, Chor aus\nEuryanthe, Variationen für Flöte, Oboe, Horn und Fagott,\nTerzett aus Wilhelm Teil, Pianoforte-Solo (Kalkbrenner),\nOberon-Ouverture. Noch eines, ein Curiosum echter\nSorte: Allegro und Scherzo der IX. Sinfonie,\nfür Solo-Sopran und englisches Horn von Cherubini, Satz\naus einem Quartett von Beethoven, Op. 18, von allen Gei-\ngen-Instrumenten zusammen ausgeführt, Jägerchor aus\ndem Feischütz mit sechszehn Hörnern, Sopran-Scene aus\ndem Freischütz und—Adagio und Finale der IX. Sinfonie,\nVon Vocalmusik herrschen Soli, Duette und Terzette\nvor, ferner kurze Chöre; von grossen Werken wurden stets\nnur Bruchstücke gegeben, an Aufführung ganzer Oratorien\nist nicht zu denken. Nur in den letzten Jahren kamen am\n22. März 1857 die vollständigen „Jahreszeiten\" von Haydn\nvor mit französischer Text-Uebersetzung von Roger; der\nzweite und dritte Theil wurden am 16. Mai, das Ganze\nam 24. Januar 1858 wiederholt und am 6. Februar\n1859 „Die Schöpfung\" von Haydn, deren erster Theil\nam 22. April 1859 wiederholt wurde.\nEs überwiegt mithin in den Programmen die Instru-\nmental-Musik, und es ist auch keine Frage, dass der Ruhm\neiner wirklich meisterhaften Ausführung in den Conser-\nvatoire-Concerten nur in Rezug auf diese der Gesellschaft\nzuerkannt werden kann. In den Gesangstücken hört man\nzwar meist gute, zuweilen ausgezeichnete Solisten, aber\nim Ganzen stehen die Vocal-Leistungen, besonders wo es\nauf imposante und frische Chorstimmen ankommt, dem,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "162", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600519-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4434, "texte": "was man in Deutschland in dieser Beziehung hört, bei\nWeitem nicht gleich.\nWir haben schon oben darauf hingewiesen, wie sehr\nHabeneck's Natur mit seiner Liebe zur deutschen Musik\nverwachsen war. Er hat die Erbschaft derselben der Con-\ncert-Gesellschaft hinterlassen, denn die deutschen Meister\nbeherrschen bis auf diese Stunde die Programme ihrer\nConcerte. Der Beethoven-Cultus ist eine charakteristische\nEigenschaft derselben; es ist gar nicht selten, dass zwei,\ndrei und noch mehr Stücke von Beethoven in demselben\nConcerte vorkommen. Gleich das zweite Concert (den 23.\nMärz 1828) war ausschliesslich dem Andenken Beetho-\nvens geweiht und brachte nur Musik von ihm, darunter\ndie Eroica, das Violin-Concert (zum ersten Maie in Paris),\ndurch Baillot vorgetragen, den ersten Satz des Clavier-\nConcertes in C-moll(gespielt von Madame Brod). So finden\nwir z. B. die die Romanze für Violine\n(Baillot), die Corioian-Ouverture und den Schlusschor aus\nChristus am Oelberge in Einem Concerte; ja, die\nund die £-ww//-Sinfonie mehrfach auf einmal, jene zu An-\nfang, diese zu Ende des Concertes, eben so ein anderes\nMal die Sinfonie in D-durund die in (dazwischen\nCarafTa und Mercadante); ferner Pastoral-Sinfonie, Clavier-\nConcert in G-dur (gespielt von Felix Mendelssohn den\n18. März 1832), Quartettsatz aus Op. 59 (zum ersten\nMale von sämmtlichen Geigern, ein späterhin oft wieder-\nholtes Kunststück, dessen wunderbarer Effect sich übri-\ngens nicht läugnen lässt), die Corioian-Ouverture und der\nSchlusschor aus Christus also von sechs Nummern vier\nvon Beethoven. Eine Ouvertüre und eine Sinfonie von ihm\nsind sehr häufig auf Einem Programm.\nAm schlagendsten ist das Gesammt-Register. In den\n306 Concerten haben die neun Sinfonieen von Beethoven\nfolgende Aufführungen erlebt:\nNummer 1. in G-dur.. . . . . 13.\n„ 11. in D-dur 26.\n„ 111. in Es-dur 28.\n„ IV. in B-dur 24.\nV. in C-moll . . . . . 53!\n„ VI. in F, Pastorale . . 51!\nVII. in A-dur 52!\n„ VIII. in F-dur 14.\n„ IX. in D-moll 19.\nIm Ganzen: 280 Aufführungen.\nDazu kommen noch 33 Aufführungen von Beethoverfschen\nOuvertüren, 5 aus dem Ballet Prometheus, 41 von Kam-\nmermusik-Stücken, 11 von Bruchstücken aus den beiden\nMessen, 23 aus Christus am Oelberge, 36 aus Fidelio und\nanderen Gesang-Compositioncn zusammen 149, mithin\n4*29 Mal Beethoven in 306 Concerlen! Dabei sind die\nVorträge von Concerlen l'ür Ciavier und Violine nicht\ngerechnet.\nJ. Haydn ist durch 58 Aufführungen von 28 seiner\nSinfonieen, 27 von Quartetlsätzen, 26 von Motetten und\nBruchstücken aus Messen, 24 von Theilen der „Schöpfung\"\nund der „Jahreszeiten\" und der sieben Worte und 3 von\nkleineren Gesangstücken, zusammen durch 138 Auffüh-\nrungen vertreten.\nW. A. Mozart zählt 37 Aufführungen von sechs Sin-\nfonieen (in C\\ Op. 41, 12, in G-moll 11, in Es-dur 6 Malj,\n9 von Ouvertüren, 1 Kammermusikstück, 40 aus dem\nRequiem, Ave verum(l3), Motetten, Litanei (1), 5 von\nFragmenten aus Davidde penitent42 aus Opern, 3 Solo-\nNummern—zusammen 137.\nCherubini findet sich in Orchesterstücken 5 Mal, in\nkirchlichen Gesangslücken 62, in Opernstücken 16, im\ndreistimmigen Chor mit Orchester auf Hay dn's Tod 11,\nmithin im Ganzen 94 Mal.\nMendelssohn in Sinfonieen 7, in Ouvertüren 19, in\nder Musik zum Sommernachtstraum 13, dem doppelchö-\nrigen Psalm 2, Walpurgisnacht 2, kleinem Bruchstücke\naus Paulus 6, Lorelei 1 Mal = 50.\nC. M. von Weber in Ouvertüren 64 Mal (Oberon\n37 Mal), in Gesangstücken 60 Mal = 124.\nSpohr in Sinfonieen 2 Mal (Weihe der Töne).\nOnslow 8 Mal.\nMehul in Ouvertüren 11, in Gesangstücken 16 Mal\n= 27.\nGluck in Ouvertüren und Ballet-Nummern 12, in\nGesanestücken 42 Mal = 54.\nO\nJ. Seb. Bach 6 Mal in Gesangstücken, 2 Mal Thema\nmit Variationen und Schlussfuge (?) für Orchester instru-\nmentirt von Auber.\nRossini Ouvertüre zu Teil 15 Mal,\n(meist Fragmente) 10, aus Opern 23 Mal, 1\nMal = 49.\nVon eigentlich französischen iMeislern (Gluck, Cheru-\nbini, Sponlini, Bossini nicht dazu gerechnet) finden wir\nnur 19 Mal Sinfonieen, 19 Mal Ouvertüren, 10 Mal Or-\nc-besterstücke anderer Art, 2 Mal Quintett (von Reicha für\nHarmonie), 9 Mal kirchliche Gesangstücke, 66 Mai welt-\nliche Gesänge; im Ganzen 125 Aufführungen, während\nauf Haydn, Mozart, Beethoven, Weber und Mendelssohn\n878 kommen!\nNach dieser allgemeinen statistischen Uebersicht dürfte\nan Einzelheiten aus den sämmtlichen Programmen noch\ninteressant sein:\nBaillot's Vortrag des Violin-Concertes von Beethoven\nim Jahre 1828, zum ersten Male den 23. März und am"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "163", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600519-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5198, "texte": "11. Mai wiederholt. Später hat es Alard im Jahre\n1847 wieder 2 Mal gespielt. Die IX. Sinfonie zum er-\nsten Male den 27. März 1831, Christus am Oelberge 5.\nFebruar 1832, Mendelssohns Vortrag des G-dur-Concer-\ntes den 18. März 1832, Mozart's Requiem den 23. März\n1834 ; Concertstück von Weber, gespielt von Liszt, den\n17. April 1835; Polonaise und Introduction von Chopin\ncomponirt und gespielt den 26. April 1835; Molique den\n21. Februar 1836; Thalberg den 24. Januar 1836; Es-\ndur-Concert von Beethoven durch Louis Chollet (-[-1851,\nnoch sehr jung) den 11. Februar 1838; Th. Döhler\n(Phantasie) den 29. März 1839, aber das\nvon Beethoven im Jahre 1847; 11. Vieuxtemps den 10.\nJanuar 1841; Ernst den 21. März 1841; Leopold von\nMeyer [Air de Normo, et Ouvertüre du Freischütz, arran-\n(jes pour Piano forte f)den 9. April 1841*); Mendelssohn's\nFingalshöhle zum ersten Male den 20. Februar 1842,\ndessen I. Sinfonie den 14. Januar 1843; Sivori mit einem\nConcerte eigener Composition den 29. Januar 1843; Rud.\nWill mers (Serenade für die linke Hand [!j und Phantasie)\nden 14. April 1 843; Mademoiselle Mattmann (Beethoven's\nG-dur-Concert) den 23. Februar 1845; Halle (G-dur-\nConcert von Beethoven) den 23. Januar 1848; Mendels-\nsohn's Walpurgisnacht den 20. März 1853, wiederholt den\n10. April. Die IJebersetzung des Göthe'schen Gedichtes\n(von Belanger) gibt von der „hohen Intention\" desselben\nkeine Ahnung wieder, macht aus den Druiden „Hexen-\nmeister\", aus dem Volke „Zigeuner\", die dem „Dieuuni-\nversell opfern und gegen die „Häscher\", die sie umstellen,\neine irruption sataniquemachen u. s. w. Dennoch wurde\n„ cette vaste et curieuse composition\n—Beethoven's Musik zu Egmont mit verbindendem Gedicht\nden 15. April 1855, oft wiederholt. Aus der häufig gege-\nbenen Balletmusik „Prometheus' Menschen\" wird ein Quin-\ntett für Flöte, Oboe, Violoncell, Fagott und Harfe stets\nda capo verlangt. Die „Schöpfung\" vollständig den 6. Fe-\nbruar 1859.\nBekanntlich hat die Einseitigkeit und Beschränkung\ndes Repertoires der Concert-Gesellschaft in neuerer Zeit\nviele Gegner gefunden. Auch EI wart spricht sich am Schlüsse\nseines Buches darüber aus, dass selbst in Bezug auf die\nclassischen Meister noch Vieles vermisst wird, z. B. von\nJ. S. Bach, der drei (?) Passionen geschrieben habe, von\ndenen noch keine einzige vollständig dem „gar zu Beetho-\nven'schen Publicum\" der Conservatoire-Concerte vorge-\no\nführt worden sei. Warum sagt er nicht dasselbe von der\nMenge von Oratorien von Händel, von welchen das Re-\npertoire nur das grosse Halleluja und einige Bruchstücke\naus Judas Maccabäus kennt? Indessen vermisst er mit\nRecht Mendelssohns „Paulus\" und „Elias\", sogar auch\nden „Tod Jesu\", dessen Autor aber nicht „Grün\" (S. 392),\nsondern Graun heisst, ferner F. Schneider, Spohr, F. Schu-\nbert und Rob. Schumann. Allein er fügt, da er seine Leute\nkennt, auch hinzu:\n„Wirbehaupten freilich nicht, class französische Ohren\nschon genügend geübt und gebildet sind, um während eines\nganzen Concertes die vollständige Aufführung von Werken\nder genannten grossen Meister zu ertragen und auszuhal-\nten; aber da die Programme der Concert-Gesellschaft uns\neinmal einige glänzende Proben aus jenen gegeben haben,\nso müsste sie auch in der Ausbeutung dieser Schätze wei-\nter gehen und eine Commission mit der Durchsicht und\netwaigen Proben der alten Partituren beauftragen, um\ndaraus eine Auswahl zu treffen.\"\nAlso doch wieder Alles'nur fragmentarisch! Und es\ngeht in der That nicht anders. Mit Haydn's „Schöpfung\"\nund den „Jahreszeiten\" konnte man es wagen, aber der\nStil und die Mannigfaltigkeit des Inhalts dieser Werke ste-\nhen bekanntlich einzig da. Man denke sich aber ein pariser\nPublicum bei einer Passion von Bach, den Oratorien von\nHändel, dem Elias von Mendelssohn oder der Peri von\nSchumann! Vom Zuhören könnte da nicht mehr die Rede\nsein, sondern nur vom Zu gähnen.\nAls Rechtfertigung der Bevorzugung der bewährten\nMeisterwerke und ihrer immerwährenden Wiederholung\nantwortete der verstorbene Girard in einem Concerte in\nSt. Cloud im Jahre 1856 der Kaiserin auf ihre fragende\nBemerkung: „Sie führen also nur Compositionen von todten\nMeistern in Ihren schönen Concerten auf?\" „ „Majestät!\ndas Repertoire unserer Gesellschaft ist das Museum im\nLouvre der Tonkunst.\"\"\nAllerdings hat diese feine Antwort viel für sich; man\nwürde diejenigen mehr als belächeln, welche die antiken\nStatuen und die Raphael's, da Vinci's, Tizian's u. s. w. im\nMuseum nicht mehr ansehen wollten. Es berührt dies die\n„brennende\" Frage über den Fortschritt der Kunst, den\nfreilich die Theorie stets behauptet, während es mit den\nBeweisen dafür durch die That noch immer hapert.\nWir billigen das conservatorische Princip der pariser\nConcert-Gesellschaft, glauben aber, dass durch allmähliche\nVerdrängung des Fragmentarischen aus den Programmen\nund eine Anordnung derselben, die mehr aus inneren als\näusseren Rücksichten hervorginge, der Sinn des Publicum»\nmehr geübt, vom Geschmack an buntem Wechsel abge-\nzogen und nach und nach an das „Ertragen und Aushal-\n\n*) Das Programm dieses Abend-Concertes am Charfreitage\nenthält ausserdem eine Sinfonie von liaydn, eine Sopran-Arie\naus Don Juan (!), Christus am Oelberge und die C-moll-\nSinfonie.\nlt"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "164", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600519-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4203, "texte": "ten\" von grossen Werken gewöhnt werden könnte, wie\ndies ja schon bei den Sinfonieen der Fall ist.\nDie Conservaloire-Concerle zu Experimenten mit\nneueren, noch ungedruckten Compositionen herzugeben,\nwird kein wahrer Kunstfreund befürworten. Allerdings\nhalte Ilabeneck einmal den Gedanken, Versuchs-Proben\neinzurichten, um die Erzeugnisse von Zeitgenossen und\njungen Talenten zu probiren; allein um die Kosten dersel-\nben zu bestreiten, die man doch unmöglich der Gesell-\nschafts-Casse aufbürden könnte, bedurfte es der Unter-\nstützung von Staats wegen, und daran scheiterte die Sache.\nFreilich erschien im Jahre 1832 ein Decret des Mi-\nnisteriums, welches verlangte, dass in jedem Concerte ein\nim vorigen Jahre mit dem ersten Preise gekrönter Zögling\nauftreten, ja, dass in jedem Concerte eine Composi-\ntion der Stipendiaten, die ihre drei Jahre in Italien und\nDeutschland zugebracht hätten, aufgeführt werden solle!\nWenn nun Herr Elvvart „alle redlichen Leute fragt,\nob jemals irgend ein Comite der Concert-Gesellschaft seit\n1832 diesen für die Zukunft der Stipendiaten so fürsorg-\nlichen Paragraphen ausgeführt habe,\" so hätte er richti-\nger alle vernünftigen Leute fragen müssen, ob ein sol-\nches Decret jemals ausführbar sei. Vor Allem gehören zur\nAusstellung von Gemälden Gemälde, von Blumen Blumen,\nvon Compositionen Compositionen. Herr Elwart hat aber\nden Aufsatz von Felis in einem der letzten Jahrgänge der\nRevue et Gazette musicalevergessen, in welchem die über\nalle Maassen dürre Aernte gemustert wird, welche die\nKrönungen und Studienreisen der Zöglinge des Conserva-\nloriums bisher geliefert haben.\nWollen die Pariser etwas für den Fortschritt der Mu-\nsik, oder besser gesagt, für die Compositionen der neue-\nren Meister, sowohl der in den letzten Jahrzehenden da-\nhingeschiedenen als besonders auch der lebenden, thun,\nso mögen sie die Concerl-Unternehmungen, die neben\nder alten Conservatoire-Gesellschaft sich aufihun und die\nFörderung des Neuen zu einem IlaupUheile ihrer Aufgabe\nmachen, besser unterstützen, als bisher.\nWie lange haben die Concerte des\n1834 unter Tiimanl's Direction eingerichtet, sich gehal-\nten, trotz der neuen Compositionen von 11. Berlioz und\nTurbry, den kein Mensch mehr nur dem Namen nach\nkennt, obwohl er eine Menge Quartetts und eine Oper ge-\nschrieben hat?— Wie bald gingen die Concerts Valentino\nin der Strasse St. Honore, in denen Beethoven'sche Sinfo-\nnieen und auch neuere, z. B. eine von Felicien David, die\nspurlos vorüberging, gemacht wurden, wieder ein! —-\nKonnte die Union musicale,lB47 vom Violinisten Manera\nbegründet, nach dessen Tode von Fei. David und darauf\nvon 11. Berlioz dirigirl, bestehen? Und das sind doch Ko-\nryphäen der »Neuzeit\". Warum lässt man sie denn im\nStich? warum geht man lieber ins „Louvre der Tonkunst\"\nin der rite du Conservatoire ?\nAuch die trefflichen Leistungen der Sairde\nCccile, der zuletzt verblichenen, wo unter Segher's Direc-\ntion tüchtige Werke von Beber, Gouvy, Gounod und An-\nderen sehr gut aufgeführt wurden, konnten ihren baldigen\nUntergang nicht hemmen.\nWrir wünschen dem einzigen noch jetzt bestehenden\nähnlichen Concert-Vereine, den Pasdeloup unter dem\nNamen der Societe des jeunesArtides\nim Jahre 1853 gegründet hat, ein längeres Gedeihen, als\nseinen Vorgängern, wozu es denn auch den Anschein hat.\nEs ist in diesen Blättern schon öfter von den Leistungen\ndesselben die Bede gewesen; in seinen Concerten sind in\nden letzten Jahren nebst Sinfonieen von lebenden französi-\nschen Componislen (Gounod, Lefebure-Wely, Saint-Saens\nu. s. w.) auch die Musik Weber's zur Preciosa und Mo-\nzart's zur Entführung aus dem Serail und eine Sinfonie\nvon Schumann zum ersten Male in Paris zu Gehör ge-\nkommen.\nSchliesslich bemerken wir noch, dass das Gerücht, als\nwerde die Zahl der Conservatoire-Concerte vermehrt oder\neine doppelte Beihe derselben (nach Elwart's Vorschlag\nfür Alt- und Neu-Abonnirte, so dass die letzteren am fol-\ngenden Sonntage dasselbe hörten, was am vorhergehenden\nfür die ersteren aufgeführt worden) eingerichtet werden,\ndurch die neuesten Nachrichten aus Paris sich als unbe-\ngründet erweis't. Es bleibt beim Alten, das heisst bei sie-\nben ordentlichen und drei ausserordentlichen Concerten.\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-05-19-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-05-19_01#c003", "volume": "bmtnabi_1860-05-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "164", "page_fin": "167", "image_debut": 4, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600519-01.2.3", "titre_corps": "Aus Prag.", "titre_sommaire": "Aus Prag.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "164", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600519-01.1.4", "debut_caractere": 4205, "fin_caractere_exclue": 5133, "texte": "Aus Prag.\n[MusicaliscLe Zustände — Das Conservatorium. — Concerte ]\nDer Druck der Verhältnisse, die unsere Zeit so eigen-\ntümlich und fühlbar als eine in ihrer Art einzige Gcschichts-\nPeriode kennzeichnen, lastet wohl auf keinem Staate mit\nso gewaltiger Wucht, wie auf der österreichischen Monar-\nchie. Nicht nur das öffentliche Leben, auch jenes der Fa-\nmilie, ja, jedes Individuums wissen von der Gewalt der\nThalsachen, von den überall störenden Hemmnissen der\nüber uns hereingebrochenen sündllutartigen Calamität zu\nerzählen. Die materiellen Conflicte, in welche wir durch po-\nlilische und sociale, provocirte und zufällige Umstände ge~\nrathen sind,durchdringen den ganzen Staatskörper mit einer\nsolchen Intensität, dass kein Glied desselben, und wäre es\nauch das kleinste, unberührt bleiben kann. Der Wechsel-\nwirkung, in welcher Körper und Geist zu einander stehen,\nentspricht auch jene zwischen dem materiellen und geisti-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "165", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600519-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5761, "texte": "gen Leben im Haushalte der Völker. Mit den politischen,\nsocialen Zuständen stehen jene, welche sich auf dieser rea-\nlen Basis in dem idealen Reiche der Wissenschaft und Kunst,\nin der Sphäre höherer Culturbestrebungen bilden, in glei-\nchem Verhältnisse. Die Qualität in Beschaffenheit der einen\nbestimmt zum grössten Theile jene der anderen, eben weil\nim kranken Leibe nur selten ein gesunder Geist leben kann,\noder die freie Regsamkeit und Entwicklung desselben we-\nnigstens gebunden erscheinen. Kann das Kunstleben eines\ngeistesfrischen Volkes, einer in das nie zum Stillstehen zu\nbringende, nur in seinem Umschwünge höchstens zu hem-\nmende Rad vorwärts strebender Civilisation eingreifenden\nStadt selbst durch die brutalsten Gebote eines feindlichen\nGeschickes nicht gänzlich unterdrückt werden, so lassen sich\ndie Resultate eines solchen doch nicht vollends paralysiren;\ndenn Mangel an Licht, Luft und anderen der freien Bewe-\ngung nothwendigen Bedingungen ist ein Hemmniss, das zu\nüberwinden bisweilen selbst der vollsten Willens-Energie\nnicht immer gelingt. Aus diesem ergeben sich die jetzigen\nZustände des auf das Prokrustesbett allgemeiner Nolhigun-\ngen gespannten Kunstlebens von selbst. In Prag kommen\nzu diesen allgemeinen noch allerhand besondere, deren Vor-\nhandensein wohl als constatirt gelten kann, aber von denen\nes besser sein dürfte, zu schweigen. Unter den Auspicien\nsolcher Art muss an die lebenden Hegungen der Kunst ein\nnur relativer Maassstab gelegt werden, der nicht bloss die\npositiven Thatsachen nach ihrer absoluten Gültigkeit, son-\ndern auch den negativen Kampf mit den nun einmal vor-\nhandenen, mit Gewalt aufoctrovirten Verhältnissen im be-\n«j\nrücksichtigenden Auge behält. Einige locale Notizen aus\ndem hiesigen socialen Leben, aus den hiesigen politischen\nZuständen und burcaukratischen Personal-Verhältnissen ge-\nnügten, um diese allgemeinen Andeutungen in das hellste\nLicht zu setzen, speciel zu begründen; doch muss hier aus\nguten Gründen davon Abstand genommen werden, die Deu-\ntung jenen, welche Prags Verhältnisse nicht durch Autopsie\nkennen, überlassen bleiben, selbst auf die Gefahr hin, letz-\ntere einer von der gemeinten und erfässten verschiedenen\nzusteuern zu sehen. Es muss die Versicherung genügen,\nC O O '\ndass sich bei uns die Klippen, welche einem selbstsändigen\n'Aufschwünge freier Entwicklung eines kräftigen Runstiebens\nentgegenstehen, in neuester Zeit immer mehr und mehr ver-\nvielfältigen. Die Verfolgung der Mission, welche Prag so\nblühend vor einem und zwei Decennien zu erfüllen strebte,\nwird ihm immer schwerer gemacht, nicht zufolge innerer,\nsubjectiver Ursachen, sondern äusserer Hindernisse. Dieses\ngilt nicht nur von dem wissenschaftlichen und Kunst-Leben\nim Allgemeinen, sondern auch von jenem der Tonkunst\ninsbesondere, der Domqine, in welcher es als Hauptstadt\ndes musicalischen Böhmens selbst unter drückenderen poli-\ntischen Verhältnissen, als den jetzigen, einst doch souverain\nherrschen konnte. Alle Factoren eines öffentlichen Musik-\nlebens leiden unter dem Drucke nicht nur jener allgemei-\nnen, überall mehr und minder fühlbaren Zustände, sondern\nauch der besonderen, die nun auf Prag lasten. Da diese\nZeilen insbesondere dem hiesigen Conservatorium gewidmet\nsein sollen, so möge es erlaubt sein, Einiges anzudeuten,\nwas der Erweiterung und Vervollkommnung dieses natio-\nnalen Instituts im Wege steht. Abgesehen davon, dass ein\nauf die Munificenz einzelner hochherziger Patrioten ange-\nwiesenes Privat-Institut immer nur auf das angewiesen bleibt,\nwas es von der Grossmuth dieser zu erwarten hat, dass die-\nses nie eine Garantie und feste, sichere Basis bilden kann\nund von nur zufälligen Constellationen abhängt, diese aber\ngerade jetzt so ungünstig als möglich sind, erwachsen aus\ndieser schwankenden Stellung auch noch andere als bloss\nmaterielle Gefahren, deren Einfluss ein tief eingreifender\nund nachhaltiger ist. Die Entstehung des Conservatoriums\nfällt in eine Zeit, welche dem Institute noch ein Privilegium\ndes Monopols sicherte. Die damaligen Anforderungen wa-\nren viel bescheidener und specieller, als jene, die jetzt an\neine Hochschule der Musik gemacht werden. Eine Concur-\nrenz bestand noch nicht, und die den ursprünglichen Grün-\ndungs-Intentionen musterhaft entsprechende ürganisirung\nentsprach vollkommen dem ersten Zwecke einer alle we-\nsentlichen Instrumente umfassenden Orchcsterschule auf der\nBasis allgemeiner musicalischer Bildung. Ja, sie ging noch\nhöher und beschenkte die musicalische Welt nicht nur mit\ntüchtigen praktischen Musikern, sondern auch mit Virtuosen\nersten Ranges und produetiven Künstlern. Jetzt, bei der mo-\ndernen Richtung, welche die Tonkunst eingenommen, sind\ndie Verhältnisse andere geworden. Ueberall sucht man der\nspeciel musicalischen Bildung nicht nur jene strengwissen-\nschaftlicher Theorie, sondern, als absolute Bedingung einer\nsolchen, die allgemeine humanistische als feste Basis unter-\nzulegen. Wie nothwendig eine solche dem jetzt in die Welt\ntretenden Musiker sei. bedarf wohl keiner neuerlichen Her-\nvorhebung. Die sociale Stellung des Tonkünstlers nicht nur\nist eine von der früheren ganz und gar verschiedene, die\neinst ausreichende Naivetät eines exclusiven, selbstzweck-\nlichen Musikers, dem das ganze ausser seinem Fache lie-\ngende Gebiet anderweitiger Cultur-Elemente in genügsam-\nster Selbstbefriedigung eine Te blieb, ist heut-\nzutage ein vollkommen überwundener Standpunkt. Aber\nauch dem bloss ausübenden Instrumentalisten als solchem,\num so eindringlicher dem producirenden Künstler und je-\nnem, der eine höhere Stellung als Dirigent und artistischer\nLeiter aspirirt, genügen das blosse Talent und die Erwer-\nbung blosser Fachkenntnisse und Erfahrungen nicht mehr.\nSeitdem die Fortschritts-Bewegung auch in der Musik die"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "166", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600519-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5659, "texte": "Gränzen, welche ihr bestimmt sind, nicht so sehr zu über-\nschreiten als möglichst zu erweitern sucht, bedarf ihr Ver-\ntreter eines weiteren Horizontes; dieser wird aber nur auf\nder Höhe einer allgemeinen, nicht bloss äusserlich weltli-\nchen, sondern wissenschaftlichen Bildung gewonnen. Der\nspeciellen Auseinandersetzung und Bekräftigung dieser An-\ndeutungen bedarf es wohl nicht; sie drängen sich dem Ar-\ntisten, sowohl was seine sociale Stellung als was die Not-\nwendigkeit, im Strome des Kunstlebens unmittelbar zu\nstehen, alle Gründe und Motive desselben zu begreifen, an-\nbelangt, wohl von selbst und eindringlich genug auf. So\nvortrefflich nun auch unser Conservatorium als specielle\nMusikschule sein mag, so glänzend die Resultate der ver-\nschiedenen, zu einem ganzen Organismus verbundenen In-\nstrumental-Classen bisher auch waren, die Möglichkeit, sich\numfassende Kenntnisse, auch solche, die in nur mittelbarem\nVerhältnisse zu den specifisch musicalischen stehen, aber nicht\nminder nothwendig sind, zu erwerben, bietet das Institut\nzufolge seiner Constitution den Schülern nicht mehr in voll-\nkommen ausreichender, den jetzigen Erfordernissen genü-\ngender Weise. Bedarf der Musiker schon als solcher einer\nmöglichst ausreichenden Kennlniss in allen dem Gebiete\nder Tonkunst angehörenden wissenschaftlichen Fächern, so\nist ihm die Fähigkeit, dieselbe kritisch zu sichten und die\ndann seiner Perceptionsgabe und anderweitigen Talenten\nentsprechenden Resultate seiner Fachbildung anwenden und\ngebrauchen zu können, nicht minder unentbehrlich. Diese\nFähigkeit kann aber nur durch allgemeine Ilumanitäts-\nBildung erlangt werden. Was in dieser Beziehung an un-\nserem Conservatorium unter den obwaltenden Umständen\ngeleistet wird, ist zwar höchst anerkennenswerth; es be-\nschränkt sich aber, wie es in der Natur der Dinge liegt,\nauf das einem Privat-Institute Zugänglichste. Dass dieses\nbei beschränkten und nicht gesicherten Mitteln nur lücken-\nhaft sein kann, versteht sich von selbst. Bei den jetzigen\nAnforderungen an die Tonkunst und ihre Vertreter, bei\nder-immer steigenden Concurrenz, die mit dem Aufblühen\nneuer derlei Institute dem unseren erwächst, wird eine\nVervollkommnung und Vervielfältigung der Bildungsmittel\neben eine immer brennendere Frage für das Gedeihen des\nprager Conservatoriums. Die Antwort auf selbe, als Lösung\nfür die ferneren Bedingungen einer gesunden, concurrenz-\nfähigen Existenz, lässt unter den bisherigen Verhältnissen\nauf sich warten. Nur einer vervollständigenden und erwei-\nternden Reform wird es gelingen, den Forderungen der\nNeuzeit zu genügen. Zu diesem Zwecke, nun kann bloss\neine Alterirung und Umwandlung der Anstalt aus einer\nprivaten in eine öffentliche, d. h. solche erreicht werden,\nwelche sie den mannigfaltigen Zufällen, denen sie nach ihrer\njetzigen Constituirung ausgesetzt ist, entrückt; sie muss.\nsoll sie ferner gedeihen, über allen Wechselfällen stehen.\nUnter der Garantie des Landes selbst wird dieses allein\nmöglich, und man sieht, wie sich die allgemeine Notwen-\ndigkeit einer endlichen Beendigung der politischen Provi-\nsorien auch in den speciellsten Fällen geltend macht. Es\nbedarf nicht der Anführung besonderer Facta, um die Hin-\ndernisse, welche unter der Aegide dieser leidigen proviso-\nrischen Zustände dem zeitgemässen Aufschwünge des Con-\nservatoriums entgegen stehen müssen, zu constatiren; es\nmuss deren allgemeine Andeutung genügen. Wenn sich ein\nBericht mit dem jetzigen Zustande desselben befassen soll,\nso muss es dem Berichterstatter erlaubt sein, von absolu-\nten Postulaten zu abstrahiren, die gegebenen Verhältnisse\nals Ausgangspunkt desselben zu nehmen. Dass auf der Basis\nder nun einmal vorhandenen Verhältnisse das prager Con-\nservatorium seine Geltung und relative Bedeutung auch jetzt\nnoch siegreich und verhältnissmässig glänzend zu behaupten\nvermag, verdankt es zunächst in materieller Beziehung der\nnicht genug zu preisenden Energie und Opferwilligkeit der\nan der Spitze des „Vereins zur Beförderung der Tonkunst\nin Böhmen\" stehenden Direction, als deren Seele Graf Al-\nbert Nostiz zu nennen, und in Beziehung der pädagogisch-\nartistischen Leitung des Instituts dem artistischen Director\ndesselben und dem ihm zur Seite stehenden Lehrkörper.\nUm die Verdienste der Letzteren in das ihnen zukommende\nLicht stellen zu können, sei es erlaubt, in den folgenden\nZeilen der heurigen Conservatoriums-Concerte und ihrer\nResultate zu gedenken, da diese als öffentliche Proben der\nWirksamkeit zunächst geeignet sind, die Leistungsfähigkeit\ndes Instituts innerhalb der vorhandenen Schranken zu con-\nstatiren.\nSeit dem vorigen Jahre hat sich in den Productionen des\nInstituts eine grosse Veränderung ergeben. Von Seiten der\nhohen Vereins-Protectoren wurde nämlich bestimmt, zu\ndenselben ausgezeichnete Repräsentanten reproduetiver\nKunst, Meister ersten Ranges und berühmten Namens zu\nziehen. Dem Zwecke einer öffentlichen Prüfung, den die\nAnstalt bisher in ihren Ensemble- und Solo-Leistungen\nhauptsächlich und fast ausschliesslich verfolgte, gesellt sich\nmit dieser Neuerung nun auch der ostensible, mit grossen\nEinzel-Productionen zu glänzen. So dankbar die Absicht,\nPrag mit musicalischen Celebritäten bekannt zu machen,\ndie Gelegenheit zu bieten, Künstler hören zu können, die\nsonst für uns unbekannt geblieben wären, auch anzuerken-\nnen ist, einige Bedenken gegen diese Neuerung drängen\nsich unwillkürlich auf. Wäre das Conservatorium nicht\nstatutmässig auf die gar zu magere Dreizahl jährlicher Con-\ncerte beschränkt, und könnte es einen ganzen Cyklus von\nsolchen veranstalten, so dass das Institut hinlänglichen Platz\ngewänne, alle Zweige seiner artistisch-pädagogischen Wirk-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "167", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600519-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1724, "texte": "samkeit öffentlich zeigen zu können, so könnte einZweifel\ngegen die Zweckmässigkeit der neuen Maassregel kaum\neine nur halbwegs motivirte Begründung finden. Unter der\njetzigen quantitativen Einschränkung aber ist es etwas An-\nderes. So erscheinen nun schon seit zwei Jahren manche\nInstrumental-Classen in den Solo-Productionen der Zöglinge\ngar nicht mehr vertreten, obwohl kaum angenommen wer-\nden kann, dass sich unter jenen, welche nicht so bevorzugt\nsind, wie die Violinisten und Clariuettisten, nicht auch ent-\nsprechende Talente vorfinden sollten. Aber selbst jene In-\nstrumente, die sich besonders zahlreicher Schüler und mit\nihren Lehrern besonderer Protection erfreuen, können\nnicht alle ihre hervorragenderen Repräsentanten dem Pu-\nblicum öffentlich zeigen, eben weil es jetzt noch mehr an\nPlatz fehlt, als ehedem. Auch werden die eigentlichen Con-\ncert-Vorträge der Schüler selbst unter der Annahme, dass\ndas mächtig aufstrebende Talent mit seinen Zukunfts-Hoff-\nnungen unter allen Umständen das innigste Interesse an sei-\nnen Kundgebungen wach erhält, von jenen grossen Mei-\nstern, welche unmittelbar mit ihnen als Gäste mitwirken,\ndenn doch einiger Maassen gedrückt, die Aufmerksamkeit\nauf sie in den Schatten gestellt, da die Sonne wohlbegrün-\ndeten Ruhmes in dieser Beziehung als exclusive Egoistin\nletztere nur auf den Einen Punkt zu concentriren sucht.\nMan sieht, unsere Einwendung bezieht sich nur auf den\nnächsten Zweck der Convervatoriums-Concerte und könnte\nleicht mit einer quantitativen Vermehrung derselben ganz\nund gar zu Boden geschlagen werden. Aber nicht nur in\nartistischer Beziehung müsste eine solche dem Institute zum\ngrössten Vortheile gereichen, sondern auch in materieller.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-05-19-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-05-19_01#c004", "volume": "bmtnabi_1860-05-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "167", "page_fin": "168", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600519-01.2.4", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "167", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600519-01.1.7", "debut_caractere": 1726, "fin_caractere_exclue": 7129, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nM.£Slsa. Wir werden hier, wenn die Theilnahme des Publicums\nes ermöglicht, die italiänisehe Opern - G eselisch a 11 des Herrn\nMerelli aus Venedig, die jetzt in Brüssel mit ausserordentlichem\nErfolg spielt, in 6—B Vorstellungen hören. Herr Dr. Hanslick sagt\nin der wiener „Presse\" i »Die echte Schönheit der italiänischen Mu-\nsik fand stets an uns einen dankbaren Bewunderer. Die Italiäner\ncultiviren (freilich einseitig) das ursprünglichste und wesentlichste\nElement der Tonkunst: ihre sinnliche Schönheit und klare Form. Je\nmehr die deutsehe Musik ihren Hang zu dem entgegengesetzten Ex-\ntreme, nämlich dem charakteristischen Ausdruck, pflegt, desto wün-\nschenswerther muss es sein, dass zeitweilig in italienischen Muster-\nwerken ihr das Fehlende lebendig entgegentrete. Diese Erkenntnis?\nlag als tiefer, richtiger Instinct den musicalischen Römerfahrten un-\nserer älteren Componisten zu Grunde. Wie gewaltig dieses Ergän-\nzungs-Bediirfniss noch heutzutage, nachdem die Macht der italiäni-\nschen Musik so sehr gesunken, sich regen könne, haben die jüngsten\nErfolge der Italiäner in Berlin sehr anschaulich gemacht Das musi-\ncirende Berlin, das Jahre lang keine wälsche Oper vernommen, wei-\ndete sich, man möchte sagen an dem „ „Anblick*4 u dieser plastisch\nschönen, in sich abgeschlossenen Mclodieen. Es war, als rauschte\nplötzlich ein lustiger, silberheller Buch durch den verständig trocke-\nnen Sand. In Wien, wo italiänisehe Componisten leider auch in der\ndeutschen Saison bevorzugt werden, ist eine ähnliche Wirkung frei-\nlich nicht möglich; (?) allein Eine Seite bleibt für uns von kunst-\npädagogischer Wichtigkeit. Das ist die italiänisehe Gesangskunst.\nAllerdings eine gesunkene Grösse, kann und soll sie trotzdem ihrer\ndeutschen Schwester als Vorbild dienen. Noch immer sind die Ita-\nliäner die besten Sänger; damit sprechen wir nicht sowohl ein Prä-\nrogativ des Landes aus, als ein Verdienst der Schule. Die Italiäner\nhaben von der Gesangskunst einen viel richtigeren Begriff und einen\nhöheren Respect, als die Deutschen\" u. s. w.\nC/I!*© fS. 27. April. Das heutige Concert der Liedertafel, wel-\nches im Saale des Hotel de la Redoute bei sehr zahlreicher Theil-\nnähme der hiesigen Musikfreunde Statt fand, hatte sich im Ganzen\neines entschieden günstigen Verlaufes zu erfreuen. Es wurde mit der\nOuvertüre zum „Wasserträger*4 von Cherubini eröffnet, welche recht\npräcis, mit Ausdruck und gespielt wurde. Dieselbe An-\nerkennung verdient der Vortrag der zweiten Ouvertüre »Die Najaden\"\nvon W. Sterndale Bennett. Die Liedertafel sang: 1) Psalm 23, „Gott\nmeine Zuversicht\", von Schubert; 2) »Auf offener See\" von F. Möh-\nring; 3) „Lied für die Deutschen in Lyon' von Mendelssohn; 4)\nzwei Volkslieder und 5) „Frühlingsnahen'' von Josephson. In sämmt-\nlichen Vorträgen offenbarte der Verein wiederum Sicherheit, wohl-\nthuende Frische des Tones und schöne Klangfärbung. „Auf offener\nSee' war eine besonders glücklich gewählte Nummer; es ist ein rei-\nzendes, mit schön instrumentirter Orchester-Begleitung dahin wogen-\ndes Gesangstück für Chor und Soli, das bis zu dem Schlussgebete\nden Zuhörer gewaltig ergreift. Das letzte, „Frühlingsnahen\", fand ein\ngetheilte Aufnahme, keinesfalls war dieselbe so, wie die Ausführung\nwohl verdiente. Die Composition ist eine eigentümliche, und fällt\nes dem Zuhörer wirklich schwer, sich mit diesem „Nahen\" der schö-\nnen Jahreszeit zu befreunden. Nun erübrigt noch, eines besondereil\nGenusses zu gedenken, der uns durch das Auftreten eines geschätz-\nten heimischen Talente«, Fräul. Büschgens, geworden. Sie sang\ndie Arie aus Titus: „Ach, nur einmal noch im Leben14 u. s.w. Das\nPublicum zollte der Sängerin rauschenden Beifall, in den wir ganz\neinstimmen. In dem Vortrage des Mozart'schen herzigen Liedes „Das\nVeilchen'' bewies sie, dass sie neben Verständniss der Musik die\nMittel besitzt, das geistig Erfasste zu voller Wirkung wiederzugeben.\nSängerfest in Gent. Der Männergesang-Verein Societe roijale\ndes Melomanes, gestiftet den 1. October JBoB, wird bei Gelegenheit\nder nächsten Gemeinde-Festtage, Sonntag den 8. Juli, unter dem\nPatronat der städtischen Behörde einen C h orgesang-Wettstreit\nveransta.ten. Eingeladen sind J) alle Vereine Belgiens und des Aus-\nlandes, mit Ausnahme derjenigen, die in Gent selbst bestehen; 2)\ndie Schüler der Gemeindeschulen, die von Gent mit einbegriffen. Ein\nNachlass von 50 Procent ist allen Gesellschaften auf den belgischen\nEisenbahnen bewilligt. Es sind verschiedene Preise für die städti-\nschen und für die Landgemeinden ausgesetzt. Für die Vereine aus-\nländischer Städte besteht der erste Preis in einer goldenen\nDenkmünze und einer Prämie von 500 Frcs., der zweite in einer\ngoldenen Denkmünze. Vom Auslande können auch nur zwei Ver-\neine concurriren; in diesem Falle wird aber nur der erste Preis zu-\nerkannt. Die Jury für dieselben besteht wenigstens aus fünf Preis-\nrichtern. Der Chor muss mindestens 20 Mitglieder zählen. Jeder\nVerein trägt nach eigener Wahl zwei Chöre ohne Begleitung vor;\nauf die Soli nimmt die Jury keine Rücksicht. Kein Preis wird ge-\ntheilt; im Nichteinigungsfalie können die Richter den Vortrag eines\ndritten Stückes verlangen.\nAnmeldungen in frankirten Briefen sind vor dem 15. Juni au\nden Secretär des Vereins, Herrn J. Story, Coupure Nr. 161, zu\nrichten Sie müssen die Titel der Gesänge und die Namen der Com-\nponisten, so wie die Anzahl der Sänger enthalten."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "168", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600519-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5863, "texte": "Die Denkmünzen werden mit dem Bildnisse Seiner Königlichen\nHoheit des Grafen von Flandern, des Ehren-Präsidenten des Vereins,\nausgeprägt.\nDas Journal de Liege vom 26. April bringt als eine „Nouvelle\nincroyable'1 aus dem Guide Musical, der in Brüssel erscheint,-einen\nBericht von dem Aelteren, als Vorsitzendem der permanenten\nAbtheilung für die musicalische Preisbewerbung, an die königlich\nbelgische Akademie, über die Bestimmung der Länder, in denen\nHerr Radoux, der gegenwärtig Gekrönte, seine Reise-Stipendien zu\nverzehren habe. Es heisst darin wörtlich :\n„In Betracht der Zustände politischer Aufregung, in denen sich\nItalien gegenwärtig befindet, und der Art von musicalischer\nAnarchie, welche in diesem Augenblicke in Deutsch-\nland herrscht, ist die permanente Jury der Meinung, dass sich\nder Gekrönte des Besuches dieser beiden Länder zu ent-\nhalten hat. Sie räth desshalb der Staats-Regierung, Herrn Radoux\nauf den Aufenthalt in Paris und während der Saison in London zu\nverweisen und ihm für die Zeit des Aufenthaltes in London einen\nZuschuss zu bewilligen.\"\nDas Journal de Liege macht zu diesem allerdings höchst wunder-\nlichen Actenstücke ganz artige Bemerkungen, u. A.: „Da ist also\nDeutschland, die vorzugsweise Heimat der Tonkunst, auf einmal mit\ndem Interdict belegt, weil es R. Wagner und einige wenige andere\nMusiker erzeugt hat, gegen deren Streben Herr eine Antipathie\nhat! Und einer unserer Preisgekrönten ist dazu verurtheilt, nur das\nzu studiren, was man ihn will hören lassen! Wie? Man will dem\njungen Componisten die Freiheit seiner Entwicklung beschränken,\nja, vollends aus Furcht, er möchte auf Irrwege gerathen, ihm die\nThore der deutschen Städte verschliessen, wo er alle Tage die Auf-\nführungen der Meisterwerke eines Händel, Haydn, Mozart, Beetho-\nven, Mendelssohn und so vieler Anderen durch bewundernswürdige\nOrchester hören kann?? Was ist daran gelegen, dass Wagner\nim Augenblick vielleicht in Deutschland von Vielen überschätzt wird,\ndass seine Werke nicht seinem Rufe entsprechen? Die Zeit wird\nihnen ihre richtige Steile schon anweisen! Und hat denn Herr Fetis\nvergessen, dass Wagner in Paris ist und auch in London gewesen\nist, folglich Paris und London auch schon der „„musicalischen Anar-\nchie, die in Deutschland herrschen444 soll, verfallen sind ? Der Preis-\ngekrönte wird sich also auch dort die Ohren verstopfen müssen !u\nU. s. w.\nIn der That, man begreift kaum die grämliche Ansicht von\nund ihren wunderlichen Ausbruch in einer amtlichen Warnung vor\nder Berührung mit einer Ketzerei, die in Deutschland keineswegs\nauf solche Weise Wurzel gefasst hat, wie sich das Ausland einbil-\ndet oder von der Partei einbilden lässt. Musicalische Anarchie in\nDeutsehland! Ist denn Brüssel so weit entfernt vom Rheine, dass\nHerr Fetis gar nichts von den Programmen der Winter-Concerte in\nden rheinischen Städten von Basel bis Düsseldorf zu Gesicht bekom-\nmen hat? Wo zeigt sich da „Anarchie* ? Athmen sie nicht alle den\necht classischen Geist, und strömt nicht das*Publicum alljährlich\nzahlreicher herbei, sich in diesen Geist zu versenken ? Und wir\nsprechen nur vun dem, was so zu sagen vor der Thür des Herrn\nFtStis geschieht. Also der belgische Laureat darf in Aachen und\nKöln die Passion von Bach nicht hören, das Musikfest zu Düssel-\ndorf nicht besuchen!\nSivori gibt in Mailand Concerte, die ganz ausserordentlichen\nZulauf haben und die Mailänder für die sehr mittelmässigen Opern-\nVorstellungen, die sie jetzt haben sollen, entschädigen.\nDie Sängerin Marie (eigentlich Clementine) Piccolomini,\ndie einige Jahre in London und in New-York bei der italiänischen\nOper entzückte, hat jetzt London verlassen, um sieh in Florenz mit\neinem der reichsten und vornehmsten Herren des Landes, dem Mar-\nchese Gaetani, zu vermählen. Die junge Dame soll sich indess auch\nein Vermögen von 40,000 Pf. St. (250,000 Thlr.) ersungen haben.\nIhre letzten fünf Vorstellungen in London haben ihr 450 Pf. St. (bei-\nnahe 3000 Thlr.) eingetragen.\nIn Neapel scheinen die Zustände der Oper eben so krank zu\nsein, wie die politischen Ein dortiges Blatt schreibt: „Signora Vera-\nLorini ist unw7ohl, Signora Ventura ist unpässlich, Signora Ravaglia\nist krank woraus folgt, dass das ganze Theater kränkelt.\"\n** Die hiesigen Orpheonisten haben den Plan, den\nRuhm des kölner Männergesang-Vereins in London zu verdunkeln.\nNun, in Bezug auf die Masse werden sie sicher den Sieg davon tra-\ngen; denn dreitausend Sänger werden sich unter der Direction\nvon Herrn Delaporte vereinigen und vom 24.—30 Juni ein Sän-\ngerfest im Krystallpalaste veranstalten! Das Programm enthält: God\nsave the Queen, Veni Creator von Besozzi, Stück aus dem 19. Psalm\nvon Marcello, Choral von Hassler (1601), von Scheidenam (?) (1601),\nO Isis und Osiris von Mozart, Sextett aus den Hugenotten (von\n3000 Stimmen gesungen??, Les Cimbres et Teutons von Lacombe,\nLes Enfanls de Faris von Adam, Das Kirchlein von Becker, Der Jä-\nger Abschied von Mendelssohn, Der Tag des Herrn von C. Kreutzer,\nNorwegisches Freibeitslied und Le Chant du bwouac von Kücken,\nLa Iletraite von RilM, La noaodle Alliance von Halevy und France!\nFrance! von Ambr. Thomas.\nMit dem Bau des neuen Opernhauses sind wir hier ungefähr eben\nso weit, wie Sie in Köln; seit dem Aufliegen des Bauplanes auf der\nMairie des neunten Arrondissements haben nicht weniger als 504\nArchitekten aus Paris und der. Provinz Gegenbemerkungen einge-\nreicht. Es sollen sehr gründliche Einwände, besonders von Herrn\nvon Filippi, dagegen gemacht sein, die der Kaiser, nach Besichtigung\ndes auf dem Boulevard des Capucines, der Rae de la Faix gegenüber,\nfür den Neubau in Aussicht genommenen Platzes für begründet er-\nklärt haben soll. Se. Majestät soll für den Plan sein, das neue\nHaus auf die Stelle des alten zu erbauen, mit der Vor-\n» /\nderseite nach dem Boulevard und Niederlegung der Fassage de VOpera\nund einiger daran stossender Häuser."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "161", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600519-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nZur Geschichte der Concert-Gesellscbaft des Conservatoriums in Paris. Schluss. Von L. B. Aus Prag (Musicalischc\nZustände Das Conservatorium Concerte). Tages- und Un ter h al tun gsbl a 11 (Köln, die italiänische Opern-Gesellschaft des\nHerrn Merelli Crefeld, Liedertafel-Concert Gent, Chorgesang-Wettstreit Herr Sivori Marie Piccolomini Neapel,\nTheater-Zustände Paris, Sängerfahrt nach London, Neubau des Opernhauses).\n\nZur Geschichte der Concert-Gesellschaft des Conser-\nvatoriums in Paris.\n\n(Schluss. S. Nr. 20.)\n(ach dem über das stehende Abonnement Gesagten\nseht :it es, als könnten Nicht-Abonnenten und Fremde gar\nnicht zum Besuche eines Conservatoire-Concertes gelangen.\nDem ist jedoch nicht also.\nGegenwärtig ist die Zahl der ordentlichen Concerte\nauf sieben festgesetzt, welche alle vierzehn Tage Sonntags\num 2 Uhr, vom ersten Sonntag im Januar ab, Statt finden.\nAusserdem werden noch drei ausserordentliche Concerte,\nwelche Abends 8 Uhr beginnen, gegeben. Auf diese letz-\nteren verzichten viele Abonnenten. Ferner schicken dieje-\nnigen, welche das bevorstehende Concert nicht besuchen\nkönnen oder wollen, ihr Rillet für diesen Tag an den Cas-\nsirer zurück. Dieser verzeichnet jeden Freitag nach dem\nConcerte diejenigen Fremden der Reihe nach, die sich zu\neinem Eintritts-Rillet melden und den Preis gegen Quittung\ndeponiren. Am Samstag vor dem nächsten Concerte erhält\nman dann auf Vorzeigung der Quittung sein Billet, so weit\nder Vorralh reicht. Geht man leer aus, so bekommt man\nsein Geld zurück, wenn man nicht vorzieht, von der Ver-\ngünstigung, für das nächste Concert schon sogleich einge-\nschrieben zu werden, Gebrauch zu machen. Der Preis die-\nser Extra-Billets ist ohne alle Erhöhung derselbe, wie im\nAbonnement, Diese Einrichtung hat etwas sehr Empfeh-\nlenswerthes.\nWerfen wir nun einen Rückblick auf die Concerte von\n1828 bis 1859 und ihre Programme.\nEs haben in diesem Zeiträume überhaupt 306 Con-\ncerte Statt gefunden, von denen Ilabeneck 184, Tilmant\nder Aeltere 11, Girard 111 dirigirt hat.\nDie Programme berücksichtigen bei der Zusammen-\nstellung der aufzuführenden Stücke nur sehr selten eine\ngewisse Einheit oder Charakter-Verwandtschaft, geben\nvielmehr oft ganz auffallende Beweise vom Gegentheil.\nZ. B.: Beethoven's C moll-Sinfonie, Chor aus der Oper\nPharamund von Boieldieu, Elegie für Violoncell von Rom-\nberg, Duett aus „Der Schnee\" von Auber, Benedictus aus\nHaydn's B-dur-Messe,Ouvertüre von Schmitzhöffer, Arie\naus „Das Concert am Hofe\" von Auber, Violin-Concert\nvon Mayseder, Gloria aus der D-ditr-Messe von Beethoven.\nEin anderes: Sinfonia eroSopran-Arie aus dem\nFreischütz, Einige Sätze aus Beethoven's Septett, Chor aus\nEuryanthe, Variationen für Flöte, Oboe, Horn und Fagott,\nTerzett aus Wilhelm Teil, Pianoforte-Solo (Kalkbrenner),\nOberon-Ouverture. Noch eines, ein Curiosum echter\nSorte: Allegro und Scherzo der IX. Sinfonie,\nfür Solo-Sopran und englisches Horn von Cherubini, Satz\naus einem Quartett von Beethoven, Op. 18, von allen Gei-\ngen-Instrumenten zusammen ausgeführt, Jägerchor aus\ndem Feischütz mit sechszehn Hörnern, Sopran-Scene aus\ndem Freischütz und—Adagio und Finale der IX. Sinfonie,\nVon Vocalmusik herrschen Soli, Duette und Terzette\nvor, ferner kurze Chöre; von grossen Werken wurden stets\nnur Bruchstücke gegeben, an Aufführung ganzer Oratorien\nist nicht zu denken. Nur in den letzten Jahren kamen am\n22. März 1857 die vollständigen „Jahreszeiten\" von Haydn\nvor mit französischer Text-Uebersetzung von Roger; der\nzweite und dritte Theil wurden am 16. Mai, das Ganze\nam 24. Januar 1858 wiederholt und am 6. Februar\n1859 „Die Schöpfung\" von Haydn, deren erster Theil\nam 22. April 1859 wiederholt wurde.\nEs überwiegt mithin in den Programmen die Instru-\nmental-Musik, und es ist auch keine Frage, dass der Ruhm\neiner wirklich meisterhaften Ausführung in den Conser-\nvatoire-Concerten nur in Rezug auf diese der Gesellschaft\nzuerkannt werden kann. In den Gesangstücken hört man\nzwar meist gute, zuweilen ausgezeichnete Solisten, aber\nim Ganzen stehen die Vocal-Leistungen, besonders wo es\nauf imposante und frische Chorstimmen ankommt, dem,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "162", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600519-01.1.2", "texte": "was man in Deutschland in dieser Beziehung hört, bei\nWeitem nicht gleich.\nWir haben schon oben darauf hingewiesen, wie sehr\nHabeneck's Natur mit seiner Liebe zur deutschen Musik\nverwachsen war. Er hat die Erbschaft derselben der Con-\ncert-Gesellschaft hinterlassen, denn die deutschen Meister\nbeherrschen bis auf diese Stunde die Programme ihrer\nConcerte. Der Beethoven-Cultus ist eine charakteristische\nEigenschaft derselben; es ist gar nicht selten, dass zwei,\ndrei und noch mehr Stücke von Beethoven in demselben\nConcerte vorkommen. Gleich das zweite Concert (den 23.\nMärz 1828) war ausschliesslich dem Andenken Beetho-\nvens geweiht und brachte nur Musik von ihm, darunter\ndie Eroica, das Violin-Concert (zum ersten Maie in Paris),\ndurch Baillot vorgetragen, den ersten Satz des Clavier-\nConcertes in C-moll(gespielt von Madame Brod). So finden\nwir z. B. die die Romanze für Violine\n(Baillot), die Corioian-Ouverture und den Schlusschor aus\nChristus am Oelberge in Einem Concerte; ja, die\nund die £-ww//-Sinfonie mehrfach auf einmal, jene zu An-\nfang, diese zu Ende des Concertes, eben so ein anderes\nMal die Sinfonie in D-durund die in (dazwischen\nCarafTa und Mercadante); ferner Pastoral-Sinfonie, Clavier-\nConcert in G-dur (gespielt von Felix Mendelssohn den\n18. März 1832), Quartettsatz aus Op. 59 (zum ersten\nMale von sämmtlichen Geigern, ein späterhin oft wieder-\nholtes Kunststück, dessen wunderbarer Effect sich übri-\ngens nicht läugnen lässt), die Corioian-Ouverture und der\nSchlusschor aus Christus also von sechs Nummern vier\nvon Beethoven. Eine Ouvertüre und eine Sinfonie von ihm\nsind sehr häufig auf Einem Programm.\nAm schlagendsten ist das Gesammt-Register. In den\n306 Concerten haben die neun Sinfonieen von Beethoven\nfolgende Aufführungen erlebt:\nNummer 1. in G-dur.. . . . . 13.\n„ 11. in D-dur 26.\n„ 111. in Es-dur 28.\n„ IV. in B-dur 24.\nV. in C-moll . . . . . 53!\n„ VI. in F, Pastorale . . 51!\nVII. in A-dur 52!\n„ VIII. in F-dur 14.\n„ IX. in D-moll 19.\nIm Ganzen: 280 Aufführungen.\nDazu kommen noch 33 Aufführungen von Beethoverfschen\nOuvertüren, 5 aus dem Ballet Prometheus, 41 von Kam-\nmermusik-Stücken, 11 von Bruchstücken aus den beiden\nMessen, 23 aus Christus am Oelberge, 36 aus Fidelio und\nanderen Gesang-Compositioncn zusammen 149, mithin\n4*29 Mal Beethoven in 306 Concerlen! Dabei sind die\nVorträge von Concerlen l'ür Ciavier und Violine nicht\ngerechnet.\nJ. Haydn ist durch 58 Aufführungen von 28 seiner\nSinfonieen, 27 von Quartetlsätzen, 26 von Motetten und\nBruchstücken aus Messen, 24 von Theilen der „Schöpfung\"\nund der „Jahreszeiten\" und der sieben Worte und 3 von\nkleineren Gesangstücken, zusammen durch 138 Auffüh-\nrungen vertreten.\nW. A. Mozart zählt 37 Aufführungen von sechs Sin-\nfonieen (in C\\ Op. 41, 12, in G-moll 11, in Es-dur 6 Malj,\n9 von Ouvertüren, 1 Kammermusikstück, 40 aus dem\nRequiem, Ave verum(l3), Motetten, Litanei (1), 5 von\nFragmenten aus Davidde penitent42 aus Opern, 3 Solo-\nNummern—zusammen 137.\nCherubini findet sich in Orchesterstücken 5 Mal, in\nkirchlichen Gesangslücken 62, in Opernstücken 16, im\ndreistimmigen Chor mit Orchester auf Hay dn's Tod 11,\nmithin im Ganzen 94 Mal.\nMendelssohn in Sinfonieen 7, in Ouvertüren 19, in\nder Musik zum Sommernachtstraum 13, dem doppelchö-\nrigen Psalm 2, Walpurgisnacht 2, kleinem Bruchstücke\naus Paulus 6, Lorelei 1 Mal = 50.\nC. M. von Weber in Ouvertüren 64 Mal (Oberon\n37 Mal), in Gesangstücken 60 Mal = 124.\nSpohr in Sinfonieen 2 Mal (Weihe der Töne).\nOnslow 8 Mal.\nMehul in Ouvertüren 11, in Gesangstücken 16 Mal\n= 27.\nGluck in Ouvertüren und Ballet-Nummern 12, in\nGesanestücken 42 Mal = 54.\nO\nJ. Seb. Bach 6 Mal in Gesangstücken, 2 Mal Thema\nmit Variationen und Schlussfuge (?) für Orchester instru-\nmentirt von Auber.\nRossini Ouvertüre zu Teil 15 Mal,\n(meist Fragmente) 10, aus Opern 23 Mal, 1\nMal = 49.\nVon eigentlich französischen iMeislern (Gluck, Cheru-\nbini, Sponlini, Bossini nicht dazu gerechnet) finden wir\nnur 19 Mal Sinfonieen, 19 Mal Ouvertüren, 10 Mal Or-\nc-besterstücke anderer Art, 2 Mal Quintett (von Reicha für\nHarmonie), 9 Mal kirchliche Gesangstücke, 66 Mai welt-\nliche Gesänge; im Ganzen 125 Aufführungen, während\nauf Haydn, Mozart, Beethoven, Weber und Mendelssohn\n878 kommen!\nNach dieser allgemeinen statistischen Uebersicht dürfte\nan Einzelheiten aus den sämmtlichen Programmen noch\ninteressant sein:\nBaillot's Vortrag des Violin-Concertes von Beethoven\nim Jahre 1828, zum ersten Male den 23. März und am"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "163", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600519-01.1.3", "texte": "11. Mai wiederholt. Später hat es Alard im Jahre\n1847 wieder 2 Mal gespielt. Die IX. Sinfonie zum er-\nsten Male den 27. März 1831, Christus am Oelberge 5.\nFebruar 1832, Mendelssohns Vortrag des G-dur-Concer-\ntes den 18. März 1832, Mozart's Requiem den 23. März\n1834 ; Concertstück von Weber, gespielt von Liszt, den\n17. April 1835; Polonaise und Introduction von Chopin\ncomponirt und gespielt den 26. April 1835; Molique den\n21. Februar 1836; Thalberg den 24. Januar 1836; Es-\ndur-Concert von Beethoven durch Louis Chollet (-[-1851,\nnoch sehr jung) den 11. Februar 1838; Th. Döhler\n(Phantasie) den 29. März 1839, aber das\nvon Beethoven im Jahre 1847; 11. Vieuxtemps den 10.\nJanuar 1841; Ernst den 21. März 1841; Leopold von\nMeyer [Air de Normo, et Ouvertüre du Freischütz, arran-\n(jes pour Piano forte f)den 9. April 1841*); Mendelssohn's\nFingalshöhle zum ersten Male den 20. Februar 1842,\ndessen I. Sinfonie den 14. Januar 1843; Sivori mit einem\nConcerte eigener Composition den 29. Januar 1843; Rud.\nWill mers (Serenade für die linke Hand [!j und Phantasie)\nden 14. April 1 843; Mademoiselle Mattmann (Beethoven's\nG-dur-Concert) den 23. Februar 1845; Halle (G-dur-\nConcert von Beethoven) den 23. Januar 1848; Mendels-\nsohn's Walpurgisnacht den 20. März 1853, wiederholt den\n10. April. Die IJebersetzung des Göthe'schen Gedichtes\n(von Belanger) gibt von der „hohen Intention\" desselben\nkeine Ahnung wieder, macht aus den Druiden „Hexen-\nmeister\", aus dem Volke „Zigeuner\", die dem „Dieuuni-\nversell opfern und gegen die „Häscher\", die sie umstellen,\neine irruption sataniquemachen u. s. w. Dennoch wurde\n„ cette vaste et curieuse composition\n—Beethoven's Musik zu Egmont mit verbindendem Gedicht\nden 15. April 1855, oft wiederholt. Aus der häufig gege-\nbenen Balletmusik „Prometheus' Menschen\" wird ein Quin-\ntett für Flöte, Oboe, Violoncell, Fagott und Harfe stets\nda capo verlangt. Die „Schöpfung\" vollständig den 6. Fe-\nbruar 1859.\nBekanntlich hat die Einseitigkeit und Beschränkung\ndes Repertoires der Concert-Gesellschaft in neuerer Zeit\nviele Gegner gefunden. Auch EI wart spricht sich am Schlüsse\nseines Buches darüber aus, dass selbst in Bezug auf die\nclassischen Meister noch Vieles vermisst wird, z. B. von\nJ. S. Bach, der drei (?) Passionen geschrieben habe, von\ndenen noch keine einzige vollständig dem „gar zu Beetho-\nven'schen Publicum\" der Conservatoire-Concerte vorge-\no\nführt worden sei. Warum sagt er nicht dasselbe von der\nMenge von Oratorien von Händel, von welchen das Re-\npertoire nur das grosse Halleluja und einige Bruchstücke\naus Judas Maccabäus kennt? Indessen vermisst er mit\nRecht Mendelssohns „Paulus\" und „Elias\", sogar auch\nden „Tod Jesu\", dessen Autor aber nicht „Grün\" (S. 392),\nsondern Graun heisst, ferner F. Schneider, Spohr, F. Schu-\nbert und Rob. Schumann. Allein er fügt, da er seine Leute\nkennt, auch hinzu:\n„Wirbehaupten freilich nicht, class französische Ohren\nschon genügend geübt und gebildet sind, um während eines\nganzen Concertes die vollständige Aufführung von Werken\nder genannten grossen Meister zu ertragen und auszuhal-\nten; aber da die Programme der Concert-Gesellschaft uns\neinmal einige glänzende Proben aus jenen gegeben haben,\nso müsste sie auch in der Ausbeutung dieser Schätze wei-\nter gehen und eine Commission mit der Durchsicht und\netwaigen Proben der alten Partituren beauftragen, um\ndaraus eine Auswahl zu treffen.\"\nAlso doch wieder Alles'nur fragmentarisch! Und es\ngeht in der That nicht anders. Mit Haydn's „Schöpfung\"\nund den „Jahreszeiten\" konnte man es wagen, aber der\nStil und die Mannigfaltigkeit des Inhalts dieser Werke ste-\nhen bekanntlich einzig da. Man denke sich aber ein pariser\nPublicum bei einer Passion von Bach, den Oratorien von\nHändel, dem Elias von Mendelssohn oder der Peri von\nSchumann! Vom Zuhören könnte da nicht mehr die Rede\nsein, sondern nur vom Zu gähnen.\nAls Rechtfertigung der Bevorzugung der bewährten\nMeisterwerke und ihrer immerwährenden Wiederholung\nantwortete der verstorbene Girard in einem Concerte in\nSt. Cloud im Jahre 1856 der Kaiserin auf ihre fragende\nBemerkung: „Sie führen also nur Compositionen von todten\nMeistern in Ihren schönen Concerten auf?\" „ „Majestät!\ndas Repertoire unserer Gesellschaft ist das Museum im\nLouvre der Tonkunst.\"\"\nAllerdings hat diese feine Antwort viel für sich; man\nwürde diejenigen mehr als belächeln, welche die antiken\nStatuen und die Raphael's, da Vinci's, Tizian's u. s. w. im\nMuseum nicht mehr ansehen wollten. Es berührt dies die\n„brennende\" Frage über den Fortschritt der Kunst, den\nfreilich die Theorie stets behauptet, während es mit den\nBeweisen dafür durch die That noch immer hapert.\nWir billigen das conservatorische Princip der pariser\nConcert-Gesellschaft, glauben aber, dass durch allmähliche\nVerdrängung des Fragmentarischen aus den Programmen\nund eine Anordnung derselben, die mehr aus inneren als\näusseren Rücksichten hervorginge, der Sinn des Publicum»\nmehr geübt, vom Geschmack an buntem Wechsel abge-\nzogen und nach und nach an das „Ertragen und Aushal-\n\n*) Das Programm dieses Abend-Concertes am Charfreitage\nenthält ausserdem eine Sinfonie von liaydn, eine Sopran-Arie\naus Don Juan (!), Christus am Oelberge und die C-moll-\nSinfonie.\nlt"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "164", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600519-01.1.4", "texte": "ten\" von grossen Werken gewöhnt werden könnte, wie\ndies ja schon bei den Sinfonieen der Fall ist.\nDie Conservaloire-Concerle zu Experimenten mit\nneueren, noch ungedruckten Compositionen herzugeben,\nwird kein wahrer Kunstfreund befürworten. Allerdings\nhalte Ilabeneck einmal den Gedanken, Versuchs-Proben\neinzurichten, um die Erzeugnisse von Zeitgenossen und\njungen Talenten zu probiren; allein um die Kosten dersel-\nben zu bestreiten, die man doch unmöglich der Gesell-\nschafts-Casse aufbürden könnte, bedurfte es der Unter-\nstützung von Staats wegen, und daran scheiterte die Sache.\nFreilich erschien im Jahre 1832 ein Decret des Mi-\nnisteriums, welches verlangte, dass in jedem Concerte ein\nim vorigen Jahre mit dem ersten Preise gekrönter Zögling\nauftreten, ja, dass in jedem Concerte eine Composi-\ntion der Stipendiaten, die ihre drei Jahre in Italien und\nDeutschland zugebracht hätten, aufgeführt werden solle!\nWenn nun Herr Elvvart „alle redlichen Leute fragt,\nob jemals irgend ein Comite der Concert-Gesellschaft seit\n1832 diesen für die Zukunft der Stipendiaten so fürsorg-\nlichen Paragraphen ausgeführt habe,\" so hätte er richti-\nger alle vernünftigen Leute fragen müssen, ob ein sol-\nches Decret jemals ausführbar sei. Vor Allem gehören zur\nAusstellung von Gemälden Gemälde, von Blumen Blumen,\nvon Compositionen Compositionen. Herr Elwart hat aber\nden Aufsatz von Felis in einem der letzten Jahrgänge der\nRevue et Gazette musicalevergessen, in welchem die über\nalle Maassen dürre Aernte gemustert wird, welche die\nKrönungen und Studienreisen der Zöglinge des Conserva-\nloriums bisher geliefert haben.\nWollen die Pariser etwas für den Fortschritt der Mu-\nsik, oder besser gesagt, für die Compositionen der neue-\nren Meister, sowohl der in den letzten Jahrzehenden da-\nhingeschiedenen als besonders auch der lebenden, thun,\nso mögen sie die Concerl-Unternehmungen, die neben\nder alten Conservatoire-Gesellschaft sich aufihun und die\nFörderung des Neuen zu einem IlaupUheile ihrer Aufgabe\nmachen, besser unterstützen, als bisher.\nWie lange haben die Concerte des\n1834 unter Tiimanl's Direction eingerichtet, sich gehal-\nten, trotz der neuen Compositionen von 11. Berlioz und\nTurbry, den kein Mensch mehr nur dem Namen nach\nkennt, obwohl er eine Menge Quartetts und eine Oper ge-\nschrieben hat?— Wie bald gingen die Concerts Valentino\nin der Strasse St. Honore, in denen Beethoven'sche Sinfo-\nnieen und auch neuere, z. B. eine von Felicien David, die\nspurlos vorüberging, gemacht wurden, wieder ein! —-\nKonnte die Union musicale,lB47 vom Violinisten Manera\nbegründet, nach dessen Tode von Fei. David und darauf\nvon 11. Berlioz dirigirl, bestehen? Und das sind doch Ko-\nryphäen der »Neuzeit\". Warum lässt man sie denn im\nStich? warum geht man lieber ins „Louvre der Tonkunst\"\nin der rite du Conservatoire ?\nAuch die trefflichen Leistungen der Sairde\nCccile, der zuletzt verblichenen, wo unter Segher's Direc-\ntion tüchtige Werke von Beber, Gouvy, Gounod und An-\nderen sehr gut aufgeführt wurden, konnten ihren baldigen\nUntergang nicht hemmen.\nWrir wünschen dem einzigen noch jetzt bestehenden\nähnlichen Concert-Vereine, den Pasdeloup unter dem\nNamen der Societe des jeunesArtides\nim Jahre 1853 gegründet hat, ein längeres Gedeihen, als\nseinen Vorgängern, wozu es denn auch den Anschein hat.\nEs ist in diesen Blättern schon öfter von den Leistungen\ndesselben die Bede gewesen; in seinen Concerten sind in\nden letzten Jahren nebst Sinfonieen von lebenden französi-\nschen Componislen (Gounod, Lefebure-Wely, Saint-Saens\nu. s. w.) auch die Musik Weber's zur Preciosa und Mo-\nzart's zur Entführung aus dem Serail und eine Sinfonie\nvon Schumann zum ersten Male in Paris zu Gehör ge-\nkommen.\nSchliesslich bemerken wir noch, dass das Gerücht, als\nwerde die Zahl der Conservatoire-Concerte vermehrt oder\neine doppelte Beihe derselben (nach Elwart's Vorschlag\nfür Alt- und Neu-Abonnirte, so dass die letzteren am fol-\ngenden Sonntage dasselbe hörten, was am vorhergehenden\nfür die ersteren aufgeführt worden) eingerichtet werden,\ndurch die neuesten Nachrichten aus Paris sich als unbe-\ngründet erweis't. Es bleibt beim Alten, das heisst bei sie-\nben ordentlichen und drei ausserordentlichen Concerten.\n\nL. B.\n\nAus Prag.\n[MusicaliscLe Zustände — Das Conservatorium. — Concerte ]\nDer Druck der Verhältnisse, die unsere Zeit so eigen-\ntümlich und fühlbar als eine in ihrer Art einzige Gcschichts-\nPeriode kennzeichnen, lastet wohl auf keinem Staate mit\nso gewaltiger Wucht, wie auf der österreichischen Monar-\nchie. Nicht nur das öffentliche Leben, auch jenes der Fa-\nmilie, ja, jedes Individuums wissen von der Gewalt der\nThalsachen, von den überall störenden Hemmnissen der\nüber uns hereingebrochenen sündllutartigen Calamität zu\nerzählen. Die materiellen Conflicte, in welche wir durch po-\nlilische und sociale, provocirte und zufällige Umstände ge~\nrathen sind,durchdringen den ganzen Staatskörper mit einer\nsolchen Intensität, dass kein Glied desselben, und wäre es\nauch das kleinste, unberührt bleiben kann. Der Wechsel-\nwirkung, in welcher Körper und Geist zu einander stehen,\nentspricht auch jene zwischen dem materiellen und geisti-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "165", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600519-01.1.5", "texte": "gen Leben im Haushalte der Völker. Mit den politischen,\nsocialen Zuständen stehen jene, welche sich auf dieser rea-\nlen Basis in dem idealen Reiche der Wissenschaft und Kunst,\nin der Sphäre höherer Culturbestrebungen bilden, in glei-\nchem Verhältnisse. Die Qualität in Beschaffenheit der einen\nbestimmt zum grössten Theile jene der anderen, eben weil\nim kranken Leibe nur selten ein gesunder Geist leben kann,\noder die freie Regsamkeit und Entwicklung desselben we-\nnigstens gebunden erscheinen. Kann das Kunstleben eines\ngeistesfrischen Volkes, einer in das nie zum Stillstehen zu\nbringende, nur in seinem Umschwünge höchstens zu hem-\nmende Rad vorwärts strebender Civilisation eingreifenden\nStadt selbst durch die brutalsten Gebote eines feindlichen\nGeschickes nicht gänzlich unterdrückt werden, so lassen sich\ndie Resultate eines solchen doch nicht vollends paralysiren;\ndenn Mangel an Licht, Luft und anderen der freien Bewe-\ngung nothwendigen Bedingungen ist ein Hemmniss, das zu\nüberwinden bisweilen selbst der vollsten Willens-Energie\nnicht immer gelingt. Aus diesem ergeben sich die jetzigen\nZustände des auf das Prokrustesbett allgemeiner Nolhigun-\ngen gespannten Kunstlebens von selbst. In Prag kommen\nzu diesen allgemeinen noch allerhand besondere, deren Vor-\nhandensein wohl als constatirt gelten kann, aber von denen\nes besser sein dürfte, zu schweigen. Unter den Auspicien\nsolcher Art muss an die lebenden Hegungen der Kunst ein\nnur relativer Maassstab gelegt werden, der nicht bloss die\npositiven Thatsachen nach ihrer absoluten Gültigkeit, son-\ndern auch den negativen Kampf mit den nun einmal vor-\nhandenen, mit Gewalt aufoctrovirten Verhältnissen im be-\n«j\nrücksichtigenden Auge behält. Einige locale Notizen aus\ndem hiesigen socialen Leben, aus den hiesigen politischen\nZuständen und burcaukratischen Personal-Verhältnissen ge-\nnügten, um diese allgemeinen Andeutungen in das hellste\nLicht zu setzen, speciel zu begründen; doch muss hier aus\nguten Gründen davon Abstand genommen werden, die Deu-\ntung jenen, welche Prags Verhältnisse nicht durch Autopsie\nkennen, überlassen bleiben, selbst auf die Gefahr hin, letz-\ntere einer von der gemeinten und erfässten verschiedenen\nzusteuern zu sehen. Es muss die Versicherung genügen,\nC O O '\ndass sich bei uns die Klippen, welche einem selbstsändigen\n'Aufschwünge freier Entwicklung eines kräftigen Runstiebens\nentgegenstehen, in neuester Zeit immer mehr und mehr ver-\nvielfältigen. Die Verfolgung der Mission, welche Prag so\nblühend vor einem und zwei Decennien zu erfüllen strebte,\nwird ihm immer schwerer gemacht, nicht zufolge innerer,\nsubjectiver Ursachen, sondern äusserer Hindernisse. Dieses\ngilt nicht nur von dem wissenschaftlichen und Kunst-Leben\nim Allgemeinen, sondern auch von jenem der Tonkunst\ninsbesondere, der Domqine, in welcher es als Hauptstadt\ndes musicalischen Böhmens selbst unter drückenderen poli-\ntischen Verhältnissen, als den jetzigen, einst doch souverain\nherrschen konnte. Alle Factoren eines öffentlichen Musik-\nlebens leiden unter dem Drucke nicht nur jener allgemei-\nnen, überall mehr und minder fühlbaren Zustände, sondern\nauch der besonderen, die nun auf Prag lasten. Da diese\nZeilen insbesondere dem hiesigen Conservatorium gewidmet\nsein sollen, so möge es erlaubt sein, Einiges anzudeuten,\nwas der Erweiterung und Vervollkommnung dieses natio-\nnalen Instituts im Wege steht. Abgesehen davon, dass ein\nauf die Munificenz einzelner hochherziger Patrioten ange-\nwiesenes Privat-Institut immer nur auf das angewiesen bleibt,\nwas es von der Grossmuth dieser zu erwarten hat, dass die-\nses nie eine Garantie und feste, sichere Basis bilden kann\nund von nur zufälligen Constellationen abhängt, diese aber\ngerade jetzt so ungünstig als möglich sind, erwachsen aus\ndieser schwankenden Stellung auch noch andere als bloss\nmaterielle Gefahren, deren Einfluss ein tief eingreifender\nund nachhaltiger ist. Die Entstehung des Conservatoriums\nfällt in eine Zeit, welche dem Institute noch ein Privilegium\ndes Monopols sicherte. Die damaligen Anforderungen wa-\nren viel bescheidener und specieller, als jene, die jetzt an\neine Hochschule der Musik gemacht werden. Eine Concur-\nrenz bestand noch nicht, und die den ursprünglichen Grün-\ndungs-Intentionen musterhaft entsprechende ürganisirung\nentsprach vollkommen dem ersten Zwecke einer alle we-\nsentlichen Instrumente umfassenden Orchcsterschule auf der\nBasis allgemeiner musicalischer Bildung. Ja, sie ging noch\nhöher und beschenkte die musicalische Welt nicht nur mit\ntüchtigen praktischen Musikern, sondern auch mit Virtuosen\nersten Ranges und produetiven Künstlern. Jetzt, bei der mo-\ndernen Richtung, welche die Tonkunst eingenommen, sind\ndie Verhältnisse andere geworden. Ueberall sucht man der\nspeciel musicalischen Bildung nicht nur jene strengwissen-\nschaftlicher Theorie, sondern, als absolute Bedingung einer\nsolchen, die allgemeine humanistische als feste Basis unter-\nzulegen. Wie nothwendig eine solche dem jetzt in die Welt\ntretenden Musiker sei. bedarf wohl keiner neuerlichen Her-\nvorhebung. Die sociale Stellung des Tonkünstlers nicht nur\nist eine von der früheren ganz und gar verschiedene, die\neinst ausreichende Naivetät eines exclusiven, selbstzweck-\nlichen Musikers, dem das ganze ausser seinem Fache lie-\ngende Gebiet anderweitiger Cultur-Elemente in genügsam-\nster Selbstbefriedigung eine Te blieb, ist heut-\nzutage ein vollkommen überwundener Standpunkt. Aber\nauch dem bloss ausübenden Instrumentalisten als solchem,\num so eindringlicher dem producirenden Künstler und je-\nnem, der eine höhere Stellung als Dirigent und artistischer\nLeiter aspirirt, genügen das blosse Talent und die Erwer-\nbung blosser Fachkenntnisse und Erfahrungen nicht mehr.\nSeitdem die Fortschritts-Bewegung auch in der Musik die"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "166", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600519-01.1.6", "texte": "Gränzen, welche ihr bestimmt sind, nicht so sehr zu über-\nschreiten als möglichst zu erweitern sucht, bedarf ihr Ver-\ntreter eines weiteren Horizontes; dieser wird aber nur auf\nder Höhe einer allgemeinen, nicht bloss äusserlich weltli-\nchen, sondern wissenschaftlichen Bildung gewonnen. Der\nspeciellen Auseinandersetzung und Bekräftigung dieser An-\ndeutungen bedarf es wohl nicht; sie drängen sich dem Ar-\ntisten, sowohl was seine sociale Stellung als was die Not-\nwendigkeit, im Strome des Kunstlebens unmittelbar zu\nstehen, alle Gründe und Motive desselben zu begreifen, an-\nbelangt, wohl von selbst und eindringlich genug auf. So\nvortrefflich nun auch unser Conservatorium als specielle\nMusikschule sein mag, so glänzend die Resultate der ver-\nschiedenen, zu einem ganzen Organismus verbundenen In-\nstrumental-Classen bisher auch waren, die Möglichkeit, sich\numfassende Kenntnisse, auch solche, die in nur mittelbarem\nVerhältnisse zu den specifisch musicalischen stehen, aber nicht\nminder nothwendig sind, zu erwerben, bietet das Institut\nzufolge seiner Constitution den Schülern nicht mehr in voll-\nkommen ausreichender, den jetzigen Erfordernissen genü-\ngender Weise. Bedarf der Musiker schon als solcher einer\nmöglichst ausreichenden Kennlniss in allen dem Gebiete\nder Tonkunst angehörenden wissenschaftlichen Fächern, so\nist ihm die Fähigkeit, dieselbe kritisch zu sichten und die\ndann seiner Perceptionsgabe und anderweitigen Talenten\nentsprechenden Resultate seiner Fachbildung anwenden und\ngebrauchen zu können, nicht minder unentbehrlich. Diese\nFähigkeit kann aber nur durch allgemeine Ilumanitäts-\nBildung erlangt werden. Was in dieser Beziehung an un-\nserem Conservatorium unter den obwaltenden Umständen\ngeleistet wird, ist zwar höchst anerkennenswerth; es be-\nschränkt sich aber, wie es in der Natur der Dinge liegt,\nauf das einem Privat-Institute Zugänglichste. Dass dieses\nbei beschränkten und nicht gesicherten Mitteln nur lücken-\nhaft sein kann, versteht sich von selbst. Bei den jetzigen\nAnforderungen an die Tonkunst und ihre Vertreter, bei\nder-immer steigenden Concurrenz, die mit dem Aufblühen\nneuer derlei Institute dem unseren erwächst, wird eine\nVervollkommnung und Vervielfältigung der Bildungsmittel\neben eine immer brennendere Frage für das Gedeihen des\nprager Conservatoriums. Die Antwort auf selbe, als Lösung\nfür die ferneren Bedingungen einer gesunden, concurrenz-\nfähigen Existenz, lässt unter den bisherigen Verhältnissen\nauf sich warten. Nur einer vervollständigenden und erwei-\nternden Reform wird es gelingen, den Forderungen der\nNeuzeit zu genügen. Zu diesem Zwecke, nun kann bloss\neine Alterirung und Umwandlung der Anstalt aus einer\nprivaten in eine öffentliche, d. h. solche erreicht werden,\nwelche sie den mannigfaltigen Zufällen, denen sie nach ihrer\njetzigen Constituirung ausgesetzt ist, entrückt; sie muss.\nsoll sie ferner gedeihen, über allen Wechselfällen stehen.\nUnter der Garantie des Landes selbst wird dieses allein\nmöglich, und man sieht, wie sich die allgemeine Notwen-\ndigkeit einer endlichen Beendigung der politischen Provi-\nsorien auch in den speciellsten Fällen geltend macht. Es\nbedarf nicht der Anführung besonderer Facta, um die Hin-\ndernisse, welche unter der Aegide dieser leidigen proviso-\nrischen Zustände dem zeitgemässen Aufschwünge des Con-\nservatoriums entgegen stehen müssen, zu constatiren; es\nmuss deren allgemeine Andeutung genügen. Wenn sich ein\nBericht mit dem jetzigen Zustande desselben befassen soll,\nso muss es dem Berichterstatter erlaubt sein, von absolu-\nten Postulaten zu abstrahiren, die gegebenen Verhältnisse\nals Ausgangspunkt desselben zu nehmen. Dass auf der Basis\nder nun einmal vorhandenen Verhältnisse das prager Con-\nservatorium seine Geltung und relative Bedeutung auch jetzt\nnoch siegreich und verhältnissmässig glänzend zu behaupten\nvermag, verdankt es zunächst in materieller Beziehung der\nnicht genug zu preisenden Energie und Opferwilligkeit der\nan der Spitze des „Vereins zur Beförderung der Tonkunst\nin Böhmen\" stehenden Direction, als deren Seele Graf Al-\nbert Nostiz zu nennen, und in Beziehung der pädagogisch-\nartistischen Leitung des Instituts dem artistischen Director\ndesselben und dem ihm zur Seite stehenden Lehrkörper.\nUm die Verdienste der Letzteren in das ihnen zukommende\nLicht stellen zu können, sei es erlaubt, in den folgenden\nZeilen der heurigen Conservatoriums-Concerte und ihrer\nResultate zu gedenken, da diese als öffentliche Proben der\nWirksamkeit zunächst geeignet sind, die Leistungsfähigkeit\ndes Instituts innerhalb der vorhandenen Schranken zu con-\nstatiren.\nSeit dem vorigen Jahre hat sich in den Productionen des\nInstituts eine grosse Veränderung ergeben. Von Seiten der\nhohen Vereins-Protectoren wurde nämlich bestimmt, zu\ndenselben ausgezeichnete Repräsentanten reproduetiver\nKunst, Meister ersten Ranges und berühmten Namens zu\nziehen. Dem Zwecke einer öffentlichen Prüfung, den die\nAnstalt bisher in ihren Ensemble- und Solo-Leistungen\nhauptsächlich und fast ausschliesslich verfolgte, gesellt sich\nmit dieser Neuerung nun auch der ostensible, mit grossen\nEinzel-Productionen zu glänzen. So dankbar die Absicht,\nPrag mit musicalischen Celebritäten bekannt zu machen,\ndie Gelegenheit zu bieten, Künstler hören zu können, die\nsonst für uns unbekannt geblieben wären, auch anzuerken-\nnen ist, einige Bedenken gegen diese Neuerung drängen\nsich unwillkürlich auf. Wäre das Conservatorium nicht\nstatutmässig auf die gar zu magere Dreizahl jährlicher Con-\ncerte beschränkt, und könnte es einen ganzen Cyklus von\nsolchen veranstalten, so dass das Institut hinlänglichen Platz\ngewänne, alle Zweige seiner artistisch-pädagogischen Wirk-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "167", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600519-01.1.7", "texte": "samkeit öffentlich zeigen zu können, so könnte einZweifel\ngegen die Zweckmässigkeit der neuen Maassregel kaum\neine nur halbwegs motivirte Begründung finden. Unter der\njetzigen quantitativen Einschränkung aber ist es etwas An-\nderes. So erscheinen nun schon seit zwei Jahren manche\nInstrumental-Classen in den Solo-Productionen der Zöglinge\ngar nicht mehr vertreten, obwohl kaum angenommen wer-\nden kann, dass sich unter jenen, welche nicht so bevorzugt\nsind, wie die Violinisten und Clariuettisten, nicht auch ent-\nsprechende Talente vorfinden sollten. Aber selbst jene In-\nstrumente, die sich besonders zahlreicher Schüler und mit\nihren Lehrern besonderer Protection erfreuen, können\nnicht alle ihre hervorragenderen Repräsentanten dem Pu-\nblicum öffentlich zeigen, eben weil es jetzt noch mehr an\nPlatz fehlt, als ehedem. Auch werden die eigentlichen Con-\ncert-Vorträge der Schüler selbst unter der Annahme, dass\ndas mächtig aufstrebende Talent mit seinen Zukunfts-Hoff-\nnungen unter allen Umständen das innigste Interesse an sei-\nnen Kundgebungen wach erhält, von jenen grossen Mei-\nstern, welche unmittelbar mit ihnen als Gäste mitwirken,\ndenn doch einiger Maassen gedrückt, die Aufmerksamkeit\nauf sie in den Schatten gestellt, da die Sonne wohlbegrün-\ndeten Ruhmes in dieser Beziehung als exclusive Egoistin\nletztere nur auf den Einen Punkt zu concentriren sucht.\nMan sieht, unsere Einwendung bezieht sich nur auf den\nnächsten Zweck der Convervatoriums-Concerte und könnte\nleicht mit einer quantitativen Vermehrung derselben ganz\nund gar zu Boden geschlagen werden. Aber nicht nur in\nartistischer Beziehung müsste eine solche dem Institute zum\ngrössten Vortheile gereichen, sondern auch in materieller.\n(Schluss folgt.)\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nM.£Slsa. Wir werden hier, wenn die Theilnahme des Publicums\nes ermöglicht, die italiänisehe Opern - G eselisch a 11 des Herrn\nMerelli aus Venedig, die jetzt in Brüssel mit ausserordentlichem\nErfolg spielt, in 6—B Vorstellungen hören. Herr Dr. Hanslick sagt\nin der wiener „Presse\" i »Die echte Schönheit der italiänischen Mu-\nsik fand stets an uns einen dankbaren Bewunderer. Die Italiäner\ncultiviren (freilich einseitig) das ursprünglichste und wesentlichste\nElement der Tonkunst: ihre sinnliche Schönheit und klare Form. Je\nmehr die deutsehe Musik ihren Hang zu dem entgegengesetzten Ex-\ntreme, nämlich dem charakteristischen Ausdruck, pflegt, desto wün-\nschenswerther muss es sein, dass zeitweilig in italienischen Muster-\nwerken ihr das Fehlende lebendig entgegentrete. Diese Erkenntnis?\nlag als tiefer, richtiger Instinct den musicalischen Römerfahrten un-\nserer älteren Componisten zu Grunde. Wie gewaltig dieses Ergän-\nzungs-Bediirfniss noch heutzutage, nachdem die Macht der italiäni-\nschen Musik so sehr gesunken, sich regen könne, haben die jüngsten\nErfolge der Italiäner in Berlin sehr anschaulich gemacht Das musi-\ncirende Berlin, das Jahre lang keine wälsche Oper vernommen, wei-\ndete sich, man möchte sagen an dem „ „Anblick*4 u dieser plastisch\nschönen, in sich abgeschlossenen Mclodieen. Es war, als rauschte\nplötzlich ein lustiger, silberheller Buch durch den verständig trocke-\nnen Sand. In Wien, wo italiänisehe Componisten leider auch in der\ndeutschen Saison bevorzugt werden, ist eine ähnliche Wirkung frei-\nlich nicht möglich; (?) allein Eine Seite bleibt für uns von kunst-\npädagogischer Wichtigkeit. Das ist die italiänisehe Gesangskunst.\nAllerdings eine gesunkene Grösse, kann und soll sie trotzdem ihrer\ndeutschen Schwester als Vorbild dienen. Noch immer sind die Ita-\nliäner die besten Sänger; damit sprechen wir nicht sowohl ein Prä-\nrogativ des Landes aus, als ein Verdienst der Schule. Die Italiäner\nhaben von der Gesangskunst einen viel richtigeren Begriff und einen\nhöheren Respect, als die Deutschen\" u. s. w.\nC/I!*© fS. 27. April. Das heutige Concert der Liedertafel, wel-\nches im Saale des Hotel de la Redoute bei sehr zahlreicher Theil-\nnähme der hiesigen Musikfreunde Statt fand, hatte sich im Ganzen\neines entschieden günstigen Verlaufes zu erfreuen. Es wurde mit der\nOuvertüre zum „Wasserträger*4 von Cherubini eröffnet, welche recht\npräcis, mit Ausdruck und gespielt wurde. Dieselbe An-\nerkennung verdient der Vortrag der zweiten Ouvertüre »Die Najaden\"\nvon W. Sterndale Bennett. Die Liedertafel sang: 1) Psalm 23, „Gott\nmeine Zuversicht\", von Schubert; 2) »Auf offener See\" von F. Möh-\nring; 3) „Lied für die Deutschen in Lyon' von Mendelssohn; 4)\nzwei Volkslieder und 5) „Frühlingsnahen'' von Josephson. In sämmt-\nlichen Vorträgen offenbarte der Verein wiederum Sicherheit, wohl-\nthuende Frische des Tones und schöne Klangfärbung. „Auf offener\nSee' war eine besonders glücklich gewählte Nummer; es ist ein rei-\nzendes, mit schön instrumentirter Orchester-Begleitung dahin wogen-\ndes Gesangstück für Chor und Soli, das bis zu dem Schlussgebete\nden Zuhörer gewaltig ergreift. Das letzte, „Frühlingsnahen\", fand ein\ngetheilte Aufnahme, keinesfalls war dieselbe so, wie die Ausführung\nwohl verdiente. Die Composition ist eine eigentümliche, und fällt\nes dem Zuhörer wirklich schwer, sich mit diesem „Nahen\" der schö-\nnen Jahreszeit zu befreunden. Nun erübrigt noch, eines besondereil\nGenusses zu gedenken, der uns durch das Auftreten eines geschätz-\nten heimischen Talente«, Fräul. Büschgens, geworden. Sie sang\ndie Arie aus Titus: „Ach, nur einmal noch im Leben14 u. s.w. Das\nPublicum zollte der Sängerin rauschenden Beifall, in den wir ganz\neinstimmen. In dem Vortrage des Mozart'schen herzigen Liedes „Das\nVeilchen'' bewies sie, dass sie neben Verständniss der Musik die\nMittel besitzt, das geistig Erfasste zu voller Wirkung wiederzugeben.\nSängerfest in Gent. Der Männergesang-Verein Societe roijale\ndes Melomanes, gestiftet den 1. October JBoB, wird bei Gelegenheit\nder nächsten Gemeinde-Festtage, Sonntag den 8. Juli, unter dem\nPatronat der städtischen Behörde einen C h orgesang-Wettstreit\nveransta.ten. Eingeladen sind J) alle Vereine Belgiens und des Aus-\nlandes, mit Ausnahme derjenigen, die in Gent selbst bestehen; 2)\ndie Schüler der Gemeindeschulen, die von Gent mit einbegriffen. Ein\nNachlass von 50 Procent ist allen Gesellschaften auf den belgischen\nEisenbahnen bewilligt. Es sind verschiedene Preise für die städti-\nschen und für die Landgemeinden ausgesetzt. Für die Vereine aus-\nländischer Städte besteht der erste Preis in einer goldenen\nDenkmünze und einer Prämie von 500 Frcs., der zweite in einer\ngoldenen Denkmünze. Vom Auslande können auch nur zwei Ver-\neine concurriren; in diesem Falle wird aber nur der erste Preis zu-\nerkannt. Die Jury für dieselben besteht wenigstens aus fünf Preis-\nrichtern. Der Chor muss mindestens 20 Mitglieder zählen. Jeder\nVerein trägt nach eigener Wahl zwei Chöre ohne Begleitung vor;\nauf die Soli nimmt die Jury keine Rücksicht. Kein Preis wird ge-\ntheilt; im Nichteinigungsfalie können die Richter den Vortrag eines\ndritten Stückes verlangen.\nAnmeldungen in frankirten Briefen sind vor dem 15. Juni au\nden Secretär des Vereins, Herrn J. Story, Coupure Nr. 161, zu\nrichten Sie müssen die Titel der Gesänge und die Namen der Com-\nponisten, so wie die Anzahl der Sänger enthalten."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "168", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600519-01.1.8", "texte": "Die Denkmünzen werden mit dem Bildnisse Seiner Königlichen\nHoheit des Grafen von Flandern, des Ehren-Präsidenten des Vereins,\nausgeprägt.\nDas Journal de Liege vom 26. April bringt als eine „Nouvelle\nincroyable'1 aus dem Guide Musical, der in Brüssel erscheint,-einen\nBericht von dem Aelteren, als Vorsitzendem der permanenten\nAbtheilung für die musicalische Preisbewerbung, an die königlich\nbelgische Akademie, über die Bestimmung der Länder, in denen\nHerr Radoux, der gegenwärtig Gekrönte, seine Reise-Stipendien zu\nverzehren habe. Es heisst darin wörtlich :\n„In Betracht der Zustände politischer Aufregung, in denen sich\nItalien gegenwärtig befindet, und der Art von musicalischer\nAnarchie, welche in diesem Augenblicke in Deutsch-\nland herrscht, ist die permanente Jury der Meinung, dass sich\nder Gekrönte des Besuches dieser beiden Länder zu ent-\nhalten hat. Sie räth desshalb der Staats-Regierung, Herrn Radoux\nauf den Aufenthalt in Paris und während der Saison in London zu\nverweisen und ihm für die Zeit des Aufenthaltes in London einen\nZuschuss zu bewilligen.\"\nDas Journal de Liege macht zu diesem allerdings höchst wunder-\nlichen Actenstücke ganz artige Bemerkungen, u. A.: „Da ist also\nDeutschland, die vorzugsweise Heimat der Tonkunst, auf einmal mit\ndem Interdict belegt, weil es R. Wagner und einige wenige andere\nMusiker erzeugt hat, gegen deren Streben Herr eine Antipathie\nhat! Und einer unserer Preisgekrönten ist dazu verurtheilt, nur das\nzu studiren, was man ihn will hören lassen! Wie? Man will dem\njungen Componisten die Freiheit seiner Entwicklung beschränken,\nja, vollends aus Furcht, er möchte auf Irrwege gerathen, ihm die\nThore der deutschen Städte verschliessen, wo er alle Tage die Auf-\nführungen der Meisterwerke eines Händel, Haydn, Mozart, Beetho-\nven, Mendelssohn und so vieler Anderen durch bewundernswürdige\nOrchester hören kann?? Was ist daran gelegen, dass Wagner\nim Augenblick vielleicht in Deutschland von Vielen überschätzt wird,\ndass seine Werke nicht seinem Rufe entsprechen? Die Zeit wird\nihnen ihre richtige Steile schon anweisen! Und hat denn Herr Fetis\nvergessen, dass Wagner in Paris ist und auch in London gewesen\nist, folglich Paris und London auch schon der „„musicalischen Anar-\nchie, die in Deutschland herrschen444 soll, verfallen sind ? Der Preis-\ngekrönte wird sich also auch dort die Ohren verstopfen müssen !u\nU. s. w.\nIn der That, man begreift kaum die grämliche Ansicht von\nund ihren wunderlichen Ausbruch in einer amtlichen Warnung vor\nder Berührung mit einer Ketzerei, die in Deutschland keineswegs\nauf solche Weise Wurzel gefasst hat, wie sich das Ausland einbil-\ndet oder von der Partei einbilden lässt. Musicalische Anarchie in\nDeutsehland! Ist denn Brüssel so weit entfernt vom Rheine, dass\nHerr Fetis gar nichts von den Programmen der Winter-Concerte in\nden rheinischen Städten von Basel bis Düsseldorf zu Gesicht bekom-\nmen hat? Wo zeigt sich da „Anarchie* ? Athmen sie nicht alle den\necht classischen Geist, und strömt nicht das*Publicum alljährlich\nzahlreicher herbei, sich in diesen Geist zu versenken ? Und wir\nsprechen nur vun dem, was so zu sagen vor der Thür des Herrn\nFtStis geschieht. Also der belgische Laureat darf in Aachen und\nKöln die Passion von Bach nicht hören, das Musikfest zu Düssel-\ndorf nicht besuchen!\nSivori gibt in Mailand Concerte, die ganz ausserordentlichen\nZulauf haben und die Mailänder für die sehr mittelmässigen Opern-\nVorstellungen, die sie jetzt haben sollen, entschädigen.\nDie Sängerin Marie (eigentlich Clementine) Piccolomini,\ndie einige Jahre in London und in New-York bei der italiänischen\nOper entzückte, hat jetzt London verlassen, um sieh in Florenz mit\neinem der reichsten und vornehmsten Herren des Landes, dem Mar-\nchese Gaetani, zu vermählen. Die junge Dame soll sich indess auch\nein Vermögen von 40,000 Pf. St. (250,000 Thlr.) ersungen haben.\nIhre letzten fünf Vorstellungen in London haben ihr 450 Pf. St. (bei-\nnahe 3000 Thlr.) eingetragen.\nIn Neapel scheinen die Zustände der Oper eben so krank zu\nsein, wie die politischen Ein dortiges Blatt schreibt: „Signora Vera-\nLorini ist unw7ohl, Signora Ventura ist unpässlich, Signora Ravaglia\nist krank woraus folgt, dass das ganze Theater kränkelt.\"\n** Die hiesigen Orpheonisten haben den Plan, den\nRuhm des kölner Männergesang-Vereins in London zu verdunkeln.\nNun, in Bezug auf die Masse werden sie sicher den Sieg davon tra-\ngen; denn dreitausend Sänger werden sich unter der Direction\nvon Herrn Delaporte vereinigen und vom 24.—30 Juni ein Sän-\ngerfest im Krystallpalaste veranstalten! Das Programm enthält: God\nsave the Queen, Veni Creator von Besozzi, Stück aus dem 19. Psalm\nvon Marcello, Choral von Hassler (1601), von Scheidenam (?) (1601),\nO Isis und Osiris von Mozart, Sextett aus den Hugenotten (von\n3000 Stimmen gesungen??, Les Cimbres et Teutons von Lacombe,\nLes Enfanls de Faris von Adam, Das Kirchlein von Becker, Der Jä-\nger Abschied von Mendelssohn, Der Tag des Herrn von C. Kreutzer,\nNorwegisches Freibeitslied und Le Chant du bwouac von Kücken,\nLa Iletraite von RilM, La noaodle Alliance von Halevy und France!\nFrance! von Ambr. Thomas.\nMit dem Bau des neuen Opernhauses sind wir hier ungefähr eben\nso weit, wie Sie in Köln; seit dem Aufliegen des Bauplanes auf der\nMairie des neunten Arrondissements haben nicht weniger als 504\nArchitekten aus Paris und der. Provinz Gegenbemerkungen einge-\nreicht. Es sollen sehr gründliche Einwände, besonders von Herrn\nvon Filippi, dagegen gemacht sein, die der Kaiser, nach Besichtigung\ndes auf dem Boulevard des Capucines, der Rae de la Faix gegenüber,\nfür den Neubau in Aussicht genommenen Platzes für begründet er-\nklärt haben soll. Se. Majestät soll für den Plan sein, das neue\nHaus auf die Stelle des alten zu erbauen, mit der Vor-\n» /\nderseite nach dem Boulevard und Niederlegung der Fassage de VOpera\nund einiger daran stossender Häuser."}]}