{"numero_id": "bm-bmtnabi-1860-05-26-01", "volume": "bmtnabi_1860-05-26_01", "ocr_sha256": "67ecbb6a1ac56cedfffc6442f448062c2234c3542fc00b65feb055d16fb54c47", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1860/05/26_01/bmtnabi_1860-05-26_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600526-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1860-05-26-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-05-26_01#c001", "volume": "bmtnabi_1860-05-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "169", "page_fin": "169", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600526-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "169", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600526-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 371, "texte": "Inhalt.\nAus Prag (Concerte des Conservatoriums Ferd. David Hans von Bülow). Schluss. Beethoven's Fidelio in Paris,\n— Aus Wiesbaden (Die Winter-Saison). Von W. W — Tages- und Unterh altungsb 1 att (Köln, Städtischer Singverein — Na-\nnette Sehechner f — Gera, Vereins-Concert — Stettin, Graun's Tod Jesu, Kirchen-Concert — Deutsche Tonhalle).\n* ~ 4 1 * ' • • i I ■ . I -* I"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-05-26-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-05-26_01#c002", "volume": "bmtnabi_1860-05-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "169", "page_fin": "171", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600526-01.2.2", "titre_corps": "Aus Prag.", "titre_sommaire": "Aus Prag.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "169", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600526-01.1.1", "debut_caractere": 373, "fin_caractere_exclue": 4262, "texte": "Aus Prag.\n(Schluss. S. Nr. 21.)\nEine Institution wie die leipziger Gewandhaus-Con-\ncerte und die Abonnements-Productionen anderer Musik-\nstädte fehlt Prag gänzlich. Würde hier das Conservatorium\ndie Initiative ergreifen und die Trefflichkeit seiner Lei-\nstungen in Orchestral- und Ensemble-Werken berechtigten\nes vorzugsweise dazu—, so könnte es sich damit ein festes\nEinkommen jährlich sichern, da eine im Anfange ziemliche,\nmit der Zeit aber wachsende Subscription kaum zu bezwei-\nfeln wäre; mit dieser materiellen Zubusse ergäbe sich die\nMöglichkeit, auf eine Vervielfältigung und Vervollkomm-\nnung der Bildungsmittel, auf eine dauernde, dem Zufalle\nnicht Preis gegebene Verbesserung der Lage der Lehr-\nkräfte zu denken, von selbst. Die Conclusionen aus diesen\nallgemeinen Andeutungen sind klar, und wir verfolgen sie\nnicht weiter, um zu den speciellen Theilen dieses Berichtes\nzu gelangen und der heurigen Leistungen des Instituts zu\ngedenken.\nVon Gästen des Conservatoriums hörten wir die Herren\nFerd. David und Hans von Bülo w. Der leipziger Con-\ncertmeister war als ausübender Künstler ein Homo novus\nfür Prag; es kannte ihn als solchen nur aus dem ausser-\nordentlichen Rufe, der seinen Namen in ganz Deutschland\nso berühmt macht. Dass dieser Ruf kein gemachter, son-\ndern ein wohlbegründeter, bewiesen seine eminenten Lei-\nstungen in dem zweiten Concerte des Conservatoriums.\nDavid spielte als Entree des alten Meisters Viotti A-mott-\nConcert. Schon die Wahl zeigte, dass er zunächst in jenem\nStile einer reinen Schule, welche über die Künste der mo-\ndernen Geigerei noch nicht die Kunst vergass, glänzen\nwollte. Es gelang ihm vollkommen, und gab sein durch\nund durch geklärter Vortrag deutlich zu erkennen, dass\nauch auf diesem Boden die ausgeglichenste Technik we-\nsentlich nothwendig sei, während eine Partie Variationen\neigener Composition über ein russisches Lied und die nach\nmehrmaligen stürmischen Hervorrufen beigegebene Mo-\nscheles'sche, zumeist sich in mehrstimmigem Satze bewe-\ngende, mit den virtuosesten Begleitungs-Figuren versehene\nEtüde ihm Gelegenheit boten, als ein auf der Höhe mo-\nderner Technik mit ihrem ganzen Kram von ausserordent-\nlichen Schwierigkeiten stehender Virtuose zu leuchten, ohne\nden oberstenZweck der Tonkunst, mithin auch den repro-\nduetiven, ausser Acht zu lassen. Hans von Bülow, dem\nweit mehr als Schriftsteller und Propagandisten der Wag-\nner'schen, Liszt'schen >und noch weiter gehenden Schule,\ndenn als Pianisten der Name Percy's, des Heisssporns, zu-\nkommt, war uns schon aus früheren Leistungen bekannt.\nAls Pianist ist Bülow ein Künstler durch und durch und\nnur nebenbei Virtuose, aber die Eigenheiten des letzteren\nbesitzt er ebenfalls im höchsten Grade und in harmonisch-\nster Vollkommenheit. Eine Specialität dieses Vertreters der\nWeimarer Schule par excellence ist jedenfalls das fabelhafte\nGedächtniss, das ihn befähigt, mit Sicherheit ohne eine\nPartition die Proben und Productionen der polyphonsten\nund schwierigsten Orchestralwerke zu leiten, ohne eine\nStimme vor sich zu haben, Alles von Bach, Mozart, Beethoven\nbis zu Liszt, Chopin u. s. w. par coeur zu spielen, und zwar\nohne einen Makel, ohne die geringste Beeinträchtigung des\nOriginals. Ein Concert mit Orchesterbegleitung wie das Beet-\nhoven'sche in Es-dur auf diese Art vorzutragen, ist in der\nThat bewundernswerth. Man mag Manches in diesem Ton-\nstücke nicht immer so aufgefasst wünschen, wie es bei\nBülow der Fall ist; geht man aber in seine Auffassung ein,\nund bei diesem durch und durch subjectiven Momente einer\nkünstlerischen Leistung versteht sich die Berechtigung einer\njeden, in so fern sie nicht unlogisch ist, von selbst, verfolgt\nman die Consequenz, mit der Bülow seinen Vortrag durch-\ngeistigt, so wird wohl Niemand anstehen, diesen als einen\nausgezeichneten und künstlerisch durchdachten anzuerken-\nnen. Unter den Solostücken ohne Begleitung, welche Bü-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "170", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600526-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5518, "texte": "low spielte, sei zunächst die Chopin'sche\nerwähnt, da lins sein Spiel dieser nur auf Ton, Anschlag\nund poetische Wiedergabe berechneten Piece ohne jegliche\näusserlich-ostentiöse Bravourerei als einzig und vielleicht\nden Intentionen des ganz und gar individuellen Poeten zu-\nnächst entsprechend vorkam, so zwar, dass, so viele Piani-\nsten und Pianistinnen auch schon diese Nocturne zu Gehör\nbrachten, keine der vielen Celebritäten im Stande scheint,\nim Vortrage dieser scheinbar kleinen Dichtung mit Bülow\nzu rivalisiren. Der vollständigste Erfolg der beiden heuri-\nsen Gäste des Conservatoriums war in seinen äusseren Ma-\nnifestationen von Seiten unseres Publicums, dessen Em-\npfänglichkeit und Anerkennungslust für bedeutende Kunst-\nerscheinungen bekannt, wie sich das leicht errathen lässt,\nausserordentlich glänzend.\nUm nun bei dem zweiten und dritten Concerte, in\nwelchen David und Bülow mitwirkten, zu bleiben und auch\ndie Ordnung in Bücksicht der Programm-Nummern nach\nihren Kategorieen zu befolgen, sind jetzt die Solo-Num-\nmern, in denen auch die Zöglinge Proben ihrer Talente\nund erworbenen Fertigkeiten ablegten, zu erwähnen. Im\nzweiten Concerte zeichneten sich zwei Eleven der Wald-\nhorn-Classe durch gesunden Ton, Sicherheit der Intonirung\nund schon jetzt anerkennenswerthe Technik in einem Di-\nvertissement von Kalliwoda für zwei Horner aus. Der Vor-\ntrag einer Mezzo-Sopranistin von der Arie aus Donizetti's\nOper La favorüeaber wurde von Befangenheit und offen-\nbarer Organs-Indisponibilität beeinträchtigt. Im dritten\nConcerte erregte ein noch ganz und gar jugendlicher Vio-\nlinist, Joh. Hrimali, im vollsten S'nne Sensation. Sein\nVortrag einer Bravour-Piece von Leonhardt gab von einem\nausserordentlichen Talente so decidirte Proben, dass wir\nseinem für das Ausland eben nicht leichten Namen unter\nnur einiger Maassen günstigen äusseren Auspicien beinahe\nmit Gewissheit grosse und baldige Verbreitung vorhersa-\ngen können. Dass insbesondere die Geigen-Gasse ein be-\nsonderes Glück in Acquirirung von Talenten hat, erklärt\nsich aus der musicalischen Begabung der Nation gerade\nfür dieses Instrument und aus dem Umstände, dass sich\ndie grösste Anzahl von Aspiranten für diese Gasse meldet\nund alles, was zu günstigen Hoffnungen berechtigt, von\ndem eben so klugen als glücklichen Lehrer in Beschlag\ngenommen wird, leicht. Auch ein anderer Zögling der\nVioline, Jos. Bebicek, ärntele mit dem Vortrage der\nobligaten Violinstimme zu der von einer Opernschülerin\ngesungenen grossen Arie aus Ilcrold's „Zweikampf\" ver-\ndienten Beifall. Besondere Erwähnung verdient auch ein\nCellist zufolge seines gerade in dieser Gasse überraschen-\nden Vortrags der Phantasie „Souvenir de St. Petersbourg\"\nvon Servais.\nDas erste auf die eigenen Kräfte des Instituts be-\nschränkte Concert hatte einen occasionellen Charakter; es\ngalt den Manen L. Spobr's und enthielt nur Compositio-\nnen dieses grossen Altmeisters der Tonkunst. Die Erinne-\nrungsfeier war eine würdige, und man muss es Herrn\nKittl nachrühmen, dass er mit besonderer Pietät an die\nAufführung der für das Programm bestimmten Werke\nging. Zwischen der in echt Spohr'scher Gefühls-Schwär-\nmerei wogenden, aber auch an energischeren und kräfti-\ngen Stellen nicht armen C-moÄ-Sinfonie und der Ouvertüre\nzum zweiten Theiie des Oratoriums „Die letzten Dinge\"\nkamen zu Gehör der erste Satz aus dem Doppel-Concerte\nfür zwei Violinen in H-moll,jener zum Clarinett-Concer-\ntino und die grosse Sopran-Arie aus „Faust\". Es bleibt\nnoch übrig, jener Orchestral-Aufführungen zu gedenken,\nwelche im zweiten und dritten, dann in einem zum Besten\ndes hiesigen Armen-Instituts unter Mitwirkung des Conser-\nvatoriums veranstalteten Wohithätigkeits-Concerte vorka-\nmen. Die Ensemble-Leistungen des Instituts sind für Prag\nvon besonderer Wichtigkeit; denn kein anderer Instrumen-\ntalkörper ist hier im Stande, den Proben eine so eindring-\nliche Sorgfalt zu widmen, wie das Conservatorium, und\nKittlist ganz der Mann dazu, einer so gewissenhaft vorbe-\nreiteten Aufführung Seele und Geist einzuhauchen, den\nWerken grosser Sinfoniker durch feinste Nuancirung und\nSchwung volles Recht angedeihen zu lassen. Wenn sich\nhier und da eine kleine Makel in der Aufführung gibt,\nwenn die Stimmung des Orchesters in dem Verhältnisse\nzwischen den Streichern und Bläsern nicht immer auf die\nvollste Reinheit zutrifft, oder wenn etwa die dynamische\nAbstufung in den verschiedenen Instrumental-Gruppen bis-\nweilen das Maasshalten nicht bis auf das kleinste Komma\neinhält, da das jugendliche Orchester mit aller primitiven\nBegeisterung streicht und bläs't, so sind diese kleinen Flecken\nin den sonst trefflichen Aufführfingen so von Zufälligkeiten\nabhängig, dass deren Hintanhaltung absolut nicht immer\nmöglich erscheint. Beethoven erschien heuer, durch seine\n„sechste\" repräsentirt, im vollsten,so zu sagen monotheisti-\nschen Glänze als ursprünglicher Musiker, einziger Poet und\ntiefer Philosoph. Dass diese Trinität seines künstlerischen\nSchaffens auch in jenem Werke unter den unsterblichen\n„neun\" so prägnant sich offenbart, welches gleichsam einen\nidyllischen Ruhepunkt bildet, beweis't eben die Grösse und\nUnnahbarkeit dieses Einzigen im Reiche der Töne. Eine\ninteressante Novität war Rubinstein's „ L'ocean\". Dieses\noffenbar von einer vollen, steigenden Productionskraft zeu-\ngende Werk entging nicht den heftigsten Anfeindungen\nund nicht den maasslosesten Verhimmelungen, wie dieses\nbei einer bedeutenden, aber noch nicht vollends geklärten\nErscheinung auf dem Parnasse immer der Fall ist. Was es"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "171", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600526-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1395, "texte": "uns in mehreren Einzelheiten von hinreissender Schönheit\nbringt, nicht das ganze Werk im Ganzen und an sich, ist\nes, das uns dasselbe mit Freude begrüssen lässt als eine\nhoffnungsvolle Anwartschaft für die Zukunft dieses begab-\nten Tonkünstlers und dessen, was wir von ihm noch zu er-\nhoffen haben.—Von Ouvertüren kamen durch das Orato-\nriums-Orchester heuer merkwürdiger Weise lauter einhei-\nmische Producte zur Aufführung. Einer Ouvertüre zu Cal -\nderon's Komödie „Der wunderthätige Magus\" von D. A. V.\nAmbros, der im Directions-Ausschusse des Vereins zur Be-\nförderung der Tonkunst in Böhmen mitsitzt, folgten zwei\nvon jugendlichen Instituts-Zöglingen, welche als Beweise\ndienen, dass auch die productive Kunst im Institute gepflegt\nwerde, und eine Ouvertüre von dem absolvirten Flötisten\nund jetzt hier privatisirenden Hodek, von dem insbesondere\ndie bereits erlangte Routine in Beherrschung der Form\nund der Instrumental-Anordnung hervorzuheben wäre.\nWir schiiessen diese Zeilen mit der vollsten Anerkennung\ndessen, was Kittl und das ganze Lehrpersonal auch unter\nden jetzigen, keineswegs günstigen Umständen leisteten,\naber auch mit der Hoffnung, dass sich die Zeiten so bald\nals möglich in dem Sinne vortheilhaft ändern mögen, den\nwir oben mit Rücksicht auf das Conservatorium und die\nkünftigen Momente seiner Biüthe und seines Gedeihens so\ndeutlich als möglich anzudeuten versuchten.\nü *"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-05-26-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-05-26_01#c003", "volume": "bmtnabi_1860-05-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "171", "page_fin": "173", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600526-01.2.3", "titre_corps": "Beethoven’s Fidelio in Paris.", "titre_sommaire": "Beethoven’s Fidelio in Paris.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "171", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600526-01.1.3", "debut_caractere": 1397, "fin_caractere_exclue": 5215, "texte": "Beethoven’s Fidelio in Paris.\nDas Theätre lyrique hat bekanntlich den Weg betre-\nten, classische Opern deutscher Meister in Paris auf die\nBühne zu bringen, was um so anerkennungswerther ist,\nda es ganz allein auf seine Einnahmen angewiesen ist und\nvon Staats wegen auch nicht der geringsten Unterstützung\nsich erfreut. Trotzdem hat diese kleine Bühne, eine reine\nPrivat-Unternehmung, seit zwei Jahren mehr für die\nwahre Kunst gethan, als alle übrigen Opernbühnen in\nParis zusammengenommen. Als technischer Director steht\nHerr Rety an der Spitze, der mit dem besten Willen mu-\nsicalisches Verständniss und Geschmack und eine grosse\nBühnenkenntniss verbindet. Der Eigenthümer und Unter-\nnehmer ist Herr Carvalho, dessen Kunst-Ansichten freilich\nnur dann die classische Musik begünstigen, wenn die Clas-\nsicität mit Zugfähigkeit und Cassemachen zusammenfällt.\nDa er sein Publicum kennt, so ist er auch die Triebfeder\nder Bearbeitungen, welche die deutschen Opern ä la Fran-\nfaise zustutzen. Bis jetzt hat er sich gut dabei gestanden;\nMozart und Weber, sogar Gluck, dessen Orpheus mit Frau\nViardot-Garcia jüngst wiederholt das Haus füllte, haben\nihm schöne Einnahmen gebracht.\nDesslialb machte er sich denn auch an den Fidelio.\nBeethoven, der Abgott der Auswahl des pariser Musik-\nPublicums, das heisst der Abonnenten der Conservatoire-\nConcerte, dessen Sinfonieen und Ouvertüren man wenig-\nstens einige Hundert Mal gehört haben muss,um auf Kunst-\nsinn Anspruch machen zu können, wie elektrisch wird er\nauf die Menge wirken, wenn eine seiner grössten Schö-\npfungen im Theater vorgeführt wird, wo die vornehme\nAusschliesslichkeit ihre Schranken nicht aufstellen, wohin\nder Strom der Zuschauer aller Art ungehindert sich er-\ngiessen kann!\nAlso Fidelio wird gegeben, mit der Viardot als Leo-\nnore und im Ganzen gut besetzt, zwar nicht durch ausge-\nzeichneten Chor und untadeliges Orchester, aber doch gut\nstudirt und präcis ausgeführt. Der Erfolg aber hat bewie-\nsen, wie wenig tief der pariser Beethoven-Cullus in das\nVolk gedrungen ist: die Oper hat kalt gelassen. Mit Aus-\nnahme des letzten Finale, das in Deutschland keineswegs\nals die beste Nummer der Oper gilt, hat das Publicum in\nMasse alle die herrlichen Musikstücke ohne lautbare Theil-\nnahme vorübergehen lassen, und selbst die Kritik tischt\nzum Theil das alte Gewäsch von Beethoven's Unfähigkeit,\nfür Gesang zu schreiben, oder von der Empörung seines\nGenie's gegen die Formen der Vocalmusik wieder auf, als\nwenn das halbe Jahrhundert, das seit 1805 verflossen,\ngar nicht da gewesen wäre und die musicalische Welt noch\nimmer mit offenem Munde vor den Tonbildern Beetho-\nven's stände ohne Verständniss derselben und ohne Em-\npfänglichkeit dafür!\nDa heisst es z. B.: „Dieser Mann, dem stets ein me-\nlodischer Gedanke zur Verfügung steht, wenn er für ein\nInstrument schreibt, scheint mit Unfruchtbarkeit geschla-\ngen, sobald er für Gesang schreibt. Was geschieht oft?\nNachdem er lange eine Melodie gesucht, die ihm nicht\nkommen will (!), lässt er die Singstimme bei Seite und wirft\nsich aufs Orchester. Ein Instrumental-Motiv ist bald ge-\nfunden, er bemächtigt sich desselben und gibt sich der\ngeistvollsten Arbeit in Imitationen hin, die man nur den-\nken kann. Aber von diesen gelehrten Combinationen wird\ndie Singstimme geknebelt und gezwungen, die Worte psal-\nmodieenartig zu declamiren. Auch in der italiänischen Oper\n—mit Sophie Cruvelli als Leonore—konnte diese Partitur,\nobschon correct ausgeführt, das Publicum nicht anregen\nund interessirte durchaus nur die Liebhaber vom Contra-\npunkte.\" (!)\nSo spricht Herr Leon Durocher im Jahre 1800 in\ndem ersten musicalischen Blatte Frankreichs, der\net Gazette musicale\\om 30. Mai, über Beethoven's Fidelio.\nDas muss denn doch als Zeichen der Zeit in den Jahrbü-\nchern der Kunstgeschichte und des pariser Geschmacks,\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "172", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600526-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5243, "texte": "welcher der ganzen musicalischen Welt voranleuchten soll,\nwie die Franzosen vermeinen, aufbewahrt werden!\nAber wird man vielleicht einwerfen man darf nicht\nso viel auf die vereinzelte Stimme eines Kunstrichters ge-\nben, der ja, wie man aus seinem Berichte weiter ersieht,\nso beschränkt ist, dass er z. B. die erste Arie der Marcel-\nJine als „zu nobel für das junge Mädchen im kurzen Kleide\"\nbezeichnet, da sie eher „lür eine Prinzessin passe\", indem\ner „in der ganzen Partie der Leonore nichts finde,\ndas in höherem Stil geschrieben sei\" (!); der das Mo-\ntiv des Canons kurz darauf unbedeutend findet u. s. w.\nO nein! Diese Stimme steht nicht vereinzelt da; im\nGegentheil, sie spricht die Meinung des grössten Theiles\nvom Publicum aus, wofür wir die officielle Bestätigung in\ndem Berichte der Dcbats von Hector Berlioz finden,\nder in einem glänzenden und begeisterten Plaidoyer für\nBeethoven allein die Ehre der pariser Kritik rettet, aber\nzugleich das Publicum schlagend verurtheilt. „Was bei\ndem pariser Publicum\"—sagt er geradezu—„der Musik\nder Oper Fidelio schadet, ist die Keuschheit der Melodie,\ndie stolze Verachtung jedes unmotivirten Ivlang-Effectes,\njeder banalen Cadenz, die reiche Klarheit seiner Instrumen-\ntirung, die Kühnheit seiner Harmonieen und vor Allem,\nich scheue mich nicht, es zu sagen, die Tiefe des Gefühls\nund des Ausdrucks.\"\nUnd bei Gelegenheit des canonischen Quartetts „mit\nder ausnehmend schönen Melodie\" sagt er: „Aber dieser\nCanon im Fidelio ist nur ein Andante, ohne das obligate\nAllegro mit Cabaletta und lärmendem Coda. Mithin stutzt\ndas Publicum, es sieht sich getäuscht in der Erwartung\nseines Allegro's, seiner Cadenz, seines Knall-Effectes.—In\nder That, warum knallt man ihm auch nicht Eines auf?\"\nDann wieder: „Bei der Arie des Pizarro rührt sich in\nParis keine Hand; ich muss jedoch um die Erlaubniss bit-\nten, sie als ein Meisterstück zu bezeichnen.\" —-„Das wun-\ndervolle Duett im Kerker beim Aufgraben der Cisterne\nschliesst ohne Coda, ohne Cabaletta, ohne einen Aufschrei\nder Stimmen; wie schade! Nun beharrt natürlich das Pu-\nblicum bei seinem starren Schweigen.\"\nUebrigens war weder der Fidelio Beelhoven's noch\nder Stoff des Drama's in Paris ganz neu.\nIm Jahre 1798 wurde auf dem Theater Fevdeau (ko-\n%j \\\nmische Oper) zum ersten Male VAmour\nconjugal, fait historique\", in zwei Acten, Text von M.\nBouilly, Musik von P. Gaveaux, gegeben. Die Oper\nhielt sich nicht. Die Darstellerin der Leonore, Madame\nScio, wurde gerühmt. Gaveaux, der Sänger von Fach war,\ngab den Florestan.\nEinige Jahre später schrieb Paer seine auf\neine italiänische Bearbeitung des Buches von Bouilly.\nDasselbe Buch Bouilly's liegt auch der Composilion\nBeethoven's zum Grunde; zuerst 1804 von Joseph Sonn-\nleitner für ihn übertragen, dann für die Aufführung im\nJahre 1814 von Friedrich Treitschke umgearbeitet.\nDer Fidelio von Beethoven kam zuerst im Jahre 18*29\ndurch eine deutsche Opern-Gesellschalt nach Paris. Die\nSchröder-Devrient, nach der Milder-llauptmann die herr-\nlichste Leonore, und der ihr ebenbürtige Tenor Haitzinger\nwaren die Hauptträger der Oper, die damals allerdings\nEnthusiasmus erregte, aber mit der deutschen Gesellschaft\nwieder verschwand und mehr nur die Erinnerung an die\nwunderbare Leistung der grossen dramatischen Sänge-\nrin, als an die ergreifende Schönheit der Composition zu-\nri'ickliess. Auch fehlte es damals schon nicht an Stimmen,\ndie den Erfolg der Oper mehr einen dramatischen, als\neinen musicalischen nannten.\nIn neuerer Zeit brachte das italiänische Theater nach\ndem Vorgange von London, wo Fidelio schon Irüher, theils\nvon Deutschen, theils von Italiänern, gegeben wurde, die\nOper auf seine Bühne; Leonore war Sophie Cruvelli.\nDoch erlebte Fidelio nicht viele Vorstellungen und wurde\nwieder zurückgelegt.\nDen Aufführungen in London im Jahre 1854 habe\nich selbst beigewohnt. Bei den Italiänern in Coventgarden\nwar nur das Finale des letzten Actes grossartig und impo-\nsant durch die glänzenden Solostimmen, den starken Chor\nund das treffliche Orchester. Alles Andere konnte nicht\nnur nicht befriedigen, sondern wurde oft in Bezug auf Auf-\nfassung und selbst auf die Tempi dermaassen vergriffen,\ndass man Beethoven fast nicht wieder erkannte. Sophie\nCruvelli (es war dieselbe Gesellschaft, die in Paris gespielt\nhatte), kurz vorher in Don Giovanni als Donna Anna schön\nwie immer und momentan gross, war als Leonore ganz\nungenügend, kalt, steif, ohne Leben und Seele, ohne Be-\ngeisterung. Die zuweilen offenbar falsche Declamation und\nBetonung entschuldigte in etwa die schlechte italiänische\nUebersetzung des Textes, die oft der Musik geradezu wi-\ndersprach.\nDagegen war die Aufführung bei den Deutschen im\nDi urylane-Theater, trotzdem dass Lintpainlner mit Costa\nim Vergreifen der Tempi wetteiferte, doch ein bei Weitem\nbesseres Ganzes. Eine hervorragende Erscheinung bildete\ndabei der Bocco von Karl Formes, eine wahrhaft künstle-\nrische Schöpfung dieser Bolle, die zu den Lieblings-Dar-\nsteilungcn von Formes gehörte, was ihm viel Ehre macht*).\nIn d ieser Geschichte des Fidelio in Paris kommen wir\nnun auf den 5. Mai 1860, an welchem Tage die von den\n\n*) »Musicalische Zustände in London* von L. Bi-\nse hoff. Niederrheinische Musik-Zeitung, 11. Jahrg., 1854, Nr.\n37 vom 16. September."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "173", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600526-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5265, "texte": "Herren J. Barbier und Mich. Caire neu gemachte Oper\nin drei Aden mit Musik von Beethoven im\nzur ersten Aufführung gelangte und den oben erwähnten,\nkeineswegs glänzenden Erfolg halte.\nW as haben die Bearbeiter im Auftrage des Herrn\nCarvalho aus dem Buche gemacht? Die Handlung war\nihm zu bürgerlich, die Decorationen zu düster, die Costume\nzu schäbig. Auf seinen Wunsch wurde daher Florestan\nzum Johann Galeazzo Sforza, Thronerben von Mailand,\nLeonore, seine Gattin, zur Prinzessin Isabella von Arrago-\nnien, der Minister sogar zu einem Könige, Karl VIII. von\nFrankreich, gemacht, der 1493 auf seinem Zuge gegen\nNeapel nach Mailand kam. Pizarro ist zum Oheim des Ga-\nleazzo, Ludovico il Moro geheissen, avancirt, der in der\nwirklichen Geschichte seinen Neffen aus dem Wege räumte\nund sich auf den Herzogsthron von Mailand setzte. Was\nist dadurch gewonnen? Ei, ein junger Herzog im feuchten\nKerker, eine fürstliche Gattin als Knecht, eine Thronräu-\nberei gegen alle Legitimität, das sind doch ganz andere\nGegenstände der Theilnahme und Rührung, als ein einfa-\nches Paar, das sich liebt! Und dann bedenke man den\nHauptgewinn: prächtige Costume! Der böse Ludovico bunt\nwie ein Kartenkönig, Karl VIII. im Hermelinmantel und\ngoldgestickten Wamms, und vor allen Dingen Florestan-Ga-\nleazzo und Leonore-Isabella im Finale als Herzog und Her-\nzogin prachtvoll gekleidet—denn nach dem Duett „0 na-\nmenlose FYeude\" fällt der Vorhang und es tritt ein Zwi-\nschenact ein, für dessen Länge das Publicum durch den\nAnblick des Grand gala am Hofe Karl's VIII. entschädigt\nwird!\nNun tritt aber ein böser Umstand ein. Trotz der sou-\nverainen Willkür, mit der die französischen Dramatiker\nmit der Geschichte und der Chronologie umspringen, hat\ndiesmal doch den Bearbeitern das Gewissen geschlagen;\nsie haben sich nicht getraut, der Isabella von 1490 das\nPistol der Leonore in die Hand zu geben, and meiden den\nAnachronismus, indem sie sie mit einer Stange von Eisen\nbewehren. Ludovico-Pizarro, obwohl mit Schwert und\nDolch bewaffnet, ist so galant, vor der Stange zurück zu\nweichen, damit die Entwicklung nicht gestört werde, und\nso wird der Schauspielerin der schönste Moment der gan-\nzen Rolle genommen, und die ergreifende Scene wird\nlächerlich!\nAusser diesen albernen Umgestaltungen oder richtiger\nVerkleidungen ist sonst der Gang des Drama's beibehalten,\nkeine neue Situation hineingelegt, nur in dem Dialog hier\nund da Aenderung und Zuthat. Das Duett zwischen Rocco\nund Pizarro ist, man weiss freilich nicht, warum, wegge-\nlassen und in Dialog verwandelt; dafür ist ein Duett zwi-\nschen Marcelline und Fidelio aus der leipziger Partitur\nder „Leoriore\", von 0. Jahn herausgegeben, wieder ein-\nffplpot\nb o\nDie Revue bedauert, dass Mad. Viardot im Fidelio\nkeine Gelegenheit hat, ihr grosses Talent als Sängerin zu\nzeigen, wie im Orpheus (wo sie die einfachen\nGluck'schen Arien dermaassen mit Coloraturen überladen\nhat, dass sie nicht zu kennen sind!). „Die einzige Arie, die\nsie hat, ist keine glückliche. Ihre Partie enthält in den\nDuetten, Terzetten, Quartetten keine einzige hervortretende\nMelodie.\" (!) Richtig dagegen ist die Behauptung, dass\nihr die Partie viel zu hoch liegt, dass sie oft mehr schreit\nals singt, und dass „man sich nicht ungestraft aus einem Alt\nzum Sopran mache, so kühn und geschickt man auch sei.\"\nDagegen streut H. Berlioz ihr auch für die Leonore\no o\nLorbern, rühmt ihr vorzügliches Spiel und findet auch den\nVortrag der grossen Arie, sowohl dramatisch als rein mu-\nsicalisch genommen, sehr schön. Sie hat darin nur eine\nCadenz am Schlüsse des Allegro gemacht; ob aber\nBeethoven, wie Berlioz meint, selbst die Stelle für diese\nCadenz bezeichnet habe, möchte ich bezweifeln. Die Fer-\nmate im Orchester auf der letzten Viertel-Pause hat wohl\nnur die Bedeutung, dass das Orchester, während die Sän-\ngerin das hohe h aushält, schweigen soll.\nSonst ist Berlioz's Bericht ernst, mit Einsicht und mit\ngrosser Wärme geschrieben und macht, dass man den\nSchreiber liebgewinnt*). Wirtheilen desshalb einige Sätze\ndaraus auszugsweise mit.\n„Wo sind Gaveaux's und Paer's Leonoren geblieben?\nSie sind gewesen; denn von den drei Leonoren ist die Par-\ntitur der ersten sehr schwach, die zweite kaum eine Ar-\nbeit von Talent, die dritte ein Werk des Genie's. Je mehr\nich Beethoven's Werk höre und lese, desto bewunderns-\nwürdiger finde ich es. Das Ganze und die einzelnen Stücke\no\nhalte ich für gleich schön; überall offenbart sich Kraft,\nGrösse, Originalität und ein eben so tieles als wahres Ge-\nfühl. Es gehört jener starken Art von Erzeugnissen an,\nderen Lebensfähigkeit durch keine Vorurtheile, Schmähun-\ngen und Lügen erdrückt werden kann. Sie stehen danach\no o\num so fester, ähnlich den Buchen, die ihr kräftiger Wuchs\ndurch Felsen und Trümmer emportreibt, auf denen sie\ndann stolz und unerschüttert von Stürmen thronen.\"\n> (Schluss folgt.)\n\n*) Woher er den einzigen Spass hergenommen bat, dass Ceetho-\nven beim Nachhausegeben aus Paer's Leonore zu diesem ge-\nsagt baben solle: „Ihre Oper gefällt mir, ich habe Lust, sie\nin Musik zu setzena —, wissen wir nicht. Die Aeusserung mag\nwohl zu den mannigfachen Anekdoten gehören, die auf Rech-\nnung grosser Männer gesetzt werden. Von französischem Esprit\nund Witzworten war Beethoven's Natur wohl ziemlich weit\nentfernt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-05-26-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-05-26_01#c004", "volume": "bmtnabi_1860-05-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "174", "page_fin": "175", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600526-01.2.4", "titre_corps": "Aus Wiesbaden.", "titre_sommaire": "Aus Wiesbaden.", "signature_source": "W. 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Herr Pallat sollte, auf-\nrichtig gesprochen, nicht bloss nach der Ehre geizen, die\nNoten, welche immer nur Hieroglyphen sind und ausser\nden üblichen Schlüsseln noch eines besonderen Schlüssels\nbedürfen, der ihren eigentlichsten Inhalt aufschliesst, mit\nmehr oder weniger Geräusch und Aufsehen herunter zu\nspielen. Uebrigens scheint es in der Natur der Sache zu\nliegen, dass die Geigen-Quartette eine durchweg nachhal-\ntigere Wirkung erzielen, als die Trio's u.s.w. mit Ciavier.\nDas zweite Vereins-Concert (am 3. Februar) führte\nuns das ewig jugendliche, von dem Hauche der Genialität\nund dem Geiste eines kindlich frommen und reinen Ge-\nmüthes durchwehte Werk Haydn's, „Die Jahreszeiten\",\nvor. Wie vieler Menschen Herz mag es schon erhoben und\nerfreut haben! Fräul. Barth (Sopran), Herr Schneider\nTenor), Herr Hill von Frankfurt (Bass) führten ihre Par-\ntieen nicht allein correct, sondern auch mit freudiger\nWärme durch. Es war ein glücklicher Gedanke, Fräul.\nBarth mit dieser Partie welche für ihre Stimme, was\nUmfang und Timbre betrifft, wie geschrieben erscheint-\nin den Concertsaal einzuführen. Ich hatte das Vergnügen,\nFräul. Barth auch am Charfreitage (6. April) in der J. S.\nBach'schen Passion in der deutsch-reformirten Kirche zu\nFrankfurt zu hören. Der Klang solcher jugendlichen Stim-\nmen ist in Kirche und Concertsaal bei Weitem wohlthuen-\nder, als auf den Brettern, wo die Heimat des Forcirten,\nGekünstelten und Erheuchelten ist. Einen besseren Träger\nder Partie des Lucas, als Herrn Schneider, möchte es wohl\nkaum geben. Auch Herr Hill führte seinen Part zufrieden-\nstellend aus; allein der Timbre seiner Stimme gefällt uns\nnicht; es ist, als wäre sie von Schleiern, Flor und Geweben\neingehüllt. Möchte die Sonne eines tüchtigen Gesang-Stu-\ndiums den Nebel des Dilettantismus verdrängen! Es\nist um so mehr Pflicht der Kritik, ausgezeichnete Di-\nlettanten auf ernste Studien zu verweisen, je mehr die Hei-\nmat und die nächste Umgebung in solchen Fällen dazu\nhinneigen, sie als fertig hinzustellen. Möge Herr Schneider\ndas lebendige Vorbild für Herrn Hill sein, wenn er die\nKunst sein zukünftiges Leben heissen will. Die Chöre und\ndas Orchester waren wie immer trefflich, die Tolal-Wir-\nkung des Tonwerkes eine das Auditorium begeisternde—\nein Fingerzeig für Concert-Vereine und die Musiker und\nComponisten der Zukunft!\nDas nach vollen zwei Monaten am 2. April Statt\ngefundene dritte Vereins-Concert brachte, da Tags vorher\ndie Eröffnung unseres Cursaales und der damit verbunde-\nnen musicalischen und nicht musicalischen Freuden und\nFestlichkeiten vorangegangen war, eine Fest-Ouverture\nvon Joachim Ralf, als dem hervorragendsten Componisten\nim nassauischen Lande. Aus derselben einen „ festliche Acte\nhebenden und verherrlichenden Charakter\" heraus zu pro-\ngrammiren, wollte mir nicht gelingen, wohl alter einen\nVersuch, den die Zukunftsmusik charakterisirenden Welt-\nschmerz auszudrücken. Spurlos, weil gehaltlos, rauschte\ndie Fest-Ouverture am Publicum vorüber. In der Phan-\ntasie für Pianoforte, Orchester und Chor von L. van Beet-\nhoven bewährte sich Frau Schott aus Mainz durch sorg-\nliche Ausführung der Clavier-Partie als eine gediegene\nPianistin. Sie spielte dann noch eine Polonaise von Chopin\nund das Kondo von C. M. von Weber in Es, beide Piecen\nmit Glätte und Bravour. Frau von Ilasselt-Barth sang\n„Gretchen am Spinnrade\" von Franz Schubert,\nzocamino von Verdi und Romanze aus Figaro's Hochzeit.\nIhre Manier, zu singen, hat mir eben nicht gefallen, und\ndas Publicum, welches im Ueb„rigen der Künstlerin mit\nvielen Erwartungen und grosser Spannung gegenüber sass,\nwar auch ein wenig überrascht durch derartige coquetti-\nrende Gesanges-Virtuosität, durch die unser Publicum wäh-\nrend der schwülen Jahreszeit ohnehin zu Tode gehetzt wird.\nHerr Capellmeister Hagen sollte den Principien des Pro-\ngramms der Vereins-Concerte nicht untreu werden! Nach-\no\ndem der zweite Psalm und für Doppelchor\nund Soli von F. Mendelssohn die erste Abtheilung abge-\nschlossen, wurde die zweite durch Beelhoven's siebente\nSinfonie würdig und imposant ausgefüllt.\nHerr Hof-Concertmeister Th. Schmitt (Clarinettist)\nveranstaltete im Februar eine Soiree, von einem Dutzend\nKünstler unterstützt, und Herr Violoncellist C. N. Grimm\ndas Fundament der Quartett-Soireen—gab ein Vocal-\nund Instrumental-Concert. Eine Serenade von Schubert\nfür Ciavier (Herr Pianist Schreiber), Violine und Violon-\ncell eröffnete das Concert. Nachdem Fräul. Tipka zwei\nLieder gesungen, wurde ein Solo für Violoncell über Mo-\ntive aus „Tannhäuser\" mit Begleitung von Harfe und\nOrgue mebdium (gespielt von Herrn Lux aus Mainz) vor-\ngetragen, das den Leuten, welche die Oper Tannhäuser\nhier so oft haben, etwas überflüssig und langweilig er-\nschien. Als ein Curiosum bezeichnen wir dann eine Sere-\nnade für vier Violoncelli mit Contrabass, Violoncell und"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "175", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600526-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2587, "texte": "Pauken! Componist: ungenannt. Herr Schreiber spielte\ndann Beetiioven's Cis-moll-'&onaXe, Op. 27, deren Auffas-\nsung, was Tempi, Nuancen und Tact-Eintheilung betrifft,\nNiemand theilen wird. Da Herr Schreiber in einem hiesi-\ngen Blatte ein Schüler Liszt's genannt wurde, so dürften\neinige Notizen nicht ohne Interesse sein. Die ersten fünf\nTactc des Adagio bis zum Eintritte des Thema spielte Herr\nSchreiher aliegro und obendrein Das\nSempre ppmuss Herr Schreiber gestrichen haben, und bei\nden aufsteigenden Triolen-Figuren vom 32. Tacte an an-\nfangend, ging's wieder rubato und forte zugleich, eben so\nam Schlüsse. Das Presto wurde rasend gespielt, im Con-\ntraste zu den Arpeggien dagegen die Gesangstellen\ngio quasi Andante. Die Stelle:\nmachte Herr Schreiber zu:\nund so fort. Die acht letzten Tacte dieses Theiies wurden\nAdagio cantabilevorgetragen u. s. w.\nVon den Aufführungen im Theater erwähne ich das\n„Nachtlager in Granada\" und die „Weisse Dame\" mit\nFräul. Zirndorfer als Gabriele und Anna; Fra Diavolo (mit\nHerrn Auerbach); Stradella (Herr Schneider: Stradella;\nFräul. Tipka: Leonore); Joseph und seine Brüder (2 Mal);\nHerr Schneider ist vorzüglich als Joseph, nicht minder Fräul.\nBarth als Benjamin; Euryanthe (2 Mal); Zauber flöte;\nTannhäuser (-3 Mal); Don Juan mit Herrn Karl Formes\n(Leporello). Eine kleineren Bühnen nicht warm genug zu\nempfehlende Oper ist „Der Blitz\" von Halevv. Allerdings\nerfordert sie einen guten lyrischen Tenor (Merr Schneider)\nund einen geübten Spiel-Tenor (Herr Peretti). Einen Chor\nbat diese allerliebste Oper nicht.\nIm Schauspiel ging Coriolan von Shakespeare in Schle-\ngel'scher Uebersetzung (jedoch ohne die Ouvertüre von\nBeethoven) zum Benefiz unserer gefeierten Schauspielerin\nFrau Elise Flindt, geb. Seyler, hier zum ersten Male in\nScene. Frau Flindt feierte an diesem Tage das (ünfund-\nzwanzigjährige Jubiläum ihrer künstlerischen Wirksamkeit\nauf der Büfrne. Leider ging die grosse Tragödie, auf de-\nren Einstudirung viel Fleiss verwandt worden war, nur\nEin Mal über die Bretter.\nNach einmonatlichem Stillstand hat die unermüdliche\nTheater-Maschine ihr Räderwerk am 3. Mai wieder in Be-\ntrieb gesetzt. Meyerbeer wird die Parole für den Sommer\nsein, denn seine Dinorah schloss den Theater-Mund—Ende\nMärz—, und am 3. Mai that er sich mit den Hugenotten\nwieder auf.— Am 4. Mai hatten wir auch schon im lleu-\nnionssaale des Curhauses die erste Soiree unter Mitwirkung\ndes Pianisten Ehrlich von Frankfurt. Herr Ehrlich spielte\nvier Compositionen von Chopin, Allemande und Fuge von\nHändel und ein Präludium aus den englischen Suiten von\nBach.\n\nW. W."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-05-26-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-05-26_01#c007", "volume": "bmtnabi_1860-05-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "175", "page_fin": "176", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600526-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "K", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "175", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600526-01.1.7", "debut_caractere": 2589, "fin_caractere_exclue": 5721, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\n\nMUlflS. Am Mittwoch den 23 d. Mts. hielt der städtische\nSingverein unter der Direction des Herrn F. Breunung eine\nöffentliche Sitzung vor einem eingeladenen und zahlreich erschiene-\nnen Publicum. Die erste Abtheilung brachte das Gloria, Scinclus, Be-\niiedictus, Agnus Dei und Dona nobis pacem aus der C-i/wr-Messe von\nBeethoven; die zweite ein Te Deum von J. Haydn, das erste\nFinale aus Mozart's „Titusu und den IJ4. Psalm von Mendels-\nsohn. Die Aufführungen am Ciavier, wenn dasselbe so präcis und\ndurchgreifend wie von Herrn Breunung gespielt und dadurch ohne\nTactiren eines Dirigenten ein gut geschulter Chor kräftig zusammen-\ngehalten wird, haben dadurch ein besonderes Interesse, dass sie fast\nwie der Gesang a capella sowohl den gesammten Vocalklang als die\nFührung der einzelnen Stimmen recht hell ins Licht stellen. Vorzüg-\nlich gelungen in Sicherheit und Ausdruck war der Vortrag der\nMesse in C, über deren musica'ischen Werth wir doch anderer Mei-\nnung sind, als der geehrte Herr Correspondent aus Stettin (s. un-\nten); namentlich können wir Haydn's Messen und Mozart's Compo-\nsitionen derselben Gattung (mit Ausnahme des Ave verum und des\nRequiem) keineswegs so hoch über Beethoven1 s C-dwr-Messe stellen,\nwie es in jener Correspondenz geschieht. Nur muss freilich der la-\nteinische Text gesungen werden, nicht die so genannte Hymnen-\nDichtung von Rochlitz, welche der Musik oft Worte unterlegt, die\nden Componisten geradezu verleumden, wie wir schon im ersten\nJahrgange der Rheinischen Musik-Zeitucg, Nr. 22 vom 30. November\n1850 in dem Artikel: „Deutscher Text der Messe\", ausführ-\nlich nachgewiesen haben.\nWTenn auch die Ausfahrung der übrigen Gesangstücke nicht ganz\nso befriedigend war, wie die der Messe, so zeigte doch Alles, dass\nder Verein schöne Kräfte, auch für Solo-Partieen, wenn man nicht\nzu hohe Ansprüche macht, besonders aber für den Chorgesang be-\nsitzt, und dass dessen Leitung in sehr guten Händen ist. Mögen die\nMitglieder das ernste Streben ihres Dirigenten durch gleichen Ernst\nin der Theilnahme an den wöchentlichen Versammlungen und in dem\nfleissigen Studium unterstützen.\n\\\nNa nette Schechner, verheirathete Waagen, eine der ge-\nfeiertsten Sängerinnen, die jedoch schon längere Zeit die Bühne\nverlassen, ist zu München, 56 Jahre alt, gestorben.\n1. Mai. Gestern Abends fand im Saale des Tivoli das\n37. Concert des musicalischen Vereins für Gera Statt, welches zu-\ngleich den Sehluss des mit dem 1. Mai 1859 begonnenen Vereins -\njahres \"bildete. Der Verein veranstaltete in demselben sechs grosse\nConcertc und zwei Soireen. Die hervorragendsten Compositionen,\nwelche in den Concerten zur Aufführung kamen, waren : die Ouver-\ntüren zu „Leonore\" (Nr. 3) von Beethoven, zu „Dinorah\" von\nMeyerbeer, zu „Tannhäuser\" von R. Wagner und die Fest-Ouverture\nvonKittl; ferner die Sinfonie (D-dur) von Haydn und Sinfonia Eroiea\nvon Beethoven; das Oratorium „Jephta und seine Tochter' von C.\nReinthaler; Scene aus „Orpheus'' von Gluck; »Die Glocke\" von A.\nRomberg; „Pretiosa* von Weber und „Die Schöpfung\" von Haydn.\nVon auswärtigen Künstlern wirkten mit die Sängerinnen Fräul."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600526-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3957, "texte": "y. Varnewick, Fräul. Jenny Busck, Fräul. v. Ehrenberg aus Leipzig,\nFräul. Hinkel aus Dresden; ferner die Sänger Sabbath aus Berlin,\nScharfe aus Leipzig, John und Uttner aus Halle,[so wie der Violin-\nvirtuose Concertmeister Singer aus Weimar. Dankend ist auch zu\nerwähnen, dass mehrere hiesige geschätzte Dilettanten durch Solo-\nVorträge (Ciavier und Gesang) die Concerte unterstützten. Die meist\ntüchtigen Leistungen des Chors, nur aus Mitgliedern des Vereins\nbestehend, fanden namentlich in den beiden Oratorien-Aufführungen\ngebührende Anerkennung. Möge der Verein, der auf die Hebung\nunserer musicalischen Verhältnisse von grossem Einflüsse gewesen\nist, unter der Leitung seines thätigen und uneigennützigen Vorstan-\ndes und seines energischen, anerkannt tüchtigen musicalischen Diri-\ngenten, Capellmeisters Tschirch, auch fernerhin in gleich erfreu-\nlicher Weise fortbestehen.\nSteffin, Ende April. Nach mehrjähriger Unterbrechung ge-\nlangte diesen Charfreitag unter Leitung des k. Musik-Directors Di.\nLöwe Graun's „Tod Jesuu wieder zur Aufführung, aber in einer\nWeise, dass man in irgend einem obscuren Krähwinkel, nicht aber\nin der Hauptstadt Pommerns sich zu befinden glaubte. Nicht allein,\ndass die Ausführung der Chöre wie der Soli jede Spur von entspre-\nchender geistiger Auffassung vermissen liess und in hohem Grade\nden Stempel des Unfertigen, nicht genügend Vorbereiteten trug, son-\ndern auch die Besetzung des Orchesters war so dürftig und schlecht,\ndass sie geradezu störte und die Aufführung im Ganzen nur einen\nsehr gemischten Eindruck hinterliess. Das Kirchen-Concert\ndes Gustav-Adolf-Frauen-Vereins hat nur theilweise erfüllt, was die\nvorangegangenen Ankündigungen versprachen. Die Schuld ist theils\neiner plötzlichen Erkrankung, theils noch anderen Ursachen zuzu-\nschreiben. Von den Solo-Vorträgen, welche den ersten Theil des\nConcertes bildeten, verdienen besonders die bekannte Kirchen-Arie\nvon Stradella, gesungen von Fräul. Bussler aus Berlin, so wie\nPergolese's Salve Regina, das Herr Dusch nitz mit Verständniss\nund Empfindung vortrug, und die von Herrn Weixstorfer ganz\nim Geiste der Composition vorgetragenen beiden Stücke, „Busslied\"\nvon Gellest und Beethoven und Arioso aus Mendelssohn s „Paulus\",\nlobende Erwähnung. Den zweiten Theil bildete Beethoven s Messe\nin C, Op. 86. Ohne zu erörtern, ob für das Concert des gedachten\nVereins eine Messe gerade passend war, so nimmt vom rein musica-\nlischen Gesichtspunkte betrachtet, bei einzelnen keineswegs in Ab-\nrede gestellten Schönheiten und genialen Zügen, das Werk im Gan-\nzen doch gerade keine hervorragende Stelle auf dem Gebiete ein.\nauf welchem bereits die älteren Italiäner, so wrie Haydn und Mozart\nHerrrliches und Unübertreffliches geleistet, aul welchem jedoch Beet-\nhoven nie sich eigentlich heimisch gefühlt und bewegt hat. Die\nAusführung glich eher einer Generalprobe als einer Aufführung und\nentsprach keineswegs den Erwartungen, die man nach den umfassen-\nden Vorbereitungen und den bedeutenden, zur Verfügung gestellten\nKräften zu hegen berechtigt wrar. In den Ensembles gaben sich noch\nbeträchtliche Schwankungen kund, während die Stimmen-Einsätze\nmitunter ziemlich unsicher und roh ausfielen. Namentlich aber in\nder zwreiten Hymne machte sich zwischen Sängern und Orchester ein\nStreben nach gegenseitiger Selbstständigkeit und Emancipation vom\nDirigenten auf Kosten des Ganzen in einem Grade kund, dass man\nunwillkürlich an die Stelle in der heiligen Schrift erinnert wurde,\nwo es heisst: „Wie Schafe gelTn, so gingen wir zerstreuet, ein Je-\nder seinen eig'nen Weg.\"\nCapelimeister X. in X. hatte die Absicht, bei Gelegenheit seines\ngrossen Concertes neulich eine der sinfonischen Dichtungen von Fr.\nLiszt aufzuführen. Man wünschte, dass es dazu kommen möge, da-\nmit man doch auch des Glückes tlieilhaftig werde, wenigstens Eine\ndieser Dichtungen hören zu können. Man wählte die Prcludes, als\ndie leichteste Aufgabe für das Orchester, wie es hiess, und schrieb\n\nK."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-05-26-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-05-26_01#c008", "volume": "bmtnabi_1860-05-26_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "176", "page_fin": "176", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600526-01.2.6", "titre_corps": "daher an den Tondichter und ersuchte ihn um die", "titre_sommaire": "daher an den Tondichter und ersuchte ihn um die", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600526-01.1.8", "debut_caractere": 3959, "fin_caractere_exclue": 5509, "texte": "daher an den Tondichter und ersuchte ihn um die Orchester-Stim-\nmen. Umgehend kam die abschlägige Antwort mit dem Beifügen,\ndass er an alle befreundeten Capellmeister und Dirigenten das An-\nsuchen gerichtet, nichts mehr von seinen Compositionen aufzuführen\ndie von der Kritik erhaltenen Misshandlungen gaben ihm Grund\nhierzu.\n15 e ut s © I* e rJT o»Sia 1 1 e.\nUeber die auf unser Preis-Ausschreiben vom Juli 1858 s. Z. ein-\ngekommenen 38 Streich-Quartette haben die vereinssatzungsmässig\nerwählten Herren F. Hiller, J. W. Kalliwoda und V Lachner ge-\nfälligst das Preisrichter-Amt ausgeübt, in der Beurtheilüng dieser\nWerke aber keine zureichende Stimmen-Mehrheit sich ergeben (Satzun-\ngen 14g). Je-loch erhielten die Werke der Herren Corn. Gurlitt\nin Altona und Moriz Kässmayer in Wien je eine Stimme fin-\nden Preis und eine besondere Belobung; ein weiteres Quartett dieses\nHerrn Kässmayer erhielt eine Stimme für den Preis, und besonders\nbelobt wurden von je zweiStimmen die Werke der Herren E. Gren-\nzebach in München, E. Reiter in Basel und E. Tauwitz in\nPrag.\nWegen Rückgabe sämmtlicher Bewerbungen wird es nach den\nVereins-Satzungen gehalten, wie wir schon zum Oefteren angezeigt\nhaben.\nDen Erfolg wegen der in preisrichterlicher Beurtheilung liegen-\nden 17 Sonaten für Cello und Ciavier hoffen wir demnächst bekannt\nmachen zu können.\nHinsichtlich der Bewerbungen um den jüngst ausgesetzten Preis\nwegen eines Trio für Ciavier, Violine und Cello läuft die Einsen-\ndungszeit noch bis zum letzten Juli d. J.\nMannheim, den 3. Mai 1860. Der Vorstand."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "169", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600526-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nAus Prag (Concerte des Conservatoriums Ferd. David Hans von Bülow). Schluss. Beethoven's Fidelio in Paris,\n— Aus Wiesbaden (Die Winter-Saison). Von W. W — Tages- und Unterh altungsb 1 att (Köln, Städtischer Singverein — Na-\nnette Sehechner f — Gera, Vereins-Concert — Stettin, Graun's Tod Jesu, Kirchen-Concert — Deutsche Tonhalle).\n* ~ 4 1 * ' • • i I ■ . I -* I\n\nAus Prag.\n(Schluss. S. Nr. 21.)\nEine Institution wie die leipziger Gewandhaus-Con-\ncerte und die Abonnements-Productionen anderer Musik-\nstädte fehlt Prag gänzlich. Würde hier das Conservatorium\ndie Initiative ergreifen und die Trefflichkeit seiner Lei-\nstungen in Orchestral- und Ensemble-Werken berechtigten\nes vorzugsweise dazu—, so könnte es sich damit ein festes\nEinkommen jährlich sichern, da eine im Anfange ziemliche,\nmit der Zeit aber wachsende Subscription kaum zu bezwei-\nfeln wäre; mit dieser materiellen Zubusse ergäbe sich die\nMöglichkeit, auf eine Vervielfältigung und Vervollkomm-\nnung der Bildungsmittel, auf eine dauernde, dem Zufalle\nnicht Preis gegebene Verbesserung der Lage der Lehr-\nkräfte zu denken, von selbst. Die Conclusionen aus diesen\nallgemeinen Andeutungen sind klar, und wir verfolgen sie\nnicht weiter, um zu den speciellen Theilen dieses Berichtes\nzu gelangen und der heurigen Leistungen des Instituts zu\ngedenken.\nVon Gästen des Conservatoriums hörten wir die Herren\nFerd. David und Hans von Bülo w. Der leipziger Con-\ncertmeister war als ausübender Künstler ein Homo novus\nfür Prag; es kannte ihn als solchen nur aus dem ausser-\nordentlichen Rufe, der seinen Namen in ganz Deutschland\nso berühmt macht. Dass dieser Ruf kein gemachter, son-\ndern ein wohlbegründeter, bewiesen seine eminenten Lei-\nstungen in dem zweiten Concerte des Conservatoriums.\nDavid spielte als Entree des alten Meisters Viotti A-mott-\nConcert. Schon die Wahl zeigte, dass er zunächst in jenem\nStile einer reinen Schule, welche über die Künste der mo-\ndernen Geigerei noch nicht die Kunst vergass, glänzen\nwollte. Es gelang ihm vollkommen, und gab sein durch\nund durch geklärter Vortrag deutlich zu erkennen, dass\nauch auf diesem Boden die ausgeglichenste Technik we-\nsentlich nothwendig sei, während eine Partie Variationen\neigener Composition über ein russisches Lied und die nach\nmehrmaligen stürmischen Hervorrufen beigegebene Mo-\nscheles'sche, zumeist sich in mehrstimmigem Satze bewe-\ngende, mit den virtuosesten Begleitungs-Figuren versehene\nEtüde ihm Gelegenheit boten, als ein auf der Höhe mo-\nderner Technik mit ihrem ganzen Kram von ausserordent-\nlichen Schwierigkeiten stehender Virtuose zu leuchten, ohne\nden oberstenZweck der Tonkunst, mithin auch den repro-\nduetiven, ausser Acht zu lassen. Hans von Bülow, dem\nweit mehr als Schriftsteller und Propagandisten der Wag-\nner'schen, Liszt'schen >und noch weiter gehenden Schule,\ndenn als Pianisten der Name Percy's, des Heisssporns, zu-\nkommt, war uns schon aus früheren Leistungen bekannt.\nAls Pianist ist Bülow ein Künstler durch und durch und\nnur nebenbei Virtuose, aber die Eigenheiten des letzteren\nbesitzt er ebenfalls im höchsten Grade und in harmonisch-\nster Vollkommenheit. Eine Specialität dieses Vertreters der\nWeimarer Schule par excellence ist jedenfalls das fabelhafte\nGedächtniss, das ihn befähigt, mit Sicherheit ohne eine\nPartition die Proben und Productionen der polyphonsten\nund schwierigsten Orchestralwerke zu leiten, ohne eine\nStimme vor sich zu haben, Alles von Bach, Mozart, Beethoven\nbis zu Liszt, Chopin u. s. w. par coeur zu spielen, und zwar\nohne einen Makel, ohne die geringste Beeinträchtigung des\nOriginals. Ein Concert mit Orchesterbegleitung wie das Beet-\nhoven'sche in Es-dur auf diese Art vorzutragen, ist in der\nThat bewundernswerth. Man mag Manches in diesem Ton-\nstücke nicht immer so aufgefasst wünschen, wie es bei\nBülow der Fall ist; geht man aber in seine Auffassung ein,\nund bei diesem durch und durch subjectiven Momente einer\nkünstlerischen Leistung versteht sich die Berechtigung einer\njeden, in so fern sie nicht unlogisch ist, von selbst, verfolgt\nman die Consequenz, mit der Bülow seinen Vortrag durch-\ngeistigt, so wird wohl Niemand anstehen, diesen als einen\nausgezeichneten und künstlerisch durchdachten anzuerken-\nnen. Unter den Solostücken ohne Begleitung, welche Bü-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "170", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600526-01.1.2", "texte": "low spielte, sei zunächst die Chopin'sche\nerwähnt, da lins sein Spiel dieser nur auf Ton, Anschlag\nund poetische Wiedergabe berechneten Piece ohne jegliche\näusserlich-ostentiöse Bravourerei als einzig und vielleicht\nden Intentionen des ganz und gar individuellen Poeten zu-\nnächst entsprechend vorkam, so zwar, dass, so viele Piani-\nsten und Pianistinnen auch schon diese Nocturne zu Gehör\nbrachten, keine der vielen Celebritäten im Stande scheint,\nim Vortrage dieser scheinbar kleinen Dichtung mit Bülow\nzu rivalisiren. Der vollständigste Erfolg der beiden heuri-\nsen Gäste des Conservatoriums war in seinen äusseren Ma-\nnifestationen von Seiten unseres Publicums, dessen Em-\npfänglichkeit und Anerkennungslust für bedeutende Kunst-\nerscheinungen bekannt, wie sich das leicht errathen lässt,\nausserordentlich glänzend.\nUm nun bei dem zweiten und dritten Concerte, in\nwelchen David und Bülow mitwirkten, zu bleiben und auch\ndie Ordnung in Bücksicht der Programm-Nummern nach\nihren Kategorieen zu befolgen, sind jetzt die Solo-Num-\nmern, in denen auch die Zöglinge Proben ihrer Talente\nund erworbenen Fertigkeiten ablegten, zu erwähnen. Im\nzweiten Concerte zeichneten sich zwei Eleven der Wald-\nhorn-Classe durch gesunden Ton, Sicherheit der Intonirung\nund schon jetzt anerkennenswerthe Technik in einem Di-\nvertissement von Kalliwoda für zwei Horner aus. Der Vor-\ntrag einer Mezzo-Sopranistin von der Arie aus Donizetti's\nOper La favorüeaber wurde von Befangenheit und offen-\nbarer Organs-Indisponibilität beeinträchtigt. Im dritten\nConcerte erregte ein noch ganz und gar jugendlicher Vio-\nlinist, Joh. Hrimali, im vollsten S'nne Sensation. Sein\nVortrag einer Bravour-Piece von Leonhardt gab von einem\nausserordentlichen Talente so decidirte Proben, dass wir\nseinem für das Ausland eben nicht leichten Namen unter\nnur einiger Maassen günstigen äusseren Auspicien beinahe\nmit Gewissheit grosse und baldige Verbreitung vorhersa-\ngen können. Dass insbesondere die Geigen-Gasse ein be-\nsonderes Glück in Acquirirung von Talenten hat, erklärt\nsich aus der musicalischen Begabung der Nation gerade\nfür dieses Instrument und aus dem Umstände, dass sich\ndie grösste Anzahl von Aspiranten für diese Gasse meldet\nund alles, was zu günstigen Hoffnungen berechtigt, von\ndem eben so klugen als glücklichen Lehrer in Beschlag\ngenommen wird, leicht. Auch ein anderer Zögling der\nVioline, Jos. Bebicek, ärntele mit dem Vortrage der\nobligaten Violinstimme zu der von einer Opernschülerin\ngesungenen grossen Arie aus Ilcrold's „Zweikampf\" ver-\ndienten Beifall. Besondere Erwähnung verdient auch ein\nCellist zufolge seines gerade in dieser Gasse überraschen-\nden Vortrags der Phantasie „Souvenir de St. Petersbourg\"\nvon Servais.\nDas erste auf die eigenen Kräfte des Instituts be-\nschränkte Concert hatte einen occasionellen Charakter; es\ngalt den Manen L. Spobr's und enthielt nur Compositio-\nnen dieses grossen Altmeisters der Tonkunst. Die Erinne-\nrungsfeier war eine würdige, und man muss es Herrn\nKittl nachrühmen, dass er mit besonderer Pietät an die\nAufführung der für das Programm bestimmten Werke\nging. Zwischen der in echt Spohr'scher Gefühls-Schwär-\nmerei wogenden, aber auch an energischeren und kräfti-\ngen Stellen nicht armen C-moÄ-Sinfonie und der Ouvertüre\nzum zweiten Theiie des Oratoriums „Die letzten Dinge\"\nkamen zu Gehör der erste Satz aus dem Doppel-Concerte\nfür zwei Violinen in H-moll,jener zum Clarinett-Concer-\ntino und die grosse Sopran-Arie aus „Faust\". Es bleibt\nnoch übrig, jener Orchestral-Aufführungen zu gedenken,\nwelche im zweiten und dritten, dann in einem zum Besten\ndes hiesigen Armen-Instituts unter Mitwirkung des Conser-\nvatoriums veranstalteten Wohithätigkeits-Concerte vorka-\nmen. Die Ensemble-Leistungen des Instituts sind für Prag\nvon besonderer Wichtigkeit; denn kein anderer Instrumen-\ntalkörper ist hier im Stande, den Proben eine so eindring-\nliche Sorgfalt zu widmen, wie das Conservatorium, und\nKittlist ganz der Mann dazu, einer so gewissenhaft vorbe-\nreiteten Aufführung Seele und Geist einzuhauchen, den\nWerken grosser Sinfoniker durch feinste Nuancirung und\nSchwung volles Recht angedeihen zu lassen. Wenn sich\nhier und da eine kleine Makel in der Aufführung gibt,\nwenn die Stimmung des Orchesters in dem Verhältnisse\nzwischen den Streichern und Bläsern nicht immer auf die\nvollste Reinheit zutrifft, oder wenn etwa die dynamische\nAbstufung in den verschiedenen Instrumental-Gruppen bis-\nweilen das Maasshalten nicht bis auf das kleinste Komma\neinhält, da das jugendliche Orchester mit aller primitiven\nBegeisterung streicht und bläs't, so sind diese kleinen Flecken\nin den sonst trefflichen Aufführfingen so von Zufälligkeiten\nabhängig, dass deren Hintanhaltung absolut nicht immer\nmöglich erscheint. Beethoven erschien heuer, durch seine\n„sechste\" repräsentirt, im vollsten,so zu sagen monotheisti-\nschen Glänze als ursprünglicher Musiker, einziger Poet und\ntiefer Philosoph. Dass diese Trinität seines künstlerischen\nSchaffens auch in jenem Werke unter den unsterblichen\n„neun\" so prägnant sich offenbart, welches gleichsam einen\nidyllischen Ruhepunkt bildet, beweis't eben die Grösse und\nUnnahbarkeit dieses Einzigen im Reiche der Töne. Eine\ninteressante Novität war Rubinstein's „ L'ocean\". Dieses\noffenbar von einer vollen, steigenden Productionskraft zeu-\ngende Werk entging nicht den heftigsten Anfeindungen\nund nicht den maasslosesten Verhimmelungen, wie dieses\nbei einer bedeutenden, aber noch nicht vollends geklärten\nErscheinung auf dem Parnasse immer der Fall ist. Was es"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "171", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600526-01.1.3", "texte": "uns in mehreren Einzelheiten von hinreissender Schönheit\nbringt, nicht das ganze Werk im Ganzen und an sich, ist\nes, das uns dasselbe mit Freude begrüssen lässt als eine\nhoffnungsvolle Anwartschaft für die Zukunft dieses begab-\nten Tonkünstlers und dessen, was wir von ihm noch zu er-\nhoffen haben.—Von Ouvertüren kamen durch das Orato-\nriums-Orchester heuer merkwürdiger Weise lauter einhei-\nmische Producte zur Aufführung. Einer Ouvertüre zu Cal -\nderon's Komödie „Der wunderthätige Magus\" von D. A. V.\nAmbros, der im Directions-Ausschusse des Vereins zur Be-\nförderung der Tonkunst in Böhmen mitsitzt, folgten zwei\nvon jugendlichen Instituts-Zöglingen, welche als Beweise\ndienen, dass auch die productive Kunst im Institute gepflegt\nwerde, und eine Ouvertüre von dem absolvirten Flötisten\nund jetzt hier privatisirenden Hodek, von dem insbesondere\ndie bereits erlangte Routine in Beherrschung der Form\nund der Instrumental-Anordnung hervorzuheben wäre.\nWir schiiessen diese Zeilen mit der vollsten Anerkennung\ndessen, was Kittl und das ganze Lehrpersonal auch unter\nden jetzigen, keineswegs günstigen Umständen leisteten,\naber auch mit der Hoffnung, dass sich die Zeiten so bald\nals möglich in dem Sinne vortheilhaft ändern mögen, den\nwir oben mit Rücksicht auf das Conservatorium und die\nkünftigen Momente seiner Biüthe und seines Gedeihens so\ndeutlich als möglich anzudeuten versuchten.\nü *\n\nBeethoven’s Fidelio in Paris.\nDas Theätre lyrique hat bekanntlich den Weg betre-\nten, classische Opern deutscher Meister in Paris auf die\nBühne zu bringen, was um so anerkennungswerther ist,\nda es ganz allein auf seine Einnahmen angewiesen ist und\nvon Staats wegen auch nicht der geringsten Unterstützung\nsich erfreut. Trotzdem hat diese kleine Bühne, eine reine\nPrivat-Unternehmung, seit zwei Jahren mehr für die\nwahre Kunst gethan, als alle übrigen Opernbühnen in\nParis zusammengenommen. Als technischer Director steht\nHerr Rety an der Spitze, der mit dem besten Willen mu-\nsicalisches Verständniss und Geschmack und eine grosse\nBühnenkenntniss verbindet. Der Eigenthümer und Unter-\nnehmer ist Herr Carvalho, dessen Kunst-Ansichten freilich\nnur dann die classische Musik begünstigen, wenn die Clas-\nsicität mit Zugfähigkeit und Cassemachen zusammenfällt.\nDa er sein Publicum kennt, so ist er auch die Triebfeder\nder Bearbeitungen, welche die deutschen Opern ä la Fran-\nfaise zustutzen. Bis jetzt hat er sich gut dabei gestanden;\nMozart und Weber, sogar Gluck, dessen Orpheus mit Frau\nViardot-Garcia jüngst wiederholt das Haus füllte, haben\nihm schöne Einnahmen gebracht.\nDesslialb machte er sich denn auch an den Fidelio.\nBeethoven, der Abgott der Auswahl des pariser Musik-\nPublicums, das heisst der Abonnenten der Conservatoire-\nConcerte, dessen Sinfonieen und Ouvertüren man wenig-\nstens einige Hundert Mal gehört haben muss,um auf Kunst-\nsinn Anspruch machen zu können, wie elektrisch wird er\nauf die Menge wirken, wenn eine seiner grössten Schö-\npfungen im Theater vorgeführt wird, wo die vornehme\nAusschliesslichkeit ihre Schranken nicht aufstellen, wohin\nder Strom der Zuschauer aller Art ungehindert sich er-\ngiessen kann!\nAlso Fidelio wird gegeben, mit der Viardot als Leo-\nnore und im Ganzen gut besetzt, zwar nicht durch ausge-\nzeichneten Chor und untadeliges Orchester, aber doch gut\nstudirt und präcis ausgeführt. Der Erfolg aber hat bewie-\nsen, wie wenig tief der pariser Beethoven-Cullus in das\nVolk gedrungen ist: die Oper hat kalt gelassen. Mit Aus-\nnahme des letzten Finale, das in Deutschland keineswegs\nals die beste Nummer der Oper gilt, hat das Publicum in\nMasse alle die herrlichen Musikstücke ohne lautbare Theil-\nnahme vorübergehen lassen, und selbst die Kritik tischt\nzum Theil das alte Gewäsch von Beethoven's Unfähigkeit,\nfür Gesang zu schreiben, oder von der Empörung seines\nGenie's gegen die Formen der Vocalmusik wieder auf, als\nwenn das halbe Jahrhundert, das seit 1805 verflossen,\ngar nicht da gewesen wäre und die musicalische Welt noch\nimmer mit offenem Munde vor den Tonbildern Beetho-\nven's stände ohne Verständniss derselben und ohne Em-\npfänglichkeit dafür!\nDa heisst es z. B.: „Dieser Mann, dem stets ein me-\nlodischer Gedanke zur Verfügung steht, wenn er für ein\nInstrument schreibt, scheint mit Unfruchtbarkeit geschla-\ngen, sobald er für Gesang schreibt. Was geschieht oft?\nNachdem er lange eine Melodie gesucht, die ihm nicht\nkommen will (!), lässt er die Singstimme bei Seite und wirft\nsich aufs Orchester. Ein Instrumental-Motiv ist bald ge-\nfunden, er bemächtigt sich desselben und gibt sich der\ngeistvollsten Arbeit in Imitationen hin, die man nur den-\nken kann. Aber von diesen gelehrten Combinationen wird\ndie Singstimme geknebelt und gezwungen, die Worte psal-\nmodieenartig zu declamiren. Auch in der italiänischen Oper\n—mit Sophie Cruvelli als Leonore—konnte diese Partitur,\nobschon correct ausgeführt, das Publicum nicht anregen\nund interessirte durchaus nur die Liebhaber vom Contra-\npunkte.\" (!)\nSo spricht Herr Leon Durocher im Jahre 1800 in\ndem ersten musicalischen Blatte Frankreichs, der\net Gazette musicale\\om 30. Mai, über Beethoven's Fidelio.\nDas muss denn doch als Zeichen der Zeit in den Jahrbü-\nchern der Kunstgeschichte und des pariser Geschmacks,\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "172", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600526-01.1.4", "texte": "welcher der ganzen musicalischen Welt voranleuchten soll,\nwie die Franzosen vermeinen, aufbewahrt werden!\nAber wird man vielleicht einwerfen man darf nicht\nso viel auf die vereinzelte Stimme eines Kunstrichters ge-\nben, der ja, wie man aus seinem Berichte weiter ersieht,\nso beschränkt ist, dass er z. B. die erste Arie der Marcel-\nJine als „zu nobel für das junge Mädchen im kurzen Kleide\"\nbezeichnet, da sie eher „lür eine Prinzessin passe\", indem\ner „in der ganzen Partie der Leonore nichts finde,\ndas in höherem Stil geschrieben sei\" (!); der das Mo-\ntiv des Canons kurz darauf unbedeutend findet u. s. w.\nO nein! Diese Stimme steht nicht vereinzelt da; im\nGegentheil, sie spricht die Meinung des grössten Theiles\nvom Publicum aus, wofür wir die officielle Bestätigung in\ndem Berichte der Dcbats von Hector Berlioz finden,\nder in einem glänzenden und begeisterten Plaidoyer für\nBeethoven allein die Ehre der pariser Kritik rettet, aber\nzugleich das Publicum schlagend verurtheilt. „Was bei\ndem pariser Publicum\"—sagt er geradezu—„der Musik\nder Oper Fidelio schadet, ist die Keuschheit der Melodie,\ndie stolze Verachtung jedes unmotivirten Ivlang-Effectes,\njeder banalen Cadenz, die reiche Klarheit seiner Instrumen-\ntirung, die Kühnheit seiner Harmonieen und vor Allem,\nich scheue mich nicht, es zu sagen, die Tiefe des Gefühls\nund des Ausdrucks.\"\nUnd bei Gelegenheit des canonischen Quartetts „mit\nder ausnehmend schönen Melodie\" sagt er: „Aber dieser\nCanon im Fidelio ist nur ein Andante, ohne das obligate\nAllegro mit Cabaletta und lärmendem Coda. Mithin stutzt\ndas Publicum, es sieht sich getäuscht in der Erwartung\nseines Allegro's, seiner Cadenz, seines Knall-Effectes.—In\nder That, warum knallt man ihm auch nicht Eines auf?\"\nDann wieder: „Bei der Arie des Pizarro rührt sich in\nParis keine Hand; ich muss jedoch um die Erlaubniss bit-\nten, sie als ein Meisterstück zu bezeichnen.\" —-„Das wun-\ndervolle Duett im Kerker beim Aufgraben der Cisterne\nschliesst ohne Coda, ohne Cabaletta, ohne einen Aufschrei\nder Stimmen; wie schade! Nun beharrt natürlich das Pu-\nblicum bei seinem starren Schweigen.\"\nUebrigens war weder der Fidelio Beelhoven's noch\nder Stoff des Drama's in Paris ganz neu.\nIm Jahre 1798 wurde auf dem Theater Fevdeau (ko-\n%j \\\nmische Oper) zum ersten Male VAmour\nconjugal, fait historique\", in zwei Acten, Text von M.\nBouilly, Musik von P. Gaveaux, gegeben. Die Oper\nhielt sich nicht. Die Darstellerin der Leonore, Madame\nScio, wurde gerühmt. Gaveaux, der Sänger von Fach war,\ngab den Florestan.\nEinige Jahre später schrieb Paer seine auf\neine italiänische Bearbeitung des Buches von Bouilly.\nDasselbe Buch Bouilly's liegt auch der Composilion\nBeethoven's zum Grunde; zuerst 1804 von Joseph Sonn-\nleitner für ihn übertragen, dann für die Aufführung im\nJahre 1814 von Friedrich Treitschke umgearbeitet.\nDer Fidelio von Beethoven kam zuerst im Jahre 18*29\ndurch eine deutsche Opern-Gesellschalt nach Paris. Die\nSchröder-Devrient, nach der Milder-llauptmann die herr-\nlichste Leonore, und der ihr ebenbürtige Tenor Haitzinger\nwaren die Hauptträger der Oper, die damals allerdings\nEnthusiasmus erregte, aber mit der deutschen Gesellschaft\nwieder verschwand und mehr nur die Erinnerung an die\nwunderbare Leistung der grossen dramatischen Sänge-\nrin, als an die ergreifende Schönheit der Composition zu-\nri'ickliess. Auch fehlte es damals schon nicht an Stimmen,\ndie den Erfolg der Oper mehr einen dramatischen, als\neinen musicalischen nannten.\nIn neuerer Zeit brachte das italiänische Theater nach\ndem Vorgange von London, wo Fidelio schon Irüher, theils\nvon Deutschen, theils von Italiänern, gegeben wurde, die\nOper auf seine Bühne; Leonore war Sophie Cruvelli.\nDoch erlebte Fidelio nicht viele Vorstellungen und wurde\nwieder zurückgelegt.\nDen Aufführungen in London im Jahre 1854 habe\nich selbst beigewohnt. Bei den Italiänern in Coventgarden\nwar nur das Finale des letzten Actes grossartig und impo-\nsant durch die glänzenden Solostimmen, den starken Chor\nund das treffliche Orchester. Alles Andere konnte nicht\nnur nicht befriedigen, sondern wurde oft in Bezug auf Auf-\nfassung und selbst auf die Tempi dermaassen vergriffen,\ndass man Beethoven fast nicht wieder erkannte. Sophie\nCruvelli (es war dieselbe Gesellschaft, die in Paris gespielt\nhatte), kurz vorher in Don Giovanni als Donna Anna schön\nwie immer und momentan gross, war als Leonore ganz\nungenügend, kalt, steif, ohne Leben und Seele, ohne Be-\ngeisterung. Die zuweilen offenbar falsche Declamation und\nBetonung entschuldigte in etwa die schlechte italiänische\nUebersetzung des Textes, die oft der Musik geradezu wi-\ndersprach.\nDagegen war die Aufführung bei den Deutschen im\nDi urylane-Theater, trotzdem dass Lintpainlner mit Costa\nim Vergreifen der Tempi wetteiferte, doch ein bei Weitem\nbesseres Ganzes. Eine hervorragende Erscheinung bildete\ndabei der Bocco von Karl Formes, eine wahrhaft künstle-\nrische Schöpfung dieser Bolle, die zu den Lieblings-Dar-\nsteilungcn von Formes gehörte, was ihm viel Ehre macht*).\nIn d ieser Geschichte des Fidelio in Paris kommen wir\nnun auf den 5. Mai 1860, an welchem Tage die von den\n\n*) »Musicalische Zustände in London* von L. Bi-\nse hoff. Niederrheinische Musik-Zeitung, 11. Jahrg., 1854, Nr.\n37 vom 16. September."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "173", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600526-01.1.5", "texte": "Herren J. Barbier und Mich. Caire neu gemachte Oper\nin drei Aden mit Musik von Beethoven im\nzur ersten Aufführung gelangte und den oben erwähnten,\nkeineswegs glänzenden Erfolg halte.\nW as haben die Bearbeiter im Auftrage des Herrn\nCarvalho aus dem Buche gemacht? Die Handlung war\nihm zu bürgerlich, die Decorationen zu düster, die Costume\nzu schäbig. Auf seinen Wunsch wurde daher Florestan\nzum Johann Galeazzo Sforza, Thronerben von Mailand,\nLeonore, seine Gattin, zur Prinzessin Isabella von Arrago-\nnien, der Minister sogar zu einem Könige, Karl VIII. von\nFrankreich, gemacht, der 1493 auf seinem Zuge gegen\nNeapel nach Mailand kam. Pizarro ist zum Oheim des Ga-\nleazzo, Ludovico il Moro geheissen, avancirt, der in der\nwirklichen Geschichte seinen Neffen aus dem Wege räumte\nund sich auf den Herzogsthron von Mailand setzte. Was\nist dadurch gewonnen? Ei, ein junger Herzog im feuchten\nKerker, eine fürstliche Gattin als Knecht, eine Thronräu-\nberei gegen alle Legitimität, das sind doch ganz andere\nGegenstände der Theilnahme und Rührung, als ein einfa-\nches Paar, das sich liebt! Und dann bedenke man den\nHauptgewinn: prächtige Costume! Der böse Ludovico bunt\nwie ein Kartenkönig, Karl VIII. im Hermelinmantel und\ngoldgestickten Wamms, und vor allen Dingen Florestan-Ga-\nleazzo und Leonore-Isabella im Finale als Herzog und Her-\nzogin prachtvoll gekleidet—denn nach dem Duett „0 na-\nmenlose FYeude\" fällt der Vorhang und es tritt ein Zwi-\nschenact ein, für dessen Länge das Publicum durch den\nAnblick des Grand gala am Hofe Karl's VIII. entschädigt\nwird!\nNun tritt aber ein böser Umstand ein. Trotz der sou-\nverainen Willkür, mit der die französischen Dramatiker\nmit der Geschichte und der Chronologie umspringen, hat\ndiesmal doch den Bearbeitern das Gewissen geschlagen;\nsie haben sich nicht getraut, der Isabella von 1490 das\nPistol der Leonore in die Hand zu geben, and meiden den\nAnachronismus, indem sie sie mit einer Stange von Eisen\nbewehren. Ludovico-Pizarro, obwohl mit Schwert und\nDolch bewaffnet, ist so galant, vor der Stange zurück zu\nweichen, damit die Entwicklung nicht gestört werde, und\nso wird der Schauspielerin der schönste Moment der gan-\nzen Rolle genommen, und die ergreifende Scene wird\nlächerlich!\nAusser diesen albernen Umgestaltungen oder richtiger\nVerkleidungen ist sonst der Gang des Drama's beibehalten,\nkeine neue Situation hineingelegt, nur in dem Dialog hier\nund da Aenderung und Zuthat. Das Duett zwischen Rocco\nund Pizarro ist, man weiss freilich nicht, warum, wegge-\nlassen und in Dialog verwandelt; dafür ist ein Duett zwi-\nschen Marcelline und Fidelio aus der leipziger Partitur\nder „Leoriore\", von 0. Jahn herausgegeben, wieder ein-\nffplpot\nb o\nDie Revue bedauert, dass Mad. Viardot im Fidelio\nkeine Gelegenheit hat, ihr grosses Talent als Sängerin zu\nzeigen, wie im Orpheus (wo sie die einfachen\nGluck'schen Arien dermaassen mit Coloraturen überladen\nhat, dass sie nicht zu kennen sind!). „Die einzige Arie, die\nsie hat, ist keine glückliche. Ihre Partie enthält in den\nDuetten, Terzetten, Quartetten keine einzige hervortretende\nMelodie.\" (!) Richtig dagegen ist die Behauptung, dass\nihr die Partie viel zu hoch liegt, dass sie oft mehr schreit\nals singt, und dass „man sich nicht ungestraft aus einem Alt\nzum Sopran mache, so kühn und geschickt man auch sei.\"\nDagegen streut H. Berlioz ihr auch für die Leonore\no o\nLorbern, rühmt ihr vorzügliches Spiel und findet auch den\nVortrag der grossen Arie, sowohl dramatisch als rein mu-\nsicalisch genommen, sehr schön. Sie hat darin nur eine\nCadenz am Schlüsse des Allegro gemacht; ob aber\nBeethoven, wie Berlioz meint, selbst die Stelle für diese\nCadenz bezeichnet habe, möchte ich bezweifeln. Die Fer-\nmate im Orchester auf der letzten Viertel-Pause hat wohl\nnur die Bedeutung, dass das Orchester, während die Sän-\ngerin das hohe h aushält, schweigen soll.\nSonst ist Berlioz's Bericht ernst, mit Einsicht und mit\ngrosser Wärme geschrieben und macht, dass man den\nSchreiber liebgewinnt*). Wirtheilen desshalb einige Sätze\ndaraus auszugsweise mit.\n„Wo sind Gaveaux's und Paer's Leonoren geblieben?\nSie sind gewesen; denn von den drei Leonoren ist die Par-\ntitur der ersten sehr schwach, die zweite kaum eine Ar-\nbeit von Talent, die dritte ein Werk des Genie's. Je mehr\nich Beethoven's Werk höre und lese, desto bewunderns-\nwürdiger finde ich es. Das Ganze und die einzelnen Stücke\no\nhalte ich für gleich schön; überall offenbart sich Kraft,\nGrösse, Originalität und ein eben so tieles als wahres Ge-\nfühl. Es gehört jener starken Art von Erzeugnissen an,\nderen Lebensfähigkeit durch keine Vorurtheile, Schmähun-\ngen und Lügen erdrückt werden kann. Sie stehen danach\no o\num so fester, ähnlich den Buchen, die ihr kräftiger Wuchs\ndurch Felsen und Trümmer emportreibt, auf denen sie\ndann stolz und unerschüttert von Stürmen thronen.\"\n> (Schluss folgt.)\n\n*) Woher er den einzigen Spass hergenommen bat, dass Ceetho-\nven beim Nachhausegeben aus Paer's Leonore zu diesem ge-\nsagt baben solle: „Ihre Oper gefällt mir, ich habe Lust, sie\nin Musik zu setzena —, wissen wir nicht. Die Aeusserung mag\nwohl zu den mannigfachen Anekdoten gehören, die auf Rech-\nnung grosser Männer gesetzt werden. Von französischem Esprit\nund Witzworten war Beethoven's Natur wohl ziemlich weit\nentfernt."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "174", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600526-01.1.6", "texte": "Aus Wiesbaden.\n\n[Die Winter-Saison.]\nDie Quartett-Soireen der Herren Baldenecker, Scholle,\nWa gner und Grimm bildeten im Winter fortwährend den\ninnersten Kern unseres Musiklebens; nur die Concerte des\nCäcilien-Vereins sind ihnen ebenbürtig. In der dritten bis\nneunten Soiree brachten die ersteren eine schöne Auswahl\nclassischer Musikstücke. Die Clavier-Partie in den drei letz-\nten Soireen wurde von Herrn C. Pallat mit lobenswer-\nter Sauberkeit, wenngleich nicht immer mit richtiger Auf-\nfassung und Nuancirung, gespielt. Herr Pallat sollte, auf-\nrichtig gesprochen, nicht bloss nach der Ehre geizen, die\nNoten, welche immer nur Hieroglyphen sind und ausser\nden üblichen Schlüsseln noch eines besonderen Schlüssels\nbedürfen, der ihren eigentlichsten Inhalt aufschliesst, mit\nmehr oder weniger Geräusch und Aufsehen herunter zu\nspielen. Uebrigens scheint es in der Natur der Sache zu\nliegen, dass die Geigen-Quartette eine durchweg nachhal-\ntigere Wirkung erzielen, als die Trio's u.s.w. mit Ciavier.\nDas zweite Vereins-Concert (am 3. Februar) führte\nuns das ewig jugendliche, von dem Hauche der Genialität\nund dem Geiste eines kindlich frommen und reinen Ge-\nmüthes durchwehte Werk Haydn's, „Die Jahreszeiten\",\nvor. Wie vieler Menschen Herz mag es schon erhoben und\nerfreut haben! Fräul. Barth (Sopran), Herr Schneider\nTenor), Herr Hill von Frankfurt (Bass) führten ihre Par-\ntieen nicht allein correct, sondern auch mit freudiger\nWärme durch. Es war ein glücklicher Gedanke, Fräul.\nBarth mit dieser Partie welche für ihre Stimme, was\nUmfang und Timbre betrifft, wie geschrieben erscheint-\nin den Concertsaal einzuführen. Ich hatte das Vergnügen,\nFräul. Barth auch am Charfreitage (6. April) in der J. S.\nBach'schen Passion in der deutsch-reformirten Kirche zu\nFrankfurt zu hören. Der Klang solcher jugendlichen Stim-\nmen ist in Kirche und Concertsaal bei Weitem wohlthuen-\nder, als auf den Brettern, wo die Heimat des Forcirten,\nGekünstelten und Erheuchelten ist. Einen besseren Träger\nder Partie des Lucas, als Herrn Schneider, möchte es wohl\nkaum geben. Auch Herr Hill führte seinen Part zufrieden-\nstellend aus; allein der Timbre seiner Stimme gefällt uns\nnicht; es ist, als wäre sie von Schleiern, Flor und Geweben\neingehüllt. Möchte die Sonne eines tüchtigen Gesang-Stu-\ndiums den Nebel des Dilettantismus verdrängen! Es\nist um so mehr Pflicht der Kritik, ausgezeichnete Di-\nlettanten auf ernste Studien zu verweisen, je mehr die Hei-\nmat und die nächste Umgebung in solchen Fällen dazu\nhinneigen, sie als fertig hinzustellen. Möge Herr Schneider\ndas lebendige Vorbild für Herrn Hill sein, wenn er die\nKunst sein zukünftiges Leben heissen will. Die Chöre und\ndas Orchester waren wie immer trefflich, die Tolal-Wir-\nkung des Tonwerkes eine das Auditorium begeisternde—\nein Fingerzeig für Concert-Vereine und die Musiker und\nComponisten der Zukunft!\nDas nach vollen zwei Monaten am 2. April Statt\ngefundene dritte Vereins-Concert brachte, da Tags vorher\ndie Eröffnung unseres Cursaales und der damit verbunde-\nnen musicalischen und nicht musicalischen Freuden und\nFestlichkeiten vorangegangen war, eine Fest-Ouverture\nvon Joachim Ralf, als dem hervorragendsten Componisten\nim nassauischen Lande. Aus derselben einen „ festliche Acte\nhebenden und verherrlichenden Charakter\" heraus zu pro-\ngrammiren, wollte mir nicht gelingen, wohl alter einen\nVersuch, den die Zukunftsmusik charakterisirenden Welt-\nschmerz auszudrücken. Spurlos, weil gehaltlos, rauschte\ndie Fest-Ouverture am Publicum vorüber. In der Phan-\ntasie für Pianoforte, Orchester und Chor von L. van Beet-\nhoven bewährte sich Frau Schott aus Mainz durch sorg-\nliche Ausführung der Clavier-Partie als eine gediegene\nPianistin. Sie spielte dann noch eine Polonaise von Chopin\nund das Kondo von C. M. von Weber in Es, beide Piecen\nmit Glätte und Bravour. Frau von Ilasselt-Barth sang\n„Gretchen am Spinnrade\" von Franz Schubert,\nzocamino von Verdi und Romanze aus Figaro's Hochzeit.\nIhre Manier, zu singen, hat mir eben nicht gefallen, und\ndas Publicum, welches im Ueb„rigen der Künstlerin mit\nvielen Erwartungen und grosser Spannung gegenüber sass,\nwar auch ein wenig überrascht durch derartige coquetti-\nrende Gesanges-Virtuosität, durch die unser Publicum wäh-\nrend der schwülen Jahreszeit ohnehin zu Tode gehetzt wird.\nHerr Capellmeister Hagen sollte den Principien des Pro-\ngramms der Vereins-Concerte nicht untreu werden! Nach-\no\ndem der zweite Psalm und für Doppelchor\nund Soli von F. Mendelssohn die erste Abtheilung abge-\nschlossen, wurde die zweite durch Beelhoven's siebente\nSinfonie würdig und imposant ausgefüllt.\nHerr Hof-Concertmeister Th. Schmitt (Clarinettist)\nveranstaltete im Februar eine Soiree, von einem Dutzend\nKünstler unterstützt, und Herr Violoncellist C. N. Grimm\ndas Fundament der Quartett-Soireen—gab ein Vocal-\nund Instrumental-Concert. Eine Serenade von Schubert\nfür Ciavier (Herr Pianist Schreiber), Violine und Violon-\ncell eröffnete das Concert. Nachdem Fräul. Tipka zwei\nLieder gesungen, wurde ein Solo für Violoncell über Mo-\ntive aus „Tannhäuser\" mit Begleitung von Harfe und\nOrgue mebdium (gespielt von Herrn Lux aus Mainz) vor-\ngetragen, das den Leuten, welche die Oper Tannhäuser\nhier so oft haben, etwas überflüssig und langweilig er-\nschien. Als ein Curiosum bezeichnen wir dann eine Sere-\nnade für vier Violoncelli mit Contrabass, Violoncell und"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "175", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600526-01.1.7", "texte": "Pauken! Componist: ungenannt. Herr Schreiber spielte\ndann Beetiioven's Cis-moll-'&onaXe, Op. 27, deren Auffas-\nsung, was Tempi, Nuancen und Tact-Eintheilung betrifft,\nNiemand theilen wird. Da Herr Schreiber in einem hiesi-\ngen Blatte ein Schüler Liszt's genannt wurde, so dürften\neinige Notizen nicht ohne Interesse sein. Die ersten fünf\nTactc des Adagio bis zum Eintritte des Thema spielte Herr\nSchreiher aliegro und obendrein Das\nSempre ppmuss Herr Schreiber gestrichen haben, und bei\nden aufsteigenden Triolen-Figuren vom 32. Tacte an an-\nfangend, ging's wieder rubato und forte zugleich, eben so\nam Schlüsse. Das Presto wurde rasend gespielt, im Con-\ntraste zu den Arpeggien dagegen die Gesangstellen\ngio quasi Andante. Die Stelle:\nmachte Herr Schreiber zu:\nund so fort. Die acht letzten Tacte dieses Theiies wurden\nAdagio cantabilevorgetragen u. s. w.\nVon den Aufführungen im Theater erwähne ich das\n„Nachtlager in Granada\" und die „Weisse Dame\" mit\nFräul. Zirndorfer als Gabriele und Anna; Fra Diavolo (mit\nHerrn Auerbach); Stradella (Herr Schneider: Stradella;\nFräul. Tipka: Leonore); Joseph und seine Brüder (2 Mal);\nHerr Schneider ist vorzüglich als Joseph, nicht minder Fräul.\nBarth als Benjamin; Euryanthe (2 Mal); Zauber flöte;\nTannhäuser (-3 Mal); Don Juan mit Herrn Karl Formes\n(Leporello). Eine kleineren Bühnen nicht warm genug zu\nempfehlende Oper ist „Der Blitz\" von Halevv. Allerdings\nerfordert sie einen guten lyrischen Tenor (Merr Schneider)\nund einen geübten Spiel-Tenor (Herr Peretti). Einen Chor\nbat diese allerliebste Oper nicht.\nIm Schauspiel ging Coriolan von Shakespeare in Schle-\ngel'scher Uebersetzung (jedoch ohne die Ouvertüre von\nBeethoven) zum Benefiz unserer gefeierten Schauspielerin\nFrau Elise Flindt, geb. Seyler, hier zum ersten Male in\nScene. Frau Flindt feierte an diesem Tage das (ünfund-\nzwanzigjährige Jubiläum ihrer künstlerischen Wirksamkeit\nauf der Büfrne. Leider ging die grosse Tragödie, auf de-\nren Einstudirung viel Fleiss verwandt worden war, nur\nEin Mal über die Bretter.\nNach einmonatlichem Stillstand hat die unermüdliche\nTheater-Maschine ihr Räderwerk am 3. Mai wieder in Be-\ntrieb gesetzt. Meyerbeer wird die Parole für den Sommer\nsein, denn seine Dinorah schloss den Theater-Mund—Ende\nMärz—, und am 3. Mai that er sich mit den Hugenotten\nwieder auf.— Am 4. Mai hatten wir auch schon im lleu-\nnionssaale des Curhauses die erste Soiree unter Mitwirkung\ndes Pianisten Ehrlich von Frankfurt. Herr Ehrlich spielte\nvier Compositionen von Chopin, Allemande und Fuge von\nHändel und ein Präludium aus den englischen Suiten von\nBach.\n\nW. W.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\n\nMUlflS. Am Mittwoch den 23 d. Mts. hielt der städtische\nSingverein unter der Direction des Herrn F. Breunung eine\nöffentliche Sitzung vor einem eingeladenen und zahlreich erschiene-\nnen Publicum. Die erste Abtheilung brachte das Gloria, Scinclus, Be-\niiedictus, Agnus Dei und Dona nobis pacem aus der C-i/wr-Messe von\nBeethoven; die zweite ein Te Deum von J. Haydn, das erste\nFinale aus Mozart's „Titusu und den IJ4. Psalm von Mendels-\nsohn. Die Aufführungen am Ciavier, wenn dasselbe so präcis und\ndurchgreifend wie von Herrn Breunung gespielt und dadurch ohne\nTactiren eines Dirigenten ein gut geschulter Chor kräftig zusammen-\ngehalten wird, haben dadurch ein besonderes Interesse, dass sie fast\nwie der Gesang a capella sowohl den gesammten Vocalklang als die\nFührung der einzelnen Stimmen recht hell ins Licht stellen. Vorzüg-\nlich gelungen in Sicherheit und Ausdruck war der Vortrag der\nMesse in C, über deren musica'ischen Werth wir doch anderer Mei-\nnung sind, als der geehrte Herr Correspondent aus Stettin (s. un-\nten); namentlich können wir Haydn's Messen und Mozart's Compo-\nsitionen derselben Gattung (mit Ausnahme des Ave verum und des\nRequiem) keineswegs so hoch über Beethoven1 s C-dwr-Messe stellen,\nwie es in jener Correspondenz geschieht. Nur muss freilich der la-\nteinische Text gesungen werden, nicht die so genannte Hymnen-\nDichtung von Rochlitz, welche der Musik oft Worte unterlegt, die\nden Componisten geradezu verleumden, wie wir schon im ersten\nJahrgange der Rheinischen Musik-Zeitucg, Nr. 22 vom 30. November\n1850 in dem Artikel: „Deutscher Text der Messe\", ausführ-\nlich nachgewiesen haben.\nWTenn auch die Ausfahrung der übrigen Gesangstücke nicht ganz\nso befriedigend war, wie die der Messe, so zeigte doch Alles, dass\nder Verein schöne Kräfte, auch für Solo-Partieen, wenn man nicht\nzu hohe Ansprüche macht, besonders aber für den Chorgesang be-\nsitzt, und dass dessen Leitung in sehr guten Händen ist. Mögen die\nMitglieder das ernste Streben ihres Dirigenten durch gleichen Ernst\nin der Theilnahme an den wöchentlichen Versammlungen und in dem\nfleissigen Studium unterstützen.\n\\\nNa nette Schechner, verheirathete Waagen, eine der ge-\nfeiertsten Sängerinnen, die jedoch schon längere Zeit die Bühne\nverlassen, ist zu München, 56 Jahre alt, gestorben.\n1. Mai. Gestern Abends fand im Saale des Tivoli das\n37. Concert des musicalischen Vereins für Gera Statt, welches zu-\ngleich den Sehluss des mit dem 1. Mai 1859 begonnenen Vereins -\njahres \"bildete. Der Verein veranstaltete in demselben sechs grosse\nConcertc und zwei Soireen. Die hervorragendsten Compositionen,\nwelche in den Concerten zur Aufführung kamen, waren : die Ouver-\ntüren zu „Leonore\" (Nr. 3) von Beethoven, zu „Dinorah\" von\nMeyerbeer, zu „Tannhäuser\" von R. Wagner und die Fest-Ouverture\nvonKittl; ferner die Sinfonie (D-dur) von Haydn und Sinfonia Eroiea\nvon Beethoven; das Oratorium „Jephta und seine Tochter' von C.\nReinthaler; Scene aus „Orpheus'' von Gluck; »Die Glocke\" von A.\nRomberg; „Pretiosa* von Weber und „Die Schöpfung\" von Haydn.\nVon auswärtigen Künstlern wirkten mit die Sängerinnen Fräul."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600526-01.1.8", "texte": "y. Varnewick, Fräul. Jenny Busck, Fräul. v. Ehrenberg aus Leipzig,\nFräul. Hinkel aus Dresden; ferner die Sänger Sabbath aus Berlin,\nScharfe aus Leipzig, John und Uttner aus Halle,[so wie der Violin-\nvirtuose Concertmeister Singer aus Weimar. Dankend ist auch zu\nerwähnen, dass mehrere hiesige geschätzte Dilettanten durch Solo-\nVorträge (Ciavier und Gesang) die Concerte unterstützten. Die meist\ntüchtigen Leistungen des Chors, nur aus Mitgliedern des Vereins\nbestehend, fanden namentlich in den beiden Oratorien-Aufführungen\ngebührende Anerkennung. Möge der Verein, der auf die Hebung\nunserer musicalischen Verhältnisse von grossem Einflüsse gewesen\nist, unter der Leitung seines thätigen und uneigennützigen Vorstan-\ndes und seines energischen, anerkannt tüchtigen musicalischen Diri-\ngenten, Capellmeisters Tschirch, auch fernerhin in gleich erfreu-\nlicher Weise fortbestehen.\nSteffin, Ende April. Nach mehrjähriger Unterbrechung ge-\nlangte diesen Charfreitag unter Leitung des k. Musik-Directors Di.\nLöwe Graun's „Tod Jesuu wieder zur Aufführung, aber in einer\nWeise, dass man in irgend einem obscuren Krähwinkel, nicht aber\nin der Hauptstadt Pommerns sich zu befinden glaubte. Nicht allein,\ndass die Ausführung der Chöre wie der Soli jede Spur von entspre-\nchender geistiger Auffassung vermissen liess und in hohem Grade\nden Stempel des Unfertigen, nicht genügend Vorbereiteten trug, son-\ndern auch die Besetzung des Orchesters war so dürftig und schlecht,\ndass sie geradezu störte und die Aufführung im Ganzen nur einen\nsehr gemischten Eindruck hinterliess. Das Kirchen-Concert\ndes Gustav-Adolf-Frauen-Vereins hat nur theilweise erfüllt, was die\nvorangegangenen Ankündigungen versprachen. Die Schuld ist theils\neiner plötzlichen Erkrankung, theils noch anderen Ursachen zuzu-\nschreiben. Von den Solo-Vorträgen, welche den ersten Theil des\nConcertes bildeten, verdienen besonders die bekannte Kirchen-Arie\nvon Stradella, gesungen von Fräul. Bussler aus Berlin, so wie\nPergolese's Salve Regina, das Herr Dusch nitz mit Verständniss\nund Empfindung vortrug, und die von Herrn Weixstorfer ganz\nim Geiste der Composition vorgetragenen beiden Stücke, „Busslied\"\nvon Gellest und Beethoven und Arioso aus Mendelssohn s „Paulus\",\nlobende Erwähnung. Den zweiten Theil bildete Beethoven s Messe\nin C, Op. 86. Ohne zu erörtern, ob für das Concert des gedachten\nVereins eine Messe gerade passend war, so nimmt vom rein musica-\nlischen Gesichtspunkte betrachtet, bei einzelnen keineswegs in Ab-\nrede gestellten Schönheiten und genialen Zügen, das Werk im Gan-\nzen doch gerade keine hervorragende Stelle auf dem Gebiete ein.\nauf welchem bereits die älteren Italiäner, so wrie Haydn und Mozart\nHerrrliches und Unübertreffliches geleistet, aul welchem jedoch Beet-\nhoven nie sich eigentlich heimisch gefühlt und bewegt hat. Die\nAusführung glich eher einer Generalprobe als einer Aufführung und\nentsprach keineswegs den Erwartungen, die man nach den umfassen-\nden Vorbereitungen und den bedeutenden, zur Verfügung gestellten\nKräften zu hegen berechtigt wrar. In den Ensembles gaben sich noch\nbeträchtliche Schwankungen kund, während die Stimmen-Einsätze\nmitunter ziemlich unsicher und roh ausfielen. Namentlich aber in\nder zwreiten Hymne machte sich zwischen Sängern und Orchester ein\nStreben nach gegenseitiger Selbstständigkeit und Emancipation vom\nDirigenten auf Kosten des Ganzen in einem Grade kund, dass man\nunwillkürlich an die Stelle in der heiligen Schrift erinnert wurde,\nwo es heisst: „Wie Schafe gelTn, so gingen wir zerstreuet, ein Je-\nder seinen eig'nen Weg.\"\nCapelimeister X. in X. hatte die Absicht, bei Gelegenheit seines\ngrossen Concertes neulich eine der sinfonischen Dichtungen von Fr.\nLiszt aufzuführen. Man wünschte, dass es dazu kommen möge, da-\nmit man doch auch des Glückes tlieilhaftig werde, wenigstens Eine\ndieser Dichtungen hören zu können. Man wählte die Prcludes, als\ndie leichteste Aufgabe für das Orchester, wie es hiess, und schrieb\n\nK.\n\ndaher an den Tondichter und ersuchte ihn um die Orchester-Stim-\nmen. Umgehend kam die abschlägige Antwort mit dem Beifügen,\ndass er an alle befreundeten Capellmeister und Dirigenten das An-\nsuchen gerichtet, nichts mehr von seinen Compositionen aufzuführen\ndie von der Kritik erhaltenen Misshandlungen gaben ihm Grund\nhierzu.\n15 e ut s © I* e rJT o»Sia 1 1 e.\nUeber die auf unser Preis-Ausschreiben vom Juli 1858 s. Z. ein-\ngekommenen 38 Streich-Quartette haben die vereinssatzungsmässig\nerwählten Herren F. Hiller, J. W. Kalliwoda und V Lachner ge-\nfälligst das Preisrichter-Amt ausgeübt, in der Beurtheilüng dieser\nWerke aber keine zureichende Stimmen-Mehrheit sich ergeben (Satzun-\ngen 14g). Je-loch erhielten die Werke der Herren Corn. Gurlitt\nin Altona und Moriz Kässmayer in Wien je eine Stimme fin-\nden Preis und eine besondere Belobung; ein weiteres Quartett dieses\nHerrn Kässmayer erhielt eine Stimme für den Preis, und besonders\nbelobt wurden von je zweiStimmen die Werke der Herren E. Gren-\nzebach in München, E. Reiter in Basel und E. Tauwitz in\nPrag.\nWegen Rückgabe sämmtlicher Bewerbungen wird es nach den\nVereins-Satzungen gehalten, wie wir schon zum Oefteren angezeigt\nhaben.\nDen Erfolg wegen der in preisrichterlicher Beurtheilung liegen-\nden 17 Sonaten für Cello und Ciavier hoffen wir demnächst bekannt\nmachen zu können.\nHinsichtlich der Bewerbungen um den jüngst ausgesetzten Preis\nwegen eines Trio für Ciavier, Violine und Cello läuft die Einsen-\ndungszeit noch bis zum letzten Juli d. J.\nMannheim, den 3. Mai 1860. Der Vorstand."}]}