{"numero_id": "bm-bmtnabi-1860-06-02-01", "volume": "bmtnabi_1860-06-02_01", "ocr_sha256": "70171aaa5e54d351a200c62cee10f5f47be30cdcf396ba6b56912545ea5d95b0", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1860/06/02_01/bmtnabi_1860-06-02_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600602-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1860-06-02-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-06-02_01#c001", "volume": "bmtnabi_1860-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "177", "page_fin": "177", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600602-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "177", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600602-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 433, "texte": "Inhalt.\nAnna Schechner, Henriette Sontag und ihre Zeit. (Alte Erinnerungen von Fr. Tz. Beethoven's Fidelio in\nParis (Schluss). Aus Frankfurt am Main (Cäcilien-Verein Coneert im Theater zum Andenken F. Messer's). Von nn.\nTages- und Unterhaltungsblatt (Barmen, Kirehen-Coneert München, Coneert des Oratorien-Vereins Prag, Coneerte des Cä-\ncilien-Vereins Basel, Musikfest Paris, Fidelio, Flotow's „Pianella1, Boger Heinrich Wieniawski)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-06-02-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-06-02_01#c002", "volume": "bmtnabi_1860-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "177", "page_fin": "181", "image_debut": 1, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600602-01.2.2", "titre_corps": "Anna Schechner, Henriette Sontag und ihre Zeit.", "titre_sommaire": "Anna Schechner, Henriette Sontag und ihre Zeit.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "177", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600602-01.1.1", "debut_caractere": 435, "fin_caractere_exclue": 4189, "texte": "Anna Schechner, Henriette Sontag und ihre Zeit.\n(Alte Erinnerungen von Fr. Tz.)\nDer Sommer des Jahres 1827 war ein für die Thea-\nterfreunde Berlins unterhaltender. Jenseit der Spree, auf\ndem Alexanderplatze, stand die Königsstädtische Oper in\nüppigster Blüthe. Nicht im Thiergarten, sondern auf der\nKönigsstrasse war allabendlicher Corso. Die Wagenreihe\nrückte in geschlossener Folge von der Kurfürstenbrücke\nbis an die Thüren des damals noch jugendlichen, aber\nauch reizend jugendfrischen einzigen „Zweiten Theaters\"\nnur langsam vor. Henriette Sontag weihte jeden Tag\nzu einem Kunst-Sonntag, und der Generalstab, der sich\nsingend um sie reihte, der lange, dünne Spitzeder mit\nder dicken Bassstimme und dem Buffo-Talent ohne Glei-\nchen, der markige, tiefe Bariton Wächter., der süssflö-\ntende Tenor Jäger —hübsch war er nicht, aber bezau-\nbernd sang er—, war denn doch wohl noch etwas An-\nderes als das, was uns jetzt Italien geschickt, was jetzt als\nNon plus ultra bewundert und beräuchert worden. Dem\nguten, kunstsinnigen Grafen Brühl ward die hohe Stirn\nheiss, einmal von der Sonne, die in jenem Jahre es weit\nweniger an warmen Strahlen für die Erde fehlen liess,'\nwie die diesjährige, und dann von der Gluth des Enthu-\nsiasmus, die vom Alexanderplatze verderblich für das Kö-\nnigliche Theater herüberwehte. Und die Königliche Oper\nwar damals doch eine respectable; für die Wahrheit die-\nser Bemerkung sprechen die Damen-Namen Milder,\nSchultz, Seidler, auch der beiden talentvollen Novizen\nHoffmann und Carl, die der Herren Bader, Stümer,\nB 1 um, Wauer, Gern (Vater). Das alte Gute musste\naber vor dem Neuen weichen, wenn auch nur momentan.\nDamals, wie jetzt. Unser altes Opernhaus bot, mochte man\nauch Spontini's kolossale Tongebilde mit kolossalem Pomp\nvorführen, einen tristen, leeren Anblick dar. Womit dem\nNeuen aul dem Alexanderplatze ein Paroli biegen? fragte\nsich Graf Brühl, und antwortete sich selber: „Mit etwas\nNeuem, mit Gästen!\" Und so geschah es. So weit die An-\nnalen unseres Hoftheaters reichen, dürften wohl in keinem\nJahre so viele fremde Künstler die beiden berliner Hof-\nbühnen betreten haben, wie in den wenigen Sommermo-\nnaten 18*27. Man höre. Im Ballet: Stullmüller, damals\nein junger Mann, der seitdem Mitglied unseres Ballels ge-\nblieben; Briol, der Grotesktänzer, wie wir seitdem nicht\nwieder einen ähnlichen hier gehabt; der feurige\nund die hochbusige Demoiselle Fourcisy. Im Schauspiel:\ndie unvergleichliche, zu früh dem Tode verfallene Sophie\nMüller, die Herren C. Devrient, Fehringer, der\noriginelle Charakterspieler Paulmann, Kriete, v. Ka-\nwaczinsky, Meck, Gassmann, La Roche, dieser da-\nmals noch Schauspieler und Sänger, an einem Abende als\nFranz Moor, am nächsten als Bartolo im Rossini'schen Bar-\nbier auftretend. In der Oper: die Catalani—noch kräf-\ntig als Semiramis, Mithridat und als Pauken und Trompe-\nten übertönende God save the iT«»/-Sängerin glänzend —,\nSabine Heinefetter, die Kraus-Wranitzky, Herr\nund Madame Cornet, Heckscher, Sieber. Fritze,\nKöckert, Babbnig, Hildebrand, dann die Son-\ntag und Nanette Schechner. In Summa also sechs-\nundzwanzig Gäste. Mehr konnten die Berliner nicht ver-\nlangen und Besseres theilweise auch nicht, denn die Mehr-\nzahl der Namen hatte damals in der theatralischen Welt\nruhmreichen Klang.\nHenriette Sontag, die gefeierte, bekannte Nachti-\ngall, flatterte zum ersten Male von der Königsstadt zum\nOpernhaus-Platze hinüber am 29. September 1827 und\nerschien als Donna Anna in Mozart's Don Juan. Sie schloss\ndie von uns angeführte lange Reihe der Gastspiele. Eröff-\nnet wurde die Reihe am 23. Mai durch Nanette Schech-\nner als Emmeline in Weigl's „Schweizerfamilie\".\nWir erinnern uns des Tages noch lebhaft. Die Mai-\nsonne brannte mit Juligluth, in der Königsstadt sang die"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "178", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600602-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5494, "texte": "Sontag die Sophie in Sargines, und „Dem. Schechner vom\nHof- und National-Theater zu München\" auf den Zetteln\ndes Hoftheaters war bis dahin eine Man\nhatte von ihr nichts gehört, wie dazumal überhaupt von\ndem münchener Theater her, obgleich es zu den besten\nzählte, wenig Kunde nach unserem Norden drang. Schweiss-\ntriefend wanderten wir durch den tiefen Sand des öpern-\nplatzes—ein Sandmeer, in dem man zu jener Zeit wider-\nspänstige Rosse zu zähmen pflegte zu Friedrich's des\nGrossen Kunsttempel. In den Logen vereinzelte, Berlin be-\nsuchende Fremde, im Parquet und Parterre eine Oede, in\nwelcher de Bach, der „spanische Reiter aus dem Thier-\ngarten\", bequem seine Pferdekünste hätte zeigen können,\nohne Jemanden überzureiten. Der Vorhang ging auf, und\nnachdem die Herren Becker und Louis Schneider durch\nihr Duett das „kleine, aber gewählte Publicum\" in heitere\nStimmung versetzt hatten, Herr Ed. Devrient diese als Graf\nwieder durch seine Larmovance verscheuchte, erschien end-\n«J 7\nlieh der Augenblick, in welchem die Gastin erschien.\nEine hübsch und kräftig gewachsene Brünette, raben-\nschwarze Haarflechten von dem anmuthigen Haupte nie-\ndersinkend, aus welchem tiefdunkle, aber doch freundliche\nAugen unter starken, sich fast vereinigenden gewölbten\nBrauen schüchtern in das leere Haus schauten. Die Dialog-\no\nworte, welche die Fremde sprach, harmonirten mit der\nSchüchternheit des Blickes, drangen aber in dem innigen,\nsüddeutsch anklingenden Dialekt mit eigentümlichem Zau-\nber zu dem Herzen des Zuhörers. Und nun des Gesanges\nTöne! Die kritischen Habitue's der Oper, die damals das\nParterre besetzt zu halten pflegten, standen und sassen An-\nlangs stumm und lautlos da, als wollten sie ihren Ohren\nnicht trauen.. War es doch wie süsser Abendglocken-Ton\nvon dem Thurme des schweizerischen Bergkirchleins, das\naus der Brust des fremden Mädchens zauberisch durch den\nweiten Raum erklang, auf „Musikgelehrte\" und auf uns\nschlichte Musikfreunde gleichen Eindruck übte, der, kaum\nwaren die letzten Töne der ersten Nummer der Sängerin\nverhallt, nun in einem Hagelsturm von Bravo's sich kund\ngab. Das herzrührende: „Wer hörte wohl jemals mich\nklagen?\" die Preghiera am Anfange des letzten Actes, dann\ndas von Glückjauchzen erfüllte Duett mit Jakob niemals\nhaben diese lyrischen Klänge wohl solche Bedeutung ge-\nwonnen, wie von Nanette Schechner und Wilhel-\nmine Schröder-Devrient. An jenem Abende im Jahre\n1827 war es noch nicht wie heutzutage Sitte, sein Ent-\nzücken in unharmonischen Tönen mitten in die harmoni-\nschen hinein zu brüllen, den Verlauf der Vorstellung\ndurch „Hervorruf bei offener Scene\" zu stören. Man war-\ntete damit bis zum Schlüsse des Stückes oder der Oper,\nund solch ein einfacher Vorruf galt mehr, als jetzt ein halb\nDutzend seilen künstlerisch, in der Regel künstlich geinach-\nter. Als die Vorstellung vorüber, noch zahlreiche Versamm-\nlungen bei Stehely, bei Lutter und Wegener, bei Habel.\nWechselseitige Aus- und Ansprache des Entzückens über\ndas Mädchen aus der Fremde. Allgemeine Uebereinstim-\nmung, dass es ja eine Wunderstimme, in ihrem Genre eben\neine solche Rarität sei, wie die der Sontag. Am nächsten\nTage Fortsetzung des Entzückens, das selbst durch das\nnun als Gastrolle folgende Freischütz-Aennchen rege er-\nhalten wurde, bei der dritten, dem „Fidelio\", aber schon\nsich zu veritablem „Cultus\" des vollen Hauses gestaltete.\nIm Jahre 1827 beschäftigte Berlin noch nicht Herren- und\nAbgeordnetenhaus, das Intt iguenspiel Louis Napoleon's war\ndazumal noch keine auf dem Repertoire des Welttheaters\nstehende Tragi-Komödie; Kunst, Literatur, Theater, dane-\nben die Zelte und der „Schulgarten\" lieferten Stoff zur\nUnterhaltung. Die Parole des Tages war Henriette Son-\ntag, ward nun daneben Nanette Schechner. Als komi-\nsches Intermezzo drängten sich nur die zwölf Schneiderge-\nsellen dazwischen, die am 29. Mai die zur Hochzeitsfeier\nSr. K. Hoheit des Prinzen Karl im Opernhause gegebene\nFrei-Redoute mit Hülfe eines Entree-Billets und eines\ngemeinschaltlichen Domino's besucht und an dem Gratis-\nBuffet nach einander fürchterliche Verwüstungen angerich-\ntet hatten, während die Bedienung des Büffets über die\nHeldenleistungen des vermeintlichen einen Schneiders in\nnicht geringes Erstaunen versetzt ward. Man war damals\nnoch sehr genügsam in dem, was zur Unterhaltung diente,\ndie Kunst bot aber sicher eben so viel und vielleicht noch\nmehr Gutes dar, um selbst die Ungenügsamkeit von heute\nzufrieden zu stellen.\nMadame Sontag, die dem Hauswesen ihrer gefeier-\nten Tochter vorstand, hatte mich eines Tages zu Tisch ge-\nladen. Die Familie, zu der auch noch die zweite, jetzt als\nNonne in einem sächsischen Kloster weilende Tochter\nNina gehörte, wohnte damals in der ersten Etage des dem\nfrüheren Königstädtischen Theater gegenüber liegenden\n„Kaiser Alexander\". Henriette war ein liebes, naives Mäd-\nchen, dem es Spass machte, mich zu necken und sich an\nmeiner damaligen schüchternen Ehrfurcht, die mich gros-\nsen Künstlern gegenüber beherrschte und manche komi-\nsche Verlegenheit herbeiführte, zu ergötzen. Ich musste\nauch an jenem Tage scherzhafte Vorwürfe hören, dass ich\nihr seit mehreren Abenden „untreu\", Partisan der Schech-\nner im Opernhause geworden. Sie trieb mich mit diesen\nVorhaltungen gewatlig in die Enge, sogar bis zu der eines\nkomischen Lustspiel-Naturburschen würdigen hervorge-\nstammelten Entschuldigung, dass ich sie ja noch länger und\nöfter hören könne, während die Schechner ja nur kurze\nZeit in Berlin verweilen würde. Darüber wurde dann viel"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "179", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600602-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5516, "texte": "„gelacht und geläppscht\", wie der alte Geheimerath Heun-\nClauren, der auch zu den intimsten Freunden der Sontag\ngehörte, gesagt haben würde. Nach der Beendigung jenes\nDiners eröffnete die heitere Künstlerin mir, dass sie meine\nAufrichtigkeit belohnen, mich auf einer Ausfahrt mitneh-\nmen würde. Eine Spazirfahrt an der Seite der schönen\nHenriette, das war damals eine Gunst, deren Werth die\nheutige Generation nicht zu ermessen im Stande. Ich war\nganz ungeheuer selig, als Begleiter der Künstlerin durch\nden Thiergarten rollen zu dürfen, am nächsten Tage der\nGegenstand des Neides meiner Freunde zu sein. Es ging\naber nicht in den Thiergarten hinaus, wir hielten vor dem\nOpernhause. „Da die Schechner doch nur kurze Zeit in\nBerlin verweilt und Sie mir nicht zürnen sollen, dass ich\nSie um einen Abend gebracht, habe ich für uns zu heute\neine Loge genommen\", eröffnete mir die unvergessliche\nKünstlerin, während wir nach dem ersten Range hinauf-\nstiegen.\nMan gab an jenem Abende die „Iphigenie in Tauris\".\nDie Schechner in ihrer edlen Einfachheit des Spiels, in\ndem unbeschreiblich glockenklingenden, musicalischen Vor-\ntrage die grösste Musik-Tragödin. Meine Begeisterung für\nsie trug über die Rücksichtnahme, auf die ich mich prä-\nparirt, gegen meine schöne Gönnerin und Schechner-Ri-\nvalin den Sieg davon. Ich applaudirte mir die Handschuhe\nentzwei, zuckte ängstlich zusammen, als sich Henriettchen-\nrasch nach mir umwandte, und hätte ihr wenn die da-\nmalige enge Logen-Bauart es gestattet—dankbar zu Füs-\nsen fallen mögen, als sie lächelnd zu mir sagte: .„So werde\nich die Iphigenie in meinem Leben nicht singen. Klatschen\nSie tüchtig, ich getraue es mir nicht; die Leute würden\nglauben, ich wolle mich dadurch bemerkbar machen.\" Wer\nHenriette Sontag ausser der Bühne zu kennen Gelegenheit\ngehabt, wird diese Bemerkung des bescheidenen Wesens\nals eine ganz natürliche betrachten. Das Publicum schwamm\nauf den Wogen der Begeisterung für die fremde Sängerin.\nAm nächsten Sonntag wieder eine Einladung zum Son-\ntag-Diner. Ausser der Familie Niemand anwesend, als nur\n—Nanet te Schechner. „Der schüchterne Jüngling wird\nSie nicht mit breiten, bewundernden Complimenten geni-\nren, liebes Nanettchen! Seine Bewunderung concentrirt\nsich in seinen Händen, sein Mund ist stumm!\" Mit diesen\nWorten ward ich von der heimischen Sängerin der frem-\nden vorgestellt, und ich machte solcher Empfehlung Ehre.\nWas ich vielleicht doch noch in zierlicher Rede zuwege\nhätte bringen können, ich behielt es bescheiden für mich.\nEin einundzwanzigjähriger Kunst-Enthusiast trat 1827\nüberhaupt noch nicht mit solchem Selbstvertrauen auf seine\nWeisheit auf, wie ein dito vom Jahre 1860. - Dafür\nwurde aber bei Tische und dann beim Kaffee allerlei Lu-\nstiges geplauscht. Das verstand die Sontag aus dem Fun-\ndamente, und es stand ihr gar reizend, wenn sie sich im\ngemüthlichen wiener Dialekt gehen liess. Wh\" haben schon\nder Schüchternheit der Schechner erwähnt. Diese aber\nschwand bei dem ungenirten Plaudern; sie legte die Zwang-\nsjacke der „hochdeutschen\" Conversationssprache ab und\nschwätzte gar zutraulich in ihrem „münchener\" Jargon,\neinem Geschwisterkind des österreichischen. Sie war durch\nund durch ein echtes, schlichtes Naturkind; pikanter Witz\nwar ihr nicht eigen, der heitere, freundliche Scherz ihr aber\nnicht fremd. So, als an jenem Tage die Sontag den der\nSchechner von den Berlinern beigelegten Titel: „DasMäd-\nchen aus der Fremde\", schäkernd auf das Tapet brachte\nund „Sie war nicht in dem Thal geboren\" recitirte, ant-\nwortete die Münchnerin lächelnd: „Freilich nicht im Thal,\naber „„in der Au\"\". „Das Thal\" ist nämlich eine mün-\nchener Strasse, vorzugsweise bewohnt von wohlhabenden\nBierbrauern, Bäckern und anderen Gewerbetreibenden, die\n„Au\" dagegen eine münchener Vorstadt, die Wohnstätte\narmer Arbeiter-Familien. Aus einer solchen war die Schech-\nner geboren; sie soll, wie ihre berühmte vaterstädtische\nCollegin, die längst verstorbene Metzger-Vespermann,\nals unerwachsenes Mädchen in einem dortigen Biergarten\nzur Harfe Liederchen gesungen, die Aufmerksamkeit des\nalten Capellmeisters Winter wie das auch mit der Ves-\npermann der Fall—erregt und dieser ihre erste Gesanges-\nAusbildung übernommen, später dann sie in dem Chor des\nHoftheaters placirt haben. Wir kommen auf ihre Ausbil-\ndung noch schliesslich zurück. Bei jenem Diner offenbarte\nsie, wie das den Münchenern eigen, eine unbegränzte Vor-\nliebe für ihre Vaterstadt. „In Berlin sei es freilich gar\nschön, aber so schön wie „ „bei uns daheim\" \" doch nicht.\nHier Alles so „„vornehm\"\", bei uns aber weit lustiger.\nUeberall und alle Täg' Tanz und Musi!\" Und wie sie auf\ndie „Musi\"—echt münchnerisch die erste Sylbe lang, die\nzweite kurz prononcirt kam, vom Stuhl aufgesprungen\nund mit dem Ausrufe: „Ich werd' Ihnen halt was Münch-\nnerisches singen!\" zum Ciavier. Und nun ging's „traurig\nund lustig\" durch einander, zarte Alpenliedchen und derbe\n„Schnaderhüpfeln\", und weil das „dumme Ciavier\" dazu\nnicht passte, wurde die nationale Zither hervorgeholt, aus\nder die Schechner gar innige Klänge hervorzulocken ver-\nstand. Kaum hatte sie ein Liedchen geendet, so stimmte\ndie Sontag ein anderes an, bis endlich Nanettchen und\nJettchen zusammen jubelten und ihre Sangeslust durchs\nZimmer schmetterten, wie ein paar frische Nachtigallen.\nLänger als einen Monat weilte damals die vielliebe\nSängerin in Berlin. Ihre Ves talin entzückte mächtig die\nlauschenden Hörer; selten wohl hat auch Elvira, die ver-\nlassene Geliebte Don Juan's, so das Mitgefühl erregt, wie\n\n[*J"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "180", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600602-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5513, "texte": "die der Schechner. Als sie die Annette in der Rossini'schcn\n„Diebischen Elster\" mit all den italiänischen Zierathen\nmeisterhaft sang, meinte dieSontag—vielleicht nicht ohne\nein paar Gran Kunstneid —: „Das hätte ich von ihr nicht\nerwartet!\" Eine seltsame Leistung von ihr war Kreutzens\nwohl wenig bekanntes musicalisches Monodram „Corde-\nlia\", das wir, ausser von ihr, nur noch von der Milder,\naber nicht mit dieser Darstellungs-Meisterschaft, gehört\nhaben. In der Garnisonkirche wirkte sie bei der Auffüh-\nrung des „Büssenden David\" von Mozart und einer Messe\nvon C. M. von Weber mit, „zum Katholischwerden\",\nwie der alte Theater-Habitue in Dienst und Oberst ausser\nDienst v. Treskow sagte. Und als die den Berlinern lieb-\ngewordene Sängerin die Stätte ihres hier doch eigentlich\nneugeborenen Ruhmes verliess, musste die Sontag alle ihre\nLiebenswürdigkeit aufbieten, um aus der Rückerinnerung\nan die Rivalin das Interesse wieder für sich zu gewinnen.\nWas der Schechner noch von Gästen folgte, hatte schwe-\nren Stand. Die imposante Catalani triumphirte wohl mehr\ndurch ihren Weltruf, als durch die kolossalen Ruinen ihrer\neinst Europa durchdröhnenden Stimme.\nNanette Schechner ist seitdem noch zwei Mal nach\nBerlin zurückgekehrt, hat hier erneute Triumphe gefeiert.\nDer Schreiber dieser Zeilen ist nicht Zeuge davon gewe-\nsen. Ich traf die Sängerin im Jahre 1833 in ihrer Heimat\nwieder, durfte im freundlichen Verkehr sie an Berlin im\nJali re 182/ erinnern. Die Freude, die ihr diese Erinne-\nrung bereitete, war von einer gewissen Trauer getrübt.\nEine seltsame Schwäche, die das sonst so kräftige Mädchen\noft befiel, verhinderte sie von Zeit zu Zeit an der frischen\nAusübung ihrer Kunst. Sie fühlte, dass die Kraft mit ihrem\nWillen nicht gleichen Schritt halten wollte, und trauerte.\nDer damalige Intendant, Baron v. Poissl, ein gediegener\nmusicalischer Theoretiker und Praktiker, unter dessen Lei-\ntung sie ihre theatralische Laufbahn begonnen, der ihr mit\nwahrhaft väterlicher Freundlichkeit zugethan war, hatte\nMühe, sie zu trösten. In seinem H ause, das mir ein schwie-\ngerväterliches wurde, habe ich sie noch einmal in wieder-\ngewonnenem Vertrauen aufflammen gesehen. Sie hatte in\ndes münchener Capellmeisters Chelard Oper „Macbeth\"\nein leider nicht in weiteren Bühnenkreisen zur verdien-\nten Geltung bekanntgewordenes Werk—die Lady Mac-\nbeth gesungen, das Publicum in musicalischer Beziehung\nund durch ihre Darstellung in wahrhafte Begeisterung ver-\nsetzt. Ihre ganze düstere Erscheinung übte in der Nacht-\nwandler-Scene dämonischen Eindruck. „Ich kann doch\nnoch singen und werde noch lange singen!\" wiederholte\nsie sich voller Freude. Trügerisches Hoffen! Das rauhe\nKlima der auf hohem Plateau liegenden baierischen Haupt-\nstadt hatte das zarte Instrument bereits zu hart berührt.\nNoch wenige Versuche, sich auf des Gesanges Flügeln zu\nneuem Triumphschwung zu erheben, und es war vorüber,\nAnna Schechner der ausübenden Kunst verloren.\nWir theilen nun zum Schlüsse noch einige nähere No-\ntizen über den Beginn der Laufbahn der Künstlerin mit.\nDass ihre Wiege in einem kleinen Vorstadlhäuschen ge-\nstanden, dass das Kind um kümmerlichen Lohn sein Stimm-\nchen erschallen liess: wir haben es schon erwähnt; auch\ndass der ernste, alte Winter (der Opferfest-Componist)\ndas frühlinghafte Erblühen der Künstlerin gefördert.\nAnna Schechner sang im Chor der deutschen und ita-\nliänischen münchener Oper, die in beiden Gesangesrichtun-\ngen damals glänzende Erscheinungen zeigte, in der ersten\ndie Metzger-Vespermann, die Sigl, die später ihrem\nNamen auch den ihres Galten Vespermann hinzufügte, die\nTenore Bayer und Löhle, Staudach er, Mitter-\nmai er und den famosen Bass Pellegrini, der aus dem\nitaliänischen Mailänder ein guter deutscher Münchener\nward, der italiänischen Oper neben Santini, der Schia-\nsetti und anderen Koryphäen aber auch noch treu blieb.\nGutes allabendlich zu hören, dazu hatte die unbeachtete\nChoristin überreiche Gelegenheit. In der Stille genoss sie\nden Unterricht Winter's und, als dieser starb, den des\nIntendanten v. Poissl. Dass rascher, als man glaubte, aus\nder Choristin eine Solosängerin wurde, förderte der Zu-\nfall. Es war 1824 oder 1825, als der Weber'sche Frei-\nschütz, damals en vogne, auf eine Vormittags-Probe für\nden Abend bei Seite gelegt werden sollte, weil das Aenn-\nchen plötzlich krank geworden. Da tritt aus dem Chor\nein junges Mädchen zu dem anwesenden Intendanten heran\nmit den Worten: „Bitt' recht schön, gnä' Herr! lassen's\nmich zum Abend das Annerl singen!\" Alles staunt ob sol-\ncher Keckheit. Der Intendant aber sagt: „Meinetwegen,\nAnnerl, sing' du das Annerl!\" Die Probe wird wieder auf-\ngenommen. Abends tritt ein schwarzbraunes Mädel vor die\nLampen und singt die Partie, dass die Münchener vor er-\nstauntem Mundaufsperren kaum zum Bravorufen kommen\nkönnen. Anna Schechner war Solosängerin geworden.\nDie italiänischen Maestri und Sänger, die an dem\nAbende im Theater anwesend sind, wollen der deutschen\nOper diese urplötzliche Eroberung nicht gönnen. Gras-\nsini, Orlandi, Ronconi werfen sich fast gewaltsam zu\nLehrern der Deutschen auf. Sie nimmt dankbar die guten\nitaliänischen Lehren an, bleibt aber unter der Leitung der\nVespermann doch eine gute Deutsche. Unterstützt durch\ndas, was sie von Beiden gelernt, tritt sie im Kreise der\nItaliäner in Cimarosa's „llorazier und Curiatier\" in der\nPartie des Curiatio, in Mozart's „Figaro's Hochzeit\" als\nGräfin auf. Hof und Publicum ist hingerissen von dem sich\nplötzlich so grossartig entfaltenden Talente. Die Königin"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "181", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600602-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 668, "texte": "Therese, König Ludwig's Gemahlin, stattet das junge\nMädchen reich aus und sendet sie nach Wien, um ein hal-\nbes Jahr auch dort noch zu hören, zu lernen und auf\ndem Hof-Operntheater der österreichischen Raiserstadt zu\nprüfen, ob München nicht das Talent der Landsmännin\nüberschätzt hat. Sie wird auch in Wien bewundert und\nkehrt nach der Heimat zurück, um dort ihre glänzende\nLaufbahn zu verfolgen, leider eine zu kurze, kaum ein De-\ncennium umfassende.\nAnna Schechner ist, um Nekrologisches zu ergän-\nzen, im Jahre 1806 geboren, verheirathete sich mit Herrn\nWaagen 1832 und starb, tiefe Trauer in der älteren Ge-\nneration der Kunstwelt verbreitend, 1860.\n(Berl. Zeit.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-06-02-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-06-02_01#c003", "volume": "bmtnabi_1860-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "181", "page_fin": "183", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600602-01.2.3", "titre_corps": "Beethoven’s Fidelio in Paris.", "titre_sommaire": "Beethoven’s Fidelio in Paris.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "181", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600602-01.1.5", "debut_caractere": 670, "fin_caractere_exclue": 5156, "texte": "Beethoven’s Fidelio in Paris.\n(Schluss. S. Nr. 22.)\n„In dieser vielumfassenden Musik muss man auf Alles\nhören, um sie vollkommen zu verstehen. In den Orchester-\nInstrumenten, bald den wichtigsten, bald den unbedeuten-\nderen, liegt manchmal der Ausdruck der Empfindung, der\nSchrei der Leidenschaft, mit Einem Worte: der Gedanke,\nfür den dem Componisten die Singstimme nicht genügte.\nDamit soll aber keineswegs gesagt werden, dass die Ge-\nsangstimme nicht vorherrschend bliebe, wie diejenigen be-\nhaupten, welche Gretry's Ausspruch über Mozart: „er habe\ndas Postament auf die Scene und die Statue ins Orchester\ngestellt\", ewig wiederkäuen, einen Vorwurf, den man erst\nGluck, dann W eber, Spontini und Beethoven gemacht hat,\nund den man stets gegen jeden erneuern wird, der keine\nPlattheiten für die Singstimme schreiben will und dem Or-\nchester, so bescheiden es auch bleibe, doch eine interes-\nsante Rolle zutheilt. Und wahrlich, die Leute, die so schnell\nmit dem Tadel gegen die wahren Meister, dass das Orche-\nster die Stimme beherrsche, bei der Hand sind, geben\nselbst sehr wenig auf die Bescheidenheit des Orchesters;\ndenn wir sehen, wie, besonders seit zehn Jahren, das Or-\nchester in eine Janitscharenmusik, eine Schmiede, eine\nKesselmacher-Werkstatt verwandelt wird, ohne dass die\nKritik sich dagegen empört, ja, während es diese Unge-\nheuerlichkeiten kaum beachtet. Wenn also das Orchester\nlärmend, gewaltig, roh, platt, haarsträubend ist und die\nStimme erdrückt, so schweigt die Kritik; ist es fein, zart,\nverständig, erregt es zuweilen die Aufmerksamkeit des Zu-\nhörers durch Züge von Anmuth, Lebhaftigkeit, Ausdruck\nund bleibt nichts desto weniger in den Schranken des mu-\nsicalischen Drama's, so wird es getadelt. Man verzeiht dem\nOrchester, dass es nichts sagt oder, wenn es mitspricht,\nnur Dummheiten und Rohheiten zu Tage bringt.\n„Aber die Theater sind nun einmal die Oerter, wo\nJedermann ohne Ausnahme mehr Verstand hat, als der\nAutor. Dieser wird als der allgemeine Feind betrachtet.\nVersichert ein Maschinist, dieses oder jenes Musikstück sei\nzu lang, so bekommt er Recht gegen Gluck, Mozart, We-\nber, Beethoven, Rossini. Man erinnere sich nur z. B. an\ndie unverschämten Striche im Wilhelm Teil vor und nach\nder ersten Vorstellung dieses Meisterwerkes. Das Theater\nist für Dichter und Musiker eine Schule der Demüthigung;\njene werden von Leuten belehrt, die keine Grammatik,\ndiese von Menschen, die keine Tonleiter kennen; und alle\ndiese Aristarchen, die ausserdem noch gegen alles auch\nnur anscheinend Neue und Kühne im Voraus eingenom-\nmen sind, haben eine unüberwindliche Vorliebe für klug\nangebrachte Trivialitäten. Von Horazens und Boileau's\nVorschrift:\n„„Füge zuweilen hinzu, öfter noeh streich' wieder aus!\"\"\nüben unsere Opern-Correctoren das Letztere so vortreff-\nlich und nach den verschiedensten Ansichten über Schön\nund Hässlich, Lang und Kurz, dass von einer Partitur, die\nohne Protection eines hohen Namens über alle Theater\nginge, kaum zehn Seiten unberührt stehen bleiben würden.\n„Die sechszehn Nummern des Fidelio sind alle schön,\naber auf verschiedene Weise, und das ist gerade ihr Haupt-\nverdienst. Die ersten Nummern unterscheiden sich von den\nübrigen durch einen reizend einfachen, man möchte sagen:\nfamiliären, Stil, der ganz dem Charakter der Personen an-\ngemessen ist. Im ersten Terzett beginnen schon grössere\nFormen, weitere Entwicklung, reichere und bewegtere In-\nstrumentirung; man fühlt, dass man in das Drama ein-\ntritt, das Pathos verräth sich schon durch fernes Wetter-\nleuchten.\n„Pizarro's Arie ist ein gewaltiges Musikstück, das die\nwilde Freude eines Frevlers, der seine Rachsucht zu be-\nfriedigen hofft, mit erschütternder Wahrheit schildert.\nBeethoven beobachtet ganz und gar in seiner Oper die\nVorschrift von Gluck, die Instrumente nur nach Maassgabe\ndes Interesses und der Leidenschaft anzuwenden. Hier\nschüttelt zum ersten Male das Orchester seine Fesseln ab\nund bricht mit dem furchtbaren Accord der kleinen None\nvon D-moll los; Alles ist Erschütterung, Unruhe, Auf-\nschrei, vernichtender Schlag. Die Melodie der Singstimme\nist allerdings nur declamirt, aber wie! Diese Declamation\nist stets wahr und erreicht späterhin im eine wilde\nKraft, die einen glänzenden Schluss bildet. Es ist bewun-\nderungswerth!\n„In der grossen Arie der Leonore ist das Recitativ\nschön dramatisch, das Adagio himmlisch durch zarten und\ninnigen Ausdruck, das Allegro hinreissend, voll edler Be-\ngeisterung, prachtvoll. leb weiss wohl, dass vortreffliche"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "182", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600602-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5426, "texte": "Kunstrichter nicht derselben Meinung mit mir sind; ich\nfühle mich glücklich, dass ich die ihrige nicht theile.\n„Der Eintritt des Allegro durch drei Hörner und Fa-\ngott beschränkt sich auf den Dreiklang von E-dur durch\nanderthalb Octave, und doch bildet er vier Tacte von un-\nglaublicher Originalität. Man könnte allen Musikern, welche\ndiese Stelle nicht kennen, jene fünf Töne zu beliebiger Ge-\nstaltung geben, und ich wette, dass in allen Combinationen\nKeiner die stolze und aufregende Folge mit ihrem frappan-\nten Rhythmus finden würde, die Beethoven daraus gemacht\nhat. Dieses Allegro hat für viele Dilettanten den Fehler,\nnicht eine einzige Phrase zu enthalten, die man behalten\nkann. Diese Leute warten, unempfänglich für die zahlrei-\nchen und glänzenden Schönheiten dieses Satzes, auf ihre\nviertactige Phrase, wie die Kinder auf die Bohne in dem\nKönigskuchen; der Kuchen selbst ist Nebensache, wäre er\nauch noch so vortrefflich. Anderen Zuhörern fällt die Be-\ngleitung mit drei Hörnern und einem Fagott auf, weil diese\nnach ihrer Meinung die Aufmerksamkeit von der Sing-\nstimme abziehe. Diese vier Instrumente spielen ja aber kei-\nneswegs die Rolle von concertirenden, wie z. B. Mozart's\nBassethorn im Titus, sondern sie sollen nur eine Begleitung\nbilden, die mit der Stimmung und den Gefühlen der Sin-\ngenden übereinstimmt und eben desshalb eine ganz eigen-\ntümliche Klangfarbe haben sollte. Dazu eignet sich nun\ngerade der Ton des Horns am besten, und wie Spontini\nihn bei einer Arie der Vestalin, ohne den Fidelio zu ken-\nnen, angewandt hat, so ist er nach Beethoven gar häufig\nvon dramatischen Componisten zu ähnlichem Ausdruck in\nder Begleitung des Gesanges benutzt worden. Jedenfalls\nkonnte nur eine zartfühlende Seele diese Begleitung ein-\ngeben.\n„Welchen tiefen Eindruck macht der Chor der Gefan-\ngenen! Man höre diese ersten Tacte des Orchesters, diese\nsanften, breiten Harmonieen, die sich nach und nach strah-\nlend entfalten, und die Singstimmen, die sich scheu nach\nund nach zum harmonischen Ausdruck verbinden, und\ndazu die melodisch süsse Figur der Blas-Instrumente\ndann die plötzliche Aenderung des musicalischen Colorits\nbei Erscheinung der Wache auf dem Wall und die Wie-\nderaufnahme des Anfangs und der Haupt-Tonart, so na-\ntürlich und reizend schön, dass ich wahrlich nicht versuchen\nwerde, eine Vorstellung davon geben zu wollen. Das ist\nLicht, Luft, Freiheit, Leben, die uns von Neuem gegeben\nwerden! Mancher Zuhörer, der sich bei diesem Chor die\nThräne aus dem Auge wischte, war empört über das\nSchweigen des Publicums nach diesem Stücke; indess ist\nes doch möglich, dass der grösste Theil der Zuhörer davon\nergriffen gewesen ist, da es musicalische Schönheiten gibt,\ndie mehr das Gefühl treffen, als zum Äpplaudiren anre-\ngen.\" [Auch in Paris? Schwerlich!]\nIn dem Duett zwischen Rocco und Fidelio findet Ber-\nlioz in dem6/8-Tact die synkopirte Begleitung in den Blas-\ninstrumenten von höchst eigentümlicher Wirkung, aber\nvollkommen der Situation angemessen. Im Finale des ersten\nActes, dessen düstere Farbe er richtig würdigt, fehlt ihm\ndas Verständniss der Führung und der Rhythmik der Sing-\nstimmen, wahrscheinlich wegen mangelhafter Uebersetzung\ndes Textes. „Da es im Pianoschliesst, Angst und Bestür-\nzung ausdrückend, so applaudirt das pariser Publicum es\nnatürlich nicht; denn an solche Schlüsse ist es nicht ge-\nwohnt.\"\n„Die Instrumentation in der Kerkerscene des Orest\nin Gluck's Iphigenie ist ohne Zweifel schön; aber wie un-\nendlich hoch steht Beethoven über ihm in der düsteren\nIntroduction zu Anfang des zweiten Actes! und—man muss\nes anerkennen—nicht nur, weil er als Sinfonist so gross\nist, sondern weil sein musicalischer Gedanke in diesem Or-\nchesterstücke bedeutender, grossartiger und von unver-\ngleichlich tieferem Ausdruck ist. Man fühlt gleich bei den\nersten Tacten, dass der Unglückliche beim Eintritt in die-\nsen Kerker „ „alle Hoffnung aufgeben\"\" musste. Auf ein\nRecitativ voll schmerzlichen Ausdrucks, das von den Haupt-\nsätzen der Introduction unterbrochen wird, folgt ein weh-\nmuthsvolles Cantabile; der Schmerz wird immer stärker,\nder Flügel des Todes umweht Florestan's Haupt: da er-\ngreift ihn ein holder Wahnsinn, er glaubt sich frei, er lä-\nchelt, Thränen füllen sein Auge, er sieht Leonoren wieder,\ner ist berauscht von Freiheit und Liebe . Beschreibe\nein Anderer diese himmlische Melodie, diesen klopfenden\nPulsschlag des Orchesters, diesen Gesang der Hoboe, die\nwie die Stimme der angebeteten Gattin der Melodie Flo-\nrestan's folgt, diese Steigerung der entzückten Phantasie—:\nich vermag es nicht! Hier ist Kunst auf ihrer erhabensten\nHöhe, Gluth der Inspiration, leuchtender Flug des Genius!\n„Und dann das unheilschwangere, düstere Duett zwi-\nschen Rocco und Fidelio mit dem ergreifenden Gegensatz\nzwischen der kalten Unempfindlichkeit Rocco's und den\nherzzerreissenden Melodieen Leonorens, mit dem dumpfen\nGetön im Orchester, das wie das matte Fallen der Erde\nauf einen Sarg klingt!—Aber es hat kein Coda, keine Ca-\nbalette, keinen Aufschrei am Schlüsse: folglich beharrt das\nPublicum in starrem Schweigen. Das folgende Terzett\nmachte indess mehr Glück bei ihm trotz des milden Schlus-\nses; hier ist der reinste Fluss des Gesanges, der wahrste,\neinfachste und innigste Ausdruck des Gefühls.\n„Das Quartett im Kerker ist ein anhaltendes Gewitter,\ndessen drohender Donner stets zunimmt und das am Ende\nin furchtbaren Schlägen losbricht. Man ist bewegt, ergriffen,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "183", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600602-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1204, "texte": "mit fortgerissen, ohne dass man unterscheiden kann, ob\ndiese heftige Aufregung durch den Gesang, durch das Or-\nchester, durch das Spiel der handelnden Personen, durch\ndie Situation hervorgebracht wird. —Es ist ein Wunder-\nwerk von dramatischer Musik, zu dem ich weder bei den\nalten noch bei den neueren Meistern ein Gegenstück wüsste.\"\nZuletzt bemerkt Berlioz noch über den Applaus des Fi-\nnale: „Ohne dieses kolossale Finale irgend herabsetzen zu\nwollen, muss ich doch sagen, dass die ganze übrige Partitur\neben so bewundernswerth ist und dass mehrere frühere\nNummern hoch über demselben stehen. Wer weiss indess,\nob es im Publicum nicht vielleicht eher Tag wird, als man\ndenkt, selbst bei denen, deren Sinn für dieses herrliche\nWerk Beethoven's noch eben so verschlossen ist, wie für\ndie Wunder der neunten Sinfonie, der letzten Quartette\nund der grossen Clavier-Sonaten? Zuweilen scheint ein\ndichter Schleier die Augen des Geistes zu decken, wenn\nsie nach einer bestimmten Region am Himmel der Ton-\nkunst blicken und doch die leuchtendsten Sterne nicht sehen;\naber plötzlich zerreisst, man weiss nicht, wie und wodurch,\njener Schleier, man sieht klar und erröthet, bis dahin so\nblind gewesen zu sein.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-06-02-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-06-02_01#c004", "volume": "bmtnabi_1860-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "183", "page_fin": "184", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600602-01.2.4", "titre_corps": "Aus Frankfurt am Main.", "titre_sommaire": "Aus Frankfurt am Main.", "signature_source": "nn", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "183", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600602-01.1.7", "debut_caractere": 1206, "fin_caractere_exclue": 5278, "texte": "Aus Frankfurt am Main.\n\n[Cäci 1 ien-Verein* Concert im Theater zum Andenken\nF. Messer' s 4]\nDen 27. Mai 1860.\nIch habe Ihnen noch über den Schluss der Abonne-\nments-Concerte unseres Cäcilien-Vereins zu berichten. Das\nProgramm für das vierte (letzte) Concert, wie es noch zu\nAnfang des Winters durch Messer festgestellt war, wurde, so\nweit es die Verhältnisse möglich machten, beibehalten und\nbrachte am 23. Mai in historischer Folge sechs ausgewählte\nkleinere Tonwerke von Astorga, Bach, Haydn, Cherubini,\nSpohr und Hauptmann. Es wird freilich bei solchen Sam-\nmel-Concerten dem Kopfe und Herzen viel zugemuthet;\njedoch ist Nutzen und Notwendigkeit derselben, auch für\ngrosse Vereine, so einleuchtend, dass wohl kaum etwas\nStichhaltiges dagegen angeführt werden dürfte, vorausge-\nsetzt, dass die Auswahl in jeder Beziehung mit Geschick\ngetroffen wird.\nAstorga's charaktervolles, tiefinniges, rührend-weh-\nmüthiges und doch auch, wo es den Worten entspricht,\nerschütternd-grosses Stabat meröffnete die Reihe der\nvorgeführten Werke. Ihm scbloss sich als bedeutendste\nLeistung Bach's wunderbare Cantate „Gottes Zeit\" an.\nBeide Werke, seit 1854 nicht mehr gesungen, waren einem\ngrossen Theile der Mitglieder vollkommen neu, und Herr\nFranz Friederich, der provisorische Dirigent des Ver-\neins, hat sich durch die gründliche Einstudirung dieser\näusserst schwierigen Compositionen ein neues Verdienst um\nden Verein erworben, und auch durch seine sichere und\näusserst gediegene Clavier-Begleitung den tüchtigen Musi-\nker vollkommen bewährt. Haydn's graziöse, kindlich-hei-\ntere Motette „Des Staubes eitle Sorgen\" bildete frei-\nlich einen im ersten Augenblicke nicht anziehenden Con-\ntrast gegen die feierliche Würde und die Gedankentiefe\nBach's, aber die Gesundheit und Frische der Composition\nschmeichelte sich doch mit ihrem idyllisch-sorglosen Cha-\nrakter dem von tiefem, Ernste ergriffenen Gemülhe erhei-\nternd ein. Cherubin i's pompöses mit seinem\nwunderbar-herrlichen Frauen-Terzett Ave verum eröffnete\ndie zweite Abtheilung; ihm schloss sich, nicht ebenbürtig,\nSpohr's Hymne an Cäcilia an, und den Schluss bildete\nHauptmann's Salve Regina, das neben Mendelssohn's\nAve Maria als eine der echtesten Perlen kirchlicher Com-\npositionen unserer Zeit gelten muss. Die Ausführung ohne\nOrchester im Vereins-Locale war eine recht gelungene,\ntheilweise und besonders in den Soli ausgezeichnete. Den\nbeiden wohlbekannten Künstlern, Herren Baumann (Te-\nnor) und Hill (Bass), standen vier Sängerinnen des Vereins\nin sehr tüchtiger Weise zur Seite, die mit grosser Sicher-\nheit und eindringendem Verständnisse ihre schwierigen\nAufgaben lös'ten. Der Verein kann auf dieses Concert mit\nBefriedigung sehen, um so mehr, da die vorgerückte Jah-\nreszeit, die herrlichen, zum Theil schon sehr heissen Mai-\nTage und die mancherlei Abhaltungen einer so rastlos thä-\ntigen Stadt eine nicht unbedeutende Zahl der Mitglieder\nvon den Proben und der Aufführung fern gehalten hatten.\nLetztvergangenen Freitag hat das hiesige Theater ein\nConcert zum Andenken Messer's veranstaltet, in welchem\nneben Mozart's G-moll-§\\nfome und Beethoven's Trauer-\nmarsch aus der JEroicaunter Anderem auch eine Concert-\nOuverture und zwei Lieder des Verstorbenen gegeben\nwurden. Leider war es äusserst schwach besucht, die Lo-\ngen fast ganz leer. Ist diese Thatsache äusserst beschämend\nfür unser Theater-Publicum, besonders der höheren Stände,\nso können wir doch nicht umhin, auch den Veranstaltern\nder Feier einen wesentlichen Vorwurf zu machen. Konnte\nman diese Feier nicht alsbald nach dem Tode Messer's ins\nWerk setzen, so musste man eine Zeit abwarten, wo das\nPublicum sich wieder nach Genüssen der Kunst sehnt, und\neine solche Ehrenschuld nicht abtragen wollen unmittelbar\nnach einer Reihe von Gastvorstellungen Tichatschek's und\nSchnorr's, in der Hauptwoche der Confirmationen, die ge-\nrade die am meisten interessirten Kreise in Anspruch nah-\nmen, zwei Tage vor Pfingsten, wo in der Regel die Kunst\nzu feiern pflegt. Auch fehlte jede aussergewöhnliche Hin-\nweisung auf das, was doch etwas Aussergewöhnliches sein"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "184", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600602-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 842, "texte": "\\\nsollte. Um nicht mit diesem empfindliehen Missklange den\nBericht zu schliessen, können wir mittheilen, dass die Zu-\nkunft der Kinder unseres Messer durch die vereinten Be-\nmühungen seiner vielen Freunde in erfreulichster Weise\ngesichert ist.\nWährend der Ferien des Vereins, die bis zum Septem-\nber dauern, wird nun die Stelle des Directors wieder be-\nsetzt werden. Wie weit der Vorstand in seinen Bemühun-\ngen bis jetzt gediehen ist, wissen wir nicht; wir zweifeln\naber nicht, dass er in dieser für das musicalische Leben\nunserer Stadt hochwichtigen Angelegenheit mit aller Um-\nsicht zu Werke gehen wird, und hoffen mit Zuversicht für\nihn auf die bereitwilligste Unterstützung der musicalischen\nAutoritäten Deutschlands, die den Cäcilien-Verein ja als\neine der vorzüglichsten musicalischen Bildungsschulen wohl\nzu würdigen wissen.\n\n---- nn."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-06-02-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-06-02_01#c005", "volume": "bmtnabi_1860-06-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "184", "page_fin": "184", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600602-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "184", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600602-01.1.8", "debut_caractere": 844, "fin_caractere_exclue": 4419, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nBarmen. Am 18. Mai hatten wir ein schönes Kirchen-\nConcert, in welchem wir die vortrefflichen Orgel-Vorträge des\nHerrn J. A. van Eyken aus Elberfeld hörten, der mit bekannter\nMeisterschaft J. S. Bach's Toccata in F-dur und dessen Choral-Vor-\nspiel: „Schmücke dich, o liebe Seele\", Beethoven's Andante der\nfünften Sinfonie, von van Eyken sehr wirkungsvoll für die Orgel\nbearbeitet, und desselben grosse Phantasie über „Ein1 feste Burg ist\nunser Gott*4 vortrug. Dazwischen führten die Gesang-Vereine von\nElberfeld und Barmen Haydn's Chor: »Die Himmel erzählenMen-\n„Wie lieblich sind die Boten® aus Paulus, einen Choral\naus demselben Oratorium und Händel's Halleluja unter Herrn Musik-\nDirector Schornstein1 s Leitung auf.\nMimchen. Das letzte Concert des Oratorien-Vereins\nbrachte uns am 14. Mai eine Neuigkeit von dem Componisten des\n»Dornröschen\", Herrn von Per fall: das Märchen „Undine\\ Das\nneue Werk wurde nicht nur freundlich aufgenommen, sondern hatte\neinen entschiedenen Erfolg Zugleich bemerken wir, dass „Das\nDo rnröschen\", Gesangstück für Soli, Chor und Orchester, nun\nauch im Ciavier-Aus züge bei Breitkopf & Härtel in Leip-\nzig erschienen ist, der allen Freunden einfacher und melodieenrei-\ncher Gesang-Composition sehr willkommen sein wird. (Vgl. Nieder-\nrheinische Musik-Zeitung, 1859, Nr. 4 und 5.)\nJP!•»£*• In den vier Concerten unseres Cäcilien-Vereins im\nSaale der Sofien-Insel am 20. November und 14. December 1859,\n16. Februar und 28. April 1860 sind aufgeführt worden:\nI. Ouvertüre in D-dur, Nr. 3, aus den Suiten für Orchester von\nJ. S. Bach. Recitativ und Arie aus Rinaldo von G. F. Händel.\nR. Schumann's Musik zu Byron1 s Manfred, zur Concert-Auf-\nführung eingerichtet von Jos. Bayer.\n11. Ouvertüre zu Elisa von Cherubini. Kriegerlied für Män-\nnerchor mit Blech-Instrumenten von A. M. Storch. Das Burg-\nfräulein, für Alt und Orchester von H. Marschner. Umirajici\nPevec, Romanze für eine Männerstimme mit Orchester von Jos.\nLeop Zwonare. Op. 32 (Manuscript). Abendlied von Geibel, für\ndrei Frauenstimmen und Orchester von Franz Lachner (Manu-\nscript). Symphonie mililaire von J, Haydn,\n111. Jubel-Ouverture von C. M von Weber. Wiederholung der\nböhmischen Romanze. Frühlingsbotschaft von Gade. Coneert-Ouver-\nture in D-moll von Ferd. Hiller. Mendelssohn1 s Lorelei\n(Fräul. Prause).\nIV. Hundertstes Concert seit Gründung des Vereins. Das Dettinger\nTe De um von G. F. Händel und die fünfte Sinfonie in C-moll\nvon Beethoven.\nIss&sel. In den Tagen vom 6. bis 9. Mai fand hier das 29,\nschweizerische Musikfest Statt. Im ersten Concerte in der Münster-\nkirche wurde HändeFs ~Jephtatf, im zweiten eine Fest-Ouverture von\nA. Walter, eine Mozart'sche Concert-Arie, eine Kirchen-Arie von\nStradella, das Violin-Concert von Beethoven, der erste Act der , Al-\nceste\" von Gluck und die 9. Sinfonie von Beethoven aufgeführt.\nIPttris. Beethoven's Fidelio wird nur noch einige Aufführun-\ngen haben, da Madame Viardot und Herr Bataille (Rocco) ihren\nUrlaub antreten.\nEine einactige Operette von Flotow: „Pianella*, gefällt und ist\nauch schon bei Brandus & Dufour erschienen.\nRoger macht jetzt eine Kunstreise durch den Süden von Frank-\nreich, immer noch mit ganz ungewöhnlichem Erfolg.\nAm 25. Mai fand im Salon Erard eine vorbereitende Versamm-\nlung zu dem Congress für die Restauration des Choralgesangs und\nder Kirchenmusik Statt.\nHeinrich Wieniawski ist nun dauernd an Petersburg ge-\nfesselt. Als Kammer-Virtuose des Kaisers, Professor an der kaiser-\nlichen Musikschule und Solospieler in der Oper bezieht er ein Ge-\nhalt von 3000 Rubeln."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "177", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600602-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nAnna Schechner, Henriette Sontag und ihre Zeit. (Alte Erinnerungen von Fr. Tz. Beethoven's Fidelio in\nParis (Schluss). Aus Frankfurt am Main (Cäcilien-Verein Coneert im Theater zum Andenken F. Messer's). Von nn.\nTages- und Unterhaltungsblatt (Barmen, Kirehen-Coneert München, Coneert des Oratorien-Vereins Prag, Coneerte des Cä-\ncilien-Vereins Basel, Musikfest Paris, Fidelio, Flotow's „Pianella1, Boger Heinrich Wieniawski).\n\nAnna Schechner, Henriette Sontag und ihre Zeit.\n(Alte Erinnerungen von Fr. Tz.)\nDer Sommer des Jahres 1827 war ein für die Thea-\nterfreunde Berlins unterhaltender. Jenseit der Spree, auf\ndem Alexanderplatze, stand die Königsstädtische Oper in\nüppigster Blüthe. Nicht im Thiergarten, sondern auf der\nKönigsstrasse war allabendlicher Corso. Die Wagenreihe\nrückte in geschlossener Folge von der Kurfürstenbrücke\nbis an die Thüren des damals noch jugendlichen, aber\nauch reizend jugendfrischen einzigen „Zweiten Theaters\"\nnur langsam vor. Henriette Sontag weihte jeden Tag\nzu einem Kunst-Sonntag, und der Generalstab, der sich\nsingend um sie reihte, der lange, dünne Spitzeder mit\nder dicken Bassstimme und dem Buffo-Talent ohne Glei-\nchen, der markige, tiefe Bariton Wächter., der süssflö-\ntende Tenor Jäger —hübsch war er nicht, aber bezau-\nbernd sang er—, war denn doch wohl noch etwas An-\nderes als das, was uns jetzt Italien geschickt, was jetzt als\nNon plus ultra bewundert und beräuchert worden. Dem\nguten, kunstsinnigen Grafen Brühl ward die hohe Stirn\nheiss, einmal von der Sonne, die in jenem Jahre es weit\nweniger an warmen Strahlen für die Erde fehlen liess,'\nwie die diesjährige, und dann von der Gluth des Enthu-\nsiasmus, die vom Alexanderplatze verderblich für das Kö-\nnigliche Theater herüberwehte. Und die Königliche Oper\nwar damals doch eine respectable; für die Wahrheit die-\nser Bemerkung sprechen die Damen-Namen Milder,\nSchultz, Seidler, auch der beiden talentvollen Novizen\nHoffmann und Carl, die der Herren Bader, Stümer,\nB 1 um, Wauer, Gern (Vater). Das alte Gute musste\naber vor dem Neuen weichen, wenn auch nur momentan.\nDamals, wie jetzt. Unser altes Opernhaus bot, mochte man\nauch Spontini's kolossale Tongebilde mit kolossalem Pomp\nvorführen, einen tristen, leeren Anblick dar. Womit dem\nNeuen aul dem Alexanderplatze ein Paroli biegen? fragte\nsich Graf Brühl, und antwortete sich selber: „Mit etwas\nNeuem, mit Gästen!\" Und so geschah es. So weit die An-\nnalen unseres Hoftheaters reichen, dürften wohl in keinem\nJahre so viele fremde Künstler die beiden berliner Hof-\nbühnen betreten haben, wie in den wenigen Sommermo-\nnaten 18*27. Man höre. Im Ballet: Stullmüller, damals\nein junger Mann, der seitdem Mitglied unseres Ballels ge-\nblieben; Briol, der Grotesktänzer, wie wir seitdem nicht\nwieder einen ähnlichen hier gehabt; der feurige\nund die hochbusige Demoiselle Fourcisy. Im Schauspiel:\ndie unvergleichliche, zu früh dem Tode verfallene Sophie\nMüller, die Herren C. Devrient, Fehringer, der\noriginelle Charakterspieler Paulmann, Kriete, v. Ka-\nwaczinsky, Meck, Gassmann, La Roche, dieser da-\nmals noch Schauspieler und Sänger, an einem Abende als\nFranz Moor, am nächsten als Bartolo im Rossini'schen Bar-\nbier auftretend. In der Oper: die Catalani—noch kräf-\ntig als Semiramis, Mithridat und als Pauken und Trompe-\nten übertönende God save the iT«»/-Sängerin glänzend —,\nSabine Heinefetter, die Kraus-Wranitzky, Herr\nund Madame Cornet, Heckscher, Sieber. Fritze,\nKöckert, Babbnig, Hildebrand, dann die Son-\ntag und Nanette Schechner. In Summa also sechs-\nundzwanzig Gäste. Mehr konnten die Berliner nicht ver-\nlangen und Besseres theilweise auch nicht, denn die Mehr-\nzahl der Namen hatte damals in der theatralischen Welt\nruhmreichen Klang.\nHenriette Sontag, die gefeierte, bekannte Nachti-\ngall, flatterte zum ersten Male von der Königsstadt zum\nOpernhaus-Platze hinüber am 29. September 1827 und\nerschien als Donna Anna in Mozart's Don Juan. Sie schloss\ndie von uns angeführte lange Reihe der Gastspiele. Eröff-\nnet wurde die Reihe am 23. Mai durch Nanette Schech-\nner als Emmeline in Weigl's „Schweizerfamilie\".\nWir erinnern uns des Tages noch lebhaft. Die Mai-\nsonne brannte mit Juligluth, in der Königsstadt sang die"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "178", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600602-01.1.2", "texte": "Sontag die Sophie in Sargines, und „Dem. Schechner vom\nHof- und National-Theater zu München\" auf den Zetteln\ndes Hoftheaters war bis dahin eine Man\nhatte von ihr nichts gehört, wie dazumal überhaupt von\ndem münchener Theater her, obgleich es zu den besten\nzählte, wenig Kunde nach unserem Norden drang. Schweiss-\ntriefend wanderten wir durch den tiefen Sand des öpern-\nplatzes—ein Sandmeer, in dem man zu jener Zeit wider-\nspänstige Rosse zu zähmen pflegte zu Friedrich's des\nGrossen Kunsttempel. In den Logen vereinzelte, Berlin be-\nsuchende Fremde, im Parquet und Parterre eine Oede, in\nwelcher de Bach, der „spanische Reiter aus dem Thier-\ngarten\", bequem seine Pferdekünste hätte zeigen können,\nohne Jemanden überzureiten. Der Vorhang ging auf, und\nnachdem die Herren Becker und Louis Schneider durch\nihr Duett das „kleine, aber gewählte Publicum\" in heitere\nStimmung versetzt hatten, Herr Ed. Devrient diese als Graf\nwieder durch seine Larmovance verscheuchte, erschien end-\n«J 7\nlieh der Augenblick, in welchem die Gastin erschien.\nEine hübsch und kräftig gewachsene Brünette, raben-\nschwarze Haarflechten von dem anmuthigen Haupte nie-\ndersinkend, aus welchem tiefdunkle, aber doch freundliche\nAugen unter starken, sich fast vereinigenden gewölbten\nBrauen schüchtern in das leere Haus schauten. Die Dialog-\no\nworte, welche die Fremde sprach, harmonirten mit der\nSchüchternheit des Blickes, drangen aber in dem innigen,\nsüddeutsch anklingenden Dialekt mit eigentümlichem Zau-\nber zu dem Herzen des Zuhörers. Und nun des Gesanges\nTöne! Die kritischen Habitue's der Oper, die damals das\nParterre besetzt zu halten pflegten, standen und sassen An-\nlangs stumm und lautlos da, als wollten sie ihren Ohren\nnicht trauen.. War es doch wie süsser Abendglocken-Ton\nvon dem Thurme des schweizerischen Bergkirchleins, das\naus der Brust des fremden Mädchens zauberisch durch den\nweiten Raum erklang, auf „Musikgelehrte\" und auf uns\nschlichte Musikfreunde gleichen Eindruck übte, der, kaum\nwaren die letzten Töne der ersten Nummer der Sängerin\nverhallt, nun in einem Hagelsturm von Bravo's sich kund\ngab. Das herzrührende: „Wer hörte wohl jemals mich\nklagen?\" die Preghiera am Anfange des letzten Actes, dann\ndas von Glückjauchzen erfüllte Duett mit Jakob niemals\nhaben diese lyrischen Klänge wohl solche Bedeutung ge-\nwonnen, wie von Nanette Schechner und Wilhel-\nmine Schröder-Devrient. An jenem Abende im Jahre\n1827 war es noch nicht wie heutzutage Sitte, sein Ent-\nzücken in unharmonischen Tönen mitten in die harmoni-\nschen hinein zu brüllen, den Verlauf der Vorstellung\ndurch „Hervorruf bei offener Scene\" zu stören. Man war-\ntete damit bis zum Schlüsse des Stückes oder der Oper,\nund solch ein einfacher Vorruf galt mehr, als jetzt ein halb\nDutzend seilen künstlerisch, in der Regel künstlich geinach-\nter. Als die Vorstellung vorüber, noch zahlreiche Versamm-\nlungen bei Stehely, bei Lutter und Wegener, bei Habel.\nWechselseitige Aus- und Ansprache des Entzückens über\ndas Mädchen aus der Fremde. Allgemeine Uebereinstim-\nmung, dass es ja eine Wunderstimme, in ihrem Genre eben\neine solche Rarität sei, wie die der Sontag. Am nächsten\nTage Fortsetzung des Entzückens, das selbst durch das\nnun als Gastrolle folgende Freischütz-Aennchen rege er-\nhalten wurde, bei der dritten, dem „Fidelio\", aber schon\nsich zu veritablem „Cultus\" des vollen Hauses gestaltete.\nIm Jahre 1827 beschäftigte Berlin noch nicht Herren- und\nAbgeordnetenhaus, das Intt iguenspiel Louis Napoleon's war\ndazumal noch keine auf dem Repertoire des Welttheaters\nstehende Tragi-Komödie; Kunst, Literatur, Theater, dane-\nben die Zelte und der „Schulgarten\" lieferten Stoff zur\nUnterhaltung. Die Parole des Tages war Henriette Son-\ntag, ward nun daneben Nanette Schechner. Als komi-\nsches Intermezzo drängten sich nur die zwölf Schneiderge-\nsellen dazwischen, die am 29. Mai die zur Hochzeitsfeier\nSr. K. Hoheit des Prinzen Karl im Opernhause gegebene\nFrei-Redoute mit Hülfe eines Entree-Billets und eines\ngemeinschaltlichen Domino's besucht und an dem Gratis-\nBuffet nach einander fürchterliche Verwüstungen angerich-\ntet hatten, während die Bedienung des Büffets über die\nHeldenleistungen des vermeintlichen einen Schneiders in\nnicht geringes Erstaunen versetzt ward. Man war damals\nnoch sehr genügsam in dem, was zur Unterhaltung diente,\ndie Kunst bot aber sicher eben so viel und vielleicht noch\nmehr Gutes dar, um selbst die Ungenügsamkeit von heute\nzufrieden zu stellen.\nMadame Sontag, die dem Hauswesen ihrer gefeier-\nten Tochter vorstand, hatte mich eines Tages zu Tisch ge-\nladen. Die Familie, zu der auch noch die zweite, jetzt als\nNonne in einem sächsischen Kloster weilende Tochter\nNina gehörte, wohnte damals in der ersten Etage des dem\nfrüheren Königstädtischen Theater gegenüber liegenden\n„Kaiser Alexander\". Henriette war ein liebes, naives Mäd-\nchen, dem es Spass machte, mich zu necken und sich an\nmeiner damaligen schüchternen Ehrfurcht, die mich gros-\nsen Künstlern gegenüber beherrschte und manche komi-\nsche Verlegenheit herbeiführte, zu ergötzen. Ich musste\nauch an jenem Tage scherzhafte Vorwürfe hören, dass ich\nihr seit mehreren Abenden „untreu\", Partisan der Schech-\nner im Opernhause geworden. Sie trieb mich mit diesen\nVorhaltungen gewatlig in die Enge, sogar bis zu der eines\nkomischen Lustspiel-Naturburschen würdigen hervorge-\nstammelten Entschuldigung, dass ich sie ja noch länger und\nöfter hören könne, während die Schechner ja nur kurze\nZeit in Berlin verweilen würde. Darüber wurde dann viel"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "179", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600602-01.1.3", "texte": "„gelacht und geläppscht\", wie der alte Geheimerath Heun-\nClauren, der auch zu den intimsten Freunden der Sontag\ngehörte, gesagt haben würde. Nach der Beendigung jenes\nDiners eröffnete die heitere Künstlerin mir, dass sie meine\nAufrichtigkeit belohnen, mich auf einer Ausfahrt mitneh-\nmen würde. Eine Spazirfahrt an der Seite der schönen\nHenriette, das war damals eine Gunst, deren Werth die\nheutige Generation nicht zu ermessen im Stande. Ich war\nganz ungeheuer selig, als Begleiter der Künstlerin durch\nden Thiergarten rollen zu dürfen, am nächsten Tage der\nGegenstand des Neides meiner Freunde zu sein. Es ging\naber nicht in den Thiergarten hinaus, wir hielten vor dem\nOpernhause. „Da die Schechner doch nur kurze Zeit in\nBerlin verweilt und Sie mir nicht zürnen sollen, dass ich\nSie um einen Abend gebracht, habe ich für uns zu heute\neine Loge genommen\", eröffnete mir die unvergessliche\nKünstlerin, während wir nach dem ersten Range hinauf-\nstiegen.\nMan gab an jenem Abende die „Iphigenie in Tauris\".\nDie Schechner in ihrer edlen Einfachheit des Spiels, in\ndem unbeschreiblich glockenklingenden, musicalischen Vor-\ntrage die grösste Musik-Tragödin. Meine Begeisterung für\nsie trug über die Rücksichtnahme, auf die ich mich prä-\nparirt, gegen meine schöne Gönnerin und Schechner-Ri-\nvalin den Sieg davon. Ich applaudirte mir die Handschuhe\nentzwei, zuckte ängstlich zusammen, als sich Henriettchen-\nrasch nach mir umwandte, und hätte ihr wenn die da-\nmalige enge Logen-Bauart es gestattet—dankbar zu Füs-\nsen fallen mögen, als sie lächelnd zu mir sagte: .„So werde\nich die Iphigenie in meinem Leben nicht singen. Klatschen\nSie tüchtig, ich getraue es mir nicht; die Leute würden\nglauben, ich wolle mich dadurch bemerkbar machen.\" Wer\nHenriette Sontag ausser der Bühne zu kennen Gelegenheit\ngehabt, wird diese Bemerkung des bescheidenen Wesens\nals eine ganz natürliche betrachten. Das Publicum schwamm\nauf den Wogen der Begeisterung für die fremde Sängerin.\nAm nächsten Sonntag wieder eine Einladung zum Son-\ntag-Diner. Ausser der Familie Niemand anwesend, als nur\n—Nanet te Schechner. „Der schüchterne Jüngling wird\nSie nicht mit breiten, bewundernden Complimenten geni-\nren, liebes Nanettchen! Seine Bewunderung concentrirt\nsich in seinen Händen, sein Mund ist stumm!\" Mit diesen\nWorten ward ich von der heimischen Sängerin der frem-\nden vorgestellt, und ich machte solcher Empfehlung Ehre.\nWas ich vielleicht doch noch in zierlicher Rede zuwege\nhätte bringen können, ich behielt es bescheiden für mich.\nEin einundzwanzigjähriger Kunst-Enthusiast trat 1827\nüberhaupt noch nicht mit solchem Selbstvertrauen auf seine\nWeisheit auf, wie ein dito vom Jahre 1860. - Dafür\nwurde aber bei Tische und dann beim Kaffee allerlei Lu-\nstiges geplauscht. Das verstand die Sontag aus dem Fun-\ndamente, und es stand ihr gar reizend, wenn sie sich im\ngemüthlichen wiener Dialekt gehen liess. Wh\" haben schon\nder Schüchternheit der Schechner erwähnt. Diese aber\nschwand bei dem ungenirten Plaudern; sie legte die Zwang-\nsjacke der „hochdeutschen\" Conversationssprache ab und\nschwätzte gar zutraulich in ihrem „münchener\" Jargon,\neinem Geschwisterkind des österreichischen. Sie war durch\nund durch ein echtes, schlichtes Naturkind; pikanter Witz\nwar ihr nicht eigen, der heitere, freundliche Scherz ihr aber\nnicht fremd. So, als an jenem Tage die Sontag den der\nSchechner von den Berlinern beigelegten Titel: „DasMäd-\nchen aus der Fremde\", schäkernd auf das Tapet brachte\nund „Sie war nicht in dem Thal geboren\" recitirte, ant-\nwortete die Münchnerin lächelnd: „Freilich nicht im Thal,\naber „„in der Au\"\". „Das Thal\" ist nämlich eine mün-\nchener Strasse, vorzugsweise bewohnt von wohlhabenden\nBierbrauern, Bäckern und anderen Gewerbetreibenden, die\n„Au\" dagegen eine münchener Vorstadt, die Wohnstätte\narmer Arbeiter-Familien. Aus einer solchen war die Schech-\nner geboren; sie soll, wie ihre berühmte vaterstädtische\nCollegin, die längst verstorbene Metzger-Vespermann,\nals unerwachsenes Mädchen in einem dortigen Biergarten\nzur Harfe Liederchen gesungen, die Aufmerksamkeit des\nalten Capellmeisters Winter wie das auch mit der Ves-\npermann der Fall—erregt und dieser ihre erste Gesanges-\nAusbildung übernommen, später dann sie in dem Chor des\nHoftheaters placirt haben. Wir kommen auf ihre Ausbil-\ndung noch schliesslich zurück. Bei jenem Diner offenbarte\nsie, wie das den Münchenern eigen, eine unbegränzte Vor-\nliebe für ihre Vaterstadt. „In Berlin sei es freilich gar\nschön, aber so schön wie „ „bei uns daheim\" \" doch nicht.\nHier Alles so „„vornehm\"\", bei uns aber weit lustiger.\nUeberall und alle Täg' Tanz und Musi!\" Und wie sie auf\ndie „Musi\"—echt münchnerisch die erste Sylbe lang, die\nzweite kurz prononcirt kam, vom Stuhl aufgesprungen\nund mit dem Ausrufe: „Ich werd' Ihnen halt was Münch-\nnerisches singen!\" zum Ciavier. Und nun ging's „traurig\nund lustig\" durch einander, zarte Alpenliedchen und derbe\n„Schnaderhüpfeln\", und weil das „dumme Ciavier\" dazu\nnicht passte, wurde die nationale Zither hervorgeholt, aus\nder die Schechner gar innige Klänge hervorzulocken ver-\nstand. Kaum hatte sie ein Liedchen geendet, so stimmte\ndie Sontag ein anderes an, bis endlich Nanettchen und\nJettchen zusammen jubelten und ihre Sangeslust durchs\nZimmer schmetterten, wie ein paar frische Nachtigallen.\nLänger als einen Monat weilte damals die vielliebe\nSängerin in Berlin. Ihre Ves talin entzückte mächtig die\nlauschenden Hörer; selten wohl hat auch Elvira, die ver-\nlassene Geliebte Don Juan's, so das Mitgefühl erregt, wie\n\n[*J"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "180", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600602-01.1.4", "texte": "die der Schechner. Als sie die Annette in der Rossini'schcn\n„Diebischen Elster\" mit all den italiänischen Zierathen\nmeisterhaft sang, meinte dieSontag—vielleicht nicht ohne\nein paar Gran Kunstneid —: „Das hätte ich von ihr nicht\nerwartet!\" Eine seltsame Leistung von ihr war Kreutzens\nwohl wenig bekanntes musicalisches Monodram „Corde-\nlia\", das wir, ausser von ihr, nur noch von der Milder,\naber nicht mit dieser Darstellungs-Meisterschaft, gehört\nhaben. In der Garnisonkirche wirkte sie bei der Auffüh-\nrung des „Büssenden David\" von Mozart und einer Messe\nvon C. M. von Weber mit, „zum Katholischwerden\",\nwie der alte Theater-Habitue in Dienst und Oberst ausser\nDienst v. Treskow sagte. Und als die den Berlinern lieb-\ngewordene Sängerin die Stätte ihres hier doch eigentlich\nneugeborenen Ruhmes verliess, musste die Sontag alle ihre\nLiebenswürdigkeit aufbieten, um aus der Rückerinnerung\nan die Rivalin das Interesse wieder für sich zu gewinnen.\nWas der Schechner noch von Gästen folgte, hatte schwe-\nren Stand. Die imposante Catalani triumphirte wohl mehr\ndurch ihren Weltruf, als durch die kolossalen Ruinen ihrer\neinst Europa durchdröhnenden Stimme.\nNanette Schechner ist seitdem noch zwei Mal nach\nBerlin zurückgekehrt, hat hier erneute Triumphe gefeiert.\nDer Schreiber dieser Zeilen ist nicht Zeuge davon gewe-\nsen. Ich traf die Sängerin im Jahre 1833 in ihrer Heimat\nwieder, durfte im freundlichen Verkehr sie an Berlin im\nJali re 182/ erinnern. Die Freude, die ihr diese Erinne-\nrung bereitete, war von einer gewissen Trauer getrübt.\nEine seltsame Schwäche, die das sonst so kräftige Mädchen\noft befiel, verhinderte sie von Zeit zu Zeit an der frischen\nAusübung ihrer Kunst. Sie fühlte, dass die Kraft mit ihrem\nWillen nicht gleichen Schritt halten wollte, und trauerte.\nDer damalige Intendant, Baron v. Poissl, ein gediegener\nmusicalischer Theoretiker und Praktiker, unter dessen Lei-\ntung sie ihre theatralische Laufbahn begonnen, der ihr mit\nwahrhaft väterlicher Freundlichkeit zugethan war, hatte\nMühe, sie zu trösten. In seinem H ause, das mir ein schwie-\ngerväterliches wurde, habe ich sie noch einmal in wieder-\ngewonnenem Vertrauen aufflammen gesehen. Sie hatte in\ndes münchener Capellmeisters Chelard Oper „Macbeth\"\nein leider nicht in weiteren Bühnenkreisen zur verdien-\nten Geltung bekanntgewordenes Werk—die Lady Mac-\nbeth gesungen, das Publicum in musicalischer Beziehung\nund durch ihre Darstellung in wahrhafte Begeisterung ver-\nsetzt. Ihre ganze düstere Erscheinung übte in der Nacht-\nwandler-Scene dämonischen Eindruck. „Ich kann doch\nnoch singen und werde noch lange singen!\" wiederholte\nsie sich voller Freude. Trügerisches Hoffen! Das rauhe\nKlima der auf hohem Plateau liegenden baierischen Haupt-\nstadt hatte das zarte Instrument bereits zu hart berührt.\nNoch wenige Versuche, sich auf des Gesanges Flügeln zu\nneuem Triumphschwung zu erheben, und es war vorüber,\nAnna Schechner der ausübenden Kunst verloren.\nWir theilen nun zum Schlüsse noch einige nähere No-\ntizen über den Beginn der Laufbahn der Künstlerin mit.\nDass ihre Wiege in einem kleinen Vorstadlhäuschen ge-\nstanden, dass das Kind um kümmerlichen Lohn sein Stimm-\nchen erschallen liess: wir haben es schon erwähnt; auch\ndass der ernste, alte Winter (der Opferfest-Componist)\ndas frühlinghafte Erblühen der Künstlerin gefördert.\nAnna Schechner sang im Chor der deutschen und ita-\nliänischen münchener Oper, die in beiden Gesangesrichtun-\ngen damals glänzende Erscheinungen zeigte, in der ersten\ndie Metzger-Vespermann, die Sigl, die später ihrem\nNamen auch den ihres Galten Vespermann hinzufügte, die\nTenore Bayer und Löhle, Staudach er, Mitter-\nmai er und den famosen Bass Pellegrini, der aus dem\nitaliänischen Mailänder ein guter deutscher Münchener\nward, der italiänischen Oper neben Santini, der Schia-\nsetti und anderen Koryphäen aber auch noch treu blieb.\nGutes allabendlich zu hören, dazu hatte die unbeachtete\nChoristin überreiche Gelegenheit. In der Stille genoss sie\nden Unterricht Winter's und, als dieser starb, den des\nIntendanten v. Poissl. Dass rascher, als man glaubte, aus\nder Choristin eine Solosängerin wurde, förderte der Zu-\nfall. Es war 1824 oder 1825, als der Weber'sche Frei-\nschütz, damals en vogne, auf eine Vormittags-Probe für\nden Abend bei Seite gelegt werden sollte, weil das Aenn-\nchen plötzlich krank geworden. Da tritt aus dem Chor\nein junges Mädchen zu dem anwesenden Intendanten heran\nmit den Worten: „Bitt' recht schön, gnä' Herr! lassen's\nmich zum Abend das Annerl singen!\" Alles staunt ob sol-\ncher Keckheit. Der Intendant aber sagt: „Meinetwegen,\nAnnerl, sing' du das Annerl!\" Die Probe wird wieder auf-\ngenommen. Abends tritt ein schwarzbraunes Mädel vor die\nLampen und singt die Partie, dass die Münchener vor er-\nstauntem Mundaufsperren kaum zum Bravorufen kommen\nkönnen. Anna Schechner war Solosängerin geworden.\nDie italiänischen Maestri und Sänger, die an dem\nAbende im Theater anwesend sind, wollen der deutschen\nOper diese urplötzliche Eroberung nicht gönnen. Gras-\nsini, Orlandi, Ronconi werfen sich fast gewaltsam zu\nLehrern der Deutschen auf. Sie nimmt dankbar die guten\nitaliänischen Lehren an, bleibt aber unter der Leitung der\nVespermann doch eine gute Deutsche. Unterstützt durch\ndas, was sie von Beiden gelernt, tritt sie im Kreise der\nItaliäner in Cimarosa's „llorazier und Curiatier\" in der\nPartie des Curiatio, in Mozart's „Figaro's Hochzeit\" als\nGräfin auf. Hof und Publicum ist hingerissen von dem sich\nplötzlich so grossartig entfaltenden Talente. Die Königin"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "181", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600602-01.1.5", "texte": "Therese, König Ludwig's Gemahlin, stattet das junge\nMädchen reich aus und sendet sie nach Wien, um ein hal-\nbes Jahr auch dort noch zu hören, zu lernen und auf\ndem Hof-Operntheater der österreichischen Raiserstadt zu\nprüfen, ob München nicht das Talent der Landsmännin\nüberschätzt hat. Sie wird auch in Wien bewundert und\nkehrt nach der Heimat zurück, um dort ihre glänzende\nLaufbahn zu verfolgen, leider eine zu kurze, kaum ein De-\ncennium umfassende.\nAnna Schechner ist, um Nekrologisches zu ergän-\nzen, im Jahre 1806 geboren, verheirathete sich mit Herrn\nWaagen 1832 und starb, tiefe Trauer in der älteren Ge-\nneration der Kunstwelt verbreitend, 1860.\n(Berl. Zeit.)\n\nBeethoven’s Fidelio in Paris.\n(Schluss. S. Nr. 22.)\n„In dieser vielumfassenden Musik muss man auf Alles\nhören, um sie vollkommen zu verstehen. In den Orchester-\nInstrumenten, bald den wichtigsten, bald den unbedeuten-\nderen, liegt manchmal der Ausdruck der Empfindung, der\nSchrei der Leidenschaft, mit Einem Worte: der Gedanke,\nfür den dem Componisten die Singstimme nicht genügte.\nDamit soll aber keineswegs gesagt werden, dass die Ge-\nsangstimme nicht vorherrschend bliebe, wie diejenigen be-\nhaupten, welche Gretry's Ausspruch über Mozart: „er habe\ndas Postament auf die Scene und die Statue ins Orchester\ngestellt\", ewig wiederkäuen, einen Vorwurf, den man erst\nGluck, dann W eber, Spontini und Beethoven gemacht hat,\nund den man stets gegen jeden erneuern wird, der keine\nPlattheiten für die Singstimme schreiben will und dem Or-\nchester, so bescheiden es auch bleibe, doch eine interes-\nsante Rolle zutheilt. Und wahrlich, die Leute, die so schnell\nmit dem Tadel gegen die wahren Meister, dass das Orche-\nster die Stimme beherrsche, bei der Hand sind, geben\nselbst sehr wenig auf die Bescheidenheit des Orchesters;\ndenn wir sehen, wie, besonders seit zehn Jahren, das Or-\nchester in eine Janitscharenmusik, eine Schmiede, eine\nKesselmacher-Werkstatt verwandelt wird, ohne dass die\nKritik sich dagegen empört, ja, während es diese Unge-\nheuerlichkeiten kaum beachtet. Wenn also das Orchester\nlärmend, gewaltig, roh, platt, haarsträubend ist und die\nStimme erdrückt, so schweigt die Kritik; ist es fein, zart,\nverständig, erregt es zuweilen die Aufmerksamkeit des Zu-\nhörers durch Züge von Anmuth, Lebhaftigkeit, Ausdruck\nund bleibt nichts desto weniger in den Schranken des mu-\nsicalischen Drama's, so wird es getadelt. Man verzeiht dem\nOrchester, dass es nichts sagt oder, wenn es mitspricht,\nnur Dummheiten und Rohheiten zu Tage bringt.\n„Aber die Theater sind nun einmal die Oerter, wo\nJedermann ohne Ausnahme mehr Verstand hat, als der\nAutor. Dieser wird als der allgemeine Feind betrachtet.\nVersichert ein Maschinist, dieses oder jenes Musikstück sei\nzu lang, so bekommt er Recht gegen Gluck, Mozart, We-\nber, Beethoven, Rossini. Man erinnere sich nur z. B. an\ndie unverschämten Striche im Wilhelm Teil vor und nach\nder ersten Vorstellung dieses Meisterwerkes. Das Theater\nist für Dichter und Musiker eine Schule der Demüthigung;\njene werden von Leuten belehrt, die keine Grammatik,\ndiese von Menschen, die keine Tonleiter kennen; und alle\ndiese Aristarchen, die ausserdem noch gegen alles auch\nnur anscheinend Neue und Kühne im Voraus eingenom-\nmen sind, haben eine unüberwindliche Vorliebe für klug\nangebrachte Trivialitäten. Von Horazens und Boileau's\nVorschrift:\n„„Füge zuweilen hinzu, öfter noeh streich' wieder aus!\"\"\nüben unsere Opern-Correctoren das Letztere so vortreff-\nlich und nach den verschiedensten Ansichten über Schön\nund Hässlich, Lang und Kurz, dass von einer Partitur, die\nohne Protection eines hohen Namens über alle Theater\nginge, kaum zehn Seiten unberührt stehen bleiben würden.\n„Die sechszehn Nummern des Fidelio sind alle schön,\naber auf verschiedene Weise, und das ist gerade ihr Haupt-\nverdienst. Die ersten Nummern unterscheiden sich von den\nübrigen durch einen reizend einfachen, man möchte sagen:\nfamiliären, Stil, der ganz dem Charakter der Personen an-\ngemessen ist. Im ersten Terzett beginnen schon grössere\nFormen, weitere Entwicklung, reichere und bewegtere In-\nstrumentirung; man fühlt, dass man in das Drama ein-\ntritt, das Pathos verräth sich schon durch fernes Wetter-\nleuchten.\n„Pizarro's Arie ist ein gewaltiges Musikstück, das die\nwilde Freude eines Frevlers, der seine Rachsucht zu be-\nfriedigen hofft, mit erschütternder Wahrheit schildert.\nBeethoven beobachtet ganz und gar in seiner Oper die\nVorschrift von Gluck, die Instrumente nur nach Maassgabe\ndes Interesses und der Leidenschaft anzuwenden. Hier\nschüttelt zum ersten Male das Orchester seine Fesseln ab\nund bricht mit dem furchtbaren Accord der kleinen None\nvon D-moll los; Alles ist Erschütterung, Unruhe, Auf-\nschrei, vernichtender Schlag. Die Melodie der Singstimme\nist allerdings nur declamirt, aber wie! Diese Declamation\nist stets wahr und erreicht späterhin im eine wilde\nKraft, die einen glänzenden Schluss bildet. Es ist bewun-\nderungswerth!\n„In der grossen Arie der Leonore ist das Recitativ\nschön dramatisch, das Adagio himmlisch durch zarten und\ninnigen Ausdruck, das Allegro hinreissend, voll edler Be-\ngeisterung, prachtvoll. leb weiss wohl, dass vortreffliche"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "182", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600602-01.1.6", "texte": "Kunstrichter nicht derselben Meinung mit mir sind; ich\nfühle mich glücklich, dass ich die ihrige nicht theile.\n„Der Eintritt des Allegro durch drei Hörner und Fa-\ngott beschränkt sich auf den Dreiklang von E-dur durch\nanderthalb Octave, und doch bildet er vier Tacte von un-\nglaublicher Originalität. Man könnte allen Musikern, welche\ndiese Stelle nicht kennen, jene fünf Töne zu beliebiger Ge-\nstaltung geben, und ich wette, dass in allen Combinationen\nKeiner die stolze und aufregende Folge mit ihrem frappan-\nten Rhythmus finden würde, die Beethoven daraus gemacht\nhat. Dieses Allegro hat für viele Dilettanten den Fehler,\nnicht eine einzige Phrase zu enthalten, die man behalten\nkann. Diese Leute warten, unempfänglich für die zahlrei-\nchen und glänzenden Schönheiten dieses Satzes, auf ihre\nviertactige Phrase, wie die Kinder auf die Bohne in dem\nKönigskuchen; der Kuchen selbst ist Nebensache, wäre er\nauch noch so vortrefflich. Anderen Zuhörern fällt die Be-\ngleitung mit drei Hörnern und einem Fagott auf, weil diese\nnach ihrer Meinung die Aufmerksamkeit von der Sing-\nstimme abziehe. Diese vier Instrumente spielen ja aber kei-\nneswegs die Rolle von concertirenden, wie z. B. Mozart's\nBassethorn im Titus, sondern sie sollen nur eine Begleitung\nbilden, die mit der Stimmung und den Gefühlen der Sin-\ngenden übereinstimmt und eben desshalb eine ganz eigen-\ntümliche Klangfarbe haben sollte. Dazu eignet sich nun\ngerade der Ton des Horns am besten, und wie Spontini\nihn bei einer Arie der Vestalin, ohne den Fidelio zu ken-\nnen, angewandt hat, so ist er nach Beethoven gar häufig\nvon dramatischen Componisten zu ähnlichem Ausdruck in\nder Begleitung des Gesanges benutzt worden. Jedenfalls\nkonnte nur eine zartfühlende Seele diese Begleitung ein-\ngeben.\n„Welchen tiefen Eindruck macht der Chor der Gefan-\ngenen! Man höre diese ersten Tacte des Orchesters, diese\nsanften, breiten Harmonieen, die sich nach und nach strah-\nlend entfalten, und die Singstimmen, die sich scheu nach\nund nach zum harmonischen Ausdruck verbinden, und\ndazu die melodisch süsse Figur der Blas-Instrumente\ndann die plötzliche Aenderung des musicalischen Colorits\nbei Erscheinung der Wache auf dem Wall und die Wie-\nderaufnahme des Anfangs und der Haupt-Tonart, so na-\ntürlich und reizend schön, dass ich wahrlich nicht versuchen\nwerde, eine Vorstellung davon geben zu wollen. Das ist\nLicht, Luft, Freiheit, Leben, die uns von Neuem gegeben\nwerden! Mancher Zuhörer, der sich bei diesem Chor die\nThräne aus dem Auge wischte, war empört über das\nSchweigen des Publicums nach diesem Stücke; indess ist\nes doch möglich, dass der grösste Theil der Zuhörer davon\nergriffen gewesen ist, da es musicalische Schönheiten gibt,\ndie mehr das Gefühl treffen, als zum Äpplaudiren anre-\ngen.\" [Auch in Paris? Schwerlich!]\nIn dem Duett zwischen Rocco und Fidelio findet Ber-\nlioz in dem6/8-Tact die synkopirte Begleitung in den Blas-\ninstrumenten von höchst eigentümlicher Wirkung, aber\nvollkommen der Situation angemessen. Im Finale des ersten\nActes, dessen düstere Farbe er richtig würdigt, fehlt ihm\ndas Verständniss der Führung und der Rhythmik der Sing-\nstimmen, wahrscheinlich wegen mangelhafter Uebersetzung\ndes Textes. „Da es im Pianoschliesst, Angst und Bestür-\nzung ausdrückend, so applaudirt das pariser Publicum es\nnatürlich nicht; denn an solche Schlüsse ist es nicht ge-\nwohnt.\"\n„Die Instrumentation in der Kerkerscene des Orest\nin Gluck's Iphigenie ist ohne Zweifel schön; aber wie un-\nendlich hoch steht Beethoven über ihm in der düsteren\nIntroduction zu Anfang des zweiten Actes! und—man muss\nes anerkennen—nicht nur, weil er als Sinfonist so gross\nist, sondern weil sein musicalischer Gedanke in diesem Or-\nchesterstücke bedeutender, grossartiger und von unver-\ngleichlich tieferem Ausdruck ist. Man fühlt gleich bei den\nersten Tacten, dass der Unglückliche beim Eintritt in die-\nsen Kerker „ „alle Hoffnung aufgeben\"\" musste. Auf ein\nRecitativ voll schmerzlichen Ausdrucks, das von den Haupt-\nsätzen der Introduction unterbrochen wird, folgt ein weh-\nmuthsvolles Cantabile; der Schmerz wird immer stärker,\nder Flügel des Todes umweht Florestan's Haupt: da er-\ngreift ihn ein holder Wahnsinn, er glaubt sich frei, er lä-\nchelt, Thränen füllen sein Auge, er sieht Leonoren wieder,\ner ist berauscht von Freiheit und Liebe . Beschreibe\nein Anderer diese himmlische Melodie, diesen klopfenden\nPulsschlag des Orchesters, diesen Gesang der Hoboe, die\nwie die Stimme der angebeteten Gattin der Melodie Flo-\nrestan's folgt, diese Steigerung der entzückten Phantasie—:\nich vermag es nicht! Hier ist Kunst auf ihrer erhabensten\nHöhe, Gluth der Inspiration, leuchtender Flug des Genius!\n„Und dann das unheilschwangere, düstere Duett zwi-\nschen Rocco und Fidelio mit dem ergreifenden Gegensatz\nzwischen der kalten Unempfindlichkeit Rocco's und den\nherzzerreissenden Melodieen Leonorens, mit dem dumpfen\nGetön im Orchester, das wie das matte Fallen der Erde\nauf einen Sarg klingt!—Aber es hat kein Coda, keine Ca-\nbalette, keinen Aufschrei am Schlüsse: folglich beharrt das\nPublicum in starrem Schweigen. Das folgende Terzett\nmachte indess mehr Glück bei ihm trotz des milden Schlus-\nses; hier ist der reinste Fluss des Gesanges, der wahrste,\neinfachste und innigste Ausdruck des Gefühls.\n„Das Quartett im Kerker ist ein anhaltendes Gewitter,\ndessen drohender Donner stets zunimmt und das am Ende\nin furchtbaren Schlägen losbricht. Man ist bewegt, ergriffen,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "183", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600602-01.1.7", "texte": "mit fortgerissen, ohne dass man unterscheiden kann, ob\ndiese heftige Aufregung durch den Gesang, durch das Or-\nchester, durch das Spiel der handelnden Personen, durch\ndie Situation hervorgebracht wird. —Es ist ein Wunder-\nwerk von dramatischer Musik, zu dem ich weder bei den\nalten noch bei den neueren Meistern ein Gegenstück wüsste.\"\nZuletzt bemerkt Berlioz noch über den Applaus des Fi-\nnale: „Ohne dieses kolossale Finale irgend herabsetzen zu\nwollen, muss ich doch sagen, dass die ganze übrige Partitur\neben so bewundernswerth ist und dass mehrere frühere\nNummern hoch über demselben stehen. Wer weiss indess,\nob es im Publicum nicht vielleicht eher Tag wird, als man\ndenkt, selbst bei denen, deren Sinn für dieses herrliche\nWerk Beethoven's noch eben so verschlossen ist, wie für\ndie Wunder der neunten Sinfonie, der letzten Quartette\nund der grossen Clavier-Sonaten? Zuweilen scheint ein\ndichter Schleier die Augen des Geistes zu decken, wenn\nsie nach einer bestimmten Region am Himmel der Ton-\nkunst blicken und doch die leuchtendsten Sterne nicht sehen;\naber plötzlich zerreisst, man weiss nicht, wie und wodurch,\njener Schleier, man sieht klar und erröthet, bis dahin so\nblind gewesen zu sein.\"\n\nAus Frankfurt am Main.\n\n[Cäci 1 ien-Verein* Concert im Theater zum Andenken\nF. Messer' s 4]\nDen 27. Mai 1860.\nIch habe Ihnen noch über den Schluss der Abonne-\nments-Concerte unseres Cäcilien-Vereins zu berichten. Das\nProgramm für das vierte (letzte) Concert, wie es noch zu\nAnfang des Winters durch Messer festgestellt war, wurde, so\nweit es die Verhältnisse möglich machten, beibehalten und\nbrachte am 23. Mai in historischer Folge sechs ausgewählte\nkleinere Tonwerke von Astorga, Bach, Haydn, Cherubini,\nSpohr und Hauptmann. Es wird freilich bei solchen Sam-\nmel-Concerten dem Kopfe und Herzen viel zugemuthet;\njedoch ist Nutzen und Notwendigkeit derselben, auch für\ngrosse Vereine, so einleuchtend, dass wohl kaum etwas\nStichhaltiges dagegen angeführt werden dürfte, vorausge-\nsetzt, dass die Auswahl in jeder Beziehung mit Geschick\ngetroffen wird.\nAstorga's charaktervolles, tiefinniges, rührend-weh-\nmüthiges und doch auch, wo es den Worten entspricht,\nerschütternd-grosses Stabat meröffnete die Reihe der\nvorgeführten Werke. Ihm scbloss sich als bedeutendste\nLeistung Bach's wunderbare Cantate „Gottes Zeit\" an.\nBeide Werke, seit 1854 nicht mehr gesungen, waren einem\ngrossen Theile der Mitglieder vollkommen neu, und Herr\nFranz Friederich, der provisorische Dirigent des Ver-\neins, hat sich durch die gründliche Einstudirung dieser\näusserst schwierigen Compositionen ein neues Verdienst um\nden Verein erworben, und auch durch seine sichere und\näusserst gediegene Clavier-Begleitung den tüchtigen Musi-\nker vollkommen bewährt. Haydn's graziöse, kindlich-hei-\ntere Motette „Des Staubes eitle Sorgen\" bildete frei-\nlich einen im ersten Augenblicke nicht anziehenden Con-\ntrast gegen die feierliche Würde und die Gedankentiefe\nBach's, aber die Gesundheit und Frische der Composition\nschmeichelte sich doch mit ihrem idyllisch-sorglosen Cha-\nrakter dem von tiefem, Ernste ergriffenen Gemülhe erhei-\nternd ein. Cherubin i's pompöses mit seinem\nwunderbar-herrlichen Frauen-Terzett Ave verum eröffnete\ndie zweite Abtheilung; ihm schloss sich, nicht ebenbürtig,\nSpohr's Hymne an Cäcilia an, und den Schluss bildete\nHauptmann's Salve Regina, das neben Mendelssohn's\nAve Maria als eine der echtesten Perlen kirchlicher Com-\npositionen unserer Zeit gelten muss. Die Ausführung ohne\nOrchester im Vereins-Locale war eine recht gelungene,\ntheilweise und besonders in den Soli ausgezeichnete. Den\nbeiden wohlbekannten Künstlern, Herren Baumann (Te-\nnor) und Hill (Bass), standen vier Sängerinnen des Vereins\nin sehr tüchtiger Weise zur Seite, die mit grosser Sicher-\nheit und eindringendem Verständnisse ihre schwierigen\nAufgaben lös'ten. Der Verein kann auf dieses Concert mit\nBefriedigung sehen, um so mehr, da die vorgerückte Jah-\nreszeit, die herrlichen, zum Theil schon sehr heissen Mai-\nTage und die mancherlei Abhaltungen einer so rastlos thä-\ntigen Stadt eine nicht unbedeutende Zahl der Mitglieder\nvon den Proben und der Aufführung fern gehalten hatten.\nLetztvergangenen Freitag hat das hiesige Theater ein\nConcert zum Andenken Messer's veranstaltet, in welchem\nneben Mozart's G-moll-§\\nfome und Beethoven's Trauer-\nmarsch aus der JEroicaunter Anderem auch eine Concert-\nOuverture und zwei Lieder des Verstorbenen gegeben\nwurden. Leider war es äusserst schwach besucht, die Lo-\ngen fast ganz leer. Ist diese Thatsache äusserst beschämend\nfür unser Theater-Publicum, besonders der höheren Stände,\nso können wir doch nicht umhin, auch den Veranstaltern\nder Feier einen wesentlichen Vorwurf zu machen. Konnte\nman diese Feier nicht alsbald nach dem Tode Messer's ins\nWerk setzen, so musste man eine Zeit abwarten, wo das\nPublicum sich wieder nach Genüssen der Kunst sehnt, und\neine solche Ehrenschuld nicht abtragen wollen unmittelbar\nnach einer Reihe von Gastvorstellungen Tichatschek's und\nSchnorr's, in der Hauptwoche der Confirmationen, die ge-\nrade die am meisten interessirten Kreise in Anspruch nah-\nmen, zwei Tage vor Pfingsten, wo in der Regel die Kunst\nzu feiern pflegt. Auch fehlte jede aussergewöhnliche Hin-\nweisung auf das, was doch etwas Aussergewöhnliches sein"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "184", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600602-01.1.8", "texte": "\\\nsollte. Um nicht mit diesem empfindliehen Missklange den\nBericht zu schliessen, können wir mittheilen, dass die Zu-\nkunft der Kinder unseres Messer durch die vereinten Be-\nmühungen seiner vielen Freunde in erfreulichster Weise\ngesichert ist.\nWährend der Ferien des Vereins, die bis zum Septem-\nber dauern, wird nun die Stelle des Directors wieder be-\nsetzt werden. Wie weit der Vorstand in seinen Bemühun-\ngen bis jetzt gediehen ist, wissen wir nicht; wir zweifeln\naber nicht, dass er in dieser für das musicalische Leben\nunserer Stadt hochwichtigen Angelegenheit mit aller Um-\nsicht zu Werke gehen wird, und hoffen mit Zuversicht für\nihn auf die bereitwilligste Unterstützung der musicalischen\nAutoritäten Deutschlands, die den Cäcilien-Verein ja als\neine der vorzüglichsten musicalischen Bildungsschulen wohl\nzu würdigen wissen.\n\n---- nn.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nBarmen. Am 18. Mai hatten wir ein schönes Kirchen-\nConcert, in welchem wir die vortrefflichen Orgel-Vorträge des\nHerrn J. A. van Eyken aus Elberfeld hörten, der mit bekannter\nMeisterschaft J. S. Bach's Toccata in F-dur und dessen Choral-Vor-\nspiel: „Schmücke dich, o liebe Seele\", Beethoven's Andante der\nfünften Sinfonie, von van Eyken sehr wirkungsvoll für die Orgel\nbearbeitet, und desselben grosse Phantasie über „Ein1 feste Burg ist\nunser Gott*4 vortrug. Dazwischen führten die Gesang-Vereine von\nElberfeld und Barmen Haydn's Chor: »Die Himmel erzählenMen-\n„Wie lieblich sind die Boten® aus Paulus, einen Choral\naus demselben Oratorium und Händel's Halleluja unter Herrn Musik-\nDirector Schornstein1 s Leitung auf.\nMimchen. Das letzte Concert des Oratorien-Vereins\nbrachte uns am 14. Mai eine Neuigkeit von dem Componisten des\n»Dornröschen\", Herrn von Per fall: das Märchen „Undine\\ Das\nneue Werk wurde nicht nur freundlich aufgenommen, sondern hatte\neinen entschiedenen Erfolg Zugleich bemerken wir, dass „Das\nDo rnröschen\", Gesangstück für Soli, Chor und Orchester, nun\nauch im Ciavier-Aus züge bei Breitkopf & Härtel in Leip-\nzig erschienen ist, der allen Freunden einfacher und melodieenrei-\ncher Gesang-Composition sehr willkommen sein wird. (Vgl. Nieder-\nrheinische Musik-Zeitung, 1859, Nr. 4 und 5.)\nJP!•»£*• In den vier Concerten unseres Cäcilien-Vereins im\nSaale der Sofien-Insel am 20. November und 14. December 1859,\n16. Februar und 28. April 1860 sind aufgeführt worden:\nI. Ouvertüre in D-dur, Nr. 3, aus den Suiten für Orchester von\nJ. S. Bach. Recitativ und Arie aus Rinaldo von G. F. Händel.\nR. Schumann's Musik zu Byron1 s Manfred, zur Concert-Auf-\nführung eingerichtet von Jos. Bayer.\n11. Ouvertüre zu Elisa von Cherubini. Kriegerlied für Män-\nnerchor mit Blech-Instrumenten von A. M. Storch. Das Burg-\nfräulein, für Alt und Orchester von H. Marschner. Umirajici\nPevec, Romanze für eine Männerstimme mit Orchester von Jos.\nLeop Zwonare. Op. 32 (Manuscript). Abendlied von Geibel, für\ndrei Frauenstimmen und Orchester von Franz Lachner (Manu-\nscript). Symphonie mililaire von J, Haydn,\n111. Jubel-Ouverture von C. M von Weber. Wiederholung der\nböhmischen Romanze. Frühlingsbotschaft von Gade. Coneert-Ouver-\nture in D-moll von Ferd. Hiller. Mendelssohn1 s Lorelei\n(Fräul. Prause).\nIV. Hundertstes Concert seit Gründung des Vereins. Das Dettinger\nTe De um von G. F. Händel und die fünfte Sinfonie in C-moll\nvon Beethoven.\nIss&sel. In den Tagen vom 6. bis 9. Mai fand hier das 29,\nschweizerische Musikfest Statt. Im ersten Concerte in der Münster-\nkirche wurde HändeFs ~Jephtatf, im zweiten eine Fest-Ouverture von\nA. Walter, eine Mozart'sche Concert-Arie, eine Kirchen-Arie von\nStradella, das Violin-Concert von Beethoven, der erste Act der , Al-\nceste\" von Gluck und die 9. Sinfonie von Beethoven aufgeführt.\nIPttris. Beethoven's Fidelio wird nur noch einige Aufführun-\ngen haben, da Madame Viardot und Herr Bataille (Rocco) ihren\nUrlaub antreten.\nEine einactige Operette von Flotow: „Pianella*, gefällt und ist\nauch schon bei Brandus & Dufour erschienen.\nRoger macht jetzt eine Kunstreise durch den Süden von Frank-\nreich, immer noch mit ganz ungewöhnlichem Erfolg.\nAm 25. Mai fand im Salon Erard eine vorbereitende Versamm-\nlung zu dem Congress für die Restauration des Choralgesangs und\nder Kirchenmusik Statt.\nHeinrich Wieniawski ist nun dauernd an Petersburg ge-\nfesselt. Als Kammer-Virtuose des Kaisers, Professor an der kaiser-\nlichen Musikschule und Solospieler in der Oper bezieht er ein Ge-\nhalt von 3000 Rubeln."}]}