{"numero_id": "bm-bmtnabi-1860-06-16-01", "volume": "bmtnabi_1860-06-16_01", "ocr_sha256": "cb0ee5651666267b7878e00c3c10d2006af5917782ef0d744fb42743f174a65d", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1860/06/16_01/bmtnabi_1860-06-16_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600616-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1860-06-16-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-06-16_01#c001", "volume": "bmtnabi_1860-06-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "193", "page_fin": "193", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600616-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "193", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600616-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 477, "texte": "Inhalt.\nDas siebenunddreissigste niederrbeinische Musikfest. 11. (Schumann's Sinfonie in B-iur Händel's Samson). Beur-\ntheHungen (1. Sechste Messe von VV. E. Ilorak; 2. Graduale von demselben; 3. Theoretisch-praktische Anleitung zur Herstellung eines\nwürdigen Kirchengesanges von Stephan Lück; 4. Sammlung ausgezeichneter Compositionen für die Kirche von demselben; 5. Psalm 137\nvon G. Vicrling Von M. Aus Aachen. Von N Orgelbau in Rheinpreussen. Tages- und Unterhaltungsblatt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-06-16-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-06-16_01#c002", "volume": "bmtnabi_1860-06-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "193", "page_fin": "196", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600616-01.2.2", "titre_corps": "Das siebenunddreissigste niederrheinische Musikfest.", "titre_sommaire": "Das siebenunddreissigste niederrheinische Musikfest.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "193", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600616-01.1.1", "debut_caractere": 479, "fin_caractere_exclue": 4111, "texte": "Das siebenunddreissigste niederrheinische Musikfest.\nII.\n(I. s. Nr. 24.)\n[Schumann's Sinfonie in ß- Händel's Samson]\nDas Concert des ersten Tages (den 27. Mai) begann\nmit der Sinfonie Nr. I. in von Robert Schu-\nmann.\nDie Ausführung war genau und schwungvoll, bis zur\nVollkommenheit trefflich in den Saiten-Instrumenten. Wie\nsie diese starke Seite des diesmaligen Fest-Orchesters of-\nfenbarte, so verrieth sie auch die Schwächen mancher\nBlas-Instrumente, z. B. der Hoboen, Fagotte, welche kei-\nneswegs mit dem Geigen-Quartett auf gleicher Höhe\nstanden.\nDas Publicum nahm jeden Satz der Sinfonie mit lau-\ntem Applaus auf; wir müssen der Wahrheit die Ehre ge-\nben und bemerken, dass es das erste Mal war, dass wir\nein Orchesterwerk von Schumann hier am Rheine von dem\nganzen versammelten Publicum mit so lebhaftem Beifalle\ngekrönt sahen. Auch die Sinfonie in D-moll, die auf einem\nfrüheren Musikfeste in Düsseldorf (1853), von Schumann\nselbst dirigirt, grossen Erfolg hatte, fand doch nicht so all-\ngemein entschieden günstige Aufnahme, wie die jetzt auf-\ngeführte. Wir sind weit entfernt, diese günstige Aufnahme\nvorzüglich der vortrefflichen Ausführung zuzuschreiben:\nder innere Werth des Werkes trat nur durch diese so\nhervor, dass er nothwendig zur vollen Anerkennung kom-\nmen musste.\nWer das rheinische Publicum kennt, wird sich über\ndiese Anerkennung, die man eine späte nennen könnte,\nnicht wundern. Es hat zwei charakteristische Eigenschaf-\nten: es ist sehr empfänglich für das Kunstschöne, das ihm\nin Einfachheit und Wahrheit und in vollendeter Form ent-\ngegentritt, aber zugleich so selbstständig und eifersüchtig\nauf sein eigenes Urtheil, dass jede übertriebene Anpreisung.\nzumal wenn sie von einer Colerie ausgeht oder danach\nschmeckt, allein hinreichend ist, um es in die Opposition\nzu treiben. Wenn es z. B. bei der Erscheinung von Schu-\nmann's dritter Sinfonie in Es-dhiess: „Das neue Werk\nSchumann's reiht sich kraft der umfassenden Welt-\nanschauung, die es in sich birgt, den Erscheinungen\nauf dem Gebiete der Tonkunst als geschichtlich not-\nwendiges Glied an und stellt sich somit dem Bedeutend-\nsten, was geleistet worden, ebenbürtig zur Seite. In Beet-\nhoven's Werken der letzten Periode findet es seinen\nAusgangspunkt [also die 111., IV., V., VI., vielleicht\nauch die VII. und VIII. Sinfonie Beethoven's liegen weit\ndahinter!] und bei ihnen zunächst das Verständniss\nseines Inhalts\" [also nur zunächst; das Studium von\nBeethoven's letzten Werken vermag mithin das Verständ-\nniss Schumann's nur erst anzubahnen!!]—so ist so etwas\ngenügend, die vernünftigen Kunstfreunde am Rheine nicht\nbloss zum Lachen zu reizen, sondern es empört sie und\nverschliesst ihr Ohr dem willigen Anhören.\nGegenwärtig wirkt dieselbe Sippschaft durch ihr nega-\ntives Verhalten gegen Schumann bei uns und in vielen Ge-\ngenden Deutschlands für ihn, und zwar aus denselben\nGründen. Sie will das Publicum nämlich, indem sie Schu-\nmann fallen lässt, mit Gewalt in die Hallen führen, die\nKritiker aber gar nicht hineinlassen, in denen sie die Bil-\nder „unserer drei grossen Zukunftsmusiker Ber-\nlioz, Wagner und Liszt\" aufgestellt hat, und von ihnen\nrühmt, „dass sie nie gesonnen waren, bei der Kritik erst\num ein Maturitäts-Zeugniss zu betteln, das sie von Gottes\nGnaden mit auf die Welt brachten und durch Werke,\nnicht durch WTorte bethätigen.\" (N. Leipz. Zeitschr. f.\nMusik, 1858, Nr. 7.) Dadurch erreicht sie gerade das\nGegentheil ihrer Absicht; sie macht alle Welt aufmerksam\nauf den grossen Unterschied zwischen Schumann und den\n„Zukunftsmusikern\"*), und hat eine Reihe von jüngeren\n*) Herr Wagner wird sich auch aus diesem Citate, wie aus"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "194", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600616-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5358, "texte": "talentvollen Componisten, die Schumann hoch verehren\nund in gewisser Hinsicht seine Schule bilden, bereits da-\nhin gebracht, sich öffentlich gegen die ihnen zugemuthete\nVerwandtschaft mit den Zukunftsmusikern zu verwahren.\nMehr als lächerlich ist übrigens die Dreistigkeit der Be-\nhauptung in dem citirten Passus, die genannten Zukunfts-\nmusiker bedürften keiner „Worte\", um ihr Genie zu be-\nthätigen, da es sattsam bekannt ist, dass niemals ein Com-\nponist so viel Worte von sich selbst und über seine eige-\nnen Werke gemacht hat, als Wagner und Liszt!\nVon diesen Neologen um jeden Preis kommen wir\ndurch die Aufführung von Händel's Samson an dem-\nselben ersten Festtage auf die Paläologen um Alles in der\nWelt, worunter wir nicht die Verehrer des Alten und Mo-\nnumentalen in der Tonkunst, sondern die Fanatiker für\ndie Werke der Alten, von denen sie auch keine Note mis-\nsen wollen, verstehen, weil sie jeder einzelnen eine Heilig-\nkeit und Unverletzbarkeit beilegen, an die der Meister sel-\nber nicht gedacht hat.\nGegen diese müssen wir uns, wie wir schon oft ge-\nthan, wenn es sich um Aufführungen vor dem gros-\nsen Public um handelt, durchaus erklären, auch wenn\ndiese Aufführungen die Werke der grössten Meister des\nvorigen Jahrhunderts, Bach und Händel, betreffen.\nDie Vorwürfe, welche die eingefleischten Alterthüm-\nler den Aufführungen Händel'scher Oratorien, wie sie ge-\nwöhnlich in Deutschland Statt finden, machen, betreffen\nzwei entgegengesetzte Dinge, Zuthat und Wegnahme.\nJ /\nIn Hinsicht auf Zuthat sind sie im Ganzen nachsichti-\nger und fügsamer, da diese nur die Ergänzung der Instru-\nmentirung betrifft, deren Unentbehrlichkeit sich zu stark\naufdrängt, zumal da wir bis jetzt keine Orgeln in unseren\nConcertsälen haben, und, hätten wir sie, keinen Händel,\nder sie spielte, wie Händel sie sich gedacht. Ausserdem im-\nponirt ihnen auch wohl der Name Mozart, der sich von\njenen Zuthaten nicht trennen lässt. Uebrigens begehen sie\ndurch diese Concession eine grosse Inconsequenz gegen\nihre Grundsätze; denn der Messias von Händel und Mo-\nzart ist ja schon nicht mehr reiner Händel, wie sie ihn\ndurchaus haben wollen. Schon Adam Hill er fühlte bei\nseinen Auilührungen des Messias, in der Domkirche zu\nBerlin den 19. Mai 1786 (300 Mitwirkende) und in der\nUniversitätskirche zu Leipzig 1786 und 1787, das Be-\ndürfniss, die Wirkung des Orchesters durch Oboen, Flö-\nten, Waldhörner und Posaunen zu verstärken. Mozart\nwurde durch van Swieten dazu veranlasst und instrumen-\ntirte Acis und Galathea, die Ode auf den Gäcilientag, das\nAlexanderfest und den Messias.\nAllerdings ist auch gegen diese Mozart'schen Bearbei-\ntungen mancherlei, oft auch nicht mit Unrecht, vorgebracht\nworden; auffallend ist aber, dass gerade die historischen\nAesthetiker der Musik das Verdienst jener Bearbeiter um\ndas Bekanntwerden, die Verbreitung und Anerkennung\nHändel'scher Musik, also um die Geschichte seiner Orato-\nrien in Deutschland, fast gar nicht in Anschlag bringen.\nOhne diese Bearbeitungen wären die Schätze Händel's\nvielleicht noch ein Menschenalter länger begraben geblie-\nben und an eine deutsche Händel-Gesellschaft noch lange\nnicht zu denken gewesen!\nUebrigens ist in Bezug auf diese ganze Frage die Be-\nmerkung 0. Jahn's sehr zu berücksichtigen, „dass der\nhistorische Sinn, welcher ein Kunstwerk nur in der Ge-\ni\nstalt, die ihm der Künstler gegeben hat, anerkannt und\nwiedergegeben wissen will, der Zeit Mozart's fehlte.\"\nHat die jetzige Zeit denn aber diesen Sinn? In Bezug\nauf „Anerkennung\" durch Kritik und gelehrte Analyse\nallerdings; allein auch in Bezug auf „Wiedergabe\", auf\nAusführung vor dem grossen Publicum —ich meine nicht\ndie rohe Menge, sondern das musicalisch gebildete und\nmusikliebende Publicum—, vor dem Publicum, das an die\nInstrumental-Klangfülle Mozart's und Beethoven's gewohnt\nist? Das möchten wir nicht zu behaupten wagen. Auch\nglaubt Jahn selbst nicht daran; denn er schliesst den Ab-\nschnitt, der die Mozart'schen Bearbeitungen Händel's be-\ntrifft, mit folgenden Worten (Th. IV. S. 467):\n„Die philologisch-historische Auffassung, welche die\nBildung unserer Zeit so sehr durchdringt, dass wir unsere\nLiteratur und Kunst ganz vorwiegend von diesem Gesichts-\npunkte aus betrachten [die Gelehrten, ja; das Volk aber\nwahrlich nicht], verlangt, dass der Genuss eines Kunstwer-\nkes auf historischer Einsicht und Würdigung begründet\nsei, und dass dieses ganz so, wie es der Künstler geschaf-\nfen hat, zur Darstellung komme. Dass diese im Princip\nrichtige Forderung bei der Reproduction musicalischer\nKunstwerke manche praktisch nothwendige Einschränkun-\ngen erfährt, ist eben so gewiss, als es zweifelhaft ist,\nwie weit das grosse Publicum, das sich den Anfor-\nderungen der Gebildeten fügen muss, für diese Weise\ndes Geniessens fähig ist; jedenfalls ist sehr zu wün-\nschen, dass nicht die Gelehrten den Ton angeben.\"\nWir gehen noch weiter und fragen, ob es überhaupt\nfür die Kunst und insbesondere für die Tonkunst und ihre\n*\nErzeugnisse wünschenswerth und erspriesslich sei, dass wir\nmit überwiegender historischer Auffassung an die Würdi-\ngung und den Genuss derselben gehen, und sind sehr ge-\nneigt, diese Frage zu verneinen, auf die Gefahr hin, für\n\nvielen wieder überzeugen, dass seine Partei und ihre\nVerfechter diesen Namen, mag ihn nun erfunden haben, wer\nda wolle, gebraucht und dabei sogar den Mund recht voll ge-\nnommen haben."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "195", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600616-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5285, "texte": "einen blossen Gefühlsmenschen gehalten zu werden. Das\nhistorische Geniessen erfordert ein Sichzurückversetzen in\neine andere Zeit, in eine andere Gefühls- und Anschau-\nungsweise, mithin eine vorherrschende, beim Geniessen\nstets wachsame Verstandes-Thätigkeit, eine Abstraction.\nDiese ist aber der Gegensatz der Gefühlsthätigkeit, der\nTod jenes überwältigenden Eindrucks der Musik auf das\nmenschliche Herz und Gemüth, gegen den der historisch\nGeniessende geradezu auf seiner Hut sein muss; er bringt\nes nur zum Interesse, während der, der sich rein an das\nKunstwerk, wie es vor ihn hintritt, hingibt, unmittelbar\ndavon ergriffen und begeistert wird.\nDer zweite, gewöhnlich noch stärker betonte Vorwurf\nbetrifft die Auslassungen einzelner Nummern bei den\nAufführungen; nur auf diese, auf die Aufführungen,\nkann sich von der anderen Seite die Widerlegung dessel-\nben beziehen, da es keinem Menschen einfallen wird, bei\nder Herausgabe Händel'scher Oratorien willkürliche\nUnterdrückung einzelner Theile des Ganzen vertheidigen\nzu wollen.\nMan muss aber durchaus die zwei Dinge, Aufführung\nund Herausgabe, unterscheiden. In Bezug auf letztere wird\nNiemand denen das Wort reden, die sich für berechtigt\nhalten sollten, sich bei dem zu begnügen, was man nur\neben einmal hat*). Wir können überhaupt nicht glauben,\ndass es noch Leute gibt, welche wirklich solche Ansichten\nhegten. Gerade weil man endlich auch eine deutsche Aus-\ngabe des vollständigen, sowohl im Allgemeinen als in je-\ndem einzelnen Werke vollständigen, Händel wünscht, hat\nman den Verein zur Gesammt-Ausgabe seiner Werke mit\nFreuden begrüsst, und gewiss würde die ganze musicali-\nsche Welt gegen den Steine aufheben, der sich bei einem\nAbdrucke des bereits Vorhandenen begnügen oder gar ihn\nbefürworten wollte.\nEtwas ganz Anderes ist es mit der Bearbeitung oder,\nrichtiger gesagt, der Einrichtung eines Werkes von Hän-\ndel zur öffentlichen Aufführung. Erlaubt sich eine\nsolche Einrichtung eine Zurechtmachung durch Auslassung\neinzelner Nummern eines Oratoriums und Einschieb ung\nvon Stücken aus einem anderen, wie es wohl schon einmal\ngeschehen (in der Bearbeitung des Jephta), so ist dieses\nallerdings zu verdammen. In einem solchen Verfahren liegt\neine Anmaassung, die unerträglich ist, weil nur Händel\nallein zu solchem Thun berechtigt war. Dass er aber von\ndieser Berechtigung häufig und oft auf sehr auffal-\nlende Weise Gebrauch gemacht hat, ist heutzutage\nkein Geheimniss mehr..Wenn jedoch neuere Bearbeiter sich\nauf diese Thatsache zu ihren Gunsten steifen wollen, so\nist das eben so verwerflich, als wenn die fanatischen Hän-\ndel-Gläubigen Aug' und Ohr dagegen verschliessen und\nsie gänzlich ignoriren.\nMan vergleiche nur z. B. unseren Artikel über das\nOratorium Esther in Nr. 43 des Jahrgangs 1859 dieser\nBlätter, in welchem nach den authentischen Beweisen, die\nJ. Jos. Mai er und F. Chrysander geliefert haben, das\nVerfahren HändePs nachgewiesen ist.\nDass aber schon durch Auslassungen einzelner Nummern\nbei Aufführungen die Händel'schenOratorien eine „furcht-\nbare Verunstaltung\" erleiden sollten, können wir nicht zu-\ngeben. Wir halten vielmehr die Verkürzungen derselben\nfür nothwendig, wenn wir sie unseren Concerten und Mu-\nsikfesten erhalten wollen; nur versteht es sich von selbst,\ndass diese Verkürzungen nach richtigen Grundsätzen aus-\ngeführt werden müssen, d. h. die dramatische Handlung,\nwenn eine solche vorhanden ist, darf dadurch nicht unver-\nständlich und der Haupt-Charakter des Werkes dadurch\nnicht verwischt oder verdunkelt werden. Diejenigen, welche\njedes Oratorium von Händel als einen Bau betrachten, der\neinstürzt, sobald ein Stein daraus hinweggenommen wird,\nwürden Mühe haben, diese Ansicht vor unbefangenen Bich-\ntern auch nur aus einem einzigen derselben zu beweisen.\nSie vergessen gar zu oft, dass Händel Musiker war und\ndass musicalische Rücksichten ihm oft die vorherrschend,\nzuweilen die allein leitenden gewesen sind.\nIm Judas Maccabäus, um nur Ein Beispiel zu geben,\nwiederholt sich die ganze Handlung und die durch sie\nhervorgerufenen Stimmungen und lyrischen Ergüsse. Klage,\nErmuthigung, Sieg bilden den Inhalt vonTheill. und Theil\n11. bis Nr. 7. Mit Nr. 8 {Largo, C-nioll) fängt die ganze\nGeschichte wieder von vorn an: Klage, Ermuthigung, Sieg!\nWenn nun (im ersten Theile) ein Sopran (Andante in A-\nclur) „die goldene Freiheit\" besingt, unmittelbar darauf\nein Tenor (Larghettoin E-dur)„die Freiheit, welche das\nLicht des Tages verschönert\", preis't, und darauf Sopran\nund Tenor in einem Duett (Andantino, A-dur) „die süsse\nFreiheit\" anrufen, wird man dann behaupten wollen, dass\ndurch Ausscheidung einer oder auch zweier von diesen\nNummern das Ganze aus seinen Fugen gerissen und die\nEinheit ganz und gar verletzt werde ?\nWie soll endlich—wenn wir auch mit den Fanatikern\ndurch Dick und Dünn gehen wollten die Authenticität\nder Vollständigkeit festgestellt werden? Welche von den\nbekanntlich unter einander abweichenden und an Zahl der\nNummern in den einzelnen Werken sehr verschiedenen\nAusgaben oder Handschriften soll denn dafür Bürgschaft\ngeben? Haben wir doch sogar für manche Einlagen in\nden Anhängen oder in späteren Abschriften nicht einmal\n[,]\n\n*) Vergl, „Ueber Aufführungen und Bearbeitungen\nHändel'scher Oratorien.\" Niederrh. Musik-Zeitung, 1858,\nNr. 11 und 12, S. 81 ff."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "196", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600616-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5245, "texte": "Sicherheit für die Autorschaft Iländel's! Und so könnte es\nleicht kommen, dass die Parteigänger der unantastbaren\nVollständigkeit auf der Aufnahme von Stücken beständen,\ndie \\ielleicht nicht einmal von Händel herrührten.\nUm nun auf Samson im Besonderen zu kommen, so\nhat allerdings die Bearbeitung durch den übrigens wis-\nsenschaftlich und musicalisch gebildeten J. F. von Mosel\netwa sechszehn Nummern, Arien mit Recitativen, ein\nDuett und einen kleinen Chor weggeschnitten, unter ihnen\nmanche, die der Wiederaufnahme vollkommen würdig sind.\nDass aber, wie es in dem oben angezogenen Aufsatze\nheisst, durch deren Auslassung „dem Werke wie geflis-\nsentlich (!) der Kern ausgebrochen\", dass der Samson da-\ndurch „travestirt\"*, dass er in dieser Gestalt „eine Missge-\nburt von Oratorium sei, welche die Zuhörer als normales\nKunstwerk hinnehmen\", ist eine Behauptung, welche\nsich, ihr Motiv mag noch so edel sein, als zelotische Ueber-\ntreibung kennzeichnet und durch die Tausende, die von\ndieser „Missgeburl\" einen tiefen Eindruck empfunden ha-\nben, widerlegt worden ist.\nSamson ist eine wahre Tragödie, und auch die Mosel'-\nsche Bearbeitung hat den Kern der tragischen Handlung\nbewahrt. Zur Charakterisirung des Helden ist allerdings\ndie Wiederherstellung von einigen Recitativen und Arien\ndesselben sehr zweckmässig; desshalb hat F. Hiller für\ndie Aufführung in Düsseldorf im ersten Theile zwei der-\nselben: Recitativ und Arie in C-moll, Largo, 3/4-Tact:\n„Warum verkündete ein Engel mich?\" und die heroische\nArie in B-dur, Ällegro, 4/4-Tact: „Warum schläft Juda's\nGott?\" —im zweiten Theile die Arie in\n'Vö-Tact: „Dein Reiz, er brachte Verderben mir\", als Er-\nwiderung auf die ebenfalls wieder aufgenommene Arie der\nDalila in A-dur, Largdetto,4/4-Tact („Der Taube gleich\",\nTriller-Arie mit Solo-Violine), mit bescheidener Ergänzung\nder hislrumentirung der MoseFschen Partitur eingefügt,\nwas als eine wirkliche Bereicherung derselben und als eine\nVerschönerung zu betrachten ist. Den Auftritt zwischen\nDalila und Samson noch weiter nach der Original-Partitur\nauszudehnen, ist nicht anzurathen; wer fühlt nicht, dass\nnach dem dramatischen Leben, das in ihm herrscht, die\nbetrachtende Arie Samson's: „Heil sei dem Mann, der fand\nein treues Weib o sclt'ner Fund!—sein Lebensweg ist\nsanft\"—und die nüchterne Reflexion des Chores:\n„Der Rathschluss Gottes gab dem Mann,\nDass ihm das Weib sei unterthan.\nSo wird sein Leben sanft verbracht,\nFrei von des Weibes Eigenmacht*4\nden Eindruck des Vorhergehenden nur schwächen muss?\nDie nun folgende Scene, in welcher der Riese von\nGalh, Harapha in der Original-Partitur geheissen, auftritt,\nhat für die Entwicklung der Handlung so gut wie gar\nkeine Redeutung, und da doch einmal Verkürzungen in\nden Händel'schen Oratorien nolhwendig sind (was selbst\nder Verfasser des oben genannten Aufsatzes anerkennt), so\nhat Mosel einen ganz guten Tact bewiesen, als er dieses\nZwischenspiel nicht aufnahm, zumal da die ewig wieder-\nholte Verhöhnung des blinden und gefesselten Helden und\ndie renommistische Prahlhanserei des Riesen den sonst so\nedel gehaltenen tragischen Charakter des Textes geradezu\nentstellen.\nDie Aufführung am ersten Pfingsltage machte einen\nausserordentlichen Eindruck. Sie gehörte aber auch in dem\nbei Weitem überwiegenden Theile zu den besten und glän-\nzendsten, die wir je gehört haben. Frau Bürde-Ney (Da-\nlila) bewährte sich durch den einfachen und tief empfun-\ndenen Vortrag ihrer Partie als eine echte Künstlerin, die\ndurch die Triumphe, die sie auf ihrer theatralischen Lauf-\nbahn feiert, den Sinn für das Einfach-Edle der ernsten\nMusikgattung nicht verloren hat, aber auch im vollen Be-\nsitze der Mittel.ist, die erfordert werden, um sowohl durch\nFülle und Wohlklang der Stimme, als durch gebildeten\nAusdruck diese Musik zu voller Geltung zu bringen.\nFräulein Francisca Schreck (Micah) hat sich bei\nuns längst in dem Rufe einer vortrefflichen Oratoriensän-\ngerin befestigt. Ihre schöne, volle, zwar nicht sehr umfang-\nreiche, aber in allen Tönen egale Stimme von echtem Alt-\nTimbre ist ganz vorzüglich für die oratorischen Partieen\ngeeignet, und die Vortragsweise hat durch richtige Decla-\nmation und Wärme des Gefühls an dramatischem Aus-\ndruck, der jedoch niemals in Affectat 011 übergeht, bedeu-\ntend gewonnen.\nHerr Schnorr von Carolsfeld (Samson) imponirte\ndurch eine volle und kräftige Tenorstimrae von Barilonfär-\nbung, welche ihn besonders befähigte, dem heroischen\nElemente seiner Partie auf glänzende Weise gerecht zu\nwerden. Wenn wir nun noch erwähnen, dass Stockhau-\nsen den Manoah sang, so brauchen wir wohl für nieman-\nden, der diesen Sänger gehört hat, hinzuzufügen, dass\ndiese Solo-Partie dieses Mal so bedeutend hervortrat, wie\nwohl kaum irgendwo bei früheren Aufführungen.\nDer Chor, der im Anfange nicht recht zu voller Drei-\nstigkeit und Zuversicht zu kommen schien, entwickelte nach\nund nach eine herrliche Kraft und prächtigen, frischen\nStimmenklang neben grosser Präcision. Seine Leistungen im\nzweiten und dritten Theile waren gross und schön, ergrei-\nfend und oft im Einklänge mit dem starken Orchester von\nüberwältigender Wirkung. Aber auch das Publicum zeigte\nsich solcher Leistungen würdig, denn fast alle Chöre wurden\nmit anhaltendem, stürmischen Applaus aufgenommen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-06-16-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-06-16_01#c003", "volume": "bmtnabi_1860-06-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "197", "page_fin": "198", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600616-01.2.3", "titre_corps": "Beurtheilungen.", "titre_sommaire": "Beurtheilungen.", "signature_source": "M", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "197", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600616-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5090, "texte": "Beurtheilungen.\n\n1. Sechste Messe, D-moll, für 4 Singstimmen, 2\nViolinen, Viola, 2 Oboen, 2 Horner, 2 Trompe-\nten, Pauken, Contrabass mit Violoncell und Orgel,\ncomponirt von W. E. Horak, Chor-Director in\nPrag, Ehren-Mitglied des Mozarteums. Breslau,\nLeuekart. 2 Fl.\n2. Gr aduale von demselben mit derselben Besetzung\nlür Tenor-Solo. Preis Ngr.\nEs gibt auf dem Gebiete der katholischen Kirchen-\nmusik gegenwärtig drei Parteien; die Einen wollen aus-\nschliesslich das Mittelalter, die Anderen lieben mehr Mo-\ndernes, die Dritten suchen vermittelnd Beides möglichst zu\nvereinigen. Wem da Hecht zuzuerkennen ist, dürfte schwe-\nrer, als man glaubt, endgültig zu entscheiden sein; die\nZeit wird wohl auch hier läuternd wirken. Bis dahin mö-\ngen die drei Lager friedlich neben einander bestehen. Die\nhier verzeichneten Compositionen zählen zur zweiten Classe;\nSchnabel könnte mit Vorbild gewesen sein; auch in Mo-\nzart's ersten Messen mag der Componist Studien gemacht\nhaben. Die Melodie herrscht durchweg vor; selbst in Chor-\nsätzen führt eine Stimme den Vorsitz und ist maassgebend.\nDie contrapunktischen Verschlingungen scheinen wohl der\nleichteren Fasslichkeit halber ausgeschlossen worden zu\nsein; dass jedoch der Componist in ihnen heimisch ist, be-\nweisen die mitunter eingedochtenen fugenartigen Sätze. Die\nInstrumentation ist einfach und gewählt; die beigegebene,\ngeschickt gearbeitete Directions-Stimme ermöglicht es\neinem geübten Orgelspieler, das Werk auch ohne Instru-\nmente aufzuführen.\n3. Theoretisch - praktisch e Anleitung zur\nHerstellung eines würdigen Kirche nge-\nsanges von Stephan Lück, Dom-Capitular in\nTrier. Zweite Auflage. B. Braun in Trier.\n4. Sammlung ausgezeichneter Compositio-\nnen für die Kirche, herausgegeben von eben-\ndemselben. Ebendort. 2 Bände.\nDiese zwei Werke gehören unbedingt in die erste\nClasse. Das erste, die Anleitung, beschäftigt sich nach\neinem kurzen geschichtlichen Ueberblicke mit den unver-\nmeidlich zu wissenden grammaticalischen Hegeln der Mu-\nsik überhaupt und der Gesangeskunst speciel. Sehr lasslich\nsind da namentlich die Erörterungen über die alten Ton-\narten, deren Entstehung, Charakter und Vortragsweise;\nüberhaupt fehlt kein Terminus von Belang, der nicht er-\nklärt wäre. Die zahlreichen Uebungs-Beispiele ergänzen das\ntheoretisch Vorgetragene; es ist kein Zweifel, dass diejeni-\ngen, welche den Lehrgang des Büchleins genau befolgen,\ngrossen Nutzen daraus ziehen werden. Ueberflüssig ist die\nBemerkung, dass der Verfasser die zahlreichen Vorurtheile\nund Bedenken, welche gegen die alte Musik erhoben wer-\nden, nicht theilt; er wünscht sogar, dass in den Schulen\nmit der Vorbereitung derselben begonnen werde. In der\nThat ist wenig zu hoffen, wenn die Gesangkräfte nicht\nschon früh dazu vorgebildet werden.\nDieser seiner Ueberzeugung gab der Verfasser that-\nsächlichen Ausdruck in dem sub Nr. 4 verzeichneten\nSammelwerke, dessen erster Band 15 Missae und 1 Re-\nquiem, dessen zweiter 80 Motetten enthält. Die Namen\nder Verfasser entheben aller weiteren Kritik; man beges-\n-7 o O\nnet dort Lotti, Galuppi, Casini, Bernabei, Canniciari, Cal-\ndara, Casali, Casziolini, Palestrina, Händel, Lasso, Viltoria,\nMenegali, Allegri, Perti, Martini, Berchem, Anerio, Vechi,\nCroce, Viadana, Colonna, Pitoni, Calegari, Pisari, Cifra,\nPrenner, Foggia, Giorgi, Nanini, Palota, Willaert, Maren-\nzio, Tamburini, Soriano u. s. w. Es ist somit die ganze\nZeit der classischen Kirchenmusik vertreten; es finden sich\nauch leichter verständliche Compositionen, deren Auffüh-\nrung auch den kleinsten Chören möglich ist. Unter den\nMissen ist die berühmte Papae unter den Mo-\ntetten stehen Psalmen, Magnificaßesponsorien für die\nCharwoche, marianische Antiphonen,\nDeum. Die Notirung ist modern, die Tonhöhe der Zeit\nangepasst, selbst die Tactart oft verändert (?); ferner ist\ndie Bewegung näher bestimmt und dem lateinischen Texte\neine deutsche Uebersetzung beigefügt. Selbstverständlich\nD O o\nmüssen die Werke ohne Orgel gesungen werden. Das\nGanze ist wohlfeil und handsam.\n5. Psalm 137 für Chor, Solo und Orchester\nvon Georg'Vierling. Op. 22. Partitur 2 Thlr.\nOrchesterstimmen 2 Thlr. Clavier-Auszug 1 Thlr.\nBreslau, Leuekart.\nDas Höchste in jedem Kunstzweige gehört der Reli-\ngion ; die religiöse Kunstschöpfung soll demnach auch das\nEdelste und Grösste im Menschen in Anspruch nehmen.\nDass die Componisten, ich meine die von der Gottheit da-\nzu Geweihten, derselben Ueberzeugung waren, beweis'l\nder hohe Ernst, mit dem sie an religiöse Tonwerke ge-\ngangen; und wenn das Werk zuweilen hinter dem Willen\nund der Er kenntniss zurückbiieb, so fehlte eben die künst-\nlerische Durchtielüng oder der moralische Kern. Was ist\nnun nach diesen Grundsätzen, die allerdings streng sind,\nwie es das kirchliche Gebiet erheischt, von Vierling zu\nhalten? Meine Meinung beruht auf der gründlichen Durch-\nsicht des vorstehenden Werkes allein, kann sich also nur\nauf dieses beschränken. Die Composition des Psalmes 137\naber hat mich lebhaft befriedigt; es bekundet sich der\nComponist als höchst gewandt in der Handhabung der\ncontrapunktischen Formen, von der einfachsten Imitation"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "198", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600616-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2609, "texte": "an bis zur complicirtesten Fuge. Belege dafür sind der\nerste und der letzte Satz. Einige Unklarheiten, veranlasst\ndurch zu häufige, oder besser gesagt: zu lange forttönende\nDurchgangs-Noten, dürften durch sehr präcisen Vortrag\naller Stimmen ausgeglichen werden; gleichwohl wird der\nComponist wohl daran thun, solche Herbheiten, die leicht\nvermeidbar sind, zu umgehen; es kann dadurch die Ein-\nbürgerung seiner Werke nur gewinnen. Die Musikwerke\nwerden zuletzt doch für das Publicum geschaffen; dieses\nhat daher auch wohl ein Recht, zu verlangen, dass das,\nwas ihm geboten wird, verständlich und seinem Ohr und\nGemüth wohlthuend sei. Dass der Componist der Tenor-\nstimme einen Solo-Vortrag gab, kann nicht getadelt wer-\nden; es steht die individuelle Auffassung der Psalmverse\ndem Künstler jedenfalls frei, und es ist für dieselben ein\nBeweis ihres universalen Charakters, dass trotz der ihnen\ninnewohnenden unverrückbaren Basis gleichwohl Jeder sie\nseinen Gefühlen und seiner Anschauung anpassen kann.\nDas Recitativ ist wundersam schön und ausgezeichnet in-\nstrumentirt; die Worte sind psychologisch ganz richtig er-\nfasst und demgemäss in Töne umgesetzt und verschiedenen\nRhythmen angepasst. Vielleicht findet ein überstrenger\nKritiker sie zu dramatisch und menschlich leidenschaftlich\ngemalt; aber wer kann die Gränze genau bezeichnen? und\nist nicht die ergreifende Scene eine durchweg dramatische\nim reinsten Sinne dieses Wortes? Der Componist denkt sich\nden Führer oder Hohenpriester des israelitischen Volkes,\nzurückerinnernd seine Zuhörer an die Knechtung und den\nHohn, den die Väter erfahren. Wie schön und leicht er-\nklärt sich dann die Auffassung des Ganzen! Vierlingist\nauf dem besten Wege; der religiösen Kunst wird er, wenn\ner nicht ermüdet in seinem ernsten, freilich wenig lohnen-\nden Streben, noch viele schöne Kunstblüthen heranreifen\nlassen. Uebrigens theilt Vierling, was ich nur nebenher er-\nwähnen will, mit Gott wald und Ulrich zugleich das Ver-\ndienst des geistreichsten Arrangements classischer Meister-\nwerke, z. B. von Mozart's und Haydn's Sinfonieen für Cia-\nvier und Violine und der Clavier-Concerte des ersteren für\nvier Hände. Mag vielleicht der Musikgelehrte solchen Ar-\nbeiten weniger Dank wissen, als die darauf verwandte\nMühe und die dazu erforderlichen Kenntnisse ansprechen\nkönnen, so wird doch durch solche Arrangements die Ein-\nbürgerung dieser unverwelklichen Kunstblüthen in die Fa-\nmilien erleichtert, und ist der Besserung des nicht wenig\ngesunkenen Geschmackes sicher mehr damit gedient, als\ndurch tausend Potpourris und Divertissements aus Opern\nund dergleichen.\n\nM."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-06-16-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-06-16_01#c004", "volume": "bmtnabi_1860-06-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "198", "page_fin": "199", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600616-01.2.4", "titre_corps": "Aus Aachen.", "titre_sommaire": "Aus Aachen.", "signature_source": "N", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "198", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600616-01.1.6", "debut_caractere": 2611, "fin_caractere_exclue": 5214, "texte": "Aus Aachen.\n\nDen 9. Juni 1860.\nUnsere Concert-Saison hat Sonntag den 3. Juni auf\neine glänzende Weise mit der Aufführung von J. Haydn's\n„Schöpfung\" geschlossen. Das herrliche Werk hat sei-\nnen alten Zauber auf das ausserordentlich zahlreiche Pu-\nblicum geübt, welches das schöne, neu restaurirte und\nprächtig erleuchtete Theater-Local füllte. Unser Chor hat\ndarin wiederum seinen Ruf auf tapfere Weise bewährt,\nund ihn überhaupt im ganzen Verlaufe des Winters, der\nseine Tüchtigkeit und seinen Eifer auf harte Proben stellte,\nimmer mehr befestigt. Die Chöre wurden in Präcision,\nSchwung und Ausdruck vortrefflich ausgeführt, von unse-\nrem Musik-Director Wüllner mit gewohntem Geschick\ngeleitet, und durch das richtige Maasshalten in den Tempi\nwurde ihnen der Charakter von Glanz und Majestät, den\nder Altmeister hineingelegt hat, vollständig bewahrt.\nDie Soli waren in den Händen von Frau Catharina\nN., geb. D., Ihrer früheren Mitbürgerin, und den Herren\nGöbbeis, Hill und Ackens. Frau N., welche die grosse\nGefälligkeit hatte, die schwierige Aufgabe der Durchfüh-\nrung beider Sopran-Partieen, des Gabriel und der Eva,\nzu übernehmen, hat einen Triumph gefeiert, wie wir ihn\nin unserem Theater nur selten erlebt haben. Wenn schon\nin den beiden ersten Theilen des Werkes das Publicum\nvon ihrem süssen und lieblichen Gesänge entzückt war, so\nhaben doch der innige Ausdruck und die hinreissende\nWahrheit des Gefühls in dem dritten Theile die Zuhörer\ndermaassen enthusiasmirt, dass sie kaum wussten, wie warm\nsie die Bewunderung für die Sängerin und die Dankbar-\nkeit für diesen wiederholten Beweis der Gefälligkeit an\nden Tag legen sollten, den Frau N. ihren neuen Mitbür-\ngern gegeben, deren Sympathieen sie sich ganz und gar\nerobert hat. Herr Göbbels gab uns in der Partie des\nUriel das volle Maass seines schönen Talentes, und wenn\nwir einen vortrefflichen Vortrag der Arie: „Mit Würd'\nund Hoheit angethan\", erwarteten, so müssen wir sagen,\ndass diese Erwartung nicht nur vollständig gerechtfertigt\nwurde, sondern dass dieser Erfolg keineswegs denjenigen\nbeeinträchtigte, den er durch den heroischen Vortrag der\nArie: „Nun schwanden vor dem heil'gen Strahle\", errang.\nHerr Ackens hat Frau N. in der von ihm übernom-\nmenen Partie des Adam ganz vortrefflich unterstützt.\nDie Fortschritte, welche Herr Hill von Frankfurt seit\nseiner letzten Mitwirkung in unseren Concerten gemacht\nhat, sind sehr bedeutend. Seine Stimme hat nicht nur an\nFülle gewonnen, sie ist auch edler geworden. Sein Vor-\ntrag der Partie des Raphael hat einen Grad von Vorzüg-\nlichkeit erreicht, der ihm einen ehrenvollen Platz unter den"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "199", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600616-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 501, "texte": "Oratoriensängern unserer Zeit sichert. Das Publicum hat\nihn mit lebhafter Theilnahme angehört und ihm stürmi-\nschen Applaus gespendet.\nDa sich unsere musicalischen Zustände bedeutend he-\nben und vervollkommnen, so ist es um so erfreulicher, dass\nunser Gemeinderath in richtiger Erkenritniss des\nGrundsatzes, dass die Begünstigung der geisti-\ngen Bestrebungen auch stets dem materiellen\nWohle einer Stadt zu Nutz und Frommen gerei-\nche, den Bau eines neuen, grossen Concertsaales be-\nschlössen hat.\n\nN."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-06-16-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-06-16_01#c005", "volume": "bmtnabi_1860-06-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "199", "page_fin": "199", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600616-01.2.5", "titre_corps": "Orgelbau in Rheinpreussen.", "titre_sommaire": "Orgelbau in Rheinpreussen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "199", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600616-01.1.7", "debut_caractere": 503, "fin_caractere_exclue": 5033, "texte": "Orgelbau in Rheinpreussen.\nWährend es in Köln von der Aufstellung einer wür-\ndigen Orgel im grossen Saale des Gürzenich, als Schluss-\nstein und Hauptzierde des prächtigen Baues, wieder ganz\nstill ist, Elberfeld sich mit der Ausfüllung des Orgel-\nGehäuses in seinem schönen neuen Concertsaale keines-\nwegs zu beeilen scheint, ist in Barmen dem Hause\nAdolph Ibach Söhne bereits der Auftrag zur Aufstel-\nlung einer sechszehnfüssigen Orgel mit drei Ma-\nnualen und Pedal, 44 Stimmen im Ganzen, in dem\nConcertsaale des Gesellschafts-Vereins „Concordia\" ertheilt\nworden. Das ist sehr ehrenwerth und sehr erfreulich für\ndie Kunst, da es in letzterer Hinsicht einen Fortschritt be-\ndeutet, der einem bisher sehr auffallenden Mangel in\nDeutschland abhilft. Denn ist es nicht zu bedauern, dass\nunsere Concertsäle nicht die Möglichkeit bieten, Leistun-\ngen auf dem prachtvollsten Instrumente, das die Menschen\nerfunden haben, und das in den neuesten Zeiten so ausser-\nordentlich vervollkommnet worden ist, darbieten zu kön-\nnen? Man weiss, was für Hemmnisse und Umstände den\nOrgel-Concerten in Kirchen entgegenstehen, und es liegt\nauch in der Natur der Sache, dass nur ausnahmsweise die\nKirche zu rein musicalischen Zwecken zumal gegen ein\nbestimmtes Eintrittsgeld—hergegeben werden kann. Somit\ngeht denn die ganze reichhaltige Orgel-Literatur, welche\ndie grössten Meister von Bach und Händel an so herrlich\nausgestattet haben und die so viel musicalische Tiefe\nenthält, wie kaum eine andere Musik-Gattung, für die\ngrösseren Kreise der Tonkunslfreunde fast verloren. In\nDeutschland gibt es gar viele Organisten, die zuwei-\nlen Präludien und Fugen, Orgel-Sonaten, Trio's u. s. w,\neinsam in ihrer Kirche sich selbst oder zwei bis drei Mu-\nsikern oder Orgelfreunden vorspielen—wenn sie, wohlge-\nmerkt! auch dazu erst die Erlaubniss der vorgesetzten\nkirchlichen Behörden an Wochentagen oder an Sonntagen\nausser der Kirchzeit erlangen. So muss man es denn sehr\nanerkennen, dass endlich eine Stadt den Beschluss fasst,\neine Orgel auch in ihrem Concertsaale aufzustellen,\nwas in den Musiksälen in England seit langen Jahren über-\nall geschehen ist und bei jedem Neubau immer prächtiger\ngeschieht.\nDie Concert-Orgel in Barmen ist die hundertste,\nwelche aus der Werkstatt der Firma Adolph Ibach\nSöhne hervorgeht. Von 1826 —1836 lieferte sie neun,\nvon 1837 —lB4O drei, von 1842 —1845 dreizehn,\nvon 1846 —lB5O achtzehn, von 1851 1855 zwan-\nzig, von 1856 —lB6O siebenunddreissig orgeln,\nworaus man das ausserordentlich fortschreitende Gedeihen\nder Anstalt ersieht. Darunter sind Werke von 32 Stim-\nmen (Elberfeld, lutherische Kirche—Abtei Werden), von\n35 (Düsseldorf, Lambertus-Kirche), 48 (Schwelm, luthe-\nrische Kirche), 54 (Trier, Basilica), 53 (Barmen, evange-\nlische Kirche), 77 (Valencia in Spanien, Metropolitankirche),\n30 (Gürzenich, katholische Kirche), 30 (Köln, neue evan-\ngelische Kirche), 44 (Barmen, im Concertsaale). Der eine\nder Herren Gebrüder Ibach ist gegenwärtig noch in Spa-\nnien mit Aufstellung mehrerer Orgelwerke aus ihrer\nWerkstatt beschäftigt, während ein Dutzend Instrumente\nin den letzten zwei Jahren nach der Havannah gegangen\nsind.\n« ,• . ■ i ; .\nFrankfurt am Main, den 5. Juni 1860.\nDer Referent nn, der sich bewusst ist, stets nach bestem\nWissen der Wahrheit die Ehre zu geben, bemerkt erläuternd zu sei-\nnem Referate in Nr. 23 über das Concert des Theaters »zum An-\ndenken an Messer\", dass er keinen Augenblick bezweifelt, dass der\nTheater-Vorstand bei der Wahl des Tages von der besten Absicht\ngeleitet war und eines günstigen Resultates sicher zu sein glaubte.\nDass er mit den Vorständen der Vereine, die unter Messer's Leitung\ngestanden, lange vorher communicirt und sie um möglichste Verbrei-\ntung dessen, was man beabsichtigte, gebeten hatte, ist dem Referen-\nten unbekannt gewesen. Auch hat dieser erst jetzt von verschiede-\nnen Seiten gehört dass man im Publicum von dem eigentlichen\nZwecke des Concertes („zum Besten der Messer'schen Kinder\"), den\ndie Ankündigung ohne Zweifel aus zarter, die Sache aber nicht för-\ndernder Rücksicht verschwieg, durchaus nichts gewusst habe und\ndarüber verstimmt gewesen sei, dass man nicht gerade diesen Zweck\nins Auge gefasst habe Ueber Inhalt und Ausführung des Concertes\nhat Referent einzig desshalb geschwiegen, weil er, durch dringende\nBerufsgeschäfte genöthigt, gleich nach den ersten Nummern den Saal\nverlassen musste und kein unvollständiges Referat geben wollte.\nDaher kommt auch der Irrthum in der Angabe der Mozart'schen\nSinfonie war die in C-dur mit der Schlussfuge)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1860-06-16-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1860-06-16_01#c006", "volume": "bmtnabi_1860-06-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "199", "page_fin": "200", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600616-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "199", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600616-01.1.7", "debut_caractere": 5035, "fin_caractere_exclue": 5202, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nISresl&äf. Karl Reinecke hat so eben mit der Gewand-\nhaus-Concert-Unternehmung in Leipzig einen Contract auf sechs\nJahre abgeschlossen."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "200", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600616-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2480, "texte": "Ilarmsladf« Herr Musik- Director Mangold führte in der\nStadtkirche sein neues Oratorium „Abraham\" zum ersten Male auf.\nDer Vorstand des Cäcilien-Vereins in Frankfurt am Main wünscht\nden berühmten Dirigenten an Messels Statt zu gewinnen.\nHassel* Herr Musik-Director Dessoff ist um seine Entlas-\nsving eingekommen, um einem ehrenvollen Kufe an das k. k. Hof-\nOperntheater in Wien Folge leisten zu können.\nISerliii. Die „theoretisch-praktische Harmonielehre von S. W.\nDehn ist bei Schlesinger neu erschienen.\nHamburg. Unsere Oper liegt leider arg darnieder. Schon\nuuter Sachsens Direction war sie miserabel, seit Herr Wollheim das\nStadttheater leitet, ist sie ganz im Verfall, sowohl was Gesanges-\nkräfte, als auch was Programme betrifft. Mozart, Gluck, Beetho-\nven, Weber füllten nur wenige Abende, dagegen wurde „Dinorah*\nbis jetzt 30 Mal gegeben und Offenbach, Halevy, Bellini und An-\ndere standen auf der Tagesordnung. Jetzt verlieren wir auch noch\nFräul. Georgine Schubert, welche Herr General-Musik-Director Gia-\ncomo Meyerbeer zur yDinorahu designirt hatte, an die berliner Oper.\n(D. M.-Z )\nWleai. Herr Director Joseph Herbeck hat von Sr. Majestät\ndem Kaiser von Oesterreich für die Composition des bei der Enthül-\nlungsfeier des Erzherzog-Karl-Monumentes aufgeführten „ Festgesan-\nges * einen die Namenschiffre Sr. Majestät tragenden kostbaren Bril-\nlantring erhalten\nProbatum est. Ein Dorfcantor wollte auch einmal eine Kirchen-\nmusik vor seiner Gemeinde aufführen. Telemann, der bekannte\nfruchtbare Kirchen-Componist in dem benachbarten Gotha, sollte sie\nihm componiren, seine Confratres aus der Nähe sollten zur Ausfüh-\nrung helfen. Telemann kannte den Cantor und die ganze Confrater-\nnität als armselige Schacher und machte Ausflüchte, aber umsonst:\nder Cantor war nicht abzuweisen. Telemann sagte endlich zu und\nversprach, sich selbst mit einigen Bekannten einzufinden. Am Mor-\ngen des Festes stellte sich Telemann zur Probe ein; die Stimmen\nwurden aufgelegt; zum Text hatte Telemann den Spruch gewählt:\n„Wir können nichts wider den Herrn reden14, und ihn als Fuge ge-\nsetzt. Die Fuge begann, und aus allen Kehlen erscholl es um die\nWette: „Wir wir— wir können nichts nichts wider, nichts\nwir können nichts wir können nichts\" bis die ganze Con-\nfraternität durch Telemann's und seiner Gefährten Lachen aus dem\nTraume geweckt wurde. „Das macht sich doch nicht gut, ihr Her-\nren sagte Telemann, gab dem zerknirschten Cantor ein anderes\nkleines Musikstück und empfahl sich."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "193", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600616-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDas siebenunddreissigste niederrbeinische Musikfest. 11. (Schumann's Sinfonie in B-iur Händel's Samson). Beur-\ntheHungen (1. Sechste Messe von VV. E. Ilorak; 2. Graduale von demselben; 3. Theoretisch-praktische Anleitung zur Herstellung eines\nwürdigen Kirchengesanges von Stephan Lück; 4. Sammlung ausgezeichneter Compositionen für die Kirche von demselben; 5. Psalm 137\nvon G. Vicrling Von M. Aus Aachen. Von N Orgelbau in Rheinpreussen. Tages- und Unterhaltungsblatt.\n\nDas siebenunddreissigste niederrheinische Musikfest.\nII.\n(I. s. Nr. 24.)\n[Schumann's Sinfonie in ß- Händel's Samson]\nDas Concert des ersten Tages (den 27. Mai) begann\nmit der Sinfonie Nr. I. in von Robert Schu-\nmann.\nDie Ausführung war genau und schwungvoll, bis zur\nVollkommenheit trefflich in den Saiten-Instrumenten. Wie\nsie diese starke Seite des diesmaligen Fest-Orchesters of-\nfenbarte, so verrieth sie auch die Schwächen mancher\nBlas-Instrumente, z. B. der Hoboen, Fagotte, welche kei-\nneswegs mit dem Geigen-Quartett auf gleicher Höhe\nstanden.\nDas Publicum nahm jeden Satz der Sinfonie mit lau-\ntem Applaus auf; wir müssen der Wahrheit die Ehre ge-\nben und bemerken, dass es das erste Mal war, dass wir\nein Orchesterwerk von Schumann hier am Rheine von dem\nganzen versammelten Publicum mit so lebhaftem Beifalle\ngekrönt sahen. Auch die Sinfonie in D-moll, die auf einem\nfrüheren Musikfeste in Düsseldorf (1853), von Schumann\nselbst dirigirt, grossen Erfolg hatte, fand doch nicht so all-\ngemein entschieden günstige Aufnahme, wie die jetzt auf-\ngeführte. Wir sind weit entfernt, diese günstige Aufnahme\nvorzüglich der vortrefflichen Ausführung zuzuschreiben:\nder innere Werth des Werkes trat nur durch diese so\nhervor, dass er nothwendig zur vollen Anerkennung kom-\nmen musste.\nWer das rheinische Publicum kennt, wird sich über\ndiese Anerkennung, die man eine späte nennen könnte,\nnicht wundern. Es hat zwei charakteristische Eigenschaf-\nten: es ist sehr empfänglich für das Kunstschöne, das ihm\nin Einfachheit und Wahrheit und in vollendeter Form ent-\ngegentritt, aber zugleich so selbstständig und eifersüchtig\nauf sein eigenes Urtheil, dass jede übertriebene Anpreisung.\nzumal wenn sie von einer Colerie ausgeht oder danach\nschmeckt, allein hinreichend ist, um es in die Opposition\nzu treiben. Wenn es z. B. bei der Erscheinung von Schu-\nmann's dritter Sinfonie in Es-dhiess: „Das neue Werk\nSchumann's reiht sich kraft der umfassenden Welt-\nanschauung, die es in sich birgt, den Erscheinungen\nauf dem Gebiete der Tonkunst als geschichtlich not-\nwendiges Glied an und stellt sich somit dem Bedeutend-\nsten, was geleistet worden, ebenbürtig zur Seite. In Beet-\nhoven's Werken der letzten Periode findet es seinen\nAusgangspunkt [also die 111., IV., V., VI., vielleicht\nauch die VII. und VIII. Sinfonie Beethoven's liegen weit\ndahinter!] und bei ihnen zunächst das Verständniss\nseines Inhalts\" [also nur zunächst; das Studium von\nBeethoven's letzten Werken vermag mithin das Verständ-\nniss Schumann's nur erst anzubahnen!!]—so ist so etwas\ngenügend, die vernünftigen Kunstfreunde am Rheine nicht\nbloss zum Lachen zu reizen, sondern es empört sie und\nverschliesst ihr Ohr dem willigen Anhören.\nGegenwärtig wirkt dieselbe Sippschaft durch ihr nega-\ntives Verhalten gegen Schumann bei uns und in vielen Ge-\ngenden Deutschlands für ihn, und zwar aus denselben\nGründen. Sie will das Publicum nämlich, indem sie Schu-\nmann fallen lässt, mit Gewalt in die Hallen führen, die\nKritiker aber gar nicht hineinlassen, in denen sie die Bil-\nder „unserer drei grossen Zukunftsmusiker Ber-\nlioz, Wagner und Liszt\" aufgestellt hat, und von ihnen\nrühmt, „dass sie nie gesonnen waren, bei der Kritik erst\num ein Maturitäts-Zeugniss zu betteln, das sie von Gottes\nGnaden mit auf die Welt brachten und durch Werke,\nnicht durch WTorte bethätigen.\" (N. Leipz. Zeitschr. f.\nMusik, 1858, Nr. 7.) Dadurch erreicht sie gerade das\nGegentheil ihrer Absicht; sie macht alle Welt aufmerksam\nauf den grossen Unterschied zwischen Schumann und den\n„Zukunftsmusikern\"*), und hat eine Reihe von jüngeren\n*) Herr Wagner wird sich auch aus diesem Citate, wie aus"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "194", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600616-01.1.2", "texte": "talentvollen Componisten, die Schumann hoch verehren\nund in gewisser Hinsicht seine Schule bilden, bereits da-\nhin gebracht, sich öffentlich gegen die ihnen zugemuthete\nVerwandtschaft mit den Zukunftsmusikern zu verwahren.\nMehr als lächerlich ist übrigens die Dreistigkeit der Be-\nhauptung in dem citirten Passus, die genannten Zukunfts-\nmusiker bedürften keiner „Worte\", um ihr Genie zu be-\nthätigen, da es sattsam bekannt ist, dass niemals ein Com-\nponist so viel Worte von sich selbst und über seine eige-\nnen Werke gemacht hat, als Wagner und Liszt!\nVon diesen Neologen um jeden Preis kommen wir\ndurch die Aufführung von Händel's Samson an dem-\nselben ersten Festtage auf die Paläologen um Alles in der\nWelt, worunter wir nicht die Verehrer des Alten und Mo-\nnumentalen in der Tonkunst, sondern die Fanatiker für\ndie Werke der Alten, von denen sie auch keine Note mis-\nsen wollen, verstehen, weil sie jeder einzelnen eine Heilig-\nkeit und Unverletzbarkeit beilegen, an die der Meister sel-\nber nicht gedacht hat.\nGegen diese müssen wir uns, wie wir schon oft ge-\nthan, wenn es sich um Aufführungen vor dem gros-\nsen Public um handelt, durchaus erklären, auch wenn\ndiese Aufführungen die Werke der grössten Meister des\nvorigen Jahrhunderts, Bach und Händel, betreffen.\nDie Vorwürfe, welche die eingefleischten Alterthüm-\nler den Aufführungen Händel'scher Oratorien, wie sie ge-\nwöhnlich in Deutschland Statt finden, machen, betreffen\nzwei entgegengesetzte Dinge, Zuthat und Wegnahme.\nJ /\nIn Hinsicht auf Zuthat sind sie im Ganzen nachsichti-\nger und fügsamer, da diese nur die Ergänzung der Instru-\nmentirung betrifft, deren Unentbehrlichkeit sich zu stark\naufdrängt, zumal da wir bis jetzt keine Orgeln in unseren\nConcertsälen haben, und, hätten wir sie, keinen Händel,\nder sie spielte, wie Händel sie sich gedacht. Ausserdem im-\nponirt ihnen auch wohl der Name Mozart, der sich von\njenen Zuthaten nicht trennen lässt. Uebrigens begehen sie\ndurch diese Concession eine grosse Inconsequenz gegen\nihre Grundsätze; denn der Messias von Händel und Mo-\nzart ist ja schon nicht mehr reiner Händel, wie sie ihn\ndurchaus haben wollen. Schon Adam Hill er fühlte bei\nseinen Auilührungen des Messias, in der Domkirche zu\nBerlin den 19. Mai 1786 (300 Mitwirkende) und in der\nUniversitätskirche zu Leipzig 1786 und 1787, das Be-\ndürfniss, die Wirkung des Orchesters durch Oboen, Flö-\nten, Waldhörner und Posaunen zu verstärken. Mozart\nwurde durch van Swieten dazu veranlasst und instrumen-\ntirte Acis und Galathea, die Ode auf den Gäcilientag, das\nAlexanderfest und den Messias.\nAllerdings ist auch gegen diese Mozart'schen Bearbei-\ntungen mancherlei, oft auch nicht mit Unrecht, vorgebracht\nworden; auffallend ist aber, dass gerade die historischen\nAesthetiker der Musik das Verdienst jener Bearbeiter um\ndas Bekanntwerden, die Verbreitung und Anerkennung\nHändel'scher Musik, also um die Geschichte seiner Orato-\nrien in Deutschland, fast gar nicht in Anschlag bringen.\nOhne diese Bearbeitungen wären die Schätze Händel's\nvielleicht noch ein Menschenalter länger begraben geblie-\nben und an eine deutsche Händel-Gesellschaft noch lange\nnicht zu denken gewesen!\nUebrigens ist in Bezug auf diese ganze Frage die Be-\nmerkung 0. Jahn's sehr zu berücksichtigen, „dass der\nhistorische Sinn, welcher ein Kunstwerk nur in der Ge-\ni\nstalt, die ihm der Künstler gegeben hat, anerkannt und\nwiedergegeben wissen will, der Zeit Mozart's fehlte.\"\nHat die jetzige Zeit denn aber diesen Sinn? In Bezug\nauf „Anerkennung\" durch Kritik und gelehrte Analyse\nallerdings; allein auch in Bezug auf „Wiedergabe\", auf\nAusführung vor dem grossen Publicum —ich meine nicht\ndie rohe Menge, sondern das musicalisch gebildete und\nmusikliebende Publicum—, vor dem Publicum, das an die\nInstrumental-Klangfülle Mozart's und Beethoven's gewohnt\nist? Das möchten wir nicht zu behaupten wagen. Auch\nglaubt Jahn selbst nicht daran; denn er schliesst den Ab-\nschnitt, der die Mozart'schen Bearbeitungen Händel's be-\ntrifft, mit folgenden Worten (Th. IV. S. 467):\n„Die philologisch-historische Auffassung, welche die\nBildung unserer Zeit so sehr durchdringt, dass wir unsere\nLiteratur und Kunst ganz vorwiegend von diesem Gesichts-\npunkte aus betrachten [die Gelehrten, ja; das Volk aber\nwahrlich nicht], verlangt, dass der Genuss eines Kunstwer-\nkes auf historischer Einsicht und Würdigung begründet\nsei, und dass dieses ganz so, wie es der Künstler geschaf-\nfen hat, zur Darstellung komme. Dass diese im Princip\nrichtige Forderung bei der Reproduction musicalischer\nKunstwerke manche praktisch nothwendige Einschränkun-\ngen erfährt, ist eben so gewiss, als es zweifelhaft ist,\nwie weit das grosse Publicum, das sich den Anfor-\nderungen der Gebildeten fügen muss, für diese Weise\ndes Geniessens fähig ist; jedenfalls ist sehr zu wün-\nschen, dass nicht die Gelehrten den Ton angeben.\"\nWir gehen noch weiter und fragen, ob es überhaupt\nfür die Kunst und insbesondere für die Tonkunst und ihre\n*\nErzeugnisse wünschenswerth und erspriesslich sei, dass wir\nmit überwiegender historischer Auffassung an die Würdi-\ngung und den Genuss derselben gehen, und sind sehr ge-\nneigt, diese Frage zu verneinen, auf die Gefahr hin, für\n\nvielen wieder überzeugen, dass seine Partei und ihre\nVerfechter diesen Namen, mag ihn nun erfunden haben, wer\nda wolle, gebraucht und dabei sogar den Mund recht voll ge-\nnommen haben."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "195", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600616-01.1.3", "texte": "einen blossen Gefühlsmenschen gehalten zu werden. Das\nhistorische Geniessen erfordert ein Sichzurückversetzen in\neine andere Zeit, in eine andere Gefühls- und Anschau-\nungsweise, mithin eine vorherrschende, beim Geniessen\nstets wachsame Verstandes-Thätigkeit, eine Abstraction.\nDiese ist aber der Gegensatz der Gefühlsthätigkeit, der\nTod jenes überwältigenden Eindrucks der Musik auf das\nmenschliche Herz und Gemüth, gegen den der historisch\nGeniessende geradezu auf seiner Hut sein muss; er bringt\nes nur zum Interesse, während der, der sich rein an das\nKunstwerk, wie es vor ihn hintritt, hingibt, unmittelbar\ndavon ergriffen und begeistert wird.\nDer zweite, gewöhnlich noch stärker betonte Vorwurf\nbetrifft die Auslassungen einzelner Nummern bei den\nAufführungen; nur auf diese, auf die Aufführungen,\nkann sich von der anderen Seite die Widerlegung dessel-\nben beziehen, da es keinem Menschen einfallen wird, bei\nder Herausgabe Händel'scher Oratorien willkürliche\nUnterdrückung einzelner Theile des Ganzen vertheidigen\nzu wollen.\nMan muss aber durchaus die zwei Dinge, Aufführung\nund Herausgabe, unterscheiden. In Bezug auf letztere wird\nNiemand denen das Wort reden, die sich für berechtigt\nhalten sollten, sich bei dem zu begnügen, was man nur\neben einmal hat*). Wir können überhaupt nicht glauben,\ndass es noch Leute gibt, welche wirklich solche Ansichten\nhegten. Gerade weil man endlich auch eine deutsche Aus-\ngabe des vollständigen, sowohl im Allgemeinen als in je-\ndem einzelnen Werke vollständigen, Händel wünscht, hat\nman den Verein zur Gesammt-Ausgabe seiner Werke mit\nFreuden begrüsst, und gewiss würde die ganze musicali-\nsche Welt gegen den Steine aufheben, der sich bei einem\nAbdrucke des bereits Vorhandenen begnügen oder gar ihn\nbefürworten wollte.\nEtwas ganz Anderes ist es mit der Bearbeitung oder,\nrichtiger gesagt, der Einrichtung eines Werkes von Hän-\ndel zur öffentlichen Aufführung. Erlaubt sich eine\nsolche Einrichtung eine Zurechtmachung durch Auslassung\neinzelner Nummern eines Oratoriums und Einschieb ung\nvon Stücken aus einem anderen, wie es wohl schon einmal\ngeschehen (in der Bearbeitung des Jephta), so ist dieses\nallerdings zu verdammen. In einem solchen Verfahren liegt\neine Anmaassung, die unerträglich ist, weil nur Händel\nallein zu solchem Thun berechtigt war. Dass er aber von\ndieser Berechtigung häufig und oft auf sehr auffal-\nlende Weise Gebrauch gemacht hat, ist heutzutage\nkein Geheimniss mehr..Wenn jedoch neuere Bearbeiter sich\nauf diese Thatsache zu ihren Gunsten steifen wollen, so\nist das eben so verwerflich, als wenn die fanatischen Hän-\ndel-Gläubigen Aug' und Ohr dagegen verschliessen und\nsie gänzlich ignoriren.\nMan vergleiche nur z. B. unseren Artikel über das\nOratorium Esther in Nr. 43 des Jahrgangs 1859 dieser\nBlätter, in welchem nach den authentischen Beweisen, die\nJ. Jos. Mai er und F. Chrysander geliefert haben, das\nVerfahren HändePs nachgewiesen ist.\nDass aber schon durch Auslassungen einzelner Nummern\nbei Aufführungen die Händel'schenOratorien eine „furcht-\nbare Verunstaltung\" erleiden sollten, können wir nicht zu-\ngeben. Wir halten vielmehr die Verkürzungen derselben\nfür nothwendig, wenn wir sie unseren Concerten und Mu-\nsikfesten erhalten wollen; nur versteht es sich von selbst,\ndass diese Verkürzungen nach richtigen Grundsätzen aus-\ngeführt werden müssen, d. h. die dramatische Handlung,\nwenn eine solche vorhanden ist, darf dadurch nicht unver-\nständlich und der Haupt-Charakter des Werkes dadurch\nnicht verwischt oder verdunkelt werden. Diejenigen, welche\njedes Oratorium von Händel als einen Bau betrachten, der\neinstürzt, sobald ein Stein daraus hinweggenommen wird,\nwürden Mühe haben, diese Ansicht vor unbefangenen Bich-\ntern auch nur aus einem einzigen derselben zu beweisen.\nSie vergessen gar zu oft, dass Händel Musiker war und\ndass musicalische Rücksichten ihm oft die vorherrschend,\nzuweilen die allein leitenden gewesen sind.\nIm Judas Maccabäus, um nur Ein Beispiel zu geben,\nwiederholt sich die ganze Handlung und die durch sie\nhervorgerufenen Stimmungen und lyrischen Ergüsse. Klage,\nErmuthigung, Sieg bilden den Inhalt vonTheill. und Theil\n11. bis Nr. 7. Mit Nr. 8 {Largo, C-nioll) fängt die ganze\nGeschichte wieder von vorn an: Klage, Ermuthigung, Sieg!\nWenn nun (im ersten Theile) ein Sopran (Andante in A-\nclur) „die goldene Freiheit\" besingt, unmittelbar darauf\nein Tenor (Larghettoin E-dur)„die Freiheit, welche das\nLicht des Tages verschönert\", preis't, und darauf Sopran\nund Tenor in einem Duett (Andantino, A-dur) „die süsse\nFreiheit\" anrufen, wird man dann behaupten wollen, dass\ndurch Ausscheidung einer oder auch zweier von diesen\nNummern das Ganze aus seinen Fugen gerissen und die\nEinheit ganz und gar verletzt werde ?\nWie soll endlich—wenn wir auch mit den Fanatikern\ndurch Dick und Dünn gehen wollten die Authenticität\nder Vollständigkeit festgestellt werden? Welche von den\nbekanntlich unter einander abweichenden und an Zahl der\nNummern in den einzelnen Werken sehr verschiedenen\nAusgaben oder Handschriften soll denn dafür Bürgschaft\ngeben? Haben wir doch sogar für manche Einlagen in\nden Anhängen oder in späteren Abschriften nicht einmal\n[,]\n\n*) Vergl, „Ueber Aufführungen und Bearbeitungen\nHändel'scher Oratorien.\" Niederrh. Musik-Zeitung, 1858,\nNr. 11 und 12, S. 81 ff."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "196", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600616-01.1.4", "texte": "Sicherheit für die Autorschaft Iländel's! Und so könnte es\nleicht kommen, dass die Parteigänger der unantastbaren\nVollständigkeit auf der Aufnahme von Stücken beständen,\ndie \\ielleicht nicht einmal von Händel herrührten.\nUm nun auf Samson im Besonderen zu kommen, so\nhat allerdings die Bearbeitung durch den übrigens wis-\nsenschaftlich und musicalisch gebildeten J. F. von Mosel\netwa sechszehn Nummern, Arien mit Recitativen, ein\nDuett und einen kleinen Chor weggeschnitten, unter ihnen\nmanche, die der Wiederaufnahme vollkommen würdig sind.\nDass aber, wie es in dem oben angezogenen Aufsatze\nheisst, durch deren Auslassung „dem Werke wie geflis-\nsentlich (!) der Kern ausgebrochen\", dass der Samson da-\ndurch „travestirt\"*, dass er in dieser Gestalt „eine Missge-\nburt von Oratorium sei, welche die Zuhörer als normales\nKunstwerk hinnehmen\", ist eine Behauptung, welche\nsich, ihr Motiv mag noch so edel sein, als zelotische Ueber-\ntreibung kennzeichnet und durch die Tausende, die von\ndieser „Missgeburl\" einen tiefen Eindruck empfunden ha-\nben, widerlegt worden ist.\nSamson ist eine wahre Tragödie, und auch die Mosel'-\nsche Bearbeitung hat den Kern der tragischen Handlung\nbewahrt. Zur Charakterisirung des Helden ist allerdings\ndie Wiederherstellung von einigen Recitativen und Arien\ndesselben sehr zweckmässig; desshalb hat F. Hiller für\ndie Aufführung in Düsseldorf im ersten Theile zwei der-\nselben: Recitativ und Arie in C-moll, Largo, 3/4-Tact:\n„Warum verkündete ein Engel mich?\" und die heroische\nArie in B-dur, Ällegro, 4/4-Tact: „Warum schläft Juda's\nGott?\" —im zweiten Theile die Arie in\n'Vö-Tact: „Dein Reiz, er brachte Verderben mir\", als Er-\nwiderung auf die ebenfalls wieder aufgenommene Arie der\nDalila in A-dur, Largdetto,4/4-Tact („Der Taube gleich\",\nTriller-Arie mit Solo-Violine), mit bescheidener Ergänzung\nder hislrumentirung der MoseFschen Partitur eingefügt,\nwas als eine wirkliche Bereicherung derselben und als eine\nVerschönerung zu betrachten ist. Den Auftritt zwischen\nDalila und Samson noch weiter nach der Original-Partitur\nauszudehnen, ist nicht anzurathen; wer fühlt nicht, dass\nnach dem dramatischen Leben, das in ihm herrscht, die\nbetrachtende Arie Samson's: „Heil sei dem Mann, der fand\nein treues Weib o sclt'ner Fund!—sein Lebensweg ist\nsanft\"—und die nüchterne Reflexion des Chores:\n„Der Rathschluss Gottes gab dem Mann,\nDass ihm das Weib sei unterthan.\nSo wird sein Leben sanft verbracht,\nFrei von des Weibes Eigenmacht*4\nden Eindruck des Vorhergehenden nur schwächen muss?\nDie nun folgende Scene, in welcher der Riese von\nGalh, Harapha in der Original-Partitur geheissen, auftritt,\nhat für die Entwicklung der Handlung so gut wie gar\nkeine Redeutung, und da doch einmal Verkürzungen in\nden Händel'schen Oratorien nolhwendig sind (was selbst\nder Verfasser des oben genannten Aufsatzes anerkennt), so\nhat Mosel einen ganz guten Tact bewiesen, als er dieses\nZwischenspiel nicht aufnahm, zumal da die ewig wieder-\nholte Verhöhnung des blinden und gefesselten Helden und\ndie renommistische Prahlhanserei des Riesen den sonst so\nedel gehaltenen tragischen Charakter des Textes geradezu\nentstellen.\nDie Aufführung am ersten Pfingsltage machte einen\nausserordentlichen Eindruck. Sie gehörte aber auch in dem\nbei Weitem überwiegenden Theile zu den besten und glän-\nzendsten, die wir je gehört haben. Frau Bürde-Ney (Da-\nlila) bewährte sich durch den einfachen und tief empfun-\ndenen Vortrag ihrer Partie als eine echte Künstlerin, die\ndurch die Triumphe, die sie auf ihrer theatralischen Lauf-\nbahn feiert, den Sinn für das Einfach-Edle der ernsten\nMusikgattung nicht verloren hat, aber auch im vollen Be-\nsitze der Mittel.ist, die erfordert werden, um sowohl durch\nFülle und Wohlklang der Stimme, als durch gebildeten\nAusdruck diese Musik zu voller Geltung zu bringen.\nFräulein Francisca Schreck (Micah) hat sich bei\nuns längst in dem Rufe einer vortrefflichen Oratoriensän-\ngerin befestigt. Ihre schöne, volle, zwar nicht sehr umfang-\nreiche, aber in allen Tönen egale Stimme von echtem Alt-\nTimbre ist ganz vorzüglich für die oratorischen Partieen\ngeeignet, und die Vortragsweise hat durch richtige Decla-\nmation und Wärme des Gefühls an dramatischem Aus-\ndruck, der jedoch niemals in Affectat 011 übergeht, bedeu-\ntend gewonnen.\nHerr Schnorr von Carolsfeld (Samson) imponirte\ndurch eine volle und kräftige Tenorstimrae von Barilonfär-\nbung, welche ihn besonders befähigte, dem heroischen\nElemente seiner Partie auf glänzende Weise gerecht zu\nwerden. Wenn wir nun noch erwähnen, dass Stockhau-\nsen den Manoah sang, so brauchen wir wohl für nieman-\nden, der diesen Sänger gehört hat, hinzuzufügen, dass\ndiese Solo-Partie dieses Mal so bedeutend hervortrat, wie\nwohl kaum irgendwo bei früheren Aufführungen.\nDer Chor, der im Anfange nicht recht zu voller Drei-\nstigkeit und Zuversicht zu kommen schien, entwickelte nach\nund nach eine herrliche Kraft und prächtigen, frischen\nStimmenklang neben grosser Präcision. Seine Leistungen im\nzweiten und dritten Theile waren gross und schön, ergrei-\nfend und oft im Einklänge mit dem starken Orchester von\nüberwältigender Wirkung. Aber auch das Publicum zeigte\nsich solcher Leistungen würdig, denn fast alle Chöre wurden\nmit anhaltendem, stürmischen Applaus aufgenommen."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "197", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600616-01.1.5", "texte": "Beurtheilungen.\n\n1. Sechste Messe, D-moll, für 4 Singstimmen, 2\nViolinen, Viola, 2 Oboen, 2 Horner, 2 Trompe-\nten, Pauken, Contrabass mit Violoncell und Orgel,\ncomponirt von W. E. Horak, Chor-Director in\nPrag, Ehren-Mitglied des Mozarteums. Breslau,\nLeuekart. 2 Fl.\n2. Gr aduale von demselben mit derselben Besetzung\nlür Tenor-Solo. Preis Ngr.\nEs gibt auf dem Gebiete der katholischen Kirchen-\nmusik gegenwärtig drei Parteien; die Einen wollen aus-\nschliesslich das Mittelalter, die Anderen lieben mehr Mo-\ndernes, die Dritten suchen vermittelnd Beides möglichst zu\nvereinigen. Wem da Hecht zuzuerkennen ist, dürfte schwe-\nrer, als man glaubt, endgültig zu entscheiden sein; die\nZeit wird wohl auch hier läuternd wirken. Bis dahin mö-\ngen die drei Lager friedlich neben einander bestehen. Die\nhier verzeichneten Compositionen zählen zur zweiten Classe;\nSchnabel könnte mit Vorbild gewesen sein; auch in Mo-\nzart's ersten Messen mag der Componist Studien gemacht\nhaben. Die Melodie herrscht durchweg vor; selbst in Chor-\nsätzen führt eine Stimme den Vorsitz und ist maassgebend.\nDie contrapunktischen Verschlingungen scheinen wohl der\nleichteren Fasslichkeit halber ausgeschlossen worden zu\nsein; dass jedoch der Componist in ihnen heimisch ist, be-\nweisen die mitunter eingedochtenen fugenartigen Sätze. Die\nInstrumentation ist einfach und gewählt; die beigegebene,\ngeschickt gearbeitete Directions-Stimme ermöglicht es\neinem geübten Orgelspieler, das Werk auch ohne Instru-\nmente aufzuführen.\n3. Theoretisch - praktisch e Anleitung zur\nHerstellung eines würdigen Kirche nge-\nsanges von Stephan Lück, Dom-Capitular in\nTrier. Zweite Auflage. B. Braun in Trier.\n4. Sammlung ausgezeichneter Compositio-\nnen für die Kirche, herausgegeben von eben-\ndemselben. Ebendort. 2 Bände.\nDiese zwei Werke gehören unbedingt in die erste\nClasse. Das erste, die Anleitung, beschäftigt sich nach\neinem kurzen geschichtlichen Ueberblicke mit den unver-\nmeidlich zu wissenden grammaticalischen Hegeln der Mu-\nsik überhaupt und der Gesangeskunst speciel. Sehr lasslich\nsind da namentlich die Erörterungen über die alten Ton-\narten, deren Entstehung, Charakter und Vortragsweise;\nüberhaupt fehlt kein Terminus von Belang, der nicht er-\nklärt wäre. Die zahlreichen Uebungs-Beispiele ergänzen das\ntheoretisch Vorgetragene; es ist kein Zweifel, dass diejeni-\ngen, welche den Lehrgang des Büchleins genau befolgen,\ngrossen Nutzen daraus ziehen werden. Ueberflüssig ist die\nBemerkung, dass der Verfasser die zahlreichen Vorurtheile\nund Bedenken, welche gegen die alte Musik erhoben wer-\nden, nicht theilt; er wünscht sogar, dass in den Schulen\nmit der Vorbereitung derselben begonnen werde. In der\nThat ist wenig zu hoffen, wenn die Gesangkräfte nicht\nschon früh dazu vorgebildet werden.\nDieser seiner Ueberzeugung gab der Verfasser that-\nsächlichen Ausdruck in dem sub Nr. 4 verzeichneten\nSammelwerke, dessen erster Band 15 Missae und 1 Re-\nquiem, dessen zweiter 80 Motetten enthält. Die Namen\nder Verfasser entheben aller weiteren Kritik; man beges-\n-7 o O\nnet dort Lotti, Galuppi, Casini, Bernabei, Canniciari, Cal-\ndara, Casali, Casziolini, Palestrina, Händel, Lasso, Viltoria,\nMenegali, Allegri, Perti, Martini, Berchem, Anerio, Vechi,\nCroce, Viadana, Colonna, Pitoni, Calegari, Pisari, Cifra,\nPrenner, Foggia, Giorgi, Nanini, Palota, Willaert, Maren-\nzio, Tamburini, Soriano u. s. w. Es ist somit die ganze\nZeit der classischen Kirchenmusik vertreten; es finden sich\nauch leichter verständliche Compositionen, deren Auffüh-\nrung auch den kleinsten Chören möglich ist. Unter den\nMissen ist die berühmte Papae unter den Mo-\ntetten stehen Psalmen, Magnificaßesponsorien für die\nCharwoche, marianische Antiphonen,\nDeum. Die Notirung ist modern, die Tonhöhe der Zeit\nangepasst, selbst die Tactart oft verändert (?); ferner ist\ndie Bewegung näher bestimmt und dem lateinischen Texte\neine deutsche Uebersetzung beigefügt. Selbstverständlich\nD O o\nmüssen die Werke ohne Orgel gesungen werden. Das\nGanze ist wohlfeil und handsam.\n5. Psalm 137 für Chor, Solo und Orchester\nvon Georg'Vierling. Op. 22. Partitur 2 Thlr.\nOrchesterstimmen 2 Thlr. Clavier-Auszug 1 Thlr.\nBreslau, Leuekart.\nDas Höchste in jedem Kunstzweige gehört der Reli-\ngion ; die religiöse Kunstschöpfung soll demnach auch das\nEdelste und Grösste im Menschen in Anspruch nehmen.\nDass die Componisten, ich meine die von der Gottheit da-\nzu Geweihten, derselben Ueberzeugung waren, beweis'l\nder hohe Ernst, mit dem sie an religiöse Tonwerke ge-\ngangen; und wenn das Werk zuweilen hinter dem Willen\nund der Er kenntniss zurückbiieb, so fehlte eben die künst-\nlerische Durchtielüng oder der moralische Kern. Was ist\nnun nach diesen Grundsätzen, die allerdings streng sind,\nwie es das kirchliche Gebiet erheischt, von Vierling zu\nhalten? Meine Meinung beruht auf der gründlichen Durch-\nsicht des vorstehenden Werkes allein, kann sich also nur\nauf dieses beschränken. Die Composition des Psalmes 137\naber hat mich lebhaft befriedigt; es bekundet sich der\nComponist als höchst gewandt in der Handhabung der\ncontrapunktischen Formen, von der einfachsten Imitation"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "198", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600616-01.1.6", "texte": "an bis zur complicirtesten Fuge. Belege dafür sind der\nerste und der letzte Satz. Einige Unklarheiten, veranlasst\ndurch zu häufige, oder besser gesagt: zu lange forttönende\nDurchgangs-Noten, dürften durch sehr präcisen Vortrag\naller Stimmen ausgeglichen werden; gleichwohl wird der\nComponist wohl daran thun, solche Herbheiten, die leicht\nvermeidbar sind, zu umgehen; es kann dadurch die Ein-\nbürgerung seiner Werke nur gewinnen. Die Musikwerke\nwerden zuletzt doch für das Publicum geschaffen; dieses\nhat daher auch wohl ein Recht, zu verlangen, dass das,\nwas ihm geboten wird, verständlich und seinem Ohr und\nGemüth wohlthuend sei. Dass der Componist der Tenor-\nstimme einen Solo-Vortrag gab, kann nicht getadelt wer-\nden; es steht die individuelle Auffassung der Psalmverse\ndem Künstler jedenfalls frei, und es ist für dieselben ein\nBeweis ihres universalen Charakters, dass trotz der ihnen\ninnewohnenden unverrückbaren Basis gleichwohl Jeder sie\nseinen Gefühlen und seiner Anschauung anpassen kann.\nDas Recitativ ist wundersam schön und ausgezeichnet in-\nstrumentirt; die Worte sind psychologisch ganz richtig er-\nfasst und demgemäss in Töne umgesetzt und verschiedenen\nRhythmen angepasst. Vielleicht findet ein überstrenger\nKritiker sie zu dramatisch und menschlich leidenschaftlich\ngemalt; aber wer kann die Gränze genau bezeichnen? und\nist nicht die ergreifende Scene eine durchweg dramatische\nim reinsten Sinne dieses Wortes? Der Componist denkt sich\nden Führer oder Hohenpriester des israelitischen Volkes,\nzurückerinnernd seine Zuhörer an die Knechtung und den\nHohn, den die Väter erfahren. Wie schön und leicht er-\nklärt sich dann die Auffassung des Ganzen! Vierlingist\nauf dem besten Wege; der religiösen Kunst wird er, wenn\ner nicht ermüdet in seinem ernsten, freilich wenig lohnen-\nden Streben, noch viele schöne Kunstblüthen heranreifen\nlassen. Uebrigens theilt Vierling, was ich nur nebenher er-\nwähnen will, mit Gott wald und Ulrich zugleich das Ver-\ndienst des geistreichsten Arrangements classischer Meister-\nwerke, z. B. von Mozart's und Haydn's Sinfonieen für Cia-\nvier und Violine und der Clavier-Concerte des ersteren für\nvier Hände. Mag vielleicht der Musikgelehrte solchen Ar-\nbeiten weniger Dank wissen, als die darauf verwandte\nMühe und die dazu erforderlichen Kenntnisse ansprechen\nkönnen, so wird doch durch solche Arrangements die Ein-\nbürgerung dieser unverwelklichen Kunstblüthen in die Fa-\nmilien erleichtert, und ist der Besserung des nicht wenig\ngesunkenen Geschmackes sicher mehr damit gedient, als\ndurch tausend Potpourris und Divertissements aus Opern\nund dergleichen.\n\nM.\n\nAus Aachen.\n\nDen 9. Juni 1860.\nUnsere Concert-Saison hat Sonntag den 3. Juni auf\neine glänzende Weise mit der Aufführung von J. Haydn's\n„Schöpfung\" geschlossen. Das herrliche Werk hat sei-\nnen alten Zauber auf das ausserordentlich zahlreiche Pu-\nblicum geübt, welches das schöne, neu restaurirte und\nprächtig erleuchtete Theater-Local füllte. Unser Chor hat\ndarin wiederum seinen Ruf auf tapfere Weise bewährt,\nund ihn überhaupt im ganzen Verlaufe des Winters, der\nseine Tüchtigkeit und seinen Eifer auf harte Proben stellte,\nimmer mehr befestigt. Die Chöre wurden in Präcision,\nSchwung und Ausdruck vortrefflich ausgeführt, von unse-\nrem Musik-Director Wüllner mit gewohntem Geschick\ngeleitet, und durch das richtige Maasshalten in den Tempi\nwurde ihnen der Charakter von Glanz und Majestät, den\nder Altmeister hineingelegt hat, vollständig bewahrt.\nDie Soli waren in den Händen von Frau Catharina\nN., geb. D., Ihrer früheren Mitbürgerin, und den Herren\nGöbbeis, Hill und Ackens. Frau N., welche die grosse\nGefälligkeit hatte, die schwierige Aufgabe der Durchfüh-\nrung beider Sopran-Partieen, des Gabriel und der Eva,\nzu übernehmen, hat einen Triumph gefeiert, wie wir ihn\nin unserem Theater nur selten erlebt haben. Wenn schon\nin den beiden ersten Theilen des Werkes das Publicum\nvon ihrem süssen und lieblichen Gesänge entzückt war, so\nhaben doch der innige Ausdruck und die hinreissende\nWahrheit des Gefühls in dem dritten Theile die Zuhörer\ndermaassen enthusiasmirt, dass sie kaum wussten, wie warm\nsie die Bewunderung für die Sängerin und die Dankbar-\nkeit für diesen wiederholten Beweis der Gefälligkeit an\nden Tag legen sollten, den Frau N. ihren neuen Mitbür-\ngern gegeben, deren Sympathieen sie sich ganz und gar\nerobert hat. Herr Göbbels gab uns in der Partie des\nUriel das volle Maass seines schönen Talentes, und wenn\nwir einen vortrefflichen Vortrag der Arie: „Mit Würd'\nund Hoheit angethan\", erwarteten, so müssen wir sagen,\ndass diese Erwartung nicht nur vollständig gerechtfertigt\nwurde, sondern dass dieser Erfolg keineswegs denjenigen\nbeeinträchtigte, den er durch den heroischen Vortrag der\nArie: „Nun schwanden vor dem heil'gen Strahle\", errang.\nHerr Ackens hat Frau N. in der von ihm übernom-\nmenen Partie des Adam ganz vortrefflich unterstützt.\nDie Fortschritte, welche Herr Hill von Frankfurt seit\nseiner letzten Mitwirkung in unseren Concerten gemacht\nhat, sind sehr bedeutend. Seine Stimme hat nicht nur an\nFülle gewonnen, sie ist auch edler geworden. Sein Vor-\ntrag der Partie des Raphael hat einen Grad von Vorzüg-\nlichkeit erreicht, der ihm einen ehrenvollen Platz unter den"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "199", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600616-01.1.7", "texte": "Oratoriensängern unserer Zeit sichert. Das Publicum hat\nihn mit lebhafter Theilnahme angehört und ihm stürmi-\nschen Applaus gespendet.\nDa sich unsere musicalischen Zustände bedeutend he-\nben und vervollkommnen, so ist es um so erfreulicher, dass\nunser Gemeinderath in richtiger Erkenritniss des\nGrundsatzes, dass die Begünstigung der geisti-\ngen Bestrebungen auch stets dem materiellen\nWohle einer Stadt zu Nutz und Frommen gerei-\nche, den Bau eines neuen, grossen Concertsaales be-\nschlössen hat.\n\nN.\n\nOrgelbau in Rheinpreussen.\nWährend es in Köln von der Aufstellung einer wür-\ndigen Orgel im grossen Saale des Gürzenich, als Schluss-\nstein und Hauptzierde des prächtigen Baues, wieder ganz\nstill ist, Elberfeld sich mit der Ausfüllung des Orgel-\nGehäuses in seinem schönen neuen Concertsaale keines-\nwegs zu beeilen scheint, ist in Barmen dem Hause\nAdolph Ibach Söhne bereits der Auftrag zur Aufstel-\nlung einer sechszehnfüssigen Orgel mit drei Ma-\nnualen und Pedal, 44 Stimmen im Ganzen, in dem\nConcertsaale des Gesellschafts-Vereins „Concordia\" ertheilt\nworden. Das ist sehr ehrenwerth und sehr erfreulich für\ndie Kunst, da es in letzterer Hinsicht einen Fortschritt be-\ndeutet, der einem bisher sehr auffallenden Mangel in\nDeutschland abhilft. Denn ist es nicht zu bedauern, dass\nunsere Concertsäle nicht die Möglichkeit bieten, Leistun-\ngen auf dem prachtvollsten Instrumente, das die Menschen\nerfunden haben, und das in den neuesten Zeiten so ausser-\nordentlich vervollkommnet worden ist, darbieten zu kön-\nnen? Man weiss, was für Hemmnisse und Umstände den\nOrgel-Concerten in Kirchen entgegenstehen, und es liegt\nauch in der Natur der Sache, dass nur ausnahmsweise die\nKirche zu rein musicalischen Zwecken zumal gegen ein\nbestimmtes Eintrittsgeld—hergegeben werden kann. Somit\ngeht denn die ganze reichhaltige Orgel-Literatur, welche\ndie grössten Meister von Bach und Händel an so herrlich\nausgestattet haben und die so viel musicalische Tiefe\nenthält, wie kaum eine andere Musik-Gattung, für die\ngrösseren Kreise der Tonkunslfreunde fast verloren. In\nDeutschland gibt es gar viele Organisten, die zuwei-\nlen Präludien und Fugen, Orgel-Sonaten, Trio's u. s. w,\neinsam in ihrer Kirche sich selbst oder zwei bis drei Mu-\nsikern oder Orgelfreunden vorspielen—wenn sie, wohlge-\nmerkt! auch dazu erst die Erlaubniss der vorgesetzten\nkirchlichen Behörden an Wochentagen oder an Sonntagen\nausser der Kirchzeit erlangen. So muss man es denn sehr\nanerkennen, dass endlich eine Stadt den Beschluss fasst,\neine Orgel auch in ihrem Concertsaale aufzustellen,\nwas in den Musiksälen in England seit langen Jahren über-\nall geschehen ist und bei jedem Neubau immer prächtiger\ngeschieht.\nDie Concert-Orgel in Barmen ist die hundertste,\nwelche aus der Werkstatt der Firma Adolph Ibach\nSöhne hervorgeht. Von 1826 —1836 lieferte sie neun,\nvon 1837 —lB4O drei, von 1842 —1845 dreizehn,\nvon 1846 —lB5O achtzehn, von 1851 1855 zwan-\nzig, von 1856 —lB6O siebenunddreissig orgeln,\nworaus man das ausserordentlich fortschreitende Gedeihen\nder Anstalt ersieht. Darunter sind Werke von 32 Stim-\nmen (Elberfeld, lutherische Kirche—Abtei Werden), von\n35 (Düsseldorf, Lambertus-Kirche), 48 (Schwelm, luthe-\nrische Kirche), 54 (Trier, Basilica), 53 (Barmen, evange-\nlische Kirche), 77 (Valencia in Spanien, Metropolitankirche),\n30 (Gürzenich, katholische Kirche), 30 (Köln, neue evan-\ngelische Kirche), 44 (Barmen, im Concertsaale). Der eine\nder Herren Gebrüder Ibach ist gegenwärtig noch in Spa-\nnien mit Aufstellung mehrerer Orgelwerke aus ihrer\nWerkstatt beschäftigt, während ein Dutzend Instrumente\nin den letzten zwei Jahren nach der Havannah gegangen\nsind.\n« ,• . ■ i ; .\nFrankfurt am Main, den 5. Juni 1860.\nDer Referent nn, der sich bewusst ist, stets nach bestem\nWissen der Wahrheit die Ehre zu geben, bemerkt erläuternd zu sei-\nnem Referate in Nr. 23 über das Concert des Theaters »zum An-\ndenken an Messer\", dass er keinen Augenblick bezweifelt, dass der\nTheater-Vorstand bei der Wahl des Tages von der besten Absicht\ngeleitet war und eines günstigen Resultates sicher zu sein glaubte.\nDass er mit den Vorständen der Vereine, die unter Messer's Leitung\ngestanden, lange vorher communicirt und sie um möglichste Verbrei-\ntung dessen, was man beabsichtigte, gebeten hatte, ist dem Referen-\nten unbekannt gewesen. Auch hat dieser erst jetzt von verschiede-\nnen Seiten gehört dass man im Publicum von dem eigentlichen\nZwecke des Concertes („zum Besten der Messer'schen Kinder\"), den\ndie Ankündigung ohne Zweifel aus zarter, die Sache aber nicht för-\ndernder Rücksicht verschwieg, durchaus nichts gewusst habe und\ndarüber verstimmt gewesen sei, dass man nicht gerade diesen Zweck\nins Auge gefasst habe Ueber Inhalt und Ausführung des Concertes\nhat Referent einzig desshalb geschwiegen, weil er, durch dringende\nBerufsgeschäfte genöthigt, gleich nach den ersten Nummern den Saal\nverlassen musste und kein unvollständiges Referat geben wollte.\nDaher kommt auch der Irrthum in der Angabe der Mozart'schen\nSinfonie war die in C-dur mit der Schlussfuge).\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nISresl&äf. Karl Reinecke hat so eben mit der Gewand-\nhaus-Concert-Unternehmung in Leipzig einen Contract auf sechs\nJahre abgeschlossen."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "200", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18600616-01.1.8", "texte": "Ilarmsladf« Herr Musik- Director Mangold führte in der\nStadtkirche sein neues Oratorium „Abraham\" zum ersten Male auf.\nDer Vorstand des Cäcilien-Vereins in Frankfurt am Main wünscht\nden berühmten Dirigenten an Messels Statt zu gewinnen.\nHassel* Herr Musik-Director Dessoff ist um seine Entlas-\nsving eingekommen, um einem ehrenvollen Kufe an das k. k. Hof-\nOperntheater in Wien Folge leisten zu können.\nISerliii. Die „theoretisch-praktische Harmonielehre von S. W.\nDehn ist bei Schlesinger neu erschienen.\nHamburg. Unsere Oper liegt leider arg darnieder. Schon\nuuter Sachsens Direction war sie miserabel, seit Herr Wollheim das\nStadttheater leitet, ist sie ganz im Verfall, sowohl was Gesanges-\nkräfte, als auch was Programme betrifft. Mozart, Gluck, Beetho-\nven, Weber füllten nur wenige Abende, dagegen wurde „Dinorah*\nbis jetzt 30 Mal gegeben und Offenbach, Halevy, Bellini und An-\ndere standen auf der Tagesordnung. Jetzt verlieren wir auch noch\nFräul. Georgine Schubert, welche Herr General-Musik-Director Gia-\ncomo Meyerbeer zur yDinorahu designirt hatte, an die berliner Oper.\n(D. M.-Z )\nWleai. Herr Director Joseph Herbeck hat von Sr. Majestät\ndem Kaiser von Oesterreich für die Composition des bei der Enthül-\nlungsfeier des Erzherzog-Karl-Monumentes aufgeführten „ Festgesan-\nges * einen die Namenschiffre Sr. Majestät tragenden kostbaren Bril-\nlantring erhalten\nProbatum est. Ein Dorfcantor wollte auch einmal eine Kirchen-\nmusik vor seiner Gemeinde aufführen. Telemann, der bekannte\nfruchtbare Kirchen-Componist in dem benachbarten Gotha, sollte sie\nihm componiren, seine Confratres aus der Nähe sollten zur Ausfüh-\nrung helfen. Telemann kannte den Cantor und die ganze Confrater-\nnität als armselige Schacher und machte Ausflüchte, aber umsonst:\nder Cantor war nicht abzuweisen. Telemann sagte endlich zu und\nversprach, sich selbst mit einigen Bekannten einzufinden. Am Mor-\ngen des Festes stellte sich Telemann zur Probe ein; die Stimmen\nwurden aufgelegt; zum Text hatte Telemann den Spruch gewählt:\n„Wir können nichts wider den Herrn reden14, und ihn als Fuge ge-\nsetzt. Die Fuge begann, und aus allen Kehlen erscholl es um die\nWette: „Wir wir— wir können nichts nichts wider, nichts\nwir können nichts wir können nichts\" bis die ganze Con-\nfraternität durch Telemann's und seiner Gefährten Lachen aus dem\nTraume geweckt wurde. „Das macht sich doch nicht gut, ihr Her-\nren sagte Telemann, gab dem zerknirschten Cantor ein anderes\nkleines Musikstück und empfahl sich."}]}